Sonntag, 7. September 2014

Für eine Kultur der Integrität


Es gibt im Film »Last Samurai« mit Tom Cruise die Szene, in der die Samurai gegen die mit Maschinengewehren ausgestatteten Truppen des Kaisers anreiten. [Youtube-Link] Diese Szene symbolisiert die Veränderung einer Gesellschaft – und ihrer Werte – durch technischen Fortschritt. Einen Aspekt in der untergehenden Welt der Samurai möchte ich hervorheben: den der Geistesschulung. Nach Deutschlands faschistischer Vergangenheit hat dieses Wort heutzutage keinen guten Klang: es hört sich nach Gehirnwäsche an. Wenn schon: Wer lehnt saubere Fenster ab?
Captain Nathan Algren, gespielt von Tom Cruise, ein in den amerikanischen Indianerkriegen völlig frustrierter, desillusionierter, desorientierter, depressiver und lebensmüder Offizier, findet als Gefangener in dem Dorf der Samurai etwas, was ihm wieder so etwas wie Sinn in seinem Leben verspricht: die Integrität dieser Menschen. In dem kompromisslosen Eintreten für ihre Überzeugungen, ihrer Verlässlichkeit und Geradlinigkeit fühlt er eine kulturübergreifende Geistesverwandtschaft, die seine Verlorenheit, seine Schuldgefühle und seine Einsamkeit beendet.
In der erwähnten Filmszene begegnen sich zwei Gesellschafts-Qualitäten, wobei die der Geistesschulung gegen die des technologischen Fortschritts keine Chance hat. Das Kurbeln am Maschinengewehr macht eine Geistesschulung überflüssig.
In dem von vorneherein zum Scheitern verurteilten Anrennen gegen eine technologisch überlegene Armee bildet sich die gleiche ergreifende Bereitschaft ab, für seine Überzeugungen mit seinem Leben einzutreten, die wir bei Martin Luther finden.

Am 17. April 1521 stand Luther vor dem Reichstag zu Worms, wurde vor den versammelten Fürsten und Reichsständen verhört und letztmals zum Widerruf aufgefordert. Nach einem Tag Bedenkzeit und im Wissen, dass dies seinen Tod bedeuten könne, lehnte er mit folgender Begründung ab [Wikipedia]:
Belegt sind folgende Worte:
"Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!" [Luther.de]

Ulrich Wickert drückte es in seiner Würdigung Peter Scholl-Latours ein wenig weniger großartig aus:
 »Er war ein Mann. Er war ein Mann des Geistes, ein Mann, der ganz klar für das stand, was er sagte. Kritik war ihm immer gleichgültig.«

Ich möchte einen weiteren Film erwähnen: »Matrix«. Ich sehe in dem Film folgende philosophische Aussage: Wir Menschen leben in einem System, welches uns – ähnlich wie Batterien – zur Energieversorgung verwendet. Die vom Matrix-System erzeugte Computersimulation für Realität haltend reagieren wir mit Emotionen – und virtuellen Handlungen –, die Matrix mit Energie versorgen.

Als ich in der Pubertät war, gab es kein Internet. Es gab einen Brockhaus. Es gab Journalisten wie Peter Scholl-Latour oder Tiziano Terzani. Es gab Zeitungsherausgeber wie Rudolf Augstein, die gewillt waren, für Ihre Ansichten ins Gefängnis zu gehen. Es gab Tabu-Brüche, die begeisterten: wie zum Beispiel der von Fritz Teufel, der, beim Hereinkommen des Richters aufgefordert, aufzustehen, zum Besten gab: »Wenn's der Wahrheitsfindung dient…«

Mit dem Bestreben der SPD, die Anzahl der Abiturienten zu erhöhen, begann die Verlotterung unserer Gesellschaft (ich habe mir lange überlegt, ob ich dieses Wort verwenden soll): als ob sich die Gesamtintelligenz einer Gesellschaft durch die Erhöhung der Studentenzahl herauffahren ließe. Diskussionsfähigkeit wurde höher bewertet als Handschrift, Rechtschreibung oder Kopfrechnen. Als ob eine Tapete wichtiger wäre als das Fundament…

US-Amerika machte zu dieser Zeit einige unangenehme Erfahrungen: kritische Journalisten konnten die Handlungsfähigkeit der Regierung einschränken, Whistleblower – das Wort gab es damals noch nicht – konnten Präsidenten zu Fall bringen (Pentagon Papers, Watergate). Die Machthaber reagierten: transatlantische Think Tanks entstanden, im Irak-Krieg waren die Journalisten, die sich im Vietnamkrieg noch frei bewegen konnten, »embedded«. Während Regimekritiker in der Sowjetunion ins Gefängnis wanderten, nach Sibirien abgeschoben, ausgewiesen oder einfach ermordet wurden, wurden westliche Journalisten zu Diskussionsrunden, Fortbildungsveranstaltungen oder Lesungen eingeladen und bekamen Hotels und das Essen bezahlt: wesentlich eleganter! Es ist attraktiv, dazu zu gehören!

Mit den Grenzen des Wachstums, zunehmender Staatsverschuldung und aufstrebenden Schwellenländern konfrontiert, begann das kapitalistische System [sprich: die energiehungrige Matrix] seine Grenzen zu spüren. Die auf den Markt drängenden Privatsender erhöhten ihre Zuschauerzahlen durch das Angebot vorverdauter oder verdauungsunabhängiger zerebraler Astronautenkost. In der Ära Kohl wurde die Anpassung der Sozialsysteme verschlafen, Schröder flickte diese notdürftig, mit den ersten Grünen an der Regierung schlitterte die Bundesrepublik Deutschland in ihren ersten und wenig später in ihren zweiten Krieg. Letzerer durfte aufgrund der Political Correctness – dieses Wort gab es in meiner Pubertät auch noch nicht – aber nicht so genannt werden. Die Beliebtheit des pomadisierten Adeligen, der die Dinge beim Namen nannte, stieg in ungeahnte Höhen, bis ihn sein erschlichener Doktortitel zu Fall brachte. Angela Merkel erfand die Alternativlosigkeit, schaffte es, politische Entscheidungsfindungsprozesse aus dem Rampenlicht zu entfernen und machte sich die Parfümisierung unserer Sprache zu Nutze: die Wehrpflicht wurde nicht abgeschafft – was eine Grundgesetzänderung erfordert hätte – sie wurde »ausgesetzt«. So entstand die doppelte Realität, die wir aus den Zeiten von staatlich verordneten Fünfjahresplänen und Jubel-Aufmärschen im gegnerischen Polit-System kennengelernt haben. Ein weiteres Beispiel für die institutionalisierte doppelte Realität ist die elektronische Gesundheitskarte, deren Auflagen für die vorgeschriebene Sicherheitsarchitektur die Krankenkassen nicht nachkamen, ihnen dies aber vom Bundesministerium für Gesundheit bescheinigt wurde. (Elektronische Gesundheitskarte rechtswidrig, 13.03.2014)

