Samstag, 25. März 2006

Ich kann gar nicht so viel essen…

Eliot Weinberger hat den zweiten Teil seines Artikels "Was ich hörte vom Irak" losgelassen. Er ist zu finden in der Ausgabe Nr. 72 der Zeitschrift Lettre und besteht aus einer Aneinanderreihung von Zitaten.
Wer sich dafür interessiert, kann hier einen Auszug aus dem ersten Teil des Artikels in Nummer 68 einsehen:


Hier ein Auszug aus dem zweiten Teil des Artikels in Nummer 72: 

Ich hörte, der Irak zähle nun zusammen mit Haiti and dem Senegal zu den ärmsten Ländern der Welt. Ich hörte die Menschenrechtskommission der UN berichten, die akute Unterernährung bei irakischen Kindern habe sich seit Ausbruch des Krieges verdoppelt. Ich hörte, nur fünf Prozent des Geldes, das der Kongreß für den Wiederaufbau bewilligte, seien tatsächlich ausgegeben worden. Ich hörte, in Falludscha lebten die Menschen in Zelten, die auf den Ruinen ihrer Häuser stünden.

Ich hörte, der diesjährige Haushalt enthalte auch 105 Milliarden Dollar für den Krieg im Irak, womit er sich insgesamt auf 300 Milliarden Dollar belaufe. Ich hörte, Halliburton schätze, seine Rechnung für Lieferungen an die US-Truppen im Irak werde 10 Milliarden Dollar überschreiten. Ich hörte, die Familien der getöteten amerikanischen Soldaten erhielten 12 000 Dollar.


Ich hörte, das Weiße Haus habe das Kapitel über den Irak vollständig aus dem Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten gestrichen, da es nicht zu dem ansonsten heiteren Ton passe.


Binnen einer Woche im Januar hörte ich Condoleezza Rice sagen, 120 000 irakische Soldaten würden ausgebildet, um die Sicherheit des Landes zu gewährleisten; ich hörte Senator Joseph Biden, Demokrat aus Delaware, sagen, die Zahl liege eher bei 4 000; und ich hörte Donald Rumsfeld sagen: „Tatsache ist, daß 130 200 ausgebildet und ausgerüstet worden sind. Das ist eine Tatsache. Daß die Zahl falsch sei, stimmt einfach nicht. Die Zahl ist korrekt.“Ich hörte ihn die Diskrepanz erklären: „Werden denn täglich welche getötet? Aber sicher. Gehen manche zu Zeiten in Pension oder werden verletzt? Ja, die sind weg.“ Ich erinnerte mich, daß er ein Jahr zuvor gesagt hatte, die Zahl liege bei 210 000. Ich hörte das Pentagon bekanntmachen, es werde keine Zahlen über irakische Truppenstärken herausgeben.


[…]


Ich hörte, daß an die private Sicherheitsfirma Custer Battles 15 Millionen Dollar gezahlt worden seien, um Zivilflüge am Flughafen Bagdad zu einer Zeit zu sichern, in der gar keine Flugzeuge flogen. Ich hörte, die amerikanischen Streitkräfte seien noch immer nicht in der Lage, die 12 Kilometer lange Autobahn vom Flughafen zur Grünen Zone zu sichern.


Ich hörte, der Onkel des Präsidenten, Bucky Bush, habe eine halbe Million Dollar Gewinn aus seinem Aktienbezugsrecht bei Engineered Support Systems, Inc. gemacht — ein Rüstungsunternehmen, das für Arbeiten im Irak 100 Millionen Dollar erhalten habe. Bucky Bush sitzt im Aufsichtsrat, aber ich hörte Dan Kreher, den Chef der Investorenbeziehungen bei ESSI, sagen: „Daß sein Neffe im Weisen Haus ist, hat absolut nichts damit zu tun, daß Mister Bush bei uns im Aufsichtsrat sitzt, oder damit, daß unsere Aktie in den vergangenen fünf Jahren um eintausend Prozent gestiegen ist.“ Ich hörte, daß eine Prüfung lediglich eines Teils der Verträge mir Halliburton durch das Pentagon 100 Millionen Dollar an „fragwürdigen Kosten“ ergeben habe. Der Kauf von Flüssiggas im Wert von 82 100 Dollar und eine Rechnung über 27,5 Millionen Dollar für dessen Transport wurden erwähnt. Ich hörte, daß acht weitere Regierungsprüfungen bei Halliburton als „geheim“ eingestuft und nicht für die Öffentlichkeit freigegeben worden seien.


[…]


2005 hörte ich von 2001. Ich hörte, daß es im President's Daily Brief der von der CIA erstellt wird, hieß, es gebe keine Hinweise auf eine Verbindung von Saddam Hussein mit den Angriffen vom 11. September.

Ich hörte Condoleezza Rice sagen: „Tatsache ist doch, daß wir, als wir am 11. September angegriffen wurden, eine Wahl treffen mußten. Wir konnten entscheiden, daß die naheliegende Ursache al-Qaida war sowie die Leute waren, die die Flugzeuge in die Gebäude steuerten, und wir daher al-Qaida verfolgten — oder wir konnten die Sache kühner angehen.“

Ich hörte Karl Rove sagen: „Die Liberalen sahen die Barbarei der Angriffe vom 11. September und wollten Anklagen vorbereiten und Therapie und Verständnis für die Angreifer anbieten. Die Konservativen sahen die Barbarei der Angriffe vom 11. September und rüsteten sich zum Krieg. Die Konservativen sahen, was am 11. September mit uns geschah, und sagten, wir werden unsere Feinde besiegen. Die Liberalen sahen, was mit uns geschah, und sagten, wir müssen unsere Feinde verstehen.“ 2005 hörte ich von 2002. Ich hörte, Sir Richard Dearlove, der Chef des MI6 (des britischen Auslandsgeheimdienstes), habe am 23. Juli 2002, acht Monate vor der Invasion, Tony Blair in einem Geheimmemo berichtet, in Washington habe man ihm gesagt, die USA würden „Saddam durch einen Militärschlag entfernen, der durch die Verbindung von Terrorismus mit Massenvernichtungswaffen gerechtfertigt werde“. Da jedoch „die Beweislage dünn ist, Saddam nicht seine Nachbarn bedroht und sein Potential an MVW geringer als das Libyens, Nordkoreas oder des Iran“ sei, würden „Erkenntnisse und Tatsachen der Politik angepaßt“.

