Mittwoch, 14. Juli 2010

Neo-Liberalismus und real existierender Kapitalismus: Pleiten, Pech und Pannen

Über das dubiose Zusammenspiel von Privatinvestoren und öffentlicher Hand
auf den Nachdenkseiten

Blinde Flecken

Wie war das noch? Männer können besser gucken als denken.
Hier läßt sich eindrucksvoll sehen, daß auch Frauen ihr geschlechtsspezifischen blinden Flecken haben.
bei Stern

Montag, 12. Juli 2010

Randomisiert-kontrollierte Studien – Wenn Daten Gewalt angetan wird

Die evidenzbasierte Medizin stützt sich auf die Ergebnisse von RCTs. Das setzt natürlich voraus, dass sie von ihren Autoren korrekt interpretiert werden.

Studien über die Präsentation solcher Studien hatten schon länger den Verdacht aufkommen lassen, dass manchmal die Ergebnisse durch findige Formulierungen in die Richtung gebogen werden, die den Autoren wünschenswert erscheint. Statistiker analysierten nun das Phänomen.

Aus der Literatur wurden 72 RCTs extrahiert, die im Dezember 2006 publiziert worden waren. Man suchte nach „spin“; das ist die entstellende Darstellung nichtsignifikanter Ergebnisse, um daraus einen scheinbaren Nutzen für den Patienten zu machen. Solche verzerrenden Darstellungen waren teilweise schon im Titel zu finden; die „Results“ der Abstracts waren in 37,5% betroffen, die „conclusions“ in 58,3%. Mehr als 40% der Arbeiten zeigten „spin“ in mindestens zwei Sektionen des Haupttextes.

Tendenziöse Formulierungen in den Abstracts halten die Autoren für besonders bedenklich, denn viele Leserentscheiden nach dem Inhalt des Abstracts, ob sie eine Publikation in Gänze lesen. Die weitere Ausleuchtung dieser Problematik sollte u. a. dazu führen, dass die Peer Reviewer der Journals für dieses Problem sensibilisiert werden. WE

Boutron I et al.: Reporting and interpretation of randomized controlled trials with statistically non significant results of primary outcomes. JAMA 303 (2010) 2058-2064
Bestellnummer der Originalarbeit 100644
aus Praxis-Depesche 6/2010

Soldaten in Afghanistan – Der Fluch des Einsatzes im Nicht-Krieg

Die Friedensmission am Hindukusch zieht Störungen bei den Soldaten nach sich, über die man sich bei uns erst langsam zu sprechen getraut.

Hingegen analysierte man in Großbritannien offen und mit einer Befragung der Betroffenen die Folgen der Einsätze im Irak und in Afghanistan für die mentale Gesundheit. Die Prävalenz einer wahrscheinlichen posttraumatischen Stress-Störung (PTSD) betrug 4,0%. Mit 19,7% bzw. 13,0% waren „gewöhnliche mentale Störungen“ (Depression, Angst etc.) bzw. Alkoholmissbrauch wesentlich häufiger. Das PTSD-Risiko war bei Kampfeinheiten höher als bei Versorgungseinheiten.

Die Bemühungen um die seelische Gesundheit der Soldaten konzentrieren sich u. a. in den USA und im UK auf die PTSD. Zumindest bei den Briten ist aber der Alkohol das größere Problem. Auch in der Allgemeinbevölkerung nimmt diese Abhängigkeit zu; bei Soldaten hat der Missbrauch jedoch eine viel größere Dimension.

Störungen der mentalen Gesundheit bei Soldaten nehmen nach Ansicht der Autoren nicht prozentual zu, aber in absoluten Zahlen, solange immer mehr Truppen in Konflikte im Ausland geschickt werden. WE

Fear NT et al.: What are the consequences of deployment to Iraq and Afghanistan on the mental health of the UK armed forces? A cohort study. Lancet 375 (2010) 1783-1797
Bestellnummer der Originalarbeit 100642

aus Praxis-Depesche 6/2010

Psychische Entwicklung – Der Segen von Almosen für Indianer

Ein Experiment des Lebens hatte die Möglichkeit gegeben, die Folgen finanzieller Unterstützung für Indianergemeinden in North Carolina im Hinblick auf das Auftreten von Sucht und psychiatrischen Erkrankungen zu verfolgen.

