Dienstag, 5. September 2017

Des SPIEGELs Zensur-Bumerang: »Finis Germania«

Wie das Skandalbuch „Finis Germania“ von der Bestsellerliste verschwand

Wer sich am Donnerstagnachmittag gegen 17 Uhr über den Stand der „Spiegel“-Bestseller, die bei Amazon angeboten werden, schlau machen wollte, fand auf der Bestenliste der Sachbücher folgende Reihenfolge vor:

Platz 1: „Heilen mit der Kraft der Natur“, Andreas Michalsen.

Platz 2: „Wunder wirken Wunder“, Eckart von Hirschhausen.

Platz 3: „Das geheime Leben der Bäume“, Peter Wohlleben.

Platz 4: „Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen“, Yuval Noah Harari.

Platz 5: „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“, Andrea Wulf.

Auf Platz 6 klaffte eine weiße Lücke, ohne jede bibliografische Angabe. Da musste mal etwas gewesen sein, wobei nur der Raum, den das Etwas eingenommen hatte, zu sehen war. Auf Platz 7 folgte dann „Penguin Bloom: Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete“, von Cameron Bloom und Bradley Trevor Greive.

Wer die gleiche Recherche Freitagfrüh anstellte, allerdings nicht bei Amazon, sondern bei Thalia, fand die gleiche „Spiegel“-Liste vor, nur ohne die Leerstelle auf Platz 6. Da stand ein Buch des Philosophen Rolf Peter Sieferle, der sich letzten September das Leben genommen hatte: „Finis Germania“, eine Art Nachruf auf sich selbst und die Bundesrepublik in, so der Verlag, „30 Miszellen“ über „die deutsche Lage“ im Laufe der Zeiten: „Von Deutscher Sonderweg und Siegerperspektive über Politiker und Intellektuelle bis zur Logik des Antifaschismus.“ Um das Buch hatte es in den Feuilletons große Aufregung gegeben. Die Meinungen waren extrem geteilt, für die einen war es ein „philosophisches Meisterwerk“, für die anderen ein „völkisch-antisemitisches Machwerk“. Dabei spielte es auch eine Rolle, dass Sieferle, dessen Arbeiten in renommierten Verlagen erschienen waren, sein „Nachwort“ einem Verleger anvertraut hatte, der als „Vordenker der Rechten“ gilt, Götz Kubitschek, in dessen Antaios-Verlag Bücher erscheinen, an denen sich kein anderer Verleger die Finger verbrennen möchte.

Freitagfrüh war bei Amazon auch das Loch in der „Spiegel“-Sachbuchliste verschwunden. Nichts außer einem Screenshot vom Donnerstag deutet darauf hin, dass es da kürzlich noch eine Leerstelle gab. Auf diese Weise hatten auch sowjetische Zensoren Geschichtsschreibung betrieben. Der Konterrevolutionär Trotzki wurde von Fotos wegretuschiert und die Spuren der Retusche ebenfalls beseitigt.

mehr:
- Literatur: Die Lücke auf Platz 6 von Amazon (Henryk M. Broder, n24, 22.07.2017)
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siehe auch:
- „Die ominösen sechs Millionen“ (Jacob S. Eder, taz, 05.09.2017)
- "Das Ende Deutschlands" ("Finis Germania") von Rolf Peter Sieferle: Das Ungeheuerliche hat immer einen Namen! (Harald Martens, Lokalkompass, Bochum, 03.09.2017)
Finis Germania: Warum das umstrittene Buch von der Spiegel-Bestsellerliste geflogen ist (Markus Decker, Berliner Zeitung, 28.07.2017)
Finis Germania (VorsichtGlosse, 27.07.2017)
Spiegel zensiert eigene Bestsellerliste: „Finis Germania“ verschwunden – Statement schürt Verkauf (Steffen Munter, Epoch Times, 27.07.2017)
- Kritik an mangelnder Transparenz: Spiegel löscht umstrittenes Sachbuch „Finis Germania“ aus Bestseller-Liste (IngoPlewa-Der Nach(t)denker, 27.07.2017)
Der legendäre Satz von „Spiegel“-Gründer Rudolf Augstein, mit dem sich das Nachrichtenmagazin heute noch manchmal schmückt, lautet: „Sagen, was ist.“ Der aktuelle Werbespruch des “Spiegel” lautet: „Keine Angst vor der Wahrheit.“
Aber der „Spiegel“ traut sich nicht zu sagen, was ist. Der ganze Artikel ist ein Dokument der Angst.
Und dies zu einem Zeitpunkt, an dem es ohnehin nicht mehr darum ging, ob die Wahrheit rauskommt. Zu diesem Zeitpunkt, an Tag fünf der Eskalation, hätte der „Spiegel“ nur noch beweisen können, dass er der Wahrheit nicht ausweicht. Dass er sich ihr stellt. Mit einer offenen, schonungslosen, selbstkritischen, auch selbstbewussten Analyse des Debakels.
Nicht einmal das hat er gewagt. Er veröffentlicht einen Artikel, der kein „Spiegel“-Artikel ist, sondern ein Stück trauriger PR-Verdruckstheit, das sich nicht einmal traut, die heiklen Fragen zur Kenntnis zu nehmen.
Der „Spiegel“ scheut die Öffentlichkeit. Das klingt irre, aber es ist so. Ausgerechnet das traditionsreiche deutsche Nachrichtenmagazin misstraut der Möglichkeit, dem Publikum Dinge erklären zu können. Nicht nur mitzuteilen, sondern zu erklären – sich zu erklären. […]
Man mag die Aufregung um diese Liste für übertrieben halten, aber sie trifft eine zentrale Unterstellung der „Lügen“- oder „Lückenpresse“-Rufer. Sie vermuten geheime Manipulationen der „Wahrheit“, und sei es nur der „Wahrheit“ einer Bestseller-Liste. Und plötzlich stellt sich raus: Solche Manipulationsversuche gibt es tatsächlich. [Manipulierte Bestsellerliste: Der „Spiegel“ und seine Angst vor der Wahrheit (Stefan Niggemeier, ÜberMedien, 26.07.2017]
Gabriele Krone Schmalz über NATO in Zivil in der Ukraine, Russland und Medienpropaganda1 [13:24]

Veröffentlicht am 13.09.2014

Zitat Gabriele Krone-Schmalz:
»Das macht mir insofern Sorge: Wenn Menschen nicht mehr glauben, was in den Medien informiert wird, wenn Menschen auch Politikern nicht mehr glauben, dann fliegt uns unser wunderschönes System Demokratie früher oder später um die Ohren.« (Video ab 8:00)

- „Finis Germania“: Der Spiegel rechtfertigt Eingriff in seine Bestseller-Liste und macht alles nur noch schlimmer (Meedia, 26.07.2017)
In eigener Sache "Finis Germania" und die SPIEGEL-Bestsellerliste (Susanne Beyer, SPON, 25.07.2017)
- "Finis Germania": Wie ein rechtsextremes Buch von der Bestsellerliste verschwand (Claudia Tieschky, Süddeutsche Zeitung, 25.07.2017)
- Rauswurf für rechtsradikales Buch – Bestsellerliste ohne „Finis Germania“ (Christian Schröder, Tagesspiegel, 25.07.2017)
- „Finis Germania“ von Sieferle : Warum der „Spiegel“ das Skandal-Buch aus seiner Liste streicht (FAZ.net, 25.07.2017)
Mats Schönauer "Finis Germania" Der rechte, rechte Platz ist frei: „Spiegel“ löscht heimlich Skandalbuch aus Bestsellerliste (ÜberMedien, 22.07.2017)

»Die einzige Art, gegen die Pest zu kämpfen, ist die Ehrlichkeit.« [Albert Camus]

Liberalismus vs. Autoritarismus

• Zu den fünf wichtigsten Themen, die die Teilnehmer des SZ-Projekts "Democracy Lab" ausgewählt haben, gehört die Frage nach Werten.

• Hier haben wir einige Thesen versammelt, die - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - zeigen, entlang welcher Linien über das große Thema Werte hierzulande diskutiert wird.

