Freitag, 26. September 2014

Gorbatschow vs. Obama: Zwei Friedensnobelpreisträger in Rage

Moskau - Sie haben beide einst den Friedensnobelpreis erhalten. Michail Gorbatschow 1990 für seine Rolle im internationalen Friedensprozess, Barack Obama 2009 für seinen Einsatz für die Völkerverständigung. Doch jetzt lieferten sie sich einen wenig friedvollen Schlagabtausch. Ein Hauch Kalter Krieg weht dabei mit - auch wenn beide das abstreiten.

Gorbatschow verurteilte die USA am Freitag als "Fieber der Welt". Damit reagierte er auf eine Attacke Obamas am Mittwoch vor den Vereinten Nationen. Der US-Präsident hatte in seiner Rede von den größten internationalen Gefahren gesprochen - und dabei Russland und Ebola in einem Satz erwähnt. [nachfolgendes Video ab 1:50, Anmerkung von mir]

Obama UN Speech on ISIS SYRIA Militant Islam President Obama Addresses United Nation [38:22]

Veröffentlicht am 24.09.2014
'Obama UN Speech' 'Obama UN Speech' Obama UN Speech on ISIL ISIS SYRIA Militant Islam President Obama Addresses United Nation



Daraufhin erwiderte der frühere Sowjetpräsident nun: "Es gibt nur ein wesentliches Fieber auf der Welt - die USA und ihren Führungsanspruch." [Hervorhebung von mir] Dem russischen Radiosender RSN sagte er, "das ist kein politischer Dialog, sondern eine Beschimpfung".

mehr:

Gorbatschow über den neuen Kalten Krieg (2014) [7:57]

Veröffentlicht am 22.09.2014
17 September 2014. Der sowjetische Ex-Präsident Michail Gorbatschow sieht die Welt an einem Wendepunkt der Geschichte. Im Exklusiv-Interview mit der «Rundschau» äussert er sich zum neuen Konflikt zwischen dem Westen und Russland. Schweizer Fernsehen SRF vom 17.9.2014. Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=sVSFZ...

siehe auch:
- Wer hat recht? (Psychoblog, 27.09.2014)

Was mich bei den Recherchen zum Post über die Chruschtschow-Reise in die USA 1959 am meisten beeindruckt hat, waren die Schwierigkeiten beider Staatschefs, sich gegenüber den eigenen Generälen zu behaupten. (Erneut eine Berliner Krise und Bewaffnung und Entwaffnung in van den Berghe, Der Kalte Krieg 1917-1991, S. 203ff., googlebooks) 
In dem Zusammenhang erinnere ich an Eisenhowers Abschiedsrede 1961, in welcher er vor dem Einfluß des militärisch-industriellen Komplexes (den auch Gorbatschow in obigem Video anspricht – ab 4:35) warnte. (Der Ukraine-Konflikt 3 – Westliche Naivität oder westliche Machtpolitik?, Post vom 25.03.2014, 3. Video)


Donnerstag, 25. September 2014

Vor 55 Jahren – 15.-27. September 1959: Nikita Chruschtschow besucht die Vereinigten Staaten


Eisenhower & Khrushchev, New Diplomacy 1959/8/3 [1:56]

Hochgeladen am 15.09.2006
Ike special press conference, reads joint text, that Khrushchev has accepted invitation to visit U.S., and Ike will visit USSR (partial newsreel).


Genau zwei Jahre nach der Entsendung von 1000 Soldaten, um neun schwarze Kinder beim Besuch einer bisher rein weißen Schule in Little Rock, Arkansas, vor der militant rassistischen Bevölkerung zu schützen…

The Little Rock 9 - Arkansas 1957 [9:56]

Hochgeladen am 24.03.2011

… trifft sich US-Präsident Eisenhower mit dem sowjetischen Regierungschef Chruschtschow. Dieser war nach dem Tod Stalins 1953 Erster Parteisekretär geworden (Heute vor 55 Jahren – 27. März 1958: Nikita Chruschtschow wird Regierungschef, Post, 27.03.2013), hatte in einer gewagten Geheimrede 1956 den Personenkult um Stalin und die damit verbundenen Verbrechen kritisiert, damit die Entstalinisierung eingeleitet und zahlreiche Gulags öffnen lassen. Gleichzeitig mußte er Stärke demonstrieren:

Soviets Crush Hungarian Revolt (1956) [2:12]

Veröffentlicht am 13.04.2014
Soviets Crush Hungarian Revolt (1956). A Day that Shook the World. On 4 November 1956, the popular Hungarian uprising against communist rule was ruthlessly crushed by Soviet forces.The brutality with which the revolt was crushed shocked the world, causing thousands of card-carrying communists in the West tear up their membership papers in protest. Hungary wouldn't taste freedom for 30 further years.
A Day That Shook The World is the classic series that recalls the days of the 20th century that proved to be era-defining and pivotal in the course of modern history.
90,000 historic films, all SEARCHABLE on Youtube at:
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Er vertrat das Prinzip der »friedlichen Koexistenz« und wollte den Kapitalismus vor allem wirtschaftlich besiegen. 

SPUTNIK 1 CBS NEWS SPECIAL REPORT ON TV, October 6 1957 [8:08]

Hochgeladen am 14.11.2011
The launch is October 4 1957, was launched during the International Geophysical Year from Site No.1/5, at the 5th Tyuratam range, in Kazakh SSR (now at the Baikonur Cosmodrome). The satellite travelled at 29,000 kilometers (18,000 mi) per hour, taking 96.2 minutes to complete an orbit, and emitted radio signals at 20.005 and 40.002 MHz[4] which were monitored by amateur radio operators throughout the world.[5] The signals continued for 22 days until the transmitter batteries ran out on 26 October 1957.[6] burned up on 4 January 1958, as it fell from orbit upon reentering Earth's atmosphere, after travelling about 60 million km (37 million miles) and spending 3 months in orbit.[7]INFO: WIKIPEDIA CUTS


Die Tatsache, daß die Sowjets schon 1957 den ersten Satelliten in die Erdumlaufbahn geschossen hatten, veranlasste 1962 Präsident Kennedy dazu, einen Flug zum Mond vor 1970 anzukündigen.

