Dienstag, 22. März 2016

Friedensnobelpreisträger und Narzisst rüsten auf

Washington will für Hunderte von Milliarden US-Dollar die Atomwaffen - auch in Deutschland - "modernisieren", Russland erklärt, "angemessen" darauf zu reagieren
Nordkorea droht immer wieder mit seinen Atombomben. Um deren Existenz zu demonstrieren, werden auch die unterirdischen Atomwaffentests durchgeführt. Ob das Land tatsächlich über einsatzfähige Atomwaffen verfügt, ist umstritten, es hält seine Abschreckung jedenfalls auch mit Raketentests aufrecht. Angenommen wird, dass Nordkorea über einige Sprengköpfe mit Plutonium und mit angereichertem Uran verfügen könnte. Behauptet hat Nordkorea, im Januar eine Wasserstoffbombe getestet zu haben.

Aber es geht nicht allein um Nordkorea, wenn nach dem Ende des Kalten Kriegs trotz einiger Abrüstungsbemühungen die atomare Rüstung weiter als zentraler Garant der Abschreckung gilt, unter dessen Deckung auch Interventionen ausgeführt werden können, wie die USA und Russland demonstrieren. Mit der Verstärkung des Konflikts und des Rüstungswettlaufs vor allem zwischen Russland und den USA, auch China mischt zur Besorgnis der USA immer stärker mit, wird weiterhin kräftig in Atomwaffen investiert. Von der Ankündigung, eine atomwaffenfreie Welt anzustreben, mit der US-Präsident Obama angetreten ist und auch deswegen den Friedensnobelpreis erhielt, ist nichts umgesetzt worden, ganz im Gegenteil.

mehr:
- Zurück im Kalten Krieg und im atomaren Wettrüsten (Florian Rötzer, Telepolis, 21.03.2016)

Die heißesten Momente des kalten Krieges - ZDF-History [42:42]

Veröffentlicht am 14.05.2013
Es waren die gefährlichsten 40 Jahre der Weltgeschichte. Im Kalten Krieg standen sich Ost und West unversöhnlich gegenüber. Beide Seiten verfügten über Arsenale von mehreren zehntausend Nuklearsprengköpfen.
ZDF-History rekonstruiert fünf Momente, in denen der Kalte Krieg kurz davor stand, ein Dritter Weltkrieg zu werden. Beteiligte beider Seiten beschreiben, wie störanfällig das Gleichgewicht des Schreckens tatsächlich war.
Die Öffentlichkeit auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs hatte den Eindruck, dass die Regierungen der USA und der Sowjetunion die brisante Situation weitgehend im Griff hätten. Das "Gleichgewicht des Schreckens", so hieß es, sorge für stabile Verhältnisse.
Tatsächlich jedoch gab es im Verlauf des Kalten Krieges mehrere Situationen, in denen das Schicksal der Menschheit am seidenen Faden hing. Die meisten dieser kritischen Momente wurden vom Militär beider Seiten verschwiegen. Nie erfuhr die Öffentlichkeit die ganze Wahrheit.Während der Kubakrise 1962 erfuhren die westlichen Medien zwar von der Seeblockade der US-Navy gegen kubanische Häfen, nicht aber von der Beinahe-Katastrophe, die dadurch um ein Haar ausgelöst worden wäre. Ebenso unbekannt blieb eine kurze, aber hochbrisante Episode im Herbst 1983. Die Entspannungspolitik der 70er Jahre war vorbei.Reagan forcierte die so genannte "Nachrüstung" der NATO, die Sowjetunion stand wegen ihrer Invasion in Afghanistan unter Druck. In dieser angespannten Lage meldete ein sowjetischer Spionagesatellit am 26. September 1983 den Abschuss von fünf US-Interkontinentalraketen. Dem diensthabenden Offizier der sowjetischen Raketenabwehr, Oberstleutnant Petrow, blieben nur wenige Minuten, um einen Gegenschlag autorisieren zu lassen. Warum er das nicht tat und weshalb er dafür von der Sowjetarmee mit einem hohen Orden ausgezeichnet wurde, berichtet er exklusiv im Interview.

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Die nächste Stufe des Wettrüstens folgte noch im selben Jahr. Diese erreichten die USA im Januar 1959 mit der Aufstellung von nuklearen Mittelstreckenraketen des Typs Thor in England sowie Jupiter-Raketen in Südostitalien (Apulien) und in der Nähe von Izmir in der Türkei. Dabei wurde selbst ein nuklearer Erstschlag nicht ausgeschlossen, der den Gegner durch massiven Einsatz von Kernwaffen vernichten und jede Vergeltung unmöglich machen sollte. Anfang der 1960er-Jahre war es erstmals möglich, dass sich beide Supermächte von heimischem Boden aus mit nuklear bestückten Interkontinentalraketen beschießen konnten. (Kubakrise, Vorgeschichte, Wikipedia)

