Sonntag, 26. Oktober 2014

Putin hat gesprochen! Howgh! – Die Valdai-Rede und die Rede vor der UN-Vollversammlung

Wenn die Welt sicherer werden wolle, müsse sie sich in regionalen Zentren organisieren, denn das weltbeherrschende Machtzentrum USA sei "wie eine Diktatur" 

Russische Fernsehsender kündigten gestern eine zweite "Münchener Rede" von Wladimir Putin an. Und tatsächlich ähnelte die Rede, welche der russische Präsident am Freitag auf dem Waldai-Forum - einer Zusammenkunft von Politologen, Historikern und Experten - in Sotschi hielt, derjenigen, mit welcher der russische Präsident 2007 auf der Sicherheitskonferenz in München Schlagzeilen machte. Wieder war es eine Anklage gegen die USA und die monopolare Weltordnung, mit einem Machtzentrum. 

Doch die Rede auf dem Waldai-Forum war um vieles schärfer als die Rede von 2007. Die Vorwürfe gegen die USA waren zahlreicher und grundsätzlicher. Nur mit einer scharfen Analyse ohne diplomatische Floskeln - so erklärte Putin seinem Publikum - sei es möglich herauszufinden, warum die Welt unsicherer geworden sei.
mehr:
- Putin präsentiert den USA Sündenkatalog (Ulrich Heyden, Telepolis, 25.10.2014)

Putin ohne Maulkorb - Valdai Rede auf Deutsch 2014 [38:12]


Veröffentlicht am 26.10.2014
Gorbatschow zur Valdai Rede: "Die Rede war erschütternd. Ich glaube, dass es ein solches Statement seit der ganzen Zeit der Regierung Putins nicht gegeben hat. Vielleich deshalb, weil die Situation dies fordert. In den Hauptzügen bin ich mit allen Gedanken einverstanden, die er geäußert hat." https://www.facebook.com/Antimaidan.d...

Es folgt die deutsche Übersetzung der Rede von Wladimir Putin auf dem Valdai Forum 2014. Diese Rede findet zu einem sehr bedeutenden Zeitpunkt statt und wird von Politexperten als eine seiner bedeutendsten Reden gesehen. Wie alle wichtigen Reden von wichtigen russischen Politikern, findet sich diese Rede nicht unverfälscht in den deutschen Medien. Daher sahen wir Bedarf in einer Vertonung in der deutschen Sprache. Für weitere Informationen insbesondere über die Ukraine findet Ihr unsere Gruppe Antimaidan deutsch auch auf Facebook.

(Anmerkung: Ton und Bild sind sehr zeitversetzt.)

Quelle Text: http://www.chartophylakeion.de/blog/2...


Textauszug der im obigen Video vorgelesenen deutschen Übersetzung (ab 9:40):
Ich werde nicht müde mich dessen zu wundern, wie unsere Partner, Mal ums Mal, wie man bei uns in Rußland zu sagen pflegt, auf ein und dieselbe Harke treten. Das heißt: immer wieder dieselben Fehler begehen. Seinerzeit sponserten sie extremistische islamistische Bewegungen für den Kampf gegen die Sowjetunion, und in Afghanistan haben diese ihre Abhärtung bekommen. Daraus entstanden sowohl die Taliban als auch die Al-Kaida. Der Westen hat, wenn diese schon nicht unterstützt, so doch mindestens seine Augen davor verschlossen. Und ich würde sagen, er hat den Einfall internationaler Terroristen nach Rußland und in die Länder Zentralasiens tatkräftig, informationsmäßig, politisch und finanziell unterstützt. Das haben wir nicht vergessen.

Erst nachdem es schreckliche Terrorangriffe auf dem Territorium der Vereinigten Staaten selbst gegeben hat, kam das Verständnis für die allgemeine Bedrohung, die der Terrorismus darstellt. Ich möchte daran erinnern, daß wir damals die Ersten waren, die das Volk der Vereinigten Staaten unterstützt haben. Wir reagierten wie Freunde und Partner auf die schreckliche Tragödie des 11. September. Im Verlauf der Gespräche mit Führungskräften der USA und Europas spreche ich ständig von der Notwendigkeit, gemeinsam gegen den Terrorismus als eine Herausforderung von weltweiter Bedeutung vorzugehen. Mit dieser Herausforderung kann man sich nicht abfinden. Man kann sie nicht eingrenzen oder Doppelstandards zur Anwendung bringen. Man erklärte sich mit uns einverstanden, aber es verging nicht viel Zeit, und alles kehrte wieder zum Alten zurück.


Es folgte die Einmischung sowohl im Irak als auch in Lybien. Und gerade dieses Land wurde an die Grenze des Zerfalls gebracht. Warum hat man es denn eigentlich dahin gebracht? Es steht doch jetzt noch an diesem Abgrund und ist ein Übungsplatz für Terroristen geworden. Alleine der Wille und die Umsicht der jetzigen ägyptischen Führung haben es gestattet, Chaos und extremistische Exzesse in diesem Schlüsselland der arabischen Welt zu vermeiden. In Syrien gingen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten wie in guten alten Zeiten daran, Terrorbrigaden direkt mit Finanzen und Waffen zu versorgen. Die Aufstockung ihrer Mannkraft durch Söldner aus verschiedenen Ländern zu begünstigen.

[ab 11:35]
Gestatten Sie die Frage: Woher haben die Rebellen Geld, Waffen und Militärexperten? Woher kommt denn all das? Wie ist es zu erklären, daß diese berüchtigte sogenannte ISIS zu einer gewaltigen de facto Armeegruppierung werden konnte? 

Was deren finanzielle Zuströme angeht, so sind das zum heutigen Tag nicht nur Einkünfte aus dem Drogengeschäft, deren Produktion übrigens im Verlauf der Stationierung der internationalen Kräfte in Afghanistan nicht nur um ein paar Prozent, sondern um das Vielfache gestiegen ist. Das wissen wir alle. Sondern diese Finanzen resultieren auch aus dem Verkauf von Erdöl, das in Gebieten das von Terrosten kontrolliert wird, gefördert wird. Sie verkaufen es zum Spottpreis. Sie fördern und transportieren es ungehindert. Aber es gibt ja solche, die es kaufen, weiterverkaufen und daran verdienen, ohne darüber nachzudenken, daß sie damit Terroristen finanzieren, die früher oder später auch auf ihr Gebiet kommen werden. Und sie werden kommen, um die Saat des Todes in ihren Ländern auszusäen. 

