Dienstag, 27. Mai 2014

Leseempfehlungen für den 27. Mai 2014

- Braunschweig: Stadt muß Verdopplung der Schulden durch Privatisierung einräumen (piratenwirken.de, 06.06.2013)
Wie der Braunschweig-Spiegel berichtet, ist es dem Piraten Ratsherren Schicke-Uffmann gelungen die Folgen der Privatisierung der Braunschweiger Stadtwerke transparent zu machen. Zu dieser gibt es ein, methodisch zweifelhaftes (also schöngerechnetes), Gutachten der KPMG-Gruppe (die die Privatisierung für die Stadt durchgeführt hat), das zu dem Schluss kommt, die Stadt hätte durch diese einen Vorteil von 242 Millionen Euro erlangt. Durch die Nachfragen von Schicke-Uffmann musste die Stadt nun einräumen, dass dieser Vorteil real nicht vorhanden ist. Vielmehr verdoppelt sich durch die Privatisierung die rechnerische Schuldenlast der Stadt der nächsten 100 Jahre sogar von 18 Milliarden Euro auf 36 Milliarden Euro. (Angaben nicht inflationsbereinigt)

siehe dazu auch 
- Water Makes Money - Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen (Roths Splitter, 16.02.2013)

- Der geschmierte Pleitegeier (Telepolis, 25.05.2014)
Städte und Gemeinden stehen am Abgrund.Eine Demokratie haben wir schon lange nicht mehr - Teil 26 
Die repräsentativen Demokratien vertreten nicht mehr die Interessen ihrer Völker. Das hat übrigens auch eine aktuelle Studie der Princeton University für die USA festgestellt. Ihr politischer Apparat entfaltet eine Eigendynamik, bei der die Bevölkerung nur noch als Anzapfquelle taugt. Am schmerzhaftesten ist das in den Städten und Gemeinden spürbar. Wenn deren Finanzen ruiniert sind, spürt das jeder einzelne Bürger: Schulen und Kindergärten verfallen, Schwimmbäder müssen schließen, marode Straßen und Brücken werden nicht mehr repariert, Museen, Theater, Bibliotheken werden geschlossen, Sportanlagen kommen herunter. Das Personal schrumpft, dafür aber steigen die Gebühren. Der Alltag aller Bürger wird bei sinkender Leistungsqualität immer teurer.

- Mehr Konfrontation auf dem geopolitischen Schachbrett (Telepolis, 27.05.2014)
Wer profitiert von einer neuen Ära der Angst gegenüber Russland? 
Obama wollte eine neue Ära der Zusammenarbeit mit Russland. Das Gegenteil ist eingetreten, scheinbar provoziert durch das Fehlverhalten Russlands die Krim zu annektieren. Doch wie viel Einfluss haben neokonservative Kräfte, außerhalb und innerhalb des US-Außenministeriums, auf die Krise in der Ukraine, und wie steht Obama dieser Entwicklung gegenüber? 

- „Die Zukunft ist offen und gestaltbar“ (der Freitag, 26.05.2014)
Nachruf Am 18. Mai 2014 starb in München der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr im Alter von 84 Jahren. Mit ihm ging ein Riese des Geistes von uns.  



- Zum Tod von Hans-Peter Dürr – Der Unbequeme (FAZ, 19.05.2014) 
Er war ein Schüler von Werner Heisenberg, hat seine Doktorarbeit bei Edward Teller, dem Vater der Wasserstoffbombe, geschrieben. Der Querdenker und Träger des alternativen Nobelpreises ist im Alter von 84 Jahren gestorben.

siehe auch: Hans-Peter Dürr über Hannah Arendt (Roths Splitter, 01.03.2013)

- Alle Macht von oben (der Freitag, 27.05.2014)
Vermögen Wie schaffen es die Superreichen bloß, dass ihnen keiner etwas kann? Jens Berger versucht, das in "Wem gehört Deutschland" zu erklären

- Ägypten – Die Militärdiktatur und die Generation Revolutionsburnout (Cicero, 23.05.2014) 
Bei den Präsidentschaftswahlen in Ägypten am heutigen Montag gilt Ex-Feldmarschall Abdel Fattah Al-Sisi als aussichtsreichster Kandidat. Die einen lieben ihn, weil er hart durchgreift. Doch die Jugend ist frustriert vom Comeback der Militärdiktatur. Das Land ist tief gespalten

- Europäische Union – Deutsche mehrheitlich gegen EU-Beitritt der Türkei (ZEIT Online, 27.05.2014)
In Deutschland sinkt die Akzeptanz für einen EU-Beitritt der Türkei. Vor neun Jahren waren etwa 50 Prozent dagegen – inzwischen sind es mehr als zwei Drittel. 

- Universität Manchester – Die Generation Finanzkrise will Alternativen (ZEIT Online, 26.05.2014)
Universität Manchester Die Generation Finanzkrise will Alternativen Die Post-Crash Economics Society will Konsequenzen aus der Finanzkrise ziehen und die Lehrpläne für Volkswirte revolutionieren. Doch jetzt wehrt sich das Establishment. 

- Sozialverhalten – "Steht dir super!" Warum belügen wir auch unsere engsten Freunde? (ZEIT Online, 27.05.2014)
Die Sache mit der Wahrheit. Die Sache mit der Freundschaft. Dazwischen ist viel Platz. Auch für ein paar hilfreiche Anmerkungen von Wissenschaftlern. 
siehe dazu auch:
- Psychologie – "Lügner sind sympathisch" (ZEIT Online, 17.05.2012)
Der Psychologe Robert Feldman erforscht unser ambivalentes Verhältnis zur Wahrheit: Warum Ehrlichkeit unbeliebt macht und Flunkerer besonders erfolgreich sind, sich kaum jemand für eine Lüge schämt – und Bill Clinton heute als besonders glaubwürdig gilt.

