Donnerstag, 17. Dezember 2015

Umweltkatstrophe am Rio Doce: Schlamm drüber

Forscher schweigen, Minenbetreiber lügen, Brasiliens Regierung ist anderweitig beschäftigt. Ein Fluss ist verseucht, der Verursacher klar. Doch Konsequenzen bleiben aus.
Es ist die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens. Ein ganzer Fluss, mehr als 800 Kilometer lang, verseucht. Fünf Wochen ist es jetzt her, dass im Bundesstaat Minas Gerais ein gigantisches Staubecken mit giftigen Rückständen aus dem Eisenerzabbau barst. Der mit Schwermetallen belastete Schlamm ergoss sich in den Rio Doce – von seinem Quellgebiet bis zur Atlantikmündung und begrub ein ganzes Dorf unter sich.

Die "größte Umweltkatastrophe Brasiliens" – auch Umweltministerin Izabella Teixeira bezeichnete das Unglück so drastisch. Ein Superlativ, der vermuten lassen sollte, dass jetzt umfassende Untersuchungen laufen, Aufklärung und Rettungsmaßnahmen. Doch nichts dergleichen passiert gerade. Stattdessen: Lügen, Schweigen und Ablenkungsmanöver. Am morgigen Samstag wird nun eine UN-Delegation ins Unglücksgebiet reisen auf der Suche nach Antworten.

mehr:
 Rio Doce: Schlamm drüber (Philipp Lichterbeck, ZEIT Online, 11.12.2015)
Die Lage am Unglücksort ist längst nicht unter Kontrolle. Zwei weitere zur Germano-Mine gehörende Dämme sind in einem kritischen Zustand. In ihrem Fall gibt Samarco als Grund Überlastung an. Weil der Weltmarktpreis für Eisenerz zuletzt stark gefallen war, erhöhte Samarco 2014 die Eisenerzförderung, um die Verluste auszugleichen.

Dass man dabei mehr Abfallschlamm produzierte als für die Rückhaltebecken zu verkraften gewesen wäre, ignorierte das Unternehmen. Wie nun herauskommt, gab Samarco neun Monate vor dem Desaster die Befüllung des Unglücksreservoirs gegenüber der Staatlichen Stiftung für Umwelt von Minas Gerais mit lediglich 45 Millionen Kubikmetern an. Dabei hatte es bereits ein Volumen von 55 Millionen Kubikmetern erreicht.
siehe auch:
- Dammbruch von Bento Rodrigues (Wikipedia)

Der Rio Doce – eine rotbraune Brühe [3:19]

Veröffentlicht am 01.12.2015
Der Rio Doce, der "süße Fluss", ist auf fast 800 Kilometer eine rotbraune Schlammbrühe statt eines glasklaren Gewässers. Überall tote Fische, das Trinkwasserreservoir für Hundertausende Menschen ist verseucht.
Rückblick:
Am 5.November brechen in der Eisenerzmine Samarco im Bundesstaat Minas Gerais die Dämme zweier Klärschlammbecken. Eine Schlammlawine von 50 Millionen Tonnen Eisenerz, Schwermetallen und Chemikalien stürzt talwärts und überrollt die Ortschaft Bento Rodrigues. 13 Menschen sterben, zehn werden noch vermisst. Die Brühe erreicht den Fluss Rio Doce und zerstört alles, was im und am Fluss lebt. Dem Rio Doce kann kein Trinkwasser mehr entnommen werden und die Pflanzen vertrocknen, weil die Felder nicht mehr bewässert werden können.
Wie giftig ist der Rio Doce?
Die rotbraune Schlacke hat den Atlantik erreicht. Es ist immer noch unklar, wie giftig sie tatsächlich ist. Der Schlamm sei für Menschen nicht giftig, meint der australisch-britische Konzern BHP, der mit dem brasilianischen Bergbauunternehmen Vale die Mine betreibt. Derweil werden auch an der Küste tote Tiere eingesammelt.
Brasiliens Regierung hat von den Minenbetreibern umgerechnet fünf Milliarden Euro für die Säuberung des Flusses gefordert. Umweltschützer fürchten, es könnte Jahrzehnte dauern, bis sich das Ökosystem wieder erholen wird.
(Hervorhebung von mir)


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Brasilien: Giftige Schlammlawine verursacht gewaltige Umweltkatastrophe [2:50]

Veröffentlicht am 29.11.2015
Brasilien: Giftige Schlammlawine verursacht gewaltige Umweltkatastrophe

siehe auch:
- Umweltkatastrophe in Brasilien - Schlammlawine erreicht das Meer (Heike Holdinghausen, taz, 28.11.2015)
- Tod am Rio Doce (Norbert Suchanek, 19.11.2015)
Ersten Mitteilungen des Minenbetreibers zufolge wird ein leichtes Erdbeben der Stärke 3 auf der Richter-Skala als Ursache vermutet. Von Vale und BHP Billiton unabhängige Geologen und Bergbauexperten schließen dies allerdings aus. Jegliche Talsperre sollte solchen, in der Region nicht ungewöhnlichen, schwachen Erdbeben standhalten können. Wahrscheinlicher als eine vermeintlich natürliche Ursache seien Sicherheitsmängel. Solche waren von den Behörden bereits 2013 gerügt worden. Hinzu käme eine kürzlich erfolgte Erhöhung der Belastung der Talsperren: Trotz weltweiten Verfalls der Preise für Eisenerz hatten beide Multis die Produktion ihrer Samarco-Mine im vergangenen Jahr um fast 40 Prozent auf 30,5 Millionen Tonnen erhöht – mit entsprechender Zunahme des Minenabraums.
Ökonomen werteten diese Maßnahme als Teil eines seit 2011 forcierten Preiskampfs. Es gehe demnach einzig darum, Konkurrenten vom Markt zu drängen. Die Sicherheit der Talsperren, die seit 2014 noch mehr Abraum aufnehmen mussten, wurde dabei offensichtlich vernachlässigt. Die Folgen werden nun vor allem am insgesamt 853 Kilometer langen Rio Doce sichtbar. Der galt bis dahin als größter und ökologisch noch einigermaßen intakter Strom Südostbrasiliens. Hunderttausende leben entlang seines Laufes. Nun haben etwa eine Million Menschen der Region keinen Zugang mehr zu Trinkwasser, weil der Fluss zu einer stinkenden, giftigen Schlammrinne wurde. […]
Dennoch werden die Minenbetreiber nicht müde zu behaupten, der Schlamm sei nicht giftig und stelle keine Gefahr für Mensch und Umwelt dar. Eine unabhängige Analyse von Proben aus Teilen des bereits verschlammten Flusse durch das städtische Abwasser- und Wasserversorgungsunternehmen (Serviço Autônomo de Água e Esgoto – SAAE) der Stadt Baixo Guandu bestätigt eine erhebliche im Fluss transportierte Giftfracht vor allem von Arsen, Aluminium, Blei, Kupfer und Quecksilber. Die Konzentration von Arsen liege 260 mal höher als der akzeptable Grenzwert, so Neto Barros, Bürgermeister der von der Schlammkatastrophe betroffenen und ohne Trinkwasser dastehenden Stadt. Und SAAE-Direktor Luciano Magalhães resümiert, die Situation des Rio Doce könne man mit zwei Worten beschreiben: »Toter Fluss«.

