Montag, 11. Mai 2015

Faschismus im Frankreich der Zwischenkriegszeit

1934 drohte Frankreich ein Putsch von rechts. Gleich mehrere faschistische Gruppen bekämpften die Demokratie. Durchsetzen aber konnten sie sich nicht.

"Nieder mit den Dieben!", skandieren die 300.000 Demonstranten, die am 6. Februar 1934 auf das Palais Bourbon, den Sitz der französischen Nationalversammlung im Zentrum von Paris, zumarschieren. Dort stellt an diesem Tag die linksliberale Regierung von Édouard Daladier die Vertrauensfrage. Die aufgebrachte Menge will Daladier aus dem Amt jagen. Gleich mehrere Korruptionsaffären haben das Land in den Monaten zuvor erschüttert. Nun bricht sich der aufgestaute Unmut über Bestechung und andere Skandale Bahn. 
Unruhen vor dem Parlament der 3. Republik, 6.02.1934 [Quelle: ZEIT]
Viele aber, die an diesem 6. Februar vor dem Parlament aufmarschieren, wollen mehr als nur eine korrupte Regierung absetzen: Sie wollen gleich die ganze Republik beseitigen. Unten ihnen befinden sich viele ehemalige Frontkämpfer und Mitglieder rechtsextremistischer Ligen. Polizisten und Soldaten stehen bereit, um die Dritte Republik notfalls mit Waffengewalt zu verteidigen. Sicherheitskräfte postieren sich an den Boulevards der Hauptstadt, auf den Seine-Brücken und vor dem Palais Bourbon; die Straßen werden abgesperrt. Am Nachmittag schließlich kommt es vor der Oper zu ersten Scharmützeln zwischen Demonstranten und der Polizei. Als die Marschkolonne der Regierungsgegner dann die Place de la Concorde erreicht, beginnt eine Straßenschlacht. Die Lage eskaliert weiter, als die Dunkelheit einbricht. Gegen Mitternacht treffen die Anhänger der militanten rechten Verbände auf die Ordnungskräfte. Steine fliegen, Schüsse fallen. An vorderster Front: die rechtsextremistische Liga Croix-de-feu, die "Feuerkreuzler", unter der Führung von Colonel François de La Rocque (1885–1946). Doch obwohl die Demonstranten die Stärke hätten, um in das Parlament einzudringen, kann sich La Rocque nicht zum Staatsstreich durchringen. Den unterschiedlichen rechtsradikalen Gruppen gelingt es nicht, sich zusammenzutun. Auch die Rivalität zwischen ihren Führern verhindert ein konzertiertes Vorgehen..
mehr:
- Französischer Faschismus – Die Republik widersteht (Ulrich Pfeil, ZEIT, 17.10.2013)
Zitat:
Was die radikalen Nationalisten in Frankreich einte, war ihre Abscheu gegen die "korrumpierten politischen Parteien", die ihrer Meinung nach nicht ausreichend für die nationalen Belange Frankreichs kämpften. Im Gegensatz dazu traten sie betont unpolitisch auf und gaben vor, die Interessen der "guten Franzosen" zu vertreten und das "bedrohte Vaterland" zu retten. Sie diffamierten Juden und "Ausländer", die sie aus der nationalen Gemeinschaft ausschließen wollten. Sie sehnten sich nach einem starken Mann an der Spitze des Staates und wollten die Klassengegensätze überwinden.
[…]
La Rocques Partei griff dabei Themen wie Arbeit, Familie und Vaterland auf, die zuvor von den Konservativen besetzt waren. Und wie die Konservativen forderte auch er eine Stärkung der Exekutive, predigte den Nationalismus der Schützengräben und vertrat traditionelle Werte. Er akzeptierte die Spielregeln des Parteiensystems und gab sich legalistisch, was ihm einige partielle Wahlerfolge einbrachte. Nachdem Marschall Philippe Pétain 1940 die Macht übernommen hatte, schloss sich La Roque dessen Kollaborationsregierung an. Doch nicht alle Parteimitglieder folgten ihm. Nicht wenige lehnten es ab, mit der neuen Regierung in Vichy zu kooperieren. Aus patriotischen Gründen schlossen sie sich dem Widerstand an.

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Parteien, die überwiegend als „faschistisch“ eingestuft werden, aber kein eigenes Regime aufbauen konnten 
FrankreichAction française
Parti Populaire Français
Rassemblement national populaire
Gründung
1898
1936
1941
[Überblick über faschistische Bewegungen in Europa, Faschismus, Wikipedia, abgerufen am 11.05.2015]

siehe auch:
- Faschismustheorie (Wikipedia)

