Donnerstag, 12. Juni 2014

Leseempfehlungen für den 12. Juni 2012

- Der Irak vor dem Kollaps? (Telepolis, 12.06.2014)
Sunnitische Islamisten rücken auf Bagdad vor und haben 80 türkische Geiseln. Wie reagieren Türkei und Nato? 
Der Bürgerkrieg in Syrien hat den islamistischen Kräften in der Region weiteren Aufschub gegeben, aber es war schon lange klar, dass die Politik der schiitisch dominierten Maliki-Regierung, die die Sunniten schnitt und sich dabei auch über Wahlergebnisse hinwegsetzte, die Gewaltspirale nach dem Abzug der Amerikaner weiter anheizen würde.

- Bundessozialgericht auf Sarrazin-Kurs (Telepolis, 12.06.2014)
Wie hochbezahlte Richter dafür sorgen, dass sich Erwerbslose im Winter warm anziehen müssen 
 "Einfach warm anziehen und die Heizung drosseln", empfahl der damalige Senator und heutige Fachmann für Tugendterror Thilo Sarrazin Hartz-IV-Empfängern vor 6 Jahren. So könnten sie prima Heizkosten sparen und ihre knappen Finanzen besser schonen, sagte der Mann mit den hohen Verdiensten und sorgte 2008 für Empörung.

- Mit Kalkül abgewürgt (Telepolis, 11.06.2014)
Innerhalb nur eines Jahres hat sich die Anzahl der Beschäftigten in der Photovoltaikbranche halbiert und jetzt werden nicht einmal mehr die Zubaugrenzen erreicht

- USA nutzen Ukraine-Konflikt zur Verstärkung der Truppenpräsenz (Telepolis, 11.06.2014)
Die Ukraine will die Grenze zu Russland abschließen, angeblich kontrollieren Separatisten die Grenzübergänge in Donezk und Lugansk 
Die US-Regierung setzt nicht nur im Zuge des Ukraine-Konflikts die EU-Staaten unter Druck, mehr Geld für die Rüstung auszugeben und sich stärker militärisch zu engagieren, sondern setzt auch die Strategie fort, die osteuropäischen Länder auf ihre Seite zu ziehen und Russland als militärischen Gegner aufzubauen. So wurden nach drei B52-Bombern weitere 2 B2-Stealth-Bomber, die ebenfalls mit Atomwaffen bestückt werden können, nach Osteuropa verlegt. Zudem bilden US-Soldaten bereits Spezialkräfte von osteuropäischen und baltischen Staaten aus.

- Kameras sehen Kameras (Telepolis, 11.06.2014)
Wie Apparate Nachrichten- und Fernsehästhetiken verändern 
Tag für Tag sendet das Fernsehen eine unübersehbare Flut an Bildern - und nicht wenige Zuschauer sind davon überzeugt, dass diese Bilder aus Nachrichten, Talksendungen oder Dokumentationen auch die Wirklichkeit zeigen; Fernsehen gilt noch immer als "Fenster zur Welt". Doch tatsächlich zeigt auch das Fernsehen - wie Marshall McLuhan schon in den 1960er Jahren gezeigt hat - höchstens Ausschnitte der Realität. Es zeigt jene Ausschnitte, auf die die Kameras und ihre Objektive gerichtet waren. Was außerhalb des Kamerafeldes geschieht, bleibt ungesehen, unbekannt - und es sollte lange Zeit auch unbekannt bleiben. Doch vor den Kameras ist es eng geworden.

- Hinweise des Tages (NachDenkSeiten, 11.06.2014)

- Wie Meinungsmache funktioniert. Oder: Wie man aus dem Vertreter einer Steueroase die Hoffnung Europas machen kann. (NachDenkSeiten, 10.06.2014)
Am 6. Juni erschien ein Aufruf von Wissenschaftlern und anderen Prominenten zur Wahl von Jean-Claude Juncker zum Kommissionspräsidenten. (Siehe den Text des Aufrufs und die Liste der Unterzeichner im Anhang.) Unterzeichnet haben auch Personen, die man normalerweise dem fortschrittlichen Lager zurechnet: Habermas, Horn, Offe zum Beispiel. Sie haben sich offenbar mit dem Kandidaten nicht näher beschäftigt. Juncker ist nett, aber er ist mit Banken und großen Medieninteressen verfilzt und auch noch der Geburtshelfer einer der größten Steueroasen. Für ihn mit dem Argument zu streiten, er sei der Spitzenkandidat der siegreichen Europäischen Volkspartei und deshalb gebiete der demokratische Anstand, ihn zum Präsidenten der Kommission zu machen, ist ziemlich komisch. Damit, dass als fortschrittlich geltende Personen, den Aufruf unterschrieben haben, passiert das, was wir auch schon bei der Durchsetzung der Agenda 2010 und der Privatisierung der Altersvorsorge erlebt haben. Als einigermaßen links geltende Personen wie etwa Rürup und Walter Riester zur Unterstützung neoliberaler Interessen zu gewinnen, ist hilfreicher als die Unterstützung von Personen, denen man solche Ideen sowieso zutraut.


- Auch Erbarmen geht nicht ohne Coca Cola – Nun engagiert sich der Getränkekonzern auch in der Armutsökonomie der „Tafeln“ (NachDenkSeiten, 10.06.2014)
Angesichts eines Werbeplakats im öffentlichen Raum stellt sich mir die Frage, ob es eher gut oder schlecht ist, wenn die eigenen Thesen von der Wirklichkeit überholt werden. Es handelt sich dabei um eine Anzeige von Coca Cola Deutschland in einer Zeitschrift, auf dem die Unterstützung der „Tafeln“ erklärt wird, zu denen der Konzern nun eine „stolze Partnerschaft“ aufgenommen hat. 
Tafeln? Das sind doch die inzwischen als äußerst ambivalent eingeschätzten „Lebensmittelretter“, die bundesweit immer mehr arme Hartz-IV-Empfänger, Langzeitarbeitslose, Rentner und mancherorts sogar Studierende versorgen. Regelmäßig werden die Tafeln kritisiert, weil sie dazu beitragen, das Problem der Armut zu entpolitisieren. Armut, so der Kern der Kritik, entwickele sich durch die stetige Präsenz der Almosensysteme in diesem Land von einem politischen Skandal zu einer gesellschaftlich arrangierten Bedürftigkeit. Und innerhalb der sich immer weiter ausdifferenzierenden neuen Armutsarrangements lassen sich auch Gewinne erwirtschaften. Armutsökonomie bedeutet, dass Armut zur (ver)handelbaren Ware wird.

