Samstag, 23. Februar 2008

Finanzkrise – erst der Anfang

Die durch das Platzen der US-Immobilienblase ausgelöste Finanzkrise befindet sich erst in ihrem Anfangsstadium, da sich die Welle an Zwangsvollstreckungen, platzenden Hypotheken und verfaulenden Wertpapieren gerade erst aufbaut. Die Einschätzung von Finanzminister Peer Steinbrück, im Zuge der Krise komme auf die Finanzbranche ein »Abschreibungsbedarf« von 400 Milliarden US-Dollar zu, hält Thomasz Konicz in dem Artikel »Unsichere Versicherer« vom 22.2.08 bei Telepolis für möglicherweise zu optimistisch, da die Hypothekenkrise nämlich bereits die normalen Hypotheken erfaßt.

Der Artikel ist zugegebenermaßen schwer zu lesen, aber er zeigt deutlich auf, daß äußerst komplizierte Sachverhalte, die kein normaler Mensch mehr versteht, den Boden, auf dem wir stehen, beeinflussen. Es ist so, als ob wir auf einer Eisscholle schwimmen auf der feste und verläßliche Regeln herrschen, auf deren Einhaltung auch geachtet wird, diese Eisscholle aber auf einem Wasser schwimmt, in der diese Regeln nicht mehr gelten. Und schlimmer noch: die Haifische in diesem Wasser verdienen am Abschaffen dieser Regeln.

Beispiel Bankenaufsicht: Natürlich hat es niemand gern, wenn er beaufsichtigt wird. Aber diese Aufsicht dient dem Gemeinwohl. Jemand sollte mir mal erklären, was die Gemeinschaft davon hat, daß es sogenannte Hedgefonds gibt, die keiner Bankenaufsicht unterliegen. Und wenn man gegen diese Knülche schon nichts tun kann, weil sie sich irgendwo auf einer Insel hinter einer Briefkastenfirma verschanzen, kann man den Handel mit diesen zwielichtigen Gestalten verbieten.

Kreditversicherer, die bei einer Gesamtversicherungssumme von 2,3 Billionen US-Dollar durchweg über einen lächerlichen Eigenkapitalanteil von weniger als einem Prozent verfügen, das ist schlicht ein Unding …

Links:

Stellungnahme des Bundesfinanzministeriums

Rudolf Hickel, Finanzbullen statt Heuschrecken (Blätter für deutsche und internationale Politik 6/05)

Dirk Schrader, Turbokapitalismus (www.kritische-tiermedizin.de)

Der Tenor aus der Finanzwelt kritisiert weiterhin mangelnde Liberalität und die zu starken Restriktionen, die in den Entwürfen zur anstehenden Novellierung des Gesetzes zu finden sind und beklagen das Abwandern der Kapitalanleger in andere Länder. Und hier sind wir wieder beim Selbstausbeutungsmechanismus der Globalisierung: Trotz eines Gewinnzuwachses von 65% von Nokia Deutschland wandert Nokia nach Rumänien. Wenn es dort zu teuer wird, gehen sie weiter nach Osten. Ein deutscher Komiker meinte, bei der Entwicklung müßten wir eigentlich nur lange genug durchhalten.

Ich habe mal einen Bericht gesehen über ein blühendes Fischfanggebiet (Ich weiß nicht mehr, ob in den USA, Kanada oder Skandinavien, ist aber auch egal). Wenn sich die Fischer nur etwas beschränkt hätten, könnte man dort heute noch fischen. Aber nix, leergefischt, alles tot: Fische, ganze Dörfer, Schluß. Und das passiert mit unserer Wirtschaft, wenn man ihr keine Regeln auferlegt. Und genau das passiert mit der geplatzten Immobilienblase in den USA. Wir haben nix mit zu tun, aber über ein paar Ecken (nicht nur über verkaufte Immobilienkredite) schwappt der Kram zu uns rüber.

Da machen ein paar Zocker ganz viel kaputt, wer mag die dran hindern? Unsere Finanzwelt stiert hypnotisiert auf die Formel I der Knete und bejammert, daß sie nicht so mitmachen darf, wie sie möchte. Leute, ich hätte auch gern mehr Geld, aber doch nicht um den Preis, daß wir den Ast absägen, auf dem wir sitzen.

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