Donnerstag, 16. November 2006

So vergänglich! oder Was bleibt…

Mitte Oktober des Jahres stellte der tibetische Mönch Lama Jampa Rinpoche im Möbelgeschäft Sam-Nok in der Vahrenwalder Straße ein Sandmandala her. Zehn Tag lang saß er da täglich fünf bis acht Stunden im Kellergeschoß und schüttete mit konzentrierten, doch zugleich leicht wirkenden Bewegungen den knallbunten Sand auf eine mehr als einen Meter im Durchmesser große Vorlage, für deren Erstellung er drei Tage benötigt hatte.

Das Mandala stellt alle sechs Bereiche dar, denen die Lebewesen unterworfen sind:
- den Bereich der Menschen, der Tiere und der Höllenbewohner sowie
- den Bereich der Pretas (der Hungrigen Geister), den der Asuras (der Neidischen Götter oder Titanen) und die Welt der Götter.

Das Ritual des Anfertigens eines Sandmandalas wird nur von ordinierten Mönchen ausgeführt. Das Mandala gilt – je nach Ausführung – als Sitz einer bestimmten buddhistischen Gottheit. Diese personifiziert eine bestimmte Bewußtseinsqualität und wird im Zentrum des Mandalas dargestellt. Um sie herum erkennt man die jeweiligen Schutzgottheiten. Alle zusammen »bewohnen« einen meist quadratischen Palast mit vier Eingängen.

Bevor ich Mark Epstein einen Vergleich zwischen dem westlich-psychoanalytischen und dem buddhistischen Umgang mit dem neurotischen Geist anstellen lasse (Scherf: »Dabei ist das vermeintlich neurotische etwas zutiefst menschliches.«), hier eine köstliche Begebenheit, die er in seinem Buch schildert:


Ein Fehlstart


Als ich anfing, mich für Buddhismus und Psychologie zu interessieren, wurde mir in einer Situation besonders lebhaft demonstriert, wie schwierig es sein würde, eine Integration von beiden zustandezubringen. Einige Freunde von mir hatten im Haus eines Psychologieprofessors ein Zusammentreffen zweier prominenter Buddhisten, die gerade an der Harvard Universität zu Besuch waren, arrangiert. Die beiden Lehrer hatten einander zuvor noch nie getroffen und stammten aus zwei sehr verschiedenen buddhistischen Traditionen. Vor dem Zusammentreffen von Buddhismus und abendländischer Psychologie war die Begegnung dieser verschiedenen Schulen des Buddhismus geplant. Wir sollten Zeugen dieses ersten Dialogs sein.
Die Lehrer, der siebzig Jahre alte Kalu Rinpoche aus Tibet, der jahrelang in völliger Abgeschiedenheit gelebt hatte, und der koreanische Zen–Meister Seung Sahn, der erste, der in den Vereinigten Staaten gelehrt hat, sollten im Interesse der westlichen Studenten ihr jeweiliges Verständnis der Lehren des Buddha vorstellen. Es sollte ein Dharma–Gefecht (Wortwechsel zwischen Menschen, die durch jahrelanges Studium und Meditation ihren Geist trainiert haben. A. d. Ü.) auf hohem Niveau sein, und wir sahen diesem Ereignis mit all der Erwartung entgegen, die solch einem historischen Ereignis gebührt. Die beiden Mönche betraten den Raum in wehenden Gewändern – das des Tibeters war kastanienbraun und gelb, das des Koreaners streng grau und schwarz – und mit einem Gefolge jüngerer, kahlgeschorener Mönche und Übersetzer. Sie setzten sich wie üblich mit gekreuzten Beinen auf die Kissen, und der Gastgeber erklärte, der jüngere Zen-Meister solle beginnen. Der tibetische Lama saß ganz ruhig da, ließ durch die Finger der einen Hand eine Art hölzernen Rosenkranz (Mala) laufen und murmelte »Om mani padme hum«. Der Zen–Meister – er hatte für seine Methode, den Studenten Fragen an den Kopf zu werfen, bis sie ihr Unwissen eingestehen mußten und er dann brüllen konnte: »Bewahrt euch diesen Weiß–nicht–Geist!«, bereits eine gewisse Berühmtheit erlangt – griff tief in seine Gewänder und zog eine Orange heraus. »Was ist das?« fragte er den Lama. »Was ist das?« Das war eine typische erste Frage, und wir spürten, daß er bereit war, sich auf jedwede Antwort zu stürzen.
Der Tibeter blieb ruhig sitzen, ließ seine Mala durch die Finger laufen und machte keinerlei Anstalten zu antworten.
»Was ist das?« beharrte der Zen–Meister auf seiner Frage und hielt dem Tibeter die Orange vor die Nase.
Kalu Rinpoche beugte sich sehr langsam zu dem tibetischen Mönch neben ihm, der als Übersetzer fungierte, und sie flüsterten ein paar Minuten lang miteinander. Schließlich wandte sich der Übersetzer mit den Worten: »Rinpoche sagt: ›Was ist los mit ihm? Gibt es dort, wo er herkommt, keine Orangen?‹« an das Auditorium.
Der Dialog war damit zu Ende.


dann ein Ausschnitt aus dem Kapitel »Das Lebensrad«:

Der wichtigste Punkt ist folgender: Solange Lebewesen von Begierde, Haß und Verblendung – den drei Kräften, die im Kreisinneren als Schwein, Schlange und Hahn dargestellt sind und sich wechselseitig zu verschlingen trachten – getrieben sind, bleiben sie sich ihrer eigenen Buddha–Natur unbewußt; sie wissen nicht um die vergängliche, nicht–wesenhafte und unbefriedigende Natur der Welt und bleiben im Lebensrad gefangen.
Eines der überzeugendsten Momente der buddhistischen Sicht des Leidens ist die im Bild des Lebensrads enthaltene Vorstellung, daß die Ursachen des Leidens zugleich die Mittel zur Erlösung sind; das bedeutet, die Perspektive des Leidenden bestimmt, ob ein gegebener Bereich Medium des Erwachens oder der Gefangenschaft ist. Von den Kräften der Gier, des Ärgers und der Torheit bestimmt, verursacht unsere fehlerhafte Wahrnehmung der Bereiche – nicht die Bereiche selbst – das Leiden. Jeder Bereich enthält eine kleine Buddha–Gestalt (eigentlich handelt es sich um den Bodhisattva des Mitgefühls, dessen Streben darauf gerichtet ist, das Leiden anderer zu beseitigen), die uns auf symbolische Weise lehrt, wie wir die falschen Wahrnehmungen korrigieren können, die jede Dimension verzerren und damit das Leiden perpetuieren. Wir erfahren keinen Bereich in aller Klarheit, lehren die Buddhisten; statt dessen durchleben wir sie alle angsterfüllt; abgeschnitten von der Fülle der Erfahrung, unfähig, sie zu akzeptieren, fürchten wir uns vor dem, was wir zu sehen bekommen. So wie wir den »geschwätzigen Affen« in uns nicht zum Schweigen bringen können, so gleiten wir von einem Bereich in den nächsten, ohne wirklich zu wissen, wo wir uns befinden. Wir sind in unserem Geist befangen, kennen ihn aber nicht wirklich. Von dessen Wellenbewegung angetrieben, treiben wir dahin und mühen uns ab, weil wir nicht gelernt haben, loszulassen und frei zu schweben.
Dies ist die andere Möglichkeit, das Lebensrad zu verstehen, weniger wörtlich als psychologisch. Schließlich ist die Hauptfrage der buddhistischen Praxis die psychologische Frage: »Wer hin ich?« Ihre Beantwortung erfordert die Erkundung aller Daseinsbereiche. Diese verwandeln sich somit in Metaphern für verschiedene psychologische Zustände, wodurch das ganze Rad zur Darstellung des neurotischen Leidens wird.
Dem Buddhismus zufolge ist es unsere Furcht davor, uns unmittelbar selbst zu erfahren, die Leiden schafft. Dies schien mir immer sehr gut zu Freuds Ansichten zu passen. So behauptete Freud, der Patient

muß den Mut erwerben, seine Aufmerksamkeit mit den Erscheinungen der Krankheit zu beschäftigen. Die Krankheit selbst darf ihm nichts Verächtliches mehr sein, vielmehr ein würdiger Gegner werden, ein Stück seines Wesens, das sich auf gute Motive stützt, aus dem es Wertvolles für sein späteres Leben zu holen gilt. Die Versöhnung mit dem Verdrängten, welches sich in den Symptomen äußert, wird so von Anfang an vorbereitet, aber es wird auch eine gewisse Toleranz fürs Kranksein eingeräumt.