"You'll have to answer to the Coca-Cola company"(Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben)



- Der Griff nach der Hand Gottes (der Freitag, 12.06.2014)
WM Sie leben in L. A. Sie sind zornig und traurig. Sie tragen Shirts von Independiente oder Santos. Die US-Latinos sind die Seele des Fußballs


- Wie viel Mangan braucht China? (der Freitag, 14.05.2014)
Ukraine Tief im Süden träumt das Städtchen Stepnogorsk von einer lichten Zukunft. Es wartet auf Investoren, die den Bergbau zurückbringen


- Fremde Freunde (der Freitag, 14.05.2014)
Verhältnisse In der Ukraine-Krise wird die Beziehung zwischen Deutschland und Russland erneut auf die Probe gestellt. Eine kurze Geschichte eines wechselvollen Mit- und Gegeneinanders


- Vaterlandsverräter (der Freitag, 11.06.2014)
Zeitgeschichte 1974 Das Sparwasser-Tor besiegelt die Niederlage der DFB-Auswahl im Spiel gegen die DDR. Beckenbauers Team muss sich schwere Vorwürfe anhören und holt dann doch den WM-Titel


- Das volle Spähprogramm (der Freitag, 11.06.2014)
Eventkritik Die Magical Secrecy Tour führt zu Abhöranlagen und Geheimdiensten in Berlin


- Mit Conchita gegen die NSA (der Freitag, 05.06.2014)
Überwachungsangriff Die NSA saugt täglich Millionen Bilder aus dem Netz. Was hilft gegen ihre Gesichtserkennungsprogramme? Camouflage Art. Und Conchita Wurst


- Katheder der Kultur (der Freitag, 05.06.2014)
Selbstoptimierung Juliette Binoche und Clive Owen tragen in „Words and Pictures“ einen Streit im Namen der Kunst aus


- Kein Bild, kein Ton (junge Welt, 12.06.2014)
Ungarn: Gegen eine Sondersteuer protestieren sogar regierungsnahe TV-Sender und Zeitungen. Deutsche Telekom auf Orbáns Linie

- Kontra Datenschutz (junge Welt, 12.06.2014)
Müssen chronisch Kranke ihre Leidensgeschichte dem Jobcenter mitteilen? Das Amt weiß es nicht genau. Doch einer Hamburgerin wurde die Grundsicherung gesperrt

- Es gibt keine WM (junge Welt, 12.06.2014)
Hintergrund. Heute beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Vom Turnier profitieren die FIFA und große Baukonzerne. Ein Spektakel für eine reiche Elite. Die sportbegeisterten Massen bleiben ausgeschlossen 





- Etabliert im Mainstream (junge Welt, 12.06.2014)
»Friedensgutachten 2014« beschwört die EU als »Friedensprojekt Europa«. Auch bei Bewertung des Ukraine-Konflikts wird der im Westen vorherrschende Diskurs bedient

- Merkels Mordsgeschäfte (junge Welt, 12.06.2014)
Bundesregierung veröffentlicht Rüstungsexportbericht. Deutsche Waffenschmieden dürfen sich über klingelnde Kassen freuen

- Enteignung – Der Sparer ist der Blöde – und jammert nicht mal (Cicero, 10.06.2014)
Warum regen sich die Menschen nicht auf, wenn das Ersparte keine Zinsen mehr abwirft? Das Vertrauen in den Fürsorgestaat ist anerzogen. In Deutschland wuchs man seit Jahrzehnten auf im Gefühl: Du wirst weich fallen. Jetzt wurde das „weich“ gestrichen. Ein Beitrag in Kooperation mit dem Tagesspiegel

- Inklusion? – Bildung braucht Hierarchie (Cicero, 10.06.2014)
Kisslers Konter: Der Ruf nach Inklusion ist derzeit in aller Munde. Doch die Gleichmacherei bringt nichts. Denn es sind die Unterschiede, die Schüler vor Unterforderung schützen und zur Leistung anspornen

- Bild-Studie zur Bundestagswahl – Merkel hofiert, die Grünen verteufelt (Cicero, 10.06.2014)
Die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner-Stiftung hat die Berichterstattung der Bild-Zeitung im Bundestagswahlkampf 2013 untersuchen lassen. Ergebnis: Das Blatt berichtete enorm positiv über Angela Merkel und fast durchweg negativ über die Grünen. Die Autoren sprechen der Bild sogar ab, Journalismus zu betreiben 


aaach! Jetzt geht’s mir gleich wieder besser!

- Krise in der Ukraine – „Die NATO stellt keine Lösung dar“ (Cicero, 10.06.2014)
Das Militärbündnis NATO ist mit dem Konflikt in der Ukraine überfordert, sagt Karl Schlögel. Im Gespräch geht der Osteuropahistoriker mit den westlichen Maidan-Kritikern hart ins Gericht

- Erbschaft – Er war tot. Wir dachten: Jetzt gibt’s Geld. (Cicero, 11.06.2014)
Wenn wohlhabende Verwandten sterben, erwarten die Hinterbliebenen oft einen warmen Regen. Der Autor schämt sich ein wenig dafür

- EU-Kommissionschef – Der absurde Zirkus um Jean-Claude Juncker (Cicero, 11.06.2014)
Jean-Claude Juncker soll als „Spitzenkandidat“ der Europäischen Volkspartei (EVP) Kommissionspräsident werden. Klingt gut. Aber in Wahrheit wäre es ein illegitimer Akt der Selbstermächtigung

- EU-Parlament – David Camerons Spiel mit der extremen Rechten (Cicero, 11.06.2014)
Vor der Wahl forderte David Cameron noch eine EU-Reform, um die Macht der Rechtspopulisten einzuschränken. Nun bietet er ihnen in seiner Fraktion selbst eine Plattform. Am Donnerstag entscheidet sich auch, ob Cameron sich für die AfD öffnet

(aus Cicero)
- Bewerber-Bluff der HU Berlin: Mathematiker gesucht, aber nur weibliche (SPIEGEL online, 12.06.2014)
Frauenförderung ist wichtig an der Humboldt Universität - zum Leidwesen von Matthias Aschenbrenner: Der Topmathematiker hatte eine Professur so gut wie sicher, doch ein Mann war nicht gewünscht. Die Uni brach die Berufung lieber ab.

empfohlene aktualisierte ältere Posts:
- Heute vor 45 Jahren – 25. Juli 1965: Die Geburtsstunde des Folk-Rock (25.07.2010)
- Heute wird Bob Dylan 70 Jahre alt (24.05.2011)

It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding)
 (auf »Bringing It All Back Hime, 1965, Text)


- Jon Lord ist 70 geworden (17.06.2011)
- Searching for Sixto Rodriguez (02.01.2014)
- Nochmal: The Nice (27.02.2014)
- Der Ukraine-Konflikt 5 – Die Nagelprobe des Journalismus (21.04.2014)
- Best of Triumvirat (15.05.2014)
- Emerson, Lake & Palmer – Pictures at an Exhibition (01.06.2014)

Dienstag, 10. Juni 2014

Leseempfehlungen für den 10. Juni 2014

- An allen Fronten (Telepolis, 08.06.2014)
Die USA setzen auch in Ostasien auf verstärkte Konfrontation Eine kleine Meldung ließ dieser Tage aufhorchen: "Russischer Pilot provoziert mit Flugmanöver", titelte der Schweizer Blick am Abend. "Russischer Kampfjet bedrängt US-Aufklärer", heißt es bei der österreichischen Kronen Zeitung. Solche Vorfälle würden sich seit Beginn der Ukraine-Krise häufen, erfährt der Leser zudem.

