Freitag, 25. September 2009

Eine kleine Geschichte über Wertschätzung

Eines Tages bat eine Lehrerin ihre Schüler, die Namen aller anderen Schülerin der Klasse auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein wenig Platz neben den Namen zu lassen. Dann sagte sie zu den Schülern, sie sollten überlegen, was das Netteste ist, das sie über jeden ihrer Klassenkameraden sagen können und das sollten sie neben die Namen schreiben. Es dauerte die ganze Stunde, bis jeder fertig war und bevor sie den Klassenraum verließen, gaben sie Ihre Blätter der Lehrerin.

Am Wochenende schrieb die Lehrerin jeden Schülernamen auf ein Blatt Papier und daneben die Liste der netten Bemerkungen, die ihre Mitschüler über den Einzelnen aufgeschrieben hatten. Am Montag gab sie jedem Schüler seine oder ihre Liste. Schon nach kurzer Zeit lächelten alle.

"Wirklich?", hörte man flüstern. "Ich wusste gar nicht, dass ich irgendjemandem was bedeute!" und "Ich wusste nicht, dass mich andere so mögen", waren die Kommentare. Niemand erwähnte danach die Listen wieder.

Die Lehrerin wusste nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit ihren Eltern diskutiert hatten, aber das machte nichts aus. Die Übung hatte ihren Zweck erfüllt. Die Schüler waren glücklich mit sich und mit den anderen.

Einige Jahre später war einer der Schüler gestorben und die Lehrerin ging zum Begräbnis dieses Schülers. Die Kirche war überfüllt mit vielen Freunden. Einer nach dem anderen, der den jungen Mann geliebt oder gekannt hatte, ging am Sarg vorbei und erwies ihm die letzte Ehre.

Die Lehrerin ging als letzte und betete vor dem Sarg. Als sie dort stand, sagte einer der Anwesenden, die den Sarg trugen, zu ihr:

"Waren Sie Marks Mathelehrerin?" Sie nickte: "Ja". Dann sagte er: "Mark hat sehr oft von Ihnen gesprochen."

Nach dem Begräbnis waren die meisten von Marks früheren Schulfreunden versammelt. Marks Eltern waren auch da und sie warteten offenbar sehnsüchtig darauf, mit der Lehrerin zu sprechen. "Wir wollen Ihnen etwas zeigen", sagte der Vater und zog eine Geldbörse aus seiner Tasche.

"Das wurde gefunden, als Mark verunglückt ist. Wir dachten, Sie würden es erkennen." Aus der Geldbörse zog er ein stark abgenutztes Blatt, das offensichtlich zusammengeklebt, viele Male gefaltet und auseinandergefaltet worden war. Die Lehrerin wusste ohne hinzusehen, dass dies eines der Blätter war, auf denen die netten Dinge standen, die seine Klassenkameraden über Mark geschrieben hatten. "Wir möchten Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie das gemacht haben", sagte Marks Mutter. "Wie Sie sehen können, hat Mark das sehr geschätzt." Alle früheren Schüler versammelten sich um die Lehrerin. Charlie lächelte ein bisschen und sagte: "Ich habe meine Liste auch noch. Sie ist in der obersten Schublade in meinem Schreibtisch".

Die Frau von Heinz sagte: "Heinz bat mich, die Liste in unser Hochzeitsalbum zu kleben." "Ich habe meine auch noch", sagte Monika. "Sie ist in meinem Tagebuch." Dann griff Irene, eine andere Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre abgegriffene und ausgefranste Liste den anderen. "Ich trage sie immer bei mir", sagte Irene und meinte dann: "Ich glaube, wir haben alle die Listen aufbewahrt." Die Lehrerin war so gerührt, dass sie sich setzen musste und weinte. Sie weinte um Mark und für alle seine Freunde, die ihn nie mehr sehen würden.

Im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen vergessen wir oft, dass jedes Leben eines Tages endet und dass wir nicht wissen, wann dieser Tag sein wird. Deshalb sollte man den Menschen, die man liebt und um die man sich sorgt, sagen, dass sie etwas Besonderes und Wichtiges sind. Sag es ihnen, bevor es zu spät ist.

ein Dank dem unbekannten Verfasser, die Geschichte findet sich hunderte Male im Internet

Hier kann man sie sich sogar anhören…
Und da gibt’s noch mehr Geschichten…

Geld – »Wir sind wie Alkoholiker«

Der Schriftsteller und Dramaturg John von Düffel, geboren 1966John von Düffel bringt in Düsseldorf Émile Zolas großen Spekulantenroman "Das Geld" auf die Bühne.
Ein Gespräch bei ZEIT-Online

Donnerstag, 24. September 2009

Kündigung ist Chefsache

BOCHUM - Gehalt, Arbeitszeiten, Sozialleistungen: Alles zweitrangig, wenn es um die Zufriedenheit der Deutschen mit ihren Arbeitsplätzen geht. Das Verhältnis zum Chef ist hier vielmehr ausschlaggebend. Das Projektteam Testentwicklung der Ruhruniversität Bochum fasste die ersten Ergebnisse einer großen Onlineumfrage zusammen, so INFORMATIONSDIENST WISSENSCHAFT. Dabei können Beschäftigte anonym und kostenfrei ihre Vorgesetzten bewerten. Über 56 Prozent benoteten ihren Chef auf einer Skala von 0 bis 9 im unteren Drittel. Dagegen sind nur 20 Prozent der Befragten mit ihrem Boss zufrieden. 23 Prozent gaben ihren Chefs sogar die schlechteste mögliche Bewertung Die Fragen drehen sich um Aspekte wie Vertrauen, Akzeptanz, Fairneß oder Aufgabenmanagement.

