Samstag, 23. März 2019

Kosovo 1999: Der Holocaust als Rechtfertigung für einen Angriffskrieg

Vor 20 Jahren begann der Kosovo-Krieg: Von Ursachen, Hintergründen und Folgen eines bis heute kaum aufgearbeiteten Ereignisses

Vom 24. März 1999 an bombardierte die NATO 78 Tage lang Jugoslawien, bis es im Juni die Stationierung westlicher Soldaten in seiner Krisenprovinz Kosovo akzeptierte. Begründet wurde der Luftkrieg damit, den Albanern im Kosovo gegen die Unterdrückung durch Serbien zu helfen. Weil aber keine Ermächtigung durch den UN-Sicherheitsrat vorlag (Russland und China unterstützten zwar Sanktionen, drohten aber im Kriegsfall mit einem Veto), argumentierte man damit, einen drohenden Völkermord zu verhindern.

Von einem "neuen Auschwitz" (so der damalige deutsche Außenminister Joseph "Joschka" Fischer) konnte allerdings keine Rede sein (Konstruktion von Medienrealität im Kosovo-Krieg). UNO-Generalsekretär Kofi Annan etwa stellte fest, dass Serben und Albaner gleichermaßen die Verantwortung für den jahrelangen politischen Konflikt, der ab 1998 zum Bürgerkrieg eskaliert war, trügen. Er rief zu einer politischen Lösung auf, die aber von allen – Konfliktparteien - Serbien, UÇK und NATO – ignoriert wurde.

Während das Transatlantische Bündnis jegliche Verantwortung für die Eskalation dem "neuen Hitler" Slobodan Milošević zuschrieb, verhinderten die Luftangriffe indes nicht, dass Hunderttausende vor serbischen Vertreibungen und westlichen Bomben flohen. Die NATO wiederum beschloss im April 1999 anlässlich ihres 50. Geburtstags, zukünftig weltweit zugunsten von unterdrückten Völkern einzugreifen. Was die einen als Schritt zur globalen Friedenssicherung begrüßten, kritisierten andere als Verwandlung eines Verteidigungs- in ein Angriffsbündnis und somit als Schritt Richtung neuer Angriffskriege.

Als Begründung für den Völkerrechtsbruch wurde im Fall Kosovo dezidiert die Geschichte des 20. Jahrhunderts bemüht. Die richtigen Lehren aus der Shoa, aus dem Massenmord der Nationalsozialisten an den europäischen Juden, zu ziehen, bedeute, so die einen, jeden "potentiellen Holocaust" bereits im Ansatz militärisch zu verhindern. Die anderen wiederum bekrittelten, dass damit der historische Holocaust seiner Einzigartigkeit beraubt werde, indem er mit zahllosen Bürgerkriegsereignissen weltweit gleichgesetzt werde. Zudem, so der Einwand der Friedensforschung, könne das Menschenrechtsargument nahezu beliebig verwendet werden, um über ökonomische, strategische und geopolitische Interessen der NATO-Mitglieder hinwegzutäuschen

mehr:
- 1999: Der Holocaust als Rechtfertigung für einen Angriffskrieg (Kurt Gritsch, Telepolis, 23.03.2019)
siehe auch:
Kosovo-Krieg: Türöffner für weltweites militärisches Eingreifen (Kurt Gritsch, Telepolis, 09.04.2019)
"Testfall für die Rolle der NATO in Europa nach dem Ende des Kalten Kriegs" (Kurt Gritsch, Telepolis, 17.03.2019)
Der Kosovo-Krieg: Eine gesteuerte Debatte (asansörpress35, Freitag-Community, 04.02.2018)

Zugfahrt mit Folgen: Serbien stoppt Bahn Richtung Kosovo {1:20}

euronews (deutsch)
Am 14.01.2017 veröffentlicht 
Die Fahrt eines serbischen Zuges in den Norden des Kosovo hat für Irritationen zwischen Belgrad und Pristina gesorgt. Der Personenzug hatte eine zuletzt vor fast 20 Jahren bediente Verbindung wiederaufnehmen sollen.
Serbien: Kosovo will Streit
Aleksandr Vucic, der serbische Ministerpräsident, gab am Samstag an, seine Regierung sei gezwungen gewesen, die Bahn noch auf serbischem Gebiet zu stoppen. Die Schuld sah er auf kosovarischer Seite: "Die Behörden des Kosovo hatten bewaffnete Einheiten…
LESEN SIE MEHR: http://de.euronews.com/2017/01/15/zug…
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Kosovo - unabhängig und gespalten | DW Deutsch {5:00}

DW Deutsch
Am 15.02.2018 veröffentlicht 
Zehn Jahre nach der Unabhängigkeit schüren ethnische Albaner und Serben den Konflikt im Kosovo. Serbische Nationalisten fordern lautstark die Abspaltung und den Anschluss an Serbien. Besonders tief sind die Gräben in der Stadt Mitrovica.
Mehr zum Thema unter: http://p.dw.com/p/2r9U5

