Samstag, 21. Juni 2014

Leseempfehlungen für den 21. Juni 2014

- "Die Aufteilung des Irak ist faktisch so gut wie vollzogen" (Telepolis, 20.06.2014)
Peter Scholl-Latour über die Veränderungen im Nahen Osten, die sich aus dem Auftreten von ISIS ergeben haben 

Peter Scholl-Latour: Irak am Abgrund(2003) [42:02]


Peter Scholl Latour: Krieg ohne Ende [5:41]


Peter Scholl-Latour: Zwischen Hass und Trauer - Der unheilige Krieg im Orient [44:55]


Irak Peter Scholl Latour über die Strategie der USA im Irak.mp4 [9:02]


"Krieg und Terror in Nahost - Greift der Westen ein?" - phoenix Runde vom 17.06.2014 [45:03]

 

- Umweltbewegung russisch unterwandert (Telepolis, 20.06.2014)
NATO-Chef hat alarmierende Erkenntnisse über Fracking-Gegner Wofür der neue kalte Krieg der NATO-Staaten gegen Russland doch so gut sein kann: Sogar zur Stimmungsmache gegen Umweltschützer eignet er sich. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat nämlich erfahren, dass Fracking-Gegner eigentlich nur russische Agenten sein können.
Zitat:
Bei Greenpeace fragt man sich derweil, was im Brüsseler NATO-Hauptquartier so geraucht wird.

Im ICD-10 wird unter F22.0 auch eine isolierte Wahnstörung beschrieben (engl.: delusional disorder). Dabei handelt es sich um eine womöglich seltene, eher jedoch stark unterdiagnostizierte psychische Störung mit dem Leitsymptom des isolierten Wahns. Anders als im Falle der Schizophrenie, haben rein an Wahn Erkrankte eher nicht-bizarre Wahnthemen, keine Halluzinationen, weniger Störungen der Stimmungsbildung und kein Abflachen des Affekts.[5] Die Wahnvorstellungen im Rahmen einer isolierten Wahnstörung nach ICD-10 F22.0 habe Ähnlichkeit mit überwertigen Ideen, die sachlich stets einen Realitätsbezug haben und auf den ersten Blick plausibel erscheinen. Jedoch sind die Gedankenstrukturen im Rahmen der wahnhaften Störung noch stärker emotional besetzt und ich-syntoner als überwertige Ideen.[6] Abgesehen von ihren Wahnthemen funktionieren Patienten mit wahnhafter Störung im Alltagsleben in der Regel gut, so lange keine weiteren Symptome (z.B. depressive oder zwanghafte Strukturen) hinzukommen. Allerdings können die Wahngedanken zu Konflikten in Partnerschaft, Freundeskreis und Sozialleben führen.[7] Eine Diagnose der wahnhaften Störung ist selten, da die Wahngedanken sachlich nicht bizarr erscheinen und daher erst aus dem Kontext als unangemessen und krankhaft erkannt werden können.[8][9]
  (Wahn als eigenständiges Krankheitsbild, Wikipedia)
Mein Kommentar:
Ich würde auch eine manische Störung für möglich halten: Die Anstrengungen, eine ultraschnelle NATO-Eingreiftruppe in Osteuropa zu stationieren, könnten möglicherweise dazu passen. Diese Eingreiftruppe würde dann möglicherweise dabei helfen können, das Eindringen von 23 gepanzerten russischen Fahrzeugen auf ukrainisches Gebiet zu bekämpfen, bevor es stattfindet.

dazu auch:

- NSA, BND, BSI und Verfassungsschutz unter einer Decke (Telepolis, 20.06.2014)
Endlich hat sich der Spiegel aufgerafft, die von Snowden geleakten Dokumente über die Zusammenarbeit der NSA mit deutschen Behörden zu veröffentlichen - allerdings mit Schwärzungen 
Es war höchste Zeit für den Schritt, gut, dass der Spiegel dies nun endlich getan hat: die ihm vorliegenden, der Öffentlichkeit und damit auch dem NSA-Untersuchungsausschuss Einblick in die von Snowden geleakten Dokumente zu gewähren. Es wurde gerne einmal, auch im Buch der beiden Spiegel-Redakteure über die NSA, über die neue Zeit der Transparenz gesprochen, der wollte man bislang aber selbst nicht nachkommen und lieferte nur nach Gutdünken Informationen. Das ist eine Art von "Quellenschutz", der im Zeitalter der digitalen Medien tatsächlich anachronistisch wurde. Man kann nur hoffen, dass auch andere Medien diese Strategie übernehmen, die Öffentlichkeit zu informieren und ihr auch Zugang wie WikiLeaks zu den "Rohdaten" zu geben.

- Israel: Der Sozialstaat auf der anderen Seite (Telepolis, 19.06.2014)
Während die israelischen Regierungen der vergangenen Jahre einen luxuriösen Sozialstaat jenseits der Grünen Linie aufbauten, wächst die Kritik gegenüber den Siedlungen innerhalb der israelischen Mehrheitsgesellschaft 
Die Entführung von drei Teenagern aus einer Siedlung im Westjordanland hält Israel in Atem. Die drei Jungen im Alter von 16, 16 und 19 Jahren wurden am Donnerstagabend vergangener Woche entführt, als sie von einer von Siedlern stark frequentierten Kreuzung in der südlichen West Bank nach Hause trampen wollten. Der öffentliche Verkehr zwischen den Siedlungen im Westjordanland ist spärlich, Trampen ist vor allem abends eine unter Siedlern übliche Praxis.

- Hängt die Moral von der Sprache ab? (Telepolis, 19.06.2014)
Das bekannte Trolley-Gedankenexperiment als immersive Simulation und als Beleg, dass Menschen das moralische Dilemma utilitaristischer lösen, wenn sie eine Fremdsprache benutzen 
Das Trolley-Dilemma ist ein bekanntes Gedankenexperiment für ein moralisches Problem, in dem jede Entscheidung, auch die, nicht zu handeln, dazu führt, dass Menschen getötet werden. Unschuldig kann man dabei nicht sein. Im Gedankenexperiment rollt ein Güterwaggon auf 5 Menschen zu, die überrollt werden, weil sie nicht ausweichen können. Es gibt aber eine Weiche. Wenn diese umgestellt wird, werden die fünf Menschen gerettet, dafür muss aber eine andere Person auf der alternativen Strecke sterben.

- China: Hoch hinaus (Telepolis, 19.06.2014)
Im zentralchinesischen Wuhan soll mit einem Kilometer Höhe das größte Gebäude der Welt entstehen 
Das Rennen um das höchste Gebäude der Welt geht weiter. Das britische Architekturbüro Chetwoods plant im chinesischen Wuhan die Errichtung von Zwillingtürmen. Wie die Internetplattform Business Insider berichtet, soll der größere von den beiden einen Kilometer Höhe erreichen. Mit 829,8 Metern hält laut Wikipedia derzeit der "Burj Khalifa" in Dubai den Champion-Titel. Da kann das derzeit in Wuhan bereits im Bau befindliche "Greenland Center" mit seinen 636 Metern nicht mithalten. (Zum Vergleich: Das von seiner Fertigstellung 1931 bis zum Ende der 1970er als das welthöchste Gebäude geltende "Empire State Building" in New York kommt lediglich auf 380 Meter.)

- Die Konsum- und Investitionsunterlassungssteuer (Telepolis, 18.06.2014)
Vermögensungleichverteilung als Chance? Teil 3
Im 2. Teil dieser Artikelreihe (Die Folgen zunehmender Vermögensungleichverteilung) wurde aufgezeigt, wie wenig erfolgreich die Theorie freier Märkte als wirtschaftspolitische Referenz in der Bundesrepublik und auch auf EU-Ebene seit Ausbruch der Finanzkrise 07/08 ist. Dabei wurde auch auf die Gefahren fortlaufend steigender Vermögenskonzentrationen hingewiesen. Im letzten Teil wird eine Alternative zur Vermögensteuer zur Diskussion gestellt, die die Gefahren fortlaufend steigender Vermögenskonzentrationen mildern könnte. 

Volker Pispers - Asiatische Sozialleistungen [22:10]


- Japan: Geschichtsrevisionismus empört Nachbarn (Telepolis, 18.06.2014)
Bürgermeister von Osaka relativiert mit kruden Argumenten japanische Kriegsverbrechen 
Toru Hashimoto, rechter Bürgermeister der japanischen Metropole Osaka, kann es nicht lassen. Geschichtsrevisionismus gehört offenbar zu seinen liebsten Beschäftigungen. Wie die Zeitung Mainichi Shimbun in ihrer englischsprachigen Internetausgabe berichtet, behauptete er dieser Tage in einer öffentlichen Rede, die Soldaten der alliierten Truppen hätten nach ihrer Landung in der Normandie im Juni 1944 französische Frauen vergewaltigt, weshalb Bordelle für die Soldaten eingerichtet worden seien.

- Ist Europas Energiesicherheit durch Russland oder durch die Ukraine bedroht? (NachDenkSeiten, 18.06.2014)
Nachdem die Verhandlungen im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine einmal mehr gescheitert sind, hat Russland die Lieferungen in sein Nachbarland einstweilen eingestellt. Teile der deutschen Medien schwadronieren vor diesem Hintergrund wieder einmal von einem Gaskrieg gegen Europa und stellen die Russen als Aggressor dar. Doch dieses Bild hat mit der Realität nicht viel zu tun und läuft vor allem auf die Promotion der Förderung von Schiefergas – dem sogenannten „Fracking“ – hinaus.