Eine Frau, älter als 80 Jahre, nicht mehr gut auf den Beinen, bietet eine Breze an. "Sie sehen aus, als hätten sie Hunger", sagt sie, nimmt das Gebäck aus ihrer Papiertüte. "Ich kann ja gleich nochmal gehen, ich habe Zeit." Dann erzählt sie unvermittelt, wie sie als Jugendliche Musik gemacht hat, mit dem Akkordeon. Wie sie geübt hat, wie viel Spaß sie hatte und wie diszipliniert sie dabei gewesen sei. Kurze Pause. Disziplin sei wichtig gewesen damals. Nochmal Pause. Das habe auch an der Führung gelegen. Und dann: "Bös' hat er es ja nicht g'meint, der Adolf."

Das war ein Gespräch über Werte. Über Hilfsbereitschaft und Disziplin. Es zeigt, wie kompliziert das Thema, wie wichtig die Perspektive ist und welche Fallstricke vorhanden sind. Die Frau hat mit uns während der Deutschlandtour des Democracy Lab gesprochen (hier dazu mehr). Während dieser Tour haben wir Themen gesammelt, die das Land bewegen. Überall sprachen die Menschen die Frage nach den Werten an.

Im Netz gibt es von fast allem lange Listen, auch solche, die Werte aufführen, von A wie Abenteuer und Abgeklärtheit bis Z wie Zuverlässigkeit und Zweckmäßigkeit. Das Thema ist ein philosophisches, ein politisches, ein soziologisches. Das Thema ist schwer zu fassen.

Hier dennoch ein - notwendigerweise - unvollständiger Versuch, einige wichtige Thesen, entlang derer aktuell in Deutschland über das komplexe Themenfeld Werte und Demokratie diskutiert wird, darzustellen.

mehr:
- Democracy Lab – Der entscheidende Kampf: Liberalismus vs. Autoritarismus (Sebastian Gierke, Süddeutsche Zeitung, 04.09.2017)

siehe auch:
- Die Gutmenschen-Diktatur: Gleichheit, Brüderlichkeit! – Wo bleibt die Freiheit? (Post, 04.09.2017)
- Eine Lethargie liegt auf dem Land – Das Merkel-Syndrom (Post, 03.09.2017)

Mainstream gegen rechts: Die notwendige Auseinandersetzung

Streit ist der bessere Weg: Thomas Wagner plädiert für einen unverkrampften Umgang mit den „Neuen Rechten“.

Schon wieder ein Buch über die sogenannten Neuen Rechten. Kaum ein Thema wird derzeit auf dem Buchmarkt so häufig beackert, eher selten erfährt man dabei Neues. Thomas Wagner legt dagegen ein Werk vor, das sich in einem Punkt wohltuend unterscheidet und so zum Erkenntnisgewinn beiträgt: Er redet mit den Protagonisten der Szene, und er liest ihre Schriften, bevor er über sie schreibt. Das klingt banaler, als es ist, denn noch immer gilt in der Bundesrepublik der Bannfluch: Mit „Rechten“ spricht man nicht. Den jüngsten Eiertanz dazu führte ausgerechnet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ auf, das seine Bestsellerliste manipulierte, um seine Leser vor dem Buch „Finis Germania“ zu bewahren, geradezu so, als seien diese nicht zu einem selbständigen Urteil in der Lage.

Wagner, der als Autor unter anderem für „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Freitag“ und „Junge Welt“ arbeitet, nähert sich der Materie weitgehend unbefangen und geht noch einen Schritt weiter: 1968, so seine These, war nicht nur der Ursprung eines linksliberalen Gesellschaftsmodells, sondern auch der Neubeginn der politischen Rechten. Die pflegte fortan nicht nur das Feindbild der Achtundsechziger, sondern lernte zunehmend auch von deren Aktionsformen. So verabreden sich ihre Vertreter heute zu Sitzblockaden vor dem Eingang der CDU-Bundeszentrale, sie lassen Losungen („Sichere Grenzen – sichere Zukunft“) vom Brandenburger Tor herunter oder platzen spontan in Lesungen und Theateraufführungen. „Es ist wie ein Déjà-vu. Nur mit umgekehrten Vorzeichen“, schreibt Wagner. „Heute sind es nicht mehr elitäre Kulturkonservative, sondern egalitär gesinnte Linksliberale, die auf den alten Sponti-Trick hereinfallen.“

mehr:
- AfD und Pegida : Raus aus der Bunkermentalität (Stefan Locke, FAZ.net, 04.09.2017)

Heute vor 40 Jahren – 5. September 1977: Die RAF entführt Hanns Martin Schleyer

Am 5. September 1977 hatte ein Kommando der Roten Armee Fraktion (RAF) in Köln Schleyers Auto gestoppt, seinen Fahrer sowie drei Sicherheitsbeamte erschossen und den Arbeitgeberpräsidenten gekidnappt. Es war der spektakulärste einer ganzen Reihe von Terrorakten, mit denen die Gruppe seit Anfang der 1970er Jahre den Staat herausgefordert hatte. Es begannen sechs dramatische Wochen: der "Deutsche Herbst", der das Land für immer veränderte.

Die Polizei begann die bis dahin größte Fahndungsaktion, um das Versteck zu finden, in das die Terroristen Schleyer verschleppt hatten. Erstmals sah man Beamte mit Maschinenpistolen und gepanzerte Polizeifahrzeugen auf den Straßen, überall gab es Kontrollen. Der Bundestag verschärfte im Eilverfahren Sicherheitsgesetze.

mehr:
- RAF-Terror 1977: Was ist ein Leben wert? (Ludwig Greven, ZON, 11.03.2017)

siehe auch:
- 40 Jahre Deutscher Herbst – Spurensuche im "Volksgefängnis" der RAF (Christian Wernicke, Süddeutsche Zeitung, 06.09.2017)
- Schleyer-Entführung 1977: "In Erfüllung seiner Pflicht" (Jürgen Dahlkamp, SON, 05.09.2017)
- Hinrichtung am Straßenrand – Als die RAF Hanns Martin Schleyer entführte (Rüdiger Franz, Bonner Generalanzeiger, 05.09.2017)
- Schleyer-Entführung vor 40 Jahren: So veränderte der Terror-Herbst die Republik (Südkurier, 05.09.2017)
- Vor 40 Jahren: Hanns Martin Schleyer in Köln entführt (Dominik Reinle, WDR, 05.09.2017)
- Ein Herbst wie kein anderer (Lilian Häge, FAZ, 05.09.2017)

Die Geschichte der RAF - Teil 4: Der Deutsche Herbst das Jahr 1977 {43:37}

Veröffentlicht am 01.02.2015
History Tube HD
Die Geschichte der RAF - Teil 4: Der Deutsche Herbst das Jahr 1977
28 Jahre lang versetzte die Rote Armee Fraktion die deutsche Politik und Wirtschaft in Angst und Schrecken. Vor 45 Jahren gegründet, wollten die Männer und Frauen der RAF die Bundesrepublik radikal verändern. Dieses Ziel haben die Linksextremen nicht erreicht - doch mit ihren Taten brachten sie den Staat an seine Grenzen.
Die so genannte zweite Generation der RAF prägte mit kaltblütigen Morden einen weiteren Mythos dieser Terror-Organisation: Niemand in Staat und Wirtschaft konnte sich mehr sicher fühlen. Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt galten als die Führungsfiguren dieser zweiten Generation.

Montag, 4. September 2017

Die Gutmenschen-Diktatur: Gleichheit, Brüderlichkeit! – Wo bleibt die Freiheit?


Nötigung bezeichnet allgemein eine unzulässige Gewaltanwendung oder Drohung, die das Opfer zu einer Handlung zwingt, die dieses nicht wünscht. Der Begriff ist in Bezug auf die Begriffe Zwang und Gewalt, rechtssprachlich die Vis absoluta („überwältigende Gewalt“, insbesondere körperlich) und die Vis compulsiva(„beugende Gewalt“, die in die Richtung eines psychischen Zwanges geht), durchaus kritisch zu sehen, und wird in den Rechtsprechungen sehr diffizil beurteilt. [Nötigung, Wikipedia, abgerufen am 04.09.2017]
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Prominente hätten die Verantwortung, zu manchen politischen Fragen Haltung zu zeigen, findet TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf – und dass Schlagersängerin Helene Fischer der nicht nachgekommen sei. 