Politische Richtungsentscheidungen, so haben unsere Politiker inzwischen gelernt, sind der Karriere unzuträglich und werden durch Karussells ersetzt: aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Atomkraft wird so oft ausgestiegen, bis jede weitere Entscheidung als Kontinuität verkauft werden kann. Egal, ob es sich um die politische oder die journalistische Welt handelt: Verkaufszahlen sind inzwischen wichtiger geworden als Überzeugungen. Aufgeregtheiten lassen sich besser verkaufen als Klarheit, Pornos haben halt einen größeren Absatzmarkt als der Brockhaus, den es inzwischen noch nicht einmal mehr digital gibt. Das scheinbar demokratische Wikipedia – mit jeder Menge Mobbing hinter den Kulissen – hat dieser alt-ehrwürdigen Institution den Rang abgelaufen.

Der demokratische Absolutismus ist auf dem Vormarsch: Alles für das Volk, aber nichts durch das Volk. Bis hierher – so habe ich mir selber oft gesagt – lässt sich mein Klagen als Zeichen eines nicht akzeptierten Alterungsprozesses abtun.
Die Ukraine-Krise hat aber eine Besonderheit zu Tage gebracht: die Beliebigkeit und erschreckend kurze Halbwertszeit der im Gleichschritt unserer Leitmedien vorgebrachten aufgeregten propagandistisch gefärbten Meldungen. Das Geplärre emotional instabiler ukrainischer Politiker wird unreflektiert und ungefiltert von NATO-Offiziellen, transatlantischen Politikern und unseren Leitmedien übernommen. Vorverurteilungen sind an der Tagesordnung.

Ich habe den Übelkeit erregenden Verdacht, dass die Anzahl derjenigen Menschen in der politisch-journalistischen Öffentlichkeit rapide abnimmt, denen an ihrer Glaubwürdigkeit und ihrem Ruf gelegen ist. Man erinnere sich: Ben Bradlee verantwortete als Chefredakteur der Washingtons Post die Recherchen der beiden jungen Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein, die den Watergate-Skandal aufdeckten sowie deren Veröffentlichung. Man erinnere sich: Daniel Ellsberg, bedroht von 115 Jahren Haft, brachte die Pentagon-Papiere in die Medien, der damalige Herausgeber der New York Times, A. M. Rosenthal, riskierte deren Veröffentlichung, der oberste Gerichtshof der USA fällte ein Grundsatzurteil und ließ dies zu. Das nenne ich Gewaltenteilung! Angeregt durch diese Vorfälle brachte das Church-Komitee viele illegale und und unethische Aktivitäten der UA-amerikanischen Geheimdienste ans Licht. Das nenne ich Demokratie!

In der Laudatio von Ulrich Wickert zum 85. Geburtstag von Peter Scholl-Latour in der Bild-Zeitung ist zu lesen:

Peter Scholl-Latour steht seinen Mann. Und das macht einen großen Teil seiner Stärke aus. Denn heute stehen nur noch wenige Männer „ihren Mann“. Weder im Journalismus noch in der Politik. Kurz, selten in der Gesellschaft finden wir solch ausgeprägte Identitäten, nach denen wir uns richten können.

Wo finden wir Männer, nach denen wir uns richten können? Wo finden wir noch nicht berentete Politiker, die kurz nach Lancieren einer Aufgeregtheits-Meldung und den damit verbundenen Schuldzuweisungen »STOP!« sagen? Wann wird bei Waffenlieferungen über einen Zeitraum nachgedacht, der über fünf Jahre hinausgeht? Welcher Herausgeber oder Chefredakteur lebt seine Angst (und Scham), seine Berichte könnten ihm nach zwei Wochen um die Ohren gehauen werden? Wo ist der Programm-Verantwortliche, der hinter seinen Journalisten steht, statt sie zu zwingen, mit anderen ins gleiche Horn zu blasen? Wo ist der Politiker (siehe die Reden von Wladimir Putin 2001 vor dem Deutschen Bundestag und 2007 vor der Münchner Sicherheitskonferenz), der seinem Gegner zuzuhören und ihn zu verstehen gewillt ist? Wo sind die Menschen, die in der Öffentlichkeit wirken, den es wichtiger ist, morgens beim Rasieren in den Spiegel sehen zu können als die eigene Karriere zu pushen? Wo sind Ethik und persönliche Integrität wichtiger als kurzfristiger Vorteil und materieller (oder Macht-) Gewinn?

Welcher Politiker ist dazu in der Lage Scham oder Peinlichkeit zu empfinden und sein Handeln danach auszurichten? Wer weigert sich, mit den Wölfen zu heulen?
 Ulrich Wickert über Scholl-Latour:
Er ist er, weil er unabhängig ist. Und stets war. Er lässt sich niemandem zurechnen und hängt von niemandem ab. Er steht nicht für die ARD oder das ZDF.  Wenn überhaupt, dann für die Kultur der Öffentlich-Rechtlichen. Und seine Statur wächst aus seinem Werk, statt aus einem Netzwerk, wie es heute leider gang und gäbe ist. Wo Redakteure – selbst gegensätzlicher Printprodukte – sich auf gemeinsame Linien absprechen und sich gegenseitig Gefallen tun, statt einen fruchtbaren oder auch, was gar nicht falsch wäre, einen furchtbaren Meinungsstreit zu führen.

