Mittwoch, 30. September 2009

Der (un)klare Blick

Es gab eine Zeit, da bot Angela Merkel Präsident Bush die Beteiligung Deutschlands am Irak-Krieg an. Wir haben Glück gehabt, daß dies nicht umgesetzt wurde. Es gab Zeiten, da wollte niemand wissen, wie es um unsere Sozialsysteme steht, auch Helmut Kohl nicht, der um des Machterhaltes willen die Zukunft ignorierte. (Ivan Illich schrieb sein Buch »Die Nemesis der Medizin« im Jahr 1976. Jeder Gymnasiast hätte sich dazu seinen Teil denken können. Heißt: Es gibt Dinge, die wollen wir nicht hören.) Es gab Zeiten, da mußte die SPD Dinge tun, die sie gar nicht wollte. Auch die Grünen wollten es nicht. Weder wollte die rot-grüne Regierung den Afghanistan-Krieg noch wollte sie die neoliberale Umgestaltung unserer Sozialsysteme. Auch Lafontaine wollte nicht. Aber während Gerhard Schröder und Joschka Fischer in den sauren Apfel bissen, meldete sich Oskar Lafontaine ab: »Das Herz schlägt links.«

Alle sind abgestraft worden: Schröder erst für alle möglichen Expertenkommissionen und später für seine hemdsärmelige Art, wie er seine Partei zu unangenehmen Entscheidungen vergewaltigte. Nicht ganz so schlimm erging es Joschka Fischer. Und Oskar Lafontaine läuft seit der Zeit mit den Etiketten »Deserteur« und »Populist« durch die Gegend, und kein hochrangiger SPD-Politiker mag ihm mehr die Hand geben.

Während Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der zur ZEIT ging, nie gekannte Popularitätswerte erreicht, halten sich die in der öffentlichen Meinung geprügelten Schröder und Fischer mit hochdotierten Posten in der östlichen und westlichen Großindustrie unschädlich. Während Helmut Schmidt in den Medien eher als ein in Ehren ergrauter Grandseigneur rüberkommt, wirken Gerhard Schröder und Joschka Fischer eher wie Absahner. Man könnte es sich einfach machen und es mit »Sowas gehört sich nicht« abtun (Original-Zitat einer Freundin). Stimmt, auch ich meine, sowas gehört sich nicht. Aber auch in Dingen, die sich nicht gehören, stecken Erkenntnisse, die uns erkennen lassen, wie die Welt und wir Menschen funktionieren.

Man kann sich aber auch überlegen, wieso Helmut Kohl wie auch Joschka Fischer auf ihren Posten wie Hefeteig aufgegangen sind und wieso Helmut Schmidt zur ZEIT ging und die beiden Grün-Roten bei Gazprom und BMW die Sahne ausschlecken. Was passiert mit solchen Leuten, daß sie solche Wege gehen?

Der deutsche Medien-Blick (und der beeinflußt uns ja sehr) ins Ausland scheint aus der Trübe schneller wieder in die Klarheit zurückzukehren, sprich: aus dem einhelligen Verurteilen Rußlands im Georgienkrieg wird nach verhältnismäßig kurzer Zeit ein kritischer Blick auf die Rolle des Westens.

In der Innenpolitik werden weiter die bekannten einfachen Brötchen gebacken: SPD in der Dauerkrise (ich denke Helmut Kohl wußte sehr wohl, weshalb er anstehende Entscheidungen lieber aussaß) und Zersplitterung der politischen Linken. Die SPD wird von der aufgeregt mitfühlenden Journaille an den Rand des Abgrunds geschrieben, und alle möglichen Leute fühlen sich bemüßigt, gute Ratschläge zu geben und alle möglichen Neuorientierungen und -positionierungen zu fordern.

Ich glaube nicht, daß das etwas an dem, was in unserer politischen Szene passiert, etwas ändert. Die SPD wird nie wieder über 30% kommen, egal, was wer wie macht. Die Zeiten sind vorbei. Die Linke ist zum Einen einfach vielfältiger als die Rechte und nimmt zum Anderen Entwicklungen vorweg, die rechts erst Jahre später ankommen. Während sich die SPD also schon jetzt mit der Größe der FDP vergleichen muß (ich habe noch nichts über Wähler gelesen, die aus Protest FDP gewählt haben), wird das – in wohl geringerem Außmaß – erst in einigen Jahren bei der CDU ankommen.

In der Politik führt kein Weg daran vorbei, klare Positionen zu beziehen, jedoch muß man, so man dies tut, mit Prügeln rechnen. Und Prügel kann man möglicherweise mit zunehmender Körpermasse besser auffangen, ohne aus der Richtung gebracht zu werden. Und Prügel beziehen erst einmal die, die zu früh kommen.

Die Erwartungen an Links sind höher als die an Rechts, und so würde, träten Angela Merkel oder – abgesehen von seinem Alter – Helmut Kohl den Weg in die Großindustrie an, das Geschrei längst nicht so laut sein wie bei Joschka Fischer und Gerhard Schröder. Vor Jahren hörte ich einmal: »Wenn man Harald Juhnke volltrunken am Steuer erwischen würde, wäre das was anderes, wie wenn Erik Ode (»Der Kommissar«) volltrunken erwischt werden würde. Auch die Selbstkritik – auch selbstzerfleischende Selbstkritik – hat eher links eine Tradition als rechts.

Gerhard Schröder ist für mich weiterhin der mutigste Nachkriegskanzler, der für Helmut Kohl und das deutsche Volk die Drecksarbeit getan hat, für die sich der Aussitzer Helmut Kohl, der sich nun auf den Lorbeeren für die Wiedervereinigung ausruhen kann, zu gut war. (Wobei erwähnt werden muß, daß die Freigabe des Wertpapierhandels mit Unternehmen, die keiner Bankenaufsicht unterliegen, in etwa Angela Merkels Fauxpas entspricht.)

Oskar Lafontaine werden wir über kurz oder lang wieder auf der großen politischen Bühne begrüßen können. Die Linkspartei wird genauso hoffähig werden wie die Grünen, und eine mitregierende Linkspartei wird Deutschland genausowenig in den Abgrund stürzen wie dies die Grünen getan haben. Und auch eine in fünf Jahren mitregierende Linkspartei wird die deutschen Truppen nicht von heute auf morgen aus Afghanistan rausholen können, auch wenn sie dies im Moment laut rausposaunt.

Manchmal muß man als Politiker Positionen vertreten, die man nicht vertreten mag, und manchmal muß man sich zurückziehen – wie dies Lafontaine getan hat, wenn man dies nicht mehr aushalten kann. Manchmal sollten wir Politikern zugute halten und erlauben, nach ihrem Gewissen zu handeln, auch wenn es schwer fallen sollte, ihnen ein solches zuzugestehen.

Also sollten wir mit unseren Prügeln vorsichtig umgehen, es könnte sein, daß wir was noch nicht verstanden haben. Auch Angela Merkel hat verstanden, daß sie mit dem Angebot an Bush knapp an einer persönlichen Katastrophe vorbeigeschlittert ist. Und vielleicht verstehen wir, daß die Leute da oben manchmal besser sind als ihr Ruf. Die SPD wird in spätestens zwei Legislaturperioden wieder den Bundeskanzler stellen, und dann wird eine Koalition mit der Linkspartei das sein, was alle wollen, weil sie vom CDU-Stillstand die Nase voll haben werden. (Mit dem Begriff »innovativ« wird man die C-Parteien ja wohl eher nicht in Verbindung bringen.) Was war denn die Wahl? Eine Antwort auf die Enttäuschung über die soziale Gerechtigkeit versprechenden SPD (, die wieder mal die Erfahrung machen muß, daß Wirtschaft stärker ist als Politik) und ein »weiter so« für Angela Merkel (getreu Adenauers Spruch »keine Experimente«) Übrigens: Kreiden wir heute Adenauer noch Deutschlands Wiederbewaffnung an? Die Zeit ist längst drüber hinweggegangen.

Wenn wir die Bundestagswahl von 1969 vergleichen mit der von 2009, was hat sich denn groß geändert? Die politische Linke kam 1969 auf etwas über 42 Prozent, 2009 auf zusammen etwas über 45 Prozent. Und sie ist bunter geworden. Die Christlichsozialen hatten damals etwas über 46 Prozent, in diesem Jahr etwas über 33 Prozent. Und die FDP ist fast dreimal so stark wie damals, nachdem sie mehrere Jahre lang in vielen Landtagen gar nicht mehr vertreten war. Und vielleicht wird ja unser ehemaliger Spaßgesellschafter Guido Westerwelle der erste schwule Außenminister Deutschlands. Man sieht: auch an der FDP geht die zeit nicht spurlos vorbei. Á propos schwul: erinnert sich noch jemand an die Kießling-Affäre? (=> Wikipedia, => Deutschlandradio)

Und vielleicht sind wir irgendwann auch soweit, daß das Verhalten des Westens, wenn sich auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR wieder welche prügeln, sofortiges Kopfschütteln hervorruft und man dazu nicht erst eine EU-Kommission braucht. Und vielleicht bekommt ein amerikanischer Präsident, der Raketenstellungen in der Nähe Rußlands abbaut (siehe die Vorgeschichte der Kuba-Krise), deutlich mehr Beifall als Kennedy 1963.

Dienstag, 29. September 2009

Mensch und Markt

Der Mensch – ist er ein allseitig gefrässiges, egoistisches und rücksichtsloses Wesen, wie es uns gewisse Verhaltensforscher weismachen wollen? In der Tat, man könnte es meinen, wenn man liest, mit welcher Arroganz und Selbstverständlichkeit in unseren Tagen Boni abkassiert werden, von deren Höhe wir gewöhnlich Sterblichen uns kaum eine Vorstellung machen können. Und, wohlgemerkt: Diese Riesensummen fehlen dann anderswo, sie werden letztlich der Volkswirtschaft entzogen bzw. der Normalbürger hat dafür aufzukommen, sei es in Form von Steuern oder via Verteuerung der lebensnotwendigen Produkte oder Konsumgüter.

