Mittwoch, 14. Oktober 2015

Marschflugkörper – nur gefährlich, wenn die anderen sie haben

Im Dezember wird die jemenitische Ortschaft El Maadschala (Jemen: Luftangriff mit 49 Toten, Focus, 20.12.2009) angegriffen, wo sich ein Ausbildungslager von Al Kaida befinden soll. Doch es sterben überwiegend Zivilisten. Amnesty International will nun Aufklärung, warum bei dem Angriff US-Splitterbomben zum Einsatz kamen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat von den USA Aufklärung über ihre Rolle bei einem verheerenden Angriff mit international geächteter Streumunition im Jemen gefordert. Die Organisation veröffentlichte in London Bilder von einer eingeschlagenen US-Rakete mit Splitterbomben. Die Aufnahmen sollen nach dem Angriff auf ein Ausbildungslager von Al-Kaida-Terroristen in der Provinz Abjan im vergangenen Dezember gemacht worden sein. Dabei starben nach AI-Angaben 41 Einheimische, darunter 21 Kinder und 14 Frauen. Außerdem wurden 14 mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder getötet.

Die Menschenrechtsorganisation kritisierte das Vorgehen. "Ein Militärschlag dieser Art gegen mutmaßliche Kämpfer ohne einen Versuch ihrer Festnahme ist zumindest gesetzeswidrig", sagte Amnestys Nahost-Vizechef Philip Luther. "Die Tatsache, dass so viele Opfer Frauen und Kinder waren, verdeutlicht, dass der Angriff tatsächlich extrem unverantwortlich war."
mehr:
- Angriff auf Al Kaida im Jemen US-Splitterbomben abgefeuert (n-tv, 07.06.2010)


Die USA konzentrieren sich zumindest seit dem Vorjahr auch auf den Jemen, das US-Militär mischt ganz klar mit. Der Sender CBS zitierte Sebastian Gorka, Experte für Sondereinsätze, der auch jemenitische Militärs trainiert. Er sagt, mehrere Boden- und Luftangriffe der Jemeniten gegen al-Qaida-Positionen seien von den USA geleitet worden, auch seien US-Marschflugkörper (Link von mir) und Drohnen eingesetzt worden. Allein am 17. und 24. Dezember seien 60 Militante getötet worden.

[Karim El-Gawhary, Gestern Irak. Heute Afghanistan. Morgen Jemen? (Die Presse, 03.01.2010]

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  • Der erste massive Einsatz von Tomahawks fand 1991 im Zweiten Golfkrieg während der Operation Desert Storm statt. Laut Berichten der United States Navy kamen dabei 297 Tomahawks zum Einsatz. Von diesen blieben neun in den Abschussrohren und sechs fielen nach dem Start ins Meer, so dass 282 erfolgreich gestartet wurden. Laut US-Angaben wurden zwei Marschflugkörper durch die Flugabwehr abgeschossen. Der Irak gab 29 Abschüsse bekannt.
  • Operation Desert Fox 1998: 325 Tomahawks gegen Produktionseinrichtungen von Chemiewaffen und ballistischen Raketen im Irak.
  • Operation Allied Force 1999: 218 Tomahawks von US-Kriegsschiffen gegen Ziele in Serbien. Weitere 20 Tomahawks werden von U-Booten der Royal Navy eingesetzt.
  • Afghanistankrieg 2001: Einsatz von 50 Tomahawks von US-Kriegsschiffen und U-Booten gegen mutmaßliche Stützpunkte der Al-Qaida in Afghanistan. Weiter werden eine unbekannte Anzahl Tomahawks von U-Booten der Royal Navy eingesetzt.
  • 17. Dezember 2009: Einsatz einer unbekannten Anzahl von Tomahawks gegen mutmaßliche Stützpunkte der Al-Qaida im Jemen.
  • 19. März 2011: Im Rahmen des Internationalen Militäreinsatzes in Libyen wurden zur Durchsetzung der Resolution 1973 des UN-Sicherheitsrates von U-Booten und Zerstörern der US Navy sowie einem U-Boot der Royal Navy 162 Tomahawks eingesetzt. Dabei wurden sowohl die klassische Variante als auch modernere TacToms eingesetzt. Als Ziele wurden hauptsächlich Luftabwehrstellungen und Luftwaffeneinrichtungen ausgewählt. Die nationale US-amerikanische Beteiligung trägt den Namen Operation Odyssey Dawn, die nationale britische Beteiligung Operation Ellamy.[5]
[BGM-109 Tomahawk, Einsatz, Wikipedia]
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mein Kommentar: 
vielleicht beginne ich, an Altersamnesie zu leiden. Aber ich kann mich beim besten Willen nicht dran erinnern, daß wegen des Einsatzes US-amerikanischer Marschflugkörper jemals vor dem möglichen Abschuß ziviler Flugzeuge gewarnt wurde. 

Russland spielt mit den Muskeln: Über der Nord- und Ostsee wurden vermehrt Kampfjets gesichtet. Gleichzeitig häufen sich Fälle, in denen Militärflugzeuge mit Passagiermaschinen fast kollidiert sind.

Mehrere "Beinahe-Zusammenstöße" zwischen zivilen Flugzeugen und Militärmaschinen beschäftigen die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA). Die EU-Behörde mit Sitz in Köln habe von der EU-Kommission einen Auftrag zur Prüfung erhalten, teilte die EASA mit. An mindestens einem der Vorfälle sei ein russisches Flugzeug beteiligt gewesen, sagte ein Sprecher.
[…]

Nato-Flugzeuge und Militärjets aus Schweden und Finnland hätten die Lage verfolgt. Die Nato sei noch dabei, die Vorfälle auszuwerten, sagte Pentagonsprecher Oberst Steven Warren dem Sender. Er sprach von einem "größeren Vorstoß", den er als eine Machtdemonstration des russischen Präsidenten Wladimir Putin bezeichnete. Die russischen Flugzeuge seien jedoch in internationalem Hoheitsgebiet unterwegs gewesen, betonte Warren.
[Kampfflugzeuge über Nord- und Ostsee – Gefährdet Russland die zivile Luftfahrt?, n-tv, 09.10.2014] 
- Programmbeschwerde beim Deutschlandradio: bezüglich „NATO: Ungewöhnlich viele russische Luftmanöver" vom 30.10.2014 (Pwlasowa, 14.11.2014)
- Deutschlandradio, der Zündfunk: Hilfe, die Russen kommen (Medienanalyse international, Oktober 2014)

siehe dazu Putins Sichtweise (im folgenden Video ab 3:25):
Wladimir Putin Der Westen führt einen Vernichtungskrieg gegen Russland {15:51}


Veröffentlicht am 27.01.2015

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