Freitag, 21. März 2014

Der Ukraine-Konflikt 2 – Über unterschiedliche Meßlatten und die Verwendung von Sprache am Beispiel der Homosexuellen-Gesetzgebung in Deutschland und des israelisch-palästinensischen Konflikts

Wie wird mit Sprache Realität hergestellt?
Eigentlich ist die Frage schon verkehrt: Sprache beschreibt die Realität, sie stellt keine Realität her!
Oder doch?

Steinmeier schreit Gegner bei Demo nieder [2:01]
DIE WELT (20.05.2014) betitelt dieses Video »Steinmeier schreit Gegner nieder«
Bemerkung von mir: Ich habe nicht den Eindruck, daß er seine Gegner niederschreit. Und es freut mich, wenn ein Politiker mal ärgerlich wird.

Frage eines systemischen Psychotherapeuten: Wer erzählt die Geschichte wie? … und warum? (und wozu?)

Nehmen wir den Paragraphen 175 Strafgesetzbuch. (Als Homosexualität noch strafbar war: "§175 StGB - Unzucht zwischen Männern" bei juraforum.de)

Homosexualität in 50 Jahren "Bravo" (Science Slam Köln) [10:59]

Veröffentlicht am 25.02.2014
Wie wurden Schwule und Lesben in den vergangenen Jahrzehnten in der "Bravo" dargestellt? Erwin In Het Panuis hat sich durch Hunderte "Bravo"-Hefte gelesen. In seinem Slam zeigt er wie Homosexualität in den 60ern thematisiert wurde und was sich heute am Diskurs geändert hat. 

(Science Slam Köln, Bogen 2, 19.02. 2014)

Im Wikipedia-Artikel über den § 175 StGB steht zu lesen: Fünf Jahre später rechtfertigte 1962 der unter Konrad Adenauer vorgelegte Regierungsentwurf eines Strafgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland[19] – entgegen dem Vorschlag der Großen Strafrechtskommission von 1959 (wo Vertreter von CDU/CSU selten anwesend waren)[20] – die Aufrechterhaltung des § 175 wie folgt:
„Vor allem stände auch für die Homosexuellen nichts im Wege, ihre nähere Umgebung durch Zusammenleben in eheähnlichen Verhältnissen zu belästigen.[21] […] Ausgeprägter als in anderen Bereichen hat die Rechtsordnung gegenüber der männlichen Homosexualität die Aufgabe, durch die sittenbildende Kraft des Strafgesetzes einen Damm gegen die Ausbreitung eines lasterhaften Treibens zu errichten, das, wenn es um sich griffe, eine schwere Gefahr für eine gesunde und natürliche Lebensordnung im Volke bedeuten würde.“[22]
und meinte weiterhin:
„Die von interessierten Kreisen in den letzten Jahrzehnten wiederholt aufgestellte Behauptung, dass es sich bei dem gleichgeschlechtlichen Verkehr um einen natürlichen und deshalb nicht anstößigen Trieb handele, kann nur als Zweckbehauptung zurückgewiesen werden. […] Wo die gleichgeschlechtliche Unzucht um sich gegriffen und großen Umfang angenommen hat, war die Entartung des Volkes und der Verfall seiner sittlichen Kraft die Folge.“[23]


Jetzt die nächste Frage:
Welche Realität bildet sich in der Verwendung von Sprache ab?


Aus dem Wikipedia-Artikel über Karikatur (von lateinisch carrus ‚Karren‘, also: Überladung, und italienisch caricare ‚überladen‘, ‚übertreiben‘):
Die Karikatur übertreibt bewusst, spitzt zu und verzerrt charakteristische Züge eines Ereignisses oder einer Person, um durch den aufgezeigten Kontrast zur Realität und die dargestellten Widersprüche den Betrachter der Karikatur zum Nachdenken zu bewegen. Oftmals nimmt die Karikatur zu einem aktuellen Sachverhalt sarkastisch-ironisch Stellung.


Aus dem Wikipedia-Artikel über Satire:
Als Realsatire bezeichnet man einen Vorgang, der bereits bei neutraler, objektiver Beobachtung oder Beschreibung satirisch wirkt.


Der 7. Sinn Achtung Frauen am Steuer [1:54]
   

Hochgeladen am 16.05.2006
Uralte Episode

Wenn man etwas tiefer in die Materie eindringt, könnte man zwischen einer äußeren und einer inneren Realität unterscheiden.
Man könnte, wenn man sich die obigen Zitate über Homosexualität unter dem Aspekt der Realitäts-Abbildung ansieht, überlegen, inwieweit in diesen Zitaten eine innere oder eine äußere Realität (und welche) ausgedrückt wird.
Man könnte, wenn man sich diese Zitate unter dem Aspekt der Realitäts-Herstellung ansieht, überlegen, inwieweit deren Verwendung eine äußere oder auch eine innere Realität schafft.

Wenn man sich der Frage nach der Realitäts-Abbildung von einer anderen Seite her nähert, könnte man den Begriff der gesellschaftlichen Realität verwenden und sich überlegen, inwieweit in den obigen Zitaten eine gesellschaftliche Realität abgebildet und inwieweit sie hergestellt wird. Es dürfte sicher sein, daß sowohl das Eine (also das Abbilden einer gesellschaftlichen Realität) wie auch das Andere (heißt das Schaffen einer gesellschaftlichen Realität) am Wirken ist und daß es da eine Wechselwirkung zwischen Abbildung und Herstellung gibt. Man kann sich auch überlegen, wie diese Wechselwirkung beschaffen ist. (Tip eines Psychotherapeuten: das hat sowohl mit Ängsten als auch mit Interessen zu tun.)



Titelseite des Führers der in München am 19. Juli 1937 eröffneten Ausstellung
[gefunden im Guggenheim-Museum]

„Entartete Kunst“ war während der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland der offiziell propagierte Begriff für mit rassentheoretischen Begründungen diffamierte Moderne Kunst. Der Begriff Entartung wurde Ende des 19. Jahrhunderts von der Medizin auf die Kunst übertragen.
Als „Entartete Kunst“ galten im NS-Regime alle Kunstwerke und kulturellen Strömungen, die mit dem Kunstverständnis und dem Schönheitsideal der Nationalsozialisten nicht in Einklang zu bringen waren: Expressionismus, Dadaismus, Neue Sachlichkeit, Surrealismus, Kubismus oder Fauvismus.



gefunden bei germanhistorydocs

Fragen des Psychotherapeuten: Was ist die Angst, was ist das Interesse?


Liebesleben in den 60er & 70er Jahren [9:19]

Veröffentlicht am 31.08.2012
Eine Zeitreise durch "Probleme" die es heute so nicht mehr gibt...




Propaganda bezeichnet einen absichtlichen und systematischen Versuch, Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten erwünschten Reaktion zu steuern.[1] Der Begriff „Propaganda“ wird vor allem in politischen Zusammenhängen benutzt; in wirtschaftlichen spricht man eher von „Werbung“, in religiösen von „Missionierung“.
Nicht jedes politisch werbende Handeln ist Propaganda; z. B. werden Sichtweisen auch unbeabsichtigt durch erfahrene Wohltaten oder beobachtete Verdienste geformt. Propaganda im eigentlichen Sinne ist demgegenüber eine eigens zur Beeinflussung, Manipulation und Herrschaftssicherung eingesetzte Werbetechnik.
Entscheidend ist dabei die geschickte Auswahl und gegebenenfalls die Manipulation der Nachricht und nicht ihr Wahrheitscharakter. Durch die Monopolisierung der Propaganda in diktatorischen Regimen, insbesondere des Nationalsozialismus und Stalinismus, erhielt der Terminus einen stark pejorativen Charakter. Als Folge verwendet z. B. keine der demokratischen Parteien der Bundesrepublik Deutschland für ihre Werbemaßnahmen heute noch die Bezeichnung Propaganda.[2] Dennoch ist die gezielt einseitige Darstellung von Informationen eine gängige Praxis, auch in Demokratien. Auf Grund seiner negativen Konnotation ist der Begriff Propaganda weitgehend dem der Öffentlichkeitsarbeit (oder dem englischen Public Relations) gewichen.[3]



Sowohl die Homosexuellen-Zitate wie auch die abgebildeten Ausstellungskataloge vermögen heute nur noch Kopfschütteln hervorzurufen und werden von vielen als Realsatire empfunden. 
Damals waren sie Ausdruck eines weitverbreiteten Wertekanons. Werte schaffen Identität und vermitteln so psychische Sicherheit und Stabilität. Gemeinsame Werte schaffen und festigen eine Gruppen-Identität. Eine Gruppen-Identität läßt sich leichter über einen gemeinsamen äußeren Feind als über das Finden gemeinsamer Werte herstellen.