In jener Great Smoky Mountains Study hatte man die psychische Entwicklung junger Leute verglichen, wobei die Reservat-Indianer finanzielle Zuschüsse zum Familieneinkommen erhielten, die weißen Bewohner nicht. Im Jahr 2003 war über die Auswirkungen auf die Jugendlichen publiziert worden; jetzt konnte man sie als junge Erwachsene nochmals examinieren.

Ähnlich wie bei der früheren Analyse zeigte sich auch im Falle der jungen Erwachsenen, dass bei den bezuschussten Indianern die Häufigkeit psychiatrischer Störungen im Vergleich zu den Weißen signifikant geringerwar (OR 0,46), dies vor allem hinsichtlich Alkohol und Cannabis-Missbrauch.

Der Nutzen auf die psychische Entwicklung wurde in der Adoleszenz offenbar von einer besseren Überwachung durch die Eltern vermittelt, bei den jungen Erwachsenen durch weniger kriminelle Freunde.

Die Befunde widerlegen nicht die Annahme, dass Sucht und andere psychische Störungen Gehirnkrankheiten sind, so die Autoren. Vielmehr zeigen sie, dass Ansätze an exogenen Faktoren anhaltende Auswirkungen haben, unabhängig davon, ob eine genetische Disposition für die Störungen besteht oder nicht. WE

Costello EJ et al.: Association of family income supplements in adolescence with development of psychiatric and substance use disorders in adulthood among an American Indian population. JAMA 303 (2010) 1954-1960
Bestellnummer der Originalarbeit 100643
aus Praxis-Depesche 6/2010

Dienstag, 22. Juni 2010

Bluthochdruck – Der Arzt ist die beste Medizin

Häufige Arzt-Patienten-Kontakte führen bei Hypertoniepatienten zu einer schnelleren Blutdrucknormalisierung, so das Ergebnis einer retrospektiven Studie. Bei Intervallen von maximal einem Monat hatten Diabetiker mit Bluthochdruck im Median nach 1,5 Monaten normale Werte erreicht. Bei längeren Intervallen war das erst nach 12,2 Monaten der Fall. Fazit der Studienautoren: So lange der Blutdruck eines Patienten noch nicht kontrolliert ist, sollte er mindestens einmal im Monat einen Termin beim behandelnden Arzt haben. Dabei muss der Arzt den Patienten nicht unbedingt persönlich sehen. Auch ein Kontakt per Mail, Fax oder Telefon ist möglich, wenn die Patienten ihren Blutdruck selbst messen und dokumentieren.
Hypertension 2010; doi:10.1161/hypertension.aha.109.148791
aus MMW Fortschr. Med. Nr. 22/2010

Kopfweh bei Jugendlichen – Liegt’s am Lebensstil?

Wenn Heranwachsende über Spannungskopfschmerzen oder Migräne klagen, sollte man auch deren Lebensstil überprüfen. Möglicherweise bewegen sich die Betroffenen zu wenig, trinken zu viel Alkohol und rauchen. Dies ergab eine Studie der LMU München an 1260 Gymnasiasten im Alter von 14 bis 20 Jahren. Auch ein hoher Kaffeekonsum war mit Kopfschmerzen assoziiert.
Headache, June 07, 2010 DOI: 10.1111/j.1526-4610.2010.01706.x
aus MMW-Fortschr. Med. Nr. 24/2010

Montag, 21. Juni 2010

Gangsterwirtschaft

Jürgen Roth, einer der profiliertesten investigativen Journalisten Deutschlands hat ein neues Buch geschrieben. Auf Telepolis findet sich ein Interview mit ihm.

Dienstag, 15. Juni 2010

Focus

Focus - Hocus Pocus Live '73 {4:37}

Hochgeladen am 20.03.2007
Dutch prog-rockers Focus giving a breathtaking performance on NBC´s Midnight Special.

Thijs van Leer - Vox, Flute, Organ
Jan Akkerman - Guitar (-god!)
Bert Ruiter - Bass
Pierre van der Linden - Drums

Announced by the lovely Gladys Knight

Focus Live 1990 - Sylvia {4:01}

Hochgeladen am 26.10.2008
Occasional one time reunion of this legendary Dutch band with Jan Akkerman and Thijs van Leer

focus - Focus 2 (moving waves) {3:36}

Hochgeladen am 13.10.2006
Classic
www.myspace.com/stefeblues

Focus - Focus 3 {7:43}

Hochgeladen am 17.05.2008
Focus performed on may 15, 2008 in Odeon in Zwolle. Absolutely fabulous!
Thijs van Leer - Hammondorgan, flute and vocals
Pierre van der Linden - drums
Niels van der Steenhoven - guitar
Bobby Jacobs - bass
http://www.nufoto.nl/2008/05/16/focus...