- Das Bedauern der Ratten (Telepolis, 09.06.2014)
Neurowissenschaftler glauben anhand von Gehirnscans gezeigt zu haben, dass auch Ratten falsche Entscheidungen nachträglich bedauern können Etwas zu bedauern, ist eine komplexe Angelegenheit. Man hat eine Handlung vollzogen und realisiert im Nachhinein, dass eine andere Entscheidung besser gewesen wäre bzw. dass Folgen eingetreten sind, die nicht beabsichtigt waren. Es handelt sich also um einen Akt der Selbstreflektion, die einen Raum der Möglichkeiten eröffnet, in dem sich eine Person imaginiert. Neurowissenschaftler der University of Minnesota glauben nun herausgefunden zu haben, dass nicht nur Menschen, sondern auch schon Ratten, die angeblich auch die Fähigkeit haben sollen, lachen zu können (Lachen wie die Laborratten), Bedauern empfinden zu können. Bislang habe man Bedauern bei nichtmenschlichen Lebewesen nicht erkennen können.

- Assad, As-Sisi, Bouteflika (der Freitag, 03.06.2014)
Syrien Die Präsidentenwahl im Rumpfstaat ist ein Indiz für die autoritäre Restauration in Ländern der Arabellion. Man kehrt in die Zeit vor dem Revolutionsjahr 2011 zurück

- Verfassungsrichter schwächen EU-Parlament (der Freitag, 09.06.2014)
Demokratie Das Bundesverfassungsgericht kippte die Dreiprozenthürde für das EU-Parlament. Die NPD profitiert jetzt davon

- „Ich will nicht beschützt werden“ (der Freitag, 05.06.2014)
Im Gespräch Die ungarische Philosophin Ágnes Heller gehört zu den bekanntesten Kritikerinnen des Rechtsrucks in Ungarn. Wir haben sie in Berlin getroffen

- Snowden-Enthüllungen: Wir müssen dran bleiben und einen langen Atem haben (Netzpolitik.org, 05.06.2014)
Ein Jahr ist es jetzt her, dass die ersten durch Edward Snowden ausgelösten Enthüllungen die Öffentlichkeit erreichten. Seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem Journalisten keinen weiteren Mosaikstein einer allumfassenden anlasslosen Totalüberwachung unserer digitalen Kommunikationswelt aufdecken. Dank Edward Snowden wurde die Frage gelöst, ob wir überwacht werden. Leider mit einem unbefriedigenden Ausgang: Es sind nur noch die Fragen, wie oft, durch wen, wo überall, ob das auch für immer gespeichert und auch irgendwann gegen uns verwendet wird?!

- „Die neue Generation frustriert mich!” (Missy Magazin, 05.06.2014)
Von der Radikalfeministin zur Bürgermeisterin von Berlins hippstem Bezirk – Monika Herrmann im Gespräch über Netzfeminismus, Frauenräume und die Geschichtslosigkeit der jungen Generation.

- S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Deutschlands digitales Staatsversagen (SPIEGEL Online, 04.06.2014)
Die Bundesregierung verweigert den Bürgern Schutz vor Ausspähung im Internet. Mehr noch: Sie mischt eifrig mit im Geschäft der Massenüberwachung. Damit ist Deutschland ein "digitally failed state".

- Internet-Vordenker – Friedenspreis für Jaron Lanier (FAZ, 05.06.2014)
Erstmals erhält ein Pionier der digitalen Revolution eine der bedeutendsten Auszeichnungen des Landes: Der Internet-Vordenker Jaron Lanier wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

- Ein Jahr NSA-Skandal: Das sind Snowdens wichtigste Enthüllungen (SPIEGEL Online, 04.06.2014)
Die Programme heißen "Prism", "Quantumtheory" oder "Dishfire". Seit einem Jahr erfährt die Welt von den Spähaktivitäten der NSA und ihrer Partner. Was wird überwacht? Wie wird überwacht? Und wer überwacht? Der Überblick über Snowdens große Enthüllungen.

(Cicero)


- Rechtsruck in Europa - Die ewigen Opfer einer feindlichen Welt (Cicero, 06.06.2014)
Der Erfolg rechtslastiger Parteien ist gar nicht so sehr ein Bekenntnis zu extremen Positionen, sondern eher Ausdruck eines tief sitzenden Unterlegenheitsgefühls. Ein Beitrag in Kooperation mit dem Tagesspiegel

- Geheimdienste – BND spioniert Bürger aus, um nicht von Revolution überrascht zu werden (Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 09.06.2014)
Der BND fürchtet offenbar Revolutionen überall auf der Welt. Daher will man Facebook und Twitter streng überwachen, um nicht überrascht zu werden. Die kuriose Begründung: Beim arabischen Frühling habe man zuviel Energie auf die Überwachung der Herrschenden gerichtet. Nun sollen die Beherrschten ins Visier genommen werden.

- Antisemitismus – Front National lässt antisemitisches Video von Jean-Marie Le Pen verschwinden (Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 09.06.2014)
Der Gründer des Front National, Jean-Marie Le Pen, hat in Frankreich mit einem antisemitischen Spruch daran erinnert, woher der FN kommt. Seine Tochter ließ das Video umgehend entfernen. Die Situation ist für Juden in Frankreich gefährlich, weil sich Islamisten durch solche Sprüche bei konkreten Gewalttaten bestärkt sehen können.

- Fußball-WM - Das andere Tagebuch – Lage in São Paulo eskaliert: Polizei knüppelt streikende U-Bahn-Fahrer nieder (Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 09.06.2014)
Mit Schlagstöcken, Gummigeschossen und Tränengas ist die Polizei von São Paulo gegen streikende U-Bahn-Bedienstete vorgegangen. Die Militär-Polizei hat für die Fußball-WM aufgerüstet und liefert martialische Bilder. Die Botschaft: Wir werden mit äußerster Härte vorgehen, damit die Fifa keinen Grund zur Klage hat.

- Souveränität – Basken und Katalanen demonstrieren in ganz Europa für Unabhängigkeit (Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 09.06.2014)
Mit einer 123 Kilometer langen Menschenkette forderten 100.000 Basken am Sonntag einen eigenen Staat. Katalanen warben mit Menschentürmen in mehreren Städten Europas für die Unabhängigkeit ihrer Region, darunter Berlin, München, Brüssel, Genf, London, Paris und Rom.

- Naher Osten – Papst Franziskus ermahnt Peres und Abbas: „Nein zur Doppelzüngigkeit“ (Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 08.06.2014)
Papst Franziskus hat in seiner Ansprache beim gemeinsamen Gebet mit dem israelischen Präsidenten Schimon Peres und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas gesagt: Um Frieden zu schaffen brauche es mehr Mut, als um einen Krieg zu führen. Die Ansprache des Papstes im Wortlaut.

- Syrien – Assad kündigt Generalamnestie an (ZEIT Online, 09.06.2014)
Nach seiner Wiederwahl verspricht Syriens Präsident eine Generalamnestie für seine Gegner. Bisher ist allerdings noch fraglich, wer tatsächlich davon betroffen ist.

- Künstliche Intelligenz – Computerprogramm gaukelt erfolgreich Menschsein vor (ZEIT Online, 09.06.2014)
Erstmals hat ein Computer den Turing-Test bestanden, der seit 1950 die KI-Forscher herausfordert. In einem Chat hielten Menschen die Software für eine reale Person.

- Einführung in die Sexologie (ZEIT Wissen, Quiz)

- China will weg von Microsoft (China-Blog, ZEIT Online, 06.06.2014)
Schon vor Jahren hatte die chinesische Führung die Devise ausgegeben: Das Land soll unabhängig von US-Technik werden, die Sicherheitslücken seien zu groß. Doch so eifrig die Tüftler in Zhongguancun, dem chinesischen Silicon Valley im Nordwesten Pekings, auch an einer Reihe von eigenen Betriebssystemen arbeiteten – zum Durchbruch kam es bislang nicht.

