Sonntag, 17. August 2014

Atomkraft und der menschliche Faktor

- Löcher im Schweizer AKW (Telepolis, 17.08.2014)
Sicherheit ist auch eine Frage der Nachlässigkeit. Am Reaktor Leibstadt haben Arbeiter für das Aufhängen von Handfeuerlöschern mal eben das Primärcontainment des AKW angebohrt 

Das Schweizer AKW Leibstadt liegt direkt an der Grenze zu Baden-Württemberg. Wie erst jetzt aufgefallen ist, waren 2008 für den Schutz im Brandfall Feuerlöscher installiert worden. Anscheinend erschien den Arbeitern dafür die Stahlhülle des Primärcontainments am robustesten, um die Dübel zu halten, so dass sie sechs [korrigiert:] 6 mm breite und 3,8 Zentimeter tiefe Löcher in den Sicherheitsbehälter trieben. Nach Bekanntwerden dieser improvisierten Arbeiten am Schutzbehälter kommentierte Jörg Gantzer vom Landratsamt Waldshut: "Es ist ein unglaublicher Vorgang, dass jemand auf die Idee kommt, die Stahlhülle des Primärcontainments anzubohren ... Kaum auszudenken wenn es in dieser Zeit einen Störfall mit einem Druckanstieg im Reaktor gegeben hätte." 

Anmerkung von mir: Wir reden hier nicht von Afrika, dem Nahen Osten oder Osteuropa, wir reden von der Schweiz!!

siehe dazu auch:
Atomkraftwerk – Russische Energie wird wichtiger: Belgien schaltet drei Atomkraftwerke ab (DeutscheWirtschaftsNachrichten, 24.08.2014) 
Belgien muss drei seiner Atom-Reaktoren abschalten. In einem Fall gehen die Behörden von Sabotage aus, in zwei weiteren Kraftwerken wurden Haarrisse entdeckt. Durch die Abschaltungen könnte ein Viertel der belgischen Stromversorgung dauerhaft wegfallen. Damit wird die EU noch abhängiger von Energie-Lieferungen aus Russland. 
Die belgischen Behörden haben wegen Sicherheitsbedenken drei der landesweit sieben Atomreaktoren längerfristig abgeschaltet. In Doel bei Antwerpen ist die Dampfturbine eines Reaktors heißgelaufen und ausgefallen, weil Öl ausgelaufen ist. Als Ursache wird Sabotage durch einen Mitarbeiter vermutet, der ein Ventil offen gelassen haben soll, die Staatsanwaltschaft ermittelt. In zwei weiteren Reaktoren wurden Haarrisse in Behältern gefunden. Die Reaktoren könnten für immer abgeschaltet bleiben, denn sollten sich die Risse ausdehnen könnte Wasser austreten. 
Zwei weitere Blöcke sind in Doel bereits abgeschaltet, weil im November 2012 bei einer Routineinspektion mit Ultraschall tausende von Rissen in den Reaktordruckbehältern entdeckt worden waren. Zunächst waren die Anlagen nach einer Prüfung im Juni 2013 wieder hochgefahren worden, dann wurden sie im März 2014 wieder abgeschaltet, weil die belgischen Behörden nicht sicher waren, dass die Behälter mechanisch wirklich noch belastbar sind.  

siehe dazu auch:
- Zwei belgische Atommeiler vor der definitiven Abschaltung? (Telepolis, 20.08.2014)
Notfallpläne werden geschmiedet, die gefährlichen Risse können in Reaktorbehältern auch in der Schweiz, den Niederlanden, Schweden, Spanien, den USA und Argentinien auftreten 
Der flämische Rundfunk VRT berichtet, dass die beiden Atommeiler Doel 3 und Tihange 2 vermutlich wohl nicht mehr ans Netz gehen können. Schon 2012 waren sie abgeschaltet worden, weil 8.000 Risse bei einer Ultraschallprüfung am Reaktorbehälter in Doel 3 entdeckt wurden, weshalb der baugleiche Meiler in Tihange zur Sicherheit ebenfalls vom Netz genommen worden war (Risse an Reaktorbehältern). Allerdings wurde später berichtet, dass die Probleme mit dem verwendeten Stahl schon seit 1979 bekannt waren.

