Sonntag, 28. Dezember 2008

Politologe Samuel P. Huntington gestorben

Der Politologe Samuel P. Huntington ist tot. Die Theorie, sagte Karl Marx, wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift. Nur selten gelingt es Theoretikern aber, eine Losung zu finden, die ihren Gedanken ermöglicht, ins Alltagsgespräch zu dringen. Zu ihnen gehörte Samuel Huntington. 

 An Heiligabend ist der Politikwissenschaftler, der 58 Jahre an der Universität Harvard gelehrt hatte, in seinem Haus auf der Insel Martha's Vineyard gestorben.

Zwei gegensätzliche Konzepte der geschichtlichen Entwicklung haben die intellektuelle Diskussion seit dem Fall des Kommunismus beherrscht: Francis Fukuyamas These vom "Ende der Geschichte" und Samuel Huntingtons "Clash of Civilizations". Fukuyama formulierte im Jahr des Mauerfalls 1989 eine optimistische Vision der Zukunft, der zufolge die Geschichte mit einer gewissen Zwangsläufigkeit dazu neigt, liberale, kapitalistische Demokratien hervorzubringen. Huntingtons dunklere Vision, zuerst 1993 formuliert, sieht nach dem Ende des Kalten Krieges eine Ära voraus, die vom permanenten Kampf zwischen kulturell bestimmten Machtblöcken geprägt ist.

Huntington unterscheidet zwischen acht verschiedenen "Kulturen", "Zivilisationen" oder kulturellen Machtblöcken: 1. die westliche, mit den Machtzentren USA und Europa; 2. die slawisch-orthodoxe um das Machtzentrum Russland; 3. die islamische; 4. die "sinische" (China, Korea, die Mongolei), 5. Japan; 6. die hinduistische (vor allem Indien); 7. die lateinamerikanische und 8. die afrikanische Zivilisation. Besondere Aufregung verursachten Anfang der 90er-Jahre Huntingtons These vom Wiedererstarken der islamischen Zivilisation und seine Warnung vor den Konflikten "an den blutigen Rändern des Islam". Als am 11. September 2001 islamistische Terroristen das Herz des Westens angriffen, schien Huntington als Prophet bestätigt.

Wie fast allen Untergangspropheten ging es freilich auch Huntington darum, zu verhindern, dass die schlimmsten Folgen seiner Prophetie tatsächlich eintreten. Geprägt hatte ihn wie die meisten seiner Generation – er ist 1927 geboren – die Erfahrung des Vietnamkriegs. Damals glaubten die Theoretiker um John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson, denen auch Huntington als Berater diente, die Entwicklung Südvietnams zu einer prosperierenden Gesellschaft nach westlichem Vorbild bei gleichzeitiger Isolierung und Bekämpfung der Vietcong müsste dem kommunistischen Aufstand den Boden entziehen. Den Grund für das Scheitern der USA in Vietnam sah Huntington darin, dass die Amerikaner die kulturell geprägte Mentalität der Vietnamesen nicht verstanden hätten.

mehr:
- Politologe Samuel P. Huntington gestorben (Alan Posener, die Welt, 27.12.2008)
Huntington sieht die amerikanische Demokratie als Produkt einer bestimmten, angelsächsisch-protestantisch geprägten Kultur, mit ihrem Arbeits- und Verantwortungsethos, ihrem Geist des Kompromisses und ihrer Tradition der Selbstverwaltung auf der Basis gemeinsamer Werte. Im multikulturellen Großstadtdschungel sieht Huntington diese Werte genauso auf verlorenem Posten wie im Dschungel Vietnams.

Huntington blieb ein widerspruchsvoller Mensch: ein Anhänger der Demokratischen Partei, der aber im Zweifel der Ordnung den Vorrang vor der Freiheit gab; ein feuriger Vertreter seiner Prinzipien, der dennoch die schärfste Widerrede nicht nur duldete, sondern begrüßte; ein Akademiker, der bereits mit 23 Jahren an der Eliteuniversität Harvard lehrte, und zugleich ein engagierter Politikberater, der nie die Ferne vom Establishment zur Tugend erhob.

