Mittwoch, 3. September 2008

Männer immer Täter, Frauen immer Opfer?

[…]
Die These nach der »Männer Täter und Frauen Opfer« seien:
* liegen Hellfeldzahlen zugrunde.* Die theoretische Grundlage zur ausschließlich männlichen Verursachung von Gewalt, liefert die patriarchalische Grundordnung westlicher Gesellschaften (kurz: Patriarchatsthese genannt).
Wie sich eine solche scheinbare Bestimmtheit auf die Realität eines Menschen auswirken kann, will ich an zwei Beispielen deutlich machen. Im ersten Beispiel handelt es sich um einen Mann mit Kindern, der sich im Okt. 2004 an mich wandte. Er berichtete, dass die Kindesmutter nicht nur ihn, sondern auch die Kinder im Jahr 2003 fast täglich geschlagen, ihnen die Arme gedreht habe und die Kinder vernachlässige. Vor ca. einem Jahr hätte er wegen dieser Handlungen die Kinder ins Krankenhaus gebracht, dann habe die Kindesmutter ein paar Tage später plötzlich das Sorgerecht für die Kinder beantragt. Sie gebe dabei an, dass nicht sie, sondern der Ehemann die Kinder geschlagen hätte und zudem wolle der Ehemann die Kinder auch entführen. Die Kinder seien nun im Kinderheim untergebracht. Er könne seine 3 Kinder nur alle 14 Tage für 2 Std. im betreuten Umgang besuchen. Dieser würde willkürlich auch noch erschwert. Letztes Mal habe er sie erst nach einem Monat sehen dürfen. In einem Gutachten würde eher dem Ehemann als der Kindesmutter zugestanden, für die Kinder sorgen zu können. Darin würde auch darauf Bezug genommen, dass die Kindesmutter den Ehemann geschlagen hätte und er versucht habe, sich zu wehren. In seinen weiteren Ausführungen, sieht es ganz so aus, dass die Gewaltvorwürfe, die nun von der Frau gegen ihren Ehemann erhoben werden, durch ihn nicht mehr entkräftet werden können, und die sozialen und justitiablen Hilfssysteme ihm keinen Glauben schenken werden.
Im zweiten Beispiel geht es um eine Art Hilferuf eines Mannes, der sich ebenfalls im Herbst 2004 an mich wandte. Seine Frau trete als Nebenklägerin auf, um ihn wegen Körperverletzung durch das Gericht verurteilen zu lassen. Vorausgegangen wäre ein Streit mit Rangeleien und Handgreiflichkeiten seitens seiner Frau. Er wehrte sich, hierdurch habe sie blaue Flecken an den Handgelenken und Oberarmen davongetragen. Der Polizei erzählte sie, er hätte sie geschlagen. Sie jammere und weine bei den Aussagen immer hilflos. Seiner Frau werde geglaubt, ihm nicht!
Auch im zweiten Beispiel wird die Gewaltausübung der Partnerin nunmehr zu einem Gewaltvorwurf gegen den Mann stilisiert. Die These nach der »Männer Täter und Frauen Opfer« seien, macht es Männern offenbar schwer, als Opfer von Gewalt wahrgenommen bzw. anerkannt zu werden. […]
Eine weitere Einschränkung der Aussagekraft von Hellfeldzahlen ergibt sich durch eine Analyse, die Mansel (2003) in seinem Artikel: Die »Selektivität strafrechtlicher Sozialkontrolle«, vorgelegt hat. Auf der Basis von unterschiedlichen Datenquellen analysierte er u.a. Hellfelddaten. Dabei handelte es sich um die vorliegenden Individualdaten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) und der Strafverfolgungsstatistik (jeweils Daten von 1999) von 13 Bundesländern, sowie Daten aus Opferbefragungen. So analysierte er anhand dieser Daten, »inwiefern sich für weibliche Tatverdächtige die Wahrscheinlichkeit, später auch durch ein Gericht sanktioniert zu werden, von der bei männlichen Tatverdächtigen unterscheidet«. Er konnte zeigen, dass Opfer, wenn Sie vermuten oder wissen, dass der Täter ein Mann war, seltener auf die Erstattung einer Anzeige verzichten als gegenüber weiblichen Tätern. Männern bereitet es Probleme, sich als Opfer von Frauen zu begreifen.
Vor diesem Hintergrund interpretieren sie die gegen sie gerichteten Aktionen der Frauen seltener als Straftaten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann bei Behandlungsbedürftigkeit des Opfers angezeigt wird, ist gegenüber einer Frau, um das fünffache erhöht, d.h. männliche Täter werden fünf mal häufiger von den betroffenen Opfern angezeigt, als Täterinnen. Frauen haben innerhalb des bundesdeutschen Strafrechtssystems deutlich geringere Chancen inhaftiert zu werden.
Aus der Analyse dieser Datenquellen zieht Mansel folgendes Fazit: »Die Unterschiede in den Anteilen von männlichen und weiblichen Tätern in den offiziellen Statistiken auf der einen und in der Opferbefragung auf der anderen Seite, zeigen an, das beide Statistiken kaum eine verlässliche Grundlage bilden, um über den Verbreitungsgrad von Straftaten und deren Verteilung auf männliche und weibliche Täter Aussagen zu machen«.
[…]
Die Studie von Habermehl (1989) war Bestandteil einer Dissertation an der Universität Bielefeld. Sie befragte 553 Männer und Frauen aus der Bundesrepublik Deutschland und gelangte zu folgenden Ergebnissen:
»Von allen Männern und Frauen zwischen 15 und 59 Jahren, die schon einmal einen Partner hatten bzw. die einen Partner haben, waren 63,2 % schon einmal Gewalt ausgesetzt: 68,1 % der Männer und 58 % der Frauen haben schon einmal Gewalt in der Partnerschaft erlebt. 43,3 % der Männer und 34,7 % der Frauen sind schon einmal von einem Partner misshandelt worden, d.h. sie waren einer Form von Gewalt ausgesetzt, die ein Verletzungsrisiko einschließt. [...]
Bei der partnerschaftlichen Gewalt besteht nicht nur, wie die Literaturanalysen ergeben haben, ein ausgewogenes Täter-Opfer-Verhältnis zwischen Männern und Frauen, sondern sogar ein leichter Frauenüberschuss auf der Täterseite: Mehr Frauen als Männer setzen Gewalt gegen ihren Partner ein - mehr Männer als Frauen haben schon Gewalt durch ihre Partnerin erlebt. [...]
Nicht nur partnerschaftlicher, sondern auch der elterlichen Gewalt sind mehr Jungen als Mädchen ausgesetzt. Auch hier stimmen die Ergebnisse der vorliegenden empirischen Untersuchung mit denen der Literatur - Analysen überein«.
[…]
Physische Gewalt, die unter Partnern in der Scheidungs- und Trennungsphase auftritt, hat Amendt in seiner sog. Väterstudie mit erhoben (die hier berichteten Zahlen sind ein Zwischenergebnis:
www.vaeterstudie.de/newsletter/newsletter_1.htm):
»Von bislang 700 anonym befragten Männern der zweiten Befragungswelle gaben 203 an, dass es kurz vor oder während ihrer Trennung zu Handgreiflichkeiten gekommen sei. Dazu zählten beispielsweise Schläge ins Gesicht, der Wurf einer Tasse, schmerzhafte Fußtritte wie auch Angriffe mit einem Messer und der Sturz von einer Treppe, den Exfrau und Schwiegermutter vereint herbeiführten. [...] In 18% Prozent der erhobenen Fälle gehen die Handgreiflichkeiten von Männern, in 60 Prozent von ihren Partnerinnen aus. In 22 Prozent der erhobenen Fälle gehen die Handgreiflichkeiten von beiden Partnern aus«.
Die Repräsentativität dieser Daten ist – so (auch) Amendt einschränkend gegeben, da die Befragten über ein sehr hohes Einkommens- und Bildungsniveau verfügten, das nicht dem Durchschnitt der Bevölkerung entspreche.
[aus dem Aufsatz »Ist häusliche Gewalt männlich?« von Helmut Wilde bei manndat.de]
zu dem Aufsatz »Männer und Opferinnen« von Reinhard Stölzel bei Männerbüro Trier
»Die Familie ist auch für Männer mit Abstand das Wichtigste im Leben - auch und gerade für die berufstätigen Väter.« (zur Tagesschau)

DOSen und PDFs

Es heißt ja immer: »Die wissen gar nicht, was Ihnen fehlt.« Nun, liebe Windows-Fans, hier ist was, das ist am Mac ganz selbstverständlich, braucht man noch nicht mal ein Zusatzprogramm:

bei STERN.de

noch Lust auf ’ne dumme Frage? auch bei STERN.de
Immer diese Benachteiligung von Frauen! Da gibt’s aber GöttinseiDank in Amerika schon Emanzipationsversuche: in den frühen Splittern

Dienstag, 2. September 2008

Neuer Mann, was nun?

