Mittwoch, 12. März 2014

Sind wir zur Moral fähig?

Der Mensch ist ein Herdentier und hält sich für Gottes Geschöpf. Wir pflegen täglich unseren Körper, am Wochenende unser Auto, wir spülen unser Geschirr und wischen und staubsaugen die Böden unserer Wohnungen. Aber wie gehen wir mit unserer Seele um?

Wir begeistern uns, wenn ein kleines Kind aus einem Brunnen gerettet wird, sind aber auch dazu in der Lage, Menschen, die Anforderungen nicht zu erfüllen imstande sind, Schmerzen zuzufügen oder sogar zu töten (Milgram-Experiment). Das Privatfernsehen produziert Quotenrenner, in denen die voyeuristische Lust, andere in seelischen Nöten zu sehen, befriedigt wird. Immer wieder sehe ich Menschen, die anderen ihr Laub vor die Türe kehren, ihre Hunde nicht erziehen und in die Gegend kacken lassen oder die zwei Parkplätze in Anspruch nehmen, wo bei ein wenig Achtsamkeit auch einer genügen würde. Wir akzeptieren die Nutzung von Atomenergie, wollen das Entmüllager aber keinesfalls vor unserer Tür. Wir verschleudern natürliche Ressourcen aus Bequemlichkeit. Wir lassen unsere Kinder taufen, die Kirchen sind zu Weihnachten überfüllt, ein schönes »Ave Maria« treibt uns die Tränen in die Augen, und abends schauen wir zu, wie sich zwei bei »Big Brother« unter der Dusche befummeln. Hunderttausende von Männern besuchen täglich Prostituierte, aber die einzige Möglichkeit, damit umzugehen, scheint, das Symptom zu verbieten. Wozu nach der Krankheit fragen? Sind die möglichen Antworten zu unbequem oder gar zu lang?



Wir klagen ständig über Politiker, die die Unwahrheit sagen. Politiker aber, die unbequeme Wahrheiten aussprechen, werden nicht gewählt. Täglich werden neue Nebenkriegsschauplätze eröffnet, um die aus den gesellschaftlichen Verhältnissen erwachsende Aggressivität in Bahnen zu lenken. Menschen werden ausgebeutet, als Ware benutzt und weggeworfen, aber die Erregung einem anonymen System gegenüber, in welchem keiner mehr Verantwortung hat (oder: zu haben scheint), erhält eine Form, wenn wir »Deutschland sucht den Superstar« konsumieren und entlädt sich bei Boxkämpfen, Fußballspielen oder telegen aufbereiteten Verfolgungsjagden. Wir gieren danach, eine heile Welt vorgegaukelt zu bekommen und empören uns pflichtschuldigst, wenn die Kulissen des Theaterstücks, in welchem wir uns in unserer Trance suhlen, zusammenbrechen. Während die Supermarkt-Kassiererin gekündigt wird, die sich einen weggeworfenen Joghurt für 39 Cent aus dem Müll einverleibt, wird tagelang in den Nachrichten darüber diskutiert, ob Uli Hoeneß drei, 18,5 oder sogar 26 Millionen Euro an Steuern hinterzogen hat und ob er noch eine Bewährungsstrafe kriegt und ob er nach diesem Fauxpas noch Aufsichtsratschef bei den Bayern bleiben kann.

Wir verwenden eine große Anzahl unterschiedlicher Messlatten; und wir legen sie an die Realität, die uns begegnet, so an, daß unser Weltbild aufrechterhalten bleibt und wir nicht zu sehr gestört werden, in dem was wir tun und von uns und der Welt denken. Edward Snowden gibt seine Karriere auf, um den Menschen etwas über die Dinge mitzuteilen, die hinter dem Vorhang passieren, die Politiker und die Medien haben etwas in der Hand, womit sie ihre Existenzberechtigung zelebrieren können, eine riesiges Kartenhaus an Aufgeregtheiten bannt unsere Aufmerksamkeit… – und fällt in sich zusammen, wenn Putin auf die Krim marschiert und damit angeblich das Völkerrecht bricht. Wenn unsere westlihen Staaten mit unserer angeblich so fortschrittlichen Gesellschaft, das Völkerrecht bricht, naja, dann ist das so, wir sind ja die Guten. Die Tatsache, daß das Flugzeug von Boliviens Präsident Evo Morales mal kurz vom Himmel geholt und der Präsident zwölf Stunden auf dem Wiener Flughafen festgehalten wurde (geschehen am 2. Juli 2013), weil es das Gerücht gab, Edward Snowden befinde sich an Bord und dem Flugzeug daraufhin mal kurz die Überfluggenehmigungen für Frankreich, Spanien, Portugal und Italien entzogen wurden, war unseren westlichen Medien nur eine kurze Meldung wert. Wir messen ständig mit unterschiedlichen Maßstäben, wollen es aber nicht wissen. Wie funktioniert es, daß es ein wahrer Shitstorm über Bischof Tebartz-van Elst niedergeht, weil er 31 Millionen Euro verbaut und die Tatsache, daß ein halbes Dutzend Fußballspieler des AS Monaco mehr als 10 Millionen Euro pro Jahr (steuerfrei) verdienen, erst gar nicht in den Medien auftaucht?



Maßstäbe, Ansprüche, Hoffnungen, Erwartungen, Gewissheiten… All das sind hochkomplizierte und gleichzeitig sehr einfache Phänomene, die durch unseren Geist wandern und uns hierher oder dorthin lenken. Irgendwo drückt irgendjemand auf irgendein Knöpfchen, und wie die Marionetten marschieren wir los und empören uns, verzweifeln, trauern … oder schlagen auch mal zu. Und in dem Durchflutet-Werden durch diese getriggerten intensive Gefühle fühlen wir uns sehr lebendig und glauben, daß wir leben – während uns andere wie einen Tanzbären am Ring in der Nase durch die Manege ziehen. (Meldung in der Tagesschau: »60% der Deutschen sind für die Ukraine!« Na, Bravo!) 