- Warum man Frauen unmöglich »nicht mitmeinen« kann (Huffington Post, 09.06.2014)
Sprache soll Dinge mitteilen, und obschon der schöne Anspruch an sie existiert, dies möglichst kunstvoll und originell zu tun, ist dies nicht der alltägliche Anspruch. Der alltägliche Anspruch an die Sprache besteht darin, dass sie klar und einfach sein soll: Ärzte im OP, Piloten im Cockpit, Beamte am Schalter, Nachrichtensprecher, Geschäftsleute, Lehrer - sie alle sind auf eine übersichtliche, bisweilen sogar möglichst knappe Sprache angewiesen.

- Schaden durch Cybercrime ist in Deutschland am größten (Huffington Post, 09.06.2014)
Nirgendwo auf der Welt ist der Schaden durch Verbrechen unter Ausnutzung von Informations- und Kommunikationstechnik („Cybercrime“) – gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) – so hoch wie in Deutschland. 
Das geht aus einer Studie des unabhängigen Center for Strategic and International Studies (CSIS) hervor, die in Zusammenarbeit mit dem IT-Sicherheitsanbieter McAfee erstellt wurde und die am Dienstag unter dem Titel „Die globalen Kosten von Cybercrime“ in London vorgestellt wird. Der „Welt" liegt die Studie exklusiv vorab vor
Mit einem Schadensumfang von 1,6 Prozent des BIP liegt Deutschland damit vor den Niederlanden (1,5 Prozent), den USA und Norwegen (je 0,64 Prozent) sowie China (0,63 Prozent). Im Jahr 2013 wurden durch Computerverbrechen allein persönliche Daten von 16 Millionen Deutschen gestohlen.

- Ich will meine Mutter nie wieder sehen - und das hat gute Gründe (Huffington Post, 08.06.2014)
Vor vier Jahren habe ich das letzte Mal mit meiner Mutter gesprochen. Und vielleicht werde ich nie wieder mit ihr reden. 
Der Satz „Ich habe mich von meiner Mutter entfremdet" geht mir nicht leicht über die Lippen. Es fällt mir noch schwerer zu sagen, „Ich habe meine Mutter aus meinem Leben entfernt", was deutlich macht, dass ich der Grund dafür bin, dass wir keinen Kontakt mehr haben. Wenn man solche Dinge zu jemand sagt - sei es ein Freund oder ein Fremder - erlischt jedes mal das Leuchten in ihren Augen - auch wenn sie das vorher gar nicht bemerkt hatten. Das Lächeln zuckt oder wirkt erzwungen. Mütter geben ihren Kindern so viel. Deswegen erwarten die Leute einen triftigen Grund dafür, dass man sich von eben dieser Person entfernt hat: Wie etwa, dass man auf grausame Art und Weise von ihr misshandelt wurde und dies all die Liebe und Aufopferung, die mit dem Elternsein einhergeht, überschattet. Nur ein egoistischer, herzloser Mensch könnte sonst seine ihn liebende Mutter verstoßen - oder?

- Guter Sex geht nur gemeinsam (Huffington Post, 08.06.2014)
Er: »Das Ei war zuerst da!« 
Sie: »Nein, es war das Huhn!« 
»Eine Beziehung, die braucht doch Sexualität!«, sagt der Mann, kaum dass er bei mir in der Praxis sitzt. Dabei schaut er auf seine Frau, als ob er über ein unumstößliches Gesetz der Mathematik redet. »Muss nicht ein Paar dafür sorgen, dass es genügend Sexualität hat?«, fordert er von mir die Bestätigung dieses Gesetzes.

- Geschäft mit Hitler: 10 deutsche Unternehmen und ihre dunkle Nazi-Vergangenheit (Huffington Post, 08.06.2014)
Die Verbrechen der Nazis im Dritten Reich - sie hätten ohne die blinde Gefolgschaft des Volkes und der bedingungslosen Treue des Militärs nie ein solches Ausmaß angenommen. 
Die Schreckensherrschaft begünstigt haben aber auch Unternehmen, die noch heute einen großen Namen haben. 
VW, Hugo Boss, Krupp, die Deutsche Bank und viele weitere: Sie alle haben sich hinter Hitlers Politik gestellt und die Verbindung zu den Nazis mehr oder weniger für ihr Geschäft genutzt. 
Einige von ihnen haben zu diesem dunklen Kapitel in ihrer Geschichte Jahrzehnte geschwiegen. 
Andere sind offensiv an die Aufarbeitung gegangen. Unabhängig davon haben Historiker dieses dunkle Kapitel der deutschen Wirtschaftsgeschichte in den vergangenen Jahren intensiv beleuchtet. 

- Texas – Republikaner beschließen "Heilung" für Homosexuelle (ZEIT Online, 09.06.2014)
In Texas sollen homosexuelle Menschen durch Therapien von ihrem "Lebensstil" abgebracht werden. Auch Widerspruch von Medizinern konnte die Republikaner nicht überzeugen.

- Pont des Arts in Paris: Brückenteil bricht unter Last von Liebesschlössern zusammen (SPIEGEL Online, 09.06.2014)
Am Ende war die Last der Liebe doch zu schwer: Mit einem gewaltigen Rumms ist am Pariser Pont des Arts ein Teil des Geländers zusammengebrochen. Die bekannte Fußgängerbrücke musste evakuiert werden.

- Politik und Gesellschaft: Die Tyrannei der falschen Freiheit (SPIEGEL Online, 08.06.2014)
Freiheit ist schön, oder? Kommt drauf an, sagt die Philosophin Renata Salecl. Zu oft nutzen wir unsere Wahlmöglichkeiten, um ein vermeintlich optimales Leben zu führen. Die Folgen: Unzufriedenheit und Schuldgefühle.

Montag, 9. Juni 2014

La Wally: Ebben, n'andrò lontana

aus der Oper La Wally, von Alfredo Catalani, bekannt geworden durch den Film Diva (1981) von Jean-Jacques Beineix, gesungen von der Sopranistin Wilhelmenia Fernandez, die sich im Film selbst spielt



und hier von Maria Callas (, die vor der Ehe des griechischen Großreders Onassis mit Jacqueline Kennedy eine Affäre mit ihm hatte):



Manche Idar-Obersteiner in meinem Alter mögen Frauen-Arien…



Inva Mula, (Schauspielerin: Maïwenn Le Besco) London Symphony Orchestra - Il dolce suono... (Gaetano Donizetti's »Lucia di Lammermoor«) aus dem Film »Das fünfte Element« (Luc Besson, 1997)

Sonntag, 8. Juni 2014

Best of Weather Report

Birdland
(auf dem Album Heavy Weather, 1977)

Black Market (vom gleichnamigen Album, 1976)

A Remark You Made (1977, auf dem Album Heavy Weather)


Teen Town (vom Album Heavy Weather, 1977)  

The Pursuit of the Woman with the Feathered Hat (Album: Mr. Gone, 1980)

Samstag, 7. Juni 2014

Leseempfehlungen für den 7. Juni 2014

- Der Kampf ums Endlager (Telepolis, 05.06.2014)
Frankreichs erstes Endlager für hochradioaktiven Atommüll gilt als unterirdisches High-Tech-Projekt und bleibt dennoch umstritten 
Zwischen Paris und Nancy soll das erste französische Endlager für hochradioaktiven Atommüll entstehen. Doch auch im Land der Atomkraft gibt es Widerstand. Die Energiekonzerne versuchen indes alles, um die Öffentlichkeit von dem Mammutprojekt zu überzeugen und kaufen sich in die Region ein. Ab 2030 sollen dort 240.000 Fässer für bis zu 100.000 Jahre gelagert werden.