Das Handeln unserer Politiker und unserer Leitmedien im Ukraine-Konflikt ist peinlich und erscheint weitestgehend frei von kritischer Selbstbetrachtung! Und anscheinend kümmert es niemanden, wie kurzlebig die vorgebrachten Lügen und Anschuldigungen sind. Was geht in den Köpfen von Menschen vor, die öffentlich lügen, wissend, daß ihre Behauptungen innerhalb weniger Wochen entlarvt werden?
Ich kann nur hoffen, dass dies Konsequenzen haben wird! Denn das Verlottern von ethischen Handlungsmaßstäben bei Menschen, die einen Staat regieren oder die Öffentlichkeit informieren hat sehr unangenehme Konsequenzen sowohl für als auch bei den Menschen, die in diesem Staat leben. Die Vermutung mag vermessen klingen: Könnte es sein, daß es genau um diesen Werteverlust geht, der den IS antreibt? Könnte es sein, daß der IS gegen das Vordringen einer Geisteswelt ankämpft, die materiellen Überfluß anbietet, dafür aber die gesamte Welt ausbeutet und außer Gier keinerlei geistige Richtschnur im Gepäck hat?

In einer Gesellschaft, in der der Preis für persönliche Lauterkeit inakzeptabel hoch wird, wo vorausschauendes Denken und Handeln hinter kurzfristigem Vorteil zurücktreten, wo vorgegebene Handlungslinien immer kürzere Halbwertszeit haben, wo Tugenden zu Luxus degenerieren, wo immer mehr Menschen wie Vieh behandelt werden, da steht Chaos vor der Tür. Wehe uns, wenn wir Tugenden propagieren, sie aber selbst mit Füßen treten! Eine neue Kultur der Integrität ist angesagt!

Samstag, 6. September 2014

Jürgen Todenhöfer: Ohne die USA kein „Islamischer Staat“

Die Amerikaner bombardieren im Mittleren Osten einen Terrorismus, den sie selbst gezüchtet haben. Es war ein schwerer Fehler, nach der Eroberung Bagdads die multiethnische irakische Armee aufzulösen. Hier liegt der Kern der Probleme. Von Jürgen Todenhöfer
Das erste große Terror-Förderprogramm unseres Jahrhunderts startete der famose Antiterror-Krieger George W. Bush. Der Afghanistankrieg und der Lügenkrieg gegen den Irak ließen die Zahl der Terroristen im Mittleren Osten sprunghaft steigen. 2007 führte ich in Ramadi ein langes Gespräch mit einem Kämpfer von „Al Kaida im Irak“, jener Terrororganisation, die sich später in ISIS und danach in IS (Islamischer Staat) umbenannte. Der 27 Jahre alte Iraker Rami hatte sich der Al Kaida angeschlossen, als GIs das Haus seiner Familie durchwühlt und seine Mutter vor seinen Augen erschossen hatten. Vor dem Krieg war der Irak noch eine terroristenfreie Zone.
mehr:

Heute vor 100 Jahren – 6. September 1914: Beginn der ersten Marneschlacht in Frankreich

Millionenheere im »Stahlgewitter« 

Vier Wochen nach Beginn des Ersten Weltkriegs standen sich auf einer 200 km langen Frontlinie zwischen dem nordöstlichen Pariser Vorland und den Befestigungsanlagen von Verdun zehn deutsche, französische und britische Armeen mit insgesamt etwa 2,6 Mio. Soldaten gegenüber. Mit 1,5 Mio. Soldaten war das deutsche Heer zahlenmäßig deutlich überlegen. 
 
Französische Truppen passieren Weinberge auf ihrem Vormarsch in der Champagne, September 1914

Heute vor 100 Jahren, am 6. September 1914, begann mit heftigen Artilleriegefechten die viertägige erste Marneschlacht, die größte Schlacht, die bis dahin jemals gefochten wurde. Die Soldaten aller Armeen waren zu jenem Zeitpunkt bereits erschöpft, hatten Wochen schnellen Marschierens und heftigen Kämpfens hinter sich, dazu litten sie unter den schrecklichen Eindrücken der ersten Kriegswochen. Am 7. September tat sich in der deutschen Frontlinie eine etwa 40 km breite Lücke auf, durch die Franzosen und Briten in einem überraschenden Gegenangriff vorstießen. Um die Linie wieder schließen zu können, mussten sich die deutschen Armeen bis zum 12. September 1914 um etwa 80 km zurückziehen. Der deutsche Vormarsch war zum Stehen gekommen. insgesamt etwa 500.000 Gefallene, Verletzte und Gefangene der deutsche Generalstabschef wurde des Postens enthoben Franzosen sprachen vom »Wunder an der Marne« 
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Sebastian Haffner : Anatomie der Marneschlacht 1/2 [43:49]
 
Hochgeladen am 03.05.2011 
Ein Wiedersehen mit dem unvergessenen Publizisten Sebastian Haffner (1907 - 1999), über den kürzlich eine umfangreiche Biographie erschienen ist : http://www.youtube.com/watch?v=YGqkIO...,


und http://hstreaming.zdf.de/zdf/veryhigh....
Die Marneschlacht war die Entscheidungsschlacht des Ersten Weltkrieges, die gleich am Anfang den Krieg zu Ungunsten Deutschlands entscheiden sollte. So war sie eine Schicksalsschlacht, die den deutschen Schlieffenplan, auf den die gesamte Kriegsplanung ausgerichtet war scheitern liess. Im Zweiten Weltkrieg wurde dann von der deutschen Führung ein umgekehrter Schlieffenplan (Sichelschnitt) mit Erfolg zur Ausführung gebracht, der darauf basierte, daß die Alliierte Seite eine Wiederholung der Planungen aus dem Ersten Weltkrieg erwartete. Sebastian Haffner schildert im Jahre 1977 die Ereignisse ausschließlich aus der Generalsperspektive beider Seiten und schuf so einen der besten Kriegsfilme, in dem der eigentliche Krieg (Blut, Dreck und Tränen) gar nicht vorkommt.
Ein weiterer Film von und mit Sebastian Haffner findet sich hier : http://www.youtube.com/watch?v=Ir4jVj... .