Wir wollen die Welt verstehen, dabei verstehen wir noch nicht einmal uns selbst. Wir haben Überzeugungen, und denen sollen andere gefälligst gerecht werden, aber wir hinterfragen unsere Überzeugungen nicht. Wir haben Forderungen, denen sollen andere nachkommen, aber wir hinterfragen unsere Forderungen nicht. Wir trauern, wollen Unglücke verhindern, das sollen gefälligst andere machen, deren Aufgabe das ja ist, aber wir hinterfragen unser Leiden nicht. Wir wollen leben, wir wollen glücklich leben und machen die Qualität unseres Lebens davon abhängig, daß die Welt da draußen und die Menschen, mit denen wir zu tun haben, so funktioniert und so sind, wie wir das gern hätten. Wir fragen aber nicht danach, was wir uns unter Glück vorstellen, wir fragen uns nicht, warum wir uns Glück so vorstellen, wir wir das tun, wir hinterfragen uns selbst nicht. Wozu auch? Wir wollen ja funktionieren können, wir wollen Stabilität – und wir wollen vor allem recht haben! Und »Germany's Next Topmodel« ist kurzweiliger als das Aufräumen unserer Seele. Wir wollen Stars, zu denen wir aufblicken können und geilen uns daran auf, wenn sie fehltreten oder zusammenbrechen.

Als Kinder haben uns unsere Eltern dazu angehalten, regelmäßig die Zähne zu putzen. Wir kümmern uns um den Ölstand unseres Autos, und nächsten Samstag gehen wir neue Schuhe kaufen, weil, die alten, das geht ja gar nicht mehr. Was ist mit unserer Seele? Wir laufen in Schuhkartons herum, deren Wände wir für die Realität halten. Und wir finanzieren diejenigen, die uns diese Wände anmalen. Wir laufen mit Gewissheiten herum, die nicht die unsrigen sind. Wir lassen uns ständig neue Wahrheiten verkaufen, damit wir selbst nicht denken brauchen. Und wenn wir eine Wahrheit erzählt bekommen, die länger ist als drei Sätze, schalten wir ab. Alles nur eine Energiefrage?

Wir sind Roboter, die sich ständig etwas von freiem Willen vorgaukeln (lassen) und begierig darauf sind, in diesem Glauben bestätigt zu werden. Wir halten uns für die Krone der Schöpfung, nur seltsam, daß sich ständig irgendwelche Kronen dieser Schöpfung die Schädel einschlagen oder sonstwie malträtieren. Wir brauchen unser kurzes Gedächtnis, um nicht an uns (ver-)zweifeln zu müssen. Und wir müssen uns ständig in Bewegung und beschäftig halten, um nicht mit uns selbst konfrontiert zu werden. Jede Sau, die durch’s Dorf gejagt wird, lenkt uns von unserer Hilflosigkeit und unserer Pseudo-Existenz ab. Dem Machtwillen einiger Weniger reicht unser Bedürfnis nach Ablenkung und Verleugnung die Hand…


Tiere sind ein Zweck an sich

Von Leick, Romain und Schmitter, Elke
Haben wir das Recht, Tiere für unsere Bedürfnisse zu nutzen und zu töten? Die Autorin und Philosophin Hilal Sezgin hält ein radikales Plädoyer gegen eine Sonderstellung der menschlichen Spezies.

In diesem SPIEGEL-Interview wird unsere Haltung der Welt gegenüber infrage gestellt.

Dienstag, 11. März 2014

Torschlußpanik

Wenn Menschen Angst haben, etwas Wichtiges zu verpassen oder dass sie persönliche Ziele aus altersbedingten Gründen nicht mehr erreichen können, spricht man häufig von »Torschlusspanik«. Welches Tor droht sich da zu schließen? 


Die Uhr tickt unerbittlich 

Auch diese Wendung stammt aus dem mittelalterlichen Alltag: Stadttore wurden bei Anbruch der Dunkelheit aus Sicherheitsgründen geschlossen. Stadtbewohner, die bis dahin nicht zurückgekehrt waren, mussten entweder die Einlassgebühr für den Aufwand der außerordentlichen Toröffnung, den sogenannten Torgroschen, zahlen oder vor den Stadtmauern übernachten. Dort waren sie allerdings diversen Gefahren wie Räubern oder wilden Tieren schutzlos ausgeliefert. Deswegen achtete jedermann darauf, dass er rechtzeitig wieder zu Hause war, um nicht in »Torschlusspanik« zu verfallen. 

 In jüngerer Zeit wurde der Begriff »Torschlusspanik« im politischen Umfeld vor allem in Bezug auf den Bau und den Fall der Berliner Mauer verwendet. Als allein am letzten Tag vor der Sperrung der Zonengrenze im August 1961 noch über 4.000 Bürger in den Westsektor wechselten, griffen selbst englischsprachige Medien den Begriff im Original auf. Als sich 1989 die Mauer spontan auftat, eilten viele Bürger sofort zur Grenze, da sie Angst hatten, die Tore könnten sich bald wieder schließen. 
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Montag, 10. März 2014

Heute vor 66 Jahren – 10. März 1948: Jan Masaryk stirbt bei Sturz aus dem Fenster

Mord oder Freitod? 

Seit über 60 Jahren beschäftigt der rätselhafte Tod des seinerzeitigen Außenministers Jan Masaryk (1886-1948) die Tschechen: Am frühen Morgen des 10. März 1948 fanden Mitarbeiter die Leiche des beliebten Politikers und Staatsmannes im Innenhof des Ministeriums. Masaryk war lediglich mit einem Schlafanzug bekleidet und offensichtlich aus einem Fenster der Privatwohnung im zweiten Stock gestürzt. Die Frage, ob er sich das Leben genommen hat, ob er einem tragischen Unfall zum Opfer fiel oder ob jemand nachgeholfen hat, ist bis heute unbeantwortet. Die Mehrheit der Tschechen vermutete stets, dass der Politiker von den Kommunisten aus dem Weg geräumt wurde, es fanden sich jedoch keine Belege dafür. Auch nach der politischen Wende musste eine Kommission den Fall ungeklärt zu den Akten legen. 
 
Zuschauer einer Veranstaltung in Prag zeigen Fotos von
tschechischen Politikern, u. a. von Jan Masaryk (links)
und von Tomas Masaryk (rechts), Juli 1948

 Jan Masaryk war der Sohn von Tomas Masaryk, der 1918-35 der erste Staatspräsident der Tschechoslowakei war. Jan Masaryk, von 1940 bis 1945 Außenminister der Exilregierung, gehörte auch den ersten Nachkriegsregierungen in der Heimat an, die immer stärker unter den Druck der Kommunisten gerieten. Seine engsten Freunde waren sich sicher, dass Masaryk mit dem Sturz aus dem Fenster gegen diese politische Entwicklung protestieren wollte. 

