Dienstag, 7. September 2010

A Sideman's Journey

Anscheinend hab’ ich’s nicht gepostet, ich dachte, ich hätte es.
Nun, besser zu spät als gar nicht:
Vor etwa einem Jahr veröffentlichte Klaus Voormann seine musikalische Retrospektive: A Sideman’s Journey.
Einem größeren Publikum ist er bekannt als der Grafiker, der für das Cover der LP »Revolver« der Beatles verantwortlich ist.

Eine Übersicht über sein Schaffen findet sich bei iheartklaus.
Und noch ein paar Bilder von der Präsentation.

Und noch’n bißchen Nostalgie aus Köln.

Sonntag, 5. September 2010

Föhn mich nicht zu

Ich kam an die Werner-Heisenberg-Schule in der Brunnenstraße im Stadtbezirk Berlin-Mitte. Als ich dort mein Referendariat aufnahm, schockte mich neben dem Mangel an Disziplin auch die fehlende Sprachkompetenz meiner Schüler. Ich hatte mich selbst nie für besonders sprachbegabt gehalten, aber im Klassenraum wurde ich mit meinen fehlerfreien Hauptsätzen zu einem lexikalischen und syntaktischen Genie. Wenn ich hingegen den Schülern in der Pause beim Sprechen zuhörte, dröhnten mir sofort die Ohren:
»Musstu Alexa, ja?«
»Isch Alexa, wallah.«
»Ischauch.«
»Hast du U-Bahn?«
»Hab Bus!«
»Binisch auch Bus.«
»Weißdu gestern?«
»Nee, weis nisch.«
»Musstu wissen gestern.«
»Isch?«
»Musstu wissen.«
»Was?«
»Gestern. Isch bin U-Bahn. Isch kein Fahrschein. Isch gefickt von Kontrolleur.«
»Escht? Tschüüüsch! Musstu schlagen, Kontrolleur.«
»Nee, nisch schlagen. Kontrolleur Frau.«
»Escht schwul, die Muschi!«
In der ersten Zeit stellte ich mir oft die Frage, welche Gespräche man als Lehrer hörte, wenn man nicht wie ich auf einem Gymnasium unterrichtete. Vielleicht ließen die Schüler an Haupt- und Realschulen Verben und Personalpronomen gänzlich weg und gebrauchten nur noch Nomen.

[…]


