Mittwoch, 25. Juni 2014

Heute vor 64 Jahren – 25. Juni 1950: Beginn des Koreakrieges

Eine heiße Phase des Kalten Kriegs 

Nach der Kapitulation Japans im August 1945 wurde die Koreanische Halbinsel, die zuvor dem japanischen Kaiserreich eingegliedert worden war, entlang des 38. Breitengrads in zwei Besatzungszonen geteilt: Den Norden kontrollierte die Sowjetunion, den Süden die USA. Als die USA 1948 im Süden die Republik Korea ausriefen, wurde im Norden mit Unterstützung der UdSSR die kommunistische Demokratische Volksrepublik Korea proklamiert. Beide Staaten sahen sich als einzig rechtmäßigen koreanischen Staat an und nahmen keine Beziehungen auf.

Südkoreaner fliehen vor den Truppen des Nordens, Sommer 1950
1950 kam es in Südkorea zu Grenzzwischenfällen, die Nordkorea zum Anlass für eine Intervention nahm. Mit dem Überschreiten der Demarkationslinie und dem Vormarsch Richtung Seoul lösten die nordkoreanischen Truppen am 25. Juni 1950 den Koreakrieg aus. Im Verlauf des äußerst blutigen und verlustreichen Krieges eroberte zunächst der Norden, dann der Süden fast die gesamte Halbinsel. Das Waffenstillstandsabkommen von 1953 führte die Parteien auf die Ausgangspositionen am 38. Breitengrad zurück.

Koreakrieg (1950-53)
▪︎ Truppen der Volksrepublik China unterstützten Nordkorea
▪︎ UNO-Truppen unter Führung der USA kämpften für den Süden
▪︎ insgesamt starben im Koreakrieg etwa 3 Mio. Menschen
▪︎ fast die gesamte Industrie wurde zerstört
Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014 

Der Korea Krieg - Vorgeschichte und Verlauf - Doku Koreakrieg [1:16:35]

Dienstag, 24. Juni 2014

Vor 70 Jahren – 1944: Adorno beginnt mit den Arbeiten an seinen »Minima Moralia«

Reflexionen aus einem beschädigten Leben 


Dieser Satz Theodor W. Adornos (1903-1969) stammt aus seinem Buch »Minima Moralia«, das er von 1944 bis 1947 im kalifornischen Exil geschrieben hat, also unter dem Schock des Faschismus und des Holocausts. Diese Sammlung von 153 »Reflexionen aus dem beschädigten Leben« – so der Untertitel – ist mit einer Auflage von rund 100.000 Exemplaren bis heute Adornos populärstes Buch. 

Die zitierte Sentenz Adornos stammt aus einem Text, der um das Problem kreist, sich in modernen Zeiten irgendwo häuslich und im Leben einzurichten. In der ursprünglichen Fassung lautete der Satz: »Es lässt sich privat nicht mehr richtig leben.« Wie könnte man zu Zeiten totalitärer Diktaturen, die alle Lebensbereiche durchdringen, privat richtig leben? In den schließlich gewählten Worten liegt eine deutliche Zuspitzung der Aussage, ganz im Sinne seiner Praxis, seine Thesen »brachial« zu formulieren. Die Gegenüberstellung von »falsch« und »richtig« betont die Notwendigkeit, sich das Gespür für das Richtige nicht nehmen zu lassen und sich eindeutig dafür zu entscheiden. 
Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014 

Adorno - Es gibt kein richtiges Leben im falschen [42:50]

Yes - Keys to Ascension Live, 1996


Yes - Keys to Ascension Live in San Luis Obispo, CA 1996 (full) [2:26:58]


Montag, 23. Juni 2014

Der Knoten im Kopf von ZEIT-Herausgeber Josef Joffe

Der Herausgeber der Wochenzeitung «Die Zeit» hat sein eigenes Weltbild. Es ist bemerkenswert einäugig.

«Die Zeit» aus Hamburg ist, der Superlativ sei riskiert, die beste Wochenzeitung im deutschen Sprachraum. Von Gerd Bucerius gleich nach Kriegsende 1946 gegründet, hat sich das Blatt neben den grossen Tageszeitungen Deutschlands – Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ, Süddeutsche Zeitung, Die Welt, Frankfurter Nachrichten – zum deutschen Weltblatt hochgearbeitet. Ob Politik oder Wirtschaft, Feuilleton oder Dossier, hier schreiben von den besten Journalistinnen und Journalisten deutscher Zunge. Selbst die drei Wechselseiten «Schweiz», welche bei den in der Schweiz verkauften Ausgaben der «Zeit» den ersten Bund abschliessen, zeigen regelmässig hohe Kompetenz und stehlen da, wo die NZZ der ihr nahestehenden Grossbanken wegen ein Thema unter den Teppich zu kehren versucht – etwa beim UBS-Sponsoring-Vertrag mit der Uni Zürich – dieser sogar die Show.

«Die Zeit», eine wirklich gute Zeitung, wo wenig Wünsche offen bleiben.

Wenn da nicht der jetzige Herausgeber Josef Joffe wäre.

Oft schreibt er zwar nicht, dieser Josef Joffe. Ein Herausgeber, in der internen Hierarchie dem Chefredakteur übergeordnet, hat ja andere Aufgaben als gewöhnliche Journalisten. Er muss vor allem repräsentieren. Aber wenn er schreibt, steht sein Kommentar fast immer zuvorderst, auf der Frontseite. Es muss ja gesehen werden, wenn der Boss selber in die Tasten greift.

Nur eben: Auch der Ärger des Lesers, der Leserin ist dann grösser. Oder die Enttäuschung. Oder die Wut. Es bleibt dann nicht nur beim Kopfschütteln über eine Sottise, deren es natürlich auch in der «Zeit» immer wieder hat.

mehr:
- «Die Zeit»: Wenn der Boss kommentiert (Christian Müller, Info-Sperber, Datum)
siehe auch:


Wir leben in einem ruhenden Polizeistaat, in einem schlafenden Polizeistaat – der jederzeit zum Leben erweckt werden kann.