„Homo homini lupus est“ – der Mensch ist dem Menschen ein Wolf– sagten schon die alten Römer … Aber ist der Mensch wirklich so, oder lassen wir es uns nur einreden, bis wir es schliesslich glauben? Gibt es nicht auch so etwas wie ein „soziales Gen“, welches unter den Menschen wirksam ist (sein kann!) und sich in Solidarität, Brüderlichkeit und Empathie äussert? Der berühmte englische Sozialökonom und Moralphilosoph Adam Smith (1723-1790) sagte es so: Wenn die Menschen fähig sind, die Folgen ihres Tuns aus der Sicht der anderen zu beurteilen, sind Menschen nicht nur Egoisten. Oder anders ausgedrückt: Wer sich in die Schuhe des andern zu stellen vermag, wird seinen Handlungen eine andere Ausrichtung geben.

Ist die gegenwärtige weltweite Finanzkrise ein Naturereignis, eine Naturkatastrophe? Man möchte es meinen – denn es galten bis heute Maximen wie: „Die Gesetze des Marktes verlangen …“ oder „der Markt zwingt uns …“ Zwingen uns wirklich „marktwirtschaftliche Gesetze“, oder hätten wir es in der Hand, den Markt unter ethische Gesichtspunkte stellen? Sind wir bloss gehorsame Sklaven ökonomischer Zwänge – oder schafft der verantwortliche Mensch die Gesetze?

In diesem Zusammenhang kommt mir die Erfahrung des amerikanischen Ökonomen Paul Feldman in den Sinn, der im Alter von 52 Jahren seinen Job aufgab, um fortan in rund 140 Firmen Pausenbrötchen zu verkaufen. Seine frische Ware deponierte er jeweils im Pausenraum und stellte eine kleine Kasse daneben, in welcher jeder einen Dollar pro Brötchen einwerfen sollte. Später am Tag holte er das Geld und die überzähligen Backwaren ab. Sein kleines Geschäft wurde ungewollt zu einem Ehrlichkeitstest für Bürolisten und Manager. Feldmans Geschäft blühte, denn er konnte sich darauf verlassen, dass gegen 90% der Brötchen bezahlt wurden. Praktisch nie wurden seine Kassen geplündert oder gestohlen. Neben anderen machte er u. a. folgende Feststellungen: Je besser die Stimmung in der Firma war, desto gewissenhafter wurde bezahlt. Allerdings: Angestellte in Firmen mit vielen Hierarchiestufen schienen weniger ehrlich zu sein (vielleicht betrachtete das obere Management die Brötchen als ein Teil ihrer Boni …). Erwähnenswert war zudem, dass in schwierigen Zeiten (drohende Arbeitslosigkeit etc.) die Ehrlichkeit der Menschen zunahm. Zusammengefasst: Feldmans über 20 Jahre dauerndes Experiment ergab, dass die Leute am Arbeitsplatz erstaunlich ehrlich sind – auch wenn das Risiko, beim Brötchen-Diebstahl erwischt zu werden, sehr klein war. Dies hatte eigentlich niemand erwartet, am wenigsten die darwinistisch orientierten Verhaltensforscher!

Niemand kann mir im neuen Jahr den Glauben rauben, dass der Mensch auch Mit-Mensch ist bzw. sich in die Schuhe des andern stellen kann. Wie geht es Ihnen?

Christian Bärtschi

Der Handstand

Fast täglich erreichen uns schlimme Nachrichten aus Schulen und Schulstuben: hier ein jugendlicher Amokschütze, der blindwütig und wahllos auf Mitschülerlnnnen und Lehrpersonen schiesst und unsägliches Leid bereitet, dort ein Messerstecher, der scheinbar grundlos auf seinen Sitznachbarn einsticht und ihn lebensgefährlich versetzt.

Wenn man noch vor einiger Zeit davon ausgehen konnte, dass diese Dinge im fernen Amerika geschehen (im Land der „unbegrenzten Möglichkeiten“), so hat sich das geändert. Schauplatz dieser Schuldramen ist heute auch Europa, ja sogar die Schweiz, – Was ist mit unseren Schulen, was ist mit unseren Kindern los?

Da wäre zuerst einmal zu fragen: ist die Schule nicht immer und überall ein Spiegelbild unserer Gesellschaft? Weshalb sollten Schüler friedlicher sein als die Erwachsenenwelt, in der sie gross werden? Die moderne Leistungsgesellschaft fordert ihre Opfer, der allgegenwärtige Wettbewerb und Verdrängungskampf hinterlässt Spuren.

Nun gibt es in unserem Land offenbar bereits Schulen, in denen gute Schülerleistungen mit Geld honoriert werden. Wer an einer Prüfung gut abschneidet, erhält ein Geldgeschenk, einen „Bonus“ müsste man wohl heute sagen. Mit Verlaub: Das kann doch nicht der richtige Weg sein, die Schule als Bildungsanstalt zu retten … Und was geschieht mit denen – wohl mit der Mehrzahl –, die nie zu den Besten gehören, die trotz Fleiss und Anstrengung keine finanzielle Prämie erhalten? Wie gehen sie mit dieser Frustration um, wie verkraften sie eine kontinuierliche Zurücksetzung?

Zum Glück funktionieren heute die meisten Schulen nicht mehr ausschliesslich defizitorientiert. Man hackt nicht einfach bloss auf den Schwächen der Kinder herum, verlangt nicht ausschliesslich ausgerechnet das von ihnen, was sie (noch) nicht können. Vielmehr versucht man dort einzusetzen, wo Ressourcen vorhanden sind, und seien diese auch nur bescheiden. Denn Kinder brauchen Erfolgserlebnisse, Anerkennung; sie müssen spüren, dass sie an- und aufgenommen werden, wie sie eben sind. Das gilt für die Schule und das Elternhaus. Übrigens: Haben nicht auch wir Erwachsene das gleiche Bedürfnis? Brauchen nicht auch wir es, dass uns ab und zu jemand „rühmt“, uns Anerkennung ausspricht?

Die Berner Autorin Maja Beutler hat als reife Frau von ihren Schulerlebnissen geschrieben. Eigentlich denke sie nur an einen Lehrer gerne zurück, und zwar an denjenigen, der seine Kinder am ersten Schultag der dritten Klasse gefragt habe, was jedes von ihnen besonders gut könne. Und wenn ein Kind dann in einer Probe versagt hatte, durfte es anschliessend der ganzen Klasse zeigen, was es besser konnte als die anderen. Und da war der Ernst, der schulisch kaum auf einen grünen Zweig kam, dafür aber den Handstand perfekt beherrschte. Und diesen durfte er fast jeden Morgen der Klasse vordemonstrieren, denn der Lehrer fand, es gehöre sich, dass man einander mit Achtung begegne für das, was man könne.

Bietet die heutige Schule jedem Kind die Möglichkeit, ab und zu einen stolzen Handstand zu drücken?

Christian Bärtschi


Montag, 28. September 2009

Nach der Wahl…

Angela Merkel ist überfahren worden und kommt direkt in den Himmel.
Dort trifft Sie den Engel Gabriel. Der Engel spricht Angela Merkel an und sagt ihr:
"Wir werden dir die Wahl geben: einen Tag wirst du in der Hölle sein und einen Tag im Paradies. Dann kannst du dir auswählen, wohin du willst."

Gabriel bringt Angela Merkel in den Fahrstuhl und sie fahren bis zur Hölle.
Angela Merkel geht rein und sieht alle Ihre Freundinnen und Freunde, diese begrüßen Sie, spielen Golf, sitzen am Schwimmbad, im Restaurant, die Leute essen, trinken, hören Musik, spielen Karten und auch der Satan sitzt und lacht mit ihnen, abends Tanzerei, man amüsiert sich.

Am nächsten Tag kommt Gabriel und sie gehen wieder rauf ins Paradies.

Dort sieht Sie die Leute wie sie auf weißen Wolken sitzen, sie hören Musik, alles ist ruhig und gemütlich.

Einen Tag später kommt Gabriel und fragt: "Hast Du Dich entschlossen?"

Angela Merkel sagt: "Ja. Obwohl es im Paradies angenehm ist, will ich in die Hölle, dort tut sich was." Gabriel nimmt Sie wieder mit nach unten, klopft auf die Tür und in einer Sekunde ziehen zwei Hände Angela Merkel rein.

Sie sieht eine Wüste, sehr heiß, Ihre Freundinnen und Freunde tragen zerrissene Kleidung und sammeln Mist. Der Satan kommt, gibt ihr eine Tüte und sagt ihr, sie solle Mist sammeln.
"Was ist mit dem Schwimmbad, mit dem Restaurant, mit der Musik passiert?" fragt Angela Merkel.
Darauf antwortet Satan:

"Angie, altes Haus, gestern war vor der Wahl - heute ist nach der Wahl."

vor der Wahl zugeschickt von Moni

Schweinegrippe-Impfung

Was bleibt ? Ein Grippevirus, das nach bisherigem Verlauf nicht gefährlicher für die Menschen war, als jeder andere saisonale Grippeerreger auch.
Richtig war, dass diesem neuen Virustyp eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde und wird.
Nicht richtig ist jedoch die von interessierten Kreisen (Gesundheitsämter, Politik und Pharmaindustrie...) verbreitete Panik. Einhergehend mit massivem Aktionismus des Landesgesundheitsamtes und der Gesundheitsämter, die hiermit einmal mehr ihre personelle Überbesetzung begründen konnten, bzw. schon mitgeteilt haben, dass Sie noch mehr Personal benötigen.
Richtig war es auch, einen neuen Impfstoff für dieses mutierte Virus zu entwickeln, sind doch weitere Virusmutationen in Zukunft möglich.
Sehr vorsichtig sollten wir Ärzte jedoch bei Impfstoffen sein, die mit Adjuvantien zur Verstärkung der Impfreaktion gekoppelt sind (dadurch wird die Dosis halbiert), die aber nicht hinreichend getestet sind (siehe auch Reaktion der US Behörde CDC).
Richtig mag es sein, ein derartiges Konzept für den Fall einer verheerenden Pandemie (wie 1918) im Hintergrund zu haben. Bei 50 Millionen bestellter Impfdosen und damit wohl auch 50 Millionen Impflingen, könnte es durchaus sein, dass die Zahl der zu erwartenden Nebenwirkungen die Zahl der Komplikationen einer AH1N1 Grippewelle übersteigt.
Wenn ich die Zeitungsmeldungen richtig interpretiere sollte es für die Risikogruppen genügend herkömmlichen Impfstoff geben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es gilt Besonnenheit zu wahren. In den Zeitungen publizierte Artikel mit dem "Hintergrundwissen" der Pharmalobby dienen nicht unbedingt der Gesundheit der Gesellschaft. Die vermeintliche "Vogel-Grippewelle" vor 2 Jahren diente vielmehr dazu, die Lager mit "Tamiflu" zu räumen. Gleiches haben wir akut erlebt: die "Grippe-Schnelltests" dienten nur den Laboren und Herstellern, nicht aber einer verbesserten medizinischen Versorgung der Gesellschaft.