"We Choose To Go To The Moon" - John F. Kennedy [2:02]

Veröffentlicht am 22.06.2013
''But why, some say, the moon? Why choose this as our goal? And they may well ask why climb the highest mountain? Why, 35 years ago, fly the Atlantic? Why does Rice play Texas? We choose to go to the moon. We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard, because that goal will serve to organize and measure the best of our energies and skills, because that challenge is one that we are willing to accept, one we are unwilling to postpone, and one which we intend to win, and the others, too. We shall send to the moon, 240,000 miles away from the control station in Houston, a giant rocket more than 300 feet tall, the length of this football field, made of new metal alloys, some of which have not yet been invented, capable of standing heat and stresses several times more than have ever been experienced, fitted together with a precision better than the finest watch, carrying all the equipment needed for propulsion, guidance, control, communications, food and survival, on an untried mission, to an unknown celestial body, and then return it safely to earth, re-entering the atmosphere at speeds of over 25,000 miles per hour, causing heat about half that of the temperature of the sun--almost as hot as it is here today--and do all this, and do it right, and do it first before this decade is out--then we must be bold. ''
- President John F. Kennedy- Moon Speech - Rice Stadium - September 12, 1962


Zurück zu Chruschtschow: Wenige Monate vor seiner USA-Reise, am 24. Juli 1959, war er auf der Amerikanischen Nationalausstellung in Moskau mit Richard Nixon in für Politiker sehr ungewöhnlichen Küchendebatte aneinandergeraten.

Nixon vs. Khrushchev - The Kitchen Debate (1959) [7:38]

Hochgeladen am 09.02.2010
The Kitchen Debate was a series of impromptu exchanges (through interpreters) between then U.S. Vice President Richard Nixon and Soviet Premier Nikita Khrushchev at the opening of the American National Exhibition at Sokolniki Park in Moscow on July 24, 1959. For the exhibition, an entire house was built that the American exhibitors claimed anyone in America could afford. It was filled with labor-saving and recreational devices meant to represent the fruits of the capitalist American consumer market.
http://en.wikipedia.org/wiki/Kitchen_...


- Nixon gegen Chruschtschow – Kalter Krieg in der Küche (SPIEGEL Online, 22.07.2009)

- Heute vor 55 Jahren – 24. Juli 1959: Nixon und Chruschtschow führen »Küchendebatte« (Post, 24.07.2014)

Heute also vor 55 Jahren trafen sich die beiden wichtigsten Politiker der beiden miteinander konkurrierenden Systeme in Camp David. (Anläßlich dieser Begegnung wurde der Begriff »Geist von Camp David« geprägt.)
- Eisenhower bekam 1959 Besuch aus Moskau (Berliner Zeitung, 24.09.1994)
- Staatsbesuch beim Klassenfeind (Deutschlandradio Kultur, 15.09.2009)
Chruschtschow und Eisenhower beschlossen für Mai des darauffolgenden Jahres eine Konferenz auf höchster Ebene in Paris. (»Ike«, wie der damals beliebteste Amerikaner genannt wurde, mochte Chruschtschow überhaupt nicht: »Chruschtschow ekelt mich an.« zitiert nach Dwight D. Eisenhower, SPIEGEL, 31.03.1969)

Doch dann wurde Anfang Mai 1960 Gary Powers in einem Lockheed U-2-Spionageflugzeug über der Sowjetunion abgeschossen, und US-Präsident Eisenhower verweigerte eine Entschuldigung. 

Failed Diplomacy: The U-2 Spy Plane Incident [8:41]

Hochgeladen am 23.11.2011
My NHD project for last year. It is a brief documentary on the U-2 Incident.


Desweiteren mißlang den US-Amerikanern ein Jahr später, im April 1961, die Invasion in der Schweinebucht, ein von der CIA organisierter Versuch von ca. 1300 Exilkubanern, Fidel Castro zu stürzen.


Nachdem die US-Regierung vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen zunächst jede Beteiligung an der Invasion abgestritten hatte, übernahm Präsident John F. Kennedy vier Tage später die volle Verantwortung.
Die gescheiterte Invasion war nicht nur ein militärisches, sondern vor allem ein politisches Debakel für die Vereinigten Staaten. Neben scharfer Kritik im In- und Ausland und verlorenem Vertrauen in die nur 90 Tage alte Regierung unter Kennedy stärkte sie Castro, der die bereits 1959 eingeleitete kommunistische Ausrichtung der kubanischen Revolution nun offen vertrat. Befürchtungen eines zweiten Invasionsversuchs beschleunigten die weitere Annäherung Kubas an die Sowjetunion bis zur Eskalation in der Kubakrise 1962.[1]


Lessons Learned: Bay of Pigs Invasion [6:05]

Veröffentlicht am 17.04.2012
On April 17, 1961, 1,511 Cuban exiles in the U.S.-backed Brigade 2506 landed on Cuba's shores at the Bahía de Cochinos--the Bay of Pigs. Their brief invasion ended on April 19 when the exiles surrendered to Fidel Castro's army, and the incident has gone down as one of the biggest fiascoes in the history of U.S. foreign policy. The U.S.-backed operation, which originated under President Dwight Eisenhower but was ultimately approved by President John F. Kennedy, called for a small invasion force, armed with the element of surprise, to trigger a general uprising in Cuba and overthrow the Castro regime. But the Cuban people did not revolt, and Castro was not surprised. Kennedy refused to commit significant U.S. military support, and the operation failed.

James M. Lindsay, CFR's senior vice president and director of studies, argues that the Bay of Pigs serves as a valuable reminder that one should be "prepared for failure and plan accordingly." "Had JFK thought through the possibilities of failure," Lindsay says, "he might have canceled the operation or fundamentally reshaped it." Planning for failure and "taking steps to minimize it" are "especially important when talking about decisions to use force," he argues. An analysis of a military strike on Iran, for example, would be "incomplete unless it also grapples with how a military strike might fail, or create entirely new problems to handle."

This video is part of Lessons Learned, a series dedicated to exploring historical events and examining their meaning in the context of foreign relations today: http://www.youtube.com/playlist?list=...
http://www.cfr.org/us-strategy-and-po...