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Die Wurzeln des französischen Faschismus liegen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Einer seiner Vordenker war Charles Maurras (1868–1952), einer der einflussreichsten französischen Publizisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Maurras glaubte, dass in der französischen Gesellschaft Dekadenz und Korruption herrschten. Schuld daran seien die Französische Revolution und die Demokratie, welche die Einheit der Nation zerstört hätten. Maurras schloss sich der extremistischen Action française (AF) an. Die AF hatte sich 1898 infolge der Affäre um den jüdischen Offizier Alfred Dreyfus gegründet (Dreyfus war, auf Grundlage unhaltbarer Anschuldigungen, Landesverrat vorgeworfen worden. In einem skandalösen Verfahren wurde er dennoch verurteilt, was heftige Proteste auslöste – in antisemitischen Kreisen aber auf große Zustimmung stieß.) Bald gehörte Maurras zu den führenden AF-Mitgliedern.
Von Beginn an trat die Action française monarchistisch, nationalistisch, antisemitisch und antiparlamentarisch auf. Und sie schreckte auch vor Gewalt nicht zurück. Als Papst Pius XI. dies 1926 verurteilte, verlor sie ihre Unterstützer im Klerus und im konservativ-katholischen Milieu. Die jüngere Generation wandte sich unterdessen dem vor Dynamik strotzenden italienischen Faschismus zu. Die AF erschien ihr dagegen viel zu traditionell und elitär. Alle maßgeblichen Führer der sich in den dreißiger Jahren herausbildenden faschistischen Gruppen aber waren in der Action française gewesen: Sie hatte den Grundstein gelegt für den französischen Faschismus. Aus dem nationalistischen Milieu der AF kam auch Georges Valois (1878–1945), der seinen politischen Werdegang auf der linken Seite des politischen Spektrums begonnen hatte. 1906 jedoch wechselte er zur AF, 1921 bekannte er sich zum Faschismus, brach vier Jahre später mit Charles Maurras und gründete einen eigenen Kampfbund, den Faisceau, der sich am italienischen Vorbild, an Mussolini, orientierte. Valois wollte den Nationalismus mit dem Syndikalismus, der aus dem Gewerkschaftssozialismus hervorgegangen war, versöhnen. Als Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs sehnte er sich nach der angeblichen Gleichheit in den Schützengräben zurück und strebte eine autoritäre Staatsordnung mit einem starken Mann an der Spitze an. Doch bereits 1928 zerbrach der Faisceau: Valois und seine Weggefährten hatten sich über ihre Ziele zerstritten. (Zitat aus dem Artikel von Ulrich Pfeil, s.o.)
über den Antisemitismus in Frankreich siehe:
- Antisemitismus (bis 1945), Frankreich (Wikipedia) 

Volker Pispers - Der faschistische Franzose {10:06}

Hochgeladen am 01.01.2012

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Antisemitismus war eng mit dem Aufkommen des Nationalismus verbunden, blieb jedoch nicht auf diesen beschränkt. Der israelische Historiker Edmund Silberner weist 1962 auf „eine lange antisemitische Tradition im modernen Sozialismus“ hin, die über die Feindbilder der Frühsozialisten bis zu rassenantisemitischen Vorstellungen französischer Sozialisten um die Jahrhundertwende nachweisbar sei.[42] Schon im Deismus, dann auch bei manchen Junghegelianern, Religionskritikern und Frühsozialisten findet man Aussagen gegen das überkommene Christentum und das Judentum zugleich, die auf die Auflösung beider zielten. Ludwig Feuerbach ordnete den jüdischen Glauben moralisch noch unter dem Polytheismus stehend ein und setzte ihn mit Egoismus gleich: „Ihr Prinzip, ihr Gott ist das praktischste Prinzip der Welt – der Egoismus, und zwar der Egoismus in der Form der Religion.“[43]
Einige Frühsozialisten setzten Juden und Kapitalisten gleich.[44] Pierre Leroux etwa bezeichnete die Juden als „Verkörperung des Mammons“. Der Journalist und Publizist Eduard Müller-Tellering (1811–nach 1851), der auch für Karl Marx’ Neue Rheinische Zeitung schrieb, behauptete, „das Judentum“ sei „noch zehnmal niederträchtiger als das westeuropäische Bourgeoistum“ und „nicht die Könige, nicht die Soldaten, nicht die Beamten“ seien die „wahren Quäler, denn sie sind bloß Werkzeuge unserer Quäler, der Juden.“[45] 1844 setzte auch Marx selbst in seinem Aufsatz Zur Judenfrage Kapitalismus mit Geldherrschaft und diese mit dem Judentum in eins. Der „Schacher“ erschien ihm als „der weltliche Kultus des Juden“ und als das „Wesen des Judentums“.[46]
Der Anarchist Pierre-Joseph Proudhon schrieb: „Der Jude besitzt ein gegen die Produktion eingestelltes Temperament; er ist weder Ackerbauer noch Gewerbetreibender, nicht einmal wirklicher Kaufmann. Er ist stets betrügerischer und parasitärer Vermittler […]. Seine Politik in der Wirtschaft ist völlig negativ; er ist das böse Prinzip, nämlich Satan und Ahriman, der in der Rasse Sems Gestalt angenommen hat.“ Juden sah Proudhon als „Feinde der Menschheit. Man muss sie nach Asien zurückschicken.“ [47] Der Anarchist Michail Alexandrowitsch Bakunin schrieb in Persönliche Beziehungen zu Marx 1871:
„Nun diese ganze jüdische Welt, die eine ausbeuterische Sekte, ein Blutegelvolk, einen einzigen fressenden Parasiten bildet, eng und intim nicht nur über die Staatsgrenzen hin, sondern auch für alle Verschiedenheiten der politischen Meinungen hinweg, – diese jüdische Welt steht heute zum großen Teil einerseits Marx, andererseits Rothschild zur Verfügung.“– Michail Bakunin: Persönliche Beziehungen zu Marx[48]
[Antisemitismus (bis 1945), Frühsozialismus und Anarchismus, Wikipedia, abgerufen am 17.03.2018] 