Das Schlagersängerin Helene Fischer sich nie öffentlich zur Flüchtlingskrise geäußert hat, stößt bei TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf („Circus Halligalli“) auf Kritik. Als Prominenter habe man die Verantwortung, zu manchen politischen Fragen Haltung zu zeigen, sagt Heufer-Umlauf in der aktuellen „Spiegel“-Ausgabe. „Helene Fischer müsste doch nur einmal sagen: ‚Hierher kommen Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Lasst uns denen helfen. Meine Empfehlung, Ihre Helene Fischer.‘ Sie muss keine ewig langen Facebook-Posts schreiben. Ein Satz vor einem Konzert würde reichen. Die Leute würden ihr zuhören.“
mehr:
- Moderator fordert Haltung : Klaas findet Helene verantwortungslos (02.09.2017)

Numbers USA - deutsch - Alle Gutmenschen, bitte 4 Min. zuhören!!!

Veröffentlicht am 20.01.2016
Zweite Welt
Die einzigartige Darstellung von Zahlen Daten Fakten. Warum berichtet die Presse nicht darüber?
Hier wird kein Gutmensch weggucken können.

siehe auch:
- Kinder der Freiheit und Aufklärung! Eure Eltern liegen im Sterben! (AlterMannBlog, 31.08.2017)

Sarrazin beim Club SF1 Wie Gutmenschen auf Kritiker losgehen {8:12}

Veröffentlicht am 15.11.2010
PlainCitizen
Ausschnitt aus der Diskussion mit Sarrazin am Schweizer Fernsehen (2.11.2010). Der Lehrer Alain Pichard erläutert, wie Gutmenschen auf Kritker losgehen und wie sie reagieren, wenn die Kritik unwiderlegbar ist.

Auf den Punkt gebracht von Serdar Somuncu {2:29}

Veröffentlicht am 26.03.2016
DER Lanky
Ausschnitte aus ZDF und ARD
"Hart aber Fair", "Maybritt Illner" und "Jahr der Flüchtlinge"
Meinungsäußerung von Serdar Somuncu.
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Viel zu wenige fragen sich woraus Probleme resultieren oder wo Probleme ihren Anfang haben. Herr Somuncu hat das mehrfach sehr gut auf den Punkt gebracht. Ein toller Denkanstoss für jeden.  

Heinz Rudolf Kunze. Willkommen Liebe Mörder {3:07}

Veröffentlicht am 12.01.2016
Verband Deutscher Rechtssachverständiger
Willkommen Liebe Mörder
dazu siehe:
- "Dieses Spiel habe ich verloren" (Peter Wenig, Berliner Morgenpost, 26.02.2016)
nach der Lektüre dieses Interview kann man mal auf Youtube gehen und sich die Kommentare unter obigem Video ansehen!

Frustrierender Kampf gegen das System: Doping-Forscher Simon schmeißt hin

Perikles Simon will nicht mehr für einen sauberen Sport kämpfen. Nach der Veröffentlichung seiner aufsehenerregenden Studie sieht er kaum Hoffnung auf Besserung.

Der Sportmediziner und Dopingforscher Perikles Simon (44) hat aus Enttäuschung über die Strukturen im Anti-Doping-Kampf seinen Rückzug angekündigt.

"Ich werde die Dopingforschung definitiv aufgeben", sagte Simon der Allgemeinen Zeitung Mainz: "Wenn der Wille im Sport fehlt, eine gewisse Unabhängigkeit zu schaffen und man beim Thema Doping den ethischen Maßstäben nicht gerecht werden kann, dann muss man als Wissenschaftler Konsequenzen ziehen."

Simon war Co-Autor einer aufsehenerregenden Studie von Wissenschaftlern der Universität Tübingen und der Harvard Medical School, die erst nach jahrelangem Rechtsstreit veröffentlicht wurde.

mehr:
- Perikles Simon tief enttäuscht: Werde die Dopingforschung aufgeben – Forscher gibt Anti-Doping-Kampf auf (Sport1, 03.09.2017)

siehe auch:
- Anti-Doping-Forscher Simon: „Verwerflich, wenn man da mitmacht“ (Anno Hecker, FAZ, 29.08.2017)
Zitat:
»Ohne strukturelle Anpassung können wir nichts erreichen. Die Zahlen (ein Drittel der WM-Teilnehmer und 45 Prozent der Athleten bei den Panarabischen Spielen 2011 räumten Doping ein (d.Red.) sprechen doch für sich. Die Ohnmacht Doping zu bekämpfen folgt einer gewissen Logik in der Vorgehensweise auf die immer wieder aufkochenden Skandale. Die dann folgenden sporttypischen Abwehrreflexe gehen zu Lasten der Athleten. Ihnen werden alle Verbindlichkeiten und Beschwerlichkeiten auf die Schultern geladen, während das Verbandssystem, Sportpolitik und die Handlungen Außenstehender reingewaschen werden. So wird es auch jetzt wieder sein. Da gebe ich mich keiner Illusion hin. Es wird wider besseren Wissens hauptsächlich das Testsystem hochgefahren und der Athlet belastet und in den Fokus genommen. Es werden wieder Schwarze Schafe gesucht und gefunden. Das war es dann, und wir gehen in die nächste Doping-Dekade. Wir müssen erkennen, auf welch unterirdischem Niveau wir uns im Anti-Doping-Kampf bewegen.«
Doping - Perikles Simon: "Es ist erstaunlich, dass ich da nicht drüber reden darf!" {11:31}

Veröffentlicht am 04.12.2014
Steve Barnes
Prof. Dr. Perikles Simon über Doping im Hochleistungssport -Sportstudio vom 20.07.2013 über zurückgehaltene Daten der IAAF

- Doping: Forscher Simon sagt Skandale in Deutschland voraus (Lorenz Vossen, N24, 16.07.2017)
Zitat:
»[…] dieses Hase-und-Igel-Rennen ist momentan nicht der Hauptgrund für unrealistische Dopingquoten. Das ist der mangelnde Wille der Verbände. Hat ein Verband den Willen und zeigt, dass geeignete Verfahren flächenmäßig eingesetzt werden, dann sähe es mit der Aufdeckungsquote anders aus.
Die Interessenskonflikte im Antidoping-Bereich müssten mal sauber aufgearbeitet werden. Ich sehe als Sportmediziner bei mir in der Ambulanz Nachwuchsathleten und kann mir ausmalen, wie viele von denen später an der Nadel hängen. Die im Prinzip Drogen nehmen wie ein Junkie am Bahnhof. Ich habe mit einem Kollegen eine Erhebung durchgeführt: Sieben Prozent der durchschnittlich 16-Jährigen gaben an, dass sie bereits Dopingmittel nehmen.«

- Dopingforscher Perikles Simon im Interview Doping im Fußball: "Unrat bis über beide Ohren" (Christian Hönicke,  Tagesspiegel, 05.03.2015)