Ich hörte, dieses ,,Downing Street Memo“ habe in der britischen Presse einen Skandal ausgelöst, aber im amerikanischen Fernsehen habe ich zwei Monate lang nichts davon gehört. Während dieser zwei Monate brachte ABC 121 Berichte über Michael Jackson und 42 über Natalee Holloway, eine Gymnasiastin, die in ihren Ferien auf Aruba von einer Bar verschwunden war. CBS sendete 235 Berichte über Michael Jackson und 70 über Miss Holloway.


Ich hörte, die amerikanische und die britische Luftwaffe hätten in der zweiten Hälfte von 2002 doppelt so viele Bomben auf den Irak abgeworfen wie im ganzen Jahr 2001. Ich hörte, das Ziel sei gewesen, Saddam zu provozieren, damit er den Alliierten einen Kriegsgrund liefert.


Ich hörte, die Hauptinformationsquelle über Saddams mobile Biowaffenlabore und sein Potential an bakteriologischen Kampfstoffen, die Colin Powell bei seiner Präsentation vor den Vereinten Nationen und der Präsident in seiner Rede zur Lage der Nation 2003 verwendeten, sein ein irakischer Überläufer im Gewahrsam eines deutschen Geheimdienstes. Die Deutschen hatten den Amerikanern gesagt, keine Information dieses Überläufers, eines Alkoholikers im fortgeschrittenen Stadium, sei zuverlässig. Man habe ihm den Codenamen „Curveball“ gegeben. 
[1]

Ich hörte, die Hauptinformationsquelle über die Tonnen biologischer, chemischer und nuklearer Waffen, die unter Saddams Privatvillen und unter dem Saddam-Hussein-Krankenhaus in Bagdad sowie im ganzen Irak vergraben seien, sei ein kurdischer Exilant namens Adnan Ihsan Saeed al-Haideri. Er sei von der Rendon Group unterstützt worden, einer Washingtoner PR-Firma, die vom Pentagon Hunderte Millionen Dollar erhalten hatte, um den Krieg populär zu machen. (Rendon hatte unter anderem eine Gruppe irakischer Exilanten in London organisiert, ihr den Namen Irakischer Nationalkongreß gegeben und Ahmed Tschalabi zu ihrem Führer bestimmt.) Ich hörte, al-Haideri habe bei einem Lügendetektortest der CIA in Thailand völlig versagt; daß seine Geschichten aber dennoch Journalisten zugespielt worden seien, deren prominenteste Judith Miller von der New York Times war, die sie auf der ersten Seite brachte.


Ich hörte Donald Rumsfeld sagen: ,,Tja, man weiß eben nie, was passiert. Ich übergab dem Präsidenten vor dem Krieg eine Liste mit ungefähr 15 Dingen, die fürchterlich schiefgehen könnten. Daß die Ölfelder hätten in Brand gesetzt werden können wie damals in Kuwait, daß wir Massen von Flüchtlingen bekommen würden; und es ist nicht passiert. Die Brücken hätten gesprengt werden können. Es hätte eine Festung Bagdad geben können mit einem Burggraben voller Öl drumherum und Leute, die bis aufs Messer kämpften. Eine ganze Menge schlimme Sachen, die hätten passieren können, sind nicht eingetreten.“ Ich hörte, wie ein Journalist ihn fragte: „War ein massiver Aufstand auf der Liste, die Sie dem Präsidenten gaben?“, und ich hörte Rumsfeld antworten: „Ich erinnere mich nicht mehr, ob das dabei war.“ 2005 hörte ich von 2003. Ich hörte einen US-Marine, der Zeuge des Geschehens war, sagen, die Gefangennahme Saddam Husseins sei gestellt gewesen. Saddam sei schon einen Tag zuvor in einem kleinen Haus festgenommen und dann in den aufgegebenen Brunnen gesteckt worden, der dann zu dem „Spinnenloch“, in dem er sich versteckt gehalten habe, gemacht worden sei. Ich hörte nie wieder von diesem Marine.


2005 hörte ich von 2004. Ich hörte, während des Angriffs auf Falludscha habe der Präsident Tony Blair vorgeschlagen, die Zentrale von al-Dschasira in Katar zu bombardieren. Ich hörte, Blair habe ihn überzeugt, daß das keine so gute Idee sei.


[…]


An einem Tag nachdem geschätzte 200 000 Menschen in Washington gegen den Krieg demonstriert hatten, wurde eine Demonstration für den Krieg auf der Mall abgehalten. Ich hörte Senator Jeff Sessions, Republikaner aus Alabama, zur Menge sprechen: „Die Gruppe, die neulich hier gesprochen hat, steht nicht für die amerikanischen Ideale von Freiheit und daß sie auf der ganzen Welt verbreitet werden. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wofür sie stehen.“ Ich hörte den Sondergeneralinspekteur für den irakischen Wiederaufbau, Stuart Bowen, vor dem Kongreß sagen, die Regierung verfüge über „keine umfassende Politik, keine grundlegenden Leitlinien“ für den Nachkriegsirak. 
[2] Ich hörte ihn sagen, der irakische Rechnungshof habe festgestellt, daß allein in der Zeit von Juni 2004 bis Februar 2005 1,27 Milliarden Dollar nicht ausgewiesen waren.