Ein Jahr nach der fehlgeschlagenen Geheiminvasion in der Schweinebucht durch CIA und Exilkubaner schlug der Vereinigte Generalstab der Teilstreitkräfte vor, auf Kuba mit dem offiziellen US-Militär einzumarschieren. Für die amerikanische Öffentlichkeit bedurfte es hierzu eines Vorwands, der die scheinbare Notwendigkeit eines Kriegs „begründen“ sollte. Bereits am 13. März 1962 unterzeichnete der höchste amerikanische Soldat, General Lyman Louis Lemnitzer, das berüchtigte Northwoods-Dokument. Die Generäle präsentierten hierin diverse Vorschläge für fingierte Attentate auf amerikanische Schiffe, Flugzeuge oder Städte, die entweder vorgetäuscht oder tatsächlich begangen werden sollten. Die Anschläge sollten Fidel Castro angelastet werden und damit in den USA die für einen Angriffskrieg erforderliche Stimmung provozieren.



Von 1959 an stationierten die USA in Italien eine Staffel mit 25 und in der Türkei zwei Staffeln mit je 25 nuklear bestückten Mittelstreckenraketen vom Typ Jupiter, die auf die UdSSR gerichtet waren.
Am 26. und 27. Oktober 1960 starteten die USA von der Laughlin Air Force Base in Texas erstmals auch U-2-Aufklärungsflüge über Kuba. Am 5. September 1961 wurden erstmals Aufnahmen von Flugabwehrraketen vom Typ S-75 und von Kampfflugzeugen vom Typ MiG-21 Fishbedgemacht.
Im April 1962 wurden die amerikanischen Thor- und Jupiter-Atomraketen in der Türkei einsatzbereit gemacht. Weil sie wegen ihrer ungeschützten Aufstellung leicht angreifbar waren, konnten sie nur zu einem atomaren Erstschlag genutzt werden. [Hervorhebung von mir]
Zudem fuhren auf den Meeren US-U-Boote mit Polaris-Atomraketen. Diese Submarine Launched Ballistic Missiles konnten auch unter Wasser abgefeuert werden und waren entsprechend schwer zu treffen. Die Sowjetunion hatte zu dem Zeitpunkt nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen.
[Kubakrise, Wikipedia]

- Als die Welt am Abgrund stand ... (FriedensAG, Kassel, entnommen aus Neues Deutschland, 20.10.2012)
- Kalter Krieg – Dem Abgrund entgegen (ZEIT Online, 22.10.2012)
- Erneut eine Berliner Krise und Bewaffnung und Entwaffnung (van den Berghe, Der Kalte Krieg 1917-1991, S. 203ff., googlebooks)


Letzte Anlässe für den Sturz Chruschtschows waren seine Annäherungspolitik an die Bundesrepublik Deutschland unter Umgehung des Politbüros und seine Eigenmächtigkeiten gegenüber der staatlichen Planung (Gosplan) mit dem Ziel, die Landwirtschaft wieder einmal umzuorganisieren und zu stärken. Michail Suslow und Breschnew, aber auch Alexei Kossygin, Anastas Mikojan und Poljanski führten am 14. Oktober 1964 u. a. mit der Kritik an der Parteireform, dem veränderten Parteistatut und der Landwirtschaftspolitik mit Billigung des Zentralkomitees seinen Sturz als Parteichef und als Ministerpräsident herbei. Breschnew wurde sein Nachfolger als Erster Sekretär des Zentralkomitees, Kossygin als Ministerpräsident. Mikojan wurde Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets (de jure Staatspräsident). Bei aller Enttäuschung über seine kalte Abservierung deutete Chruschtschow es dennoch als Sieg der Partei und Zeichen für den inneren Wandel in der Sowjetunion seit 1953, dass er in Rente geschickt – und nicht verhaftet oder gar liquidiert – worden war, wie es in der Stalin-Ära geschehen wäre.
1966 verlor Chruschtschow schließlich auch formell seinen Sitz im ZK der KPdSU. Seit seinem Sturz lebte er in seiner Datscha bei Moskau. Dort starb er am 11. September 1971 im Alter von 77 Jahren an Herzversagen. Sein Grab auf dem Moskauer Nowodewitschi-Friedhof wurde auf seinen eigenen Wunsch hin von Ernst Neiswestny gestaltet, den Chruschtschow in einer Ausstellung 1962 noch als „degenerierten Künstler“ bezeichnet hatte.

- Chruschtschow-Sturz – Erst mal schlafen Bonn (SPIEGEL Online, 22.10.1964)
- Der Sturz Chruschtschows (ZEIT Online, 23.10.1964)
- Hans Kroll über Edward Crankshaw: Der rote Zar - Nikita Chruschtschow – Alleinherrscher war er nie (SPIEGEL Online, 03.04.1967)
- Eklat in der UN-Vollversammlung – Die Sache mit Chruschtschows Schuh (Damals)
- Der Schuh auf dem UNO-Tisch (Deutschlandradio Kultur, 13.10.2005)
- Kalter Krieg – Schlug er zu? (ZEIT Online, 10.09.2010)
- Vor 50 Jahren: Als Chruschtschow für Schuh-Eklat bei der UNO sorgte (RIA Novosti, 13.10.2010)
- Sowjetunion – Versöhnler muss gehen (junge Welt, 17.10.2014)

aktualisiert am 17.10.2014

Heute vor 70 Jahren – 25. September 1944: Hitler ordnet die Aufstellung des »Volkssturms« an

Hitlers letztes Aufgebot 

»Zur Verstärkung der aktiven Kräfte unserer Wehrmacht und insbesondere zur Führung eines unerbittlichen Kampfes überall dort, wo der Feind den deutschen Boden betreten will, rufe ich daher alle waffenfähigen deutschen Männer zum Kampfeinsatz auf.« Hitlers Erlass über die Bildung des deutschen Volkssturms, der heute vor 70 Jahren erging, spiegelt die militärische Situation im Herbst 1944: Von allen Seiten rückten die Alliierten auf das Deutsche Reich vor, der Krieg, das war allen Nichtverblendeten bewusst, war für Deutschland verloren. 
Hitlerjungen im Volkssturm radeln mit Panzerfäusten zur Front, Berlin, Frühjahr 1945
Im Volkssturm sollten Jugendliche und alte Männer den Kampf aufnehmen, um den »Heimatboden mit allen Waffen und Mitteln« zu verteidigen. Durch die neuen Altersgrenzen von 16 und 60 Jahren wurden zusätzlich etwa 6 Mio. Menschen erfasst. Wie viele von ihnen schließlich wirklich zum Einsatz kamen, ist ungewiss. Die meisten zogen schlecht bewaffnet und kaum ausgebildet in den Krieg. Zur Standardausrüstung gehörte die leicht zu bedienende und zu transportierende Panzerfaust. Zehntausende Volkssturmmänner fielen in den letzten Kriegsmonaten. 