Sebastian Haffner Anatomie der Marneschlacht 2 2 [44:26]

Veröffentlicht am 20.10.2013  

Freitag, 5. September 2014

Warum heute keine Revolution möglich ist

Zu dem Beitrag von Byung-Chul Han in der Süddeutschen Zeitung, zu den Anmerkungen von Orlando Pascheit und Albrecht Müller und zu dem Leserbrief auf diesen Artikel in den NachDenkSeiten gingen eine Reihe von interessanten Diskussionsbeiträge [PDF] ein, die wir unseren Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten wollen. [NachDenkSeiten, 05.09.2014]

Donnerstag, 4. September 2014

Offener Brief von US-Nachrichtendienst-Veteranen an Angela Merkel

Amerikanische Ex-Geheimdienstmitarbeiter warnen vor Behauptungen der Geheimdienste zur Ukraine und erinnern an die irakischen Massenvernichtungswaffen

Wir, die Unterzeichner, sind langjährige Veteranen der US-Nachrichtendienste. Wir unternehmen den außergewöhnlichen Schritt, diesen offenen Brief an Sie zu schreiben, um Ihnen die Gelegenheit zu geben, vor dem NATO-Gipfel am 4. und 5. September Einblick in unsere Sicht der Dinge zu bekommen.

Es ist beispielsweise wichtig für Sie zu wissen, dass Anschuldigungen hinsichtlich einer großangelegten russischen Invasion in der Ukraine offenbar nachrichtendienstlich nicht zuverlässig gesichert sind. Vielmehr scheint die "Intelligence" von derselben politisch festgelegten Art zu sein, mit der vor 12 Jahren der Angriff auf den Irak "gerechtfertigt" wurde. Wir sahen damals keine glaubwürdigen Beweise für Massenvernichtungswaffen; wir sehen jetzt keine glaubwürdigen Beweise für eine russische Invasion. Vor 12 Jahren verweigerte der damalige Kanzler Schröder in Anbetracht der vagen Hinweise auf irakische Massenvernichtungswaffen die Teilnahme am Angriff auf den Irak. Unserer Ansicht nach sollten Sie Anschuldigungen des US-Außenministeriums und von NATO-Vertretern hinsichtlich einer Invasion Russlands in der Ukraine mit angemessenem Misstrauen begegnen.

mehr:
- Offener Brief an Angela Merkel (Coleen Rowley, Telepolis, 03.09.2014)

Heute vor 44 Jahren – 4. September 1970: Salvador Allende wird zum Präsidenten Chiles gewählt

Er war der erste bekennender Marxist, der in einem kapitalistischen Land aus bürgerlich-demokratischen Wahlen als Sieger hervorging und die Regierungsgeschäfte übernehmen konnte. Sein Wahlprogramm, das Programm der in der Unidad Popular zusammengeschlossenen Parteien, zielte – ausgehend von der chilenischen Verfassung – auf eine sozialistische Revolution. Der Wahlerfolg der Unidad Poplular am 4. September 1970 erfuhr Aufmerksamkeit in der ganzen Welt – und er verdient diese noch heute. 
mehr:
- Erstmals etablierte sich in einem lateinamerikanischen Land die Volksmacht (Neues Deutschland, 04.09.2010, gefunden bei AG Friedensforschung)

SPIEGEL-Artikel aus einer anderen Zeit:
- DANN KÖNNEN DIE KINDER IN MILCH BADEN SPIEGEL-Gespräch mit dem Sieger der chilenischen Präsidentschaftswahlen Salvador Allende (14.09.1970)
- CHILE / PRÄSIDENTENWAHL – Schwarze Messe (28.09.1970)
Wahlsieger Allende schwenkte zornig ein Blatt Papier: "Man plant, mich für 300 Millionen zu ermorden. Wenn das geschieht -- auf der Liste stehen die Namen der Täter, und das Volk soll Gericht über sie halten."

- UNSER GELD IN CHILE (09.11.1970)
Es war ein Schock für die freie Welt von Saigon bis Washington, von Athen bis Johannesburg: "Zum ersten Mal ist ein Marxist, der auf klare Änderung der westlich-liberalen Gesellschaft und der Herrschaft des Kapitals ausgeht, Präsident eines Landes auf legale Weise geworden", sorgte sich der "Münchner Merkur", als die Wahlen in Chile "einen Sozialisten auf den Präsidentensessel gespült" ("Stuttgarter Zeitung") hatten.
Für die "Frankfurter Allgemeine" stand alsogleich "zu befürchten, daß damit für Chile eine Periode der Unfreiheit beginnt", und diese Furcht artikulierte sich ihr so: "Wird die Kupferversorgung der westlichen Welt gefährdet?" Sie wußte: "Immerhin stehen hier Investitionen in Höhe von etwa 500 Millionen Dollar zur Debatte, die die Amerikaner bisher ins Land gebracht haben." Und sie ignoriert freundlich die 1,3 Millionen, die täglich aus Chile herausfließen.  