Ich hörte, daß die US Agency for International Development neben den vom Kongreß bewilligten 30 Milliarden Dollar auch noch um Privatspenden bitte: „Jetzt können Sie hochwirksame Entwicklungshilfe spenden, die das Leben Tausender Iraker verbessert.“ Ich hörte, der „außerordentliche Appell“ der USAID habe 600 Dollar eingebracht, aber ich hörte Heather Layman, die Sprecherin von USAID, sagen, sie sei nicht enttäuscht: „Jedes bißchen hilft.“ 2003 hatte Dick Cheney gesagt: „Seit ich Halliburton verlassen habe, um George Bushs Vizepräsident zu werden, habe ich alle meine Verbindungen zu dem Unternehmen gekappt und mich aller finanziellen Interessen entledigt. Ich habe keinerlei finanzielle Interessen bei Halliburton und hatte seit über drei Jahren keine mehr.“ Ich hörte, er enthalte noch immer aufgeschobene Vergütungen und besitze ein Bezugsrecht von über 433 000 Aktien. Diese Aktien hatten 2004 einen Wert von 241 498 Dollar. 2005 waren sie über 8 Millionen Dollar wert. Zusätzlich zu den Verträgen im Irak über 10 Milliarden Dollar, die Halliburton ohne Ausschreibung erhielt, wurde die Firma mit der Erweiterung des Gefängnisses in Guantánamo beauftragt und gehörte zu den ersten, die einen nicht ausgeschriebenen Auftrag für Wiederaufbaumaßnahmen nach dem Wirbelsturm Karrina erhielten.


Ich hörte den Präsidenten sagen: „In diesem Augenblick haben über ein Dutzend irakische Bataillone ihre Ausbildung beendet und führen Antiterroroperationen in Ramadi und Falludscha durch. In Bagdad operieren über zwanzig Bataillone. Und einige haben bei Operationen in bedeutenden Teilen der Stadt die Leitung übernommen. Insgesamt operieren über hundert Bataillone im Irak. Unsere Kommandeure berichten, die irakischen Streitkräfte operierten mit zunehmender Effizienz.“Ein irakisches Bataillon hat rund 700 Soldaten. Am folgenden Tag hörte ich General George Casey vor dem Kongreß aussagen, die Zahl der „kampfbereiten“ irakischen Bataillone sei von drei auf eines gefallen. Ich hörte ihn sagen: „Die irakischen Streitkräfte werden noch eine zeitlang nicht unabhängig operieren können.“

zur Person Eliot Weinberger: geb. 1949 in New York, Essayist, Herausgeber und Übersetzer lateinamerikanischer und chinesischer Literatur. Für seine Förderung hispanischer Literatur 1992 mit dem P.E.N./Kolovakos Award und 2000 als erster amerikanischer Schriftsteller mit dem Order of the Aztec Eagle von der mexikanischen Reagierung ausgezeichnet. Lebt in New York.

[Hervorhebungen und Fußnoten von mir]

Fußnoten:
[1] Curveball:
- Die »zuverlässigen Quellen« des Mainstreams (Post, 12.05.2018)

[2] Downing Street memo:
Downing Street Memo (Wikipedia)
Wirklich neu sind die aus den britischen Dokumenten des Sommers 2002 hervorgehenden Erkenntnisse freilich nicht. Eigentlich war allen auf und vor der politischen Bühne klar, dass die Bush-Regierung schon kurz nach dem 11.9. die Gunst der Stunde für den Einmarsch in den Irak nutzen wollte. Der Regimewechsel war von vielen innerhalb der Bush-Regierung, zum großen Teil Politiker aus der Zeit Reagans und von Bush I, schon lange vor dem 11.9. intendiert und gefordert worden. Man wollte die verpasste Chance, nachdem US-Präsident Bush I. im ersten Irakkrieg aus Bedenken vor den Folgen nicht nach Bagdad einmarschiert ist, wieder gut machen, die Abhängigkeit vom saudischen Öl mindern und den selbst unter Reagan gegen den Feind Iran gestützten Diktator beseitigen, um eine demokratische, dem Westen gegenüber offene und vor allem auf den freien Markt orientierte Regierung zu installieren.
Als nach dem schnellen, wenn auch unvollständigen Sieg über das Taliban-Regime der Einmarsch in den Irak militärisch und politisch vorbereitet wurde, stand, wie die Briten richtig erfassten, bei den Amerikanern nur die Gewissheit über den schnellen Sieg im Vordergrund. Sowohl in Afghanistan als auch im Irak ging man davon aus, dass dann, wenn die Bösen an der Spitze beseitigt wären, die befreiten Menschen den Erlösern zujubeln und deren Vorstellungen bereitwillig umsetzen würden. In beiden Ländern hat diese Hoffnung, basierend auf geradezu seltsam naiven und vereinfachten Annahmen über die politische und gesellschaftliche Wirklichkeit, nicht lange angehalten. Es muss gerade für die Briten, die, nach den Dokumenten zu schließen, ganz unter dem Druck der Bush-Regierung standen und willfährig mitzogen, ernüchternd sein, als die von ihnen gehegten Befürchtungen auch tatsächlich eintrafen.
Geändert hat sich durch das Memo nur, dass nun auch Schwarz auf Weiß das bestätigt wurde, was jeder schon vermutet hatte, der nicht selbst eine Rolle im Theater der Macht spielte und deswegen vorgab, dass die Farce des Spiels mit den Vereinten Nationen keine war und die US-Regierung nicht nur nach einer Möglichkeit und dem günstigen Zeitpunkt des Losschlagens suchte, aber stets vorgab, dass noch nichts entschieden sei. Die Times hat nun ein neues Dokument erhalten, das vom 21. Juli 2002 stammt und unter dem Titel "Irak: Bedingungen für eine militärische Intervention" Informationen zur Vorbereitung der Sitzung am 23. Juli zusammenfasst. Es enthält nichts wesentlich Neues gegenüber dem zwei Tage später datierten Downing Street Memo, das die Ergebnisse der Sitzung mit Tony Blair und seinen engsten Beratern zusammen fasst. Es macht erneut deutlich, mit welcher Entschlossenheit die US-Regierung den Krieg plante, aber gleichzeitig keinen Gedanken über die Zeit danach verschwendete und auch nicht über den politischen Rahmen nachdachte. Die britische Regierung hingegen dürfte entscheidend dafür verantwortlich gewesen sein, dass der Sicherheitsrat der UN einbezogen, eine internationale Koalition angestrebt und das Vorgehen politisch gemäßigt wurde, was dann zur Farce auf der politischen Bühne mit fabrizierten Beweisen und Scheinbegründungen wurde:

The US Government's military planning for action against Iraq is proceeding apace. But, as yet, it lacks a political framework. In particular, little thought has been given to creating the political conditions for military action, or the aftermath and how to shape it.
[Florian Rötzer, Die Bush-Regierung ohne Plan für den Irak nach dem KriegTelepolis, 12.06.2005 – Hervorhebungen von mir)
The secret Downing Street memo (David Manning, Sunday Times, 23.07.2002 – Google-Übersetzer)