Resumee eines ausführlichen Rund-Mails des Hartmannbundes Niedersachsen vom 28.9.09

Freitag, 25. September 2009

Eine kleine Geschichte über Wertschätzung

Eines Tages bat eine Lehrerin ihre Schüler, die Namen aller anderen Schülerin der Klasse auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein wenig Platz neben den Namen zu lassen. Dann sagte sie zu den Schülern, sie sollten überlegen, was das Netteste ist, das sie über jeden ihrer Klassenkameraden sagen können und das sollten sie neben die Namen schreiben. Es dauerte die ganze Stunde, bis jeder fertig war und bevor sie den Klassenraum verließen, gaben sie Ihre Blätter der Lehrerin.

Am Wochenende schrieb die Lehrerin jeden Schülernamen auf ein Blatt Papier und daneben die Liste der netten Bemerkungen, die ihre Mitschüler über den Einzelnen aufgeschrieben hatten. Am Montag gab sie jedem Schüler seine oder ihre Liste. Schon nach kurzer Zeit lächelten alle.

"Wirklich?", hörte man flüstern. "Ich wusste gar nicht, dass ich irgendjemandem was bedeute!" und "Ich wusste nicht, dass mich andere so mögen", waren die Kommentare. Niemand erwähnte danach die Listen wieder.

Die Lehrerin wusste nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit ihren Eltern diskutiert hatten, aber das machte nichts aus. Die Übung hatte ihren Zweck erfüllt. Die Schüler waren glücklich mit sich und mit den anderen.

Einige Jahre später war einer der Schüler gestorben und die Lehrerin ging zum Begräbnis dieses Schülers. Die Kirche war überfüllt mit vielen Freunden. Einer nach dem anderen, der den jungen Mann geliebt oder gekannt hatte, ging am Sarg vorbei und erwies ihm die letzte Ehre.

Die Lehrerin ging als letzte und betete vor dem Sarg. Als sie dort stand, sagte einer der Anwesenden, die den Sarg trugen, zu ihr:

"Waren Sie Marks Mathelehrerin?" Sie nickte: "Ja". Dann sagte er: "Mark hat sehr oft von Ihnen gesprochen."

Nach dem Begräbnis waren die meisten von Marks früheren Schulfreunden versammelt. Marks Eltern waren auch da und sie warteten offenbar sehnsüchtig darauf, mit der Lehrerin zu sprechen. "Wir wollen Ihnen etwas zeigen", sagte der Vater und zog eine Geldbörse aus seiner Tasche.

"Das wurde gefunden, als Mark verunglückt ist. Wir dachten, Sie würden es erkennen." Aus der Geldbörse zog er ein stark abgenutztes Blatt, das offensichtlich zusammengeklebt, viele Male gefaltet und auseinandergefaltet worden war. Die Lehrerin wusste ohne hinzusehen, dass dies eines der Blätter war, auf denen die netten Dinge standen, die seine Klassenkameraden über Mark geschrieben hatten. "Wir möchten Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie das gemacht haben", sagte Marks Mutter. "Wie Sie sehen können, hat Mark das sehr geschätzt." Alle früheren Schüler versammelten sich um die Lehrerin. Charlie lächelte ein bisschen und sagte: "Ich habe meine Liste auch noch. Sie ist in der obersten Schublade in meinem Schreibtisch".

Die Frau von Heinz sagte: "Heinz bat mich, die Liste in unser Hochzeitsalbum zu kleben." "Ich habe meine auch noch", sagte Monika. "Sie ist in meinem Tagebuch." Dann griff Irene, eine andere Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre abgegriffene und ausgefranste Liste den anderen. "Ich trage sie immer bei mir", sagte Irene und meinte dann: "Ich glaube, wir haben alle die Listen aufbewahrt." Die Lehrerin war so gerührt, dass sie sich setzen musste und weinte. Sie weinte um Mark und für alle seine Freunde, die ihn nie mehr sehen würden.

Im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen vergessen wir oft, dass jedes Leben eines Tages endet und dass wir nicht wissen, wann dieser Tag sein wird. Deshalb sollte man den Menschen, die man liebt und um die man sich sorgt, sagen, dass sie etwas Besonderes und Wichtiges sind. Sag es ihnen, bevor es zu spät ist.

ein Dank dem unbekannten Verfasser, die Geschichte findet sich hunderte Male im Internet

Hier kann man sie sich sogar anhören…
Und da gibt’s noch mehr Geschichten…

Geld – »Wir sind wie Alkoholiker«

Der Schriftsteller und Dramaturg John von Düffel, geboren 1966John von Düffel bringt in Düsseldorf Émile Zolas großen Spekulantenroman "Das Geld" auf die Bühne.
Ein Gespräch bei ZEIT-Online

Donnerstag, 24. September 2009

Kündigung ist Chefsache

BOCHUM - Gehalt, Arbeitszeiten, Sozialleistungen: Alles zweitrangig, wenn es um die Zufriedenheit der Deutschen mit ihren Arbeitsplätzen geht. Das Verhältnis zum Chef ist hier vielmehr ausschlaggebend. Das Projektteam Testentwicklung der Ruhruniversität Bochum fasste die ersten Ergebnisse einer großen Onlineumfrage zusammen, so INFORMATIONSDIENST WISSENSCHAFT. Dabei können Beschäftigte anonym und kostenfrei ihre Vorgesetzten bewerten. Über 56 Prozent benoteten ihren Chef auf einer Skala von 0 bis 9 im unteren Drittel. Dagegen sind nur 20 Prozent der Befragten mit ihrem Boss zufrieden. 23 Prozent gaben ihren Chefs sogar die schlechteste mögliche Bewertung Die Fragen drehen sich um Aspekte wie Vertrauen, Akzeptanz, Fairneß oder Aufgabenmanagement.

Dennoch sehen sich 53 Prozent als persönlich erfolgreich und schätzen ihr Unternehmen als erfolgreich ein – also kann die Unzufriedenheit nicht mit einer generell negativen Einstellung erklärt werden, sondern hängt direkt mit der Zufriedenheit mit dem Vorgesetzten zusammen. Vertrauen, Einfühlungsvermögen für das Team, angemessenes Delegieren, Koordinieren, Organisieren fachlicher Aufgaben und faires Verhalten sind ausschlaggebende Faktoren. Und wie sehen sich die Chefs selbst? Dies soll eine Erweiterung der Onlineumfrage ans Licht bringen. Führungskräfte können sich selbst anonym einschätzen und eine kostenfreie Auswertung erhalten. So können zum Beispiel bisherige Fehler aufgezeigt und in Zukunft vermieden werden.

Der Kassenarzt Nr. 15 (September 2009)

Sonntag, 13. September 2009

365 Tage Sex

Erstaunlich, auf was für Ideen man in Bibelkursen kommen kann! Charla Muller, eine eher konservative Hausfrau aus Charlotte in North Carolina, fiel beim wöchentlichen Bibeltreff plötzlich ein, was sie ihrem Mann Brad zum 40. Geburtstag schenken könnte: 365 Tage Sex! Mit wem? Mit ihr natürlich. An jenem Abend ging es im Bibelkreis um den Paulus-Brief an die Galater. Der Geist Gottes beschere dem Leben „Freundlichkeit, Güte, Treue, Besonnenheit und Selbstbeherrschung“ las Charla da. Nur die wenigsten wären wohl durch diese Worte auf Charlas Geschenkidee gekommen. Charla erklärt das so: „Ich habe diesen Ausspruch auf meine Ehe angewandt und erkannt, dass ich es an Verbundenheit mit meinem Mann fehlen ließ.“ Das Paar machte Ernst und schaffte zwar nicht ganz 365, aber immerhin 336 Mal Und das nach 13 Jahren Ehe und zwei Kindern! Sex habe jahrelang ganz unten auf der Prioritätenliste gestanden, sagte Charla. Jeden Sonntagabend legte das Paar nun den Intim-Fahrplan für die Woche fest und hielt ihn gewissenhaft ein. Und weil alles so schön funktionierte, hat Charla ihre Erlebnisse in ihrem Buch 365 Nights festgehalten, das sogleich Amerikas Bestseller-Listen stürmte.
Osho-Times September 2009

Freitag, 11. September 2009

Pandemieangst inszeniert?

Der SPD-Gesundheitsexperte Dr. med. Wolfgang Wodarg hat die Angst vor einer Pandemie als Folge einer Inszenierung bezeichnet: "Bislang haben die Hersteller von Grippe-Impfstoff nie genau gewusst, wie viele Abnehmer sie dafür im Herbst haben und wie viel produziert werden muss. Jetzt hat sich die Bundesregierung durch den Medienzirkus in Handlungsdruck setzen lassen und gibt der Pharmaindustrie eine Abnahmegarantie", sagte der Facharzt für Lungenheilkunde, Hygiene und Umweltmedizin im Allgemeinarzt-Interview. Wodarg, der für die SPD im Gesundheitsausschuss des Bundestages sitzt, kritisierte die Weltgesundheitsorganisation WHO, "die sich zum Vehikel der Panikmache macht: "Die WHO hat uns schon bei der Vogelgrippe in unrühmlicher Weise Angst gemacht, vor einer Influenza-Pandemie, die es dann nie gegeben hat: Wodarg rät angesichts der 14 000 Fälle der Influenza H1N1/2009 in Deutschland (Ende August) zu Augenmaß: "Die letzte saisonale Grippewelle lief im Winter 2008 bis Ende Februar 2009 vom Nordwesten Deutschlands bis in den Südosten und führte in Spitzenzeiten mit der Diagnose akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE) zu etwa 2 000 zusätzlichen Arztbesuchen pro Woche pro 100 000 Einwohner. Das sind schätzungsweise 10 bis 20 Millionen zusätzlicher Arztbesuche pro 'Grippe'-Welle."
aus Der Allgemeinarzt 14/2009

Ein aktives Gehirn lebt länger

Durch Hirnaktivität setzen Nervenzellen dort ein spezielles genetisches Programm in Gang, das Schutzgene aktiviert, die das Überleben der Zellen deutlich verstärken. Das haben Neurobiologen um Professor Hilmar Bading in Heidelberg nachgewiesen. Das neuroprotektive Genprogramm wird von Nervenzellen selbst gesteuert und immer dann aktiviert, wenn Zellen von ihren Nachbarn im Nervenzellnetzwerk stimuliert werden. Angeschaltet wird der Schutzmechanismus durch Kalzium, das nach Aktivierung der Nervenzellen in diese einströmt, bis in den Zellkern vordringt und dort das Ablesen der Überlebensgene hochreguliert. Die Heidelberger Mediziner versprechen sich von den Forschungsergebnissen neue therapeutische Ansätze zur Behandlung degenerativer Erkrankungen des Nervensystems.
PLoS Genetics vorab online, August 2009
aus Der Allgemeinarzt 14/2009

Dienstag, 8. September 2009

Schmerztoleranz – Sollen Patienten bei der Spritze fluchen?

