Samstag, 9. Juli 2016

Chilcot-Bericht zum Irakkrieg: Ein Kriegsverbrechen des britischen und amerikanischen Imperialismus – Was lernen wir daraus?

Am Mittwoch wurde der Bericht der Chilcot-Untersuchung zur Rolle der britischen Regierung bei der US-Invasion im Irak vorgelegt. Er zeigt klar, dass der Krieg illegal war und fällt ein vernichtendes Urteil über die britischen und amerikanischen Kriegsverbrecher, die ihn organisiert und geführt haben.

Sieben Jahre lang hat die Kommission unter Leitung von Sir John Chilcot die Umstände und Hintergründe des Irakkriegs untersucht. Das Ergebnis ist ein 2,6 Millionen Worte starker Bericht in dreizehn Bänden, der die Entscheidungen der britischen Regierung, des Militärs und der Geheimdienste von 2001 bis 2009 umfasst. Die Untersuchungskommission kann von sich aus keine juristischen Sanktionen verhängen, denn die Labour-Regierung unter Gordon Brown, die den Auftrag dazu erteilte, schloss ein Urteil über Legalität oder Illegalität der Invasion ausdrücklich aus.

Nichtsdestoweniger liefert der Untersuchungsbericht eindeutige Beweise dafür, dass die Verantwortlichen das Blut von Hunderttausenden, wenn nicht Millionen Menschen an den Händen haben.

Das trifft nicht nur auf den damaligen Labour-Premierminister Tony Blair zu. Dieser fungierte in Großbritannien als Oberlügner für die Invasion und daher nimmt er eine prominente Rolle in dem Bericht ein. Doch dieser belastet natürlich auch die wichtigsten Kriegs-Architekten in den Vereinigten Staaten schwer: Ex-Präsident George W. Bush, Vizepräsident Dick Cheney, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und andere. Auch die voraussichtliche Präsidentschaftskandidatin der Demokratischen Partei, Hillary Clinton, hat den Krieg unterstützt.

Persönliche Zeugenaussagen, vertrauliche Dokumente und private Memos bestätigen, dass Blair die bewusste Entscheidung traf, einen amerikanischen Krieg gegen den Irak zu unterstützen, der spätestens seit Anfang 2002 vorbereitet wurde. Gleichzeitig wurde in der Öffentlichkeit so getan, als ob es solche Pläne gar nicht gebe.

Die Invasion begann am 20. März 2003, bevor „alle friedlichen Mittel zur Entwaffnung“ ausgeschöpft waren, stellt Chilcot fest. Sein vernichtendes Verdikt dazu lautet: „Militärisches Vorgehen war damals nicht das letzte Mittel.“

mehr:
- Chilcot-Bericht zum Irakkrieg: Ein Kriegsverbrechen des britischen und amerikanischen Imperialismus (Julie Hyland, World socialist Web Site, 08.07.2016)

siehe auch:

- Chilcot-Bericht Blair zu Bush: "Ich stehe an deiner Seite, was auch immer geschieht" (Markus C. Schule von Drach, Süddeutsche Zeitung, 06.07.2016)
- Untersuchungsbericht zum Irakkrieg: Britischer Einmarsch war voreilig (heb/cht, SPON, 06.07.2016)
- Mit nach unten gezogen (Folly Toynbee, der Freitag, 06.07.2016)
Zitat:
Wenn Chilcot uns unmissverständlich eine Lektion erteilt, dann diese: Wir sollten nie wieder jemandem an der Spitze widerspruchslos folgen. Aber das ist nur ein Nebenschauplatz angesichts der weltweiten Nachwirkungen des Irakkriegs.

Chilcot inquiry slams Blair for Iraq war [3:35]


Veröffentlicht am 06.07.2016
An official inquiry found Britain's decision to invade Iraq was based on flawed intelligence and had been launched before diplomatic options were exhausted. CNN's Phil Black reports.

Chilcot inquiry: the report and the regrets [7:39]

Veröffentlicht am 04.07.2016

13 years after Iraq: Tensions rising high over Chilcot Inquiry [3:37]

Veröffentlicht am 08.07.2016
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This week tragedy his Dallas as sniper fire rained down on police officers at a Black Lives Matter protest killing five officers and wounding seven others. In the UK the Chilcot inquiry released their findings on the British role in the 2003 invasion of Iraq, and the conservative party narrowed down their race for succession. France beat Germany against all odds and earned their ticket to the Euro 2016 final.