[3] Dick Cheney und Halliburton:
ASPO Schweiz: In wie weit ist der Nahe Osten immer noch das Zentrum der Erdölförderung? (ee-news.ch, 16.11.2018)
Chronologie des Irakkriegs: Massenvernichtungswaffen oder Erdöl ? (Umwelt- und Prognoseinstitut, 11.05.2018)
Wer gewinnt beim "Krieg gegen Terror"? (Veranstaltungsankündigung des ANtikriegsforums Heidelberg zu einem Vortrag von Simon Harak am 03.08.2007)
Oh what a lovely war on terror it's been for Halliburton (Katherine Griffiths, Independant, 27.03.2005 – Google-Übersetzer)
Die Schattenregierung der US-Konzerne (Florian Rötzer, Telepolis, 16.07.2006)
Der große Jackpot (Dirk Eckert, Telepolis, 01.09.2003)

Mein Kommentar:
Irgendwo habe ich mal den Satz gelesen: „Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.“

Collateral Murder mit deutschen Untertiteln {18:17}

Das Jochen
Am 28.07.2016 veröffentlicht
Am 5. April 2010 veröffentlichte WikiLeaks auf einer Pressekonferenz die an Bord der Apache-Hubschrauber aufgenommenen Videoaufnahmen des Vorfalls.[19] In Anlehnung an den euphemistisch verwendeten militärischen Begriff Kollateralschaden (engl.: collateral damage) wurde hierfür der Titel Collateral Murder gewählt.
Das 39-minütige Video war von der Zielkamera der Bordkanone aufgenommen worden. Es zeigt mehrere Personen, die nach Auffassung der US-Soldaten AK-47-Sturmgewehre und eine Panzerfaust (RPG) trugen. Bei einigen der vermuteten Waffen handelte es sich um die Kameras der Journalisten. Die Bordkamera zeigt, wie das Feuer auf die Gruppe eröffnet wird. Etwa zwölf Zivilpersonen, einschließlich der beiden Reuters-Mitarbeiter Saeed Chmagh and Namir Noor-Eldeen, wurden getötet.
alter Info-Text:
Veröffentlicht am 04.03.2012
Im folgenden Video sieht man, wie eine Gruppe Zivilisten, aus einem Apache mit 30mm Maschinengewehren ermordert werden. Unter ihnen befanden sich zwei Reuters Journalisten. Das Ereignis fand in Bagdad am 12. Juli 2007 statt. Man sieht die Aufnahme aus der Sicht des Schützen im Apache Helikopter.
Das US-Militär behauptet, die Opfer starben bei einem Gefecht zwischen US-Streitkräften und Aufständigen. Die Aufnahmen zeigen jedoch etwas ganz anderes. Sie wurden ahnungslos und kaltblütig aus der Luft mit Maschinengewehrsalven ermordet.
Sogar herbeigeeilte Helfer in einem Kleinbus, die versuchen die Verletzten zu bergen, werden aus der Luft niedergemäht. Dabei werden zwei Kinder die im Fahrzeug sitzen ebenfalls schwer verletzt.
Ein Panzer der US-Armee rollt dann später über die verstreuten Leichen und die Besatzung lacht sogar.
Dieses Video, welches vom Pentagon geheim gehalten werden sollte, wurde Wikileaks zugespielt. Wikileaks encodierte dieses Video und stellte es für die ganze Welt zur Verfügung.
Unter der NATO-Herrschaft ist Afghanistan der grösste Drogenproduzent der Welt:
http://alles-schallundrauch.blogspot.......
Kriegsversprechen:
http://www.youtube.com/watch?v=o3s7NL...
Die verstrahlten Kinder von Basra:
http://www.youtube.com/watch?v=zRwrqk...
Was macht die NATO eigentlich am Hindukusch? (Vortrag von Christoph Hörstel):
http://www.youtube.com/watch?v=1wXqdh...

Zu den USA und Al-Qaida:
- US-Rückzug aus Syrien: Die Krokodilstränen der Kriegstreiber (Tobias Riegel, NachDenkSeiten, 04.01.2019)
- Afghanistan: USA im Rückwärtsgang (Thomas Pany, Telepolis, 22.12.2018)
Islamistischer Terrorismus: Al-Qaida ist nicht totzukriegen (Buchrezension, Simon Wolfgang Fuchs, Süddeutsche Zeitung, 10.09.2018)

siehe auch:
- 720 Millionen pro Tag für Irakkrieg (Post, 05.11.2007)
Das Gebaren einer Großmacht im Niedergang (Post, 04.02.2008)
Heute vor 20 Jahren – Bob Dylans versteckte Botschaft bei der Grammy-Verleihung (Post, 20.02.2011, aktualisiert am 12.12.2015


einige Bücher bzw. Übersetzungen von Eliot Weinberger bei googlebooks:
- Oranges & Peanuts for Sale
- An Elemental Thing
- What I heard about Iraq
- What Happened Here – Bush Chronicles



zuletzt aktualisiert am 06.10.2019




Unqualifizierte Möchtegerns murksen in den Seelen herum

Für Sie ist Psychoszene = Scharlatanerie = Betrug. Was macht Sie so sicher in diesem harten Urteil?

"Die überwiegende Mehrzahl der Anbieter auf dem Psychomarkt ist nicht nur gänzlich unqualifiziert zur Ausübung von Psychotherapie: sie besitzt noch nicht einmal die rechtliche Formalerlaubnis dazu. Die Chuzpe der Szene ist unerhört: Mit völlig unbrauchbaren, teils hochgefährlichen Methoden macht man sich an Menschen zu schaffen, die vertrauensvoll um Rat und Hilfe nachsuchen und scheut sich nicht, ohne die geringste Fachkenntnis auch an schwersten psychischen und psychosomatischen Problemen herumzudilettieren. Was in der Bundesrepublik - in Österreich und in der Schweiz ist dank fortschrittlicherer gesetzlicher Regelung solcher Missstand etwas eingedämmt - unter dem Signet "Psychotherapie" firmiert, ist zu nicht geringen Teilen reine Scharlatanerie beziehungsweise reiner Betrug. Vielfach finden sich in der Szene Figuren, die, selbst dem Laien erkennbar, persönliche Störungen dadurch zu kompensieren suchen, dass sie sich zu "Therapeuten" und "Lebenslehrern" aufspielen; die dringlichst also selbst einer Behandlung bedürften. Vielfach finden sich auch Betrüger, die sehr genau wissen, dass sie gänzlich untaugliches Zeug verkaufen."

aus einem Interview mit Colin Goldner, klinischer Psychologe und Wissenschaftsautor mit langjähriger Tätigkeit in den USA, Autor des Standardwerks „Die Psycho-Szene“ im bvvp-magazin 1/2006

"Positives Denken macht krank"

Was macht die "don’t worry, be happy"-Botschaften so anziehend für viele?