Ukraine: Wenn der Rechte Sektor im Gerichtssaal das Sagen hat …

In der Ukraine kommt es fast täglich zu rechter Gewalt gegen Polizei und Justiz
Am 30. November 2015 stürmten hundert Mitglieder des Rechten Sektors einen Saal des Malinowski-Gerichts in Odessa. Die wachhabenden Polizisten wurden einfach zur Seite gedrängt. Maskierte Männer und Frauenbauten sich vor den drei Richtern auf. Sie hatten ein Urteil erlassen, fünf wegen der Straßenschlacht am 2. Mai 2014 inhaftierte Anti-Maidanisten gegen Kaution freizulassen. Angesichts der anrückenden Rechten guckten die Richter ängstlich. Und unter Drohungen der Maskierten unterschreiben (Minute 1:23) sie ihren Rücktritt.

Kurze Zeit später wurde das Urteil zur Freilassung der fünf Anti-Maidanisten gegen Kaution von der Staatsanwaltschaft in Odessa wegen "der Nichtberücksichtigung einiger Tatsachen" aufgehoben und die Haft für die Fünf auf zwei Monate verlängert.

mehr:
Ukraine: Wenn der Rechte Sektor im Gerichtssaal das Sagen hat … (Ulrich Heyden, Telepolis, 15.12.2015)

Ukraine: Der Rechte Sektor - Geschichte, faschistische Ideologie, Rolle beim Euromaidan [59:30]

Veröffentlicht am 19.11.2015
Im Film wird die ukrainische neonazistische Organisation "Der Rechte Sektor", ihre Geschichte, ihre faschistische Ideologie und ihre Rolle beim militärischen Umsturz beim Euromaidan in der Ukraine und bei der Ermordung in Odessa und anderen Städten der Süd-Östlichen Ukraine im Jahr 2014 detailliert.

Im Film wird auch die Geschichte des ukrainischen Nationalismus erzählt, wir die Rolle von Bandera und seiner Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) in den Massenverbrechen in Lemberg (Lvov) und Wolhynien erklärt, sowie ihre Verbindung zu den deutschen Faschisten und SS-Kräften.

"Das Wesen der Zeit", Deutschland
"The Essence of Time", Germany
http://eu.eot.su

"Der Rechte Sektor" (Ukraine): Die Geschichte, faschistische Ideologie und seine Rolle beim Euromaidan
https://youtu.be/O2UHWHV-fr8

Rechte Sektor - Die Rückeroberung der Ukraine durch Faschisten [14:58]

Veröffentlicht am 10.03.2014
Wir zeigen Ihen was Sie so in den öffentlichen Medien niemals sehen werden! Die häßliche Wahrheit hinter dem was Uns die deutschen, amerikanischen, englischen und europäischen Mainstream Medien als einen revolutionären Kampf für Freiheit, Frieden und Demokratie verkaufen! Sehen sie was Ihen fast alle westlichen Politiker und Medien verschweigen! Sehen Sie was Sie nicht sehen dürfen! Was Sie nicht sehen sollen! Weil die Menschen die Wahrheit nicht wissen dürfen! Doch es ist Zeit das Sie ans Licht kommt!

Alternative Medien:
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Right Sector - Ukrainian Revolution (2014):
http://www.youtube.com/watch?v=uJmHIX...

Rechte Sektor. Die große ukrainische Reconquista:
http://www.youtube.com/watch?v=fwUrR9...

Ukrainischer Hitler vom "Rechter Sektor" will ukrainischer Präsident werden:
http://www.youtube.com/watch?v=RkMc4K...

Kiewer EU-Faschisten ergriffen die Macht (18+):
http://www.youtube.com/watch?v=Q5EkE0...

Janukowitsch - Die Ukraine erlebt gerade einen Staatsstreich:
http://www.youtube.com/watch?v=DUicC8...

ПРАВЫЙ СЕКТОР ворвались НА СЕССИЮ РАДЫ:
http://www.youtube.com/watch?v=phGE_a...

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Ukrainische Demokratie in der Rada - Wie sie lebt und schlägt [1:21]

Veröffentlicht am 11.12.2015
Mehr auf unserer Webseite: https://deutsch.rt.com/

Am heutigen Freitag ist es im ukrainischen Parlament zu einer Massenschlägerei gekommen. Seinen Anfang nahm alles, als Barna Oleh Stepanovych vom Block Petro Poroschenko während einer Ansprache des ukrainischen Premiers Arsenij Petrowytsch Jazenjuk auf diesen zutrat, ihm einen Blumenstrauß in die Hand drückte und ihm vom Rednerpult zog, als symbolischen Schritt der Entmachtung. Danach flogen die Fäuste von fast allen Abgeordneten.