- Es ist der Binnenmarkt Ihr Deppen (NachDenkSeiten, 20.06.2014)
Der amerikanische Politikwissenschaftlicher und Publizist Robert Reich berichtet über die Besorgnis amerikanischer Spitzenmanager, dass die von ihren Unternehmen hergestellten Waren angesichts des Zerfalls der amerikanischen Mittelschicht zukünftig nicht mehr genug Käufer finden. Wie bitte ? Noch einmal: Amerikanische Spitzenmanager zeigen sich besorgt über die Erosion der Einkommen der amerikanischen Mittelschicht, weil sie durch ein weiteres Anhalten dieser Entwicklung ihren heimischen Absatz in Gefahr sehen. Der europäische Leser reibt sich gerührt die Augen. Der Binnenmarkt und Unternehmer, die gesamtwirtschaftlich denken können – es gibt sie noch.

- Hinweise des Tages (NachDenkSeiten, 20.06.2014)

- Hinweise des Tages II (NachDenkSeiten, 20.06.2014)

 - Die Queen der Debatten (der Freitag, 18.06.2014)
Vernunft Zum 85. Geburtstag von Jürgen Habermas legt Stefan Müller-Doohm eine erste umfassende Biografie des Philosophen vor. Die Lektüre stimmt ein wenig wehmütig

- David Bowie ist wie die Bibel (der Freitag, 22.05.2014)
Ausstellung Seine berühmte "Berliner Phase" wird jetzt im Martin-Gropius-Bau in Szene gesetzt. Aber wie verhielt es sich wirklich mit Bowie und Berlin? Der Fall ist nicht zu klären

- Separatisten sind Anarchisten (der Freitag, 18.06.2014)
Schweiz Eine Gemeinde, die den Kanton wechseln will, kann Tumulte und sogar einen territorialen Konflikt auslösen

- Warum Stefan Niggemeier Recht hat (der Freitag, 18.06.2014)
Medien Stefan Niggemeier und Hans-Martin Tillack haben sich einen offenen Schlagabtausch geliefert: Blogger vs. Enthüllungsjournalist. Eine Parteinahme
siehe dazu auch Kurzer Prozess: „Zeit Online“ und der geschasste 150-Euro-Reporter (Stefan Niggemeier, 08.03.2014)

- Die Armut von innen (der Freitag, 20.06.2014)
Migration Das Märchen vom Sozialmissbrauch wird gerne erzählt. Die Geschichte der Menschen dahinter hingegen kaum 

Gerhard Polt - Toleranz [15:25]

(kein und aber, 2004)

- How Secret Partners Expand NSA’s Surveillance Dragnet (The Intercept, 18.06.2014)
Huge volumes of private emails, phone calls, and internet chats are being intercepted by the National Security Agency with the secret cooperation of more foreign governments than previously known, according to newly disclosed documents from whistleblower Edward Snowden. 
The classified files, revealed today by the Danish newspaper Dagbladet Information in a reporting collaboration with The Intercept, shed light on how the NSA’s surveillance of global communications has expanded under a clandestine program, known as RAMPART-A, that depends on the participation of a growing network of intelligence agencies.

- Uno-Bericht: Mehr als 50 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht (SPIEGEL Online, 20.06.2014)
Die Uno legt alarmierende Zahlen vor: Mehr als 50 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht - der höchste Wert seit dem Zweiten Weltkrieg.

- Waldbesetzer wieder da (junge Welt, 21.06.2014)
Protest gegen Flughafenausbau in Frankfurt am Main: Robin-Wood-Aktivisten erklimmen Bäume. Auch alte Startbahn-West-Gegner machen mit, zur Not mit Rollator

- Vorrangig Eigeninteressen (junge Welt, 21.06.2014)
Hintergrund. Die Beziehungen zwischen China und Rußland. Teil I: Vom 13. Jahrhundert bis zur Nachkriegszeit

- Investor ist König (junge Welt, 21.06.2014)
Wenn Staaten sich Fesseln anlegen: Wikileaks leuchtet in dunkle Ecken des Lobbyismus. »Abkommen« wie TISA verfestigen die private Macht über den Globus

Donnerstag, 19. Juni 2014

Mike Oldfield – Tubular Bells

Hier sind drei Live-Versionen des Werkes, das ihn schlagartig berühmt machte (Rezension auf den Babyblauen Seiten): eine aus dem Jahr 1973,

Tubular Bells live @ BBC (1973) [24:57]


die nächste aus dem Jahr 1979, 

Mike Oldfield - TUBULAR BELLS (Parte 1) - 1979 [28:22]


die dritte vom Montreux Jazz-Festival 1981

Mike Oldfield - Tubular Bells (Live at Montreux 1981) [16:34]

 

Mittwoch, 18. Juni 2014

Man kann’s ja mal probieren…

Da habe ich einen Patienten, dem wurde gekündigt. Nach 25 Jahren Betriebszugehörigkeit und 20 Jahre im Betriebsrat. Begründung des Arbeitgebers: Die Arbeitsplätze fallen weg. Mit 83 anderen wanderte er in eine Auffanggesellschaft, in der die Leute für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden sollten. Diese Maßnahme wurde mit öffentlichen Geldern – u.a. EU-Geldern – bezuschußt. Während des Jahres in der Auffanggesellschaft wurden die Leute an Word und Excel fit gemacht, und in Rollenspielen wurden sie fit für Bewerbungsgespräche gemacht. Wenn ich das richtig im Kopf behalten habe, gab es unter den 84 Leuten ein halbes Dutzend Herzinfarkte, ein halbes Dutzend Scheidungen und zwei Suizidversuche. Während die 84 in der Auffanggesellschaft fit gemacht wurden, warb der Arbeitgeber – der sich keinesfalls in einer finanziell prekären Situation befindet –, in Anzeigen um Zeitarbeitskräfte. In den Verhandlungen vor Überwechseln in die Auffanggesellschaft gab die Trainingsfirma ihre Vermittlungsquote mit 80 Prozent an. Von den 84 machte sich einer selbständig, ein anderer fand Arbeit.
Vor etwa zwei Monaten erklärte der Arbeitsrichter die Kündigung für rechtens. Ein ziemlich hohes Tier in dieser Institution erklärte die Gekündigten zu Querulanten. Kurz vor Pfingsten entdeckten einige der 84 – sie begleiteten eine Kollegin zu einem Termin beim Arbeitsgericht – einige Müllsäcke mit nicht geschreddertem Inhalt: die Prozessunterlagen der 84… 
Am Abend, als die Müllsäcke immer noch da standen, holte einer der 84 nach Rücksprache mit dem sie vertretenden Rechtsanwalt die Müllsäcke ab und stellte sie sicher. Jetzt wirft ihnen das hohe Tier in der Justiz vor, ständig vor dem Gericht herum zu lungern, und sie hätten die eigenen Unterlagen aus dem Gebäude entwendet…

Von einer Krankenkasse kam dieser Tage eine Anfrage. Wohlgemerkt: nicht vom Medizinischen Dienst, wo speziell geschulte Ärzte sitzen, sondern von irgendeinem Mitarbeiter der Krankenkasse. Auf der ersten Seite wird mir mein Ansprechpartner genannt, unterschrieben ist das Schreiben von jemand anderem, von dem ich noch nicht mal weiß, wer das ist. Noch nicht einmal eine Schweigepflichtsentbindung ist beigefügt.
Auf der zweiten Seite soll ich dann angeben, wieviele Stunden ich mit dem Patienten bisher abgehalten haben, wie oft er kommt und wie ich den Therapieverlauf einschätze. Wenn ich das Formular ausgefüllt zurückschicken würde, erhielte irgend ein Nichtmediziner – wahrscheinlich also eine Bürokraft der Krankenversicherung – intime Informationen über den Patienten…
Abgesehen von der Beleidigung meiner Intelligenz und meiner Integrität wäre damit das informationelle Selbstbestimmungsrecht meines Patienten in allerhöchstem Maße verletzt, und ich behaupte, noch vor 20 Jahren hätte keine Krankenkasse gewagt, eine solche Anfrage an einen Arzt – geschweige denn an einen Psychotherapeuten – zu richten. Aber man kann’s ja mal probieren, die Zeiten ändern sich…

Ich frage mich ernsthaft, wie die Menschen da noch Vertrauen in unsere Institutionen haben sollen!

Heute vor 74 Jahren – 18. Juni 1940: Radioansprache von Charles de Gaulle

Präsident der Genießer 

Er war General, Patriot und Staatspräsident – Charles de Gaulle (1890-1970) symbolisierte den Widerstand gegen das Dritte Reich und dominierte die französische Nachkriegsgeschichte. Nachdem Frankreich im Zweiten Weltkrieg kapituliert hatte, rief de Gaulle am 18. Juni 1940 von London aus in einer Radioansprache zur Fortführung des Krieges auf und leitete bis zur Befreiung des Landes die französische Exilregierung. 1945 zum Ministerpräsidenten und vorläufigen Staatspräsidenten gewählt, trat er im Januar 1946 von seinen Ämtern zurück. 


