Sonntag, 6. Januar 2013

Geschichtsfrage

Wofür waren die Auguren im antiken Rom verantwortlich? 

Sie erkundeten den Willen der Götter 
 Sie hielten die öffentliche Ordnung aufrecht 
 Sie sorgten für das Wohl der Senatoren

Samstag, 5. Januar 2013

Heute vor 80 Jahren – 5. Januar 1933: Der Bau der Golden Gate Brücke beginnt

Das Wahrzeichen San Franciscos 

 Heute vor 80 Jahren, am 5. Januar 1933, begannen in San Francisco die Bauarbeiten für eine der berühmtesten und schönsten Brücken der Welt. Viele Experten hegten Zweifel, ob es dem Ingenieur Joseph Strauss tatsächlich gelingen würde, das bautechnisch äußerst gewagte Unterfangen, die Errichtung der längsten Hängebrücke der Welt, zu einem glücklichen Ende zu führen. Denn es musste eine Reihe von Risiken und Schwierigkeiten überwunden werden.

Arbeiter auf der in Bau befindlichen Golden Gate Bridge
in San Francisco, Kalifornien, 1934

 Die 1,5 km breite Meerenge an der Einfahrt zur Bucht von San Francisco ist bis zu 97 m tief und wegen ihrer starken Gezeitenströme bekannt und gefürchtet. Nur während des Gezeitenwechsels konnte jeweils eine Stunde lang an den Fundamenten für die Pfeiler gearbeitet werden. An der Brücke selbst, die etwa 70 m über dem Wasser schwebt, waren strenge Sicherheitsmaßnahmen wie ein über die gesamte Länge gespanntes Netz notwendig – 19 Arbeiter verdankten ihm ihr Leben. Stahldrähte mit einer Gesamtlänge von 129.000 km wurden verbaut. Im Mai 1937 war das schöne und nützliche Bauwerk in seinem charakteristischen, rötlich-orangefarbenen Anstrich vollendet. Heute passieren etwa 150.000 Autos täglich die sechs Fahrspuren der Golden Gate Bridge.

 Was am 5. Januar noch geschah: 
 1769: Der schottische Erfinder James Watt erhält ein Patent auf eine Dampfmaschine.
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Freitag, 4. Januar 2013

3000 v. Chr.: Uruk – die erste Stadt der Welt

Das »Venedig des Orients«

 Rund 300 km südlich von Bagdad, wo heute Ruinen, Schutthügel und öder Boden die Landschaft prägen, lag einst ein blühendes städtisches Zentrum: Uruk. Wie alte Quellen berichten und neue archäologische Forschungen bestätigen, durchzog ein Arm des Euphrat die Stadt. Bewässerungskanäle und Wasserstraßen wurden angelegt und machten die Handelsmetropole zu einer grünen Oase. 


Sumerische Ruinen in Uruk


Uruk auf der Karte des Irak [Quelle: Wikipedia]
 Die antike Stadt in Südmesopotamien entwickelte sich aus kleinen Siedlungen des späten 5. vorchristlichen Jahrtausends. Um 3000 v. Chr. hatte Uruk 30.000 bis 50.000 Einwohner. Eine Stadtmauer umschloss ihr über 5 km2 großes Terrain. Alte Dichtungen preisen ihre effiziente Verwaltung und ihre Architektur, im Herzen der Stadt erhob sich der Tempel der Ischtar, Göttin der Liebe. Es entstand eine erste Schriftform, Bauern versorgten die Stadt mit Lebensmitteln, Handwerker stellten die Dinge des alltäglichen Lebens her und Künstler schmückten das Stadtbild mit Steinskulpturen. Bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. blieb der Stadtkern bewohnt. 

 Gilgamesch 
 legendärer König von Uruk 
  soll zwischen 2750 und 2600 v. Chr. geherrscht haben 
  ließ angeblich die Stadtmauer errichten 
  von seinen Heldentaten berichtet das berühmte Gilgamesch-Epos
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Geschichtsfrage


Wer konstruierte den ersten luftgefüllten Reifen? 