Verständlicherweise irritierte mich die nachlässige bis fehlerhafte Ausdrucksweise der Menschen aus den alten Bundesländern auch noch lange nach dem Mauerfall. Zehn Jahre sprachlicher DDR-Sozialisation konnte und wollte ich nicht so einfach abschütteln. So war mir an all meinen Freundinnen aus dem Westen auch immer unangenehm aufgefallen, dass sie beim Sex bestenfalls einzelne Worte stöhnten. Oft hatte ich unser Liebesspiel deshalb unterbrechen müssen und sie gebeten, das Stöhnen zu wiederholen – und zwar im ganzen Satz. Daran war manche Beziehung gescheitert. Bei meinen Schülern musste ich noch häufiger intervenieren. Eigentlich konnte ich am Werner- Heisenberg-Gymnasium keine Äußerung einfach so stehen lassen. Das führte regelmäßig zu ausgedehnten Lehrer-Schüler-Pingpongs:
»Cemal! Erläutere mir bitte, wie der Humanismus dazu beitrug, dass die Europäer damals unbekannte Regionen und Kontinente entdeckten.«
»Kolumbus.«
»Cemal, bitte antworte im ganzen Satz!«
»Wegen Kolumbus.«
»Das ist noch kein ganzer Satz, Cemal.«
»Doch!«
»Nein, da liegst du falsch.«
Über diese Streitfrage in der Klasse abzustimmen, hätte Cemal zu einem Kantersieg verholfen, weshalb ich auf solche plebiszitären Elemente verzichtete und lieber fortfuhr, ihn zu triezen.
»Welches Element gehört denn in einen Satz?«
»Weisnisch!«
»Jeder Satz braucht ein Verb. Ein Tuwort. Also: Was tat Kolumbus?«
»Amerika!«
»Das ist kein Verb, aber sicherlich auch eine Information, die in den Satz gehört. Also, ich fasse mal zusammen: Wegen Kolumbus Amerika. Nun zum Verb: Was hat Kolumbus denn getan, uni nach Amerika zu gelangen?«
»Mit Schiff.«
»Okay, halten wir fest: Wegen Kolumbus Amerika mit Schiff. Was hat er denn mit dem Schiff gemacht, um nach Amerika zu gelangen?«
»Gefahren!«
»Also: Wegen Kolumbus Amerika mit Schiff gefahren. Ist es dass, was du sagen wolltest?«
»Ja.«
»Dann wiederhole bitte: Der Humanismus trug zur Entdeckung unbekannter Regionen und Kontinente bei, weil Kolumbus mit dem Schiff nach Amerika gesegelt ist
»Der Humanismus trug zur Entdeckung bei von Regionen äh …, weil Kolumbus nach Amerika gesegelt ist, äh … also mit 'nem Schiff.«
»Sprachlich ist das jetzt so weit in Ordnung, inhaltlich aber trotzdem falsch. Leider ist die Stunde nun zu Ende. Überlegt euch bitte bis zum nächsten Mal, wie die Antwort hätte richtig lauten müssen!«
Dieses Beispiel gehörte noch zu den Erfolgserlebnissen. Normalerweise wurde ich gar nicht verstanden, zumal wenn ich die Operatoren – also die Verben mit Aufforderungscharakter – verwendete, die uns unsere Ausbilder aufnötigten.
»Ermittelt bitte aus dem Text, was die Ursachen für den Aufstieg der NSDAP waren.«
»Wasis ermitteln?«
»Das heißt soviel wie rausholen. Informationen aus dem Text rausholen.«
»Escht krass! Wieisch Informationen aus Text holen. Habisch Schere? … Nee.«
Oder: »Beurteilt bitte, ob Hitler die Macht ergriffen hat oder übertragen bekam.«
»Wasis beurteilen?«
»Zu einer Frage eine begründete Meinung formulieren.«
»Ischhasse Hitler.«
Mein Unterricht war ein täglicher Kampf um das Einhalten sprachlicher Minimalstandards. Stofflich kam ich kaum voran. Wenn ich die Schüler im Französischunterricht aufforderte, einen dreihundert Wörter umfassenden Text zu lesen und alle Adjektive zu unterstreichen, die Gefühle ausdrücken, scheiterte ich daran, dass die Schüler nicht mal im Deutschen wussten, was eigentlich Adjektive waren und durch welche Begriffe Gefühle ausgedrückt werden konnten. So begnügte ich mich am Ende damit, dass die Schüler im Text einfach alle Wörter unterstrichen, aber für jedes eine andere Farbe benutzten.

[…]