Dennoch sehen sich 53 Prozent als persönlich erfolgreich und schätzen ihr Unternehmen als erfolgreich ein – also kann die Unzufriedenheit nicht mit einer generell negativen Einstellung erklärt werden, sondern hängt direkt mit der Zufriedenheit mit dem Vorgesetzten zusammen. Vertrauen, Einfühlungsvermögen für das Team, angemessenes Delegieren, Koordinieren, Organisieren fachlicher Aufgaben und faires Verhalten sind ausschlaggebende Faktoren. Und wie sehen sich die Chefs selbst? Dies soll eine Erweiterung der Onlineumfrage ans Licht bringen. Führungskräfte können sich selbst anonym einschätzen und eine kostenfreie Auswertung erhalten. So können zum Beispiel bisherige Fehler aufgezeigt und in Zukunft vermieden werden.

Der Kassenarzt Nr. 15 (September 2009)

Sonntag, 13. September 2009

365 Tage Sex

Erstaunlich, auf was für Ideen man in Bibelkursen kommen kann! Charla Muller, eine eher konservative Hausfrau aus Charlotte in North Carolina, fiel beim wöchentlichen Bibeltreff plötzlich ein, was sie ihrem Mann Brad zum 40. Geburtstag schenken könnte: 365 Tage Sex! Mit wem? Mit ihr natürlich. An jenem Abend ging es im Bibelkreis um den Paulus-Brief an die Galater. Der Geist Gottes beschere dem Leben „Freundlichkeit, Güte, Treue, Besonnenheit und Selbstbeherrschung“ las Charla da. Nur die wenigsten wären wohl durch diese Worte auf Charlas Geschenkidee gekommen. Charla erklärt das so: „Ich habe diesen Ausspruch auf meine Ehe angewandt und erkannt, dass ich es an Verbundenheit mit meinem Mann fehlen ließ.“ Das Paar machte Ernst und schaffte zwar nicht ganz 365, aber immerhin 336 Mal Und das nach 13 Jahren Ehe und zwei Kindern! Sex habe jahrelang ganz unten auf der Prioritätenliste gestanden, sagte Charla. Jeden Sonntagabend legte das Paar nun den Intim-Fahrplan für die Woche fest und hielt ihn gewissenhaft ein. Und weil alles so schön funktionierte, hat Charla ihre Erlebnisse in ihrem Buch 365 Nights festgehalten, das sogleich Amerikas Bestseller-Listen stürmte.
Osho-Times September 2009

Freitag, 11. September 2009

Pandemieangst inszeniert?

Der SPD-Gesundheitsexperte Dr. med. Wolfgang Wodarg hat die Angst vor einer Pandemie als Folge einer Inszenierung bezeichnet: "Bislang haben die Hersteller von Grippe-Impfstoff nie genau gewusst, wie viele Abnehmer sie dafür im Herbst haben und wie viel produziert werden muss. Jetzt hat sich die Bundesregierung durch den Medienzirkus in Handlungsdruck setzen lassen und gibt der Pharmaindustrie eine Abnahmegarantie", sagte der Facharzt für Lungenheilkunde, Hygiene und Umweltmedizin im Allgemeinarzt-Interview. Wodarg, der für die SPD im Gesundheitsausschuss des Bundestages sitzt, kritisierte die Weltgesundheitsorganisation WHO, "die sich zum Vehikel der Panikmache macht: "Die WHO hat uns schon bei der Vogelgrippe in unrühmlicher Weise Angst gemacht, vor einer Influenza-Pandemie, die es dann nie gegeben hat: Wodarg rät angesichts der 14 000 Fälle der Influenza H1N1/2009 in Deutschland (Ende August) zu Augenmaß: "Die letzte saisonale Grippewelle lief im Winter 2008 bis Ende Februar 2009 vom Nordwesten Deutschlands bis in den Südosten und führte in Spitzenzeiten mit der Diagnose akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE) zu etwa 2 000 zusätzlichen Arztbesuchen pro Woche pro 100 000 Einwohner. Das sind schätzungsweise 10 bis 20 Millionen zusätzlicher Arztbesuche pro 'Grippe'-Welle."
aus Der Allgemeinarzt 14/2009

Ein aktives Gehirn lebt länger

Durch Hirnaktivität setzen Nervenzellen dort ein spezielles genetisches Programm in Gang, das Schutzgene aktiviert, die das Überleben der Zellen deutlich verstärken. Das haben Neurobiologen um Professor Hilmar Bading in Heidelberg nachgewiesen. Das neuroprotektive Genprogramm wird von Nervenzellen selbst gesteuert und immer dann aktiviert, wenn Zellen von ihren Nachbarn im Nervenzellnetzwerk stimuliert werden. Angeschaltet wird der Schutzmechanismus durch Kalzium, das nach Aktivierung der Nervenzellen in diese einströmt, bis in den Zellkern vordringt und dort das Ablesen der Überlebensgene hochreguliert. Die Heidelberger Mediziner versprechen sich von den Forschungsergebnissen neue therapeutische Ansätze zur Behandlung degenerativer Erkrankungen des Nervensystems.
PLoS Genetics vorab online, August 2009
aus Der Allgemeinarzt 14/2009

Dienstag, 8. September 2009

Schmerztoleranz – Sollen Patienten bei der Spritze fluchen?