Wie viele Traummann-Träume einer Frau hält ein Mann aus? Und wie ist er so, der Liebhaber, Partner und Vater der Zukunft? Fragen an den Männerforscher Peter Döge
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Von Britta Baas

Publik-Forum: Herr Döge, immer weniger Frauen bekommen Kinder, immer mehr sind unzufrieden mit der Balance zwischen Beruf und Familie. Sind die Männer schuld?

Peter Döge: Nein! Was für eine Frage! In der deutschen Geschlechterdebatte wird ja immer sofort mit Schuldzuschreibungen gearbeitet. Der Geschlechterforschung fehlt einfach der systemische Blick. Dieser Blick würde uns helfen zu erkennen: In einer Paarbeziehung antwortet das Verhalten des einen auf das Verhalten des anderen. Meine These: Dass das eine Paar Kinder bekommt, das andere nicht, hat mit den Wertmustern der Partner zu tun.

Publik-Forum: Heißt das: Kinder kriegen wollen Frauen nur mit einem Traummann? Und Männer nur mit einer Traumfrau?

Döge: So ungefähr. Das Problem der Männer ist dabei, dass viele Frauen Double-Binds schaffen. Ein hoher Prozentsatz sagt zum Beispiel, ein Mann in Elternzeit sei ihnen sympathisch. Aber in denselben Umfragen sagen dieselben Frauen, sie fänden einen solchen Mann nicht männlich. Ja, was wollen diese Frauen? Im Ergebnis heißt das doch: Männer können es nicht richtig machen. Ähnlich schwierig ist es für sie, Traumväter zu sein. Das Bild des Traumvaters scheint weitaus stärker sozial konstruiert zu sein als das der Mutter. Den Begriff »Traummutter« gibt es nicht – das sagt schon viel. Es sagt natürlich nicht, dass es keine traumhaften Mütter gibt! Es sagt aber, dass eine eindeutige Verbindung zwischen Frau und Kind existiert, Mutterschaft also biologisch klar erkennbar ist. Die Verbindung zwischen Mann und Kind dagegen muss seit Jahrtausenden sozial hergestellt werden. Dass jemand sich als Vater fühlt, bedeutet für ihn, sich mit Kopf und Herz zu entscheiden, diese Rolle anzunehmen.

Publik-Forum: Herr Doge, wir leben im 21. Jahrhundert. Da können Männer wissen, ob sie der Vater eines Kindes sind oder nicht.

Döge: Das sagen Sie! Aber es wird immer Männer geben, die sich zweifelsfrei als Vater von Kindern wähnen, deren biologischer Vater sie gar nicht sind.

Publik-Forum: Okay, streiten wir nicht darüber, wann Väter »richtige« Väter sind. Sagen Sie mir lieber: Wie viele Traummann-Träume einer Frau hält ein Mann aus?

Döge: Die Leidensfähigkeit der Männer ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Aber wenn viele – einander teils widersprechende Erwartungen auf sie einströmen, reagieren Männer häufig mit Verweigerung, Das ist menschlich. Denn wie soll ein Mann zum Beispiel einerseits viel Zeit für seine Kinder haben, andererseits der Haupternährer der Familie sein? Dreißig Prozent der Männer in Deutschland sind bis zum 46. Lebensjahr kinderlos. Das ist mit Sicherheit auch eine Reaktion auf komplexe Erwartungshaltungen von Frauen.

Publik-Forum: Ja, warum wollen Männer denn immer die Familienernährer sein? Können sie das nicht mal den Frauen überlassen?

Döge: Auch da zeigen die Umfragen leider ein anderes Bild, als Sie es sich als Feministin wünschen: Frauen sagen zum Beispiel häufiger als ihr Partner selbst: »Mein Mann konnte seine Berufstätigkeit nicht der Kinder wegen unterbrechen, weil er sonst Karriere-Nachteile gehabt hätte.« Und Frauen geben auch zu erkennen, daß sie sich oft selbst gar nicht in die Rolle der Haupternähererin einer Familie hineinträumen.

Publik-Forum: Mit anderen Worten: Nicht die Männer, sondern die Frauen sind daran schuld, dass sich keine neue Balance zwischen den Geschlechtern einstellt? Und sie sind auch selbst schuld, wenn sie nicht herauskommen aus den eigenen vier Wänden?

Döge: Da sind wir also wieder bei der eingangs kritisierten Schuld. Nein, diese Schlussfolgerung geben die Studien nicht her. Denn es gibt bislang zu wenige Untersuchungen über Paar-Dynamiken. Also darüber, in welcher Weise genau das Verhalten eines Partners das Verhalten des anderen beeinflusst. Dass es das tut, dafür gibt es viele Indizien. Aber ebenso muss der harte Alltag im Blick bleiben. Der führt oft dazu, dass Frauen und Männer gar keine große Wahl haben, wie sie sich nun als Paar die Sorge um die Kinder, die Hausarbeit und das Erwerbsleben aufteilen. Oft müssen beide Partner Geld verdienen, damit es zum Leben reicht. Und ansonsten ändert sich nur etwas in Sachen Beteiligung der Männer an der Haus- und Familienarbeit, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Männer haben zum Beispiel signalisiert: Wenn die Elternzeit besser finanziert wird als bisher, gehen wir auch in Elternzeit. Und das tun sie jetzt. Von den Vätern, die Elternzeit nehmen, wählen 60 Prozent zwei Monate und 25 Prozent mittlerweile zwölf Monate.

Publik-Forum: Wie sieht denn die Traumfrau des neuen Mannes aus? Also die Partnerin, mit der ein Mann eine echte Balance in der Beziehung leben will?

Döge: Die jüngste Männer-Studie – »Männer im Aufbruch« –, die unter anderem von der Männerarbeit der EKD und der katholischen Kirche unterstützt wurde, hat gezeigt, dass die sogenannten neuen Männer an Frauen eine Mischung aus Intellektualität und Feenhaftigkeit faszinierend finden. [Die Studie ist aus dem Jahr 1998. Eine Zusammfassung kann bei der Universität Wien heruntergeladen werden.] Oh sich das mittlerweile verändert hat, werden wir im November wissen, wenn die Nachfolgestudie veröffentlicht wird.

Publik-Forum: Frauen sollen intellektuelle Feen sein, Männer gute Väter, Familienernährer und Statussymbole der Frauen. Das hört sich ziemlich archaisch an. Können wir vierzig Jahre Feminismus und zwanzig Jahre Genderforschung vergessen?

Döge: Nein, Feminismus und Genderforschung haben uns weitergebracht. Allerdings kritisiere ich einen Feminismus, der jegliche biologischen Gegebenheiten leugnet und alles, was Frauen und Männer ausmacht, als ausschließlich kulturell geprägt definiert. Frauen und Männer sind biologische und kulturelle Wesen! Ob es jemals eine absolute Sicherheit darüber geben wird, in welchem Mischungsverhältnis das gilt, wage ich zu bezweifeln. Aber an den Wunschvorstellungen und den – diesen Vorstellungen teilweise widersprechenden Verhaltensweisen von Frauen und Männern lässt sich ablesen, dass die Bildet die sich die Geschlechter voneinander machen, nicht nur Kopfgeburten sind, sondern mit Emotionen zu tun haben.

Publik-Forum: Und wie muss dann eine politische Konzeption aussehen, die den Menschen das Leben leichter macht?

Döge: Die politischen Rahmenbedingungen müssen Offenheit gewährleisten, was die Möglichkeiten der Lebensgestaltung betrifft. Mein Credo lautet: So viel Freiheit wie irgend möglich für individuelle Konzepte. Was ich sehe, ist aber, dass die Geschlechter- und Familienpolitik neue Normative aufbaut. Nämlich zum Beispiel die Norm, dass Frauen nach einer Geburt möglichst schnell wieder erwerbstätig sein sollen. Da frage ich kapitalismuskritisch: Ist es wirklich sinnvoll, die Familienpolitik darauf auszurichten, die Arbeitskraft von Menschen so schnell wie möglich wieder auf dem Markt ausbeuten zu können?

Publik-Forum: Das klingt ungemein innovativ. Aber mittelbar bedienen Sie damit die Protagonisten alter Muster. Denn irgendwer muss das Geld ranschaffen für die Familie. Das macht dann also weiter der Mann, weil die Frau daheim die Kinder nährt und hütet?

Döge: Nein, darauf muss es nicht hinauslaufen. Wenn ich sage: Ich will neue Freiheiten für Männer und Frauen, dann ist damit auch gemeint, Männern mehr Freiheit für die Familie zu geben. Es muss ja nicht die Frau sein, die allein in der Haus- und Familienarbeit tätig ist, während der Mann Karriere macht. Ach ja, Karriere! Das ist ja auch noch so ein Thema …

Publik-Forum: Wieso?