- Nullzins, Strafzinsen und demnächst unbegrenztes Gelddrucken (Telepolis, 05.06.2014)
Die Europäische Zentralbank (EZB) greift zu immer ungewöhnlicheren Maßnahmen und steigt damit auch immer tiefer in den Währungskrieg ein 
Mit großer Spannung war die Zinssitzung der EZB an diesem Donnerstag erwartet worden. Notenbank-Chef Mario Draghi hatte bei denen große Erwartungen bei denen geweckt, die wie Heroinabhängige auf den nächsten Schuss - die nächste Geldspritze -gewartet haben und sie wurden nicht enttäuscht. Draghi hatte schon im Mai angekündigt, beim "nächsten Mal" (im Juni) handeln zu wollen. Im bisher unbekannten Einklang haben die Mitglieder des EZB‑Rats in den vergangenen Wochen Bürger und Börsen auf Schritte eingestimmt. Die Frage war, ob die EZB den Leitzins vom historischen Tiefstand von 0,25% weiter senkt, den lange debattierten Strafzins für Einlagen bei der EZB einführt oder sogar sofort die Notenpresse wieder in Gang setzt.


- Akt der Verzweiflung (junge Welt, 07.06.2014)
Europäische Zentralbank genügt Einsteinscher Definition von Wahnsinn. Doch staatliche Eingriffe zur Ankurbelung der Wirtschaft stünden unter Sozialismusverdacht

- Finanzmarkt – IWF warnt Großbritannien vor Immobilienblase (Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 06.06.2014)
Der Internationale Währungsfonds warnt Großbritannien vor einer drohenden Immobilienblase. Viele Hauskäufer würden sich über ihre Verhältnisse verschulden, um eine Immobilie zu finanzieren. Die Häuserpreise in Großbritannien sind seit dem letzten Jahr um mehr als 11 Prozent gestiegen. 

Mein Kommentar:
Toll, daß der IWF warnt. Großbritannien wird nun unverzüglich handeln!

- Schuldenkrise – Vorstufe zur Schulden-Union: EZB-Bazooka verschärft die Krise (Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 06.06.2014)
Die EZB kauft sich mit der neuesten Geldschwemme Zeit. Analysten erwarten eine Verschärfung der Krise. Am Ende kann die gemeinsame Schuldenhaftung in Europa stehen.
 
- Finanzmärkte – SEC nimmt Hochfrequenzhandel und Dark Pools ins Visier (Neue Zürcher Zeitung, 06.06.2014)
(reu) Die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC geht gegen den umstrittenen Hochfrequenzhandel in die Offensive. Die Chefin der Behörde, Mary Jo White, will auch undurchsichtige Geschäfte ausserhalb der Aktienmärkte ins Visier nehmen, wie sie am Donnerstag in New York ankündigte.

- Gedanken zur aktuellen Debatte um die Zins- und Geldpolitik der EZB und zum seltsamen Zustand des Kapitalmarktes (NachDenkSeiten, 06.06.2014)
Es wird uns ja einiges zugemutet in der aktuellen Debatte um die Zins- und Geldpolitik, und damit zugleich um die weitere und notwendige Wirtschaftspolitik in Europa. Ich formuliere dazu einige Gedanken, die als Anstöße zum Weiterdenken und richtigen Hinterfragen gedacht sind. Dabei muss auch einiges eher Grundlegendes zum Funktionieren eines Kapitalmarktes gesagt werden.

- Der Crash als Lösung? (Telepolis, 05.06.2014)
Matthias Weik und Marc Friedrich halten den Zusammenbruch des Weltfinanzsystems für unvermeidlich 
Die Wirtschaftswissenschaftler Matthias Weik und Marc Friedrich veröffentlichten vor zwei Jahren ein Buch über die Finanzkrise, das zum Überraschungserfolg wurde und sich fast zwei Jahre lang in der Bestsellerliste hielt: Der größte Raubzug der Geschichte - Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden. In ihrem neuen Buch Der Crash ist die Lösung propagieren sie, dass der große Zusammenbruch des Weltfinanzsystems erst noch kommt und unvermeidlich ist.

 
- Nichts als Nebelkerzen (junge Welt, 07.06.2014)
Hintergrund Die von Wirtschaftsverbänden lancierte Kampagne gegen das Rentenpaket ­verschleiert wirkungsvoll, worum es eigentlich geht: Das Rentenniveau sinkt seit Jahren, die große Mehrheit wird im Alter nicht mehr menschenwürdig leben können


Georg Schramm: Lebenserwartung und Kosten von Arbeitslosen [9:27]

Veröffentlicht am 30.12.2015
Ein bemerkenswerter Auftritt von Georg Schramm!

- Baschar al-Assad gewinnt Präsidentenwahl in Syrien (Telepolis, 05.06.2014)
Für die westlichen Demokratien sind die 88,7 Prozent der Stimmen nur Ergebnis einer Wahl-Farce. Für den Amtsinhaber ist es ein Ausweis dafür, dass ein großer Teil der Bevölkerung hinter ihm steht 
Nach Ägypten hat auch das nächste autoritär und mit brutalen Repressionen geführte arabische Land eine Präsidentschaftswahl abgehalten: Gestern gab das Oberste Verfassungsgericht in Syrien das Ergebnis bekannt: Amtsinhaber Baschar al-Assad erreichte nicht die stolzen Werte des ägytischen Wahlsiegers (96 Prozent), aber 88,7 Prozent der Stimmen, in absoluten Zahlen 10,3 Millionen, sind ein Wert, an dem keiner so leicht vorbeikommt, der al-Assad abspricht, dass er eine Legitimationsbasis in der Bevölkerung hat.



Kommentar von mir:
Angesichts der Ergebnisse des Arabischen Frühlings, der Situation in Tunesien, in Ägypten, Syrien, Libyen und der Ukraine muß man sich fragen, ob solche Leute wie Saddam Hussein nicht das kleinere Übel sind. Der Preis ist hoch!
Ich verweise nochmals auf das Video der Talkrunde bei Anne Will
Und bevor wir zu Taten schreiten, sollten wir uns bewußt machen, von wem wir die Informationen beziehen, die uns zu unseren Überzeugungen bringen… (Rote Linie, Rattenlinie in Die neuste Lettre)
Abgesehen von der Deutschen Wiedervereinigung habe ich bei allen Umstürzen in den letzten vierzig Jahren erlebt, daß
1. die Oppositionsgruppen zerstritten waren, sie zusammenhielten, so lange das Regime, welches sie bekämpften, noch an der Macht war, aber nach dem Umsturz die unterschiedlichen Vorstellungen über lange Zeit eine stabile Situation verhinderten,
2. sich in die Unruhen wirtschaftliche Interessen von Oligarchen oder Konzernen einmischten und die daraus entstehende Situation – sowohl politisch wie auch wirtschaftlich – in sehr hohem Maße von pekuniären Interessen geprägt wurde.
3. sich der Westen, der sich Freiheit und Demokratie auf die Fahnen geschrieben hat und somit vorgibt, ein besonderes Recht zu seinen Interventionen zu haben, in sein Handeln ebenfalls – wie bei Punkt 2 – in hohem Maße wirtschaftliche und machtpolitische Interessen einfließen läßt.
Daraus ergibt sich in besonderem Maße eine hohe Verantwortung für den Journalismus. Ich empfehle Medienkoknsumenten dringend, bei dem Konsum von sogenannten »Nachrichten« genau auf die Sprache und zwischen Sachinformation und Interpretation zu unterscheiden.
Ich empfehle ebenfalls einen Blick auf den Umgang mit von den vom Regierungsstandpunkt abweichenden Meinungen in den jeweiligen Machtsystemen. Vielleicht würde Putin mit Oppositionellen anders umgehen, wenn ihm eine Medien- und Konsumlandschaft wie sie der Westen hat, zur Verfügung stünde.