Was am 10. März noch geschah: 
241 v. Chr.: Mit dem Sieg der römischen Flotte über die Flotte Karthagos endet der Erste Punische Krieg
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Heute vor 40 Jahren – 10. März 1974: Der letzte japanische Soldat ergibt sich

Auf der philippinischen Insel Lubang ergibt sich ein Leutnant der ehemaligen kaiserlich-japanischen Armee. Onoda Hirō, 52, hatte kurz vor Kriegsende eine Spezialausbildung im Guerillakampf erhalten und war 1944 auf Lubang ausgesetzt worden.

Mission erfüllt (Spiegel Online vom 4.12.1972)
Schöner Soldat (Spiegel Online vom 4.12.1972)

Sonntag, 9. März 2014

Heute vor 175 Jahren – 9. März 1839: Preußen schränkt Kinderarbeit ein

Gesunde Kinder für das Schlachtfeld 

Die Industrialisierung bedeutete die Wandlung einer Agrar- in eine Industriegesellschaft und war gekennzeichnet durch Veränderungen in der Produktionstechnik, Wirtschaft und Gesellschaft. Auch Kinderarbeit in Fabriken wurde zur Regel. Die Folgen für die Gesundheit der Kinder waren katastrophal. In ganz Europa wurden daher Kinderschutzgesetze erlassen, die aber die Kinderarbeit nur einschränkten, nicht aufhoben. 

Kinderarbeit in einer Berliner Schuhmacherwerksatatt, 1926
Mit dem »Preußischen Regulativ« vom 9. März 1839 sollte die Kinderarbeit in Preußen begrenzt werden, weil befürchtet wurde, dass der größte Teil der Kinder wegen ihres schlechten Gesundheitszustands später nicht fürs Militär taugen würden. Das Mindestalter arbeitender Kinder wurde auf neun Jahre festgesetzt, die Arbeitszeit auf zehn Stunden täglich beschränkt. Arbeit an Sonn- und Feiertagen sowie Nachtarbeit wurden verboten, drei Jahre Schulbesuch wurden zur Pflicht gemacht. In den folgenden Jahren baute der Staat diese Kinderschutzgesetze immer weiter aus, ein grundsätzliches Kinderarbeitsverbot gab es in Deutschland aber erst nach 1945.

Was am 9. März noch geschah: 
1848: Die Versammlung des Deutschen Bundes erklärt Schwarz, Rot und Gold zu den Bundesfarben.
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Peter Scholl-Latour wird heute 90 Jahre alt

Zu seinem 90. Geburtstag wirft der Journalist und Islamexperte, der Gott und die Welt kennt, einen Blick auf sein Leben und auch auf die Krise in der Ukraine
mehr:
- Scholl-Latour: "Wir leben in einer Zeit der Massenverblödung" (Ramon Schack im interview mit Peter Scholl-Latour Telepolis, 09.03.2014)

Peter Scholl-Latour: Mein Leben [43:22]

Veröffentlicht am 24.01.2013

Peter Scholl-Latour - Die Arabische Revolution 2011 {12:26}
Veröffentlicht am 26.11.2012

Peter Scholl-Latour - Vom arabischen Frühling in den arabischen Winter {1:03:22}
Veröffentlicht am 26.01.2013
Peter Scholl-Latour - Vom arabischen Frühling in den arabischen Winter

mein Kommentar:
seltsam, nur die Rechten scheinen ein Problem mit dem »Arabischen Frühling« zu haben…

Peter Scholl-Latour: Afrikanische Totenklage - Der blutige Schacher um Erdöl und Diamanten {1:31:41}
Veröffentlicht am 21.07.2013
Diese aus dem Jahre 2002 stammende Dokumentation von Peter Scholl-Latour dreht sich um den afrikanischen Kontinent und die schmutzigen Geschäfte mit den Ressourcen dort.

Passend dazu erschien PSL Buch: Afrikanische Totenklage - Der Ausverkauf des schwarzen Kontinents

Schattenseite der Globalisierung - Waffenhandel und Diktaturen in Afrika // Dokumentation 2016 DOKU {1:31:52}
Veröffentlicht am 25.01.2016
Abonniert für mehr!

Folgt mir auf Instagram
urban_freefighter


Peter Scholl Latour rastet aus Syrien , Salafisten, Islam Der Talkshow Eklat {12:14 Start bei 1:38 – Reichelt: »}

Der Sünder
Am 05.09.2012 veröffentlicht 
»Der starke Mann da unten heißt Abd-el Hakim bel-Haj, und das sind nicht diese Jungs, die da mit Facebook rumspielen. […] Das sind Dilettanten. Um eine Revolution zu machen, muß man Schläger haben und Ganoven haben. […] Dieses humanitäre Geschwafel bin ich leid.«
[Zitat Peter Scholl Latour aus der obigen Diskussion]
Was kann ein alter Provokateur wie Peter Scholl-Latour uns noch erzählen über so komplizierte und neuartige Ereignisse wie die im Nahen Osten? Wie eine Veranstaltung in Potsdam zeigt, eine Menge. Denn der 88 Jahre alte Journalist nimmt sich die Freiheit, Dinge zu vereinfachen und daraufhin klarer zu sehen.

Sein Fazit des Arabischen Frühlings mag man unbefriedigend finden, doch es ist ehrlich: "Das ist alles entsetzlich kompliziert", sagt Peter Scholl-Latour, der immerhin als Experte in solchen Fragen gilt. Den Begriff "Arabischer Frühling" lehnt er ab, er hält ihn für zynisch. "Der Arabische Frühling war eine Illusion", glaubt der Buchautor. So kommt der Begriff, der für die arabischen Volksaufstände, Revolten und Bürgerkriege der vergangenen eineinhalb Jahre stehen soll, im Titel seines jüngsten Buches auch nicht vor. Der Altmeister spricht lieber von "Arabiens Stunde der Wahrheit". "Die eigentliche Auseinandersetzung kommt noch", prophezeit er.
mehr bei n-tv