Andere verlangten von ihren Schülern nicht einmal mehr Deutsch zu sprechen, solange sie überhaupt irgendeine Sprache benutzten – auch wenn sie als Lehrer diese gar nicht verstanden. Es musste nur ein Schüler der Klasse mit derselben Muttersprache bezeugen, dass die Äußerung richtig war. Meiner Fassungslosigkeit begegnete keiner der Kollegen mit Verständnis: »Seien Sie doch froh, dass die Schüler überhaupt antworten. An anderen Schulen würde man Sie abstechen, wenn Sie die ansprechen. Außerdem hat es einen Vorteil, wenn die Schüler kaum Deutsch beherrschen. Wollen Sie mit Kollegen über die herziehen, müssen Sie das nicht heimlich tun. Verwenden Sie einfach Nebensätze. Und schon wird Sie keiner der Schüler verstehen.«
Auch wenn mich dieses Desinteresse am sprachlichen Vermögen der Jugendlichen anfangs sehr empörte, wurde mangels Erfolg selbst bei mir der Widerstand dagegen mit der Zeit schwächer, denn mein Aufbäumen war ein einsamer und vergeblicher Kampf gegen Windmühlenräder. Irgendwann fand ich mich ebenfalls damit ab, dass sich die Schüler schlechter ausdrückten, als sie sollten, indem ich mir einredete, sie würden sich einfach anders ausdrücken. Und folglich gab auch ich mich schließlich mit Ein-Wort-Antworten zufrieden. Bezeichnete ein Schüler im Unterricht Wilhelm II. als Vollhoden, dann deutete ich das großzügig dahingehend, dass er die kriegstreibende Rolle des letzten deutschen Kaisers sehr wohl begriffen hatte. Immerhin ermöglichte mir diese neue Aufgeschlossenheit meinerseits, einige jugendsprachliche Begriffe kennenzulernen, die mir mit meiner ursprünglichen Haltung wohl entgangen wären.
Angesagte Musiker wurden als endgeil, porno, tight oder mörder bezeichnet, Stars, die out waren, als voll assig. Einen Schüler, der sich am unteren Ende der Klassenhierarchie befand, sah man als Opfa oder als Toy. Lehrer waren schizo und wurden wegen ihres Alters Kadaver genannt, in einer größeren Ansammlung als Krampfadergeschwader. Der immer elegant gekleidete und mit spitzen Lippen und distinguiert schrägem Kopf durch die dreckigen Flure eilende Herr Menz war wegen seiner Homosexualität voll gaylord. Ich wurde aufgrund meiner Größe abwechselnd als Bonsai oder Nabelküsser tituliert. Herr Rauter, der zu viel redete, föhnte die Schüler zu. Die magenkranke und auch sonst überall leidende Frau Flach hatte Mundgulli und Gesäßhusten, also einen schlechten Atem und Blähungen. Für Menschen mit Pickeln wurden alternativ die Bezeichnungen Akne-X und Clearasil-Testgelände benutzt.
Natürlich bemühte ich mich darum, mir diese Begriffe nicht zu eigen zu machen, mich weiterhin korrekt und in ganzen Sätzen zu artikulieren. Dennoch hinterließ die Sprache meiner Berlin-Mitte-Schüler bei mir Spuren. Das merkte ich aber erst, als ich nach dem Referendariat für eine kurze Zeit eine Stelle als Vertretungslehrer am Kant-Gymnasium in Zehlendorf annahm. Die sehr aufmerksamen und früh geförderten Arzt- , Psychologen- und Anwaltskinder im Französischunterricht waren ziemlich verwundert, als ich sie in der ersten Stunde darum bat, im zu lesenden Text alle Wörter mit unterschiedlichen Farben zu markieren und ihnen anbot, beim Sprechen und Schreiben einfach Verben und Artikel wegzulassen, weil die Sprache dadurch einfacher würde. In meinem Grundkurs Politik kam es sogar zum Eklat, weil ich eine Schüleräußerung nicht entsprechend würdigte:
»Einleitend bitte ich Sie, mir zu sagen, was Ihnen spontan zum politischen System der BRD einfällt … Ja, Hannes!«
»Deutschland ist eine parlamentarische Demokratie und ein Bundesstaat. Manche sprechen auch von einem Parteienstaat wegen der zentralen Bedeutung des Parteienwesens für den Prozess der Meinungs- und Willensbildung. Wahlen werden überwiegend als personalisierte Verhältniswahlen durchgeführt. Zentrale Aufgaben der politischen Institutionen werden durch das Grundgesetz geregelt, zum Beispiel die Rolle von Parlament und Regierung.«
Ich kommentierte seinen Beitrag in einer Weise, wie es mir noch nie passiert war. Es rutschte einfach so heraus: »Is jagut! Nun föhn mich mal nicht zu! Die Message ist anjekommen, du Schnellchecker! Andre wollen auch noch was sagen.«
Einen Tag später standen seine Eltern auf der Matte. Hannes war aber echt empfindlich. Der sollte froh sein, dass er in Zehlendorf zur Schule ging. In Mitte wäre er mit seinem langen Monolog von seinen Mitschülern abgestochen worden. Das habe ich den Eltern auch erklärt. Sie haben wohl nur deshalb nichts gegen mich unternommen, weil meine Zeit an der Schule sowieso nach einem Monat beendet war.


aus Stephan Serin, Föhn mich nicht zu, Rowohlt TB, 256 Seiten, 9,95€

Wie heißt es so schön in der Spiegel-Online-Rezension: Thilo Sarazin hätte seine helle Freude an diesem Buch.
Der Autor der Rezension fragt: 
Wo werden Jugendliche, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, landen, wenn sie Sachen sagen wie "Isch bin U-Bahn" (ungefähr: Ich bin in der U-Bahn)?
Antwort: PEGIDA!
Ischauch, Isch Papst!


siehe auch:


zuletzt aktualisert am 03.06.2015

David Nathan und Simon Jäger lesen vor, aus "Föhn mich nicht zu" [2:52]

Hochgeladen am 25.02.2011
Die Synchronsprecher Simon Jäger (deutsche Stimme von Josh Hartnett, Heath Ledger u.a.) und David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale, James Marsters u.a.) trugen am 22.02.10 in Hannover / Lehmanns Lesenacht vom Publikum mitgebrachte Texte vor. 
Hier ein Auszug aus "Stephan Serin - Föhn mich nicht zu - Aus den Niederungen deutscher Klassenzimmer" 
zzz