Donnerstag, 3. Juni 2010

Köhlers Rücktritt und die Kommentatoren

Bevor ich mich in die Reihe derjenigen einreihe, die ihre Sicht des Rücktritts von Horst Köhler zum Besten geben, ein Post aus blog-tagesschau.de über die Köhler-Berichterstattung:

Ein Busfahrer wird von einem berunkenen Fahrgast (Presse) angekotzt. Der Busfahrer beschwert sich lautstark: SIE Schwein!
Der Betrunkene antwortet grinsend: Schau doch DICH erst einmal an, DU Sau! Angewidert verlässt der Busfahrer den Bus mit den Fahrgästen, um sich zu reinigen und die Fahrgäste von dem ihm beigebrachten üblen Anblick und Gestank zu befreien.
Der Busfahrer kommentiert: Jetzt ist er beleidigt, die dünnhäutige Sau und lässt uns einfach hocken und wir kommen nicht weiter. Das ist doch verantwortungslos, oder.. hups?
Viele Fahrgäste geben dem Besoffenen recht; nur weil sie nicht weitertransportiert werden. Eine schöne Geschichte nicht wahr?

Das Schlimmste was man einem Brunnenwart zu früheren Zeiten antun konnte, war, zu behaupten, er habe den Brunnen vergiftet.
Herr Köhler hat sich nach meinem Verständnis nicht gegen eine Kritik gewehrt, sondern gegen die Behauptung: er habe mit der Billigung von militärischen Einsätzen das Grundgesetz missachtet. Für den Bundespräsidenten ist dies ein schwer- wiegender unakzeptabler Vorwurf. Und recht hat er.
Wenn Kommentatoren dies nicht so eng sehen (dünnhäutig) so werden sie einem allgemein festzustellenden Werteverfall gerecht. Die kann nicht der Inhalt und Ziel einer Pressefreiheit sein. Zur Freiheit gehört auch eine Verantwortung, die bedauerlicherweise ungern wahrgenommen wird. Tendenz steigend.
Wenn ein Mahner, und das beinhaltet wohl die Aufgabe eines Bundespräsidenten, sein Amt ernst nimmt, dann versucht manihn als Tollpatsch (Respektlosigkeit) in der Öffentlichkeit darzustellen. Diesem Zeitgeist (Werteverfall) fallen Köhler, Pabst, Merkel usw. zum Opfer. Unterstellungen, Mutmaßungen, Verdrehungen (Spiegelungen) usw. haben nichts mehr mit seriöser Kritik zu tun.
Wie charakterstark müssen Personen sein, die diese gewaltige auf sie zukommende Unredlichkeit verarbeiten können? - Finden sich noch Personen, die derartige Belastungen ertragen können?
Für Politik, Medien und Gesellschaft soll die Handlung von Herrn Köhler eine Warnung sein, die mit Dünnhäutigkeit der Person Köhler nicht vom Tisch gewischt werden sollte.

Gesundheit und Bildung

Manfred Spitzer berichtet über eine Studie aus Großbritannien über den Zusammenhang zwischen Bildung und Gesundheit.
Weitere Spitzer-Links

Mittwoch, 2. Juni 2010

Lebenserwartung bei Paaren – Gleichaltrige Männer sind gut für die Frauen

Frauen sollten möglichst einen gleichaltrigen Mann heiraten. Ihre Aussichten für ein langes Leben sind dann nämlich am besten. Anders bei Männern: Sie leben umso länger, je jünger ihre Partnerin ist. Dass ein jüngerer Partner für Frauen eher lebensverkürzend ist, hat eine Studie des Max-Planck-lnstituts für demografische Forschung in Rostock festgestellt: Frauen, die einen sieben bis neun Jahre jüngeren Mann heiraten, haben ein um 20% höheres Mortalitätsrisiko. Die Autoren vermuten, dass Paare, bei denen der Mann jünger ist, damit gegen soziale Normen verstoßen. Dies wiederum könne soziale Sanktionen nach sich ziehen, die gesundheitsschädigenden Stress erzeugen. Unabhängig davon bleibt die Tatsache bestehen, dass verheiratete Männer und Frauen im Schnitt länger leben als unverheiratete.
Demography 2010;47(2):313