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RT Deutsch nimmt die Herausforderung an, die etablierte deutsche Medienlandschaft aufzurütteln und mit einer alternativen Berichterstattung etablierte Meinungen zu hinterfragen. Wir zeigen und schreiben das, was sonst verschwiegen oder weggeschnitten wird. RT - Der fehlende Part.
mein Kommentar:
Demokratie muß man lernen. Ich freue mich schon auf ähnliche Szenen im russischen Parlament. Putin dürfte nicht so schnell vom Rednerpult wegzukriegen sein wie Jazenuk…

Putin's Judo [3:17]

Veröffentlicht am 05.04.2012
Vladimir Putin has a black belt in the martial art and has competed at a high level in Russia.

zunehmende Skepsis gegenüber den Medien

Von der Vagheit der Umfragen und der womöglich zunehmenden Einschließung in Informationsblasen
In Deutschland wächst nach Umfragen das Misstrauen gegenüber Medien. Die großen Medien gelten manchen bekanntlich als "Lügenpresse" (Forsa-Umfrage: 44 Prozent der Befragten sehen eine "Lügenpresse"). Journalisten der sehr einseitigen Art, die vor allem mit dem Schüren von Ängsten und Vorurteilen in entsprechenden Verlagen und Publikationen ihr Geld machen, bezeichnen ihre Kollegen als "gekaufte Journalisten" und nähren die Ansicht, "Politiker, Geheimdienste und Hochfinanz" würden die Massenmedien lenken.

Solche Ressentiments scheinen vor allem in der rechtsnationalen Ecke zu gedeihen (Teile der Bevölkerung informieren sich aus unseriösen Quellen). Auch in Polen marschierten die Anhänger der rechtsnationalen PiS am vergangenen Sonntag gegen die "Lügen der Medien". Ein Priester veranstaltete gegen die liberale polnischen Zeitung "Gazeta Wyborcza" gar eine Teufelsaustreibung , was das Ganze zum Kasperletheater macht, aber offensichtlich ernst gemeint war.

In Polen wird es weniger der Fall sein, in Deutschland sehen hingegen viele der rechtsnationalen Kritiker aus dem Umkreis von AfD, Pegida und Co. ausgerechnet in staatlichen russischen Medien wie Russia Today ein Korrektiv zur "Lügenpresse", unter die etwa öffentlich-rechtlichen Sender subsummiert werden. Da präsentiert dann RT Deutsch den angeblichen "fehlenden Part", z.B. eine Eva Hermann, die darüber schwadroniert, dass es einen "Vorsatz" gebe, dass die "Flüchtlingsströme" nach Europa kommen. Ansonsten werden alle möglichen Kritiker eingesammelt – nur nicht solche, die auch russische Verhältnisse anprangern oder die Politik der russischen Regierung bzw. die der befreundeten Regierungen hinterfragen. Dass dieser Part fehlt, was eben ein Propagandamedium auszeichnet, wird dann offenbar schon weniger zur Kenntnis genommen. Das gilt natürlich auch umgekehrt, wenn die EU meint, sie müsse mit Propaganda die russischen Propagandamedien untergraben, aber dabei weder in die Medienlandschaft der Ukraine schaut, noch in die von Ungarn (Die Propaganda-Offensive der EU wird das Misstrauen gegenüber den Medien stärken).

mehr:
- Vertrauensverlust gegenüber den Medien in Russland (Florian Rötzer, Telepolis, 17.12.2015)
siehe auch:
- "Speziell die Öffentlich-Rechtlichen können Druck von außen gebrauchen" (Marcus Klöckner, Interview mit Fritz Wolf zu seiner medienkritischen Untersuchung für die Otto Brenner Stiftung, Telepolis, 16.12.2015)
siehe auch:
Der Abschuß von KAL 007: Das westliche Narrativ in der Schlacht um die Deutungshoheit (Post, 30.12.2015)
Es geht nicht um Wahrheit, es geht nicht um Moral, es geht um Zeitvorsprung (Post, 27.12.2015)
zunehmende Skepsis gegenüber den Medien (Post, 17.12.2015)
- Ja, lügen die Medien denn nun oder nicht? (Post, 12.12.2015)
Ein Mantra fürs Neue Jahr: »Die NATO bedroht niemanden« (Post, 28.12.2014)
Deutsche glauben den Medien nicht (Post, 26.12.2014)
Völkerrechtsverletzungen und die Logik deutscher Medienberichterstattung (Post, 21.12.2014)
- Ukraine 13 – Unser westliches System und die MH 17-Berichterstattung (Post, 27.07.2014)

Warum ich ohne Liebe ganz großartigen Sex hatte

Viele sagen: “Sex mit Liebe ist immer viel besser als Sex ohne Liebe.” Ist das wirklich so?
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Meine Freundin Nina tindert ziemlich viel. Sie hat regelmäßig Tinder-Dates, und fast genau so regelmäßig auch Tinder-Sex. Manchmal mehrmals die Woche, ja, sogar mehrmals am Abend. Nina kann Sex haben, ohne großartig Gefühle ins Spiel zu bringen.

“Sex mit Liebe ist immer viel besser als Sex ohne Liebe.” Ein Satz, den an so manchem Abend irgendwann irgendjemand gesagt hat, woraufhin fast alle Vergebenen in der Runde zustimmend in ihr Glas nicken.

Nach einem meiner letzten Treffen mit Nina habe ich angefangen zu überlegen, wie das eigentlich ist mit dem Sex ohne Liebe. Dabei musste ich an Tom denken. Und an den großartigen Sex, den wir hatten.

mehr:
- Fühlen – Warum ich ohne Liebe ganz großartigen Sex hatte (Nea Nyström, bento, 17.11.2015)

nachtstudio |2009| Sex statt Liebe - Wo bleiben die Gefühle? [59:53]

Veröffentlicht am 05.10.2014
Gäste bei Volker Panzer: Richard David Precht, Volker Sommer, Sabine A. Döring, Ulrich Clement und Heike-Melba Fendel

Make Love - Geht Sex ohne Liebe? [2:19]

Veröffentlicht am 24.07.2015

(überhaupt nicht suggestiv…)


Der alte Narr

Ein Künstler auf dem hohen Seil,
Der alt geworden mittlerweil,
Stieg eines Tages vom Gerüst
Und sprach: Nun will ich unten bleiben
Und nur noch Hausgymnastik treiben,
Was zur Verdauung nötig ist.
Da riefen alle: „O wie schad!
Der Meister scheint doch allnachgrad
Zu schwach und steif zum Seilbesteigen!“
Ha! denkt er. Dieses wird sich zeigen!
Und richtig, eh der Markt geschlossen,
Treibt er aufs neu die alten Possen
Hoch in die Luft, und zwar mit Glück,
Bis auf ein kleines Mißgeschick.
Er fiel herab in großer Eile
Und knickte sich die Wirbelsäule.
„Der alte Narr! Jetzt bleibt er krumm!“
So äußert sich das Publikum.