Als das Land 1958 wegen einer Militärrevolte in Algerien in eine schwere Krise geriet, wurde de Gaulle erneut zum Staatspräsidenten berufen - das Volk mit den 246 Käsesorten wählte ihn mit 78% der Stimmen. Mit einer auf seine Person zugeschnittenen Verfassung regierte er als Präsident bis 1969 die Fünfte Republik. Er beendete die Auseinandersetzungen in Algerien und entließ die französischen Kolonien in die Unabhängigkeit. Ein weiterer bedeutender Akt des »Volkskönigs« folgte 1963: De Gaulle und Konrad Adenauer unterzeichneten den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag mit dem Ziel der Aussöhnung der Nachbarländer. 
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Le discours de Charles de Gaulle à la jeunesse allemande [14:21]


Leseempfehlungen für den 18. Juni 2014

- Argentinien im Abwehrkampf gegen Hedgefonds und US-Justiz (Telepolis, 18.06.2014)
Muss das Land mindestens die Hälfte seiner Finanzreserven an aggressive Finanzspekulanten zahlen? 
Nach der Abweisung einer Revisionsklage vor dem Obersten Gerichtshof der USA spitzt sich der Streit zwischen der Argentinischen Regierung und Hedgefonds wieder zu. Die Staatsführung des südamerikanischen Landes wehrt sich gegen Milliardenforderungen der Finanzspekulanten (Freiheit oder Hedgefonds?), die versuchen, aus der schweren Finanzkrise Argentiniens 2001 und 2002 Profit indirekt zu schlagen.

- Wird Hude das neue Schilda? (Telepolis, 18.06.2014)
Die niedersächsische Gemeinde plant ein Gewerbegebiet ohne DSL-Anschluss 
In der niedersächsischen Gemeinde Hude plant man der Oldenburger Nordwestzeitung zufolge ein neues Gewerbegebiet, in dem lediglich Leerrohre ohne Glasfaserleitungen oder DSL-taugliche Kabel verlegt werden sollen. Der parteilose Hudener Bürgermeister Axel Jahnz und die Gemeindeentwicklungsfachbereichsleiterin Martina Schneider begründeten das dem Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt gegenüber damit, dass "kein Telekommunikationsunternehmen bereit [sei], Leitungen […] zu verlegen" und dass die EU eine Förderung schneller Internetanschlüsse durch die Kommunen verbiete.

- Neue Friedensbewegung oder Querfront? (Telepolis, 17.06.2014)
Eine Studie zur politischen Verfasstheit der Montagsmahnwachen bestätigt Kritiker in vielen Punkten 
Die Montagsmahnwachen für den Frieden und gegen die FED verlieren an Anziehungskraft. Doch aus den Schlagzeilen verschwunden sind sie nicht. Der Auftritt des Liedermachers Dieter Dehm, der auch noch Bundestagsabgeordneter der Linken ist, auf der Berliner Montagsmahnwache hat in und außerhalb der Linkspartei zu viel Kritik geführt (Gemeinsam gegen Rothschild?)

 - Links-Rechts-Schwäche (der Freitag, 17.06.2014)
Montagsmahnwachen Eine neue Studie belegt, dass viele der Teilnehmer für rechte Thesen offen sind – auch wenn sie es selbst nicht so sehen
Kommentar von mir: Die Sorge habe ich auch, allerdings könnte man sich überlegen, ob die Einkategorisierung in linke und rechte Sichtweisen noch zeitgemäß ist.

- Kosten sparen bei der Tiefengeothermie (Telepolis, 17.06.2014)
Statt immer tiefer zu bohren, realisiert die Uni-Darmstadt 100 % Vollversorgung mit einem Mix aus Erd- und eingelagerter solarer Wärme

- Die Folgen zunehmender Vermögensungleichverteilung (Telepolis, 17.06.2014)
Vermögensungleichverteilung als Chance? Teil 2 
Im ersten Teil (Ein Paradoxon zwischen Vermögensausgleich und zunehmender Vermögensungleichverteilung) dieser dreiteiligen Artikelreihe über die Vermögensungleichverteilung wurde aufgezeigt, dass ein Paradoxon existiert zwischen dem selbstregulierenden Vermögensausgleich, der sich aus der Theorie freier Märkte ableiten lässt, und der steigenden Vermögensungleichverteilung. Dieses Paradoxon wird von so manchen Vertretern der Theorie freier Märkte nicht ernst genommen und relativiert. Grundsätzlich wird dabei die Theorie freier Märkte freigesprochen und das Problem zunehmender Vermögensungleichverteilung anderen Faktore als dem Marktgeschehen selbst zugeordnet. Somit wird die Theorie freier Märkte weiterhin als fehlerlose ordnungs- und wirtschaftspolitische Referenz herangezogen.

- Hinweise des Tages (Telepolis, 17.06.2014)

- BlackRock und Co.: Das globalisierte Finanzkapital (Telepolis, 17.06.2014)
Nur ein gutes Drittel der Anteile an den Dax-Unternehmen wird von Inländern gehalten. Ein weiteres Drittel gehört Personen und vor allem Finanzkonzernen aus den USA und Großbritannien, während das letzte Drittel sich auf den Rest der Welt verteilt. Die Spinne im Netz der Beteiligungen an den Dax-Unternehmen ist dabei ein Unternehmen, dessen Name wohl nur Insidern bekannt ist – BlackRock. BlackRock ist an jedem Dax-Konzern beteiligt, an 80 Prozent der Dax-Konzerne sogar mit 5 Prozent und mehr, bei mehr als der Hälfte der Dax-Konzerne ist BlackRock sogar der größte Anteilseigner. Doch wer ist BlackRock? Und was bedeutet dies für den Standort Deutschland und für die Vermögensverteilung?

Unbedingt ansehen - Der Schwule Schiri [1:03]


- Nacktes Jahr in Kiew (der Freitag, 18.06.2014)
Zeitgeschichte 1924 Vor 90 Jahren vollendet Michail Bulgakow seinen Roman „Die Weiße Garde“, gewidmet einer russische Familie, die miterlebt, wie Kiew 1918 von einer Hand in die andere geht

- "Ich habe Hoffnung" (der Freitag, 04.06.2014)
Tiananmen-Massaker Anlässlich des 25. Jahrestages diskutieren drei Demonstranten und ein Politikwissenschaftler die Frage, wie das Blutbad das China von heute geprägt hat

- Der Feind meines Feindes ist mein Freund (der Freitag, 17.06.2014)
Iran/USA Dass die Vereinigten Staaten im Irak-Konflikt auf Hilfe angewiesen sind, könnte der Türöffner für eine respektvollere Außenpolitik sein

- Feldpostbriefe (8) (der Freitag, 17.06.2014)
Der Erste Weltkrieg Dies ist ein Blick auf einen Vorfahren, den ich nie kennen lernte und dessen Leben fast exemplarisch für den Beginn des "Jahrhunderts der Extreme" (Eric Hobsbawm) ist

- Im Kreis gedacht (der Freitag, 16.06.2014)
Ressourcenschonung Wie wäre es, wenn ein Produkt niemals zu Abfall wird? Das Cradle to Cradle-Prinzip überträgt das Kreislaufdenken der Natur auf die Produktentwicklung

Dienstag, 17. Juni 2014

Leseempfehlungen für den 17. Juni 2014

- Der Waffengang, die Weltpolitik, das Profitidol (Telepolis, 16.06.2014)
Bundespräsidiale und päpstliche Sichtweisen – ein Kommentar 
Joachim Gauck hat ein Interview über seinen Besuch in Norwegen dazu genutzt, eine Aufforderung zu wiederholen, die ihm schon bei der jüngsten Münchener Sicherheitskonferenz viel mediale Aufmerksamkeit einbrachte (Gauck predigt gegen "Drückebergerei"): Die Bundesrepublik müsse sich in der Weltpolitik kräftiger einmischen, auch mit militärischen Mitteln, "zu den Waffen greifen" ("notfalls", der "ultima-ratio"-Vorbehalt gehört ja stets dazu).

- Sie sind alt und brauchen das Geld (Telepolis, 16.06.2014)
Rentnerprostitution in Südkorea 
In Südkorea beschäftigen sich Sozialpädagogen wie Nam Ki-Cheol von der Universität Dongduk mit einem neuen Phänomen: Der Rentnerprostitution, bei der die Anbieterinnen zwischen 50 und 80 Jahre alt sind und vorher im Regelfall nicht im Sexdienstleistungsgewerbe gearbeitet haben. Sie bedienen keine jüngeren Männer mit speziellen Interessen, sondern Gleichaltrige, denen mehr Geld zur Verfügung steht, als sie selbst zum Leben haben. 
 Die Ursache für dieses Massenphänomen liegt vor allem darin, dass die Renten der Frauen nicht zum Leben reichen und manchmal nur den Krankenversicherungsbeitrag abdecken: Südkoreas Altersarmutsrate ist mit 45,1 Prozent die höchste unter den OECD-Ländern, wo sie im Durchschnitt nur bei 13,5 Prozent liegt. Unter den südkoreanischen Rentnerinnen gelten 47,2 Prozent als arm, unter den männlichen Rentnern 41,8.