Und woher kommen neue Rekruten? Im Irak sind infolge des Sturzes Saddam Husseins staatliche Institutionen, einschließlich der Armee, zerstört worden. Wir haben es damals noch gesagt: Seid vorsichtig! Wohin habt ihr diese Leute vertrieben? Auf die Straße. Und was sollen sie dort machen? Vergeßt nicht: Ob es gerecht oder ungerecht war, aber sie saßen an den Hebeln eines nach regionalem Maßstab durchaus großen Staates.


Und wohin treibt ihr sie? Was haben wir als Ergebnis? Zehntausende Soldaten und Offiziere, ehemalige Baath-Partei-Aktivisten, die auf die Straße gesetzt worden sind. Und sie sind es, die heute die Einheiten der Rebellenbanden auffüllen. Vielleicht ist es ja das, worin das Geheimnis der Operationsfähigkeit der ISIS besteht. Sie handeln vom militärischen Gesichtspunkt aus sehr effektiv. Wir haben es mit wirklichen Profis zu tun. Rußland hat mehrfach vor einseitigen gewaltsamen Aktionen, vor Einmischung in die Angelegenheiten souveräner Staaten, vor dem Anbandeln mit Extremisten und Radikalen gewarnt und darauf bestanden, daß man jene Gruppierung, die gegen die syrische Zentralregierung vorgeht, vor allem die ISIS, Aktivisten (?) terroristischer Organisationen sind. Und was war das Ergebnis? Es gab keine Reaktion.

Mitunter bekommt man den Eindruck, daß unsere Kollegen und Freunde ständig mit den Ergebnissen ihrer eigenen Politik kämpfen.





gesamte Rede:
Putin at Valdai - World Order: New Rules or a Game without Rules (FULL VIDEO) [2:58:33]

Live übertragen am 24.10.2014
Russian President Vladimir Putin is delivering a speech at the plenary session of Valdai International Discussion Club, a forum involving the world leading experts at foreign and domestic policy.

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Rede von Präsident Wladimir Putin in Valdai (Deutsch) Teil #1 [36:08]

Veröffentlicht am 27.10.2014
Antikrieg TV ll Teil 2 http://youtu.be/pLJ9b9tQem8

Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Valdai (Deutsch) ll Ukrainekonflikt [7:41]

Veröffentlicht am 26.10.2014
Antikrieg TV

PUTINS REDE vor UN-Vollversammlung - VOLLSTÄNDIGE Rede in DEUTSCH | 28. September 2015 | www.kla.tv [23:29]

Veröffentlicht am 11.10.2015

Die komplette Rede von Wladimir Putin vor der 70. UN-Vollversammlung vom 28. September 2015 in New York übersetzt ins Deutsche.

WICHTIGER HINWEIS: Solange wir nicht gemäss der Interessen und Ideologien des Westens berichten, müssen wir jederzeit damit rechnen, dass YouTube weitere Vorwände sucht um uns zu sperren. Vernetzen Sie sich darum heute noch internetunabhängig! http://www.kla.tv/vernetzung

Sie wollen informiert bleiben, auch wenn der YouTube-Kanal von klagemauer.tv aufgrund weiterer Sperrmassnahmen nicht mehr existiert? Dann verpassen Sie keine Neuigkeiten: http://www.kla.tv/news

Die Übersetzung der Rede Putins vor der UN-Vollversammlung:

siehe:
- Im Wortlaut: Wladimir Putins Rede bei der UN-Generalversammlung (Der Unbequeme, 29.09.2015) 
Zitat:
[…] die Versuche, die Autorität und die Legitimität der UNO zu zerrütten, sind äußerst gefährlich. Das kann zu einem Einsturz der gesamten Architektur der internationalen Beziehungen führen. Dann werden uns wirklich keine Regeln bleiben, außer dem Recht des Stärkeren. Das wird eine Welt sein, in der statt kollektiver Arbeit der Egoismus herrschen wird, eine Welt mit immer mehr Diktat und immer weniger Gleichberechtigung, realer Demokrate und Freiheit, eine Welt, in der sich anstelle wirklich souveräner Staaten die Zahl der Protektorate und von außen gesteuerter Territorien mehren wird. Denn was ist staatliche Souveränität, von der hier bereits Kollegen gesprochen haben? Das ist in erster Linie eine Frage der Freiheit, der freien Wahl des Schicksals für jeden Menschen, jedes Volk und jeden Staat.

In der selben Reihe, verehrte Kollegen, steht auch die Frage nach der sogenannten Legitimität der Staatsmacht. Man darf hierbei nicht spielen und nicht mit Worten manipulieren. Im internationalen Recht und bei internationalen Angelegenheiten muss jeder Begriff verständlich, transparent sein, eine Einheitlichkeit des Verständnisses und der Kriterien haben. Wir alle sind verschieden und das muss man mit Respekt behandeln. Niemand ist verpflichtet, sich an ein Entwicklungsmodell anzupassen, das von irgendjemand ein für alle Mal als einzig richtiges bestimmt wurde.

Wir alle sollten nicht die Erfahrung der Vergangenheit vergessen. Wir haben etwa Beispiele aus der Geschichte der Sowjetunion im Gedächtnis. Der Export von sozialen Experimenten, die Versuche, Veränderungen in diesen oder jenen Staaten auf Basis der eigenen ideologischen Einstellungen herbeizuführen, führten oftmals zu tragischen Folgen, brachten nicht den Fortschritt, sondern die Degradation. Wie es jedoch aussieht, lernt niemand aus den Fehlern der anderen, sondern wiederholt sie nur. Und der Export von sogenannten "demokratischen" Revolutionen setzt sich fort.

Es genügt, auf die Situation im Nahen Osten und in Nordafrika zu schauen, von der mein Vorredner gesprochen hat. Gewiss, die politischen und die sozialen Probleme häuften sich in diesen Regionen seit Langem an und die Menschen wollten Veränderungen. Doch was passierte in Wirklichkeit? Eine aggressive äußere Einmischung führte dazu, dass anstelle der Reformen die staatlichen Institutionen und die Lebensweise der Menschen rücksichtslos zerstört wurden. Statt des Triumphs von Demokratie und Fortschritt gibt es Gewalt, Armut, eine soziale Katastrophe, während die Menschenrechte, einschließlich des Rechts auf Leben, keinen Wert mehr haben.