Montag, 30. August 2010

Vor 55 Jahren – Highway 61 Revisited






















»Highway 61 Revisited« ist das am 30. August 1965 erschienene 6. Studio-Album des amerikanischen Songwriters Bob Dylan. Die meisten Musikmagazine zählen das Album zu den 10 wichtigsten Rock-Alben aller Zeiten. Es enthält den vom Rolling Stone-Magazin 2004 als besten Song aller Zeiten bezeichneten Titel »Like a Rolling Stone«, über den der amerikanische Musikjournalist und Universitätsdozent Greil Marcus 2005 ein ganzes Buch geschrieben hat. Das Album selbst wurde vom Rolling Stone Magazin auf den 4. Platz von 500 Alben gewählt.


Bob Dylan - Like a Rolling Stone (Live... von toma-uno


Text:
Once upon a time you dressed so fine
Threw the bums a dime in your prime,
Didn't you?
Yeah, people'd call, say "Beware doll, you're
bound to fall"
You thought they were just kiddin' you
You used to laugh about
Everybody that was hangin' out
And now you don't walk so proud
Now you don't talk so loud
About having to be scrounging
Your next meal

How does it feel
How does it feel
To be on your own
With no direction home
A complete unknown
Just like a rolling stone?

You went to the finest schools all right,
Miss Lonely
But you know you only used to get -
Juiced in it
Nobody taught you how to
Live out on the street
But now you are gonna have to get -
Used to it
You said you'd never compromise
With the mystery tramp, but now you realize
That he's not selling any alibis
As you stare into the vacuum of his eyes
And say: "Do you want to make a deal?"

How does it feel
How does it feel
To be on your own
With no direction home
Like a complete unknown
Just like a rolling stone?

How does it feel
How does it feel
To be on your own
With no direction home
A complete unknown
Just like a rolling stone?

Yeah, the princess on the steeple
All the pretty people
Drinkin', thinkin' that they
Got it made
Exchanging all kinds of precious gifts
But you'd better take that diamond ring,
You'd better pawn it babe
You used to be so amused
At Napoleon in rags and the language that he used
Now go to him now, he calls you, you can't refuse
When you got nothing, you got nothing to lose
You're invisible now, you got no secrets to conceal

How does it feel
How does it feel
To be on your own
With no direction home
A complete unknown
Just like a rolling stone?

(spoken)Thank you, Bob!

auf deutsch:
Damals warst du immer elegant gekleidet.
Und jedem Bettler hast du was in den Hut geworfen.
War doch so, oder?
Und dann waren da die Leute, die dich angerufen haben:
Pass auf Puppe, du bist auf dem falschen Weg.
Du hast dir gedacht, dass die dich verarschen.
Du hast drüber gelacht.
Jetzt bist du leiser geworden.
Und du bist anscheinend nicht besonderes stolz darauf,
dass du dir dein Essen zusammenschnorren musst.
OK, Miss Einsam, du warst vielleicht auf der besten Schule.
Aber da hast du nur gelernt, wie man sich ausnehmen lässt.
Und wie man auf der Straße lebt, das hat dir keiner beigebracht.
Und auf einmal musst du dich damit abfinden.
Du hast gesagt, dass du keine Kompromisse mit den Tramps machen würdest.
Aber wenn du jetzt in ihre leeren Augen starrst,
und sie um ’nen Deal angehst,
dann merkst du auf einmal,
dass sie dir keine Alibis verkaufen.

Wenn die Clowns und die Gaukler kamen,
um dir ihre Tricks zu zeigen,
dann warst du blind für die Verachtung in ihren Gesichtern.
Hast nicht hingesehen.
Hast nie kapiert, dass das nicht gut war.
Du solltest keine anderen Menschen benützen,
um dein Leben zu leben.
Du bist dauernd mit deinem Diplomatenheini in seinem Chromschlitten rumgefahren.
Der mit einer Siamkatze auf der Schulter.
Tat weh, rauszufinden,
dass er dir alles nur vorgelogen hatte,
als er mit deinem ganzen Vermögen weg war.
Hat weh getan, gell?
Immer die Prinzessin im Elfenbeinturm,
mit all den netten Leuten.
Schampus saufen und glauben, dass man es geschafft hat.
Teure Geschenke und all der Quatsch.
Deinen Diamantenring hättest du besser verpfändet.
Du hast die Napoleons der Straße in ihren Lumpen immer ausgelacht,
Dich drüber amüsiert.
Jetzt rufen sie dich.
Geh nur, du hast keine Wahl mehr.
Wenn du nichts mehr hast, dann hast du auch nichts mehr zu verlieren.
Du hast nichts mehr zu verbergen.
Du bist unsichtbar.