Von sich und seinem Land verlangte er Ehrlichkeit. Seiner Meinung nach war diese Ehrlichkeit unvereinbar mit "universalistischen Prätentionen", die zu Heuchelei, Doppelmoral und der Politik des "aber nicht" führten: "Die Demokratie wird gefördert, aber nicht, wenn sie islamistische Fundamentalisten an die Macht bringt; die Nichtproliferation wird für den Iran und den Irak gepredigt, aber nicht für Israel; der Freihandel ist das Elixier des Wachstums, aber nicht für unsere Landwirtschaft, Menschenrechte sind wichtig in China, aber nicht in Saudi-Arabien", schrieb er im "Kampf der Kulturen". Und bewies damit, dass der Wissenschaftler in seinem Herzen, wie die meisten Amerikaner, ein unverbesserlicher Moralist war.


An Introduction to Samuel Huntington’s The Clash of Civilizations- A Macat Politics Analysis [3:32]

Veröffentlicht am 12.05.2015
Samuel Huntington’s The Clash of Civilizations is one of the most influential works ever written in the field of politics. This short video from Macat explains the key ideas in the work in only a few minutes. 

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The Clash of Civilizations Summary [2:42]

Veröffentlicht am 30.06.2013
The Clash of Civilizations by Samuel Huntington
Summary

Samuel Huntington on the 'Clash of Civilizations' [22:05]

Hochgeladen am 11.09.2011

» Der Westen eroberte die Welt nicht durch die Überlegenheit seiner Ideen oder Werte oder seiner Religion (zu der sich nur wenige Angehörige anderer Kulturen bekehrten), sondern vielmehr durch seine Überlegenheit bei der Anwendung von organisierter Gewalt. Oftmals vergessen Westler diese Tatsache; Nichtwestler vergessen sie niemals. « 
[Samuel Phillips Huntington: Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert. 5. Auflage, Siedler bei Goldmann, München 1998, S. 68., zit in Wikipedia]

Noam Chomsky on The "Clash of Civilizations" [3:29]

Hochgeladen am 02.03.2007
Noam Chomsky on the Samuel P. Huntington "clash of civilizations", Islam, and the West's relashionship to the most extreme Islamic state - Saudi Arabia, a "key ally", according to Tony Blair.

"Who does control the world?" - Noam Chomsky - BBC interview 2003 [18:14]

Veröffentlicht am 21.02.2015
Noam Chomsky BBC interview 2003 , http://www.betterworldlinks.org/
Also very important informations about capitalism you will find here: Prof. Richard Wolff https://www.youtube.com/channel/UCB-5... , Ecosocialism, climate justice, degrowth - Joanna Cabello [Carbontradewatch] - Daniel Tanuro [Ecosocialist International Network] https://www.youtube.com/watch?v=csuHt...
George Carlin: "Who Really Controls America" https://www.youtube.com/watch?v=hYIC0...

Last Samurai - Katsumoto [5:06]

Hochgeladen am 06.11.2009
Katsumoto - Ende

siehe auch:
- "Last Samurai" im Kino: Ein Offizier und Gentleman (Fritz Göttler, Südddeutsche, 11.05.2010)

The Last Samurai I Will Tell You How He Lived [6:20]

Veröffentlicht am 09.12.2015

mein Kommentar:
Wir müssen die Dinge, die uns berühren, bewahren! 
Und wir müssen eine Welt verhindern, in der uns nichts mehr berührt!

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Der Weihnachts-Theobald 2008

Jetzt sind’s nur noch wenige Stunden bis zur Bescherung, und bald haben wir dieses Jahr auch wieder hinter uns.
Angesichts solcher Zeiten frage ich mich immer, was ich die ganze Zeit gemacht hab’.

Frohe Weihnachten an alle, die hier vorbeikommen, einen Guten Rutsch und alles was Ihr sonst noch glaubt zu brauchen!

Adventsrätsel (das letzte von vierundzwanzig)

Es schnaubt und heult die Straße herauf
und hat doch keine Lunge.
Es leckt den Schnee wie Butter auf
und hat doch keine Zunge.