- Patriot und Realpolitiker (junge Welt, 27.05.2014)
Am Sonntag ist der letzte Präsident der Volksrepublik Polen, Wojciech Jaruzelski, verstorben

Kommentar von mir:

Jaruzelski ist für mich der am meisten unterschätzte und mißverstandene Politiker der Nachkriegszeit, der aus meiner Sicht für Polen ähnlich viel getan hat wie Lech Wałęsa. Er hatte die undankbare Aufgabe, den Bösen zu spielen, um die Sowjets von einer militärischen Intervention abzuhalten.

- HIER konkret Interview mit Jutta Dithfurth zu den Montagsdemos (konkret-magazin, 6/2014)
Immer wieder montags versammelt sich seit einigen Wochen in vielen Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz eine neue »Friedensbewegung«. Was hat es mit der auf sich? KONKRET sprach darüber mit Jutta Ditfurth, Soziologin und Autorin  

- Büropsychologie – Hauptsache, Sie sehen kompetent aus (SPIEGEL ONLINE, 26.05.2014) 
Auf Chefetagen reden Menschen gern über Dinge, von denen sie keine Ahnung haben. Doch keine Sorge - auch Sie können Ihr Publikum trotz überragenden Nichtwissens beeindrucken. Sie sollten zuvor nur über Ihr Outfit nachdenken.
 
- Jugend in Indien: Wir sind die Hungrigen (SPIEGEL ONLINE, 26.05.2014)
Korruption, Missbrauch, Armut: Nach der Wahl von Narendra Modi hoffen viele Menschen in Indien auf einen Wandel. Hier berichten drei junge Inder, was sie sich für ihr Leben erträumen und was sich im Land verändern muss.

- Franzose in Tokio – "Der deutsche Feierabend hat mich gerettet" (SPIEGEL ONLINE, 27.05.2014) 
Wirtschaftsprüfer Emmanuel Thierry ist Franzose, seine Frau Deutsche, sein Sohn kam in New York zur Welt. Heute lebt die Familie in Tokio. Und erlebt einen Alltag mit Fukushima, peinlichen Verbeugungen im Büro und sehr deutschen Abenden.

- Schule – Die Illusion mit der Inklusion (FAZ, 24.05.2014)
Es ist ein hehres Ideal: Kinder mit und solche ohne Behinderung sollen gemeinsam unterrichtet werden. Doch Lehrer und andere Fachleute sagen: Das hilft keinem der Schüler wirklich.  

- Marine Le Pens Front National – Der Camembert-Faschismus (FAZ, 27.05.2014)
Wie Marine Le Pen es geschafft hat, den politischen und kulturellen Diskurs in Frankreich zu dominieren - und was man dagegen tun kann.

- Verurteilte Christin im Sudan – Todeskandidatin bringt Tochter zur Welt (n-tv, 27.05.2014)
Der Fall sorgt international für Empörung: Eine schwangere Christin wird im Sudan zum Tode verurteilt. Nun bekommt sie im Gefängnis ihr Kind - eine Tochter namens Maya. Mit der Geburt beginnt für die Frau eine tödliche Frist.  

- Staatsgeld in der Finanzkrise – Wer unbemerkt von der Bankenrettung profitierte (Süddeutsche, 27.05.2014) 
Nicht alle Banken haben im Zuge der Finanzkrise Staatsgeld bekommen. Aber profitiert haben sie alle: Allein bei der Deutschen Bank standen zehn Milliarden Euro auf der Kippe - die ohne den Staat weg sein könnten. 


 

Montag, 26. Mai 2014

Wer hat Angst vor Harald Schmidt? | SRF Sternstunde Philosophie

Wer hat Angst vor Harald Schmidt? | SRF Sternstunde Philosophie {55:58}

SRF Kultur
Am 26.05.2014 veröffentlicht
Wer hat Angst vor Harald Schmidt? Die Kultfigur unter den deutschen Entertainern, Harald Schmidt, hat kürzlich den -- vorläufigen -- Abschied vom Fernsehen gegeben. Der Zyniker vom Dienst kennt das Fernsehen wie kein anderer. Mit Gastmoderator Charles Lewinsky spricht er über die Grenzen des Humors und die Zukunft des Fernsehens.
http://www.srf.ch/kultur/gesellschaft...
http://www.srf.ch/kultur
#srfsternstunde #haraldschmidt
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Heute vor 225 Jahren – 26. Mai 1789: Schillers berühmte Antrittsrede in Jena

Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?

Im Mai 1789 hielt Friedrich Schiller (1759-1805) seine Antrittsvorlesung als Historiker der Universität Jena. Der Autor des äußerst erfolgreichen Theaterstücks »Die Räuber« (1782) war besonders bei der studentischen Jugend ungemein populär und beliebt. So versetzte schon die Ankündigung der Vorlesung die Jenaer Studenten in Begeisterung. Kaum einer der 800 Studenten wollte sich den Auftritt des philosophischen Freigeistes entgehen lassen. Der vorgesehene Hörsaal war schließlich derart überfüllt, dass Schiller die Veranstaltung in einen größeren Saal verlegen musste. 

Schiller auf dem Wege zu seiner Antrittsvorlesung in das Griesbachhaus
Ein Gemälde von Erich Kuithan [Quelle: Uni Jena]
Das Griesbachsche Haus am Löbdergraben um 1830,
in dessen Anbau Schiller seine Antrittvorlesung hielt.
[Quelle: Uni Jena]

Die Antrittsrede geriet zu einem großen Triumph und endete mit Vivat-Rufen der Hörerschaft. Dabei war Schiller von der Aussicht auf eine Professur in Geschichte gar nicht hingerissen gewesen. Zwar hatte er bereits eine viel beachtete historische Studie veröffentlicht, doch eigentlich war er Philosoph und unsicher, ob er den Ansprüchen gerecht werden könne. Auch die Einordnung in den akademischen Betrieb erfüllte ihn nicht mit Vorfreude auf das Amt. So bekannte er einem Freund, er würde eine reiche Heirat der einträglichen Professur vorziehen, denn dann könne ihn »die Akademie in Jena im Arsch lecken«. 


