Mittwoch, 25. Juni 2014

Vor 60 Jahren – 27. Juni 1954: Putsch gegen Jacobo Arbenz in Guatemala

Am 27. Juni 1954 wurde Jacobo Arbenz, Präsident Guatemalas schweizerischer Herkunft, von einer von der CIA organisierten Exiltruppe gestürzt. Der Coup beendete einen kurzen guatemaltekischen Frühling.

Am 27. Juni 1954 wurde der guatemaltekische Präsident und Oberst Jacobo Arbenz durch einen von der CIA orchestrierten Putsch gestürzt. Arbenz, Sohn eines Einwanderers aus Andelfingen in der Schweiz, war vier Jahre zuvor von einer überwältigenden Mehrheit von 65 Prozent der Wähler zum Präsidenten bestimmt worden. Mit einer Landreform hatte er die guatemaltekischen Grossgrundbesitzer und die amerikanische Regierung gegen sich aufgebracht.

mehr:
- Putsch gegen Jacobo Arbenz in Guatemala (Werner Marti, NZZ, 25.06.2014)

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Bananenrepublik ist die abwertende Bezeichnung für Staaten, in denen Korruption und Bestechlichkeit vorherrschen, deren Rechtssystem nicht funktioniert, wirtschaftliche oder politisch-moralische Verhältnisse von Ineffizienz und Instabilität geprägt sind oder in denen staatliche Willkür herrscht oder denen diese Eigenschaften zugeschrieben werden.
Geschichte
Diese Partikularinteressen wirkten sich in Mittelamerika besonders deutlich aus. Anfangs wurden einzig solche Länder so bezeichnet, die nur oder vorwiegend Bananen exportierten bzw. anbauten. Der Begriff geht dabei vor allem auf die mittelamerikanischen Staaten wie etwa HondurasNicaragua oder Panama zurück, deren Politik und Staatsgeschäfte über Jahrzehnte durch den Einfluss der großen Südfruchtexporteure United Fruit Company (Chiquita)[3] und Standard Fruit Company (Dole) bestimmt wurde. Die wirtschaftliche Macht dieser US-amerikanischen Unternehmen war weitaus größer als die politische Macht der Regierungen oder gar der Bevölkerung dieser Länder. Ein früherer US-amerikanischer PR-Berater, Edward L. Bernays, war u. a. zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit von United Fruit.
Im April 1907 installierten die USA in Honduras eine korrupte Diktatur unter Miguel R. Dávila, um die Interessen der United Fruit Company zu schützen. Bereits 1910 kontrollierten die US-Firmen 80 % der honduranischen Bananenpflanzungen.[4] Die Diktatoren Tiburcio Carías Andino und Juan Manuel Gálvez, die von 1933 bis 1948 bzw. von 1949 bis 1954 an der Macht waren, betätigten sich ebenfalls als Handlanger der United Fruit Company. Ähnlich verlief es 1930 in der Dominikanischen Republik mit Rafael Trujillo, in Guatemala 1954 mit Carlos Castillo Armas und in Chile 1973 mit Augusto Pinochet.[5] Die United Fruit Company kontrollierte in Guatemala nicht nur den Bananenhandel („Chiquita“), sondern auch die Post, den größten Hafen und die Stromversorgung des Landes.[6]
[Bananenrepublik, Wikipedia, abgerufen am 23.08.2019]
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Die Operation PBSUCCESS (auch Operation SUCCESS) war eine 1954 vom US-amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA durchgeführte Geheimdienstoperation mit dem Ziel, den demokratisch gewählten Präsidenten von GuatemalaJacobo Árbenz Guzmán, zu stürzen. Es war die erste große verdeckte Operation der 1949 gegründeten CIA in Zentralamerika und wurde wegen ihres zunächst innerhalb der US-Regierung so gesehenen „Erfolgs“ zum Vorbild für weitere derartige Aktivitäten in Lateinamerika und in vielen Ländern weltweit. Ein kleiner Teil der CIA-internen, lange als Geheimsache unter Verschluss gehaltenen Akten zu der Operation ist mittlerweile öffentlich zugänglich.
Die Aktion ging unter anderem auf das Drängen des US-Lebensmittelkonzerns United Fruit Company (heute Chiquita Brands International) zurück, der ausgedehnten Grundbesitz in Guatemala besaß und durch die von Arbenz geplante Landreform seine Interessen gefährdet sah. Der damalige CIA-Direktor Allen Welsh Dulles war nebenbei als Rechtsanwalt und Lobbyist für das Unternehmen tätig. Die CIA bildete eine Ad-hoc-„Befreiungsarmee“ von ungefähr 400 Kämpfern in Nicaragua aus und versorgte sie mit Waffen. Unter dem Befehl von Castillo Armas drang diese am 18. Juni 1954 über Honduras nach Guatemala ein. Arbenz musste daraufhin am 27. Juni 1954 zurücktreten.
Der so herbeigeführte Staatsstreich verursachte erhebliche politische Instabilität in dem sich damals gerade in einer Stabilisierungsphase befindlichen bzw. friedlichen Land und markierte den Beginn von vier Jahrzehnten repressiver Gewaltherrschaftverschiedener, sich gegenseitig ablösender Militärdiktaturen, die fast durchweg von den USA politisch, militärisch und geheimdienstlich unterstützt wurden.[1] Während dieses so bezeichneten „Bürgerkriegs“ in Guatemala wurden bis zu seinem Ende 1996 mindestens 140.000 Guatemalteken durch das Militär und staatlich gesteuerte, inoffizielle paramilitärische Todesschwadronenermordet. Eine große Zahl wurde dabei zum Opfer der Praxis des so genannten Verschwindenlassens, sie werden auch als Desaparecidos bezeichnet.[2] Verschiedene Menschenrechtsorganisationen schätzen die Opferzahl noch höher, auf über 250.000. 
[Operation PBSUCCESS, Wikipedia, abgerufen am 05.02.2018]
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Arbenz & the CIA, Guatemala 1950's {7:24}