Man kann über ihn sagen was man will. Offenbar wird häufig in Diskussionen mit ihm, daß er aufgrund seiner langjährigen Erfahrung sehr viel desillusionierter und abgeklärter ist als seine teilweise von den politischen Ereignissen begeisterten oder zumindest stark emotional betroffenen Diskussionspartner. Die Tatsache, daß er nicht darüber redet, was gut oder schön wäre oder was er sich wünscht, rückt ihn häufig in die rechte politische Ecke.
Er steht der heutigen Zeit skeptisch gegenüber, auch in Bezug auf die Möglichkeiten und Freiheiten der Journalisten…
siehe:
- Scholl-Latour hält nichts vom Arabischen Frühling: Mit Zynismus gegen Weltverbesserer (Nora Schareika, n-tv, 12.05.2012, Wikipedia-Link von mir)


alpha-Forum – Peter Scholl-Latour, Journalist, Autor und Publizist {44:13}

ausgestrahlt am 07.08.2014 (ARD alpha)
gefunden bei hgeiss.de

Ukraine Berichterstattung ist falsch - Peter Scholl-Latour {6:10}

Veröffentlicht am 24.05.2014
Kleiner Ausschnitt aus einem Interview zum 90. Geburtstag
Alpha Forum
www.youtube.com/watch?v=Jspx1o_wu4k



zuletzt aktualisiert am 14.04.2016

Donnerstag, 6. März 2014

Heute vor 300 Jahren – 6. März 1714: Ende des Spanischen Erbfolgekrieges

Umkämpftes Erbe eines Kinderlosen 

Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-14) kämpften Frankreich und Österreich nach dem Tod des letzten spanischen Habsburgers, Karl II., um das spanische Erbe. Sowohl der französische König Ludwig XIV. als auch der habsburgische Kaiser Leopold I. waren mit Schwestern Karls II. verheiratet und leiteten daraus Erbansprüche ab. Da die Konkurrenten in verschiedenen Allianzen standen und diverse Koalitionen bildeten, weitete sich der Konflikt zu einem europäischen Krieg aus, dessen Hauptkriegsschauplätze in Spanien, Oberitalien, den Spanischen Niederlanden und Süddeutschland lagen. 
 
Die Gesandten des Kongresses zu Baden (Gemälde von Johann Rudolf Huber, um 1714)

 Nach zwölf Jahren militärischer Auseinandersetzungen wurde 1713 in Utrecht ein erster Frieden geschlossen, dem der Kaiser heute vor 300 Jahren, am 6. März 1714 im Frieden von Rastatt I. beitrat. Das Heilige Römische Reich folgte seinem Beispiel im September 1714 im Frieden von Baden. Philipp V., Enkel Ludwigs XIV., wurde als spanischer König anerkannt, Österreich erhielt die Spanischen Niederlande und Herrschaften in Italien, Großbritannien erhielt von Frankreich Kolonialbesitz in Nordamerika und von Spanien Gibraltar.

Philipp von Anjou (1683-1746) 
 als Philipp V., spanisch »Felipe«, König von Spanien
 • erster spanischer Herrscher aus dem Haus Bourbon
 • litt an schwacher Konstitution und Depressionen
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Mittwoch, 5. März 2014

Heute vor 68 Jahren – 5. März 1946: Churchill verwendet den Begriff »Eiserner Vorhang«

Eine Metapher für die politische Teilung 

»Von Stettin an der Ostsee bis nach Triest an der Adria ist längs durch den Kontinent ein eiserner Vorhang niedergegangen. Hinter dieser Linie liegen die Hauptstädte der alten, geschichtlichen Staaten Mittel- und Osteuropas: Warschau, Berlin, Prag, Wien, Budapest, Belgrad, Bukarest und Sofia, alles berühmte Städte. Und die Völker um sie herum leben in dem, was ich die sowjetische Einflusssphäre nennen muss.« Winston Churchill (1874-1965) war zwar nicht der Erste, der den Begriff »Eiserner Vorhang« für eine unüberwindbare Grenze aufgriff, er aber prägte ihn in seiner Verwendung für den Ost-West-Konflikt. 
 
Winston Churchill während seiner Rede im Westminster College
in Fulton, USA, am 5.3.1946

Das Westminster College in Fulton, Missouri, hatte den vormaligen britischen Premier zu einem Vortrag über die politische Situation in Europa nach dem Krieg eingeladen. Auch US-Präsident Harry S. Truman war an jenem 5. März 1946 anwesend, als Churchill die Amerikaner auf die bedrohliche politische Situation in Europa aufmerksam machen wollte. Kurz nach dem großartigen Sieg der Alliierten, so führte der weltweit geachtete Staatsmann aus, legten sich Schatten auf die von der Hitlerdiktatur befreiten Länder. Und er griff zur Veranschaulichung das Bild vom »Iron Curtain« auf. 

Was am 5. März noch geschah: 
1969: Der SPD-Politiker Gustav Heinemann wird zum dritten deutschen Bundespräsidenten gewählt. 
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Dienstag, 4. März 2014

Der Ukraine-Konflikt 1 – Westliche Aufgeregtheit und staatliches Gedächtnis

Die sehr emotionale Berichterstattung über Rußlands Vorgehen auf der Krim läßt mich den Kopf schütteln. Ist das eigentlich niemandem peinlich?

Ich denke: zwei Supermächte sind besser als eine, und ich hoffe, daß China noch auf absehbare Zeit genug mit sich selbst zu tun hat. Und genauso, wie die USA vor ihrer Haustüre Ordnung halten (Schweinebucht, Salvador Allende), versucht Putin, vor seiner Haustüre Ordnung zu halten.
Die Kubakrise wurde übrigens durch die Vereinigten Staaten provoziert, nur zur Erinnerung… 

»Im April 1962 wurden die amerikanischen Thor- und Jupiter-Atomraketen in der Türkei einsatzbereit gemacht. Weil sie wegen ihrer ungeschützten Aufstellung leicht angreifbar waren, konnten sie nur zu einem atomaren Erstschlag genutzt werden.
Zudem fuhren auf den Meeren US-U-Boote mit Polaris-Atomraketen. Diese Submarine Launched Ballistic Missiles konnten auch unter Wasser abgefeuert werden und waren entsprechend schwer zu treffen. Die Sowjetunion hatte zu dem Zeitpunkt nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen.« (Kubakrise, Unmittelbare Vorgeschichte, Wikipedia, abgerufen am 04.03.2014)


Auf der Seite der ZEIT finden sich zwei angenehm unaufgeregte Artikel:
- Putins Krim-Kalkül geht auf (ZEIT vom 3.2.2014, hier finde ich vor allem Putins Einschätzung sehr bedenkenswert)
- Europa muss Machtpolitik lernen (ZEIT vom 3.2.2014)

Ich könnte manchmal auf die Knie fallen vor Begeisterung, wenn die Theaterakteure des Machtspiels auf unserem Planeten überdrehen und sich damit einmal selbst ans Bein pinkeln. So dem US-Außenminister Kerry vor wenigen Tagen geschehen.