(Lösung zu Nr. 23,
Lösung zu Nr. 24)

Dienstag, 23. Dezember 2008

Adventsrätsel (das dreiundzwanzigste von vierundzwanzig)

Das ist die wunderschöne Brück’,
darüber noch kein Mensch gegangen,
nicht hin und nicht zurück.
Sie steht in sieben Farben da
Und ist dem Himmel näher noch als nah.

(Lösung zu Nr. 22)

Montag, 22. Dezember 2008

Adventsrätsel (das zweiundzwanzigste von vierundzwanzig)

Vom ersten bis zum letzten Atemzug
genießt du es und hast doch nicht genug.
Doch was ihm erst die Menschwürde leiht
für dieses ganze, lange Zeit,
der Lohn und auch der höchste Sinn,
zeigt es dir erst mit einem i darin.

(Lösung zu Nr. 21)

Sonntag, 21. Dezember 2008

Adventsrätsel (das einundzwanzigste von vierundzwanzig)

Das Kalte mache ich warm,
das Heiße mache ich kalt.
Es hat mich Reich und Arm,
wer lang mich hat, wird alt.

(Lösung zu Nr. 20 [Mehrzahl])

Samstag, 20. Dezember 2008

Adventsrätsel (das zwanzigste von vierundzwanzig)

Sie führen dich durch Flur und Tann,
doch kopflos sind sie fade stets,
und sind sie doppelt kopflos dann,
fort aus der trauten Heimat geht’s.

(Lösung zu Nr. 19)

Freitag, 19. Dezember 2008

Adventsrätsel (das neunzehnte von vierundzwanzig)

Was hat am Anfang 16 Beine, dann gar keine und schließlich sechs?

(Lösung zu Nr. 18)

Dr. Oetker’s Bhagwan-Pulver, Neuauflage

und noch zwei Nachzügler…

Danke!

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Weihnachtsgrüße

So, der letzte Patient für dieses Jahr ist aus der Tür raus. In dem ganzen Streß bin ich nicht dazu gekommen, mich nach einer stimmungsvollen und halbwegs anspruchvollen Weihnachtsgeschichte umzusehen. Deshalb poste ich unten Links zu meinen Posts aus den letzten Jahren.
Heute morgen erreichte mich dann ein kleines Gedicht von einer alten Schulkameradin, der ich hiermit ganz herzlich dafür danke, mich in die Lage versetzt zu haben, doch noch etwas aktuelles anbieten zu können:

Weihnachtsgedicht

When the snow falls wunderbar,
and the children happy are.
When the Glatteis on the street,
and we all a Glühwein need.
Then you know, es ist soweit.
she is here, the Weihnachtszeit.

Every Parkhaus is besetzt,
weil die people fahren jetzt.
All to Kaufhof, Mediamarkt,
kriegen nearly Herzinfarkt.
Shopping hirnverbrannte things,
and the Christmasglocke rings.

Mother in the kitchen bakes,
Schoko-, Nuss- and Mandelkeks.
Daddy in the Nebenraum,
schmücks a Riesen-Weihnachtsbaum.
He is hanging off the balls,
then he from the Leiter falls.

Finally the Kinderlein,
to the Zimmer kommen rein.
And it sings the family
Schauerlich: "Oh, Chistmastree!"
And then jeder in the house,
is packing the Geschenke aus.

Mama finds unter the Tanne,
eine brandnew Teflon-Pfanne.
Papa gets a Schlips and Socken,
everybody does frohlocken.
President speaks in TV,
all around is Harmonie.

Bis mother in the kitchen runs,
im Ofen burns the Weihnachtsgans.
And so comes die Feuerwehr,
with Tatü, tata daher.
And they bring a long, long Schlauch,
and a long, long Leiter auch.
And they schrei - "Wasser marsch!",
Christmas now is in the Arsch.


Links zu Weihnachtsposts der letzten Jahre:
- Friede im Krieg
- Das Licht der Hoffnung
- Vorweihnachtliches
- Die Geschichte vom Lametta
- Ohne Worte beten

Adventsrätsel (das achtzehnte von vierundzwanzig)

Der ist überall willkommen,
darf zur sprödsten Schönen kommen.
Die kann durch ein leises Drücken
zarte Liebe hoch beglücken.
Das zu finden ist oft schwer,
mancher trifft’s von ungefähr.