- Videohinweise (NachDenkSeiten, 16.06.2014)

- Hinweise des Tages (NachDenkSeiten, 16.06.2014)

- Wir Untertanen (der Freitag, 21.05.2014)
Leerstelle Liberalismus ist derzeit nicht angesagt. Dabei gibt es mit der Freiheit im Netz ein Riesenthema, für das es sich zu kämpfen lohnt

- Jetzt hat die Welt die Wahl (Quelle)
Syrien Das Votum für Bahsar al-Assad zeigt, dass eine politische Lösung ohne das Baath-Regime zumindest derzeit nicht zu haben ist. Davon sollte Realpolitik ausgehen

Volker Pispers: Wir sind die Guten - Prix Pantheon 14.06.2014 - die Bananenrepublik [8:29]

[Quelle: WDR]

- Der andere 17. Juni (junge Welt, 17.06.2014)
Tunnelblick beim Volksaufstand: An das Vorgehen von sowjetischer Armee und Volkspolizei 1953 in der DDR wird erinnert, an die Kolonialmassaker westlicher Staaten nicht

- Mensch als Auslaufmodell (junge Welt, 17.06.2014)
Hintergrund. Technoreligion: KI-Forscher, Robotiker und Technikphilosophen entwerfen Szenarien einer »posthumanen Zivilisation«

Kommentar von mir: wie ist es um unsere Gesellschaft bestellt, daß solche Ideen überhaupt einen Nährboden haben?

- Massenhaft Rechtsbruch (junge Welt, 17.06.2014)
Hartz IV: Fast die Hälfte der Klagen und gut ein Drittel der Widersprüche gegen Sanktionen enden zugunsten Betroffener. Gesetzesnovelle hinter verschlossener Tür vorbereitet

- Rechtlose Erntehelfer (junge Welt, 17.06.2014)
IG BAU prangert menschenunwürdige Zustände in der Landwirtschaft an. Drastischer Fall in Thüringen offenbart aber auch Schwäche von Kontrollbehörden und Gewerkschaft

- Gergiev und Heidegger – Unser deutsches Moraltheater (Cicero, 16.06.2014)
Dem designierten Chef der Münchner Philharmonie, Valery Gergiev, wird allzu große Nähe zu Putin vorgeworfen. Sein Fall erinnert an den Umgang mit dem Philosophen Martin Heidegger: Wenn sich die Öffentlichkeit empört, setzt sie gerne die Gegenwart absolut

- Mehr Militäreinsätze – Warum Gauck Recht hat (Cicero, 16.06.2014)
Bundespräsident Joachim Gauck hat mehr deutsches Engagement in der Welt gefordert – und wird dafür heftig kritisiert. Dabei ist seine Mahnung richtig: Würde sich die Bundesrepublik grundsätzlich vor Militäreinsätzen wegducken, wäre das heuchlerisch

- Digitales Lesen Im Wörterbrei (Cicero, 16.06.2014)
Mehr Wörter, mehr Schrift, mehr Gedrucktes als heute war nie. Wir erleben eine Evolution in revolutionärer Zeit. In die klassischen Formen des Schreibens mischen sich Zeichen, Smileys, Tweets, News, Videos.

- Mordsjob – Mutter Kinder stressen mehr als jedes Büro (Cicero, 15.06.2014)
Kolumne Stadt, Land, Flucht: Burnout, Depressionen, Überforderung. Das moderne Arbeitsleben verursacht Strapazen? Falsch. Wer zu Hause bleibt, ist viel gestresster, sagen Wissenschaftler aus den USA

- Ernährung – Wir wollen alles light und versüßt (Cicero, 14.06.2014)
Der Alkoholkonsum geht zurück, der Latte Machiato gewinnt dafür immer mehr Anhänger. Doch die Essgewohnheiten in der Bundesrepublik werden damit nicht gesünder, sondern eher kindlicher

- Irak – Die Eskalation ist eine Folge der US-Politik (Cicero, 12.06.2014)
Islamisten haben die zweitgrößte Stadt des Irak, Mossul, erobert – und drakonische Gesetze erlassen. Die Terroristen kommen teilweise aus dem Nachbarstaat Syrien. Schuld daran sind nicht zuletzt die USA, die ein Eingreifen in Syrien noch immer als strategisch unsinnig bewerten. So haben sie ungehindert einen Hort für Al Qaida und Co. gezüchtet

Kommentar von mir: Ich habe mich Mitte der 90er mal mit Marie-Luise Schwarz-Schilling unterhalten. Sie meinte:»Dafür, daß die USA eine Weltmacht ist, baut sie relativ wenig Scheiße.« Der Satz gab mir zu denken…

- Terror in Irak, Syrien und Nigeria – Der höllische Islamismus (Cicero, 12.06.2014)
Irak, Syrien, Nigeria – die Lage ist gespenstisch in diesen Tagen. Es wird gefoltert und entführt, der tägliche Terror nimmt zu. Der Westen impft gegen die Pest und züchtet die Cholera.

Freihandel EU/USA: Konflikt oder Segen? | Made in Germany [4:30]

(gefunden bei Cicero)

Montag, 16. Juni 2014

Leseempfehlungen für den 16. Juni 2014

über Marina Abramović habe ich im letzten Jahr zwei Posts eingestellt:
    - Marina Abramović (14.07.2013)
    - Marina Abramović and Ulay (14.12.2013)
Als Psychotherapeut ist für mich das Video »Marina Abramovic on Belgrade culture and her roots« natürlich am interessantesten. (Post vom 14.07.2013)

Vom 11. Juni bis 25. August 2014 wird Abramović eine Langzeit-Performance in der Londoner Serpentine Gallery durchführen, bei der sie - wie auch das Publikum - vollständig auf Objekte verzichtet: jeder kann als Besucher während der Öffnungszeiten hinzustoßen und Zeit mit ihr verbringen, muss zuvor aber Jacke, Tasche und elektronische Geräte abgeben.[15]
- Begegnung mit Marina Abramović – Spiel mit dem Nichts (FAZ, 10.06.2014)
Viele, die vor vier Jahren im New Yorker MoMA den Blickkontakt mit ihr wagten, waren zu Tränen gerührt. Jetzt bereitet Marina Abramović ihre neue Performance in London vor. Mit einem selbst für diese Künstlerin spektakulären Konzept. 

Weeping Woman * Pablo Picasso (Video-Art) [3:15]


Man beachte den Unterschied:
»Marina Abramovic and Ulay started an intense love story in the 70s, performing art out of the van they lived in. When they felt the relationship had run its course, they decided to walk the Great Wall of China, each from one end, meeting for one last big hug in the middle and never seeing each other again.« (Zen Garage, 03/2013)
»1988, nachdem sich Abramović’ langjähriger Lebenspartner, der deutsche Künstler Frank Uwe Laysiepen, der sich Ulay nennt und mit ihr zusammen viele Performances gemacht hatte, von ihr getrennt hatte, […] ›Ich war 40 Jahre alt, ich hatte den Mann verloren, den ich liebte und mit ihm meine Arbeit, denn wir haben damals ja alles zusammen gemacht, ich war an einem ganz dunklen Punkt.‹ […] Eine weitere Trennung: […] ›Ich habe so gelitten, ich habe ungefähr vier Jahre gebraucht, darüber hinwegzukommen. Erst seit einem Jahr geht es mir wieder gut, es war einfach nur hart, hart, hart. Ich kann wirklich sagen, dass ich kein Glück hatte mit den Männern in meinem Leben. Ich bin zu viel für sie, ich bin wirklich kein marriage material. Zuallererst einmal bin ich besessen von meiner Arbeit. Das verstehen die nicht. Früher habe ich oft versucht, mich für einen Mann zu ändern - total erfolglos. Aber klar hab’ ich’s versucht.‹« (FAZ, 10.06.2014)
Was ist die Wirklichkeit? 

Picassos Frauen, eine fiktive Pressekonferenz [8:18]
 

- Marina Abramovic in "512 Hours" – Ein Nichts mit Körper (Süddeutsche, 11.06.2014)
Kunst als Gegenüber: Die Performance-Künstlerin Marina Abramovic stellt sich während der Aktion "512 Hours" dem Londoner Publikum. Die Aktion ist nichts Neues, kultiviert aber ihre eigene Berühmtheit.

- Marina Abramovic: Kunst ohne Konzept (Deutsche Welle, 15.06.2014)
"512 Hours" - Der Titel ist Programm: Exakt so viele Stunden will Marina Abramovic performen. Noch bis zum 25. August tut sie das in der Londoner Serpentine Gallery. Ihr Konzept ist relativ spektakulär: Es gibt keines.

- Das größte Kunstvideo-Archiv der Welt (Deutsche Welle, 24.06.2009)
Jeden Tag, jede Stunde und jede Minute lädt irgendwo irgendwer ein Video ins Internet. Ziemlich viel Blödsinn ist dabei. Manchmal aber auch Perlen von Andy Warhol oder Yoko Ono. Das ist illegal. Aber schön anzusehen. 
Marina Abramovic sitzt in der Galleria Studio 67 in Bologna. Seit 16 Stunden sitzt sie da - bewegungslos. Ihre Haare sind mit den Haaren ihres Partners Ulay verknotet. Sie sitzen Rücken an Rücken. Sie verharren eine weitere Stunde. Publikum darf jetzt zuschauen. Die Performance "Relation in Time" wird gefilmt. Es ist Oktober 1977.