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Emotional Tony Blair responds to Iraq Chilcot Inquiry [47:34]

Veröffentlicht am 06.07.2016
Tony Blair at times apparently close to tears sets out why he acted as he did in authorising war. He accepts mistakes were made, understands some of the families may not be able to forgive him, but feels his action prevented things from becoming far worse.

mein Kommentar:
Was lernen wir daraus?
Anfang August 1964 gibt es den angeblichen Tonking-Zwischenfall, 
[Vor 48 Jahren: Die Tonkin-Resolution läutet den Vietnamkrieg ein, Post, 04.07.2016]
wenige Tage später gibt es eine Kongress-Resolution, dieser folgt der Vietnam-Krieg, und einige Jahre später findet eine Untersuchungskommission heraus, daß der Eintritt in den Vietnamkrieg nicht gerechtfertigt war.

1990 gibt es die für zehn Millionen US-Dollar von der US-Werbeagentur Hill & Knowlton erfundene Brutkastenlüge,

[Das Gebaren einer Großmacht im Niedergang, Post, 04.02.2008] 
dieser folgt der Zweite Golfkrieg mit schätzungsweise 200.000 Toten 
[Quelle: Zweiter Golfkrieg: Saddams Blitzkrieg, Thilo Kößler, Deutschlandfunk, 02.08.2015]
zwei Jahre nach Kriegsbeginn stellt sich heraus, daß die Geschichte eine Lüge war.
Was lernten wir daraus?

Ende der 90er Jahre gibt es die angeblichen Massenmorde im ehemaligen Jugoslawien, 

[Frieden muss gestiftet werden – Europas Sündenfall: der Kosovo-Krieg, Post, 24.11.2014]
über 30 Werbeagenturen verdienen ihr Geld damit, die Serben als die nächste braune Brut dastehen zu lassen. Dann beginnt 1998 der Kosovo-Krieg – inklusive der Bombardierung des Gebäudes des serbischen Fernsehsenders RTS in der Nacht zum 23. April 1999 (der Chefredakteur Dragoljub Milanović ist immer noch in Haft) –, der Schriftsteller Peter Handke [Peter Handke, Serbien-Kontroverse, Wikipedia] ist inzwischen in Deutschland ein Paria, und dann kommt irgendwann raus, daß es die Massenmorde so nie gegeben hat.
Was lernen wir daraus?

Dann gibt es Saddam Husseins angebliche Massenvernichtungswaffen 

[Saddam Hussein, Der Irak-Krieg, Wikipedia]
dann gibt es am 5. Februar 2003 eine Schmierenkomödie vor der UN-Vollversammlung, 
[Remarks to the United Nations Security Council, Secretary Colin L. Powell, WebArchive.org, 05.02.2003]
dann eine »Koalition der Willigen«, dann den Irak-Krieg, und einige Jahre später findet eine Untersuchungskommission heraus, daß der Eintritt in den Irak-Krieg nicht gerechtfertigt war.
Was lernen wir daraus?

Dann wird mit demokratischen Mitteln – und unter Zuhilfenahme mehrerer Milliarden US-Dollar 

[Victoria Nuland's Admits Washington Has Spent $5 Billion to "Subvert Ukraine", Youtube]
– im Februar 2014 ein Umsturz in der Ukraine angezettelt, nachdem es Gerangel um ein EU-Assoziierungsabkommen gegeben hat, 
[Ukraine-Krise: Unsere offiziellen Rußland-Versteher konnten es angeblich nicht kommen sehen!, Post, 09.12.2014]
die Krim wird »annektiert«, die Ostukraine wird von der Zentralregierung militärisch angegriffen, MH-17 medienwirksam vom Himmel geholt, Putin für jeden umgefallenen Sack Reis verantwortlich gemacht, und die NATO ist gezwungen, zur Verteidigung ihrer Werte (welcher?) Soldaten in Steinwurfweite Russlands zu stationieren.
Und alle deutschen Intellektuellen halten den Mund!
Was lernen wir daraus? 
Was lernen die Russen daraus?

siehe auch:

 Der Kosovo-Krieg in den Medien - Analyse einer globalen Diskursordnung (Birgitta Höijer, Stig Arne Nohrstedt, Rune Ottosen, conflict & communication online, Vol 1 Nr. 2 2002)
Konstruktion von Medienrealität im Kosovo-Krieg (Elvi Claßen, Medienanalyse, Ausgabe 7/1999, Themenhaft Kosovo-Krieg)
- US-Medien und der Irak-Krieg: Die Kriegstrommler (Photostrecke, SPON, 19.03.2013)
- 10 Jahre danach: Der Irak-Krieg 2003 und das (Medien-) Schlachtfeld II (Karl H. Stingeder, Medienimpulse, 3/2013)
- Zur Medienschuld am Syrien-Krieg (Hartmut Beyerl, Politik im Spiegel, 06.05.2013)
- Medien: intellektuelle Korrumpierbarkeit in Konfliktzeiten (Post, 06.02.2016)
richtig wohltuend, der Kommentar von Eric Margolis:
- Send Our War Criminals To The Hague Court (Eric Margolis auf seinem Blog, 09.07.2016)

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