Wilhelm Busch
(gefunden bei Zweitausendeins)

Dienstag, 15. Dezember 2015

Heiner Flassbeck: Kapitalismus am Ende? Konsequenzen der neoliberalen Weltordnung

Kapitalismus am Ende? Konsequenzen der neoliberalen Weltordnung {1:23:18}

Was ist Wirklich?
Am 15.12.2015 veröffentlicht 
Bankenkrise, Griechenlandrettung, TTIP und CETA – ökonomische Weichenstellungen tangieren in Zeiten gemeinsamer europäischer Gesetzgebung und Globalisierung weit mehr als nur einzelne Volkswirtschaften. Angesichts des wachsenden Einflusses multinationaler Großkonzerne und undurchschaubarer Verstrickungen im Finanzsystem ist nicht nur in der Wissenschaft zunehmend die Rede von einer neoliberalen Postdemokratie. Zu dieser Entwicklung sprach im Rahmen der Reihe "Was ist wirklich?" der Universität Regensburg der ehemaligen Chef-Volkswirt der UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung, Heiner Flassbeck.
siehe auch:
Philip Mirowski: „Untote leben länger“: Neoliberalismus als weltumspannende Verschwörung (Buchkritik, Ernst Romeney, Deutschlandfunk Kultur, 13.11.2015 – Zitat: – Hervorhebungen von mir) 


Ideologiekritik ist das Forschungsgebiet des Ökonomieprofessors an der „University of Notre Dame“ in Indiana. Er folgt dabei der Spur wirtschaftlicher Interessen durch den Wissenschaftsbetrieb der USA. Seit den 40er Jahren hätte eine handverlesene Gruppe neoliberaler Intellektueller ein hierarchisches Netzwerk aus Denkfabriken, Akademien, Universitätsinstituten und Unternehmen aufgebaut, das nach außen für eine offene Gesellschaft eintrete, sich nach innen aber als elitär, demokratieverachtend und feindselig gegenüber anderen Auffassungen darstelle. Die doppelte Wahrheit, die er mit hehrem Anspruch verkünde, sei ein Merkmal des Neoliberalismus.
Seinen Fachkollegen hält Philipp Mirowski Verstöße wider jede Ethik vor, wenn sie das Renommee von Hochschulen nutzten, um sich als unabhängige Experten auszugeben und sich als Sachverständige, Berater oder ranghohe Mitarbeiter von Regierung, Parlament und Notenbank berufen zu lassen, dabei aber nicht offenlegten, wie sehr ihre wissenschaftliche Arbeit privat von interessierten Unternehmen gesponsert werde.
Ein zweites Merkmal sei folglich die hoch manipulative Vorgehensweise. Wie Liberale würden Neoliberale an alles regulierende Kräfte des Marktes glauben, die deswegen auch nie an ihrem Versagen selbst schuld sein könnten. Schuld seien immer andere Akteure, vorzugsweise der Staat. Nicht dass sie ihn verachteten sei das „Neo“ an den Neoliberalen, sondern dass sie seine Institutionen jederzeit bereitwillig vor ihren Karren spannen würden, um marktkonforme Gesetze zu verabschieden oder finanzielle Folgen abzuwälzen. Mit ihrer Strategie hätten sie dem Kommerz eine Bresche über Universitäten und Wissenschaft hinaus in das gesamte gesellschaftliche Denken geschlagen – so sehr, dass selbst Kritiker davon angesteckt seien und nichts entgegen zu setzen hätten.
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Wie ein Ort in Japan seinen kompletten Müll recyceln will

Morgens mit dem Coffee-to-go-Becher ins Büro: Das ist schon der erste Fehler. Zur Müllvermeidung könnten Sie wenigstens ein wiederverwendbares Trinkgefäß mitbringen. Als Paradebeispiel für Umweltbewusstsein dient ein Ort in Japan: Kamikatsu will bis 2020 seine Abfälle zu 100 Prozent recyceln, wiederverwenden oder kompostieren. Wie der Ort das schaffen will, zeigt dieses fünfminütige Video.

How This Town Produces No Trash [5:05]

Veröffentlicht am 08.12.2015
Watch the next episode about Lauren Singer, who produced only a jar's worth of trash in 2 years: http://bit.ly/1QsnSqu 
Subscribe! https://www.youtube.com/c/seekerstori...

In 2003, the local government in Kamikatsu, Japan decided to require that all residents comply with a new, rigorous recycling program - perhaps the most rigorous in the world.

Since then, the town composts, recycles, or reuses 80% of its garbage. It may not technically be 100% zero waste, as the remaining 20% goes into the landfill, but it's a remarkable achievement for an entire community, in such a short amount of time. The impacts have been positive - cutting costs for the community drastically, as well as improving the conditions of the lush and beautiful environment that surrounds the town in Southeast Japan.

Residents must wash and sort virtually anything that is non-compostable in their household before bringing it to the recycling sorting center. Shampoo bottles, caps, cans, razors, styrofoam meat trays, water bottles...the list goes on and on (literally) into 34 categories. At the sorting center, labels on each bin indicate the recycling process for that specific item - how it will be recycled, what it will become, and how much that process can cost (or even earn). It's an education process for the consumer.

All kitchen scraps must be composted at home, as the town has no garbage trucks or collectors.

And as for other items, reuse is heavily encouraged. According to Akira Sakano, Deputy Chief Officer at Zero Waste Academy in Kamikatsu, the town has a kuru-kuru shop where residents can bring in used items and take things home for free. There is also a kuru-kuru factory, where local women make bags and clothes out of discarded items.

At first, it was difficult to be come accustomed to the new rules. "It can be a pain, and at first we were opposed to the idea," says resident, Hatsue Katayama. "If you get used to it, it becomes normal."

Now, it's even being noticed within Kamikatsu's businesses. The first zero-waste brewery has opened in Kamikatsu, called Rise and Win Brewery. The brewery itself is constructed of reused materials and environmentally friendly finishes. By 2020, Kamikatsu hopes to be 100% zero waste, with no use of landfills, and to forge connections with other like-minded communities in the world, spreading the practice of zero-waste.

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Haben Sie auch separate Behälter für Glas, Papier, Bioabfälle und Restmüll? Das ist noch gar nichts: In Kamikatsu wird Müll in 34 Kategorien sortiert – die Bewohner des Ortes waren davon anfangs wenig begeistert. Nehmen wir eine handelsübliche Plastikwasserflasche: Die gebrauchte Flasche wandert in einen Beutel, der Deckel in den zweiten, das Etikett in den dritten.