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siehe auch:
- ANTISEMITISMUS: Warum begann der Holocaust nicht in Frankreich? (Sven Felix Kellerhoff, Welt, 02.03.2017)
- Judenverfolgung: Europäischer Antisemitismus 1880 - 1945 (Michael Kuhlmann, Deutschlandfunk, 27.02.2017)
- Zur Entstehung des Antisemitismus im Europa des 19. Jahrhunderts, seinen Ursachen und Erscheinungsformen (Ulrich Wyrwa, Nineteenth-Century Anti-Semitism in International Perspective – Symposium at the German Historical Institute Paris, 29.11.2016) – darin zitiert:
„Es hilft nur emphatische Aufklärung.“
[Theodor W. Adorno, Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute (1962), in: Ders., Kritik. Kleine Schriften zur Gesellschaft, Frankfurt/M. 1971, S. 114.]
- Ost- und südosteuropäische Juden im 19. und 20. Jahrhundert (Predrag Bukowec, Europische Geschichte online, 13.07.2011)
- Antisemitismus und Antisemitismusforschung (Wolfgang Benz, Docupedia-Zeitgeschichte , 11.02.2010)
- Antifa schützt vor Antisemitismus nicht (Anna Lukowá, AKuBiZ e.V., 2007?)
- Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert (Wolfgang Benz, Bundeszentrale für politische Bildung, 27.11.2006)
- "Hilflose Aufklärung"?: Der Antisemitismus des 19. und 20. Jahrhunderts (Wolfgang Geiger, Kommune, Forum für Politik-Ökonomie-Kultur 6/2004)
- Antisemitismus (Europäische Geschichte, Markus Jud auf seiner Seite, ©2003)
- Judenemanzipation und Antisemitismus im 19. Jahrhundert (Tobias Jaecker auf seiner Seite, März 2002)
- Frankreich: Die andere Geschichte der 30er Jahre (Frank Renken, Sozialismus von unten, Online-Ausgabe Winter 2001)
- Zur Beurteilung der Volksfront in Frankreich (1934-1938) (Rudolf von Albertini, Heftearchiv des Instituts für Zeitgeschichte, 1959, PDF)

siehe auch:
- Heinrich Brüning, Reichskanzler in Krisenzeiten (Wikipedia, abgerufen am 14.05.2017)

Die psychoanalytische Literatur führt Faschismus-Anfälligkeit auf in der Kindheit erlebte Gewalt zurück:
- Autoritärer Charakter (Wikipedia)

- Dagmar Herzog: Cold War Freud.Psychoanalysis in an Age of Catastrophes (Buchrezension, Yves Hänggi, Anna Leyrer, theoriekritik.ch, 09.02.2018)
- Zur Analyse von Faschisierungsprozessen (Klaus Weber, theoriekritik.ch, 02.08.2016)
- „Nie wieder Faschismus!?“ – Zur Psychologie des Autoritarismus (Christopher Cors, Jost Stellmacher, The Inquisitive Mind 1-2014)
- Zerstörung der Demokratie 1930-1933 (Reinhard Sturm, Informationen zur Politischen Bildung, 23.12.2011)
- „Die Sonne stand still...“ – Band 3 – Paranoide Phantasmen des Faschismus (Esther Schulz-Goldstein auf ihrer Seite ©2013, PDF)
- Zum psychoanalytischen Verständnis von Faschismus und Antisemitismus (Roland Kaufhold, Hagalil, 09.12.2008)

- Die Furcht vor der Freiheit (Wikipedia)
- Der autoritäre Charakter im gesellschaftlichen Kontext (Andreas Exner, social-innovation.org, 18.04.2017, PDF)
- Der Hass auf das Lebendige. Anmerkungen zur Sozialpsychologie des Faschismus – einst und jetzt (Götz Eisenberg, theoriekritik.ch, 26.12.2016)
- Aus der Geschichte lernen – Zum Konzept des »Autoritären Charakters« ( Hajo Jakobs, Ringvorlesung FH Kiel, 31.10.2012)
- Erich Fromm: Die Furcht vor der Freiheit (Christof Goddemeier, Ärzteblatt April 2005)
- STATT „FURCHT VOR DER FREIHEIT“ DAS „HANDWERK DER FREIHEIT“. VON DER CHANCE ZIVILGESELLSCHAFTLICHER LERNPROZESSE (Heiner Keupp, Institut für Praxisforschung und Projektberatung München, 20.01.2003)
- Die neue Furcht vor neuen Freiheiten (K. Peter Fritzsche, human-rights-education.org, veröffentlicht in Funk, R. u.a. (eds): Erich Fromm heute, München 2000, PDF)
- Über den Ursprung von Fanatismus, Faschismus und Terrorismus (Verfasser unbekannt, Artikel erschienen in der Zeitschrift: TW Neurologie Psychiatrie 7/8-1991, S. 377-388, gefunden bei www.wilhelm-griesinger-institut.de)
zuletzt aktualisiert am 17.03.2018