Was am 25. September noch geschah: 
1956: Das erste transatlantische Telefonkabel zwischen Europa und Nordamerika wird in Betrieb genommen. 

Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Das Transatlantikkabel von 1858, 10 vor 11, dctp [23:59]
Veröffentlicht am 08.01.2014
Der Draht zur neuen Welt. Alexander Kluge im Gespräch mit Christian Holtorf über das Transatlantikkabel von 1858. Eine Gruppe von Finanziers und Spekulanten ließ nach achtjähriger Vorbereitung im Jahre 1858 von Irland nach Neufundland das erste transatlantische Kabel verlegen. 4.000 Tonnen Gesamtgewicht. Die zwei größten Kriegsschiffe der Welt waren die einzigen, die es fertigbrachten, ein solches Kabel zu verlegen.Der Kulturhistoriker Christian Holtorf beschreibt.

Mittwoch, 24. September 2014

Alan Parsons - Live In Madrid (2004)

Alan Parsons - Live In Madrid (2004) Complete Concert [1:18:00]

Veröffentlicht am 19.04.2013

1. I Robot
2. Can't Take It With You
3. Don't Answer Me
4. Breakdown / The Raven
5. Time
6. Psychobabble
7. I Wouldn't Want To Be Like You
8. Damned If I Do
9. More Lost Without You
10. Don't Let It Show
11. Prime Time
12. Sirius / Eye In The Sky
13. (The System Of) Dr. Tarr and Professor Fether
14. Games People Play

ALAN PARSONS: Acoustic Guitar, Keyboards and Vocals
P.J. OLSSON: Acoustic Guitar and Vocals
GODFREY TOWNSEND: Lead Guitar and Vocals
STEVE MURPHY: Drums and Vocals
MANNY FOCARAZZO: Keyboards and Vocals
JOHN MONTAGNA: Bass Guitar and Vocals

Heute vor 275 Jahren – 24. September 1739: Grigori Potemkin wird geboren

Keineswegs nur schöner Schein

Wenn hinter schönen Fassaden Hässliches verborgen wird oder sich schlicht gar nichts befindet, wird das Blendwerk häufig als »Potemkinsches Dorf« bezeichnet. Namensgeber dieser Wendung ist der russische Fürst Grigori Potemkin, der heute vor 275 Jahren, am 24. September 1739, in einem Dorf bei Smolensk geboren wurde. 
Portrait des Fürsten Grigori Potemkin
(Gemälde von Dimitri Lewitzki, um 1780)
Als Zarin Katharina die Große 1787 eine Inspektionsreise durch die südlichen Provinzen ihres Reiches unternahm, hatte Potemkin als Gouverneur der Region angeblich prächtige Holzfassaden aufstellen lassen, um das Elend der Dörfer dahinter zu verbergen. Die Mär von den Potemkinschen Dörfern hielt sich hartnäckig und lange, doch sie war das Werk von Neidern, denn Potemkin war mächtig und einflussreich und der einstige Geliebte der Zarin. Potemkin hatte in den südlichen Provinzen, die zuvor den Türken militärisch abgerungen worden waren, gute Aufbauarbeit geleistet. Nach den Berichten vieler Zeitzeugen standen die Dörfer dort tatsächlich in voller Blüte. Ein sächsischer Diplomat am Hofe in Sankt Petersburg steht im Verdacht, den Fürsten und seine Arbeit in Verruf gebracht zu haben. 

Grigori Potemkin (1739-1791) 
▪︎ Mitglied des Reichsrats 
▪︎ Generalgouverneur von »Neurussland« und der Krim 
▪︎ Oberbefehlshaber im Russisch-Türkischen Krieg (1787-92) 

Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014 

Dienstag, 23. September 2014

Aufstand – sonst nichts

Philosophie. Slavoj Žižek über den »revolutionären Akt« in ausweglosen Zeiten 
Von Carolin Amlinger 
»Postmarxist«, »Philosophie-Entertainer« und 
Liebling des bürgerlichen Feuilletons: Slavoj Žižek 
Foto: CTK Photo/Sona Remesova
Er ist der »Superstar der Kapitalismuskritik« (Zeit). Er ist radikal. Er gestikuliert wild, fast wie ein Wahnsinniger, das T-Shirt schon längst durchgeschwitzt. Jedes seiner Wörter, abgefeuert wie eine Salve zur Ankündigung der Revolution. Wenn man ihm zuhört, könnte man tatsächlich glauben, die Revolution stehe kurz bevor. 