Kerry redet Klartext
Das Drama auf der Krim lässt fast vergessen, dass es auch in anderen Regionen gefährlich brodelt. Bedrückendes Beispiel: die stockenden Friedensgespräche in Nahost. Am Montag hatte Barack Obama in Washington zwar Palästinenserpräsident Mahmud Abbas für sein Engagement geradezu überschwänglich gelobt. Tatsächlich aber droht ein weiterer Gewaltausbruch. Die Stadtverwaltung von Jerusalem erteilte gestern die Baugenehmigung für 184 Wohnungen und Häuser, die in den besetzten Gebieten entstehen sollen. Viele Palästinenser sehen darin eine gezielte Provokation, zumal sich Israel bisher nicht an den vereinbarten Zeitplan für die Freilassung von mehr als 100 Gefangenen hält. Das Rahmenabkommen für ein Friedensabkommen, das eigentlich bis Ende April stehen sollte, wird immer unwahrscheinlicher.
(aus einem Artikel der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 20.03.2014, S. 2)

In eben zitiertem Text weise ich auf zwei Punkte hin:
Der Verfasser (Stefan Koch) schreibt von »stockenden Friedensgesprächen« und:
»Viele Palästinenser sehen darin [in der Baugenehmigung durch die Stadtverwaltung von Jerusalem für 184 Wohnungen und Häuser, die in den besetzten Gebieten entstehen sollen] eine gezielte Provokation«.

Ein aktuelleres Beispiel:
In ihrem Leitartikel »Verhandeln mit den Schmuddelkindern« (HAZ vom 22.07.2014) läßt Susanne Iden nach demAbsolvieren des Pflichtprogramms der Vorspiegelung von Neutralität (»Müßig sind Schuldzuweisungen. Beide Seiten tun einander Grausamkeiten an.« – Kommentar von mir: ein völlig neues Leseerlebnis) und der Schaffung verkaufsfördernder Dramatik (»Jetzt ist die womöglich letzte Chance dafür. Die vorletzte ist verstrichen…« – Kommentar von mir: Das ist das erste Mal in den letzten vierzig Jahren, daß mir jemand was von einer letzten Chance in Nahost erzählt.) gegen Ende des Artikels die Katze aus dem Sack: »Es ist eine Zumutung (also heißt: eine Zumutung für israelische oder europäische Politiker), mit Menschen zu verhandeln, die Raketen in Wohngebiete feuern und Selbstmordattentäter in die Schulbusse ihrer Nachbarn schicken. […] Die Hälfte der Menschen im Gazastreifen ist jünger als 15 Jahre. Das sind eine knappe Million Menschen, die in ihrem kurzen Leben schon drei Kriege und viele Tote gesehen haben. Sie werden leichte Beute sein für jeden, der den Hass gegen Israel weiter schüren will.« Aha, jetzt wissen wir’s: es gibt Leute, die wollen den Hass der jungen Palästinenser auf Israel weiter schüren. Und das sind die Bösen!


Der Begriff Roadmap (englisch road map für „Straßenkarte”, "Routenplan", „Fahrplan”) wird bildlich dafür benutzt, einen politischen Handlungsplan zu bezeichnen.
Nach 2000 wurde der Ausdruck Roadmap vor allem für einen vom sogenannten „Nahost-Quartett” (UNO, USA, EU und Russland) ausgearbeiteten Friedensplan mit dem Ziel der Beilegung des Nahostkonflikts verwendet. Die Grundsätze des Friedensplans wurden vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush in einer Rede vom 24. Juni 2002 vorgestellt, in der er ein friedliches Nebeneinander Israels mit einem unabhängigen palästinensischen Staat forderte. Ihr Zeitplan wurde nicht eingehalten. Die Roadmap selbst wurde am Rande einer internationalen Konferenz erarbeitet und im September 2002 vorgelegt. Der ehemalige israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat durch seinen sogenannten Konvergenz-Plan den Palästinensern angeboten, gegen Festschreibung des Verlaufs des zur Zeit jenseits der Grünen Linie in palästinensischem Gebiet gebauten Grenzzauns einen palästinensischen Staat zu akzeptieren. Die Palästinenser haben dieser Lösung nicht zugestimmt.

Konzept
Den Palästinensern wird ein unabhängiger Staat zuerkannt. Im Gegenzug wird aber eine „demokratischeReform der Palästinenserbehörden und eine Abkehr vom Terrorismus gefordert. Israel soll dabei die Staatsgründung anerkennen und unterstützen und sich aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland zurückziehen, sobald die „terroristische Bedrohung” beendet ist.

Als Nahost-Friedensprozess werden diplomatische Bemühungen um eine friedliche Beilegung des Nahostkonfliktes bezeichnet, insbesondere die Initiativen zur Beendigung des Konfliktes zwischen Israel und den Palästinensern unter Vermittlung der Vereinigten Staaten und des Nahost-Quartetts. Unter Kritikern gilt der Begriff jedoch aufgrund der angeblichen Unlösbarkeit des Konfliktes oder mangelnden politischen Willens zur Umsetzung einer friedlichen Lösung mitunter als bloßes politisches Schlagwort.

Begriffsgeschichte und Kritik 

William B. Quandt zufolge setzte sich der Begriff des Friedensprozesses im Laufe der 70er Jahre unter amerikanischen Diplomaten zur Bezeichnung der Bemühungen um eine in Verhandlungen erzielte friedliche Lösung des israelisch-arabischen Konfliktes durch, der zuvor überwiegend kriegerisch ausgetragen worden war.[1] Es ist jedoch angezweifelt worden, ob einzelne Ereignisse und diplomatische Erfolge tatsächlich den Gebrauch eines solch teleologischen Begriffes rechtfertigten, insbesondere unter dem Eindruck wiederholt ausbrechender Gewalt zwischen den Konfliktparteien. Irving Kristol sah den Begriff 1988 als bloßen Euphemismus für einen Kalten Krieg; Edward Said betrachtete den Gebrauch des Begriffes gar als „fahrlässigen Mord an der Sprache“.[2]



"Stone Cold Justice" - Israeli kidnapping, detention, torture and abuse of Palestinian children [45:29]

Veröffentlicht am 22.06.2014 
ABC Australia documentary:
A joint investigation by Four Corners and The Australian newspaper reveals evidence that shows the army is targeting Palestinian boys for arrest and detention. Reporter John Lyons travels to the West Bank to hear the story of children who claim they have been taken into custody, ruthlessly questioned and then allegedly forced to sign confessions before being taken to court for sentencing.
He meets Australian lawyer Gerard Horton, who's trying to help the boys who are arrested, and talks to senior Israeli officials to examine what's driving the army's strategy.
The United Nations children's agency (UNICEF) has been investigating these claims and last year released a scathing report finding that "children have been threatened with death, physical violence, solitary confinement and sexual assault."
As Four Corners discovered, though, Palestinian children have more to fear than the Israeli army. Reporter John Lyons shows clear evidence that Israeli settlers in the West Bank regularly attack Palestinian school children, knowing the authorities will not intervene.
http://www.abc.net.au/4corners/storie...

dazu folgender Artikel:
Das TV-Format FOUR CORNERS gehört zu ABC-Australien. FOUR CORNERS ist das führende Nachrichten- und Reportagemagazin, international beachtet und geschätzt, national mehrfach für seinen investigativen Journalismus ausgezeichnet. Es berichtet über Skandale, eingeleitete Untersuchungen, heiße Diskussionen, konfrontiert und bricht Tabus und interpretiert Modeerscheinungen, Trends und Subkulturen. 
Am 10. Februar 2014 veröffentlichte FOUR CORNERS einen Film über die Verhaftung von Kindern, Folter und das zionistische System der Einschüchterung. Das Kritische Netzwerk bietet seinen Lesern Informationen und Artikel üblicherweise in deutscher Sprache, doch in diesem Fall veröffentliche ich den englischsprachigen Redaktionstext und danach die erschütternde 45-minütige Reportage.

