Mittwoch, 7. Januar 2015

Michel Houellebecqs Vision: Wenn sich Frankreich dem Islam unterwirft; kreativer Tabubruch - oder einfach nur rassistisch?

Der dekadente Westen im Niedergang: In Michel Houellebecqs neuem Roman "Unterwerfung" wird Frankreich von einem islamischen Präsidenten und seiner Muslimbruderschaft beherrscht. Kreativer Tabubruch - oder einfach nur rassistisch?

Wir schreiben das Frühjahr 2022: Frankreich befindet sich im Griff der regierenden "Islamischen Bruderschaft". Der Sozialist François Hollande ist nach seiner zweiten Amtszeit nicht mehr angetreten, rechte und linke Volksparteien haben sich mit der muslimischen Partei gegen den Vormarsch der Front-National-Chefin Marine Le Pen verbündet und den Präsidenten Mohamed Ben Abbès in den Elysée befördert. Jetzt stellt der charismatische Führer die säkulare Republik auf den Kopf, installiert islamische Bildung, Scharia und Vielweiberei.

So Michel Houellebecqs Entwurf einer nahen Zukunft. Ab Mittwoch liegt er mit einer Startauflage von 150.000 Exemplaren in Frankreichs Buchläden aus, am 17. Januar erscheint die deutschsprachige Übersetzung. Schon zuvor hat das Werk für Polemik gesorgt - Wirbel und Werbung zugleich für den sechsten Roman des Autors, der seit dem Erscheinen seines ersten Bestsellers ("Elementarteilchen") stets für publizistische Provokationen gut war.

mehr:
- Michel Houellebecqs Vision: Wenn sich Frankreich dem Islam unterwirft (Stefan Simons, SPIEGEL, 06.01.2015)

mein Kommentar: 

Ich freue mich immer wieder diebisch. wenn unsere etablierten Geschichtsdeuter angesichts bestimmter Ereignisse mit ihren Schubladen ins Schleudern geraten.
Genauso, wie ich mich in den 70ern gefreut habe, wenn irgendwelche Hippies auf einer griechischen Insel ihrer Freikörper-Kultur zu frönen versuchten und dann von Dorbewohnern verprügelt wurden. Die Tatsache, daß ich in einem Land lebe, das homosexuelle Politiker aushält, bedeutet nicht, daß ich selbst als Person weiter fortgeschritten bin als Menschen irgendwo anders auf der Welt. Und selbst wenn: Diese Tatsache enthebt mich noch lange nicht der Pflicht zum respektvollen Umgang mit meiner Umgebung. Selbstgerechtigkeit ist überall ein Übel!

siehe auch:

- Sex und Kapitalismus (Thomas Assheuer, ZEIT, 15.04.1999)
- Michel Houellebecqs Rede – Der Geist steht nicht mehr links (Alexander Kissler, Cicero, 29.09.2016)

aktualisiert am 23.10.2016

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