Dienstag, 15. Januar 2013

Ohne Angst leben


 Christen könnten die weit verbreitete politische Lähmung und die Angst vieler Menschen vor dem Sterben überwinden helfen. Doch die Kirchen flüchten in eine abstrakte Glaubensverkündigung
Beachtung fand auf der »Konziliaren Versammlung« reformorientierter Gruppen und Initiativen, die im Oktober in Frankfurt stattfand (Publik-Forum 20/2012), ein Vortrag des Journalisten Michael Jäger. »Ohne Angst leben« lautete sein Titel. Jäger war früher Atheist und fand über eine kritische Auseinandersetzung mit dem Christentum zum Glauben. Der nachfolgende Text ist eine stark gekürzte und redaktionell überarbeitete Fassung dieses Vortrags. Jäger arbeitet als Redakteur bei der Wochenzeitung »Der Freitag«.

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Von Michael Jäger

Sehr viele Menschen sind nicht einverstanden mit den vielen gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten und der Unsinnigkeit unserer ökonomischen Ordnung. Doch sie rühren sich nicht. Sie sind gelähmt. Aber lesen wir von solcher Lähmung nicht schon im Neuen Testament? Da kommt dann einer und sagt: »Steh auf und wandle!«
Wäre es also nicht gerade Aufgabe der Kirchen, ein entschiedenes Wort gegen die Lähmung zu sagen? Die Menschen brauchen den Glauben, aufstehen zu können, haben ihn aber nicht. Eine erneuerte Kirche würde sich in die Demonstrationen derer einreihen, die den Kampf um eine bessere Welt bereits aufgenommen haben. In Ansätzen geschieht das. Eine erneuerte Kirche würde sich aber auch derer annehmen, die nicht zum Kämpfen gelangen, weil sie gelähmt sind. Denn wer sonst sollte das tun können? Wer außer den Christen wüsste aus der Bibel, dass möglicherweise Schuldbewusstsein und daraus resultierende Todesangst die Lähmung bewirkt haben könnten?
Die Verantwortlichen in den Kirchen haben oft eine eigene Art, Themen wie Schuldbewusstsein und Todesangst, Vergebung der Schuld und Befreiung zum Leben zu behandeln: Man privatisiert sie, enthistorisiert sie, entsozialisiert sie, entgeschlechtlicht sie. Man verwandelt sie in lauter Abstraktionen. Nicht selten wird dann eine private, ahistorische »Seelsorge« ausgespielt gegen die Notwendigkeit des Kampfes für eine bessere Welt, für einen Vorschein des »Reiches Gottes«.
Papst Benedikt XVI. hat aus Anlass des fünfzigsten Jahrestags der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils ein »Jahr des Glaubens« ausgerufen. Aufgabe der Kirche sei es, so der Papst, »die Menschen aus der Wüste herauszuführen zu den Orten des Lebens – zur Freundschaft mit dem Sohn Gottes, der uns Leben schenkt, Leben in Fülle«. So weit, so gut. Doch dann fährt der Papst fort: Nicht selten geschehe es, dass die Christen sich »mehr um die sozialen, kulturellen und politischen Auswirkungen ihres Einsatzes kümmern«.
Aus der Wüste herausführen – welch ein großartiges Bild! Es passt zu unserer Situation in den reichen Ländern, wo uns, bevor wir zu kämpfen begannen, doch nicht das tägliche Brot gefehlt hat! Nein, wir spürten eine innere Leere, die gerade das war, was uns gelähmt sein ließ – bevor wir herausgeführt wurden zur Freundschaft mit dem »Sohn Gottes«, unserem Vorbild, »des Glaubens Führer«, wie es im Hebräerbrief heißt, der das Kreuz auf sich nahm im Widerstand gegen die Händler im Tempel.
Wie kann man diesem Vorbild anders folgen als im sozialen, kulturellen und politischen Einsatz? Muss man nicht gerade sagen, dass es der Glaube ist, der zum Einsatz befreit, indem er die Lähmung besiegt, sodass wir die Wüste verlassen können?