Nicht nur das: Die Menschen aus Kamikatsu müssen ihren Müll vor der Kategorisierung gründlich waschen und dann in ein Recyclingzentrum bringen, wo dieser wiederum kontrolliert wird. Warum die Stadt dabei Geld spart und was vor allem beschäftigungslose ältere Menschen davon haben? Schauen Sie selbst.

- Wie ein Ort in Japan seinen kompletten Müll recyceln will (Björn Maatz, ZEIT Online, 10.12.2015, beachte auch die Kommentare!)

»Star Wars« als Spiegel des Zeitgeistes

Die Blockbuster-Saga ist seit 40 Jahren Spiegel des Zeitgeists, "Neue Mythologie" und ein Quantum Trost
Dunkel, tiefblau, fast schwarz liegt der Raum in "Star Wars" offen da. Unendliche Weiten. Die Fanfaren von John Williams' Titelmusik erklingen, und der Vorspannschriftzug setzt nicht nur ein und erzählt die Ereignisse vor der Handlung, sondern er vermisst zugleich den Weltraum in seiner Weite, in dem er sich nach hinten ins Unleserliche verflüchtigt. Dann, von kurzem Streicherzwischenspiel begleitet, schwenkt die Kamera nach "unten", was wir zunächst so erfahren, dass Monde nach "oben" steigen, und dann der Horizont eines Planeten sichtbar wird, der der ganzen unteren Leinwandteil einnimmt. So wird der offene Raum strukturiert. Kurz darauf gleitet das perspektivisch riesig wirkende dreiecksförmige Raumschiff Darth Vaders von oben ins Bild und deckt schnell den kompletten oberen Leinwandteil ab.
Die Raumschiffe krachen und scheppern in der Bewegung; Explosionen verursachen Rauch. Grüne und rote Blitze markieren wie Leuchtspurmunition die Schüsse. Aber wo ist dieser Lärm zu hören, der Rauch zu sehen? Der Weltraum von "Star Wars" ist ein analoger. Wie fast alle Welträume im Kino. Auch "seriösere" Science-Fiction-Filme wie "2001 - Odyssee im Weltall", "Gravity" oder "Interstellar" spielen zwar mit dem Taumel und dem untergründig vorhandenen agoraphobischen Potential des Weltraums in seiner völligen Orientierungslosigkeit.

mehr:
- "Star Wars": Sehnsucht nach einer neuen und abgerundeten Totalität (Rüdiger Suchsland, Telepolis, 13.02.2015, Hervorhebung von mir)
Man kann all dies fragwürdig finden, gefährlich und mit guten Gründen kritisieren. Aber man sollte die eigenen Einwände oder Affekte nicht an den Filmen auslassen. Die können nicht nur nichts dafür, sie sind einfach zu gut und das heißt auch: Zu vielfältig, zu facettenreich, zu divers und viel zu klug, um als Popcornkino, als simple Ideologie und als dümmliche Ersatzreligion abgetan zu werden.

Sie sind wie gutes Kino immer, im Gegenteil originäre Kinder des Zeitgeistes ihrer Entstehungsjahre, ein Amalgam verschiedenster, nicht immer bewusster Einflüsse und Tendenzen. Das gilt zumindest für die ersten drei Filme, für die ursprüngliche Trilogie. Wer sie in 100 oder 200 Jahren ansieht, wird von der Zeit um 1980 nicht weniger begreifen, als aus einem Film von Bertolucci, Bergman, oder DePalma, und vermutlich mehr, als aus jenen, die Fassbinder und Wenders im gleichen Zeitraum gemacht haben.

Starships size comparison [3:37]

Veröffentlicht am 21.09.2015
LIST

TIE Fighter 6m Star Wars
Starfury 10m Babylon 5
X wing 12m Star wars
UNSC Pelican D77-TC 30m 
Halo
Millennium Falcon 34m Star Wars
Endurance 65m Interstellar
ISS 73m International
Discovery One 140m 2001: A Space Odyssey
SSV Normandía SR-1 155m Mass Effect
Enterprise NCC 1701 289m Star trek

Whitestar 476m Babylon5

UNSC Frigate 490m 
Halo
Enterprise NCC 1701-D 642m Star trek
Destroyer 900m Star Wars
Romulan Star Empire 1341m Star trek
Galactica 1445m Battlestar Galactica
Covenant Battlecruiser 1782m Halo
Collector Cruiser 1890m Mass Effect
Destiny Ascension 1900m Mass Effect
Reaper 2000m Mass Effect
Borg Cube 3000m Star Trek
Droid Control Ship 3170m Star Wars
V Mothership 3200m V
Apophis 3325m StarGate
Hel 4266m EVE Online
Dictator 5100m Warhammer 40.000
Covenant Assaul Carrier 5346m Halo
Anubis 5500m StarGate
UNSC Infinity 5600m Halo
Lexx 10.000m Lexx - The Dark zone
Eternal Crusader 10.000m Warhammer 40.000
Collector Base 11.800m Mass Effect
Avatar 13.774m EVE Online
Erebus 14.764m EVE Online
Mass Relay 15.000m Mass Effect
Ragnarok 18.127m EVE Online
Executer 19.000m Star Wars
City Destroyer Invasion Mothership 24.000m Independence Day
Citadel 44.700m Mass Effect
TET 100km Oblivion
Death Star 1 160km Star Wars
High Charity 464km Halo
Death Star 2 900km Star Wars
Halo 10.000km Halo
The Ark 127,530km Halo

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siehe auch:
- "Star Wars"-Merchandise: Die Manipulations-Maschine (Lars-Olav Beier, Hannah Pilarczyk, SPON, 14.12.2015)
mein Kommentar:
anstatt die Wirkung auf die Menschen anzuerkennen (siehe den Telepolis-Artikel oben) und darüber wertfrei zu reflektieren wird der SPIEGEL mit seiner platten Kritik des kommerziellen Erfolges seiner Rolle als »BILD für Abiturienten« einmal mehr gerecht. Merke: Knapp vorbei ist auch daneben!

