Freitag, 2. Juni 2017

Das passende Leben

Der Schweizer Kinderarzt Remo Largo hat mit Ratgebern wie "Babyjahre" und "Kinderjahre" Millionenbestseller verfasst. In seinem neuen Buch "Das passende Leben" berät er die Erwachsenen. 

Wer kennt das nicht: müde im Internet gewesen oder vor dem Fernseher gesessen oder beides. Alleine oder höchstens zu zweit. "Wenn der Abend zu Ende geht, bleibt ein schales Gefühl sinnlos verbrachter Stunden zurück, weil auch die beste aller virtuellen Welten reales Zusammenleben nicht ersetzen kann." Aber ein bisschen Entspannung muss doch jedem vergönnt sein! Und vielleicht waren wir sogar den ganzen Abend auf der Suche nach etwas Wertvollem, nach Kontakten zu Abwesenden, nach interessanten Informationen, guten Geschichten, kluger Unterhaltung? 

Oh nein, etwas anderes ist passiert: Wir haben uns verabschiedet vom "ursprünglichen Auftrag von Kultur, nämlich Räume für ein aktives gemeinsames Erleben zu schaffen". Mehr noch: "Wir sitzen in einem komfortabel eingerichteten Käfig." Und in dieser selbstgeschaffenen Einzelhaft herrschen immer mehr "emotionale Verunsicherung und soziale Vereinsamung". 

Diese Sätze stammen aus dem neuesten Buch von Remo H. Largo. Der Schweizer Kinderarzt ist Millionen Eltern vertraut, die seine Bestseller-Handbücher zu Rate ziehen: "Babyjahre", "Kinderjahre", "Jugendjahre" und vieles mehr. Jetzt aber hat Remo Largo sein sympathisches Beratungsimperium ausgeweitet auf uns alle, auf die Erwachsenen. Das neue Buch sieht der 73-Jährige als eine notwendige Fortsetzung, ja als Summe seines Lebenswerks an: "Das passende Leben. Was unsere Individualität ausmacht und wie wir sie leben können" (S. Fischer Verlag, 480 Seiten, 24 Euro, E-Book 19,99 Euro).
mehr:
Philosophie: Selbstoptimierung jenseits der Yogamatte (Johann Schloemann, Süddeutsche Zeitung, 31.05.2017)

- Unsere Individualität solidarisch leben (Leseprobe)

ADHS - das Problem sind die Erwachsenen {9:02}

Veröffentlicht am 04.06.2013
Aus Frontal vom 04.05.13
Siehe auch - http://ritalin-kritik.de

Die Bücher des Schweizer Kinderarztes, Remo Largo, über kindliche Entwicklung gelten als Standardwerke. Für ihn liegt das Problem zunehmender ADHS-Diagnosen in der Gesellschaft.
Was als psychische Störung gilt, bestimmt der Diagnosekatalog DSM-5, dessen neueste Ausgabe gerade in den USA erschienen ist. Psychiater Allen Frances, der viele Jahre an diesen Diagnosekatalogen mitgewirkt hat, ist inzwischen ein scharfer Kritiker. Denn im Gegensatz zu den früheren Katalogen können jetzt unter anderem auch schon extreme und keinem Anlass entsprechende Wutausbrüche bei Kindern ab sechs Jahren als eigenständige psychische Störung diagnostiziert werden. Die Folge: Immer mehr Kinder würden als psychisch krank abgestempelt und bekämen starke Psychopharmaka, ohne dass es nötig wäre.
Für den Schweizer Kinderarzt, Remo Largo, liegt das Problem in der Gesellschaft. Im Interview mit Frontal21 kritisiert er, dass immer mehr Kinder, die nicht den Leistungsanforderungen entsprechen, völlig zu Unrecht die Diagnose ADHS und in der Folge häufig starke Medikamente wie Ritalin erhalten. Seine Bücher über kindliche Entwicklung gelten als Standardwerke. Dabei seien das Problem nicht die Kinder, sondern die Erwachsenen. Eltern, Lehrer und Behörden stünden heutzutage enorm unter Druck und seien nicht mehr bereit, Kinder so zu nehmen wie sie sind, so der Erziehungsexperte gegenüber Frontal21.

Sternstunden - Pasqualina Perrig-Chiello und Remo H. Largo {54:57}

Hochgeladen am 07.08.2008
Schweizer Fernsehen - Sternstunde Philosophie: Familien-Bande
Jeder Mensch hat seine Erfahrungen mit Familie und ist geprägt von Familien-Banden - im Guten, wie auch im Schlechten. Wie aber sieht die Familie der Zukunft aus angesichts der hohen Scheidungsrate? Was ist wichtiger: das Wohl des Kindes oder die berufliche Selbstverwirklichung der Eltern? Was muss der Staat für Familien leisten? Diese Fragen diskutieren in der Sternstunde Philosophie die Psychologin Pasqualina Perrig-Chiello und der Kinderarzt und Buchautor Remo H. Largo. Perrig-Chiello ist zudem Präsidentin des Nationalen Forschungsprogramms "Kindheit, Jugend und Generationenbeziehungen im gesellschaftlichen Wandel" (NFP) und gibt Einblick in deren Resultate. Pasqualina Perrig-Chiello und Remo H. Largo im Gespräch mit Norbert Bischofberger. (Sendung vom 18.5.2008)
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