Tortur und Sterben. Der Philosoph Theodor W Adorno kann 1965, in seiner »Metaphysik-Vorlesung«, den Zusammenhang deutlich machen zwischen dem physischen Leid in den armen Ländern und der Verwüstung der Seelen in den reichen Ländern; zwischen dem mehr oder weniger verdrängten Schuldbewusstsein von uns Reichen und der Lähmung und der Todesangst, die uns befallen, wenn wir nicht, wie Adorno sagt, »Widerstand« leisten. 
Der Philosoph spricht von einer »Welt der Tortur, die weitergeht nach Auschwitz …« Seine verallgemeinernde Charakterisierung der Zeit ist die »Tortur als Dauerinstitution«. Beispiele dafür finden sich vor allem in den armen Ländern: Hunger, Ausbeutung, Diktaturen ... Indem Adorno sich aber ebenso in den reichen Ländern umsieht, hebt er auch deren Charakteristikum hervor: Es ist die Unerträglichkeit des privaten Sterbens. Damit sind wir beim Thema »Seelsorge«.
»Wer stirbt«, sagt Adorno, »der merkt, dass er um alles betrogen ward. Und darum ist der Tod so unerträglich.« Wir meinen heute vielleicht, das sei übertrieben. Wahr ist, dass wir viel weniger betrogen sind als Menschen in anderen Weltteilen. Doch warum? Weil wir, ob wir wollen oder nicht, mitschuldig sind an der Armut und Tortur in anderen Weltteilen. Es ist gerade dieser »Schuldzusammenhang«, der für Adorno die Überleitung macht zwischen dem objektiven und dem subjektiven Charakteristikum der Zeit: zwischen der Welt der Tortur und der Unerträglichkeit des privaten Sterbens. Die Schuld der Menschen hierzulande liege darin, sagt Adorno, »dass man zu wenig widersteht«. Solche Schuld laste auf dem Sterben. Und ist nicht auch der ökonomische Wachstumszwang die permanente Flucht vor der Endlichkeit?
Liegt hier nicht ein Schlüssel, um die Lähmung der breiten Bevölkerung zu begreifen? Menschen, die auch nur die leiseste Ahnung ihrer Verstrickung in diesen Schuldzusammenhang haben – aus welchem Antrieb heraus sollten sie sich zur Lebendigkeit befreien können und damit zum Widerstand? Nein, ihr Leben wird stocken, umso mehr, als es auf das Nichts hinauszulaufen scheint. Sie sehen nur, dass »nach uns die Sintflut« kommt, ja dass sie schon da ist und man sein Leben damit verbringt, das Ansteigen des Wasserspiegels zu beobachten – man tut das übrigens auch ganz buchstäblich. Man kann regelrecht die Stimme Mephistos aus Goethes »Faust« hören: der Tod ein »reines Nichts«, vorher, infolgedessen, ein Leben »so gut, als wär es nicht gewesen«. Oder um mit Adorno zu sprechen: Es sei, als ob die Menschen »am Tod [ ] erfahren würden[,] dass sie immer schon Tote waren«.