- Wozu überhaupt noch Demokratie? (Telepolis, 16.04.2014)
Eine Demokratie haben wir schon lange nicht mehr - Teil 29 
Seit Jahrzehnten geht es den Völkern nur noch schlechter. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Das politische System der entwickelten repräsentativen Demokratien verschwendet massenhaft Ressourcen. Die politische Kaste verbraucht für sich selbst große Geldmengen und verantwortet eine immense Fehlleitung von Steuereinnahmen und eine immense Staatsverschuldung. Die Zeche zahlt die Bevölkerung. Das Herrschaftssystem ist nur noch formal eine Art Demokratie. Das "Schrumpfen der Mittelschicht", die "Erosion des Leistungsprinzips" und die "Refeudalisierung" der Gesellschaft sind Standardthemen der Soziologie demokratischer Länder. Was hat die vermeintliche Volksherrschaft dem Volk gebracht? Ein in reinen Formalismen erstarrtes politisches System, in dem das Volk nichts zu sagen hat und das in Wahrheit eine Herrschaft über das Volk darstellt, hinter deren scheindemokratisch polierter Fassade soziale Ungerechtigkeit, Chancenungleichheit, Armut und soziales Elend sich ständig und unaufhaltsam weiter ausbreiten. Dem breiten Volk in allen entwickelten Demokratien geht es von Jahr zu Jahr immer schlechter.

- Der Pranger kommt im Internetzeitalter wieder (Telepolis, 15.04.2014)
Eine Ausstellung in Berlin wirft die Frage auf, ob ein juristisches Verbot von Hygienelisten im Internet nicht auch ein Beitrag zum Kampf gegen eine überwachte Gesellschaft ist 
"Außer Kontrolle - Leben in einer überwachten Welt" lautet der Titel einer Ausstellung, die im Museum für Kommunikation in Berlin zu sehen ist. Der Besuch lohnt sich, gerade weil sie sich nicht auf die Themen NSA und Snowden fixiert, die beim Titel der Ausstellung zu erwarten gewesen wären. Die Ausstellung richtet vielmehr den Fokus auf die Aspekte einer überwachten Gesellschaft, die in der aufgeregten Diskussion der letzten Monate oft zu kurz kamen.

- Crowdfunding-Projekt: "Krautreporter" finden genügend Unterstützer (SPIEGEL Online, 13.06.2014)
Das Online-Magazin "Krautreporter" wird an den Start gehen: Am letzten Tag der Crowdfunding-Phase konnte das bisweilen scharf kritisierte Projekt sein Minimalziel von 15.000 Abos erreichen. 
"Der Online-Journalismus ist kaputt. [...] Wir kriegen das wieder hin": Mit vollmundigen Thesen und Versprechen wie diesen hat ein Team aus 28 Journalisten für das Crowdfunding-Projekt "Krautreporter" geworben. 15.000 Unterstützer wollte die Gruppe binnen eines Monats gewinnen, für ein werbefreies Online-Magazin. Man wolle die Geschichten hinter den Nachrichten erzählen, heißt es auf der Projektwebsite.

- Die Muskeln spielen lassen (der Freitag, 15.06.2014)
Maskulines Zeitalter Nach einem Jahrhundert Weltgeschichte ist der männliche Politiker zurück. Er annektiert die Krim, oder verbietet Twitter und Youtube. Und der Westen hat ihn geschaffen 
Im Kreml mimt Putin den kompromisslosen, starken Mann und Erdogans Vorgehen gegen seine innenpolitischen Gegner erreicht seinen bisherigen Zenit auf der Radikalitätsskala. Während westliche Medien und Politiker sich empören, sind beide in ihren Ländern so beliebt wie nie zuvor.

- Uups, I did it again (der Freitag, 15.06.2014)
Rezension Gesellschaftskritik getarnt als Pop-Konzert: Der queere New Yorker Performance-Künstler Neal Medlyn analysiert das Medienphänomen Britney Spears

- Worte, immer nur Worte (der Freitag, 16.06.2014)
Trauma In „The Unknown Known“ rechtfertigt Donald Rumsfeld den Krieg. Ein Veteran hat sich die Dokumentation angetan

- Ein Mann von gestern (der Freitag, 16.06.2014)
Veto Der Friedenspreis für Jaron Lanier ist keine gute Idee. Der Philosoph ist gegen das offene Netz und die Rolle des Staates interessiert ihn nicht

- Obamas persische Option (der Freitag, 15.06.2014)
Irak Die USA und Iran stehen plötzlich in einer Abwehrfront gegen den dschihadistischen Aufmarsch vor Bagdad. Muss die Geschichte der Anti-Terror-Kriege umgeschrieben werden?
siehe dazu auch:
   - »Der größte Einzelerfolg der CIA« (01.05.2012)
   - »Zeichen der Unfreiheit in unserer freien Welt« (01.05.2012) 
   - Iran und die Atombombe (24.12.2012)
   - Iran – »Der Atomkonflikt ist nur ein Vorwand« (27.02.2013)
 

Sonntag, 15. Juni 2014

Wie gehen wir mit gemachter Realität um?

Letztes Jahr habe ich in zwei Posts
   - Wir geben ihnen Macht 1 (14.03.2013) und
   - Realität ist, was wir glauben wollen (29.08.2013)
versucht, das Phänomen von individuellen und gesellschaftlichen Realitätskonstruktionen,  die daraus resultierenden (Macht-) verhältnisse und deren Interaktion zu umreißen. Dabei betonte ich das Bedürfnis von Menschen, bestimmte Dinge zu glauben, das sich mit dem Bedürfnis der Herrschenden, bestimmte Vorgänge auf eine bestimmte Art und Weise darzustellen, verschränkt. 
In meinem Post 
   - Der Ukraine-Konflikt 2 – Über unterschiedliche Meßlatten und die Verwendung von Sprache (21.03.2014) habe ich über die Funktion der Sprache bei der Herstellung von Realität (bzw. Realitätsvorstellungen) geschrieben.
Vor drei Jahren habe ich in meinem Post
   - Körper und Ich-Bewußtsein: Rubber Hand Illusion (18.03.2011) über unsere biologische Programmierung geschrieben, die darauf abzielt, aus der Gleichzeitigkeit bestimmter körperlicher und optischer Sensationen ein Ich-Gefühl entstehen zu lassen.


Versuch einer kurzen Erklärung des Unterschiedes zwischen innerer und äußerer Realität:
Wir machen uns Bilder von äußeren Objekten (also in diesem Fall
das Pärchen vor der Kiste).Die Gesamtheit aller dieser inneren Bilder
(oder Objekte – symbolisiert durch die Playmobil-Figuren) ist die innere Realität

Daß es einen Unterschied zwischen innerer und äußerer Realität gibt, macht folgender Selbstversuch schnell und eindringlich klar:


selective attention test [1:21] (mehr auf the invisible gorilla)

Hochgeladen am 10.03.2010
The original, world-famous awareness test from Daniel Simons and Christopher Chabris. Check out our book and website for more information (www.theinvisiblegorilla.com)

Das Phänomen, um das es in diesem Fall geht, nennt man selektive Wahrnehmung

Aufmerksamkeit - Der unsichtbare Gorilla [4:52]

Veröffentlicht am 20.03.2012
In dem Artikel "Die Macht der Aufmerksamkeit oder wie man zum Superhuman wird" auf meinem Blog http://www.got-big.de/Blog/?p=10741 beschreibe ich die Möglichkeiten von gezielter Aufmerksamkeit im Sport, beim Muskelaufbau und Abnehmen.

Das Buch "Der unsichtbare Gorilla" kannst du bei Amazon kaufen:
http://tinyurl.com/6q3dsbr

Vielen Dank an http://www.youtube.com/user/piperverl... für das Video.

zum selective attention test siehe auch:
- Selektive Wahrnehmung (Post, 01.07.2011)

Stefan Treue: Wie sehen wir die Welt? [50:39]

Veröffentlicht am 14.08.2015
Kaum etwas könnte alltäglicher sein, als das Sehen. Doch was uns so ins Auge fällt, wird gefiltert, verstärkt und umgeformt – Sehen ist ein aktiver Prozess. Und Aufmerksamkeit der Selektionsmechanismus.

Ein Vortrag aus der Veranstaltungsreihe "Hirnforschung, was kannst du? Potenziale und Grenzen" von Gemeinnütziger Hertie-Stiftung und Frankfurter Allgemeinen Zeitung.


Sie dürfen den Inhalt zu den folgenden Bedingungen vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen, sowie Abwandlungen und Bearbeitungen des Inhaltes anfertigen (cc -- by nc):
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2.) Keine kommerzielle Nutzung -- Dieser Inhalt darf nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden.

Alleine schon unser physiologischer Wahrnehmungsapparat kann getäuscht werden:

10 Mind Blowing Optical Illusions {3:58}

Veröffentlicht am 05.03.2015
Amazing Optical illusions that will tease your brain
Subscribe to our channel: http://goo.gl/9CwQhg

Flat 3rd Dimension and Following eyes video by Brusspup
Includes footage produced by the Royal Institution https://www.youtube.com/watch?v=EOeo8...