Man möchte diejenigen fragen, die eine solche Situation geschaffen haben: "Versteht ihr wenigstens jetzt, was ihr gemacht habt?" Doch ich fürchte, diese Frage wird in der Luft hängen bleiben, denn niemand hat sich von der Politik verabschiedet, deren Grundlage die Selbstherrlichkeit, die Überzeugung von der eigenen Exklusivität und Straffreiheit ist. […] Jedoch dominiert leider bei einigen unseren Kollgen immer noch das Blockdenken des Kalten Krieges und das Streben nach der Aneignung neuer geopolitischer Räume. Zunächst wurde die Politik der NATO-Erweiterung weiterverfolgt. Es stellt sich die Frage: wozu, wenn der Warschauer Pakt aufhörte, zu existierenund die Sowjetunion zerfiel? Nichtsdestotrotz bleibt die NATO nicht nur, sondern sie expandiert, wie auch ihre militärische Infrastruktur. Danach wurden postsowjetische Staaten vor eine falsche Wahl gestellt: sollen sie mit dem Westen oder mit dem Osten sein? Früher oder später musste diese Konfrontationslogik eine schwere geopolitische Krise herbeiführen. Genau das passierte in der Ukraine, wo man die Unzufriedenheit eines bedeutenden Teils der Bevölkerung ausnutzte und von außen einen bewaffneten Umsturz provozierte. Als Ergebnis davon entflammte ein Bürgerkrieg.


siehe auch:
- Der Ukraine-Konflikt 3 – Westliche Naivität oder westliche Machtpolitik? (Post, 25.03.2014)

Putin lacht über Reporterfrage [0:26]


Veröffentlicht am 10.02.2014 

Putin spricht deutsch und Klartext [1:34]

Veröffentlicht am 20.04.2014
Die Propaganda wirkt:
2014 in Deutschland wird "Putinversteher" als Schimpfwort benutzt!

Putin spricht Klartext, oder wozu Merkel der Mumm fehlt [1:53]
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Putin & Leitl. Eine Diktatur in Österreich. [1:27]


Veröffentlicht am 16.02.2015
Russischer Präsident Wladimir Putin beim Staatsbesuch in Österreich, die Wirtschaftskammer und ihre Präsident Christoph Leitl.

Standing Ovations für Putin in Wien [2:44]

Veröffentlicht am 28.06.2014
Die Wirtschaftskammer (WKO) Wien empfängt den russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Standing Ovations. Auch Bundespräsident Fischer applaudiert voll Begeisterung.
Was bisher geschah:
Mai 2014. Nachdem der österreichische Travestiekünstler Thomas Neuwirth den Eurovisions Song Contest gewonnnen hat, sprechen russische Politiker vom Ende Europas; man hätte die Besatzung Österreichs offenbar zu früh aufgegeben.
http://www.welt.de/politik/ausland/ar...
März 2014. Russland verstärkt die Zensur, regierungskritische Websites werden in eine Liste verbotener Websites aufgenommen.
Darunter auch der Internetauftritt eines Oppositionspolitikers.
http://www.kleinezeitung.at/nachricht...
http://www.spiegel.de/thema/pressefre...
März 2014. Russland untertstützt ukrainische Separatisten und annektiert einen Teil des Landes, die Krim. Die Ukraine liegt in Europa und könnte eines Tages der EU beitreten.
http://www.profil.at/articles/1410/98...
Feber 2014. Russland schränkt Adoptionsmöglichkeiten für Ausländer ein. Wer aus einem Land kommt, in dem gleichgeschlechtliche Paare legal sind, darf keine russischen Kinder adoptieren
http://diestandard.at/1389860353532/K...
Jänner 2013. Russland verabschiedet ein Gesetz das es verbietet, Homo- oder Bisexualität öffentlich als "normal" zu bezeichnen. Homosexualität wird auf eine Stufe mit Pädophilie gestellt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Homosexu...
Juli 2012. Putin erklärt in Russland tätige NGOs, die sich aus europäischen oder amerikanischen Spendengeldern finanzieren, zu Spionen.
http://www.zeit.de/politik/ausland/20...
http://de.ria.ru/zeitungen/20131004/2...
//
In russischen Medienberichten wird Österreich als Putin- und russlandfreundlich dargestellt.
Wien nehme nur gezwungenermaßen an Sanktionen teil. (25.6.2014)
http://www.wienerzeitung.at/nachricht...
Lachen mit Putin (24.6.2014)
https://www.youtube.com/watch?v=GL0DX...
Wo der Spaß aufhört (28.6.2014)
http://www.profil.at/articles/1426/57...
[ aus: ORF Zib2 vom 24.6.2014 ]

Putin macht sich lustig über Barak Obama [7:06]

Veröffentlicht am 17.10.2015
Mein neuer Film Der Kreml macht sich lustiog über Barak Obama, Putin am Telefon. Barack im Schlafzimmer am weinen. Der weltweit aller erste Schwarz/Weiss Präsident. USA, Russland, Putin.

Compare: Obama and Putin arrive in Antalya for G20. Nov.15, 2015 [2:41]

Veröffentlicht am 15.11.2015
Barack Obama arrives in Turkey ahead of G20 summit.  
Vladimir Putin arrives in Turkey ahead of G20 summit

Compare: How Obama and Putin were met in India [3:16]

Veröffentlicht am 25.01.2015
US President Barack Obama and his wife Michelle landed in Delhi, January 25, 2015. In a departure from protocol, Prime Minster Narendra Modi received them at the airport. 
Russian President Vladimir Putin arrived in India, December 10, 2014.

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Kommentar von mir:
Als ich den Artikel Europa muss Machtpolitik lernen (ZEIT Online, 04.03.2014) las, wurde ich sehr nachdenklich… und recherchierte…
Daß der Versuch der Stationierung von Atomraketen auf Kuba 1962 eine Reaktion Chruschtschows auf die Stationierung von nur als Erstschlags-Waffen verwendbarer Raketen in Griechenland und der Türkei hatte ich vor wenigen Jahren erstaunt zur Kenntnis genommen. Im Geschichtsunterricht hatten wir nichts darüber gelernt.
Und daß die USA den chilenischen Präsidenten Allende stürzten (Heute vor 44 Jahren – 4. September 1970: Salvador Allende wird zum Präsidenten Chiles gewählt, Post, 14.09.2014) hatte ich angesichts des Vietnamkrieges schulterzuckend zur Kenntnis genommen. Die Berliner Mauer stand ja noch, und die Kommunisten waren bornierte Unterdrücker – und dopten (beim Sport). 