Und als letztes empfehle ich neben der Lektüre der Mainstream-Medien auch die Lektüre alternativer Medien. Hier dürfte man feststellen, daß in den Mainstream-Medien über manche Vorgänge gar nicht (siehe die erzwungene Landung von Evo Morales), auf eine bestimmte Weise (Sturz von Salvador Allende) oder mit zeitlicher Verzögerung berichtet wird.



- Kipping ./. SPIEGEL – Listige Linke mit linkischer Liste? (Telepolis, 05.06.2014)
Das politische Society-Magazin DER SPIEGEL glänzte jüngst mit einer offenbar durchgestochenen Liste, mit der sich anscheinend Strategen der Linkspartei in ihren Intrigen abstimmen wollten. Unter der Überschrift "Führungspersonal, Prämissen, personelle No-Gos und zu schützende Personen" listet das Papier angeblich detailliert auf, wie potenzielle Widersacher kaltgestellt werden könnten, schreibt DER SPIEGEL. So hatte u.a. der Wiedereinzug der Abgeordneten Halina Wawzyniak in den Bundestag verhindert werden sollen. Die Rechtsanwältin machte sich als Netzpolitikerin einen Namen, pflegte mit dem Verfassungsschutz ein gegenseitiges Beobachtungsverhätnis und sitzt für DIE LINKE in der G10-Kommission zur Überwachung der Überwacher. Nach der SPIEGEL-Kolportage trat Wawzyniak als stellvertretende parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion zurück, da "die Grenze des Zumutbaren erreicht" sei.


- "Vegane Kinderernährung ist eine Form der Körperverletzung" (Telepolis, 05.06.2014)
Uwe Knop über den Veganismus-Hype Debatten über gesundes Essen und Veganismus bestimmen den Zeitgeist und nehmen immer wieder sakrale Züge an. Der Diplom-Ökotrophologe Uwe Knop widerspricht der neuen Ernährungsreligion.

- „Wir haben eine Verpflichtung“ (der Freitag, 06.06.2014)
Ein Jahr NSA-Skandal Hans-Christian Ströbele über den größten Spionageskandal der Weltgeschichte und sein Treffen mit Edward Snowden

- "Snowden würde direkt ins Gefängnis wandern" (der Freitag, 04.06.2014)
NSA-Skandal Edward Snowden kann nicht mit einem fairen Verfahren rechnen, solange das Gesetz nicht reformiert wird. Der Whistleblower Daniel Ellsberg hat es am eigenen Leib erfahren

- Folge 168: Glenn Greenwald (Englisch) (der Freitag, 03.06.2014)
Jung & Naiv Was geht uns der NSA-Skandal schon an? Ist Überwachung wirklich so schlimm? Was spielt Obama bei dem Ganzen für eine Rolle? Und kann Merkel etwas gegen Überwachung tun?

- Real verliert Ehrengast (der Freitag, 03.06.2014)
Spanien König Juan Carlos hat sich in den Ruhestand verabschiedet und überlässt seinem Sohn Felipe den Thron. Das Land wird daran nicht zerbrechen

- "Ich habe Hoffnung" (der Freitag, 04.06.2014)
Tiananmen-Massaker Anlässlich des 25. Jahrestages diskutieren drei Demonstranten und ein Politikwissenschaftler die Frage, wie das Blutbad das China von heute geprägt hat

- Panzerkrieg am D-Day (junge Welt, 07.06.2014)
70. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie: Putin spricht mit Merkel, Obama und Poroschenko. Kiew verstärkt Truppen und Belagerung von Städten in Ostukraine

- Polizei prügelt Flüchtlinge (junge Welt, 07.06.2014)
Beamte lösen Sitzstreik der Gruppe »Lampedusa in Hamburg« brutal auf

Volker Pispers – Der faschistische Franzose [10:06]

Hochgeladen am 20.08.2011

- Chance für Assad (junge Welt, 07.06.2014)
Riesenaufgaben vor dem alten und neugewählten Präsidenten. G-7-Staaten besorgt wegen der Rückkehr eigener »Gotteskrieger« in die Heimatländer

- Seattle verdient mehr (junge Welt, 07.06.2014)
Linke Basisbewegung erreicht in Nordwest-Metropole den US-weit höchsten Mindestlohn

- Das Leben im Aufstand (junge Welt, 07.06.2014)
Gut gegen Böse: Ein neuer polnischer Film zeigt unbekannte Dokumentaraufnahmen aus dem Warschau des Jahres 1944

- Ort des Schmerzes (junge Welt, 07.06.2014)
Am 10. Juni 1944 zerstörte die SS-Division »Das Reich« das französische Dorf Oradour und ­ermordete 642 Einwohner. Die Täter blieben bis heute größtenteils unbehelligt

- Bildung schützt vor Armut nicht und Armut behindert Bildung (NachDenkSeiten, 06.06.2014)
Über Bildung wird seit jeher viel diskutiert. Mit der in den letzten Jahren und Jahrzehnten zunehmenden sozialen Ungleichheit im Land haben solche Diskussionen weiter zugenommen. Meist wird hierbei der Anschein vermittelt, Bildung bedeutet soziale Absicherung. Bildung schütze vor Armut. Bildung für alle – und schon ginge es allen gut. Dass es sich hierbei vor allem um eines, nämlich einen kleinbürgerlichen Irrglauben, eine Chimäre sozusagen handelt, ist Armuts- und Ungleichheitsforschern jedoch bekannt (1).

GeorgSchramm - Systematische Volksverdummung durch die Medien [10:41]

Hochgeladen am 11.01.2009
Georg Schramm über die gezielte systematische Volksverdummung durch die heutige Medienlandschaft.