Der Glaube, daß Versöhnung zur Erlösung führen kann, ist grundlegend für die buddhistische Vorstellung von den Sechs Bereichen. Wir können nicht zur Erleuchtung gelangen, solange wir unserem neurotischen Geist entfremdet bleiben. Wie Freud so weitblickend bemerkte: »Auf diesem Felde muß der Sieg gewonnen werden, dessen Ausdruck die dauernde Genesung von der Neurose ist, ... denn schließlich kann niemand in absentia oder in effigie erschlagen werden.« In jedem Bereich unserer Erfahrung, lehren die Buddhisten, müssen wir klar sehen lernen. Nur dann läßt sich das Leiden umwandeln, das der Buddha als universell erkannte. Die Erlösung vom Lebensrad, von den Sechs Daseinsbereichen wird traditionell als Nirvana beschrieben und mit dem Pfad symbolisiert, der aus dem Bereich der Menschen hinausführt. Es ist jedoch mittlerweile ein grundlegendes Axiom des buddhistischen Denkens, daß Nirvana Samsara ist – daß es keinen getrennten Bereich des Buddha neben der weltlichen Existenz gibt, daß die Erlösung vom Leiden durch eine veränderte Wahrnehmung gewonnen wird, nicht durch das Überwechseln in ein himmlisches Reich.
Die westliche Psychologie hat viel zur Erhellung der Sechs Bereiche beigetragen. Freud und seine Anhänger deckten die animalische Natur der Leidenschaften auf, die höllische Natur von paranoiden, aggressiven und Angstzuständen sowie die unstillbare Sehnsucht, das orale Verlangen (im Lebensrad sind es die Hungergeister). Spätere Entwicklungen in der Psychotherapie rückten sogar die höheren Bereiche in den Mittelpunkt. Die humanistische Psychotherapie legte den Schwerpunkt auf die »Gipfelerlebnisse« (Maslow) im Bereich der Götter; die Ich–Psychologie, der Behaviorismus und die kognitive Therapie forderten das wettbewerbsfähige und effiziente Ich, das im Buddhismus im Bereich der Neidischen Götter angesiedelt ist; und die Psychologie des Narzißmus behandelte ausdrücklich die für den Bereich der Menschen so wichtigen Fragen der Identität. Jede dieser Richtungen befaßte sich mit der Rückgabe eines fehlenden Stücks menschlicher Erfahrung, eines Moments des neurotischen Geistes, von dem wir uns entfremdet haben.
Das Interesse an der Integration aller Aspekte des Selbst ist grundlegend für die buddhistische Vorstellung von den Sechs Daseinsbereichen. Wir sind nicht nur von diesen Aspekten unseres Charakters entfremdet, behauptet die buddhistische Lehre, sondern auch von unserer eigenen Buddha–Natur, von unserem eigenen erleuchteten Geist. In der Meditation kann man lernen, das ganze Material der Sechs Bereiche zu erschließen und damit alle Punkte, an denen unser Geist haftet.
Bleiben Persönlichkeitsaspekte unverdaut – werden sie abgeschnitten, verleugnet, projiziert, zurückgewiesen, gibt man ihnen distanzlos nach oder werden sie auf andere Weise nicht assimiliert –, dann werden sie zu den Kristallisationspunkten für Begierden, Haß und Verblendung. Es sind schwarze Löcher, die Angst absorbieren und die Abwehrhaltung des isolierten Selbst schaffen, das nicht in der Lage ist, befriedigende Kontakte zu anderen bzw. zur Welt zu knüpfen. Wie Wilhelm Reich in seinem bahnbrechenden Werk über die Charakterbildung zeigte, ist die Persönlichkeit auf diesen Momenten der Selbstentfremdung aufgebaut; das Paradox besteht darin, daß das, was wir für so real halten, unser Selbst, in Reaktion auf das konstruiert wird, was wir nicht anerkennen wollen. Rund um das, was wir verleugnen, spannen wir uns an und erfahren uns selbst durch unsere Spannungen. Ein Patient, der kürzlich bei mir in Therapie war, erkannte beispielsweise, daß er eine Identität aufgebaut hatte, die sich um die Pole Scham, Minderwertigkeit und Zorn drehte. Diese Gefühle wurzelten in der Erfahrung, daß seine Mutter für ihn, als er ein kleines Kind war, emotional nicht verfügbar war. Er hatte ihre Abwesenheit gespürt und Angst bekommen. Doch dieses Gefühl war für seine Psyche zu bedrohlich gewesen, so daß er es statt dessen in ein Bild seiner eigenen Unzulänglichkeit umgewandelt und sich so selbst zum Problem erklärte hatte. Erst als er schon lange erwachsen war und seine Mutter, von einem Schlaganfall gelähmt, nicht auf ihn reagieren konnte, gestand er sich diese Angst endlich ein. Das Gebilde des Selbst ist aus solchen schwarzen Löchern in unserer emotionalen Erfahrung zusammengeheftet. Wenn man sich diese Aspekte, die man verdrängt hatte, bewußt macht, sie akzeptiert, toleriert oder integriert, kann das Selbst eine Einheit bilden; es verschwindet die Notwendigkeit, eine selbstbewußte Fassade aufrechtzuerhalten, und die Kraft des Mitgefühls wird freigesetzt. Erst als mein Patient schließlich imstande war, sich seine eigene Angst vor der emotionalen Nicht–Verfügbarkeit seiner Mutter einzugestehen, konnte er Mitgefühl mit ihren emotionalen Dilemma entwickeln. Seine Scham hatte das vorher verhindert. Mit anderen Worten hat der berühmte Zen–Meister Dogen es so formuliert:
Den Buddhismus studieren, ist das Selbst studieren.
Das Selbst studieren, ist das Selbst vergessen.
Das Selbst vergessen, ist mit anderen eins sein.


Durch die Lehren vom Lebensrad werden wir daran erinnert, daß es nicht genügt, die Hemmungen nur in einem oder zwei der sechs Bereiche aufzudecken; wir müssen es in allen tun. Wer von seinen Leidenschaften abgeschnitten ist, nicht aber von seiner gottähnlichen Natur, ist genauso unausgeglichen und unerträglich wie jemand, der am umgekehrten Szenario leidet. Viele Forschungsrichtungen der westlichen Psychotherapie haben die Leiden in einem besonderen Bereich sehr aufmerksam analysiert, aber keine hat das ganze Lebensrad erforscht. Freud erforschte zum Beispiel den Bereich der Tiere und der Begierde; die Kinderanalytikerin Melanie Klein den Bereich der Höllenwesen voller Ängste und Aggressionen; der britische Psychoanalytiker D. W. Winnicott und der Vater der Psychologie des Selbst, Heinz Kohut, den menschlichen Bereich des Narzißmus, und die humanistischen Psychologen Carl Rogers und Abraham Maslow den Götterbereich der »Gipfelerlebnisse«. Alle diese Ansätze waren hilfreich – ja sogar wesentlich – für die Behandlung je besonderer Punkte, an denen der Neurotiker haftet. Sie sind jedoch in sich beschränkt, weil jeder sich nur auf eine Dimension konzentriert. Bis zu einem gewissen Grad mag jeder Ansatz notwendig sein, doch betrachtet die buddhistische Tradition das ganze Mandala als Reflexion des neurotischen Geistes und fordert daher einen umfassend anwendbaren Ansatz.
Innerhalb des Lebensrads heben die Buddhisten die besondere Chance hervor, die der menschliche Bereich bietet. Nur hier führt der Weg zur Befreiung. Aus diesem Bereich geht die wesentliche Meditationstechnik, die des reinen Gewahrseins, hervor; diese Strategie unterstützt die meisten Therapien, die für die anderen Bereiche entwickelt wurden. Der menschliche Bereich beeinflußt alle anderen: Er ist das Kernstück oder die Nabe des Rades, die Domäne des von seinem eigenen Spiegelbild eingenommenen Narziß auf der Suche nach sich selbst.

aus Mark Epstein, Gedanken ohne den Denker




Am 25. Oktober wurde der Sand zusammengestrichen und dem Wasser – sprich: dem Mittellandkanal – übergeben. Vielleicht würde es uns ein Stück besser gehen, wenn wir alle regelmäßig Sandmandalas anfertigen und sie wieder zusammenstreichen würden.

(Die Bilder sind von der Photographin Uta Focke aus Bredenbeck)
Lama Jampa Rinpoche ist Lama in der dritten Reinkarnation und ausgebildet in tibetischer Medizin, Astrologie und Schamanismus. (Das ist übrigens ganz interessant: Genauso wie das Christentum heidnische Aspekte integriert hat, integrierte der Buddhismus die schamanistischen Aspekte aus dem Bön, der vor dem Buddhismus in Tibet heimisch war und von diesem verdrängt wurde. Dabei gingen die Buddhisten auch nicht so gewaltlos vor, wie sie das heute gerne propagieren. Jede Religion hatte auch mal Kinderschuhe. Die Jungen unter uns werden in fünzig Jahren mal die Äußerungen der Chinesen über die Tibeter mit den Äußerungen der Amis über die Indianer vergleichen können. Heute gilt der Bön als eine Richtung des Buddhismus, ähnlich wie der Katholizismus eine christliche Richtung ist.)


Hier gehts zur Homepage von Lharampa Geshe (entsprechend unserem Dr. phil.) Gendun Yonten, der Lama Jampa hier in Hannover betreut und für ihn übersetzt: www.openyourlife.de

Diese beiden Links geben mehr Informationen zu Sandmandalas:
bei sino-liedtke.de und bei shedrupling.at


zu Kalu Rinpoche:
- Buddhistische Autoritäten und ihre »Geistesgifte« (Post, 03.08.2013)

Freitag, 10. November 2006

Realitätsinterpretation…

Im Jahre 1728 berichtete die Berliner „Vossische Zeitung“ (Nr. 105) aus Ungarn (Szegedin): „Eines Schusters Sohn spielte mit anderen Knaben auf der Gasse und ließ verlauten, daß er Wetter [Unwetter] machen könne, welches ein anderer Knabe zu Ohren faßte; und da noch selbigen Tages ein hartes Wetter kam, welches alle dortigen Weingärten zu Boden schlug, erzählte es der eine Knabe seinem Vater, daß des Schusters Sohn gesagt, er könne Wetter machen. Dieser zeigte es sofort bei der Obrigkeit an, woraufhin nicht nur der Knabe, sondern noch viele, die er angab, verhaftet wurden. Man verhörte sie wegen ihrer Hexerei auf der Folter [‚entsetzlich scharf'’], wodurch sie bewogen wurden, horrende Sachen zu bekennen, daher das Urteil erging, daß 13 von ihnen, 6 Hexenmeister und 7 Hexen, verbrannt werden sollten … jetzt sitzen noch 28 im Gefängnis.“ Dazu der „Hamburgische Correspondent“ (1728, Nr. 139): „Es wurden drei Scheiterhaufen eine Stunde vor der Stadt an der Theiß aufgerichtet, allwo in der Mitte eines jeden ein großer Pfahl eingegraben stand; an jeden Pfahl wurden auf einem jeden Haufen 4 Malefikanten mit Stricken angebunden … Darauf wurden alle drei Haufen zugleich angezündet und in volle Flammen gesetzt; und obwohl die Malefikanten eine starke Viertelstunde in den umgebenden Flammen gelebt, so hat man dennoch nicht das geringste Geschrei von ihnen gehört … Es sind noch 8 in Haft … Gestern sind weitere 20 gefangen worden.“
aus Orthband, Geschichte der großen Philosphen, S. 311

Freuds strukturelles Modell

Bekannter als das jungianische Persönlichkeitsmodell ist das psychoanalytische Modell nach Sigmund Freud: es wird als strukturelles Modell bezeichnet und besteht aus den drei Instanzen Es, Ich, und Über-Ich.

