Mittwoch, 23. Juli 2014

Leseempfehlungen für den 23. Juli 2014

- Daten sind nicht für alle da, denn das ist kein Spiel (Telepolis, 23.07.2014)
Tatsächlich streitet Microsoft im Interesse aller - US-amerikanischen - Bürger mit dem Staat um die Gewährleistung des Fourth Amendments auch für digitale Daten.

- "Nur eine starke Herrschaft kann die Ordnung wiederherstellen" (Telepolis, 23.07.2014)
Frankreich und die Debatte zu den Ausschreitungen bei den pro-palästinensischen Demonstrationen: Der Front National macht seinen eigenen Instrumentenkasten auf 
In Frankreichs Medien dominieren auch heute noch die Auseinandersetzungen und Überlegungen darüber, wie es zu den gewalttätigen Ausschreitungen bei den verbotenen pro-palästinensischen Demonstrationen am Wochenende kommen konnte (Demonstrationsverbot zieht Schläger an). Während wie in Deutschland auch im Nachbarland der Antisemitismus diskutiert wird, der sich bei Teilnehmern solcher Demonstrationen zeigt, die den Gazakrieg - ohne genaueres Hinsehen - als Vorwand zur Aufladung und dem hässlichen Ausagieren autohypnotischer, qualmiger Gefühlswelten nutzen, hat der Front National einen ganz eigenen Ansatz gefunden, um die Gewaltausschreitungen für seine politische Agenda zu benutzen.

- Griechenland: Der Klientilismus ist ungebrochen (NachDenkSeiten, 22.07.2014)
Das Erzübel des griechischen Klientilismus zeigt sich auf staatlicher Ebene vor allem auch beim Steuer-Opportunismus der Regierungen. Der erzwungene Rücktritt des unabhängigen Steuereintreibers Theocharis ist ein Alarmzeichen dafür, dass der griechische Klientilismus ungebrochen ist. Ob die Nachfolgerin aus dem Hause PriceWaterhouseCoopers den Kampf gegen ihre vorherige Kundschaft, nämlich gegen die „große“ Steuerhinterziehung aufnehmen wird, muss man bezweifeln. Zugleich wird die Not der kleinen Steuersünder, die die Steuereintreiber inzwischen mehr fürchten als die Schutzgeld-Mafia, immer größer.

- Kapitalismus – wat is dat denn? (NachDenkSeiten, 22.07.2014)
So würde meine aus dem Rheinland stammende Nachbarin fragen, wenn sie die Debatte der letzten Tage in den NachDenkSeiten (siehe hier, hier und hier) verfolgen würde. Ich will aber meine Hilflosigkeit nicht auf meine Nachbarin ver-schieben. Deshalb habe ich im Kreise von Freunden und Verwandten nachgefragt. Offenbar habe ich die falschen. Denn die Meisten verstehen nichts oder jeweils etwas anderes unter Kapitalismus. – Wenn ein Begriff so vieldeutig ist, macht es dann Sinn, ihn zu benutzen? Aus meiner Sicht nicht. Deshalb werden Sie, unsere Leserinnen und Leser, weder in den NachDenkSeiten noch in meinen Büchern einen Text von mir finden, in dem dieser Begriff eine Rolle spielt. Deshalb konnte ich übrigens nur selten mit Texten von Robert Kurz etwas anfangen.

- Ist der Begriff Kapitalismus wirklich ohne Sinn? (NachDenkSeiten, 23.07.2014)
Anders als Albrecht Müller begleitet mich der Begriff Kapitalismus seit ich politisch denken gelernt habe. Ich halte ihn z.B. gegenüber dem hierzulande politisch gebräuchlicheren Begriff „Marktwirtschaft“ nicht für entbehrlich. Sicher, das Wort ist vieldeutig und der Kapitalismus hat sein Gesicht vielfach verändert, gerade deshalb mein Interesse an der theoretischen Debatte darüber.

- Der Roboter hat ausgedient (der Freitag, 23.07.2014)
Medien Die Digitalisierung unserer Kommunikation verändert die Grundfesten der Gesellschaft. Und wir merken es nicht mal

- Weichenstellung zum Krieg (der Freitag, 22.07.2014)
1994 Vor 20 Jahren fällt das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ein folgenschweres Urteil: Out-of-area-Einsätze der Bundeswehr sind mit dem Grundgesetz vereinbar

- Wie man den neuen kalten Krieg gewinnen kann (der Freitag, 20.07.2014)
Edward Lucas Zwei Bücher von Brzeziński und Lucas geben wertvolle Hinweise darauf, was die Amerikaner eigentlich in Europa beabsichtigen. Dennoch sind sie recht unterschiedlich. 
siehe dazu auch:
- Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft (Wikipedia)
- Warum der Westen Russland braucht – Die erstaunliche Wandlung des Zbigniew Brzezinski (Blätter für deutsche und internationale Politik, 7/2012) 
- Edward Lucas, Der Kalte Krieg des Kreml (Perlentaucher, mit zwei Rezensionslinks aus dem Jahr 2008)
- Michail Logvinov, Der neue Kalte Krieg: Wie der Kreml Russland und den Westen bedroht (AG Friedensforschung der Uni Kassel, aus: Russische Nachrichtenagentur RIA Novosti, 2. April 2008)
- Edward Lucas, Der Kalte Krieg des Kreml - Wie das Putin-Sy stem Russland und den Westen bedroht (Rezension bei osteuropa.ch, Dezember 2008, als PDF-Dokument downloadbar)

- Vor dem Sonnenuntergang (der Freitag, 22.07.2014)
Belgien Ein Transsexueller nahm aktive Sterbehilfe in Anspruch, nachdem der Aufbau eines künstlichen Penis gescheitert war. Denn das Gesetz berücksichtigt auch psychisches Leiden

- Schon wieder ein Vorbild (der Freitag, 21.07.2014)
Politik In Schweden feiert eine linke, feministische Partei Erfolge. Trotz oder wegen der Fortschrittlichkeit des Landes?