Die Irak-Kriege begannen mich wachzurüttelten: Bei der Selbstzensur der US-amerikanischen Medien 
(Ein anderes Amerika und Lieder mit fraglichem Inhalt, Post, 11.10.2009) 
und den Lügen zur Vorbereitung des Irak-Krieges 
(Das Gebaren einer Großmacht im Niedergang, Post, 04.02.2008) 
kam ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus, und die beiden Artikel von Eliot Weinberger 
(Ich kann gar nicht so viel essen…, Post, 25.03.2006), 
aber auch 
720 Millionen pro Tag für Irakkrieg (Post, 05.11.2007) und 
Der vierte Golfkrieg (Post, 03.09.2006) 
ließen mich fast gelähmt zurück. 
Da paßte der Artikel 
»Der größte Einzelerfolg der CIA« (Post, 01.05.2012) 
über die Manipulationen westlicher Geheimdienste beim Sturz des iranische Premierminister Mohammad Mossadegh und später des Schahs (Operation Ajax), um die Kontrolle über die iranische Ölproduktion zu bekommen schon ins Bild.
Bei Recherchen zu 
Der Fall Wilhelm Reich (Post, 15.09.2013) 
stieß ich dann auf Donald Ewen Cameron und MK-Ultra, bei Recherchen zu Daniel Ellsberg (Fernseh-Dokumentation »Der gefährlichste Mann Amerikas«, in Der Ukraine-Konflikt 6 – Wer stoppt die USA?, Post, 25.04.2014) stieß ich auf folgende Listen:

eine Liste der Militäroperationen der Vereinigten Staaten (Wikipedia, abgerufen am 26.10.2014)eine Liste der bekannten CIA-Operationen (Wikipedia, abgerufen am 26.10.2014)
- Eine Liste der durch das Außenministerium der Vereinigten Staaten ausgewiesenen terroristischen Organisationen im Ausland (Wikipedia, abgerufen am 26.10.2014)
Church-Kommitee
 (Wikipedia, abgerufen am 26.10.2014)Sonderausschuss des US-Senats zur Untersuchung des Regierungshandelns mit Bezug zu Aktivitäten der Nachrichtendienste aus dem Jahr 1975, der sich unter anderem mit folgenden Operationen befaßte:
geheime Operationen zur Ermordung ausländischer Staatschefs und Putsche
(Besondere Aufmerksamkeit erregten die Enthüllungen über erfolgreiche oder versuchte Mordanschläge im Auftrag der USA auf Fidel CastroKubaPatrice LumumbaZaireRafael TrujilloDominikanische Republik; General René SchneiderChile und Ngô Đình Diệm aus Südvietnam.) 
Operation CHAOS (Überwachungsoperationen der CIA gegen politische Gegner des Vietnamkrieges in den USA)
COINTELPRO, (Diskreditierung, Manipulation und Überwachung linksgerichteter Organisationen in den USA in den Jahren 1956 bis 1971)

Screenshot aus dem Video des Vortrags von Rainer Mausfeld:
Rainer Mausfeld: „Warum schweigen die Lämmer?“ -
Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements

Man sehe sich die Propaganda der USA nach dem Abschuß der Boeing 747 1983 (Korean-Air-Lines-Flug 007, Wikipedia) westlich von Sachalin an:
Geschichten vom Rand des Abgrunds (SPIEGEL Online, 06.10.1986, über ein Buch von  Seymour Hersh)
- Die Wahrheit über Flug 007 (Alvina, A. Snyder, ZEIT Online, 04.10.1996)
Zitat:
Es ging um Flug 007 der Korean Airlines. Die Maschine war am 31. August 1983 auf dem Weg nach Seoul mit 269 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord über eine sowjetische Flugabwehrraketenbasis geflogen und von Major Gennadij Osipowitsch mit seinem Suchoj-15-Jagdflieger abgeschossen worden. Jede Minute dieser Verfolgungsjagd und des Abschusses war von amerikanischen Aufklärungsstationen nahe der sowjetischen Grenze beobachtet worden.

Wir machten aus dem Band einen raffinierten Kurzfilm, der am 6. September dem Sicherheitsrat vorgeführt und anschließend per Satellit weltweit ausgestrahlt wurde. Damit begann eine neue Ära der populistischen Diplomatie. Das Video war eindringlich, überzeugend - und eine Fälschung.


siehe dazu das Kapitel »Rußland schwarzmalen« in
- MH17: ARD-Presseclub grätscht rein. (Hinter der Fichte, 04.08.2014)

Nach der Lektüre dieses Posts empfehle ich die nochmalige Lektüre 

- der Artikel zum Statement des US-amerikanischen Außenministers Kerry am 02.03.2014 in der CBS-Sendung »Face the Nation«: 
»You don’t behave in 19th-century fashion by invading another country on completely trumped up pre-text.«
 (Der Ukraine-Konflikt 1 – Westliche Aufgeregtheit und staatliches Gedächtnis, Post, 04.03.2014) und
- die Artikel zur Rede unseres Bundspräsidenten Gauck zum 75. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs am 1. September 2014 in Danzig:
»Weil wir am Recht festhalten, es stärken und nicht dulden, dass es durch das Recht des Stärkeren ersetzen wird, stellen wir uns jenen entgegen, die internationales Recht brechen, fremdes Territorium annektieren und Abspaltung in fremden Ländern militärisch unterstützen. Deshalb stehen wir ein für jene Werte, denen wir unser freiheitliches und friedliches Zusammenleben verdanken. Wir werden Politik, Wirtschaft und Verteidigungsbereitschaft den neuen Umständen anpassen.«
mein Kommentar:
Herzlichen Glückwunsch, Pfarrer Gauck. Wenn Sie sich den USA entgegenstellen, bin ich dabei!
(Heute vor 44 Jahren – 4. September 1970: Salvador Allende wird zum Präsidenten Chiles gewählt, Post, 14.09.2014)

Und jetzt sage mir noch jemand: 

»Europa muß Machtpolitik lernen« (ZEIT, 04.03.2014) (verlinkt in 
Der Ukraine-Konflikt 3 – Westliche Naivität oder westliche Machtpolitik?, Post, 25.03.2014) 

Georg Schramm alias Lothar Dombrowski bei der GLS Bank [28:00]


Veröffentlicht am 15.07.2014
Der Kabarettist und GLS Bank-Kunde Georg Schramm hielt anlässlich des 40. Bank-Geburtstags der GLS Bank im Bochumer RuhrCongress am 13. Juni 2014 eine fulminante und kritische Rede über die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Konflikte.


Zu Zeiten der Friedensbewegung Ende der 70er Jahre war häufig der Spruch zu hören:
»Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin…« (aus dem Gedicht The People, Yes von Carl Sandburg, Auszug bei Poetryfoundation)


Wie wäre es mir der Version:
Stell Dir vor es ist Krieg, und keiner merkt’s…

Aufklärung in Ägypten

Was ist Aufklärung? Die Philosophin Susan Neiman reist nach Ägypten und trifft dort auf lauter Menschen, die in Ehren halten, was der Westen schon fast vergessen hat. Der jüngste Gewaltausbruch zwischen Christen und Muslimen ist für das Land nicht charakteristisch.