Ukraine: Russia not behaving like '21st century G8 major nation' - Kerry [1:30]
Veröffentlicht am 05.03.2014 
US Secretary of State John Kerry spoke at the US embassy in Kiev on Tuesday after meeting with the Rada-appointed interim president of Ukraine, Oleksandr Turchynov, and the Rada-appointed interim prime minister of Ukraine, Arseniy Yatsenyuk.
Kerry said Russia was not behaving like a "21st century G8 major nation" by deploying troops in Crimea. Kerry added that if Moscow did not agree to cooperate with the new Ukrainian authorities, the US' partners would have no choice but to join the Obama administration in imposing sanctions "in order to isolate Russia politically, diplomatically and economically".
Kerry also confirmed that the US would, together with the IMF, provide Ukraine with $1bn (€730m) in loan guarantees in order to support the country's recovery.
Facebook: http://www.facebook.com/Ruptly
Twitter: http://twitter.com/Ruptly
LiveLeak: http://www.liveleak.com/c/Ruptly
Google Plus: http://plus.google.com/11149828633108...
Instagram: http://www.instagram.com/Ruptly
YouTube: http://www.youtube.com/user/RuptlyTV
Video on Demand: http://www.ruptly.tv


»You just don't in the 21st century behave in 19th century fashion by invading another country on completely trumped-up pretext.« 
(Diese Äußerung stammt aus einem Interview, in dem er das, was er in dem Video sagt, wiederholte. Es darf nicht überraschen, wenn dieser Satz in vielen US-amerikanischen Publikationen nicht zitiert wird.)

Promt twitterte Michael Moore: »Um, does he know 2003 was part of the 21st cen?«

Und selbst der Münchener Abendzeitung fiel die unfreiwillige Parallele zum Irak-Krieg auf, die Kerry seither genüßlich um die Ohren gehauen wird. 

Ich bewundere die Amis für ihre stete Begeisterungsfähigkeit, fürchte allerdings, daß diese ganz wesentlich mit ihrem kurzen Gedächtnis zu tun hat. Die unbeirrbare Penetranz, mit der sich diese Nation für die gute Seite hält und die Selbstverständlichkeit, mit der die russische Machtpolitik als unmoralisch gebrandmarkt wird, verbunden mit dem anscheinend völlig schamfreien Ignorieren eigenen Fehlverhaltens ist hoch beeindruckend. 

Nachdem sich die Amerikaner in Vietnam eine blutige Nase geholt (2 Millionen tote Vietnamesen, ein vergiftetes Land zurückgelassen und das Regime der Roten Khmer in Kambodscha erst ermöglicht) haben, sind sie 30 Jahre später mit der gleichen Begeisterung bereit, über Afghanistan herzufallen. Leute wie Peter Scholl-Latour, die von unseren politisch korrekten Gutmenschen in die Rechtsaußen-Schublade gesteckt werden, haben damals eindringlich – und natürlich vergeblich – gewarnt: Scholl-Latour zitierte den französischen General Massu, der seine Erfahrungen im Algerienkrieg so zusammenfaßte: »In Algier sind wir hineingeschlittert in Blut und in Scheiße - dans le sang et dans la merde.« Aber eine Supermacht – gleich welcher weltanschaulichen Couleur – muß demonstrieren, daß sie sich bestimmte Dinge nicht gefallen läßt. Erfahrungen aus dem alten Europa zählen angesichts des amerikanischen Begeisterungsbedürfnisses nichts… 
Vielleicht sind wir ja in 20 Jahren auch so weit wie die Amis, und unsere Bundestagsabgeordneten strafen befreundete Staaten durch das Umbenennen von Lebensmitteln

Frankreich / Algerien - Die Schwierigkeiten des Erinnerns - ARTE - Oktober 2010 [2:37]
Hochgeladen am 30.07.2011 
ARTE Journal - 19. Oktober 2010 - 21/10/10
Die Schwierigkeiten des Erinnerns
In Paris wurde am Dienstag eine Stiftung zum Gedenken an den Algerienkrieg von 1954-1962 eingeweiht. Vergangenheits-Bewältigung, das ist eine gute Sache, könnte man denken.
Aber Präsident Nicolas Sarkozy will, dass die Stiftung von Franzosen geleitet wird, die aus Algerien vertrieben wurden und von Algeriern, die auf Seiten der Franzosen gekämpft haben. Historiker protestieren: Es gehe nur darum, den "schmutzigen Krieg" von Frankreichs Armee unter den Teppich zu kehren. Eine Reportage von Richard Bonnet.

Man stelle sich vor (im Video ab 1:50 Min.), Angela Merkel würde über die Kolonialzeit in Namibia sagen: »Das Deutsche Reich ist nicht nur gekommen, hat ausgebeutet und die Ressourcen geplündert. Aber es war nicht nur ein Nehmen: Das Deutsche Reich hat Brücken, Straßen, Krankenhäuser und Schulen gebaut.«

ALGERIE - Les Auschwitz de la France en Algerie [9:58] Hochgeladen am 23.06.2007 
A video describing the atrocities in the concentration camps set up by the French in Algeria during the colonial occupation which France never admitted they existed.
La France n'arrete pas de pleurnicher sur les atrocités NAZI(es) en Europe..hélas, elle semble tres fiere des siennes en Algerie, elle les glorifie meme.
[Übersetzung: Frankreich hört nicht auf über Entsetzlichkeit NAZIs in Europa zu heulen … leider, es scheint sehr stolz über die Seinigen in Algerien zu sein, es verherrlicht sie sogar.]

