Dienstag, 25. September 2012

387 v. Chr.: Brennus erteilt den Römern eine Lehre


Brennus erteilt den Römern eine Lehre

Zur Zeit der Wende zum 4. vorchristlichen Jahrhundert waren die Kelten in Norditalien eingewandert, hatten die Poebene in Besitz genommen und auch Beutezüge nach Mittelitalien unternommen. 387 v. Chr. schlugen sie Römer und Latiner in der Schlacht an der Allia, einem Nebenfluss des Tibers, und nahmen schließlich auch Rom ein. Allein das Kapitol soll ihnen nicht in die Hände gefallen sein, weil das berühmte Schnattern der Gänse die Verteidiger früh­zeitig gewarnt habe.


Für die Freigabe Roms verlangten die Kelten ein Lösegeld von über 300 kg Gold. Beim Wiegen des Schatzes beschuldigten die Römer die Kelten, mit falschen Gewichten zu arbeiten. Sie vergaßen dabei allerdings, dass die Regeln immer von den Siegern gemacht werden. Brennus hatte nur Spott für den Einwand der Geschlagenen übrig und warf auch noch sein Schwert in die Waagschale. Er kommentier­te die Demütigung mit den Worten »Vae victis!«, »Wehe den Be­siegten!« – So überlieferte es zumindest mehr als drei Jahrhunderte später der griechische Schriftsteller Plutarch.
Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Montag, 24. September 2012

Vor 1390 Jahren: 622 – Das Jahr der Flucht

Der islamische Kalender heißt im Arabischen »Kalender der Auswanderung« und spielt damit schon im Namen auf den Beginn seiner Zeitrechnung an: 622 – das Jahr der Flucht des Propheten Mohammed (ca. 570-632) aus seiner Geburtsstadt Mekka nach Medina. In seiner Heimatstadt war er mit der religiösen Botschaft, die er vom Erzengel Gabriel empfangen zu haben meinte, auf großen Widerstand gestoßen. In Medina aber wurde er zum religiösen Führer und Staatsmann, der bis zu seinem Tod 632 ganz Arabien unter seine Herrschaft brachte.

 Das islamische Jahr ist an die Mondphasen gebunden und zählt daher nur 354 Tage. Um zu wissen, in welchem Jahr der islamischen Zeitrechnung sich die Welt befindet, reicht es daher nicht, von der aktuellen Jahreszahl des christlichen Kalenders 622 Jahre abzuziehen, man muss schon ein wenig mehr rechnen. Die Formel lautet: 1,03125 x (christliches Jahr - 622). Also befinden wir uns 2012 nach dem islamischen Kalender im Jahr 1433.

Brockhaus - Abenteuer Geschichte 201

Heute vor 150 Jahren – 24. September 1862: Bismarck wird preußischer Ministerpräsident.

»Lehrer und Schüler«, Karikatur auf Bismarck und Napoleon III., 
Illustration aus dem »Kladderadatsch«, 1862 
Vom Parkett auf den Ministersessel
Datei:Fürstin Orloff.jpg
Fürstin Katharina Orlowa [aus Wikipedia]
Schon im April 1862 hatte Otto von Bismarck (1815-1898) gehofft, einen Sprung auf der Karriereleiter zu tun und zum preußischen Ministerpräsidenten berufen zu werden. Der erzkonservative Jun­ker musste sich jedoch noch einige Monate gedulden: Nach seiner Gesandtentätigkeit in St. Petersburg wurde er nun Botschafter in Paris. Dort lernte er Kaiser Napoleon III. kennen, hatte eine Liebes­affäre mit einer russischen Fürstin [Fürstin Katharina Orlowa, der Ehefrau des russischen Gesandten in Belgien Nikolai Alexejewitsch Orlow] und wurde aufgrund seiner wenig eleganten Haltung auf dem Parkett zur Zielscheibe der französischen Karikaturisten.
In Preußen gerieten die Konservativen derweil in die politische Bre­douille, da die erstarkten Liberalen im Abgeordnetenhaus die geplante Heeresreform blockierten, und riefen daher Bismarck im September 1862 per Eiltelegramm zurück nach Berlin. Am 22. September gab Bis­marck König Wilhelm I. zu verstehen, dass er im Konflikt zwischen Parla­ment und königlichem Regiment immer und gehorsam auf der Seite des Regenten stehen werde. Daraufhin ernannte der König ihn zum preußi­schen Ministerpräsidenten, wenige Tage später zusätzlich zum Außenmi­nister. Der erste Schritt zur großen politischen Karriere war getan, neun Jahre später wurde Bismarck Kanzler des Deutschen Reichs.