Und, das zu erwähnen wird nie vergessen: er war – oh Schreck – mit einem Unterwäsche-Model verheiratet. Slavoj Žižek ist der Liebling des bürgerlichen Feuilletons. Für dessen Vertreter ist er »Philosophie-Entertainer« und »Scharlatan« zugleich. Der von der Psychoanalyse Jacques Lacans inspirierte heute 65jährige Slowene hat sich seine eigene theoretische Welt zurechtgebogen, seinen Hegel, seinen Marx. Er betreibt zudem eine bissige Kulturkritik, sinniert über die falsche Wahl zwischen Coca-Cola und Pepsi, philosophiert über den ideologischen Gehalt einer Toilettenspülung. Ein Stehaufmännchen, das in seinem endlosen Gequassel einer Linken gleicht, die zwar etwas orientierungslos herumirrt, aber dabei schier nicht totzukriegen ist.
Mehr:
- Aufstand – sonst nichts (junge Welt, 23.09.2014)

siehe auch:
- Slavoj Zizek: I am not the world’s hippest philosopher! (Salon, 29.12.2012)
- Im Taxi mit dem Philosophen (taz, 07.01.2012)
- Eheberatung mit Hegel (Die Welt, 14.05.2011)
- Guess, where is the object of the real? (https://sachara.wordpress.com, 02.12.2007)

Montag, 22. September 2014

Heute vor 30 Jahren – 22. September 1984: Versöhnungsgeste zwischen Helmut Kohl und François Mitterand

Hand in Hand zu Ehren der Kriegsopfer 

Vor dem Beinhaus von Douaumont, wo die sterblichen Überreste von 130.000 unbekannten Soldaten aller an der Schlacht von Verdun (1916) beteiligten Nationen liegen, standen heute vor 30 Jahren der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl (*1930) und der französische Präsident François Mitterrand (1916-1996), um die Gefallenen der Weltkriege zu ehren. Still verweilten sie nebeneinander vor einem Sarg, der mit Fahnen beider Länder bedeckt und von Kränzen flankiert war. Als ein Trompeter eine Trauermusik intonierte, streckte Mitterrand spontan seine Hand in Kohls Richtung, der sie ergriff und festhielt. Hand in Hand standen die beiden Staatsmänner an diesem Ort, der wie kein anderer für die alte, aber überwundene »Erbfeindschaft« der beiden Länder steht. 
Der französische Präsident und der deutsche Bundeskanzler
Hand in Hand auf dem Gräberfeld von Verdun, 22.09.1984
Das Foto ging um die Welt und wurde zum Symbol der deutsch-französischen Versöhnung, die eigentlich bereits 20 Jahre zuvor Konrad Adenauer und Charles de Gaulle mit Worten und Gesten auf den Weg gebracht hatten. Dennoch brannte sich das Bild von der großen Geste ähnlich tief in das kollektive Gedächtnis ein wie jenes von Willy Brandts Kniefall 1970 in Warschau. 

Was am 22. September noch geschah: 
1792: Im Zuge der Französischen Revolution beschließt der Nationalkonvent die Einführung eines neuen Kalenders. 

Harenberg - Abenteuer Geschichte 2014 

Die Hölle von Verdun 1916 [43:03]

Veröffentlicht am 25.09.2012
Die Hölle von Verdun 1916
Der Name der französischen Festungsstadt Verdun wurde 1916 zum Menetekel für das Massensterben auf den Schlachtfeldern des 20. Jahrhunderts. Die hohen Militärs sprachen von einer "Blutpumpe", die Frontsoldaten nannten es die "Hölle von Verdun". Mehr als 700 000 Soldaten starben, wurden verwundet oder blieben vermisst, ohne dass sich der Frontverlauf wesentlich änderte.
Ein junger französischer Offizier hatte Glück im Unglück. Zwei Wochen nach Beginn der Kämpfe um Verdun wurde seine Einheit aufgerieben, doch er selbst war nur verwundet und geriet in deutsche Gefangenschaft. Sein Name: Charles de Gaulle. Der Mann, der 1944 als Sieger über die deutschen Besatzer durch Paris schritt, war knapp drei Jahrzehnte zuvor als Kriegsgefangener nach Deutschland gebracht worden. Mehrmals versuchte er auszubrechen. Das Bild, das sich De Gaulle von den Deutschen machte, erfuhr im Ersten Weltkrieg seine erste Prägung.


François Mitterrand et Helmut Kohl main dans la main - Archive INA [2:00]
(Einbetten deaktiviert)
Veröffentlicht am 09.09.2014
22 septembre 1984
À Douaumont près de Verdun, hommage aux morts de la guerre de 1914-1918, rendu conjointement par François MITTERRAND et Helmut KOHL. Après avoir écouté l'hymne allemand, François MITTERRAND et Helmut KOHL se tiennent la main pendant que l'orchestre militaire joue "La Marseillaise".
Images d'archive INA
Institut National de l'Audiovisuel
http://www.ina.fr

Memorial von Verdun - Beinhaus v.Douaumont - Fleury devant Douaumont - Andrea Maginot [6:42]

Hochgeladen am 04.06.2011
Auf den Schlachtfeldern von Verdun
hinterliess der Krieg ein Vermächtnis.
Täglich sagt der Chor der Toten:
Habt ein besseres Gedächtnis!
(Erich Kästner)

DIE HÖLLE von VERDUN
Hier zeigt sich der Grauen des Krieges!!
Über das Städtchen bzw. die Umgebung von Verdun. Ein Name, den sicher jeder schon einmal im Geschichtsunterricht gehört hat. Der Besuch des Schlachtfeldes hat mich sehr tief bewegt.
Denn hier fand die blutigste Schlacht des Ersten Weltkrieges statt. Deshalb möchte ich nicht nur die historischen Sehenswürdigkeiten zeigen, sondern auch etwas von der Geschichte an alle übermitteln, so dass man einen tieferen Einblick in die Bedeutung der Stadt VERDUN bekommt.
http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/...
http://www.memorial-de-verdun.fr/inde...
Das Unternehmen Gericht. So nennt General von Falkenhayn seinen Schlachtplan um Verdun. Er soll nicht dazu führen große Geländegewinne zu machen, nein die französischen Truppen sollen sich?verbluten?. Das Kaiserreich möchte dadurch eine Schwächung der französischen Truppen erreichen.
So brüllen am 21.Februar 1916 um 8 Uhr 12 Minuten eintausendzweihundertfünfundzwanzig deutsche Geschütze los und verschießen ein unvergleichliches Trommelfeuer auf die französischen Linien.
Um 8.17 Uhr sind die Schallwellen in Trier zu hören, um 8.18 Uhr in Saarbrücken seit 8.12 Uhr klirren in Straßburg die Fensterscheiben und werden noch wochenlang weiter klirren. Um 8.23 ist selbst im weit entfernten Paris ein dumpfes Rollen vernehmbar! So grauenvoll ertönt der Schlachtenlärm.
In den nächsten Jahren werden bei dieser grauenvollen Schlacht mehr als 350.000 Menschen ihr Leben verlieren und über 800.000 verwundet und verstümmelt werden.
All das sollte man vorher bedenken ehe man das damals mit Blut durchtränkte Gelände FLEURY devant DOUAUMONT besucht.

