Freitag, 4. Dezember 2009

DIAGNOSTIK – Das Bauchgefühl der Hausärzte

Erfahrene Hausärzte haben ein Gespür dafür, wie ernst es um ihre Patienten steht. Auch wenn die Diagnose noch gar nicht gestellt ist. Mit diesem „Bauchgefühl“ der Hausärzte haben sich jetzt Forscher der Universität Maastricht, Niederlande, näher beschäftigt. Demnach können bei Allgemeinärzten einerseits Alarmglocken schrillen, obwohl es noch keinen gesicherten Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung gibt. In diesen Fällen wird der Arzt eine besonders umfassende Diagnostik einleiten, um nichts zu übersehen. Es gibt aber auch Fälle, in denen das Bauchgefühl dem Hausarzt signalisiert, dass keine akute Gefahr besteht, obwohl die Diagnose noch nicht bekannt ist. In weiteren Studien wollen die Niederländer herausfinden, wie zuverlässig das Bauchgefühl arbeitet, wie es sich diagnostisch nutzen lässt und welche Faktoren dieses besondere hausärztliche Gespür beeinflussen.
BMC Family Practice, 2009; (in press)

MMW-Forschritte in der Medizin Nr. 39/2009

CHRONISCHE SCHMERZEN – Schulter unter Beschuss

Bei chronischen Schulterschmerzen sind Bewegungsübungen sinnvoller als eine Schockwellen-Therapie. In einer Studie mit 104 Patienten mit Schulterbeschwerden seit mindestens drei Monaten verglichen Wissenschaftler aus Oslo beide Methoden. Nach 18 Wochen berichteten 64% der Patienten, die wöchentlich zweimal an krankengymnastischen Übungen teilgenommen hatten, über eine Besserung ihrer Beschwerden. In der Gruppe der Patienten, die einmal wöchentlich eine extrakorporale Schockwellentherapie erhalten hatten, war es nur jeder Dritte.
BMJ vom 16.9.2009

MMW-Forschritte in der Medizin Nr. 39/2009


INFEKTIONSGEFAHR? – Der Duschkopf als Bakterienschleuder

Bakterien scheinen in Duschköpfen ein ideales Biotop vorzufinden: Forscher von der University of Colorado stellten bei der Untersuchung von Duschen in neun US-Großstädten teils bedenkliche Konzentrationen verschiedener opportunistischer Erreger fest. Mithilfe von Gensonden wurde u. a. mehrfach Mycobacterium avium gefunden, ein Erreger von atypischen Lungenentzündungen. Die Bakterien-Konzentrationen in den Duschköpfen waren mehr als hundertfach höher als im Leitungswasser. Die Autoren schließen ein Gesundheitsrisiko für Patienten mit Immunschwäche oder Atemwegserkrankungen nicht aus.
PNAS 2009, doi: 10.1073/pnas.0908446106
MMW-Forschritte in der Medizin Nr. 39/2009

ARZNEIVERORDNUNGS-REPORT 2009 – Warum steigen die Ausgaben immer noch?

Obwohl die Zahl der Verordnungen nur geringfügig zugenommen hat, hat die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) 2008 5,3% mehr für Arzneimittel ausgegeben als im Vorjahr. Damit liegen die Arzneimittelkosten 5 Mrd. Euro über den Kosten für ärztliche Behandlung. Der Ausgabenanstieg 2008 erklärt sich vor allem durch einige wenige kostenintensive Arzneimittelgruppen: Angiotensinhemmstoffe (+113 Mio.), Antidiabetika (+125 Mio., Immuntherapeutika (+429 Mb.) und Tumortherapeutika (+235 Mio.). Dies macht 6% des Kostenanstiegs von 1,4 Mrd. Euro aus.

Arzneiverordnungs-Report 2009, Springer-Verlag Berlin Heidelberg
MMW-Forschritte in der Medizin Nr. 39/2009

Multitasking – Nein danke!