Mit dem Tod ist nicht alles aus. Müsste es eine »seelsorgerische« Kirche hier nicht drängen, die Frohe Botschaft zu verkünden? Sie liegt laut dem Hebräerbrief darin, dass es Jesus Christus darum ging, »alle die freizubekommen, die durch Todesfurcht während des ganzen Lebens der Knechtschaft verhaftet waren«.
Was aber tut die Kirche? Spricht sie von der Weltarmut und -tortur, um zum Beispiel uns Deutsche, die davon nicht betroffen sind, auf diese Kehrseite hinzuweisen, von der wir dann eben doch betroffen sind, in der Weise einer gewissen Unerträglichkeit unseres Sterbens und Lebens? In der Todesangst, die sehr berechtigt ist, aber nicht sein müsste, weil wir, das Kreuz auf uns nehmend, Widerstand leisten könnten? Doch die Kirche spielt gegen die Anklage der Weltarmut und -tortur ihre seelsorgerische Tätigkeit aus. So als folge diese Anklage »trügerischen Prinzipien«, wie Benedikt XVI. es der »Theologie der Befreiung« vorwirft. Weniger trügerisch soll es wohl sein, wenn man die Menschen auf ihre abstrakte Privatheit reduziert und zurückwirft
Was nun zeichnet den Widerstand der Christen aus? Was müsste und könnte ihn auszeichnen?
Erstens: das Wort vom Kreuz. Wenn es wirklich die bessere Welt ist, für die Christen kämpfen, das Reich Gottes, dann brauchen Christen die Niederlage in diesem Kampf nicht zu scheuen, denn sie ist in den Sieg verschlungen. Der Kampf geht weiter, nach der Niederlage, sogar nach dem Leben. Weil Christen das wissen, sind sie nicht gelähmt.
Zweitens: Christen leisten Widerstand und treffen auf Feinde. Feinde sind Menschen, die man auch als Feinde behandelt. Sonst hätte der Satz »Liebt eure Feinde« überhaupt keinen Sinn. Diese Aufforderung bedeutet nicht einfach dasselbe wie »Liebe deine Geliebte«. Seine Bedeutung ist die, dass zur Behandlung der Feinde zwar selbstverständlich und auch für Christen gehört, dass man sie zu besiegen versucht – ohne die Niederlage zu scheuen –, dass es aber darüber hinaus auch dazugehört, dass man sie liebt.
Drittens: Was heißt es, die Feinde zu besiegen und zugleich zu lieben? Es heißt, sie so zu besiegen, dass sie hinterher, ja schon während des Kampfes, die Möglichkeit haben, ihre Feindschaft zu revidieren. Die Feinde müssen zur Freundschaft mit der christlichen Sache und mit den Christen selbst übergehen können. Nicht, dass Christen den Kampf aufs Spiel setzen, damit die Feinde zu falschen Freunden werden; gerade das wäre keine Haltung der Liebe ihnen gegenüber. Aber wenn Christen wissen, dass den Feinden die Möglichkeit bleiben muss, sich zu ändern, dann hält es sie davon ab, das Unrecht, das die Feinde in die Welt setzen, durch eigenes Unrecht an ihnen noch zu vervielfachen. Die Geschichte der Revolutionen ist voll von solch reagierendem Unrecht.
Ganz von selbst taucht in diesem Kontext die Frage des Todes auf. »Nach dem Leben ist nicht alles aus«, sagen Christen. Wenn es nicht so wäre, wenn die Geschichte nicht weiterginge, nachdem der Beitrag unseres Lebens zu ihr vielleicht nur darin besteht, dass wir Niederlagen erleiden, dann wären auch wir gelähmt. Dann würden wir die Kraft zum Widerstand nicht haben, und auch uns würde das Schuldbewusstsein ängstigen bis hin zur Todesangst.
Viele werfen der Kirche vor – und wohl nicht immer zu Unrecht –, sie wolle die Todesangst dadurch besiegen, dass sie ein besseres Weiterleben nach dem Tod beschwöre, worauf man während eines Lebens ohne Widerstand immer schon die Hoffnung richten könne. Wenn dieses Missverständnis aufkommt, werden die Christen es berichtigen müssen. Sie werden sagen können, was der große Theologe Karl Rahner so formuliert hat: »Wer einmal eine sittlich gute Entscheidung auf Leben und Tod getroffen hat, radikal und unversüßt, sodass daraus absolut nichts für ihn herausspringt als die angenommene Güte dieser Entscheidung selbst, der hat darin schon jene Ewigkeit erfahren, die wir hier meinen« – und die durchaus nicht, fährt Rahner fort, »als ein zeitliches Weiterdauern ›hinter‹ unserem Leben sich hinzieht«.
Wüssten die Menschen darum, sie würden es satt haben, wie Tote zu leben. Sie würden aufstehen. –


Publik-Forum 2012 Nr. 22

Rezensionen zu Adornos Metaphysik-Vorlesungen:

- Darf auch ruhig mal schiefgehen (Rezension in der FAZ, 1998, zu Adornos Metaphysik-Vorlesungen)
- Blicke auf das grauenhafte Sein der Welt (Rezension in der taz, 1998, zu Adornos Metaphysik-Vorlesungen)
- Die Trümmerfrau der Kultur (Rezension in der BZ, 1998, zu Adornos Metaphysik-Vorlesungen)
-  Transzendenz und Kapitalismus (Rezension in der ZEIT, 1998, zu Adornos Metaphysik-Vorlesungen)












Heute vor 30 Jahren – 15. Januar 1983: Das Ende des Zündholzmonopols in Deutschland

Schwedisches Streichholzimperium 

 Die ältere Generation kennt sie noch, die kleinen Streichholzschachteln mit der Aufschrift »Welt-Hölzer« oder »Haushaltsware« und den braunen Reibflächen an den Seiten. Sie gehörten zu jedem Haushalt und waren konkurrenzlos, denn 53 Jahre lang lag ein Monopol auf Herstellung und Vertrieb. Heute vor 30 Jahren, am 15. Januar 1983, endete das Monopol. Seither ist auch die Welt der Streichhölzer bunter und vielfältiger geworden. 