Zitat:
»[…] weil es seit Jahrzehnten entsprechendes Wissen gibt, das auch aus dem Fußball nach außen getragen wurde. Wir haben Toni Schumacher mit den ganz klaren Anschuldigungen Richtung systematischen Missbrauchs bestimmter Substanzen. Wir haben Christoph Daum, der es aus Versehen vielleicht rausgelassen hat. Wir haben Epo im Kühlschrank des Vereinsarztes von Juventus Turin gefunden. Wir haben Arsène Wenger, der sich irgendwann genötigt sah zu sagen, ich bekomme hier Spieler aus europäischen Topklubs, und die haben alle auffällige Blutwerte, das ist doch hier womöglich systematisches Blutdoping. Wenn ein Trainer, der im Glaskasten sitzt, das so ganz klar sagen muss, dann wird einem schnell sonnenklar, dieses System reagiert wirklich nur, wenn ihm der Unrat bis über beide Ohren steht. Und das ist ein Zustand, der im Sinne der Kinder, die sich in diesem Sport befinden und des Eventcharakters, so nicht akzeptabel ist. Es wird nichts getan, nichts investiert, um den Missbrauch dieser Spieler und ihrer Körper zu stoppen. Das ist eine Unverschämtheit, nichts anderes. Ich kann es mir nur so erklären, dass allein die Frage nach Doping im Fußball ein absolutes Tabu ist. […]
Nach dem Buch von Toni Schumacher war es problemlos möglich, diesen Mann für längere Zeit aus dem System Fußball zu entfernen. Nach den Dopingenthüllungen um Juventus und Olympique Marseille ist quasi nichts passiert. Das würde es so etwa im Radsport nicht geben, da hätte sich die Presse draufgestürzt und die Sportler belagert, die Polizei hätte Razzien durchgeführt. Das ist alles im Fußball nicht geschehen. Und das geht nur mit einem sehr komfortablen Schutzschild. Dieser Schutzschild wird jetzt für den Fußball zum Bumerang. Wenn selbst die Basis den Nonsens nicht mehr hinnimmt, den die sogenannten Experten verbreiten, dann hat man ausgespielt.

Sportmediziner Dr. Perikles Simon im Interview: Doping und Leistungssport gehen Hand in Hand {23:33}

Veröffentlicht am 08.08.2016
RT Deutsch
Prof. Dr. Dr. Perikles Simon, Sportmediziner an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz erklärt im Interview mit Jasmin Kosubek, warum Doping und Leistungssport heute kaum noch voneinander zu trennen sind. Trotz regelmäßiger Doping-Skandale ändert sich substantiell nichts an dem System.

- Studie "Doping in Deutschland": Berliner Forscher erneuern Vorwürfe (SPON, 08.11.2012)
Zitat:
Hamburg - Die Berliner Forscher haben ihre Vorwürfe im Zusammenhang mit dem vorläufigen Scheitern der Studie zur Dopingvergangenheit in Deutschland erneuert. Sie könnten ihre Ergebnisse nicht vorstellen, sagten sie in Frankfurt an der Oder. "Wir können unsere Daten leider nicht veröffentlichen, weil wir vertragstreu zum Projektträger sein müssen. Andererseits können wir rechtlich belangt werden", sagte Professor Giselher Spitzer.

- Doping-Forscher bricht mit Uni: Neuer Streit um Aufklärung in Freiburg / Disput über Honorar. (Andreas Strepnick, Badische Zeitung, 15.03.2017)
Zitat:
Der Streit um die Vergangenheit der Freiburger Sportmedizin währt nun fast zehn Jahre. Die Aufklärung verschliss zwei Untersuchungskommissionen, denen 16 zum Teil hochrangige Wissenschaftler angehörten. Die schlagkräftige Forschergruppe unter der Kriminologin und Mafia-Expertin Letizia Paoli von der Universität Leuven in Belgien war im März 2016 unter Protest zurückgetreten. Paoli und Co. warfen der Uni wiederholt Behinderungen ihrer Arbeit vor und sahen zum Schluss ihre Unabhängigkeit nicht mehr gewährleistet.
- "Testsystem in die Tonne treten" – Dopingstudie schreckt Leichtathletik auf (n-tv, 29.08.2017)
Zitat:
Die spektakuläre Dopingstudie beschäftigte sechs Jahre lang die Juristen, der Leichtathletik-Weltverband IAAF wollte die Veröffentlichung verhindern - nun sind die erschütternden Zahlen Gewissheit. Etwa 40 Prozent der Leichtathleten bei der WM 2011 in Daegu/Südkorea waren gedopt. Die Zahl ist ebenso erschreckend wie die Tatsache, dass damals nur 0,5 Prozent der getesteten Athleten als Sünder enttarnt wurden.
Experten sehen in der Studie einen weiteren, äußerst belastbaren Beleg, dass die Zahl dopender Spitzensportler dramatisch höher liegt als von den internationalen Verbänden und Institutionen anerkannt. "Über Jahrzehnte wurde uns vorgegaukelt, dass man das Dopingproblem marginalisieren und individualisieren dürfe. Die schwarzen Schafe sind einzelne Sportler, oder 'nur' Russland – und auf jeden Fall immer die anderen", sagte der Sportmediziner und Dopingforscher Perikles Simon, der Co-Autor der Studie ist: "Die Wahrheit ist: Dieses Testsystem können wir komplett in die Tonne treten. Da gibt es gar nichts, keine Struktur, keine Idee, keine funktionierende Methodik."

Warum gerade Russland so oft am Doping-Pranger steht {7:16}

Veröffentlicht am 08.08.2016
RT Deutsch
Am Freitag haben die 27 Council-Mitglieder des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF in Wien über die Suspendierung des russischen Verbandes und somit über den Ausschluss von den Olympischen Spielen in Rio entschieden. Prof. Dr. Dr. Perikles Simon von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz beantwortet im RT Deutsch Interview, warum gerade russische Athleten beim Thema Doping so oft am Pranger stehen. Mehr auf unserer Webseite: https://deutsch.rt.com/ .

Gen-Forscher Perikles Simon hält den Anti-Doping-Kampf für ineffektiv und unglaubwürdig (Ute Gallbronner, Schwäbisches Tagblatt, 10.11.2010)
Zitat:
Grund für [Simons] Skepsis sind Umfragen, wonach beispielsweise 8 Prozent aller Athleten in den (kontrollierten) Nachwuchskadern Doping zugegeben haben. "Mit Kollegen aus den USA und Kanada bin ich mir einig, dass eine vernünftige Expertenschätzung für Doping unter Eliteathleten im Erwachsenenbereich bei rund 40 bis 60 Prozent liegt", sagt Simon. Beweise gibt es dafür derzeit nicht. Aber auch wenn man die Zahl niedriger ansetzt, nehmen sich die 0,3 Prozent derer, die erwischt werden, mager aus.

- Bayreuther Anti-Doping-Forscher fordert Gesetzesänderungen (Nordbayerischer Kurier, 12.08.2013)
Zitat:
„Bei vielen Gruppen besteht deshalb gar kein Interesse daran, Dopingsünder auffliegen zu lassen. Im Gegenteil: Sie werden oft von ganz oben gedeckt.“ […] Die Nationale Antidoping Agentur (Nada) gibt derzeit jährlich etwa fünf Millionen Euro aus. Vergleicht man das mit Ablösesummen im Fußball, sind das „nur Kleckerbeträge“. So können Doping-Fahnder den Wettlauf mit dopenden Sportlern nicht gewinnen. Vor allem, da die Doping-Palette ständig wachse. „Ich könnte Methoden nennen, die mit heutigen Testverfahren erst in fünf bis zehn Jahren enttarnt werden könnten“, erklärt Schmidt die immer fortschreitende Entwicklung von Dopingmitteln. „Manche Substanzen bekommt man für fünf Euro im Internet.“ So erziele zum Beispiel das Einatmen bestimmter Gase die gleiche Wirkung wie ein Höhentraining. „Dieses Doping hat teilweise schon Einzug in den Sport gehalten, die Gefahr ist aber: Wenn man zu viel einatmet, ist das tödlich.“
- Die Doping-Erkenntnisse der DDR-Wissenschaftler werden weltweit bis heute genutzt Doping in der DDR (6): Die Geschichte der Anabolika -- von Margitta Gummel bis zum Amerikaner Mike Stulce – Aus Jena rund um den Globus (Berliner Zeitung, 11.04.1994)
Zitat:
»Der positive Wert der anabolen Steroide für die Leistungsentwicklung ist unbestritten. Spitzenleistungen oder ihre Weiterentwicklung ist durch alleinige trainingsmethodische Maßnahmen heute nicht mehr möglich. In Sportarten mit meßbaren Leistungen läßt sich dies durch Meter, Sekunden oder Kilogramm eindeutig nachweisen. Steigerungsraten:
Die Leistungen konnten mit Unterstützung dieser Mittel innerhalb von vier Jahren wie folgt gesteigert werden (diese Entwicklungsraten waren in den vergangenen vorherigen olympischen Perioden mit reinen Trainingsmaßnahmen nicht möglich gewesen):
Kugelstoßen (Männer) 2,5-4 Meter; Kugelstoßen (Frauen) 4,5-5 Meter; Diskuswurf (Männer) 10-12 Meter; Diskuswurf (Frauen) 11-20 Meter; Hammerwurf 6-10 Meter; Speerwurf (Frauen) 8-15 Meter; Fünfkampf […] eine ca. 20prozentige Steigerung der bisher für möglich gehaltenen Punktzahlen; 400 m Frauen 4-5 Sekunden; 800 m Frauen 5-10 Sekunden; 1 500 m 7-10 Sekunden. Ein 100-m-Lauf der Frauen unter 11,2 Sekunden ohne die Anwendung von unterstützenden Mitteln wird von allen Fachleuten als ausgeschlossen betrachtet.« [aus der Vertraulichen Verschlußsache »Zum Stand der Anwendung von unterstützenden Mitteln« Dr. Höppner, Chefarzt des Sportmedizinischen Dienstes (SMD), Frühjahr 1977]