Kostenloser PDF-Download bei Schattauer

Zitat:
»Multitasker haben größere Schwierigkeiten, irrelevante Reize aus der Umgebung oder aus ihrem Gedächtnis zu ignorieren sowie einer irrelevanten Aufgabe nicht nachzugehen.«

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Gruppendynamik – Glück en Gros

Gefühlszustände können mit Signalen wie der Mimik oder bestimmten Handlungsweisen von Mensch zu Mensch übertragen werden. Wie sich Glücklichsein in einem sozialen Netzwerk ausbreitet, erforschten amerikanische Wissenschaftler.

Zugrunde lag wieder einmal die Gemeinde Framingham mit ihrem Heart-Study-Kollektiv. 4739 Teilnehmer wurden zwischen den Jahren 1983 und 2003 beobachtet. Das Glück wurde auf einer Skala anhand von vier Kriterien festgemacht.

Man konnte „Cluster“ von glücklichen und unglücklichen Menschen in der Gemeinschaft feststellen. Es bestanden Verbindungen zwischen glücklichen Menschen über drei Stufen (zu den Freunden der Freunde von Freunden). Menschen im Zentrum eines solchen Netzwerks hatten die größte Chance, auch künftig glücklich zu sein.

Statistische Modelle führten zu dem Schluss, dass sich Glücklichsein in der Gemeinschaft ausbreitet und dass sich nicht etwa glückliche Menschen zusammenfinden. Ein Freund, der innerhalb einer Meile lebt und glücklich wird, erhöhte Chance anderer Menschen seiner Umgebung, glücklich zu werden, um 25%; beim nächsten Nachbarn sind es 34%. Keine solchen Interaktionen stellte man bei Menschen am selben Arbeitsplatz fest. – Nach diesen Ergebnissen ist Glücklichsein, ähnlich wie Gesundheit, ein kollektives Phänomen. WE

Fowler JH et al.: Dynamic spread of happiness in a large social network: longitudinal analysis of the Framingham Heart Study social network. BMJ 338 (2009) 23-28
Bestellnummer der Originalarbeit 091236


aus Praxis-Depesche 12/2009

Mein Unwort des Jahres: „Schweinegrippe”

Mein Unwort des Jahres 2009 heißt: „Schweinegrippe”! Die Diskussionen über das neue H1N1-Virus folgen offenbar immer weniger medizinischen oder naturwissenschaftlichen Überlegungen, sondern werden durch gesundheitspolitischen Aktionismus, Populismus, Weltanschauung und Medienrummel bestimmt.

Wenn früher ein Patient mit den Symptomen Husten, Schnupfen und Fieber in die Sprechstunde kam, wurde er mit der Diagnose „Virus infekt“ und der Rezeptur von palliativ wirkenden Medikamenten (plus Virustatikum bei nicht geimpften und gefährdeten Patienten und/oder bei Sekundärinfektion mit einem Antibiotikum) nach Hause geschickt mit der strikten Auflage, Kontakt zu anderen Personen möglichst zu meiden, sich körperlich zu schonen und nach einer Woche wieder die Arbeit aufzunehmen. Wenn heute ein solcher Patient kommt, blinkt auf Anordnung der Politiker und der Endemie-Experten die rote Warnleuchte „Schweinegrippe” – und Arzt und Arzthelferinnen laufen mit Mundschutz und Handschuhen verkleidet wie die Marsmenschen durch die Praxis. Meldungen an das zuständige Gesundheitsamt werden abgefasst – ohne dass sich an der Therapie irgend etwas ändert: abwartendes Beobachten ist angesagt!