Streichholzschachtel »Welt-Hölzer«, um 1955
 Im Januar 1930 hatte der Deutsche Reichstag das Zündwarenmonopolgesetz verabschiedet und das Monopol der Swedish Match Company des schwedischen Industriellen Ivar Kreuger zugesprochen. Im Gegenzug gewährte dieser der klammen Reichsregierung einen günstigen Kredit über 125 Mio. Dollar. Fortan durfte in Deutschland nur noch die Deutsche Zündwarenmonopolgesellschaft das Geschäft mit den kleinen Hölzern betreiben. Die deutschen Hersteller bekamen Kontingente zugeteilt, neue Firmen durften in der Branche nicht gegründet werden, auch der Export von Zündwaren war verboten. Der schwedische Konzern ist im Streichholzgeschäft auch heute noch führend auf dem Weltmarkt. 

Carl Auer von Welsbach (1858-1929) 
 österreichischer Chemiker und Unternehmer 
 entwickelte 1903 den Zündstein 
brachte 1907 das erste Feuerzeug auf den Markt 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Montag, 14. Januar 2013

Redewendung

Wenn jemand wegen tatsächlicher oder vermeintlicher Verfehlungen öffentlich in vehementer Form bloßgestellt wird, heißt es häufig, er werde »an den Pranger gestellt«. Reale Pranger gibt es schon seit Langem nicht mehr, ihre Wirkung war jedoch offensichtlich so stark, dass sie sprachlich im Gedächtnis der Menschen blieben.



Am Schandpfahl zur Schau gestellt 

 Der Pranger war ein mittelalterliches Strafwerkzeug, das wie auch der Eselsritt oder der Schandkorb vor allem der Vollstreckung von Ehrenstrafen diente und dem Bestraften in aller Regel das gesellschaftliche Ansehen raubte. Die Strafe des Anprangerns gehört in eine ganze Reihe von Strafmaßnahmen, die heute martialisch und grausam anmuten. 


Pranger in Berkastel-Kues [gefunden bei Volksfreund.de]
 Angeprangert wurden die Unglücklichen auf unterschiedliche Weise. Meist trugen sie ein Halseisen, das mit einer Kette am Rathaus oder der Kirche befestigt war, mitunter mussten sie angekettet auf einem Pfahl sitzen oder man schloss sie in einen drehbaren Käfig ein. Häufige Verwendung fanden auch zwei mit Scharnieren verbundene Bretter mit Aussparungen, in die der Verurteilte Hals und Arme zu legen hatte. Immer stand der Pranger an einem belebten Ort der Stadt. Die Zurschaustellung des Täters und der Strafe als abschreckendes Exempel war schließlich Sinn der Sache. Passanten und Schaulustige zeigten mit dem Finger auf die Angeprangerten und verspotteten sie, auch durften sie bespuckt werden, zuweilen flogen sogar Steine. Als der Schriftsteller Daniel Defoe 1704 (Wikipedia: 1703) wegen »Verhöhnung der Kirche« in London am Pranger stand, hatte die Justiz allerdings die Rechnung ohne das Volk gemacht: Es feierte den Angeprangerten und bewarf ihn mit Blumen. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Vor 52 Jahren: Wenn der Trolleybus kam, flogen die Funken

Idar vor 50 Jahren: Wenn der Trolleybus kam, flogen die Funken

Idar-Oberstein - Aus heutiger Sicht war der ehemalige Idar-Obersteiner Stadtbürgermeister Ludwig Bergér ein weit vorausdenkender Mensch. Er war es nämlich, der 1930 die Idee hatte, eine Buslinie zwischen Idar und Tiefenstein einzurichten. Aber das sollte keine normale Linie mit normalen Bussen werden, sondern nach englischem Vorbild sollten Trolleybusse verkehren. Diese hatten keinen Benzinmotor, sondern wurden mit Strom angetrieben. Dieser kam über zwei Stangen, die an Oberleitungskabel hingen. Aus heutiger Sicht, ein überaus innovativer Schritt.
 Aufsehenerregend war die Wende des Trolleybusses 
an den Endhaltepunkten in Tiefenstein und am Hotel 
Schwan (Foto) in Idar. Auf dem Bild oben der erste 
der Elektrobusse im Jahr 1934, unten das 
Nachfolgemodell an gleicher Stelle.
Solch eine technische Sensation musste natürlich erst einmal begutachtet werden. Also machte sich Bergér und eine Delegation unter der Leitung von Edelsteinhändler Heinrich Albert Becker 1930 auf nach England. Das was sie dort sahen, muss ihnen gefallen haben. Und so kam es, dass 1932 die erste Fahrt eines Trolleybusses von Idar nach Tiefenstein und zurück durchgeführt werden konnte.
Wie revolutionär diese Entscheidung war, belegt die Tatsache, dass die Linie Tiefenstein-Idar erst die zweite Trolleybusstrecke in Deutschland überhaupt war, die andere verkehrte in Düsseldorf-Mettmann. 1956 war es dann auch soweit, dass man den Trolleybus von Idar nach Oberstein (Endstation Bahnhof) einsetzte. Die gute alte Straßenbahn, die bis dahin die beiden großen Stadtteile miteinander verbunden hatte, wurde ausrangiert. Von nun an wackelte "de Droht" in drei Stadtteilen. Die Ära des fortschrittlichen Elektrobusses ging 1969 zu Ende. Heute könnte er vielleicht wieder als fortschrittlich gelten. Was übrig blieb ist unter anderem der Name der Endstation Rodter Mühle in Tiefenstein, der heute noch im Volksmund als "de Wenneplatz" bekannt ist.