folgender Post:
- In memoriam Dr. Eyad al-Sarraj, Psychiater und Menschenrechtsaktivist, 1944-2013 (14.03.2014)

und auch folgender Artikel:
- Die Endlösung für die Palästinenser (Alles Schall und Rauch, 07.07.2014)
https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiF-nQGTsCuQuwWygKWZVDcr3sWP_MJcyronyib3XXUsbx_9SYZ2hcFz7zW0rJCkvP5Y3Fq0OtH4Jw2hupNjI1Okb3U6oUV3ZCGjW3RGUkp222y8kv_9OrUKhOKa6_0fl3eypQq9g/s1600/Pal%C3%A4stina.png
[Quelle: Alles Schall und Rauch]
Aus dem Munde eines israelischen Politikers hören wir was das zionistische Regime wirklich mit den Palästinensern vor hat. Moshe Feiglin (er heisst wirklich so) hat dazu aufgerufen, die israelische Armee soll Gaza erobern, die gesamte palästinensische Bevölkerung aus ihren Häusern vertreiben, ein grosses Lager für die 1,8 Millionen Menschen in der Wüste Sinai errichten, sie dort hin abtransportieren und so lange einsperren "bis ein Zielland für ihre Auswanderung festgelegt wurde." Danach soll Gaza in Israel einverleibt werden und Israelis sich im entvölkerten Gebiet ansiedeln. Das heisst, Feiglin verlangt eine ethnisch Säuberung des Gaza-Streifens, eine Deportation aller Palästinenser die dort leben und das Einsperren in einem riesigen Lager, bis sie irgendwohin auf der Welt zwangsweise ins Exil gehen. Jetzt ist Feiglin nicht irgendein verrückter zionistischer Extremist, sondern Abgeordneter des regierenden Likud-Partei und stellvertretender Sprecher des Parlaments. Was er den Palästinsern antun will erinnert sehr stark an eine andere Massendeportation und Abtransport in Lager, nämlich an "Die Endlösung". Unglaublich!
Auf youtube lassen sich einige Videos finden, auf denen Moshe Feiglin seine Ideen zum Besten gibt…

Als Nahostkonflikt bezeichnet man den Konflikt um die Region Palästina, der dort zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen Juden und Arabern entstand. Er führte zu sechs Kriegen zwischen dem am 14. Mai 1948 gegründeten Staat Israel und einigen seiner Nachbarstaaten (Israelisch-Arabischer Konflikt), sowie zahlreichen bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern (Israelisch-Palästinensischer Konflikt). Der internationale Konflikt in der Region dauert bis heute an.[1]


Ich fasse zusammen:
Den Nahostkonflikt gibt es seit Beginn des 20. Jahrhunderts.
»Nahost-Friedensprozess« ist ein Begriff, der in den 70er Jahren geprägt wurde und bei Kritikern als bloßes politisches Schlagwort gilt.
Der Begriff »Roadmap« wird seit Camp David II (2000) verwendet (Zitat Wikipedia: »In Camp David, dem Sommersitz der US-Präsidenten, fanden im Jahre 2000 Gespräche zwischen Präsident Bill Clinton, PLO-Chef Jassir Arafat und dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak über den Nahostkonflikt statt.«)
Der Begriff »Friedensgespräche« taucht im Wikipedia-Artikel über den Nahostkonflikt erstmals ab dem Jahr 2010 auf (»Wiederaufnahme der Friedensgespräche 2010«)


noch einmal zu den beiden Artikeln in der HAZ:

Politisch korrekt schreibt der Verfasser Stefan Koch von »stockenden Friedensgesprächen«, um die Baugenehmigung der Jerusalemer Stadtverwaltung in den besetzten Gebieten so zu kommentieren: »Viele Palästinenser sehen darin eine gezielte Provokation…« In Wirklichkeit kommentiert er also nicht, sondern zitiert die angebliche Einschätzung »vieler Palästinenser«.
Politisch korrekt schreibt Susanne Iden von Grausamkeiten, die sich beide Seiten antun, um dann diejenigen zu bemitleiden, die mit Leuten wie der Hamas verhandeln müssen: »Es ist eine Zumutung.«

Ich kann an dieser Stelle nur warnen: Diese Übelkeit hervorrufende und propagandistisch mißbrauchte Political correctness ist nicht dazu in der Lage, die Wirklichkeit adäquat abzubilden. Und dafür werden wir in einigen Jahren den Preis zu bezahlen haben. 

George Carlin: How language is used to mask truth and Israeli terrorism [9:27]

Veröffentlicht am 22.05.2013 
George Carlin: How language is used to mask truth and Israeli terrorism


Zurück zur anfangs gestellten Frage: Wie stellt Sprache Realität her?
Ich werde diese Frage weiterhin nicht beantworten.
Welche Realität bildet sich in den HAZ-Artikeln ab?
Warum schreibt Stefan Koch nicht: »Die Baugenehmigung muß auf die palästinensische Bevölkerung wie eine Provokation wirken«? Warum bleibt Susanne Iden nicht bei ihrer Neutralität und billigt beiden Verhandlungs-Seiten das Gefühl von Zumutung zu?

Provokation (v. lat. provocare ‚hervorrufen‘, ‚herausfordern‘) bezeichnet das gezielte Hervorrufen eines Verhaltens oder einer Reaktion bei anderen Personen. Hierbei agiert der Provokateur bewusst manipulativ oder unbewusst in einer Weise, dass die provozierte Person oder Personengruppe ein tendenziell erwünschtes Verhalten zeigt.
[Nach dieser Definition wäre »gezielte Provokation« ein Pleonasmus. Das mochte meine Deutschlehrerin überhaupt nicht. Bemerkung von mir]

Alltagsbegriff

Als Provokation bezeichnet man eine im Alltag sehr häufige Verhaltensweise, die mit Übertreibungen, Regelverletzungen (z.B. normenverletzendes Verhalten) einher geht und die den Provozierten gezielt zu Verhaltensweisen anregen soll. Provoziert werden ebenfalls Regel- und Normverletzungen, aber auch zielungerichtete Verhaltensweisen. Grund, Zweck und Zielrichtung von alltäglichen Provokationen sind allgemein weit gefasst.
Provokationen können auch dazu eingesetzt werden, sich von anderen Menschen abzugrenzen oder um Situationen eskalieren zu lassen, etwa bei Demonstrationen, Streiks usw. (vgl. Agent provocateur)

Staatsrecht

Im staatsrechtlichen bzw. militärischen Sinne ist Provokation zu verstehen als „… die Kunst, ein falsches Alibi zu schaffen" und die Verantwortung für Entscheidungen anderen Staaten aufzuzwingen. Provokationen werden nur selten untersucht, weil die Quellen fast stets ungenügend und verfälscht sind und weil den meisten Historikern die operative Kenntnis fehlt, ohne welche sie die Knäuel der falschen Angaben nicht zu entwirren vermögen. Durch die Vernachlässigung dieses wesentlichen Themas entsteht aber eine gefährliche Verzerrung des Geschichtsbildes …”. So der US-amerikanische Historiker Stefan S. Possony in einem Kapitel seines Buches „Zur Bewältigung der Kriegsschuldfrage”, unter dem Titel „Die hehre Kunst der Provokation”.


Beide Seiten verpflichteten sich zum Gewaltverzicht, Israel zum Rückzug von der Sinai-Halbinsel und zum Abbruch aller jüdischen Siedlungen auf diesem Gebiet.
[…]
Das Jerusalemgesetz von 1980 bezeichnet das vollständige und vereinigte Jerusalem als Hauptstadt Israels. Faktisch bedeutete dies die Annexion Ostjerusalems. Dieses Gesetz sowie die Annexion der Golanhöhen von 1981 werden vom größten Teil der Staaten völkerrechtlich nicht anerkannt.
Verschiedene Vorstöße und Gespräche zwischen Israel und Syrien über eine analoge Friedensregelung wie mit Ägypten und Jordanien scheiterten bisher stets bereits in den Anfängen. Im Gegensatz zu Ägypten versteht sich Syrien seither stärker als arabisches Sprachrohr der palästinensischen Sache, insbesondere da Israel völkerrechtswidrig die Golanhöhen besetzt hat und dadurch analoge Landkonzessionen im Sinne von „Land gegen Frieden“ wie mit Ägypten aufgrund der so aufgerichteten innenpolitischen Hürden einer Änderung daran prinzipiell ausschloss.


Wikipedia-Artikel über Israelische Siedlungen in den besetzten Gebieten 
Eine Zusammenstellung von den israelischen Wasserdiebstahl betreffenden Links findet sich in meinem Post vom 11.05.2011. In diesem Post findet sich auch eine Auflistung der sechs von den Israelis ignorierten UN-Sicherheitsresolutionen aus den Jahren 1969 bis 1981.
Der Anfang meines Posts:
»Die Palästinenser haben eine schnelle UN-Abstimmung über die Verurteilung der israelischen Siedlungspolitik gefordert. Die USA sind in Bedrängnis. [Datum des Posts: 11.05.2011!, Anmerkung von mir]
mehr bei WELT-Online«

Wie kommt es, daß der »Anschluß« der Krim für uns Westler ein in höchstem Maße aufregenswerter Vorgang ist, während nach so vielen Jahren Drangsalieren der Palästinenser ein Journalist einer deutschen Tageszeitung eine so vorsichtige und relativierende Einschätzung der Genehmigung von Baumaßnahmen auf palästinensischem Boden formuliert, fast so, als ob er sich auf rohen Eiern bewegen müßte?
(Hier findet sich eine Sammlung von Artikeln, die ich über Plästina gepostet habe.)