Sonntag, 10. Mai 2015

Die gefährlichsten Schulwege der Welt

Sie fahren in Kanus über den größten See der Welt, riskieren ihr Leben in maroden Seilbahnen oder kämpfen sich bei minus 50 Grad durch die Eiswüste. Die Reihe begleitet Schüler durch spektakuläre Landschaften auf ihrem abenteuerlichen Weg zur Schule. Dieser Teil führt nach Nepal, wo der kleine Ajit jeden Tag einen fast 60 Meter breiten reißenden Strom überqueren muss.
mehr:
- Die gefährlichsten Schulwege der Welt (Arte)

Die gefährlichsten Schulwege der Welt - Trailer - ARTE [0:30]

Veröffentlicht am 22.04.2015
http://www.arte.tv/guide/de/053947-00...
In dieser Folge: Die Danakil-Wüste im Nordosten Äthiopiens ist die heißeste Region der Welt. Seit Jahrhunderten ist dieser Ort die Heimat des Afar-Volks. Ihr Leben in der Danakil-Wüste ist rau und ungemütlich. Die Afar sind Halbnomaden.Obwohl in Äthiopien offiziell Schulpflicht herrscht, schicken viele ihre Kinder gar nicht oder erst sehr spät zur Schule ...

Die Danakil-Wüste im Nordosten Äthiopiens ist die heißeste Region der Welt – die Bodentemperaturen beträgt hier an manchen Tagen mehr als 60 Grad Celsius. Seit Jahrhunderten ist dieser Ort die Heimat des Afar-Volks. Ihr Leben in der Danakil-Wüste ist rau und ungemütlich. Die Afar sind Halbnomaden und hausen in einfachen Zelthütten. Ihre wenigen Dörfer liegen kilometerweit auseinander, noch viel weiter entfernt ist meist die nächste Schule. Kamele, Ziegen und Schafe sind der wertvollste Besitz der Afar. Das Versorgen der Tiere steht für sie an erster Stelle. Obwohl in Äthiopien offiziell Schulpflicht herrscht, schicken viele ihre Kinder gar nicht oder erst sehr spät zur Schule, denn jede helfende Hand wird gebraucht. Trotzdem wollen mittlerweile immer mehr Afar, dass ihr Nachwuchs Lesen und Schreiben lernt, denn Bildung ist für sie die einzige Hoffnung auf ein besseres Leben. Dafür nehmen sie viel in Kauf: Die Schüler laufen jeden Tag quer durch die Wüste, bis zu 15 Kilometer weit. Schon der Hinweg ist ein täglicher Kampf gegen Hitze und Durst. Zu Fuß wandern sie durch scheinbar endlose Weiten, in denen es immer heißer wird. Etwas zu trinken gibt es auf dem stundenlangen Marsch nur in den seltensten Fällen. Doch nicht nur Sonne und Durst machen den Schulweg so gefährlich – in den plötzlich aufkommenden Sandstürmen verirren sich immer wieder Schüler. Nach dem Unterricht wird es noch einmal besonders hart: Wenn die Kinder ihren Rückweg antreten, misst das Thermometer bis zu 50 Grad.

(Deutschland, 2015, 43mn) MDR
04.05.2015  16:20

Filmempfehlung: Deckname Caracalla, die nachträgliche Beurteilung der Geschichte

17. Juni 1940: Der 18-jährige Daniel Cordier (Jules Sadoughi), Anhänger der nationalistisch-royalistischen und antisemitischen Action française, ist erbost, als Marschall Pétain vor den Deutschen die Waffen streckt. Daniel will weiter gegen die "Boche" (herablassender Ausdruck für die Deutschen) kämpfen. Mit seinen Freunden schließt sich der ungestüme junge Mann dem "Freien Frankreich" von General Charles de Gaulle an. Nach einer zweijährigen Militär- und Spionageausbildung in London landet Alain, so lautet nun Daniels Deckname, als Sekretär des Résistance-Leiters Jean Moulin (Éric Caravaca), genannt Rex, in Lyon...
mehr:
- Deckname Caracalla (TV Spielfilm) 
bei Arte TV:
Alain (Jules Sadoughi) ist ein junger Bewunderer des umstrittenen Monarchisten Charles Maurras. Nachdem Marschall Pétain, der Held des Ersten Weltkriegs, aus Alains Sicht 1940 gegen Deutschland versagt hat, sieht er nur einen Weg vor sich: mit der Waffe in der Hand gegen die Nazis zu kämpfen. - Zweiteilige Verfilmung der Autobiografie von Daniel Cordier. Prix Renaudot 2009


siehe dazu:
- „Deckname Caracalla“ auf Arte – Wie ein Antisemit sein Weltbild überwand (Jürgen Altwegg, Feuilleton Frankfurter Allgemeine, 10.05.2015)