Eine britische Studie hat gezeigt, dass Probanden Schmerzen länger und besser aushalten, wenn sie deftig fluchen. Die Versuchsteilnehmer mussten eine Hand in Eiswasser halten. Wer dabei fluchte, hielt das Bad länger aus und empfand es als weniger schlimm als die stillen Dulder. Interessanterweise war der Effekt bei Frauen deutlich stärker ausgeprägt als bei den männlichen Probanden. Ob Sie Ihre Patienten zukünftig wirklich auffordern sollen, laut zu schimpfen, wenn Sie ihnen mit der Spritze zu Leibe rücken, hängt von Ihrer persönlichen Fluchtoleranz ab.
Neuroreport doi: 1o.1o97/WNR.obo13e32832e64b1
aus Fortschritte in der Medizin, Nr. 30-22

Risikofaktoren – Wer zur Arbeit radelt, lebt gesünder

Für die CARDIA-Studie (Coronary Artery Risk Development In Young Adults) wurden die Daten von über 2300 Pendlern ausgewertet. Die Probanden gaben an, wie lang ihr Weg zur Arbeit war und ob sie diesen zu Fuß, per Rad, Auto oder öffentlichem Verkehrsmittel zurücklegten. Sowohl Frauen als auch Männer, die den Weg zur Arbeit zu Fuß oder per Rad zurücklegten, fielen durch eine körperlich bessere Verfassung auf. Bei den Männern machte sich dies auch durch niedrigere Raten an Übergewicht, Bluthochdruck und Hypertriglyzeridämie bemerkbar. Ein strammer Fußmarsch über 6o Minuten pro Tag ist für die meisten Erwachsenen ausreichend, um körperlich fit zu bleiben und Übergewicht zu vermeiden. Arch Intern Med 2009; 169: 1216-23
aus MMW Fortschritte in der Medizin Nr. 30-33

Beginnende Arthrose – Übergewicht beschleunigt Knorpelzerstörung

Woran liegt es, wenn eine Arthrose besonders schnell voranschreitet? Das haben Ärzte der Boston University bei 336 Patienten mit hohem Risiko für bzw. mit Frühstadium einer Kniegelenksarthrose untersucht. Als wichtigste Risikofaktoren für eine schnelle Progression erwiesen sich ein bereits bestehender Knorpelschaden, ein hoher BMI und ein Meniskusriss. Da Übergewicht ein etablierter Risikofaktor für Arthrose ist, verwundert es nicht, so die Studienautoren, dass Übergewicht auch eine schnelle Knorpelzerstörung fördert. Eine Gewichtsreduktion sei daher wahrscheinlich der wichtigste Faktor, um die Krankheitsprogression aufzuhalten. Roemer FW et al. Radiology, August 200g
aus MMW Fortschritte in der Medizin Nr. 33-33

Freitag, 4. September 2009

Naturprodukt tötet Bakterien – Honig besser als Antibiotika

Dass Honig gut schmeckt, weiß jedes Kind. Dass Honig aber auch Wunden vor Bakterien schützen kann - und zwar besser als ein Antibiotikum – wohl nicht.

In Zukunft könnte statt einer antibiotischen Creme medizinischer Honig auf einer Wunde oder an einem Katheter kleben. Denn zwei bestimmte Honigsorten aus Neuseeland und Australien wirken bei der Behandlung von oberflächlichen Wunden und Infektionen effektiver als Antibiotika. Die medizinischen Honigsorten wirkten gegen alle in einer Studie getesteten Bakterien, darunter auch gegen multiresistente Bakterien. Im Gegenzug entwickelten die Bakterien keine Resistenz gegen den Honig, wie dies bei Antibiotika der Fall ist.

Die getesteten Honigsorten werden von Bienen produziert, die sich von den Blüten des Teebaums ernähren. Bisher wissen die Forscher nicht genau, wie es dem Honig gelingt, Infektionen zu vermeiden und Erreger abzutöten. Sie vermuten, dass ein Bestandteil namens Methylglyoxal eine Wechselwirkung mit anderen – bisher unbekannten Bestandteilen des Honigs eingeht und so infektionsauslösende Bakterien daran hindert, neue Stämme zu bilden, die gegen den Honig resistent sind. (cst)
Pressemitteilung Institut Ranke-Heinemann
CME 7/8, 2009

Montag, 24. August 2009

Heute vor 60 Jahren – 24. August 1949: Der Nordatlantikpakt tritt in Kraft

Wohl kaum eine Institution ist in den Nachkriegsjahren in Deutschland so umstritten wie die Nato. In den 1980er Jahren demonstrieren Hunderttausende gegen die Entscheidung des westlichen Verteidigungsbündnisses, neue Atomraketen in der Bundesrepublik zu stationieren. Andere Bürger und Politiker sind hingegen fest davon überzeugt, dass die Nato damit den Frieden sichert und weiterhin den dritten Weltkrieg verhindert. Schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Hoffnung auf ein friedlicheres Europa zerschlagen. Dass die meisten Soldaten der westlichen Alliierten den Kontinent verlassen haben, während die Rote Armee fast unverändert in Mitteleuropa steht, macht den Westen nervös. Im März 1948 unterzeichnen die drei Benelux-Staaten mit Frankreich und Großbritannien den Brüsseler Pakt, ein regionales Verteidigungsbündnis. Ohne die Mitgliedschaft der USA hat dieser Zusammenschluss jedoch wenig Abschreckungspotenzial.

Im Sommer 1948 beginnen deshalb die Beratungen zum Nordatlantikpakt. Bereits 1947 hat US-Präsident Harry S. Truman verkündet: "Ich glaube, wir müssen allen freien Völkern helfen, damit sie die Geschichte auf ihre Weise selbst bestimmen können." Damit ist die sogenannte Truman-Doktrin formuliert, der Anspruch der USA, Hüter der Freiheit zu sein. Am 4. April 1949 wird der Nordatlantikpakt unterzeichnet und am 24. August des selben Jahres tritt er in Kraft. Zwölf Staaten sind bei der Gründung der Nato dabei: Die USA und Kanada, die fünf Staaten des Brüsseler Paktes sowie Dänemark, Island, Italien, Norwegen und Portugal. Kern des Abkommens ist Artikel fünf: "Die vertragsschließenden Staaten sind darüber einig, dass ein bewaffneter Angriff gegen einen oder mehrere von ihnen in Europa und Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle betrachtet wird." Das ist der sogenannte Bündnisfall. Wird einer angegriffen, schlagen alle zurück, eine klare Botschaft an die UdSSR. Das Hauptquartier der Nato befindet sich zunächst in Paris, später wird es nach Brüssel verlegt. 1955 tritt die BRD der Nato bei. Wenige Tage später gründet die Sowjetunion ein Gegenbündnis, den Warschauer Pakt. Das atomare Wettrüsten geht weiter.

Nach dem Fall der Mauer und dem Ende der UdSSR wird der Warschauer Pakt 1991 aufgelöst. Die Nato bleibt bestehen, nimmt frühere Ostblockstaaten als Mitglieder auf und gibt sich eine neue Strategie: als Friedensstifterin auch außerhalb des eigenen Territoriums. Mit diesem Selbstverständnis greift sie in die Kriege um das zerfallende Jugoslawien ein – ohne Mandat der Vereinten Nationen und ohne, dass ein Mitgliedsstaat angegriffen wird. Den Bündnisfall hat die Nato bisher erst einmal erklärt: nach den 11. September 2001. Die USA fühlen sich durch die Terroranschläge als Land angegriffen und bitten um Beistand bei der Selbstverteidigung. Kanzler Gerhard Schröder (SPD) sagt US-Präsident George W. Bush "die uneingeschränkte Solidarität Deutschlands" zu. Ob die Nato tatsächlich mit in den Krieg gegen Afghanistan ziehen darf, ist völkerrechtlich bis heute umstritten. Genauso wie der Luftkrieg um das Kosovo Ende der 90er Jahre. Doch Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hält die Nato für das erfolgreichste Militärbündnis aller Zeiten: "Die Nato bleibt die ultimative Versicherungspolice für fast eine Milliarde Menschen in 28 Staaten."

Quelle:
- Stichtag – 24. August 1949 - Vor 60 Jahren: Der Nordatlantikpakt tritt in Kraft (WDR, 24.08.2009)

siehe auch:
- Protokoll über den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum Nordatlantikpakt (Paris, 23. Oktober 1954) (Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern)
- 4. April 1949: Gründung der Nato (bpb, 02.04.2012)
- Nordatlantikpakt: Die NATO Welche Aufgaben hat die NATO und welche Ziele verfolgt sie? (Britta Pawlak, Helles Köpfchen, 06.04.2009)
- Nato: Historie – Umstrittenes Bündnis (Irene Helmes [Texte], Süddeutsche Zeitung, Photostrecke, 02.04.2009)

Donnerstag, 20. August 2009

Umkehr nach dem Schock

Jadallah Shihadeh warf einst Steine – jetzt arbeitet er als Friedenspastor im besetzten Palästina gegen Gewalt

Keiner hat dem 1956 als Gastarbeiterkind in Kuwait geborenen Jadallah Shihadeh in die Wiege gelegt, dass er eines Tages der fähigste Menschenfischer in der interreligiösen Dialog- und Friedensarbeit im politisch heißen Palästina werden würde. Heute ist Shihadeh im Hauptberuf Pastor der lutherischen Abrahams-Gemeinde in Beit Jala, der Nachbarstadt von Bethlehem.

