Freitag, 8. September 2017

Jan van Aken verläßt den Bundestag

Jan Paul van Aken (* 1. Mai 1961 in Reinbek) ist ein deutscher Aktivist für Greenpeace und Politiker (Die Linke). Er ist Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und des Unterausschusses für Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung im Deutschen Bundestag. Van Aken zog 2009 über die Hamburger Landesliste seiner Partei in den 17. Deutschen Bundestag ein. Von 2012 bis 2014 war er stellvertretender Parteivorsitzender der Partei Die Linke.[1] Er war einer der acht Spitzenkandidaten seiner Partei für die Bundestagswahl 2013 und wurde durch diese in den 18. Deutschen Bundestag gewählt. [Jan van Aken (Politiker), Wikpedia, abgerufen am 08.09.2017]
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Jan van Aken sagt von sich: "Ich habe den Tunnelblick". Sein Ziel sei schon immer gewesen, „derjenige im Raum zu sein, der mehr weiß als alle anderen zusammen“. Nie mehr als zwei Themen beackern, die aber richtig. So hat es van Aken bei Greenpeace gemacht, da ging es dem promovierten Biologen um die Risiken der Gentechnik. Und so hat er es auch in den acht Jahren als Bundestags-Abgeordneter der Linken gehalten.
mehr:
- Jan van Aken verlässt den Bundestag: Acht Jahre sind genug (Birgit Schmeitzner, B24, 05.09.2017)

siehe auch:
- Van Aken verlässt den Bundestag: "Der Job verändert einen nicht zum Guten" (Interview mit Jan van Aken, n-tv, 23.08.2017)
- Jan van Aken im Interview: „Zu lange Bundestag kann träge machen“ (Markus Decker, Mitteldeutsche Zeitung, 29.07.2017)
- Jan van Aken: "Das war nie meine Kultur" (Moritz von Uslar, ZON, 19.07.2017)
- Van Aken zu G20-Krawallen: "Die Rote Flora hat in Hamburg eine wichtige Funktion" ( Jan van Aken im Gespräch mit Christine Heuer, Deutschlandfunk, 10.07.2017)
siehe dazu auch:
- Nachlese zum G20-Gipfel – Wrestling vs. schonungslose Analyse (Post, 18.08.2017)
- Jan van Aken über karrieregeile Politiker: „Irgendwas läuft richtig schief“ (Interview mit Jan van Aken, taz, 01.07.2016)
- Jan van Aken: „Einige hassen mich richtig“ (Geli Tangermann, N24, 21.06.2016)

Liste der Kleinen Anfragen der Linken (Bundestag, Bundesministerium für Verteidigung)

Klartext bei Anne Will von Jan van Aken - Irreführung der Öffentlichkeit U. v. Leyen {10:53}

Veröffentlicht am 12.04.2017
klar sehen
Sendung vom 09.04.17

Trumps Raketen auf Syrien: Von der Leyen (CDU) vs Jan Van Aken (LINKE) {8:47}

Veröffentlicht am 10.04.2017
politikbildung.de
politikbildung.de | Ursula Von der Leyen (CDU) positioniert sich bei Anne Will klar auf Seiten des US Imperiums, welches wie Jan Van Aken (LINKE) eindeutig belegt Völkerrechtsbruch begangen hat. Von der Leyen begründet ihre Unterstützung damit, bereits zu wissen, dass Assad für den Giftgasangriff verantwortlich sei, obwohl eine Untersuchung noch nicht einmal begonnen wurde. Über ein Motiv denkt sie nicht eine Sekunde nach, sonst wäre ihr schnell klar dass Assad nicht von so einer Aktion profitiert sondern seine Gegner. Von der Leyen hat hier nicht nur Vorverurteilung und Volksverhetzung begangen, sondern auch Völkerrechtsbruch unterstützt.
politikbildung.de bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungen und Beiträge müssen nicht die Sichtweise von politikbildung.de widerspiegeln. politikbildung.de teilt desweiteren mit, dass bei den hochgeladenen Videos stehts nur der Inhalt der Videoauszüge relevant ist und nicht die Personen, welche den Inhalt präsentieren.
Mehr Informationen www.politikbildung.de

Jan van Aken sagt Lindner die Meinung! {4:58}

Veröffentlicht am 24.05.2012
diefreiheitsliebe
Jan van Aken: Herr Lindner sie sind ein Macho der, jedes Mal wenn eine Frau redet, sich die Eier krault. Entschuldigen sie Frau Bundestagspräsidentin" - "Wofür entschuldigen sie sich? Für den Macho oder..." - "Nein für die Eier" Jan van Aken: http://www.jan-van-aken.de/ Infos zur Friedenspolitik: www.diefreiheitsliebe.de