Massu: …dans le sang et dans la merde… (Peter Scholl-Latour, Der Fluch des neuen Jahrtausends: Eine Bilanz, googlebooks, Download Leseprobe, S. 17)

Zitat: 
Bei Ihrem Balkan-Engagement sollten sich die deutschen Politiker, denen die Fürsorgepflicht für die Bundeswehr-Soldaten am Amselfeld obliegt, folgendes einprägen: das vielgerühmte G-8-Abkommen, das die fiktive Erhaltung einer jugoslawischen Föderation vorsah, ist heute nur noch ein Papierfetzen, und die Entwaffnung bzw. die »Demilitarisierung« der ominösen UCK – eine unerträgliche Wortklauberei – ist bestenfalls punktuell zu erreichen. Die NATO-Truppe droht dort in einen heimtückischen Partisanenkrieg mit wechselnden Fronten und Gegnern verstrickt zu werden. Die Guerilla und deren Bekämpfung gehen stets mit besonderer Brutalität einher. Die französischen Paras, die während der Schlacht von Algier Den Bombenlegern der algerischen Befreiungsfront nachstellten, sind bei den Verhören von Verdächtigen auch vor Folterungen nicht zurückgeschreckt, genauso wenig wie die Amerikaner bei der Operation »Phoenix« in Vietnam. 

Montag, 3. März 2014

Heute vor 90 Jahren – 3. März 1924: Die Türkei schafft das Kalifat ab

Ein Staat auf dem Weg in die Moderne 

Die türkische Nationalversammlung beschloss heute vor 90 Jahren in Ankara die Abschaffung des Kalifats. Abdul Madschid II., als Kalif Oberhaupt der muslimischen Gemeinschaft, wurde des Landes verwiesen, alle geistlichen Schulen und Gerichte wurden aufgelöst. Damit vollzog die junge Republik Türkei unter der Führung von Mustafa Kemal »Atatürk« (1881-1938) einen weiteren entscheidenden Schritt in Richtung einer modernen Staatsform. Er ersetzte die religiösen Gesetze der Scharia durch westliche Rechtssammlungen wie etwa das deutsche Handels- und das italienische Strafrecht. So wurde aus dem muslimischen Osmanischen Reich die laizistische (weltliche) türkische Republik, in der Staat und Religion streng voneinander getrennt sein sollten. Außerdem führte Atatürk die lateinische anstelle der arabischen Schrift ein und verbesserte die rechtliche Stellung der Frauen. 
 
Kalif Abdul Madschid II. erhält die Nachricht von seiner
Absetzung (Titelblatt »Le Petit Journal«, 16.3.1924)

 Das Kalifat war eine islamische Regierungsform, bei der die säkulare und geistliche Herrschaft in der Person des Kalifen vereint waren. Diese Staatsform basierte auf der Lehre des Propheten Mohammed, der sowohl Führer der religiösen Bewegung als auch Herrscher über den Machtbereich war, in dem dieser Glaube gelebt wurde. 

Was am 3. März noch geschah: 
1933: Ernst Thälmann, Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands, wird von den Nationalsozialisten verhaftet. 
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Sonntag, 2. März 2014

Schnellzugriff auf die Emojis auf dem Mac

Erst jetzt gemerkt, ich werd’ alt…

Mit Crtl – Cmd – Leertaste taucht ein Auswahlfeld mit den zur Verfügung stehenden Emojis auf, wenn sich der Cursor in einem Schreibfeld befindet.
Hier mehr

Freitag, 28. Februar 2014

Vor 800 Jahren: Beginen – eine alternative Lebensform für Frauen

Die Bewegung der Beginen entstand im späten 12. Jahrhundert in Flandern und verbreitete sich von dort über weite Teile West- und Mitteleuropas. Vor allem alleinstehende Frauen und Witwen, denen sich im Mittelalter keine gesellschaftlichen Perspektiven boten, schlossen sich den Gemeinschaften an. Hatten sie keine Familie oder fanden dort keinen Platz, blieb in der Regel nur der Gang ins Kloster. Auf »Beginenhöfen« fanden diese Frauen eine Alternative: Sie lebten dort in einer religiös ausgerichteten, aber weitgehend autonomen Gemeinschaft, brauchten kein Gelübde abzulegen, das sie ein Leben lang band, und wählten ihre Vorsteherinnen selbst.

Beginenhof in Brügge, von der UNESCO 1999 zusammen mit 11 anderen
Beginenhöfen in Flandern zum schützenswerten Weltkulturerbe erklärt
Bild und Text stammen aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon
von der Webseite http://www.heiligenlexikon.de/Orden/Beginen.htm
Die Beginen führten ein frommes Leben, in dem Gebet und Kontemplation viel Platz einnahmen, konnten aber jederzeit in ein bürgerliches Leben zurückkehren. Waren es zunächst vor allem Frauen aus Adel und Bürgertum, die in Beginenhöfen lebten und damit auf allen persönlichen Besitz verzichteten, schlossen sich später Frauen und Mädchen aus allen Schichten an. Jede Begine war angehalten, sich durch eigene Arbeit ernähren zu können und sich sozial zu engagieren. 
Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014 

Donnerstag, 27. Februar 2014

Nochmal: The Nice

Die mehr jazzigen Nice gefielen mir besser als die etwas Pomp-lastigen ELP.
Ich finde es immer wieder erstaunlich, was die damals für Musik gemacht haben!
Also auf ein Neues, die Links werden hoffentlich einige Zeit lang halten…

The Nice – Brandenburger Live 1969
Veröffentlicht am 12.11.2013

The Nice - Ars longa vita brevis (live 1968) [14:57]
Veröffentlicht am 19.11.2013

Keith Emersonthe nice 1969 The Karelia Suite [10:25]

Hochgeladen am 18.10.2010


und das in bizarre… So waren die Zeiten!
The Nice - French TV 1969 (Keith Emerson) [6:29]

Hochgeladen am 18.10.2010

The Nice - Rondo / Azrael (Angel Of Death) - Rome (1968) DVD [11:23]


Veröffentlicht am 01.01.2014
The Nice: "Live 1968-1969" (DVD)
Rome Pop Festival (06th May 1968)
High Quality TV Live Compilation
PRO-SHOT NTSC Approx. 85min. 

THE NICE (Keith Emerson): Fillmore West, December 12, 1969 (audio only) [59:57] Veröffentlicht am 22.08.2013
0:00 Country Pie / Brandenburg Concerto No. 6
6:36 Hang On To A Dream
21:30 Pathetique Symphony No. 6, 3rd Movement
29:45 For Example
45:00 She Belongs To Me

KEITH EMERSON: Hammond organ, piano
LEE JACKSON: Bass guitar, vocals
BRIAN DAVISON: Drums, percussion

I do not claim any ownership or copyright in this recording, or its contents. Fair Use Act, 1976.

und zum Schluß die Artons, eine ungarische Amateur-Band. Die Fähigkeiten des Keyboarders sind sichtlich begrenzt (kann ja nicht jeder so genial sein wie Keith Emerson), aber ein mutiger und sehr achtenswerter Versuch:

America from The Nice [5:44]
Hochgeladen am 11.09.2010
Live performance of the original song from The Nice "America" by Artons, an amateur band from Hungary. Played at Lake Balaton in the city Balatonfured on 19 August 2010.