Helmut Kohl: Hand in Hand [2:57]

Veröffentlicht am 20.09.2011
Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl erinnert sich an das bewegende Treffen mit dem französischen Ministerpräsidenten François Mitterand in Verdun.


Sonntag, 21. September 2014

Heute vor 50 Jahren – 21. September 1964: Malta wird unabhängiges Commenwealth-Mitglied

Spielball der Mächte 

Die kleine Inselgruppe Malta im Mittelmeer blickt aufgrund ihrer strategischen Lage auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Phönizier, Römer, Byzantiner, Araber, Normannen und Kreuzritter hinterließen ihre Spuren auf den Inseln. Malta war als wichtige Nahtstelle zwischen Orient und Okzident häufig umkämpft. 1800 zogen die Franzosen ab und die Briten gaben fortan den Ton an. 1814 wurde Malta britische Kronkolonie. 
Demonstration für die Unabhängigkeit Maltas, Valletta, 1959
Unter den Briten erlebten die Malteser einen wirtschaftlichen Aufschwung. In den beiden Weltkriegen nahmen die Inseln schließlich eine wichtige strategische Bedeutung als Flottenstützpunkt und Nachschubbastion ein. Die Kolonialherrschaft endete erst 1964, heute vor 50 Jahren, mit der Gründung eines selbstständigen Staates innerhalb des Commonwealth. Zehn Jahre später wurde Malta Republik, seit 2004 gehört sie zur Europäischen Union. 

Der Inselstaat Malta besteht aus der Hauptinsel Malta und den Nebeninseln Gozo, Comino sowie den unbewohnten Eilanden Cominotto, Filfla und St. Pauls. Auf Malta leben etwa 385.000 Menschen, 10.000 von ihnen in der Hauptstadt Valletta. Die Landessprache ist Maltesisch, zweite Amtssprache ist Englisch. 

Was am 21. September noch geschah: 
1869: Die Semperoper in Dresden wird durch ein Feuer zerstört. 

Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 
MALTA Einführung [57:11]

Veröffentlicht am 25.08.2012
Infos für eine Reise im Jahre 2001
Die Republik Malta ist ein südeuropäischer Inselstaat im Mittelmeer. Der maltesische Archipel verteilt sich auf die drei bewohnten Inseln Malta (einschließlich Manoel Island, etwa 246 Quadratkilometer), Gozo (malt. Għawdex, etwa 67 Quadratkilometer) und Comino (Kemmuna, etwa 3 Quadratkilometer) sowie auf die unbewohnten Inseln Cominotto (Kemmunett), Filfla (Filfola), St. Paul's Islands und Fungus Rock.
Die Hauptinsel Malta ist in zwei Regionen mit fünf Bezirken gegliedert. Gozo und Comino bilden zusammen die dritte Region und den sechsten Bezirk. Der Name Malta geht auf die punische Bezeichnung für einen Zufluchtsort malet zurück, die Griechen nannten die Inseln Melite, bei den Römern hieß sie Melita.
Malta wurde britische Kolonie und am 21. September 1964 unabhängig. Am 1. Mai 2004 wurde es Mitglied der Europäischen Union und ist seitdem deren kleinster Mitgliedsstaat. Am 1. Januar 2008 wurde in Malta der Euro eingeführt.


Freitag, 19. September 2014

Freihandelsabkommen und Arbeitszeit: Ein Beispiel für die indirekte Senkung von Standards

Freihandelsabkommen wie TTIP oder CETA sollen Arbeit und Wohlstand bringen, so heißt es. Dazu sollen die Vertragspartner zwar gleichwertige Normen und Standards gegenseitig anerkennen – senken aber wolle man soziale und ökologische Standards nicht. So versprechen es jedenfalls die BefürworterInnen von Freihandelsabkommen. Schlüssig und überzeugend sind solche Beschwichtigungen nicht. Denn gerade die indirekte Senkung von Standards ist eine reale Gefahr. Dies sei nachfolgend an einem kleinen Beispiel aufgezeigt: dem deutschen Arbeitszeitgesetz. Von Patrick Schreiner[*].
Mehr:
- Freihandelsabkommen und Arbeitszeit: Ein Beispiel für die indirekte Senkung von Standards (NachDenkSeiten, 18.09.2014)

Ich habe sowas ähnliches von einem Patienten erzählt bekommen, der Leiter eines Supermarktes war (Lidl, Aldi, sowas). Mitte der 90er Jahre machte diese Supermarkt-Kette eine Zeitmessung, wie schnell die angelieferten Paletten in den Regalen einsortiert sind. Das Ergebnis dieser Zeitmessung wurde dann zum Standard. Sagen wir: »10 Uhr morgens sind sämtliche Regale eingeräumt.«
Um 2010 herum erzählte mir der Patient, daß kein Supermarkt dieser Kette mehr die Vorgaben einzuhalten imstande wäre, da die angelieferten Paletten inzwischen nicht mehr nach der Warensorte (heißt Wurst zu Fleischwaren, Käse zu Milchwaren, Backwaren, Obst und Salat usw.) sondern nach den Lieferanten gepackt sei. (Wahrscheinlich hat man inzwischen eine Umpack-Station in der Lieferkette eingespart.) Inzwischen sei es normal, wenn sich auf der angelieferten Palette neben den Fußbällen aus dem wöchentlichen Sonderangebot der Kopfsalat und daneben die Schokoladenplätzchen und das Kochwaschmittel befänden, so daß die angelieferte Palette manchmal drei- oder sogar viermal durch den ganzen Laden geschoben werden müßte. Wegen der schmalen Gänge kommt man ja auch oft mit den Lieferpaletten nicht aneinander vorbei. Inzwischen könne man froh sein, wenn man den Kram gegen Mittag in den Regalen habe. Das sei »oben denen« aber nicht klar zu machen.