Döge: Weil ein Klischee besagt, Frauen säßen daheim, während Männer Karriere machten. Aber die meisten Männer machen keine Karriere. Sie verdienen Geld, und manchmal macht ihnen das nicht mal Spaß. Karrieren werden nicht primär entlang der Geschlechtergrenze gemacht, sondern von großbürgerlichen Eliten, die ihre Netzwerke so eng stricken, dass von außen nur selten jemand hineinkommt. Das belegen unter anderem die Studien des Soziologen Michael Hartmann. Mit anderen Worten: Wir sollten Acht geben, dass wir uns nicht an der falschen Front verkämpfen und Frauen und Männer als Gegenspieler deuten. Die Milieuzugehörigkeit spielt für Werdegänge von Menschen eine größere Rolle als ihr Geschlecht.

Publik-Forum: Welche Väter werden wir in Zukunft haben? Welche Mütter?

Döge: Welche Chancen Frauen und Männer in Zukunft haben werden, hängt stark von sozialen und von ökonomisch-technischen Entwicklungen ab. Hätten Sie diese Frage vor hundert Jahren gestellt, hätte ich Ihnen nicht sagen können, dass die Menschen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Lage sein würden, Sexualität und Fortpflanzung sicher zu trennen. Das ist ja eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass sich unsere Gesellschaft so entwickelt hat, wie wir sie jetzt vorfinden. Ich kann also nur Vermutungen anstellen, Es ist wahrscheinlich, dass die Entwicklung der westlichen Industriestaaten es immer besser ermöglicht, dass Frauen und Männer offen miteinander aushandeln, wie sie leben wollen. Kinderlernen heute jedenfalls schon, dass es normal ist, dass Frauen und Männer erwerbstätig sind. Und sie lernen, dass Frauen und Männer Hausarbeit machen und sich um Kinder kümmern. Diese Entwicklung wird sich nicht mehr zurückschrauben lassen. •

Peter Döge
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geboren 1961, ist promovierter Politikwissenschaftler und Mitbegründer des Instituts für Innovations- und Zukunftsforschung in Berlin. Dort hat er unter anderem die Zeitverwendung von Männern analysiert (Männer – Paschas und Nestflüchter? Budrich 2006).


aus Publik-Forum 12•2008





Im Buch von Friedrich Hacker über Aggression habe ich den Satz gefunden: »Gewalt ist das Problem, als dessen Lösung sie sich ausgibt.«


Wenn man sich die Fragen in diesem Interview genau ansieht, wird man zu einem ähnlichen Schluß kommen: Die Männer müssen was anders machen, dann haben die Frauen mehr Raum, und alles wird gut. Zur Traumfrau des Mannes: Er will also eine echte Balance in der Beziehung leben … weitere Gedanken überlasse ich dem LeserIn…

Ein paar Links zu den Arbeiten des erwähnten Soziologen Michael Hartmann:
- beim Manager-Magazin
- bei der FAZ
- beim Stern
- bei ZEIT Online

Montag, 1. September 2008

Münznamen

Groschen

Wegen der gestiegenen Bedürfnisse des Handels reichte der überall gebräuchliche Silberpfennig (Denar) im 13. Jahrhundert als Münznominal einfach nicht mehr aus – größere Silbermünzen mussten her. Das war die Geburtsstunde des Groschens, der als erste Vielfachmünze des Pfennigs geprägt und in Europa verbreitet wurde. Die ersten Groschen wurden um 1200 in den oberitalienischen Handelsstädten unter dem Namen „Grosso“ geprägt, danach in Frankreich als „Gros tournois“. Der Münzname leitet sich von der lateinischen Bezeichnung „denarius grossus“ (dicker Pfennig/Denar) ab. Der in der böhmischen Kanzleisprache übliche Ausdruck „grosch(i)“ führte schließlich zum deutschen „Groschen“. Weitverbreitet waren vor allem die Prager (seit 1300) und Meißner (seit 1338) Groschen, die unter König Wenzel II. (1278-1305) und Markgraf Friedrich II. von Meißen (1323-1349) geprägt wurden. Als Währung blieb der Groschen bis ins 21. Jahrhundert erhalten: In Österreich galt bis zur Einführung des Euro im Jahr 2002: 100 Groschen = 1 Schilling. Auch hierzulande war der Groschen bis dahin ein Begriff: Mit ihm wurde umgangssprachlich das 10-Pfennig-Stück bezeichnet.


Gulden

Als die Kreuzzüge (1096-1291) und der Handelsverkehr mit dem Orient einst haufenweise Gold nach Italien schwemmten, wurden aus dem Edelmetall auch Münzen geprägt. Im Jahr 1252 führte die Handelsstadt Florenz den sogenannten Floren (Gulden) ein. Er wurde ab dem 14. Jahrhundert zum Vorbild der Gulden nördlich der Alpen und entwickelte sich zur bedeutendsten Goldmünze des Mittelalters. Der Münzname bildete sich aus dem lateinischen Ausdruck „aureus denarius“ (althochdt. „guldin phenninc“ = goldener Pfennig, goldene Münze). Ende des 15. Jahrhunderts entstand als Äquivalent für den goldenen Gulden der silberne Gulden oder Taler. Daher nannte man fortan den bisherigen Gulden einfach Goldgulden. Eine besondere Bedeutung erlangte vor allem der Rheinische Gulden aus Gold, der im 14./15. Jahrhundert gar die Leitmünze in Westeuropa war. Erst mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 verschwand hierzulande die Münzbezeichnung Gulden sowohl für Gold- als auch für Silbermünzen. In den Niederlanden hingegen blieb der Gulden bis zur Einführung des Euro 2002 Währungseinheit (1 Gulden = 100 Cent). Auch die Währung Polens, der Zloty („der Goldene“), geht auf den Gulden zurück.


Heller

Die Heimat des Hellers (auch: Häller, Haller) liegt in der baden-württembergischen Stadt Schwäbisch-Hall. Hier wurden die dünnen Pfennigmünzen aus Silber erstmals unter Friedrich I. Barbarossa (1155-1190) geprägt. Der Münzname leitet sich von der damaligen Reichsstadt „Hall“ ab; „hal“ bedeutete im Mittelhochdeutschen Salzquelle oder Salzwerk, und in der Tat war die Haupterwerbsquelle von Hall früher die Saline, eine Anlage zur Gewinnung von Salz. Der Heller verbreitete sich vor allem im südwestdeutschen Raum. Ab dem Ende des 16. Jahrhunderts wurde er zudem als eine der ersten deutschen Kupfermünzen geprägt. Diese wurden zuletzt 1866 in Hessen herausgegeben. In Österreich war der Heller von 1892 bis 1918 Nominal der Währung, in Deutsch-Ostafrika von 1904 bis 1916. Bis heute ist er übersetzt in den kleinen Münzeinheiten der Währungen Ungarns (Filler), Tschechiens (Haleru) und der Slowakei (Halierov) enthalten.

aus prägefrisch.de
mehr bei www.muenzen-lexikon.de

Gestern abend kam »Auf der Jagd nach dem Schatz der Nibelungen«, eine Kraut-Version von Indiana Jones. Karl der Große, nach dreihundert Jahren der erste, der wieder den Titel »römischer Kaiser« trug (gut zu merken: Kaiserkrönung an Heiligabend 800) soll (so der Film) den Schatz gefunden haben, ist ja auch egal. Was mir neu war, daß Karl der Große mit neun Haupt- und Nebenfrauen sowie vielen Geliebten über 30 Kinder hatte.
Was auch bemerkenswert ist: Die damaligen Herrscher hatten keinen festen Regierungssitz und zogen umher. Karl ließ etwa 30 Pfalzen (also zeitweilige Regierungssitze) bauen.

Und Münzen, was ist mit Münzen?

Karl der Große (747-814) reformierte das ehedem gänzlich uneinheitliche Geldwesen (obwohl damals hauptsächlich noch Tauschhandel getrieben wurde). Die Goldbindung des Geldes wurde aufgegeben, der Silberdenar als reichsweit geltende verbindliche Währung eingeführt (und blieb es auch für zwei Jahrhunderte). Ein Solidus bzw. Schilling waren 12 Denar; ein Pfund (libra), dessen Gewicht gegenüber dem antiken Maß erhöht wurde, entsprach 20 Solidi.

Wem das zu trocken ist: Sarah Palin wird Großmutter, Enkelin Bristol ist minderjährig, unverheiratet und schwanger! (Gott geht’s uns gut!)

Freitag, 29. August 2008

Felder, der vierte und letzte

Ich habe mich ja lange gedrückt. Es ist ja auch schon viel gesagt worden, und vieles von dem, was gesagt worden ist, ist verkehrt. Das mag mir andererseits aber auch als Anregung dienen, weil, was kann ich dann noch verkehrt machen. Also:

Die beiden ersten Feldartikel (zum ersten, zum zweiten) bezogen sich auf physikalische Felder, und der Sinn des Gebrauchs des Begriffes „Feld“, wie ihn Richard Feyman erklärt ist: „Ein wirkliches Feld ist eine mathematische Funktion, die wir verwenden, um die Vorstellung der Fernwirkung zu vermeiden.“ (zitiert nach wikipidia)

Der dritte Artikel ist der Abdruck eines Vortrags, den Rupert Sheldrake Anfang der 80er Jahre gehalten hat. Nachdem sich inzwischen die Hypothese von morphogenetischen Feldern als falsch erwiesen hat, reitet er inzwischen auf morphischen Feldern herum, die er aber in den letzten zwanzig Jahren nicht nachzuweisen imstande war. Diese Tatsache spricht für sich.

