Sonntag, 26. Mai 2019

Niggemeier – Martenstein: Zum Miteinander-Reden gehört auch Aneinander-Vorbei-Reden

Herr Martenstein, Sie haben mal geklagt, dass Sie sich von mir verfolgt fühlen. Dann haben Sie Anfang dieses Jahres fast um meine Aufmerksamkeit gebettelt: Ich hätte jetzt schon seit einem Jahr nichts mehr über Sie geschrieben.
Ich war echt enttäuscht. Ich habe das als ein Match empfunden, und da macht sich der andere einfach vom Spielfeld! Sie heben ja immer darauf ab, wie schlecht ich recherchiere, wie viele Fehler ich angeblich mache. Und da habe ich bei Ihnen einen Fehler gesehen und dachte: Ach, guck mal an. Unfehlbar ist der auch nicht. Sie hatten geschrieben, dass der Begriff „Nacht der langen Messer“ ein Nazi-Ausdruck sei. Und es war sogar für mich nicht wahnsinnig schwer zu recherchieren, dass diese Formulierung schon zu Zeiten von Hermann dem Cherusker verwendet wurde. „Nacht der langen Messer“ wurde in unendlich vielen Kontexten verwendet. Es ist nicht wirklich ein Nazi-Ausdruck.
Naja, die „Nacht der langen Messer“ hat in Deutschland schon einen sehr klaren Bezugspunkt, und ich fand es einfach so absurd, wie gedankenlos Journalisten und Politiker diesen Begriff verwendet haben.
Aber es kommt doch immer auf den Kontext an. Wenn ich „Eintopfsonntag“ sage, gebe ich mich damit nicht als Anhänger rechtsradikalen Gedankengutes zu erkennen. Wahrscheinlich wissen die meisten Leute gar nicht, wo das herkommt.
Sie kamen jedenfalls zu dem Ergebnis, dass ich eine „Landplage“ bin.
Sie sind eine Landplage. Und ich bin, Moment, jetzt muss ich meinen Zettel rausholen, „mitleiderregend“, „dummstolz“ und natürlich, dies als die Krönung, ein „weißer, heterosexueller, alter Mann“. Da habe ich mich gefragt: Woher will denn der Niggemeier wissen, ob ich heterosexuell bin? Ich kenne diesen Kollegen kaum.
mehr:
- „Man sollte mit der Verteidigung der Freiheit nicht warten, bis es keine mehr gibt“ (Interview Stefan Niggemeier „ZEIT“-Kolumnist Harald Martenstein, Über Medien, 03.07.2018)

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