G20-Gipfel: Jan van Aken (DIE LINKE) über Protest und Gewalt {7:17}

Veröffentlicht am 10.04.2017
politikbildung.de
Jan van Aken (Bundestagsabgeordneter DIE LINKE) ist Hauptanmelder der größten Demonstration beim G20-Gipfel in Hamburg. Zwischen 50.000-100.000 Teilnehmer werden zur Demo "Grenzenlose Solidarität statt G20" erwartet. Ist Eskalation da nicht vorprogrammiert? Und ist Gewalt ein legitimes Mittel? Ein dbate-Interview mit Jan van Aken.
Die Kritik am G20-Gipfel in Hamburg ist vielfältig. Während die einen sich über den Austragungsort inmitten der Millionenstadt echauffieren, lehnen andere wie der LINKEN-Politiker Jan van Aken die Zusammenkunft der G20 generell ab. Doch was spricht dagegen, wenn Staatsoberhäupter sich zum Dialog treffen? "Das Problem ist, die reden ja nicht nur. Die fallen da Entscheidungen, die den Rest der Welt betreffen", so der Bundestagsabgeordnete. Die reichsten Länder der Welt hätten sich selbst ermächtigt, Entscheidungen zu treffen, die wiederum Millionen von Menschen in Afrika betreffen und in Armut stürzen.
G20-Gipfel: Kann eine Demo mit 50.000 Teilnehmern überhaupt friedlich bleiben?
Auch deshalb hat van Aken in einem großen Bündnis die Demonstration "Grenzenlose Solidarität statt G20" angemeldet. Über 50.000 Menschen werden dazu erwartet. Nicht unwahrscheinlich, dass sich auch Linksextreme oder Mitglieder des sogenannten "Schwarzen Blocks" der Veranstaltung anschließen. Wie kann sichergestellt werden, dass die Demo friedlich bleibt? "Reden. Reden hilft immer", gibt sich der LINKEN-Politiker zuversichtlich. Man habe ganz klare Absprachen mit den Bündnispartnern getroffen. Gewalt sei nicht erwünscht.
Van Aken: "Ich finde es richtig, dass Mittel des zivilen Ungehorsams eingesetzt werden"
Trotzdem ruft van Aken nicht direkt zu Gewaltverzicht auf. Warum eigentlich nicht? Gewalt sei halt eine Frage der Definition. Wenn man sich als Castor-Gegner Schienen blockiert, werde das in bestimmen Kreisen als Gewalt empfunden. Solche Blockaden findet van Aken richtig und erklärt: "Deshalb finde ich das mit dem Aufruf zu Gewaltverzicht ganz schwierig. (...) Das ist alles eine Auslegungssache."
Im dbate-Interview mit Hendrik Holdmann spricht Jan van Aken außerdem über die Frage, inwieweit Gewalt ein legitimes Mittel sein kann und wann seine G20-Demo Erfolg hätte.
Mehr Videos und News findest Du hier:
http://dbate.de
http://facebook.com/dbate.de
http://twitter.com/dbateonline

Donnerstag, 7. September 2017

Erfahrungen eines Linken – Wer mit dem Strom schwimmt, ist schneller am Strand!

In diesem Sommer jährt sich zum 10. Mal ein Ereignis, das in meinem persönlichen Leben tiefe Spuren hinterliess. Es war gleichbedeutend mit einer Zäsur. In diesem Sommer 2006 debattierte die Schweiz heftig um die Revision des Asyl- und Ausländergesetzes. Dieses Gesetz war zwar in den Grundzügen schon vorher in wesentlichen Teilen aufgegleist worden. Verschärft und vertreten wurde es aber durch den damaligen Bundesrat Christoph Blocher. Dieser Umstand war sicher auch ein Grund dafür, wie heftig dieser Abstimmungskampf geführt wurde. Fast alle Medien, viele Kulturschaffende und unser eigenes linksgrünes Umfeld kämpften erbittert gegen diese Vorlage, wetterten gegen einen «Lügenbundesrat», der Probleme aufbauschte und Fremdenfeindlichkeit schürte.

Ich war damals ein aktives Mitglied der Grünen Partei und überzeugtes Mitglied der Gewerkschaft VPOD. Ich war aber auch Lehrer an einem Oberstufenzentrum der Stadt Biel und als solcher konfrontiert mit den vielen realen Problemen, welche uns Teile der zweiten und zum Teil dritten Generation der Migranten in der Schule bescherten. Es war eine schwierige Zeit. Unsere auf Toleranz und Verständnis eingestellten Schulen waren teilweise überfordert mit dem flegelhaften Verhalten von Teilen dieser Schülergeneration. Massive Unterrichtsstörungen, unzählige nervenaufreibende Gespräche mit den Eltern dieser Jugendlichen, der Auftritt immer zahlreicherer Institutionen, welche einbezogen werden mussten oder wollten, führten unter anderem zu einer enormen Fluktuation im Lehrkörper.

mehr:
- Zum 10-jährigen meines Austritts aus der linken Bewegung (Alain Pichard, achgut.com, 23.06.2016)

siehe auch:
«Politiker kann jeder werden, Lehrer nicht» (Interview mit Alain Pichard, Der Bund, 27.12.2016)
- Die Begegnung mit der vierten Dimension (Alain Pichard, achgut.com, 07.12.2016?)
- Alain Pichard in der BaZ vom 24.03.2016: Zivilcourage vs. Bürokratie (Alain Pichard, Baseler Zeitung, 24.03.2016, gefunden bei Aktion »Bildungs-Kompass«)
- Erweiterte 4. Auflage von "Einspruch" (Urs Kalberer, Schule Schweiz, 07.02.2016)
- Lehrplan 21: Als wäre die Schule eine Maschine (Sarah Jäggi, ZON, 07.12.2015)
- «Viele Sozialarbeiter haben kein Interesse, die Fälle abzuschliessen» (Flis Schindler interviewt Alain Pichard, Tagesanzeiger.ch, 15.09.2014)
- Asylgesetz: Albaner, Türken, Brasilianer (Alain Pichard, Die Weltwoche 38/2006)

Artikel von Alain Pichard bei der Weltwoche
Artikel zu Alain Pichard im Bieler Tagblatt

Bürger für Bürger: Referat von Alain Pichard: "Steuerung und Kontrolle statt Harmonisierung {1:09:18}