Eine britische Studie hat gezeigt, dass Probanden Schmerzen länger und besser aushalten, wenn sie deftig fluchen. Die Versuchsteilnehmer mussten eine Hand in Eiswasser halten. Wer dabei fluchte, hielt das Bad länger aus und empfand es als weniger schlimm als die stillen Dulder. Interessanterweise war der Effekt bei Frauen deutlich stärker ausgeprägt als bei den männlichen Probanden. Ob Sie Ihre Patienten zukünftig wirklich auffordern sollen, laut zu schimpfen, wenn Sie ihnen mit der Spritze zu Leibe rücken, hängt von Ihrer persönlichen Fluchtoleranz ab.
Neuroreport doi: 1o.1o97/WNR.obo13e32832e64b1
aus Fortschritte in der Medizin, Nr. 30-22

Risikofaktoren – Wer zur Arbeit radelt, lebt gesünder

Für die CARDIA-Studie (Coronary Artery Risk Development In Young Adults) wurden die Daten von über 2300 Pendlern ausgewertet. Die Probanden gaben an, wie lang ihr Weg zur Arbeit war und ob sie diesen zu Fuß, per Rad, Auto oder öffentlichem Verkehrsmittel zurücklegten. Sowohl Frauen als auch Männer, die den Weg zur Arbeit zu Fuß oder per Rad zurücklegten, fielen durch eine körperlich bessere Verfassung auf. Bei den Männern machte sich dies auch durch niedrigere Raten an Übergewicht, Bluthochdruck und Hypertriglyzeridämie bemerkbar. Ein strammer Fußmarsch über 6o Minuten pro Tag ist für die meisten Erwachsenen ausreichend, um körperlich fit zu bleiben und Übergewicht zu vermeiden. Arch Intern Med 2009; 169: 1216-23
aus MMW Fortschritte in der Medizin Nr. 30-33

Beginnende Arthrose – Übergewicht beschleunigt Knorpelzerstörung

Woran liegt es, wenn eine Arthrose besonders schnell voranschreitet? Das haben Ärzte der Boston University bei 336 Patienten mit hohem Risiko für bzw. mit Frühstadium einer Kniegelenksarthrose untersucht. Als wichtigste Risikofaktoren für eine schnelle Progression erwiesen sich ein bereits bestehender Knorpelschaden, ein hoher BMI und ein Meniskusriss. Da Übergewicht ein etablierter Risikofaktor für Arthrose ist, verwundert es nicht, so die Studienautoren, dass Übergewicht auch eine schnelle Knorpelzerstörung fördert. Eine Gewichtsreduktion sei daher wahrscheinlich der wichtigste Faktor, um die Krankheitsprogression aufzuhalten. Roemer FW et al. Radiology, August 200g
aus MMW Fortschritte in der Medizin Nr. 33-33

Freitag, 4. September 2009

Naturprodukt tötet Bakterien – Honig besser als Antibiotika

Dass Honig gut schmeckt, weiß jedes Kind. Dass Honig aber auch Wunden vor Bakterien schützen kann - und zwar besser als ein Antibiotikum – wohl nicht.

In Zukunft könnte statt einer antibiotischen Creme medizinischer Honig auf einer Wunde oder an einem Katheter kleben. Denn zwei bestimmte Honigsorten aus Neuseeland und Australien wirken bei der Behandlung von oberflächlichen Wunden und Infektionen effektiver als Antibiotika. Die medizinischen Honigsorten wirkten gegen alle in einer Studie getesteten Bakterien, darunter auch gegen multiresistente Bakterien. Im Gegenzug entwickelten die Bakterien keine Resistenz gegen den Honig, wie dies bei Antibiotika der Fall ist.

Die getesteten Honigsorten werden von Bienen produziert, die sich von den Blüten des Teebaums ernähren. Bisher wissen die Forscher nicht genau, wie es dem Honig gelingt, Infektionen zu vermeiden und Erreger abzutöten. Sie vermuten, dass ein Bestandteil namens Methylglyoxal eine Wechselwirkung mit anderen – bisher unbekannten Bestandteilen des Honigs eingeht und so infektionsauslösende Bakterien daran hindert, neue Stämme zu bilden, die gegen den Honig resistent sind. (cst)
Pressemitteilung Institut Ranke-Heinemann
CME 7/8, 2009

Montag, 24. August 2009

Heute vor 60 Jahren – 24. August 1949: Der Nordatlantikpakt tritt in Kraft

Wohl kaum eine Institution ist in den Nachkriegsjahren in Deutschland so umstritten wie die Nato. In den 1980er Jahren demonstrieren Hunderttausende gegen die Entscheidung des westlichen Verteidigungsbündnisses, neue Atomraketen in der Bundesrepublik zu stationieren. Andere Bürger und Politiker sind hingegen fest davon überzeugt, dass die Nato damit den Frieden sichert und weiterhin den dritten Weltkrieg verhindert. Schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Hoffnung auf ein friedlicheres Europa zerschlagen. Dass die meisten Soldaten der westlichen Alliierten den Kontinent verlassen haben, während die Rote Armee fast unverändert in Mitteleuropa steht, macht den Westen nervös. Im März 1948 unterzeichnen die drei Benelux-Staaten mit Frankreich und Großbritannien den Brüsseler Pakt, ein regionales Verteidigungsbündnis. Ohne die Mitgliedschaft der USA hat dieser Zusammenschluss jedoch wenig Abschreckungspotenzial.