- Action française [Wikipedia]

- Camelots du roi [Wikipedia]
- Stepan Bandera [Wikipedia]

meine Bemerkung:

Wenn man im Entweder-oder steckenbleibt, kommt man nicht weiter; Antisemitismus war vor Hitlers Machtergreifung kein Monopol Deutschlands, ebensowenig wie politischer Extremismus; das Handeln der Menschen damals ist durch die heutige Brille der »Political Correctness« nicht zu verstehen.
siehe dazu auch:
- Jüdische Identität und Antisemitismus [Daniel Cohn-Bendit, Wikipedia]

Daniel Cohn Bendit bei Precht [44:01]


Veröffentlicht am 06.05.2014
Daniel Cohn-Bendit bei Precht - Gibt es einen gerechten Krieg? Angesichts des Einsatzes von Giftgas in Syrien diskutiert Richard David Precht mit dem Europaabgeordneten der GRÜNEN Daniel Cohn-Bendit über Militärinterventionen.

Wiederholung: Montag, 25.05.2015, 14 Uhr
Link zum Film in der Arte-Mediathek


Das Ansehen des eingebetteten Films wie auch die Ansehen des Films in der Arte-Mediathek ist 7 Tage lang (bis zum 16.05.2015) möglich

Alias Caracalla 1/2 Arte documentaire 2015 vf [1:32:43]

Veröffentlicht am 08.05.2015
Trailer-Into-Text: Veröffentlicht am 23.04.2015
http://www.arte.tv/guide/de/047923-00...
Alain (Jules Sadoughi) ist ein junger Bewunderer des umstrittenen Monarchisten Charles Maurras. Nachdem Marschall Pétain, der Held des Ersten Weltkriegs, aus Alains Sicht 1940 gegen Deutschland versagt hat, sieht er nur einen Weg vor sich: mit der Waffe in der Hand gegen die Nazis zu kämpfen. - Zweiteilige Verfilmung der Autobiografie von Daniel Cordier. Prix Renaudot 2009
Der 18-jährige Alain ist vom Waffenstillstand Philippe Pétains im Juni 1940 schockiert. Für den bürgerlichen Royalisten und Antisemiten ist es ein Verrat. Wenn er weiterkämpfen möchte, muss er das Land verlassen. Mit einigen Kameraden verlässt er Bayonne und geht, zusammen mit Flüchtlingen aus ganz Europa, an Bord eines Schiffes mit Kurs auf Nordafrika. Er kommt allerdings nicht in Algier, sondern in England an. Dort wird er von einem unbekannten General namens de Gaulle angeworben. Dieser hat bis zu diesem Zeitpunkt nur einige Hundert bewaffnete junge Männer um sich versammelt. Es ist die Geburt des „Freien Frankreichs“. Alain verbringt zwei Jahre in London, die ihn verändern werden. Er erhält eine militärische Ausbildung, kommt zum Geheimdienst, wo er kämpfen und Spionagetechniken lernt und verbringt Weihnachten mit de Gaulle. Nach diesen beiden Jahren landen Alain und sein Freund François Briant in der Nähe von Lyon, der nicht-besetzten Zone. Nun beginnt ihre Zeit in der „wahren“ Résistance. Durch Zufall und Chaos, die in der Résistance vorherrschen, wird Alain zu einem wichtigen Zeitzeugen. In Lyon trifft er auf Rex, der niemand anderes ist als Jean Moulin, das Oberhaupt des französischen Widerstands, und Alain wird dessen Privatsekretär. Von nun an trägt er den Codenamen Caracalla.
(Frankreich, 2013, 92mn) ARTE F
08.05.2015  20:15

Alias Caracalla 2 2 Arte documentaire 2015 vf [1:27:47]

Veröffentlicht am 08.05.2015

Zweiteilige Verfilmung der Autobiografie von Daniel Cordier. Prix Renaudot 2009. In dieser Folge: An der Seite von Rex (Eric Caravaca) verschlüsselt Alain (Jules Sadoughi) Botschaften an de Gaulle (Patrice Juiff), arrangiert geheime Treffen, verteilt Geld und wird Teil der Geschichte sowie Zeuge der Entstehung des Nationalrats der Résistance ...
Wikipedia (Jean Moulin):
Dem Beamten Moulin gelang es, die Untergrundkämpfer zu einen – was ihn zum Staatsfeind Nummer eins der deutschen Besatzer machte.[1]

- Daniel Cordier (frz. Wikipedia – Google-Übersetzer)
- Daniel Cordier, une vie à travers l'art (Les Abattoirs – Google-Übersetzer) 
- Daniel Cordier, un galeriste à Paris au tournant des années 1950-1960 (Les Abattoirs – Google-Übersetzer)
- Charles de Gaulle, Jean Moulin und der Nationale Widerstandsrat (Stiftung Charles de Gaulle-Stiftung)
- Jean «Max» Moulin - Der Chef der Résistance (Lorenz.isz.org)