- Snowden über Deutschland: Die Suche nach der Wahrheit wird politischen Prioritäten untergeordnet (Netzpolitik.org, 22.07.2014, gefunden über den Freitag)
Bereits am Freitagabend erschien das vollständige Transkript des Snowden-Interviews mit dem Guardian. Vorab wurden einzelne Videoausschnitte veröffentlicht (wir berichteten). Wir haben es jetzt noch einmal gelesen (das ganze Interview soll ja sieben Stunden gedauert haben) und besonders auf Inhalte überprüft, die relevant für Deutschland sind.

- Schweden: Tele2 erleidet Rückschlag im Prozess um Abschaffung der Pflicht zur Vorratsdatenspeicherung (Netzpolitik.org, 23.07.2014)
Der schwedischen Regierung fällt es, wie in Großbritannien und anderen EU-Ländern auch, schwer das Kippen der Vorratsdatenspeicherung durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu akzeptieren. Nach der Aufhebung der EU-Vorratsdatenspeicherungsrichtlinie hatten die schwedischen ISPs Tele2, Telia, Three und Bahnhof damit begonnen, die Speicherung von Kommunikationsdaten zu stoppen und teilweise zuvor erhobene Daten gelöscht. Die schwedische Post- und Telekommunikationsbehörde (PTS) berief sich auf weiterhin geltende nationale Gesetzgebung und verlangte mittels einer einstweiligen Verfügung eine Fortsetzung der Speicherung, woraufhin Tele2 sich an das Verwaltungsgericht Stockholm wandte.

- Wie Mondrian Ihr Leben verändern kann (der Freitag, 23.07.2014)
eine interessante Linkliste zu nachdenkenswerten und -denklichen Artikeln und Videos über Balance, Bedürfnisse, Verzicht und Minimalismus

Weniger ist mehr - Harald Welzer vs Robert Pfaller - SRF 05.01.2014 [54:58]



- Früher Widerstand – Die antifaschistische Einheitsfront in Italien ab 1922 (junge Welt, 23.07.2014)
In der Reihe »Basiswissen« des Kölner PapyRossa Verlags erscheint in diesen Tagen der Band »Die Resistenza« zum italienischen antifaschistischen Widerstand von seiner Formierung in den 1920er Jahren bis in die Nachkriegszeit. jW veröffentlicht einen leicht gekürzten Auszug aus dem hier in der Unterzeile genannten Kapitel.

- Wohnungen, die es nicht gibt (junge Welt, 23.07.2014)
Willkürlich niedrige Mietobergrenzen bei Hartz IV: Verein Tacheles wehrt sich 
Gerade einmal 138,83 Euro bekommen alleinstehende Hartz-IV-Bezieher fürs Essen, 32,68 Euro für Strom und Instandhaltung, 24,62 Euro für Nahverkehr: Der monatliche Regelsatz von 391 Euro ist eng bemessen. Doch viele der bundesweit rund 3,33 Millionen von Hartz IV oder Grundsicherung betroffenen Haushalte müssen daraus zusätzlich einen Teil für die Miete abzwacken. Denn während Wohnkosten steigen, sind anerkannte Mietobergrenzen über Jahre gleichgeblieben. Ob in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) oder Magdeburg (Sachsen-Anhalt): Hartz-IV-Bezieher sollen Bleiben suchen, die es nicht gibt – oder sparen und zuzahlen.

- Spanien rettet Bank (junge Welt, 23.07.2014)
Moderne Unternehmenssanierung: Vor der Pleite mit Steuergeld gerettet, aufgepäppelt und jetzt ­privatisiert. Zwölf Milliarden Euro Kosten zu Lasten der Allgemeinheit 
Spaniens Staat hat sich einmal mehr als wahrer Heger notleidender Unternehmen erwiesen. Speziell die Finanzbranche hat es den jeweils Verantwortlichen in Madrid angetan. Und die Regierung kann stolz auf Erfolge verweisen: In der Nacht zum Dienstag meldete der Bankenrettungsfonds FROB die erfolgreiche Reprivatisierung des einstigen Sorgenkindes Catalunya Banc. Das nun sanierte und wieder marktfein aufgeputzte Geldinstitut wird vom Finanzriesen BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria) übernommen, dem nach Santander zweitgrößten spanischen Finanzkonzern.

- Hohe Diäten: Steuerzahler müssen Partei-Apparate zwangsfinanzieren (Deutsche WirtschaftsNachrichten, 22.07.2014)
Die Diäten der Abgeordneten sind so hoch, weil der Steuerzahler über die Diäten auch noch die Parteien finanzieren muss. Jeder Mandatar zahlt einen Zwangsbeitrag. Was mit den Steuergeldern konkret geschieht, erfahren die Bürger in der Regel nicht.

- Pariser Industrie-Boss: „Frankreichs Wirtschaftslage ist katastrophal“ (Deutsche WirtschaftsNachrichten, 22.07.2014)
Der Chef des französischen Unternehmer-Verbandes schlägt Alarm: Frankreichs Wirtschaft sei in einem katastrophalen Zustand. Es gebe kaum noch Investitionen und Neu-Einstellungen in den Unternehmen. Die Entwicklung in Frankreich kann Auswirkungen auf ganz Europa haben.

- Deutschland stimmt Verkauf von französischem Kriegsschiff an Russland zu (Deutsche WirtschaftsNachrichten, 22.07.2014)
Außenminister Steinmeier hat der umstrittenen Auslieferung eines französischen Kriegsschiffes an Russland zugestimmt. Die EU berät über ein Rüstungsembargo gegen Putin, dieses gelte aber nur für die Zukunft, so Steinmeier. Ein Platzen des Rüstungs-Deals für das wirtschaftlich angeschlagene Frankreich könnte die Euro-Zone finanziell destabilisieren.
Mein Kommentar: Es geht um zwei Hubschrauber-Träger und einen Deal von 1,2 Millliarden, der die Euro-Zone finanziell destabilisieren könnte, wenn er platzt. Wie schlecht muß es Frankreich gehen!