Psychologisches Institut im Griesbachhaus [Quelle: Uni Würzburg]
Gedenktafel [Quelle: Uni Würzburg]

Harenberg Abenteuer Geschichte 2014


Schiller - Ein Rebell greift nach den Sternen - 1v3 - Eines Freundes Freund zu sein [52:24]

Friedrich Schiller (1/4) [10:46, Einbetten auf Anfrage deaktiviert]

Sonntag, 25. Mai 2014

Best of Triumvirat

Triumvirat galt als das deutsche Pendant zu Emerson, Lake Palmer. Beide Gruppen schafften aber den Schritt zum Mainstream – wie ihn Genesis und Pink Floyd hinlegten – nicht.
Kopf der Gruppe war Jürgen Fritz

Dance on the Vulcano (Pompei, 1977)

Across the Waters (Mediterranean Tales, 1972)


Mit »Spartacus« (ein programmatisches Album wie »Pictures of an Exhibition von ELP) und »Old Loves Die Hard« erreichten Triumvirat ihre Höhepunkte

March to the Eternal City (Spartacus, 1975)


I Believe (Old Loves Die Hard, 1976)


The History of Mystery (Old Loves Die Hard, 1976)




Panic on 5th Avenue (Old Loves Die Hard, 1976)


Dann gab’s Streit, »Pompei« trug auf dem Cover den Bandnamen »New Triumvirat«, und ich empfand die Platte als aufgeblasen. Die beiden folgenden LPs – peinlich

For You (À la carte, 1978) ist auf Youtube sehr beliebt



Und auf »Russian Roulette« klangen sie Supertramp-artig, eigentlich ganz gefällig.
Russian Roulette


Roxy


Das darauffolgende Online-Projekt schlief ein…

Für den erstaunlichen Science-Fiction-Film von Peter Fleischmann »Es ist nicht leicht ein Gott zu sein« (1991) schuf Jürgen Fritz die Musik

Es ist nicht leicht ein Gott zu sein, Director’s Cut


aktualisiert am 07.11.2014


Samstag, 24. Mai 2014

Leseempfehlungen fürs Wochenende – 24./25. Mai 2014

- Wie Starbucks den deutschen Staat austrickst (Welt, 21.05.2014)
Die Umsätze des Kaffee-Riesen in Deutschland steigen. Der Staat aber hat wenig davon. Denn wie viele internationale Konzerne nutzt Starbucks eine Reihe gewiefter Tricks, um Steuern zu sparen.

- Libyen: Staatsstreich ohne Staat (Telepolis, 25.05.2014)
Mit seinem Staatsstreich versucht General Khalifa Hafter den weiteren Zerfall Libyens aufzuhalten. Doch selbst im Falle eines militärischen Erfolgs würde dem Land eine staatliche Struktur zur Neugestaltung fehlen

- Demokratie und Kapitalismus in der Vertrauenskrise (Telepolis, 25.05.2014)
Die Krise von Demokratie und Kapitalismus ist eine philosophische: Die Bürger fühlen sich ihren Systemen zunehmend entfremdet, weil sie sie mit veralteten Maßstäben messen. Längst leben wir in einem nüchternen Pragmatismus

- Nix los in Monterey (junge Welt, 24./25.05.2014)
Schieferölblase ausgeblubbert: US-Energieagentur senkt Prognose beim bislang als größtes Vorkommen bezeichneten Feld in Kalifornien um 96 Prozent

- Geheim-Verhandlungen: Wasser soll weltweit privatisiert werden (Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 25.05.2014)
Unbemerkt von der Öffentlichkeit haben 2012 weltweite, geheime Verhandlungen zur weitgehenden Deregulierung der Wasserversorgung, der Energieversorgung, des Finanz-, Gesundheits- und Bildungswesens begonnen. Sollten sie erfolgreich sein, wird es zu weitreichenden Privatisierungen kommen. Der Protest der Bürger, etwa gegen die Privatisierung von Wasser würde ins Leere laufen. 

siehe dazu auch 
- Water Makes Money - Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen (Roths Splitter, 16.02.2013)

- Vermögen – Wie zu Kaisers Zeiten: Die Gesellschaft zerfällt in zwei Klassen (Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 25.05.2014)
Das Vermögen konzentriert sich immer stärker in privatem Reichtum einer kleinen Gruppe der Bevölkerung. Um so länger Einkommen immer wieder zur Seite gelegt werden muss, um Vermögen zu bilden, umso weniger materielle Aufstiegsmöglichkeiten gibt es in der Gesellschaft. So wird Vermögen nur durch Zinsen statt aus Arbeit gebildet. Offensichtlich braucht es Kriege, große Krisen oder gar Revolutionen, um diese Entwicklung zu unterbrechen oder auch nur zu verlangsamen. 

- Rohstoffe – Anklage: US-Banken haben Zinkpreis manipuliert (Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 25.05.2014)
Goldman Sachs, JPMorgan und die Metallhandelsbörse in London manipulieren seit vier Jahren die Zinkpreise, so der Vorwurf der Anklage. Die Preise für Zink sind wie die für Aluminium in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 

- Banken – Euribor: Der nächste Banken-Skandal wegen Manipulationen (Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 25.05.2014)
Die EU wirft drei Großbanken vor, den Euribor-Zinssatz manipuliert zu haben. Damit steht der Finanz-Industrie der nächste große Skandal ins Haus. Auffällig: Bisher wurde trotz aller Skandale niemand bestraft. Offenbar wollen Regierungen und Banken gemeinsam so weitermachen wie bisher. 