ColdWarWarriors
Am 24.02.2009 veröffentlicht
CIA interference in Guatemala during the 1950's

Operation PBSUCCESS - Guatemala ☀ {3:13}

PressPlayObey
Am 06.05.2013 veröffentlicht
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US CIA Intervention in Guatemala 1954 - 1of5.mp4 {9:36}

TruthGlobal
Am 18.03.2010 veröffentlicht
The United States, with the connivance of John Foster Dulles and the CIA, overthrew the legitimate democratically elected government of Guatemala at the request of the United Fruit Company. They installed a military dictatorship which led to the mass murder of hundreds of thousands of innocent people in the years succeeding the CIA Coup.

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Nach Arévalo wurde 1951 Jacobo Árbenz Guzmán zum Präsidenten gewählt. Er setzte die Reformen seines Vorgängers fort. Der Arbeitsbeschaffung und der Verbesserung der Infrastruktur dienten der Bau der ersten Autobahn und eines großen Wasserkraftwerks. Beide Projekte liefen den Interessen mehrerer US-Firmen entgegen. Árbenz' Hauptaugenmerk lag aber auf einer Agrarreform, die den Kleinbauern zugutekam und eine Diversifizierung der Agrarproduktion zum Ziel hatte. Die Legalisierung der linken Arbeiterpartei beförderte dabei die Durchsetzung der Interessen von Bauern und Arbeitern. Die USA reagierten auf diese Entwicklung mit zunehmender Sorge um ihren Einfluss im Land, zumal Árbenz entschlossen war, auch die United Fruit zu verstaatlichen. United Fruit war zu dieser Zeit der größte private Landbesitzer in Guatemala. Das 1952 zustande gekommene Landreformgesetz gab der Regierung die Möglichkeit, Brachland unter bestimmten eng gefassten Bedingungen gegen Zahlung einer Entschädigung an Kleinbauern zu übertragen.
United Fruit war mit einer Brachquote von 85 Prozent einer der Hauptbetroffenen des neuen Gesetzes. Als die Regierung eine Entschädigung von drei Dollar pro Acre anbot, dem Wert wie er von United Fruit in der Steuererklärung angegeben worden war, machte das Unternehmen geltend, dass das Land tatsächlich 75 Dollar pro Acre wert sei. Mit Hilfe ausgezeichneter Kontakte zur US-Regierung (der Bruder des United-Fruit-Präsidenten war im US-Außenministerium für Lateinamerika zuständig, der Außenminister selbst hatte für United Fruit gearbeitet und dessen Bruder war sowohl Direktor der CIA als auch im Vorstand des Unternehmens)[25]startete United Fruit in den USA eine Public-Relations-Kampagne gegen Árbenz: Es sollte der Eindruck erweckt werden, dass Guatemala Gefahr lief, ein Satellitenstaat unter sowjetischer Führung zu werden. Die US-Politiker und United Fruit entschlossen sich daher, konservative Kräfte zu unterstützen, die sich den Sturz Árbenz' zum Ziel gesetzt hatten: Die so genannte Operation PBSUCCESS wurde von der CIA unterstützt, mit deren Hilfe eine kleine „Befreiungsarmee“ unter Colonel Carlos Castillo Armas von Honduras aus in Guatemala einfiel und die Regierung stürzte. Dem Coup waren Bombardierungen durch US-Piloten auf Guatemala-Stadt vorausgegangen.[26] 
[Geschichte Guatemalas, Von Estrada bis Árbenz, Wikipedia, abgerufen am 05.02.2018]
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The Communist Takeover of Guatemala (720p) {24:44}

DOCUMENTARY TUBE
Am 02.09.2014 veröffentlicht
This documentary film is about the social changes that lead to a communist revolution in Guatemala.

1954, Guatemala - CIA & the United Fruit Company, Jacobo Arbenz {9:13}

911truthncDotOrg
Am 31.01.2010 veröffentlicht
Jacobo Arbenz, President of Guatemala, committed two sins in the eyes of the Eisenhower administration. First, when he opened the system to all political parties he recognized the Communists too. 
Arbenz also embarked on a massive land reform program. Less than 3 per cent of the land owners held more than 70 per cent of the land. So Arbenz nationalized more than 1 ½ million acres, including land owned by his own family and turned it over to peasants. Much of that land belonged to the United Fruit Company, the giant American firm that was intent on keeping Guatemala, quite literally, a banana republic. United Fruit appealed to its close friends in Washington, including the Dulles brothers, who said that Arbenz was openly playing the Communist game. He had to go.
The National Security Act of 47 gave us the National Security Council. Never have we had a National Security Council so concerned about the nations security that were always looking for threats and looking how to orchestrate our society to oppose those threats. National Security was invented, almost, in 1947, and now it has become the prime mover of everything we do as measured against something we invented in 1947." 
-- U.S. Navy Admiral Gene La Rocque in PBS Documentary "The Secret Government"