John Dunlop 
 Charles Goodyear 
 Giovanni Battista Pirelli 

Donnerstag, 3. Januar 2013

Sind uns die Götter wohlgesonnen ? 

 Diese Frage stellten sich in früh- und vorgeschichtlicher Zeit sowie vorchristlicher Antike nicht zuletzt auch ämter- und staatstragende Menschen, wenn es galt, eine wichtige Entscheidung zu treffen, einen Krieg zu führen oder ein größeres Unternehmen anzugehen. Doch wie konnte sie beantwortet werden? Durch »Vogelschau«: durch die Beobachtung von Vögeln, ihres Fluges, ihres Fressens, ihres Geschreis, ihres ganzen Verhaltens innerhalb eines fest umgrenzten Gebiets. In Rom war dies die Aufgabe der Auguren. Diese Priester wurden in republikanischer Zeit durch das Kollegium selbst hinzugewählt, in der Kaiserzeit dann auch vom Herrscher ernannt. 

 Die Lehre, dass man aufgrund der Vogelbeobachtung Rückschlüsse auf den Willen der Götter ziehen und somit prophezeien könne, ist schon für Babylonien bekundet. Über Griechen und Etrusker gelangte sie später nach Italien. Das Zeichen der Auguren war ein Krummstab, ihre Rolle in der Gesellschaft bedeutend, konnten sie doch angesichts ihrer Deutungshoheit der Zeichen wichtige Unternehmungen hinauszögern oder beschleunigen. Die gebildete Oberschicht allerdings nahm die Auguren und ihre vermeintliche Wissenschaft nicht allzu ernst. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Vor 60 Jahren – Januar 1953: Im Regensburger Messerschmidt-Werk beginnt die Produktion des KR 175

Kabinenroller - nichts ist unmöglich 

 Drei Räder, zwei vorn, eins hinten, zwei hintereinander angeordnete Sitze und darüber eine Haube aus Plexiglas. 10 PS, die eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h ermöglicht haben sollen und eine Art Motorradlenker mit Drehgasgriff: Der Messerschmitt-Kabinenroller war nicht gerade der Stolz der deutschen Autoindustrie, aber mit einem Preis von 1200 DM erschwinglich. Allein 1955 wurden 21 000 Stück des transparenten Flitzers aus dem Messerschmitt-Werk in Regensburg verkauft. Dabei war schon das Einsteigen ein Abenteuer. Die Bedienungsanleitung empfahl folgende Prozedur: Haube nach rechts überkippen, Sitz schwenken, Lenkung leicht nach rechts einschlagen, rechten Fuß in Fahrzeugmitte setzen, Platz nehmen, linken Fuß nachziehen, mit beiden Armen an den Seiten abstützen und den Sitz nach vorn schwenken lassen. 


Messerschmidt tg500
 Saß man dann endlich wie »Mensch in Aspik« im »Schneewittchensarg«, war die Freiheit schier grenzenlos und man hatte die Kleinstwagenkonkurrenz auf der Straße stets gut im Blick, die »Knutschkugel« BMW-Isetta etwa oder auch die »Nuckelpinne« Goggo. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Mittwoch, 2. Januar 2013

Vor ca. 300 Jahren – um 1720: Piratinnen-Duo macht die Karibik unsicher

Mutige Piratinnen in Männerkleidern 

 Anne Bonney stammte aus Irland, Mary Read aus England. 1716 trafen sie zufällig aufeinander, an Bord eines Piratenschiffs in der Karibik: Anne gehörte zur Freibeuter-Crew des berüchtigten Jack Rackam, die das Schiff der holländischen Sklavenhändler aufgebracht hatte, auf dem Mary unterwegs war. Zunächst hatten die bei den jungen Damen vor allem eins gemeinsam: Sie waren wie Männer gekleidet und wurden auch als solche angesehen, denn als Frauen hätten sie gar nicht an Bord sein dürfen. Anne erkannte bald das wahre Geschlecht der neuen Gefährtin, die beiden freundeten sich an und wurden als unerschrockene Piratinnen berühmt. 