Wie sieht unsere gesellschaftliche Realität aus, daß russische Völkerrechtsverletzungen einen deutlich höheren Adrenalinspiegel hervorzurufen vermögen als israelische oder US-amerikanische? Und wie wird diese politisch korrekte Sichtweise hergestellt?

Eine frühe Studie zum Nachweis von Habituation beim Menschen publizierte 1925 der Berliner Kinderarzt Albrecht Peiper, nachdem er festgestellt hatte, dass Neugeborene bereits wenige Minuten nach der Geburt auf akustische Signale (Töne einer Spielzeugtrompete) mit veränderten Körperbewegungen reagieren. Er testete daraufhin, ob auch Ungeborene bereits durch verändertes Strampeln auf solche Laute reagieren. Seine Beobachtungen zeigten, dass die Reaktionen der Ungeborenen auf eine Autohupe umso schwächer ausfielen, je öfter sie den Lauten ausgesetzt worden waren. Später konnten andere Forscher nachweisen, dass Neugeborene auch auf wiederholt dargebotene olfaktorische und visuelle Reize mit Habituation reagieren, wenn sie folgenlos bleiben, also nicht verstärkt werden.
Ein weiteres Beispiel für Habituation beim Menschen ist die Gewöhnung an Kleidung, wie sie jedem FKK-Liebhaber bekannt ist: Wer im Urlaub mehrere Wochen lang weder Hose noch Hemd getragen hat, wird bei seiner Rückkehr in die Textilkultur durch das beständige Drücken des Stoffs gegen Haut und Körperhaare anfangs erheblich irritiert sein, sich aber nach kurzer Zeit wieder an diesen Dauerreiz gewöhnt haben. Auch eine neue Brille kann zunächst zu derartigen Irritationen an Ohren und Nase führen, die später durch Habituation wieder verloren gehen.
Dass es sich beim Phänomen der Habituation um keine bloße „Erschöpfung“ der an der Wahrnehmung des Reizes beteiligten Sinneszellen handelt, kann man leicht an folgendem Beispiel nachvollziehen: Der Mensch gewöhnt sich nach kurzer Zeit zum Beispiel an das nächtliche, gleichmäßige Summen der Fahrzeuge auf einer entfernten Autobahn, bis er dieses Hintergrundgeräusch schließlich nicht mehr als störend wahrnimmt. Sobald das Geräusch aber aussetzt, weil man an einem absolut ruhigen Ort übernachtet, bemerkt man, dass etwas „nicht stimmt“.
[…]
Lang-Zeit-Habituation
Dieser Effekt hält zeitlich vergleichsweise lang an. Nehmen wir zum Beispiel ein abstraktes Gemälde. Sehen wir dieses zum ersten Mal, werden wir ihm sehr viel Aufmerksamkeit widmen und die ungewöhnliche Darstellung erstaunt eine Weile betrachten. Sehen wir das Bild später erneut, so blicken wir nur kurz hin und sind nicht mehr überrascht, da wir es bereits kennen. Unsere Reaktion hat also habituiert. Diese Habituation ist zeitlich lang andauernd – auch wenn wir dem Bild nach fünf Wochen oder noch länger wieder begegnen, wird unsere Reaktion im Vergleich zum ersten Anblick stark vermindert sein.


Motivierende Faktoren erhöhen die Handlungsbereitschaft, demotivierende Faktoren setzen die Handlungsbereitschaft herab. […]
Jedes Verhalten bewirkt entweder eine Veränderung der Umwelt oder eine Veränderung des eigenen Zustandes. Ein Bewertungssystem im Gehirn versieht diese Situationen mit einem emotionalen „Etikett“, das bei erneuter Konfrontation mit derselben oder einer ähnlichen Situation die Handlungsbereitschaft beeinflusst. […]
Ernährungszustand: Jungvögel sperren: Sie öffnen den Schnabel weit, wenn einer der Eltern mit Nahrung zum Nest kommt. Gefütterte Nestlinge sperren nicht. […]
Alter und Reifezustand: Säugetiere verlieren ab einem bestimmten Alter den Saugreflex. Nestlinge sperren nicht mehr ab einem bestimmten Alter. […]
Gewöhnung (Habituation): Bei Tauben auf dem Markusplatz von Venedig ist die Fluchttendenz stark herabgesetzt.

siehe auch:
- Warum es auf der Toilette nur am Anfang stinkt (Telepolis, 21.06.2014)
Wie schafft es unser Gehirn, sich selbst an starke Reize zu gewöhnen - und trotzdem für andere Stimuli aufnahmefähig zu bleiben? 
Ob Toilettenmann oder Fischverkäuferin: Wer seinen Beruf an einem Ort mit besonderem olfaktorischem Hintergrund ausübt, muss kein Masochist sein. Praktischerweise besitzt unser Gehirn einen Mechanismus, der dauerhafte Reize mit der Zeit ausblendet. So kommt es, dass wir den tickenden Wecker normalerweise nicht hören, das unregelmäßige Schnarchen des Partners aber schon. Dass Babys vor neuen Gesichtern erschrecken, das Antlitz der Mutter aber mit einem Lächeln begrüßen. Dass die Klofrau zwar den Ammoniak-Geruch an ihrem Arbeitsplatz nicht mehr bemerkt, wohl aber das ungewohnt süße Parfüm einer Kundin.

Darf man aus dem Habituationsbeispiel schließen, daß es uns unangenehmer ist, wenn wir vom NSB abgehört werden statt von der NSA?

- Die Funktion des Feindes (NachDenkSeiten, 30.09.2014)
Gespaltene und krisengeschüttelte Gesellschaften bedürfen eines äußeren Feindes, um sich zu einen und ein großes „Wir“ über den inneren Zerreißungen entstehen zu lassen. „Wer keinen Feind mehr hat, begegnet ihm im Spiegel“, hat Heiner Müller sarkastisch bemerkt. Und wer will das schon? Nach dem Untergang des „Ostblocks“ war die Position des Feindes eine Zeit lang vakant. Spätestens seit dem 11. September 2001 hat diese Funktion „der islamistische Terror“ übernommen. Sozialpsychologische Anmerkungen von Götz Eisenberg.

Volker Pispers - Die Wirklichkeit sieht anders aus [7:30]


Unsichtbar wird der Wahnsinn, wenn er genügend große Ausmaße angenommen hat. (Berolt Brecht)

zuletzt aktualisiert am 19.09.2014


Der Ukraine-Konflikt 1 – Westliche Aufgeregtheit und staatliches Gedächtnis (04.03.2014)

Donnerstag, 20. März 2014

Dianne Feinstein vs. CIA und NSA: Geheimdienste spionieren Geheimdienst-Ausschuß aus

Porträt Dianne Feinstein ist in ihrem politischen Leben nie angeeckt, nun aber legt sie sich mit der CIA an.
Zitat:
Die 80-jährige Demokratin aus San Francisco sitzt seit 1992 im Senat, leitet dort seit fünf Jahren den Ausschuss für geheimdienstliche Angelegenheiten und ist eine der Macherinnen der Demokratischen Partei. […] Sie hat eine heftige Debatte um den noch unveröffentlichten Bericht ihres Komitees über CIA-Folter in der Regierungszeit von Präsident George W. Bush, ausgelöst. Vor Tagen hat Feinstein im Senat in einer 40-Minuten-Rede der CIA vorgeworfen, von ihrem Komitee benutzte Computer durchsucht und mehr als 900 Dokumente „elektronisch entfernt“ zu haben. 
Besonders empört war sie über eine Anzeige von CIA-Rechtsberater Robert Eatinger beim US-Justizministerium gegen Mitarbeiter des Geheimdienstausschusses, die angeblich Geheimdokumente entwendet haben sollen. Eben dieser Eatinger sei von 2004 bis 2009 Rechtsberater des Anti-Terrorismus-Zentrums der CIA gewesen, des Teils der Behörde also, der das vom Komitee untersuchte Verhörprogramm gemanagt habe, so Feinstein. Sein Name komme mehr als 1.600-mal im Berichtsentwurf ihres Ausschusses vor.
[Die FeinsinnigeKonrad Ege, der Freitag, 20.03.2014 – Hervorhebungen von mir]