Sonntag, 3. September 2017

Heute vor 90 Jahren – 3. September 1927: Erwin Piscator eröffnet seine Bühne am Nollendorfplatz

So eine Premiere wünscht sich kein Theaterintendant: Noch eine Stunde vor Beginn der Vorstellung waren nicht alle Requisiten fertig. Selbst in der ersten Pause mussten noch die letzten Szenen eingeleuchtet werden. Und dabei stand an diesem Abend doch so viel auf dem Spiel: Mit ”Hoppla, wir leben” von Ernst Toller nicht nur die Uraufführung eines Stückes, sondern auch Spielzeiteröffnung und die Einweihung eines neuen Theaters. Für Erwin Piscator, den 33-jährigen Intendanten, der bislang nie ein Haus geleitet hatte, war jener Abend des 3. September 1927 ein ganz entscheidender Moment.

Dieser Tag brachte ihm, der damals aus seiner kommunistischen Gesinnung keinen Hehl machte, den ersehnten Durchbruch: Der Abend endete gar damit, dass das Publikum und mit ihm die Akteure auf der Bühne die Internationale anstimmten. Am Tag danach schäumte zwar die konservative Presse, die von Tollers Revolutiondrama ”alles in den Dreck gezogen” und auch die Nationalhymne ”von Katzenmusik” verunglimpft sah. Aber der Theaterkritiker Alfred Kerr schrieb:

Zitat: 

”Ich will Propagandawerke heut! Die Welt ist für tendenzlose Kunst unreif. Zwölf Millionen Leichname, schwachsinnig zerfetzt, bewiesen es. Die Kunst mit einer bestimmten Lehre wird für die Zukunft, meine Teuren, sehr wichtig sein.”
mehr:
- 03.09.1927: Erwin Piscator eröffnet seine Bühne am Nollendorfplatz (Jürgen Heilig, SWR2Zeitwort, 03.09.2013, PDF)

Erwin Piscator {4:45}

Veröffentlicht am 24.05.2016
Silvio Martín
Projection Design

Nach der fristlosen Kündigung seines Vertrags durch die Volksbühne eröffnet Piscator mit Grundkapital von 400.000,- Mark seine erste eigene Bühne. Die finanziellen Mittel stellt der Gatte der Schauspielerin Tilla Durieux, der Brauerei-Magnat Ludwig Katzenellenbogen, zur Verfügung. Nachdem die Piscator-Bühne sich durch die zusätzliche Übernahme des Lessing-Theaters im März 1928 finanziell überhoben hat, muß Piscator aufgrund eines Konkursantrags der Steuerbehörde im Juni 1928 seine Konzession niederlegen. [Piscator-Bühne (Theater am Nollendorfplatz), Piscators Inszenierungen, erwin-piscator.de]
Gegen eine Schuldsumme von 50.000,- Mark wird Piscator 1929 dank finanzieller Unterstützung durch seinen Freund Felix Weil - Begründer des Frankfurter Instituts für Sozialforschung - und des Theaterunternehmers Ludwig Klopfer als Konzessionär die Eröffnung der zweiten Piscatorbühne möglich (Startkapital: 200.000,- Mark). Das hohe politische Reizpotential des Mehring-Stückes Der Kaufmann von Berlin sowohl nach Rechts ('Vaterlandsverrat') als auch Links ('Antisemitismus') führt zu breiten Protesten. Diese bringen neben den hohen Kosten und technischen Mängeln der komplizierten Inszenierung auch die Zweite Piscatorbühne zu Fall. Während Klopfer das Theater übernimmt, setzt Piscator seine Arbeit mit einem Schauspielerkollektiv fort. [Zweite Piscator-Bühne (Theater am Nollendorfplatz), Piscators Inszenierungen, erwin-piscator.de]
Im Juni 1929 nimmt die sowjetische Filmgesellschaft Meshrabpom Verhandlungen mit Piscator über ein Filmprojekt auf. Ein erster Kurzbesuch in Moskau findet im September 1930 statt; im April 1931 reist der mit einer Schuldsumme von nahezu 100.000 Mark hochbelastete Regisseur für mehrere Monate in die Sowjetunion (1931-36) und beginnt dort mit der Produktion des Spielfilms Der Aufstand der Fischer nach einer Novelle von Anna Seghers. Nach etlichen Verzögerungen erlebt der Film seine Premiere im Oktober 1934. Während seiner Jahre in Rußland entwickelt Piscator zahlreiche weitere, unrealisierte Projekte (deutschsprachiges Exilantentheater in Engels; weitere Filmdrehbücher 1935/36). 1934 wird er zum Präsidenten des wenige Jahre später aufgelösten Internationalen Revolutionären Theaterbundes (IRTB) ernannt. In Abwesenheit wird Piscator von den NS-Machthabern ausgebürgert und seine Berliner Wohnung konfisziert. [Piscators Inszenierungen, erwin-piscator.de] 
Ernst Toller "Hoppla, wir leben" {3:11}

Veröffentlicht am 20.06.2012
wordlover
Autorenrezitation: Ernst Toller (Aufnahme 1930)
Text:
Hoppla.wir leben (Auszug aus dem gleichnamigen Drama)
Karl Thomas:
Und nun will ich euch eine Geschichte erzählen. Kein Märchen.
Eine Geschichte, die passiert ist, bei der ich dabei war. Während des Krieges lag ich irgendwo in Frankreich im Schützengraben. Plötzlich, nachts, hörten wir Schreie, so, als wenn ein Mensch furchtbare Schmerzen leidet. Dann war's still. Wird wohl einer zu Tode getroffen sein, dachten wir. Nach einer Stunde vernahmen wir wieder Schreie, und nun hörte es nicht mehr auf. Die ganze Nacht schrie ein Mensch. Den ganzen Tag schrie ein Mensch. Immer klagender, immer hilfloser. Als es dunkel wurde, stiegen zwei Soldaten aus dem Graben und wollten den Menschen, der verwundet zwischen den Gräben lag, hereinholen. Kugeln knallten, und beide Soldaten wurden erschossen. Noch mal versuchten's zwei. Sie kehrten nicht wieder. Da kam der Befehl, es dürfe keiner mehr aus dem Graben. Wir mußten gehorchen. Aber der Mensch schrie weiter. Wir wußten nicht, war er Franzose, war er Deutscher, war er Engländer. Er schrie, wie ein Säugling schreit, nackt, ohne Worte. Vier Tage und vier Nächte schrie er. Für uns waren es vier Jahre. Wir stopften uns Papier in die Ohren. Es half nichts. Dann wurde es still. Ach, Kinder, vermöchte ich Phantasie in euer Herz zu pflanzen wie Korn in durchpflügte Erde. Könnt ihr euch vorstellen, was da geschah?
Fritz:
Doch.
Grete:
Der arme Mensch.
Karl Thomas:
Ja, Mädchen, der arme Mensch! Nicht: der Feind. Der Mensch. Der Mensch schrie. In Frankreich und in Deutschland und in Rußland und in Japan und in Amerika und in England. In solchen Stunden, in denen man, wie soll ich's sagen, hinabsteigt bis zum Grundwasser, fragt man sich: Warum das alles? Wofür das alles? Würdet ihr auch so fragen?
Fritz, Grete:
Ja.
Karl Thomas:
In allen Ländern grübelten die Menschen über die gleiche Frage. In allen Ländern gaben sich Menschen die gleiche Antwort. Für Gold, für Land, für Kohlen, für lauter tote Dinge, sterben, hungern, verzweifeln die Menschen, hieß die Antwort. Und dort und dort standen die Mutigsten des Volkes auf, riefen den Blinden zu ihr hartes Nein, wollten, daß dieser Krieg aufhörte und alle Kriege, kämpften für eine Welt, in der es alle Kinder gut hätten ... Bei uns verloren sie, wurden besiegt.
Bilder:Otto Dix
mehr Gedichte der „verbrannten" Dichter finden Sie unter: http://www.literatisch.de/
 