Der Fall des Salvador Allende [43:58]
(Einbeten auf Anfrage deaktiviert)

Doku Chile oder die Diktatur des freien Marktes Dokumentation German [52:45]

Veröffentlicht am 09.01.2015

- WIR SCHLAGEN HUNDERTFACH ZURÜCK – Régis Debray interviewt Salvador Allende (15.03.1971)
Der französische Journalist Régis Debray, Theoretiker der Revolution in Lateinamerika, ist zugleich Praktiker des Guerillakriegs. Er erlebte ihn an der Seite Che Guevaras in Bolivien, wo er 1967 gefangengenommen und zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde. Weihnachten 1970 überraschend freigelassen, traf Debray in Chile mit Salvador Allende zusammen, dem ersten Sozialisten, der in Lateinamerika durch freie Wahlen an die Macht kam. Den Gesprächen Debrays mit Allende, die demnächst als Buch unter dem Titel "La via Cilena" ("Der chilenische Weg") bei Feltrinelli in Mailand und in deutsch bei Luchterhand erscheinen, sind die folgenden Auszüge entnommen:  

- CHILE – Lauern auf Fehltritt (24.01.1972)
Chiles Rechtsparteien sind zum Angriff auf die Revolution des Präsidenten Allende angetreten.
Aus Salvador Allendes Worten klang mehr als südamerikanisches Pathos: "Man wird mich an der Ausführung meines Programms nur hindern", rief Chiles marxistischer Präsident, "wenn man meinen Körper mit Kugeln durchsiebt."
Mit düsterer Entschlossenheit reagiert Chiles Volksfrontregierung auf Versuche der rechten Opposition, Allendes gewaltlose "Revolution in der Legalität" zu stoppen vorerst noch legal. 


- AFFÄREN – Zeuge der Anklage (09.04.1973)
Top-Manager des amerikanischen Mammut-Konzerns ITT (400 000 Beschäftigte in aller Welt) mußten jetzt öffentlich zugeben, was bisher nur vermutet wurde: ITT plante den Sturz des chilenischen Präsidenten Allende.
Die Szene scheint harmlos: Zwei seriös gekleidete Herren treffen sich in der Halle des Washingtoner Carlton-Hotels. wechseln ein paar Worte und verschwinden anschließend in einem Séparee.
Dort plaudern die Gentlemen -- CIA-Agent der eine, millionenschwerer Boß eines der größten amerikanischen Konzerne der andere -- beiläufig darüber, wie ein bislang unter US-Einfluß stehender lateinamerikanischer Staat ins wirtschaftliche Chaos gestürzt und die Wahl eines mißliebigen Präsidentschaftskandidaten verhindert werden kann. Als Honorar für die Ausführung des Komplotts bietet der Konzern-Herr dem CIA-Mann eine Million Dollar.  


- Auf Chile Druck ausüben – Das ITT-Programm zum Sturz des chilenischen Staatspräsidenten Salvador Allende (09.07.1973)    
Am 1. Oktober 1971 unterrichtete der Chef des Washingtoner ITT-Büros William R. Merriam den damaligen Sonderberater Präsident Nixons, Peter G. Peterson, in einem Brief über die Beschlagnahme der ITT-eigenen chilenischen Telephongesellschaft. In einem Anhang zu dem Schreiben ("Dear Pete") entwickelte Merriam ein 18-Punkte-Programm für ein Eingreifen Washingtons in Chile.
Präsident Allende ist eitel und braucht den Erfolg, sonst ist er frustriert. Sein internationaler Ruf liegt ihm sehr am Herzen, und es schmerzt ihn, wenn seine Vorhaben scheitern.
Ich meine, es sollte darauf hingewiesen werden, daß die Situation in Chile von der gesamten Administration absolut mit Vorrang zu behandeln ist und daß insgeheim, aber wirksam alles getan werden sollte. um dafür zu sorgen, daß Allende die entscheidenden nächsten sechs Monate nicht übersteht.
 


- Kämpfen bis zum Ende (17.09.1973)    
Drei Jahre nach seinem Wahlsieg fiel Chiles Präsident Allende, der erste freigewählte marxistische Staatschef der Welt, in den Ruinen seines von putschenden Truppen zerbombten Regierungspalastes. Im Feuer des Militärs war ein Experiment gescheitert, Sozialismus und Freiheit zu verbinden.
Ein Panzer vor dem Präsidenten-Palast, eine Inschrift: "Wir haben nicht gedacht, daß dies passieren könnte.
Mit diesem Plakat hatte Chiles Rechte 1970 den Amtsantritt des gewählten Präsidenten Salvador Allende diffamiert -- weil er Sozialist war und sich selbst einen Marxisten nannte. Der Panzer auf dem Plakat trug einen roten Stern, der Text erinnerte an die Sowjet-Panzer in Prag.
Drei Jahre später, fast genau fünf Jahre nach Prag, gibt es die Parallele zu Prag: Panzer walzten das chilenische Modell eines Sozialismus mit menschlichem Antlitz nieder. Doch diese Panzer, die am Dienstag vergangener Woche die Moneda, Santiagos graudüsteren Präsidenten-Palast, in Trümmer schossen, trugen keinen roten Stern. Sie fuhren und feuerten unter dem rotweißblauen Emblem der chilenischen Armee. Und die Kugeln der grauuniformierten Soldaten trafen nicht Allendes Gegner, sondern Allende und seine Anhänger.
 
 


- Noch ein Plakat im Studierzimmer? – Gaston Salvatore über den gestürzten chilenischen Präsidenten Salvador Allende (24.09.1973)    
Allende ist gescheitert" -- diese Schlagzeile ist nicht neu. Sie hat seine Laufbahn jahrzehntelang begleitet. Ich erinnere mich, wie sie mit handhohen Lettern die erste Seite der Boulevardzeitungen von Santiago füllte. Das war 1958, nach den Präsidentschaftswahlen, die Allende knapp verlor.
Im März 1961 wurde in Chile ein neues Parlament gewählt. Allendes Partei schätzte seine Chancen so gering ein. daß sie ihm seinen alten Wahlbezirk. eine Domäne der Sozialisten, wegnahm. Statt dessen bot sie ihm einen Bezirk in Valparaiso an, der von vornherein aussichtslos schien.
Daraufhin kaufte Allende einen gebrauchten, fast schrottreifen Bus. Er bemalte ihn eigenhändig und zog damit durch die Provinz Valparaiso. Wenn er abends in den Armenvierteln parkte, lasen die Slumbewohner staunend, was der Kandidat auf das Wrack gepinselt hatte: "Der Autobus des Sieges." 