(Lösung zu Nr. 17)

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Adventsrätsel (das siebzehnte von vierundzwandzig)

Auf die Erste drück’ den Zweiten,
und du fühlst des Ganzen Freude.

(Lösung zu Nr. 16)

Dienstag, 16. Dezember 2008

Adventsrätsel (das sechzehnte von vierundzwanzig)

Sind Bruder und Schwester. Er hell und sie dunkel.
Sie ist gar schnell und voller Gefunkel.
Er ist oft mühselig und voller Plage.
Wie heißen die beiden, das ist die Frage.

(Lösung zu Nr. 15)

Montag, 15. Dezember 2008

Adventsrätsel (das fünfzehnte von vierundzwanzig)

Wenn man es nicht hat, dann ist man nicht.
Rückwärts beschränkt es nur die Sicht.

(Lösung zu Nr. 14)

Sonntag, 14. Dezember 2008

Adventsrätsel (das vierzehnte von vierundzwanzig)

Im Mondschein schweben die Ersten
Und schwingen das Zweite im Tanze,
doch führen die Dicksten und Schwersten
als härteste Waffe das Ganze.

(Lösung zu Nr. 13)

Samstag, 13. Dezember 2008

Adventsrätsel (das dreizehnte von vierundzwanzig)

Einer tut’s und schafft dir eine Welt:
Menschn, Tier und Gras und Laub.
Ein anderer tut’s, und ihm zerfällt
Das kleinste Körnchen gleich zu Staub.

(Lösung zu Nr. 12)

Freitag, 12. Dezember 2008

Adventsrätsel (das zwölfte von vierundzwanzig)

Vorwärts am Menschfuß
und am Pferdehuf,
rückwärts dem Schützen
und dem Fährmann gilt der Ruf.

(Lösung zu Nr. 11)

Adventsrätsel (das elfte von vierundzwanzig)

Mit G, mit W und Z – drei Worte:
Mit G und W an hohem Orte,
mit Z am Ende stets und klein.
Welch Rätsl kann wohl leichter sein?

(Lösung zu Nr. 10)

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Ohne Worte beten

Es gibt Schulen in Großbritannien und Nordamerika, bei denen fängt der Tag auf eine sehr besondere Weise an. Alle Schülerinnen und Schüler kommen in der Aula oder in der Schulkirche zusammen, nehmen Platz und schweigen. Eine ganze Schulstunde lang sitzen sie nur da und schweigen, jeden Morgen. Man stelle sich einmal vor, man würde das hierzulande versuchen. Doch in den Schulen der Quäker sind die Jungs und Mädchen daran gewöhnt, lange miteinander zu schweigen. Und sie tun dies nicht nur, weil sie so streng erzogen worden wären, sondern weil es ihnen wohltut, den Tag mit einer langen Zeit der Stille und des stillen Gebets zu beginnen.
Die Quäker sind eine kleine protestantische Freikirche. Sie haben keine großen Gotteshäuser. Sie feiern keine aufwendigen Gottesdienste. Sie haben keine Pastoren, die für die Gemeinde sprechen. Die Quäker sind eine Gemeinschaft von gleichberechtigten Schwestern und Brüdern. In ihren Gottesdiensten sitzt die Gemeinde zusammen und schweigt, bis einer das Empfinden hat, den anderen oder Gott etwas sagen zu müssen. Sie glauben, das menschliche Worte das Göttliche nie ganz angemessen beschreiben können, deshalb suchen sie vor allem im Schweigen die Nähe Gottes. So kann es passieren, dass ein einstündiger Gottesdienst zu Ende geht, ohne dass irgendjemand etwas gesagt hätte – und ohne dass jemand etwas vermisst hätte.

Johann Hinrich Claussen (in: „O Gott!“, Deutscher Taschenbuch Verlag, München, zitiert nach Christ in der Gegenwart 49, 7.12.2008

Adventsrätsel (das zehnte von vierundzwanzig)

Er kommt vom Leben,
hat kein Leben und
muß doch Leben tragen.

(Lösung zu Nr. 9)