Bernays helped mastermind that war for his fruit company client, drawing on every public relations tactic and strategy he had refined since giving birth to the profession forty years before. Historians have written extensively about that propaganda campaign, but always relied on the sketchy account Bernays provided in his autobiography and the limited materials available from the American and Guatemalan governments. Upon Bernays’s death in 1995, however, Library of Congress made public fifty-three boxes of his papers on United Fruit that paint in vivid detail his behind-the-scenes maneuvering and show how, in 1954, he helped topple Guatemala’s left-leaning regime. Those papers offer insights into how the United States viewed its Latin neighbors as ripe for economic exploitation and political manipulation—and how the propaganda war Bernays waged in Guatemala set the pattern for future US-led campaigns in Cuba and, much later, Vietnam.


“This whole matter of effective counter-Communist propaganda is not one of improvising,” Bernays noted in a 1952 memo to United Fruit’s publicity chief. “What is needed,” he added, is “the same type of scientific approach that is applied, let us say, to a problem of fighting a certain plant disease.”

[Larry Tye, Watch Out for the Top Banana, CabinetMagazine, Nr. 23, 2006 – Google-Übersetzer]

A Brief History of U.S. Dirty Wars in Central America That Set the Stage for the Refugee Crisis {9:23}

The Intercept
Am 23.02.2018 veröffentlicht 
The world watched in horror as U.S. Border Patrol agents opened fire with tear gas on a group of refugees seeking asylum in the United States. Among the targets of this assault by U.S. forces were women and children, many of whom who fled Honduras.
Across the news media, these refugees are simply referred to as “migrants,” or “the caravan.” Rarely do we get any context of why they are risking their lives and the lives of their children to flee Honduras. And part of why we don’t hear the context is because to really tell this story, you need to talk about the U.S. dirty wars in Central America in the 1980s, the impact of neoliberal economic policies, and the catastrophe of climate change caused by the U.S. and other major world powers. You need to know history.
And if you know this history, particularly in Honduras, then you know that what we are seeing now is a situation where the U.S. set a house on fire and as the flames have raged, the U.S. is standing against the people trying to flee the fire that Washington set to their home.
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siehe auch:
Angewandte Psychoanalyse: Masse und Mob – Wie Emotionen gesteuert werden können (Post, 20.02.2014)
Der Wille des Volkes, Bananen und die CIA (Konrad Hauser, The Intelligence, 13.03.2010)
Edward Bernays – Der Vater der Massenmanipulation (USAControl, 21.07.2008)

zuletzt aktualisiert am 23.08.2019

Das Pleisweiler Gespräch mit Willy Wimmer, die Videos

Ich bin erstaunt, daß ich, nach dem Pleisweiler Gespräch mit Albrecht Müller und Willy Wimmer googelnd, nirgendwo (außer Müllers NachDenkSeiten und Dirk Müllers Cashkurs - hier übrigens auch noch weitere Artikel von und über Willy Wimmer) etwas gefunden habe, aber anscheinend paßt diese Veranstaltung nicht in die derzeitige publizisische Landschaft. Die Vita dieser beiden Leute finde ich sehr interessant.
Hier also der Link zu den Videos vom Pleisweiler Gespräch am 21. Juni 2014

Linksammlung zu Willy Wimmer bei der ZEIT
- Willy Wimmer (CDU) – USA wollen Europa in den Krieg ziehen – Iranisches Radio 28.2.14 (Sommers Sonntag, 04.03.2014)
- Personalia: Willy Wimmer (ZeitGeist)
- Interview mit Willy Wimmer (Iran German Radio, 11.05.2014)

Heute vor 64 Jahren – 25. Juni 1950: Beginn des Koreakrieges

Eine heiße Phase des Kalten Kriegs 

Nach der Kapitulation Japans im August 1945 wurde die Koreanische Halbinsel, die zuvor dem japanischen Kaiserreich eingegliedert worden war, entlang des 38. Breitengrads in zwei Besatzungszonen geteilt: Den Norden kontrollierte die Sowjetunion, den Süden die USA. Als die USA 1948 im Süden die Republik Korea ausriefen, wurde im Norden mit Unterstützung der UdSSR die kommunistische Demokratische Volksrepublik Korea proklamiert. Beide Staaten sahen sich als einzig rechtmäßigen koreanischen Staat an und nahmen keine Beziehungen auf.

Südkoreaner fliehen vor den Truppen des Nordens, Sommer 1950
1950 kam es in Südkorea zu Grenzzwischenfällen, die Nordkorea zum Anlass für eine Intervention nahm. Mit dem Überschreiten der Demarkationslinie und dem Vormarsch Richtung Seoul lösten die nordkoreanischen Truppen am 25. Juni 1950 den Koreakrieg aus. Im Verlauf des äußerst blutigen und verlustreichen Krieges eroberte zunächst der Norden, dann der Süden fast die gesamte Halbinsel. Das Waffenstillstandsabkommen von 1953 führte die Parteien auf die Ausgangspositionen am 38. Breitengrad zurück.