- Atom-Energie – Japan: Gericht verbietet Inbetriebnahme von Atomreaktoren (Deutsche Wirtschafts Nachrichten, 25.05.2014)
Ein japanisches Gericht hat die Wiederinbetriebnahme eines AKW in Tokio verboten. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurden alle Kernkraftwerke aus Sicherheitsgründen abgeschaltet. Zugleich wird in Fukushima Grundwasser aus dem Atomkraftwerk in den Pazifik gepumpt. 

- NSA-Enthüllungen – Edward Snowden erwägt offenbar Rückkehr in die USA (ZEIT, 25.05.2014)
Mittelfristig wolle sein Mandant in sein Heimatland zurückkehren, sagt der deutsche Anwalt des Whistleblowers Edward Snowden. Es werde bereits mit US-Behörden verhandelt. 

- 6 Dinge, die ich während meiner Ehe verloren habe (Huffington Post, 25.05.2014) 
Ich habe jung geheiratet, ich war gerade erst fertig mit dem College. Es war nicht sofort nach meiner Scheidung, sondern viel später in meinen Leben, als ich komplett realisierte, was ich während meiner 23-jährigen Ehe alles verloren hatte. 

- Biermann nennt Putin "kleingläubigen Macho" und "Feigling in Judo-Jacke" (Huffington Post, 24.05.2014)
Der Liedermacher Wolf Biermann hat noch nie den Mund gehalten, wenn er fand, dass etwas so richtig schief läuft in der Politik. In der DDR hat er deswegen einen Maulkorb verpasst bekommen vom Regime, ein totales Auftritts- und Publikationsverbot, später wurde er ausgebürgert. 
 Jetzt hat sich Biermann den russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgenommen, im Interview mit der "Welt". "Putin ist der Faschist", sagte der 77-Jährige. "Putin handelt mehr und mehr totalitär gegen sein eigenes Volk und in der globalen Machtpolitik." 

- Völlig abgehoben. Und abgeschottet: Kim Kardashians Superhochzeit (Huffington Post, 24.05.2014, die Feier soll 21 Millionen Dollar gekostet haben)
Mein Schloss, meine Festung, meine Hochzeit: Nach einem pompösen Fest in Versailles haben Rapper Kanye West (36) und Fernsehsternchen Kim Kardashian (33) ihre Hochzeitsfeier der Superlative in Italien fortgesetzt. Mit Privatflugzeugen kamen das US-Paar und viele Gäste am Samstag in Florenz an und checkten in Luxus-Hotels ein, wie italienische Medien berichteten. Am Abend sollten sich die beiden in der historischen Festung Forte Belvedere in der toskanischen Stadt vor rund 200 ausgewählten Gästen das Jawort geben. 

- Netzvideoschau: Das frivole Versprechen zweier Pfadfinderinnen und Frauen reiten Sexspielzeug für guten Zweck (Huffington Post, 24. und 09.05.2014)
24.05.: Von einer Bowlingkugel bestraft, eine virale Jam-Session, ein Unterwasser-Truck, ein Baseball-Fan punktet doppelt, eine Champagner-Taufe, ein Schiedsrichter auf Tuchfühlung und ein frivoles Versprechen zweier Pfadfinderinnen. Das alles ist in der Netzvideoschau der Kollegen von FOCUS Online geboten. Viel Spaß mit den lustigsten Internet-Clips der Woche!
09.05.: Eine Charity-Aktion mit Sexspielzeug, ein unvorhersehbarer Katzenunfall, das ekelige Geheimnis süßer Teigröllchen, eine Mega-Wasserrutsche und die witzigste Fahrstuhlfahrt deines Lebens. Das alles ist in der Netzvideoschau der Kollegen von Focus Online geboten. Viel Spaß mit den lustigsten Internet-Clips der Woche!

- Schutz von Patienten: Kassen streiten mit Ärzten über Klinikqualität (SPIEGEL, 25.04.2014)
Wie lange hält ein künstliches Kniegelenk? Wie groß ist das Infektionsrisiko in einer Klinik? TK, Barmer, DAK und Co. machen vor den Bund-Länder-Verhandlungen Front gegen schlechte Abteilungen. 

- Microsoft wehrt sich erfolgreich gegen Herausgabe von Kundendaten ans FBI (ZDNet, 23.05.2014)
Microsoft hat vor Gericht erfolgreich gegen einen vom FBI zugestellten National Security Letter (NSL) geklagt, der es zur Herausgabe von Daten aufforderte. Das geht aus gestern von einem US-Bundesgericht in Seattle entsiegelten Unterlagen (PDF) hervor. 

- Umfrage: Jeder Zweite sieht Grundrechte durch Überwachung verletzt (heise News, 23.05.2014)
Fast ein Jahr ist es her, dass erste Snowden-Enthüllungen den NSA-Skandal ins Rollen gebracht haben. Ein aktuelle Umfrage zeigt: Die Empörung der Menschen in Deutschland ist nach wie vor groß, ihr Verhalten haben aber nur wenige geändert. 

- Bund sichert überraschend Mailtransport per DANE ab (heise News, 23.05.2014)
Das zeigt eine kurze Analyse mit gängigen Linux-Tools. Der Schritt kommt überraschend und steht in auffälligem Kontrast zur Werbe-Kampagne der Initiative "E-Mail made in Germany". 

- Pro- oder anti-russisch? (Ossietzky-Net, 11/2014)
In diesen Wochen haben uns die tonangebenden Medien ein neues Wort beigebracht: »pro-russisch«, ähnlich abfällig gebraucht wie »Putin-Versteher«. Für den russischen Präsidenten sollen wir gefälligst kein Verständnis aufbringen, Feindseligkeit wird gefordert. Konfrontation. Mit Putin soll sich niemand mehr an einen Tisch setzen. Er soll bestraft werden, möglichst schmerzhaft. Und alle Deutschen sind verpflichtet, zu den Sanktionen beizutragen – auch wenn wir uns dadurch selber schaden. 