Wer diesem Rechtsstaat in die Quere kommt, kann sich auf einiges gefasst machen. Chelsea Manning verbrachte neun Monate in Isolationshaft. Sie musste nachts ihre Kleider abgeben und morgens nackt vor der Zelle antreten. Körperliche Übungen waren ihr verboten. Das Licht brannte unablässig. Das ist der Rechtsstaat.

Und
 Selbsttäuschung war es, die viele Journalisten in Deutschland eher mürrisch auf die Wikileaks-Veröffentlichungen reagieren ließ. Der Herausgeber der Zeit, Josef Joffe, war da typisch. Er schrieb, er wünsche sich „keinen Ein-Mann-Rächer, der nach eigenem Geschmack entscheidet, was zu veröffentlichen sei. Dafür haben wir Parlamente und Gerichte, also den Rechtsstaat“. Normalerweise rechtfertigen staatliche Stellen mit solchen Worten die Knebelung der Presse. Nur zur Erinnerung: Die Folter in Abu Ghraib, das grausame Waterboarding in den Gefängnissen der CIA, das Niedermähen unbewaffneter Zivilisten in Afghanistan – all das, was die USA in gefährliche Nähe zu den Unrechtsregimen im Nahen Osten, zu China und zur untergegangenen Sowjetunion gebracht hat, ist eben nicht durch „Parlamente und Gerichte“ an den Tag gekommen, sondern durch Whistleblower. […]
In Bezug auf ihre Auffassung von Sicherheitspolitik sind die USA heute ein totalitärer Staat. Solange das so ist, haben wir eine besondere Verpflichtung, wir in Europa, wir in Deutschland. Es ist die Verpflichtung, die Flamme der Freiheit nicht ausgehen zu lassen. Es ist die Verpflichtung, jenen, die gegen diesen Totalitarismus kämpfen, Schutz zu gewähren.  
[Jakob Augstein, Vater aller Whistleblower, Laudatio zur Verleihung des Dresden-Preises an Daniel Ellsberg, in: der Freitag, 
03.03.2016 – Hervorhebungen von mir]
- xxx ()
x

Leseempfehlungen für den 23. Juni 2014

- Erfolgreiche Ungleichheitsbekämpfung an der Wiege der westlichen Kultur? (Telepolis, 22.06.2014)
Wie in Athen und Sparta angeblich die eskalierende Ungleichheit bekämpft wurde und wie daraus die mächtigsten Staaten der Antike entstanden 
Während über die Details sicherlich gestritten werden kann, steht außer Zweifel, dass die Ungleichheit im Westen erheblich zugenommen hat und drängende ökonomische und damit soziale Probleme verursacht. In der Neuzeit steht ein eskalierender Unterschied zwischen Reich und Arm (wie er etwa um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und zur Zeit des Wall Street-Crashs von 1929 verzeichnet wurde) im Zusammenhang mit Zeiten, in denen diese Ungleichgewichte teils krisenhaft und teils sehr langsam und durch zufällige historische Entwicklungen abgebaut wurden.

- Ukraine: Inszenierung eines Waffenstillstands (Telepolis, 23.06.2014)
Poroschenko handelt verunsichert, in der Ukraine haben wie im Irak oder in Syrien Banden oder Milizen das Sagen 
Seit Freitagabend gilt der vom ukrainischen Präsidenten Poroschenko einseitig für eine Woche bis zum 27. Juni verordnete Waffenstillstand, den die Separatisten allerdings abgelehnt haben. Sie sehen darin einen Schachzug zu ihrer Entmachtung, obgleich Poroschenkos "Friedensplan" große Schritte in Richtung Dezentralisierung vorsieht. Allerdings will er die militanten Separatisten nicht in eine Friedenslösung einbeziehen, sondern sieht für sie eine Amnestie oder die "Auswanderung", eine Art von ethnischer "Säuberung", nach Russland durch "sichere Korridore" vor, auch wenn Poroschenko nur von russischen "Söldnern" spricht, die ihre Waffen niedergelegt bzw. hinterlassen haben. Und er droht bereits mit einer Alternative B, falls der Frieden in seinem Sinne nicht wiederhergestellt werden kann, verrät aber nicht, was er dann über die Fortführung der "Antiterroroperation" hinaus zu tun beabsichtig.

- Obamas leiser Krieg (Telepolis, 23.06.2014)
Die USA setzen bei der Bekämpfung von Krisen und der Durchsetzung von Sanktionen zunehmend auf eine bisher wenig bekannte Abteilung des US-Finanzministeriums. Nach eigener Aussage ein Instrument "einzigartiger" Machtdemonstration in der Welt 
"Amerika muss immer führen", sagte Obama in seiner West-Point Rede Ende März ("Amerika muss immer führen". Das Militär wäre dafür weiterhin zentral, gleichwohl machte Obama aber deutlich, dass sein Land militärisch nur noch selektiv eingreifen werde, das heißt, wenn es die US-Kerninteressen erfordern wie gegenwärtig bei der Offensive der ISIS im Irak.

- Tic Tac Tic Tac Tic Tac (Telepolis, 22.06.2014)
Das unermüdliche Ticken einer Uhr oder eines Metronoms erscheint oft als Symbol für den Wettlauf mit der Zeit. Ein Wettlauf mit der Zeit? Ist das überhaupt möglich? 
Was ist Zeit eigentlich? Spätestens seit dem 1997 erschienenen Band Eine Landkarte der Zeit von Robert Levine wurde auch einer breiteren Öffentlichkeit bewusst, dass die Vorstellung von Zeit vom Lebensumfeld (und damit auch von der Kultur des Einzelnen) abhängig ist. In den industrialisierten Ländern wird die Zeit zumeist als Zeitstrahl verstanden, während in Asien ein zirkulares Zeitverständnis vorherrscht. Aber selbst in Europa hat eine Zeitangabe nicht in allen Regionen das gleiche Gewicht. Ein berühmtes Beispiel, das so manchen Kontinentaleuropäer zur Verzweiflung treiben kann, ist die sogenannte irish time. Eine Verabredung für Sonntag um 15:00 heißt: Man trifft sich entweder irgendwann am Sonntag oder irgendwann um 15:00.