- Mistral-Deal: Frankreich bildet russische Soldaten aus [0:57]

- Banken-Abgabe: Sparkassen wollen nicht für Großbanken haften (Deutsche WirtschaftsNachrichten, 22.07.2014)
Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband will nicht den Ausputzer für die Großbanken spielen. Die europäische Bankenabgabe begünstige große Institute, klagt der Präsident des Verbandes, Georg Fahrenschon. Die kleinen und risikoarmen Institute müssten für die „Gefahrguttransporter unter den Banken“ zahlen. 
Mein Kommentar: klein gegen groß, war da wohl gewinnt…

Nick Hanauer: »Ich sehe Mistgabeln«

In Zeiten wo Menschen wie Du und ich über die Plutokratie träumen, liegt der Rest des Landes, die 99,9%, weit im Rückstand. Die Kluft zwischen arm und reich wird immer schlimmer. Und sie wächst schnell. Im Jahr 1980 kontrollierten die Top 1 etwa 8% des US-Volkseinkommens. Heute kontrollieren die Top 1 rund 20%. Aber das Problem ist nicht die Ungleichheit an sich, Diese ist immer untrennbar mit jeder kapitalistischen Wirtschaft verbunden. Das Problem ist, dass dies Ungleichheit auf einem historischem Hoch angelangt ist und von Tag zu Tag schlimmer wird. Unser Land entwickelt sich von einer kapitalistischen Wirtschaft zu einer feudalen Gesellschaft. Wenn sich unsere Politik nicht dramatisch ändert, wird die Mittelschicht verschwinden und wir werden wieder im späten 18. Jahrhundert in Frankreich sein. Vor der Revolution.
Uns so habe ich eine Botschaft für meine steinreichen Kollegen und Kolleginnen und alle, die in dieser Blase leben: Wachen Sie auf ! Es wird nicht mehr lange dauern. Wenn wir nicht bald etwas tun um die eklatanten Ungerechtigkeiten in dieser Wirtschaft zu beheben, werden die Mistgabeln zu uns kommen. Keine Gesellschaft kann diese Art von wachsender Ungerechtigkeit auf Dauer aufrechterhalten. Es gibt in der Tat kein einziges Beispiel in der Geschichte der Menschheit, wo Reichtümer wie diese angesammelt wurden und nicht irgendwann Mistgabeln gekommen sind. Am Anfang ist es ein Polizeistaat, dann kommen die Aufstände.
Viele von uns denken, sie wären etwas Besonderes, weil „Das ist Amerika“. Wir denken, wir sind immun gegen diese Kräfte wie den arabischen Frühling, die französische oder russische Revolution. Ich weiß, dass die 0,01% dazu neigen, diese Art von Argumenten zurückzuweisen. Viele von euch sagten mir schon ins Gesicht, ich sei verrückt. Ich sage euch, ihr lebt in einer Traumwelt. Jeder Geschichtsstudent weiß, wie es passiert. Revolutionen, Konkurse kommen nach und nach. Und dann plötzlich setzt jemand etwas in Brand und dann kommen tausende Menschen auf die Strassen und bevor man sich versieht, steht das ganze Land in Flammen. Und dann werden wir keine Zeit mehr haben zum Flughafen zu fahren, in unsere Gulfsream V zu steigen und nach Neuseeland zu fliegen. Wenn die Ungleichheit weiter so zunimmt, wird es passieren. Wir werden nicht in der Lage sein, vorherzusagen wann es passiert. Aber wenn es passiert wird es schrecklich. Vor allem für uns.
[mehr: Ich sehe Mistgabeln. – Offener Brief des US-Milliardärs Nick Hanauer an seine reichen Freunde – Deutsche Übersetzung, Independant24, 03.07.2014 – Hervorhebung von mir]

Die Menschheitsgeschichte kennt natürlich auch Perioden monopolaren Zustandes und des Strebens nach Weltherrschaft. Alles war schon mal da in der Geschichte der Menschheit. Aber was ist eigentlich eine monopolare Welt? Wie man diesen Terminus auch schmückt, am Ende bedeutet er praktisch nur eines: es gibt ein Zentrum der Macht, ein Zentrum der Stärke, ein Entscheidungs-Zentrum.
Es ist die Welt eines einzigen Hausherren, eines Souveräns. Und das ist am Ende nicht nur tödlich für alle, die sich innerhalb dieses Systems befinden, sondern auch für den Souverän selbst, weil es ihn von innen zerstört.
Das hat natürlich nichts mit Demokratie gemein. Weil Demokratie bekanntermaßen die Herrschaft der Mehrheit bedeutet, unter Berücksichtigung der Interessen und Meinungen der Minderheit.
Nebenbei gesagt, lehrt man uns - Russland – ständig Demokratie. Nur die, die uns lehren, haben selbst, aus irgendeinem Grund, keine rechte Lust zu lernen.
Ich denke, dass für die heutige Welt das monopolare Modell nicht nur ungeeignet, sondern überhaupt unmöglich ist. Nur nicht, weil für eine Einzel-Führerschaft in der heutigen, gerade in der heutigen, Welt weder die militärpolitischen, noch die ökonomischen Ressourcen ausreichen. Aber was noch wichtiger ist – das Modell selbst erweist sich als nicht praktikabel, weil es selbst keine Basis hat und nicht die sittlich-moralische Basis der modernen Zivilisation sein kann. […]
[Quelle: russland.ru, veröffentlicht bei der AG Friedensforschung, Kassel: "Ich denke, dass für die heutige Welt das monopolare Modell nicht nur ungeeignet, sondern überhaupt unmöglich ist" – Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der 43. Münchner "Sicherheitskonferenz" in deutscher Übersetzung – Hervorhebung von mir]
mehr zur Putin-Rede:
Der Ukraine-Konflikt 3 – Westliche Naivität oder westliche Machtpolitik? (Post, 15.08.2017)

siehe auch:
Prof. Michael Hartmann: Die wirkliche Lage der Vermögensverteilung (27. Pleisweiler Gespräch) (Post, 15.08.2017)
Aufräumarbeiten nach dem G20-Gipfel: Was würde geschehen, wenn… (Post, 23.07.2017)
"Der Status quo ist der ideale Zustand für die 0,1 Prozent der Eliten" (Post, 28.05.2017)