Frauen profitieren gesundheitlich nicht von einem jüngeren Partner:


MMW-Fortschr, Med. Nr. 20 / 2010

Dienstag, 1. Juni 2010

Hygiene – Was Keime wirklich ausknockt

Mikrobiologen haben untersucht, welche Hygieneprodukte Keime von Händen am zulässigsten entfernen. Dazu wurden die Hände von 62 Probanden mit hartnäckigen (aber harmlosen) Bakterien und ebenfalls harmloser Viren, die im Aufbau Erkältungsviren entsprachen, kontaminiert. Anschließend sollten die Probanden ihre Herde zehn Sekunden lang mit verschiedenen Reinigungsprodukten waschen. Danach wurde gemessen, wie viele Keime noch auf den Händen waren. Große Unterschiede fanden sich nicht. Testsieger war aber Seife plus Wasser. Die 10-Sekunden-Katzenwäsche beseitigte 90% der Erreger. Eine alkohhaltige Reinigungslotion – die eingesetzt werden kann, wenn gerade kein Wasser verfügbar ist – erbrachte mit 50% das schlechteste Ergebnis.
Mitteilung der American Society for Microbiology
aus MMW-Fortschr. Med. 13/2010

Lebensgefahr in vollen Kliniken?

In voll belegten Krankenhäusern ist das Risiko zu sterben erhöht, zeigte eine Studie der University of Michigan mit 166.ooo Patienten, die im Laufe von drei Jahren in verschiedenen Kliniken aufgenommen worden waren. Beieiner Bettenbelegung von über 80% stieg die Mortalität der Patienten um 5,6%. Ein um 7,5% erhöhtes Sterberisiko ergab sich für Patienten, die am Wochenende aufgenommen wurden, und auch in der Influenzasaison war das Risiko deutlich (um 11,7%) erhöht. Als wesentlicher Faktor, die Sterblichkeit zu senken, wurde die Zahl der Krankenschwestern identifiziert: Je mehr Schwestern in der Klinik tätig waren, desto günstiger war die Prognose der Patienten. Wie sich die Arztdichte auf die Überlebenschancen auswirkt,wurde nicht geprüft.
Medical Care, 2010:48(3):224DOI:10.1097/MLR.0b013e3181c162c0
aus MMW-Fortschr. Med. Nr. 11/2010

Männer leben kürzer, haben aber tänger Spaß

In 55-jähriger Mann darf damit rechnen, dass er noch etwa 15 Jahre sexuell aktiv sein wird. Erfreut er sich sehr guter Gesundheit, wird sein aktives Sexualleben noch fünf bis sieben Jahre länger währen.

Eine 55-jährige Frau wird hingegen nur noch elf Jahre sexuell aktiv sein, bei exzellenter Gesundheit drei bis was Jahre länger. Dies ergab eine Studie der Universität Chicago. Da Frauen älter werden als Männer, leben 72% der Männer, die ein Alter zwischen 75 und 85 Jahren erreichen, noch in einer Partnerschaft, während es bei den gleichaltrigen Frauen nur ca. 40% sind. Ein Trost für ältere Frauen: Während bei den Männern der Altersgruppe 75-85 Jahre noch 57% an Sex interessiert sind, sind es bei den Frauen dieser Altersgruppe nur noch 11%.
BMJ 2010;340:c810,doi:10.1136/bmj.c810
aus MMW-Fortschr. Med. Nr. 11/2010

Donnerstag, 20. Mai 2010

Piet Klocke in der Anstalt vom 11. Mai 2010


Piet Klocke in "Neues aus der Anstalt" vom 11. Mai 2010 [6:41]


Dienstag, 18. Mai 2010

Blind für Besseres

Bei Versuchen an Schachspielern unterschiedlicher Spielstärke fand der Psychologe Dr. Merim Bilalic eine wesentliche, neue Erkenntnis: »Nachdem wir gelernt haben, ein Problem auf eine Weise zu lösen, sind wir blind für effizientere Lösungsmethoden. Selbst wenn wir denken, daß wir einen anderen Lösungsweg einschlagen, ist unsere Aufmekrsamkeit weiterhin beim gewöhlichen. Diesen Effekt nennen wir ›Einstellungseffekt‹.«
Der gesamte Artikel im Deutschen Ärzteblatt (Nr. 19/2010) mit einem Link zum kostenlosen Download des Bilalic-Artikels

Montag, 17. Mai 2010

Mittwoch, 12. Mai 2010

Männerbild und Vatertag

Morgen ist Vatertag. Gestern kam eine neue Ausgabe von Publik-Forum in meine Praxis geflattert. Darin ein Interview, in welchem der Neurobiologe und Hirnforscher Gerald Hüther deutlich zu machen versucht, daß Jungs positive männliche Vorbilder benötigen.