Feinstein: CIA Spied on Intelligence Committee (Full Speech) {38:36}

Roll Call
Am 11.03.2014 veröffentlicht
Senate Intelligence Chairwoman Dianne Feinstein on Tuesday accused the CIA of spying on her committee's computers without authorization — in possible violation of the law and the Constitution — and suggested the CIA may have also tried to engage in an effort to intimidate her staff.
Ganzer Text der Rede:
- Transcript: Sen. Dianne Feinstein says CIA searched Intelligence Committee computers (Washington Post, 11.03.2014 – Google-Übersetzer des Artikel bei democraticunderground)

weitere Artikel zur Kontrolle der Arbeit von US-Geheimdiensten:
- Zeitung: US-Geheimprogramm zur Ermordung von Qaida-Kämpfern enthüllt (SPIEGEL Online, 13.07.2009)
Wut im US-Kongress: Die Regierung Bush hat dem Parlament jahrelang ein Programm zur Gefangennahme und gezielten Tötung von al-Qaida-Mitgliedern verheimlicht. Obamas Justizminister ließ es sofort stoppen - jetzt gibt es Rufe, vor allem die Rolle von Ex-Vizepräsident Cheney in der Affäre aufzuklären. 
Washington - Der US-Geheimdienst CIA hat offenbar jahrelang an einem Plan zur Tötung von Qaida-Mitgliedern gearbeitet. Das berichtet das "Wall Street Journal". Grundlage sei eine Anweisung des damaligen Präsidenten George W. Bush aus dem Jahr 2001 gewesen. 

- USA – CIA sollte angeblich al-Qaida-Mitglieder töten (ZEIT Online, 13.07.2009)
Dem US-Kongress soll ein CIA-Programm zur Terrorbekämpfung vorenthalten worden sein. Justizminister Holder erwägt eine Untersuchung von Foltervorwürfen

- C.I.A. verließ sich auf schlampige Söldner (Der Standard, 21.08.2009)
Pannen bei Terroristenjagd: Blackwater soll bei Raketen-Installation geschlampt haben - C.I.A. drückte Auslöser in Zentrale

- Dianne Feinstein – Die Frau, die noch mehr wissen sollte (FAZ, 29.10.2013)
Es ist ein Tiefschlag für Obamas Krisenmanagement: Ausgerechnet die Demokratin Dianne Feinstein schließt sich den Kritikern der NSA an. Die Vorsitzende des Senatsausschusses für die Geheimdienste verurteilt das Ausspähen von Verbündeten.

- US-Senatsausschuss für Geheimdienste fordert Revision der US-Spähprogramme (RIA Novosti, 29.10.2013)
Die Vorsitzende des US-Senatsausschusses für die Geheimdienste, Dianne Feinstein, hat in einer am Montag verbreiteten Erklärung eine wesentliche Revision der Programme für das Sammeln von Aufklärungsinformationen gefordert.

- Spähangriff: US-Senatorin erhebt schwere Vorwürfe gegen die CIA (Heise Online, 11.03.2014)
In ungewohnter Deutlichkeit hat Dianne Feinstein, die Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im US-Senat, die CIA öffentlich beschuldigt, gesetzwidrig Senatscomputer durchsucht zu haben. Außerdem sollen darauf Dateien gelöscht worden sein.  

- Dianne Feinstein Calls Out the C.I.A. (The New Yorker, 11.03.2014)
“The C.I.A. just went and searched the committee’s computers,” Senator Dianne Feinstein said on Tuesday, in a speech on the Senate floor. She accused the Agency of sabotaging the oversight efforts of the Senate Select Committee on Intelligence, which she chairs, and thus the separation of powers; engaging in “a potential effort to intimidate this staff,” by accusing them of “hacking”; breaking its word; and maybe breaking the law. “Besides the constitutional implications, the C.I.A. search may also have violated the Fourth Amendment, the Computer Fraud and Abuse Act, as well as Executive Order 12333, which prohibits the C.I.A. from conducting domestic searches or surveillance,” she said. The C.I.A. spied on the Senate, and the senator is angry.

- Politik US-Senat – CIA löst NSA als Späh-Buhmann ab (Die Welt, 12.03.2014)
Der US-Geheimdienst CIA soll einen Senatscomputer gehackt haben. Wichtige Dokumente für einen Untersuchungsbericht über Folter verschwanden. Jetzt rufen Senatoren nach Entlassungen und Haftstrafen.  

- C.I.A.-Affäre: Der Offenbarungseid von Dianne Feinstein – Video, Zusammenfassung, Einschätzung (Radio Utopie, 12.03.2014)
Das unfassbare Statement der Geheimdienste-Ausschuss-Vorsitzenden im U.S.-Senat über die Aktivitäten der Central Intelligence Agency.   

- US-Senat: CIA hat über Folterprogramme gelogen (Quelle, 02.04.2014)
In einem Bericht kommt der US-Senat zu einem vernichtenden Urteil über die CIA. Die soll über eigene Folterprogramme gelogen und etwa Erfolge übertrieben haben. Über den unveröffentlichten Report selbst gibt es derzeit heftigen Streit.   

- Politik – Geheimdienste – Foltermethoden der CIA werden veröffentlicht (Die Welt, 04.04.2014)
Der US-Senat will Einzelheiten über die brutalen Verhörmethoden der CIA veröffentlichen. Offenbar hat der Geheimdienst Gefangene auf eine Art und Weise gefoltert, von der man bislang nichts wusste.

- NSA: Die Schere im Kopf – Wie Massenüberwachung jeden Protest im Keim erstickt (Blätter für deutsche und internationale Politik, Juni 2014) 
Lange Zeit galt das Internet als ein beispielloses Instrument der Demokratisierung und Liberalisierung, ja sogar der Emanzipation. Nach Ansicht der amerikanischen Regierung aber drohen dieses weltweite Netzwerk und andere Kommunikationstechnologien die Macht der USA zu untergraben. Aus dieser Sicht betrachtet, ist das zentrale Ziel der NSA, „alles zu sammeln“, letztlich schlüssig. Die Beobachtung sämtlicher Bereiche des Internets und aller anderen Kommunikationsmittel durch die NSA ist entscheidend dafür, dass niemand der Kontrolle der amerikanischen Regierung entgeht. Wenn die amerikanische Regierung alles erfahren kann, was jeder tut, sagt, denkt und plant – die eigenen Bürger, die Menschen in anderen Ländern, internationale Unternehmen, Vertreter anderer Regierungen –, hat sie die größtmögliche Macht erreicht. Das gilt umso mehr, wenn die Regierung unter immer höherer Geheimhaltung operiert. Damit entsteht ein „Einwegspiegel“: Die amerikanische Regierung sieht, was der Rest der Welt tut und macht, während niemand Einblick in ihr eigenes Handeln bekommt. Es ist ein nicht zu überbietendes Ungleichgewicht, das die gefährlichste aller menschlichen Möglichkeiten eröffnet: die Ausübung grenzenloser Macht ohne jede Transparenz oder Rechenschaftspflicht.

- Geheimdienst-Affäre – CIA entschuldigt sich für Spähangriff auf US-Senat (Stern, 01.08.2014)
Noch vor Monaten hatte CIA-Direktor Brennan die Vorwürfe zurückgewisen, der US-Geheimdienst würde Computer des Senats ausspähen. Nun entschuldigt sich die CIA - Rücktrittsforderungen werden laut. 

- Washington – CIA entschuldigt sich für Spähangriff auf Senatscomputer (Südwest-Presse, 01.08.2014)
Der US-Geheimdienst CIA hat sich für einen Spähangriff auf Computer des Geheimdienstausschusses des Senats entschuldigt. 

- CIA-Spionage in Washington – Amerikas Kontrolleure werden entlarvt (Tagesspiegel, 01.08.2014)
Nun geraten Amerikas Geheimdienste auch im eigenen Land unter Druck: Die CIA spähte Computer im US-Senat aus - Angela Merkel und Edward Snowden konnte eigentlich nichts besseres passieren. Ein Kommentar. 
Kann man den Rechtsstaat am besten dadurch schützen, dass man ihn abschafft? Vor dieser auf den ersten Blick irrwitzigen Frage stehen Amerikas Kongressabgeordnete, seit CIA-Chef John Brennan zugab, was er Monate lang nicht nur bestritt, sondern als glatte Lüge darstellte. Der Geheimdienst hat Computer jenes Senatsausschusses durchschnüffelt, dem die Kontrolle der Geheimdienste obliegt und von der Festplatte eines Ausschussrechners 920 Dokumente gelöscht, die die Verwicklung der CIA in rechtswidrige Verhörpraktiken belegen.  