Description:
One of the most fascinating organs in our body is the human brain. You could say that it is central control, or headquarters for our body. Without our brain, we are not alive. The brain is where our consciousness lives and our memories are preserved. If we are considered “brain dead”, then the plug gets pulled on our life support. It is a complex organ of fatty tissue, and the brain helps us process different kinds of information through our five sense. Using our nose, the brain can tell us whether we are experiencing a pleasant smell or something foul. With our ears, the brain can help us process the noises we are hearing and be able to tell the difference from language to noises. With our mouth, the brain helps us figure out whether the food we are eating is good for us and not poisonous. Finally, with our eyes, the brain helps us process the information we are seeing visually. Our brain and our eyes have a beautiful relationship by letting us see colors, nature, people, and more, along with associate these visions with emotions. With such wondrous capabilities, it can be easy to just assume and trust that what our eyes are telling us is true. Well, not exactly.
In the last several centuries, optical illusions have been playing tricks with our brain and causing us to question what is real and what is fiction. Optical illusions can be created by Mother Nature, or they can be manmade, thus creating an entire art dedication to optical illusions and messing with our brain and everything that we know about the world around us. With the innovation and evolution of optical illusions, we are now getting confused more often than ever before! People have even dedicated their lives and support themselves from creating their own optical illusions. These artists even get a kick from us stepping on their painting and thinking that we are about to descend into a multiple story fall, but instead, our foot remains on solid ground.
This video has ten of the most mind blowing optical illusions. They are so crazy that you would think that they were simply a trick of the camera or computer. What makes these optical illusions extra special is the fact that they play with your perception using colors, angles, light, shapes, sizes, and more. Our eyes have been conditioned and groomed to see certain things by the way the light hits an object, or by the way and angle is seen by our eyes. Reality can be manipulated so many ways by a simple tilt of the head or a beam of light, or a splash of color. By breaking down why you are seeing the optical illusion in the first place, we can start descending upon the bridge of understanding. Probably one of the most unsettling things about optical illusions is that the seed of doubt can bleed over to our normal everyday lives and cause us to question everything by just looking outside.
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Je höher der Anteil an zerebralen Interpretationsvorgängen an der Wahrnehmung, desto größer sind die Manipulationsmöglichkeiten.
Wie mit unterschiedlichen Realitäten gespielt werden kann, sieht man im folgenden Video: Der Witz entsteht für den Zuschauer dadurch, daß die »Opfer« in den gezeigten Szenen die durch das Kamerateam erzeugten Realitäten nicht zu durchschauen vermögen – im Gegensatz zum Zuschauer.

Just For Laugh- Top 10 funny pranks.3gp


Veröffentlicht am 06.04.2012
just for laugh

Im ersten Beispiel, dem mit der selektiven Aufmerksamkeit, stellen wir selbst eine bestimmte innere Realität her, indem wir etwas nicht bemerken, weil wir auf etwas anderes achten. In unserer durch unsere Fokussierung beeinflussten inneren Realität existiert der Gorilla nicht. 
Das letzte Video stellt Situationen dar, in welchen die »Opfer« keine Chance haben, da die tatsächliche Realität so manipuliert wird, daß die Opfer sie nicht durchschauen können.

Als ich mich vor vierzig Jahren das erste Mal mit der Einsteinschen Relativitätstheorie befaßte, war die beeindruckenste Tatsache, mit der ich mich gedanklich anzufreunden hatte, die, daß es keine absolute Geschwindigkeit gibt. Es gibt – abgesehen von der Lichtgeschwindigkeit – überhaupt nichts Absolutes: weder eine absolute Länge, noch eine absolute Masse, noch eine absolute Zeit. Alle diese Größen hängen vom zugrundegelegten Bezugssystem ab. 

Wenn sich Raumschiff A und Raumschiff B im Weltall da draußen begegnen, läßt sich nicht feststellen, mit welcher Geschwindigkeit sich das eine oder das andere bewegt. Die Geschwindigkeit muß immer auf etwas bezogen sein. Es gibt kein das gesamte Weltall umspannendes Koordinatensystem. Ist die Geschwindigkeit, mit der sich die beiden Raumschiffe zueinander bewegen, hinreichend groß, dann erscheint Raumschiff B aus der Sicht von Raumschiff A 199 Meter lang, während die Konstruktionszeichnungen des Raumschiffes B eine Länge von 200 Metern zeigen. Daraus folgt dann auch eine unterschiedliche Wahrnehmung der Massen: Die Konstruktionspläne von Raumschiff B sagen: unser Raumschiff hat eine Masse von 20.000 Tonnen. Von Raumschiff A aus gemessen, hat Raumschiff B aber eine Masse von 20.100 Tonnen. Beide Raumschiffe würden, wenn sie mit ihren Meßsystemen dazu in der Lage wären, zu der Feststellung kommen, daß die Zeit in dem jeweils anderen Raumschiff langsamer abläuft. – Und beide hätten recht. (Die entsprechenden Videos kann man sich auf youtube ansehen.)


 

Meinem vierzig Jahre alten Tagebuch habe ich folgende Zitate entnommen:


»Ich denke nicht, daß wir im Unrecht waren, als wir ihnen dieses große Land wegnahmen. Es gab eine Unmenge von Leuten, die Land brauchten, und die Indianer waren so eigennützig zu versuchen, es für sich behalten zu wollen.« (John Wayne)
»Realität ist das, was entschlossene Menschen daraus machen. Für uns gibt es keine Chance, in einem fremden System zu überleben. Nur unser System funktioniert für uns und kein anderes, und wir haben ein Recht auf unser System. Jeder hat das Recht, nach seinen eigenen Vorstllungen zu leben. Wir bestehen auf diesem Recht bis zum Ende. Wir werden nicht aufhören zu kämpfen, bis wir unsere eigene Realität gewonnen haben.« (Jimmie Durham)
»Menschenrechte sind materiell begründete Rechte, die keine karitative oder religiöse Wurzel haben. Menschenrechte sind kein zeitlos gültiger Grundwert.« (Hermann Klenner, Präsidiumsmitglied des DDR-Kommitees für Menschenrechte)
»Wie gut es uns heute auch gehen mag und wie hoch wir auf der Erfolgsleiter geklettert sein mögen: In unserem Innersten tragen wir der Gesellschaft, die uns kulturellen und zivilisatorischen Fortschritt beschert hat, immer noch nach, daß wir nicht mehr ohne wieiteres emotional, spontan und unter Gleichen leben können.« (Prof. Karl Otto Hondrich in der ZEIT)
»Das gegenwärtige Problem scheint weniger das eines Rebellierens gegen einen etablierten und bekannten Kodex als das eines Herumtappens in einer Situation mit fast unbekannten Grenzen zu sein.« (David Truman, Columbia University in Vance Packard, Die sexuelle Verwirrung)
mein sohn fragt:warum bin ich auf der Welt? ich antworte:es hat uns an einem arzt gefehlt, der antibaypillen verschreibt deshalb bist du auf der welt bei unsam linken niederrhein (Peter-Paul Zahl)
»Das Leben ist nicht säuberlich, ihm ist nicht beizukommen. Es ist nur möglich, Stückchen zu isolieren und dann wieder zusammenzusetzen… und ein Mosaik herzustellen, daß, wenn man Glück hat, dem Original nicht zu unähnlich ist.« (Ludwig Marcuse, Nachruf auf L. M.)
»Wenn der Betrachter findet, daß meine Bilder dem gesunden Menschenverstand Hohn sprechen, wird er sich einer offensichtlichen Tatsache bewußt. Ich möchte aber trotzdem hinzufügen, daß für mich die Welt ein Hohn auf den gesunden Menschenverstand ist.« (Magritte, siehe auch »Bewältigungsstrategien von Kindern psychisch kranker Eltern am Beispiel des surrealistischen Malers René Magritte«, 11.06.2008)

Ich kann mich noch daran erinnern, daß, wenn ich in das Wohnzimmer meiner Großmutter zum Krimigucken kam, sie nach einigen Minuten fragte: »Ist das der Böse?«

Wir Menschen benötigen Kategorien, um uns orientieren zu können.

Genauer gesagt: Wir benötigen Kategorien, um die zu leistende Orientierungsarbeit auf ein »vernünftiges« (oder erträgliches) Maß reduzieren zu können.

In Opposition zu den wohl meisten gebildeten Menschen bin ich der Meinung, daß es außer uns hier auf der Erde keine intelligenten Wesen im Universum gibt. Und wenn doch, dann sind sie so weit weg, daß wir nie mit ihnen in Kontakt kommen werden. (Bei dem Müll, den wir im Orbit, auf dem Mond und auf dem Mars zurücklassen, ist das vielleicht gar nicht so schlecht.) Die Verhältnisse auf der Erde (und während ihrer Entstehungsgeschichte) sind dermaßen unwahrscheinlich und ungewöhnlich, daß mir das nicht wiederholbar erscheint. Die beiden wichtigsten Faktoren für die Entstehung intelligenten Lebens sind die natürliche Radioaktivität und die hinreichende Stabilität der Umweltbedingungen. 