Freitag, 23. Mai 2014

Brand eins 5/2014 – Die Welt in Zahlen

Die Welt in Zahlen



Ausfuhr deutscher Waren nach China 2013, in Milliarden Euro   67
Ausfuhr deutscher Waren in die Niederlande 2013, in Milliarden Euro   71,1


Anteil der 18- bis 29-Jährigen, denen die regionale Herkunft von Produkten beim Einkauf sehr wichtig ist, in Prozent   0,9
Anteil der 30- bis 49-Jährigen, denen die regionale Herkunft von Produkten beim Einkauf sehr wichtig ist, in Prozent   17,5
Anteil der deutschen Internetnutzer, die sagen, sie könnten ohne das Internet nicht leben, in Prozent   19
Anteil der indischen Internetnutzer, die sagen, sie könnten ohne das Internet nicht leben, in Prozent   45


Summe, die Marilyn Monroes Erben mit dem Nachlass im Jahr 2013 verdient haben, in Millionen Dollar   15
Summe, die Bob Marleys Erben mit dem Nachlass im Jahr 2013 verdient haben, in Millionen Dollar   18
Summe, die Elizabeth Taylors Erben mit dem Nachlass im Jahr 2013 verdient haben, in Millionen Dollar   25
Summe, die Michael Jacksons Erben mit dem Nachlass im Jahr 2013 verdient haben, in Millionen Dollar   160


Asylbewerber pro 1000 Einwohner in Deutschland   1,6
Asylbewerber pro 1000 Einwohner in der Schweiz   2,7
Asylbewerber pro 1000 Einwohner in Schweden   5,7


Empfohlener Verkaufspreis für eine Playstation 4 in den USA, in Dollar   400
Empfohlener Verkaufspreis für eine Playstation 4 in Großbritannien, in Dollar   581
Empfohlener Verkaufspreis für eine Playstation 4 in Brasilien, in Dollar   1717


Anteil der Menschen in Indien, die nicht immer genug Geld für Nahrungsmittel haben, in Prozent   16,3
Anteil der Menschen in den USA, die nicht immer genug Geld für Nahrungsmittel haben, in Prozent   21,1

Ich weiß ja nicht, wo die ihre Statistiken her haben, aber sie sind erst mal beeindruckend!

mehr von Brand eins:
- Der Erfinder und die Wahrheit

noch mehr

Donnerstag, 22. Mai 2014

Gleichberechtigung in Deutschland – so war’s

Gestern abend brachte das ARD einen Film über den Kampf von Elisabeth Seilbert im von den Alliierten eingesetzten Parlamentarischen Rat, der ein Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland erarbeiten sollte.
Die konstituierende Sitzung des Rates – wie auch alle weiteren Sitzungen – fand am 1. September 1948 in der Pädagogischen Akademie, dem späteren Bundeshaus, in Bonn statt. Dem Rat gehörten 65 stimmberechtigte Mitglieder aus den westlichen Bundesländern sowie fünf nicht stimmberechtigte Mitglieder aus Berlin an.
Eine der vier »Mütter des Grundgesetzes« (im Rat saßen 61 Männer) war Elisabeth Selbert, deren Lebensgeschichte sich wie ein Kriminalroman liest:

Da der Besuch eines Gymnasiums nicht bezahlbar war, wurde sie schließlich Postbeamtenanwärterin im Telegrafendienst der Reichspost, wie sie auch ihren späteren Ehemann kennenlernte, der sie mit der Politik in Berührung brachte. Im Oktober 1920 ging sie als Delegierte zur ersten Reichsfrauenkonferenz nach Kassel. 1920 heiratete sie und setzte trotz zweier Kinder und beruflicher Tätigkeit ihre politische Arbeit fort. (alle weiteren Zitate aus Wikipedia)

Im Selbststudium bereitete sich Selbert auf das Abitur vor, das sie 1925 an der Luisenschule in Kassel als Externe nachholte. Danach studierte sie zunächst an der Universität Marburg als einzige Frau Rechts- und Staatswissenschaften. Kurz darauf wechselte Selbert an die Universität Göttingen. Hier war sie unter den etwa 300 Studenten eine von fünf Frauen. Selbert selbst störte der Männerüberhang angeblich wenig, aber ihre Professoren schienen manchmal überfordert. Elisabeth Selbert und ihre Kommilitoninnen wurden beispielsweise gebeten, den Hörsaal zu verlassen, wenn der Professor über Sexualdelikte sprach. Nach nur sechs Semestern schloss sie ihr Studium mit Auszeichnung ab.
Elisabeth Selbert promovierte 1930 mit dem Thema Zerrüttung als Ehescheidungsgrund. [Hervorhebung von mir] Bereits damals kritisierte sie das Schuldprinzip, das Frauen bei der Scheidung häufig rechtlos stellte. Sie trat für eine „Entgiftung“ des Scheidungsprozesses ein und forderte ein Zerrüttungsprinzip. Sie war damit ihrer Zeit weit voraus. Ihre Vorschläge wurden erst in der Bundesrepublik Deutschland mit der Eherechtsreform von 1977 aufgegriffen und umgesetzt.
In der Reichstagswahl 1933 kandidierte Selbert auf der hessischen Landesliste für den Reichstag. Der Einzug ins Parlament scheiterte aber wegen der Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Zeit des Nationalsozialismus