Und jetzt sag mir,
wie fühlt sich das an,
allein zu sein,
ohne eine Richtung, in die es heim geht,
eine Unbekannte,
ein Stück Stein?

Bob Dylan - Like a Rolling Stone - Live 1978 [5:34]   Übersetzung   Interpretation (Shmoop), Bob Dylan wird 70: Bono über Bob Dylans „Like A Rolling Stone“ (Bono, Rolling Stone, 19.05.2011)

Veröffentlicht am 14.03.2014
01/06/1978 - Los Angeles 


zuletzt aktualisiert am 03.07.2015


Donnerstag, 26. August 2010

Fernsehtip

Leider etwas spät:
»Von Löwen und Lämmern« von und mit Robert Redford, heute abend im Ersten
um 22:45 h

Samstag, 21. August 2010

Gekaufte Klimalügen

Je knapper die Zeit zum Handeln wird, desto massiver treten sogenannte „Klimaskeptiker“ auf den Plan. Als angeblich unabhängige Wissenschaftler und Organisationen säen sie gezielt Zweifel daran, dass der Mensch durch Treibhausgas-Emissionen das Klima verändere – und verzögern damit dringend notwendige Schutzmaßnahmen. Eine jetzt veröffentlichte Greenpeace-Studie führt die Hintermänner der Kampagne vor: Mit Millionen finanziert neben dem Öl-Multi ExxonMobil [Jahresumsatz 2009: über 300 Milliarden USD] vor allem der mächtige Mischkonzern Koch Industries [Jahresumsatz 2007: 85 Milliarden USD] den Kreuzzug gegen die Klimaforschung. Fast 50 Millionen Euro hat das Unternehmen zwischen 1997 und 2008 Organisationen gespendet, die den Klimawandel systematisch leugnen. Warum, liegt auf der Hand: um Milliardengewinne der Öl- und Kohleindustrie zu schützen. Leider war die Kampagne nicht ohne Erfolg: Mittlerweile hält fast jeder zweite Amerikaner die Bemühungen um C02 Reduktion für Geldverschwendung. Auch in Deutschland werden Klimaskeptiker schon wieder mehr gehört und verweisen auf den ungewöhnlich kalten Winter. Doch darf man lokale Wetterereignisse nicht mit dem globalen Klima verwechseln. Tatsächlich war 2009, der NASA zufolge, das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren.
aus der Osho-Times Juni 2010

Appell an die Vernunft

Alarmiert durch die enorme Brisanz des Nahostkonflikts haben jetzt mehr als 6000 europäische Intellektuelle jüdischer Herkunft die israelische Siedlungspolitik scharf kritisiert. In ihrem „Appel an die Vernunft“ schreiben sie: „Wir stellen fest, dass die Existenz Israels erneut gefährdet ist. Die Gefährdung von außen ist nicht zu unterschätzen, doch ist dies nicht die einzige Gefahr. Eine Gefährdung liegt auch in der Besatzung und in dem Auf- und Ausbau von Siedlungen im Westjordanland und in den arabischen Vierteln Ost-Jerusalems, die ein moralischer Fehler und ein politischer Irrtum sind und die u. a. zu dem inakzeptablen Vorgang der Delegitimierung Israels als Staat führen.“ Israelischen Hardlinern dürfte es diesmal schwerfallen, solche Kritik als „jüdischen Selbsthaß“ abzutun, hatten doch einige der Unterzeichner selbst noch im Gaza-Krieg Anfang 2009 Partei für Israel ergriffen. Was dem Aufruf nun erst recht Gewicht gibt. „Wenn es nicht bald einen palästinensischen Staat gibt, wird Israel sich in ein Apartheid-System verwandeln“, sagt Daniel Cohn-Bendit, Grünen-Fraktionschef im Europaparlament und Mitinitiator des Aufrufs. Sein Motiv, sich für den Appell zu engagieren, bringt Cohn-Bendit auf eine griffige Formel: „Rettet Israel, bevor es zu spät ist.“
www.jcall.eu
aus der Osho-Times Juni 2010-08-21

Samstag, 14. August 2010

Google’s Street View - Widerspruchsformular

Beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz findet sich ein erklärender Text sowie ein Musterwiderspruch in unterschiedlichen Formaten zum Download.
  • „Privatsphäre ist wie Sauerstoff – man schätzt sie erst, wenn sie fehlt.“ – John Emontspool

Freitag, 13. August 2010

Battlestar Galactica ist zuende – Die Schlußsequenz

Erst am Ende der letzten Folge erfährt man, dass die Handlung ca. 150.000 Jahre in der Vergangenheit angesiedelt ist…




1. Vers aus Jimi Hendrix’ "All Along the Watchtower"

"There must be some kind of way out of here,"
said the joker to the thief,
"There's too much confusion,
I can't get no relief.
Businessmen they drink my wine,
plowmen dig my earth
None of them along the line know what any of it is worth."