Sheldrakes Felder sind Zwitter, sie sind nicht genau zuzuordnen. Was nicht zuzuordnen ist, bietet Chancen, sowohl für die Wissenschaft als auch für die Pseudowissenschaft. Nun gibt es bekannte Leute (wie C. G. Jung oder den Physiker Wolfgang Pauli), die seltsame Erlebnisse hatten, oder mit deren Person seltsame Ereignisse in Zusammenhang gebracht werden. Dazu später

Zuerst noch einmal einen Punkt der Definition von Cornelis de Jager für Pseudowissenschaft:
»… [Sie] zieht Koinzidenz und Korrelation zur Beweisführung heran und verwechselt Korrelation mit Kausalität.«

Es bedeuten:
Koinzidenz – ein meist zeitliches, manchmal ein räumliches Zusammentreffen von Ereignissen. Die Physik unterscheidet zwischen wahren und zufälligen Koinzidenzen. Bei einer wahren Koinzidenz ist ein einziger physikalischer Vorgang Ursache beider Detektorsignale, bei einer zufälligen zwei verschiedene und voneinander unabhängig eintretende Vorgänge. Im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet Koinzidenz das gleichzeitige Auftreten von zwei (oder mehr) Ereignissen, wenn ein ursächlicher Zusammenhang zwischen ihnen zwar nicht bekannt ist, aber vermutet oder diskutiert wird.

Korrelation – ist eine Beziehung zwischen zwei oder mehr statistischen Variablen. Wenn sie besteht, ist noch nicht gesagt, ob eine Größe die andere kausal beeinflusst, ob beide von einer dritten Größe kausal abhängen oder ob sich überhaupt ein Kausalzusammenhang folgern lässt. Aus dem Wikipedia-Artikel:

Die Korrelation beschreibt aber nicht unbedingt eine Ursache-Wirkungs-Beziehung in die eine oder andere Richtung. So darf man über die Tatsache, dass man Feuerwehren oft bei Bränden findet, nicht folgern, dass Feuerwehren die Ursachen für Brände seien. (Anmerkung von mir: die andere Richtung würde stimmen.)

Die direkte Kausalität kann auch gänzlich fehlen. So kann es durchaus eine Korrelation zwischen dem Rückgang der Störche im Burgenland und einem Rückgang der Anzahl Neugeborener geben, diese Ereignisse haben aber nichts miteinander zu tun – weder bringen Störche Kinder noch umgekehrt. Das heißt, sie haben kausal allenfalls über eine dritte Größe etwas miteinander zu tun, etwa über die Verstädterung, die sowohl Nistplätze vernichtet als auch Kleinstfamilien fördert.
[…]
In der Presse finden sich häufig Korrelationen, deren Präsentation eine Kausalität suggeriert: [Achtung, das heißt nicht, daß keine Kausalität besteht, es geht nur um die Suggestion]
• Größere Leute verdienen mehr (baz, 25. Oktober 2003)
• Je mehr Lärm im Haus, desto dümmer die Kinder (baz, 4. September 2004)
• Rauchen schadet Ihrer Intelligenz (20min, 17. Dezember 2004)
• Kreative haben mehr Sex (St. Galler Tagblatt, 1. Dezember 2005)
• Glückliche Menschen sind gesünder (20min, 19. April 2005)
• Sozial engagierte Menschen haben einen besseren Gesundheitszustand (benevol SPECTRUM, Mai 2006)
• Senkung der Arbeitslosigkeit erfordert starkes Wirtschaftswachstum (Schlussfolgerung aus der konjunkturellen Korrelation Wirtschaftswachstum/Arbeitslosigkeit – Okunsches Gesetz)

Kausale Fehlschlüsse aus Korrelationen bezeichnet man als »cum hoc ergo propter hoc«.

Zurück zu C. G. Jung und Wolfgang Pauli
Jung prägte den Begriff der Synchronizität (an dem soll Pauli mitgewirkt haben); zwei Ereignisse sollen ihn zum Nachdenken darüber bewogen haben:

1. „Eine junge Patientin hatte in einem entscheidenden Moment ihrer Behandlung einen Traum, in welchem sie einen goldenen Skarabäus zum Geschenk erhielt. Ich saß, während sie mir den Traum erzählte, mit dem Rücken gegen das geschlossene Fenster. Plötzlich hörte ich hinter mir ein Geräusch, wie wenn etwas leise an das Fenster klopfte. Ich drehte mich um und sah, dass ein fliegendes Insekt von außen gegen das Fenster stieß. Ich öffnete das Fenster und fing das Tier im Fluge. Es war die nächste Analogie zu einem goldenen Skarabäus, welche unsere Breiten aufzubringen vermochten, nämlich ein Scarabaeide (Blatthornkäfer), Cetonia aurata, der gemeine Rosenkäfer, der sich offenbar veranlasst gefühlt hatte, entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten in ein dunkles Zimmer gerade in diesem Moment einzudringen.“ (Gesammelte Werke, Bd. 8, S. 497.) [zitiert nach Wikipedia]

2. Schon im Jahre 1909, also gerade mal zwei Jahre nach ihrem ersten Zusammentreffen, gab es starke Spannungen innerhalb ihrer Beziehung und Freud begann Jung wegen seines Interesses an Spiritualität zu rügen. Einmal während eines Gespräches, in dem wieder eine solche Bemerkung fiel, verspürte Jung ein glühend heißes Empfinden in seinem Zwerchfell und im selben Moment fiel ein Buch aus einem Regal. C.G. Jung bezeichnete dies als in Zusammenhang mit diesem Gespräch stehend, was Freud mit der Bemerkung: „…völliger Quatsch“ abtat.

(aus einem Text von Rudolf Engemann; das tatsächliche Geschehen ist allerdings anscheinend der Stillen Post zum Opfer gefallen, weswegen ich im Folgenden Jungs Originaltext zitiere [aus Jaffée (Hg.) Erinnerungen, Träume, Gedanken])

Es interessierte mich, Freuds Ansichten über Praekognition und über Parapsychologie im allgemeinen zu hören. Als ich ihn im Jahre 1909 in Wien besuchte, fragte ich ihn, wie er darüber dachte. Aus seinem materialistischen Vorurteil heraus lehnte er diesen ganzen Fragenkomplex als Unsinn ab und berief sich dabei auf einen dermaßen oberflächlichen Positivismus, daß ich Mühe hatte, ihm nicht allzu scharf zu entgegnen. Es vergingen noch einige Jahre, bis Freud die Ernsthaftigkeit der Parapsychologie und die Tatsächlichkeit »okkulter« Phänomene anerkannte.
Während Freud seine Argumente vorbrachte, hatte ich eine merkwürdige Empfindung. Es schien mir, als ob mein Zwerchfell aus Eisen bestünde und glühend würde – ein glühendes Zwerchfellgewölbe. Und in diesem Augenblick ertönte ein solcher Krach im Bücherschrank, der unmittelbar neben uns stand, daß wir beide furchtbar erschraken. Wir dachten, der Schrank fiele über uns zusammen. Genauso hatte es getönt. Ich sagte zu Freud: »Das ist jetzt ein sogenanntes katalytisches Exteriorisationsphänomen.«
»Ach«, sagte er, »das ist ja ein leibhaftiger Unsinn!«
»Aber nein«, erwiderte ich, »Sie irren, Herr Professor. Und zum Beweis, daß ich recht habe, sage ich nun voraus, daß es gleich nochmals so einen Krach geben wird!« - Und tatsächlich: kaum hatte ich die Worte ausgesprochen, begann der gleiche Krach im Schrank!
Ich weiß heute noch nicht, woher ich diese Sicherheit nahm. Aber ich wußte mit Bestimmtheit, daß das Krachen sich wiederholen würde. Freud hat mich nur entsetzt angeschaut. Ich weiß nicht, was er dachte, oder was er schaute! Auf jeden Fall hat dieses Erlebnis sein Mißtrauen gegen mich geweckt, und ich hatte das Gefühl, ihm etwas angetan zu haben. Ich sprach nie mehr mit ihm darüber.

Ein kleiner Ausflug: Als ich den Engemann-Text, den es auch als PDF-Datei gibt, zum zweiten Mal herunterladen wollte – die erste Version hatte ich aus Versehen gelöscht – konnte ich die PDF-Datei nicht mehr sichern, mehrmals erschien die Datei im Download-Fenster als heruntergeladen, am Speicherort konnte ich sie jedoch nicht finden. Ich wollte schon an ein neues Beispiel für Synchronizität denken, da merkte ich, daß ich inzwischen die Internet-Verbindung getrennt hatte: es konnte also gar nicht funktionieren.