Als Jugendlicher war er, wie viele Altersgenossen, ein Steinewerfer gegen die israelische Besatzungsmacht im Westjordanland. Er wurde verhaftet, gefoltert, kam ins Gefängnis. »Ich hatte mehr Glück als Verstand, dass der Polizist, den ich mit Fäusten angegriffen hatte, mich vor dem Militärgericht nicht identifizierte und dass der damalige lutherische Propst in Jerusalem, Helmut Glatte, mich bald herausholte«, erzählt Shihadeh.

Auf den Schock der Haft folgt eine Umkehr: Gewaltfrei will er fortan für das geschundene Palästina arbeiten. Und er möchte evangelische Theologie studieren, in Deutschland. »Beim Studium bin ich auf den großen jüdischen Religionsphulosophen Martin Buber gestoßen; dessen Vision eines freundlichen Miteinanders der Völker im Heiligen Land lässt mich bis heute nicht los«, sagt Shihadeh. »Und ich entdeckte die biblische Gestalt Abraham. Der Gründervater hat beim Terebinthenstrauch von Mamre den Ewigen mitsamt Begleitern zu Gast und ist folglich allen drei Religionen heilig, den Juden, Muslimen und uns Christen.«

Anfang 1986 wird Shihadeh vom Jerusalemer Bischof Haddad ordiniert und in die Gemeinde Beit Jala eingeführt mit dem Bibelwort aus Jeremia 1,7: »Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr.« Shihadeh erzählt: »Es war anfangs sehr schwer. Denn die Gemeinde in Beit Jala war zerstritten. Zum Weihnachtsgottesdienst 1986 kamen nur zwei Besucher«

Jadallah und seine aus Tübingen stammende Frau Hannelore haben die 570 arabische Protestanten zählende Abrahamsgemeinde zum Blühen gebracht. Hannelore Shihadeh bietet mit großem Erfolg für benachteiligte Kinder und Jugendliche Musik- und Kunstkurse an. Ihr Ehemann hat sich der interreligiösen Friedensarbeit »im Geiste Bubers« verschrieben.

Mit Zähigkeit und Hilfe aus Skandinavien und Deutschland gelingt seit 2002, seit der wochenlangen militärischen Besetzung des Großraums Bethlehem, der Aufbau von Abrahams Herberge. Sie liegt gleich neben der Abrahamskirche und ist Hotel, Jugendherberge, Ökumenezentrum, Pfarr- und Kinderheim in einem. Als 2006 beim Hisbollah-Krieg viele Menschen vor dem Raketenbeschuss aus Nordisrael flüchten, nehmen die Palästinenser von Abrahams Herberge jüdische Flüchtlinge auf, »so viele, wie möglich«: Mitten im Krieg eine einzigartige Friedensaktion in Palästina.

Soeben hat Jadallah Shihadeh die interreligiöse Friedenswoche mit Juden, Muslimen und Christen zum Erfolg gebracht. So etwas gibt es sonst nirgendwo im politisch tief zerstrittenen Heiligen Land. Thomas Seiterich

Kontakt: shihadeh@luthchurch.com

aus Publik-Forum 14•2009


Nano-Partikel: erst anwenden, dann aufpassen…

Auf die öffentliche Diskussion der Gefährlichkeit von Nano-Partikeln warte ich schon seit langem.
Weiter zu SPIEGEL Online
Da gibt’s auch einige weiterführende Links.

Krisenkinder oder Pioniere einer neuen Zeit?

"Die „Krisenkinder“ von heute erben eine Welt, in der es scheinbar nur noch bergab geht. Aber wo Schatten ist, gibt es auch Licht. Und so könnte sich die Bezeichnung „Krisenkinder“ vielleicht als hoffnungsvolle Metapher erweisen. Denn Krise erzeugt Chaos, und Chaos stimuliert Kreativität. Je stärker der Druck auf die Jungen, desto größer die Chance, dass sie aus ihrer Schreckstarre aufwachen und entdecken, dass Opportunismus und Mutlosigkeit praktisch zum Selbstmord führen."

Satyananda

Die junge Generation am Scheideweg

von Satyananda

Aufruhr in den Straßen von Teheran. Ich schaue gebannt auf den Bildschirm meines Fernsehers und beobachte fasziniert, wie furchtlos die Demonstranten sind, vor allem junge Frauen. Als die finsteren, vermummten Schläger der staatlichen Miliz auf Motorrädern heranpreschen und mit langen Knüppeln auf die Demonstranten losgehen – richten junge Mädchen ihre Handykameras auf die brutalen Schläger, drücken kaltblütig ab und schicken ihre Videosequenzen über YouTube in die ganze Welt. Immer wieder filmen sie auch sich selbst. Empört, nicht vermummt, sondern klar identifizierbar schreien sie ihren Protest in die Kameras.

Angst vorm Rausschmiss
Ich hatte diese Bilder aus Teheran im Kopf, als ich im „Spiegel“ eine Untersuchung über die jungen Deutschen im Alter von 20-35 Jahren las. Der „Spiegel“ nennt sie „Krisenkinder“. Und der Artikel beginnt so: „Der junge Mann, der am Anfang dieser Geschichte steht, will seinen Namen nicht preisgeben, und damit ist schon einiges erzählt über die Generation, um die es hier geht.“
Der Spiegelreporter nennt den jungen Mann Oliver. Und der erzählt ihm, wie er - ein junger Architekt – als mies bezahlter Praktikant mit 60 anderen Praktikanten im Großraumbüro eines berühmten Architekten jede Woche 70 Stunden und oft mehr geschuftet hat. Er hoffte auf Festanstellung. Stattdessen fand er sich plötzlich auf der Straße wieder – rausgeschmissen! Die globale Finanzkrise habe die Aufträge einbrechen lassen, erklärte der Chef. Nun fürchtet Oliver, dass er seine künftigen Berufschancen gefährdet, wenn er im „Spiegel“ seinen Frust rauslässt.
In Teheran kämpfen die jungen Menschen um Freiheit und riskieren dabei, dass sie von den Schergen des Geheimdienstes verhaftet, gefoltert, auf unbestimmte Zeit eingesperrt oder sogar klammheimlich umgebracht werden. Die jungen Deutschen riskieren lieber nichts. Ihnen ist die Freiheit sozusagen als Geschenk in die Wiege gelegt worden. Sie meinen, dass sie nicht dafür kämpfen müssen. Dabei muss Freiheit doch ständig beschützt und notfalls kämpferisch verteidigt werden, wenn sie Bestand haben soll. Wer Angst davor hat, seine Meinung zu sagen, hat die Freiheit bereits abgeschrieben.

Schreckstarre
Aus der „Spiegel“-Untersuchung geht hervor, dass den jungen Deutschen das überhaupt nicht bewusst ist. Fast alle jungen Leute, mit denen die „Spiegel“-Reporter gesprochen haben, wollten anonym bleiben. Dabei waren ihre Aussagen doch von einer geradezu rührenden Harmlosigkeit. Keine staatsgefährdenden Drohungen, keine aufrührerischen Visionen, keine revolutionären Statements. Stattdessen Ratlosigkeit. Die jungen Deutschen wollen sich vor allem anpassen. Letztlich wollen sie so leben, wie sie aufgewachsen sind – in Sicherheit und Wohlstand.
Aber Nine Eleven, der Terror-Anschlag auf das World Trade Center in New York, entlarvte die Sicherheit als Illusion. Das Unfassbare wurde plötzlich greifbar: Die Terroristen leben unter uns! Manche sind sogar nette, hilfsbereite Nachbarn. Aber während du freundliche Grüße mit ihnen austauschst, träumen sie davon, einen Atomsprengsatz im U-Bahntunnel zu zünden und deine gemütliche Welt in Fetzen zu reißen. Jeder Tag kann dein letzter sein.
Inzwischen hat blinde Gier den Turbo-Kapitalismus an die Wand gefahren und nun sind auch die Jobs und das Geld nicht mehr sicher. Chaos auf den globalen Finanzmärkten, weltweite Rezession. Wie reagieren die jungen Deutschen? Stürmen sie die Banken? Schieben sie endlich die längst überfällige Kapitalismuskritik an? Setzen sie sich mit den Ursachen des internationalen Terrorismus auseinander?
Nichts da! Die jungen Deutschen – so geht aus der „Spiegel“-Untersuchung hervor – sind in eine Art Schreckstarre verfallen. Sie protestieren nicht, sie klagen darüber, dass ihre berufliche Zukunft nun ungewiss geworden ist. 70% sehnen sich nach Sicherheit. 58% befürchten politische Instabilität.

Überfluss macht schlapp
Man kann das merkwürdig finden, aber abfällig urteilen sollte man darüber nicht. Denn diese junge Generation ist nicht schlechter als alle anderen jungen Generationen vor ihr. Das größte Problem besteht darin, dass sie in Wohlstand und Überfluss aufgewachsen ist, in einer Welt, in der sich alles nur noch ums Geld dreht.
Überfluss macht schlapp und krank. Immer wenn das Geld wichtiger wird als Gott, breitet sich Angst aus und zehrt an der Lebensenergie. Viele sensible Menschen spüren, dass das Schiff sinkt. Weil sie das nicht verhindern können, verdrängen sie das drohende Unheil lieber und ermuntern die Bordkapelle, immer lauter und schriller zum Tanz aufzuspielen.
Aber die Party des Überflusses ist vorbei – ein für alle Mal.
Schon seit einiger Zeit fällt mir auf, wie viele Freunde und Bekannte von Problemen mit ihren Kindern erzählen. Hubert zum Beispiel hat im Zimmer seines 15-jährigen Sohnes die Utensilien eines Marihuana-Versandhandels entdeckt. Dabei kriegt der Schüler einer feinen Privatschule jeden Monat 200 € Taschengeld. Freund Andreas erzählte mir neulich, dass Lola, seine 18-jährige Tochter, mit seinem Jaguar bei stark überhöhter Geschwindigkeit in die Leitplanke einer Autobahn-Baustelle gebraust sei. Totalschaden. Sie blieb unverletzt, aber von Reue keine Spur.
Marc beschwerte sich über seinen 17-jährigen Sohn Thomas. Der habe sich während des Urlaubs in Thailand ab und zu das Handy vom Vater ausgeliehen. Marc: „Gestern habe ich die Rechnung bekommen. Und weißt Du was? Der hat am Strand für 485 € mit seiner Freundin telefoniert! Mit dem Geld muss ein Hartz IV-Empfänger einen ganzen Monat auskommen!“
Mit Johannes, dem Sohn eines anderen Freundes, unterhielt ich mich über seine beruflichen Pläne. „Was würdest Du denn an meiner Stelle machen?“, fragte er mich. Und ich sagte: „Ich würde vielleicht Medizin studieren und zu den ,Ärzten ohne Grenzen‘ gehen.“ Johannes schaute mich ungläubig an: „Ich wollte eigentlich lieber Kohle machen“, sagte er und heuerte schon bald bei einer kleinen, feinen Firma an, die seit Generationen Etiketten für Weinflaschen produziert.