Nachdem sie ihn anfangs als autoritär abgelehnt hatten, konnte er sie zur Vorbereitung der Landung der Alliierten von der Notwendigkeit der Vereinigung in der Armée secrète (= geheime Armee) überzeugen.
Am 22. Oktober 1942 erhielt Moulin ein Schreiben de Gaulles, in dem er zum Präsidenten des Koordinierungskomitees ernannt wurde. De Gaulle ernannte Moulin damit quasi zum Schiedsrichter bei allen Schwierigkeiten zwischen den Gruppen. Die Landung der Alliierten am 8. November 1942 in Marokko und Algerien (Operation Torch) beschleunigte die Vereinheitlichung der Résistance. 
In einem zweiten Schritt fusionierten 
zu den Mouvements unis de la Résistance (MUR; dt. Vereinigten Bewegungen der Résistance).
In einem dritten Schritt gelang ihm die Vereinigung mit den wichtigsten Widerstandsbewegungen im nördlichen besetzten Teil Frankreichs:

Daniel Cordier, ancien secrétaire de Jean Moulin On n'est pas couché 11 mai 2013 #ONPC [22:48]

Veröffentlicht am 30.06.2014
On n'est pas couché
Daniel Cordier, ancien résistant et ancien secrétaire de Jean Moulin
Georges-Marc Benamou, journaliste, écrivain, producteur de cinéma
Fiction "Alias caracalla"
11 mai 2013
Toutes les informations sur les invités et leur actualité
http://www.france2.fr/emissions/on-n-...
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(13) Secrets de Guerre - La resistance Francaise [52:02]
Veröffentlicht am 13.12.2014

School for Danger (Now it Can Be Told) - Full Movie, French Resistance [1:08:52]  

Veröffentlicht am 10.04.2013
Docudrama on agents trained by Britain to join the resistance fighting against the Germans in World War 2. This film stars two real British agents, Captain Harry Rée DSO, OBE, Croix De Guerre, Médaille de la Résistance, and Jacqueline Nearne, MBE - the real life agents "Felix" and "Cat", and depicts some of their exploits in France. Released in England as "Now it Can Be Told". Watch classic movies on http://www.manicmovies.com

Gladiators of World War II - The Free French Forces [E12/13] [48:05]
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Jean Moulin ( Résistance Occupation ) Histoire [52:30]

Veröffentlicht am 21.02.2013
Un film de William Karel
Daniel Cordier avait été le secrétaire de Jean Moulin pendant la Résistance, puis avait disparu après la libération, tirant un trait sur cette période. Il s'était inventé une nouvelle vie, marchand de tableau. Mais en 1977, la télévision consacre une émission de TV "Les Dossiers de l'écran" à Jean Moulin. Daniel Cordier accepte, à contre cœur, de sortir de son sommeil historique pour tenter de défendre Jean Moulin, qu'Henri Fresnay, qui dirigeait le plus important mouvement de la résistance intérieure, accuse d'avoir été un agent soviétique et trahi la résistance. La vie de Daniel Cordier va basculer ce soir-là.
Jugeant sa prestation sur le plateau lamentable, il abandonne tout et décide de consacrer le reste de sa vie à "réhabiliter" Jean Moulin. Dans ce film, il examine documents et archives, éclaire cette période de façon inédite et brosse du même coup un formidable portrait de la France.
"Ne fais jamais rien contre ta conscience, même si l'Etat, l'Europe ou l'autorité supérieure à l'état te le demande."
»Tue niemals etwas gegen Dein Gewissen, selbst, wenn der Staat, Europa oder eine dem Staat übergeordnete Macht dies von Dir fordert.«
"La folie est de toujours se comporter de la même manière et de s'attendre à un résultat différent."
»Der Wahnsinn besteht darin, sich auf die gleiche Art und Weise zu verhalten und ein anderes Ergebnis zu erwarten.«

Le dossier Klaus Barbie - Archive INA [21:21]

Veröffentlicht am 09.07.2012
12 mars 1983
Dossier spécial consacré à Klaus BARBIE. A l'aide d'archives, de photos et de témoignages résumé de sa vie, de ses responsabilités de nazi à son installation à La Paz en passant par sa collaboration au CIC, jusqu'à son retour en France.La conclusion est laissée à une jeune lycéenne du lycée Jean Moulin à Lyon, consciente du poids de l'histoire et de la nécéssité de faire en sorrte que de tels évènements ne s'oublient. Images d'archive INA
Institut National de l'Audiovisuel
http://www.ina.fr
Institut National de l'Audiovisuel
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http://www.youtube.com/subscription_c...