Im Sommer 1948 beginnen deshalb die Beratungen zum Nordatlantikpakt. Bereits 1947 hat US-Präsident Harry S. Truman verkündet: "Ich glaube, wir müssen allen freien Völkern helfen, damit sie die Geschichte auf ihre Weise selbst bestimmen können." Damit ist die sogenannte Truman-Doktrin formuliert, der Anspruch der USA, Hüter der Freiheit zu sein. Am 4. April 1949 wird der Nordatlantikpakt unterzeichnet und am 24. August des selben Jahres tritt er in Kraft. Zwölf Staaten sind bei der Gründung der Nato dabei: Die USA und Kanada, die fünf Staaten des Brüsseler Paktes sowie Dänemark, Island, Italien, Norwegen und Portugal. Kern des Abkommens ist Artikel fünf: "Die vertragsschließenden Staaten sind darüber einig, dass ein bewaffneter Angriff gegen einen oder mehrere von ihnen in Europa und Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle betrachtet wird." Das ist der sogenannte Bündnisfall. Wird einer angegriffen, schlagen alle zurück, eine klare Botschaft an die UdSSR. Das Hauptquartier der Nato befindet sich zunächst in Paris, später wird es nach Brüssel verlegt. 1955 tritt die BRD der Nato bei. Wenige Tage später gründet die Sowjetunion ein Gegenbündnis, den Warschauer Pakt. Das atomare Wettrüsten geht weiter.

Nach dem Fall der Mauer und dem Ende der UdSSR wird der Warschauer Pakt 1991 aufgelöst. Die Nato bleibt bestehen, nimmt frühere Ostblockstaaten als Mitglieder auf und gibt sich eine neue Strategie: als Friedensstifterin auch außerhalb des eigenen Territoriums. Mit diesem Selbstverständnis greift sie in die Kriege um das zerfallende Jugoslawien ein – ohne Mandat der Vereinten Nationen und ohne, dass ein Mitgliedsstaat angegriffen wird. Den Bündnisfall hat die Nato bisher erst einmal erklärt: nach den 11. September 2001. Die USA fühlen sich durch die Terroranschläge als Land angegriffen und bitten um Beistand bei der Selbstverteidigung. Kanzler Gerhard Schröder (SPD) sagt US-Präsident George W. Bush "die uneingeschränkte Solidarität Deutschlands" zu. Ob die Nato tatsächlich mit in den Krieg gegen Afghanistan ziehen darf, ist völkerrechtlich bis heute umstritten. Genauso wie der Luftkrieg um das Kosovo Ende der 90er Jahre. Doch Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hält die Nato für das erfolgreichste Militärbündnis aller Zeiten: "Die Nato bleibt die ultimative Versicherungspolice für fast eine Milliarde Menschen in 28 Staaten."

Quelle:
- Stichtag – 24. August 1949 - Vor 60 Jahren: Der Nordatlantikpakt tritt in Kraft (WDR, 24.08.2009)

siehe auch:
- Protokoll über den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum Nordatlantikpakt (Paris, 23. Oktober 1954) (Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern)
- 4. April 1949: Gründung der Nato (bpb, 02.04.2012)
- Nordatlantikpakt: Die NATO Welche Aufgaben hat die NATO und welche Ziele verfolgt sie? (Britta Pawlak, Helles Köpfchen, 06.04.2009)
- Nato: Historie – Umstrittenes Bündnis (Irene Helmes [Texte], Süddeutsche Zeitung, Photostrecke, 02.04.2009)

Donnerstag, 20. August 2009

Umkehr nach dem Schock

Jadallah Shihadeh warf einst Steine – jetzt arbeitet er als Friedenspastor im besetzten Palästina gegen Gewalt

Keiner hat dem 1956 als Gastarbeiterkind in Kuwait geborenen Jadallah Shihadeh in die Wiege gelegt, dass er eines Tages der fähigste Menschenfischer in der interreligiösen Dialog- und Friedensarbeit im politisch heißen Palästina werden würde. Heute ist Shihadeh im Hauptberuf Pastor der lutherischen Abrahams-Gemeinde in Beit Jala, der Nachbarstadt von Bethlehem.

Als Jugendlicher war er, wie viele Altersgenossen, ein Steinewerfer gegen die israelische Besatzungsmacht im Westjordanland. Er wurde verhaftet, gefoltert, kam ins Gefängnis. »Ich hatte mehr Glück als Verstand, dass der Polizist, den ich mit Fäusten angegriffen hatte, mich vor dem Militärgericht nicht identifizierte und dass der damalige lutherische Propst in Jerusalem, Helmut Glatte, mich bald herausholte«, erzählt Shihadeh.

Auf den Schock der Haft folgt eine Umkehr: Gewaltfrei will er fortan für das geschundene Palästina arbeiten. Und er möchte evangelische Theologie studieren, in Deutschland. »Beim Studium bin ich auf den großen jüdischen Religionsphulosophen Martin Buber gestoßen; dessen Vision eines freundlichen Miteinanders der Völker im Heiligen Land lässt mich bis heute nicht los«, sagt Shihadeh. »Und ich entdeckte die biblische Gestalt Abraham. Der Gründervater hat beim Terebinthenstrauch von Mamre den Ewigen mitsamt Begleitern zu Gast und ist folglich allen drei Religionen heilig, den Juden, Muslimen und uns Christen.«

Anfang 1986 wird Shihadeh vom Jerusalemer Bischof Haddad ordiniert und in die Gemeinde Beit Jala eingeführt mit dem Bibelwort aus Jeremia 1,7: »Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr.« Shihadeh erzählt: »Es war anfangs sehr schwer. Denn die Gemeinde in Beit Jala war zerstritten. Zum Weihnachtsgottesdienst 1986 kamen nur zwei Besucher«

Jadallah und seine aus Tübingen stammende Frau Hannelore haben die 570 arabische Protestanten zählende Abrahamsgemeinde zum Blühen gebracht. Hannelore Shihadeh bietet mit großem Erfolg für benachteiligte Kinder und Jugendliche Musik- und Kunstkurse an. Ihr Ehemann hat sich der interreligiösen Friedensarbeit »im Geiste Bubers« verschrieben.