Von 1959 an stationierten die USA in Italien eine Staffel mit 25 und in der Türkei zwei Staffeln mit je 25 nuklear bestückten Mittelstreckenraketen vom Typ Jupiter, die auf die UdSSR gerichtet waren.Am 26. und 27. Oktober 1960 starteten die USA von der Laughlin Air Force Base in Texas erstmals auch U-2-Aufklärungsflüge über Kuba. Am 5. September 1961 wurden erstmals Aufnahmen von Flugabwehrraketen vom Typ S-75 und von Kampfflugzeugen vom Typ MiG-21 Fishbedgemacht.Im April 1962 wurden die amerikanischen Thor- und Jupiter-Atomraketen in der Türkei einsatzbereit gemacht. Zudem fuhren auf den Meeren US-U-Boote mit Polaris-Atomraketen. Diese Submarine-launched ballistic missiles konnten auch unter Wasser abgefeuert werden und waren entsprechend schwer zu treffen. Die Sowjetunion hatte zu dem Zeitpunkt nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen.Ab dem 10. Juli 1962 begann die UdSSR unter dem Decknamen Operation Anadyr auf Kuba heimlich mit der Stationierung von Militär. Die sowjetische Marine und Handelsflotte transportierten mit 183 Fahrten von 86 Schiffen über 42.000 Soldaten und 230.000 Tonnen Ausrüstung nach Kuba, darunter 40 R-12- und 24 R-14-Mittelstreckenraketen mit dazugehörigen Atomsprengköpfen von 0,65 MT (R-12) bzw. 1,65 MT (R-14) (die über Nagasaki abgeworfene Fat Man hatte 0,024 MT). Diese Raketen wurden offensichtlich nicht nur zum Schutz Kubas installiert, sondern dienten vor allem dazu, ein militärisches Drohpotential aufzubauen, welches die Schwäche des sowjetischen Arsenals an Interkontinentalraketen kompensieren sollte.[3] 
[Kubakrise, Unmittelbare Vorgeschichte, Wikipedia, abgerufen am 22.03.2016]
meine Anmerkung:
Man vergleiche den obigen, am 22.03.2016 abgerufenen, Wikipedia-Abschnitt mit dem entsprechenden Wikipedia-Eintrag vom 14.12.2014, den ich im Post 
- Propaganda, Medien und die Kriege der Guten (28.02.2019)
zitiert habe: Der Satz 
»Weil sie [die Thor-Raketen] wegen ihrer ungeschützten Aufstellung leicht angreifbar waren, konnten sie nur zu einem atomaren Erstschlag genutzt werden.«
ist in der aktuellen Wikipedia-Version nicht mehr zu finden!
Zur Taktik transatlantischer Wikipedia-Veränderungen:

Die dunkle Seite der Wikipedia (Post, 18.07.2017)



Story of Thor: WS-115A, the Thor Intermediate Range Ballistic Missile [22:42]

Veröffentlicht am 06.06.2014
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Im Mai 1962 besuchte Nikita Chruschtschow, Generalsekretär der KPDSU und Vorsitzender des Ministerrats der Sowjetunion, Bulgarien. Für den dritten Tag seines Aufenthalts war ein Besuch in Burgas am Schwarzen Meer vorgesehen. Chruschtschow erinnerte sich später an seinen Spaziergang am Strand: ein sonniger Tag, das Meer windgepeitscht, und ein junger Mann aus seinem Beraterstab habe hinüber in Richtung Türkei gewiesen: »Sehen Sie, Nikita Sergejewitsch, da drüben haben die Amerikaner jetzt ihre Jupiter-Raketen stationiert. Sie erreichen mit ihren Atomsprengköpfen in 15 Minuten jeden Punkt im europäischen Teil der Sowjetunion.« In diesem Moment, so Chruschtschow, sei ihm die Idee gekommen, sowjetische Atomraketen auf Kuba zu stationieren.

Operation »Anjadir«
Der Kremlchef glaubte auf diese Weise zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die atomare Überlegenheit der USA würde gebrochen und Kuba erhielte einen wirksamen Schutz gegen jede Aggression. So ließ er sich denn auch gleich nach seiner Rückkehr am 20. Mai seinen Plan vom Präsidium der KPdSU bestätigen. Damit wurde eine Entwicklung in Gang gesetzt, welche die Welt an den Rand eines Atomkrieges führte.

Um Chruschtschows Vorstoß zu verstehen, muss man wissen, dass die USA Anfang der 60er eine erdrückende militärstrategische Überlegenheit erreicht hatten. Sie verfügten über 6000 einsatzbereite Atomsprengköpfe in Bombern, Raketen und Unterseebooten. Das Vernichtungspotenzial war gegen die Sowjetunion und deren Verbündete gerichtet. Die UdSSR hatte dem nichts entgegenzusetzen. Ende 1961 verstärkten die USA - nach dem Desaster in der Schweinebucht im April - ihre Vorbereitungen einer erneuten Invasion gegen Kuba. Unter Leitung des Justizministers Robert Kennedy, Bruder des US-Präsidenten John F. Kennedy, wurde Miami zur größten CIA-Basis ausgebaut, mit über 3000 Exilkubanern unter dem Kommando von 600 Offizieren, mit eigener Flotte und eigener Luftwaffe. Es war klar, dass es früher oder später zum Aggressionsakt kommen würde.

Kennedys Problem war, dass er als Herr über die gewaltigste Militärmacht keine Vorstellungen vom hohen Schutzbedürfnis der Sowjetunion vor dem Hintergrund traumatischer historischer Erfahrung hatte - des überraschenden, vertragsbrüchigen Überfalls des faschistischen Deutschlands 1941. Auch unterschätzte er die Entschlossenheit der UdSSR, dem freien Kuba zur Seite zu stehen.
 (Als die Welt am Abgrund stand ... Vor 50 Jahren: Die Raketenkrise um Kuba und die Missverständnisse in Moskau und Washington, Johnny Norden, Neues Deutschland, 20.10.2012, gefunden bei AG Friedensratschlag)

Exposing Operation Anadyr [11:10]

Veröffentlicht am 23.07.2014
A short film for a technological transformations class on the role of the intelligence agencies in uncovering the Soviet ballistic missiles being placed in Cuba in 1962.

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