- Barack Obama räumt Fehler ein – "Wir haben einige Leute gefoltert" (Stern, 02.08.2014)
Dunkelhaft, Schlafentzug, simuliertes Ertränken: Mit diesen Foltermethoden arbeiteten die USA nach den Anschlägen von 9/11. US-Präsident Obama bezeichnet das als Fehler, nimmt aber die CIA in Schutz. 

- Über eine Million als “Terroristen” in US-Datenbank erfasst, diesmal aber kein Snowden-Leak (netzpolitik.org, 06.08.2014)
The Intercept hat Dokumente veröffentlicht aus denen hervorgeht, dass 40% der in der US-amerikanischen “Terrorist Screening Database” erfassten Personen nicht konkret einer terroristischen Vereinigung zugeordnet werden. Außerdem zeigen die Unterlagen, wie massiv die Datenbanken der US-Regierung in der jüngsten Zukunft ausgebaut wurden. Von 2010 bis 2013 hatt sich die Zahl der Einträge in das Terrorist Identities Datamart Environment (TIDE) etwa verdoppelt …  

- Die "New York Times" führt das Wort "Folter" ein (Huffington Post, 08.08.2014)
Die "New York Times" hat ihre Praxis aufgegeben, brutale Verhörmethoden des Geheimdienstes vorsichtig zu umschreiben. "Von jetzt an wird die "Times" das Wort "Folter" für Praktiken benutzen, bei denen klar ist, dass Gefangenen Schmerzen zugefügt wurden, um an Informationen zu gelangen", schrieb der neue Chefredakteur Dean Baquet in einem Leitartikel am Freitag. Das sei das Ergebnis einer jahrelangen Debatte innerhalb der Redaktion.

Angesichts jüngster Foltervorwürfe hat CIA-Direktor John Brennan Fehlverhalten bei "harschen Verhören" von Terrorverdächtigen eingestanden. "Keiner dieser Fehltritte sollte entschuldigt, heruntergespielt oder bestritten werden", sagte Brennan am Donnerstag im Hauptquartier des US-Geheimdienstes bei Washington. "In einigen Fällen haben wir es schlicht versäumt, die Standards einzuhalten, die wir uns gesetzt haben und die die Amerikaner von uns erwarten."
[Folterreport: CIA-Chef spricht von Einzelfällen – Feinstein kontert, dpa, heise Online, 12.12.2014]
😂😂😂 

mein Kommentar:
Wir im Westen sind so ans Auge-Zudrücken gewöhnt, das dürfte uns auch diesmal nicht schwerfallen – falls es überhaupt in größerem Rahmen in der Presse auftaucht…

Zur Arbeit der US-amerikanischen Geheimdienste paßt auch der folgende Artikel:
- Cisco zu Postmanipulationen: "Wir können so nicht arbeiten" (heise online, 19.05.2014)

Heute vor 166 Jahren – 20. März 1848: Der Industrielle Fritz Henkel wird geboren

Perborat + Silikat = Persil 

Als das Wäschewaschen noch eine tagelange Prozedur aus mehreren Waschgängen mit Kochen, Spülen und Bleichen war und kräftezehrendes Reiben, Schwenken und Walken erforderte, brachte die Firma Henkel 1907 mit »Persil« ein »selbsttätiges Waschmittel« auf den Markt. Was für eine Verheißung für die geplagten Frauen. Und das Produkt hielt, was die Werbung versprach. Eine Kombination von Natriumsilikat und Natriumperborat, das beim Kochen der Wäsche fein perlenden Sauerstoff freisetzt, machte die anstrengende Behandlung der Wäsche überflüssig und revolutionierte das Waschen. »Persil« wurde und blieb das Leitprodukt der Firma Henkel. 

Werbung für »Persil«, eines der bekanntesten
Produkte der Firma Henkel, 1908
Der Firmengründer Friedrich Karl (genannt Fritz) Henkel kam am 20. März 1848 als fünftes von sechs Kindern eines hessischen Dorfschullehrers zur Welt. Schon früh von chemischen Vorgängen fasziniert, wurde er 1874 Teilhaber einer  Farbengroßhandlung und gründete zwei Jahre später ein Unternehmen in Aachen, um ein »billiges und vorzügliches Waschmittel« herzustellen. 1878 zog die Firma nach Düsseldorf um und einige Jahrzehnte später eroberte das bekannte Waschmittel Deutschlands Waschküchen. 

Werbeslogans für Persil  
»Alles neu macht Persil«, 1929
»Persil bleibt Persil«, 1953  
»Das beste Persil, das es je gab«,1959 
»Persil –  Da weiß man, was man hat«, 1973 
Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014 

Mittwoch, 19. März 2014

Heute vor 33 Jahren – 19. März 1982: Argentinier hissen Flagge auf den Falklands

Krieg im Atlantik 

Am 19. März 1982 hissten argentinische Truppen ihre Nationalflagge auf der »Falkland-Dependenz« Südgeorgien. Am 2. April besetzten argentinische Truppen die britischen Falklandinseln und hissten erneut die Nationalflagge. Nachdem der UN-Sicherheitsrat einen Tag später mit der Forderung nach sofortigem Abzug der Streitkräfte nicht zum Ziel kam, setzte Margaret Thatcher die britische Flotte in Bewegung. 80 Tage später waren die Schlacht und die Inseln für Argentinien verloren. Am 20. Juni 1982 wehte wieder der Union Jack über den Falklands. Bei den Gefechten starben 649 Argentinier und 258 Briten.

Argentinische Truppen auf den Falklands, 1982
Seit 1976 herrschte in Argentinien eine Militärdiktatur. Die Junta ließ Oppositionelle foltern, ermorden und beiseiteschaffen. Doch während der Invasion entwickelte sich eine Welle nationaler Begeisterung. Die Besetzung der Inseln lenkte von Verbrechen und dem Wirtschaftschaos ab. Ähnlich verhielt es sich in Großbritannien: Unter der Regierung Thatchers wurde die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer. Die militärische Intervention kam dort also auch gelegen, um die schlechte Stimmung im Land zu wenden, und es tat sich tatsächlich nationaler Eifer auf. Außenminister Lord Carrington trat allerdings aus Protest zurück.

Was am 19. März noch geschah: 
1944: Die deutsche Wehrmacht besetzt Ungarn.
Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014 

Dienstag, 18. März 2014

«SIE VERSTEHN MISCH NISCH? KRASS!»



Die Korrektur von Klausuren, Klassenarbeiten und Tests an einer Sekundarschule kann zu Depressionen führen, wenn man sich als Lehrer einreden lässt, für die Ergebnisse mitverantwortlich zu sein. Im Gegenzug wird man natürlich auch immer wieder mit interessanten Überraschungen belohnt, denn gerade die schwachen Schüler gehen oft sehr kreativ mit ihrem Nichtwissen um. Grob lassen sich falsche Antworten in drei Gruppen einteilen: a) Antworten von Schülern, die wissen, dass sie die Lösungen nicht kennen; b) Antworten von Schülern, die glauben, dass sie die Lösungen wissen; und c) Antworten von Schülern, welche die Antworten möglicherweise kennen, aber den Arbeitsauftrag aus sprachlichen Gründen nicht verstehen beziehungsweise bewältigen können.


Eine Aufgabe wie Erkläre bitte, warum Städte früher häufig bei Brücken gegründet wurden! lässt sich folglich auf ganz verschiedene Arten bewältigen. Etwa richtig: Flüsse konnten nur an wenigen Stellen überquert werden, daher trafen an Brücken viele Menschen aufeinander. Händler und Kaufleute konnten hier ihre Geschäfte tätigen, die Dienste von Handwerkern wurden bald gebraucht. So entstanden häufig ganze Städte




Die Schüler der Gruppe a), die die Lösung nicht wissen, weil sie nicht gelernt haben, würden die Aufgabe einfach überspringen.
Ein typisches Angebot aus Gruppe b) würde lauten: An der Brücke ist es schön.
Diejenigen, die zur Gruppe c) gehören, könnten folgende Erklärungen abgeben: Alle trafen sich hier. Hier war Heirat möglich. Auch Haus mit vielen Sachen. Musstu wissen, weißdu! Gehst du Brücke, nich nass.
Die originellsten Lösungsvorschläge kommen aber meistens aus der Gruppe b):

 
1.  Erkläre anhand der amerikanischen Verfassung, was mit Gewaltenteilung gemeint ist.
    Antwort: Gewalt ist nicht gut.
2.  Erkläre, warum die Besiedlung des amerikanischen Kontinents für die Indianer ein Unglück darstellte.
    Antwort: Weil sie keine Sachen anhatten. Da sind sie erfroren.
3.  Nenne eine Gruppe von weißen Siedlern, die von der Ostküste an die Westküste Amerikas zogen.
    Antwort: Die Indianer.
4.  Ordne die Aussage «Mehr als Gold haben Lettern aus Blei die Welt verändert» einem konkreten geschichtlichen Ereignis zu, das diese Aussage erklärt!
    Antwort: Mittelalter.