Mit Zähigkeit und Hilfe aus Skandinavien und Deutschland gelingt seit 2002, seit der wochenlangen militärischen Besetzung des Großraums Bethlehem, der Aufbau von Abrahams Herberge. Sie liegt gleich neben der Abrahamskirche und ist Hotel, Jugendherberge, Ökumenezentrum, Pfarr- und Kinderheim in einem. Als 2006 beim Hisbollah-Krieg viele Menschen vor dem Raketenbeschuss aus Nordisrael flüchten, nehmen die Palästinenser von Abrahams Herberge jüdische Flüchtlinge auf, »so viele, wie möglich«: Mitten im Krieg eine einzigartige Friedensaktion in Palästina.

Soeben hat Jadallah Shihadeh die interreligiöse Friedenswoche mit Juden, Muslimen und Christen zum Erfolg gebracht. So etwas gibt es sonst nirgendwo im politisch tief zerstrittenen Heiligen Land. Thomas Seiterich

Kontakt: shihadeh@luthchurch.com

aus Publik-Forum 14•2009


Nano-Partikel: erst anwenden, dann aufpassen…

Auf die öffentliche Diskussion der Gefährlichkeit von Nano-Partikeln warte ich schon seit langem.
Weiter zu SPIEGEL Online
Da gibt’s auch einige weiterführende Links.

Krisenkinder oder Pioniere einer neuen Zeit?

"Die „Krisenkinder“ von heute erben eine Welt, in der es scheinbar nur noch bergab geht. Aber wo Schatten ist, gibt es auch Licht. Und so könnte sich die Bezeichnung „Krisenkinder“ vielleicht als hoffnungsvolle Metapher erweisen. Denn Krise erzeugt Chaos, und Chaos stimuliert Kreativität. Je stärker der Druck auf die Jungen, desto größer die Chance, dass sie aus ihrer Schreckstarre aufwachen und entdecken, dass Opportunismus und Mutlosigkeit praktisch zum Selbstmord führen."

Satyananda

Die junge Generation am Scheideweg

von Satyananda

Aufruhr in den Straßen von Teheran. Ich schaue gebannt auf den Bildschirm meines Fernsehers und beobachte fasziniert, wie furchtlos die Demonstranten sind, vor allem junge Frauen. Als die finsteren, vermummten Schläger der staatlichen Miliz auf Motorrädern heranpreschen und mit langen Knüppeln auf die Demonstranten losgehen – richten junge Mädchen ihre Handykameras auf die brutalen Schläger, drücken kaltblütig ab und schicken ihre Videosequenzen über YouTube in die ganze Welt. Immer wieder filmen sie auch sich selbst. Empört, nicht vermummt, sondern klar identifizierbar schreien sie ihren Protest in die Kameras.

Angst vorm Rausschmiss
Ich hatte diese Bilder aus Teheran im Kopf, als ich im „Spiegel“ eine Untersuchung über die jungen Deutschen im Alter von 20-35 Jahren las. Der „Spiegel“ nennt sie „Krisenkinder“. Und der Artikel beginnt so: „Der junge Mann, der am Anfang dieser Geschichte steht, will seinen Namen nicht preisgeben, und damit ist schon einiges erzählt über die Generation, um die es hier geht.“
Der Spiegelreporter nennt den jungen Mann Oliver. Und der erzählt ihm, wie er - ein junger Architekt – als mies bezahlter Praktikant mit 60 anderen Praktikanten im Großraumbüro eines berühmten Architekten jede Woche 70 Stunden und oft mehr geschuftet hat. Er hoffte auf Festanstellung. Stattdessen fand er sich plötzlich auf der Straße wieder – rausgeschmissen! Die globale Finanzkrise habe die Aufträge einbrechen lassen, erklärte der Chef. Nun fürchtet Oliver, dass er seine künftigen Berufschancen gefährdet, wenn er im „Spiegel“ seinen Frust rauslässt.
In Teheran kämpfen die jungen Menschen um Freiheit und riskieren dabei, dass sie von den Schergen des Geheimdienstes verhaftet, gefoltert, auf unbestimmte Zeit eingesperrt oder sogar klammheimlich umgebracht werden. Die jungen Deutschen riskieren lieber nichts. Ihnen ist die Freiheit sozusagen als Geschenk in die Wiege gelegt worden. Sie meinen, dass sie nicht dafür kämpfen müssen. Dabei muss Freiheit doch ständig beschützt und notfalls kämpferisch verteidigt werden, wenn sie Bestand haben soll. Wer Angst davor hat, seine Meinung zu sagen, hat die Freiheit bereits abgeschrieben.

Schreckstarre
Aus der „Spiegel“-Untersuchung geht hervor, dass den jungen Deutschen das überhaupt nicht bewusst ist. Fast alle jungen Leute, mit denen die „Spiegel“-Reporter gesprochen haben, wollten anonym bleiben. Dabei waren ihre Aussagen doch von einer geradezu rührenden Harmlosigkeit. Keine staatsgefährdenden Drohungen, keine aufrührerischen Visionen, keine revolutionären Statements. Stattdessen Ratlosigkeit. Die jungen Deutschen wollen sich vor allem anpassen. Letztlich wollen sie so leben, wie sie aufgewachsen sind – in Sicherheit und Wohlstand.
Aber Nine Eleven, der Terror-Anschlag auf das World Trade Center in New York, entlarvte die Sicherheit als Illusion. Das Unfassbare wurde plötzlich greifbar: Die Terroristen leben unter uns! Manche sind sogar nette, hilfsbereite Nachbarn. Aber während du freundliche Grüße mit ihnen austauschst, träumen sie davon, einen Atomsprengsatz im U-Bahntunnel zu zünden und deine gemütliche Welt in Fetzen zu reißen. Jeder Tag kann dein letzter sein.
Inzwischen hat blinde Gier den Turbo-Kapitalismus an die Wand gefahren und nun sind auch die Jobs und das Geld nicht mehr sicher. Chaos auf den globalen Finanzmärkten, weltweite Rezession. Wie reagieren die jungen Deutschen? Stürmen sie die Banken? Schieben sie endlich die längst überfällige Kapitalismuskritik an? Setzen sie sich mit den Ursachen des internationalen Terrorismus auseinander?
Nichts da! Die jungen Deutschen – so geht aus der „Spiegel“-Untersuchung hervor – sind in eine Art Schreckstarre verfallen. Sie protestieren nicht, sie klagen darüber, dass ihre berufliche Zukunft nun ungewiss geworden ist. 70% sehnen sich nach Sicherheit. 58% befürchten politische Instabilität.