Das Nachfolgemodell in den 1950er-Jahren
In Idar war dieser Wendeplatz in der heutigen Fissler-Einfahrt gegenüber vom Schwan-Hotel. Das umständliche Wendemanöver war aber kein Problem, weil damals erst wenige andere Autos verkehrten. Eine kleine Attraktion, die immer sehr genau beobachtet wurde, war, wenn etwas mit der Stromverbindung zwischen Oberleitung und Motor nicht klappte. Dann flogen schon mal die Funken.
Konnte etwas mit dem Seil nicht gerichtet werden - dafür stieg man auf eine Leiter, dann wurde halt eine Stange zu Hilfe genommen und die Verbindung zwischen Bus und Draht war wieder hergestellt.

zur Chronik-Seite der  Idar-Obersteiner Verkehrsgesellschaft (unten auf der Seite gibt’s schöne alte Photos!)

Eines der Bilder erinnert mich an einen Witz (gepostet am 19. März 2008)
Zu weit gegangen

Ein Obersteiner streitet sich lautstark mit seiner Frau an Gilsbachs Eck. Schließlich gibt er ihr eine schallende Ohrfeige. Ein Polizist, der die Szene beobachtet hat, schreitet ein: „Saan se mool, senn se weile nedd e bissje zu weet gang?“ Antwortet der Obersteiner: „Do honn se reecht, Herr Wachtmeister. Die hätt’ se schon bei Treibse verdient gehatt.“


für Ortsunkundige: hier ist die Google-Karte, auf der man die Verhältnisse anschauen kann.
Das streitbare Ehepaar bewegte sich auf der Hauptstraße (das ist dort, wo der Pfeil draufzeigt), und zwar von Nordosten nach Südwesten. Etwas weiter kreuzt die Otto-Decker-Straße die Hauptstraße. Früher stand an dieser Kreuzung ein Geschäft mit dem Namen »Gilsbach«, deshalb also nach Idar-Obersteiner Tradition »Gilsbachs Eck«. (Heute ist da ein gutes Schuhgeschäft.) Der Pfeil zeigt auf das Herrenbekleidungsgeschäft »Treibs«. (Da habe ich meinen dunkellila Konfirmationsanzug gekauft bekommen, damals noch mit Rollkragenpullover getragen, der letzte Schrei!) Die Tatsache, daß das Ehepaar sich also schon beim Herrenbekleidungsgeschäft »Treibs« stritt, spricht für eine intensive Paarbeziehung, in welcher beide große Ausdauer in der Auseinandersetzung an den Tag legen, sich der Mann aber, wie das häufig der Fall ist, der verbalen Fähigkeiten seiner Frau nicht zu erwehren weiß und handgreiflich wird.
Und hier Gilsbachs Eck, als da tatsächlich noch Polizisten standen:
[Quelle: die Chronik-Seite der  Idar-Obersteiner Verkehrsgesellschaft]