Der Bereich der primären Impulse, der triebhaften Grundbedürfnisse wird als Es bezeichnet. Neben den körpernahen Bedürfnissen wie Hunger, Durst, Ausscheidung sind hier vor allem die emotionalen Grundbedürfnisse nach Abhängigkeit und nach Autonomie, die sexuellen und aggressiven Bedürfnisse sowie die narzißtischen Bedürfnisse (nach stabiler und akzeptabler Identität) maßgeblich. Das Es wird regiert durch das Lustprinzip, es ist auf Lustgewinn und Bedürfnisbefriedigung ausgerichtet, ohne die Barrieren zu beachten, die die Realität oder die Moral setzen. Die Inhalte des Es sind unbewußt und lassen sich beim Erwachsenen nur indirekt erschließen. Sie entstammen teilweise den körperlichen und angeborenen Quellen, teilweise sind sie über Verdrängung erworben. Anschaulich gemacht werden können die Inhalte des Es im Verhalten des Kleinkindes, sofern es seine elementaren Bedürfnisse noch relativ unzensiert ausleben darf. Beim Erwachsenen zeigen sie sich vorwiegend in seinen Träumen, Phantasien, Erinnerungen, Fehlleistungen („Freud’scher Versprecher“) oder in der spezifischen neurotischen Symptomatik.

Das Über-Ich umfaßt den normativen Bereich des Menschen, die - meist durch die Eltern vermittelten - Normen und Wertvorstellungen. Es enthält auch das Ich-Ideal, also die Werte und Ziele der individuellen Persönlichkeitsentwicklung, das innere Vorbild. Diese Normen und Ideale wirken teils bewußt, teils unbewußt (z. B. unbewußte Schuldgefühle).

Das Ich hat den Kompromiß zwischen den emotionalen Grundbedürfnissen (Es), den Einschränkungen durch die eigene Moral (Über-Ich) und den Erfordernissen und Realitäten der sozialen und materiellen Umwelt zu leisten. Es stellt den Brückenbauer zwischen den Gegensätzen dar, findet sich aber auch in der Schraubzwinge zwischen Es und Über-Ich wieder. Das Ich ist am Realitätsprinzip orientiert, das heißt es wählt solche Handlungen aus, die unter den gegebenen Bedingungen ein möglichst hohes Ausmaß an Lust und möglichst minimale Unlust (z. B. als schlechtes Gewissen) versprechen, um so die Impulse des Es befriedigen zu können. Weitere Funktionen des Ich sind die Kontrolle der körperlichen Funktionen (speziell der Motorik) und das Denken. Das Ich ist dabei überwiegend bewußt oder vorbewußt, in Bezug auf die Abwehr dagegen meist unbewußt. Die Impulse des Es werden durch das Ich an den Wertmaßstäben des Über-Ich bewertet und zensiert, wenn sie als zu fremdartig, bedrohlich oder ängstigend erscheinen, müssen sie vom Ich abgewehrt werden.

Diese Abwehr findet in jedem Menschen tagtäglich statt und ist per se nicht als krankhaft zu bezeichnen. Bei einer neurotischen Erkrankung wird man allerdings eine stark verfestigte, rigide und lebenseinschränkende Abwehr vorfinden. Verschieden Formen der Abwehr werden als unbewußte Abwehrmechanismen bezeichnet, einige sollen hier beschrieben werden: der wohl bekannteste Abwehrmechanismus ist der der Verdrängung: eine innere angstmachende Vorstellung, Trieb- oder Affektregung wird ins Unbewußte abgewehrt (z. B. werden Haßgefühle gegenüber den Eltern verdrängt, wenn das Über-Ich entsprechend rigide ausgeformt ist). Die Verleugnung dagegen betrifft die zeitweilige Abwehr äußerer angstauslösender Vorkommnisse (z. B.: ein schwer erkrankter und aufgeklärter Patient gibt vor einer Operation an, niemals aufgeklärt worden zu sein). Bei der Projektion werden eigene unerwünschte Impulse und Gefühle unbewußt anderen Personen zugeschrieben. Dieses ist besonders gut in Paarstreitigkeiten zu beobachten, wo dem jeweils anderen Partner die aggressiven Seiten zugeschrieben werden. Wenn inakzeptable Regungen entgegengesetzte Verhaltensweisen auslösen, spricht man von Reaktionsbildung. Ein Beispiel ist das betont freundlich-interessierte Verhalten gegenüber dem Prüfer im Physikum, den man eigentlich in Grund und Boden wünscht. Wird der konfliktmachende Impuls auf eine weniger bedrohliche Person gerichtet, wird dieser Vorgang Verschiebung genannt (z. B. wenn der vom Praktikumsleiter gerügte Medizinstudent später seine Freundin ohne Anlaß zurechtweist). Bei der Rationalisierung wird für die eigene Verhaltensweise eine rationale Rechtfertigung gegeben, die gefühlsmäßigen Beweggründe bleiben unbewußt (wenn beispielsweise der Psychologiestudent als Motiv seiner Studienwahl die zunehmende seelische Verrohung der Menschen angibt, sich aber durch das Studium eigentlich die Lösung der eigenen Neurose erhofft). Schließlich die Regression: vor dem unlustvollen Impuls wird auf eine Wiederbelebung früherer Entwicklungsstufen ausgewichen (z. B. zu beobachten bei deutlich gesundenden Krankenhauspatienten, die sich weiterhin füttern oder anziehen lassen wollen). Die Regression spielt bei der Entstehung einer neurotischen Symptomatik eine entscheidende Rolle, wie auch bei deren Veränderung im Rahmen einer Psychoanalyse.

Aus Tewes Wischmann, Was wirkt aus der Tiefe der Seele? - Eine Einführung in tiefenpsychologisches Denken

Psychotherapie? Geiz ist ja sooo geil …

Da ist mir doch grad nochmal eine Rede von Prof. Geyer in die Hände gefallen. Hier ein Ausschnitt, ziemlich lang, doch er dürfte sich für Psychotherapie-Interessierte lohnen:

… Als heilkundliche Disziplin trägt die Psychotherapie immer noch schwer an ihrer langen randständigen, um nicht zu sagen, exotischen Existenz außerhalb der medizinischen Wissenschaft und der dort geltenden ökonomischen Kreisläufe (Geyer 1996). Es ist naheliegend, daß angesichts begrenzter materieller Ressourcen jene Therapieformen, die nicht zu den etablierten gehören, unter Verweis auf nicht geklärte Effektivität (also ihre Eignung. ein gesetztes Behandlungsziel zu erreichen) und mangelnde Effizienz (also die Relation von Aufwand und Nutzen) von den Fleischtöpfen ferngehalten werden. Dieser ökonomisch begründete Zwang zur wissenschaftlichen Legitimierung einer vergleichsweise jungen Disziplin war zunächst für die Disziplin selbst vorteilhaft. Ihre Verfahren gehören hebe zu den um besten untersuchten in der Medizin überhaupt und das bezieht sich auch auf die ökono-mischen Aspekte der Psychotherapie (Lamprecht 1996). Die wissenschaftlichen Hauptverfahren der Psychotherapie – psychoanalytisch begründete Psychotherapie und Verhaltenstherapie – haben in über 4000 klinisch kontrollierten Studien ihre Wirksamkeit bewiesen. Je nach Störungstyp rangieren die Heilungsraten zwischen 80 bis 95% bei funktionellen Störungen, zwischen 75 und 85% bei Neurosen und 60 bis 70% bei psychosomatischen Krankheiten und Persönlichkeitsstörungen. Besserungen in Symptomatik und im Verhaltensbereich sind bei mehr als 85% der Patienten aller Störungsgruppen nachzuweisen. Vergleicht man Kosten und Nutzen von Psychotherapie auf der Wirksamkeitsebene (Break Even d = .22) liegt für ambulante Psychotherapie die Effektstärke bei d = .80 (Smith et al. 1980), bei der stationären Psychotherapie bei d = 1,20, d.h. das Ergebnis übersteigt den Kosteneinsatz bei stationärer Psychotherapie um das Fünffache (Wittmann 1996). Die von der BfA durchgeführten Untersuchungen bezüglich der poststationären Leistungsfähigkeit im Erwerbsleben weisen auf respektable Langzeitergebnisse stationärer Psychotherapie hin. In dieser Statistik erreichten Patienten mit der Diagnose Neurose (n = 12.511 Patien-ten) in 85,1% ein vollschichtiges Leistungsbild im zuletzt ausgeübten Beruf. Von den Patienten mit funktionellen Syndromen (n = 4.438 Patienten) wurden 91,4% als vollschichtig leistungsfähig eingeschätzt. Die Rehabilitationsverlaufsstatistik (EU/BU – Berentung) bei psychischen Erkrankungen zeigt, daß von den behandelten Fällen mit funktionellen Syndromen als Erstdiagnose nur 7,9% und bei den Psychoneurosen 12 % der Patienten innerhalb von 5 Jahren vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden (Zielke 1993; 1999). Psychotherapie ist nicht nur eine der effektivsten Therapiemethoden in der Medizin. Sie gehört darüber hinaus zu den Maßnahmen mit der besten Kosten Nutzenrelation (Zielke 1999).