Überfluss macht schlapp
Man kann das merkwürdig finden, aber abfällig urteilen sollte man darüber nicht. Denn diese junge Generation ist nicht schlechter als alle anderen jungen Generationen vor ihr. Das größte Problem besteht darin, dass sie in Wohlstand und Überfluss aufgewachsen ist, in einer Welt, in der sich alles nur noch ums Geld dreht.
Überfluss macht schlapp und krank. Immer wenn das Geld wichtiger wird als Gott, breitet sich Angst aus und zehrt an der Lebensenergie. Viele sensible Menschen spüren, dass das Schiff sinkt. Weil sie das nicht verhindern können, verdrängen sie das drohende Unheil lieber und ermuntern die Bordkapelle, immer lauter und schriller zum Tanz aufzuspielen.
Aber die Party des Überflusses ist vorbei – ein für alle Mal.
Schon seit einiger Zeit fällt mir auf, wie viele Freunde und Bekannte von Problemen mit ihren Kindern erzählen. Hubert zum Beispiel hat im Zimmer seines 15-jährigen Sohnes die Utensilien eines Marihuana-Versandhandels entdeckt. Dabei kriegt der Schüler einer feinen Privatschule jeden Monat 200 € Taschengeld. Freund Andreas erzählte mir neulich, dass Lola, seine 18-jährige Tochter, mit seinem Jaguar bei stark überhöhter Geschwindigkeit in die Leitplanke einer Autobahn-Baustelle gebraust sei. Totalschaden. Sie blieb unverletzt, aber von Reue keine Spur.
Marc beschwerte sich über seinen 17-jährigen Sohn Thomas. Der habe sich während des Urlaubs in Thailand ab und zu das Handy vom Vater ausgeliehen. Marc: „Gestern habe ich die Rechnung bekommen. Und weißt Du was? Der hat am Strand für 485 € mit seiner Freundin telefoniert! Mit dem Geld muss ein Hartz IV-Empfänger einen ganzen Monat auskommen!“
Mit Johannes, dem Sohn eines anderen Freundes, unterhielt ich mich über seine beruflichen Pläne. „Was würdest Du denn an meiner Stelle machen?“, fragte er mich. Und ich sagte: „Ich würde vielleicht Medizin studieren und zu den ,Ärzten ohne Grenzen‘ gehen.“ Johannes schaute mich ungläubig an: „Ich wollte eigentlich lieber Kohle machen“, sagte er und heuerte schon bald bei einer kleinen, feinen Firma an, die seit Generationen Etiketten für Weinflaschen produziert.

Wir waren härter
Wie war das eigentlich mit meiner Generation? Als ich 14 war, herrschte Krieg und ich wurde mit meinen Klassenkameraden in die Barackenunterkunft einer Flugabwehr-Batterie verpflanzt. Als sogenannte Flack-Helfer sollten wir in der Nähe von Stettin ein Petrochemie-Werk gegen amerikanische und englische Luftangriffe schützen.
Wenn die Amis und die Tommies nachts angriffen, war die Hölle los und wir ballerten ängstlich und lustvoll zugleich aus den Rohren unserer 8,8 cm Flugabwehrkanonen (Flak). Manchmal trafen wir und dann feierten wir uns als Helden (und mufften, wenn unser Lateinlehrer am nächsten Morgen in die Flak-Stellung kam, um mit uns Cicero zu lesen). Vier Jahre später wurde mein Jahrgang an der Ostfront verheizt. Mehr als die Hälfte meiner Klassenkameraden fiel bei Rückzugsgefechten mit den Russen.
Solche Erfahrungen wirken sich natürlich anders aus als der Umgang mit Laptops, iPods, Handys, YouTube, Myspace und Designerklamotten. Wir waren härter als die Jungen von heute. Aber Härte ist eine zweifelhafte Tugend. Denn ein harter Mensch ist auch oft gefühlskalt, aggressiv, eigensinnig, unflexibel, unkreativ. Das sind Eigenschaften, die zur Lösung unserer gegenwärtigen Probleme überhaupt nicht hilfreich sind.

Ein Ja zur Unberechenbarkeit
Als der Krieg zu Ende war, ging es uns ganz ähnlich wie den Jungen heutzutage: Wir waren total des-illusioniert und von Sicherheit konnte keine Rede sein. So wie die heutige junge Generation reagierten wir damals mit Pragmatismus. Keine Visionen. Konzentration auf das eigene Fortkommen. Allerdings gibt es einen fundamentalen Unterschied: Wir lebten in der Gewissheit, dass es nur noch bergauf gehen konnte. Die „Krisenkinder“ von heute erben eine Welt, in der es scheinbar nur noch bergab geht.
Aber wo Schatten ist, gibt es auch Licht. Und so könnte sich die Bezeichnung „Krisenkinder“ vielleicht als hoffnungsvolle Metapher erweisen. Denn Krise erzeugt Chaos, und Chaos stimuliert Kreativität. Je stärker der Druck auf die Jungen, desto größer die Chance, dass sie aus ihrer Schreckstarre aufwachen und entdecken, dass Opportunismus und Mutlosigkeit praktisch zum Selbstmord führen.
Wenn die Krisenkinder überleben wollen, müssen sie sich mit der Kraft von Herz, Bauch und Verstand von der Magie des Geldes befreien und das Leben in all seiner wunderbaren Unberechenbarkeit bejahen. Mut zum Risiko statt geschmeidige Anpassung, Bescheidenheit statt Karrieregeilheit, Mitgefühl statt Egozentrik, Kreativität statt Melancholie, Vertrauen statt Angst. Das ist Meditation in Aktion.