Darstellung der Piratinnen Anne Bonney und Mary Read
1720 wurde ihr Schiff von einem Piratenjäger angegriffen. Die angetrunkene Mannschaft soll sich feige unter Deck verkrochen haben, nur die beiden Damen verteidigten sich noch. Es nutzte nichts: Alle wurden festgesetzt und zum Tode verurteilt. Anne und Mary waren schwanger, ihr Urteil wurde bis nach der Geburt ausgesetzt. Als Anne ihren Liebhaber Rackam in der Todeszelle besuchte, hatte sie nicht viel Mitleid: »Wenn du gekämpft hättest wie ein Mann, brauchtest du jetzt nicht zu sterben wie ein Hund.« 

Berühmte Piraten 
Klaus Störtebeker (um 1360-1401) 
 Francis Drake (1540-1596) 
 Henry Morgan (1635-1688) 
 Blackbeard (um 1680-1718)
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Heute vor 108 Jahren – 2. Januar 1905: Russen räumen den Flottenstützpunkt Port Arthur

Imperialistisches Ringen mit Überraschungssieger 

 Im Februar 1904 begann der Russisch-japanische Krieg, der sich an Interessengegensätzen in Korea und der Mandschurei entzündete und Teil des imperialistischen Ringens um die Vorherrschaft in Ostasien war: Vor Port Arthur [ehemalige koloniale Bezeichnung des Stadtbezirks Lüshunkou der chinesischen Hafenstadt Dalian, aus Wikipedia], einem russischen Flottenstützpunkt an der Spitze der Halbinsel Liaodong im Gelben Meer, griffen japanische Torpedoboote ohne Kriegserklärung die dort stationierten Schiffe der russischen Flotte an und brachten ihr eine empfindliche Niederlage bei. 

Japaner feiern die Einnahme von Port Arthur, Tokio, Januar 1905

 Russland hatte das strategisch günstig liegende Port Arthur von China gepachtet, um es – neben Wladiwostok – zu einem zweiten Stützpunkt russischer Interessen in der Region auszubauen. Nach dem Überraschungsangriff belagerte die japanische Flotte den Stützpunkt. Die russischen Schiffe starteten ohne Erfolg Ausbruchsversuche, während im hügeligen Umland von Port Arthur ein Stellungskrieg tobte. Am 2. Januar 1905 musste das russische Kommando in Port Arthur kapitulieren und den Stützpunkt räumen. Der erste große Krieg des 20. Jahrhunderts endete im September 1905 mit einem Sieg Japans über das riesige russische Reich. 

 Frieden von Portsmouth (USA) 
 beendete den Russisch-Japanischen Krieg 
 sicherte Japan die Vormachtstellung in Korea und der Mandschurei 
 Russland musste Port Arthur und Süd-Sachalin an Japan abtreten
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Geschichtsfrage

Was ist als »Weihnachtsfrieden« bekannt geworden? 

ein mittelalterlicher Brauch, am Weihnachtstag kriegerische Handlungen auszusetzen 

 ein spontaner Waffenstillstand im Ersten Weltkrieg zu Weihnachten 1914 
 ein zwischen England und Frankreich am Weihnachtstag 1467 geschlossener Friede

Dienstag, 1. Januar 2013

Heute vor 150 Jahren – 1. Januar 1863: Geburtstag von Pierre de Coubertin

Die Geburt der Olympischen Spiele der Neuzeit

 1501 Jahre nach den letzten Olympischen Spielen der Antike im Jahr 393 beschloss ein internationaler Sportkongress in Paris 1894 die Wiederaufnahme der Spiele. Mentor und treibende Kraft dieser Renaissance des sportlichen Vergleichs war Pierre de Coubertin, der auch dem bald geschaffenen Internationalen Olympischen Komitee (lOC) vorsaß. Nach seinem Rücktritt 1925 blieb er bis zu seinem Tod 1937 Ehrenpräsident des IOC.
Pierre de Coubertin, um 1890
 Pierre de Coubertin kam heute vor 150 Jahren, am 1. Januar 1863, als Sohn einer adligen Familie zur Welt. Statt die vorgesehene Karriere als Offizier einzuschlagen, studierte er Kunst und Jura, trieb begeistert Sport und interessierte sich für Pädagogik. Neue Wege in der Erziehung einzuschlagen, erschien ihm unerlässlich und so engagierte er sich seit den 1880er-Jahren für die Einbeziehung des Sportunterrichts in die Ausbildung junger Menschen. Die damaligen Ausgrabungen antiker Stätten in Olympia brachten ihn schließlich auf die Idee, die Wettkämpfe der Antike wiederzubeleben. Als 1896 in Athen die 1. Olympischen Spiele der Neuzeit ausgetragen wurden, hatte er sein Ziel erreicht. 