Veröffentlicht am 24.03.2017
Gerry Michel
Die Schule geht uns alle an. Denn die heutige Schule ist neben den Medien, welche den Erwachsenen die richtige Sicht geben, das Instrument, um unsere Kinder an die richtigen Vorstellungen von der Welt zu gewöhnen.
Nein, unsere Kinder sollen die Schule nicht als mündige Bürger verlassen, was zu wünschen wäre. Dazu ist die Schule leider nicht geschaffen, sondern um aus unseren Kindern brave Bürger und unkritische Konsumenten zu machen.
Nein, glauben müssen Sie dies nicht. Überprüfen Sie es lieber anhand dieses Vortrags, den Sie ohnehin nicht verpassen sollten:
"Steuerung und Kontrolle statt Harmonisierung!"
Alain Pichard, Sekundarlehrer, Biel, Publizist und Mitglied der GLP

siehe auch:
- Wie wird eine öffentliche Debatte verhindert? – Das Vier-Phasen-Modell (Post, 07.09.2017)
Jede Wahrheit durchläuft drei Stufen: Erst erscheint sie lächerlich, dann wird sie bekämpft, schließlich ist sie selbstverständlich. [Arthur Schopenhauer]

Sahra Wagenknecht und die Philosophie

Aus dem Buch "Couragiert gegen den Strom. Über Goethe, die Macht und die Zukunft!"
In der Politik spielt Kultur normalerweise nur eine Nebenrolle, als Kulturpolitik oder bei bestimmten Anlässen, bei denen man sich mit dem schönen Schein umgibt. Die meisten Abgeordneten im Bundestag sind Juristen, gefolgt von Lehrern, Politologen und Volkswirten. Sahra Wagenknecht hingegen kommt von der Literatur und der Philosophie in die Politik, hat sich mit Goethe den Blick auf die Gesellschaftskritik und die Wirtschaft geöffnet oder sich durch Hegels Logik, vermutlich eines der schwersten philosophischen Werke überhaupt, hindurchgewühlt. Bekannt wurde sie als Linke, die sich nicht kopfüber vom Kommunismus verabschiedete, die aber gleichzeitig stets modisch gekleidet auftrat und in Wort und Verhalten eine ästhetische Form zelebrierte.

Florian Rötzer hat in einem langen Gespräch mit Sahra Wagenknecht, aus dem das Buch "Couragiert gegen den Strom. Über Goethe, die Macht und die Zukunft!" wurde, u.a. darüber gesprochen, wie Kultur und philosophisches Denken die politischen Vorstellungen und den politischen Stil der linken Politikerin geprägt haben. Was hat das Leben in der Partei und als Abgeordnete aus der Kultur und den Vorstellungen eines gelungenen Lebens gemacht? Telepolis veröffentlicht einen Auszug aus dem Buch, das gerade im Westendverlag erschienen ist.

mehr:
- Sahra Wagenknecht und die Philosophie (Florian Rötzer, Telepolis, 04.09.2017)

siehe auch:
Sahra Wagenknecht, geheimnisvolle linke Superheldin (Post, 21.07.2016)
Sahra Wagenknecht, die Zahlen und die Gutmenschen-Torte (Post, 30.05.2016)
Was unterscheidet den IS von der Anti-IS-Koalition? (Post, 02.01.2016)
- Euro abschaffen: Sarah Wagenknecht verliert den Glauben an die EU (Post, 32.08.2015)

Sahra Wagenknecht im Interview zu ihrem neuesten Buch: Couragiert gegen den Strom {12:32}

Veröffentlicht am 02.09.2017
Westend Verlag
Was befähigt Sahra Wagenknecht, so hochengagiert diesen Job zu machen? Was genau sind ihre politischen Vorstellungen? Wie und unter welchen Umständen fand sie in den politischen Betrieb? Woher bekommt sie Anregungen und was nährt ihr politisches Verständnis? Davon berichtet sie in ihrem bislang persönlichsten Buch „Couragiert gegen den Strom“. Sehen Sie in diesem Interview zu ihrem Buch, worauf es ihr ankommt. Eines ist klar: Sahra Wagenknecht will anders Politik machen.

Sahra Wagenknecht bei Pelzig hält sich | 2 {17:45}

Veröffentlicht am 02.09.2017
Herr Wurstbrot

Maischberger-Talk mit Yanis Varoufakis, Sahra Wagenknecht und Lindner 10.02.2016 - Bananenrepublik {30:31}

Veröffentlicht am 11.02.2016
Bananenrepublik1
► Google+: https://plus.google.com/u/0/106701079...
► Zweiter-Upload-Kanal: http://www.youtube.com/user/dieBanane...
► Backup-Kanal: http://www.youtube.com/user/diebanane...
► Twitter: https://twitter.com/Stimmbuerger - Bananenrepublik
► Quelle: Erst Eurokrise, jetzt Flüchtlingsstreit – Wieder Ärger mit Griechenland? Gäste; Yanis Varoufakis DiEM 25, Sahra Wagenknecht, Die Linke (Fraktionsvorsitzende), Christian Lindner, FDP (Parteivorsitzender), Elmar Brok, CDU (Europa-Abgeordneter) und Nikolaus Blome (stellv. BILD-Chefredakteur) http://www.daserste.de/unterhaltung/t...
Maischberger-Talk mit Varoufakis: Alles Deppen außer Yanis http://www.spiegel.de/kultur/tv/sandr...
Schnelldurchlauf der Dinge, die Griechenland nicht auf die Reihe bringt http://www.sueddeutsche.de/medien/tv-...
Griechenland-Talk bei Maischberger | Varoufakis mit Macho-Auftritt http://www.bild.de/politik/inland/men...
Wie viel Komplexität verträgt eine Talkshow? http://www.faz.net/aktuell/feuilleton...
Varoufakis rechnet mit Europa ab – und lobt Angela Merkel http://www.rp-online.de/panorama/fern...
Varoufakis spricht über den "klügsten Moment des Jahres" http://www.welt.de/vermischtes/articl...