Bereits in der Anfangszeit der nationalsozialisten Herrschaft verlor Adam Selbert seine Arbeit und wurde in „Schutzhaft“ genommen. Elisabeth Selbert legte 1934 das zweite Staatsexamen ab und stellte kurz darauf, von ihrem Mann gedrängt, den Antrag auf Zulassung zur Anwaltschaft.
Eile war geboten, denn die Nationalsozialisten versuchten, Frauen vollständig aus allen juristischen Berufen zu drängen. Der überzeugte Nationalsozialist Otto Palandt, der zuvor Präsident des Landgerichts in Kassel war, wurde Präsident des Reichsjustizprüfungsamtes und damit zuständig für die Juristenausbildung und Zulassung zu juristischen Berufen. Am 22. Juli 1934 trat die neue Justizausbildungsverordnung und am 20. Dezember 1934 das Gesetz zur Änderung der Rechtsanwaltsordnung in Kraft. Es besagte, dass Frauen als Anwälte nicht mehr zugelassen waren, weil das einen „Einbruch in den altgeheiligten Grundsatz der Männlichkeit des Staates“ bedeute. Von 1935 an wurden nur noch Anträge männlicher Bewerber auf Zulassung zur Rechtsanwaltschaft genehmigt.
Auch Selbert sollte zunächst abgelehnt werden, wurde aber gegen den Willen des nationalsozialistischen Präsidenten, gegen das Votum der Rechtsanwaltskammer und gegen die Entscheidung des Gauleiters und des NS-Juristenbundes am 15. Dezember 1934 am Oberlandesgericht zugelassen. Es waren zwei ältere Senatspräsidenten, die sich für Selbert einsetzten und in Vertretung für den im Urlaub befindlichen Oberlandesgerichtspräsidenten ihre Zulassung unterschrieben. So konnte Elisabeth Selbert 1934 ihre anwaltliche Praxis eröffnen. Da ihr Mann bis 1945 erwerbslos blieb, ernährte sie nun allein die Familie.


Elisabeth Selbert und Friederike (Frieda) Nadig (beide SPD) setzten gegen anfangs heftigen Widerstand, auch aus eigenen Reihen, die Aufnahme des Art. 3 Abs. 2 „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ in das bundesdeutsche Grundgesetz durch. (Wikipedia)


Wikimannia kritisiert:
In der Weimarer Verfassung waren Frauen gleichberechtigt und gleichverpflichtet. Heute sind sie nur noch gleichberechtigt.
Der Artikel 109 der Weimarer Verfassung, zweiter Satz, lautete wie folgt: 
Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.
Auf Betreiben von Elisabeth Selbert wurde dieser Text auf folgenden Wortlaut verkürzt:
Männer und Frauen sind gleichberechtigt. (Art. 3 Abs. 2 GG) 
Nun ist nur noch von gleichen Rechten, aber nicht mehr von Pflichten die Rede. Eine Mehrverpflichtung von Männern (siehe Unterhaltsmaximierungsprinzip) ist somit also nicht gegen das deutsche Grundgesetz. (Wikimannia)

Aber das soll die Leistung dieser Frau nicht schmälern! (Im Nachhinein – siehe die unselige Grünen-Pädophilie-Debatte – wissen wir’s natürlich immer besser!)

mehr über Elisabeth Selbert:
- bei Deutsche Biographie 
- bei 150 Jahre SPD
- bei Meinhard privat
- Die Mutter der Gleichberechtigung (ZEIT Online, 15.05.2009)

»Sternstunde ihres Lebens« in der ARD-Mediathek

Viele Dialoge können heute nur noch Kopfschütteln hervorrufen. Im Film befürchteten zwei Frauen »Sodom und Gomorrha«, wenn sich Selberts Vorstellungen durchsetzen würden.

- Rezension bei Deutschlandradio: Gleichberechtigung – Die Mutter des Grundgesetzes
- Rezension im SPIEGEL: Iris Berben als Mutter des Grundgesetzes: Der entscheidende Dreier
- Interview mit Iris Berben: „Trotzdem bewegt sich nichts“ (Tagesspiegel)
 

Mittwoch, 21. Mai 2014

"Colors of Math" - ein Film von Ekaterina Eremenko

"Mathematik als sinnliche Erfahrung - das verspricht der Dokumentarfilm "Colors of Math". Die russische Regisseurin Ekaterina Jeremenko verbindet die Welt des Sehens, Hörens, Riechens, Schmeckens und Tastens mit derjenigen der Zahlen. Das Wesen der Mathematik, dargestellt anhand der fünf Sinne - ein Schachzug, der am Ende aufgeht." (Moskauer Deutsche Zeitung)

Mathematik kann sinnlich sein: "Colors of Math" (Schattenblick, 29.05.2014)


трейлер фильма с рабочим названием "Чувственная математика" / англ. "Colors of Math". В фильме снимались: Максим Концевич, Жан Мишель Бисмут, Цедрик Виллани, Анатолий Фоменко, Ади Ранган и Гюнтер Циглер.

Video der Pressekonferenz (Einbetten deaktiviert)



Filmbeschreibung bei der TU München
Kurzinformation beim Karlsruher Institut für Technologie

Ausstellungspräsenz ix-quadrat (Ausstellung des Zentrums Mathematik an der TU München)



Montag, 19. Mai 2014

Arabischer Frühling – Die Revolution frißt ihre Kinder

Libyen – Abtrünnige Soldaten wollen Islamisten vertreiben (ZEIT Online, 19.05.2014)

Aus einem Kommentar von Der Schlaustehier zu einem weiteren Lybien-Artikel bei der Tagesschau:
»Die Lage in Libyen bleibt unübersichtlich:
Mit diesem Satz eröffnet der Artikel. Die "unübersichtliche Lage" wird aber recht gut an Hand dieses Artikels aufgelöst: Wir haben es in Libyen mit drei Akteuren zu tun:
1. islamistischen Milizen (in der Gut/Böse Bewertung dürften diese bei "Böse" einzuordnen sein)
2. Übergangs-Regierung
3. "Libysche Nationalarmee" von Chalifa Haftar
Bei den letzten beiden wird die Bewertung (Gut/Böse) etwas schwieriger aber auch auflösbar:
Beide sind eher auf der Seite der "Guten" (da beide gegen die "Bösen" (Islamisten) sind). Die Übergangsregierung tut lt. Haftar aber zu wenig, deshalb "erledigt" er es. Das wird von der Übergangsregierung als Putschversuch angesehen, von Haftar aber nicht so gesehen.
Die persönliche Beurteilung wer von den beiden Guten der Bessere oder Schlechte ist wird von der Frage abhängen, ob man Haftars Vorgegen im Kampf gegen Islamismus für nötig/angemessen erachtet oder nicht.«