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Das heute weithin anerkannte Modell zur Entstehung des Mondes besagt, dass vor etwa 4,5 Milliarden Jahren ein Himmelskörper von der Größe des Marsnahezu streifend mit der Protoerde kollidierte. Dabei wurde viel Materie, vorwiegend aus der Erdkruste und dem Mantel des einschlagenden Körpers, in eine Erdumlaufbahn geschleudert, ballte sich dort zusammen und formte schließlich den Mond. Der Großteil des Impaktors vereinte sich mit der Protoerde zur Erde. Nach aktuellen Simulationen bildete sich der Mond in einer Entfernung von rund drei bis fünf Erdradien, also in einer Höhe zwischen 20.000 und 30.000 km. Durch den Zusammenstoß und die frei werdende Gravitationsenergie bei der Bildung des Mondes wurde dieser aufgeschmolzen und vollständig von einem Ozean aus Magma bedeckt. Im Laufe der Abkühlung bildete sich eine Kruste aus den leichteren Mineralen aus, die noch heute in den Hochländern vorzufinden sind. []

Im November 2005 konnte eine internationale Forschergruppe der ETH Zürich sowie der Universitäten Münster, Köln und Oxford erstmals die Entstehung des Mondes präzise datieren. Dafür nutzten die Wissenschaftler eine Analyse des Isotops Wolfram-182 und berechneten das Alter des Mondes auf 4527 ± 10 Millionen Jahre. Somit ist er 30 bis 50 Millionen Jahre nach der Herausbildung des Sonnensystems entstanden.[12] [Mond, Entstehung des Mondes, Wikipedia, abgerufen am 21.08.2017]
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Ein biologisches System, dem die Umweltbedingungen Zeit lassen, kann ausprobieren und darf Fehler machen. Je schneller sich die Umweltbedingungen ändern, desto mehr gerät das biologische System unter Druck: die Anzahl signifikanter unterschiedlicher Veränderungen im Vergleich mit der Veränderungs-Geschwindigkeit nimmt ab, die Anzahl der ausprobierbaren Möglichkeiten und die Fehler-Toleranz sinken. (Zum Beispiel war die Entwicklung von Federn bei Dinosauriern erst einmal eine morphologische Variante, die zum Überleben nicht notwendig war.)

Je älter ich werde, desto mehr Gewicht messe ich dem Faktor Stabilität bei. Stabilität war nicht nur für die Entwicklung höher organisierten Lebens auf unserem Planeten wichtig. Stabilität ist auch für die psychische Entwicklung des Menschen wichtig. Und ich habe seit dem Fall der Berliner Mauer zunehmend den Eindruck, daß die uns umgebende gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Welt immer instabiler wird. Und das betrifft jeden Einzelnen von uns. Die uns umgebende Technologie, die ja mit der größeren Bequemlichkeit beworben wird, zieht uns in eine prekäre Abhängigkeit hinein, und jeder Einzelne muß sich immer mehr Gedanken darum machen, wie er mit seiner elektronischen Verbundenheit mit dem umgebenden gesellschaftlichen System umgehen will. Früher hat mein Vater auf dem Weg zur Schule vor der Sparkasse angehalten, und ich bin aus dem Auto ausgestiegen und habe ein oder zwei Überweisungsformulare in den Briefkasten geworfen. Heute ändern sich die Bedingungen für das Online-Banking alle drei bis vier Jahre. (Bis ich mich dann mit PIN und TAN oder s-TAN und m-TAN oder Chipkarte angefreundet habe, ist die nächste Veränderung da.) Ich muß, damit ich meinen Beruf ausüben kann, alle zwei Jahre spätestens ein System-Update durchführen, nach welchem dann ein oder zwei Computerprogramme oder ein oder zwei Hardware-Komponenten (dieses Jahr waren es die Maus, der Scanner und das Fax-Modem) den Dienst verweigern. Und wenn ich dann ein Programm-Update eingespielt habe, muß ich einiges an Energie investieren, um herauszufinden, wie Sachen, die bis gestern noch problemlos funktionierten, in der neuen Programm-Version organisiert sind. Alles schöner, besser, einfacher? Pustekuchen!

Ich mache mir Sorgen. Sorgen einmal, weil ich das Gefühl habe, ich komme allmählich nicht mehr mit. (Meine Lust mitzukommen wird ebenfalls weniger.) Aber das ist meine ganz private Angelegenheit. Sorgen mache ich mir vor allem darüber, was das alles mit unseren Kindern macht. Als ich 17 war, gab’s in meiner Schulklasse heiße Diskussionen um das Mißtrauensvotum gegen Willy Brandt. Meinen Kindern sind politische Dinge ziemlich egal. Und ich bin mir nicht mehr sicher, ob das gut oder schlecht ist. Möglicherweise (oder sogar wahrscheinlich) sind die ganzen Heimlichkeiten, Machtspiele und Intrigen, die in Politik, Wirtschaft und Medien vor sich gehen, schon immer so gewesen, wie sie sie jetzt immer mehr offenbar werden. Daß Brandt auf seinen Wahlkampf-Tourneen das Konzept der Polyamorie schon mal testete und das Mißtrauensvotum gegen ihn scheiterte, weil mindestens zwei Abgeordnete bestochen worden waren, habe ich erfahren, als Brandt längst tot war. Daß Giscard d’Estaing von Kaiser Bokassa wertvolle Diamanten geschenkt bekommen hatte und sein Neffe der größte Großgrundbesitzer in Zentralafrika ist (dazu konnte ich keine Quellen finden, das hat mir ein französischer Freund erzählt), habe ich erst vor etwa einem Jahr erfahren.


Paul Valéry schrieb: »Macht ohne Mißbrauch verliert an Reiz.« Die Möglichkeiten, die öffentliche Meinung zu beeinflussen sind heutzutage andere als vor 50 Jahren. Als Intellektueller sollte man sich natürlich informieren. Aber: Die Einflußnahme auf die öffentlich-rechtlichen Medien sind heute aus meiner Sicht intensiver und subtiler als vor 50 Jahren. Ich kann mir nicht vorstellen, daß so etwas wie die SPIEGEL-Affäre heute noch passieren würde: welcher Zeitungs-Herausgeber würde es heutzutage noch mit der Regierung aufnehmen?


Siehe die Krise um die Ukraine: ist Putin böse und tritt Völkerrecht und Menschenrecht mit Füßen? (So der Tenor der westlichen Mainstream-Berichterstattung) Oder ist er in eine Situation gedrängt worden, in der er kaum noch Spielraum hatte? (Das ist eher die Sichtweise der sogenannten Putin-Versteher. Wenn wir hier anfangen, von Obama-Verstehern zu reden, fängt’s an spannend zu werden.) Und wenn ja: wer hat ihn gedrängt? Die Kaste der Oligarchen des militärisch-industriellen Komplexes in den USA unter zuhilfenahme des blauäugigen alten Europas, das trotz zunehmender Erodierung der Sozialsysteme, trotz immer weiter auseinanderklaffender Schere zwischen arm und reich noch an Freiheit und Demokratie glaubt? Oder war es die Kaste der ukrainischen Oligarchen, die, um am Futtertrog weiterhin ganz vorn mitfressen zu können, Russland und den Westen gekonnt gegeneinander ausgespielt hat?

Übrigens hat der Geschichtslehrer meiner Tochter angekündigt, zu erklären, weshalb Putin ein kleiner Hitler ist. Ich weiß noch nicht, ob ich reagieren und wie ich mich verhalten soll…

Was soll ich vom Journalisten halten, der in den Nachrichten den zugeschalteten Interview-Partner zu bestimmten Aussagen drängen will? (Klaus Kleber – Siemens Vorstandschef Joe Kaeser ZDF info) Oder von der Moderatorin einer Kultursendung, die das Interview kurzerhand beendet, wenn ihr die Antworten des Interview-Partners nicht passen? (Tina Mendelsohn – Bazon Brock, 3sat)


Zurück zu unseren beiden Raumschiffen: Wir müssen uns wohl oder übel eingestehen, daß es kein das gesamte Universum umfassendes Bezugssystem gibt: Was für mich eindeutig eine bestimmte Länge, eine bestimmte Geschwindigkeit und eine bestimmte Zeit ist, ist für jemanden, der sich mit einer genügend hohen Geschwindigkeit relativ zu mir bewegt, anders. Hier entstehen zwei nebeneinander bestehende Realitäten, die gleichberechtigt sind.



»Die wichtigste Lektion der jüngsten Geschichte ist meiner Meinung nach – ich wiederhole es und werde es wiederholen, solange ich lebe – ganz einfach, obwohl sie schwer zu befolgen ist. Die Lektion heißt: Wahrheit und Toleranz. Heute sind Wahrheit und Toleranz keine idealistischen Träume mehr, sie sind lebensnotwendig und unentbehrlich, eine condition sine qua non. Ohne sie wird alles Leben auf Erden zugrunde gehen. Vorbehaltlose Wahrheit und bereitwilligste Toeranz, Menschenliebe, die alle Arten von Haß und Feindseligkeit überwindet: Sie sind unerläßlich, wenn die Menschheit am Leben bleiben will.« (Lew Kopelew, Autor von »Aufbewahren für alle Zeit«)

»Die Menscheit ist an sich immer vollständig, niemand fehlt ihr, und sie wartet auch auf keinen. Sie wird weiter nichts zustande bringen, dieselben Menschen werden sich dieselben Fragen vorlegen und dasselbe Leben verpfuschen.« (Jean-Paul Sartre, Der Aufschub)

Wie soll ich mit Situationen umgehen (Irak- oder Afghanistan-Krieg, Euro-Rettungsschirm, transatlantisches Freihandelsabkommen, Ukraine-Konflikt), in welchen gezielt Falschinformationen lanciert oder Informationen unterdrückt werden und in denen der Sprachgebrauch normiert erscheint: »Euro-Maidan-Bewegung gegen prorussische Separatisten«? 