Sonntag, 13. Januar 2013

Heute vor 2040 Jahren – 13. Januar 27. v. Chr.: Beginn des römischen Kaisertums

Augustus bringt Rom Frieden und Wohlstand 

 Am 13. Januar 27 v. Chr. übernahm Augustus (63 v. Chr. -14 n. Chr.) als »princeps civium«, als Erster Bürger, die höchste Gewalt im römischen Staat. Das ältere römische Kaisertum wird daher auch als Prinzipat bezeichnet. In der Frage, wie die neue Herrschaftsform auszugestalten sei, war der Wille Augustus' maßgebend. Im Wissen, dass das Weltreich nicht absolutistisch zu regieren war, schonte er bei der Neuordnung des Staats ganz bewusst überkommene Einrichtungen der Republik. Dennoch übernahm er im Gegensatz zur Republik, in der ein Mann nur je ein Amt für nur je ein Jahr bekleiden durfte, auf Dauer mehrere wichtige Ämter und Vollmachten. Augustus besaß die oberste militärische Gewalt im Reich, die Heere in den Provinzen kämpften in seinem Auftrag und unter von ihm eingesetzten Feldherren. Er konnte Volksversammlungen berufen und Gesetze beschließen lassen. 
Portrait des jungen Kaisers Augustus, Schmuckstein aus dem 1. Jh.
Nach der Leidenszeit der Bürgerkriege stellte sich mit der »Pax Augusta«, dem »Kaiserfrieden«, für Italien und die Provinzen eine lang anhaltende Zeit des inneren Friedens und der wirtschaftlichen Blüte ein. Unter Augustus' Nachfolgern wandelte sich das Kaisertum Schritt für Schritt hin zu einer absoluten Monarchie. 

 Was am 13. Januar noch geschah: 
 1750: Spanien und Portugal definieren im Vertrag von Madrid die Grenzen ihrer Besitzungen in Südamerika. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Fraktale





Freitag, 11. Januar 2013

Heute vor 90 Jahren – 11. Januar 1923: Frankreich besetzt das Ruhrgebiet

Kampf um Stahl und Kohle 

 Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 hatte der Versailler Vertrag das Deutsche Reich und seine Verbündeten als Urheber des Kriegs für die entstandenen Schäden verantwortlich gemacht und zu Reparationen verpflichtet. Für den Fall, dass Deutschland den Wiedergutmachungsleistungen nicht nachkam, sah der Vertrag Sanktionen vor. Ende 1922 lehnte die französische Regierung den deutschen Wunsch nach Aufschub von Zahlungen ab. Sollten diese ausbleiben, kündigte sie die Besetzung des Industriegebiets an der Ruhr an. 


Französische Kavallerie zieht in Essen ein, Januar 1923
 Am 11. Januar 1923 wares so weit: 60.000 französische und belgische Soldaten marschierten ins Ruhrgebiet ein. Sie besetzten eine Zone, die vom Rhein bis östlich von Dortmund reichte, im Süden Ruhr und Wupper, im Norden in etwa die Lippe als Grenze hatte. Bergwerke und Hüttenbetriebe wurden in Besitz genommen, um die begehrten Güter Kohle und Stahl für die französische Wirtschaft zu sichern. Die Bevölkerung an der Ruhr antwortete mit passivem Widerstand und Sabotageakten (»Ruhrkampf«), die Reichsregierung in Berlin forderte zur Arbeitsverweigerung auf. Erst nachdem das Deutsche Reich Ende 1923 den Ruhrkampf aus wirtschaftlichen Gründen beendet hatte und über den Dawes-Plan 1924 eine Einigung mit den Supermächten erzielt worden war, wurde das Ruhrgebiet bis August 1925 geräumt. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 













Sonderzeichen auf der Mac OS X-Tastatur

Ich hab’ schon mal was zu Tastaturkürzeln bei Mac OS X gepostet.

Hier eine Abkürzung für Leute, die häufiger sogenannte diakritische Zeichen verwenden:

Für á, é, í, ó, ú: 
» ´ « [genannt »Akut«]
[direkt links von der Rückschritt-Taste, unten im Bild Nr. 12] 
drücken, und 
dann gleich den entsprechenden Vokal

Für à, è, ì, ò, ù: 
» ` « [genannt »Gravis«]
[direkt links von der Rückschritt-Taste, unten im Bild Nr. 12, also die gleiche Taste wie eben, aber jetzt bei gehaltener Shift/Umschalt-Taste] 
drücken, und 
dann gleich den entsprechenden Vokal

Für ä, ë, ï, ö, ü: 
» ¨ « [genannt »Umlaut«]
[Option/Wahltaste + u] 
drücken, und 
dann gleich den entsprechenden Vokal
 
Für ã, ñ, õ: 
» ~ « [genannt »Tilde«]
[Option/Wahltaste + n] 
drücken, und 
dann gleich den entsprechenden Buchstaben

Für â, ê, î, ô, û: 
» ^ « [genannt »Zirkumflex«]
[^-Taste – direkt unter der Escape-Taste, unten im Bild unter der Taste Nr. 3] 
drücken, und 
dann gleich den entsprechenden Buchstaben

Beachte:
Seit Lion ist es möglich, durch verlängertes Drücken des gewünschten Vokals auf der Tastatur eine Auswahlbox mit verschiedenen Varianten zu erhalten.
(so kriege ich auch endlich einen Buchstaben mit Makron [Oberstrich] hin: z. B. ō, ā)
















älter:



















zuletzt aktualisiert:
26.07.2014

Die EU muß erweitert werden!