1931/32 Piscator reist in die Sowjetunion um mit den Dreharbeiten an dem Film "der aufstand der fischer von st. barbara" zu beginnen; die Dreharbeiten und die abschließenden Arbeiten an dem Film dauern bis 1936. Von sowjetischer Seite gibt es zahlreiche formal bestimmte Einwände gegen die Filmarbeit Piscators.
1933 30. Januar, Machtergreifung der Nationalsozialisten. Piscator kann nicht mehr nach Deutschland zurückkehren, da er als Kommunist auf den Fahndungslisten der Gestapo steht. Er bleibt als Emigrant in der Sowjetunion.
1936 Piscator reist im Auftrag des Internationalen Revolutionären Theaterbundes nach Paris; dort erhält er von Wilhelm Pieck aus Moskau den Hinweis über seine drohende Verhaftung für den Fall seiner Rückkehr in die Sowjetunion. Piscator bleibt in Paris. Auf der Suche nach Möglichkeiten wieder in deutscher Sprache inszenieren zu können, fährt er im Sommer zu den Salzburger Festspielen, um dort Max Reinhardt zu treffen. Bei einem Essen auf Schloß Leopoldskron in Salzburg lernt er die Tänzerin und Choreographin Maria Ley-Deutsch kennen. Maria Ley-Deutsch ist Witwe nach dem AEG-Erben Frank Deutsch und lebt seit Jahren in Frankreich. Sie hat ihre Laufbahn als Tänzerin vor Jahren beendet und danach Choreographien geschrieben, vor allem für Max Reinhardt u.a. für die Inszenierung "der sommernachtstraum", Salzburg 1927.
1937 Am 17. April heiraten Maria Ley-Deutsch und Erwin Piscator in Neuilly s/Seine; die Suche nach Arbeitsmöglichkeiten für Theater oder Film gehen weiter. Zahlreiche Reisen nach Spanien, Mexico, in die Schweiz. Die ersten Entwürfe gemeinsam mit Alfred Neumann für das Projekt "krieg und frieden" entstehen.
 [Erwin Piscator, Lebensdaten, Akademie der Künste

Nach der Emigration von Frankreich aus in die Vereinigten Staaten zum Jahreswechsel 1938/39 gründet er an der New Yorker New School for Social Research eine Theaterschule, den Dramatic Workshop. In den amerikanischen Jahren ist Piscator nachweislich an 36 Produktionen mit seinen Studenten als Regisseur oder Supervisor eng beteiligt. Am Dramatic Workshop werden zwischen 1940 und 1951 insgesamt weit über 200 szenische Lesungen bzw. Inszenierungen von Kurzfassungen oder kompletten Stücken durchgeführt.
[Dramatic Workshop, Piscators Inszenierungen, erwin-piscator.de]
In den späten Jahren als Gastregisseur in der Bundesrepublik ab 1951 arbeitet Piscator an fast dreißig verschiedenen Bühnen und ist gezwungen, seine erfolgreichen Inszenierungen an wechselnden Häusern zu wiederholen. Am häufigsten ist er bis 1962 in Essen, Tübingen und Mannheim tätig. Arthur Millers Hexenjagd und seine Adaption von Tolstois Krieg und Frieden inszeniert er zwischen 1954 und 1958 jeweils fünf Mal. [Gastregie in der Bundesrepublik, Piscators Inszenierungen, erwin-piscator.de]
Im Februar 1962 wird Piscator zum Intendanten der West-Berliner Freien Volksbühne berufen. Sein erklärtes Ziel: die Uraufführung gesellschaftskritischer Stücke zu lancieren. Tatsächlich wird das von Piscator uraufgeführte Hochhuth-Drama Der Stellvertreter von den Besucherzahlen her zu seiner zweit-erfolgreichsten Inszenierung. Innerhalb zweier Spielzeiten wird sie über 250 Mal gezeigt; Hochhuths Erstling wird in zahlreichen Ländern gespielt. [Freie Volksbühne Berlin (Theater am Kurfürstendamm, später Freie Volksbühne, Schaperstraße), Piscators Inszenierungen, erwin-piscator.de]

Eine Lethargie liegt auf dem Land – Das Merkel-Syndrom

Unter dem Stockholm-Syndrom versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert und mit ihnen kooperiert. 
Das Syndrom mag unverständlich erscheinen. Die Forschungsliteratur nennt zahlreiche mögliche Ursachen für das Stockholm-Syndrom:
  • In erster Linie manifestiert sich die Wahrnehmungsverzerrung, die zum Stockholm-Syndrom führt, darin, dass die subjektive Wahrnehmung der Geisel nur einen Teil der Gesamtsituation erfassen kann. Das Opfer erlebt eine Zurückhaltung der Einsatzkräfte vor Ort, es fühlt sich mit zunehmender Dauer der Entführung alleingelassen. Dagegen wird das Agieren der Geiselnehmer überproportional wahrgenommen, schon kleinste Zugeständnisse (das Anbieten von Nahrung, auf die Toilette gehen lassen oder Lockern von Fesselungen) werden als große Erleichterungen empfunden. Das Opfer erlebt eine Situation, in der es ausschließlich „Gutes“ von den Geiselnehmern erfährt. Es kommt zu der für Außenstehende subjektiv nicht nachvollziehbaren Folge, dass ein Opfer mehr Sympathie für seine Peiniger empfindet als für die rettenden Einsatzkräfte.
  • Täter werden sich Opfern gegenüber oftmals wohlwollend verhalten, weil sie die Opfer als Vermögenswerte ansehen oder um eine Eskalation der Situation zu vermeiden. Hieraus kann eine emotionale Bindung und Dankbarkeit von Opfern gegenüber Tätern entstehen.
  • Der maximale Kontrollverlust bei einer Geiselnahme ist nur schwer zu verkraften. Erträglicher wird dies, wenn sich das Opfer einredet, es sei zum Teil auch sein Wille, beispielsweise, da es sich mit den Motiven der Entführer identifiziert. 7771[Stockholm-Syndrom, Ursachen, Wikipedia, abgerufen am 03.09.2017]
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Nach dem DeutschlandTrend gibt es wohl außer einer Wiederauflage von Schwarz-Rot keine Alternative Das Leben für den Kanzlerkandidaten der SPD ist hart. Er muss simulieren, tatsächlich eine Chance bei den Wahlen zu haben, Kanzler werden zu können. Das freilich wird immer unwahrscheinlicher und ist eigentlich schon ausgeschlossen, sollte nicht irgendetwas Unvorhersehbares geschehen. Man kann sich freilich kaum vorstellen, was Martin Schulz und der angeknacksten SPD wirklich Auftrieb geben könnte. Das Fernsehduell am Sonntag wird jedenfalls nicht groß etwas ändern, sondern so langweilig sein, wie bislang der Wahlkampf ist, bei dem es nur darum zu gehen scheint, mit wem Merkel und ihre Union koalieren.
mehr:
- Trübe Aussichten für die Bundestagswahl (Florian Rötzer, Telepolis, 01.09.2017)

siehe auch:
- Bundestagswahl-»Trance« 2017: Boxen gegen den hypnotischen Nebel der alternativlosen Beliebigkeit (Post, 15.08.2017)
Deutschlands Hypnotherapeutin Nr. 1 und das Herstellen von Alternativlosigkeit (Post, 18.01.2016)

NEWW!! Hans Joachim Maaz bei Anne Will Wenn es so weiter geht kann es nur schlimmer werden {10:13}

Veröffentlicht am 03.01.2017
Frank Redman

mein Kommentar:
Die Hilflosigkeit in den Worten von Hans Joachim Maaz spiegelt die Lethargie der deutschen Öffentlichkeit wie auch die Hilf- und Sprachlosigkeit der politischen Klasse wider. Ähnlich ist Martin Schulz hilflos. Wogegen soll er denn kämpfen?