Dienstag, 22. Juli 2014

Leseempfehlungen für den 22. Juli 2014

Uns gehört Deutschland! (Telepolis, 22.07.2014)
Mit Karl Albrecht ist der reichste Deutsche gestorben 
Wem gehören eigentlich die großen Unternehmen des Landes? Wem die Banken? Die Immobilien? Wem gehört Deutschland? Jens Berger geht in seinem Buch "Wem gehört Deutschland? Die wahren Machthaber und das Märchen vom Volksvermögen" diesen Fragen nach und präsentiert einen schonungslosen Blick hinter die Statistiken. Hier anlässlich des Todes von Karl Albrecht ein Auszug aus dem Buch, das im Westend Verlag erschienen ist.

Manche Zivilisten sind gleicher… (Telepolis, 22.07.2014)
Die westliche Politik trifft klare Unterscheidungen: Auf die Opfer der MH17 wird gezeigt, um sie politisch zu nutzen, von den zivilen Opfern des Gaza-Krieg wird der Blick weggerichtet 
Hunderte zivile Todesopfer sind in bewaffneten Konflikten zu beklagen, die derzeit gleichzeitig stattfinden. Doch die Bewertung und der Umgang fallen äußerst unterschiedlich aus. Die Bombardierungen des Gazastreifens, wo die Mehrzahl der bisher mehr als 500 Toten Zivilisten sind - darunter sehr viele Kinder -, werden von Bundeskanzlerin Angela Merkel bis zu US-Präsident Barack Obama als Israels "Recht auf Selbstverteidigung" gerechtfertigt. Zivile palästinensische Opfer werden hier ausgeblendet. Im Fall der mutmaßlich über der Ostukraine abgeschossenen Maschine MH17 werden die zivilen Opfer dagegen vehement politisch missbraucht, um Stimmung zu machen.

Die verdrängte Realität des Gaza-Kriegs (Telepolis, 21.07.2014)
500 zivile Opfer bisher. Die Rede vom schmutzigen Krieg, wie sie US-Außenminister John Kerry führt, ist Teil einer Wirklichkeitsverleugnung 
Über 500 Tote im Gazastreifen zählte Gaza Youth Break Out (Von Israel in einem Gefängnis gehalten, von der Hamas verprügelt..) heute Morgen (offensichtlich nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde) und zeigt die verdrängte Realität des Krieges, den die israelische Armee dort führt, in einer langen Kette von Kurzmitteilungen über Angriffe und in brutalen Bildern von den Opfern (siehe dazu auch +972mag): Brennende Häuser, Häuser in Schutt und Asche, darin erkennbar Tote, immer wieder Kinderleichen, dazu die andauernde Aufzählung von einzelnen Angriffen auf Häuser, in denen Familien wohnten, dazwischen Nachrichten von der Not der unterversorgten Krankenhäuser, von den Sperren, die Hilfe von Außen, etwa aus Ägypten, verhindern.

MH17: Wo bleiben die Beweise der Geheimdienste? (Telepolis, 20.07.2014)
Geflissentlich bezichtigen sich alle interessierten Parteien gegeneinander, für den vermuteten Abschuss des Passagierflugzeugs verantwortlich zu sein, Beweise will aber niemand liefern 
Noch ist weiter nicht geklärt, ob die Boeing-Maschine Flug MH17 über dem Kriegsgebiet in der Ostukraine tatsächlich abgeschossen wurde oder ob es sich um einen Unfall oder einen Anschlag handelt. Vieles spricht dafür, dass die Maschine abgeschossen wurde, aber seltsamerweise hat bislang keine Seite direkte Beweise vorgelegt. Sehr schnell hatte sich allerdings US-Vizepräsident Biden, dessen Sohn in der Ukraine in einem dubiosen Ölkonzern tätig ist, auf einen Abschuss festgelegt, der Sprecher des Weißen Hauses bestätigte dies und bezichtigte mehr oder weniger direkt Russland. Das ist auch die Strategie der ukrainischen Regierung. Man darf vermuten, dass dies auch zwischen der ukrainischen und der amerikanischen Regierung abgesprochen wurde.

Was uns mit TISA noch blüht (Telepolis, 18.07.2014)
Weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt, steckt in dem geplanten Vertrag weit mehr Sprengstoff als Chlorhähnchen bei TTIP 
Die USA werden hinsichtlich der dort geltenden Arbeitnehmerrechte häufig mit dem Ausdruck "hire and fire" in Verbindung gebracht. Im Rahmen der zunehmenden Globalisierung hat man dieses investorenfreundliche System weiter ausgebaut.

Autonome Fahrzeuge: ein Albtraum? (Telepolis, 17.07.2014)
Eine FBI-Studie weist darauf hin, dass fahrerlose Autos keineswegs zu mehr Sicherheit führen müssen, sondern viele üble Möglichkeiten bieten

Nicht nur sauber, sondern rein (Telepolis, 13.07.2014)
Welche Vegetarier und Veganer sind die besten Menschen? Psychologie auf der Suche nach dem ethischen Mehrwert 
Dass Vegetarier und Veganer die besseren Menschen sind, wissen sie selber nur zu gut. Aber wer unter den besseren Menschen gehört nun wirklich und wahrhaft zu den allerbesten? Man kennt es von Religionen: Wer Gott oder den Göttern oder dem Heiligen an sich besonders nahe sein will, wird öfter zum Extremismus verführt.