Wenn in den typischen Wintermonaten jeden Tag drei bis vier Dutzend Patienten mit Husten, Schnupfen und Fieber in die Praxis kommen – wie soll ich denn dann wissen, wer das neue H1N1-Virus aquiriert hat und wer „nur normal” virusinfiziert ist? Schnelltestungen sind ungenau und sollen nicht mehr stattfinden – Rachenabstriche sollen Problemfällen vorbehalten werden. Ergebnisse treffen aus den überlasteten Labors ohnehin erst mit Verspätung ein.

Doch halt – solche Patienten sollen nach einer Empfehlung meiner KV oder entsprechender Experten nach Möglichkeit gar nicht erst in die Praxis kommen, sondern sollen per Hausbesuch (wie eigentlich?) herausgefiltert werden. Am besten also in Erkältungszeiten lieber gleich die Praxis schließen und mit einem rollenden Praxis-Ambulatorium durch die Straßen fahren! Wer denkt sich eigentlich solche Empfehlungen für den praktischen [tolles Wort, Kommentar von mir] Praxisalltag aus?

Schweinegrippe – Aktionismus, Populismus, gesundheitspolitische Schnellschüsse, Tummelfeld für Medizinexperten, Spielwiese für theoretisch zwar sinnvolle aber praktisch unbrauchbare und kaum realisierbare Vorgaben an uns Vertragsärzte? Mein persönliches Unwort des Jahres 2009 heißt Schweinegrippe! Bleibt nur zu hoffen, daß mein persönliches Unwort des Jahres nicht durch ein weiteres zu diesem Thema abgelöst wird, das da heißen könnte: „Impfung gegen Schweinegrippe”!

Dr. med. Michael Drews,
Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirotherapie, Badearzt, Mölln i. Lbg.

aus Praxis-Depesche 12/2009

Donnerstag, 26. November 2009

Antibiose macht Darmflora über Monate platt

Eine Antibiotika-Therapie macht im Darm oft erst einmal Tabula rasa: Ein Drittel der dort vorhandenen Bakterien wird z.B. durch eine Ciprofloxacin-Therapie dezimiert. Und nicht nur das: Bis sich die Flora wieder ganz erholt hat, also die ursprüngliche Besiedelung wiederhergestellt ist, kann es bis zu sechs Monate dauern. Dies haben US-Forscher herausgefunden, nachdem sie den Darmbewuchs von drei Probanden vor und nach einer fünftägigen Antibiose gentechnisch unter die Lupe nahmen.
Sie stellten dabei nicht nur die Reduktion, sondern auch eine Verschiebung in den Häufigkeiten der verschiedenen Bakterienarten fest: Häufiges war auf einmal selten, seltenes häufiger. Diese geänderte Zusammensetzung könne die Gesundheit noch lange Zeit beeinflussen, so die Forscher.
PLoS Biology 2008, 6:e280
Zitiert nach CME 11.2009

Donnerstag, 19. November 2009

Na endlich… Die Scheinobjektivität der Zahlen

Mitte der 80er Jahre begannen deutsche Krankenhäuser, die Diagnoseverschlüsselung nach ICD (damals noch ICD 9) zur Pflicht zu machen, seit 2000 ist die Diagnoseverschlüsselung nach ICD (inzwischen ICD 10) Pflicht im gesamten deutschen Gesundheitswesen, auch festgelegt im fünften Buch des Sozialgesetzbuches. Von Anfang an erwartete ich, daß sich die Krankenkassen und die Politik eine Möglichkeit zur Mengensteuerung der medizinisch erbrachten Leistungen erhoffen würden, was ich auch heute noch für nicht realisierbar halte.
Was aber nicht heißt, daß es trotzdem versucht wird: Seit 2003 wird in den deutschen Krankenhäusern das sogenannte DRG-System (da sind ICD und ein weiteres Verschlüsselungssystem, das OPS, integriert) als Berechnungsgrundlage zur Leistungsvergütung eingeführt. Und jetzt kommt das, wo ich die ganze Zeit drauf gewartet habe: man stellt fest, daß die Diagnosen inflationieren. Komisch! Immer mehr Leute bekommen immer mehr und immer kränkere Diagnosen. Kann man sich gar nicht erklären…

mehr bei SPIEGEL-Online

Vor kurzem rief eine Krankenkasse bei mir an und bot mir die kostenlose Schulung zur Überprüfung meiner ICD-Diagnosen an. Immer wieder werde ich in den Mitteilungen der Kassenärztlichen Vereinigung dazu ermahnt, alle Diagnosen anzugeben und keine zu vergessen. Hurra Deutschland!