aus der Osho-Times vom August 2009

Mittwoch, 29. Juli 2009

Ulla Schmidts Dienstwagen geklaut – Wo ist der Skandal?

Ich muß gestehen, auch ich war erstmal empört. Aber man kann’s mit ein bißchen guten Willen auch so sehen: Bei ZEIT Online

Übrigens:
»Wie jedem Mitglied des Bundeskabinetts steht der Gesundheitsministerin ein Dienstwagen zu. Wie jedes Mitglied der Regierung darf sie den ausdrücklich privat nutzen, und ausdrücklich im In- wie im Ausland. Wie jeder andere Dienstwagenbenutzer muss sie bloß die privaten Kilometer als geldwerten Vorteil versteuern. Schmidt führt Fahrtenbuch. Für das vorige Jahr verzeichnet es 6111 Privatkilometer, ordentlich verrechnet und aus der Privatkasse gezahlt.« (aus ZEIT Online)

Also: unter Saure-Gurken-Zeit ablegen

Montag, 20. Juli 2009

Größenwahn mit Folgen

Auch von der Sanierung der landeseigenen Geldinstitute hängt es ab, wie Deutschland die Krise bewältigt. Aber die Ministerpräsidenten sind bisher zu eigensinnig.
Während Helmut Schmidt fordert, die Landesbanken an die kürzere Leine zu nehmen, (auf ZEIT Online) glaubt Wirtschaftswissenschaftler Professor Fredmund Malik (Universitäten St. Gallen und Wien), daß der Kapitalismus gescheitert ist (auch auf ZEIT Online).

Donnerstag, 9. Juli 2009

Geht’s auch anders?

Zum wievielhunderdsten Mal, auf den Punkt gebracht bei ZEIT Online.

Sonntag, 5. Juli 2009

Unser Planet hat eine neue Zivilgesellschaft

Die Rede von Jean Ziegler, dem UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, zur Eröffnung des Anti-G-8-Gipfels in Heiligendamm bei Publik-Forum

Ein Bischof, der verfolgt wird

Ein Interview mit Álvaro Ramazzini in Publik-Forum

Bargeld für alle!

Fleißig oder faul, ein Grundeinkommen sichert namibischen Dorfbewohnern das Überleben – und setzt überraschende Kräfte frei. Ein Modell?

VON MARC ENGELHARDT

Otjivero. Die Sonne scheint für alle an diesem Morgen in Otjivero, einer 1200-Einwohner-Gemeinde gut 100 Kilometer östlich von Namibias Hauptstadt Windhuk. Sana Gaueroman wärmt sich in ihren Strahlen, während sie vor der Krankenstation des Dorfes darauf wartet, dass ihre zweijährige Tochter Paloma zur Polioimpfung aufgerufen wird. „Eigentlich hätte sie die schon kurz nach der Geburt bekommen sollen, aber das konnte ich mir nicht leisten“, gesteht die arbeitslose Mutter. Vier namibische Dollar kostet die Impfung, 32 Euro-Cent. Aber die hatte Gaueroman nie übrig.

Das hat sich geändert. In Otjivero fließt das Geld – garantiert. Jeder Bürger erhält monatlich 100 Namibia-Dollar (acht Euro). Reich ist man damit nicht, aber leben kann man davon. Tun muss man dafür nichts, es gibt keine Bedingungen. Wer in Otjivero lebt, bekommt das Geld. So einfach ist das.

Kaum jemand konnte es glauben, als im Januar 2008 Bischof Zephania Kameeta, eine Art namibischer Desmond Tutu, im schäbigen Otjivero auftauchte, um den Geldsegen zu versprechen. Der auf dem Dorfplatz versammelten Menschenmenge rief der 62-Jährige irgendwann zu: „Ich bin nicht den langen Weg aus Windhuk hierhergekommen, um zu lügen, dafür bin ich zu alt.“ Die Leute staunten. Richtig ernst genommen, sagt Kameeta, hätten die meisten ihn aber wohl erst, als Monate später die Zählung der Bürger begann. „Das ganze war eine Nacht-und-Nebel-Aktion, selbst die Helfer haben wir erst unmittelbar vor der Abfahrt aus Windhuk informiert“, erinnert sich Dirk Haarmann, der gemeinsam mit seiner Frau Claudia das Projekt zum Grundeinkommen in Otjivero im Auftrag der Evangelisch-Lutherischen Kirche Namibias begleitet hat.