Koreakrieg (1950-53)
▪︎ Truppen der Volksrepublik China unterstützten Nordkorea
▪︎ UNO-Truppen unter Führung der USA kämpften für den Süden
▪︎ insgesamt starben im Koreakrieg etwa 3 Mio. Menschen
▪︎ fast die gesamte Industrie wurde zerstört
Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014 

Der Korea Krieg - Vorgeschichte und Verlauf - Doku Koreakrieg [1:16:35]

Dienstag, 24. Juni 2014

Vor 70 Jahren – 1944: Adorno beginnt mit den Arbeiten an seinen »Minima Moralia«

Reflexionen aus einem beschädigten Leben 


Dieser Satz Theodor W. Adornos (1903-1969) stammt aus seinem Buch »Minima Moralia«, das er von 1944 bis 1947 im kalifornischen Exil geschrieben hat, also unter dem Schock des Faschismus und des Holocausts. Diese Sammlung von 153 »Reflexionen aus dem beschädigten Leben« – so der Untertitel – ist mit einer Auflage von rund 100.000 Exemplaren bis heute Adornos populärstes Buch. 

Die zitierte Sentenz Adornos stammt aus einem Text, der um das Problem kreist, sich in modernen Zeiten irgendwo häuslich und im Leben einzurichten. In der ursprünglichen Fassung lautete der Satz: »Es lässt sich privat nicht mehr richtig leben.« Wie könnte man zu Zeiten totalitärer Diktaturen, die alle Lebensbereiche durchdringen, privat richtig leben? In den schließlich gewählten Worten liegt eine deutliche Zuspitzung der Aussage, ganz im Sinne seiner Praxis, seine Thesen »brachial« zu formulieren. Die Gegenüberstellung von »falsch« und »richtig« betont die Notwendigkeit, sich das Gespür für das Richtige nicht nehmen zu lassen und sich eindeutig dafür zu entscheiden. 
Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014 

Adorno - Es gibt kein richtiges Leben im falschen [42:50]

Yes - Keys to Ascension Live, 1996


Yes - Keys to Ascension Live in San Luis Obispo, CA 1996 (full) [2:26:58]


Montag, 23. Juni 2014

Der Knoten im Kopf von ZEIT-Herausgeber Josef Joffe

Der Herausgeber der Wochenzeitung «Die Zeit» hat sein eigenes Weltbild. Es ist bemerkenswert einäugig.

«Die Zeit» aus Hamburg ist, der Superlativ sei riskiert, die beste Wochenzeitung im deutschen Sprachraum. Von Gerd Bucerius gleich nach Kriegsende 1946 gegründet, hat sich das Blatt neben den grossen Tageszeitungen Deutschlands – Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ, Süddeutsche Zeitung, Die Welt, Frankfurter Nachrichten – zum deutschen Weltblatt hochgearbeitet. Ob Politik oder Wirtschaft, Feuilleton oder Dossier, hier schreiben von den besten Journalistinnen und Journalisten deutscher Zunge. Selbst die drei Wechselseiten «Schweiz», welche bei den in der Schweiz verkauften Ausgaben der «Zeit» den ersten Bund abschliessen, zeigen regelmässig hohe Kompetenz und stehlen da, wo die NZZ der ihr nahestehenden Grossbanken wegen ein Thema unter den Teppich zu kehren versucht – etwa beim UBS-Sponsoring-Vertrag mit der Uni Zürich – dieser sogar die Show.

«Die Zeit», eine wirklich gute Zeitung, wo wenig Wünsche offen bleiben.

Wenn da nicht der jetzige Herausgeber Josef Joffe wäre.

Oft schreibt er zwar nicht, dieser Josef Joffe. Ein Herausgeber, in der internen Hierarchie dem Chefredakteur übergeordnet, hat ja andere Aufgaben als gewöhnliche Journalisten. Er muss vor allem repräsentieren. Aber wenn er schreibt, steht sein Kommentar fast immer zuvorderst, auf der Frontseite. Es muss ja gesehen werden, wenn der Boss selber in die Tasten greift.

Nur eben: Auch der Ärger des Lesers, der Leserin ist dann grösser. Oder die Enttäuschung. Oder die Wut. Es bleibt dann nicht nur beim Kopfschütteln über eine Sottise, deren es natürlich auch in der «Zeit» immer wieder hat.

mehr:
- «Die Zeit»: Wenn der Boss kommentiert (Christian Müller, Info-Sperber, Datum)
siehe auch:


Wir leben in einem ruhenden Polizeistaat, in einem schlafenden Polizeistaat – der jederzeit zum Leben erweckt werden kann.

Wer diesem Rechtsstaat in die Quere kommt, kann sich auf einiges gefasst machen. Chelsea Manning verbrachte neun Monate in Isolationshaft. Sie musste nachts ihre Kleider abgeben und morgens nackt vor der Zelle antreten. Körperliche Übungen waren ihr verboten. Das Licht brannte unablässig. Das ist der Rechtsstaat.