Dienstag, 10. November 2009

Von was für Leuten werden wir regiert?

Eine neue Reihe…


1. Folge: Nicolas Sarkozy

Weihnachtsbasar der Waldorfschule

Feinde auf allen Seiten

Thilo Sarrazins Polemik und ihre Folgen für die politische Kultur

Die demokratische Kultur in Deutschland ist bei weitem nicht so reif, wie dies gerne behauptet wird. Dies zeigen die emotionsgeladenen Reaktionen auf die Polemik des Bundesbank-Vorstandes Thilo Sarrazin gegen »integrationsunwillige« Araber und Türken.

Die 51 Prozent der Bundesbürger, die Sarrazin laut einer Umfrage zustimmen, fühlen sich in ihren Aggressionen gegen Zuwanderer bestätigt. Zumal konservative Gazetten den Bundesbanker zum Helden hochschreiben, der endlich mutig ausgesprochen habe, was mal gesagt werden müsse. Für die multikulturelle Szene und die Vertreter der Zuwanderer ist Sarrazin dagegen ein Volksverhetzer und Rassist. Seine Polemik habe das Verhältnis zwischen Einheimischen und Zuwanderern erst richtig beschädigt. Und zu alledem sieht eine verängstigte Bundesbank-Spitze ihre Institution blamiert und hat Sarrazin mit dem Entzug von Kompetenzen bestraft.

All dies hat nicht viel mit einer souveränen demokratischen Kultur zutun. Gäbe es sie, würde die Bundesbank (und die Öffentlichkeit) auch einen äußerst umstrittenen Spitzenbeamten einfach ertragen. Schließlich lebt die Demokratie von der freien Meinung. Und die rechten Kritiker der Zuwanderung müssten endlich zur Kenntnis nehmen, dass die meisten Zuwanderer dieses Land bereichern und mit der Integration keine Probleme haben. Es ist schlechter Stil, auf die Ausnahmen zu verweisen und dann über alle herzuziehen.

Die Multikultis und die Vertreter muslimischer und jüdischer Verbände haben sich zwar zu Recht mit den Zuwanderern solidarisiert. Gleichzeitig wollen sie aber in ihrer Solidarität oft nicht wahrhaben, dass es durchaus Zuwanderer gibt, die die deutsche Kultur aggressiv ablehnen. Hauptschullehrer erleben dies täglich.

Dieses Problem gilt es zu lösen. Doch genau dazu hat die Debatte nicht beigetragen. Im Gegenteil. Sie hat Selbsttäuschungen und Feindbilder verstärkt, unter denen vor allem jene Zuwanderer leiden, die sich um Integration bemühen. • Wolfgang Kessler
mehr:
- Feinde auf allen Seiten (Wolfgang Kessler, Publik Forum, 19.10.2015)
siehe auch:
- Klasse statt Masse (Frank Berberich, Thilo Sarrazin, Lettre International, Herbst 2009)

Ausschnitt aus dem Interview mit der Zeitschrift Lettre
noch ein Ausschnitt mit den diskutierten Äußerungen im Auswanderer-Blog
ein Aufsatz von Christian Staas bei der ZEIT
ein Aufsatz von Axel Hildebrand beim Stern
Sarrazin-Artikel bei der ZEIT