"Es ist schon erstaunlich, wie naiv die Menschen sind und was sie letztlich hören wollen. Sie wollen auch in gewisser Weise belogen werden und halten an etwas fest, was es gar nicht gibt. Das liegt auch daran, daß das alles sehr einfach klingt! Man muß nichts tun, man muß nur richtig denken, und dann erschafft man sich das Paradies auf Erden! Das sind Selbsterlösungsgedanken und -tendenzen und alles ist fast umsonst, denn Denken kostet ja nichts. Man meint, das sei einfach hinzukriegen immer positiv und richtig denken. Das kommt der Bequemlichkeit mehr entgegen als die Forderung, sich auseinanderzusetzen an der Psyche zu arbeiten und regelmäßige Lernprozesse zu durchlaufen, auch unangenehme Dinge in diese Arbeit hinein zu nehmen. Die Menschen möchten an das Einfache glauben. Auf mein Buch bekam ich zum Teil fanatisch negative Zuschriften Das ist als ob man Menschen eine Religion wegnimmt, an der sie sich angeblich festhalten können. Es geht ja auch in diese Richtung Esoterik und New Age, da paßt das genau rein, auch NLP tendiert dahin."

aus einem Interview mit Dr. Günter Scheich, Verhaltenstherapeut und Supervisor, Autor des Buches „Positives Denken macht krank“ (1997), veröffentlicht im bvvp-magazin 1/2006

Montag, 20. März 2006

Nicht im Umbau, im Abbau begriffen …

Die heile Welt wankt

Wer seine Zukunft hinter sich hat, dein mag es leichter fallen zu sagen, was andere noch vor sich haben. Als Professor Fritz Beske, profilierter Gesundheitsökonom der Republik und gefragter Ratgeber der Regierungen in Kiel und Berlin, am 8. Februar im Ärztehaus Verden vor vollbesetztem Saal über die Zukunftsperspektiven des deutschen Gesundheitswesens sprach, spielte er launig auf seine 83 Jahre an: „Sie erlauben mir, ohne Rücksicht auf meine berufliche Zukunft zu sagen, was ich denke.“ Womit das Wesentliche schon ausgesprochen war daß es um die Zukunft dieses Gesundheitswesens nicht rosig aussieht und daß die Verantwortlichen diese Wahrheit nicht gerne hören.

Fakten aus dem Artikel:
Ein Zehnjähriger kostet die Krankenversicherung durchschnittlich 80 Euro im Jahr, ein 40-jähriger 1.100 bis 1.200 Euro. Bei einem 75-jährigen belaufen sich die Kosten schon auf 4.500 Euro jährlich, bei einem 90-jährigen dann auf rund 6.000 Euro.
Rechnet man diese Zahlen gegen die wahrscheinliche Bevölkerungsentwicklung in Deutschland auf, so ergibt sich im Jahr 2050 ein Beitragssatz zur GKV von 18 Prozent.
Gehe man von einem Prozent Kostensteigerung jährlich aus, den der medizinische Fortschritt verursacht, liegt der Beitragssatz 2050 bei 28 Prozent. Realisticher sind aber wohl zwei Prozent Kostensteigerung jährlich. Damit wären wir um 2050 hei einem benötigten KV-Beitragssatz von 42 Prozent.
Eine aktuelle Studie der OECD prognostiziert eine Verdreifachung der Ausgaben im Gesundheitswesen bis 2050.
En Beispiel: Prognosen zufolge werden im Jahr 2030 2 – 2,3 Millionen Demenzkranke leben – mehr als doppelt so viele wie heute. Dabei werden heute 70 – 75 Prozent in den Familien versorgt. 2030 wird es aber nicht mehr so viele Familien geben, die meisten Demenzkranken müssen dann in Pflegeheimen betreut werden.

Zitat:
„Wir haben zu viel in das investiert, was wir nicht mehr bezahlen können. Wir haben uns schlicht übernommen. Wir müssen bescheidener werden. … Wir sind nicht im Umbau, wir sind im Abbau begriffen.“

Komfortabler Mercedes
In den nächsten Jahren werden kontinuierlich Leistungen aus der GKV in den privaten Bereich verlagert werden – da ist sich Beske sicher. Er stellte aber klar, daß wir in Deutschland bei der Diskussion über den Leistungskatalog dr GKV von einem hohen Niveau ausgehen. „Es konnte nachgewiesen werden, daß das Gesundheitswesen in Deutschland im Vergleich ovn 14 führenden Industrienationen über eine hohe Qualität der medizinischen Versorgung verfügt, den wohl umfangreichsten Leistungskatalog aufweist, mit die geringsten Zuzahlungen hat und insgesamt überdurchschnittlich effizient ist.“
aus dem Niedersächsischen Ärzteblatt 3/2006


Donnerstag, 16. März 2006

Eine Farce

Theodor Ickler verlässt den Rat für Rechtschreibung

Der Erlanger Sprachwissenschaftler Theodor Ickler, einer der profiliertesten Gegner der Rechtschreibreform, verlässt unter Protest den Rat für deutsche Rechtschreibung. Die Arbeit diese Rates, so Ickler, sei von der Kultusministerkonferenz (KMK) als bloßes Schauspiel angelegt gewesen – als Farce, die den Widerstand gegen die reform brechen sollte.Die Versuche des Rates, nicht zuletzt in Gestalt seines Vorsitzenden Hans Zehetmair, den Rat als tatsächliche Chance zur Rettung einer gescheiterten Form zu behandeln, seien – im nachhinein betrachtet – zum Scheitern verurteilt gewesen. „Seit neun Jahren lernen die Schulkinder grammatisch falsches Deutsch, das richtige wir notenrelevant bestraft, Verbands- und Interessenvertreter befinden mit Zweidrittelmehrheit darüber, was Silbengelenke, Desubstantivierungen und satzwertige Infinitivkonstruktionen sind.“