Samstag, 12. Dezember 2015

US-Bombenangriff auf Klinik in Afghanistan: Täter als einzige Ermittler

Helfer fordern neue, unabhängige Untersuchung. Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen übergibt gut 547.000 Unterschriften

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat der US-Regierung in Washington eine Petition übergeben, mit der über eine halbe Millionen Menschen eine unabhängige Untersuchung der US-Angriffe auf ein Krankenhaus der Organisation im afghanischen Kundus fordern. Die gut 547.000 Unterschriften wurden an US-Präsident Barack Obama adressiert. Bei den Luftangriffen am 3. Oktober (siehe Krankenhaus Kunduz: Versehentlich das falsche Gebäude vernichtet(Link erneuert) waren nach jüngsten Erkenntnissen 42 Menschen getötet worden, unter ihnen 14 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen.

Die Unterzeichner der Petition sprechen sich für eine Untersuchung der Geschehnisse durch die Internationale Humanitäre Ermittlungskommission (IHFFC) aus. Dabei handele es sich um die einzige Instanz, "die speziell zur Untersuchung möglicher Verletzungen des humanitären Völkerrechts gemäß den Genfer Konventionen geschaffen wurde", schreibt Ärzte ohne Grenzen.

mehr:
- US-Bombenangriff auf Klinik in Afghanistan: Täter als einzige Ermittler (Harald Neuber, Telepolis, 12.12.2015)

siehe auch:
- Krankenhaus-Bombardement von Kundus – "Eine Folge menschlichen Versagens" (Post, 26.11.2015)
- CNN Chief Orders 'Balance' in War News (Howard Kurtz, Washington Post, 31.10.2001)


Aufklärung : Bin das wirklich ich?

Seit 250 Jahren ist die Knochenarbeit im Dienst am einzigartigen Ich das Großprojekt des modernen Menschen. 

 Der Trick funktioniert noch, seit 250 Jahren: #machdichwahr, ruft das Fitnessstudio McFit, "Nummer eins in Europa", über eine Million Kunden. Und die Werbeslogans des Jahres 2014 lauten: "Jedes Ziel hat einen Weg. Geh deinen" und "Nichts kann jemanden stoppen, der auf dem Weg zu sich selbst ist" oder "Einfach gut aussehen". 

 Wie das geht? Durch "wollen". Das einfache Selbst, die Wahrheit – den unverwechselbaren Weg dorthin kannst auch du finden, wenn du nur willst: Hier ist das Gesamtpaket als Ware zu haben, und das wahre Ich gibt’s für körperliche Arbeit zum Vorzugspreis, wenn man ein Fitness-Abo bucht. Die Gesichter und Körper auf den Werbeflächen des Studios sind glatt wie Bildschirmflächen, zum Wegwischen glatt. Und die optimierten Hände berühren nichts als Handtuch und Fitnessgeräte und sich selbst. Das also ist aus dem europäischen Traum der Moderne geworden, der mal hieß: ein authentischer Mensch sein zu dürfen.
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- Aufklärung: Bin das wirklich ich? (Elisabeth von Thadden, ZEIT Online, 28.08.2014)

Vernunft als Wahrheit - Die Epoche der Aufklärung [23:04]

Veröffentlicht am 04.05.2014
Die Vernunft bringt die Wahrheit ans Licht - dieser programmatische Satz kennzeichnet eine Denkepoche, die man als Aufklärung bezeichnet. Sie begann bereits im 17. Jahrhundert mit Denkern wie Spinoza oder John Locke und erreichte ihren Höhepunkt gegen Ende des 18. Jahrhunderts mit Montesquieu, Voltaire, Rousseau und Immanuel Kant.

Der Begriff Aufklärung, auch für das „Aufklären“ beliebiger Sachverhalte verwendet, bezeichnet seit etwa 1700 das gesamte Vorhaben, durch rationales Denken alle den Fortschritt behindernden Strukturen zu überwinden. Seit etwa 1780 bezeichnet der Begriff auch diese geistige und soziale Reformbewegung, ihre Vertreter und das zurückliegende Zeitalter der Aufklärung in der Geschichte Europas und Nordamerikas. Es wird meist auf etwa 1650 bis 1800 datiert.
Als wichtige Kennzeichen der Aufklärung gelten die Berufung auf die Vernunft als universelle Urteilsinstanz, der Kampf gegen Vorurteile, die Hinwendung zu den Naturwissenschaften, das Plädoyer für religiöse Toleranz und die Orientierung am Naturrecht. Gesellschaftspolitisch zielte die Aufklärung auf mehr persönliche Handlungsfreiheit (Emanzipation), Bildung, Bürgerrechte, allgemeine Menschenrechte und das Gemeinwohl als Staatspflicht. Viele Vordenker der Aufklärung waren optimistisch, eine vernunftorientierte Gesellschaft werde die Hauptprobleme menschlichen Zusammenlebens schrittweise lösen. Dazu vertrauten sie auf eine kritische Öffentlichkeit. Kritik an diesem „Vernunftglauben“ entstand seit etwa 1750 unter den Aufklärern selbst, dann im Sturm und Drang und in der Romantik. [Aufklärung, Wikipedia]
Friedrich Nietzsches Beurteilung der Aufklärung war gespalten. Für ihn war Aufklärung zum einen mit einer Reduktion verbunden, die das Gefühlsleben des Menschen zu stark ausblendet. Erkenntnis und Wissen ermöglichen nur einen begrenzten Zugang zur Welt. Schon in seiner früheren, Cosima Wagner gewidmeten und nicht veröffentlichten Schrift „Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen Büchern“ (1872) schrieb er: „Die Kunst ist mächtiger als die Erkenntnis, denn s i e will das Leben, und jene erreicht als letztes Ziel nur – die Vernichtung –.“[124] In seiner ersten philosophischen Schrift (Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik, 1872) beschrieb er bereits Sokrates und die Sophisten als diejenigen, die diesen Niedergang gegenüber der ganzheitlichen Wahrnehmung der Welt, wie er sie in der Tragödie verwirklicht sah, eingeleitet hätten. Die Aufklärung als solche bewertete Nietzsche positiv. Vor allem begrüßte er den Niedergang der Religion. „Der zum Strome angewachsene Reichthum des religiösen Gefühls bricht immer wieder aus und will sich neue Reiche erobern: aber die wachsende Aufklärung hat die Dogmen der Religion erschüttert und ein gründliches Misstrauen eingeflösst: so wirft sich das Gefühl, durch die Aufklärung aus der religiösen Sphäre hinausgedrängt, in die Kunst; in einzelnen Fällen auch auf das politische Leben, ja selbst direct auf die Wissenschaft.“ (Menschliches Allzumenschliches = MA 150) Die strenge Wissenschaft ist ein wichtiger Baustein für die Befreiung des Geistes: „Der Werth davon, dass man zeitweilig eine strenge Wissenschaft streng betrieben hat, beruht nicht gerade auf deren Ergebnissen: denn diese werden, im Verhältniss zum Meere des Wissenswerthen, ein verschwindend kleiner Tropfen sein. Aber es ergiebt einen Zuwachs an Energie, an Schlussvermögen, an Zähigkeit der Ausdauer; man hat gelernt, einen Zweck zweckmässig zu erreichen. Insofern ist es sehr schätzbar, in Hinsicht auf Alles, was man später treibt, einmal ein wissenschaftlicher Mensch gewesen zu sein.“ (MA 256)
Die Aufklärung, nicht zu Ende gedacht, ruft andererseits aber Irrtümer hervor. „Die „Aufklärung“ empört: der Sklave nämlich will Unbedingtes, er versteht nur das Tyrannische, auch in der Moral, er liebt wie er hasst, ohne Nuance, bis in die Tiefe, bis zum Schmerz, bis zur Krankheit, — sein vieles verborgenes Leiden empört sich gegen den vornehmen Geschmack, der das Leiden zu leugnen scheint. Die Skepsis gegen das Leiden, im Grunde nur eine Attitude der aristokratischen Moral, ist nicht am wenigsten auch an der Entstehung des letzten grossen Sklaven-Aufstandes betheiligt, welcher mit der französischen Revolution begonnen hat. (Jenseits von Gut und Böse, 46) Schuld daran sind Ideologen wie Rousseau, denen es nicht um eine Besserung der Bildung, wie Voltaire, ging, sondern um Veränderungen der Gesellschaft. „Es giebt politische und sociale Phantasten, welche feurig und beredt zu einem Umsturz aller Ordnungen auffordern, in dem Glauben, dass dann sofort das stolzeste Tempelhaus schönen Menschenthums gleichsam von selbst sich erheben werde. In diesen gefährlichen Träumen klingt noch der Aberglaube Rousseau’s nach, welcher an eine wundergleiche, ursprüngliche, aber gleichsam verschüttete Güte der menschlichen Natur glaubt und den Institutionen der Cultur, in Gesellschaft, Staat, Erziehung, alle Schuld jener Verschüttung beimisst. Leider weiss man aus historischen Erfahrungen, dass jeder solche Umsturz die wildesten Energien als die längst begrabenen Furchtbarkeiten und Maasslosigkeiten fernster Zeitalter von Neuem zur Auferstehung bringt: dass also ein Umsturz wohl eine Kraftquelle in einer mattgewordenen Menschheit sein kann, nimmermehr aber ein Ordner, Baumeister, Künstler, Vollender der menschlichen Natur.“ (MA 463)