Nachdem wir Griechenland, das Mutterland der europäischen Demokratie (wahlberechtigt waren im antiken Athen etwa 20-25% der Bevölkerung) so problemlos integriert haben, könnten wir uns als nächstes mit der Türkei versuchen:





Downgrade zurück zu iTunes 10 und Fehlermeldung -42408

Allmählich entwickle ich mich zum Computer-Gegner.
Im Somer hat mir ein Java-Update mal kurz die Rosetta-Ebene geklaut, und jetzt kommt dieses neue iTunes…
iTunes 11 ist doof.
Entsprechende Kommentare finden sich zuhauf.
Das Downgrade und die Reinstallation einer älteren iTunes-Version hat seine Tücken: danach kommt – unvermeidlich – die Fehlermeldung »-42408«, oft auch die Meldung, daß das iPhone nicht mehr gelesen werden kann.

Nach sauberem Löschen des ungewünschten neuen iTunes (z.B. mit AppCleaner), dem Retten der auf dem Computer vorhandenen Musik (immer wieder zu empfehlen: Spiegel-Festplatte mit Carbon Copy Cloner) hier noch das Pünktchen auf dem i (gefunden bei karthikk.net; Kommentar in einem User-Thread: »Saved my day.« – Yes, meinen auch):



  • 1. Open Terminal
  • 2. Type killall iTunesHelper 
  • 3. This error occurs when a restore does not happen correctly. So let’s now revert back and restore the following files back to the iTunes:
    1. 1. Access this folder: /System/Library/PrivateFrameworks/ and restore the following files:
    1. 2. AirTrafficHost.framework, CoreFP.framework, DeviceLink.framework, iTunesAccess.framework, MobileDevice.framework
  • 4. Now, Reboot the Mac and you should be having the same old experience that you had with iTunes 10.7 on the iTunes App Store.


  • Read more: http://www.karthikk.net/2012/12/how-to-fix-itunes-11-error-code-42408-itunes-11-tutorial/#ixzz2HeILXvYn




    Vorsicht:
    An den Frameworks rumzubasteln ist gefährlich! 
    Ich weiß nicht, ob obengenannte Ratschläge auf allen Macs funktionieren!
    Ich übernehme natürlich keinerlei Haftung!


    Adlige Revolutionäre proben den Umsturz 

     Die Dekabristen - nach dem russischen »dekabr« für »Dezember« - waren Offiziere der russischen Armee, die mit einem Aufstand im Dezember 1825 den Versuch unternahmen, die staatlichen Verhältnisse nach dem Vorbild westlicher Verfassungen zu reformieren. Die »Dezembermänner« hatten zu diesem Zweck geheime Gesellschaften mit einem südlichen Zentrum in Kiew und einem nördlichen in St. Petersburg gegründet. Sie bildeten die erste revolutionäre Bewegung gegen das zaristische Regime; das Spektrum ihrer politischen Ideale reichte von der Errichtung einer konstitutionellen Monarchie bis hin zur Abschaffung des Zarentums in einer Republik.

    Militäreinsatz gegen die Dekabristen, Gemälde von Georg Timm, 1853
     Als Zar Alexander I. (1801-25) am 1. Dezember 1825 starb, wählten die Dekabristen die Zeit des Thronwechsels für ihren Putschversuch. Sie bezeichneten den Thronfolger Nikolaus I. (1825-55) als Usurpator und verweigerten am 26. Dezember 1825 in St. Petersburg den Eid auf den neuen Zaren. Nach einem kurzen Gefecht mit regierungstreuen Truppen war der Aufstand aber bereits niedergeworfen. Fünf ihrer Anführer wurden öffentlich gehängt, viele Offiziere degradiert und Hunderte zur Zwangsarbeit nach Sibirien verbannt.