Trotzdem betrachten nicht nur ihre direkten Konkurrenten die Psychotherapie als ein Ort, von dem aus sich epidemisch der Virus ungezügelter Ansprüchlichkeit ausbreitet. Der ungehinderte, d.h. unmittelbare Zugang zur Psychotherapie war auch in besseren Zeiten nicht einmal Privatversicherten erlaubt. Wer dieses Luxusgut direkt und ungeprüft konsumieren will, wie es mit Leistungen lang etablierter Fächern selbstverständlich ist, soll es gefälligst selbst bezahlen. Die moderne Psychotherapie hat es also bislang weder in der Medizin noch der übrigen Gesellschaft geschafft, wenigstens die offensichtlichen und greifbaren Mißverständnisse auszuräumen, die ihre bessere Behandlung in der Öffentlichkeit behindern. Ich möchte nur zwei Fehleinschätzungen nennen, die sich in folgenden landläufigen Meinungen zeigen. 1 . Die Notwendigkeit von Psychotherapie entstehe – so heißt es – erst in Gesellschaften, die wohlhabend sind, entsprechend auch erst in Bevölkerungsgruppen, deren existentielle Grundsicherung nicht mehr in Frage steht. 2. Psychotherapie sei eine teure und – vom Nutzen her betrachtet – eher unsichere Behandlungsmethode, die sich auch nur reiche Gesellschaften bzw. Bevölkerungsgruppen leisten können bzw. sollten. Kurz: Psychotherapie habe mit der medizinischen Grundversorgung nichts zu tun und sei eher eine zusätzliche Methode.

Betrachten wir die Fakten, die dem widersprechen. Von der nachgewiesenen Wirksamkeit der wissenschaftlichen Methoden habe ich schon gesprochen. Glücklicherweise gibt es aber inzwischen auch wissenschaftlich aussagekräftige epidemiologische Studien über die weltweite Verbreitung psychotherapiebedürftiger Störungen und Krankheiten. Im Gegensatz zu dem, was die meisten Politiker und Ärzte glauben, gehören über 90% der Störungen, die uns beruflich beschäftigen – also Neurosen, Somatisierungsstörungen, Psychosen etc. – offensichtlich zu den Universalien menschlicher Existenz und sind demzufolge nicht nur kulturunspezifisch, sondern auch schichtunspezifisch. Sie kommen also gleichermaßen in armen wie in reichen Ländern, in armen wie in reichen Bevölkerungsschichten, in allen Kulturen und auf allen zivilisatorischen Entwicklungsniveaus in etwa der gleichen Häufigkeit vor (Sartorius et al. 1996). Nur wenige psychogene Störungen – z.B. die Bulimie – zeigen eine gewisse kulturelle Spezifität. Es gibt zwar zwischen Erdteilen manche deutliche Unterschiede in der Häufigkeit einzelner Diagnosen, andererseits aber auch bemerkenswerte Übereinstimmungen.

Die Übersichten (Sartorius et al. 1998) zeigen schlüssig, daß nicht davon ausgegangen werden kann, daß psychotherapiebedürftige Krankheiten etwas mit dem Wohlstand von Bevölkerungen zu tun haben. Man kann aus diesen Ergebnissen der weltweiten epidemiologischen Forschungen schlußfolgern, daß nicht der Psychotherapiebedarf, sondern allein die Zugänglichkeit zur Psychotherapie von ökonomischen Faktoren abhängig ist. Ein zweites gesundheitspolitisches Grundmißverständnis von Psychotherapie betrifft deren Kosten. In manchen Regionen Deutschlands bekommt ein Patient unkomplizierter ein neues Herz implantiert als daß er eine Psychotherapie erhält. Dabei stehen die Kosten der Psychotherapie als Versorgungsleistung – sei diese ambulant oder stationär – in einem geradezu idealen Verhältnis zu ihrem Nutzen. Betrachten wir zunächst die Kosten: Die durchschnittliche ambulante Psychotherapie, die in Deutschland um 40 – 50 Stunden dauert, kostet je nach Punktwert zwischen 1.200,– und 6.000,– DM. Für die stationäre Psychotherapie bezahlen die Kassen im Reha–Bereich und der Akutversorgung zwischen 11.000 und 25.100 DM. Diese Ausgaben könnten von den Kassen als Rationalisierungsausgaben verbucht werden, denn Psychotherapie ist in den meisten Fällen keine Maßnahme, die eine zusätzliche Leistung darstellt, sondern die andere und zwar meist teurere medizinische Leistungen, verdrängt bzw. ersetzt. Entsprechende volkswirtschaftliche Untersuchungen und Berechnungen zeigen nämlich, daß z.B. durch eine stationäre Psychotherapie je nach Berechnungsweise zwischen 13.000,– DM und 42.240,– DM volkswirtschaftlicher Nettonutzen entsteht, d.h. für eine durchschnittlich 15.000,– DM kostende Therapie werden Kosten für Medikamente, Operationen, Pflegeleistungen, Produktivitätsverluste und Arbeitsunfähigkeit gespart, die über das Doppelte der Therapiekosten hinausgehen (Wittmann 1996, Zielke 1999). Betrachtet man nüchtern diesen unabweisbaren Sachverhalt, wird unverständlich, warum der allgemeine Rationalisierungsdruck im Gesundheitswesen sich besonders stark auf psychotherapeutische Leistungen auswirkt. Wäre es nicht volkswirtschaftlich wie versicherungsökonomisch vernünftig, Psychotherapie in der Medizin in großem Umfang als Kostendämpfungsfaktor zu nutzen? Diese Frage wird uns beschäftigen müssen, weil sie uns zu den realen Machtverhältnissen in Medizin und Gesellschaft führt. Die derzeitige Situation in den USA führt uns teilweise groteske Auswirkungen eines Rationalisierungsprozesses vor Augen, der Krankheitskosten dämpfen soll, in Wirklichkeit aber den Versicherungskonzernen dazu verhilft, auf Kosten von Ärzten und Patienten enorme Gewinne zu erwirtschaften. Die Versicherer bzw. die als Kostenträger auftretenden Gesellschaften, die in den USA die sogenannte Managed care – Medizin betreiben, also sich die billigsten Leistungsanbieter suchen und ihre Mitglieder zwingen, nur diese Angebote zu nutzen, genehmigen Psychotherapie in maximal 3 Stundenpaketen. Nach jeweils 3 Stunden wird erneut die Frage der Notwendigkeit und Nützlichkeit diskutiert, was im positiven Falle zur Gewährung weiterer 2 bis 3 Stunden führt und generell bei einem Kontingent von 20 Stunden aufhört. Vereinzelt werden Kontrolleure der Nützlichkeit und Notwendigkeit direkt in die psychotherapeutischen Sitzungen plaziert (Iglehart 1994). Diese Restriktionen verweisen auf die Ohnmacht der Psychotherapeuten als Leistungsanbieter und die Macht der sogenannten Kostenträger. Sie sind jedoch nicht nur mit Demütigungen der Psychotherapeuten und ihrer Patienten verbunden. Wie die große Consumers Report–Studie (Seligman 1995) deutlich ausweist, sind die im Rahmen des Managed care durchgeführten Psychotherapien deutlich weniger effektiv als die Psychotherapien anderer Versicherer ohne diese Restriktionen. Hier haben wir den eher seltenen Fall einer direkten gesundheitsschädlichen Auswirkung einer von bestimmten ökonomischen Interessen gesteuerten Versorgungspraxis. Wie in der Industrie, so gelingt auch in der Medizin die Rationalisierung am schnellsten über den Abbau der menschlichen Arbeitskraft. Das gibt den Care Managern zunächst einmal recht. Kurzfristig wird Geld gespart. Diese Gesellschaften werden auf diese Weise sehr profitabel. Aber es existiert noch ein anderer ökonomischer Effekt: Die rigorose Verdrängung der Psychotherapie aus der Grundversorgung sichert die Pfründe des medizinischindustriellen Komplexes, also der Pharmaindustrie und Medizintechnik. Deren Wachstum muß und darf Medizin immer teurer machen. Ihre Aktien kann man mit der sicheren Erwartung auf etwa doppelt so hohe Wertsteigerungen kaufen wie alle anderen.


Aus einem Vortrag von Prof. Michael Geyer auf den Lindauer Psychotherapiewochen, 25. 30.4.1999 Lindau. Seit 1990 ist Michael Geyer er Professor für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Direktor der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin der Universität Leipzig.

Freitag, 3. November 2006

Lachen ist gesund! – Die Vierte

George W. Bush ist auf Wahl- und Propagandatournee durch die USA und macht in einer Grundschule halt. Dort stellt er sich den Fragen der Schulkinder. Der kleine Bob faßt sich ein Herz und meldet sich:

„Mr. President, ich habe eigentlich nur drei Fragen:

1. Wie sind Sie trotz Stimmenminderheit Präsident geworden?
2. Warum wollen Sie ohne Grund und UNO-Mandat in den Irak einfallen?
3. Und meinen Sie nicht auch, daß die Atombome auf Hiroshima der größte terroristische Akt aller Zeiten war?“

Noch bevor George W. Bush antworten kann, klingelt es zur Pause. Die Kinder laufen freudig aus der Klasse in die Pause …

Nachdem die Pause beendet ist, nimmt G. W. Bush den Faden wieder auf und bietet an, ihm Fragen zu stellen. Es meldet sich nun schüchtern der kleine Joey:

„Mr. President, ich habe eigentlich nur zwei Fragen:

1. Warum klingelte es heute 20 Minuten früher zur Pause?
Und 2. Wo ist Bob?“



Auf seinem ersten Europabesuch ist Präsident George Bush bei der Queen zum Tee geladen. Er möchte gern wissen, nach welchen Kriterien sie sich ihre Mitarbeiter aussucht. Sie sagt, sie dulde nur intelligente Menschen um sich. Er fragt, wie sie denn feststelle, ob jemand intelligent sei?
„Ganz einfach“, sagt die Queen. „Ich stelle ihm nur die richtigen Fragen. Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben.“ Sie nimmt den Hörer ab, ruft Tony Blair an und fragt: „Mr. Prime Minister, beantworten Sie mir bitte folgende Frage: Ihre Frau Mutter hat ein Kind, und Ihr Herr Vater hat ein Kind; dieses Kind ist jedoch weder Ihr Bruder noch Ihre Schwester. Wer ist es dann also?“
Auf Anhieb antwortet Tony Blair: „Ich natürlich, Ma’am!“
„Richtig. Vielen Dank. Mr. Blair!“ sagt die Queen und legt auf „Sie verstehen?“, wendet sie sich gnädig wieder George Bush zu.
„Und ob!“ staunt Bush. „Ich bin Ihnen sehr zu Dank verbunden. Ich will es mir merken und direkt anwenden!“
Wieder zurück in Washington, will er als erstes seinem Verteidigungsminister Donald Rumsfeld auf den Zahn fühlen. Er zitiert ihn ins Weiße Haus und sagt: „Können Sie mir eine Frage beantworten?“ „Aber natürlich, Mr. President. Was gibt's denn?“
„Ähem, ähh. Also Ihre Mutter hat ein Kind, und Ihr Vater hat ein Kind; dieses Kind ist aber weder Ihr Bruder noch Ihre Schwester? Wer ist es dann?“
Rumsfeld kratzt sich verlegen am Kinn, druckst herum und sagt schließlich: „Darf ich mir das bitte in Ruhe überlegen und später wiederkommen?“ Bush läßt ihn laufen. Der Minister trommelt sofort alle republikanischen Senatoren zusammen. Stundenlang grübeln sie gemeinsam über das Rätsel – umsonst. In seiner Verzweiflung ruft Rumsfeld den Außenminister Colin Powell an und erklärt ihm das Problem. „Hör ganz genau zu: Deine Mam hat ein Kind und dein Dad hat ein Kind, aber dieses Kind ist weder dein Bruder noch deine Schwester. Wer ist es?“
Powell antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Natürlich ich, du Schwachkopf!“
Erleichtert rennt Rumsfeld zum Weißen Haus zurück und ruft aus: „Ich weiß die Antwort, Sir! Ich weiß, wer’s ist! Es ist Colin Powell!“
Angewidert blafft Bush zurück: „Falsch, Sie unterbelichteter Trottel! Es ist Tony Blair!“




George W. Bush hat einen Herzanfall und stirbt. Er wird direkt in die Hölle geschickt, wo der Teufel bereits auf ihn wartet. „Ich weiß nicht was ich machen soll“, sagt der Teufel, „Du bist zwar auf meiner Liste, aber ich habe kein freies Zimmer übrig. Da Du auf jeden Fall in die Hölle gehörst, müssen wir also eine Lösung finden.
Wir haben hier ein paar Typen, die lange nicht so schlecht sind wie Du. Ich werde einen davon freilassen, damit Du dessen Platz einnehmen kannst, und Du darfst entscheiden, wen.“ „Das klingt gut", denkt sich George, und der Teufel öffnet den ersten Raum. Drinnen sieht er Ronald Reagan in einem riesigen Swimmingpool, ins Wasser eintauchen und wieder auftauchen. Immer und immer wieder …
„Ach nö“, sagt George, „das ist nichts für mich. Außerdem bin ich eh kein guter Schwimmer …“
Der Teufel öffnet die zweite Tür. Er sieht Richard Nixon in einem Raum voller Felsen, der mit einem Holzhammer auf das Gestein einhaut, immer und immer wieder …
„Nein, ich habe Probleme mit der Schulter. Es wäre eine Qual für mich, Tag ein Tag aus auf Felsen einzuhauen“, sagt George. Der Teufel öffnet die dritte Tür. Drinnen liegt Bill Clinton an Händen und Füßen gefesselt auf dem Boden. Über ihm hockt Monica Lewinsky und tut das, was sie am besten kann. George traut seinen Augen nicht.
„Na gut, das könnte ich tun“, sagt er und reibt sich die Hände. Der Teufel lächelt „Ok, Monica, Du kannst gehen.“




Seit vielen Jahren schon wohnt ein altes Pärchen im Altersheim in wilder Ehe zusammmen. Jeden Abend spazieren sie nach dem gemeinsamen Abendbrot in den Fernsehraum und setzen sich gemütlich aufs Sofa. Sie faßt nach seinem Hosenschlitz, öffnet vorsichtig seine Hose, holt seinen Penis heraus und umschließt ihn sanft mit den Händen. So vergehen zehn Jahre, Abend für Abend in friedlicher Eintracht vor dem Fernseher.
Eines Abends kommt die Frau in den Fernsehraum, setzt sich wartend auf das Sofa, doch ihr Freund kommt nicht. Nachdem sie es eine halbe Stunde allein vor ihrer Lieblingsserie ausgehalten hat, steht sie auf und läuft suchend durchs Altersheim. Endlich findet sie ihn am Ende des langen Flures im anderen Aufenthaltsraum. Da sitzt er vor dem Fernseher, neben ihm auf dem Sofa eine flott aufgemachte Seniorin, die … seinen Penis in der Hand hält!
Fassungslos baut sie sich vor den beiden auf und schluchzt mit erstickter Stimme: Nun sag schon, was hat sie, das ich nicht habe?
Er schaut sie verzückt an und antwortet mit seligem Lächeln: „Parkinson!“



Eine 80-jährige Fahrerin wird auf der Landstraße von einem Verkehrspolizisten angehalten. Frau: „Gibt es ein Problem, Herr Wachtmeister?“ Polizist: „Sie sind zu schnell gefahren, gnädige Frau!“ Frau: „Ach so, junger Mann?“ Polizist: „Dürfte ich bitte Ihren Führerschein sehen?“ Frau: „Den würde ich Ihnen ja gerne geben, doch leider hab ich keinen.“ Polizist: „Wie, Sie haben keinen Führerschein?“ Frau: „Den hab ich vor vier Jahren verloren, wegen Trunkenheit am Steuer.“ Polizist: „Ich verstehe. Könnte ich dann bitte Ihre Fahrzeugpapiere einsehen?“ Frau: „Geht leider nicht.“ Polizist: „Warum nicht?“ Frau: „Dieses Auto ist gestohlen.“ Polizist: „Sie haben es gestohlen?!“ Frau: „Jawohl, und den Besitzer habe ich getötet und anschließend verstümmelt.“ Polizist: „Sie haben WAS?“ Frau: „Die Körperteile liegen hinten im Kofferraum, gut verpackt in Plastiktüten. Wenn Sie die sehen wollen?“
Der Polizist starrt die Frau an, bewegt sich langsam rückwärts auf seinen Einsatzwagen zu und ruft Verstärkung herbei. Keine fünf Minuten später ist der Schauplatz von mehreren Polizeiautos umstellt. Vorsichtig entsichert der Dienstälteste seine Waffe und nähert sich dem stehenden Wagen.
Polizist 2: „Gnädige Frau, würden Sie bitte Ihren Wagen verlassen?“ Die alte Frau steigt aus. Frau: „Gibt es ein Problem, Herr Oberwachtmeister?“
Polizist 2: „Einer meiner Männer hat mir erzählt, Sie hätten diesen Wagen gestohlen und den Besitzer des Autos ermordet.“ Frau: „Den Besitzer ermordet?“
Polizist 2: „Jawohl. Würden Sie bitte den Kofferraum Ihres Wagens öffnen?“ Die Frau öffnet den Kofferraum. Der ist leer.
Polizist 2: „Ist dies Ihr Auto, gnädige Frau?“ Frau: „Aber natürlich. Hier sind meine Fahrzeugpapiere.“
Der Polizist ist platt: „Einer meiner Kollegen sagte mir, Sie hätten keinen Führerschein.“ Die Frau kramt eine Brieftasche aus ihrer Handtasche hervor, klappt sie auf und hält sie dem Polizisten in. Der Polizist, mittlerweile vollständig verwirrt, untersucht den Führerschein: „Vielen Dank, gnädige Frau. Mein Kollegen hatte mich informiert, Sie hätten gar keinen Führerschein, dieses Auto sei gestohlen und anschließend hätten Sie den Besitzer verstümmelt.“
Frau: „Und ich wette, der Lügner hat Ihnen auch noch erzählt, ich sei zu schnell gefahren!“



Am ersten Schultag in einer amerikanischen Highschool stellt die Lehrerin der Klasse den neuen Mitschüler vor: Sakiro Suzuki aus Japan.
Die Stunde beginnt. Die Lehrerin fragt: „Mal sehen, wer die amerikanische Kulturgeschichte beherrscht. Wer hat gesagt: ‚Geht mir die Freiheit oder den Tod’?“ Es ist mucksmäuschenstill in der Klasse, nur Suzuki hebt die Hand: „Patrick Henry, 1775 in Philadelphia.“
„Sehr gut, Suzuki. Und wer hat gesagt: ‚Der Staat ist das Volk, das Volk darf nicht untergehen’?“ Suzuki steht auf: „Abraham Lincoln, 1863 in Washington.“ Die Lehrerin schaut ihre Schüler an und sagt: „Schämt euch, Sakiro kommt aus Japan und kennt die amerikanische Geschichte besser als ihr!“
Man hört eine leise Stimme aus dem Hintergrund: „Leckt mich am Arsch, ihr Scheißjapaner!“
„Wer hat das gesagt?“, keift die wütende Lehrerin. Suzuki hebt die Hand und sagt ohne zu warten: „McArthur, 1942 in Guadalcanal, und Lee lacocca bei der Hauptversammlung von Chrysler 1982.“ Die Klasse ist superstill, nur von hinten hört man ein leises „Ich muß gleich kotzen.“
Die Lehrerin schreit: „Wer war das?“ Suzuki antwortet: George Bush senior zum japanischen Premierminister Tanaka beim Mittagessen in Tokio, 1991.“
Einer der Schüler ruft wütend: „Blas mir doch einen!“ Die Lehrerin kreidebleich: „Jetzt ist aber Schluß! Wer war das?“ Suzuki, ohne mit der Wimper zu zucken: „Bill Clinton zu Monica Levinsky, im Oval Office des Weißen Hauses, Washington 1997.“ Ein anderer Schüler schreit, „Suzuki ist ein Stück Scheiße!“ Suzuki ungerührt: „Valentino Rossi beim Grand-Prix-Motorradrennen 2002 in Rio.“ Die Klasse fällt in totale Hysterie, die Lehrerin in Ohnmacht, die Tür geht auf, der Direktor kommt rein und brüllt: „Verdammte Scheiße, ich habe noch nie so ein Durcheinander gesehen.“ Darauf Suzuki ganz ruhig: „Gerhard Schröder zu Finanzminister Eichel bei der Vorlage des Haushaltes, Berlin 2003.“


aus der Osho Times, bevor der Jahrgang in die Tonne wandert



Gewußt wie!