„Nietzsche hat wie wenige seit Hegel die Dialektik der Aufklärung erkannt. Er hat ihr zwiespältiges Verhältnis zur Herrschaft formuliert.“[125] Adorno spielt darauf an, dass anders als Hegel, bei dem die Vernunft zur Wirklichkeit wird, für Nietzsche aus der Aufklärung zwei Wege möglich scheinen, die Befreiung und der Nihilismus. In der einen Richtung sah Nietzsche Voltaire, in der anderen Rousseau. [Aufklärung, Fortführungen des Aufklärungsprojekts, Nietzsche, Wikipedia]

Hannah Arendt wandte sich bereits kurz vor der nationalsozialistischen Machtübernahme in ihrem frühen Artikel Aufklärung und Judenfrage gegen das vernunftsgemäße ihrer Meinung nach unhistorische Gleichheitsideal der Aufklärung, wie es radikal Lessing verkörpert habe. Auch Vertreter der jüdischen Aufklärung, wie Moses Mendelssohn, der für die freie Religionsausübung von Juden eintrat, verneinten eine spezifische nationale Identität des Judentums und strebten die vollkommene Assimilation an die aufgeklärte Gesellschaft an. Sie dagegen setzte sich zwar für politische Gleichheit und den freien Austausch in der Öffentlichkeit ein – im Sinne der griechischen Polis und ihres Konzepts einer Rätedemokratie –, nicht aber für gesellschaftliche Angleichung. Sie sprach sich gegen den Gedanken vieler Aufklärer aus, dass der Mensch als höchstes Prinzip zu betrachten und das Gutedurchzusetzen ist, wandte sich gegen den Fortschrittsoptimismus der Epoche und wies auf die Gefahren hin: Das absolut Gute im Zusammenleben der Menschen erweise sich als kaum weniger gefährlich als das absolut Böse, ein Begriff, der auf Kant zurückgeht.
Nach Kriegsende äußerte sie sich positiver über den Fortschrittsbegriff des 18. Jahrhunderts, den sie mit dem Streben nach Mündigkeit, Freiheit und Autonomie des Menschen verbunden sah.[134] 1963 analysierte sie in ihrem politischen Werk Über die Revolution die zwei großen Revolutionen der Aufklärung und gab der früheren nordamerikanischen gegenüber der Französischen Revolution den Vorzug. Erstere bezeichnete sie als Beispiel einer gelungenen Revolution eines Bundes freier Bürger mit der Garantie von Bürgerrechten in der Verfassung der Vereinigten Staaten 1787.[135] Letztere, die teilweise auf dem Gesellschaftsvertrag Rousseaus gründete, endete in der Terrorherrschaft Robespierres, von dem eine Linie zu Lenin und Stalin führe, weil alle drei das Eigeninteresse des einzelnen Bürgers in Feindschaft zum Gesamtinteresse sahen.[136]
Von den Aufklärern schätzte sie besonders Montesquieu und Kant. Montesqieus politische Thesen gingen in ihr politisches Hauptwerk Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft ein. Kant war durchgängig eine wichtige Bezugsgröße für Hannah Arendts Denken. Ihre Rede bei der Entgegennahme des Lessings-Preises 1959 stellte sie unter das Motto Menschlichkeit in finsteren Zeiten.[137] Nicht die Aufklärung und die Humanität des 18. Jahrhunderts erschwerten den Zugang zu Lessing, sondern das 19. Jahrhundert mit seinen festgefügten Ideologien und seiner „Geschichtsbesessenheit“. Im Sinne Lessings sei Kritik stets das Begreifen und Beurteilen im Interesse der Welt aus mehr als einer Perspektive. Ziel sei das freie Denken ohne traditionelle Festlegungen, denn eine absolute Wahrheit gebe es nicht, weil sie sich im vielstimmigen Gespräch sofort in eine „Meinung unter Meinungen“ verwandle.[138]  [Aufklärung, Fortführungen des Aufklärungsprojekts, Hannah Arendt, Wikipedia]
Jürgen Habermas wendet sich gegen die Bewertung der Aufklärung durch seine Lehrer Adorno und Horkheimer als Verfallsprozess. Er spricht von dem „unvollendeten Projekt der Moderne“[139], das in einem Prozess kommunikativen Handelns stets nach rationaler Begründung fragt. Im 18. Jahrhundert entstand das Phänomen der Öffentlichkeit, das für Habermas in dieser Form in Antike und Mittelalter keine Entsprechung hatte.[140] Die in der Aufklärung begründeten Zeitschriften und steigenden Buchauflagen fanden ihre Rezeption in Bibliotheken, Lesezirkeln, Salons, Kaffeehäusern und diversen Vereinigungen. Es bildeten sich Meinungen, zu denen Gegenpositionen entwickelt und wiederum veröffentlicht wurden. Dies geschah losgelöst von den Institutionen des Staates und der Staat musste diese Meinungen zur Kenntnis nehmen. Die kritische öffentliche Meinung entwickelte sich laut Habermas selbst zu einer neuen Institution, die die Politik- und Machtinteressen der Regierenden begrenzt und so zu einem der wesentlichen Grundpfeiler der Demokratie geworden ist. Während diese Öffentlichkeit im 18. Jahrhundert noch auf ein schmales Bürgertum begrenzt war, ist sie in der Moderne, gestützt auf die modernen Medien, zu einem Massenphänomen geworden. In einem Dialog mit Josef Ratzinger forderte Habermas, „die kulturelle und gesellschaftliche Säkularisierung als einen doppelten Lernprozeß zu verstehen, der die Traditionen der Aufklärung ebenso wie die religiösen Lehren zur Reflexion auf ihre jeweiligen Grenzen nötigt“.[141] Ähnlich wie Kant setzt er auf ein republikanisches Verständnis im internationalen Rahmen und fordert einen europäischen Verfassungspatriotismus [Aufklärung, Fortführungen des Aufklärungsprojekts, Jürgen Habermas, Wikipedia]