Linke Utopien: Precht diskutiert mit Sahra Wagenknecht {43:06}

Veröffentlicht am 27.04.2015
antikriegtv2
Antikrieg TV http://www.antikrieg.tv
http://www.facebook.com/antikriegtv
ANTIKRIEG.TV Deutschsprachige Medienbeiträge sowie ins Deutsche übersetzte, ausgewählte Beiträge z.B. von Democracy Now (USA), Russia Today, Telesur (Lateinamerika)
Gleichzeitig empfehlen und verweisen wir auf deutschsprachige Nachrichtenseiten, wie Weltnetz.TV, Kontext TV, Hintergrund, Junge Welt, Nachdenkseiten und Beitrage der Occupy Bewegung

Hans-Olaf Henkel VS Sahra Wagenknecht über Manager-Gehälter {26:48}

Veröffentlicht am 14.04.2013
antikriegtv2
Millionen für Manager, Mindestlohn für die Masse - ist das gerecht? Darüber diskutierten bei Peter Hahne Sahra Wagenknecht von der Partei "DieLinke" und der Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel.

Dienstag, 5. September 2017

Des SPIEGELs Zensur-Bumerang: »Finis Germania«

Wie das Skandalbuch „Finis Germania“ von der Bestsellerliste verschwand

Wer sich am Donnerstagnachmittag gegen 17 Uhr über den Stand der „Spiegel“-Bestseller, die bei Amazon angeboten werden, schlau machen wollte, fand auf der Bestenliste der Sachbücher folgende Reihenfolge vor:

Platz 1: „Heilen mit der Kraft der Natur“, Andreas Michalsen.

Platz 2: „Wunder wirken Wunder“, Eckart von Hirschhausen.

Platz 3: „Das geheime Leben der Bäume“, Peter Wohlleben.

Platz 4: „Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen“, Yuval Noah Harari.

Platz 5: „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“, Andrea Wulf.

Auf Platz 6 klaffte eine weiße Lücke, ohne jede bibliografische Angabe. Da musste mal etwas gewesen sein, wobei nur der Raum, den das Etwas eingenommen hatte, zu sehen war. Auf Platz 7 folgte dann „Penguin Bloom: Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete“, von Cameron Bloom und Bradley Trevor Greive.

Wer die gleiche Recherche Freitagfrüh anstellte, allerdings nicht bei Amazon, sondern bei Thalia, fand die gleiche „Spiegel“-Liste vor, nur ohne die Leerstelle auf Platz 6. Da stand ein Buch des Philosophen Rolf Peter Sieferle, der sich letzten September das Leben genommen hatte: „Finis Germania“, eine Art Nachruf auf sich selbst und die Bundesrepublik in, so der Verlag, „30 Miszellen“ über „die deutsche Lage“ im Laufe der Zeiten: „Von Deutscher Sonderweg und Siegerperspektive über Politiker und Intellektuelle bis zur Logik des Antifaschismus.“ Um das Buch hatte es in den Feuilletons große Aufregung gegeben. Die Meinungen waren extrem geteilt, für die einen war es ein „philosophisches Meisterwerk“, für die anderen ein „völkisch-antisemitisches Machwerk“. Dabei spielte es auch eine Rolle, dass Sieferle, dessen Arbeiten in renommierten Verlagen erschienen waren, sein „Nachwort“ einem Verleger anvertraut hatte, der als „Vordenker der Rechten“ gilt, Götz Kubitschek, in dessen Antaios-Verlag Bücher erscheinen, an denen sich kein anderer Verleger die Finger verbrennen möchte.

Freitagfrüh war bei Amazon auch das Loch in der „Spiegel“-Sachbuchliste verschwunden. Nichts außer einem Screenshot vom Donnerstag deutet darauf hin, dass es da kürzlich noch eine Leerstelle gab. Auf diese Weise hatten auch sowjetische Zensoren Geschichtsschreibung betrieben. Der Konterrevolutionär Trotzki wurde von Fotos wegretuschiert und die Spuren der Retusche ebenfalls beseitigt.

mehr:
- Literatur: Die Lücke auf Platz 6 von Amazon (Henryk M. Broder, n24, 22.07.2017)
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siehe auch:
- „Die ominösen sechs Millionen“ (Jacob S. Eder, taz, 05.09.2017)
- "Das Ende Deutschlands" ("Finis Germania") von Rolf Peter Sieferle: Das Ungeheuerliche hat immer einen Namen! (Harald Martens, Lokalkompass, Bochum, 03.09.2017)
Finis Germania: Warum das umstrittene Buch von der Spiegel-Bestsellerliste geflogen ist (Markus Decker, Berliner Zeitung, 28.07.2017)
Finis Germania (VorsichtGlosse, 27.07.2017)
Spiegel zensiert eigene Bestsellerliste: „Finis Germania“ verschwunden – Statement schürt Verkauf (Steffen Munter, Epoch Times, 27.07.2017)
- Kritik an mangelnder Transparenz: Spiegel löscht umstrittenes Sachbuch „Finis Germania“ aus Bestseller-Liste (IngoPlewa-Der Nach(t)denker, 27.07.2017)
Der legendäre Satz von „Spiegel“-Gründer Rudolf Augstein, mit dem sich das Nachrichtenmagazin heute noch manchmal schmückt, lautet: „Sagen, was ist.“ Der aktuelle Werbespruch des “Spiegel” lautet: „Keine Angst vor der Wahrheit.“
Aber der „Spiegel“ traut sich nicht zu sagen, was ist. Der ganze Artikel ist ein Dokument der Angst.
Und dies zu einem Zeitpunkt, an dem es ohnehin nicht mehr darum ging, ob die Wahrheit rauskommt. Zu diesem Zeitpunkt, an Tag fünf der Eskalation, hätte der „Spiegel“ nur noch beweisen können, dass er der Wahrheit nicht ausweicht. Dass er sich ihr stellt. Mit einer offenen, schonungslosen, selbstkritischen, auch selbstbewussten Analyse des Debakels.
Nicht einmal das hat er gewagt. Er veröffentlicht einen Artikel, der kein „Spiegel“-Artikel ist, sondern ein Stück trauriger PR-Verdruckstheit, das sich nicht einmal traut, die heiklen Fragen zur Kenntnis zu nehmen.
Der „Spiegel“ scheut die Öffentlichkeit. Das klingt irre, aber es ist so. Ausgerechnet das traditionsreiche deutsche Nachrichtenmagazin misstraut der Möglichkeit, dem Publikum Dinge erklären zu können. Nicht nur mitzuteilen, sondern zu erklären – sich zu erklären. […]
Man mag die Aufregung um diese Liste für übertrieben halten, aber sie trifft eine zentrale Unterstellung der „Lügen“- oder „Lückenpresse“-Rufer. Sie vermuten geheime Manipulationen der „Wahrheit“, und sei es nur der „Wahrheit“ einer Bestseller-Liste. Und plötzlich stellt sich raus: Solche Manipulationsversuche gibt es tatsächlich. [Manipulierte Bestsellerliste: Der „Spiegel“ und seine Angst vor der Wahrheit (Stefan Niggemeier, ÜberMedien, 26.07.2017]
Gabriele Krone Schmalz über NATO in Zivil in der Ukraine, Russland und Medienpropaganda1 [13:24]