- Atomkraft in Belgien (Überhauptgarnix, 23.08.2014)
Der belgische Atomreaktor BR-3 im Studienzentrum für Kernenergie war der erste kommerzielle Reaktor des Landes. Er wurde am 30. Juni 1987 endgültig stillgelegt. 


Derzeit [August 2014] sind in Belgien noch die beiden Atomkraftwerke Doel und Tihange mit insgesamt 7 Reaktorblöcken in Betrieb. Sie verfügen über eine installierte Bruttogesamtleistung von 6.104 MW und decken einen Anteil von etwa 54% der gesamten Stromerzeugung Belgiens. Betreiber der beiden Atomkraftwerke ist der belgische Konzern Electrabel der wiederum zum französischen Energiekonzern GDF Suez gehört.


siehe dazu auch:
- Atom: Der ganz normale Pfusch (Telepolis, 06.09.2014)
Wieder einmal wurde in Deutschland beim Umgang mit hochradioaktivem Material geschlampt. In Japan startet derweil die Regierung ein neues Manöver, um einen Teil der dortigen AKW wieder ans Netz zu bringen
Nach einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks hat die Bundesanstalt für Materialforschung 44 sogenannte Castor-Behältern für hochradioaktiven Müll zurückgerufen. Sie sollen noch einmal zum Hersteller, der Gesellschaft für Nukleare Sicherheit, weil Teile der Behälter nicht ausreichend geprüft worden seien. In vier Fällen käme der Rückruf aber zu spät, da sie bereits mit abgebrannten Brennelementen befüllt seien.

 aktualisiert am 06.09.2014
 

Samstag, 16. August 2014

Peter Scholl-Latour ist tot

DER SPIEGEL (13.11.2006) nannte ihn 2006 anlässlich der Vorstellung seines 27. Buches den »letzten Welterklärer«.

Peter Scholl-Latour wurde als »Halbjude« im Saarland geboren, wuchs in Lothringen auf, besuchte ein Jesuitenkolleg, war in Gestapo-Haft, als französischer Offizier im Indochinakrieg, studierte Philologie und Literaturwissenschaft in Mainz und an der Pariser Sorbonne, promovierte über Rudolf G. Binding, studierte in Beirut Arabistik und Islamkunde, fungierte als Regierungssprecher des Saarlandes, war ARD-Korrespondent für Afrika, gründete das ARD-Studio in Paris, Chefkorrespondent beim ZDF, machte als Sonderkorrespondent des ZDF eine Woche Gefangenschaft bei den Vietcong mit, schmuggelte als journalistischer Begleiter des aus Paris zurückkehrenden Ayatollah Chomeini die neue iranische Verfassung in seinem Gepäck, war WRD-Fernsehdirektor, Chefredakteur und Herausgeber des Stern und Vorstandsmitglied bei Grunder + Jahr.

Er befürwortete als erklärter Gaullist eine gemeinsame europäische Verteidiung und kritisierte die EU-Osterweiterung, kritisierte schon im Vorfeld unter Hinweis auf den französischen Algerienkrieg die Kriege im Irak und in Afghanisten und sagte deren Scheitern voraus. Al-Quaida war für ihn ein CIA-Produkt, und er nahm auch kein Blatt vor den Mund, als er George W. Bush den dümmsten Präsidenten der US-amerikanischen Geschichte nannte.

Der Sicherheitsrat lügt [0:46]

Hochgeladen am 06.04.2011 
"Natürlich lügt der Sicherheitsrat. Wie naiv sind sie denn?"

Bei der ARD finden sich eine kurze Einschätzung seiner journalistische Tätigkeit und ein hörenswertes Gespräch mit Ulrich Wickert über seine Persönlichkeit. (Gespräch mit Wickert auch beim Deutschlandradio)

Nachrufe
- bei der ZEIT: Nachruf Peter Scholl-Latour – Die letzte Reise des Weltenerklärers (16.08.2014)
- beim SPIEGEL: Nachruf auf Peter Scholl-Latour: Der ewige Abenteurer (16.08.2014)
- beim Stern: Peter Scholl-Latour – "Letzter journalistischer Welterklärer" ist tot (16.08.2014)
beim Deutschlandradio:
zwei Selbstinterpretationen
- http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2014/08/16/drk_20140816_2305_a8853f1f.mp3
- http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2014/08/16/dlf_20140816_1809_8b16c962.mp3
Einschätzungen durch
- Fritz Pleitgen
- Marcel Pott
- Denk ich an Deutschland (Peter Scholl-Latour)
- Scholl-Latour: "Wir leben in einer Zeit der Massenverblödung" (Telepolis, 09.03.2014)