Gestern stellte meine Tochter auf der Rückfahrt von der Schule nachhause fest, daß sie vergessen hatte ihre Fahrkarte mitzunehmen. Schnell malte sie sich im Bus eine neue, die auch akzeptiert wurde.

Gurus, Moneten und eine positive Zukunft

Wenn indische Demut und Hingabe, deutsche Gründlichkeit und Perfektionismus sowie amerikanische Naivität und Begeisterungsfähigkeit zusammenkommen, brauchen wir nur noch ein rotes Kleid und eine Holzmala mit dem Locket des neuen türkischen Fußballtrainers vom Hamburger SV (hat Satyananda mal gesagt, als er die Nase voll hatte) drüberzuhängen … und schon haben wir einen Sannyasin.
Wenn dann noch ein kritischer Geist dazukommt, den der Dalai Lama bei uns Westlern ja so schätzt, dann kommen wir in die Nähe der Liga, in der der große alte Mann des deutschen Journalismus und der Osho-Bewegung spielt. Seine liebevollen, weisen, scharfzüngigen und teilweise wohltuend bösen Formulierungen in seiner klartext-Rubrik in den Osho-Times stellen für mich immer wieder eine wohltuende geistige Nahrung dar. Hier ist ein Link zu seinem letzten Machwerk: »mr. brilliant und der freundliche Kapitalismus« (erinnert mich irgendwie an Kubricks »Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben«)

Hier was zu Satyananda (von der sehr aktuellen Homepage der garantiert unbeleckten Aktion für geistige und psychische Freiheit des Bundesverbandes Sekten- und Psychomarktberatung e.V., die auch eine breite Palette hochaktueller und außerordentlich kompetenter Literatur bietet, und von Wikipedia)

Mit welchen Flachpfeifen man es als erleuchteter – oder auch weniger erleuchteter – Meister zu tun hat, mag folgendes kurzes Ereignis deutlich machen:
Zu Zeiten der Ermittlungen über Mordanschläge und Abhöranlagen auf der »Ranch« in Oregon wurde Osho von einem Journalisten gefragt, wie es denn sein könne, daß er erleuchtet sei und trotzdem nicht wisse, daß sein Telefon angezapft sei. (Was sich die Leute immer für Vorstellungen vom Erleuchtet-Sein machen …!)
Osho antwortete: »Die Tatsache, daß ich mich selbst erkannt habe, heißt nicht, daß ich weiß, daß mein Telefon angezapft ist.«

Zur Abhöraffäre in Oregon, die ich selbst nie kapiert habe, noch zwei(1) Links(2) zu den Sektenberatern.
(Frage: Wie lange kriegen Sektenberater Geld? Antwort: So lange, wie gefährliche Sekten da sind! Frage: Und was für ein Interesse hat eine Sektenberatung dann, weniger Sekten auszumachen oder diese für weniger gefährlich zu halten? Antwort: keine!)

Donnerstag, 2. November 2006

Junge Männer: Söhne ohne Perspektive

Angeregt durch die Diskussion in der letzten Sendung des »philosophischen Quartetts« vom 29.10.06 mit dem Thema »Weltproblem Radikalismus«, an dem auch Gunnar Heinsohn teilnahm, hier einige Links zu seinem Buch »Söhne und Weltmacht« aus dem Jahr 2003:

- Gunnar Heinsohn: junge, männliche Singles als Bedrohung der Ordnung (Single-Generation)

- Theorien: Machen junge Männer Krieg? (Reiner Klingholz, ZEIT Magazin, 26.02.2004)
bei learnline (da gibt’s auch einen Vortrag zum Thema zum Runterladen)
Finis Germaniae? (Gunnar Heinsohn, ZEIT-Feuilleton, 06.02.2008)
- Zahltag! (Gunnar Heinsohn, Schweizer Montag, April 2014)
Neben der Flucht der zu melkenden Kuh – der unternehmerisch handelnden Persönlichkeit – erleben progressive Politiker gelegentlich hautnah, dass sie nach Überforderung per Bankrott einfach tot umkippt. Da dadurch die eigenen Topgehälter- und Pensionsansprüche uneinbringbar werden, wird geschmeidig auf (6) hohe, aber nicht extreme Steuerprogression für Reichere nebst Geldleihe von ihnen umgeschaltet. Die Zahl der von Steuern Befreiten und die Vergrösserung der sozial gestützten Familien können so für die Steigerung der Wahlmacht weiter erhöht werden. Zeitgleich beginnt die Propaganda für die Vorbereitung der nächsten Stufe. Das für Soziales von den Reichen geliehene Geld – so wird in Medien und Wahlkämpfen gestreut – mache diese über Zinseinkünfte noch reicher, was doch obszön sei. Die bisher über Steuern Enteigneten sind plötzlich Gläubiger, die Forderungen stellen. Doch die müssen sie an Schuldner richten, die zwar finanziell von ihnen abhängig sind, aber die ebenfalls aus ihrem Geld finanzierten Wahlen spielend gewinnen. Die Reichen sind in einer ziemlich misslichen Lage […]

Unter den fünf wichtigsten Massnahmen zum Ködern von Gläubigern ist die leckerste das (a) gesetzliche Freistellen der in Banken und Versicherungen Investierenden von der Eigenkapitalunterlegung, wenn sie Staatstitel (selbst mit schlechten Ratings) kaufen, während etwa Aktien oder Rohstoffe teures Eigenkapital bin- den. Bei den gesetzlich vorgeschriebenen Anteilen an liquiden (leicht verkaufbaren) Mitteln dürfen (b) Staatsanleihen wie Bargeld verbucht werden. Zugleich erlauben dieselben Staaten, dass ihre – auch schlechten – Staatstitel von den Bankeigentümern (c) als vollgültiges Pfand bei der Zentralbank für das Leihen frischen Geldes eingesetzt werden können. Ausleihungen der Zentralbanken mit (d) Zins nahe null über mehrere Jahre (statt Wochen) hinweg ermöglichen das mehrjährige Einnehmen von – sagen wir – 5 Prozent Zinsen auf Staatsanleihen mit schlechtem Rating. Die Differenz zwischen 0 und 5 Prozent kann eingesackt werden. Staatstitel, die für 10 000 gekauft werden, fallen selbst nach dem Herabstufen durch Ratingagenturen nicht ins Bodenlose, weil dann (e) Zentralbanken mit unendlich tiefen Taschen diese Titel ankaufen und so ihren Preis wieder hochziehen und Verluste verhindern.

Zwei Rezensionen: 
- Gunnar Heinsohn, Söhne und Weltmacht: Terror im Aufstieg und Fall der Nationen (Perlentaucher)

Das Philosophische Quartett |2006| Demographie als Schicksal - Das Drama der Geburtenraten [1:00:48]


Veröffentlicht am 11.10.2014
Gäste: Roger Willemsen, Gunnar Heinsohn (EA: 29.10.2006)
Inhalt: "Seit der Publikation von Samuel Huntingtons umstrittener Epochendiagnose vom „Zusammenprall der Kulturen“ ist das Denken der Soziologen von der Annahme beherrscht, mit dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums, der vermeintlichen Weltenwende, entstehe eine neue Konfliktlandschaft, deren Verwerfungen nicht länger mehr durch den Antagonismus von westlich-kapitalistischer und kommunistischer Ideologie definiert, sondern von kulturellen und religiösen Agenten strukturiert würde. Huntington selber hat als Gegner des westlichen Way of life asiatische Staaten, das Großreich China zumal, und die islamisch geprägte Welt ausgemacht. Das ist freilich so neu nicht: In den Zuordnungen des Islam erkennt der Europäer mit historischem Gedächtnis die alte „orientalische Frage“ wieder.

Geht es aber in Wahrheit nicht um eine ganz andere Konfliktlinie, die im gegenwärtigen Lärm der Interessenten unbeachtet zu bleiben neigt, eine Konfliktlinie, an deren Verlauf deutlich werden kann, dass die intensivsten Auseinandersetzungen unserer Zeit wohl doch nicht nur ideengeschichtliche, kulturell oder religiös intonierte Ursachen haben? Diese Reibungsgrenze verläuft an demographisch heißen und den demographisch kühlen Zonen des Planeten. Sie wird, so konstatiert der Bremer Soziologe Gunnar Heinsohn, konkret unter anderem am Schicksal der ungezählten Millionen junger Männer in den benachteiligten Ländern und Völkern der asiatisch-afrikanischen Dritten Welt, den, wie er sagt „überflüssigen Söhnen“, in denen sich ein nicht zu überschätzendes Frustrations- und Resignationspotential staut, das nach Entladungen drängt.

Aus dieser anderen Diagnose ergeben sich politisch – strategische wie ethische Konsequenzen für eine Definition der westlichen Position auch im Hinblick auf bevorstehende, eher heikle Diskurse mit den anderen monotheistischen Religionen. Zivilisationsarbeit in den demographisch unruhigen Zonen, Absenkung der Geburtenrate zur demographisch Temperaturregelung scheint daher eine der vordringlichen Aufgaben zu werden.

