Dienstag, 11. August 2020

Corona – Der nächste Rettungsschirm: Kabarett – Florian Schroeder, der Dozent auf der Bühne


Der Kabarettist Florian Schroeder hatte einen Auftritt bei Corona-Skeptikern. Was der Vorgang und die Medienreaktionen über das Kabarett, die Presselandschaft und die Debattenkultur aussagt. Von Tobias Riegel.

Der Kabarettist Florian Schroeder wurde am Wochenende – irrtümlich – auf eine Demo von Kritikern der Corona-Politik eingeladen. Dort hat er die Linie der Regierung und die vieler großer Medien verteidigt – leidenschaftlich, moralisierend und mit wenig satirischer Distanz. Man könnte den Auftritt Schroeders also als eine weitere Episode einer bekannten Entwicklung abtun: Wieder ein Kabarettist, der eine dominante und täglich in den großen Medien verbreitete Sichtweise nochmals verstärkt. Schwer zu akzeptieren ist aber die rebellische Pose, die sich der Comedian nun selber andichtet und in der er von zahlreichen Medien bestärkt wird. Darum soll hier auf den Vorgang genauer eingegangen werden.

Schroeders Publikumsbeschimpfung

Den ganzen Auftritt kann man unter diesem Link ansehen. Die ersten Minuten denkt man noch, Schroeder könnte tatsächlich eine interessante Gratwanderung abliefern. Zumindest am Anfang liegt noch eine unterhaltsame Spannung im eloquent gespielten Bühnencharakter von Schroeder – zumindest, wenn man weiß, dass irgendwann die Selbstenttarnung folgen muss. Doch diese Spannung verfliegt vollends in dem Moment, in dem er die Rolle des Kabarettisten ablegt und die Rolle des belehrenden Moralapostels anlegt. Dadurch, dass er keine satirische Distanz mehr einnimmt, sondern in eine moralisch-pädagogische Predigt einstimmt, wird der Auftritt nicht nur uninteressant, er wird beleidigend.

Dazu gehört etwa eine Passage, in der er das Publikum indirekt als Wegbereiter für ein „neues 1933“ beschimpft: „Die, die glauben, Corona sei eine Erfindung, werden die sein, die die Wirtschaftskrise auslösen, von der die Populisten alle profitieren werden.“ An dieser Feststellung ist vieles falsch. Zum einen werden damit alle Fehler und Überreaktionen der Corona-Politik einzelnen „unverantwortlichen“ Bürgern in die Schuhe geschoben. Gleichzeitig wird die „nächste Wirtschaftskrise“ fälschlich als alleinige Folge „von Corona“ dargestellt. Dadurch wird in einem Nebensatz die fehlgeleitete neoliberale Politik der vergangenen Jahre nicht den verantwortlichen Politikern und Redakteuren angelastet, sondern ebenfalls einzelnen Bürgern. Dass er später anfügt: „Ich beleidige euch nicht. Ich stelle mich hierhin und rede mit euch“, ist nicht hilfreich. Vor allem, weil Schroeder hier nicht mit den Bürgern reden will, sondern von der Bühne herab doziert.

mehr:
- Corona: Kabarett als Schutzschirm für Regierungskurs (Tobias Riegel, NachDenkSeiten, 11.08.2020)
siehe auch:
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