Im April brach ich auf, um in Ägypten zu erkunden, was Aufklärung ist. Als Philosophin, die sich seit Langem mit der Aufklärung beschäftigt, wollte ich wissen: Wie sieht sie aus in Kairos staubigen Straßen? Oder, von heute aus gefragt: Sind die jüngsten Nachrichten aus Kairo über die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen der charakteristische Ausdruck für ein Land im Umbruch? Ich glaube eher nicht.

Was ist Aufklärung? Die Philosophin Susan Neiman reist nach Ägypten und trifft dort auf lauter Menschen, die in Ehren halten, was der Westen schon fast vergessen hat. Der jüngste Gewaltausbruch zwischen Christen und Muslimen ist für das Land nicht charakteristisch.

»Kant hat mein Leben verändert«, sagt Amr Bargisi, Programmleiter der »Ägyptischen Union der liberalen Jugend«. Als ältester Sohn, dem es oblag, den wirtschaftlichen Status der Familie zu festigen, hatte er Ingenieurwissenschaften studiert, doch seine Kant-Lektüre überzeugte ihn davon, dass er sein Leben nicht auf instrumentelle Erwägungen gründen wollte. Er verlegte sich auf ein Studium der Politischen Philosophie an der Ain-Shams-Universität in Kairo, um anschließend mit einem Doktorandenstipendium an die Universität von Chicago zu gehen. Amr glaubt, dass es noch Jahrzehnte dauern wird, bis Ägypten die Art von gebildeter Öffentlichkeit hervorgebracht hat, die eine liberale Demokratie ermöglicht. »Nehmen wir einmal an, ich wäre Alexander Hamilton«, sagt Amr. »Ich würde immer noch meinen Thomas Jefferson brauchen, meinen James Madison, meinen Benjamin Franklin und sogar meinen Elbridge Gerry.« Kleinlaut räume ich ein, dass ich nicht weiß, wer Elbridge Gerry war. »Niemand weiß das«, erwidert Amr, der sich taktvoll jeden Anflugs von Selbstgefälligkeit enthält. »Er war es, der die Verfassung nicht unterzeichnete, weil sie keinen Grundrechtekatalog enthielt.«

mehr:
- Philosophin Susan Neiman – "Kant hat mein Leben verändert" (Susan Neiman, ZEIT, 12.05.2011)

Mein Kommentar:
Susan Neiman ist Direktorin des 1993 gegründeten Einstein-Forums in Potsdam.
Ich bin verblüfft, wie positiv und zuverischtlich die US-Amerikaner immer sind. (Seit Jahren kann ich mich nicht entscheiden, ob sie dafür beneiden oder mir das Angst machen soll…) Wenn man aber herausfinden würde, was seit 2011 nicht funktioniert hat da unten in Ägypten, könnt man wohl einige wichtigen Dinge verstehen… Was im arabischen Frühling nicht funktioniert hat (bzw. funktioniert hat, je nachdem, von welcher Seite aus man es betrachtet), könnte sich möglicherweise in der Ukraine wiederholen…

einige Ausschnitte aus Lettre-Artikeln, die sich direkt oder indirekt mit dem Arabischen Frühling befassen:

Was geschah in Libyen? (Hugh Roberts, LI 95, Winter 2011)
Das arabische Erwachen und die Militärintervention der Schutzmächte
- Und nach den Tyrannen? (John Bornemann, LI 98, Herbst 2012)
Macht, Verwandtschaft und Gemeinschaft in der Arabellion
- Der Geist der Empörung (Heinz-Norbert Jocks, LI 100, Frühjahr 2013)
Ein Gespräch mit Stéphane Hessel wenige Monate vor seinem Tod
- Bühnenmütter (Elif Batuman, LI 100, Frühjahr 2013)
Frauen gründen ein Theater und ziehen mit Shakespeare durch Anatolien
- Ägypten ohne Revolution (Hugh Roberts, LI 102, Herbst 2013)
Das Militär erobert das Zentrum der politischen Macht zurück
1989 als Weltereignis (Jacques Rupnik, LI 104, Frühjahr 2014)
Die große Transformation in Europa und die Globalisierung
- Buch des Brokats (Siham Bouhlal, LI 105, Sommer 2014)
Raffinement und Eleganz in der frühen arabischen Kultur
Rätsel des Buches (Suleiman Mourad, Perry Anderson, LI 106, Herbst 2014)
Zur Geschichte des Korans und der historischen Dynamik des Islams



Europas Krise und die Schuld der Deutschen

Viele Deutsche glauben Merkels Mantra, sie müssten für eine Krise zahlen, die sie nicht zu verantworten haben. Sie meinen auch, andere europäische Staaten würden wieder auf die Beine kommen, orientierten sie sich nur am deutschen Vorbild. Beides ist falsch. Nur wenn Deutschland einen anderen Kurs einschlägt, kann es Europa wieder besser gehen 

Europa steckt im Schlamassel. Die Eurozone hat eine unnötig lange und tiefe Rezession erlitten. Der Lebensstandard vieler Europäer ist abgestürzt. 25 Millionen Menschen sind arbeitslos, darunter erschütternd viele junge Menschen. Eine verlorene Generation ist im Entstehen. Die sozialen Spannungen innerhalb der einzelnen Länder nehmen zu, ebenso die politischen Reibereien zwischen ihnen. Es herrscht Wut über die Ungerechtigkeit von Rettungsaktionen für reiche Bankiers und Kürzungen für arme Schulkinder. Zugleich erleben wir niederträchtige Stimmungsmache gegen Außenseiter und Einwanderer. Die Schotten hätten um ein Haar die Spaltung Großbritanniens beschlossen, die Katalanen entscheiden demnächst über ihre Trennung von Madrid. Und wenn Angela Merkel Athen besucht, gibt es Bombenalarm.
mehr:
- Europas Krise und die Schuld der Deutschen (Philippe Legrain, Berliner Republik, 5/2014)