Wie eine Politik aussehen müsste, die sich nicht an den Symptomen abarbeitet, sondern sich mit umfassend geopolitischem Blick und weltethischer Verantwortung entschlossen den Ursachen zuwendet, darüber diskutieren im „Philosophischen Quartett“ Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski mit Ihren Gästen, dem Bremer Soziologen und Gewaltforscher Gunnar Heinsohn und dem Publizisten und Schriftsteller Roger Willemsen." (Text: ftsmedia.de)

Gunnar Heinsohn - Die Diktatur des Kapitals? [1:00:46]

Hochgeladen am 26.01.2012
Sendung des Philosophischen Quartetts von 2005.

mehr:
- Gunnar Heinsohn hat wieder zugeschlagen (Klaus Baum, Notizen aus der Unterwelt, 19.07.2012)
zuletzt aktualisiert am 06.01.2016

Samstag, 28. Oktober 2006

Libanon-Einsatz

Mandat eingeschränkt

Die Vereinten Nationen und der Libanon haben die Voraussetzungen für den Unifil-Einsatz der deutschen Marine deutlich eingeschränkt. Demnach darf in der Sechs-Meilen-Zone nicht mehr kontrolliert werden.

mehr in der Online-Ausgabe der Zeit
und in der Online-Ausgabe des Spiegel

Also doch, naja, Hauptsache, wir sind dabei. Wenn Schröder schon in Afghanistan und Jugoslawien rummacht, muß Angie wenigstens im Mittelmeer rumpaddeln, auch wenn's Quatsch ist. Aber die Deutschen zeigen Flagge! (Charakter ist anscheinend aus) Ach ja, hätte ich beihnahe vergessen: (Wie ist das nochmal: Spannend wird's da, wo's kompliziert wird.) Bitte aufpassen, es heißt "es darf nicht mehr" kontrolliert werden. Das impliziert, daß irgendwann mal dort kontrolliert werden durfte. Ist natürlich Quatsch, es durfte noch nie, aber irgendwie muß in Berlin ja Frontbegradigung betrieben werden.


Zwischenfall bei deutschem Marine-Einsatz

Israelische Kampfflieger haben über einem deutschen Schiff der Friedenstruppe Unifil zwei Schüsse in die Luft abgegeben und Raketenabwehrkörper abgefeuert. Dies bestätigte das Verteidigungsministerium. Eine israelische Armeesprecherin erklärte dagegen, bei dem Zwischenfall sei nicht geschossen worden.

mehr in der Online-Ausgabe des Spiegel
und in der Netzzeitung

Aha, jetzt hab' ich's kapiert: wir sind da unten im Libanon, plätschern auf dem Wasser rum und zeigen Flagge statt Charakter. Damit wir keinem auf die Füße treten, fragen wir die Israelis, wann wir Hubschrauber aufsteigen lassen dürfen und die Libanesen, wann wir ein Boot entern dürfen. Dann liefert vielleicht das Goethe-Institut noch die Papiertaschentücher, damit sich die Anderen beim Lachen die Tränen wegwischen können.

Die israelischen Darstellungen haben schon fast Realsatirecharakter, wenn man sich folgenden Artikel der Zeit ansieht:

Libanon-Einsatz: Video belegt deutsche Darstellung

Die Deutsche Marine hat offenbar Videomaterial von dem Zwischenfall vor der libanesischen Küste, bei dem eine israelische F-16 geschossen haben soll. Die Bundesregierung betrachtet den Fall gleichwohl als geklärt.

mehr in den Zeit-News

Klar ist also, daß nichts klar ist: Wir haben einen Hubschrauber, der 70 km von seinem Mutterschiff entfernt am Starten gehindert wird, israelische Fluggeräte schießen nicht auf ein unbekanntes deutsches Boot und zwingen es so zu - keine Ahnung, zu irgendwas haben sie sie gezwungen. Hauptsache, wir zeigen Flagge und treten keinem auf die Füße.

Also, wenn ein Patient von mir solch ein Durcheinander von sich geben würde, würde ich ihn für therapieunfähig erklären. Also ist das Rumpaddeln da unten wahrscheinlich das Beste, was uns passieren kann: Still und leise vor uns hin paddeln, keinem auf die Füße treten und Flagge zeigen. Daß das da alles Quatsch ist, will keiner wissen.


Freitag, 27. Oktober 2006

Leistungsträger vor Gericht

Ursprünglich hatte ich mir überlegt, diese Meldung in der untenstehenden Überschrift "Reesche Leit unn areme Deiwel" unterzubringen. Doch dann fragte ich mich, ob das wirklich so lustig ist, wenn die Eliten, die unser aller Leben bestimmen nach Maßstäben empfinden und handeln, die für den Normalsterblichen kaum nachvollziehbar sind (oder doch ...?).

Jedenfalls stehen jetzt die Leistungsträger unserer Spaßgesellschaft wieder vor Gericht. Und wieder wird darüber zu befinden sein, ob diese Geld dafür bekommen haben, daß sie was geleistet haben (das soll sich ja wieder lohnen) oder es im Gegenteil dafür bekommen haben, daß sie nichts geleistet haben. (Wenn man's genau nimmt, ist letzteres nicht möglich, da wir immer was leisten. Aber das ist zu kompliziert. Dummerweise wird's aber grad da spannend, wo's kompliziert wird.) Also nochmal: Das Gericht wird darüber zu befinden haben, weshalb diese Managerriege Geld gekriegt hat und weshalb es so viel war. Und dann muß der Richter entscheiden, ob das in Ordnung war oder nicht.

zwei Links:
der erste speziell zum Mannesmann-Prozeß,
der zweite allgemein zu Mannesmann

Wetten, daß wir keinen Ackermannschen Siegesdaumen sehen werden? Wenn man den Pöbel schon verarscht, darf man ihm natürlich nicht noch die Zornesröte dadurch ins Gesicht treiben, daß man zeigt, wie sehr man sich freut. Was ich richtig spannend finde: Was läuft hinter der Stirn von so jemandem ab, daß der den Siegesdaumen macht? Für sowas braucht man doch Anhänger. Wenn Schumi den Siegesdaumen reckt, dann für seine Fans. Aha, Ackermann-Fans, was, der hat Fans, ei guckemool, was für Fans hat der? Oder denkt er, daß er welche hat? Oder denke ich nur, daß er keine hat oder haben sollte oder wer bin ich, daß ich mich das frage?
Jedenfalls paßt es wunderschön in unsere Zeit: Da werden Unsummen durch die Gegend geschoben, und während es bei 21,95 EUR für einen Schal, eine CD oder ein Buch völlig unstrittig ist, um wieviel es geht und für was das Geld fließen soll, erleben wir vor Gericht eine gesellschaftliche Klasse, die solche Maßstäbe mühelos zu sprengen in der Lage ist. Und da klagen wir über PISA-Studien und Werteverlust!
Vielleicht kommt ja der Ausdruck "sein Glück machen" tatsächlich von diesem ungreifbaren Phänomen "Glück". Vielleicht sinkt ja die jugendliche Leistungsbereitschaft mit der zunehmenden Bewußtwerdung der Möglichkeit, daß Glück beim Erwerb materieller Güter (vielleicht ja auch anderer) sehr viel wichtiger sein könnte als Leistung. (Natürlich auch eine tolle Entschuldigung dafür, daß man's erst gar nicht probiert.) Wie meinte Howard Carpendale mal? "War über Nacht berühmt wird, hat tagsüber hart gearbeitet." Abgesehen davon, daß der Mann so viel drauf hat, daß man schon Mitleid mit ihm haben muß, wenn man sich ansieht, mit was er sein Geld verdienen mußte, disqualifiziert er sich mit dieser Äußerung möglicherweise selber als Nicht-Checker. Wie uns unsere FDP-Abziehbildchen zeigen, ist es ja möglicherweise eben gerade die Nicht-Leistung, die das Bankkonto anwachsen läßt. Da muß jetzt nur noch ein Richter seinen Stempel druntersetzen, dann dürfen wir uns auf den Motivationsschub für die nächste PISA-Studie freuen.