Was am 24.9. noch geschah:
1969: In Chicago beginnt der Prozess gegen die auf einer Anti-Viet­namkrieg-Demonstration verhafteten »Chicago Eight«.
Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Sonntag, 23. September 2012

Jango Edwards in Bremen

Am 15. November wird der Clown Jango Edwards in Bremen auftreten.
Der Mann sprengt alle Grenzen…








Auf youtube gibt’s noch mehr Videos. Schade, daß die Qualität manchmal nicht so toll ist…



Hier sind die neusten Szenen aus seinem aktuellen Programm zu finden.

Samstag, 22. September 2012

Heute vor 220 Jahren – 22. September 1792: In Frankreich wird die Erste Republik gegründet.



Der Freiheitsbaum wird aufgestellt, Aquarell von Etienne Bericourt, 1792 
Der König auf der Flucht
Im Sommer 1792 ging es in Paris hoch her: Zwei Jahre nach Beginn der Großen Revolution hatten die radikalen Kräfte unter den Auf­ständischen und in den neu geschaffenen Institutionen die Ober­hand gewonnen. Die militärische Intervention der europäischen Nachbarn gegen das revolutionäre Frankreich schürte die Furcht vor der Reaktion der alten Machthaber.
Am 10. August 1792 stürmte eine aufgebrachte Menge den könig­lichen Tuilerienpalast, es gab Hunderte Tote auf beiden Seiten. König
Ludwig XVI. hatte sich mit seiner Familie schon vor Beginn des Angriffs in die Nationalversammlung begeben, um dort Schutz zu finden. Die National­versammlung aber setzte den König vorläufig ab
und löste sich selbst auf: Eine neu zu wählende Versammlung, der Nationalkonvent, sollte über das Schicksal des Monarchen entschei­den und eine Verfassung erarbeiten. Das neue Organ sorgte für Klarheit: Am 21. September 1792 erklärte es die Monarchie für ab­geschafft, gründete die Republik und führte eine neue Zeitrechnung ein. Der 22. September 1792 war der erste Tag des Jahres 1 der Ersten Republik

Ludwig XVI. (1754-1793)
König von Frankreich 1774-92
 verheiratet mit der österreichischen Kaisertochter Marie Antoinette
 am 21. Januar 1793 auf der Guillotine hingerichtet
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Freitag, 21. September 2012

Strawberry Letter 23

Das Stück ist von den Brothers Johnson, zum 75. Geburtstag von Quincy Jones am 14. Juli 2008 hat’s Paolo Nutini auf dem Montreux Jazz Festival gesungen. Die Gitarren-Harmonien ab 2:25 finde ich genial.



Das Original:




Donnerstag, 20. September 2012

Vor 70 Jahren – September 1942: Thomas Mann prangert die Judenverfolgung an

»Deutsche Hörer!« 
Thomas Mann bei der Arbeit, um 1930

»Feindsender« zu hören, stand während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland unter Strafe. Dennoch taten es viele und hörten den unter den Nationalsozialisten als »Negermusik« verpönten Jazz oder lauschten im Verborgenen den Nachrichten, um sich über die Lage an den Fronten zu informieren. Einmal im Monat konnten die Deutschen, die sich trauten, von 1941 bis 1945 in der BBC auch Ansprachen von Thomas Mann hören, der in Kalifornien im Exil lebte.