Olympische Sommerspiele
 1896 Athen
 1900 Paris
 1904 St. Louis
 1908 London
 1912 Stockholm
 1920 Antwerpen
 1924 Paris

Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 


Neujahr

Tut mir leid wegen der Werbung, ich habe die beiden Videos nirgendwo anders gefunden!


John LENNON " happy Christmas " von Sublimissimo



Michael Jackson - Man In The Mirror von prestige86 Text

Montag, 31. Dezember 2012

Heute vor 23 Jahren – 31. Dezember 1989: Letztes »Begrüßungsgeld« für DDR-Bürger

Einen Blauen als Willkommengruß 

Schon seit 1970 erhielten Bürger der DDR und auch Deutschstämmige aus der Volksrepublik Polen zur Unterstützung ein »Begrüßungsgeld«, wenn sie nach Westberlin oder in die Bundesrepublik einreisten. Das Kopfgeld betrug zunächst 30 DM und konnte zweimal im jahr in Anspruch genommen werden. In der Öffentlichkeit war dieses Verfahren jedoch kaum bekannt, daher und infolge der rigiden Ausreisebegrenzung für DDR-Bürger hielt sich die Zahl derer, die es in Anspruch nahmen, in engen Grenzen. 
Schlange vor der Sparkassen-Filiale/Kurfürstendamm, November 1989
 Das änderte sich am 10. November 1989, einem Freitag, grundlegend. Nachdem am Vorabend die Mauer gefallen war, strömten Menschen über die ehemalige Grenze nach Westberlin und »eroberten« die Flanier- und Geschäftsstraßen im Westteil der Stadt. Vor den Geldinstituten standen DDR-Bürger Schlange, um sich ihr Begrüßungsgeld auszahlen zu lassen, das mittlerweile 100 DM betrug. Von einigen Sparkassenfilialen wurden chaotische Zustände gemeldet, da sich Tausende gleichzeitig dort sammelten. Am letzten Tag des jahres 1989 endete die Auszahlung in dieser Form, stattdessen wurde ein entsprechender Devisenfonds eingerichtet. 

Novalis (zum Jahresende) 
»Begrüße das neue Jahr vertrauensvoll und ohne Vorurteile, dann hast du es schon halb zum Freunde gewonnen.« 
Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Sonntag, 30. Dezember 2012

Heute vor 200 Jahren – 30. Dezember 1812: Unterzeichnung der Konvention von Tauroggen

Preußischer General kündigt Truppenhilfe 

 Eine Mühle in einem kleinen litauischen Dorf nahe der Stadt Tauroggen war heute vor 200 Jahren, am 30. Dezember 1812, Schauplatz einer folgenreichen Unterschrift: Ohne von seinem König dazu ermächtigt zu sein, unterzeichnete General Graf Yorck von Wartenburg, Oberbefehlshaber des preußischen Hilfskontingents Napoleons in dessen Russlandfeldzug, die Konvention von Tauroggen, einen separaten Waffenstillstand mit Russland. Das war Verrat, doch zugleich ein erster Schritt zur Befreiung Preußens von der napoleonischen Fremdherrschaft. 
General Yorck von Wartenburg (rechts) und ein russischer General
besiegeln [Hans Karl von Diebitsch-Sabalkanski?] die Übereinkunft, kolorierter Holzstich, 1880


 Yorck schickte umgehend einen Kurier nach Berlin, um seiner Majestät den Vorgang zu melden. Friedrich Wilhelm III. (König von 1797 bis 1840) zeigte sich wenig amüsiert über die Eigenmächtigkeit seines Generals und enthob ihn des Kommandos. Yorck erfuhr nur aus der Zeitung von seiner Degradierung und ignorierte sie. Das militärische Desaster, das die Grande Armee in Russland erlebte, spielte Yorck in die Karten. Schon im März 1813 rief der König selbst sein Volk zum Befreiungskrieg gegen Napoleon auf