Geschichte der Aufklärung [1:38:31]

Veröffentlicht am 06.09.2014
Pro-Libertarismus.jimdo.com

Training im Fitnessstudio zum Traum Körper - Fitness & Bodybuilding Motivation [4:38]
Veröffentlicht am 15.07.2013
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Gewalt in der Oper

Die Staatsoper Hannover hat eine Warnung an Lehrer herausgegeben: Entgegen der ursprünglichen Einschätzung sei die aktuelle Inszenierung des „Freischütz“ nicht für Heranwachsende unter 16 Jahren geeignet. Sonnabend ist Premiere. Lehrer, die bereits Opernkarten gekauft haben, haben diese nun wieder zurückgegeben.
aus:
- Opernhaus warnt vor "Freischütz" – Ist diese Oper für Kinder zu hart? (Conrad von Meding, HAZ, 11.12.2015)
Die Oper „Der Freischütz“ steht im Lehrplan für die achten Gymnasialstufen - doch Hannovers Achtklässler werden die Inszenierung, die Sonnabend am Opernhaus Premiere hat, nur mit Sondererlaubnis ihrer Eltern zu sehen bekommen. Die Oper hat die Altersempfehlung kurzfristig auf 16 Jahre hochgesetzt. […] Nach HAZ-Informationen geht es um Gewalt und Krieg und auch viel nackte Haut. […] Mit den Videos werde „auf unterschiedlichen filmerischen Ebenen reflektiert“, warum das Stück als deutsche Nationaloper gelte, sagt [Musiktheaterpädagogin] Fölling, dabei kämen „teils drastische Mittel zum Einsatz“. Jüngere Schüler könnten die Bezüge zur deutschen Geschichte nicht verstehen, man wolle ihnen die Lust am Theater nicht verleiden.
Weber-Der Freischütz Overture-Kleiber (1970) [10:01]

Hochgeladen am 02.12.2007
Südfunk-Sinfonieorchester
1970
Carlos Kleiber

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From a video 30 years ago, featuring the rehearsal and concert performances of Weber's Der Freischütz overture and Strauss II's Die Fledermaus overture.

And now, after watching the rehearsal, you must be wondering what the finished result sounds like. Here it is!

IWF: Extrawurst für die Ukraine – Regelverletzung als Normalität

Der Internationale Währungsfonds (IWF) will weiter Kredite gewähren, obwohl das Land Kredite nicht zurückzahlt
Erneut will der Internationale Währungsfonds (IWF) gegen seine bisherigen Regeln verstoßen und der Ukraine weiter Kredite gewähren. Da es auch dem IWF klar ist, dass damit immer dramatischer gegen die eigenen Statuten verstoßen werden würde, sollen nun eben diese Regeln für die Vorzugshandlung des Pleite-Staats geändert werden.

Eigentlich darf der Fonds mit Sitz in Washington keine Kredite an Länder vergeben, die in Zahlungsrückstand bei anderen Gläubigerländern sind. Weil die Ukraine seine Schulden bei Russland nicht zurückzahlt, soll diese Regel jetzt fallen, um Länder weiter finanziell unterstützen zu können, die im Zahlungsrückstand sind. Das habe der Exekutivrat beschlossen, erklärte der IWF-Sprecher Gerry Rice.

Es ist nicht schwierig, sich vorzustellen, dass Russland darüber nicht erfreut ist. Finanzminister Anton Siluanow erklärte umgehend, die Entscheidung sei allein "gegen Russland gerichtet". Russland fordert bis zum Jahresende die Rückzahlung von fälligen Schulden in Höhe von drei Milliarden US-Dollar. Das Land weigert sich, an einem Schuldenschnitt mit privaten Gläubigern teilzunehmen, mit dem der IWF das Pleite-Land teilentschulden will, um die angebliche Schuldentragfähigkeit wieder herzustellen (Ukraine: IWF stellt Pseudo-Schuldentragfähigkeit her).

mehr:
- IWF: Extrawurst für Pleite-Ukraine (Ralf Streck, Telepolis, 09.12.2015)