Wie werden unsere Kinder mit einem gesellschaftlichen Umfeld umgehen, in welchem es immer mehr Informationen und keinen Brockhaus mehr gibt? Man denke an die Bedeutung (Die "Enzyklopädie des Wissens" – 1751 - 1780 , Deutsche Welle, Datum unbekannt) der Enzyklopädisten für die Aufklärung)? 


Wie gehen Menschen mit ihrer gesellschaftlichen Umgebung um, wenn sie nicht mehr richtig mit der Hand schreiben können, sich kaum noch bewegen und immer fetter werden? (Handschrift bei Kindern stirbt aus, heise online New, 14.06.2014)


Realität, um auf den Post-Titel zurück zu kommen, wird nicht nur durch den Perzipierenden sondern auch durch Medien hergestellt – über die wir alle unsere Informationen beziehen. Realität wird hergestellt durch Medien, die nicht nur informieren sondern auch interpretieren und werten. Und auf die Informationen vermittelnden Medien suchen Interessengruppen Einfluß zu nehmen. Angesichts der hysterischen Stimmung in den USA nach 9/11 mit speziellen Gesetzen und medialer Selbstzensur (Ein anderes Amerika und Lieder mit fraglichem Inhalt, 11.10.2009) und der Berichterstattung zum Ukraine-Konflikt muß ich mich fragen, wie stabil und verläßlich der sich freiheitlich-demokratisch nennende Westen mit den von ihm propagierten Werten umgeht und welches Gewicht diese Werte in der Realitätsgestaltung noch haben. 


Wir haben eine westliche Supermacht, die lügt, wenn es ihr in den Kram paßt – sei es der Tonkin-Zwischenfall, seien es die nicht existierenden Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein –, die Völkerrecht (z.B. Operation Ajax 1953 [Iran] oder Project FUBELT 1970-73 [Chile] und jetzt Drohnen-Angriffe in Pakistan) und Menschenrechte ständig verletzt (siehe Church-Kommitee 1975, Geheimgefängnisse, Guantanamo), die andererseits aber sehr schnell dabei ist, Russland dieser Verletzungen anzugklagen. Man stelle sich vor, welch ein Aufschrei durch unsere Medienlandschaft ginge, würde Russland mit gefälschten Beweisen einen Krieg anzetteln, der anderthalb Millionen Tote kostet (Quelle: IPPNW, 18.03.2013).


Unsere innere Realität (Der Ukraine-Konflikt 2 – Über unterschiedliche Meßlatten und die Verwendung von Sprache, 21.03.2014) wird hauptsächlich beeinflußt durch die medial vermittelten Informationen (und Interpretationen) und die Interpretationsprozesse, die in unserem Geist ablaufen. Dabei macht es prinzipiell kaum einen Unterschied, wenn ich der Meinung bin, Homosexualität bedeute eine Gefahr für die Volksgesundheit (siehe den Wikipedia-Artikel über den § 175), ob ich die Evolutionslehre ablehne (Kreationismus), an Levitation oder Steuerung von Styroporbällchen durch Gedankenkraft (Realität ist, was wir glauben wollen (29.08.2013) oder an Freiheit und Demokratie der westlichen Staaten glaube. 


Wir kennen die Realität nicht (Konstruktivismus), und das ist etwas, was wir aushalten müssen. Unsere Welt ist nicht so geordnet und stabil, wie uns die Medien das glauben machen wollen und wie wir uns dies wünschen. Wenn man sich dies aber klar macht, muß man sich entscheiden, wie intensiv man sich bemüht, Informationen zu erhalten und von wo man sie bezieht und an welchem Punkt man zu arbeiten versucht. Und wenn man da draußen keine Stabilität zu finden imstande ist, wäre es vielleicht Zeit, sich um ein stabilisierendes Verhalten im Innern zu kümmern.


Vielleicht geht es aber auch gar nicht um Realität, vielleicht geht es nur um Realitätsunterschiede (siehe oben, Beispiel mit Raumschiff A und B). Vor einigen Jahren war ein Paar zum Zweiergespräch bei mir. Die Frau warf dem Mann vor, jede Nacht auf dem Weg zur Toilette an die Bettkante zu stoßen und sie wach zu machen. Der Mann beteuerte empört, dies geschehe höchstens einmal in der Woche. Völlig unmöglich, die Realität herauszufinden… Im Nachhinein weiß ich, daß, wenn Paarkonflikte an diesem Punkt angelangt sind, es nur noch um um den Schutz des eigenen Interpretationssystems (es ist eigentlich das elterliche, mit dem man sich identifiziert) geht…


Enttäuschung wird allgemein und spontan als etwas Negatives empfunden, als eine Ungerechtigkeit, die uns widerfahren ist, als ein Wermutstropfen im ohnehin schon bitteren Leben. Die Sprache ist anderer Meinung. Denn »ent-« ist ein Privativ, wie man das nennt – wer seine Kleider ablegt, ent-kleidet sich, wer den Mut verliert, ist ent- mutigt, und Kirschen ent-kernen wird, bevor wir Marmelade daraus machen – , und gerade dies sollte uns im Falle der »Enttäuschung« doch eher trösten. Was hat der Enttäuschte denn zu beklagen? Daß er einer holden Täuschung erlegen war und nun die Dinge etwas klarer und wahrheitsnäher sieht? Genau da scheint jedoch die Schwierigkeit zu liegen...: »Es ist manchmal schwer, jemanden zu enttäuschen, weil er Illusionen braucht.« Man täuscht sich eben nur allzu gern über Tatsachen hinweg, will also dann folgerichtig nicht ent-täuscht werden, ist es aber gerade deshalb immer wieder ... und klagt. Der Enttäuschte, sagt die Sprache, ist um eine Täuschung ärmer, um eine Wahrheit reicher. Wer wollte da klagen?  [aus Waltraud Legros, Was die Wörter erzählen, dtv, München, 1998] 

Das Einzige, was bleibt, ist die Bewußtmachung. Immer und immer wieder müssen wir uns klar machen, welche Informationen von wem wie vermittelt werden und wie wir selbst mit Informationen umgehen (heißt: welche Gefühle, Gedanken und Phantasien durch den Erhalt dieser Informationen bei uns hervorgerufen werden). Uns klar machen, daß wir in technologischen und wirtschaftlichen Verhältnissen leben, die uns dazu animieren, uns immer stärker mit unserer Gesellschaft, in der wir leben, zu verknüpfen und uns immer wieder klar machen, daß wir in einer Welt leben, die sich ständig ändert: Pantha rhei! Wir sind nicht die Guten, und die Anderen sind nicht die Bösen. Und was uns aufeinander und gegeneinander treibt, sind unsere Angst vor Orientierungs- und Identitätsverlust und die egoistische Gier der Machthaber. Und diese Tatsachen gilt es erst einmal auszuhalten und näher kennen zu lernen… 

Manfred Spitzer: Entscheidungen im Ausnahmezustand -- Was unser Gehirn kann und was nicht [50:19]

Veröffentlicht am 16.07.2014
Überlastung mit Informationen, Dauerstress, Multitasking? Dies sind nur drei Stichworte, die heute unseren ganz normalen Alltag beschreiben. Sind wir dem überhaupt gewachsen? Was kann unser Gehirn leisten und was kann es nicht leisten? Ausgehend von neuen
Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung zu menschlicher Kommunikation, zu Stress und zur Informationsverarbeitung im Gehirn wird den praktischen Konsequenzen aus diesen Einsichten für die Alltagspraxis nachgegangen -- mit zum Teil sehr überraschenden Ergebnissen: Menschen sind einerseits weitaus
besser als ihr Ruf, können andererseits jedoch in mancherlei Hinsicht deutlich weniger als ökonomische Entscheidungsträger annehmen.

von Manfred Spitzer siehe auch:
Soziale Ansteckung (Editorial in der Zeitschrift Nervenheilkunde, Nr. 5/2017)
Leider gibt es für diese Verhältnisse keine schnelle Lösung. Der erste Schritt wäre somit, erst einmal die passenden Fragen zu stellen

Und dann kann man sich ja einmal mit der nicht-militärlischen Auslegung des Dschihad-Begriffes auseinandersetzen: 

Wie wäre es mit folgender Kurzübersetzung: »kontinuierliches Ringen um X«? 
Als Mohammedaner kann man dann für X »Allah« einsetzen, als Christ »Gott«, als Buddhist »Achtsamkeit«, als Kantianer vielleicht »Aufklärung«, als Eckhart-Tolle- oder Osho-Anhänger »das Hier und Jetzt«, als Journalist »Distanzierung« oder als Psychotherapeut »sich selbst« usw. 
(Man kann sich auch überlegen, um was ein Politiker oder ein Wirtschaftsboss kontinuierlich ringen sollten…)

siehe auch:

- «Schweigen ist eine gute Antwort» (Post, 04.12.2012)
- Ohne Frage keine Antwort – Baba Rampuri (Post, 21.10.2013) 
- Zen-Klöster in Deutschland, Deutsche im Zen-Kloster (Post, 31.05.2014)
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zuletzt aktualisiert am 21.08.2017