Und
 Selbsttäuschung war es, die viele Journalisten in Deutschland eher mürrisch auf die Wikileaks-Veröffentlichungen reagieren ließ. Der Herausgeber der Zeit, Josef Joffe, war da typisch. Er schrieb, er wünsche sich „keinen Ein-Mann-Rächer, der nach eigenem Geschmack entscheidet, was zu veröffentlichen sei. Dafür haben wir Parlamente und Gerichte, also den Rechtsstaat“. Normalerweise rechtfertigen staatliche Stellen mit solchen Worten die Knebelung der Presse. Nur zur Erinnerung: Die Folter in Abu Ghraib, das grausame Waterboarding in den Gefängnissen der CIA, das Niedermähen unbewaffneter Zivilisten in Afghanistan – all das, was die USA in gefährliche Nähe zu den Unrechtsregimen im Nahen Osten, zu China und zur untergegangenen Sowjetunion gebracht hat, ist eben nicht durch „Parlamente und Gerichte“ an den Tag gekommen, sondern durch Whistleblower. […]
In Bezug auf ihre Auffassung von Sicherheitspolitik sind die USA heute ein totalitärer Staat. Solange das so ist, haben wir eine besondere Verpflichtung, wir in Europa, wir in Deutschland. Es ist die Verpflichtung, die Flamme der Freiheit nicht ausgehen zu lassen. Es ist die Verpflichtung, jenen, die gegen diesen Totalitarismus kämpfen, Schutz zu gewähren.  
[Jakob Augstein, Vater aller Whistleblower, Laudatio zur Verleihung des Dresden-Preises an Daniel Ellsberg, in: der Freitag, 
03.03.2016 – Hervorhebungen von mir]
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Leseempfehlungen für den 23. Juni 2014

- Erfolgreiche Ungleichheitsbekämpfung an der Wiege der westlichen Kultur? (Telepolis, 22.06.2014)
Wie in Athen und Sparta angeblich die eskalierende Ungleichheit bekämpft wurde und wie daraus die mächtigsten Staaten der Antike entstanden 
Während über die Details sicherlich gestritten werden kann, steht außer Zweifel, dass die Ungleichheit im Westen erheblich zugenommen hat und drängende ökonomische und damit soziale Probleme verursacht. In der Neuzeit steht ein eskalierender Unterschied zwischen Reich und Arm (wie er etwa um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und zur Zeit des Wall Street-Crashs von 1929 verzeichnet wurde) im Zusammenhang mit Zeiten, in denen diese Ungleichgewichte teils krisenhaft und teils sehr langsam und durch zufällige historische Entwicklungen abgebaut wurden.

- Ukraine: Inszenierung eines Waffenstillstands (Telepolis, 23.06.2014)
Poroschenko handelt verunsichert, in der Ukraine haben wie im Irak oder in Syrien Banden oder Milizen das Sagen 
Seit Freitagabend gilt der vom ukrainischen Präsidenten Poroschenko einseitig für eine Woche bis zum 27. Juni verordnete Waffenstillstand, den die Separatisten allerdings abgelehnt haben. Sie sehen darin einen Schachzug zu ihrer Entmachtung, obgleich Poroschenkos "Friedensplan" große Schritte in Richtung Dezentralisierung vorsieht. Allerdings will er die militanten Separatisten nicht in eine Friedenslösung einbeziehen, sondern sieht für sie eine Amnestie oder die "Auswanderung", eine Art von ethnischer "Säuberung", nach Russland durch "sichere Korridore" vor, auch wenn Poroschenko nur von russischen "Söldnern" spricht, die ihre Waffen niedergelegt bzw. hinterlassen haben. Und er droht bereits mit einer Alternative B, falls der Frieden in seinem Sinne nicht wiederhergestellt werden kann, verrät aber nicht, was er dann über die Fortführung der "Antiterroroperation" hinaus zu tun beabsichtig.

- Obamas leiser Krieg (Telepolis, 23.06.2014)
Die USA setzen bei der Bekämpfung von Krisen und der Durchsetzung von Sanktionen zunehmend auf eine bisher wenig bekannte Abteilung des US-Finanzministeriums. Nach eigener Aussage ein Instrument "einzigartiger" Machtdemonstration in der Welt 
"Amerika muss immer führen", sagte Obama in seiner West-Point Rede Ende März ("Amerika muss immer führen". Das Militär wäre dafür weiterhin zentral, gleichwohl machte Obama aber deutlich, dass sein Land militärisch nur noch selektiv eingreifen werde, das heißt, wenn es die US-Kerninteressen erfordern wie gegenwärtig bei der Offensive der ISIS im Irak.

- Tic Tac Tic Tac Tic Tac (Telepolis, 22.06.2014)
Das unermüdliche Ticken einer Uhr oder eines Metronoms erscheint oft als Symbol für den Wettlauf mit der Zeit. Ein Wettlauf mit der Zeit? Ist das überhaupt möglich? 
Was ist Zeit eigentlich? Spätestens seit dem 1997 erschienenen Band Eine Landkarte der Zeit von Robert Levine wurde auch einer breiteren Öffentlichkeit bewusst, dass die Vorstellung von Zeit vom Lebensumfeld (und damit auch von der Kultur des Einzelnen) abhängig ist. In den industrialisierten Ländern wird die Zeit zumeist als Zeitstrahl verstanden, während in Asien ein zirkulares Zeitverständnis vorherrscht. Aber selbst in Europa hat eine Zeitangabe nicht in allen Regionen das gleiche Gewicht. Ein berühmtes Beispiel, das so manchen Kontinentaleuropäer zur Verzweiflung treiben kann, ist die sogenannte irish time. Eine Verabredung für Sonntag um 15:00 heißt: Man trifft sich entweder irgendwann am Sonntag oder irgendwann um 15:00.

Heute vor 100 Jahren – 23. Juni 1914: Pancho Villa siegt gegen mexikanische Truppen

Ein Volk erhebt sich 

Krasse soziale Ungerechtigkeit prägte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Situation in Mexiko. Entscheidend für den Ausbruch der Mexikanischen Revolution war die enorme Konzentration des Landbesitzes während der Diktatur von Porfirio Diaz. Bei Ausbruch der Revolution 1910 waren 90% der Landbevölkerung landlos, während 1% der Bevölkerung über 96% des Bodens verfügte. Dies wollten die landlosen Bauern nicht länger hinnehmen, mit ihren Forderungen nach »Land und Freiheit« und einer Agrarreform waren sie die treibende Kraft der Revolution. 