Wir waren härter
Wie war das eigentlich mit meiner Generation? Als ich 14 war, herrschte Krieg und ich wurde mit meinen Klassenkameraden in die Barackenunterkunft einer Flugabwehr-Batterie verpflanzt. Als sogenannte Flack-Helfer sollten wir in der Nähe von Stettin ein Petrochemie-Werk gegen amerikanische und englische Luftangriffe schützen.
Wenn die Amis und die Tommies nachts angriffen, war die Hölle los und wir ballerten ängstlich und lustvoll zugleich aus den Rohren unserer 8,8 cm Flugabwehrkanonen (Flak). Manchmal trafen wir und dann feierten wir uns als Helden (und mufften, wenn unser Lateinlehrer am nächsten Morgen in die Flak-Stellung kam, um mit uns Cicero zu lesen). Vier Jahre später wurde mein Jahrgang an der Ostfront verheizt. Mehr als die Hälfte meiner Klassenkameraden fiel bei Rückzugsgefechten mit den Russen.
Solche Erfahrungen wirken sich natürlich anders aus als der Umgang mit Laptops, iPods, Handys, YouTube, Myspace und Designerklamotten. Wir waren härter als die Jungen von heute. Aber Härte ist eine zweifelhafte Tugend. Denn ein harter Mensch ist auch oft gefühlskalt, aggressiv, eigensinnig, unflexibel, unkreativ. Das sind Eigenschaften, die zur Lösung unserer gegenwärtigen Probleme überhaupt nicht hilfreich sind.

Ein Ja zur Unberechenbarkeit
Als der Krieg zu Ende war, ging es uns ganz ähnlich wie den Jungen heutzutage: Wir waren total des-illusioniert und von Sicherheit konnte keine Rede sein. So wie die heutige junge Generation reagierten wir damals mit Pragmatismus. Keine Visionen. Konzentration auf das eigene Fortkommen. Allerdings gibt es einen fundamentalen Unterschied: Wir lebten in der Gewissheit, dass es nur noch bergauf gehen konnte. Die „Krisenkinder“ von heute erben eine Welt, in der es scheinbar nur noch bergab geht.
Aber wo Schatten ist, gibt es auch Licht. Und so könnte sich die Bezeichnung „Krisenkinder“ vielleicht als hoffnungsvolle Metapher erweisen. Denn Krise erzeugt Chaos, und Chaos stimuliert Kreativität. Je stärker der Druck auf die Jungen, desto größer die Chance, dass sie aus ihrer Schreckstarre aufwachen und entdecken, dass Opportunismus und Mutlosigkeit praktisch zum Selbstmord führen.
Wenn die Krisenkinder überleben wollen, müssen sie sich mit der Kraft von Herz, Bauch und Verstand von der Magie des Geldes befreien und das Leben in all seiner wunderbaren Unberechenbarkeit bejahen. Mut zum Risiko statt geschmeidige Anpassung, Bescheidenheit statt Karrieregeilheit, Mitgefühl statt Egozentrik, Kreativität statt Melancholie, Vertrauen statt Angst. Das ist Meditation in Aktion.

aus der Osho-Times vom August 2009

Mittwoch, 29. Juli 2009

Ulla Schmidts Dienstwagen geklaut – Wo ist der Skandal?

Ich muß gestehen, auch ich war erstmal empört. Aber man kann’s mit ein bißchen guten Willen auch so sehen: Bei ZEIT Online

Übrigens:
»Wie jedem Mitglied des Bundeskabinetts steht der Gesundheitsministerin ein Dienstwagen zu. Wie jedes Mitglied der Regierung darf sie den ausdrücklich privat nutzen, und ausdrücklich im In- wie im Ausland. Wie jeder andere Dienstwagenbenutzer muss sie bloß die privaten Kilometer als geldwerten Vorteil versteuern. Schmidt führt Fahrtenbuch. Für das vorige Jahr verzeichnet es 6111 Privatkilometer, ordentlich verrechnet und aus der Privatkasse gezahlt.« (aus ZEIT Online)

Also: unter Saure-Gurken-Zeit ablegen

Montag, 20. Juli 2009

Größenwahn mit Folgen

Auch von der Sanierung der landeseigenen Geldinstitute hängt es ab, wie Deutschland die Krise bewältigt. Aber die Ministerpräsidenten sind bisher zu eigensinnig.
Während Helmut Schmidt fordert, die Landesbanken an die kürzere Leine zu nehmen, (auf ZEIT Online) glaubt Wirtschaftswissenschaftler Professor Fredmund Malik (Universitäten St. Gallen und Wien), daß der Kapitalismus gescheitert ist (auch auf ZEIT Online).

Donnerstag, 9. Juli 2009

Geht’s auch anders?

Zum wievielhunderdsten Mal, auf den Punkt gebracht bei ZEIT Online.

Sonntag, 5. Juli 2009

Unser Planet hat eine neue Zivilgesellschaft

Die Rede von Jean Ziegler, dem UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, zur Eröffnung des Anti-G-8-Gipfels in Heiligendamm bei Publik-Forum

Ein Bischof, der verfolgt wird

Ein Interview mit Álvaro Ramazzini in Publik-Forum

Bargeld für alle!

Fleißig oder faul, ein Grundeinkommen sichert namibischen Dorfbewohnern das Überleben – und setzt überraschende Kräfte frei. Ein Modell?

VON MARC ENGELHARDT

Otjivero. Die Sonne scheint für alle an diesem Morgen in Otjivero, einer 1200-Einwohner-Gemeinde gut 100 Kilometer östlich von Namibias Hauptstadt Windhuk. Sana Gaueroman wärmt sich in ihren Strahlen, während sie vor der Krankenstation des Dorfes darauf wartet, dass ihre zweijährige Tochter Paloma zur Polioimpfung aufgerufen wird. „Eigentlich hätte sie die schon kurz nach der Geburt bekommen sollen, aber das konnte ich mir nicht leisten“, gesteht die arbeitslose Mutter. Vier namibische Dollar kostet die Impfung, 32 Euro-Cent. Aber die hatte Gaueroman nie übrig.

Das hat sich geändert. In Otjivero fließt das Geld – garantiert. Jeder Bürger erhält monatlich 100 Namibia-Dollar (acht Euro). Reich ist man damit nicht, aber leben kann man davon. Tun muss man dafür nichts, es gibt keine Bedingungen. Wer in Otjivero lebt, bekommt das Geld. So einfach ist das.

Kaum jemand konnte es glauben, als im Januar 2008 Bischof Zephania Kameeta, eine Art namibischer Desmond Tutu, im schäbigen Otjivero auftauchte, um den Geldsegen zu versprechen. Der auf dem Dorfplatz versammelten Menschenmenge rief der 62-Jährige irgendwann zu: „Ich bin nicht den langen Weg aus Windhuk hierhergekommen, um zu lügen, dafür bin ich zu alt.“ Die Leute staunten. Richtig ernst genommen, sagt Kameeta, hätten die meisten ihn aber wohl erst, als Monate später die Zählung der Bürger begann. „Das ganze war eine Nacht-und-Nebel-Aktion, selbst die Helfer haben wir erst unmittelbar vor der Abfahrt aus Windhuk informiert“, erinnert sich Dirk Haarmann, der gemeinsam mit seiner Frau Claudia das Projekt zum Grundeinkommen in Otjivero im Auftrag der Evangelisch-Lutherischen Kirche Namibias begleitet hat.

Die Geheimnistuerei sollte verhindern, dass Außenstehende in Otjivero einströmen. Denn nur wer am Stichtag registriert wurde und jünger war als 60 Jahre, bekommt das Geld: genau 930 Menschen. Außer Rentnern, die staatliche Grundversorgung erhalten, kriegt jeder die 100 Dollar, vom Säugling bis zum Familienvater, vom Bettler bis zum Kaufmann. „Das Grundeinkommen befreit die Menschen vom täglichen Existenzkampf“, erklärt Haarmann. „Hunger macht ökonomisch keinen Sinn“, glaubt der ordinierte Theologe, der aus dem rheinischen Mettmann stammt. „Nur wer nicht hungert, wird wirtschaftlich aktiv und kann sich selbst aus der Armut befreien.“ Damit stützt er den Bericht einer staatlichen Kommission, die der Regierung schon vor sechs Jahren die Einführung des Grundeinkommens für jeden Bürger als Beitrag zum Ausgleich sozialer Schieflagen empfohlen hat. „Aber die Regierung hat gezögert und gezögert, bis Kirchen, Gewerkschaften und Verbände gesagt haben: Jetzt wollen wir einfach mal einen Feldversuch wagen.“ Es ist das erste Modellprojekt seiner Art weltweit. Der Ende Juni vorgelegte Abschlussbericht legt den Schluss nahe, dass es ein spektakulärer Erfolg war.

Finanziell, so hat Haarmann ausgerechnet, wäre die flächendeckende Einführung des Grundeinkommens kein Problem. Namibia hat eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen Afrikas. Hier liegen die Diamanten in der Wüste herum, die deshalb mit hohen Zäunen abgesperrt ist in Areale, die Sperrgebiete heißen. Deshalb ist die Schere zwischen Arm und Reich kaum irgendwo größer als hier: Zwei Drittel der Namibier leben unterhalb der Armutsgrenze. Maximal vier Prozent des Bruttosozialprodukts wären nötig, so glaubt Haarmann, um die Lage grundlegend zu ändern. Finanziert werden soll das Grundeinkommen über Steuern, die Reiche stärker belasten, und über Einsparungen: Weil jeder das Gleiche bekommt, ist keine Überprüfung nötig und kein bürokratischer Überbau. Das macht die Sache für den Staat attraktiv.