Heute vor 100 Jahren – 23. Juni 1914: Pancho Villa siegt gegen mexikanische Truppen

Ein Volk erhebt sich 

Krasse soziale Ungerechtigkeit prägte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Situation in Mexiko. Entscheidend für den Ausbruch der Mexikanischen Revolution war die enorme Konzentration des Landbesitzes während der Diktatur von Porfirio Diaz. Bei Ausbruch der Revolution 1910 waren 90% der Landbevölkerung landlos, während 1% der Bevölkerung über 96% des Bodens verfügte. Dies wollten die landlosen Bauern nicht länger hinnehmen, mit ihren Forderungen nach »Land und Freiheit« und einer Agrarreform waren sie die treibende Kraft der Revolution. 

Pancho Villa (3. von rechts) und seine Männer, Juni 1919

Unter der Führung von Pancho Villa (1877-1923) im Norden und Emiliano Zapata im Süden kämpften die Bauern für eine Landreform. Zwischen 1910 und 1921 herrschte im Land ein anarchistischer Zustand. Überall brachen Kämpfe aus, in denen die Revolutionstruppen vorübergehend Erfolge erzielten. Villa siegte gegen die Truppen des Machthabers Victoriano Huerta in der Schlacht bei Zacatecas am 23. Juni 1914, heute vor 100 Jahren. Dennoch konnten die Revolutionäre ihre weitgehenden Forderungen nicht umsetzen. Immerhin trat 1917 eine liberale Verfassung in Kraft, deren Bodenreform allerdings nicht umgesetzt wurde. 

Was am 23. Juni noch geschah: 
1924: Der Massenmörder Fritz Haarmann wird in Hannover verhaftet. 

Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014 


Pancho Villa on the border [4:11]
Veröffentlicht am 24.01.2013
The American Army under the direction of General Pershing went to Mexico in response to Panch Villa's raid on Columbus. President Wilson sent 5,000 men of the U.S. Army under General John Pershing into Mexico to capture Villa. Employing aircraft and trucks for the first time in US Army history, Pershing's force chased Villa until February 1917.[28] The search for Villa was unsuccessful.[3] However, some of Villa's senior commanders (Colonel Candelario Cervantes, General Francisco Beltrán, Beltrán's son and Villa's second-in-command Julio Cárdenas) and a total of 190 of his men were killed during the expedition.[29]

The Mexican population were against US troops in Mexican territories. There were several demonstrations of their opposition to the Punitive Expedition and that counted towards the failure of that expedition. During the expedition, Carranza's forces captured one of Villa's top generals, Pablo Lopez; he was executed on June 13, 1916.

Camera crews recorded the war.

Source:  http://en.wikipedia.org/wiki/Pancho_V...
siehe: Mexikanische Expedition [Wikipedia]

Verschollene Filmschätze E33: 1916. Pancho Villa – Tot oder lebendig! Doku (2014) [26:11]
Veröffentlicht am 03.11.2015
Im Jahr 1914 befand sich Mexiko seit vier Jahren im Bürgerkrieg. In den USA und in Europa rühmt die Presse die Verdienste des Revolutionsführers Pancho Villa und bezeichnet ihn als „mexikanischen Robin Hood“. Die Regierung in Washington hätte Pancho Villa gerne als Präsidenten Mexikos gesehen. Zwei Jahre später kam alles anders: Im März 1916 überfiel Pancho Villa die kleine Stadt Columbus in New Mexico. Fazit: 15 Tote auf amerikanischer Seite. Dieser Angriff einer ausländischen Guerillatruppe auf amerikanischem Territorium ist für die Öffentlichkeit ein gewaltiger Schock. Auf Befehl von Präsident Woodrow Wilson wird militärische Verstärkung an die Grenzen geschickt – insgesamt fast 15.000 Mann. Die Truppen machen sich im Norden Mexikos an die Verfolgung von Pancho Villa. Für die Presse bietet diese „Verbrecherjagd“ Gelegenheit, einen großen Feldzug und womöglich sogar Schlachten zu filmen. Die Reporter hoffen vor allem, über die Verhaftung des Verräters Pancho Villa berichten zu können. Doch wozu eine solche Machtdemonstration der Amerikaner? Diente dieser Feldzug vielleicht noch einem anderen Zweck? Und wie wurde Pancho Villa, der gefeierte Medienstar, den die amerikanische Regierung zunächst unterstützt hatte, zum Staatsfeind Nummer eins?

siehe auch:
- Der mexikanische Bürgerkrieg 1910-1934 (Post, 08.01.2016)
aktualisiert am 08.01.2016

Sonntag, 22. Juni 2014

Leseempfehlungen für den 22. Juni 2014

- Warum es auf der Toilette nur am Anfang stinkt (Telepolis, 21.06.2014)
Wie schafft es unser Gehirn, sich selbst an starke Reize zu gewöhnen - und trotzdem für andere Stimuli aufnahmefähig zu bleiben? 
Ob Toilettenmann oder Fischverkäuferin: Wer seinen Beruf an einem Ort mit besonderem olfaktorischem Hintergrund ausübt, muss kein Masochist sein. Praktischerweise besitzt unser Gehirn einen Mechanismus, der dauerhafte Reize mit der Zeit ausblendet. So kommt es, dass wir den tickenden Wecker normalerweise nicht hören, das unregelmäßige Schnarchen des Partners aber schon. Dass Babys vor neuen Gesichtern erschrecken, das Antlitz der Mutter aber mit einem Lächeln begrüßen. Dass die Klofrau zwar den Ammoniak-Geruch an ihrem Arbeitsplatz nicht mehr bemerkt, wohl aber das ungewohnt süße Parfüm einer Kundin. 