Pancho Villa (3. von rechts) und seine Männer, Juni 1919

Unter der Führung von Pancho Villa (1877-1923) im Norden und Emiliano Zapata im Süden kämpften die Bauern für eine Landreform. Zwischen 1910 und 1921 herrschte im Land ein anarchistischer Zustand. Überall brachen Kämpfe aus, in denen die Revolutionstruppen vorübergehend Erfolge erzielten. Villa siegte gegen die Truppen des Machthabers Victoriano Huerta in der Schlacht bei Zacatecas am 23. Juni 1914, heute vor 100 Jahren. Dennoch konnten die Revolutionäre ihre weitgehenden Forderungen nicht umsetzen. Immerhin trat 1917 eine liberale Verfassung in Kraft, deren Bodenreform allerdings nicht umgesetzt wurde. 

Was am 23. Juni noch geschah: 
1924: Der Massenmörder Fritz Haarmann wird in Hannover verhaftet. 

Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014 


Pancho Villa on the border [4:11]
Veröffentlicht am 24.01.2013
The American Army under the direction of General Pershing went to Mexico in response to Panch Villa's raid on Columbus. President Wilson sent 5,000 men of the U.S. Army under General John Pershing into Mexico to capture Villa. Employing aircraft and trucks for the first time in US Army history, Pershing's force chased Villa until February 1917.[28] The search for Villa was unsuccessful.[3] However, some of Villa's senior commanders (Colonel Candelario Cervantes, General Francisco Beltrán, Beltrán's son and Villa's second-in-command Julio Cárdenas) and a total of 190 of his men were killed during the expedition.[29]

The Mexican population were against US troops in Mexican territories. There were several demonstrations of their opposition to the Punitive Expedition and that counted towards the failure of that expedition. During the expedition, Carranza's forces captured one of Villa's top generals, Pablo Lopez; he was executed on June 13, 1916.

Camera crews recorded the war.

Source:  http://en.wikipedia.org/wiki/Pancho_V...
siehe: Mexikanische Expedition [Wikipedia]

Verschollene Filmschätze E33: 1916. Pancho Villa – Tot oder lebendig! Doku (2014) [26:11]
Veröffentlicht am 03.11.2015
Im Jahr 1914 befand sich Mexiko seit vier Jahren im Bürgerkrieg. In den USA und in Europa rühmt die Presse die Verdienste des Revolutionsführers Pancho Villa und bezeichnet ihn als „mexikanischen Robin Hood“. Die Regierung in Washington hätte Pancho Villa gerne als Präsidenten Mexikos gesehen. Zwei Jahre später kam alles anders: Im März 1916 überfiel Pancho Villa die kleine Stadt Columbus in New Mexico. Fazit: 15 Tote auf amerikanischer Seite. Dieser Angriff einer ausländischen Guerillatruppe auf amerikanischem Territorium ist für die Öffentlichkeit ein gewaltiger Schock. Auf Befehl von Präsident Woodrow Wilson wird militärische Verstärkung an die Grenzen geschickt – insgesamt fast 15.000 Mann. Die Truppen machen sich im Norden Mexikos an die Verfolgung von Pancho Villa. Für die Presse bietet diese „Verbrecherjagd“ Gelegenheit, einen großen Feldzug und womöglich sogar Schlachten zu filmen. Die Reporter hoffen vor allem, über die Verhaftung des Verräters Pancho Villa berichten zu können. Doch wozu eine solche Machtdemonstration der Amerikaner? Diente dieser Feldzug vielleicht noch einem anderen Zweck? Und wie wurde Pancho Villa, der gefeierte Medienstar, den die amerikanische Regierung zunächst unterstützt hatte, zum Staatsfeind Nummer eins?

siehe auch:
- Der mexikanische Bürgerkrieg 1910-1934 (Post, 08.01.2016)
aktualisiert am 08.01.2016

Sonntag, 22. Juni 2014

Leseempfehlungen für den 22. Juni 2014

- Warum es auf der Toilette nur am Anfang stinkt (Telepolis, 21.06.2014)
Wie schafft es unser Gehirn, sich selbst an starke Reize zu gewöhnen - und trotzdem für andere Stimuli aufnahmefähig zu bleiben? 
Ob Toilettenmann oder Fischverkäuferin: Wer seinen Beruf an einem Ort mit besonderem olfaktorischem Hintergrund ausübt, muss kein Masochist sein. Praktischerweise besitzt unser Gehirn einen Mechanismus, der dauerhafte Reize mit der Zeit ausblendet. So kommt es, dass wir den tickenden Wecker normalerweise nicht hören, das unregelmäßige Schnarchen des Partners aber schon. Dass Babys vor neuen Gesichtern erschrecken, das Antlitz der Mutter aber mit einem Lächeln begrüßen. Dass die Klofrau zwar den Ammoniak-Geruch an ihrem Arbeitsplatz nicht mehr bemerkt, wohl aber das ungewohnt süße Parfüm einer Kundin. 