Veröffentlicht am 13.09.2014

Zitat Gabriele Krone-Schmalz:
»Das macht mir insofern Sorge: Wenn Menschen nicht mehr glauben, was in den Medien informiert wird, wenn Menschen auch Politikern nicht mehr glauben, dann fliegt uns unser wunderschönes System Demokratie früher oder später um die Ohren.« (Video ab 8:00)

- „Finis Germania“: Der Spiegel rechtfertigt Eingriff in seine Bestseller-Liste und macht alles nur noch schlimmer (Meedia, 26.07.2017)
In eigener Sache "Finis Germania" und die SPIEGEL-Bestsellerliste (Susanne Beyer, SPON, 25.07.2017)
- "Finis Germania": Wie ein rechtsextremes Buch von der Bestsellerliste verschwand (Claudia Tieschky, Süddeutsche Zeitung, 25.07.2017)
- Rauswurf für rechtsradikales Buch – Bestsellerliste ohne „Finis Germania“ (Christian Schröder, Tagesspiegel, 25.07.2017)
- „Finis Germania“ von Sieferle : Warum der „Spiegel“ das Skandal-Buch aus seiner Liste streicht (FAZ.net, 25.07.2017)
Mats Schönauer "Finis Germania" Der rechte, rechte Platz ist frei: „Spiegel“ löscht heimlich Skandalbuch aus Bestsellerliste (ÜberMedien, 22.07.2017)

»Die einzige Art, gegen die Pest zu kämpfen, ist die Ehrlichkeit.« [Albert Camus]

Liberalismus vs. Autoritarismus

• Zu den fünf wichtigsten Themen, die die Teilnehmer des SZ-Projekts "Democracy Lab" ausgewählt haben, gehört die Frage nach Werten.

• Hier haben wir einige Thesen versammelt, die - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - zeigen, entlang welcher Linien über das große Thema Werte hierzulande diskutiert wird.

Eine Frau, älter als 80 Jahre, nicht mehr gut auf den Beinen, bietet eine Breze an. "Sie sehen aus, als hätten sie Hunger", sagt sie, nimmt das Gebäck aus ihrer Papiertüte. "Ich kann ja gleich nochmal gehen, ich habe Zeit." Dann erzählt sie unvermittelt, wie sie als Jugendliche Musik gemacht hat, mit dem Akkordeon. Wie sie geübt hat, wie viel Spaß sie hatte und wie diszipliniert sie dabei gewesen sei. Kurze Pause. Disziplin sei wichtig gewesen damals. Nochmal Pause. Das habe auch an der Führung gelegen. Und dann: "Bös' hat er es ja nicht g'meint, der Adolf."

Das war ein Gespräch über Werte. Über Hilfsbereitschaft und Disziplin. Es zeigt, wie kompliziert das Thema, wie wichtig die Perspektive ist und welche Fallstricke vorhanden sind. Die Frau hat mit uns während der Deutschlandtour des Democracy Lab gesprochen (hier dazu mehr). Während dieser Tour haben wir Themen gesammelt, die das Land bewegen. Überall sprachen die Menschen die Frage nach den Werten an.

Im Netz gibt es von fast allem lange Listen, auch solche, die Werte aufführen, von A wie Abenteuer und Abgeklärtheit bis Z wie Zuverlässigkeit und Zweckmäßigkeit. Das Thema ist ein philosophisches, ein politisches, ein soziologisches. Das Thema ist schwer zu fassen.

Hier dennoch ein - notwendigerweise - unvollständiger Versuch, einige wichtige Thesen, entlang derer aktuell in Deutschland über das komplexe Themenfeld Werte und Demokratie diskutiert wird, darzustellen.

mehr:
- Democracy Lab – Der entscheidende Kampf: Liberalismus vs. Autoritarismus (Sebastian Gierke, Süddeutsche Zeitung, 04.09.2017)

siehe auch:
- Die Gutmenschen-Diktatur: Gleichheit, Brüderlichkeit! – Wo bleibt die Freiheit? (Post, 04.09.2017)
- Eine Lethargie liegt auf dem Land – Das Merkel-Syndrom (Post, 03.09.2017)

Mainstream gegen rechts: Die notwendige Auseinandersetzung

Streit ist der bessere Weg: Thomas Wagner plädiert für einen unverkrampften Umgang mit den „Neuen Rechten“.