Schon die Konstruktion des Rates – der nominell ein unabhängiges Gremium hätte sein sollen – sei so beschaffen gewesen, dass das politische Interesse an eine Beibehaltung der Reform nie hätte in Frage gestellt werden können: In den Rat berufen worden seien vor allem Befürworter der Reform, die meisten davon keine Germanisten und Sprachwissenschaftler, sonder Interessensvertreter und dabei nicht zuletzt den Schulbuch- und Wörterbuchverlagen verbunden. Das Quorum einer Zweidrittelmehrheit habe produktive Kritik schon im Ansatz verhindert. Die Arbeit des Rates sei zudem durch die Kultusminister einem absurden Zeitdruck unterworfen worden. Nach Gutdünken der den Kultusministern gegenüber loyalen Mitgliedern des Rates sei über die Geschäftsordnung verfügt worden.

Tatsächlich liege nun die Reparatur der Reform, so mangelhaft sie auch immer sein werde, nicht mehr in den Händen des Rates, sondern in denen der Wörterbuchredaktionen einiger weniger Verlage, die den Kultusministern ein „Wörterverzeichnis“ vorlegen sollen, in das die meisten Änderungen aufgenommen sein werden. Das einzig Sinnvolle sei, so Theodor Ickler, nach wie vor die Entstaatlichung der Rechtschreibung. Orthographie sei in erster Linie eine sprachliche Tatsache, die durch den Gebrauch von Sprache entstehe. „Das Herumsitzen in Gremien zweifelhaftester Zusammensetzung mit dem Zweck, an der Sprache von hundert Millionen Menschen herumzubasteln, oder vielmehr an dem leichtfertigen Anschlag auf diese Sprache, ist grotesk.“

Sonntag, 12. März 2006

Ärzte als staatliche Erfüllungsgehilfen? I

BRD: Hartes Urteil für Psychiater

Ein Berliner Arzt wurde verurteilt, weil er Flüchtlingen ohne angemessene Untersuchung Kriegstraumata attestiert haben soll. Die Verteidigung sieht den Prozeß politisch motiviert.
aus dem Deutschen Ärzteblatt Heft 8, Februar 2006

http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=50338


Ärzte als staatliche Erfüllungsgehilfen? II

USA: Ärzte stoppen Exekution

Mit ihrer Weigerung zur Beihilfe haben zwei Anästhesisten die Hinrichtungspraxis in den USA infrage gestellt.
aus dem Deutschen Ärzteblatt Heft 10, März 2006

http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=50489


Mittwoch, 11. Januar 2006

Wenig Sex in vielen Partnerschaften in Deutschland

GÖTTINGEN, 28. November 2005 (pug) - Wer mit seinem Partner schon vier Wochen lang keinen Sex mehr hatte, ist in Deutschland in "guter Gesellschaft": 17 Prozent der deutschen Paare geht es ebenso. Das ist das Ergebnis einer Studie, die am Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie der Georg-August-Universität durchgeführt wurde.

Die Göttinger Psychologen Dr. Peter Breuer und Dr. Ragnar Beer werteten dazu die Aussagen von 13.483 Männern und Frauen aus. Auskunft gaben dabei ebenso frisch Verliebte wie Ehepaare, die bereits die Goldene Hochzeit gefeiert haben. Die Untersuchung ist Teil des Online-Projekts Theratalk, das mit einem speziellen Angebot im Internet Hilfestellung bei Beziehungsproblemen bietet.

Dr. Breuer: "Wir haben als Bezugsgröße den Zeitraum vier Wochen gewählt, weil viele Paare deutlich weniger als ein Mal in der Woche sexuell miteinander verkehren, wie auch die neue Studie belegt." Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) hat maximal einmal pro Woche sexuellen Kontakt mit dem Partner. "Der immer wieder gern angegebene Mittelwert liegt zwar bei 5,6 Mal innerhalb von vier Wochen. Allerdings haben 63 Prozent der Paare seltener Sex, als es dieser Wert nahelegt", erläutert Dr. Beer. Lediglich 28 Prozent der Partner leben mindestens zwei Mal in der Woche ihre Sexualität miteinander aus."

aus dem Newsletter des bvvp Niedersachsen vom 8.1.2006

http://www.theratalk.de/partnerschaftstest_mehr_lust.html

Breite NGO-Allianz gegen malaysisches Holzlabel

64 Nichtregierungsorganisationen (NGOs) aus 21 Ländern fordern die Europäische Union. die Europäischen Regierungen sowie die Europäische Holzindustrie auf, dem Malaysischen Holzlabel MTCC jede Anerkennung zu verweigern. Die unterzeichnenden NGOs weisen das Label als Garantie für nachhaltige oder legale Waldbewirtschaftung zurück, da MTCC indigene Landrechte mißachtet.

Besonders kritisiert wird die Zertifizierung einer großen Holzkonzession in einem der letzten intakten Urwaldgebiete im malaysischen Bundesstaat Sarawak auf der insel Borneo. Im Oktober 2004 wurde eine strittige Konzession des malaysische Holzkonzern Samling in einem Gebiet zertifiziert, welches das indigene Volk der Penan bereits 1995 mit einer Landrechtsklage für sich beansprucht hat. Mit der Zertifizierung der sogenannten Sela'an-Linau-Konzession am Oberlauf des Barani-Flusses widerspricht MTCC dem weithin anerkannten Grundsatz, wonach rechtlich umstrittene Konzessionen nicht zertifiziert werden dürfen. Trotz anhaltenden Protests der betroffenen Penan weigert sich das Zertifizierungsgremium, das mißbräuchliche Label zurückzuziehen. In den letzten Jahren wurde MTCC immer wieder von Menschenrechtsorganisationen wegen der Mißachtung indigener Landrechte kritisiert.