- Ist Psychiatrie heute noch Folter? (Telepolis, 21.06.2014)
Eine Einladung nach Berlin macht deutlich, wie unterschiedlich die Ansichten über die Psychiatrie heute noch sind 

"Menschenrechte und Psychiatrie" lautete der Titel einer Expertentagung mit hochkarätiger Besetzung, die am Donnerstag in Berlin stattgefunden hat. Auf Einladung der Deutschen Gesellschaft fürPsychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde sprach dort auch der UN-Beauftragte zu Fragen des Genozids und Folter, Juan E. Méndez.  

- Polen: Abhörprotokolle enthüllen Währungsgefährdung und versuchten Machtmissbrauch (Telepolis, 21.06.2014)
Opposition fordert Rücktritt der Regierung 

Die polnische Zeitschrift Wprost (übersetzt: "Direkt") hat am Montag Protokolle von Gesprächen veröffentlicht, die zeigen, dass Innenminister Bartłomiej Sienkiewicz und Nationalbankpräsident Marek Belka im Juli 2013 vereinbarten, das die polnische Nationalbank "eventuell" über Banken eine "gewisse Menge" Staatsanleihen aufkauft - was ihr eigentlich verboten ist. Zweck der Scharade sollte die Schaffung von Ausgabespielraum im Staatshaushalt sein, die die Regierung vor der Wahl 2015 für Wahlgeschenke nutzen kann, damit die konservative Oppositionspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) nicht gewinnt. Beide waren sich darüber einig, dass dieser Trick nur dann funktioniert, wenn man vorher den damaligen Finanzministers Jacek Rostowski los wird. Vier Monate später trat Rostowski zurück - angeblich ohne Druck von Außen.

- Nach dem Schlachten (der Freitag, 18.06.2014)
Porträt Christian Slater hat sich freiwillig gemeldet, die Toten im Irak einzusammeln. Denn für Marines gilt: "Keiner wird zurückgelassen." Das hat ihn fast den Verstand gekostet Porträt Christian Slater hat sich freiwillig gemeldet, die Toten im Irak einzusammeln. Denn für Marines gilt: "Keiner wird zurückgelassen." Das hat ihn fast den Verstand gekostet  


- Verlorene Generation (der Freitag, 18.06.2014)
Eritrea Jeden Monat flüchten Tausende vor dem unbegrenzten Militärdienst. Ihr Weg durch die Wüste und über das Mittelmeer ist lebensgefährlich  


- Ärger On Demand (der Freitag, 18.06.2014)
Ton & Text Es gibt mal wieder Streit mit YouTube. Es geht um Rechte, Verträge und Geld. Viel Geld insgesamt und sehr wenig Geld im Detail. Und natürlich wird alles immer schlimmer  


- Desinformanten (der Freitag, 20.06.2014)
Überwachung Keine Aufklärung im weltweit größten Überwachungsskandal ist auch eine Folge des Versagens der Leitmedien hierzulande  


- Das kälteste Gewerbe (der Freitag, 19.06.2014)
Onlinejournalismus Marketingexperten wollen den Fortbestand des Journalismus sichern, doch genau das kann ihn kaputtmachen. Der Nachwuchs muss davor gewarnt werden. Schirrmacher wusste das  


- Mutter unser (der Freitag, 18.06.2014)
Revolution Der alte Mann mit dem weißen Bart hat ausgedient! Versuchen wir doch einmal, uns eine Frau als Gott vorzustellen


Bemerkung von mir: nach dem alten Mann mit dem weißen Bart kommt jetzt die Frau…
Zwei Zitate von Meister Eckhart:
Etliche Leute wollen Gott mit den Augen ansehen, als sie eine Kuh ansehen, und wollen Gott lieb haben, als sie eine Kuh lieb haben. Also haben sie Gott lieb, um auswendigen Reichtum und um inwendigen Trost; aber diese Leute haben nicht Gott recht lieb ... Einfältige Leute wähnen, sie sollen Gott ansehen, als stünde er dort und sie hier. So ist es nicht. Gott und ich sind eins im Erkennen.
gefunden bei anthroweb.info

Der Mensch soll sich nicht genügen lassen an einem gedachten Gott; denn, wenn der Gedanke vergeht, vergeht auch der Gott. Man soll vielmehr einen wesenhaften Gott haben, der weit erhaben ist über die Gedanken der Menschen und aller Kreaturen.
gefunden bei aphorismen.de

- "Gott, ein Nichtgott, eine Nichtperson, ein Nichtbild" (Deutschlandradio Kultur, 26.06.2011) 
Er wurde vor über 750 Jahren geboren und ist doch so modern wie kaum ein anderer Theologe: Eckart von Hochheim, genannt Meister Eckart, Dominikaner-Mönch und der wohl wichtigste Theologe und Mystiker des späten Mittelalters. 
Sein Geheimnis sind wohl seine originellen und sehr zeitgemäßen Gedanken über Gott, den Menschen und die Kunst des christlichen Lebens, vor allem aber seine Hilfestellung zu einem mündigen, erwachsenen Glauben und Lebensstil. Doch Meister Eckarts Schriften sind so universal, dass er auch in in anderen Religionen wie Hinduismus und Buddhismus hoch respektiert ist. Sogar für Atheisten und Erkenntnissuchende ist er oft ein großer Gewinn, denn beinahe alle wichtigen Fragen des menschlichen Lebens kommen bei ihm vor, ohne, dass er je Vorschriften macht. 