Der Crash hat nichts verändert






















Frank Lehmann
, langjähriger Börsenberichterstatter der ARD, hat den Werteverfall als Hauptursache der Finanzmarktkrise bezeichnet. Mit der Globalisierung seien die Wertesystee zertrümmert und der Markt »zur neuen Religion« erkoren worden. Als weitere Ursachen nannte Lehmann das »Erfinden neuer Produkte durch schöselige Finanzdsigner«. Das Gefährlichste seien jedoch die »im Vorhinein zugesicherten Boni« gewesen. Diese hätten die Investmentbanker dazu verleitet, nur noch an ihren persönlichen Profit zu denken. Trotz der gewaltigen Verlust der Geldhäuser habe sich seit dem Crash kaum etwas verändert. Die Märkte befänden sich in einer »neuen Gierphase«.
aus Publik-Forum 21/2009

Dienstag, 27. Oktober 2009

Nie gehört: Angolagate – Papamadi mit einem Blauen Auge davongekommen

Paris (RPO). Zwei Jahre auf Bewährung - damit kommt der Sohn des früheren französischen Staatschefs François Mitterrand noch recht gut davon. Die Staatsanwaltschaft hatte im Prozess um Waffenschiebereien nach Angola ein Jahr Gefängnis für den 61-Jährigen gefordert.

Jean-Christophe Mitterrand war in den späten 80er und frühen 90er Jahren der Afrikaberater des Elyséepalastes und hat als Mittelsmann bei umfangreichen Waffengeschäften gedient, die als "Angolagate" bekannt wurden. Der Sohn des sozialistischen Präsidenten François Mitterrand steckte für seine Vermittlung angeblich rund 1,7 Millionen Euro an Schmiergeldern ein – "Beratungshonorar", wie er es nennt.

Waffen an die Unita

Panzer, Hubschrauber, Kriegsschiffe und alle möglichen anderen Rüstungsgüter im Wert von 790 Millionen Dollar (526 Millionen Euro) wurden in den 90er Jahren an die Regierung in Angola geliefert, die seinerzeit mit den Unita-Rebellen im Südosten des Landes im Bürgerkrieg lag. Frankreich hatte die Lieferung verweigert, aber Präsidentensohn Mitterrand vermittelte dem angolanischen Staatschef José Eduardo Dos Santos einen Kontakt zu Pierre Falcone - einem franko-brasilianischen Milliardär und Jetsetter, der in aller Welt Geschäfte macht. Der kam über seinen Partner, den aus Russland stammenden Milliardär Arcadi Gaydamak, leicht an Militärbestände ehemaliger Ostblockstaaten heran.

Verkauft wurde das Material über Falcones Firma ZTS Osos in der Slowakei und alle möglichen verschleierten Briefkastenfirmen in den Steuerparadiesen der Welt. Weshalb in den Augen von Falcone und Gaydamak auch nicht von einem rechtswidrigen Waffenhandel die Rede sein kann - die Rüstungsgüter gingen schließlich direkt aus den Herkunftsländern nach Angola, sie wurden nicht aus Frankreich ausgeführt. Den Vorwurf, sie hätten auch 170.000 Landminen an das afrikanische Land geliefert, weisen die beiden Geschäftsleute zurück.

mehr:
- Wegen "Angolagate" zu Bewährungsstrafe verurteilt: Blaues Auge für Mitterrands Sohn (RP Online, 27.10.2009)
- Angola-Gate Mitterrands Sohn wegen illegaler Waffengeschäfte angeklagt (SPON, 07.04.2007)

DOKU493 Mit offenen Karten "Angola - Das Eldorado Afrikas" {11:54}

Am 03.03.2017 veröffentlicht 
Doku 493
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Montag, 26. Oktober 2009