Freispruch für Christian Wulff

Der frühere Bundespräsident ist rechtlich rehabilitiert. Das Landgericht Hannover hat Christian Wulff im Skandal um angebliche Korruption entlastet. Für die Vorwürfe finden sich keine hinreichenden Belege.

Hannover - Das Landgericht Hannover hat Ex-Bundespräsident Christian Wulff in seinem Korruptionsprozess freigesprochen. Zwei Jahre nach dem Rücktritt als Staatsoberhaupt wurde der 54-Jährige am Donnerstag vom Vorwurf der Vorteilsannahme entlastet.

Wulff stand zusammen mit Filmproduzent David Groenewold vor Gericht. Dieser hatte 2008 für den früheren Politiker rund 720 Euro Hotel- und Bewirtungskosten während eines Oktoberfestbesuchs in München übernommen. Wulff war damals Ministerpräsident in Niedersachsen. Zweieinhalb Monate später warb er bei Siemens-Chef Peter Löscher um Unterstützung für einen Film Groenewolds. Wulff wurde deshalb Vorteilsannahme vorgeworfen. Später wurde er deshalb angeklagt. Es war das erste Mal überhaupt, dass sich ein ehemaliger Bundespräsident vor Gericht verantworten musste.

Nun sprach das Gericht ihn frei. Die Zweite Große Strafkammer sah es nicht als erwiesen an, dass Wulff illegale Zuwendungen angenommen hat.

Die Wulff-Affäre hatte vor mehr als zwei Jahren mit Berichten über einen Privatkredit zur Eigenheimfinanzierung begonnen. Die Ermittlungen gegen den damaligen Bundespräsidenten wuchsen sich nach und nach zur Staatsaffäre aus. Es gab immer neue Vorwürfe der Vetternwirtschaft, Bestechlichkeit, Vorteilsannahme.

mehr:
- Korruptionsprozess: Freispruch für Christian Wulff (SPON, 27.02.2014)
siehe auch:
- Neue Recherchen zur CDU-Parteispendenaffäre "Helmut Kohls Ehrenwort war ein Ablenkungsmanöver" (Kurt Sagatz, Tagesspiegel, 02.12.2017)
- Ex-Bundespräsident wettert gegen Medien – Wulff und die "Bild"-Feindschaft (Sonja Álvarez, Tagesspiegel, 11.06.2014)
- Christian Wulff: Seine eigene Wahrheit (Ludwig Greven, ZON, 10.06.2014)
- Akte Christian Wulff – Absturz eines Bundespräsidenten (Post, 15.11.2013)
- Wulff vor Gericht – Die verlorene Ehre des Christian W. (Hubertus Volmer, n-tv, 14.11.2013)
- Prozess gegen Bundespräsident a.D. beginnt – "Leute wie Wulff sind selten und kostbar" (Hubertus Volmer interviewt Hans Mathias Kepplinger, n-tv, 13.11.2013)
- Medienmacht – Der Fall Wulff und die Bild-Zeitung (Katja Hanke, Goethe-Institut, Mai 2012)
- Christian Wulff: Rücktritt ohne Einsicht (Ludwig Greven, ZON, 11.02.2012)
- Christian Wulff und die "Bild"-Zeitung: Am Ende zählt die Story (Süddeutsche Zeitung, 03.01.2012)

Heinz Rudolf Kunze - Schämt ihr euch nicht [live 2014] {4:33}   Text (HeinzRudolfKunze.de)

diepeitschen
Am 19.02.2014 veröffentlicht 
aufgenommen am 17.02.2014 in Stuttgart, LKA Longhorn

mein Kommentar: 
Unterm Strich lächerlich, das Ganze! Heinz Rudolf Kunze hat wirklich eine feine Nase und Standfestigkeit! Chapeau.
Man beobachte, wie sich ZON-Journalist Ludwig Greven, der 2012 noch Einsicht fordert, zwei Jahre später von »seiner eigenen Wahrheit« schreibt…
Das riecht nach Gruppendruck…

Christian Wulff :Die Rolle der "Bild"-Zeitung "die Medien" die Präsidenten-Affäre vor Gericht {3:30}

MKA2014
Am 14.11.2013 veröffentlicht 

Mittwoch, 26. Februar 2014

Heute vor 90 Jahren – 26. Februar 1924: Prozess gegen Adolf Hitler beginnt

Vom Angeklagten zum Ankläger 

Am 9. November 1923 war in München der sogenannte Hitler-Ludendorff-Putsch gescheitert, mit dem die extremen Nationalisten um Adolf Hitler (1889-1945) und General Erich Ludendorff (1865 bis 1937) die Macht an sich reißen wollten. Vier Polizisten, ein Passant und 16 Parteigänger Hitlers kamen im Kugelhagel nahe der Feldherrnhalle ums Leben. Hitler konnte zunächst fliehen, versteckte sich am Staffelsee, wurde aber wenige Tage später verhaftet und des »Hochverrats« angeklagt. 
 
»Schutzmann, verhaften Sie sofort den Brandstifter da oben!«,
Karikatur zum Hitlerprozess auf dem
Titelblatt des »Simplicissimus«, 17. März 1924

Heute vor 90 Jahren, am 26. Februar 1924, begann der Prozess gegen die zehn Putschisten vor dem Münchner Volksgericht. Wie Helden posierten die Angeklagten vor dem Gerichtsgebäude, die Militärs unter ihnen in Gardeuniform. Sie waren überzeugt, dass die traditionell rechtslastige deutsche Justiz ihr Verbrechen eher als Vaterlandsliebe denn als Hochverrat beurteilen würde. So kam es auch: Der Richter erwies sich als Sympathisant der Nationalsozialisten und ließ Hitler ausführlich gegen die Demokraten der Weimarer Republik hetzen. Das Urteil lautete »5 Jahre Festungshaft« für Hitler, Ludendorff wurde freigesprochen. Nach neun Monaten Haft wurde Hitler wegen »guter Führung« entlassen. 