Mutterliebe schützt vor Stress

Wer als Kind reichlich Mutterliebe genossen hat, kann als Erwachsener besser mit Stresssituationen umgehen. Das belegt eine prospektive Studie an 482 Personen und ihren Müttern. Die meisten Teilnehmer (85%) hatten als Kleinkinder Aufmerksamkeit und Zuneigung in normalem Maß erfahren. Nur bei einem von zehn hatte es an Mutterliebe gemangelt. Die übrigen 6% waren in den Genuss überschwänglicher mütterlicher Zuneigung gekommen. Letztere waren im Erwachsenenalter am wenigsten anfällig für Stress.
Maselko Jet al. J. Epidemiol Community Health, doi: 10.1136/jech.2009.o97873
MMW-Fortschr. Med. Nr. 31-33/2010

Riskante High Heels – Arthrose gestöckelt?

Wenn Frauen häufig hochhackige Schuhe tragen, laufen sie Gefahr, ihre Kniegelenke zu ruinieren. Je höher der Absatz, desto größer ist das Risiko für eine Gonarthrose. Darauf weist eine Studie hin, in der bei 15 Frauen untersucht wurde, welche Kräfte beim Laufen auf das Knie einwirken. In High Heels wurde eine verstärkte Kompression des Innenmeniskus festgestellt. Die Belastung stieg mit derAbsatzhöhe. Außerdem wurde die Position zahlreicher Gelenke verändert, besonders drastisch war dieser Effekt an den Sprunggelenken.
Pressemitteilung Iowa State University, August 2010
MMW-Fortschr. Med. Nr. 31-33/2010

Reanimation – Besser ohne Mund-zu-Mund-Beatmung?

Bei der Reanimation durch Laien scheint die zusätzliche Atemspende die Prognose von Patienten mit Herzstillstand aus kardialer Ursache im Vergleich zur alleinigen Herzmassage nicht zu verbessern. Dies bestätigen zwei randomisierte klinische Studien aus Stockholm bzw. aus Seattle und London. In der ersten Studie waren 8,7% der Patienten nach 30 Tagen noch am Leben, wenn die Reanimation nur durch Brustkompression erfolgte, im Vergleich zu 7% mit zusätzlicher Atemspende. In der zweiten Studie überlebten 12,5% nach alleiniger Kompressionstherapie und nur 11% nach Standardreanimation – ein tendenzieller Vorteil. Die inzwischen auch von der American Heart Association ausgegebene Empfehlung "Hands only" für Laienhelfer gilt allerdings nicht für Herzstillstände nach Traumen, infolge von Atemwegsobstruktion oder Asphyxie sowie bei kleinen Kindern. Hier kann die Atemspende Leben retten.
NEJM 2010: 363; 423-33, 434-42, 481
MMW-Fortschr. Med. Nr. 31-33/2010

Reif für die Klinik?

Ein Besucher einer psychiatrischen Anstalt fragt den Direktor, nach welchen Kriterien entschieden wird, wann ein Patient aufgenommen wird oder nicht.
Der Direktor antwortet: „Wir füllen eine Badewanne, geben dem Kandidaten einen Teelöffel, eine Tasse und einen Eimer und bitten ihn, die Badewanne zu leeren.“
Der Besucher: „Ich verstehe. Ein normaler Mensch würde den Eimer nehmen, richtig?“
Der Direktor: „Nein, ein normaler Mensch würde den Stöpsel ziehen. Möchten Sie ein Zimmer mit oder ohne Balkon?“

Der folgende Witz geht in die entgegengesetzte Richtung:

Ein Auto, das gerade von einer Reparatur kommt, verliert ein Rad, da die Muttern nicht fest genug angezogen worden sind. Der Autofahrer steht nachdenklich vor seinem Wagen und kratzt sich am Kopf.

Über die Anstaltsmauer blickt ein Insasse: "Nehmen Sie je eine Mutter von den verliebenen drei Rädern, und befestigen Sie damit das Ersatzrad."