Zitat vom altermannblog:
Widerlich die Nachrufe der Michelpresse, die Krokodilstränen vergießen, für einen Mann, der ihnen zunehmend lästig wurde. (Dort gibt es auch einen Link zu einem entsprechenden Artikel von Joachim Fritz Vannahme, bei Bertelsmann Director des Programms Europas Zukunft…) Aus einem Leserkommentar:
»In Zukunft wird Kluges nicht mal mehr genuschelt.«


zu Peter Scholl-Latour siehe auch folgende Posts:
Leseempfehlungen für den 21. Juni 2014 (21.06.2014) 
Der Ukraine-Konflikt 5 – Die Nagelprobe des Journalismus (21.04.2014)
Peter Scholl-Latour wird heute 90 Jahre alt (09.03.2014)
Der Ukraine-Konflikt 1 – Westliche Aufgeregtheit und staatliches Gedächtnis (04.03.2014)


einige Zitate:
»Wenn Sie sich einmal anschauen, wie einseitig die hiesigen Medien, von TAZ bis Welt, über die Ereignisse in der Ukraine berichten, dann kann man wirklich von einer Desinformation im großen Stil berichten, flankiert von den technischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters, dann kann man nur feststellen, die Globalisierung hat in der Medienwelt zu einer betrüblichen Provinzialisierung geführt. Ähnliches fand und findet ja bezüglich Syrien und anderen Krisenherden statt.« ("Wir leben in einer Zeit der Massenverblödung", Ramon Schack, Telepolis, 09.03.2014)

»Die Medien machen eine systematische Hetze gegen das Russland Putins.« ("Deutsche an die Front? Berlin denkt um", Internationaler Frühschoppen, 02.02.2014)

“So lupenrein ist unsere Demokratie auch nicht mehr….wenn man allein die Herrschaft der Medien betrachtet, da gibts eben doch sehr starke Beeinflussungen…die Einseitigkeit, die Irreführung der öffentlichen Meinung, hat man ja am Beispiel Syrien gesehen, das ist ein konzentrierter Beschuss….” (Video: maybrit illner "Ägypten zwischen Glaube und Gewalt - Erwartet der Westen zu viel?", »Steht Ägypten vor dem Bürgerkrieg?«, 22.08.2013, ab 53:30)

"Ich fürchte nicht die Stärke des Islam, sondern die Schwäche des Abendlandes. Das Christentum hat teilweise schon abgedankt. Es hat keine verpflichtende Sittenlehre, keine Dogmen mehr. Das ist in den Augen der Muslime auch das Verächtliche am Abendland." - (zitiert bei Eduard Stäuble: Die Schweiz und die geistige Situation der Gegenwart. Schweizerzeit Schriftenreihe Nr. 34, 2000, Seite 39, Fußnote 12, GoogleBooks)

- Die Freiheitskämpfer [in Libyen] benehmen sich genauso schlimm wie die Truppen Gaddhafis. […] Er ist gefoltert und gepfählt worden. Das sind die Methoden der Freiheitskämpfer. Man soll nicht so furchtbar einseitig schwarz-weiß denken und daran denken, daß der libanesische Bürgerkrieg 15 Jahre lang gedauert hat.
- Die Jungs, die da mit Facebook rumspielen, das sind Dilettanten.
- Um eine Revolution zu machen muß man Schläger haben und Ganoven haben und nicht irgendwelche jungen Leute, Idealisten.
- Dieses humanitäre Geschwafel bin ich leid.
(Video: Peter Scholl Latour rastet aus Syrien , Salafisten, Islam Der Talkshow Eklat)


Heute vor 90 Jahren – 16. August 1924: In London wird der Dawesplan unterzeichnet