(Sie seien von der Geburt her das schwächere Geschlecht, wow! Meine Mutter hat mir auch schon oft begreiflich zu machen versucht, daß Frauen stärker seien. Das ist inzwischen also gottseidank schon zu den Hirnforschern durchgedrungen. Hüther begründet seine These damit, daß das Y-Chromosom so winzig und zudem noch allein sei. Es hat auch mal Zeiten gegeben, da hat mann am kleineren Gehirn der Frauen alles Mögliche festzumachen versucht.)


Wenn man sich nun das Portrait des Hirnforschers ansieht, welches Publik-Forum dem Interview voranstellt, kann mann (vielleicht auch frau) nur den Kopf schütteln. Da sitzt ein ganz Lieber, stark angegraut, in legerer Freizeitkleidung und hat – damit er vor lauter Denken nicht runterfällt – den Kopf in beide Hände gestützt. Wahrscheinlich sind Männer so verkopft, daß sie fürs Abstützen beide Hände brauchen. Und da sie sowieso besser gucken als denken können, macht dieser Akt die Birne dermaßen schwer, daß man den Kopf schon festhalten muß, um ihn nicht zu verlieren. Ein wahres Prachtexemplar von einem Mann, dem alle Frauen nachlaufen werden. Bruce Willis, Pierce Brosnan, Brad Pitt, George Clooney und Sean Connery können ihre Hüte nehmen…

Aber im Ernst: das Protrait zeigt das Männerbild von Publik Forum und ist symptomatisch für das Männerbild der intellektuellen Elite Deutschlands. Symptomatisch auch für die Kluft zwischen der gedachten und der vermittelten Wirklichkeit. Kann man diese Selbstkastrierung vielleicht als Reaktion auf die kastrierende Aggressivität von Alice Schwarzer sehen? Das würde dann an die Seeräuber bei Asterix und Obelix erinnern, die, wenn sie schon Gefahr laufen, innerhalb der nächsten zehn Minuten ihr Schiff von den beiden Galliern in alle möglichen Einzelteile zerlegt zu bekommen, sich dann wenigstens den letzten Rest von Souveränität dadurch zu retten versuchen, daß sie dies selbst erledigen.

Eine Patientin, die ich bat, morgen ihren Mann gut zu behandeln, meinte lapidar: »Den schick’ ich morgen mit seinen Freunden weg, da kann er sich dann besaufen.« Und in dem Moment ging mir ein psychotherapeutisches Männerlicht auf. Auch ich habe mich ja schon oft über die teilweise wikingerbehelmten Jammergestalten mit dem kleinen Leiterwägelchen lustig gemacht, wie sie wankend und grölend durch die Welt ziehen, um abends bei Muttern ihren Rausch auszuschlafen. Wenn ich mir das mit therapeutischem Abstand betrachte, ist folgende Interpretation nicht so leicht von der Hand zu weisen: Während noch vor wenigen Tagen Mutter einen Kuchen gebacken und einen großen Strauß Blumen geschenkt bekam, vielleicht sogar den ganzen Tag die Beine hochlegen sollte, werden sich morgen viele Männer verdünnisieren. Ausdruck der Tatsache, daß ein Mann nur ein Mann sein kann, wenn er seine Familie hinter sich läßt? Wird hier vielleicht die Trauer und der Frust über die mangelnde Wertschätzung durch den angehimmelten weiblichen Gegenpart weggesoffen? Wird hier vielleicht eine Unabhängigkeit demonstriert, die über den Schmerz über die Abhängigkeit von der positiven weiblichen Resonanz, die mal wieder ausgeblieben ist bzw. die mann vielleicht ja noch nicht mal mehr erhoffen kann, hinwegtäuschen soll?

Das Interview in Publik Forum ist übrigens folgendermaßen überschrieben: Mit Pauken und Trompeten. Na denn laßt mann hören…

zuletzt aktualieisert am 21.06.2015