  
- Der Wahnwitz der Geheimdienste (14.10.1974)    
Während des letzten Jahres platzte mitten in die Leichenfeier der Watergate- Enthüllungen wieder eine Reihe von Spionage-Skandalen: die CIA-Beteiligung am Sturz Allendes, ihre enge Verbindung mit der jüngst gestürzten griechischen Militärjunta, der Versuch des KGB, eine geheime Opposition gegen Tito in Jugoslawien zu installieren, der Sturz von Brandt durch die westdeutschen Staatsschützer.
Einige dieser Untergrund-Operationen sind gleich hilflos wie dumm; andere ebenso erschreckend wie gefährlich. Und, wenn überhaupt, dienen wenige wirklich der nationalen Sicherheit der Staaten, die sie unterhalten -- allen offiziellen Erklärungen und Alibis zum Trotz.
Nicht genug, daß Geheimdienst-Aktivitäten oft in peinlichen Blamagen enden -- sie bürden ihren verantwortlichen Regierungen und damit ihren Völkern, denen sie doch zu dienen vorgeben, langwierige Schuldenlasten auf und das selbst dann, wenn Operationen kurzzeitig erfolgreich erscheinen. In Wahrheit sind Geheimdienst-Operationen selten etwas anderes als billige Täuschungsmanöver und halsbrecherische Abenteuer, die hauptsächlich die kranken Hirne und die schmutzigen Eigeninteressen der Geheimdienstler befriedigen, sie Pläne für machthungrige Führer erfinden lassen, die diese ruhelos verfolgen, um ihrer selbstsüchtigen politischen Zwecke willen.
 
 


- Auftrag ausgeführt. Präsident tot. Das Ende des Salvador Altende (II) / Von Robinson Rojas Sandford (20.10.1975)    
Der endgültige Beschluß, Allende zu ermorden, wurde am Abend des 21. August 1973 gefaßt.
General Augusto Pinochet Ugarte nahm an der entscheidenden Besprechung nicht teil, ja er erfuhr von den Mordplänen überhaupt erst am frühen Nachmittag des 11. September, als der Tod des Präsidenten schon ein fait accompli war und der "Selbstmord" inszeniert werden sollte.
 


- Du sollst dich nicht erwischen lassen (05.01.1987)    
Die geheimen außenpolitischen Abenteuer amerikanischer Präsidenten nach dem Zweiten Weltkrieg (III) *
Am 15. September 1970 - in Chile hatte der Marxist Salvador Allende kurz zuvor die Wahlen gewonnen - trafen sich US-Sicherheitsberater Henry Kissinger und Justizminister John Mitchell mit Pepsi-Cola-Chef Donald Kendall, einem alten Freund Präsident Nixons, in Washington zum Frühstück. Kendall hatte einen Bekannten mitgebracht, den einflußreichen chilenischen Zeitungs-, Bank- und Fernsehzar Augustin Edwards. Der Unternehmer erläuterte den Herren, daß seine Heimat Gefahr laufe, unter Allende zu einem zweiten Kuba zu werden.
Viel brauchte er nicht zu reden. Noch am selben Tag wurde Edwards dem CIA-Chef Richard Helms präsentiert. Kurz darauf gab Nixon, von Kissinger gedrängt, seinem Geheimdienst Order, "egal wie" zu verhindern, daß Allende, der vermeintliche Mann Moskaus, am 24. Oktober vom chilenischen Kongreß als neues Staatsoberhaupt bestätigt würde.
 
 


siehe auch:
- Warum Allende heute noch ehren? (Eberhard Aurich, 2013)
- Chile: Der 11. September und die Menschenrechtler aus USA und BRD (Politik im Spiegel, 11.09.2013)
Daran muss ich denken, wenn ich heute Guantanamobama von Menschenrechten und nationaler Sicherheit reden höre. Heute vor 40 Jahren errichteten die USA in Chile den Faschismus. Heute vor 40 Jahren starb der demokratisch gewählte Präsident Salvador Allende.
Geschichtsrevisionisten tun so als haben die USA mit dem Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Chiles, den tausenden Morden und den Folterzentren nichts zu tun.
Aber die Akten bewiesen, die USA mischten sich schon seit den 50er Jahren mit massiven finanziellen und geheimdienstlichen Mitteln in die chilenischen Angelegenheiten ein, um Medien, Massen und letztlich alle Wahlen zu beeinflussen und die demokratische Wahl des Präsidentschaftskandidaten Salvador Allende zu verhindern. 


Victor Jara El derecho de vivir en Paz [3:59]

Hochgeladen am 08.07.2009
segunda cancion del historico video de Victor Jara grabado en Agosto de 1973.


- Chile – Ein zusammengeschlagener, blutiger Leichnam (Journal21, 13.09.2014) 
Am Montag vor 41 Jahren starb der chilenische Sänger Victor Jara im Stadion von Chile nach schwerer Folter und von 44 Kugeln durchbohrt. Jetzt ist gegen die Täter Anklage erhoben.
„Unter der Brücke träumt/ ein Kind vom Fliegen“, sang er in seinem „Wiegenlied für ein obdachloses Kind“: „Schlafe, mein Kind… Vier andere Kinder/ werden dich warmhalten.“ Er sang über den „Bergmann“, über den „Bauern“, vertonte Pablo Nerudas Gedicht „Aquí me quedo“ (Hier bleibe ich). Er schrieb ein Lied über und für Angelita Huenumán, eine Mapuche-Indianerin, die er in der Einsamkeit der Hügel, Wälder und Seen von Arauco kennenlernte, und die ihm eine „außerordentlich schöne Wolldecke“ für die kalten Wintermonate schenkte. Er sang Volkslieder, Balladen und schließlich auch ein „Manifiesto“:

„Ich singe, weil die Gitarre
Gefühl und Vernunft hat…
…Mein Lied ist Gerüst,
um die Sterne zu erreichen…
Manifiesto (Live in Santiago, 09/12/13) [7:03] [Text, Lied mit deutschen Untertiteln]

