Donnerstag, 1. März 2007

Ist er tatsächlich so doof?

Die US-Regierung hegt die Absicht, den Iran mit Atomwaffen anzugreifen. Daniel Ellsberg fordert Beamte und Militärs auf, ihr Schweigen endlich zu brechen und ihr Wissen offen zu legen, um Menschenleben zu retten.
Zum Artikel in der Frankfurter Rundschau auf der Seite von Konstantin Wecker

Den betreffenden Artikel in Publik-Forum wollte ich zuerst nicht veröffentlichen, da er mir einfach zu absurd erschien. Ich dachte: Er ist zwar doof, aber doch nicht so doof (damit meine ich weder Bruce noch Daniel sondern wieder mal George). Es könnte aber sein, daß er tatsächlich so doof ist. Auch, wenn wir nochmal drumherumkommen sollten: Es ist wahrscheinlich das letzte Mal, daß Daniel Ellsberg, der große Mann des amerikanischen investigativen Journalismus (Stichwort: Watergate, da merke ich mal wieder, daß ich alt werde) sich an die breite Öffentlichkeit wendet und wir das hier im Alten Europa mitkriegen.

Worüber in Amerika zu diskutieren sein wird, wenn die verfügbaren Kinder in den Brunnen gefallen sind, ist, wieso die Medien auf dermaßen erschreckende Art und Weise versagt haben. Ein ganz wichtiges Argument für unseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Es kann einfach nicht sein, daß da hunderttausende gegen den Krieg auf die Straße gehen und keiner kriegt’s mit.

Und falls es inzwischen vergessen wurde: Wenn es nach unserer leisetretend regierenden Angie, die sich auf Gerds Lorbeeren ausruht, gegangen wäre, würden unsere Soldaten heute nicht nur in Afghanistan sondern auch im Irak stehen. Na Leute, was wird Angie tun, wenn die Amis im Iran Atomwaffen schmeißen? Wollen wir ihm noch ein paar Flugplätze zur Verfügung stellen, damit er seine Bomber von hier aus starten kann? Oder nehmen wir dann die hier lebenden Iraner in Schutzhaft, um sichergehen zu können, daß die nicht irgenwelche terroristischen Racheakte planen? Das wäre natürlich unfair, wenn die den Nuklearangriff einer demokratisch gewählten Regierung mit Terrorakten gegen unbeteiligte Zivilisten beantworten würden. Wo kämen wir da hin?

Und jetzt schreibt dieser doofe Klar in seinem Grußwort an die Rosa-Luxemburg-Konferenz, man müsse »die in Europa ökonomisch gerade abstürzenden großen Gesellschaftsbereiche den chauvinistischen ›Rettern‹ entreißen.« Wenn das nicht aggressiv ist! So jemanden kann man ja gar nicht begnadigen. Die Zeit meint: »Christian Klar hätte besser schweigen sollen.« Stimmt, der Kerl redet sich um Kopf und Kragen. Deshalb macht ja auch keiner der an der Planung des Atomschlags beteiligten amerikanischen Offiziere den Mund auf. Würde ja die Karriere kosten. Es lebe die Zivilcourage! Kostet ja nur ein paar tausend Menschenleben. Das sollten uns Demokratie und Meinungsfreiheit schließlich wert sein. Und wenn dann die Meeresspiegel steigen, haben wir bestimmt schon wieder ein paar Legislaturperioden hinter uns, und alle waren sowieso schon immer dagegen. Schade, Georg Schramm, der beim Scheibenwischer nicht mehr dabei ist (jetzt macht er mit Urban Priol »Neues aus der Anstalt«), hätte es bestimmt besser ausgedrückt. Einer, der sich ab und zu auch gut ausdrückt, ist Denny Crane (aus der Serie Boston Legal, gespielt von dem recht füllig gewordenen William Shatner). In der letzten Folge »Halloween« (Originaltitel: »Witches of Mass destruction«) sagte er: »Man sollte uns Republikaner nicht unterschätzen. Wir stehen zu unseren Überzeugungen, auch wenn sie sich als tödlicher Irrtum erweisen.«


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