Schweinegrippe - Kollaps des Vertrauens

Schweingrippe – Wem sie nutzt und wem sie schadet
Transparency International attackiert das weltweite Netzwerk der Berufsalarmisten, Panikmacher und Pharma-Lobbyisten

von Dr.med.Ingfried Hobert

So manchem beschlich in den letzten Monaten erneut ein ungutes Gefühl. Nach Manager-boni, unvorstellbaren Abfindungen Einzelner, unüberschaubare Risiken, Crash - es konnte nicht länger andauern was in dieser Form nicht sein durfte. Aufgerüttelt begann der Markt sich selbst einem Regulierungs- und Weiterentwicklungsprozess zu unterziehen.
Doch nun spüren immer mehr Menschen erneut, das noch etwas anderes nicht stimmt.
Wir werden dieser Tage Zeuge eines weiteren weltweiten Kollapses. Wir bekommen vorgeführt, wie ein geschickt aufgebautes die Welt umspannendes Bewusstseinfeld des Vertrauens in Gesundheitsinstitutionen wie eine Seifenblase kollabiert. Die großen Gesundbehörden, die uns mit Wahrheit unabhängig aufklären sollen, haben versagt. Hier die aktuellsten Fakten und Hintergründe zur dieser Schweinerei.

weiter bei World in Action

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Luftverschmutzung – Sind Sie auf der falschen Straßenseite?

In verkehrsreichen Straßen ist die Luft manchmal […] verpestet […]. Man kann der Luftverschmutzung aber […] entkommen, fanden Forscher der Universität Leeds heraus. Die Schmutzpartikel konzentrieren sich meist auf einen relativ eng begrenzten Raum, bevorzugt auf der windgeschützten Straßenseite. Wer an diesen Stellen die Straße überquert, atmet gleich freier. Forscherkollegen aus Toronto liefern gleich die Begründung nach, warum man den Rat der Universität Leeds unbedingt befolgen sollte. Sie fanden einen Zusammenhang zwischen hohen Ozon- und Stickstoffdioxid-Konzentrationen und der lnzidenz der akuten Appendizitis. 52% der Appendizitisfälle wurden in den Monaten April bis September registriert, die Monate, in denen sich Kanadier gerne im Freien aufhalten und der Luftverschmutzung verstärkt ausgesetzt sind. Männer haben häufiger eine Appendizitis als Frauen, was daran liegen kann, dass sich Männer häufiger beruflich im Freien aufhalten müssen.
Pressemitteilung der Universität Leeds; CAMJ Oktober 2009
MMW-Fortschr Med. Nr 42/2009

Kontrazeption – Verändert die Pille die Partnerwahl?

Vielleicht haben Frauen aber nur ein feineres Näschen und gehen der Luftverschmutzung eher aus dem Weg. Das feine Näschen wird jedoch durch orale Kontrazeptiva empfindlich gestört, fanden Forscher der University of Sheffield heraus. Frauen, die keine Pille nehmen, fühen
sich an ihren fruchtbaren Tagen zu Männern hingezogen, die sich genetisch möglichst deutlich von ihnen unterscheiden. Das macht Sinn, denn Partner, die mit sehr ähnlichen Genen ausgestattet sind, sind häufig unfruchtbar. Die Fähigkeit, den passenden Partner zu erkennen,
geht bei Frauen, die orale Kontrazeptiva benutzen, verloren. Außerdem haben zahlreiche Studien gezeigt, dass Frauen an ihren fruchtbaren Tagen besonders anziehend auf Männer wirken. Nimmt eine Frau die Pille, geht diese Attraktivität verloren. Hier sei noch mehr Forschung erforderlich, meinen die Forscher aus Sheffield.
Trends in Erology and Evolution, Oktober 2009
MMW-Fortschr Med. Nr 42/2009