Kräfte aus dem Nichts (Telepolis, 11.07.2014)
Das Vakuum ist nicht leer - dass eine Menge Energie darin steckt, zeigt der Casimir-Effekt. Mit einem Trick lassen sich die Kräfte aus dem Nichts vervielfachen 
Am absoluten Nullpunkt hört jede Bewegung auf. Teilchen nehmen ihren Grundzustand ein. Weniger Energie können sie nicht besitzen. Betrachtet man jedoch wie die Quantenfeldtheorie das Vakuum als Überlagerung von Quantenfeldern in unterschiedlichster Konfiguration, dann stellt man plötzlich fest, dass auch im scheinbaren Nichts noch eine Menge Energie steckt. Die sich überlagernden Quantenfelder besitzen Amplituden und Wellenlängen, die von Null verschieden sind.

User-Tracking: Werbefirmen setzen bereits häufig "nicht-löschbare" Cookie-Nachfolger ein (heise online, 22.07.2014)
Forscher haben den Einsatz von sogenannten nicht-löschbaren Tracking-Techniken in einer breit angelegten Studie untersucht und auf vielen Websites gefunden. 
 Wissenschaftler der Princeton University und der Katholieke Universiteit Leuven haben in einer Studie untersucht, wie weit sogenannte nicht-löschbare Tracking-Techniken bereits im Einsatz sind. Dazu haben sie die Homepages der meistbesuchten 100.000 Sites nach Canvas-Fingerprinting sowie Evercookies durchforstet.

iOS-Hintertüren: Apple dementiert Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden (heise online, 22.07.2014)
iOS-Systemdienste, mit denen Nutzerdaten unter bestimmten Voraussetzungen ausgelesen werden können, seien nur zur Diagnose gedacht, erklärt der iPhone-Hersteller – lässt weitere Fragen jedoch unbeantwortet. 
Mit einer Stellungnahme hat Apple auf den Vortrag eines Sicherheitsforschers reagiert, der verschiedene iOS-Systemdienste enthüllt, durch die auf Nutzerdaten zugegriffen werden kann. Er habe nie mit irgendeiner staatlichen Stelle zusammengearbeitet, um eine Hintertür in eigenen Produkten oder Diensten zu integrieren, erklärt der Konzern. 
siehe auch: Apple 1984 – 2013: Über die Halbwertzeit von Werbeaussagen (Roths Splitter, 21.01.2014)
siehe auch: iPhone Users Are 'Zombies' And Steve Jobs Was 'Big Brother,' According To The NSA: Report (Huffington Post, 09.09.2013)
In a classic case of the pot calling the kettle black, the NSA reportedly called Apple co-founder Steve Jobs "Big Brother," while also describing iPhone users as "zombies." In documents leaked by the German news magazine Der SPIEGEL on Sunday, the National Security Agency suggests that Apple and Steve Jobs are controlling and observing the public.

Montag, 21. Juli 2014

Medizin und Geld

- Krankenkassen: Höherer Eigenanteil für gesetzlich Versicherte (Deutsche WirtschaftsNachrichten, 21.07.2014)
Die gesetzlichen Krankenkassen werden dieses Jahr ein erhebliches Minus machen, so Berechnungen der Bundesbank. Die Versicherten müssten daher einen höheren Beitrag zahlen. Zudem sollen jene finanziell belohnt werden, die nicht mehr zum Arzt gehen.
siehe dazu auch:
- Eine Milliarde Überschuss – Krankenkassen horten Geld (FAZ, 27.02.2014)
Die Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen verbessert sich weiter: 2013 haben sie einen deutlichen Überschuss erwirtschaftet. Auch der Gesundheitsfonds sitzt auf einem Berg von Liquidität.
- Krankenkassen haben gigantische Rücklagen von 28 Milliarden Euro (Augsburger Allgemeine, 25.03.2014)
Die Rücklagen bei der gesetzlichen Krankenversicherung haben ein neues Rekordhoch erreicht. Das Finanzpolster hat inzwischen einen Umfang von rund 28 Milliarden Euro. 

Siehe auch folgende Posts zur gesundheitspolitischen Entwicklung der letzten Jahre:
- Deutsches Gesundheitswesen im Vergleich (19.09.2005) 
- Nicht im Umbau, im Abbau begriffen… (20.03.2006)
- Therapievergleich: Wirkungsvolle Langzeittherapien (11.09.2006)
- Studie: Fast jedes dritte Kind leidet unter Ängsten (11.09.2006)
- Neues von der elektronischen Gesundheitskarte (26.11.2006)
- Der gegängelte Arzt (24.02.2007)
- Gesund alt werden, dann schnell sterben - ist das eine Illusion? (18.03.2007)
- Wer ist hier verrückt? (30.04.2007)
- Ärztekammer Hamburg verabschiedet Resolution gegen elektronische Gesundheitskarte (16.05.2007)
- So machen’s die Franzosen (18.05.2007)
- Facharztversorgung: Ineffizienz nicht belegt (12.06.2007) 
- Medizin und Mitgefühl (03.09.2007)
- Elektronische Gesundheitskarte, die Nächste (28.01.2008) 
- ADHS – Psychodynamik (05.02.2008)
- e-Card, die Nächste (07.02.2008) 
- Aus Ärzten werden Patienten (21.02.2008)
- Brief eines bayerischen Hausarztes (21.02.2008)
- GEK-Report: Nützt Psychotherapie? (25.02.2008)
- Hungrige Kinder (08.03.2008) 

Georg Schramm sagt, wie es wirklich ist - kein Kabarett, sondern Wahrheit!!! Unbedingt anschauen. [9:18]