Veröffentlicht am 15.09.2013
Bruce Springsteen covers Victor Jara's "Manifiesto" live in Santiago, Chile on 09/12/13. See more photos from Chile and read about the show at http://brucespringsteen.net
- Dossier: 40 Jahre Putsch in Chile (Quetzal)

Was am 4. September noch geschah:
1886: Der Apachenhäuptling Gokhlayeh, genannt Geronimo, kapituliert 
[…] und beendete somit endgültig seinen Widerstand mit noch 36 verbliebenen von ursprünglich 500 Kriegern. Er stellte sich den Amerikanern unter dem Kommando von General Nelson A. Miles, die ihm jahrelang vergeblich mit 5.000 Soldaten, einem Heliografensystem,[5] 500 Apachen-Scouts, dem Chefscout Al Sieber, mit 100 Navajo-Scouts und 3.000 mexikanischen Soldaten nachgestellt hatten. [Geronimo, Letztmalige Kapitulation, Wikipedia

Zitate aus dem Wikipedia-Artikel:
- Entgegen ursprünglicher Friedensvereinbarungen, in denen zunächst für ihn und den kleinen Rest seines früher großen Volkes, fruchtbares Farmland zugesichert wurde, brachte man ihn und einige seiner Leute, teilweise für viele Jahre, in weit entfernte, wechselnde Armeegefängnisse.- Die Zusage, wie in den früheren Kapitulationsverhandlungen vereinbart, in das Gebiet seiner ursprünglichen Heimat zurückkehren zu dürfen, wurde nie eingehalten.- Einige Apachen, darunter Gokhlayehs Urenkel Harlyn Geronimo, forderten in einer Petition an den US-Kongress die Rückgabe der Gebeine Geronimos. Ned Anderson, ein Apachenhäuptling, hatte bereits 1986 mit Unterstützung des FBI George W. Bushs Onkel Jonathan Bush zur Herausgabe des Schädels aufgefordert. Diese Aktionen blieben ohne Erfolg.


Zum Schluß noch einmal zum Zitat von Bundespräsident Gauck aus seiner Rede zum 75. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs am 1. September 2014 in Danzig:  
 
»Weil wir am Recht festhalten, es stärken und nicht dulden, dass es durch das Recht des Stärkeren ersetzen wird, stellen wir uns jenen entgegen, die internationales Recht brechen, fremdes Territorium annektieren und Abspaltung in fremden Ländern militärisch unterstützen. Deshalb stehen wir ein für jene Werte, denen wir unser freiheitliches und friedliches Zusammenleben verdanken. Wir werden Politik, Wirtschaft und Verteidigungsbereitschaft den neuen Umständen anpassen.« 
- Rede zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs – Gauck macht Putin schwere Vorwürfe (Süddeutsche Zeitung, 01.09.2014)
Zitat:
Nach 1989 hätten EU und Nato sich bemüht, Russland zu integrieren, sagte Gauck. "Diese Partnerschaft ist von Russland de facto aufgekündigt worden."
- Gaucks scharfe Russland-Kritik – Bundespräsident wirft Putin Krim-Annexion vor (stern, 02.09.2014, mit Videoausschnitt aus der Rede)

dazu aus der Rede von Wladimir Putin vom 25.09.2001 vor dem Deutschen Bundestag (Wortprotokoll auf der Seite des Deutschen Bundestages):
»Trotz allem Positiven, das in den vergangenen Jahrzehnten erreicht wurde, haben wir es bisher nicht geschafft, einen effektiven Mechanismus der Zusammenarbeit auszuarbeiten. Die bisher ausgebauten Koordinationsorgane geben Russland keine realen Möglichkeiten, bei der Vorbereitung der Beschlussfassung mitzuwirken. Heutzutage werden Entscheidungen manchmal überhaupt ohne uns getroffen. Wir werden dann nachdrücklich gebeten, sie zu bestätigen. Dann spricht man wieder von der Loyalität gegenüber der NATO. Es wird sogar gesagt, ohne Russland sei es unmöglich, diese Entscheidungen zu verwirklichen. - Wir sollten uns fragen, ob das normal ist, ob das eine echte Partnerschaft ist.« [Hervorhebungen von mir] 

siehe: Der Ukraine-Konflikt 3 – Westliche Naivität oder westliche Machtpolitik? (25.03.2014)

dazu auch aus der Rede von Wladimir Putin bei der Münchner Sicherheitskonferenz (09.-11.02.2007, Wortprotokoll auf der Seite der AG Friedensforschung der Universität Kassel):

