Mittwoch, 10. Juni 2015

Heute vor 150 Jahren – 10. Juni 1865, Nationaltheater München: Uraufführung von »Tristan und Isolde«

WAGNER - Tristan und Isolde - Prelude and Liebestod (Georg Solti - Chicago Symphony Orchestra) [18:45]

Hochgeladen am 01.07.2011
Richard Wagner - Prelude and Liebestod from "Tristan und Isolde" - Chicago Symphony Orchestra, conducted by Georg Solti.

Vor 150 Jahren wurde in München „Tristan und Isolde“ uraufgeführt, ein Werk, das wie kein anderes Epoche gemacht hat. Mit dem berüchtigten „Tristan“-Akkord begann die musikalische Moderne. Die Wurzel bilden Liebe und Todesfurcht.


Ob sich jemand im Auditorium der Münchner Hofoper im Klaren darüber war, dass er einem historischen Ereignis beigewohnt hatte? Vielleicht ja, die Wehen, die zu dieser Geburt geführt hatten, waren so ausdauernd, so heftig gewesen, dass zumindest einige der Begleitumstände lange vor dem Premierendatum bekannt, ja berüchtigt waren. Am 10. Juni 1865 erblickte Richard Wagners „Tristan und Isolde“ das Bühnenlicht. Von den epochemachenden Uraufführungen im Verlauf der Musikgeschichte war dies, „Sacre du printemps“ hin oder her, die epochemachendste.

[Quelle: arikivmusic]
Vielleicht ist der unmögliche Superlativ in diesem Fall erlaubt. Um Strawinskys Ballettmusik von 1913, später die „Atombombe in der Musikgeschichte“ genannt, konnten folgende Generationen dank der stilistischen Diversifikationen im 20. Jahrhundert einen Bogen machen. „Tristan“ aber wurde zum Prüfstein für jeden, der nach Wagner noch Opern zu schreiben wünschte, für jeden, der an künstlerischen „Fortschritt“ glaubte.

Es gab kein Zurück nach den harmonischen Kühnheiten dieses Werks. Der sogenannte „Tristan“-Akkord verkündete als Hieroglyphe der Moderne die Emanzipation der Dissonanz. Selbst Italiens letzter großer Melodiker, Puccini, notiert in den Skizzen zum Finale seiner unvollendeten „Turandot“: „poi Tristano“ („dann Tristan“). Was da wohl zu erwarten gewesen wäre?

Aber der Reihe nach. „Tristan und Isolde“, das Meisterwerk, wuchs, wie das so häufig geschieht, aus höchst privaten Verstrickungen, einer Melange aus finanzieller Malaise, Liebessehnsucht und künstlerischer Vision.


Der Traum vom Liebesglück. Über Letztere berichtet Wagner im Dezember 1854 an Franz Liszt: „Da ich nun aber doch im Leben nie das eigentliche Glück der Liebe genossen habe, so will ich diesem schönsten aller Träume noch ein Denkmal setzen, in dem vom Anfang bis zum Ende diese Liebe sich einmal so recht sättigen soll: Ich habe im Kopfe einen Tristan und Isolde entworfen, die einfachste, aber vollblutigste musikalische Konzeption.“

mehr:
- „Tristan und Isolde“: Die Hieroglyphe der Moderne (Wilhelm Sinkovicz, Die Presse, 06.06.2015)

siehe auch:
- "Tristan und Isolde" wird 150: Zur Bedeutung eines ganz besonderen Akkordes (WDR3)

Beitrag hören

Tristan und Isolde (Oper) (Wikipedia)
- Richard Wagner – Sämtliche Briefe 10 (Musikwissenschaft Uni Würzburg)
- Bayreuther Festspiele – Tristan und Isolde (BR Klassik)
- Sterile Tableaus, leuchtender Klang (Ulrike Gondorf, Deutschlandradio Kultur, 08.03.2009)
- Der Tristanakkord (Lehrklaenge.de)

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