- Hinweise des Tages II (NachDenkSeiten, 06.06.2014)

- Frau Fried fragt sich – Was an Gutmenschen schlecht sein soll (Cicero, 06.06.2014)
Gutmensch. Ein Kampfbegriff, um unliebsame Diskurse abzuwürgen. Unsere Kolumnistin hat beschlossen, den Titel als Auszeichnung zu betrachten

- US-Überwachung – „Das erinnert an 1933“ (Cicero, 06.06.2014)
Edward Snowden war nicht der erste Whistleblower des US-Geheimdienstes NSA. Lange vor ihm gab es einen Mann, der seinerzeit zu den fähigsten Computerspezialisten zählte und zum Vorbild des jungen Hackers wurde: William Binney, Mathematiker und früherer Technikchef der NSA. Im Interview erzählt er, warum er sich um die Demokratie in den USA sorgt

- Rechtsruck in Europa – Die ewigen Opfer einer feindlichen Welt (Cicero, 06.06.2014)
Der Erfolg rechtslastiger Parteien ist gar nicht so sehr ein Bekenntnis zu extremen Positionen, sondern eher Ausdruck eines tief sitzenden Unterlegenheitsgefühls. Ein Beitrag in Kooperation mit dem Tagesspiegel

- Europa – Die toxische Nationalsuppe brodelt (Cicero, 06.06.2014)
Europa ließe sich gut erzählen: Freiheit, Sicherheit, Menschenrechte. Doch die überzeugten Europäer bleiben lieber stumm und lassen sich von den Feinden Europas einschüchtern. Ein Beitrag in Kooperation mit dem Tagesspiegel

- Handel – Deutsche Exporte: Einbruch bei Schwellen-Ländern (Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 06.06.2014)
Die Exporte deutscher Unternehmen ins Nicht-EU-Ausland brachen im April um 5,7 Prozent ein. Besonders der Handel mit Russland wurde durch die Ukraine-Krise stark belastet. Die Ausfuhren dorthin gingen im ersten Quartal um 13 Prozent zurück.

- Griechenland – Angst vor den Leichen im Keller: Griechenland findet keinen Finanzminister (Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 06.06.2014)
In Griechenland wechselt der Finanzminister auf den Posten des Zentralbankchefs - wohl, um die Unabhängigkeit der Notenbanken von der Politik zu dokumentieren. Den Job als Finanzminister will allerdings keiner haben - alle fürchten, dass im Sommer etlichen Leichen im Keller gefunden werden. Daher haben die Griechen nun die Sommerpause vorgezogen.  

- Ukraine-Konflikt – Entspannung in der Normandie: Putin trifft Obama (Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 06.06.2014)
Am Rande der D-Day-Feierlichkeiten trafen US-Präsident Obama und Russlands Präsident Putin zusammen. Obama äußerte zuvor die Hoffnung, dass sich Putin „in eine neue Richtung bewegt“. Andernfalls seien die G7 bereit, den Druck auf Russland zu erhöhen.

- Kachelmann als Gerichtsreporter im Fall Schwarzer? (Telepolis, 06.06.2014)
Alice Schwarzer muss laut Medienberichten befürchten, dass ihre Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung durch neue Erkenntnisse ungültig wird 
Prominente als Gerichtsberichterstatter einzusetzen, die nicht sachkundig sind, aber zur Sache eine vorgefasste Meinung haben, die sie in der Öffentlichkeit zur schrillen Marke machen, ist für die auftraggebende Zeitung ein Geschäft mit wenig Risiko. Für den prominenten Gastschreiber sieht das anders aus. Das Aufsehen war groß, als im Herbst 2010 bekannt wurde, dass die Feministin Alice Schwarzer für die Bild-Zeitung berichten werde (Bild setzt Alice Schwarzer auf Kachelmann an), ausgerechnet für eine Zeitung, deren Nacktbilder und Suggestiv-Überschriften Frauen auf eine Weise präsentieren, die Feministinnen jahrelang auf die Palme brachten.

- Hausfrau, Gefangene und Lebenskünstlerin (Telepolis, 06.06.2014)
Sex vor der Ehe ist längst nicht für alle türkischstämmigen Mädchen ein Tabu. Ändert sich ihre Einstellung zur Sexualität gerade? 
Eine der ersten Untersuchungen über die Sexualität von türkischstämmigen Mädchen und junger Frauen in Deutschland legt nahe, dass sich ihre Einstellungen ändern - die Werte, die sie in Fragen von Sexualität und Erziehung vertreten, sind moderner als bisher angenommen. In einer qualitativen Fallstudie mit dem Titel Türkeistämmige Mädchen in Deutschland. Erziehung – Geschlechterrollen – Sexualität schälten sich vier Gruppen heraus: 1. Heiratsmigrantinnen, 2. konservative Mädchen, 3. Lebenskünstlerinnen und Krisenbewältigerinnen, 4. liberale Mädchen. Verfasser der Studie ist Ahmet Toprak, Professor für Erziehungswissenschaften an der Fachhochschule Dortmund und Autor zahlreicher Bücher über die Lebenswelt von türkischen Migranten in Deutschland.

- Patriot und Realpolitiker (junge Welt, 27.05.2014)

Am Sonntag ist der letzte Präsident der Volksrepublik Polen, Wojciech Jaruzelski, verstorben

Kommentar von mir:
Beinah wär’ mir diese Nachricht durch die Lappen gegangen.
Jaruzelski ist für mich der am meisten unterschätzte und mißverstandene Politiker der Nachkriegszeit, der aus meiner Sicht für Polen ähnlich viel getan hat wie Lech Wałęsa. Er hatte die undankbare Aufgabe, den Bösen zu spielen, um die Sowjets von einer militärischen Intervention abzuhalten. Aus dem, was damals geschah, können wir vielleicht einiges für die Ukraine lernen…

Freitag, 6. Juni 2014

Die nächste Programmbeschwerde

„Ich hätte nie gedacht, dass so eine schrille Art der politischen Kommunikation 100 Jahre nach Ausbruch des 1. Weltkrieges möglich ist“ - 

 Der letzte und auslösende Anlass war ein Beitrag in den Tagessthemen. Am 20. Mai 2014 kündigte Tagesthemen-Moderatorin Caren Miosga einen Beitrag an, in dem Demonstrationen gegen die Abspaltung der Ostukraine gezeigt wurden. Zu denen hatte der Oligarch Rinat Achmetow aufgerufen. Der Beitrag behauptet eine massenhafte Teilnahme, blieb aber bei den Bildern eigenartig zurückhaltend. Mit Grund, wie sich Tage später erwies. Ein Video, das auf der Plattform YouTube hochgeladen worden war, zeigte im Stadion nur einige Hundert Demonstranten. Kameraperspektive und Bildausschnitt waren in dem ARD-Beitrag so gewählt worden, dass es nach einer hohen Beteiligung aussah. Ich habe per E-Mail Redaktion und Beteiligte damit konfrontiert, ohne Ergebnis. Doch ich wollte der ARD eine Chance geben. Schließlich hätte ja auch das Video manipuliert sein können. Erst nachdem keine Reaktion erfolgte, entschloss ich mich zu einer offiziellen Beschwerde. Seien wir einmal ehrlich: Warum haben die Tagesthemen denn keine Totale gewählt, wenn sie die Chance dazu hatten? Das wäre für die Redaktion doch ein schlagender Beweis für Achmetows Erfolg gewesen und niemand hätte gezweifelt. Aber nichts davon.
mehr:
- Ukraine-Berichterstattung: Programmbeschwerde beim Rundfunkrat (Interview mit Stefan Slaby, Hintergrund, 05.06.2014)

zu Stefan Slaby:
- Stefan Slaby, Paranoiker ... (Wolfgang Lieb, Die Propagandaschau, 07.02.2016)

mein Kommentar:
Mir ist unklar, wie sich Leute so untereinander beharken können, aber es ist eine andere Sicht, und die gehört auch hierher!

zum Video mit dem Tagesthemen-Bericht über die Achmetow-Initiative:
- Unsere Qualitätsmedien: Das sind keine Irrtümer; das sind Lügen, Propaganda und Zensur! (Post, 09.12.2014)
aktualisiert am 26.02.2016


Die neuste Lettre

ROTE LINIE, RATTENLINIE

Der 76jährige Journalist Seymour Hersh gilt als bedeutendster Enthüllungsjournalist der Welt. Er ist erfahren und unbescholten. Seine Aufdeckung des Massakers im vietnamesischen My Lai oder der Folter im Abu-Ghraib Gefängnis während des Irakkriegs machten ihm weltberühmt. 