Schon wieder ein Buch über die sogenannten Neuen Rechten. Kaum ein Thema wird derzeit auf dem Buchmarkt so häufig beackert, eher selten erfährt man dabei Neues. Thomas Wagner legt dagegen ein Werk vor, das sich in einem Punkt wohltuend unterscheidet und so zum Erkenntnisgewinn beiträgt: Er redet mit den Protagonisten der Szene, und er liest ihre Schriften, bevor er über sie schreibt. Das klingt banaler, als es ist, denn noch immer gilt in der Bundesrepublik der Bannfluch: Mit „Rechten“ spricht man nicht. Den jüngsten Eiertanz dazu führte ausgerechnet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ auf, das seine Bestsellerliste manipulierte, um seine Leser vor dem Buch „Finis Germania“ zu bewahren, geradezu so, als seien diese nicht zu einem selbständigen Urteil in der Lage.

Wagner, der als Autor unter anderem für „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Freitag“ und „Junge Welt“ arbeitet, nähert sich der Materie weitgehend unbefangen und geht noch einen Schritt weiter: 1968, so seine These, war nicht nur der Ursprung eines linksliberalen Gesellschaftsmodells, sondern auch der Neubeginn der politischen Rechten. Die pflegte fortan nicht nur das Feindbild der Achtundsechziger, sondern lernte zunehmend auch von deren Aktionsformen. So verabreden sich ihre Vertreter heute zu Sitzblockaden vor dem Eingang der CDU-Bundeszentrale, sie lassen Losungen („Sichere Grenzen – sichere Zukunft“) vom Brandenburger Tor herunter oder platzen spontan in Lesungen und Theateraufführungen. „Es ist wie ein Déjà-vu. Nur mit umgekehrten Vorzeichen“, schreibt Wagner. „Heute sind es nicht mehr elitäre Kulturkonservative, sondern egalitär gesinnte Linksliberale, die auf den alten Sponti-Trick hereinfallen.“

mehr:
- AfD und Pegida : Raus aus der Bunkermentalität (Stefan Locke, FAZ.net, 04.09.2017)

Heute vor 40 Jahren – 5. September 1977: Die RAF entführt Hanns Martin Schleyer

Am 5. September 1977 hatte ein Kommando der Roten Armee Fraktion (RAF) in Köln Schleyers Auto gestoppt, seinen Fahrer sowie drei Sicherheitsbeamte erschossen und den Arbeitgeberpräsidenten gekidnappt. Es war der spektakulärste einer ganzen Reihe von Terrorakten, mit denen die Gruppe seit Anfang der 1970er Jahre den Staat herausgefordert hatte. Es begannen sechs dramatische Wochen: der "Deutsche Herbst", der das Land für immer veränderte.

Die Polizei begann die bis dahin größte Fahndungsaktion, um das Versteck zu finden, in das die Terroristen Schleyer verschleppt hatten. Erstmals sah man Beamte mit Maschinenpistolen und gepanzerte Polizeifahrzeugen auf den Straßen, überall gab es Kontrollen. Der Bundestag verschärfte im Eilverfahren Sicherheitsgesetze.

mehr:
- RAF-Terror 1977: Was ist ein Leben wert? (Ludwig Greven, ZON, 11.03.2017)

siehe auch:
- 40 Jahre Deutscher Herbst – Spurensuche im "Volksgefängnis" der RAF (Christian Wernicke, Süddeutsche Zeitung, 06.09.2017)
- Schleyer-Entführung 1977: "In Erfüllung seiner Pflicht" (Jürgen Dahlkamp, SON, 05.09.2017)
- Hinrichtung am Straßenrand – Als die RAF Hanns Martin Schleyer entführte (Rüdiger Franz, Bonner Generalanzeiger, 05.09.2017)
- Schleyer-Entführung vor 40 Jahren: So veränderte der Terror-Herbst die Republik (Südkurier, 05.09.2017)
- Vor 40 Jahren: Hanns Martin Schleyer in Köln entführt (Dominik Reinle, WDR, 05.09.2017)
- Ein Herbst wie kein anderer (Lilian Häge, FAZ, 05.09.2017)

Die Geschichte der RAF - Teil 4: Der Deutsche Herbst das Jahr 1977 {43:37}

Veröffentlicht am 01.02.2015
History Tube HD
Die Geschichte der RAF - Teil 4: Der Deutsche Herbst das Jahr 1977
28 Jahre lang versetzte die Rote Armee Fraktion die deutsche Politik und Wirtschaft in Angst und Schrecken. Vor 45 Jahren gegründet, wollten die Männer und Frauen der RAF die Bundesrepublik radikal verändern. Dieses Ziel haben die Linksextremen nicht erreicht - doch mit ihren Taten brachten sie den Staat an seine Grenzen.
Die so genannte zweite Generation der RAF prägte mit kaltblütigen Morden einen weiteren Mythos dieser Terror-Organisation: Niemand in Staat und Wirtschaft konnte sich mehr sicher fühlen. Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt galten als die Führungsfiguren dieser zweiten Generation.

Montag, 4. September 2017

Die Gutmenschen-Diktatur: Gleichheit, Brüderlichkeit! – Wo bleibt die Freiheit?


Nötigung bezeichnet allgemein eine unzulässige Gewaltanwendung oder Drohung, die das Opfer zu einer Handlung zwingt, die dieses nicht wünscht. Der Begriff ist in Bezug auf die Begriffe Zwang und Gewalt, rechtssprachlich die Vis absoluta („überwältigende Gewalt“, insbesondere körperlich) und die Vis compulsiva(„beugende Gewalt“, die in die Richtung eines psychischen Zwanges geht), durchaus kritisch zu sehen, und wird in den Rechtsprechungen sehr diffizil beurteilt. [Nötigung, Wikipedia, abgerufen am 04.09.2017]
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Prominente hätten die Verantwortung, zu manchen politischen Fragen Haltung zu zeigen, findet TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf – und dass Schlagersängerin Helene Fischer der nicht nachgekommen sei. 