- Ist Psychiatrie heute noch Folter? (Telepolis, 21.06.2014)
Eine Einladung nach Berlin macht deutlich, wie unterschiedlich die Ansichten über die Psychiatrie heute noch sind 

"Menschenrechte und Psychiatrie" lautete der Titel einer Expertentagung mit hochkarätiger Besetzung, die am Donnerstag in Berlin stattgefunden hat. Auf Einladung der Deutschen Gesellschaft fürPsychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde sprach dort auch der UN-Beauftragte zu Fragen des Genozids und Folter, Juan E. Méndez.  

- Polen: Abhörprotokolle enthüllen Währungsgefährdung und versuchten Machtmissbrauch (Telepolis, 21.06.2014)
Opposition fordert Rücktritt der Regierung 

Die polnische Zeitschrift Wprost (übersetzt: "Direkt") hat am Montag Protokolle von Gesprächen veröffentlicht, die zeigen, dass Innenminister Bartłomiej Sienkiewicz und Nationalbankpräsident Marek Belka im Juli 2013 vereinbarten, das die polnische Nationalbank "eventuell" über Banken eine "gewisse Menge" Staatsanleihen aufkauft - was ihr eigentlich verboten ist. Zweck der Scharade sollte die Schaffung von Ausgabespielraum im Staatshaushalt sein, die die Regierung vor der Wahl 2015 für Wahlgeschenke nutzen kann, damit die konservative Oppositionspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) nicht gewinnt. Beide waren sich darüber einig, dass dieser Trick nur dann funktioniert, wenn man vorher den damaligen Finanzministers Jacek Rostowski los wird. Vier Monate später trat Rostowski zurück - angeblich ohne Druck von Außen.

- Nach dem Schlachten (der Freitag, 18.06.2014)
Porträt Christian Slater hat sich freiwillig gemeldet, die Toten im Irak einzusammeln. Denn für Marines gilt: "Keiner wird zurückgelassen." Das hat ihn fast den Verstand gekostet Porträt Christian Slater hat sich freiwillig gemeldet, die Toten im Irak einzusammeln. Denn für Marines gilt: "Keiner wird zurückgelassen." Das hat ihn fast den Verstand gekostet  


- Verlorene Generation (der Freitag, 18.06.2014)
Eritrea Jeden Monat flüchten Tausende vor dem unbegrenzten Militärdienst. Ihr Weg durch die Wüste und über das Mittelmeer ist lebensgefährlich  


- Ärger On Demand (der Freitag, 18.06.2014)
Ton & Text Es gibt mal wieder Streit mit YouTube. Es geht um Rechte, Verträge und Geld. Viel Geld insgesamt und sehr wenig Geld im Detail. Und natürlich wird alles immer schlimmer  


- Desinformanten (der Freitag, 20.06.2014)
Überwachung Keine Aufklärung im weltweit größten Überwachungsskandal ist auch eine Folge des Versagens der Leitmedien hierzulande  


- Das kälteste Gewerbe (der Freitag, 19.06.2014)
Onlinejournalismus Marketingexperten wollen den Fortbestand des Journalismus sichern, doch genau das kann ihn kaputtmachen. Der Nachwuchs muss davor gewarnt werden. Schirrmacher wusste das  


- Mutter unser (der Freitag, 18.06.2014)
Revolution Der alte Mann mit dem weißen Bart hat ausgedient! Versuchen wir doch einmal, uns eine Frau als Gott vorzustellen


Bemerkung von mir: nach dem alten Mann mit dem weißen Bart kommt jetzt die Frau…
Zwei Zitate von Meister Eckhart:
Etliche Leute wollen Gott mit den Augen ansehen, als sie eine Kuh ansehen, und wollen Gott lieb haben, als sie eine Kuh lieb haben. Also haben sie Gott lieb, um auswendigen Reichtum und um inwendigen Trost; aber diese Leute haben nicht Gott recht lieb ... Einfältige Leute wähnen, sie sollen Gott ansehen, als stünde er dort und sie hier. So ist es nicht. Gott und ich sind eins im Erkennen.
gefunden bei anthroweb.info

Der Mensch soll sich nicht genügen lassen an einem gedachten Gott; denn, wenn der Gedanke vergeht, vergeht auch der Gott. Man soll vielmehr einen wesenhaften Gott haben, der weit erhaben ist über die Gedanken der Menschen und aller Kreaturen.
gefunden bei aphorismen.de

- "Gott, ein Nichtgott, eine Nichtperson, ein Nichtbild" (Deutschlandradio Kultur, 26.06.2011) 
Er wurde vor über 750 Jahren geboren und ist doch so modern wie kaum ein anderer Theologe: Eckart von Hochheim, genannt Meister Eckart, Dominikaner-Mönch und der wohl wichtigste Theologe und Mystiker des späten Mittelalters. 
Sein Geheimnis sind wohl seine originellen und sehr zeitgemäßen Gedanken über Gott, den Menschen und die Kunst des christlichen Lebens, vor allem aber seine Hilfestellung zu einem mündigen, erwachsenen Glauben und Lebensstil. Doch Meister Eckarts Schriften sind so universal, dass er auch in in anderen Religionen wie Hinduismus und Buddhismus hoch respektiert ist. Sogar für Atheisten und Erkenntnissuchende ist er oft ein großer Gewinn, denn beinahe alle wichtigen Fragen des menschlichen Lebens kommen bei ihm vor, ohne, dass er je Vorschriften macht. 