Pauli prägte den Begriff des Pauli-Effektes, dieser läßt sich bei Wikipedia nachlesen. Es geht bei diesem um die mit Schmunzeln zur Kenntnis genommene Tatsache, daß in Paulis Gegenwart häufig z. T. teure Apparaturen zu Bruch gingen, weswegen ihm der Physiker Otto Stern Labor-Verbot erteilte. Pauli soll von dem Effekt überzeugt gewesen sein.

Bei diesen Dingen verlassen wir den Bereich der Physik. Wenn wir also hier von Feldern sprechen, handelt es sich nicht um physikalische Felder. Es geht um das sogenannte psychophysische Problem. C. G. Jung führt dazu den alchemistischen Begriff „unus mundus“ (Eine Welt) wieder ein, Pauli nennt es psychophysische Einheitswirklichkeit.

Um es ganz klar zu sagen: Es ist meiner Meinung nach im Prinzip möglich, daß der Geist die Materie beeinflußt. (Ob dies über Neutrinos, Bosonen oder eine Fernwirkung geschieht, ist mir völlig egal.) Ich glaube aber nicht, daß solche Möglichkeiten oder Fähigkeiten wissenschaftlich reproduzierbar sind. Ich glaube, daß, wenn ich nur genug gebetet oder meditiert oder TaiJi oder sonstwas gemacht habe, mein Geist in eine Region gerät, in der die Wahrscheinlichkeit, daß solche Dinge geschehen, erhöht wird. Ich glaube aber nicht, daß eine Kontrolle über solche Phänomene erlangt werden kann. Und wenn doch eine Kontrolle darüber erlangt werden kann, existiert die Frage, ob eine Kontrolle darüber erlangt ist, nicht mehr.


Aber darum geht es nicht. Die wirkliche Frage ist: Unter welchen Voraussetzungen darf ich über psychische Felder reden? (Ich verwende den Begriff psychophysisch mit Absicht nicht.)

Was auf der psychischen Ebene geschieht, ist so hochkomplex, daß es mit der physikalischen Erforschung der Fallgesetze nicht verglichen werden kann.

Die Antwort lautet deshalb
1. wenn ich das, was geschieht, nicht auf eine einfachere Art beschreiben kann,
2. wenn in der Kommunikation deutlich ist, daß ich über meine eigene (subjektive) Wahrnehmung der Welt rede und
3. wenn ich mir der Tatsache bewußt bin, daß das, was ich sage, nicht beweisbar ist.

Zwar sagt Wittgenstein (im Tactatus Logico-Philosophicus, 1921) „Alles, was sich sagen, lässt sich klar sagen, wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Jedoch ist Andreas Arndt (Dialektik und Reflexion, 1994, S. 312) der Meinung, daß Wittgenstein die Absicht verfolgte, durch diese Grenzziehung „jenseits der Philosophie Raum zu gewinnen für die Mystik“.

99% dessen, was über Mystik gesagt wird, ist Geschwätz. Das sollte einen aber nicht davon abhalten, es zu versuchen.

Eine Schlußbemerkung für Kon Fu Sius:
1. Grundsätzlich haben wir keinen direkten Zugang zur Wahrheit. (von mir: soweit war Platon schon)
2. Wir können jedoch gar keinen radikalen Zweifel durchführen, weil wir hierzu Gewissheiten benötigen und weil uns zum Zweifeln oft die Gründe fehlen. Nur wenn ein Zweifel Teil des Sprachspiels und dieses wiederum Element der Lebensform ist, ist ein Zweifel möglich.
3. Dem Skeptiker, der an allem zweifeln möchte, darf somit keine klassische Antwort gegeben werden. Es geht Wittgenstein eher um eine therapeutische Behandlung des Zweifels, indem die Grundlosigkeit und die Unnötigkeit sowie schließlich die Unmöglichkeit des Zweifels aufgezeigt werden.

(aus dem Wikipedia-Artikel »Über Gewißheit«, dem letzten Werk Wittgensteins, an dem er bis zwei Tage vor seinem Tode noch gearbeitet hat; also wenn das nicht klar ist…)

Mustang: Karussellfahrerhosen aus Künzelsau

Wenn Jeans, dann nur Mustang!

Lauterbach at his best!

Also, wie angekündigt, die Ärzte kriegen 10% mehr (wer’s glaubt, wird selig und selig sind die geistig Armen). Ist ja egal, wie lange die drauf gewartet haben, 10 oder 15 Jahre, 10% sind einfach viel! Und nach Karl Lauterbach, meinem Oberspezi zu viel. Er meint nämlich, die Patienten hätten nix von. Wow! Dann laßt Euch doch in 20 Jahren von eingebürgerten Geiz-ist-geil-Weißkitteln aus Tadschikistan oder Obervolta Euren Blinddarm rausrupfen. Und wer dann noch einen Arzt mit Deutschkenntnissen haben will, muß draufzahlen, das ist dann keine Kassenleistung mehr.

Für Frauen!


Es gibt was umsonst:

Nur noch ums eigene Überleben…

Ein ZEIT-Artikel beklagt unsere geängstigte, anpasserische und perspektivlose Jugend.

Ich bin doch nicht blöd…


























Aber vielleicht ist diese Jugend für die Sensoren der Medien einfach nicht laut genug und zu nachdenklich

Mittwoch, 27. August 2008

Was ist Radosophie?

Cornelis de Jager

Was sind die Methoden wissenschaftlicher Forschung? Beginnen wir mit einem Beispiel: mit der Astrophysik. Sie ist zum Teil aus der Astrologie hervorgegangen. Unsere Vorfahren glaubten, auf einer flachen Scheibe zu leben, und so konnte das Firmament mit seinen Fixsternen für sie nur eine Kuppel sein, die sich über dem damals bekannten Teil der Erde wölbte, einem Gebiet mit einem Radius von ein paar tausend Kilometern. Überraschenderweise entdeckten sie unter diesen Fixsternen noch andere Himmelskörper – die Wandelsterne oder Planeten –, die oft heller leuchteten und sich auf scheinbar willkürlichen Bahnen am Firmament bewegten. Es ist nur logisch, daß unsere Vorfahren, ihrer Philosophie gemäß, diese Bewegungen als Botschaften der Götter an die sterblichen Erdenbewohner deuteten. Sie mußten unbedingt entziffert werden. Eine genaue Beobachtung der Planeten war von größter Wichtigkeit (außerdem mag ein gewisses Interesse an der Sache selbst das übrige getan haben).

Ihre Beobachtungen förderten bestimmte Regelmäßigkeiten zutage, und nach und nach bildete sich sogar ein analytischer Ansatz heraus. So wurde aus der Astrologie schließlich die Astronomie. Sternenkundige entwickelten Modelle der planetarischen Bewegungen – das ptolemäische Modell ist wohl das bekannteste. Die astrologischen Ursprünge dieser Modelle waren allerdings nicht zu verleugnen, im ganzen Altertum blieben sie eng mit der Astronomie verflochten. Lange Zeit machte man nicht einmal einen Unterschied in der Bezeichnung. Außerdem basierten fast alle Konzepte des Universums auf der platonischen Vorstellung einer Ideenwelt, deren vereinfachtes und unvollkommenes Spiegelbild die erfahrene Wirklichkeit sei.

In der wissenschaftlichen Literatur wurde verschiedentlich die Frage aufgeworfen, ob Ptolemäus wohl ein Betrüger gewesen sei. Es ist bekannt, daß er, um seine Theorie darzustellen, gelegentlich auf diejenigen empirischen Daten zurückgriff, die am besten zu den Voraussagen seines Modells paßten, und es sieht so aus, als habe er in anderen Fällen nicht gezögert, die Daten zu verfälschen, um eine bessere Übereinstimmung zu erzielen. Heutzutage wäre dies ein klarer Fall von Wissenschaftsbetrug, doch im Rahmen der platonischen Ideenlehre hatte ein solches Vorgehen im griechischen Altertum durchaus seine Berechtigung.

Die Forderung, am Anfang habe die Beobachtung zu stehen, die dann erst interpretiert und in Regeln und »Gesetzen« zusammengefaßt werden müsse (der Grundgedanke also, daß Forschung empirisch sein sollte), wurde erst gegen Ende des Mittelalters deutlich formuliert, auch wenn einzelne aufgeklärte Geister sie bereits früher erhoben hatten. Umgekehrt wurden aber auch weiterhin und bis in die Gegenwart neoplatonische Ideen vertreten.

Wie sehr man in der Renaissance und der Zeit danach um ein klares Konzept wissenschaftlichen Vorgehens bemüht war, läßt sich an vielen Beispielen zeigen: Kopernikus etwa – einerseits Verfechter einer revolutionären Theorie, vertrat andererseits weiterhin die neoplatonische Lehrmeinung, wonach die Planeten sich auf kreisförmigen Bahnen bewegen. Der Kreis galt nämlich als die vollkommenste Form, und man glaubte doch: »Göttlichkeit handelt immer geometrisch« (Pythagoras). Verglichen mit dem kopernikanischen System erscheint das des dänischen Astronomen Tycho Brahe als Rückschritt (denn es ist geozentrisch), es paßte nun jedoch besser zu den vorliegenden Beobachtungen.