In der Arbeitspsychologie wird sowas inzwischen »Verdichtung« genannt. (Was für tolle Worte unsere deutsche Sprache hervorzubringen imstande ist. Man muß halt nur wollen!)

Ein weiteres Beispiel dieser Verdichtung habe ich von einem anderen Patienten erfahren:
Die Wege der Briefträger (ich bitte um Entschuldigung, der aktuelle Begriff ist mir entfallen) wurden früher mit Laufrädern gemessen. Im Zuge der Vereinfachung werden inzwischen Satellitensysteme genutzt, die aber nur noch die Länge einer Straße, nicht aber die Wege vom Bürgersteig zum Hausbriefkasten messen. (Gottseidank gibt es ja heutzutage noch Sachen, die vereinfacht werden!)
Auf einen Schlag nahm nun die Gesamtstrecke der sechs zu einer Gruppe gehörenden Briefträger um 15% ab, weswegen einer aus der Gruppe »freigesetzt« werden konnte. (Vorzugsweise werden über 50jährige freigesetzt, weshalb, vermag ich mir nicht vorzustellen…) 
Mit dieser Lösung ist die Deutsche Post gegenüber dem Billiganbieter Citypost etwas konkurrenzfähiger geworden. Ich würde jedem Citypost-Kunden raten, das eingesparte Porto auf ein Konto einzuzahlen, dafür muß ja dann ein arbeitslos gewordener Post-Angestellter finanziert werden…

- Manipulations-Mechanismen in den transatlantischen Beziehungen (Albrecht Müller, NachDenkSeiten, 22.09.2014)
Nach Irreführung der Öffentlichkeit durch Bundesregierung und Leitmedien seit über einem Jahr in der NSA/BND-Ausspähaffäre droht auch bei den im Geheimen laufenden transatlantischen Verhandlungen über ein Handelsabkommen (TTIP) eine Wiederholung von Desinformation und Verschleierung. Die ZEIT warnt bereits vor einer „Wahnsinnstat“, die Süddeutsche Zeitung vor einem „heimlichen Staatsstreich“. Die Instrumentarien wiederholen sich. Insofern kann für eine kritische Gegenöffentlichkeit die folgende systematische Aufarbeitung der Kampagnen während der Ausspähaffäre auch bei der nächsten transatlantischen Auseinandersetzung nützlich sein. Die folgende kommentierte Dokumentation enthält viele nützliche Zitate. Sie wurde von Peter Munkelt verfasst. Er war Leiter des Politischen Archivs der SPD.
- Ein Freifahrtschein für Lobbyisten (ZEIT, 05.06.2014)
- Eine Wahnsinnstat (ZEIT, 12.06.2014)
- Ein Schlag für den Rechtsstaat (Süddeutsche Zeitung, 05.06.2014)
- “Ein heimlicher Staatsstreich” – Heribert Prantl am 11. Mai 2014 in der SZ (Berliner Wassertisch-Info)

Vor 37 Jahren – »Jakob der Lügner« für den Oscar nominiert

»Jakob der Lügner« auf internationalem Parkett 

Berlinale 1975: Erstmals lief ein DDR-Film – »Jakob der Lügner«, nach dem gleichnamigen Roman von Jurek Becker – im Wettbewerbsprogramm des Westberliner Filmfestivals und prompt holte Vlastimil Brodsky den Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung. Plötzlich wurde der Film weltweit beachtet. »Jakob der Lügner« war eine Koproduktion von TV und DEFA und wurde Ende 1974 erstmals im DDR-Fernsehen gezeigt. Im Jahr 1977 wurde der Film – als erste und letzte DEFA-Produktion – für den Oscar nominiert in der Kategorie »Bester ausländischer Film«. Regisseur Frank Beyer (1932-2006) erhielt diese Nachricht im Januar 1977. Nur wenige Tage zuvor hatte er einen Protestbrief gegen die Ausbürgerung von Liedermacher Wolf Biermann unterschrieben. Die Parteiführung setzte ihn unter Druck, damit er die Unterschrift zurückzog. Beyer weigerte sich. Dennoch durften er und die beiden Hauptdarsteller, der Tscheche Vlastimil Brodsky und Erwin Geschonneck, nach Los Angeles fliegen. Andernfalls hätte sich die DDR vor der Welt blamiert…

Was am 19. September noch geschah: 
1990: Wegen Verseuchung durch Asbest wird der Berliner Palast der Republik geschlossen.

 Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

Jakob Der Lügner - Trailer [1:18]
Veröffentlicht am 04.05.2012
Im von den Nazis besetzten Polen hört Jakob (Robin Williams), der Besitzer eines lange geschlossenen jüdischen Cafes, zufällig eine verbotene Radiosendung über sowjetische Militärerfolge gegen die Deutschen mit. Am nächsten Tag berichtet er zwei mutlosen Freunden über seine guten Neuigkeiten. Die Nachricht verbreitet sich, aber auch das Gerücht, dass Jakob ein Radio besitzt, ein Verbrechen, das mit dem Tode bestraft wird. Trotz der Gefahr übermittelt er auch weiterhin erfundene Sendungen über Alliierte Vorstösse gegen die Nazis. Die Lügen halten Hoffnung und Humor unter den Ghettobewohnern am Leben, die Selbstmordrate fällt, die Laune steigt und es wächst neuer Optimismus. Die Deutschen erfahren von der geheimnisvollen Radiostation und suchen den Widerstandshelden, der sie betreibt. (Originaltitel - Jakob The Liar) 1999 Global Entertainment Productions GmbH & Co. Film KG and SPE German Finance Co. Inc. All Rights Reserved.