Wenn diese Schüler ahnen, dass sie zwar einen Teil der Antwort kennen, aber nicht die ganze, greifen sie zu phantasievollen und lustigen Tricks, um vielleicht doch noch die volle Ausbeute an Punkten einzuheimsen:

1.  Nenne drei Personengruppen, die durch den sozialen Arbeitsschutz besonders abgesichert werden. Richtig wäre: Mütter, Jugendliche, Behinderte. Für jede Nennung gäbe es einen Punkt. Einmal schrieb einer meiner Schüler: Mütter, Väter, Eltern. Ein anderer: Blinde, Rollstuhlfahrer und Behinderte.

2.  Nenne die sechs Gründungsmitglieder der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Eine Schülerin versuchte es damit: Die sechs Gründungsmitglieder der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl sind Deutschland, England, Frankreich, Polen, Italien, Schweden, Schweiz, Holland, Spanien, Portugal, USA, China, Russland und Dänemark. Welche Länder es genau sind, weiß ich aber nicht. Bitte kreuzen Sie die richtigen für mich an, Herr Serin!

Regelmäßig projiziere ich, um die Schüler für die richtigen Lösungen zu sensibilisieren, ihre falschen an die Wand. Anschließend bitte ich sie, zu diesen die entsprechenden Arbeitsaufträge zu fomulieren. Der Erfolg stellt sich nicht sofort ein. Lange Zeit kämpfe ich vor allem mit Niederlagen:
«Wie könnte die Frage zu folgender Antwort lauten: Weil sie keine Sachen anhatten. Da sind sie erfroren. Ja, Kenneth?»
«Wer ist erfroren?»
«Nein! … Angelina?»
«Warum sind sie erfroren?»
«Nein. Auch nicht. Die Aufgabe lautet: Erkläre, warum die Besiedlung des amerikanischen Kontinents für die Indianer ein Unglück darstellte! Ich hoffe, ihr begreift, warum diese Antwort falsch ist.»
Die meisten Schüler sind oft nicht der Meinung, die Antworten sein falsch, sondern argumentieren, die Arbeitsaufträge seien falsch gestellt.
Ein weiterer Fall: «Die Indianer. Auf welche Aufgabe könnte das eurer Meinung nach die Antwort sein? Ja … Roy.»
«Welche Weißen zogen in Amerika von Ost nach West?»
Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es Roys eigene Antwort gewesen war und dass er sich die dazugehörige Frage gemerkt hatte.
Alternativ dazu verlange ich von meinen Klassen, vor der Lösung einer Aufgabe diese in eigenen Worten zu erklären. Hat man die Aufgabenstellung verstanden, kann man immer noch falsch antworten. Ein Mindestmaß an sprachlicher Kompetenz ist für das inhaltliche Erfassen von Arbeitsaufträgen allerdings unabdingbar. Gerade an der Kevin-Prince-Boateng-Sekundarschule haperte es diesbezüglich bei vielen Jugendlichen mit nichtdeutscher Muttersprache:
«Nuri. Hier steht: Beurteile, ob die Herrschaft Ludwigs XIV. aus der Sicht eines Bauern gerecht war! Gib die Aufgabe bitte in eigenen Worten wieder. Sag, was du jetzt zu tun hast!»
«Weiß nisch. Was habisch zu tun?»
«Du sollst dir die Aufgabe durchlesen und mir dann erklären, was du machen sollst.»
«Die Aufgabe durschlesen.»
«Und?»
«Hab durschgelesen.»
«Und, was sollst du machen?»
«Aufgabe durschlesen.»
«Und was steht drin in der Aufgabe?»
«Beurteile, ob die Herrschaft Ludwig … aus den Bauern gerecht war!»
«Beurteile, ob die Herrschaft Ludwigs XIV. aus der Sicht eines Bauern gerecht war.»
« … aus der Sicht eines Bauern.»
«Und jetzt mal in eigenen Worten. Was steht dadrin?»
«Beurteile, ob die Herrschaft Ludwig aus der Sicht … »
«In eigenen Worten sollst du es sagen.»
«Sag isch doch.»
«Du liest nur vor.»
«Kann nisch anders sagen.»
«Los, versuch es! Versuch in eigenen Worten zu sagen, was in der Aufgabe steht. Mensch, Nuri! Das ist doch nicht so schwer.»
«Urteilen die Herrschaften. Sehen die Bauern Ludwisch gerescht.»
«Nuri! Was meinst du? Ich versteh nich.»
«Escht!? Herr Serin. Sie verstehen nisch? Krass. Ich dachte, Sie Lehrer. Isch dachte, nur wir verstehen nisch. Sie verstehn misch nisch.»
Mir war klar, dass ich vermutlich dem Siebtklässler Nuri zunächst die Fünf-Schritt- Lesetechnik, die eigentlich zur Erschließung längerer und komplizierter Texte diente, beibringen müsste, damit er sie auf den Einzelsatz anwenden konnte:

1.  Lies dir den Satz Beurteile, ob die Herrschaft Ludwigs XIV. aus der Sicht eines Bauern gerecht war! bitte zunächst einmal zügig durch, um dir einen Überblick zu verschaffen. Zunächst sollst du dir eine grobe Vorstellung vom Inhalt und Aufbau des Satzes machen.
2.  Überlege, welche Fragen in diesem Satz zum Ausdruck kommen. Zur Übung kannst du die Fragen auf einen Zettel schreiben.
3.  Lies den Satz jetzt gründlich durch. Denke dabei an die Fragen, auf die dir der Satz Antwort geben soll. Mache kleine Pausen, damit sich das Gelesene festigen kann.
4.  Teile den Satz in Sinnabschnitte und fasse jeden Sinnabschnitt in eigenen Worten zusammen. Finde für die einzelnen Sinnabschnitte des Satzes Überschriften.
5.  Fasse nun zusammen, worum es in dem Satz insgesamt geht.

Aber wie soll man das bei zwei Stunden in der Woche schaffen, ohne die besseren Schüler zu vernachlässigen? Wahrscheinlich hätte Nuri schon die einzelnen Schritte der Fünf-Schritt-Lesetechnik nicht verstanden. Aber es war mir nicht möglich, für jeden Schüler, der kaum Deutsch konnte, einen Dolmetscher mit in den Unterricht zu bringen. Und für welche Sprache überhaupt, wenn manche Jugendliche nicht einmal ihre Muttersprache beherrschten? Dennoch: Bei aller Verzweiflung über den oftmals ausbleibenden Lernfortschritt finde ich es manchmal sogar besser, wenn Jugendliche falsch antworten. Da weiß ich wenigstens nicht vorher, was mich erwartet. Es gibt nichts Langweiligeres, als wenn alle Schüler die Lösungen kennen. Dann liest man nämlich bei der Korrektur von Tests und Klassenarbeiten über zwanzigmal immer wieder das Gleiche.


November 2010, Kevin-Prince-Boateng-Sekundarschule, Wedding, Geschichte, 10. Klasse

Ich: Mensch, du könntest wirklich besser sein!
Nadeshda: Ist aber langweilig.
Ich: Ja und. Meinste, mit der Einstellung wirst du später jemanden überzeugen, dich einzustellen?
Nadeshda: Ich will nicht arbeiten. Ich nehm mir 'nen reichen Mann.
Ich: So gut siehst du aber auch wieder nicht aus.


aus Stephan Serin, Musstu wissen, weiss’ du, rororo 2012


siehe auch:
- Föhn mich nicht zu (Post, 05.09.2010)

Sonntag, 16. März 2014

Heute vor 75 Jahren – 16. März 1939: Einrichtung des »Protektorats Böhmen und Mähren«

Hitler verleibt dem Reich die »Resttschechei« ein 

Im November 1937 hatte Reichskanzler Adolf Hitler der Wehrmacht seine militärischen Pläne erläutert und dabei neben Österreich auch die Tschechoslowakei als Objekt einer ersten Expansionsphase herausgestellt. Im folgenden Jahr erzwang er zunächst die Abtretung des mehrheitlich deutsch besiedelten Sudetenlandes an das Deutsche Reich. Am 15. März 1939 besetzte die Wehrmacht dann die »Resttschechei«. Noch am selben Abend diktierte Hitler auf der Prager Burg den »Erlass zur Einrichtung des Protektorats Böhmen und Mähren«, der vor 75 Jahren, am 16. März 1939, in Kraft trat.