- Zur Soziologie der Psychoanalyse (27.03.2008)
- Hohe Kosten helfen heilen (03.04.2008)
- In Kliniken staut sich Frust (07.04.2008)
- Verwahrlosung als gesellschaftliches Symptom (20.05.2008)
- Geiz ist zwar nicht sozial aber geil (20.08.2008)
- Ein Blick zurück (06.09.2008) 
- Wenn Kliniken auf ihren Kosten sitzen bleiben (20.09.2008) 
- Ärzte und die Finanzkrise (08.10.2008)
- AKUPUNKTUR BEI KOPFSCHMERZ: Wirksam, wo auch immer die Nadeln treffen? (03.03.2009)
- Medizin-Standesfürsten und die Medizin (10.06.2009)
- Der (un)klare Blick (30.09.2009) 
- Na endlich… Die Scheinobjektivität der Zahlen (19.11.2009) 
- ARZNEIVERORDNUNGS-REPORT 2009 – Warum steigen die Ausgaben immer noch? (04.12.2009)
- Deutsche und die Medizin (10.12.2009) 
- Pay4Performance – Leserbrief (25.01.2010) 
- So erkennt man erfolgreiche Medizinstudenten (25.01.2010)
- Ärzte-Wellness – Auch dem Doktor muss es gut gehen (12.03.2010)
- 224 Patienten pro Woche – Akkordarbeit in deutschen Praxen (14.04.2010)
- Bluthochdruck – Der Arzt ist die beste Medizin (22.06.2010)
- Randomisiert-kontrollierte Studien – Wenn Daten Gewalt angetan wird (12.07.2010)
- Wieviel kann ein Mensch aushalten? (26.01.2011)
- Gesundheitswesen und Einkommensentwicklung (16.02.2011)   
- Sinn und Unsinn der Diagnosen-Kodierung (14.03.2011)  
- Fragwürdige Verordnungen: Frauen, Demente und Alkoholabhängige (21.07.2011)
- Die elektronische Gesundheitskarte – heiße Nadel und heiße Luft (24.09.2011)
- Horst-Eberhard Richter ist tot (05.01.2012) 
- »Wie sind Sie denn versichert?« (13.03.2012)
- Zahl des Monats: 53,5 Millionen (15.06.2012)
- Ärzte verdienen… (16.07.2012) 
- Das liebe Geld mal wieder (02.09.2012)
- Gemeinsame Pressemitteilung bvvp, DPtV,VAKJP – Solidarität mit den Ärzten (11.09.2012)
- Heute vor 50 Jahren – 8. Januar 1963: Das Bundesurlaubsgesetz wird verkündet (08.01.2013)
- Heute wäre Ivan Illich 77 Jahre alt geworden (04.09.2013) 
- Elektronische Gesundheitskarte: Ärzte sind keine Hilfspolizisten (10.02.2014) 
- Elektronische Gesundheitskarte rechtswidrig (13.03.2014)
- Elektronische Gesundheitskarte: Freie Ärzteschaft ruft zum Boykott der Online-Tests auf (04.05.2014)
- Man kann’s ja mal probieren… (18.06.2014)  

Vor 2348 Jahren – 334 v. Chr.: Alexander der Große eroberrt Kleinasien

Der »geerbte« Krieg 

Alexander der Große (356-323 v. ehr.) wollte die Pläne seines Vaters König Philipps II. von Makedonien, der 336 v. Chr. einem Attentat zum Opfer gefallen war, in die Tat umsetzen. Philipp hatte sich rächen und die Griechen von der Herrschaft der Perser befreien wollen. Daher hinterließ er seinem Sohn eine schlagkräftige Armee. Und so machte sich Alexander daran, den Perserfeldzug durchzuführen. Sein Gegner war Dareios III., der in dieser Zeit das Perserreich beherrschte. 
 
Alexander der Große im Kampf
(Detail as dem Alexandermosaik aus Pompeji, um 100 v. Chr.)

Im Jahr 334 v. Chr. setzte Alexander der Große nach Kleinasien über und begann seinen Eroberungszug mit rund 38000 Makedonen, 7000 Griechen und anderen Söldnern. Er überquerte den Hellespont und errang – da die Perser ungünstig aufgestellt waren – einen deutlichen ersten Sieg am Granikos, was ihm die Befreiung der griechischen Städte in Kleinasien ermöglichte. Alexander ernannte eigene Statthalter, übernahm aber die politischen und wirtschaftlichen Strukturen der persischen Verwaltung Kleinasiens. Nach vielen weiteren Siegen erreichte Alexander die Grenzen der damals bekannten Welt.  .
 
Hellespont
▪︎ antiker Name der Dardanellen, einer Meerenge in der Türkei
▪︎ benannt nach Helle, die nach der griechischen Mythologie über diesem Meer abstürzte

Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Sonntag, 20. Juli 2014

Heute vor 192 Jahren – 20. Juli 1822: Gregor Mendel wird geboren

Gregor Mendel – der Erbsenzähler 

Für die Landwirtschaft des 19. Jahrhunderts war die Frage, wie bestimmte Merkmale von Pflanzen vererbt werden, von großer Bedeutung. Der Ertrag der Bauern und damit die Lebensmittelversorgung der Menschen hing davon ab. Gregor Mendel (1822-1884) machte sich in einem kleinen idyllischen Klostergarten daran, dieser grundlegenden Frage nachzugehen. In zweijähriger Arbeit züchtete er zunächst reinerbige Erbsen, also etwa rot blühende und weiß blühende. Dann unternahm er über sechs Jahre rund 10.000 Kreuzungsversuche, wobei er sich auf leicht identifizierbare Merkmale wie Form und Farbe konzentrierte. Die Ergebnisse veröffentlichte er in dem Aufsatz »Versuche über Pflanzenhybride« (1865). 