Kurt Gritsch: Der Kosovo-Krieg - Eine gesteuerte Debatte {35:42}

weltnetzTV
Am 13.02.2018 veröffentlicht
Der Kosovo-Krieg: eine gesteuerte Debatte, Dr. Kurt Gritsch (Institut für Zeitgeschichte Innsbruck)
Vom 26.-28.01.2018 fand die IALANA Medientagung in Kassel statt. 350 interessierte BesucherInnen nahmen Teil und folgten aufmerksam dem dichten und hochinteressanten Programmteilen mit vielen äußerst informativen Referaten kompetenter Gäste. Es ging um das Thema „Krieg und Frieden in den Medien“ und die Frage: Kann man ein Leitbild „Friedensjournalismus“, der Wahrheit verpflichtete und deeskalierende Berichterstattung etablieren? Anlass für die Tagung war nicht zuletzt auch die unumstößliche Tatsache, dass das Vertrauen in die Berichterstattung der deutschen Medien zweifelsohne nachgelassen hat.
Auf der Tagung sprachen bzw. diskutierten u.a. Daniela Dahn (Journalistin und Autorin), Max Uthoff (Kabarettist u.a. Die Anstalt und Jurist), Dr. Sabine Schiffer (Institut für Medienverantwortung), Prof. Dr. Günther Rager (TU Dortmund), Maren Müller (Ständige Publikumskonferenz öffentlich-rechtliche Medien e.V.), Markus Fiedler (Lehrer, Autor u.a. von „Die dunkle Seite der Wikipedia“), Prof. Dr. Ulrich Teusch (Autor), Dr. Kurt Gritsch (Institut für Zeitgeschichte Innsbruck), Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz (ehem. ARD), Albrecht Müller (Herausgeber der NachDenkSeiten), Dr. Uwe Krüger (Universität Leipzig), Ekkehard Sieker (u.a. Team Die Anstalt), Prof. Dr. Jörg Becker (Politikwissenschaftler), Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer (ehem. ARD und NDR; Programmbeschwerden), Jens Berger (Redakteur NachDenkSeiten), Pascal Luig (Chefredakteur WeltnetzTV), Jens Wernicke (RUBIKON)) Dr. Ute Finkh-Krämer ((EX-MdB), Reiner Braun (Co-Präsident IPB) und Tilman Wörtz (Peace Counts). Einen musikalischen Höhepunkt setzte zum Abschluss des zweiten Tagungstages Konstantin Wecker mit einem Konzert für die TeilnehmerInnen.
Weltnetz.tv hat an der Medientagung teilgenommen und die einzelnen Beiträge aufgenommen.
Schau dir unser Programm an:
https://weltnetz.tv


Der Kosovo-Konflikt: Weshalb er bis heute nicht gelöst ist {6:16}

NZZ Neue Zürcher Zeitung
Am 07.02.2018 veröffentlicht
20 Jahre sind seit dem Kosovokrieg vergangen, seit 10 Jahren ist das Land unabhängig. Doch der Konflikt zwischen Kosovo und Serbien ist noch immer nicht gelöst. Warum ist das so?

Dr. Kurt Gritsch - Medienpropaganda und Lügen der Politik ebneten den Weg in die Jugoslawienkriege {1:42:37}

NuitDebout Munich
Am 18.06.2018 veröffentlicht
Die Kriege in Jugoslawien zwischen 1991 und 1999 und ihre Folgen
17. Mai 2018
Eggenfelden
Der NATO-Film aus dem Vortrag kann unter ‚Weiterführende Links‘ (unten) auf dieser Internetseite angesehen werden:
https://www.bmvg.de/de/themen/frieden…
Oder unter diesem direkten Link:
https://www.bundeswehr.de/portal/a/bw…
(Video: Enhanced Forward Presence – Bedeutung und Strategie der Battlegroups, Rukla, Litauen, 10.07.2017, 17E22501)
Der promovierte Zeithistoriker Kurt Gritsch geht in seinem Vortrag der Frage nach den Folgen der Kriege im ehemaligen Jugoslawien nach. Er untersucht Ursachen, beleuchtet alternative Möglichkeiten und fragt nach den Bedingungen für eine ökonomische Entwicklung und damit dauerhaften Frieden am Westbalkan.
Dr. Kurt Gritsch (* 1976) ist Historiker und Konfliktforscher. Seine Forschungsschwerpunkte sind Zeitgeschichte, Konfliktforschung, Medien und Rezeptionsgeschichte. Er ist Autor von Büchern und Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und Magazinen, u. a. zum Jugoslawien-Krieg, zum Kosovo-Konflikt zu den arabischen Revolutionen und zum Ukraine-Konflikt.
Katholische Erwachsenenbildung Rottal-Inn-Salzach, IPPNW http://www.keb-ris.de
Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung https://www.ippnw.de
Deutschlands Weg in den Kosovo-Krieg - Es begann mit einer Lüge (WDR)
https://www.youtube.com/watch?v=ZtkQY…


Armenhaus Kosovo: Trotz Milliardenhilfe kein Fortschritt {10:28 – Start bei 3:55}

NEA Berlin
Am 18.03.2015 veröffentlicht
Trotz verschärfter Grenzkontrollen suchen immer noch täglich über hundert Kosovaren ihr Heil in der Flucht nach Deutschland. Sie fliehen vor Arbeitslosigkeit und Korruption. Die einstigen Schutzmächte versprachen einst Aufbauhilfe für die Wirtschaft und den Rechtsstaat. Doch bei den Menschen ist davon nicht viel angekommen.
Weiter: http://www.rbb-online.de/kontraste/ar…

siehe dazu auch:
- Der Schnee von gestern ist die Sintflut von heute: Die Einheit - eine Abrechnung (Daniela Dahn, veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Oktober 2019)

Kosovo: enterbte Frauen | Fokus Europa {4:49}

DW Deutsch
Am 08.04.2015 veröffentlicht
Frauen wird im Kosovo häufig das Erbe verweigert. "Grundbesitz gehört nur dem Mann", heißt es im Kanun, dem albanischen Gewohnheitsrecht aus dem Mittelalter. Jetzt streiten immer mehr Frauen vor Gericht um ihr Erbe.
Mehr Fokus Europa: http://www.dw.de/programm/fokus-europ…


aktualisiert am 17.10.2019

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