Das Original:
Jakob der Luegner [1:36:06]
Veröffentlicht am 21.08.2014
Ein osteuropäisches jüdisches Ghetto im Jahre 1944. Jakob Heym wird wegen angeblicher Überschreitung der Ausgangssperre von einem Posten zum Gestapo-Revier geschickt. Durch Zufall kommt er mit dem Leben davon, und zufällig hat er dort im Radio eine Meldung über den Vormarsch der Roten Armee gehört. Er möchte die Nachricht an seine Leidensgefährten weitergeben, um ihnen Hoffnung zu machen, hat aber Angst, man würde ihn wegen seiner “Verbindung” zur Gestapo für einen Spitzel halten. So greift er zu einer Lüge, gibt vor, ein Radio versteckt zu haben. Die Menschen im Ghetto schöpfen neuen Lebensmut, es gibt keine Selbstmorde mehr, und man möchte von Jakob immer neue Informationen über den Vormarsch. Er muß weiterlügen, damit die Hoffnung bleibt…


Donnerstag, 18. September 2014

Russland: Öl-Milliardär wegen Verdachts der Geldwäsche unter Hausarrest

In Moskau ist der Öl-Milliardär Wladimir Jewtuschenkow unter Hausarrest gestellt worden. Ihm wird Geldwäsche vorgeworfen. Die Anleger der Sistema-Holding, zu der Jewtuschenkows Unternehmen Bashneft gehört, reagierten mit Panik-Verkäufen. Es ist unklar, ob die Aktion im Interesse des Staatskonzerns Rosneft erfolgt. Jewtuschenkow hatte sich bewusst aus der russischen Politik herausgehalten.

Der russische Öl-Milliardär Wladimir Jewtuschenkow, der den Mischkonzern Sistema führt, ist wegen des Verdachts der Geldwäsche unter Hausarrest gestellt worden. Der Hausarrest soll bis Mitte November dauern, der Oligarch hat drei Tage Zeit, um Berufung einzulegen. Hintergrund ist die Übernahme des Ölkonzerns Bashneft durch Sistema vor fünf Jahren. Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben Hinweise darauf, dass dabei illegale Machenschaften eine Rolle spielten und Jewtuschenkow daran beteiligt war. Zuletzt war spekuliert worden, dass Russlands staatlich kontrollierter Ölriese Rosneft, dessen Chef Igor Setschin als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin gilt, Interesse an Bashneft habe. Ein Sprecher von Rosneft sagte allerdings, dass das Unternehmen keine Ambitionen habe, Bashneft zu übernehmen.

mehr:

Ukraine 20 – ARD-Programmbeirat bestätigt Publikumskritik

"Fragmentarisch", "tendenziös", "mangelhaft" und "einseitig": Der Programmbeirat teilt über weite Strecken die Publikumskritik an der Berichterstattung 

Der Programmbeirat der ARD kritisierte auf seiner Sitzung im Juni 2014 die Berichterstattung der größten öffentlichen Medienanstalt über den Ukraine-Konflikt. Die ausgestrahlten Inhalte hätten teilweise den "Eindruck der Voreingenommenheit erweckt" und seien "tendenziell gegen Russland und die russischen Positionen" gerichtet, heißt es im Protokoll (PDF) des neunköpfigen Gremiums, das Telepolis vorliegt (Hinweise auf die Quelle, die nicht genannt werden will, wurden entfernt). Wichtige und wesentliche Aspekte des Konflikts seien von den ARD-Redaktionen "nicht oder nur unzureichend beleuchtet" worden, insgesamt zeigte sich die Berichterstattung "nicht ausreichend differenziert", urteilen die Medienkontrolleure. 

Der Programmbeirat der ARD soll die Interessen der Zuschauer gegenüber den Programmverantwortlichen vertreten und dafür sorgen, dass der Programmauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks umgesetzt wird. Das Ziel von Deutschlands größter Medienanstalt ist es, allen Zuschauern "hochwertige Information" anzubieten. Die neun Landesrundfunkanstalten der ARD entsenden aus ihren jeweiligen Rundfunkräten jeweils ein Mitglied sowie einen Stellvertreter in den Beirat. Die Entscheidung darüber, welche Person die regionalen Rundfunkräte in den nicht öffentlichen Sitzungen vertritt, fällt per Wahl. 

Vor seiner Juni-Sitzung analysierten die Mitglieder des beratenden Gremiums "eine ganze Reihe von Beiträgen" über die Krise in der Ukraine. Anlass für diese Maßnahme, welche der Beirat selbst als "ungewöhnlich" bezeichnet, war die breite Kritik aus den Reihen des Publikums an der Ukraine-Berichterstattung im Ersten. Die Zuschauer beklagten "Einseitigkeit zulasten Russlands, mangelnde Differenziertheit sowie Lückenhaftigkeit", heißt es dazu im Bericht. Die Ergebnisse dieser internen Medienanalyse sorgten für eine äußerst scharfe Debatte auf dem Treffen des Beirates mit dem stellvertretenden Programmdirektor Thomas Baumann. Einzelne Publikumsvertreter bezeichneten dort die Berichterstattung der ARD als "naiv, einseitig und gefährlich". Ihre schriftliche Kritik verabschiedeten die Delegierten im ARD-Beirat zudem einstimmig.
mehr:
Dem Programmdirektor ist der ARD-Programmbeirat als beratende Instanz zur Seite gestellt. Dr. Paul Siebertz ist seit April 2013 Vorsitzender des Programmbeirats.[3] [4]  [Wikipedia, Das Erste, Organisation]
Baumann studierte Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Psycholinguistik in München. [Wikipedia, Thomas Baumann (Journalist)]

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- Netzwerk Nichtrecherche - Kritik des ARD-Programmbeirats wird totgeschwiegen (Telepolis, 21.09.2014)
Die Berichterstattung über die Klatsche des ARD-Programmbeirats wegen der einseitigen Darstellung des Ukraine-Konflikts scheint sehr verhalten auszufallen. So greifen überwiegend Blätter im linken Spektrum das Thema auf, während die konventionelle Tagespresse, die kürzlich noch mit der Manipulation von TV-Zuschauerumfragen titelte, sich auf ihren Unterhaltungsauftrag beschränkt. Lediglich an Entscheidungsträger gerichtete Zeitungen wie das Handelsblatt wollen sich offenbar kein Defizit an Glaubwürdigkeit einhandeln. Während dem "Putin stoppenden" Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL vor zwei Jahren eine Verhaltensrüge des Programmbeirats gegen Talkmaster einen Beitrag wert war, sollen die Leser nicht mit "Putinverstehern" verunsichert werden.


- Gelbe Karte für Einseitigkeit (Preußische Allgemeine, 01.10.2014)


aktualisiert am 04.10.2014