 Was am 30. Dezember noch geschah: 
 1947: König Michael I. von Rumänien dankt unter dem Druck der im Land herrschenden Kommunisten ab. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

Der Zirkus – eine Welt unerschöpflichen Zaubers

Die große Parade

Zirkusbilder sind zentral im Werk Marc Chagalls. Sie sind für ihn Bilder vorn Leben in seiner reinsten Form und bergen tiefe religiöse Dimensionen in sich. „Ich habe Clowns, Akrobaten und Schauspieler immer als tragische menschliche Wesen betrachtet, die für mich den Personen auf gewissen religiösen Gemälden gleichen. Selbst heute noch spüre ich beim Malen einer Kreuzigung oder eines religiösen Werkes die gleichen Gefühle, die ich empfinde, wenn ich Zirkusleute male“, notiert er. Auf dem Grunde des Lächelns schwimmt eine Träne. Um Lebensfreude zu spüren, muss man den Schmerz kennen, und um Zuversicht zu zeigen, muss unter ihrem bunten Gewand auch der Zweifel ein Zuhause haben.


Auf dem Grunde des Lächelns schwimmt eine Träne
Der Clown lehrt uns, wie wir über uns selbst lachen sollen. Und dieses unser Lachen wird aus Tränen geboren.
Freude ist wie ein Strom: sie fließt ohne Unterlass. Das ist nach meinem Glauben die Botschaft, die der Clown uns zu über­bringen versucht, dass wir teilhaben sollen am unaufhörlichen Fluss, der endlosen Bewegtheit, dass wir nicht anhalten sollen, um nachzudenken, zu vergleichen, zu zergliedern, zu besitzen, sondern fließen immerfort, ohne Ende wie Musik. Das ist der Gewinn im Verzicht, und der Clown schafft das Sinnbild dafür. An uns ist es, das Symbol in Wirklichkeit zu wandeln.
Zu keiner Zeit der menschlichen Geschichte war die Welt so voller Leiden und Angst. Hie und da treffen wir jedoch Men­schen, die unberührt und unbefleckt blieben vom allgemeinen Elend. Es sind keine herzlosen Geschöpfe, weit davon entfernt! Sie haben die Freiheit gewonnen. Die Welt erscheint ihnen anders als uns. Sie sehen mit anderen Augen. Wir sagen von ihnen, dass sie der Welt gestorben sind. Sie erleben den Augenblick in seiner vollen Größe, sie strahlen, und dieses Strahlen rund Inn sie ist ein immerwährendes Lied der Freude.
Der Zirkus öffnet eine winzige Lücke in der Arena der Verges­senheit. Für eine kurze Spanne dürfen wir uns verlieren, uns auflösen in Wunder und Seligkeit, vom Geheimnis verwandelt. Wir tauchen wieder empor zur Verwirrung, betrübt und entsetzt vom Alltagsanblick der Welt. Aber diese alltägliche Welt, die wir allzu gut zu kennen meinen, es ist dieselbe, die einzige Welt, eine Welt voll Magie, voll unausschöpflichen Zaubers. Wie der Clown führen wir unsere Bewegungen aus, täuschen wir vor, bemühen wir uns, das große Ereignis hinauszuschieben. Wir sterben in den Wehen unserer Geburt. Wir sind niemals gewesen, wir sind auch jetzt nicht. Wir sind immerzu im Werden …

Henry Miller




Samstag, 29. Dezember 2012

Heute vor 122 Jahren – 29. Dezember 1890: Das Massaker am Wounded Knee


Am 29. Dezember 1890 töteten Soldaten des 7. US-Kavallerieregiments Männer, Frauen und Kinder der Minneconjou-Lakota-Sioux-Indianer unter Häuptling Spotted Elk (auch „Big Foot“) bei Wounded Knee. Dieses Massaker brach den letzten Widerstand der Indianer gegen die Weißen. Vorausgegangen war die „Ghost Dance“-Bewegung von Wovoka, einem Propheten der Paiuten. Die Geistertanz-Revitalisierungs- und Erlösungsbewegung richtete sich an alle Indianerstämme.
Die erfolgreiche Verbreitung der Lehre wurde von der US-Regierung als eine Bedrohung aufgefasst. Sitting Bull, Spotted Elk und andere Häuptlinge wurden als potenziell gefährlich angesehen. Sitting Bull wurde am 15. Dezember getötet.