Aus einem Kommentar von Mehrdimensional zu einem anderen Libyen-Artikel:
»Bilanz des Arabischen Frühlings:
Syrien: Bürgerkrieg, hunderttausende Tote, Diktator noch fest im Sattel, der "befreite" Teil des Landes wird zunehmend von Islamisten terrorisiert.
Ägypten: kurzes Schauspiel der Religiösen, bis sich die Mehrheit das Militär zurückwünschte, Wirtschaft am Boden, politisch nun gleicher Zustand wie unter Mubarak.
Libyen: Totales Chaos, permanente Bürgerkriegsgefahr, den meisten dürfte es wirtschaftlich erheblich schlechter gehen, Gefahr eines "failed states", ähnlich Somalia.
Tunesien: politisch relativ geordneter Prozess des Übergangs, andauerndes Wirtschaftswachstum. Die für ein islamisches Land relativ liberale Gesellschaft wird durch die Stärke der "moderaten" Islamisten von Ennahda, die vom Kalifat und der Befreiung Jerusalems schwafeln, jedoch stark gefährdet.«

Peter Scholl Latour rastet aus Syrien, Salafisten, Islam Der Talkshow Eklat [12:14]

Veröffentlicht am 05.09.2012

- Das Erste: ANNE WILL am 6. Juni 2012: Assad lässt Kinder töten - wie lange wollen wir noch zuschauen? (05.06.2012)
"Assad lässt Kinder töten - wie lange wollen wir noch zuschauen?" lautet das Thema bei ANNE WILL am Mittwoch, 6. Juni 2012, um 22.45 Uhr im Ersten.
Nach dem Massaker von Hula, bei dem über hundert Zivilisten, darunter viele Kinder, ums Leben kamen, zeigt sich der syrische Staatschef Baschar al-Assad unbeirrt. Nun hat die syrische Opposition den UN-Friedensplan von Kofi Annan für gescheitert erklärt. Es droht eine neue Eskalation der Gewalt. Die EU und Russland sind sich uneins über das weitere Vorgehen, und der französische Präsident Hollande denkt bereits über einen Militärschlag gegen Syrien nach. Auch in Deutschland werden Forderungen nach einer bewaffneten Intervention laut. Wie sollen wir uns angesichts der dramatischen Lage in Syrien verhalten?
Hierzu werden am 6. Juni bei Anne Will zu Gast sein:
Christian Springer (Kabarettist und Gründer von "Orienthilfe e.V.")
Jürgen Todenhöfer (Publizist)
Huberta von Voss-Wittig (Journalistin, Ehefrau des deutschen UN-Botschafters Peter Wittig)
Michael Wolffsohn (Historiker)
Theo Sommer (ehemaliger "Zeit"-Herausgeber, Journalist und Autor)
Julian Reichelt ("Bild"-Chefreporter)


Zitate Peter Scholl-Latour aus dieser Diskussionsrunde mit Anne Will:
- Der Titel dieser Sendung ist eine Vorwegnahme. Es ist eigentlich eine gehässige Formulierung. (»Assad läßt Kinder töten – wie lange wollen wir noch zuschauen?«, Diskussionsrunde vom 06.06.2012)
- Die Zeugenaussagen sind sehr einseitig.
- Die Freiheitskämpfer [in Libyen] benehmen sich genauso schlimm wie die Truppen Gaddhafis. […] Er ist gefoltert und gepfählt worden. Das sind die Methoden der Freiheitskämpfer. Man soll nicht so furchtbar einseitig schwarz-weiß denken und daran denken, daß der libanesische Bürgerkrieg 15 Jahre lang gedauert hat.
- Die Jungs, die da mit Facebook rumspielen, das sind Dilettanten.
- Um eine Revolution zu machen muß man Schläger haben und Ganoven haben und nicht irgendwelche jungen Leute, Idealisten.
- Dieses humanitäre Geschwafel bin ich leid.
- Wir werden da nicht 10.000 Tote haben in Syrien, wie jetzt, sondern wie in Algerien 200.000 Tote. (Mitte 2013 sprachen SPIEGEL und BILD übereinstimmend von 100.000 Toten in Syrien.)
(Theo Sommer sprach in dieser Sendung noch von 160.000 Toten im Irak. Eine US-Studie 2012: 500.000 Tote, Heutiger Stand [Schätzung IPPNW]: 1,5 Millionen)
- Ich komme doch noch mal auf die Religion zurück, verdammt nochmal. Es gibt 12 Millionen Alawiten dort [in Syrien]. Das ist eine Sekte, das sind keine Schiiten (Wikipedia rechnet sie den Schiiten zu), das ist sehr viel komplizierter. Und die Leute sind eingeschworen auf das Regime, die haben da die Schlüsselstellungen inne. Wenn die Salafisten siegen – das ist die Gegenkraft, […] dann werden die nicht nur ihre Posten und ihren Reichtum verlieren, die werden massakriert werden. Die Leute werden bis zum letzten kämpfen.
Anne Will: Ein militärisches Eingreifen – sehen Sie’s ähnlich risikolos wie Julian Reichelt?
Scholl-Latour [etwas fassungslos]:
- Wir haben den Afghanistan-Krieg verloren, wir haben im Irak 'n Krieg verloren. Wir sind aus Somalia abgehauen. Was soll man noch verlieren? Das mit Libyen, das ist total schiefgegangen.
- Wir haben das Kernproblem überhaupt nicht berührt, Frau Will! Das Kernproblem ist überhaupt nicht zur Sprache gekommen. Daß nämlich Syren das Bindeglied ist zwischen dem Iran und dem Libanon, und daß dieses Bindeglied herausgebrochen werden soll.
- Im Irak ist alles schiefgelaufen, und wir reden von einer neuen militärischen Intervention, da muß man doch verrückt sein…

Link zu einem Youtube-Video der gesamten Sendung:
Anne Will "Assad lässt Kinder töten - wie lange wollen wir noch zuschauen?"