Atempause für die deutsche Wirtschaft 

Der Konflikt um die Höhe der Reparationen, die Deutschland nach dem Ende des Ersten Weltkriegs an die Alliierten zahlen sollte, eskalierte 1923 mit der französischen Besetzung des Ruhrgebiets. Ein internationaler Sachverständigenausschuss unter der Leitung des Amerikaners Charles Dawes (1865-1951) erarbeitete einen neuen FinanzierungspIan, der die Zahlungen ausschließlich von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Deutschen Reichs abhängig machte. Die jährliche Belastung Deutschlands sollte 1 Mrd. Reichsmark (RM) betragen und nach fünf Jahren auf 2,5 Mrd. RM anwachsen. Als Starthilfe sollte Deutschland eine internationale Anleihe erhalten. Zur Sicherung der Zahlungen mussten die Reichsbahn und die Reichsbank unter internationale Kontrolle gestellt werden. 

Der Dawesplan wurde später vom Youngplan abgelöst,
wie es die Karikatur von 1929 zeigt.
  Der am 16. August 1924 in London unterzeichnete Dawesplan erreichte zumindest zeitweilig sein Ziel, die deutsche und europäische Wirtschaft zu stabilisieren. Als sich die Verpflichtungen für das Deutsche Reich als nicht mehr tragbar erwiesen, trat 1929 der Youngplan an seine Stelle. 

Youngplan 
▪︎ kam dem deutschen Wunsch nach Senkung der Schuldenlast entgegen  
▪︎ beendete die Einschränkung der deutschen Souveränität 
▪︎ wurde schon 1932 wieder aufgehoben 
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Freitag, 15. August 2014

Ukraine 15 – Die – zumindest teilweise – Vernichtung eines gepanzerten russischen Phantom-Konvois

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Heute vor 100 Jahren – 15. August 1914: Das erste Schiff durchfährt den Panamakanal

Die Idee war mehrere Hundert Jahre alt - ehe die schiffbare Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik durch den Panama-Kanal eröffnet werden konnte, brauchte es aber eine Revolution, eine spektakuläre Pleite und 30.000 Tote.

Am 15. August 1914, also vor 100 Jahren, durchfuhr der 200 Passagiere befördernde Dampfer "Ancona" als erstes Wasserfahrzeug den von den Amerikanern nach 10-jähriger Bauzeit errichteten knapp 82 km langen Panamakanal. Erstmals gelangte damit ein Schiff vom Atlantik in den Pazifik ohne die Umfahrung des südamerikanischen Kontinents und des dortigen berühmt-berüchtigten Kap Hoorn.
mehr, auch zum Bau und seiner politischen Geschichte:
- 100 Jahre Panama-Kanal + Video (Wirtschaftsblatt, 15.08.2014)

- Der Panamakanal – Geschichte einer technischen Meisterleistung (3sat, 29.06.2014, mit Link zum Video)
- Bilder – Seit dem 15.8.1914 ist der Panamakanal befahrbar (Bilderstrecke bei der Tagesschau)
- Der Panamakanal wird 100 – Ein gigantisches Projekt (Tagesschau, 15.08.2014, mit Video)
- 100 Jahre Panamakanal – Der große Schnitt durch den Kontinent (Stern, 14.08.2014, mit Bildergalerie)
- Wasserstraßen – Seit hundert Jahren teilt der Panamakanal die Erde (Spektrum, 21.08.2014)
- Der Panamakanal feiert Geburtstag – Hundert Jahre Auf und Ab (Stuttgarter Zeitung, 13.08.2014, mit Video)
- Panamakanal – eine Wasserstraße wird 100 Jahre alt (Wissen.de)
- 100 Jahre Panama-Kanal – Der Geldfluss (Der Tagesspiegel, 15.08.2014)
- Panamakanal – Diese Wasserstraße kostete 28.000 Menschenleben (Die Welt, 15.08.2014)
Vor hundert Jahren ging die Verbindung vom Atlantik zum Pazifik in Betrieb. Der insgesamt 82 Kilometer lange Kanal war ein alter Menschheitstraum und trug zum Aufstieg der USA zur Supermacht bei.
- Hundert Jahre Panama-Kanal (Le Monde Diplomatique, 08.08.2014)
Die wichtigste Wasserstraße Amerikas war von Anfang an nicht einfach nur ein Handelsweg, sondern immer auch ein geostrategisches Projekt der USA. Ein neuer Kanal quer durch Nicaragua, gebaut von Chinesen, soll ihm nun Konkurrenz machen.  
- 100 Jahre Panamakanal ... ein Beispiel amerikanischer, imperialistischer Politik ... (Schnittpunkt 2012, 17.08.2014)
Die Wasserstraße am Isthmus, zwischen Atlantik und Pazifik, ist rund 80 Kilometer lang und gilt noch immer als eine der größten Ingenieursleistungen der Geschichte.
Als die "SS Ancon" am 15. August 1914 als erstes Schiff den Panamakanal durchfuhr, wurde ein Jahrhunderte alter Menschheitstraum Wirklichkeit. Bereits im 16. Jahrhundert ließ der spanische Kaiser Karl V. Baupläne für eine Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik entwerfen. Auch der deutsche Forschungsreisende Alexander von Humboldt träumte von einem Kanal über den Isthmus.
Doch es sollte bis Anfang des 20. Jahrhunderts dauern sowie Tausende Menschenleben und Millionen Dollar kosten, bis die interozeanische Wasserstraße Realität wurde. Zunächst versuchten sich die Franzosen an dem Bau des Kanals. 1880 begannen die Arbeiten unter der Leitung des Suez-Kanal-Erbauers Ferdinand de Lesseps. Allerdings unterschätzten die Franzosen die schwierigen geologischen Verhältnisse und die Gefahr durch Tropenkrankheiten. Nach neun Jahren waren Malaria und Gelbfieber schätzungsweise 20.000 Arbeiter zum Opfer gefallen und die aufwendigen Arbeiten hatten die Kanalgesellschaft in den Konkurs getrieben.