Erstaunt blickt der Autofahrer den Psychiatrieinsassen an: "Und Sie sind da drin?"

Der Andere: "Ich mag zwar verrückt sein, aber ich bin nicht blöde!"



Dienstag, 10. August 2010

Der Perseidenstrom – Show ohne Eintritt

Bei gutem Wetter zu sehen heute und morgen nacht
Näheres bei ZEIT Wissen
Die Perseiden bei Wikipedia

Mittwoch, 4. August 2010

Der schnelle Sündenbock für das Love-Parade-Unglück

Es ist so einfach: Irgendwas läuft schief, da muß ein Sündenbock her. Anscheinend geht es den Medien hauptsächlich um Bedürfnisbefriedigung. Aber es gibt auch leisere Stimmen: Kennzeichen Digital

KiK – Geiz ist geil!

Der Textildiscounter KIK steht wegen geringer Löhne und der Verwehrung von Mitarbeiterrechten in der Kritik. Mehr bei der Tagesschau.

Sonntag, 1. August 2010

Kirsten Heisig ist tot aufgefunden worden

Die deutschlandweit bekannte engagierte Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig ist tot aufgefunden worden.
Ein Nachruf bei der ZEIT
ein Nachruf beim Tagesspiegel
ein etwas nachdenklicher Artikel bei FAZ.net
eine der fälligen Verschwörungstheorien

Samstag, 31. Juli 2010

Die neuen Kontonummern, die EU-Kommissare und die Milchstraße

Detlev Gröning hat sich bei NDR Info Gedanken über die neuen EU-weiten Kontonummern gemacht.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Herztraining in der Großstadt – Besser mit Feinstaubmaske

Wenn KHK-Patienten in der Großstadt der empfohlenen körperlichen Ertüchtigung nachgehen, ist das Tragen einer Gesichtsmaske vorteilhaft. Denn die Reduktion der Feinstaubbelastung macht sich unmittelbar bezahlt, wie eine Studie aus Peking zeigt, die von der British Heart Foundation unterstützt wurde: Trainieren mit Gesichtsmaske verbessert sowohl subjektive Beschwerden als auch Blutdruck, Myokardischämie und Herzfrequenz-Variabilität, berichtete Studienautor Dr. J. Langrish von der University of Edinburgh. Im Rahmen der Studie wurden 98 KHK-Patienten untersucht. Sie wurden mit tragbaren Monitoren zur Messung der Feinstaubbelastung, einem GPS sowie einem Langzeit-EKG ausgestattet und dann zwei Stunden lang in der Pekinger Innenstadt auf einem genormten Weg spazieren geschickt.
World Congress of Cardiology, Peking, Juni 2010
MMW-Fortschrt. Med. Nr. 28-30/2010

Ein Sprühstoß gegen Angst und Schlaflosigkeit? – Jasminduft statt Valium

Der Duft von Gardenia jasminoides hat die gleiche Wirkung wie ein Benzodiazepin oder das Narkosemittel Propofol.
In einer großen Screeningstudie haben Wissenschaftler der Bochumer und der Düsseldorfer Universitäten die Wirkung mehrerer Hundert Duftstoffe an Mensch und Maus getestet.
Dabei konnten die beiden Duftstoffe
Vertacetal-coeur (VC) und
die
chemische Variante
(PI24513)
die hemmende Wirkung der körpereigenen Gamma-Aminobuttersäure am GABA-Rezeptor um mehr als das Fünffache steigern – ähnlich wie angstlösende und schlaffördernde Medikamente. Die Forscher sehen ihre Ergebnisse als wissenschaftliche Grundlage für eine Art Aromatherapie.
MMW-Fortschrt. Med. Nr. 28-30/2010

Sonntag, 25. Juli 2010

Heute vor 45 Jahren – 25. Juli 1965: Die Geburtsstunde des Folk-Rock

Bob Dylans Auftritt beim 1959 gegründeten Newport Folk Festival auf Rhode Island, bei dem er statt seiner akustischen eine E-Gitarre verwendet, gilt, obwohl er deswegen von großen Teilen des Publikums ausgebuht wird, als Geburtsstunde des Folk-Rocks. Seine Protestsongs gegen das Establishment (z. B. Blowin' in the Wind oder Masters of War – letzteres gegen den militärisch-industriellen Komplex) sprechen einer Generation aus der Seele.

mein Kommentar:
allerdings wird die Geschichte auch ganz anders erzählt. (Die Quellennachweise erspare ich mir an dieser Stelle) Daß Pete Seeger das Verbindungskabel von Dylans E-Gitarre zum Verstärker mit einer Axt durchtrennen wollte, halte ich für erfunden.