Daß Roger Bacon (im 13. Jahrhundert), aber auch Tycho Brahe (im 16. Jahrhundert) und sogar Isaac Newton Alchemie betrieben, mag uns seltsam erscheinen, doch das Studium der Alchemie hatte – im Gegensatz zur Astrologie – den Vorzug einer empirisch orientierten Vorgehensweise.

Es stellt sich sowieso die Frage, ob es eine wirklich standardisierbare »wissenschaftliche Methode« überhaupt gibt. Meines Erachtens gibt es sie nicht. Wissenschaftliche Forschung beruht auf Logik, gesundem Menschenverstand und Erfahrung bei der Interpretation von Beobachtungen allgemeiner Art. Im Laufe der Jahrhunderte hat der Mensch Techniken entwickelt und verfeinert, die es ihm erlauben, aus Beobachtungen »Gesetze« abzuleiten – oder zu überprüfen, inwieweit eine wissenschaftliche Schlußfolgerung (respektive ein neues Gesetz) korrekter ist als eine frühere Version. Die Methoden sind allerdings vielfältig und sehr verschieden.

Einige Kriterien lauten:
• Die Beweisführung sollte logisch und rational sein.
• Die Beweisführung sollte vollständig und schlüssig sein; sie sollte keine Lücken enthalten.
• Die Hypothese sollte widerlegbar, der experimentelle Beweis wiederholbar sein.
• Die einfachste Annahme ist oft die beste (»Ockhams Rasiermesser«).
• Die Wahrscheinlichkeit einer zufälligen Übereinstimmung von Daten sollte verschwindend gering sein.
• Sehr unwahrscheinlichen oder außergewöhnlichen Behauptungen sollte man mit extremer Vorsicht und allzeit bereitem Mißtrauen begegnen; sie müssen durch schlagende Beweise abgesichert werden.

Man darf jedoch einen dialektischen Aspekt nicht vergessen: Oft sind es gerade die erfolgreichsten und produktivsten Wissenschaftler, die kühn eine neue Hypothese vorstellen, ohne sich dabei auf überzeugende und überwältigende Beweise zu berufen; statt dessen folgen sie eben erst entdeckten Daten, spärlichen oder ungenauen Informationen und häufig auch bloß ihrer Intuition.

Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft ist, daß in letzterer einige oder alle der oben genannten Kriterien nicht berücksichtigt werden.

Die Pseudowissenschaft
• akzeptiert Resultate, die von qualitativ nicht ausreichenden Beweisen gestützt werden;
• verfälscht oder übergeht empirische Daten, die sich mit der favorisierten Annahme oder Theorie nicht in Einklang bringen lassen, sie beschränkt sich auf die Daten, die am besten passen;
• zieht Koinzidenz und Korrelation zur Beweisführung heran und verwechselt Korrelation mit Kausalität;
• legt oft übermäßig großes Gewicht auf die Theorie, in der Erwartung, diese werde alles, was noch unbegreiflich bleibt, erklären können.

Ich will meine Bemerkungen über die Pseudowissenschaft verdeutlichen, und zwar mit der Radosophie. Während die große Zeit der Astrologie als Wissenschaft vorbei und sie als Forschungsfeld so gut wie verschwunden ist, sind andere pseudowissenschaftliche Anschauungen mit einer Verbindung zur Astronomie noch immer verbreitet.
Eine davon ist die »Religion« der Großen Pyramide. Sie kam im ersten Viertel unseres Jahrhunderts auf, als Forscher erstmals die ägyptischen Pyramiden untersuchten. Insbesondere die Cheopspyramide erregte Aufmerksamkeit, und sie hat tatsächlich einige astronomische Besonderheiten zu bieten. Sie ist mit großer Genauigkeit nach Norden ausgerichtet, und das Verhältnis von Höhe zu Basisseitenlänge beträgt 1 zu π/2. Die erste Tatsache beweist, daß die alten Ägypter die Himmelsrichtungen sehr genau bestimmen konnten, die zweite galt als Beweis dafür, daß die Ägypter die Zahl π bereits kannten. Mir scheint, bei letzterem könnte es sich um einen Zufall handeln. Spätere Forschungen haben ergeben, daß früher gebaute Pyramiden einstürzten, weil sie steiler waren. Nach mehreren Experimenten hatte man also mutmaßlich herausgefunden, woran es lag, und baute weniger steil.

Piazzi-Smith und andere stellten extreme Behauptungen auf. Nachdem man als Lä5igenmaß das »Pyramiden-Yard« (PY) zugrunde gelegt hatte – es beträgt 1/20.000.000 des Erddurchmessers (64 Zentimeter) –, stellte man fest, daß die Basisseitenlänge der Großen Pyramide 365,25 PY mißt – was wiederum genau der Anzahl der Tage im Jahr entspricht. Soll das heißen, die Erbauer der Pyramide kannten den Durchmesser der Erde? Oder die taggenaue Dauer eines Jahres? Beachten Sie, daß derart präzise Zahlenangaben eine Vermessung der Basisseitenlänge mit der erstaunlichen Genauigkeit von fünfzehn Zentimetern voraussetzen, was sich angesichts des Zustands der Pyramide als schwierig erweisen dürfte. Außerdem aber beträgt das Doppelte der Diagonalen genau 25.826 Pyramiden-Inches (1 PI entspricht 1/25 PY), und das ist der Präzessionszyklus der Erdachse in Jahren. Wohlgemerkt: diejenigen, die diese Zahl mit einer solchen Genauigkeit angeben, behaupten damit implizit, sie hätten die Diagonale mit einer Genauigkeit von weniger als I PI, also in der Größenordnung von Zentimetern vermessen.

Doch das war noch nicht alles, man tönte des weiteren, es ließe sich eine mathematische Formel finden, mit welcher die Basisseitenlänge der Pyramide (in PY) In Relation zur Entfernung zwischen Erde und Sonne (in Kilometern) gesetzt werden könne. Das würde bedeuten, die Erbauer der Pyramide kannten bereits mehrere tausend Jahre vor der Einführung des metrischen Systems die Länge eines Kilometers. Man stellte noch weitere solcher bemerkenswerten Zusammenhänge zwischen baulichen Daten der Großen Pyramide und Daten aus der Astrophysik oder der Geschichte der Menschheit fest, und diese erregten in weiten Kreisen großes Interesse und Verblüffung. Die Religion der Großen Pyramide blühte und gedieh.

Verschiedene Aspekte pseudowissenschaftlicher Beweisführung sind hier ganz deutlich auszumachen. Am offensichtlichsten ist eine übersteigerte Ehrfurcht vor zufälligen Übereinstimmungen von Zahlen, und einhergehend damit wird die mögliche Anzahl mathematischer Relationen zwischen einfachen Zahlen unterschätzt.

Um das zu verdeutlichen, möchte ich nun eine neue Religion vorstellen. Sie gründet sich auf mein Hollandrad. Warum? Weil ein Fahrrad in meiner Heimat praktisch denselben Status besitzt wie die Pyramiden im alten Ägypten. In meinem Land gibt es 15 Millionen Holländer, aber 16 Millionen Fahrräder.

Ich vermaß die Durchmesser
• des Pedalwegs, der die vorwärtsschreitende Dynamik symbolisiert;
• des Vorderrads, das meinen Weg in eine unbekannte Zukunft lenkt;
• der Lampe, die mir meine Pfade erleuchtet;
• der Klingel, die nur zur der Kommunikation mit Entgegenkommenden dient.
So legte ich den elementaren Grundstein hit eine neue h(ilistische, vierdimensionale Religion, die des anbrechenden Wassermannzeitalters würdig ist: die Radosophie.

Die Meßergebnisse wurden in Heilige-Fahrrad-Inches umgerechnet. I HFI entspricht 17 Millimetern, denn 1 ist die erste und 17 die siebte Primzahl, und die Sieben ist außerdem die heilige Zahl.

Wenn ich die vier gemessenen Werte mit P, W, L und B benenne, zeigt sich, daß



und siehe da, dies entspricht dem Quotienten der Massen von Proton und Elektron. Ich finde es bemerkenswert, daß eine solch simple Relation zwischen drei Parametern meines Fahrrads eine so fundamentale Konstante ergibt; der Schöpfer meines Rades muß sehr begabt gewesen sein. Möglicherweise besaß er übernatürliche Kräfte, denn vielleicht waren ihm die Werte der Massen von Proton und Elektron gar nicht bekannt.