Genesis - Jesus He Knows Me (1991) [5:17]



- Das Gehirn - ein interpretierendes Organ (hellmut-hille.de)    
A L L E S 
was man von Gott zu denken vermag, 
das ist alles Gott nicht. 
Was Gott in sich selber sei, 
dazu kann niemand kommen, 
er werde denn in ein Licht gerückt, 
 das Gott selber I S T . 
(Meister Eckhart - Zitate kursiv gesetzt) 
 
Das (menschliche) Gehirn läßt nichts so, wie es sich den Sinnen darbietet, sondern es reichert Erscheinungen solange mit ihm bekannten Eigenschaften, Relationen und Bedeutungen an, bis es mit dem Wahrgenommenen in geübter Weise umgehen kann. Auf diese interpretierende Art macht es sich das Sein ähnlich und zu eigen (s. Text III/3: Das Verstehen des Verstehens). Was das Sein jenseits unserer, auf das Verstehen zielenden Interpretation ist, bleibt daher die Frage. Erfahrungen und erkenntniskritische Überlegungen zeigen uns, daß das Sein wie Gott (s. Zitat oben) alle Denkbarkeit übersteigt. Hieraus ergibt sich der Begriff der Transzendenz, als jene Grenze, die uns durch unsere kognitiven Fähigkeiten gegeben ist.

- Predigt 52 - Beati pauperes spiritu, quoniam ipsorum est regnum caelorum (Meister-Eckhart-Gesellschaft)  
Nun gibt es zwei Arten von Armut. Einmal die äußere Armut. Sie ist gut und hoch zu loben – in einem Menschen, der sie um der Liebe unseres Herrn Jesus Christus willen frei erwählt. Auch er hat sie gehabt, als er auf der Erde war. Von dieser Armut will ich jetzt nicht weiter reden. Aber über sie hinaus gibt es eine Armut, eine inwendige, und auf sie bezieht sich das Wort unseres Herrn, wenn er sagt: „Selig, die arm sind an Geist“. 

Nun beschwöre ich euch, ihr möchtet so sein, dass ihr diese Lehre verstündet. Denn bei der ewigen Wahrheit, ich sage euch: Kommt ihr der Wahrheit nicht gleich, von der wir nun reden wollen, dann werdet ihr mich nicht verstehen. Ihr habt mich gefragt, was das Wesen der Armut sei und was ein armer Mensch sei. Darauf will ich antworten. 

Bischof Albert lehrt, ein armer Mensch sei der, der kein Genüge findet an allem, was Gott je geschaffen hat. Das ist gut gesagt. Doch darüber hinaus: Ich sage es noch besser und nehme „Armut” in einem höheren Sinn: Ein armer Mensch ist, wer nichts will, nichts weiß und nichts hat. Von diesen drei Punkten will ich heute reden, und um der Liebe Gottes willen beschwöre ich euch, ihr möchtet diese Wahrheit verstehen, wenn ihr könnt. Und versteht ihr sie nicht, so sorgt euch darum nicht, denn ich will von einer Wahrheit sprechen, die so beschaffen ist, dass auch von guten Menschen nur wenige sie verstehen werden.  

She's Alive... Beautiful... Finite... Hurting... Worth Dying for. [4:58]


- Sunniten gegen Schiiten – Der 35-jährige Krieg (Cicero, 20.06.2014)
Was der 30-jährige Krieg für das Christentum war, ist der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten für den Islam. Es ist dieser brutale Religionskonflikt, der auch den Vormarsch der Terrorgruppe Isis im Irak erklärt. Eine Analyse

Neues aus der Anstalt 20.03.2007: Georg Schramm und Jürgen Becker [8:31]


 

Heute vor 40 Jahren – 22. Juni 1974: Ein deutsch-deutsches Fußballspiel

Wettstreit der Systeme - auf dem Rasen 

Die Szene fehlt in keiner Darstellung der deutschen Fußballgeschichte und stellt einen ihrer denkwürdigsten Momente dar: In der 78. Minute des Vorrunden-Gruppenspiels zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR bei der Fußballweltmeisterschaft 1974 flankte ein DDR-Spieler den Ball in die Mitte vor das Tor der Westdeutschen, wo Jürgen Sparwasser drei Gegenspieler und dazu den Torwart Sepp Maier düpierte, das Siegtor erzielte und sich zum Volkshelden der DDR schoss. Die favorisierten Westdeutschen um Beckenbauer, Vogts, Breitner und Müller waren schockiert. 
 
Die beiden deutschen Mannschaften vor dem Spiel im Hamburg, 22.6.1974

BRD - DDR WM 1974 Highlights [9:44]


Es war das erste und einzige Duell, das die beiden deutschen Fußballnationalmannschaften je gegeneinander austrugen. Nach der Auslosung hatte die DDR kurzfristig erwogen, zu dem Prestigeduell nicht anzutreten, glücklicherweise besann sie sich aber eines Besseren. Die politische Führung feierte das 1:0 als Sieg über den Klassenfeind, die DDR-Spieler freuten sich einfach nur, gegen die großen Stars aus dem Westen gewonnen zu haben. Das westdeutsche Team unter Trainer Helmut Schön erholte sich rasch von der Niederlage - und errang schließlich den Titel. 