Interview Barbie [3:53]

Veröffentlicht am 16.07.2012
30 janvier 1983
Prison de San Pedro à La Paz ou est incarcéré Klaus BARBIE. Interview Klaus BARBIE dans sa cellule sur la mort de son fils, la mort des maquisards français et celle de Jean MOULIN. Images d'archive INA
Institut National de l'Audiovisuel
http://www.ina.fr Abonnez-vous http://www.youtube.com/subscription_c... Abonnez-vous http://www.youtube.com/subscription_c...

Révélations de Klaus Barbie sur Raymond AUBRAC [3:16]

Veröffentlicht am 09.07.2012
15 decembre 1989
Klaus BARBIE et Maître Vergès relancent une nouvelle fois l'accusation contre Raymond AUBRAC. Selon eux ce dernier est responsable de la trahison dont a été victime Jean MOULIN à Caluire. Rétrospective des différentes étapes de cette affaire. Images d'archive INA
Institut National de l'Audiovisuel
http://www.ina.fr
Institut National de l'Audiovisuel
http://www.ina.fr Abonnez-vous
http://www.youtube.com/subscription_c...

siehe auch:
- Die «Résistance» auf dem Prüfstand – Heilige Geschichte mit Lücken (Lochmann Verlag)
Unter dem Titel „Lücken in der heiligen Geschichte vom Widerstand“ berichtet Martina Meister in der Badischen Zeitung vom 28. Juli 1997 über neue offizielle Erkenntnisse und Mutmassungen in bezug auf dieses heikle Thema. Nachfolgend der genaue Wortlauf mit einigen (Anmerkungen) unsererseits.

«Frankreich hat bekanntermassen ein gespaltenes Verhältnis zu seiner jüngsten Geschichte. Fast 40 Jahre hat es gedauert, bis offiziell die Mitschuld an der Deportation französischer Juden anerkannt wurde. Nun gibt die sogenannte „Aubrac-Affäre“ zu denken: Binnen weniger Wochen sind die Widerstandshelden Lucie und Raymond Aubrac vom Heldensockel der Geschichte gezerrt und auf die historische Anklagebank zitiert worden.

Aus dem Heldenpaar ist ein „Fall“ geworden, über den in den Zeitungsspalten verhandelt wird: Ist Raymond Aubrac, eine der Hauptfiguren der französischen Résistance, den seine Frau zweimal aus den Händen der Gestapo befreit hat, kein Widerstandsheld, sondern ein Verräter gewesen? Das ist die Frage, die sich Historiker, Journalisten und ehemalige Résistance-Kämpfer stellen. Lucie und Raymond Aubrac selbst, beide mittlerweile weit über achtzig, haben die Debatte mit Bedauern und Kopfschütteln verfolgt und schliesslich eine Gesprächsrunde mit Historikern angeregt. Die Tageszeitung Libération hat den Vorschlag im Mai (1997) in die Tat umgesetzt und das aufsehenerregende Protokoll der Diskus- sionsrunde jetzt veröffentlicht.


- Affaire Aubrac-Chauvy: Histoire ou (et) diffamation? (l’Humanité, 12.02.1998) 
- Heute in den Feuilletons: "Das patriotische Tabu" (SPIEGEL, 25.08.2005)
In der "Zeit" klärt Amos Oz die Europäer auf: Mit den Mitteln der Gruppentherapie ist im Nahen Osten kein Frieden zu erreichen. Die "FR" findet den neuen Houellebecq antisemitisch, antiislamistisch, frauenfeindlich, kinderfeindlich, ja menschenfeindlich. Die "SZ" hat den untergetauchten Schriftsteller Peter Hoeg aufgespürt.

- Schauplatz Gedächtnis (Martina Meister, ZEIT, 31.03.2009)
aktualisiert am 14.10.2015

Samstag, 9. Mai 2015

Ein General begeht Suizid

Als der zwölfte und letzte Prozeß in Nürnberg gegen 13 Generale und einen Admiral eröffnet werden sollte, blieb ein Platz leer. Die Angeklagten waren erregt und blaß. Der Gerichtsmarschall erläuterte dem Gericht, einer der Angeklagten liege im Krankenhaus. Um 9.20 Uhr eröffnete der Präsident das Gericht. Um 11 Uhr wurde bekannt, Generaloberst Johannes Blaskowitz habe um 7.30 Uhr einen Selbstmordversuch unternommen und sei um 10.20 Uhr verstorben. 