Der globale Gegensatz schob äußerst drängende ökonomische und soziale Fragen an den Rand der internationalen Beziehungen und Tagesordnungen. Und wie jeder Krieg hinterließ uns auch der „kalte Krieg“ – bildlich ausgedrückt – „Blindgänger“. Ich meine damit ideologische Stereotypen, doppelte Standards, irgendwelche Schablonen des Blockdenkens.
Die nach dem „Kalten Krieg“ vorgeschlagene monopolare Welt kam auch nicht zu Stande.
Die Menschheitsgeschichte kennt natürlich auch Perioden monopolaren Zustandes und des Strebens nach Weltherrschaft. Alles war schon mal da in der Geschichte der Menschheit. Aber was ist eigentlich eine monopolare Welt? Wie man diesen Terminus auch schmückt, am Ende bedeutet er praktisch nur eines: es gibt ein Zentrum der Macht, ein Zentrum der Stärke, ein Entscheidungs-Zentrum.
Es ist die Welt eines einzigen Hausherren, eines Souveräns. Und das ist am Ende nicht nur tödlich für alle, die sich innerhalb dieses Systems befinden, sondern auch für den Souverän selbst, weil es ihn von innen zerstört.
Das hat natürlich nichts mit Demokratie gemein. Weil Demokratie bekanntermaßen die Herrschaft der Mehrheit bedeutet, unter Berücksichtigung der Interessen und Meinungen der Minderheit.
Nebenbei gesagt, lehrt man uns - Russland – ständig Demokratie. Nur die, die uns lehren, haben selbst, aus irgendeinem Grund, keine rechte Lust zu lernen.
Ich denke, dass für die heutige Welt das monopolare Modell nicht nur ungeeignet, sondern überhaupt unmöglich ist. Nur nicht, weil für eine Einzel-Führerschaft in der heutigen, gerade in der heutigen, Welt weder die militärpolitischen, noch die ökonomischen Ressourcen ausreichen. Aber was noch wichtiger ist – das Modell selbst erweist sich als nicht praktikabel, weil es selbst keine Basis hat und nicht die sittlich-moralische Basis der modernen Zivilisation sein kann.
[…]
Damit ist alles, was heute in der Welt geschieht - und wir fangen jetzt erst an, darüber zu diskutieren – eine Folge der Versuche, solch eine Konzeption der monopolaren Welt, in der Welt einzuführen.
Und mit welchem Ergebnis?
Einseitige, oft nicht legitime Handlungen haben nicht ein einziges Problem gelöst. Vielmehr waren sie Ausgangspunkt neuer menschlicher Tragödien und Spannungsherde.
Urteilen Sie selbst: Die Kriege, die lokalen und regionalen Konflikte sind nicht weniger geworden. Herr Teltschik hat ganz leicht daran erinnert. Und es sterben nicht weniger Menschen bei diesen Konflikten als früher, sondern sogar mehr. Bedeutend mehr!
Heute beobachten wir eine fast unbegrenzte, hypertrophierte Anwendung von Gewalt –militärischer Gewalt - in den internationalen Beziehungen, einer Gewalt, welche eine Sturmflut aufeinander folgender Konflikte in der Welt auslöst. Im Ergebnis reichen dann nicht die Kräfte für eine komplexe Lösung wenigstens eines dieser Konflikte. Eine politische Lösung ist ebenfalls unmöglich.
Wir sehen eine immer stärkere Nichtbeachtung grundlegender Prinzipien des Völkerrechts. Mehr noch – bestimmte Normen, ja eigentlich fast das gesamte Rechtssystem eines Staates, vor allem, natürlich, der Vereinigten Staaten, hat seine Grenzen in allen Sphären überschritten: sowohl in der Wirtschaft, der Politik und im humanitären Bereich wird es anderen Staaten übergestülpt. Nun, wem gefällt das schon?
In den internationalen Angelegenheiten begegnet man immer öfter dem Bestreben, die eine oder andere Frage ausgehend von einer so genannten politischen Zielgerichtetheit auf der Grundlage der gegenwärtigen politischen Konjunktur zu lösen.
Das ist allerdings äußerst gefährlich. Es führt dazu, dass sich schon niemand mehr in Sicherheit fühlt. Ich will das unterstreichen – niemand fühlt sich mehr sicher! Weil sich niemand mehr hinter dem Völkerrecht wie hinter einer schützenden Wand verstecken kann. Eine solche Politik erweist sich als Katalysator für das Wettrüsten.
Die Dominanz des Faktors Gewalt löst in einer Reihe von Ländern den Drang nach dem Besitz von Massenvernichtungswaffen aus. Mehr noch – es erschienen ganz neue Bedrohungen, die zwar früher schon bekannt waren, aber heute globalen Charakter annehmen, wie der Terrorismus.
Ich bin überzeugt, dass wir heute an einem Grenzpunkt angelangt sind, an dem wir ernsthaft über die gesamte Architektur der globalen Sicherheit nachdenken sollten.  [Hervorhebungen von mir] 

Einige – zum größen Teil empörte – Reaktionen auf Putins Rede, die betreffenden Videos und weiterführende Links finden sich bei
- Der Ukraine-Konflikt 3 – Westliche Naivität oder westliche Machtpolitik? (Post, 25.03.2014) 

Präsident Putin lacht über Reporterfrage [0:26]

Veröffentlicht am 10.02.2014
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alter Infotext: Veröffentlicht am 24.07.2013 
Kleiner Ausschnitt aus der ARD-Doku "Ich, Putin", aus 2012, von Hubert Seipel (auch der Interviewer hier)
Schlag gegen Syrien - Ziel: Russland
http://apxwn.blogspot.de/2012/08/schl...
Baschar al-Assad im Interview für "Izvestia"
http://apxwn.blogspot.de/2013/08/basc...



Nach der Lektüre des gesamten Posts rege ich an, sich noch einmal das Zitat unseres Bundespräsidenten zu Gemüte zu führen… Möglicherweise – in dem Fall hätte ich ihn unterschätzt – hat er ja nicht nur Russland damit gemeint.

- Joachim Gaucks Russland-Schelte – Der unbesonnene Präsident (Kommentar Heribald Prantl, Süddeutsche Zeitung, 02.09.2014)
Bundespräsident Joachim Gauck rüstet verbal auf - gegen Russland. Dabei hat Gauck vor kurzem - in Frankreich - die Partnerschaft mit ehemaligen Feinden angemahnt. Die 30 Millionen sowjetischen Kriegsopfer erwähnt er mit keinem Wort. Das ist nicht klug.  

dazu auch:
- Gauck und die Grünen: Ein Unglück kommt selten allein (Evelyn Hecht-Galinski, Kritisches Netzwerk, 15.10.2014)
Gauck war am 9. Oktober in Leipzig beim Festakt "25 Jahre friedliche Revolution" wieder voll und ganz in seinem Element, der pastoralen Besserwisserei und Einstimmung der gesamtdeutschen Bevölkerung auf eine Art der Mitverantwortung, wie er sie sich für uns vorstellt. Wieder einmal benutzte er diesen Tag, um uns auf die veränderte Lage in der Welt, in der wir mehr “Außenpolitische Verantwortung” zu übernehmen hätten, einzustimmen und mahnte die entschiedene Verteidigung der eigenen Werte an. Was er darunter versteht, hat er uns ja schon bei vielen Anlässen vorgetragen und seine Werte scheinen mir mehr als fragwürdig und nicht die meinen!


zuletzt aktualisiert am 07-02-2016