Fussball WM 1974 - Deutschland vs Niederlande (Finale) [9:58]


Was am 22. Juni noch geschah: 
1865: In Berlin nimmt die erste deutsche Pferdestraßenbahn den Fahrbetrieb auf.  [Brandenburger Tor bis Charlottenburg]
Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014 

Samstag, 21. Juni 2014

Leseempfehlungen für den 21. Juni 2014

- "Die Aufteilung des Irak ist faktisch so gut wie vollzogen" (Telepolis, 20.06.2014)
Peter Scholl-Latour über die Veränderungen im Nahen Osten, die sich aus dem Auftreten von ISIS ergeben haben 

Peter Scholl-Latour: Irak am Abgrund(2003) [42:02]


Peter Scholl Latour: Krieg ohne Ende [5:41]


Peter Scholl-Latour: Zwischen Hass und Trauer - Der unheilige Krieg im Orient [44:55]


Irak Peter Scholl Latour über die Strategie der USA im Irak.mp4 [9:02]


"Krieg und Terror in Nahost - Greift der Westen ein?" - phoenix Runde vom 17.06.2014 [45:03]

 

- Umweltbewegung russisch unterwandert (Telepolis, 20.06.2014)
NATO-Chef hat alarmierende Erkenntnisse über Fracking-Gegner Wofür der neue kalte Krieg der NATO-Staaten gegen Russland doch so gut sein kann: Sogar zur Stimmungsmache gegen Umweltschützer eignet er sich. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat nämlich erfahren, dass Fracking-Gegner eigentlich nur russische Agenten sein können.
Zitat:
Bei Greenpeace fragt man sich derweil, was im Brüsseler NATO-Hauptquartier so geraucht wird.

Im ICD-10 wird unter F22.0 auch eine isolierte Wahnstörung beschrieben (engl.: delusional disorder). Dabei handelt es sich um eine womöglich seltene, eher jedoch stark unterdiagnostizierte psychische Störung mit dem Leitsymptom des isolierten Wahns. Anders als im Falle der Schizophrenie, haben rein an Wahn Erkrankte eher nicht-bizarre Wahnthemen, keine Halluzinationen, weniger Störungen der Stimmungsbildung und kein Abflachen des Affekts.[5] Die Wahnvorstellungen im Rahmen einer isolierten Wahnstörung nach ICD-10 F22.0 habe Ähnlichkeit mit überwertigen Ideen, die sachlich stets einen Realitätsbezug haben und auf den ersten Blick plausibel erscheinen. Jedoch sind die Gedankenstrukturen im Rahmen der wahnhaften Störung noch stärker emotional besetzt und ich-syntoner als überwertige Ideen.[6] Abgesehen von ihren Wahnthemen funktionieren Patienten mit wahnhafter Störung im Alltagsleben in der Regel gut, so lange keine weiteren Symptome (z.B. depressive oder zwanghafte Strukturen) hinzukommen. Allerdings können die Wahngedanken zu Konflikten in Partnerschaft, Freundeskreis und Sozialleben führen.[7] Eine Diagnose der wahnhaften Störung ist selten, da die Wahngedanken sachlich nicht bizarr erscheinen und daher erst aus dem Kontext als unangemessen und krankhaft erkannt werden können.[8][9]
  (Wahn als eigenständiges Krankheitsbild, Wikipedia)
Mein Kommentar:
Ich würde auch eine manische Störung für möglich halten: Die Anstrengungen, eine ultraschnelle NATO-Eingreiftruppe in Osteuropa zu stationieren, könnten möglicherweise dazu passen. Diese Eingreiftruppe würde dann möglicherweise dabei helfen können, das Eindringen von 23 gepanzerten russischen Fahrzeugen auf ukrainisches Gebiet zu bekämpfen, bevor es stattfindet.

dazu auch:

- NSA, BND, BSI und Verfassungsschutz unter einer Decke (Telepolis, 20.06.2014)
Endlich hat sich der Spiegel aufgerafft, die von Snowden geleakten Dokumente über die Zusammenarbeit der NSA mit deutschen Behörden zu veröffentlichen - allerdings mit Schwärzungen 
Es war höchste Zeit für den Schritt, gut, dass der Spiegel dies nun endlich getan hat: die ihm vorliegenden, der Öffentlichkeit und damit auch dem NSA-Untersuchungsausschuss Einblick in die von Snowden geleakten Dokumente zu gewähren. Es wurde gerne einmal, auch im Buch der beiden Spiegel-Redakteure über die NSA, über die neue Zeit der Transparenz gesprochen, der wollte man bislang aber selbst nicht nachkommen und lieferte nur nach Gutdünken Informationen. Das ist eine Art von "Quellenschutz", der im Zeitalter der digitalen Medien tatsächlich anachronistisch wurde. Man kann nur hoffen, dass auch andere Medien diese Strategie übernehmen, die Öffentlichkeit zu informieren und ihr auch Zugang wie WikiLeaks zu den "Rohdaten" zu geben.

- Israel: Der Sozialstaat auf der anderen Seite (Telepolis, 19.06.2014)
Während die israelischen Regierungen der vergangenen Jahre einen luxuriösen Sozialstaat jenseits der Grünen Linie aufbauten, wächst die Kritik gegenüber den Siedlungen innerhalb der israelischen Mehrheitsgesellschaft 
Die Entführung von drei Teenagern aus einer Siedlung im Westjordanland hält Israel in Atem. Die drei Jungen im Alter von 16, 16 und 19 Jahren wurden am Donnerstagabend vergangener Woche entführt, als sie von einer von Siedlern stark frequentierten Kreuzung in der südlichen West Bank nach Hause trampen wollten. Der öffentliche Verkehr zwischen den Siedlungen im Westjordanland ist spärlich, Trampen ist vor allem abends eine unter Siedlern übliche Praxis.

- Hängt die Moral von der Sprache ab? (Telepolis, 19.06.2014)
Das bekannte Trolley-Gedankenexperiment als immersive Simulation und als Beleg, dass Menschen das moralische Dilemma utilitaristischer lösen, wenn sie eine Fremdsprache benutzen 
Das Trolley-Dilemma ist ein bekanntes Gedankenexperiment für ein moralisches Problem, in dem jede Entscheidung, auch die, nicht zu handeln, dazu führt, dass Menschen getötet werden. Unschuldig kann man dabei nicht sein. Im Gedankenexperiment rollt ein Güterwaggon auf 5 Menschen zu, die überrollt werden, weil sie nicht ausweichen können. Es gibt aber eine Weiche. Wenn diese umgestellt wird, werden die fünf Menschen gerettet, dafür muss aber eine andere Person auf der alternativen Strecke sterben.