An diesem Morgen waren die Häftlinge nach dem Kaffee wie immer im Gänsemarsch zu ihren Zellen zurückgeleitet worden, als der 64jährige Blaskowitz plötzlich aus der Reihe sprang, mit Hilfe einer Leiter, die ein Maler aufgestellt hatte, das 2,50 m hohe Schutzgitter überstieg und sich in den zentralen Lichthof des Nürnberger Gerichtsgefängnisses stürzte.
mehr:
- In den Lichtschacht – Um Schlimmeres zu verhindern (SPIEGEL, 14.02.1948)
Siehe auch:
- Johannes Blaskowitz (Wikipedia):
Am 27. September 1939 nahm Blaskowitz die Kapitulation Warschaus entgegen. Nach dem Ende der Kampfhandlungen wurde er von Hitler zum Generaloberst befördert und als einer der ersten deutschen Soldaten mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.[5] Kurze Zeit später wurde er Oberbefehlshaber des deutschen Besatzungsheeres in Polen. Blaskowitz protestierte im Herbst 1939 und Winter 1939/40 mehrfach gegen die radikale Umsetzung der von Hitler angeordneten „völkischen Flurbereinigung“, also gegen die zwangsweise Vertreibung sehr vieler Polen aus dem annektierten Wartheland und dem Reichsgau Danzig-Westpreußen. Er war verärgert über Anmaßungen selbstständiger Polizeikräfte, sorgte sich um die Disziplin der Truppe und nannte auch moralische Argumente.[6]
„Eine ganz besonders und stetig wachsende Beunruhigung des Landes bringt die Umsiedlung mit sich. Es liegt auf der Hand, daß die darbende und um ihre Existenz und ihr Leben ringende Bevölkerung nur mit größter Sorge die völlig mittellos, über Nacht aus ihren Häusern gerissen[en], sozusagen nackt und hungernd bei ihr unterkriechenden Massen der Umgesiedelten betrachten muß. Dass diese Gefühle durch die zahlreichen verhungerten, toten Kinder jedes Transportes und die Waggons voller erfrorener Menschen zu maßlosem Haß gesteigert werden, ist nur zu erklärlich. Die Ansicht, man könne das polnische Volk mit Terror einschüchtern und am Boden halten, wird sich bestimmt als falsch erweisen.“
– Johannes Blaskowitz: Memorandum November 1939[7]

Blaskowitz protestierte mehrfach gegen die Misshandlung und Ermordung von jüdischen und nichtjüdischen Polen durch SS-Einsatzgruppen und Polizeieinheiten.[8] Er verhängte auch Todesurteile gegen SS-Angehörige wegen Verbrechen gegenüber der Zivilbevölkerung, welche aber von Hitler aufgehoben wurden.[9] In einem Bericht vom 27. November 1939 schrieb er, dass die „Verbindung zu den Organen der Sicherheits- und Ordnungspolizei ... ziemlich gestört“ sei und dass die „Truppe es ablehnt, mit den Greuelhandlungen der Sicherheitspolizei identifiziert zu werden und von sich aus jedes Zusammengehen mit diesen fast ausschließlich als Exekutionskommandos arbeitenden Einsatzgruppen“ verweigere. Infolge der Gewalttaten schwanke „die Einstellung der Truppe zu SS und Polizei ... zwischen Abscheu und Haß“.[10]
„Der schlimmste Schaden jedoch, der dem deutschen Volkskörper aus den augenblicklichen Zuständen erwachsen wird, ist die maßlose Verrohung und sittliche Verkommenheit, die sich in kürzester Zeit unter wertvollem deutschen Menschenmaterial wie eine Seuche ausbreiten wird. Wenn hohe Amtspersonen der SS und Polizei Gewalttaten verlangen und sie in der Öffentlichkeit belobigen, dann regiert in kürzester Zeit nur noch der Gewalttätige. Überraschend schnell finden sich Gleichgesinnte und charakterlich Angekränkelte zusammen, um, wie es in Polen der Fall ist, ihre tierischen und pathologischen Instinkte auszutoben. Es besteht kaum noch Möglichkeit, sie im Zaum zu halten, denn sie müssen sich mit Recht von Amtswegen autorisiert und zu jeder Grausamkeit berechtigt fühlen.“
– Johannes Blaskowitz: Denkschrift zur militärpolitischen Lage vom 6. Februar 1940[11]
Zumindest seine ersten beiden Berichte zogen weite Kreise, obwohl sie von der Führung ignoriert wurden: der Abwehroffizier Helmuth Groscurthinformierte am 18. Dezember 1939 die Stäbe der drei Heeresgruppen an der Westfront anhand der Blaskowitz-Berichte von den Vorkommnissen in Polen. Besonders der zweite Bericht wurde vielfach kopiert und verteilt; er löste massive Empörung aus – besonders deshalb, weil die berichteten Sachverhalte ungesühnt bleiben sollten.[10]

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Im März 1940 protestierte er neben Generaloberst Johannes Blaskowitz, dem Oberbefehlshaber des deutschen Besatzungsheers in Polen, gegen die Gewalttaten der SS und der Polizeitruppen im besetzten Polen und verlangte kategorisch deren Ablösung:[1]„... die sich häufenden Gewalttaten der polizeilichen Kräfte zeigen einen ganz unbegreiflichen Mangel menschlichen und sittlichen Empfindens, so daß man geradezu von Vertierung sprechen kann“. Ulex wurde kurze Zeit später seines Postens enthoben.
[…]
Ulex stand auch aufgrund seiner christlichen Weltanschauung (er war Sympathisant der Bekennenden Kirche und wurde deswegen von Heinrich Himmler als „unbelehrbarer Vertreter der Bekenntnisfront“ eingestuft[1]) dem nationalsozialistischen Regime kritisch gegenüber. [Wilhelm Ulex, Wikpedia]