Neuroprotektion – Kaloriensparer können besser denken

Wer weniger isst, bleibt länger geistig fit. So lautet das Fazit einer Studie der neurologischen Universitätsklinik Münster. Bei 54 gesunden Probanden war war der Effekt von drei Ernährungsvarianten untersucht worden: Kalorienreduktion, Konsum von Lebensmitteln mit
hohem Anteil ungesättigter Fettsäuren und keine Änderung der Essgewohnheiten. Nach drei Monaten schnitten die Kaloriensparer beim verbalen Lern- und Merkfähigkeitstest signifikant besser ab als das "Fettkollektiv" oder die Kontrollgruppe. Die Autoren vermuten, dass
die Kalorienrestriktion via Hemmung von Entzündungsprozessen und Erhöhung der lnsulinsensitivität die Signalübertragung und Synapsenplastizität im Gehirn verbessert und sich so neuroprotektiv und lernfördernd auswirkt.
82. Kongress der Deutschen Gesellschaft for Neurologie (DGN), 23-26.9.2008 in Nürnberg
MMW-Fortschr Med. Nr 42/2009

Dienstag, 20. Oktober 2009

Monopolisierung des Wissens?

Microsoft hat sich entschieden, die Multimedia-Enzyklopädie Encarta komplett einzustellen. Zum 31.10. werden die Online-Seiten eingestellt, zu Ende Mai der Vertrieb von CDs.

Mehr bei Bibilothekarisch.de

Laut einer Ankündigung der Verlagsgruppe Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG vom 11. Februar 2008 dürfte die 21. Druckausgabe der Brockhaus Enzyklopädie von 2006 die letzte sein. Mit der 21. Auflage machte das Unternehmen aufgrund schlechter Verkaufszahlen mehrere Millionen Verluste. „Die Zeit, in der man sich eine hervorragende Enzyklopädie von anderthalb Meter Umfang ins Regal stellt, um sich dort herauszusuchen, was man wissen will, scheint vorbei zu sein“, sagte der Verlagssprecher Klaus Holoch. Am 17. Dezember 2008 wurde die Brockhaus Enzyklopädie an die Bertelsmann Dienstleistungstochter Arvato AG verkauft. (siehe Wikipedia, »Bertelsmann in Aktion – Die Souffleure der Macht«, Bertelsmann-Nachtrag und Bertelsmann-Übersicht)

Am 23. März 2009 wurde das kostenlose Online-Meyers Konversations-Lexikon, ab September 2008 überarbeitet und mit zusätzlichem Material versehen, doch eingestellt und geschlossen. Entgegen der ursprünglichen Ankündigung wird es auch kein kostenloses Brockhaus Internet-Portal mehr geben.

Montag, 12. Oktober 2009

Geistige und körperliche Ermüdung - Denken strengt an

Dass geistige Arbeit zu mentaler Erschöpfung führt, ist jedem bekannt. Kann sie aber auch die körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen? Die bisher einzige Veröffentlichung dazu: Ein Angelo Mosso hatte 1981 beobachtet, dass zwei Professoren nach langen Vorlesungen körperlich geschwächt waren. Die Fragestellung griffen jetzt Wissenschaftler in Wales auf.

Sie ließen 16 Probanden ein Ergometer bis zur Erschöpfung treten, nachdem sie entweder 90 min lang eine anspruchsvolle kognitive Aufgabe bearbeitet oder aber nur in Unterhaltungsbüchern geblättert hatten.

Nach geistiger Anstrengung empfanden die Probanden eine mentale Erschöpfung; zudem machten sie aber auch auf dem Fahrradergometer schneller schlapp als die Kontrollen. Dabei waren kardiorespiratorische und muskelenergetische Parameter unbeeinflusst; auch die Motivation zum Treten war nicht vermindert. Vielmehr empfanden sie die ergometrische Belastung als anstrengenderals die Kontrollen.

Offenbar gibt es neurokognitive Querverbindungen zwischen den Regelkreisen für mentale und physische Aktivität. Ihre Erforschung könnte u. a. auch fruchtbar sein für das Verständnis chronischer Fatigue-Syndrome.
Marcora SM et at: Mental fatigue impairs physical performance in humans. J Appl Physiol 106 (2009) 857-864
Praxis-Depesche 10/2009