Bob Dylan - Live at the Newport Folk Festival [2:08]


Hochgeladen am 23.10.2007
Here is a look at some of the great material on the new Bob Dylan DVD - The Other Side of the Mirror, Live at the Newport Folk Festival.



On Saturday, July 24, 1965, Dylan performed three acoustic numbers, "All I Really Want to Do", "If You Gotta Go, Go Now", and "Love Minus Zero/No Limit" at a Newport workshop.[4] According to Jonathan Taplin, a roadie at Newport (and later a road manager for the acts of Dylan's manager Albert Grossman) Dylan made a spontaneous decision on the Saturday that he would challenge the Festival by performing with a fully amplified band. Taplin said that Dylan had been irritated by what he considered condescending remarks which festival organiser Alan Lomaxhad made about the Paul Butterfield Blues Band, when Lomax introduced them for an earlier set at a festival workshop. Dylan's attitude, according to Taplin, was, "Well, fuck them if they think they can keep electricity out of here, I'll do it. On a whim he said he wanted to play electric."[5] Dylan then assembled a band and rehearsed that night at a mansion being used by festival organiser George Wein.On the night of Sunday, July 25, Dylan's appearance was sandwiched between Cousin Emmy and the Sea Island singers, two decidedly traditional acts.[6] The band that went on stage to back Dylan included two musicians who had played on his recently released single, "Like a Rolling Stone": Mike Bloomfield on lead guitar and Al Kooper on organ. Two of Bloomfield's bandmates from the Paul Butterfield Blues Band also appeared at Newport: bassist Jerome Arnold and drummer Sam Lay, along with Barry Goldberg on piano.Footage of Dylan's Newport performance can be seen in the documentary films Festival (1967), No Direction Home (2005) and The Other Side of the Mirror: Bob Dylan Live at the Newport Folk Festival 1963–1965 (2007). The footage begins with Dylan being introduced by Master of Ceremonies Peter Yarrow: "Ladies and gentlemen, the person that's going to come up now has a limited amount of time ... His name is Bob Dylan." In the documentary footage, the sound of both booing and cheering can be heard a few bars into Dylan's first song, "Maggie's Farm", and continues throughout his second, "Like a Rolling Stone". Dylan and his band then performed "Phantom Engineer", an early version of "It Takes a Lot to Laugh, It Takes a Train to Cry".[7] Dylan was said to have "electrified one half of his audience, and electrocuted the other".[8]After "Phantom Engineer", Dylan and the band left the stage. The sound of booing and clapping can be heard in the background. When Peter Yarrow returned to the microphone, he begged Dylan to continue performing. According to Robert Shelton, when Dylan returned to the stage, he discovered he did not have the right harmonica and said to Yarrow, "What are you doing to me?"[9] Dylan then asked the audience for 'an E harmonica'. Within a few moments, a clatter of harmonicas hit the stage. He then performed two songs on acoustic guitar for the audience: "Mr. Tambourine Man", and then, as his farewell to Newport, "It's All Over Now, Baby Blue". The crowd exploded with applause at the end, calling for more. Dylan did not return to the Newport festival for 37 years. In an enigmatic gesture, Dylan performed at Newport in 2002, sporting a wig and fake beard.[10] [Electric Dylan controversy, Newport 1965 set, Wikipedia]
siehe auch:
- Furor der Folk-Fans – Warum Bob Dylan als "Judas" verflucht wurde (Willi Winkler, SPON, )
- Kultmusiker Bob Dylan: Die Erfindung der Bobmusik (Michael Sontheimer, SPON, 20.11.2005)
- Dylan Artikel bei SPON

Bob Dylan - (Blowin' In The Wind) - "From Newport Folk Festival" 1963. [?]


Veröffentlicht am 05.11.2013
Bob Dylan, Joan Baez, Peter , Paul & Mary.


Die sehr gefällige Hollies-Version von 1969 ist heute nahezu unbekannt:
The Hollies - Blowin' In The Wind [1968] [4:03]

Veröffentlicht am 30.05.2013

Der Mann links von Alan Clarke, dem Leadsänger, der mit dem gelben Hemd und der schwarzen Fliege, das ist Gründungsmitglied Graham Nash (später bei Crosby, Stills, Nash & Young).