Aber das ist ja noch nicht alles. Die »Feinstrukturkonstante«, eine für die Grundlagenphysik sehr bedeutsame Zahl, lautet 137,0. Und – man staune:



Die Gravitationskonstante lautet



und siehe da:



Ebenso besteht eine Beziehung zwischen meinem Fahrrad und grundlegenden astronomischen Daten. Zum Beispiel beträgt die Entfernung zwischen Erde und Sonne, in Einheiten von hundert Millionen Kilometern ausgedrückt, 1,496. Was stelle ich fest? Daß




Die Lichtgeschwindigkeit beträgt

Kilometer pro Sekunde.

Aus meinen Fahrradparametern errechne ich



Aufgrund der Differenz zwischen den letzten Ziffern möchte ich den Physikern eine Neuberechnung der Lichtgeschwindigkeit nahelegen, denn angesichts der zitierten exakten Übereinstimmungen scheint es sehr unwahrscheinlich, daß der Fehler bei meinem Fahrrad liegt.

Ich könnte die Liste der Kombinationen noch erheblich verlängern. Ich könnte mein Fahrrad zu jeder willkürlich gewählten Zahl in Relation setzen – vom Alter des Weihnachtsmannes bis zur Anzahl der Blumen in meinem Garten. Alle Rechnungen würden aufgehen.

Doch weder an der Großen Pyramide noch an meinem Fahrrad ist irgend etwas Besonderes.

Wählen Sie vier Zahlen A, B, C und D und bringen Sie sie in folgende Rechnung ein:




wobei Sie für a, b, c und d ganze Zahlen zwischen 5 und -5 sowie die positiven und negativen Werte π, 1/2 und 1/3 einsetzen können. Es gibt 83.521 mögliche Kombinationen, und die Wahrscheinlichkeit, daß eine davon einer zuvor bestimmten festen Größe (mit einer Abweichung von 0,01 Prozent) entspricht, ist etwa eins. (Beachten Sie, daß ich im vorigen Teil vorsichtig genug war, alle festen Größen mit lediglich drei oder vier Stellen anzugeben!) Ein einfaches Computerprogramm kann all die Kombinationen ausdrucken, der festen Größe mit einer Abweichung von, sagen wir, 0,1 Prozent entsprechen. In den meisten Fällen waren es etwa zehn mögliche Kombinationen, aus denen ich dann die besten ausgesucht habe. Ein größerer Rechner als meiner, der auf mehr Variablen und Formeln zurückgreifen kann, würde noch weit bessere Ergebnisse ausspucken.

In numerischen Experimenten wie auch im täglichen Leben gibt es immer wieder Fälle von Koinzidenz. Wer nicht begreift, daß solche zufälligen Übereinstimmungen nicht »selten« sind, verwendet sie entsprechend unangemessen und inkorrekt, um die Existenz paranormaler Vorgänge zu beweisen. Die meisten Menschen unterschätzen die gewaltige Menge möglicher Kombinationen von Zahlen. Und das hat es vielen pseudowissenschaftlichen Auffassungen leicht gemacht, sich auszubreiten und allgemeine Anerkennung zu finden.

Cornelis de Jager ist Astrophysiker am Labor für Weltraumforschung in Utrecht, Niederlande.

(Deutsch von Dirk van Gunsteren)

aus Gero von Randow (Hg.), Mein paranormales Fahrrad

Dienstag, 26. August 2008

Was regt sich der Westen so auf?

Saakaschwili läßt in Südossetien bomben, Medwedew in Georgien einmarschieren, der Westen protestiert übereifrig (gegen den Einmarsch).
Medwedew läßt wieder abziehen, der Westen protestiert, daß es nicht schnell genug geht.
Die Südossitier haben Angst, Medwedew erkennt Südossetien und Abchasien an, der SPIEGEL sieht Machtspiele und der Westen eine Krise und Merkel – wenn’s nach der gegangen wäre, würde heute Deutschland im Irak verteidigt – verspricht eine härtere Gangart.
Ja, was sollen sich die Russen denn noch alles gefallen lassen? Was Georgieboy recht ist kann Putin doch nur billig sein. Vielleicht sagt mal Peter Handke was, der hat ja Übung drin, sich in die Nesseln zu setzen. Vielleicht erinnert sich auch noch jemand daran, was mit Kroatien passiert ist (Kurzfassung, Langfassung).
Also: Der Westen wäre gut beraten, etwas vorsichtiger und weniger einäugig zu sein, der Kalte Krieg ist grad um die Ecke, und Bedachtsamkeit sieht anders aus. Oft ist da, wo moralische Empörung draufsteht, Machtpolitik drin.

Amerikanische Militäreinsätze:
- bei aktivepolitik.de
- bei amerikaimkrieg.de
- bei sgipt.org

Es muß dem Westen daran gelegen sein, daß wir nicht nur eine Supermacht haben. Was das bedeutet, haben uns Georgieboy und das Versagen der Vereinigten Nationen und der US-amerikanischen Medien vor dem Irakkrieg eindringlich demonstriert. Zwischen China und den USA wird Europa zermahlen werden. Deshalb sollten wir Europäer uns vor dem US-amerikanischen Schwarz-Weiß-Denken hüten, uns Rußland warmhalten, nicht alles über unser basisdemokratisches Knie brechen (siehe Daniel Cohn-Bendit) und uns nicht in allen Dingen nach Amerika richten, eine solch einseitige Orientierung kann uns nur zum Nachteil gereichen.

Amerika hat uns in schwierigen Zeiten sehr geholfen, und ohne Amerika wäre vielleicht unser GröFaz (größter Führer aller Zeiten) Adolf noch an der Macht. Aber Amerika hat sich in den letzten 40 Jahren zum Nachteil verändert (siehe Eisenhowers Warnung). Und dem müssen wir Rechnung tragen.












… und wem das alles zu schwierig ist, der kann sich ja an Matulas Hochzeit ergötzen…

Wirklich nicht real

Die Frau ist nicht echt:

www.spiegel.de/video/video-35067.html

mehr bei SPIEGEL online

Emanzipation

in der Schule (bei SPIEGEL Online)
im Beruf (bei ZEIT Online)

… und im Straßenverkehr:

Rindviecher und Kompaßnadeln

Kühe (bei ZEIT Online)
und dann gibt’s auch noch soziale Kapuzineraffen (bei SPIEGEL Online)

Wozu Mathematik doch gut ist…

Italienischer Fußball bei (SPIEGEL Online)

… und wozu ebay gut ist (Festplatten bei SPIEGEL Online)

Was so auf dem Mittelmeer passiert…

oben
und unten (beides bei SPIEGEL Online)

Dreckskerle und Schwule

Dreckskerle sind Womanizer

LAS CRUCES – Die netten Jungs haben’s schon immer gewußt, wenn sie mal wieder zu kurz gekommen sind: Nur die coolen Draufgänger machen die besten Mädels klar – und die restlichen dazu. Die Anziehungskraft der Womanizer liege im „dunklen Dreiklang“ aus leichtem Narzissmus, einem Hauch Psychopathie, garniert mit Machiavellismus, der sich im Laute der Evolution durchgesetzt habe, erklären Psychologen um Peter Jonason von der New Mexico State Univercity in Las Cruces im NEW SCIENTIST. Die Forscher testeten dazu 200 Studenten auf ihre Persönlichkeit und befragten sie zu ihrem Sexualleben und der Dauer ihrer Beziehungen Ergebnis: Selbstverliebte, gefühllose und manipulative Charaktere neigten zu kurzen und häufigen Affären.
Diese Eigenschaften hätten sich im Laufe der Evolution als erfolgreich erwiesen, allerdings nur bei Männern.

Wer nicht leer ausgehen will, besinne sich auf seine antisozialen Urinstinkte. Frauenversteher sind nicht nur langweilig sondern auch taktisch unklug.


Bestätigt wird diese Studie von einem Team um David Schmitt der Bradley University in Preoria/Illinois, das Daten von mehr als 35.000 Menschen aus 57 Ländern ausgewertet hat. Der Zusammenhang zwischen dem „dunklen Dreiklang“ und dem Fortpflanzungserfolg ist – kulturübergreifend – nicht zu leugnen. Die Fast-Psychopathen versuchten häufiger, Partnerinnen anderer Männer für eine kurze Affäre aufzureißen, so Schmitt. Hätten sich die Charaktereigenschaften in ihrer extremen Form durchgesetzt, hätte das für Hardcore-Machos schnell den Ausschluss aus der Gesellschaft zur Folge gehabt, vermuten die Forscher.



Schenk’s ihr! …
(Einsprengsel)










Dann gib’s ihr!
(Einsprengsel)











Größte Zwillingsstudie: Es gibt kein Schwulen-Gen!


STOCKHOLM – Homosexualität ist nicht angeboren. Genetische Faktoren spielen bei Männern zu 35 Prozent und bei Frauen nur zu 18 Prozent eine Rolle. Forscher um Niklås Langström vom Karolinska-Institut in Stockholm befragten alle 3.826 schwedischen Zwillingspaare zwischen 20 und 47 Jahren. Gemeinsame Umwelteinflüsse, zum Beispiel Familie, haben bei Männern keine Auswirkung auf die sexuelle Orientierung, bei Frauen allerdings von 16 Prozent. Den stärksten Einfluss auf sexuelle Präferenzen haben bei beiden Geschlechtern die individuellen Erlebnisse von 64 Prozent, so die Forscher in ARCHIEVES OF SEXUAL BEHAVIOR.