- Der Kampf um den Panamakanal (Le Monde Diplomatique, 23.04.1998)
Am Silvestertag übergeben die USA die legendäre Wasserstraße an Panama. Der Bau, 1880 bis 1914, war ein Finanzkrimi, eine diplomatische Gaunerkomödie - und ein technisches Meisterwerk. 
- Der Panamakanal - seine Geschichte (Seefunknetz, 1999)
- Ende gut, alles gut? Der lange Abschied der USA vom Panamakanal (Quetzal, 1999)
- Die schleichende Revision der Verträge – Geschichte und Gegenwart des Panamakanals (ila, November 2003)
 
aktualisiert am 07.09.2014

Da ist niemand, dem man die Schuld geben kann

Hartz IV Von der Universität ins Jobcenter. Wie man von heute auf morgen Hartz IV-Empfänger wird. Ein persönlicher Erfahrungsbericht 

Fünf Jahre Bulimie-Lernen, nächtliche Lernmarathons und das Schreiben von Hausarbeiten im Wochentakt waren vorbei. Endlich hatte ich ihn in der Tasche: den Universitätsabschluss. Und nun: Bewerben natürlich! Karriere machen, Geld verdienen, Familie gründen. Ich war bereit die Welt zu erobern, aber merkte schnell, dass die Welt von mir nicht erobert werden wollte.

mehr bei:
- Da ist niemand, dem man die Schuld geben kann (Der Freitag, Nutzerbeitrag, 15.08.2014)

Mittwoch, 13. August 2014

Heute vor 35 Jahren – 13. August 1979: Die »Cap Anamur« rettet »Boatpeople«

Eine Arche Noah für Flüchtlinge 

900.000 Vietnamesen versuchten zwischen 1975 und 1995 auf Booten aus ihrer Heimat zu fliehen, nachdem die Kommunisten 1975 den Vietnamkrieg gewonnen hatten und Hunger und Repression an der Tagesordnung waren. In kleinen, überladenen Booten harrten die Menschen zuweilen wochenlang auf dem Meer aus. Und das in ständiger Angst, denn Piraten stoppten immer wieder die »Nussschalen« der Flüchtenden, um deren letzte Habe zu rauben, die Frauen zu vergewaltigen und ganze Familien zu ermorden. 