Genesis - Jesus He Knows Me (1991) [5:17]



- Das Gehirn - ein interpretierendes Organ (hellmut-hille.de)    
A L L E S 
was man von Gott zu denken vermag, 
das ist alles Gott nicht. 
Was Gott in sich selber sei, 
dazu kann niemand kommen, 
er werde denn in ein Licht gerückt, 
 das Gott selber I S T . 
(Meister Eckhart - Zitate kursiv gesetzt) 
 
Das (menschliche) Gehirn läßt nichts so, wie es sich den Sinnen darbietet, sondern es reichert Erscheinungen solange mit ihm bekannten Eigenschaften, Relationen und Bedeutungen an, bis es mit dem Wahrgenommenen in geübter Weise umgehen kann. Auf diese interpretierende Art macht es sich das Sein ähnlich und zu eigen (s. Text III/3: Das Verstehen des Verstehens). Was das Sein jenseits unserer, auf das Verstehen zielenden Interpretation ist, bleibt daher die Frage. Erfahrungen und erkenntniskritische Überlegungen zeigen uns, daß das Sein wie Gott (s. Zitat oben) alle Denkbarkeit übersteigt. Hieraus ergibt sich der Begriff der Transzendenz, als jene Grenze, die uns durch unsere kognitiven Fähigkeiten gegeben ist.

- Predigt 52 - Beati pauperes spiritu, quoniam ipsorum est regnum caelorum (Meister-Eckhart-Gesellschaft)  
Nun gibt es zwei Arten von Armut. Einmal die äußere Armut. Sie ist gut und hoch zu loben – in einem Menschen, der sie um der Liebe unseres Herrn Jesus Christus willen frei erwählt. Auch er hat sie gehabt, als er auf der Erde war. Von dieser Armut will ich jetzt nicht weiter reden. Aber über sie hinaus gibt es eine Armut, eine inwendige, und auf sie bezieht sich das Wort unseres Herrn, wenn er sagt: „Selig, die arm sind an Geist“. 

Nun beschwöre ich euch, ihr möchtet so sein, dass ihr diese Lehre verstündet. Denn bei der ewigen Wahrheit, ich sage euch: Kommt ihr der Wahrheit nicht gleich, von der wir nun reden wollen, dann werdet ihr mich nicht verstehen. Ihr habt mich gefragt, was das Wesen der Armut sei und was ein armer Mensch sei. Darauf will ich antworten. 

Bischof Albert lehrt, ein armer Mensch sei der, der kein Genüge findet an allem, was Gott je geschaffen hat. Das ist gut gesagt. Doch darüber hinaus: Ich sage es noch besser und nehme „Armut” in einem höheren Sinn: Ein armer Mensch ist, wer nichts will, nichts weiß und nichts hat. Von diesen drei Punkten will ich heute reden, und um der Liebe Gottes willen beschwöre ich euch, ihr möchtet diese Wahrheit verstehen, wenn ihr könnt. Und versteht ihr sie nicht, so sorgt euch darum nicht, denn ich will von einer Wahrheit sprechen, die so beschaffen ist, dass auch von guten Menschen nur wenige sie verstehen werden.  

She's Alive... Beautiful... Finite... Hurting... Worth Dying for. [4:58]


- Sunniten gegen Schiiten – Der 35-jährige Krieg (Cicero, 20.06.2014)
Was der 30-jährige Krieg für das Christentum war, ist der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten für den Islam. Es ist dieser brutale Religionskonflikt, der auch den Vormarsch der Terrorgruppe Isis im Irak erklärt. Eine Analyse

Neues aus der Anstalt 20.03.2007: Georg Schramm und Jürgen Becker [8:31]


 

Heute vor 40 Jahren – 22. Juni 1974: Ein deutsch-deutsches Fußballspiel

Wettstreit der Systeme - auf dem Rasen 

Die Szene fehlt in keiner Darstellung der deutschen Fußballgeschichte und stellt einen ihrer denkwürdigsten Momente dar: In der 78. Minute des Vorrunden-Gruppenspiels zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR bei der Fußballweltmeisterschaft 1974 flankte ein DDR-Spieler den Ball in die Mitte vor das Tor der Westdeutschen, wo Jürgen Sparwasser drei Gegenspieler und dazu den Torwart Sepp Maier düpierte, das Siegtor erzielte und sich zum Volkshelden der DDR schoss. Die favorisierten Westdeutschen um Beckenbauer, Vogts, Breitner und Müller waren schockiert. 
 
Die beiden deutschen Mannschaften vor dem Spiel im Hamburg, 22.6.1974

BRD - DDR WM 1974 Highlights [9:44]


Es war das erste und einzige Duell, das die beiden deutschen Fußballnationalmannschaften je gegeneinander austrugen. Nach der Auslosung hatte die DDR kurzfristig erwogen, zu dem Prestigeduell nicht anzutreten, glücklicherweise besann sie sich aber eines Besseren. Die politische Führung feierte das 1:0 als Sieg über den Klassenfeind, die DDR-Spieler freuten sich einfach nur, gegen die großen Stars aus dem Westen gewonnen zu haben. Das westdeutsche Team unter Trainer Helmut Schön erholte sich rasch von der Niederlage - und errang schließlich den Titel. 

Fussball WM 1974 - Deutschland vs Niederlande (Finale) [9:58]


Was am 22. Juni noch geschah: 
1865: In Berlin nimmt die erste deutsche Pferdestraßenbahn den Fahrbetrieb auf.  [Brandenburger Tor bis Charlottenburg]
Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014