Der Aufsatz enthält die berühmten »mendelschen Regeln«, die den ersten Schlüssel zum Verständnis der Vererbung darstellten und die auch heute noch jeder Schüler im Zuge des Biologieunterrichts kennenlernt. Die Zeitgenossen allerdings ignorierten seine Leistung, verstanden ihre Tragweite nicht oder lehnten sie gar ab. Erst zwei Jahrzehnte nach seinem Tod im Jahr 1884 erkannten Botaniker, die ähnliche Versuche anstellten, die grundlegende Bedeutung der mendelschen Versuche. 
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Heute vor 60 Jahren – 20. Juli 1954: Verfassungsschützer läuft in die DDR über

Verführt oder entführt? 

Vor 60 Jahren verschwand der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Otto John, und tauchte in Ostberlin wieder auf. Damit sorgte er für einen der größten politischen Skandale in der frühen Bundesrepublik. Was er vom Osten aus via Rundfunk verlautbarte, schlug in Bonn ein wie eine Bombe: Die Politik der Bundesrepublik zerreiße Ost und West und mache eine Wiedervereinigung unmöglich. Dem wolle er mit einem Übertritt in die Deutsche Demokratische Republik entgegenwirken. 
 
Otto John (Mitte) in Ostberlin bei der Besichtigung
eines Modells der Stalinallee, August 1954

Knapp 17 Monate später kehrte er wieder zurück. Seither ist es strittig, ob er damals freiwillig in die DDR ging oder ob er entführt wurde. Unklar blieb auch, ob er sich nur für die Propaganda einspannen ließ oder auch dienstliche Geheimnisse preisgab. John beteuerte jedenfalls, er sei betäubt und entführt worden und habe eine Kooperation mit dem SED-Staat nur vorgetäuscht. Diese Version glaubte ihm im Westen kaum jemand. Elf Tage nach seiner Rückkehr wurde John verhaftet und wegen Staatsgefährdung zu vier Jahren Haft verurteilt. [Wikipedia: »Prominente Politiker wie Herbert Wehner, Willy Brandt und Franz Josef Strauß setzten sich für eine Wiederaufnahme des Prozesses ein.«] Bis zu seinem Tod im Jahr 1997 kämpfte John um seine Rehabilitierung. 

John-Brüder als Widerstandskämpfer
▪︎ Otto John und sein Bruder Hans gehörten 1944 zu Stauffenbergs Widerstandskreis 
▪︎ Otto flüchtete nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler nach Großbritannien
▪︎ Hans wurde 1945 von den Nationalsozialisten hingerichtet.
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014

German News - Dr John Defects To Communists (1954) [0:28]


Der Fall Otto John [2:41] (Einbetten auf Anfrage deaktiviert)

Freitag, 18. Juli 2014

Heute vor 27 Jahren – 18. Juli 1987: Marillion – Live from Loreley

Die »sich bis zur Halsstarrigkeit selbst überschätzende Band« wurde von humorvollen Kritikern etwas abwertend »die zweitbesten Genesis aller Zeiten« genannt (Biographie auf musicline).

Marillion Live From Loreley [1:27:15] Tracks Texte

Marillion auf der deutschsprachigen Wikipedia

Donnerstag, 17. Juli 2014

Vor 340 Jahren – um 1670: Anlage der Champs-Élysées in Paris

Zwei Kilometer Prestige und Glamour 

Die Avenue des Champs-Élysées ist Frankreichs bekannteste Straße und eine der schönsten Flaniermeilen der Welt. Als wesentlicher Teil der »historischen Achse« zwischen Louvre und Triumphbogen verleiht die Allee mit ihrem prächtigen Baumbestand dem Zentrum der Hauptstadt zudem einen grünen Akzent. Als die Promenade auf Initiative von König Ludwig XIV. im späten 17. Jahrhundert angelegt wurde, führte sie durch Felder und Gärten. Die bis heute das Bild der Allee prägende großbürgerlich-aristokratische Seitenbebauung stammt weitgehend aus der Zeit der Belle Époque (um 1890-1914). 
 
Blick über die Avenue des Champs-Élysées zum Triumphbogen, 1905

Die fast zwei Kilometer lange und 70 m breite Prachtstraße ist eng mit der nationalen Identität der Franzosen und der Geschichte des Landes verbunden. Wer immer in Frankreich die Macht hatte, demonstrierte das auch mit einer Parade über die Champs-Élysées. Die Sieger über Napoleon ließen hier ihre Truppen ebenso marschieren wie der deutsche Kaiser und die Nationalsozialisten. Im August 1944 marschierte Charles de Gaulle an der Spitze der Befreier im Triumphmarsch durch die »Elysischen Felder«, die heute alljährlich am Nationalfeiertag Schauplatz einer Militärparade sind. 

Was am 17. Juli noch geschah: 
1998: Die UNO beschließt die Einführung des Internationalen Strafgerichtshofs
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Paris 1940 - Deutsche Besatzung - German Occupation - l´Occupation allemande, film: color/bw [4:07]


Paris Delivered (1944) [10:20]


1944 The Liberation of Paris in Color! [1:35]


Libération de Paris (2/5) : 26 aout 1944, le général de Gaulle à l'arc de triomphe [0:51] Libération de Paris (3/5) : 26 aout 1944, le général de Gaulle descend les Champs Elysees [1:10] (Einbetten auf Anfrage deaktiviert) 

Mittwoch, 16. Juli 2014

Heute vor 740 Jahren – 16. Juli 1274: Das Konzil von Lyon legt die Regeln des Konklave fest