 
Ein Flüchtlingsboot kentert beim Anlegen an die »Cap Anamur«, 1979

Der Kölner Journalist Rupert Neudeck und seine Ehefrau Christel wollten dieses Elend nicht länger mitansehen und gründeten 1979 die Initiative »Ein Schiff für Vietnam«. Sie machten medienwirksam auf das Schicksal der »Boatpeople« aufmerksam. Gemeinsam mit Heinrich Böll und anderen prominenten Schriftstellern und Politikern baten sie um finanzielle Unterstützung. In kurzer Zeit sammelte das Komitee über 1 Mio. DM an Spenden. Damit charterten sie ein großes Schiff, mit dem sie möglichst viele Flüchtlinge aufnehmen wollten, die »Cap Anamur«. Sie stach am 7. August in See und konnte am 13. August 1979, heute vor 35 jahren, die ersten Hilfesuchenden retten, die auch in Deutschland bleiben durften. Anders als Asylsuchende erhielten die Boatpeople sofort ein Bleiberecht, dank eines eigens für sie geschaffenen Gesetzes. 

Was am 13. August noch geschah: 
1876: Die ersten Bayreuther Wagnerfestspiele werden eröffnet. 
  Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Dienstag, 12. August 2014

Vor 200 Jahren – Frühes 19. Jahrhundert: Fraunhofer als Pionier der Optik

Ein Autodidakt holt die Sterne vom Himmel 

Joseph von Fraunhofer (1787-1826) war ein genialer Forscher und Erfinder, der im Bereich der Optik bahnbrechend wirkte. Zudem verstand er es bestens, seine Forschungsergebnisse praktisch umzusetzen und die daraus resultierenden Produkte zu vermarkten. Er stellte sehr hochwertiges Glas her und verbesserte die Produktion optischer Linsen entscheidend. So ermöglichte er u. a. den Bau von Fernrohren mit einer Vergrößerung, die zuvor unvorstellbar war. Dabei hatte er sich alles Wissen über die Optik selbst angeeignet: Einer der bedeutendsten deutschen Naturwissenschaftler machte als Autodidakt Karriere. 
 
Werkstatt des Optikers und Physikers Joseph von Fraunhofer
(Stadtmuseum München, Anfang 19. Jh.)

Ein Unglück erwies sich im Nachhinein in gewisser Weise als Glücksfall für den wissbegierigen Jungen aus einer kinderreichen Familie: Als 1801 das Haus seines Lehrmeisters in München einstürzte, überlebte Joseph wie durch ein Wunder und wurde ob des großen Interesses der Öffentlichkeit an dem tragischen Vorfall bekannt und gefördert. Er konnte nun eine Schule besuchen und wurde schon mit 22 Jahren Teilhaber an einer Glashütte in Benediktbeuern, wo er neue Verfahren entwickelte und zu einem der besten Glasmacher seiner Zeit avancierte. 

Was am 12. August noch geschah: 
1969: In Londonderry eskaliert der Nordirlandkonflikt in Straßenschlachten zwischen Protestanten und Katholiken. 

Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Montag, 11. August 2014

Robin Williams ist tot

Man hat ihm ja vieles abgenommen, den manischen Radiosprecher in Vietnam, den ernsten Therapeuten, den pathetischen Lehrer. Den Einsamen und den Überdrehten. Aber dass er eine Frau sein solle, das dann doch nicht. Es war viel zu offensichtlich, dass unter den Kleidern von Mrs. Doubtfire ein Faxenmacher steckte, der alle zum Narren hielt. Nur die Figuren in der Komödie «Mrs. Doubtfire» (1993) schienen es nicht zu bemerken, und das war der Clou: dass sich da einer ein zweites Gesicht gibt, die Gesten mit zu hoher Spannung überlastet und das Leben bis zum Anschlag aufdreht, sodass alle rundherum wie vom Blitz getroffen werden.  
mehr:
- «Ich sterbe! Ich sterbe!» (Tagesanzeiger.ch, 12.08.2014)

Robin Williams in "Good Morning Vietnam" ft. Louis Armstrong - What A Wonderful World [2:44]


Veröffentlicht am 11.08.2014 
Keine Beschreibung verfügbar

Robin Williams war, wie ich heute gelesen habe, einer der wenigen Hollywood-Schauspieler mit Tiefgang und ist für mich ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie die Bewältigungsversuche von Leid Geniales hervorzubringen imstande sind…

http://static4.solarmovie.is/images/movies/1560169_big.jpg

siehe auch

[Great Movie Scenes] Good Will Hunting - Park Scene [4:45]


Hochgeladen am 23.07.2007 
Just a terrific scene. I don't know what else to say. Great acting by Robin Williams. You call actually feel what he is saying.
A little background: Matt Damon sees a painting in Robin Williams office, who plays his psychiatrist, and assumes he knows everything about him by just looking at it. Needless to say, Robin Williams is pissed, and this is their next meeting.