Das Schlagersängerin Helene Fischer sich nie öffentlich zur Flüchtlingskrise geäußert hat, stößt bei TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf („Circus Halligalli“) auf Kritik. Als Prominenter habe man die Verantwortung, zu manchen politischen Fragen Haltung zu zeigen, sagt Heufer-Umlauf in der aktuellen „Spiegel“-Ausgabe. „Helene Fischer müsste doch nur einmal sagen: ‚Hierher kommen Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Lasst uns denen helfen. Meine Empfehlung, Ihre Helene Fischer.‘ Sie muss keine ewig langen Facebook-Posts schreiben. Ein Satz vor einem Konzert würde reichen. Die Leute würden ihr zuhören.“
mehr:
- Moderator fordert Haltung : Klaas findet Helene verantwortungslos (02.09.2017)

Numbers USA - deutsch - Alle Gutmenschen, bitte 4 Min. zuhören!!!

Veröffentlicht am 20.01.2016
Zweite Welt
Die einzigartige Darstellung von Zahlen Daten Fakten. Warum berichtet die Presse nicht darüber?
Hier wird kein Gutmensch weggucken können.

siehe auch:
- Kinder der Freiheit und Aufklärung! Eure Eltern liegen im Sterben! (AlterMannBlog, 31.08.2017)

Sarrazin beim Club SF1 Wie Gutmenschen auf Kritiker losgehen {8:12}

Veröffentlicht am 15.11.2010
PlainCitizen
Ausschnitt aus der Diskussion mit Sarrazin am Schweizer Fernsehen (2.11.2010). Der Lehrer Alain Pichard erläutert, wie Gutmenschen auf Kritker losgehen und wie sie reagieren, wenn die Kritik unwiderlegbar ist.

Auf den Punkt gebracht von Serdar Somuncu {2:29}

Veröffentlicht am 26.03.2016
DER Lanky
Ausschnitte aus ZDF und ARD
"Hart aber Fair", "Maybritt Illner" und "Jahr der Flüchtlinge"
Meinungsäußerung von Serdar Somuncu.
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Viel zu wenige fragen sich woraus Probleme resultieren oder wo Probleme ihren Anfang haben. Herr Somuncu hat das mehrfach sehr gut auf den Punkt gebracht. Ein toller Denkanstoss für jeden.  

Heinz Rudolf Kunze. Willkommen Liebe Mörder {3:07}

Veröffentlicht am 12.01.2016
Verband Deutscher Rechtssachverständiger
Willkommen Liebe Mörder
dazu siehe:
- "Dieses Spiel habe ich verloren" (Peter Wenig, Berliner Morgenpost, 26.02.2016)
nach der Lektüre dieses Interview kann man mal auf Youtube gehen und sich die Kommentare unter obigem Video ansehen!

Frustrierender Kampf gegen das System: Doping-Forscher Simon schmeißt hin

Perikles Simon will nicht mehr für einen sauberen Sport kämpfen. Nach der Veröffentlichung seiner aufsehenerregenden Studie sieht er kaum Hoffnung auf Besserung.

Der Sportmediziner und Dopingforscher Perikles Simon (44) hat aus Enttäuschung über die Strukturen im Anti-Doping-Kampf seinen Rückzug angekündigt.

"Ich werde die Dopingforschung definitiv aufgeben", sagte Simon der Allgemeinen Zeitung Mainz: "Wenn der Wille im Sport fehlt, eine gewisse Unabhängigkeit zu schaffen und man beim Thema Doping den ethischen Maßstäben nicht gerecht werden kann, dann muss man als Wissenschaftler Konsequenzen ziehen."

Simon war Co-Autor einer aufsehenerregenden Studie von Wissenschaftlern der Universität Tübingen und der Harvard Medical School, die erst nach jahrelangem Rechtsstreit veröffentlicht wurde.

mehr:
- Perikles Simon tief enttäuscht: Werde die Dopingforschung aufgeben – Forscher gibt Anti-Doping-Kampf auf (Sport1, 03.09.2017)

siehe auch:
- Anti-Doping-Forscher Simon: „Verwerflich, wenn man da mitmacht“ (Anno Hecker, FAZ, 29.08.2017)
Zitat:
»Ohne strukturelle Anpassung können wir nichts erreichen. Die Zahlen (ein Drittel der WM-Teilnehmer und 45 Prozent der Athleten bei den Panarabischen Spielen 2011 räumten Doping ein (d.Red.) sprechen doch für sich. Die Ohnmacht Doping zu bekämpfen folgt einer gewissen Logik in der Vorgehensweise auf die immer wieder aufkochenden Skandale. Die dann folgenden sporttypischen Abwehrreflexe gehen zu Lasten der Athleten. Ihnen werden alle Verbindlichkeiten und Beschwerlichkeiten auf die Schultern geladen, während das Verbandssystem, Sportpolitik und die Handlungen Außenstehender reingewaschen werden. So wird es auch jetzt wieder sein. Da gebe ich mich keiner Illusion hin. Es wird wider besseren Wissens hauptsächlich das Testsystem hochgefahren und der Athlet belastet und in den Fokus genommen. Es werden wieder Schwarze Schafe gesucht und gefunden. Das war es dann, und wir gehen in die nächste Doping-Dekade. Wir müssen erkennen, auf welch unterirdischem Niveau wir uns im Anti-Doping-Kampf bewegen.«
Doping - Perikles Simon: "Es ist erstaunlich, dass ich da nicht drüber reden darf!" {11:31}

Veröffentlicht am 04.12.2014
Steve Barnes
Prof. Dr. Perikles Simon über Doping im Hochleistungssport -Sportstudio vom 20.07.2013 über zurückgehaltene Daten der IAAF