Was am 26. Februar noch geschah: 
1815: Napoleon verlässt das Exil auf Elba, um die Macht in Frankreich zurückzugewinnen. 
Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014 

Heute vor 86 Jahren – 26. Februar 1928: Ariel Sharon wird geboren

Vom Saulus zum Paulus? 

Ariel Sharons Zeit als Jugendlicher und junger Erwachsener war von den Konflikten und vom Krieg im Nahen Osten geprägt. 1928 als Sohn eines polnischen Vaters und einer russischen Mutter in Palästina geboren, schloss er sich bereits als 14-jähriger der Haganah an, der jüdischen militärischen Untergrundorganisation. Als General und Politiker der nationalkonservativen Likud-Partei galt er vielen als »Bulldozer«, der mit »eiserner Faust« gegen die Palästinenser vorging. Während seiner Amtszeit als Ministerpräsident (ab März 2001) entwickelte sich Sharon zu einem konstruktiven Verhandlungspartner. Im Widerspruch zu seiner einstigen Haltung legte er 2003 den Plan für einen einseitigen Abzug der israelischen Siedler aus dem Gazastreifen und Teilen des Westjordanlands vor, der dann auch vollzogen wurde. Der »Bulldozer« schien sich zum kompromissbereiten Realisten gewandelt zu haben, Kritiker sahen darin allerdings nur ein Ablenkungsmanöver. Mit 77 Jahren fiel Sharon nach einem Schlaganfall am 4. Januar 2006 ins Koma.  


Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Ariel Sharon [8:49]

Hochgeladen am 31.01.2009
A biography of Ariel Sharon before his stroke.
http://www.israelidag.no/

Montag, 24. Februar 2014

Heute vor 221 Jahren – 24. Februar 1793: Die ersten demokratischen Wahlen auf deutschem Boden

In der Mainzer Republik, einer französischen Tochterrepublik, finden demokratische Wahlen zum Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent statt. Es handelt sich um das erste nach demokratischen Prinzipien gewählte Parlament auf deutschem Boden. Wahlberechtigt ist jedoch nur die männliche Bevölkerung.

Unabhängigkeitserklärung der Rheinisch-
Deutschen Republik vom 18.03.1793
(Stadtarchiv Mainz) [Quelle: Landeshauptarchiv Rheinland-Pfalz]
Am 23. Oktober 1792, zwei Tage nach der Kapitulation der Festung Mainz, bildete sich nach dem Vorbild des Pariser Jakobinerklubs die "Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit". Unter französischem Schutz entwickelten ihre Mitglieder eigenständige politische Pläne. Sie korrespondierten mit den Klubs in Straßburg und Savoyen, das bereits die Vereinigung mit Frankreich anstrebte. Auch die deutschen DemokratInnen blickten hoffnungsvoll über den Rhein. Noch ehe in Paris über eine Verschiebung der Landesgrenzen nach Westen diskutiert wurde, forderte der Mainzer Klub die Rheingrenze. Mittelfristig sollte sich die Region also dem Mutterland der Freiheit anschließen, denn es war klar, daß die zwei denkbaren Alternativen utopisch waren: eine Revolution im gesamten Reich, bzw. ein zweiter deutscher Staat. Kurzfristig aber wurde er errichtet. Wann die Mainzer Republik begann, ist schwer zu sagen. Es ist üblich, ihre Dauer von der Klubgründung an zu rechnen, um ihren politischen Charakter zu betonen. Administrativ bildete sie sich erst später. Gegen Ende des Jahres wurden Wahlen vorbereitet, die dem entstehenden Gebilde demokratische Fasson gaben. In Mainz und in den Landgemeinden und -städten sollte ursprünglich sogar über die Staatsform abgestimmt werden, einschließlich der Möglichkeit, sich für das alte Feudalsystem zu entscheiden. Angesichts der wackeligen militärischen Lage setzten die französischen "Militärberater" die Zwangsdemokratisierung durch. Nun blieb nur zu entscheiden, wer in das erste deutsche Parlament gewählt wurde.

Über 400 Mitglieder zählte der Klub auf dem Höhepunkt seiner Arbeit, zu ihnen zählten Professoren, Kaufleute ebenso wie Angehörige der Unterschichten und Landleute. Für sie vor allem waren pädagogische Vorträge Georg Wedekinds gedacht, deren Lehrstoff Freiheit, Gleichheit und Demokratie waren. Groß war die Zahl der Flugschriften, die ihre Botschaften auch poetisch verkleideten, es entstanden Lieder, Gedichte und republikanische Gebete. Das "Trinklied der freien Mainzer" parodierte ein Rheinweinlied von Matthias Claudius: "Nun kränzt mit Laub den liebevollen Becher,| Und trinkt ihn fröhlich leer,| Denn unser Vaterland, ihr lieben Zecher,| Drückt kein Despote mehr!"

Von den Wahlen zum rheinisch-deutschen Nationalkonvent blieben die Territorien der neutralen Kurpfalz ausgenommen, sodaß sich die Republik aus zersplitterten Herrschaftsgebieten zusammensetzte. Orte, in denen die Revolution begeisterte Zustimmung fand lagen solchen benachbart, die sie strikt ablehnten.


Christoph Danelzik-Brüggemann (Verfasser)
gefunden bei huegelland.net

Freiheitsbaum mit Jakobinermütze in der Mosellandschaft an der Grenze zwischen dem Herzogtum Luxemburg und der Französischen Republik mit dem Ort Schengen im Hintergrund; Aquarell über Feder- und Bleistiftzeichnung von J. W. Goethe (1792) [gefunden bei Wikipedia; auf dem Schild steht auf französisch: »Vorbeigehende, dieses Land ist frei.«]

siehe auch:
- Mainzer Republik : Sie gingen voran (Norbert Lammert, ZEIT Online, 21.03.2013)
Heute vor 220 Jahren – 24. Februar 1793: Die Wahlen zum Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent (Post, 24.02.2013)

mein Kommentar:
Mit dem Vorangehen ist das so eine Sache. Das Vorangehen ist keine Entscheidung, die willentlich getroffen wird. Wer vorangeht, kann nicht anders! Wer vorangeht, dem bläst der Wind voll ins Gesicht! Die Beifall klatschen, haben den Sturm im Windschatten überstanden.

aktualisiert am 23.09.2014