Good Will Hunting - Superphilosophy [4:25]

Hochgeladen am 28.12.2009 
This is a very interesting conversation in Good Will Hunting, I really love this movie :)

Famous Movie Scene: Good Will Hunting "It's Not Your Fault" HD [4:12]

Hochgeladen am 24.08.2011 
Famous Movie Scenes
Good Will Hunting (1997)
"It's Not Your Fault"
Actors In This Scene:
Matt Damon
Robin Williams
Stellan Skarsgård
For Entertainment and Expression Purposes
I Do Not Own The Rights To This Film
Property of Miramax Films

- Good Will Hunting: An Oral History (Boston Magazine, Januar 2013) 

Robin Williams' final sign off in "Good Morning Vietnam" [1:49]

Veröffentlicht am 11.08.2014 
End of the movie; this part always stuck with me. Now that he's gone, I felt it couldn't be more relevant. Godspeed, Genie, you're free.

Robin Williams Fans Turn GOOD WILL HUNTING Bench into Memorial [0:28]

Veröffentlicht am 12.08.2014 
The news of Robin Williams‘ death last night hit everyone hard. In Boston, fans decided to pay tribute to one of Hollywood’s funniest stars by turning the bench from 1997′s Good Will Hunting (which earned Williams his Oscar for Best Supporting Actor) into a makeshift memorial. Since Monday night, fans have been visiting Boston Public Garden to leave flowers and write messages by the bench.
A petition has also been started to create a bronze statue of Williams sitting on the bench.
R.I.P. Robin Williams: Fans Turn GOOD WILL HUNTING Bench into Memorial
by Michael Choi Posted: August 12, 2014
ROBIN WILLIAMS MEMORIAL IN BOSTON – The news of Robin Williams‘ death last night hit everyone hard. In Boston, fans decided to pay tribute to one of Hollywood’s funniest stars by turning the bench from 1997′s Good Will Hunting (which earned Williams his Oscar for Best Supporting Actor) into a makeshift memorial. Since Monday night, fans have been visiting Boston Public Garden to leave flowers and write messages by the bench.
Here’s the iconic scene from Good Will Hunting:
Source: Boston.com
aktualisiert am 20.10.2017

Samstag, 9. August 2014

Heute vor 500 Jahren – 9. August 1514: Ulrich von Wittenberg schlägt Bundschuhaufstand nieder

»Kein Herr als Kaiser, Gott und Papst« 

Die Lebensverhältnisse der Bauern im deutschen Südwesten waren zu Beginn des 16. jahrhunderts äußerst bescheiden. Steigende Abgaben und Missernten verschärften die Lage und bedrohten die Bauern in ihrer Existenz. Unter dem Symbol des Bundschuhs erhoben sich die Bauern seit Ende des 15. Jahrhunderts zu Aufständen, die als Vorläufer des Bauernkriegs von 1524 bis 1526 gelten. 
 
Bauer mit Bundschuhfahne (Holzschnitt, 1514)


Die Fahne mit dem Bild eines mit Riemen gebundenen Bauernschuhs war das Symbol der Aufständischen. Ziele der Bundschuh-Bauernerhebung waren die Abschaffung der Leibeigenschaft, die Verteilung der kirchlichen Güter und der freie Zugang aller Dorfbewohner zur Allmende (Wälder, Wiesen, Wasser). Als Herrn wollten die Anhänger des Bundschuhs lediglich den Kaiser anerkennen. Auch in Württemberg hatte der Bauernkrieg seine Vorboten: Ulrich von Württemberg (1487-1550) schlug heute vor 500 Jahren die Bewegung des »Armen Konrad« im Remstal nieder. Er musste den Bauern dennoch politisch entgegenkommen, da sie ihm seine Politik und seinen ausschweifenden Lebensstil finanzierten. Noch im selben jahr gewährte der Fürst im Tübinger Vertrag verfassungsmäßig festgeschriebene Mitspracherechte. 

Was am 9. August noch geschah: 
 1945: Die US-amerikanische Luftwaffe wirft eine Atombombe über Nagasaki ab
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014