Die Geheimnistuerei sollte verhindern, dass Außenstehende in Otjivero einströmen. Denn nur wer am Stichtag registriert wurde und jünger war als 60 Jahre, bekommt das Geld: genau 930 Menschen. Außer Rentnern, die staatliche Grundversorgung erhalten, kriegt jeder die 100 Dollar, vom Säugling bis zum Familienvater, vom Bettler bis zum Kaufmann. „Das Grundeinkommen befreit die Menschen vom täglichen Existenzkampf“, erklärt Haarmann. „Hunger macht ökonomisch keinen Sinn“, glaubt der ordinierte Theologe, der aus dem rheinischen Mettmann stammt. „Nur wer nicht hungert, wird wirtschaftlich aktiv und kann sich selbst aus der Armut befreien.“ Damit stützt er den Bericht einer staatlichen Kommission, die der Regierung schon vor sechs Jahren die Einführung des Grundeinkommens für jeden Bürger als Beitrag zum Ausgleich sozialer Schieflagen empfohlen hat. „Aber die Regierung hat gezögert und gezögert, bis Kirchen, Gewerkschaften und Verbände gesagt haben: Jetzt wollen wir einfach mal einen Feldversuch wagen.“ Es ist das erste Modellprojekt seiner Art weltweit. Der Ende Juni vorgelegte Abschlussbericht legt den Schluss nahe, dass es ein spektakulärer Erfolg war.

Finanziell, so hat Haarmann ausgerechnet, wäre die flächendeckende Einführung des Grundeinkommens kein Problem. Namibia hat eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen Afrikas. Hier liegen die Diamanten in der Wüste herum, die deshalb mit hohen Zäunen abgesperrt ist in Areale, die Sperrgebiete heißen. Deshalb ist die Schere zwischen Arm und Reich kaum irgendwo größer als hier: Zwei Drittel der Namibier leben unterhalb der Armutsgrenze. Maximal vier Prozent des Bruttosozialprodukts wären nötig, so glaubt Haarmann, um die Lage grundlegend zu ändern. Finanziert werden soll das Grundeinkommen über Steuern, die Reiche stärker belasten, und über Einsparungen: Weil jeder das Gleiche bekommt, ist keine Überprüfung nötig und kein bürokratischer Überbau. Das macht die Sache für den Staat attraktiv.

Kein Schlaraffenland, aber ein besserer Ort: Otjivero, das Hoffnungsdorf in Namibia. rtr

Einer der Profiteure in Otjivero ist John Thomason, der in der Morgensonne seine einjährige Tochter Hildegard auf dem Arm hält. „Ich kann jetzt einen alten Pick-up abbezahlen.“ Sein Hof ist übersät mit Ersatzteilen, mit Autos kennt Thomason sich aus. Doch das nötige Kapital fehlte ihm bisher. „Wenn Leute in die Stadt wollen, dann lade ich sie auf die Ladefläche und fahre sie die 50 Kilometer.“ Zehn Namibia-Dollar verlangt er für die Hin- und Rückfahrt, bis zu zwölf Personen bekommt Thomason locker zusammen: Wegen des Grundeinkommens gibt es nun auf einmal zahlende Kunden. Wenn Thomas seine Kosten abrechnet, bleibt genug zum Leben und um das Schulgeld für seine Kinder zu bezahlen. Früher hat der 43-Jährige wie die meisten in Otjivero gar keine reguläre Arbeit gehabt. Seine Frau hat auf einem schmalen Streifen staubiger Erde versucht, ein bisschen Gemüse anzubauen.

Otjivero war nicht nur arm, sondern als Hort von Ganoven und Taugenichtsen verschrien. „Ein Pfarrer hat mich gewarnt: Dieses Dorf ist ein Krebsgeschwür, geht da nicht hin“, erinnert sich Haarmann. Inzwischen, berichten die Dörfler stolz, seien die Farmer der Umgebung sogar bereit, Leute aus Otjivero als Erntehelfer oder Handlanger einzustellen. „Das wäre früher nicht möglich gewesen“, frohlockt Steven Eigowab.

Eigowab ist Chef des 18-köpfigen Komitees, das die Dorfbewohner kurz nach der Zählung gewählt haben. Die Idee hatten sie selbst. Das Komitee half mit, bei der ersten Geldausgabe Ordnung zu schaffen: Sonst wären viele der Wartenden bei dem Ansturm auf die Kasse wohl zertrampelt worden. Inzwischen weiß jeder, dass genug Geld für alle da ist. Das zweite Problem ist delikater: die richtige Verwendung der Hilfen. „Wir wollen nicht, dass alle ihr Geld gleich am Ausgabetag versaufen.“ Genau das nämlich werfen die Kritiker dem Projekt vor: Den Untätigen werde Geld in den Rachen geworfen. Anstatt Arbeit zu belohnen, werde Faulheit finanziert. Und tatsächlich feierten die 13 Kaschemmen am Abend des ersten Ausgabetags das Geschäft ihres Lebens. Wegen Trunkenheit und ,ungebührlichen Verhaltens? nahm die Polizei ein paar Bewohner mit in die Ausnüchterungszelle. Andere trugen einige Tage später stolz ein neues Handy oder anderes Konsumgut zur Schau.

Das hat sich gegeben. Der Abschlussbericht für die namibische Regierung zieht nun eine fast begeisterte Bilanz: Der Prozentsatz mangelernährter Kinder ist von 42 auf 10 Prozent gefallen; die Zahl der Kinder, die aus finanziellen Gründen nicht zur Schule gehen, sank um 42, die Kriminalitätsrate um 47 Prozent. Das für die Nachhaltigkeit des Projekts aber vielleicht wichtigste Ergebnis ist dieses: Die Menschen haben das Grundeinkommen vermehrt. Das Durchschnittseinkommen aus Beschäftigung, selbstständiger oder angestellter, stieg von 118 namibischen Dollar auf 152 – ohne das Grundeinkommen. Mit solchen Zahlen, so hofft Kameeta, wird man die Regierung von einer Ausweitung des Grundeinkommens überzeugen können.

aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 2. Juli 2009

Bei Youtube kann man sich ein Video in deutscher Sprache ansehen, ich konnte es nicht einbetten, um zu Beginn wirbt Müller Milch…