- Merkels Mehltau (Christoph Schwennicke, Cicero, 04.06.2014)

Merkel erklärt Wende in Atompolitik {3:46}

Veröffentlicht am 28.03.2011
phoenix
Angela Merkel (CDU) erläutert die Konsequenzen der Atomkatastrophe in Japan für Deutschland - Moratorium Laufzeiten Kernkraftwerke

Merkels Geniestreich:
Nachdem jahrzehntelang über Atomkraft in Deutschland gestritten worden war, hatten sich unter Schröder SPD und die Grünen auf ein Ausstiegsszenario aus der Atomenergie geeinigt. Nach dem CDU-Wahlsieg, stieg die CDU-Regierung aus dem Ausstieg aus. Und nach Fukushima stieg Angie über nacht aus dem Ausstieg vom Ausstieg aus…
An den Fakten hatte sich nichts geändert, 
(Kernkraft, Risiken, Wahrscheinlichkeiten und unsere Sprache, Post, 16.03.2011)
sie hatte einfach nur noch einmal neu nachgedacht…

Auch Steinmeier hat sich an dieser Frau die Zähne ausgebissen…
Die flexible Kanzlerin: Merkels 180-Grad-Wende und die Reaktion der Opposition - SPIEGEL TV {2:59}

Veröffentlicht am 09.06.2011
spiegeltv
Abonnieren Sie unseren Kanal: http://www.youtube.com/subscription_c... In ihrer Regierungserklärung verteidigt Angela Merkel die schwarz-gelbe Kehrtwende in der Energiepolitik. Die Opposition wirft der Kanzlerin mangelnde Glaubwürdigkeit vor.
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Steinmeier: »Es kann doch nicht sein, daß ausgerechnet Sie sich hier hinstellen als die Erfinderin der Energiewende in Deutschland. Das zieht einem doch die Schuhe aus. Der Atomausstieg stand im Gesetz, die Energiewende war eingeleitet gegen Ihren Widerstand, und sie fand statt, täglich, seit zehn Jahren.« 
SPIEGEL-Sprecherin aus dem Off: »Merkels Atomausstieg unterscheidet sich nur geringfügig von rot-grünen Plan aus dem Jahre 2001.«
Trittin hielt Merkel ihre früheren gegenteiligen Aussagen vor: »Sie haben doch in der Bundestagswahl erkärt: ›Wenn ich sehe, wie viele Kernkraftwerke weltweit gebaut werden, dann wäre es doch jammerschade, wenn Deutschland aussteigt.‹ Das war Ihre Position!«

Die Sprecherin aus dem Off: »Politische Grundsätze scheinen zweitrangig, heute zählen im Land der Ideen Patriotismus und Wir-Gefühl.«

Merkel geht auf die Argumente von Steinmeier und Trittin überhaupt nicht ein und umarmt pathetisch alle: »Welches Land, wenn nicht wir, sollte dazu die Kraft haben?!«
Damals hatten alle Angst und waren erleichtert, daß Merkel ihre 180°-Wende vollzog, da war ihre Widersprüchlichkeit von geringem Gewicht.
Aber wie kämpft man gegen jemanden, der sowohl A (Atomkraft) wie auch B (Ausstieg) vertritt?

Merkel konnte es erstaunlich egal sein, was die Atomstromlobby von ihr denkt. Und so setzte sie im Frühjahr 2011 den finalen Atomausstieg durch – sie verwirklichte das, was die Deutschen scheinbar zu diesem Zeitpunkt wollten und worüber in Deutschland seit Jahrzehnten gestritten wurde. Sie setzte den – so oft ersehnten – Primat der Politik. Dabei achtete sie die demokratischen Institutionen weniger, als es gedacht ist. Oder anders ausgedrückt: Sie setzte sich über die bürokratischen Mühlen der repräsentativen Demokratie hinweg. Merkel wurde kreativ, es gab ein Moratorium, das Parlament wurde mehr oder minder Außen vor gelassen bzw. die Entscheidung und die Konsequenzen im Nachhinein formal korrekt abgesichtert. Alles weniger demokratisch, als es sein sollte, oder? 

 

7771[Ausstieg aus dem Ausstieg. Oder: Wie Angela Merkel den Primat der Politik neu erfand, Julia Schramm, Merkel-Blog]

Von dem bekannten Hypnotherapeuten Jeffrey Zeig wird eine geniale Intervention kolportiert:
Es wird eine therapeutische Hypnose beim Zahnarzt induziert. 
Die Patientin wird unruhig und sagt: »I can’t breathe anymore!« 
Zeig: »Don’t worry Baby, I’ll breathe for you!«  
Dies macht deutlich, in welcher Welt sich die beiden in diesem Moment bewegen: einer frühkindlichen.
In einer solchen Welt haben Vernunft und Logik keinen Platz!

Richard D. Precht über den Wahlkampf {8:24}

Veröffentlicht am 04.09.2017
QuerDenker
- Verweigerung eines Wahlkampfs
- Die großen Themen werden einfach ignoriert
- Die Angst vor den ganz großen Themen
- Wir müssen unser Lebensmodell ändern
- Die Parteien scheitern schon an ihrer Basis
Quelle: Lanz | ZDF Fernsehen

Josef Kraus ab 4:10:
»Ein Meinungsforschungsinstitut hat festgestellt, daß 39% der Leute nicht mehr wissen, was sie 2013 gewählt haben.[…] Das ist doch am Rande der Amnesie.«
»Sehr oft gilt die spontane posthypnotische Amnesie (SPA) als Zeichen tiefer Trance.
Ursprünglich wurde angenommen, daß das vermeintlich ›schlafende‹ Subjekt sich nicht mehr an die Abläufe der Hypnose erinnert, eben weil es tief geschlafen hat.«
 [Spontane posthypnotische Amnesie, Miraculus, Diskussions-Forum bei Hypnose Mittelfranken, 2010]

Die ZEIT fragte 2011: Wofür steht Angela Merkel?
Wofür steht Angela Merkel? In der Umweltpolitik gehört diese zu den ungelösten Masterfragen. Als zuständige Ministerin war sie angeblich für die Ökosteuer, sagte es aber nicht laut, weil Helmut Kohl das nicht wollte. Sie forderte die Besteuerung von Flugbenzin und verwarf das wieder, als der Kanzler sie zurückpfiff, kurz vor einer Landtagswahl in Hessen. Sie schrieb ein Buch mit kernigen Sätzen, das Fachleute ziemlich dünn fanden, aber ihrer späteren Karriere als Klimakanzlerin tat das keinen Abbruch – ihre Partei hatte sie ja nicht als wissenschaftliche Hilfskraft eingestellt. Nur eines war stets über jeden Zweifel erhaben: Angela Merkels Bekenntnis zur Atomkraft. Im Bergbau habe es mehr Tote gegeben als bei der Kernenergie, pflegte sie zu sagen.
Für Atomkraft zu sein, das war für die Anhänger der Union immer mehr als eine x-beliebige Sachfrage. Für Atomkraft zu sein, das hieß, recht zu haben. Auf der Seite der Wirklichkeit zu sein. Bei den Realisten. Aus Merkels Sicht bedeutete es, die Normalität gegen die Spinner zu verteidigen.