Streng und effizient 

In der frühen Geschichte des Katholizismus war es nach dem Tod eines Papstes wiederholt zu langen Zeiten der Vakanz des Heiligen Stuhls gekommen, weil sich die Wahl des Nachfolgers schwierig gestaltete und zuweilen von Skandalen und Intrigen begleitet war. Auf dem von Papst Gregor X. (1271-76) für 1274 nach Lyon einberufenen Konzil sollten daher auch die Regeln des Konklaves, der Wahlversammlung der Kardinäle, strenger gefasst werden. 
»Der heilige Buonaventura auf dem Konzil von Lyon«
(Gemälde von Francisco de Zurbarán, um 1629)
Am 16. Juli 1274 verkündete Gregor X. die neue Ordnung. Sie sah vor, dass die Kardinäle den Konklaveraum nicht verlassen durften, ehe ein neuer Papst gewählt war. Untereinander war die Kommunikation, auch über Boten  oder per Brief, untersagt. Wenn innerhalb von drei Tagen nach Beginn kein neuer Papst gewählt war, sollten sich die Kardinäle in den darauffolgenden Tagen beim Essen mit nur einem Gericht begnügen. Wenn dann immer noch keine Einigung erreicht war, sollten nur noch Wasser, Wein und Brot gereicht werden. Die strengen Regeln fruchteten schon bei der nächsten Wahl: Der Nachfolger Gregors X., Innozenz V., wurde schon am ersten Tag des Konklaves gefunden.  

»Sedisvakanz«
▪︎ Lateinisch für »unbesetzter Stuhl«
▪︎ Zeitraum, in dem der Heilige Stuhl nicht besetzt ist
▪︎ Beginnt mit dem Tod des amtierenden Papstes
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Konklave zur Papstwahl läuft [0:56]


- Mythos Konklave (ZDF)
- Link zum Video zur Konklavengeschichte (vaticanhistory)
 

Dienstag, 15. Juli 2014

Heute vor 915 Jahren – 15. Juli 1099: Ein christliches Massaker in der Heiligen Stadt

Auf ins Heilige Land! 

Am Abend des 7. Juni 1099 lagerten die Kreuzritter vor den Toren Jerusalems. Drei Jahre zuvor hatte der Erste Kreuzzug seinen Ausgang genommen; über Ungarn und Konstantinopel war der Großteil der Teilnehmer nach Palästina gelangt, wo nun endlich das letzte Ziel in Angriff genommen werden sollte, die Rückeroberung der Heiligen Stadt durch die Christen. In Jerusalem herrschten zu jener Zeit die ägyptischen Fatimiden, sie hatten die Stadt ein Jahr zuvor mithilfe einer riesigen türkischen Armee erobert


Als das Kreuzfahrerheer anrückte, ließ der ägyptische Statthalter sämtliche Brunnen vor der Stadt verschütten, die Bäume fällen und fortschaffen, um den Belagerern die Situation so schwer wie möglich zu machen. Dennoch gelang es den Kreuzrittern, die Stadt nach fünfwöchiger Belagerung einzunehmen. Es folgte ein schreckliches Massaker an den Muslimen und Juden der Stadt, ein rituelles Gemetzel, das mit einem Dankesgottesdienst in der Grabeskirche seinen Abschluss fand. Die Christen betrachteten den Ersten Kreuzzug als Erfolg, die folgenden Züge endeten dagegen mit Niederlagen. 
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014 

Wikipedia:
Im Zuge der Besetzung der Stadt töteten die Kreuzritter innerhalb von drei Tagen bis zu 20.000 Bewohner. Über dieses Massaker schrieb der Augenzeuge Raimund von Aguilers:
„In allen Straßen und auf allen Plätzen waren Berge abgeschlagener Köpfe, Hände und Beine zu sehen. Die Menschen liefen über die Leichen und Pferdekadaver. Aber ich habe bis jetzt nur die kleineren Schrecken beschrieben […] beschreibe ich was ich tatsächlich gesehen habe, würdest du mir nicht glauben […]“[11]
Der arabische Historiker Ibn al-Atir beschrieb die Bluttat wie folgt:
„Die Franken nahmen sie [gemeint die Stadt] tatsächlich von der Nordseite, morgens am 22. Schaʿban 492. (15. Juli 1099). Die Einwohner wurden ans Schwert geliefert, und die Franken blieben eine Woche in der Stadt, während sie die Einwohner mordeten […]“[11]

Montag, 14. Juli 2014

Heute vor 110 Jahren – 14. Juli 1904: Der Burenführer Paulus Kruger stirbt im Exil in der Schweiz

Freiheitskämpfer und Rassist 

Paulus Kruger (1825-1904), im Deutschen auch »Ohm Kruger« genannt, war Spross deutscher Einwanderer, die sich bald den BurenKapholländer«) anschlossen. Von den Briten aus der Kapkolonie nach Norden, nach Transvaal, verdrängt, organisierte Kruger erfolgreich den militärischen Widerstand, als die Briten 1877 auch Transvaal annektierten. 1882 wurde er zum Präsidenten des Burenstaats gewählt. Als ein erneuter Krieg nicht zu gewinnen war, ging Krüger ins Exil in die Schweiz, wo er heute vor 110 Jahren starb. 

Porträt Paulus Krugers in der französischen
Zeitschrift »Le Petit Journal«, Dezember 1900

Als vor einigen Jahren im Schweizer Sankt Gallen die Paul-Kruger-Straße wegen der unbestrittenen rassistischen Gesinnung des Namengebers umbenannt werden sollte, entbrannte ein Streit um Sinn oder Unsinn solcher Initiativen. Der einstige Burenführer und Präsident (1882-1900) der Südafrikanischen Republik (Transvaal) galt den Gegnern der Umbenennung als Freiheitskämpfer. Er repräsentierte ein kleines Volk, das einen opferreichen Kampf gegen den britischen Goliath geführt hatte, der sich die Burenrepubliken wegen seiner Bodenschätze einverleiben wollte, was schließlich auch gelang. 

Was am 14. Juli noch geschah: 
1789: Mit dem Sturm der Pariser Bürger auf die Bastille beginnt die Französische Revolution
Harenberg – Abenteuer Geschichte 2014