- China: Hoch hinaus (Telepolis, 19.06.2014)
Im zentralchinesischen Wuhan soll mit einem Kilometer Höhe das größte Gebäude der Welt entstehen 
Das Rennen um das höchste Gebäude der Welt geht weiter. Das britische Architekturbüro Chetwoods plant im chinesischen Wuhan die Errichtung von Zwillingtürmen. Wie die Internetplattform Business Insider berichtet, soll der größere von den beiden einen Kilometer Höhe erreichen. Mit 829,8 Metern hält laut Wikipedia derzeit der "Burj Khalifa" in Dubai den Champion-Titel. Da kann das derzeit in Wuhan bereits im Bau befindliche "Greenland Center" mit seinen 636 Metern nicht mithalten. (Zum Vergleich: Das von seiner Fertigstellung 1931 bis zum Ende der 1970er als das welthöchste Gebäude geltende "Empire State Building" in New York kommt lediglich auf 380 Meter.)

- Die Konsum- und Investitionsunterlassungssteuer (Telepolis, 18.06.2014)
Vermögensungleichverteilung als Chance? Teil 3
Im 2. Teil dieser Artikelreihe (Die Folgen zunehmender Vermögensungleichverteilung) wurde aufgezeigt, wie wenig erfolgreich die Theorie freier Märkte als wirtschaftspolitische Referenz in der Bundesrepublik und auch auf EU-Ebene seit Ausbruch der Finanzkrise 07/08 ist. Dabei wurde auch auf die Gefahren fortlaufend steigender Vermögenskonzentrationen hingewiesen. Im letzten Teil wird eine Alternative zur Vermögensteuer zur Diskussion gestellt, die die Gefahren fortlaufend steigender Vermögenskonzentrationen mildern könnte. 

Volker Pispers - Asiatische Sozialleistungen [22:10]


- Japan: Geschichtsrevisionismus empört Nachbarn (Telepolis, 18.06.2014)
Bürgermeister von Osaka relativiert mit kruden Argumenten japanische Kriegsverbrechen 
Toru Hashimoto, rechter Bürgermeister der japanischen Metropole Osaka, kann es nicht lassen. Geschichtsrevisionismus gehört offenbar zu seinen liebsten Beschäftigungen. Wie die Zeitung Mainichi Shimbun in ihrer englischsprachigen Internetausgabe berichtet, behauptete er dieser Tage in einer öffentlichen Rede, die Soldaten der alliierten Truppen hätten nach ihrer Landung in der Normandie im Juni 1944 französische Frauen vergewaltigt, weshalb Bordelle für die Soldaten eingerichtet worden seien.

- Ist Europas Energiesicherheit durch Russland oder durch die Ukraine bedroht? (NachDenkSeiten, 18.06.2014)
Nachdem die Verhandlungen im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine einmal mehr gescheitert sind, hat Russland die Lieferungen in sein Nachbarland einstweilen eingestellt. Teile der deutschen Medien schwadronieren vor diesem Hintergrund wieder einmal von einem Gaskrieg gegen Europa und stellen die Russen als Aggressor dar. Doch dieses Bild hat mit der Realität nicht viel zu tun und läuft vor allem auf die Promotion der Förderung von Schiefergas – dem sogenannten „Fracking“ – hinaus.

- Es ist der Binnenmarkt Ihr Deppen (NachDenkSeiten, 20.06.2014)
Der amerikanische Politikwissenschaftlicher und Publizist Robert Reich berichtet über die Besorgnis amerikanischer Spitzenmanager, dass die von ihren Unternehmen hergestellten Waren angesichts des Zerfalls der amerikanischen Mittelschicht zukünftig nicht mehr genug Käufer finden. Wie bitte ? Noch einmal: Amerikanische Spitzenmanager zeigen sich besorgt über die Erosion der Einkommen der amerikanischen Mittelschicht, weil sie durch ein weiteres Anhalten dieser Entwicklung ihren heimischen Absatz in Gefahr sehen. Der europäische Leser reibt sich gerührt die Augen. Der Binnenmarkt und Unternehmer, die gesamtwirtschaftlich denken können – es gibt sie noch.

- Hinweise des Tages (NachDenkSeiten, 20.06.2014)

- Hinweise des Tages II (NachDenkSeiten, 20.06.2014)

 - Die Queen der Debatten (der Freitag, 18.06.2014)
Vernunft Zum 85. Geburtstag von Jürgen Habermas legt Stefan Müller-Doohm eine erste umfassende Biografie des Philosophen vor. Die Lektüre stimmt ein wenig wehmütig

- David Bowie ist wie die Bibel (der Freitag, 22.05.2014)
Ausstellung Seine berühmte "Berliner Phase" wird jetzt im Martin-Gropius-Bau in Szene gesetzt. Aber wie verhielt es sich wirklich mit Bowie und Berlin? Der Fall ist nicht zu klären

- Separatisten sind Anarchisten (der Freitag, 18.06.2014)
Schweiz Eine Gemeinde, die den Kanton wechseln will, kann Tumulte und sogar einen territorialen Konflikt auslösen

- Warum Stefan Niggemeier Recht hat (der Freitag, 18.06.2014)
Medien Stefan Niggemeier und Hans-Martin Tillack haben sich einen offenen Schlagabtausch geliefert: Blogger vs. Enthüllungsjournalist. Eine Parteinahme
siehe dazu auch Kurzer Prozess: „Zeit Online“ und der geschasste 150-Euro-Reporter (Stefan Niggemeier, 08.03.2014)

- Die Armut von innen (der Freitag, 20.06.2014)
Migration Das Märchen vom Sozialmissbrauch wird gerne erzählt. Die Geschichte der Menschen dahinter hingegen kaum 

Gerhard Polt - Toleranz [15:25]

(kein und aber, 2004)

- How Secret Partners Expand NSA’s Surveillance Dragnet (The Intercept, 18.06.2014)
Huge volumes of private emails, phone calls, and internet chats are being intercepted by the National Security Agency with the secret cooperation of more foreign governments than previously known, according to newly disclosed documents from whistleblower Edward Snowden. 
The classified files, revealed today by the Danish newspaper Dagbladet Information in a reporting collaboration with The Intercept, shed light on how the NSA’s surveillance of global communications has expanded under a clandestine program, known as RAMPART-A, that depends on the participation of a growing network of intelligence agencies.