Antike: Die Statue des Zeus in Olympia

Kolossalstatue des Göttervaters

Der 470-456 v. Chr. errichtete Zeustempel von Olympia gilt als der größte und bedeutendste dorische Sakralbau auf der Peloponnes. Der Baumeister ist der Überlieferung nach Libon von Elis, von dem bisher nur dieses eine herausragende Bauwerk bekannt ist. Der Marmortempel, 28 m breit, 64 m lang und 20 m hoch, war das zentrale Heiligtum am Austragungsort der Olympischen Spiele. Sportler und Zuschauer versammelten sich in dem Tempel, um ihrem höchsten Gott zu huldigen. Das Prunkstück war die Kolossalstatue des Zeus, die zu den Weltwundern der Antike zählte. 
»Bildsäule des Olympischen Zeus« (Holzstich, 1866)
Die 12 m hohe Statue wurde vom griechischen Bildhauer Phidias (um 500-um 432) etwa zwei Jahrzehnte nach Fertigstellung des Tempels geschaffen. Wie zu jener Zeit üblich, war sie innen hohl: Auf ein Gerüst aus Holz und Gips waren von außen Gold und Elfenbein aufgebracht. Der Thron war aus Ebenholz gefertigt. Phidias stellte Zeus als weisen Mann auf einem Thron sitzend dar, in den Händen hielt er ein Zepter und eine Figur der Siegesgöttin Nike. Über acht Jahrhunderte, bis zum Verbot von 426, war der Tempel Stätte religiöser Zeremonien. Danach verliert sich die Spur der Zeusstatue. 

 Zeus 
 ▪︎ Vater der Götter 
 ▪︎ nach der griechischen Mythologie der oberste Gott im Olymp 
 ▪︎ Attribute: Zepter, Blitze und Adler 
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Geschichtsfrage: Hannah Arendt




Samstag, 25. Oktober 2014

Das Auftreten großer Seuchen in Europa



Gottesstrafen und Prüfungen? 

Große Seuchen, die Millionen von Opfer fordern konnten, galten für die Menschen des Mittelalters auch als Prüfungen und Gottesstrafen. Die Ursachen und Erreger der Krankheiten waren nicht bekannt, als Gegenmittel wurden meist Gebete, der tägliche Besuch der Messe oder die Teilnahme an Prozessionen empfohlen. Die Pest – der Schwarze Tod –, die Mitte des 14. Jahrhunderts die schlimmsten Seuchen auslöste, gilt heute als ausgerottet oder ist heilbar. Die großen Seuchen des späten 19. Jahrhunderts wie Cholera, Typhus und Tuberkulose traten auf, als die Bevölkerungszahl stark an stieg, die Menschen in die Städte zogen und dort unter schlechten hygienischen Verhältnissen auf engstem Raum zusammenlebten. Erst die Fortschritte der Medizin und die Entwicklung neuer Medikamente machten im Zusammenspiel mit dem Ausbau der städtischen Infrastruktur, etwa der Versorgung der Menschen mit sauberem Trinkwasser und der Kanalisation der Abwässer, den Erregern der Epidemien den Garaus. 
 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 
siehe auch:
- Pestheilige [Wikipedia]
- Sein Blut komme über uns und unsere Kinder. [Wikipedia]

siehe auch:
- Sex- und Drogenorgie Loveparade: Zahlreiche Tote bei Sodom und Gomorrha in Duisburg [Eva Herman, Kopp Online, 25.07.2010]
- Eva Herman über das Loveparade-Unglück – Gott straft die Sünder [taz, 25.07.2010]
- „Sex- und Drogenorgie Loveparade“ – Eva Herman und die Strafe Gottes [Focus Online, 26.07.2010]
- Eva Herman und die "Wolken der Entfesselung" [Die Welt, 27.07.2010]

- Schwulenkrebs zur chronischen InfektionAids - die Geschichte einer unheimlichen Krankheit [Focus Online, 01.12.2012]
Zitat:
Nicht nur amerikanische TV-Prediger sahen Aids als „Gottes Rache an der Homosexualität“. Auch deutsche Politiker, etwa der damalige bayerische Kultusminister Hans Zehetmaier, schwadronierten in 80er-Jahre-Talkshows von naturwidrigem und quasi krankhaftem Verhalten (der Homosexuellen). Das sah der damalige Kardinal Joseph Ratzinger ähnlich. 1985 erklärte er: „Man muss nicht von einer Strafe Gottes sprechen. Es ist die Natur, die sich wehrt.“ Selbst der sich immer so aufgeklärt gebende „Spiegel“ malte damals mit wohligem Schauer die Folgen der „Lustseuche“ aus.

- AIDS: „Strafe Gottes"? [Deutsches Ärzteblatt, Nr. 84/1987]
Mit bestürzender Schnelligkeit und in entsprechend schwer kalkulierbarem Umfang, die beide an mittelalterliche Massenhysterien erinnern, hat sich in einigen Gegenden unseres Landes die These ausgebreitet, bei der Im- munschwäche-Krankheit AIDS handle es sich um eine „Strafe Gottes".

- Osho über Homosexuelle [Neues aus Hammelburg, 05.03.2013]
Zitat:
Homosexuals should be given different localities. They can live in their own world, in their own way, and be happy, but they should not be allowed to move in the wider society, spreading all kinds of dangerous viruses. […]
As a homosexual, you are not even a human being [...]. You have fallen from dignitiy. (ohne Quellenangabe) 
dazu auch:
- Mach etwas aus Deinem Leben! [Osho-Diskurs 01/2011]


Freitag, 24. Oktober 2014

Neil Youngs neues Album »Storytone«


"Wer steht auf und rettet die Welt?", fragt Rock-Altmeister Neil Young auf seinem neuen Doppelalbum. Der 68-Jährige gibt sich darauf als Hippie, mal solo und akustisch, mal mit Orchestersound. Hören Sie "Storytone" hier komplett vorab! 
Würde man Neil Young nicht besser kennen, man könnte befürchten, "Storytone" wäre eine Art sentimentaler Abschiedsgruß des inzwischen 68 Jahre alten Sängers und Gitarristen. Youngs 39. Album seit 1969 erscheint überraschend nur wenige Monate nach seinem letzten, dem von Jack White in kratziger Low-Fidelity-Ästhetik produzierten "A Letter Home", einer Hommage an alte Americana-Songs, die ihm lieb und teuer sind. Zeitgleich erschien in den USA soeben das Buch "Special Deluxe: A Memoir of Life and Cars", in dem Autonarr Young autobiografische Anekdoten an seinen jeweiligen Vehikeln entlang erzählt.
mehr:
- Neues Album "Storytone": Hören Sie Neil Young hier vorab im Stream (SPIEGEL Online, 24.10.2014)

siehe auch:
Ein anderes Amerika und Lieder mit fraglichem Inhalt (Post, 11.10.2009)  
Wer hätte das gedacht? (Post, 17.08.2012) 