     Was am 26. Dezember noch geschah: 
     1991: Das Parlament der Sowjetunion beschließt offiziell die Auflösung des Staats.
     Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2012 

    Dienstag, 8. Januar 2013

    Geschichtsfrage

    Welches Verkehrsmittel 
    wurde in den 1950er-Jahren als 
    »Schneewittchensarg« bezeichnet?


    ■ Isetta von BMW

    ■ Goggomobil
    ■ Messerschmidt-Kabinenroller
    Auflösung

    Heute vor 50 Jahren – 8. Januar 1963: Das Bundesurlaubsgesetz wird verkündet

    BUrlG entzückt die arbeitende Bevölkerung 

     »Jeder Arbeitnehmer hat in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Der Urlaub beträgt jährlich mindestens 24 Werktage. Als Werktage gelten alle Kalendertage, die nicht Sonn- oder gesetzliche Feiertage sind.« So lauten die wichtigsten Bestimmungen des Bundesurlaubsgesetzes, das heute vor 50 Jahren, am 8. Januar 1963, verkündet wurde. Da samstags in der Regel noch gearbeitet wurde, brauchte der Arbeitnehmer also sechs Tage Urlaub, um bei Lohnfortzahlung eine Woche frei zu haben. Da der Gesetzgeber darauf drang, dass der Jahresurlaub zusammenhängend genommen und auch gewährt wurde, konnte sich der brave Bürger fortan über einen ganzen Monat Müßiggang und Regeneration freuen. 
    Auto deutscher Urlauber am Gardasee, 1963
     Das scheint recht bescheiden im Vergleich zu heutigen Urlaubsansprüchen. Für die meisten Zeitgenossen war es aber ein großer Fortschritt, denn erst seit der Weimarer Republik gab es gesetzlichen Anspruch auf ein paar Tage Urlaub und noch 1954 betrug der durchschnittliche Jahresurlaub nur zwölf Tage. Die Bundesbürger wussten die neuen Regelungen zu schätzen, gab vielen doch der materielle Aufschwung des »Wirtschaftswunders« auch die Mittel an die Hand, zu verreisen. 

     Was am 8. Januar noch geschah: 
     1959: Charles de Gaulle wird in Frankreich Präsident der Fünften Republik
     Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 



    Siehe auch den Militärputsch in Algier, die Opération Résurrection sowie die Vorgeschichte zur Fünften Republik!
    … und hier noch ein Schmankerl:





    Montag, 7. Januar 2013

    Zitat

    Man kann mit einer Wohnung 
    einen Menschen genauso töten 
    wie mit einer Axt. 

     Heinrich Zille

    Der »Raffael der Hinterhöfe« 

     Heinrich Zille wusste, was es heißt, arm zu sein und in schäbigsten Verhältnissen zu leben. Am 10. Januar 1858 wurde er in Radeburg bei Dresden als Sohn eines Uhrmachers und einer Bergmannstochter geboren. Neun Jahre nach seiner Geburt zog die Familie nach Berlin, wo sie fünf Jahre lang in einer Kellerwohnung hauste und der Junge das Elend der Berliner Unterschichten in Mietskasernen und kruden Hinterhöfen kennenlernte. 


    Selbstportrait (1922, aus Wikipedia)
     Seit 1875 verdiente »Pinselheinrich« sein Geld mit seiner großen Leidenschaft, dem Zeichnen: Er arbeitete zunächst für Modefirmen und die Werbung, fand bald auch Gefallen am Fotografieren und kam über viele Umwege schließlich zu großen Zeitschriften wie dem satirischen »Simplicissimus«. Zilles künstlerische Vorliebe lag in Szenen des »Milljöhs«. Er streifte durch die Arbeiterviertel Berlins und hielt fest, was er sah – darunter vieles, was der »guten Gesellschaft« als ekelhaft galt. »Gossenmaler« und »Abortzeichner« betitelte sie ihn, seine Bilder waren für sie lediglich »Rinnsteinkunst«. Künstlerkollegen hingegen wussten seine Arbeit zu schätzen. Käthe Kollwitz fand die schönsten Worte: »Er ist restlos Künstler. Ein paar Linien, ein paar Striche, ein wenig Farbe mitunter – und es sind Meisterwerke.« 
     Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 




    Sonntag, 6. Januar 2013

    Geschichtsfrage

    Wofür waren die Auguren im antiken Rom verantwortlich? 

    Sie erkundeten den Willen der Götter 
     Sie hielten die öffentliche Ordnung aufrecht 
     Sie sorgten für das Wohl der Senatoren