Seine Analyse „Rote Linie, Rattenlinie“ ist eine detektivische Rekonstruktion der Ereignisse um den Giftgaseinsatz in Syrien am 21. 8. 2013. Hat die US-Regierung gelogen, um eine Militärintervention zu rechtfertigen? Erstmalig auf deutsch!


SICHERHEIT UND SÖLDNER

Das größte private Sicherheitsunternehmen der Welt in Aktion 

(…) 

G4S hat seinen Sitz in der Nähe von London und wird an der dortigen Börse gehandelt. Der Öffentlichkeit größtenteils unbekannt, operiert das Unternehmen in 120 Ländern; mit 620 000 Beschäftigten ist es hinter Walmart und dem taiwanesischen Herstellungskonglomerat Foxconn der drittgrößte private Arbeitgeber der Welt. Daß eine private Firma dieser Größe ausgerechnet ein Sicherheitsunternehmen verkörpert, ist bezeichnend für unsere Zeit. Das Gros der Beschäftigten von G4S sind kleine Wachleute, aber die Firma schickt zunehmend auch militärische Spezialisten in „komplexe Umfelder“, wie man das vorsichtig nennt. Sie übernehmen dort Aufgaben, die zu erledigen nationale Militärs nicht imstande oder nicht willens sind.

UKRAINISCHE VERWERFUNG

Europa ist in Rußlands Schicksal einbezogen und Rußland in Europas


DIE LÄSSIGKEIT DER ELEGANZ

Über das Gelingen oder die Vollendung der Anstrengung in Leichtigkeit 

(…) 

Das Wort elegantia kommt von dem Verb eligere: „auswählen“. Eleganz ist Gewähltheit. Das setzt die Mittel und die Freiheit voraus, auswählen zu können. Doch die Gewähltheit soll sich, um nicht angestrengt zu wirken, sorgsam (diligenter) hinter einer gewissen „nicht unangenehmen Nachlässigkeit“ (non ingrata neglegentia) verbergen. Eleganz ist die höchste Kunst, natürlich, beiläufig, einfach zu erscheinen, ähnlich wie die Anmut, die ihre Natürlichkeit ganz im Gegensatz zur Eleganz unbewußt, in Unschuld bewahrt. Doch auch die künstliche Natürlichkeit der Eleganz wäre nichts ohne das nescio quid, das gewisse Etwas, das man nicht lernen kann. Man hat es von Natur aus, oder man hat es nicht.

DIE ELEGANZ DER LITERATI

Individualität und Ästhetik in der klassischen Kultur Chinas 

(…) 

Die Literati-Idee beschränkt sich nicht auf Rhetorik, sondern fordert Handeln. Leben und Idee müssen übereinstimmen. Ist die Idee in Gefahr, ruiniert oder zerstört zu werden, müssen die Literati sich für ihre Bewahrung aufopfern. Die Herrschaftsarchitektur entspricht einem System konzentrischer Kreise der Idee vom Kaiser abwärts bis zu den niedrigsten Schichten der Gesellschaft. Das gedankliche Zentrum der Literati-Tradition ist xiu shen, der Aufbau des eigenen Selbst mittels einer Art spiritueller Meditation, durch Übung und langsames Wachsen. Hinzu kommt qi jia, das gute Management der eigenen Familie, wobei das ganze Land als eine größere Version der Familie verstanden wird. Die Familienstruktur mit Vater und Sohn, Ehemann und Ehefrau stellt eine kleinere Version der Gesellschaft dar. Hinzu kommt zhi guo, das bedeutet: „Regiere das Land.“ Angefangen von deiner eigenen Person über die Familie hin zum Staat. Und ping tianxia, was bedeutet: „Vereinige das Universum.“ Wenn du dir all diese Kreise von dir selbst zum Universum hin zu eigen machen kannst, dann kann die Gesellschaft in Harmonie gedeihen. Das eigentliche Zentrum dabei ist das geistige Niveau, die spirituelle Individualität. Der Mensch, der in die Machtsphäre eintritt, begegnet einer noch komplexeren Situation, denn hier ist es leicht, korrumpiert zu werden. Du versuchst, das Machtspiel zu verändern, aber das Machtspiel verändert auch dich, das haben 2 000 Jahre Herrschaftspraxis erwiesen. 


BUCH DES BROKATS

Raffinement und Eleganz in der frühen arabischen Kultur 

Was muß geschehen, fragt man sich angesichts der aktuellen Situation arabischer Gesellschaften, die zum größten Teil vom Islam und von totalitären Regimes beherrscht werden, die, um ihre eigene Macht aufrechtzuerhalten, auf die Kraft religiöser Empfindungen, auf eine göttliche Autorität setzen oder sich innerhalb des Islams zerfleischen, um der einen oder anderen religiösen Strömung zum Sieg zu verhelfen? Und was muß geschehen, fragt man sich angesichts der Bilanz aus dem als „Arabischer Frühling“ bezeichneten Phänomen, einer Bilanz, die unvollständig und vorschnell ist, da die Maschinerie immer noch Tausende von Leichen hinter sich läßt, in Ägypten oder Syrien oder sonstwo? Wodurch kann man diese Misere beenden? Wie kann man diesen durch Religion und Geschichte verbundenen Völkern einen neuen Elan einhauchen, eine neue Weise aufzeigen, die Beziehungen zu sich und anderen zu verändern? Wie kann man sie dazu bringen, nachzudenken, sich einander anzunähern, sich mit anderen Augen zu betrachten und die anderen so zu akzeptieren, wie sie sind? War nicht die Freiheit das eigentliche Anliegen der Revolutionäre oder besser Revoltierenden dieses berühmten Frühlings? Wie kann man noch die Wertschätzung der Frauen retten, sowie jener, die ihre Selbstbestimmung und ihren Körper lieben? 
GEORG STEFAN TROLLER, DAMALS IN PARIS

(…) 

Es war Ende Juni 1940, als ich nach langer Irrfahrt wieder in Paris eintraf, jetzt widerstandslos von den Deutschen besetzt. Schon am Stadtrand nahm mich ein Straßenhändler in Empfang, der mir die neue Landkarte Frankreichs unter die Nase hielt: Elsaß-Lothringen war wieder einmal futsch, der traurige Rest zweigeteilt. Oben das industrielle Frankreich fest im deutschen Griff, die großteils ländliche Südhälfte gehörte zum Kasperlestaat von Vichy. Wobei der neugebackene Judenfresser (und Erfinder des Begriffs collaboration) Pierre Laval das große Wort führte. Ein ehrgeiziger Provinzpolitiker, über den das Spottwort umlief: „Napoleon hat einmal seinen Außenminister Talleyrand einen ‘Scheißhaufen in Seidenstrümpfen’ genannt. Monsieur Laval besitzt keine Seidenstrümpfe.“ 

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