(es sind in beiden Posts die letzten Videos)


Geschichtsfrage: Prozess gegen die NS-Hauptverbrecher




Donnerstag, 23. Oktober 2014

Rosemarie Achenbach – Der Tod als Running Gag

Sie ist 90 Jahre alt und promoviert über den Tod. Liegt doch nahe, sagt Rosemarie Achenbach und lacht. Porträt einer sehr lebendigen Frau, die endlich ihr Studium beendet
Noch bevor die Entschuldigung für die Verspätung ausgesprochen ist, winkt Rosemarie Achenbach grinsend ab: "Passt schon, akademisches Viertel und so!" Die Schuhe auszuziehen verbietet sie ihrem Besucher fast, mit einem Lächeln und einem spöttischen: "Oder haben Sie etwa Pantoffeln dabei?" Mit Schuhen geht es also in die Bude, in der die Studentin lange Tage am Laptop und noch längere Nächte vor dem Fernseher verbringt. "Manchmal penne ich direkt auf dem Sofa", sagt sie, "und nehme mir die Freiheit, den Wecker am nächsten Morgen zu ignorieren." 
Sie spricht und bewegt sich auf diese typisch jugendliche, aufreizend lässige Art, die ihre Kraft und Vitalität nur noch mehr betont. Nichts deutet darauf hin, dass Achenbach 90 Jahre alt ist, wäre da nicht dieses Wohnzimmerfenster, zwischen dessen geblümten Gardinen Mobilés an der Scheibe hängen – vintage, nicht retro. Und selbst das hat nichts zu bedeuten: "Das Gebammel hängt nur hier, damit die Vögel nicht mehr reihenweise gegen die Scheibe fliegen."
mehr:
- Philosophiestudium – Der Tod ist ihr Running Gag (Tobias Jochheim, ZEIT, 22.10.2014)

Heute vor 43 Jahren – 23.10.1971: Daimler-Benz meldet Patent für Airbag an

Pralles Kissen als Lebensretter 

Die Geschichte des Airbags hat ihren Ursprung in der Luftfahrtindustrie, wo in den frühen 1920er-Jahren erstmals mit pneumatischen Rückhaltesystemen experimentiert wurde. Von diesem ersten, permanent aufgeblasenen Luftkissen, das den Körper bei Kollisionen schützen sollte, bis zu den modernen Airbags, die sich im Ernstfall in Bruchteilen von Sekunden entfalten und füllen, verging noch ein halbes Jahrhundert technischer Entwicklung. 
Fahrerairbag im Chrashtest (Foto, 2002)
Für das Prinzip der Luftsäcke, die bei einem Unfall aufgeblasen werden, gab es schon in den 1950er-Jahren erste Patente. Die Umsetzung des Konzepts in serienreife Technik war jedoch schwierig. Einen Meilenstein der Airbagentwicklung stellte das Patent dar, das die damalige Daimler-Benz AG am 23. Oktober 1971 anmeldete: Sensoren registrieren besonders starke Verzögerungen, wie sie für Kollisionen typisch sind, und lösen den Mechanismus aus, der eine Treibladung zündet. Zehn Jahre später stellte der Autobauer den ersten voll funktionsfähigen Fahrerairbag in einem Serienfahrzeug vor, 1987 folgte der Beifahrerairbag.

 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Heute vor 31 Jahren – 22. Oktober 1983: Größte Demonstration in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte

BONN. Am 22. Oktober 1983 demonstrierten bundesweit rund 1,3 Million Menschen in Hamburg, West-Berlin, Bonn und Süddeutschland gegen die Stationierung neuer Atomraketen in Mitteleuropa. Zwischen Stuttgart und Neu-Ulm, wo die Raketen stationiert werden sollten, bilden Aktivisten eine 108 Kilometer lange Menschenkette. Allein in Bonn demonstrieren an diesem kalten Herbsttag rund eine halbe Million Menschen.

Willy Brandt stand als Redner nicht auf dem Programm. Heinrich Böll natürlich schon. Der Literaturnobelpreisträger hatte schon auf der Demo vor zwei Jahren gesprochen. Ilse Brusis, damals im Vorstand des Gewerkschaftsbundes, später im Kabinett von Johannes Rau, auch. Und Petra Kelly, Friedensaktivistin und Gründungsmitglied der Grünen, für die sie gerade in den Bundestag eingezogen war.

Auf der „Aktionskonferenz“ in einer Kölner Gesamtschule mit weit mehr als 1000 Teilnehmern war zuvor lange debattiert worden, wer überhaupt auf der Hauptbühne im Hofgarten reden durfte, erinnert sich Mani Stenner, damals Sprecher des Bonner Friedensplenums. Der 59-Jährige ist heute Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative, der Nachfolgeorganisation des Koordinierungsausschusses der Friedensbewegung, der die „Volksversammlungen für den Frieden“ am 22. Oktober 1983 veranstaltet hatte.
mehr:
- Friedensdemo am 22. Oktober 1983 – Allein in Bonn protestierten 500.000 Menschen gegen Nato-Doppelbeschluss Friedensdemo am 22. Oktober 1983: Allein in Bonn protestierten 500.000 Menschen gegen Nato-Doppelbeschluss (General-Anzeiger, 21.10.2013)
- Friedensdemonstration im Bonner Hofgarten: Gegen den Nato-Doppelbeschluss (WDR, 22.10.2013)
- Alarm im Hofgarten – Heute vor 30 Jahren protestierten 500000 Menschen in Bonn gegen die Stationierung von 572 atomaren Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik (AG Friedensforschung, 22.10.2013, aus junge Welt)

Ellen ten Damme - Plattgefickt [4:11]

Hochgeladen am 14.07.2007
Ellen ten Damme & The Konrad Koselleck Big Band, live at De Parade, Utrecht, The Netherlands, July 23, 2005.
Zu der Demo fällt mir ein Witz ein:
Fremdsprachenkenntnisse
Am Marktplatz in Idar sitzen zwei Rentner auf der Bank. Ein Auto hält an, ein offenbar holländischer Tourist dreht die Scheibe herunter und fragt in sauberem Deutsch: "Entschuldigen Sie bitte, wie komme ich zum Steinkaulenberg?"
Keine Antwort. Er versucht's auf französisch. Wieder Stille. Auch auf Englisch bekommt er keine Erwiderung. In seiner Not versucht er die eigene Muttersprache. Doch die Herrschafaten rühren keine Miene. Entnervt fährt der Tourist weiter. Sagt der eine anerkennend: "Mein liewer Freend: Der konnt' drei Fremdsprooche!" – "Onn?! Watt hott's emm genotzt?"
aus dem Büchlein der Nahe-Zeitung „Reesche Leit onn areme Deiwel“