Der berühmte Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger nahm dabei kein Blatt vor den Mund: Er konfrontierte die Hörer mit den deutschen Verbrechen an der Zivilbevölkerung in besetzten Ländern, sprach von Bombenterror, der Ermordung Behinderter, der brachialen Unterdrückung Oppositioneller, von medizinischen Experimenten an Menschen und Folter. Im September 1942 prangerte er besonders die systematische Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden an. In jenem Jahr lief die Vernichtungsmaschinerie in den Konzentrations- und Vernichtungslagern auf Hochtouren: In Auschwitz, Belzec, Treblinka, Sobibor und vielen kleineren Lagern wurden täglich Tausende Menschen ermordet.

Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012





Mittwoch, 19. September 2012

»Denk ich an Deutschland in der Nacht…«




»Der Engländer liebt die Freiheit wie sein rechtmäßiges Weib, er besitzt sie, und wenn er sie auch nicht mit absonderlicher Zärtlichkeit behandelt, so weiß er sie doch im Notfall wie ein Mann zu verteidigen…
Der Franzose liebt die Freiheit wie seine erwählte Braut. Er glüht für sie, er flammt, er wirft sich zu ihren Füßen mit den überspanntesten Beteuerungen, er schlägt sich für sie auf Tod und Leben, er begeht für Sie tausenderlei Torheiten.
Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine alte Großmutter.«

Heinrich Heine, 18



Heinrich Heine (1797-1856), eine der großen deutschen Dichter, Schriftsteller und Journalisten des 19. Jahrhunderts, hatte mit dem Reisebericht »Harzreise« (1826) seinen ersten großen Publikumserfolg erzielt und war 1827 mit dem Gedichtband »Buch der Lieder« zu Ruhm gelangt. Dann begab er sich auf Reisen nach England und Italien. Einem »Gespräch auf der Themse« entstammt die zitierte Charakterisierung des Verhältnisses der Engländer, Franzosen und Deutschen zur Freiheit.

Heine war begeisterter Anhänger der Ideen und Errungenschaften der Französischen Revolution und litt an den vergleichsweise beschaulichen und verschlafenen politischen Verhältnissen in Deutschland. Er brach die zitierten Ausführungen – wie üblich – ironisch auf und fuhr im Text mit der Einsicht fort, in Deutschland schliefen die Menschen zwar und träumten nur von der Freiheit, doch das sei nicht dramatisch, den auch die Tyrannen schliefen und träumten nur von der Tyrannei. Zudem werde der deutsche »seine alte Großmutter nie ganz vor die Türe stoßen, er wird ihr immer ein Plätzchen am Herde gönnen, wo sie den horchenden Kindern ihre Märchen erzählen kann«.

Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2012


und noch ein Zitat:

„Im Allgemeinen werden die Bewohner Göttingens eingetheilt in Studenten, Professoren, Philister und Vieh; welche vier Stände doch nichts weniger als streng geschieden sind. Der Viehstand ist der bedeutendste. Die Namen aller Studenten und aller ordentlichen und unordentlichen Professoren hier herzuzählen, wäre zu weitläuftig; auch sind mir in diesem Augenblick nicht alle Studentennamen im Gedächtnisse, und unter den Professoren sind manche, die noch gar keinen Namen haben. Die Zahl der göttinger Philister muß sehr groß seyn, wie Sand, oder besser gesagt, wie Koth am Meer; wahrlich, wenn ich sie des Morgens, mit ihren schmutzigen Gesichtern und weißen Rechnungen, vor den Pforten des akademischen Gerichtes aufgepflanzt sah, so mochte ich kaum begreifen, wie Gott nur so viel Lumpenpack erschaffen konnte.“
– Reisebilder (aus: die Harzreise, 1826)