Da wir grad bei Motivation sind: Unser ehemaliger Verteidigungsminister Struck hat uns ja mit mehr oder weniger Erfolg rüberzubringen versucht, daß Deutschland am Hindukusch verteidigt wird. Und da wir Deutsche seit hundert Jahren mit unseren offiziellen militaristischen Aktivitäten nicht nur glanzvoll total sondern auch mit einer schon fast grandios zu nennenden Scham gescheitert sind, tun wir uns - natürlich auch wegen einiger Gebietsverluste, über die man heute noch nicht reden darf - etwas schwer, uns in der Kontinuität unserer Geschichte zu definieren. Irgendjemandem ist dann die "Wertegemeinschaft" eingefallen. Jetzt war ich schon immer neidisch auf die Franzosen, die auf ihren Napoleon stolz sein dürfen und auf die Engländer, weil sich da noch der letzte Alki angesichts eines Photos der Queen zu Tränen gerührt an die Brust faßt. Dem haben wir Deutsche nur eine kastrierte Nationalhymne entgegenzusetzen, die Erinnerung an ein Wirtschaftswunder, welches immer stärker quietscht sowie eine in die Hose gegangene Rechtschreibreform, deren ebenfalls in die Hose gegangene Reform und die verblaßte Identität eines hart, ordentlich und sauber arbeitenden Sekundärtugendhaften. Gottseidank hat uns Klinsi ja noch ein Sommerwunder beschert, das hat uns so richtig doll aus dem -loch und der Begleitdepression rausgerissen ...
Bei der Bundeswehr haben wir damals - natürlich nur so unter uns - deren Aufgabe so definiert: "Die Bundeswehr ist dazu da, den Feind an den Grenzen so lange zurückzuhalten, bis Militär kommt."
Und solche Leute schickt man dann nach Afghanistan ....
Was machen die da? Von morgens um acht bis nachmittags um halb fünf (als mit einer halben Stunde Mittagspause) aufpassen, daß sie nicht von Minen zerrissen oder irgendwelchen bekloppten Paradiesanwärtern in die Luft gejagt werden? Was denken wir eigentlich über Leute, die 24 Stunden am Tag über Monate hinweg bereit sein müssen, andere nötigenfalls umzubringen? Was glauben wir eigentlich, wie die drauf sind? Also ein paar Zombies, für die es egal ist, ob sie eine Steckdose anschrauben oder jemanden mal kurz massakrieren? Was für eine Identität habe die Leute, die da rumlaufen, alle möglichen Annehmlichkeiten entbehren, für eine völlig abstrakte Sache eintreten und permanent um ihr Leben fürchten müssen? Was für eine Identität brauchen die? Und wir sitzen hier im Schlaraffenland und glauben über diese Leute urteilen zu können? Oh, wie praktisch! Der permanente Ausnahmezustand, genannt "Möglichkeit des Endes deiner menschlichen Existenz" muß ausgehalten werden. Normalerweise geschah dies "früher" über die Identifizierung mit der Notwendigkeit, also so etwas wie "Lebensraum im Osten" oder "Sicherung von Rohstoffen". (Im neuen deutschen Weißbuch ist interessanterweise von der "Sicherung des freien Welthandels" die Rede - zu dem Wort "frei" müßten noch einige Dritte-Welt-Gruppen ihren Senf zu geben können, wahrscheinlich verstehen die das falsch, nämlich in zwei Richtungen ...) Aber auch solche identitätsstiftenden Floskeln tragen nur ein Weile. Die Photos erinnern an ganz archaische Angst-Bewältigungsriten und scheinen so etwas auszudrücken wie: "Wir sind die, die mit dem Tod leben.", "Wir schauen dem Tod ins Gesicht." "Wir gehören zusammen, ihr seid die tatsächlichen, wir sind die potentiellen Toten."
Wenn natürlich die Moral-Zombies bei der Bild-Zeitung solche Bilder in die Finger kriegen, ist klar, was läuft: wenige Zentimeteer über einer barbusigen Schönheit, die irgendwo in unserer westlichen Wertegemeinschaft mal wieder ganz unschuldig [Jesus: "Ehe Ihr nicht werdet wie die Kinder ..."] irgendwas genießt, wird uns wieder klargemacht, was für eine degenerierte Gesellschaft wir doch sind (Wir sind zwar Papst, aber so welche, die stören unseren Seelenfrieden). Wenn man überhaupt von Skandal sprechen kann, ist es der, daß sich die größte deutsche Zeitung nicht entblöded, solche Bilder zu veröffentlichen. Bezüglich des Straftatbestandes "Störung der Totenruhe" frage ich mich, wer die Ruhe mehr gestört hat: die Soldaten oder die Bild-Zeitung.
Bei den Bildern der Soldaten habe ich nicht die geringsten Probleme, mir einen - noch so schrägen - Ritus vorzustellen. Was die Bild-Zeitung macht, das ist die Geschmacklosigkeit: den Finger in eine Doppelmoral zu legen, die man selbst am Leben hält.

Doofe gibt es viele ... Heute: Sex & Evolution

Regierung wirbt für Abstinenz statt Verhütung

US-Jugend soll ganz auf Sex verzichten

Washington - Die US-Regierung hat in den vergangenen fünf Jahren etwa eine Mil­liarde US-Dol­lar für sexu­elle Auf­klärung aus­gege­ben - Auf­klärung, die allein auf Ent­halt­sam­keit setzt. Wer dafür Mittel aus dem Bun­des­haus­halt erhal­ten möchte, darf weder über den Gebrauch von Kon­domen noch über die Anwen­dung anderer Ver­hütungs­metho­den infor­mie­ren.

zum Artikel in der Rhein-Zeitung vom 25.10.2006


... aber gottseidank holt das Alte Europa in Riesenschritten auf. Die Polen waren ja auch schon ganz scharf drauf, im Irak mitzumischen:


Regierungspartei will Evolutionstheorie aus Schulen verbannen

Polens Politiker stellen Darwin in Frage

Warschau - Das Schaubild zeigt die Ent­wick­lungs­geschichte des Men­schen - vom Affen bis zum Homo sapi­ens. In einem Gym­nasium im pol­nischen Lodz ist diese Dar­stel­lung uner­wünscht. Als ein Bio­logie­leh­rer sie im Fach­raum der Ober­stufe auf­hän­gen wollte, pfiff die Schul­lei­tung ihn zurück. Die Schau­tafel könnte "als Pro­voka­tion emp­fun­den wer­den", befand der stell­ver­tre­tende Direk­tor.

zum Artikel in der Rhein-Zeitung vom 27.10.2006

Lache ess gesonnd! – Die Dritte

Bärenjagd
Ein Obersteiner und ein Idarer wollen in Kanada das große Geld machen – mit Bärenfellen. Nach ein paar Wochen treffen sie sich wieder, der Obersteiner hat schon etliche Felle zusammen, der Idarer hat noch gar keines: „Also, eesch kann mache, warr’ isch well: Eesch fenne kä Bäre.“ Nun hat der Obersteiner Mitleid: „Komm, eisch sahn der, wie mah’d mischt: Also, dou lääst dich vor die Bäre-Hiehl’. Dann schlehst derr’n Astgawel, lähst deih Gewiehr enenn. Dann pejffste, de Bär kemmt ous der Hiehl, de dreckst ab, onn schon host en!“ Freudestrahlend macht sich der Idarer wieder auf in den Wald.
Wochen später treffen sie sich wieder am Handelsposten, der Idarer noch immer ohne Felle, aber mit lauter Beulen und Verbänden. „Ejh, wadd host dou dann gemach? Fragt der Obersteiner. „Ejh, wie dau saast. Hiehl gesoucht, Astgawel geschnetzt, Gewiehr enn Anschlach onn gepeff“ – „Ja onn?“ – „Ett hott oos der Hiehl zereckk gepeff!“ – „Onnn do?“ – „Do honn eesch nommo gepeff.“ – „Onn dann?“ – „Do kam de Zuuch diirekt off meesch zu…“

Tiefes Geländer
Zwei Obersteiner haben bei einer Fete in Enzweiler zu viel gebechert. Weil es schon spät war und keiner mehr fahren konnte, beschlossen sie zu Fuß zu gehen. Dabei gerieten sie von der Straße ab und auf die Bahngleise. Meinte der eine: „Ejjh, sah mool, off der looner Trepp’ senn die Stufe so flach.“ – „Joo“, meinte der andere, „dodefor ess dedd Geländer awwer scheen niedrig…“

Badeunfall
Ein Idarer am Bostalsee: Aufgeregt ruft er immer wieder: „E Wonna ess passiert, e Wonna.“ Andere Badegäste wollen Näheres wissen. „Ejjh, stelle Sie sich vor, gesta konnt mei Frau noch gar nedd schwemme, onn haut taucht se schon seit iwwa är Schdonn…“

Seltsamer Kopierer
Der neue Azubi der Stadtverwaltung steht rätselnd vor dem Reißwolf.
„Kann ich derr helfe?“, fragt die Kollegin den jungen Obersteiner. „Joo, wie geht daan dad Ding do?“ –
„Ganz äfach.“ Sie nimmt dem Azubi die Akten ab und stopft sie in die Maschine.
Sagt der Lehrling: „Onn wo komme itzde die Kobbie eraus?“

Durcheinander im Busbahnhof
Gehen zwei besoffene Idarer von Weierbach Richtung Stadt. Als sie am Busbetriebshof Almerich vorbeikommen, sagt der eine: „Mir sinn doch bleed, eech honn doch de Busführerschein. Bass dau emool off, dass keener kemmt, unn eech huule uus e Buss.“ Er verschwindet in der Halle, und es dauert und dauert, dann endlich hört man einen Motor brüllen. Es rappelt und scheppert, und als der Bus herauskommt, ist er total verbeult und verkratzt. „Ejjjh, wadd hosst dau dann gemacht?“ – „Ejjh, oosgerechnet de Bus no Ijrer hott ganz henne enn der Eck gestann.“

Der Jogger

Ein Obersteiner Jogger wurde in der Winterhauch von einem Idarer Jäger angeschossen. Er trug ein T-Shirt mit dem Aufdruck: „Reebok“.
aus dem Büchlein der Nahe-Zeitung „Reesche Leit onn areme Deiwel

Dienstag, 24. Oktober 2006

Ein Freidenker als freier Unternehmer

"Gegen Geld zu denken", sagt Marus Melchers, sei eine heikle Sache. Gedanken lassen sich nicht messen. Dabei wächst gerade in einer materialistisch orientierten Gesellschaft der Bedarf an Orientierungswissen. Der 42-jährige Philosoph aus Bonn läßt sich dafür bezahlen, ratsuchenden Menschen geistig auf die Sprünge zu helfen. Er selbst kommt mit wenig aus: Eine Praxis besitzt Melchers micht, seine Kunden sucht er per Bahn und Fahrrad auf. Er berät sie zu Hause oder bei einem Spaziergang an der frischen Luft. Philosophie müsse für den Alltag taugen, meint der Denker. Welche Werte vermitteln wir unsern Kindern? Wann darf ich lügen? Solche Fragen wollen seine Kunden klären. "Ich kann keine konkreten Tips geben, nur Perspektiven aufzeigen", sagt Melchers, "das philosophische Gespräch soll darin gipfeln, einen Zugewinn an Freiheit zu erfahren." Kopfzerbrechen hilft dabei wenig: "Philosophie findet nicht zwischen den Ohren statt, sondern dort, wo Menschen miteinander sprechen", lautet sein Credo. Und dem bleibt er auch treu, wenn es ums Honorar geht: "Ich frage meine Kunden, was ihnen das Gespräch wert ist."

aus mobil 10/06


www.sinn-auf-raedern.de