Kein Schlaraffenland, aber ein besserer Ort: Otjivero, das Hoffnungsdorf in Namibia. rtr

Einer der Profiteure in Otjivero ist John Thomason, der in der Morgensonne seine einjährige Tochter Hildegard auf dem Arm hält. „Ich kann jetzt einen alten Pick-up abbezahlen.“ Sein Hof ist übersät mit Ersatzteilen, mit Autos kennt Thomason sich aus. Doch das nötige Kapital fehlte ihm bisher. „Wenn Leute in die Stadt wollen, dann lade ich sie auf die Ladefläche und fahre sie die 50 Kilometer.“ Zehn Namibia-Dollar verlangt er für die Hin- und Rückfahrt, bis zu zwölf Personen bekommt Thomason locker zusammen: Wegen des Grundeinkommens gibt es nun auf einmal zahlende Kunden. Wenn Thomas seine Kosten abrechnet, bleibt genug zum Leben und um das Schulgeld für seine Kinder zu bezahlen. Früher hat der 43-Jährige wie die meisten in Otjivero gar keine reguläre Arbeit gehabt. Seine Frau hat auf einem schmalen Streifen staubiger Erde versucht, ein bisschen Gemüse anzubauen.

Otjivero war nicht nur arm, sondern als Hort von Ganoven und Taugenichtsen verschrien. „Ein Pfarrer hat mich gewarnt: Dieses Dorf ist ein Krebsgeschwür, geht da nicht hin“, erinnert sich Haarmann. Inzwischen, berichten die Dörfler stolz, seien die Farmer der Umgebung sogar bereit, Leute aus Otjivero als Erntehelfer oder Handlanger einzustellen. „Das wäre früher nicht möglich gewesen“, frohlockt Steven Eigowab.

Eigowab ist Chef des 18-köpfigen Komitees, das die Dorfbewohner kurz nach der Zählung gewählt haben. Die Idee hatten sie selbst. Das Komitee half mit, bei der ersten Geldausgabe Ordnung zu schaffen: Sonst wären viele der Wartenden bei dem Ansturm auf die Kasse wohl zertrampelt worden. Inzwischen weiß jeder, dass genug Geld für alle da ist. Das zweite Problem ist delikater: die richtige Verwendung der Hilfen. „Wir wollen nicht, dass alle ihr Geld gleich am Ausgabetag versaufen.“ Genau das nämlich werfen die Kritiker dem Projekt vor: Den Untätigen werde Geld in den Rachen geworfen. Anstatt Arbeit zu belohnen, werde Faulheit finanziert. Und tatsächlich feierten die 13 Kaschemmen am Abend des ersten Ausgabetags das Geschäft ihres Lebens. Wegen Trunkenheit und ,ungebührlichen Verhaltens? nahm die Polizei ein paar Bewohner mit in die Ausnüchterungszelle. Andere trugen einige Tage später stolz ein neues Handy oder anderes Konsumgut zur Schau.

Das hat sich gegeben. Der Abschlussbericht für die namibische Regierung zieht nun eine fast begeisterte Bilanz: Der Prozentsatz mangelernährter Kinder ist von 42 auf 10 Prozent gefallen; die Zahl der Kinder, die aus finanziellen Gründen nicht zur Schule gehen, sank um 42, die Kriminalitätsrate um 47 Prozent. Das für die Nachhaltigkeit des Projekts aber vielleicht wichtigste Ergebnis ist dieses: Die Menschen haben das Grundeinkommen vermehrt. Das Durchschnittseinkommen aus Beschäftigung, selbstständiger oder angestellter, stieg von 118 namibischen Dollar auf 152 – ohne das Grundeinkommen. Mit solchen Zahlen, so hofft Kameeta, wird man die Regierung von einer Ausweitung des Grundeinkommens überzeugen können.

aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 2. Juli 2009

Bei Youtube kann man sich ein Video in deutscher Sprache ansehen, ich konnte es nicht einbetten, um zu Beginn wirbt Müller Milch…


Lieber Arash, ich muß wissen, wo Du bist

Neda ist zum Symbol des iranischen Widerstands geworden.



Als die Junge Frau in Teheran von einer Kugel getroffen wurde, versuchten zwei Männer, ihr das Leben zu retten. Einer davon ist Arzt, heißt Arash Hejazi und ist mit dem Dichter Paulo Coelho befreundet.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Der bloggende Mullah

Ein iranischer Geistlicher fordert Freiheit und eine Religion ohne Zwang: Mohammed Ali Abtahi

Iranische Mullahs haben in der Regel lange Bärte, wirken ungeheuer ernst, geben nichts Persönliches preis, sind im Rentenalter und zumeist bereit, alle Machtsäulen der Islamischen Republik Iran dogmatisch zu verteidigen, wenn nötig auch mit Gewalt.

Mohammed Ali Abtahi gehört nicht zu diesen Mullahs. Der Geistliche ist 51 Jahre alt, hat nur einen kurzen Bart, lacht gerne, spricht offen darüber, dass er mit wechselnden Diäten gegen sein Übergewicht kämpft und führt ein Institut für Interreligiösen Dialog. Mohammed Ali Abtahi war Präsident des iranischen Rundfunks und unter der Regierung des Reformers Mohammed Khatami Erster Vizepräsident des Irans, zunächst als Stellvertreter des Präsidenten, dann als Vizepräsident für parlamentarische Angelegenheiten.

Doch inzwischen ist er auf andere Weise berühmt geworden: Mohammed Ali Abtahi ist der bloggende Mullah. Seit mehr als fünf Jahren schreibt er täglich einen Blog. Sein Internettagebuch ist den Mächtigen in Teheran und der geistlichen Metropole Ghom zunehmend unheimlich. Kurz nach Beginn der Demonstrationen gegen die Unregelmäßigkeiten hei der Präsidentenwahl wurde der bloggende Mullah verhaftet.

Unbeliebt war Mohammed Ah Abtahi bei den Mächtigen im Lande schon vor der großen Rebellion. Jeden Tag ärgerte er sie mit Indiskretionen über Empfänge, über geheime Verbindungen und Absprachen, mit Insidergeschichten aus den Korridoren der Macht. Der bloggende Mullah ist gut vernetzt und hat seine Fühler überall. Seine Internetseite webneveshteha.com wurde immer beliebter, zumal der Mullah auch unkonventionelle Lebensberatung für jüngere Leute erteilte. Lange Zeit blieb er erstaunlich unbehelligt. Inzwischen ist sein Blog gesperrt. An einem grauen Morgen wurde er von Polizisten abgeholt.

Abtahi ist Mitglied der iranischen Partei Verband der kämpfenden Geistlichkeit und versteht sich als Bürgerrechtler. Bei den iranischen Präsidentschaftswahlen hatte Abtahi nicht den führenden Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi, sondern dessen reformerischen Konkurrenten Mehdi Karroubi unterstützt. Inzwischen unterstützt er die Proteste für die Überprüfung der Wahlergebnisse. Für Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad gehört der bloggende Mullah zu den »Drahtziehern« der Unruhen.

Letzteres verwundert nicht, denn der bloggende Mullah hat vor allem theologisch gänzlich andere Auffassungen als der Staatspräsident, der einer radikalen islamischen Sekte angehört, und viele der anderen Mullahs um Ali Khamenei, den Religionsführer des Irans. Mohammed Ali Abtahi bringt den Gegensatz schnell auf den Punkt: »Wer erzwingen will, dass alle religiös werden, erzeugt nur Hass«, sagte er vor wenigen Wochen, noch vor den Unruhen. »Und wer Freiheit sabotiert, macht die Religion kaputt.« Das ist ein geistiger Generalangriff auf Theologen, die die Menschen in das Korsett ihrer engen Auffassungen von einer islamischen Republik zwingen wollen. Michael Damm

Dienstag, 23. Juni 2009

Piet Klocke zur Europawahl

Solange sich das Parlament selbst nicht ernst nimmt, gehe ich da nicht hin.

Piet Klocke in Neues aus der Anstalt [4:33]



Naja, vielleicht überleg’ ich mir das noch mal.


Heidelberger Bibliotheca Palatina komplett online

Die Heidelberger Bibliotheca Palatina, eine der wertvollsten Sammlungen deutschsprachiger Handschriften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, ist vollständig digitalisiert im Internet zugänglich. In einem auf drei Jahre angelegten Projekt hat die Universitätsbibliothek Heidelberg alle 848 Codices Palatini germanici der ehemals Pfalzgräflichen Bibliothek (Bibliotheca Palatina) mit insgesamt ca. 270.000 Seiten und ca. 7.000 Miniaturen digitalisiert und für die Online-Nutzung aufbereitet.

Die Ursprünge der Bibliotheca Palatina reichen bis 1386, in das Jahr der Gründung der Universität Heidelberg zurück. Die deutschsprachigen Handschriften befinden sich heute in der Universitätsbibliothek Heidelberg; nahezu alle griechischen und lateinischen Handschriften sowie sämtliche Drucke befinden sich heute in der Bibliotheca Apostolica Vaticana in Rom. Die berühmte Büchersammlung bietet reichhaltiges Quellenmaterial für eine Vielzahl von Wissenschaftsdisziplinen. Neben Preziosen, wie dem Heidelberger Sachsenspiegel oder dem Codex Manesse, finden sich Beispiele höfischer Epik, biblische Texte, medizinische Traktate oder gar Kriegsbücher. Alle Heidelberger Palatina-Handschriften können nun virtuell geblättert werden. Mit einem Klick können sie zudem als pdf-Datei auf den eigenen Rechner geladen werden.
vom Blog von Thomas Pape

Samstag, 20. Juni 2009

Der Zweite Tschetschenienkrieg ist zuende…

Im Ersten Tschetschenienkrieg, welcher von 1994 bis 1996 andauerte, konnte die Tschetschenische Republik Itschkerien ihre Unabhängigkeit behaupten.Rund 400 tschetschenische Freischärler unter der Führung von Schamil Bassajew und Ibn al-Chattab griffen am 7. August 1999 die Nachbarprovinz Dagestan an. In diesen Kämpfen (siehe Dagestankrieg) bis zum 26. August 1999 kamen rund 73 russische Soldaten ums Leben und 259 wurden verwundet. Zwischen dem 5. und 15. September 1999 griffen rund 2.000 Kämpfer den dagestanischen Bezirk Nowolakskij an und töteten mehrere hundert Menschen. Im gleichen Zeitraum kamen in Moskau und anderen russischen Städten über 300 Menschen bei Sprengstoffanschlägen auf Wohnhäuser ums Leben. Ministerpräsident Putin machte tschetschenische Terroristen für die Taten verantwortlich und erklärte ihnen öffentlich den Krieg. [Zweiter Tschetschenienkrieg, Hintergründe, Wikipedia, zuletzt abgerufen am 08.10.2016]
Es war einmal Tschetschenien [57:11]

Veröffentlicht am 18.12.2014
Vor fast einem Jahrzehnt sind russische Truppen in Tschetschenien einmarschiert. Am 25. Dezember 1994 erklärte Boris Jelzin, er werde "Recht und Ordnung in Tschetschenien wieder herstellen". Zum erstem Mal seit dem Zerfall der Sowjetunion und der Geburt der Russischen Föderation beschloss der Kreml, entgegen der Vorbehalte von Armee und Abgeordneten, einen innenpolitischen Konflikt mit militärischen Mitteln zu lösen. Der erste Feldzug dauerte zwei Jahre und hatte lediglich zur Folge, dass der Ruf der "Unbesiegbarkeit der russischen Armee" zerstört und die unerbittliche Widerstandskraft des tschetschenischen Volkes augenfällig wurde. 1999, drei Jahre danach, fing alles von vorne an: Russische Truppen marschierten in Grosnij ein, und die Stadt wurde Monate lang mit Bomben und Raketen beschossen.