Das Bild hängt schief - Erinnerungen an Loriot [3:14]


Hochgeladen am 26.08.2011
Mehr TV-Kult: http://www.youtube.com/playlist?list=...
Tags: Loriot Das Bild hängt schief Radio Bremen NDR Evelyn Hamann Wohnzimmer Einrichtung

siehe dazu:
Talkshow – Syrien-Spezial: Scholl-Latour attackiert Anne Wills ARD-Spezial zu Syrien mit dem suggestiven Titel Assad lässt Kinder töten (Daniel D, Kriegsberichterstattung, 06.06.2012)
Humanitäres Geschwafel oder intelligenter Krieg? (Stern, 07.06.2012)
- Kindermord bei Anne Will. Todenhöfer sagt ab. Bild-Reporter gibt die Richtung vor (Hintergrund, 07.06.2012)
„Assad lässt Kinder töten - wie lange wollen wir noch zuschauen?“, mit dieser Überschrift warb die ARD für ihre am Mittwochnacht im Ersten ausgestrahlte Talkshow „Anne Will“. Die Zeile ist so suggestiv, dass ein ausgewogenes Gespräch nicht zu erwarten war. Ein Talkshowgast sprang daher gleich ab: Jürgen Todenhöfer, ehemaliger CDU-Politiker und Burda-Vorstand, der die Region aus eigener Anschauung gut kennt und sich seit Jahren als engagierter Kritiker der westlichen Kriegspolitik hervortut, wollte seinen Sachverstand nicht in eine Diskussion einbringen, deren Ergebnis von der Redaktion anscheinend schon vorher festgelegt worden war.
Es lautet in aller Kürze: Die syrische Regierung ist alleine schuld an dem Konflikt in ihrem Land. Sie alleine trägt die Verantwortung für geschätzt zehntausend Toten. Dementsprechend war die Diskussionsrunde von der Redaktion zusammengestellt worden. Ein Repräsentant der Friedensforschung war ebenso wenig darunter, wie ein Kriegskritiker von Seiten der Linken oder gar ein Pazifist. Die seit Monaten von der Regierung Assad erklärte Bereitschaft zu demokratischen Reformen blieb ebenso unerwähnt wie die zahlreichen Berichte über Kriegsverbrechen und systematische Folterungen von Seiten der Rebellen. Im Grunde fiel nur dem als Ersatz für Todenhöfer eingeladenen konservativen Journalisten Peter Scholl-Latour die undankbare Rolle zu, als einsamer Rufer in der Wüste ab und zu ein paar Fakten in die Diskussion zu nuscheln.


Noch einmal zur Ukraine: Wenn der Westen klug wäre – und ich kann nur beten, daß es noch ein paar kluge Leute gibt, die was zu sagen haben –, würde er sich aus den innenpolitischen Angelegenheiten der Ukraine draußen halten. Als damals von der gemeinsamen EU-Währung gesprochen wurde, wurden Beitrittskriterien festgelegt (die von den Griechen – unter Augenzwinkern – umgangen wurden). Wollen wir allen Ernstes jetzt die Ukrainer, die noch weniger auf die Reihe kriegen als die Griechen, mit an den Tisch holen? Aber die schlechtere der beiden Möglichkeiten wäre anscheinend, wenn es in der Ukraine 10 bis 15 Jahre lang Bürgerkrieg gäbe, und wir schauten zu. Das könnten wir Gutmenschen nicht aushalten!
Umfrage: Mehrheit gegen stärkeres Engagement Deutschlands in der Welt (Das Allgäu online, 20.05.2014)
Und wir brauchen eine (politische?) Moral, die das aushält!
Keiner der vom arabischen Frühling beglückten Staaten ist für eine Demokratie kulturell weit genug entwickelt. Dann sollten wir im »Freiheit und Demokratie«-hypnotisierten Westen endlich damit anfangen, nicht ständig »Hurra« zu schreien, wenn es irgendwo einer despotischen Clique an den Kragen geht!


aus einem Interview mit der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie über die entführten Mädchen bei Faz.net (Unser lächerlicher Optimismus)

»Ich hatte wegen der entführten Mädchen ungefähr zweitausend Interviewanfragen aus dem Westen. Aber ich spüre da auch einen arroganten Zug in diesen Bemühungen, im Sinne von: Wieso reißen sich diese verrückten Nigerianer nicht mal zusammen?
[…]
Deswegen denke ich ja, dass es unser eigenes Problem ist. Ich wünsche mir auf jeden Fall mehr Komplexität. Hört auf, es euch so leicht zu machen! Es ist nicht wie mit den Taliban. Nicht alles in der Welt muss in eure vorgefertigten kleinen Schubladen passen. Und hört auf, Präsident Jonathan zur Karikatur abzustempeln. Was er tut, ist verwerflich und nicht zu entschuldigen, aber wenn man den politischen Kontext kennt, werden seine Handlungen verständlicher. Die Boko Haram sind in der Vergangenheit von nigerianischen Politikern unterstützt worden. Ich frage mich, warum niemand mal mit denen redet. Ich habe viele Fragen, aber die Medien beantworten sie nicht, weder die in Nigeria noch die von außerhalb.«