Wie sich die Judikative unter Merkel veränderte, ist nicht nur an der »Aussetzung« der Wehrpflicht zu sehen; Arno Klönne kritisierte auf Telepolis: 
Die verfassungsrechtlichen Begriffe greifen nicht mehr. 7771[Das Grundgesetz in Erosion, Telepolis, 27.10.2014]

Schon 2013 verglich sie Hans-Joachim Maaz Angela Merkel mit einer Mutter:
Eine Mutter kann schließlich nicht abgewählt werden. Ich glaube, die meisten Menschen haben eine Muttersehnsucht, wollen das aber nicht wahrhaben. Sie projizieren deswegen diese Sehnsucht auf Frauen, die das garantiert nicht erfüllen können. Merkel ist so ein Fall. Darin liegt ein Grund für ihren Wahlerfolg. […]
Deutsche verleugnen oft die Gefahren. Sie wollen nichts Bedrohliches sehen. Das Unangenehme, das Peinliche wird weggeschoben. Sie nehmen keine Positionen ein, die kritisiert werden können. Die Tendenz sich zu vergnügen, geht mit der Neigung einher zu verleugnen, zu welchem Preis so ein Leben nur zu haben ist. 

 

7771[Psychoanalytiker und Bestseller-Autor Hans-Joachim Maaz in einem Interview: Das Phänomen Merkel: „Eine Mutter kann nicht abgewählt werden“, Oliver Stock, Handelsblatt, 27.09.2013]
woraufhin ihr – Frauensolidarität – Angelika Erbrecht-Lehrmann beisprang:
„Mutti“, die populärste Merkel-Lesart, wurde, was wunder im Kreise so vieler Analytiker, heiß diskutiert. Und kritisiert. Die Einschätzung, die „Kinder“-Bürger überließen sich Merkel allzu kindlich („regressiv eingerastetes Vertrauen“ nennt es der Freiburger Analytiker Tilmann Moser), fand nicht nur die Berliner Analytikerin und Politikwissenschaftlerin Angelika Ebrecht-Laermann „etwas eindimensional“. Es stecke „etwas Diffamierendes“ im Wort Regression.

Ich selbst sah den Erfolg Merkels als Ausdruck unserer Zeit:
Zum ersten Mal war ich selbst während der Ukraine-Krise von Angela Merkel – naja, nicht gerade begeistert, aber von ihrer Politik – angetan. Da wird die Bundeswehr hintenherum handlungsunfähig gemacht, alle laufen aufgeregt herum und rufen verzweifelt, daß wir nur noch Gulaschkanonen haben, sie trägt die Sanktionen gegen Rußland brav mit, verweigert sich aber der zunehmenden Militarisierung des Konflikts durch die USA. In Rußland kritisiert sie brav den Umgang mit Femen und unterzeichnet danach einige Wirtschaftsabkommen.
Ich habe immer kritisiert, daß kein Mensch weiß, wofür sie steht, aber sie ist die Hauptakteurin des europäischen Versuchs, sich aus dem Konflikt mit Rußland herauszuhalten. Ihre Fähigkeiten, ihre Gegner ins Leere laufen zu lassen, vermindern den Abrieb: Sie braucht nichts auszusitzen, weil nichts sie berührt.
Sie ist ein Phänomen der heutigen Zeit, das Ergebnis einer Entwicklung, in der Politiker nicht mehr gestalten können, sondern den Ereignissen hinterherlaufen müssen.
Dr. Sahra Wagenknecht zur Situation in Deutschland {13:22}

Veröffentlicht am 05.09.2017
QuerDenker
Sahra Wagenknecht in der heutigen Debatte zur Situation in Deutschland: Wer sich ein Deutschland wünscht, in dem wirklich alle gut und gerne leben, ein Deutschland ohne Niedriglöhne und Altersarmut, in dem Politiker sich nicht mehr von Konzernen kaufen lassen und Geld für gute Bildung statt für Panzer ausgegeben wird, wer Abrüstung und einen Abzug der Atomwaffen aus Deutschland will, der kann heute nur noch DIE LINKE wählen. Nur ein Weckruf durch eine deutlich gestärkte LINKE kann vielleicht verhindern, dass die SPD sich ein weiteres Mal in einer Großen Koalition verkriecht und so der Union ein Zeitlosticket für die Fahrt im Schlafwagen an die Macht verschafft.

Sahra Wagenknecht über das TV-Duell „Kuschelrunde" Merkel gegen Schulz {6:46}

Veröffentlicht am 04.09.2017
QuerDenker
Sahra Wagenknecht: „Das ist wirklich ein Trauerspiel“
Sahra Wagenknecht über das „Mutti“-Image der Kanzlerin: „Merkel hat eine große Fähigkeit zu verbergen, wie sie wirklich ist“
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Wir sehen uns in einem Frage-Dilemma gefangen: Was ist eher da, die Henne oder das Ei? 
Gorbatschow soll einmal gesagt haben »Wir mißtrauen uns nicht, weil wir Waffen haben, wir haben Waffen, weil wir einander mißtrauen.«

Letztendlich läuft es auf das Bedürfnis der deutschen Bevölkerung hinaus, von seiner Regierung eingelullt zu werden, und da kann ein Schulz, der versucht, sich politisch korrekt zu äußern, nicht viel ausrichten.

Die Zeit nach der Selbstauflösung der Sowjetunion ist gekennzeichnet vom vermeintlichen Erfolg derjenigen, die ständiges Mißtrauen gegenüber dem Osten propagieren.

Donnerstag, 31. August 2017

Carbon Copy Cloner 5: Erstes Backup-Tool mit APFS-Bootfähigkeit (Vorsicht! Werbung!)

Bombich Software hat eine neue Version seines Tools zum Erstellen von vollständigen Mac-Festplattenkopien vorgestellt. Es ist bereit für macOS High Sierra.

Bombich Software hat nach einer nicht ganz einmonatigen Betaphase eine komplett neue Version seiner macOS-Backup-Software Carbon Copy Cloner vorgelegt. Version 5 ist laut Angaben des Herstellers die erste App, die bootfähige Clones von Platten anlegen kann, auf denen das neue Apple-Dateisystem APFS läuft. Dieses wird mit macOS High Sierra im Herbst offiziell auf dem Mac eingeführt. CCC 5 ist auch sonst für macOS 10.13 vorbereitet.

Oberfläche neu, Guides neu

Daneben kommt das Update mit einer überarbeiteten Oberfläche und neuen "Guides" für das Anlegen von Backups und die Wiederherstellung von Installationen, die Einsteiger durch den Prozess führen. Backup-Tasks lassen sich nun exportieren und wieder importieren, sortieren und zeitgesteuert auch nur einmal ablaufen lassen. Backups können nur zu bestimmten Zeiten am Tag erfolgen und es gibt eine neue "Preview Total Data to be Copied"-Vorschaufunktion.

CCC 5 ist nicht mehr zu macOS 10.8 (Mountain Lion) und Mavericks (10.9) kompatibel – auf dem Mac muss mindestens Yosemite (macOS 10.10) laufen. Wer CCC 3.5 oder 4 besitzt, bekommt beim Upgrade Rabatt – 25 beziehungsweise 50 Prozent. Der Preis der Standardversion für Einzelanwender liegt bei knapp 35 Euro, die Pro-Lizenz, die auch temporär auf Kunden-Macs laufen darf, kostet 88 Euro.

mehr:
- Carbon Copy Cloner 5: Erstes Backup-Tool mit APFS-Bootfähigkeit (Ben Schwan, Mac & i, 25.08.2017)

Carbon Copy Cloner overview {8:43}

Am 13.10.2014 veröffentlicht
Agile Creator  
A quick rundown of Carbon Copy Cloner's interface and features. Belongs to the Carbon Copy Cloner review: http://apple.it-enquirer.com/?p=2507

Time Machine Versus Cloning (MacMost Now 512) {7:02}

Am 04.02.2011 veröffentlicht
macmostvideo  
http://macmost.com/e-512 Learn how Time Machine is different than most backup solutions that simply clone and update the data on a drive. Time Machine saves multiple copies of your files and allows you to access each version as long as it has space.