- Uno-Bericht: Mehr als 50 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht (SPIEGEL Online, 20.06.2014)
Die Uno legt alarmierende Zahlen vor: Mehr als 50 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht - der höchste Wert seit dem Zweiten Weltkrieg.

- Waldbesetzer wieder da (junge Welt, 21.06.2014)
Protest gegen Flughafenausbau in Frankfurt am Main: Robin-Wood-Aktivisten erklimmen Bäume. Auch alte Startbahn-West-Gegner machen mit, zur Not mit Rollator

- Vorrangig Eigeninteressen (junge Welt, 21.06.2014)
Hintergrund. Die Beziehungen zwischen China und Rußland. Teil I: Vom 13. Jahrhundert bis zur Nachkriegszeit

- Investor ist König (junge Welt, 21.06.2014)
Wenn Staaten sich Fesseln anlegen: Wikileaks leuchtet in dunkle Ecken des Lobbyismus. »Abkommen« wie TISA verfestigen die private Macht über den Globus

Donnerstag, 19. Juni 2014

Mike Oldfield – Tubular Bells

Hier sind drei Live-Versionen des Werkes, das ihn schlagartig berühmt machte (Rezension auf den Babyblauen Seiten): eine aus dem Jahr 1973,

Tubular Bells live @ BBC (1973) [24:57]


die nächste aus dem Jahr 1979, 

Mike Oldfield - TUBULAR BELLS (Parte 1) - 1979 [28:22]


die dritte vom Montreux Jazz-Festival 1981

Mike Oldfield - Tubular Bells (Live at Montreux 1981) [16:34]

 

Mittwoch, 18. Juni 2014

Man kann’s ja mal probieren…

Da habe ich einen Patienten, dem wurde gekündigt. Nach 25 Jahren Betriebszugehörigkeit und 20 Jahre im Betriebsrat. Begründung des Arbeitgebers: Die Arbeitsplätze fallen weg. Mit 83 anderen wanderte er in eine Auffanggesellschaft, in der die Leute für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden sollten. Diese Maßnahme wurde mit öffentlichen Geldern – u.a. EU-Geldern – bezuschußt. Während des Jahres in der Auffanggesellschaft wurden die Leute an Word und Excel fit gemacht, und in Rollenspielen wurden sie fit für Bewerbungsgespräche gemacht. Wenn ich das richtig im Kopf behalten habe, gab es unter den 84 Leuten ein halbes Dutzend Herzinfarkte, ein halbes Dutzend Scheidungen und zwei Suizidversuche. Während die 84 in der Auffanggesellschaft fit gemacht wurden, warb der Arbeitgeber – der sich keinesfalls in einer finanziell prekären Situation befindet –, in Anzeigen um Zeitarbeitskräfte. In den Verhandlungen vor Überwechseln in die Auffanggesellschaft gab die Trainingsfirma ihre Vermittlungsquote mit 80 Prozent an. Von den 84 machte sich einer selbständig, ein anderer fand Arbeit.
Vor etwa zwei Monaten erklärte der Arbeitsrichter die Kündigung für rechtens. Ein ziemlich hohes Tier in dieser Institution erklärte die Gekündigten zu Querulanten. Kurz vor Pfingsten entdeckten einige der 84 – sie begleiteten eine Kollegin zu einem Termin beim Arbeitsgericht – einige Müllsäcke mit nicht geschreddertem Inhalt: die Prozessunterlagen der 84… 
Am Abend, als die Müllsäcke immer noch da standen, holte einer der 84 nach Rücksprache mit dem sie vertretenden Rechtsanwalt die Müllsäcke ab und stellte sie sicher. Jetzt wirft ihnen das hohe Tier in der Justiz vor, ständig vor dem Gericht herum zu lungern, und sie hätten die eigenen Unterlagen aus dem Gebäude entwendet…

Von einer Krankenkasse kam dieser Tage eine Anfrage. Wohlgemerkt: nicht vom Medizinischen Dienst, wo speziell geschulte Ärzte sitzen, sondern von irgendeinem Mitarbeiter der Krankenkasse. Auf der ersten Seite wird mir mein Ansprechpartner genannt, unterschrieben ist das Schreiben von jemand anderem, von dem ich noch nicht mal weiß, wer das ist. Noch nicht einmal eine Schweigepflichtsentbindung ist beigefügt.
Auf der zweiten Seite soll ich dann angeben, wieviele Stunden ich mit dem Patienten bisher abgehalten haben, wie oft er kommt und wie ich den Therapieverlauf einschätze. Wenn ich das Formular ausgefüllt zurückschicken würde, erhielte irgend ein Nichtmediziner – wahrscheinlich also eine Bürokraft der Krankenversicherung – intime Informationen über den Patienten…
Abgesehen von der Beleidigung meiner Intelligenz und meiner Integrität wäre damit das informationelle Selbstbestimmungsrecht meines Patienten in allerhöchstem Maße verletzt, und ich behaupte, noch vor 20 Jahren hätte keine Krankenkasse gewagt, eine solche Anfrage an einen Arzt – geschweige denn an einen Psychotherapeuten – zu richten. Aber man kann’s ja mal probieren, die Zeiten ändern sich…

Ich frage mich ernsthaft, wie die Menschen da noch Vertrauen in unsere Institutionen haben sollen!