Das Holzlabel dient der malaysischen Holzindustrie primär als Marketinginstrument, um zum lukrativen europäischen Holzmarkt Zugang zu erhalten.

aus Pro-Regenwald News-Letter 23/24 Dezember 2005

Artensterben beschleunigt sich

Washington (dpa) - Das Artensterben beschleunigt sich dramatisch. Heute sind einer Studie zufolge dreimal so viele Arten bedroht, wie in den vergangenen 500 Jahren bereits ausgestorben sind. Der Mensch habe die Aussterberate um das 100- bis 1000-fache über das natürliche Maß hinaus getrieben.

Das berichten US-Forscher in den »Proceedings« der amerikanischen Akademie der Wissenschaften. Die Biologen untersuchten solche Arten, für die es weltweite Daten gibt. Dazu zählen Säugetiere, Vögel, Amphibien, einige Reptilien und als einzige Pflanzengattung Nadelhölzer. Die meisten der demnach 794 bedrohten Arten leben jeweils nur noch an einem Ort.

Seit dem Jahr 1500 sei die Ausrottung von 245 Arten aus diesen Gruppen verzeichnet, berichten die Forscher uni Taylor Ricketts von der Umweltstiftung WWF. »Die festgelegten Arten machen nur ein Bruchteil aller aus, die durch menschliches Handeln vom Aussterben bedroht sind.« Die Forscher identifizierten 595 Zentren bevorstehenden Aussterbens, die jeweils als einzige verbliebene Heimat für bedrohte Arten dienen.

Die Mehrzahl dieser letzten Refugien sei nicht genug geschützt. Nur ein Drittel sei derzeit abgesichert. An den übrigen Plätzen sollten dringend Schutzmaßnahmen ergriffen werden, um den Verlust der Spezies zu verhindern, heißt es in dem Artikel. »Die große Mehrheit dieser Plätze liegt in Entwicklungsländern«, schreiben Ricketts und Kollegen. »In vielen Fällen ist ihre Rettung nicht ohne substantielle Hilfe aus den Industrieländern möglich.«

aus Pro-Regenwald News-Letter 23/24 Dezember 2005

Freitag, 16. Dezember 2005

Greenpeace für die Ohren

HÖRBUCH - Rufus Beck liest:

Wie war das eigentlich damals, als einige Atomgegner die verrückte Idee hatten, mit einem alten Fischkutter mitten ins US-Bombentestgebiet nach Alaska zu fahren? Wie schaffte es David McTaggart, trotz heftigster Abdrängmanöver französischer Kriegsschiffe mit seiner Segelyacht „Vega“ wochenlang vor Moruroa auszuharren? Machen Sie es sich auf dem Sofa gemütlich und hören Sie zu: Rufus Beck liest „Abenteuer Greenpeace“. Das Buch von Burghard Bartes schildert spannend und detailreich, wie aus einem kleinen Haufen Umweltschützer eine internationale Organisation wurde. Die prägnante Stimme des Schauspielers und mehrfach ausgezeichneten Vorlesers Beck garantiert reines Hörvergnügen.
Zum 25. Geburtstag von Greenpeace Deutschland gibt’s den historischen Stoff kostenlos im Internet - zum Anhören oder Herunterladen auf der Seite:

http://www.greenpeace.de/ueber_uns/25_jahre_greenpeace_deutschland/

Mittwoch, 9. November 2005

Entsetzlich: Der gute Ruf von BILD wird kaputtgemacht!!!

Im Oktober 2005 ließ die "Bild"-Zeitung diesen zweiteiligen Werbespot der taz per einstweiliger Verfügung sperren. Zwei Jahre später gab das Hamburger Oberverwaltungsgericht der Bild-Zeitung damit recht.Wieder zwei Jahre später, am 1. Oktober 2009, setzte die taz vorm Bundesgerichtshof durch, ihn doch zeigen zu können.
Die Filmemacher 
Gedreht wurde der Werbespot von Jens Junker und Philip Haucke. Die beiden hatten mit dem Spot den "First Steps Commercial Award 2006" gewonnen. In der Begründung hieß es, es gelinge ihnen "auf überzeugende Art und Weise, den Kampf 'David gegen Goliath' zu visualisieren und den journalistischen Anspruch der taz klar von einem 'beschränkten Horizont' abzugrenzen."

Freitag, 14. Oktober 2005

Gemeinschaftsbank wächst kräftig

Um über 30 Millionen Euro stieg die Bilanzsumme der GLS-Gemeinschaftsbank in Bochum seit Jahresbeginn. Sie beläuft sich nun auf 528 Millionen Euro. Der Zuwachs von 6,2 Prozent liegt deutlich über den Vergleichswerten der Vorjahre. Die Zahl der Kunden stieg seit Jahresbeginn um knapp 2000 auf 44.000, die Zahl der Genossenschaftsmitglieder um rund 800 auf fast 14.000. Dadurch wuchsen die Geschäftsguthaben von 12,7 auf 13,9 Millionen Euro. Aus diesen Gründen konnte die Bank in der gleichen Zeit rund 15,2 Millionen Euro mehr Kredite vergeben. Auch in einem anderen Bereich läuft es bei der GLS-Gemeinschaftsbank anders als bei anderen Banken: In den ersten acht Monaten stellte die Bank sechs zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Sie beschäftigt inzwischen 166 Arbeitskräfte - und zog gerade in ein neues Domizil. Es handelt sich um ein altes Verwaltungsgebäude von Thyssen-Krupp, das die Bank modernisieren ließ - als Symbol für den Wandel der Zeit.
Aus Publik-Forum 19/2005

Donnerstag, 13. Oktober 2005

Vorfahrt für Sonne, Wind und Biomasse

Schweden und Spanien setzen voll auf erneuerbare Energien. Die schwedische Regierung will ihr Land innerhalb von 15 Jahren unabhängig von Öl, Gas und Kohle machen. Bis 2020 soll Schweden komplett aus der Stromerzeugung durch fossile Rohstoffe aussteigen. Dazu will die Regierung in den kommenden Jahren Erneuerbare-Energie-Kraftwerke bauen, die zehn Prozent mehr Strom erzeugen als sämtliche mit Öl, Kohle und Gas betriebenen Kraftwerke des Landes. Umfangreiche Investitionen in den Wärmebereich sollen folgen. In Spanien hat die Regierung beschlossen, den Anteil von Strom aus erneuerbaren Energiequellen am gesamten Energieverbrauch innerhalb der nächsten fünf Jahre zu verdoppeln. Bis 2010 soll dieser Anteil an der Stromerzeugung von derzeit 19,8 Prozent auf 30,3 Prozent steigen. In den kommenden 15 Jahren wollen die Spanier 23,6 Milliarden Euro in die erneuerbaren Energiequellen investieren. Den größten Teil davon soll die Industrie finanzieren.
Aus Publik-Forum 19/2005