Am Tag des Massakers hatte Colonel James William Forsyth den Befehl, die Sioux in ein Militärlager in Omaha zu deportieren. Die Sioux wurden zunächst informiert, dass sie alle Feuerwaffen auszuhändigen hätten. Unzufrieden mit der Anzahl der freiwillig abgegebenen Waffen, begannen die Soldaten, die Zelte zu durchsuchen. Forsyth war mit dem Ergebnis noch immer unzufrieden und ordnete eine Leibesvisitation an. Auch dies ließen die Indianer über sich ergehen – alle, bis auf den Medizinmann Yellowbird, der heftigst protestierte und einige Schritte des Geistertanzes tanzte. Alarmiert suchten die US-Soldaten weiter. Als sie bei Black Coyote fündig wurden, der eine neue Winchester unter seiner Kleidung versteckt hatte, und sich weigerte, das Gewehr abzugeben – immerhin habe er viel Geld dafür bezahlt, und die Wegnahme des Gewehrs durch die US-Soldaten wäre endgültig gewesen –, kam es zu einem Gerangel, bei dem sich ein Schuss löste.

Hierauf begannen die US-Soldaten zu feuern. Aus auf den Anhöhen positionierten 42 mm Hotchkiss-Gebirgskanonen verschossene Granaten töteten zahlreiche Indianer. Unter den Toten war auch Häuptling Spotted Elk. Auch 25 Kavalleristen starben, zumeist getötet von den Kugeln der eigenen Seite.

Forsyth wurde von jeder Schuld freigesprochen.

Der Schriftsteller Lyman Frank Baum dürfte der öffentlichen Meinung seiner Zeit nicht allzu fern gewesen sein, als er im Aberdeen Saturday Pioneer vom 3. Januar 1891 lediglich die toten US-Soldaten beklagte, hinsichtlich des Konflikts mit den Indianern jedoch deren „totale Auslöschung“ forderte:

„Die merkwürdige Politik der Regierung, eine so schwache und schwankende Person wie General Miles zur Überwachung der unruhigen Indianer einzusetzen, hat zu einem schrecklichen Blutvergießen unter unseren Soldaten geführt (...) Es hat reichlich Zeit für schnelle und entschiedene Maßnahmen gegeben, die dieses Desaster verhindert hätten. (Diese Zeitung) hat zuvor erklärt, daß unsere Sicherheit von der totalen Auslöschung der Indianer abhängt. Nachdem wir ihnen jahrhundertelang Unrecht getan haben, sollten wir diesem noch ein weiteres Unrecht folgen lassen und diese ungezähmten und unzähmbaren Kreaturen vom Angesicht der Erde wischen (...) Andernfalls können wir erwarten, dass die kommenden Jahre genau so voller Schwierigkeiten mit den Rothäuten sein werden wie die vergangenen.“[1]

Im 20. Jahrhundert wandelte sich die Sicht auf die Ereignisse. Vor allem das 1970 erschienene Sachbuch Bury My Heart at Wounded Knee („Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“) von Dee Brown beschrieb das Massaker als Schlusspunkt des Genozids an der indianischen Bevölkerung der Great Plains.




»Objektive« Informationen über den Hergang des Geschehens einzuholen ist so gut wie unmöglich. Daher habe ich im vorgehenden aus Wikipedia zitiert.

Massaker am Wounded Knee (STERN Online)






Siehe dazu auch folgende Posts:
1850-1900: Siedler erobern den Westen der USA
Fernseh- bzw. Filmtips
Wir sind alle chinesische Tibeter …

Ausschnitte aus dem Film Halbblut (Thunderheart)