Londoner Geografen arbeiten nach der Zerschlagung
der Tschechoslowakei an der Änderung der Landkarte Europas, 1939
Dem Protektorat wurde die Staatlichkeit aberkannt, stattdessen wurde es ein (theoretisch) autonomer Bestandteil des Deutschen Reichs. »Gefährliche Elemente«, Kommunisten und oppositionelle Intellektuelle, deutsche Emigranten, fielen »Säuberungsaktionen« zum Opfer, etwa 70.000 tschechische Juden wurden Opfer des Holocausts. Zur Symbolfigur der brutalen Fremdherrschaft wurde vor allem Reichsprotektor Reinhard Heydrich, der am 4. Juni 1942 den Folgen eines Attentats erlag.

Reinhard Heydrich (1904-1942) 
einer der Organisatoren der »Endlösung der Judenfrage«
Leiter der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes
im Auftrag der tschechischen Exilregierungin Prag von Attentätern getötet

Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014 

Samstag, 15. März 2014

Pink Floyd - Live in Venice Italy 1989

Pink Floyd "Live in Venice Italy 1989" FuLL Widescreen HD [1:31:37]

Veröffentlicht am 21.10.2013
Pink Floyd "Live in Venice Italy 1989" FuLL Widescreen HD

Angaben aus einem anderen Upload:
Pink Floyd - Live In Venice July 15,1989
01. Shine You Crazy Diamond (part 1)
02. Learning To Fly
03. Yet Another Movie
04. Round And Around
05. Sorrow
06. The Dogs Of War
07. On The Turning Away
08. Time
09. The Great Gig In The Sky
10. Wish You Were Here
11. Money
12. Another Brick In The Wall (part 2)
13. Comfortably Numb
14. Run Like Hell
David Gilmour - Lead guitars and Lead vocals
Nick Mason - Drums and Percussion
Richard Wright - Keyboards and Vocals
with:
Tim Renwick - Guitars
Gary Wallis - Percussion
Jon Carin - Keyboards, Synthesizers and Vocals

Guy Pratt - Bass and Vocals
Scott Page - Saxophones
Rachel Fury, Durga McBroom and Lorelei McBroom - Backing Vocals

Freitag, 14. März 2014

In memoriam Dr. Eyad al-Sarraj, Psychiater und Menschenrechtsaktivist, 1944-2013

Für mentale Gesundheit und Menschenrechte 

In memoriam Dr. Eyad al-Sarraj, Psychiater und Menschenrechtsaktivist, 1944-2013

Gaza, im Januar 1988 im Shifa-Hospital. Dort trafen wir Dr. Eyad al-Sarraj. Er begleitete uns und erklärte mit sanfter Stimme den harschen Anblick der verwundeten jungen Menschen und die Vernachlässigung und den Schmutz des Shifa-Regierungskrankenhauses. Nach eineinhalb Stunden in seiner Wohnung war die Stimmung gut und kooperativ. Es war Eyad, der den Prozess und den Wandel in unserer Gruppe bewirkte. Plötzlich hatten wir einen palästinensischen Doktor zum Freund. 

Zwei Monate später, in Neve Tzedek in Tel Aviv, fand die Gründungskonferenz der Vereinigung Israelischer und Palästinensischer Ärzte für Menschenrechte (AIPPHR) statt. Der Saal war voll von Ärzten aus Israel, dem Gazastreifen, Ost-Jerusalem, der West Bank und den Golanhöhen. Eyad sagte: "Ich bin ein palästinensischer Arzt aus Gaza, und ich bin stolz, an der Gründung dieser Ärzte-Organisation für Menschenrechte teilzuhaben. Ich rufe Sie alle auf, daran mitzuwirken." Die Organisation wurde am gleichen Tag gegründet. Danke, Eyad!

Er sammelte Gelder und kehrte nach Gaza zurück, mit der Möglichkeit, seinen Traum zu verwirklichen: ein Zentrum für psychische Gesundheit in Gaza. Das war nicht einfach in einer Gesellschaft, in der es keine Infrastruktur und kein professionelles Personal gab. Ich beteiligte mich zusammen mit anderen Kollegen als Freiwillige beim Gaza Zentrum für Mentale Gesundheit (GCMH) an der Ausbildung von therapeutischem Personal. 

Wir stellten Kontakte zur psychologischen Abteilung der Universität Tel Aviv her und schufen einen Rahmen für Supervision und Ausbildung. Dieses Netzwerk arbeitete weiter, bis die Armee den Studenten aus Gaza nicht mehr erlaubte, für ihre Studien nach Tel Aviv zu kommen. 

Eyad gehörte nicht zu irgendeiner politischen Partei in Gaza. Er war nicht einverstanden mit der verbreiteten Meinung: Zuerst bekämpfen wir die Besatzung, und erst danach kämpfen wir für Unversehrtheit zu Hause. Die palästinensische Behörde mochte seine Meinung oder seine politische Unabhängigkeit nicht. Eyad wurde während der Zeit des Vorsitzenden Yasser Arafat 1995/96 dreimal verhaftet. Die Inhaftierung durch die eigenen Leute deprimierte ihn. Er brauchte eine lange Zeit und viele Gespräche, um wieder er selbst zu werden. Währenddessen machte das GCMH Fortschritte. Eyad kümmerte sich besonders um Kinder und Jugendliche. Er verstand deren schwierige emotionale Situation, in der die traditionelle Institution der Familie unmittelbar vor ihren eigenen Augen zerstört worden war, indem der Vater seinen Platz in der Familie verlor, entweder infolge der Schläge und Erniedrigung durch israelische Soldaten vor den Augen der Familie oder durch den Mangel und die Arbeitslosigkeit, die den Eltern aufgezwungen wurden. 

Eyad kämpfte für die Frauen in Gaza und schuf ein spezielles therapeutisches Netzwerk für sie. Das war keine leichte Aufgabe in einer traditionellen Gesellschaft im beschleunigten Prozess der Rückkehr zur Religion. Auf der ganzen Strecke unseres gemeinsamen Weges war Eyad ein untrennbarer Teil des Kampfes gegen Folter. Eyads publizierte Artikel über seine psychologische Sichtweise als Ergebnis seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Gaza ernteten große internationale Aufmerksamkeit. Eyad sagte vor dem Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen aus – nach der Operation "Vergossenes Blei" (der israelischen Armee, Anmerkung des Übersetzers) 2009. Sein Zeugnis war wichtiger Teil des Goldstoneberichts

2008 wurde das Gaza Center for Medical Health von der israelischen Armee bombardiert. Die Zerstörungen waren schwer und es war schwer für Eyad, ihnen ins Auge zu sehen. Ich traf ihn einige Zeit nach der Bombardierung. Ich sah, dass er krank war. Einige Jahre vergingen für Eyad in seinem Kampf gegen die maligne Leukämie, an der am 17. Dezember 2013 in einem Krankenhaus in Israel verstarb. 

Eyad wurde in Beersheva geboren und floh als kleiner Flüchtlingsjunge nach Gaza – er sah sich selbst als stolzer Gaza-Bürger. Er war nicht religiös und war nicht mit irgendeiner politischen Partei verbunden, sondern sein Wunsch war es, mit all der Großzügigkeit zu helfen, die ihn charakterisierte. Ich vermisse dich sehr, lieber Freund, einen Menschen, mit dem zu sprechen und Gedanken auszutauschen solch eine einzigartige Erfahrung war. Unsere Welt ist anders und ärmer ohne ihn. 

Dies ist eine gekürzte und übersetzte Fassung des Nachrufs von Dr. Ruchama Marton. Übersetzung Matthias Jochheim (IPPNW, Deutschland). Den vollständigen Nachruf in englisch finden Sie unter: www.phr.org.il/default.asp?PageID=190&ltemID=1844 


Dr. Ruchama Marton ist Präsidentin der "Physicians For Human Rights Israel" und Trägerin des alternativen Nobelpreises
ippnw-forum nr 137, märz 2014



Eyad al-Sarraj war Träger des Olof-Palme-Preises 2010 und des Martin-Ennals-Award 1998







Eyad El-Sarraj, Psychiatrist Who Fought for Palestinians’ Rights, Dies at 70 (New York Times)
Zum Tode von Dr. Eyad al-Sarraj (medico international)
Palestinians honour Gaza psychiatric pioneer (Aljazeera, Gruß übrigens an meine Freunde von der NSA!)





 








Ruchama Marton ist Gründerin der Physicians for Human Rights Israel und Trägerin des Emil-Grünzweig-Menschenrechtspreises 1999