Die Autorin und Regisseurin georgischer Abstammung, Nino Kirtadze, hatte den Tschetschenien-Krieg 1994 und 1996 als Kriegsberichtserstatterin zuerst für die französische Presseagentur AFP, danach für die Associated Press begleitet. Um die gesamte Tragweite dieses Krieges begreiflich zu machen, konfrontiert Nino Kirtadze in ihrer Dokumentation die Aussagen von fünf Journalisten unterschiedlicher Herkunft, die in beiden tschetschenischen Konflikten als Berichterstatter für internationale Presseagenturen tätig waren. Diese Augenzeugenberichte liefern wesentliche Bausteine zur Rekonstruktion der Ereignisse und zeigen Dreh- und Angelpunkte des Konflikts sowohl aus professioneller als auch aus persönlicher Sicht. Die Journalisten stützen ihre Berichte auf von ihnen selbst geschossene und ausgewählte Bilder. Die Stellungnahmen sind keineswegs homogen, aber Widersprüche und abweichende Untermauerungen spiegeln gerade die Vielschichtigkeit dieses bewaffneten Konflikts wider, den Präsident Putin nicht beenden konnte, sondern eher verschärft hat. Dabei wird auch deutlich, welchen Schwierigkeiten Kriegsberichtserstatter beim Ausüben ihres Berufs ausgesetzt sind.

Zu Wort kommen:

- Robert Parsons
bis 2001 Leiter der BBC-Niederlassung in Moskau: er berichtete über mehrere Konflikte nach der Zersplitterung der UdSSR und über die beiden Tschetschenien-Kriege. Sein Beitrag ist eine scharfsinnige Analyse der politischen Situation.

- Stanley Greene
Fotograf im Auftrag der Agentur VU. Mit dem "World Press Photo Award" ausgezeichnet, fotografierte den Fall der Berliner Mauer 1989 und den Moskauer Putsch des Jahres 1993. Seit 1994 berichtet er vom Tschetschenien-Krieg, der für ihn zum Symbol von Ungerechtigkeit und Verständnislosigkeit wurde.

- Sophie Shihab
Auslandskorrespondentin der Tageszeitung "Le Monde" in Moskau: Sie berichtete anfangs über den Tschetschenien-Krieg und lieferte eindrucksvolle Interviews von Kämpfern beider Lager. Sie verfügt über hervorragende Kenntnisse der politischen Aspekte sowie der Interessen beider Parteien des Konflikts.

- Andrej Babitsky
Korrespondent von "Radio Free Europe": Er hatte als erster auf die Existenz russischer Konzentrationslager für Tschetschenen aufmerksam gemacht. In Tschetschenien vom russischen Geheimdienst gekidnappt, wurde er nach mehreren Wochen Gefangenschaft dank einer internationalen Protestkampagne freigelassen. Er steht nach wie vor unter Beobachtung des ehemaligen KGB.

- Petra Prokhatskova
Auslandskorrespondentin der tschechischen Presseagentur "Epizentrum": Sie genoss das Vertrauen der tschetschenischen Kriegsherren und konnte dadurch entscheidende Momente des Kriegsgeschehens mitverfolgen. Sie gab ihren Journalisten-Beruf auf und baute inmitten der Ruinen der Stadt Grosny ein Waisenhaus auf. Nach den Dreharbeiten musste sie auch dieses Projekt wieder aufgeben und kehrte zurück in die Tschechische Republik.
(2005)

Dokumentarfilm "Sarema" (Deutsch) [41:17]

Veröffentlicht am 10.06.2013
SAREMA, SELBSTMORDATTENTäTERIN
ÜBER SCHWARZE WITWEN AUS TSCHETSCHENIEN

Produktion: 2005
Studio, Verleih, Vertrieb: mediaversand
Regie: Juri Ginsburg & Markus Thöß

Der Dokumentarfilm, gefilmt in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Patner.

Sie werden am Hüftgurt des Todes gebunden. Sie - die Waffe der Massenvernichtung. Wir werden niemals verstehen ihre Logik: Wir sind bereit, alles zu tun, um zu überleben, und sie - um zu sterben. Man nennt sie die Selbstmordattentäter. Geschichte der tschetschenischen Selbstmordattentätern begann vor vier Jahren. Dann Hawa Barayeva ein LKW mit TNT durchbrach auf der Kommandantur in Alkhan-Yurt. Während dieser vier Jahre wandte terroristischen Anschlägen gegen Selbstmordattentäter aus einer extremen Form des religiösen Fanatismus in den Akt der Gewalt zur Norm geworden abnorme Leben. Frauen Selbstmordattentäter, so gut wie möglich, geeignet für die Bildgebung der unsichtbare Feind, der fast nicht angezeigt werden live und wir können nicht die Toten. Zum ersten Mal sah Russland aus erster Hand die Lebensbedingungen Selbstmordattentäter während der Geiselnahme in Dubrowki. Später wurde das Land eine ganze Reihe von Angriffen, denen Selbstmordattentäter - die schädigende Wirkung und abschreckende Wirkung war stärker als wahrscheinlich von den Veranstaltern übernommen. Die Autoren des Dokumentarfilms hat ein exklusives Interview mit Shahid, nie auf der Twerskaja explodierte ...

Tödliche Normalität - Schicksale in Tschetschenien, Part 2/2 DOKU [13:39]

Hochgeladen am 23.08.2010
Routiniert zerlegt der 14-jährige Chassa die Kalaschnikoff seines Vaters. "Immer wenn er geschossen hat, gibt er sie mir danach", meint er stolz. Dann spielt Chassa mit anderen Kinder "Ausweiskontrolle" - in einer Kriegsruine mitten in Grosny, Tschetschenien. Gleich nebenan wühlt die Tschetschenin Sazita im Schutt und klopft mit ihren Söhnen Ziegelsteine. 20 Euro umgerechnet erhalten sie für tausend Steine, ein mörderischer Job in der sengenden Sonne. Doch von dem Erlös geht die Hälfte an einen Beamten der Bezirksverwaltung. Schmiergeld, damit er sie gewähren lässt. Korruption, Nötigung, Erpressung, Mord - das sind die Spielregeln in der kleinen Kaukasusrepublik Tschetschenien, ein lukrativer Schauplatz für Raubritter aller Art. Anarchie ist Geschäftsgrundlage.

Tschetschenien Vergessen auf Befehl, Arte Doku 2015 [1:21:37]

Veröffentlicht am 14.03.2015
Manon Loizeau wurde 1995 auf Tschetschenien aufmerksam. Sie war damals Korrespondentin in Moskau. Tschetschenien hatte seine Unabhängigkeit ausgerufen und es kam zum Krieg mit Russland, damals unter Führung von Boris Jelzin. 1999 lässt Russland erneut Bomben auf Tschetschenien regnen - um den Terror zu bekämpfen, wie der neue russische Präsident Wladimir Putin damals rechtfertigt. Dabei wird keine Rücksicht auf Zivilisten genommen. 20 Jahre später kehrt Manon Loizeau nach Tschetschenien zurück. Was sie vorfindet ist ein scheinbar befriedetes Land, dessen Einwohner verängstigt vom Terror tschetschenischer Milizen ihren Alltag bestreiten, als sei nie etwas passiert. Methodisch verwischt das Regime um Ramsan Kadyrow jede Spur des Krieges. Gleichzeitig entdeckt die Regisseurin einen Personenkult um den neuen Präsidenten Kadyrow, der sogar Stalin alle Ehre gemacht hätte. Folter und Mord Mit Hilfe russischer Finanzspritzen ist es dem jungen Ramsan Kadyrow (38) gelungen, sein vom Krieg zerstörtes Land wieder aufzubauen. Grozny, die von Bomben zerstörte Hauptstadt, ähnelt mit seinen schicken Einkaufszentren und seinen prunkvollen Moscheen heute Dubai. Die Straßen sind zu eindrucksvollen Allen ausgebaut worden und tragen die Namen der einstigen russischen Feinde - allen voran den Putins. Aber die schöne Fassade ändert nichts an der Tatsache, dass täglich Menschen verschwinden. Sie werden zu Opfern der omnipräsenten Regierung, die mit Folter und Mord Schrecken unter der Bevölkerung verbreitet. Nur wenige trauen sich, ihre Gedanken öffentlich zu äussern. Manon Loizeau hat sie getroffen und den Prozess des Oppositionspolitikers Rouslan Koutaiew mitverfolgt. Offiziell wird ihm illegaler Heroinbesitz vorgeworfen. Sein eigentliches Verbrechen bestand jedoch darin, dem 70. Jahrestag der Deportation der Tschetschenen unter Stalin gedacht zu haben.

18 + Tripp to Death - Deutsche Doku über den Chechenien Krieg [29:37]

Veröffentlicht am 07.06.2013
Deutsche Doku über Chechenien Krieg. 1998.

aktualisiert am 08.10.2016

Freitag, 19. Juni 2009

Ein »vorbildlicher Akt der Rechtsauslegung« …

Rechtsklick…
aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 19.06.09