Mitglieder des schwullesbischen Fanclubs von Hertha BSC Berlin, der „Hertha-Junxx“









aus Der Kassenarzt, August 2008 (mit Einsprengseln von mir)

Wie es möglich ist, die positive Wirkung »individueller Erlebnisse« unabhängig vom Familienhintergrund zu sehen, ist mir schleierhaft.


Größte Zwillingsstudie: Es gibt kein Schwulen-Gen? Schade!

Sonntag, 24. August 2008

Der Zustand unserer Medienkultur…

Manchmal offenbaren wenige Minuten mehr, als in vielen geschriebenen Worten ausgedrückt werden kann: Bei 3 nach 9 beharkten sich Gabriele Krone-Schmalz und Daniel Cohn-Bendit. Ihr neues Buch über Rußland sollte eigentlich Thema sein. Es wurde zum Schlagabtausch zwischen einerseits festgefahren-formelhaftem und andererseits differenziertem Denken, welches auch mal fragt: »Könnten die Dinge auch in Ordnung sein, wenn sie nicht in mein Überzeugungsschema reinpassen?« Herauskam der Verlust der Sache und eine entlarvende Grundsatzdiskussion, in der deutlich wurde, daß das Einhalten der Form wesentlich für eine konstruktive Auseinandersetzung ist.

Es war sowohl wohltuend, Frau Krone-Schmalz zu sehen, wie sie recht souverän die Fassung bewahrte, und entlarvend, wie platt Herr Cohn-Bendit mit seinen demokratischen Grundüberzeugungen durch die Gegend knüppelte. Bei Radio Bremen kann man sich den Schlagabtausch ansehen und sich danach fragen: Was ist dabei rausgekommen? Für mich zumindest: Ein Daniel, der stolz darauf ist, in 30 Jahren bestimmte Dinge nicht gelernt zu haben. Die etwas mehr als sieben Minuten lohnen sich. (In dem Zusammenhang gewinnt der Satz »Wir sind die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben« eine neue und unerwartete Bedeutung.)


zur Internetpräsenz von 3 nach 9 mit der »Diskussion«

auf der Seite findet man auch Links zu Talkshow-Ausschnitten mit Georg Ringsgewandl, Armin Hary, Galsan Tschinag und Bushido

Freitag, 22. August 2008

Was ist uns was wert?

unsere Demokratie: Wahlen gewinnen mit Haß und Angst (bei SPIEGEL Online)
unsere Medizin: Wieviel würden Sie bezahlen? (bei Deutschland-Debatte), weniger berufspolitisch gefärbt: Der Kampf gegen den Pickel (bei ZEIT Online)
unser persönlicher Erfolg: gecoachte Ichs (bei ZEIT Online)
unsere Partnerschaften: Erwartungen auf dem paartherapeutischen Prüfstand (bei ZEIT Online)
unsere Kinder: Kinderpornographie (ZEIT Online), Prügelstrafe (SPIEGEL Online), Chancengleichheit (ZEIT Online)
unsere persönlichen Daten: die Staatsanwaltschaft ermittelt (bei ZEIT Online)
unser Klima: Kritik der Viehzucht (bei SPIEGEL Online)
die biologische Programmierung unserer Akademiker: heranrobbende Männer (ZEIT Online)
und ihre Bezahlung: rufendes Geld in Nordrhein-Westfalen (bei ZEIT Online)
die Aussagekraft klinischer Studien: ein Kurzkurs (bei PEDro)
unsere bundesdeutsche Leichtathletik: Politikerschelte (bei STERN Olympia)
die Gesundheit unserer Sportler: dopende Trainer bei Olympia (Deutschlandradio)

Donnerstag, 21. August 2008

Bißchen Verschwörung gefällig?

Theorien bei ZEIT online

Wenn Behinderte Lust haben

Nina de Vries ist eine ehemalige Tantra-Masseurin, die erotische Dienstleistungen für Behinderte anbietet. Sie geht mit Männern nackt baden und erklärt, Frauen wie ein Vibrator funktioniert.

mehr bei ZEIT online

Helikopter im Halteverbot

Herzberg. Der als „Knöllchen-Horst“ bekannte Frührentner aus dem Südharz beschäftigt sich jetzt auch mit Rettungshubschraubern. Horst-Werner Nilges hat vor Kurzem einen in Herzberg (Kreis Osterode) im eingeschränkten Halteverbot abgestellten Rettungshubschrauber wegen Falschparkens angezeigt. Das berichtete der Erste Kreisrat des Landkreises Osterode, Gero Geißlreiter, am Mittwoch. Nach dem Bericht Geißlreiters hatte eine Arztpraxis Mitte des Monats den Hubschrauber wegen eines Notfalls angefordert. Weil kein anderer Landeplatz zur Verfügung stand, landete der Rettungshubschrauber an der Bundesstraße 243 im eingeschränkten Halteverbot auf dem Rad- und Fußweg. Die Polizei hatte nach Angaben von Geißlreiter für den 15-minütigen Einsatz die vielbefahrene Straße halbseitig gesperrt.

Rettungshubschrauber im Einsatz












Per Fax hatte Nilges später zusammen mit anderen falsch geparkten Autos das „behindernde Parken“ des Hubschraubers beim Landkreis angezeigt. Der Leiter der Straßenverkehrsabteilung des Landkreises habe die Anzeige zunächst „für einen Witz gehalten und extra noch mal nachgefragt“, sagte Geißlreiter gestern. Der Anzeigenerstatter habe daraufhin das Wort „behindernd“ unterstrichen und damit seinen „Verfolgungswillen“ sehr deutlich gemacht. Horst-Werner Nilges wundert sich, wie „ein Spaß“ zum großen Thema gemacht werde, sagte er gestern dieser Zeitung. Er sei an diesem Tag durch Herzberg gefahren und habe gesehen, wie der Rettungshubschrauber gelandet sei. Das habe er mit einem Bericht über weitere Falschparker zusammen mit einem Foto von dem Hubschrauber an die Straßenverkehrsbehörde gesandt. Allerdings habe er das „Falschparken des Hubschraubers“ in kursiver Schrift und ohne die sonst übliche Nummerierung zwischen die anderen Anzeigen gestellt. „Das hat die Polizei missverstanden“, sagte er. Nilges hat in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben fast 20 000 Anzeigen geschrieben, vor allem wegen Falschparkens. Der frühere Maschinenbautechniker sieht es als seine Aufgabe, „Rechtsverstöße anzuzeigen“.

aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 21.8.2008

Mann, geht’s uns gut! Vielleicht könnte man ja auch Frührentner zur Pflege Demenzkranker einsetzen…

Mittwoch, 20. August 2008

Geiz ist zwar nicht sozial aber geil

Zur Flick-Orgie der seit Helmut Kohl sträflich vernachlässigten sozialen Netze kommt ein weiteres Patchwork-Stück hinzu: Langzeitarbeitslose in der Pflege Demenzkranker. Die Dementen sind ja so neben der Spur, daß sie nicht merken, daß sie von jemandem betreut werden, der nur eine Schmalstspurausbildung hat. Aber da wir grad dabei sind: Im Mainzer Uni-Klinikum, glaube ich, gibt’s jetzt Hotelfachkräfte, die das Essen ans Bett bringen. Wie wär’s denn mit Schmalspurausbildungen für Langzeitarbeitslose in den Bereichen Waschen, Nagelpflege, Betten machen, Pfannen unterschieben, Fieber-, Blutdruck- und Pulsmessen, Medikamente stellen und austeilen. Wir sollten vielleicht einen Manager aus der Siemens-, Mercedes- oder besser noch Nokia-Riege holen, damit der unser Gesundheitswesen auf Trab bringt! Bei mir in der Straße wird grad gebaut. Ich werde mal mit dem Vorarbeiter sprechen, damit ich vielleicht das Toilettenhäuschen für meine Psychotherapiesitzungen kaufen kann. Vielen meiner Patienten geht’s so beschissen, daß denen die Yukka-Palme oder die schönen Vorhänge gar nicht auffallen. Dann könnte ich die Miete sparen. Wenn ich im Winter mit den Patienten Nordic-Walking mache, könnte ich mir auch die Heizkosten sparen und so den schleichenden Einkommensverfall aufhalten. Wenn nächstes Jahr die Niedergelassenen 9% mehr kriegen, geht dann wieder ein Aufschrei durchs Land. Gürtel enger schnallen, in Zeiten der Globalisierung darf es keine Denkverbote geben!

Zum Artikel bei Telepolis
Wenn dann das Engagement der Arbeitenden in den sozialen Bereichen sich dem Einkommen entsprechend nach unten angepaßt hat, kommt dann sowas dabei raus: Stern