Donnerstag, 23. April 2020

Coronahypnose Tag 84: Gleichschaltung oder Nachplappern?

Grosse Medien verschweigen, dass sie sich bei Covid-19-Zahlen auf intransparente Daten stützen. Das hat die NZZ aufgedeckt.


Diesmal geht es um die Zahlen und Anteile der Corona-Erkrankten, die wieder gesund wurden. Viele Medien stützen sich dabei auf Zahlen der privaten Johns-Hopkins-Universität in den USA oder auf das deutsche Robert Koch-Institut. Zeitungen des Tamedia-Konzerns wie «Tages-Anzeiger» oder «Der Bund» veröffentlichen eigene Berechnungen.

Die NZZ hat heute Donnerstag aufgedeckt, dass alle diese Quellen eines gemeinsam haben: Sie geben der Öffentlichkeit nicht bekannt, wie genau sie zu ihren Zahlen der Genesenen kommen. «Geheimniskrämerei statt Transparenz» kritisiert die NZZ. Tatsächlich stützen sich Behörden und Wissenschaftler bei ihren Einschätzungen der Pandemie-Entwicklung unter anderem auch auf die Zahlen der Genesenen.

Von seriösen Medien wäre deshalb zu erwarten, dass sie bei der Weiterverbreitung der Genesenen-Zahlen darauf aufmerksam machen und darüber informieren, dass über das Zustandekommen dieser Zahlen keine Transparenz herrscht und sie weder nachgeprüft noch mit anderen Quellen verglichen werden können.

Die Recherchen der NZZ

In Deutschland verbreiten die meisten Medien die Zahlen des Robert Koch-Instituts RKI weiter. Doch das RKI wollte die genaue Berechnungsmethode und deren wissenschaftliche Grundlage der NZZ nicht bekanntgeben. Die NZZ erhielt nur Angaben über die «grobe Vorgehensweise». RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher zur NZZ: «Formeln können wir hier nicht anbieten». Das macht es anderen Wissenschaftlern unmöglich, Methodik und Datengrundlage des RKI zu überprüfen, einzuschätzen und falls nötig zu verbessern.

Für Zahlen aus der Schweiz stütze sich die Johns-Hopkins-Universität nach deren Angaben auf Zahlen des Online-Dashboards der Tamedia-Zeitungen. Zuerst habe das Dashboard seine Berechnungsformel online veröffentlicht, dann aber wieder entfernt, bemängelt die NZZ. Auf Anfrage der NZZ meinten die Tamedia-Verantwortlichen, man gehe von folgenden Annahmen aus: 80 Prozent der Corona-Infizierten seien leichte Fälle, die nach zwölf Tagen wieder gesund seien. Die restlichen 20 Prozent seien schwere Fälle, die nach drei Wochen wieder gesund seien. So berechne Tamedia dann das Total der Genesenen. Diese rudimentären und gewagten Annahmen machen die Tamedia-Zeitungen ihrer Leserschaft nicht (mehr) transparent.

mehr:
- Corona: NZZ deckt das Nachplappern anderer Medien auf (Urs.P.Gasche, Info-Sperber, 23.04.2020 – Hervorhebungen von mir)
siehe auch:
„PR-hörig und regierungslammfromm berichtet“ (Antje Hildebrandt, Interview mit Stefan Russ-Mohl, Cidero, 23.04.2020)
- Coronahypnose Tag 74: Das bereitliegende Drehbuch (Post, 13.04.2020)
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