Mittwoch, 12. Oktober 2005

Golfkriegssyndrom offiziell anerkannt

Die britische Regierung hat erstmals offiziell den Begriff »Golfkriegssyndrom« zur Beschreibung von Krankheiten bei Soldaten anerkannt. Ärzte hatten den Begriff in der Vergangenheit ausgiebig gebraucht. Die Regierung streite den Begriff nicht mehr ab. Dies teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums im Rahmen eines Prozesses mit. Dort wird über die Klage eines ehemaligen Soldaten verhandelt, der an Asthma, Angstzuständen und Gedächtnisverlusten leidet. Ein unabhängiger Bericht hatte der britischen Regierung Ende des vergangenen Jahres nahegelegt, den Zusammenhang zwischen dem Golfkrieg und den Krankheiten anzuerkennen. Etwa 6000 der 54 000 britischen Soldaten, die im Golfkrieg von 1991 im Einsatz waren, um irakische Truppen aus Kuwait zu vertreiben, leiden an Krankheiten, darunter Krebs, chronische Müdigkeit und Hautausschlag. Wird der Zusammenhang zwischen der Krankheit und dem Golfkrieg anerkannt, dann können Soldaten auf eine höhere Entschädigung klagen.
Aus Publik-Forum 19/2005

Dienstag, 11. Oktober 2005

Kinder bleiben Armutsrisiko Nr. 1

Einen weiteren und deutlichen Anstieg der relativen Armut in Niedersachsen weist der aktuelle Bericht über Armut und Reichtum aus, den das Landesamt für Statistik kürzlich veröffentlicht hat. Demnach ist zwar das Pro-Kopf-Einkommen im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent (20 Euro) auf 1.145 Euro angestiegen; die Armutsquote erreichte dennoch mit 14,5 Prozent ein Plus von 0,8 Prozent. Damit gelten jetzt 1,14 Millionen Menschen in Niedersachsen als arm. Ebenfalls gestiegen ist andererseits die Reichtumsquote, die jetzt bei 5,6 Prozent liegt. Insgesamt befindet sich das Land auf Bundesniveau. Niedersachsens „soziale Mitte“, die weder arm noch reich ist, liegt damit nunmehr um 1,1 Prozent unter dem Vorjahreswert bei jetzt 79,9 Prozent der Bevölkerung.

Die Erhebung des Landesamtes, die auf den Zahlen des Mikrozensus beruht, bestätigen auch, daß die Armut mit der Zahl der im Haushalt lebenden Personen steigt. Während ein verheiratetes Paar nur zu 7,4 Prozent zu den Armen gehört, erreichen Haushalte mit fünf und mehr Personen eine Quote von einem Drittel (33,2 Prozent). Auch wenn der Mikrozensus nur Angaben über die Zahl der in einem Haushalt lebenden Personen und nicht über die Zahl der dort lebenden Kinder macht, halten die Statistiker Kinder weiterhin für das Armutsrisiko Nr. 1. In einer Korrespondenz-Erhebung in Baden Württemberg wird im übrigen festgestellt, daß allein erziehende Väter finanziell deutlich besser gestellt sind als allein erziehende Mütter, die in der Statistik am schlechtesten dastehen. Interessanterweise geht es aber auch den nicht ehelichen Lehensgemeinschaften mit Kindern besser als den Ehepaaren mit Kindern. Die höchste Wohlstandsposition nehmen allerdings alle Lebensformen ein, in denen es keine Kinder gibt, sowie die alleinstehend lebenden Männer.
Aus: Niedersächsisches Ärzteblatt 9/2005

Mittwoch, 21. September 2005

Industrieförderung Ost: In den Sand gesetzt

In den vergangenen 15 Jahren flossen 31 Milliarden Euro an Fördermitteln in den Aufbau Ost. Wahrend die Regionen Dresden und oberes Elbtal/Osterzgebirge das Geld erfolgreich für ihren wirtschaftlichen Aufschwung genutzt haben, versandeten in Brandenburg Milliarden Euro Fördermittel in gescheiterten Großprojekten. Am meisten Geld bekommen haben Magdeburg mit 2,6 und Halle/Saale mit 2,3 Milliarden Euro. Auch diese Regionen haben es nicht geschafft, den Geldregen in Wachstumsstärke und zukunftsträchtige Industrien zu lenken. In Thüringen und Sachsen dagegen ist inzwischen die ostdeutsche Industrie zur Lokomotive für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung geworden und hat stellenweise westdeutsches Niveau erreicht.
aus Forum 2/2005

Immer weniger Krankenkassen

Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen nimmt durch Fusionen immer weiter ab. Ende 2004 existierten noch 267 Kassen, zwanzig weniger als zwölf Monate zuvor, so das Bundesgesundheitsministerium. Vor allem bei den Betriebskrankenkassen gab es Zusammenschlüsse. Der Konzentrationsprozess hält schon seit Jahren an.
1991, also kurz nach der Wiedervereinigung, gab es in Deutschland fast viermal so viele Krankenkassen wie heute. Das Gesundheitsministerium setzt darauf, daß die Zusammenschlüsse Doppelstrukturen abbauen und zu leistungsfähigeren Kassen und niedrigeren Verwaltungskosten führen.


















Aus Forum 2/2005

Montag, 19. September 2005

Deutsches Gesundheitswesen im Vergleich

Deutschland habe ein umfassendes, preiswertes und damit sehr effizientes Gesundheitswesen, sagt der Kieler Gesundheitsforscher, Prof. Dr. med. Fritz Beske. Die Ergebnisse seiner 479 Seiten starken Studie überraschen.

http://www.deutsches-aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=48166