Heute vor 105 Jahren – 22. Oktober 1909: Erster Alleinflug einer Frau

Eine furchtlose Pionierin der Luftfahrt 

Eigentlich wollte Raymonde de Laroche (1882-1919) Schauspielerin werden, doch auch für das Abenteuer der Luftfahrt entwickelte sie früh eine Passion. In Heißluftballons hatte sie bereits von der Erde abgehoben, als sie den Piloten und Flugzeugbauer Charles Voisin kennenlernte und ihn bat, ihr das Fliegen beizubringen. 
Raymonde de Laroche am Steuer eines Voisin-Flugzeugs, 1909
Am 22. Oktober 1909, heute vor 105 Jahren, saß Raymonde de Laroche auf dem Flugfeld von Châlons erstmals in einem Flugzeug. Da es ein Einsitzer war, stand Voisin in der Nähe und gab Instruktionen. Die Pilotin sollte in dieser Flugstunde nur das Manövrieren am Boden üben, doch nachdem sie das in einer Runde gemeistert hatte, hob sie zur Verblüffung des Lehrers kurzerhand ab und absolvierte den ersten Alleinflug einer Frau. Sie flog nur etwa 300 m weit, in einer Höhe von maximal 5 m, doch bereits am Folgetag legte sie 6 km zurück. Als erste Frau erwarb Laroche 1910 eine Pilotenlizenz und nahm fortan an Flugschauen und Wettflügen teil. Ihre Passion wurde ihr schließlich zum Verhängnis: 1919 kam die Pionierin bei einem Absturz ums Leben. 

Was am 22. Oktober noch geschah: 
1797: André-Jacques Garnerin absolviert in Paris den ersten Fallschirmsprung aus einem Heißluftballon. 

 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Raymonde de Laroche [0:10]

Veröffentlicht am 22.10.2013 Raymonde de Laroche (22 August 1882 -- 18 July 1919), born Elise Raymonde Deroche, was a French pilot and the first woman in the world to receive an aeroplane pilot's licence.


8. März 1910 Raymonde de Laroche besteht Pilotenprüfung [3:58]

Veröffentlicht am 10.03.2013 Die Baronin Raymonde de Laroche war zwar nicht adlig, aber unerschrocken. Am 8. März 1910 bestand sie in Frankreich als erste Frau der Welt eine Pilotenprüfung.

"Die erste fliegende Frau ist auf der Weltbühne erschienen", titelte eine Zeitung, als Baronin Raymonde de Laroche im Oktober 1909 ganze sechs Kilometer weit flog. Und am 8. März 1910 bescheinigte ihr der Aéro-Club de France, dass sie - als erste Frau der Welt - zur Flugzeugführerin ernannt worden sei. Da war sie ungefähr 25 Jahre alt - ihr Geburtsdatum ist nicht genau bekannt, und den klingenden Namen samt Adelstitel hatte sie sich selbst verliehen. In Wahrheit soll sie eine Klempnerstochter gewesen sein, und sie hatte sich als Schauspielerin und Autorennfahrerin versucht, bevor sie ihre Leidenschaft für die Aviatik entdeckte.

Sechs Jahre zuvor erst hatte die Geschichte der motorisierten Luftfahrt begonnen: Im Dezember 1903 waren den Brüdern Wright die ersten sekundenkurzen Flüge gelungen. Raymonde de Laroche blieb nicht lange die einzige "Vogelfrau": noch im gleichen Jahr bestanden vier andere in Frankreich die Flugprüfung. Die erste deutsche Motorfliegerin war Melli Beese aus Dresden. Drei Fluglehrer ließen sie abblitzen, und der vierte, der sie annahm, glaubte auch nicht, dass Frauen etwas Großes leisten würden. Aber immerhin sei "etwas Derartiges" unterhaltsam fürs Publikum.

Doch der Ehrgeiz der Frauen war groß und ihr Mut nicht minder. Fragile Apparate aus Holzlatten, Draht und Leinwand waren diese ersten Flugmaschinen, und mittendrin ein Freisitz für die tollkühne Pilotin. Raymonde de Laroche flog in knöchellangem Rock und dicker Strickmütze, Melli Beese forsch in Lederkombi und die Amerikanerin Harriet Quimby in einem Pluderhosenanzug aus pflaumenblauer Seide. 1912 überquerte sie als erste Frau den Ärmelkanal und bestand das gefährliche Abenteuer trotz dichten Nebels. Drei Monate später flog sie in Boston mit einem Gast an Bord. Entsetzt sahen die Zuschauer, wie er im Sinkflug in fünfhundert Metern Höhe einfach herausfiel, und im nächsten Moment stürzte auch Harriet Quimby kopfüber in die Tiefe. Sicherheitsgurte und Fallschirme gab es nicht. Die Ursache des Unglücks wurde nie geklärt.

Bis zum Ersten Weltkrieg erwarben einundvierzig Frauen einen Pilotenschein. Fast alle wollten sie die Fliegerei zum Beruf machen. Bessica Raiche zimmerte ihren ersten Flugapparat in ihrem New Yorker Wohnzimmer zusammen und gründete dann eine Flugzeugbaufirma. Katherine Stinson war Postfliegerin in Montana, ihre Schwester Marjorie bildete kanadische Militärpiloten aus, und auch Melli Beese betrieb eine eigene Flugschule. Die Heldinnen der Lüfte wurden umjubelt und geehrt: Frankreich nahm die Rekordfliegerin Helene Dutrieu in die Ehrenlegion auf, ihre amerikanische Kollegin Ruth Law dinierte mit dem Präsidenten.

Raymonde de Laroche gehörte zum Werksteam des Flugzeugbauers Charles Voisin, mit dem sie an Flugschauen und Wettbewerben teilnahm. 1910 trat sie in Ägypten, Sankt Petersburg, Budapest, Rouen und Reims an. Dort brachte ein anderer Flieger ihre Maschine zum Absturz, sie überlebte mit gebrochenen Knochen und inneren Verletzungen. Kaum genesen, nahm sie den Steuerknüppel wieder in die Hand. Im Ersten Weltkrieg bemühte sie sich vergeblich, in die französische Luftwaffe aufgenommen zu werden, aber 1919 konnte sie wieder fliegen. Im Juni gelang ihr ein Höhenrekord. Doch am 18. Juli stürzte sie in den Tod. Eine Statue auf dem Pariser Flughafen Le Bourget erinnert an die furchtlose Pionierin.