- Doping: Forscher Simon sagt Skandale in Deutschland voraus (Lorenz Vossen, N24, 16.07.2017)
Zitat:
»[…] dieses Hase-und-Igel-Rennen ist momentan nicht der Hauptgrund für unrealistische Dopingquoten. Das ist der mangelnde Wille der Verbände. Hat ein Verband den Willen und zeigt, dass geeignete Verfahren flächenmäßig eingesetzt werden, dann sähe es mit der Aufdeckungsquote anders aus.
Die Interessenskonflikte im Antidoping-Bereich müssten mal sauber aufgearbeitet werden. Ich sehe als Sportmediziner bei mir in der Ambulanz Nachwuchsathleten und kann mir ausmalen, wie viele von denen später an der Nadel hängen. Die im Prinzip Drogen nehmen wie ein Junkie am Bahnhof. Ich habe mit einem Kollegen eine Erhebung durchgeführt: Sieben Prozent der durchschnittlich 16-Jährigen gaben an, dass sie bereits Dopingmittel nehmen.«

- Dopingforscher Perikles Simon im Interview Doping im Fußball: "Unrat bis über beide Ohren" (Christian Hönicke,  Tagesspiegel, 05.03.2015)

Zitat:
»[…] weil es seit Jahrzehnten entsprechendes Wissen gibt, das auch aus dem Fußball nach außen getragen wurde. Wir haben Toni Schumacher mit den ganz klaren Anschuldigungen Richtung systematischen Missbrauchs bestimmter Substanzen. Wir haben Christoph Daum, der es aus Versehen vielleicht rausgelassen hat. Wir haben Epo im Kühlschrank des Vereinsarztes von Juventus Turin gefunden. Wir haben Arsène Wenger, der sich irgendwann genötigt sah zu sagen, ich bekomme hier Spieler aus europäischen Topklubs, und die haben alle auffällige Blutwerte, das ist doch hier womöglich systematisches Blutdoping. Wenn ein Trainer, der im Glaskasten sitzt, das so ganz klar sagen muss, dann wird einem schnell sonnenklar, dieses System reagiert wirklich nur, wenn ihm der Unrat bis über beide Ohren steht. Und das ist ein Zustand, der im Sinne der Kinder, die sich in diesem Sport befinden und des Eventcharakters, so nicht akzeptabel ist. Es wird nichts getan, nichts investiert, um den Missbrauch dieser Spieler und ihrer Körper zu stoppen. Das ist eine Unverschämtheit, nichts anderes. Ich kann es mir nur so erklären, dass allein die Frage nach Doping im Fußball ein absolutes Tabu ist. […]
Nach dem Buch von Toni Schumacher war es problemlos möglich, diesen Mann für längere Zeit aus dem System Fußball zu entfernen. Nach den Dopingenthüllungen um Juventus und Olympique Marseille ist quasi nichts passiert. Das würde es so etwa im Radsport nicht geben, da hätte sich die Presse draufgestürzt und die Sportler belagert, die Polizei hätte Razzien durchgeführt. Das ist alles im Fußball nicht geschehen. Und das geht nur mit einem sehr komfortablen Schutzschild. Dieser Schutzschild wird jetzt für den Fußball zum Bumerang. Wenn selbst die Basis den Nonsens nicht mehr hinnimmt, den die sogenannten Experten verbreiten, dann hat man ausgespielt.

Sportmediziner Dr. Perikles Simon im Interview: Doping und Leistungssport gehen Hand in Hand {23:33}

Veröffentlicht am 08.08.2016
RT Deutsch
Prof. Dr. Dr. Perikles Simon, Sportmediziner an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz erklärt im Interview mit Jasmin Kosubek, warum Doping und Leistungssport heute kaum noch voneinander zu trennen sind. Trotz regelmäßiger Doping-Skandale ändert sich substantiell nichts an dem System.

- Studie "Doping in Deutschland": Berliner Forscher erneuern Vorwürfe (SPON, 08.11.2012)
Zitat:
Hamburg - Die Berliner Forscher haben ihre Vorwürfe im Zusammenhang mit dem vorläufigen Scheitern der Studie zur Dopingvergangenheit in Deutschland erneuert. Sie könnten ihre Ergebnisse nicht vorstellen, sagten sie in Frankfurt an der Oder. "Wir können unsere Daten leider nicht veröffentlichen, weil wir vertragstreu zum Projektträger sein müssen. Andererseits können wir rechtlich belangt werden", sagte Professor Giselher Spitzer.

- Doping-Forscher bricht mit Uni: Neuer Streit um Aufklärung in Freiburg / Disput über Honorar. (Andreas Strepnick, Badische Zeitung, 15.03.2017)
Zitat:
Der Streit um die Vergangenheit der Freiburger Sportmedizin währt nun fast zehn Jahre. Die Aufklärung verschliss zwei Untersuchungskommissionen, denen 16 zum Teil hochrangige Wissenschaftler angehörten. Die schlagkräftige Forschergruppe unter der Kriminologin und Mafia-Expertin Letizia Paoli von der Universität Leuven in Belgien war im März 2016 unter Protest zurückgetreten. Paoli und Co. warfen der Uni wiederholt Behinderungen ihrer Arbeit vor und sahen zum Schluss ihre Unabhängigkeit nicht mehr gewährleistet.
- "Testsystem in die Tonne treten" – Dopingstudie schreckt Leichtathletik auf (n-tv, 29.08.2017)
Zitat:
Die spektakuläre Dopingstudie beschäftigte sechs Jahre lang die Juristen, der Leichtathletik-Weltverband IAAF wollte die Veröffentlichung verhindern - nun sind die erschütternden Zahlen Gewissheit. Etwa 40 Prozent der Leichtathleten bei der WM 2011 in Daegu/Südkorea waren gedopt. Die Zahl ist ebenso erschreckend wie die Tatsache, dass damals nur 0,5 Prozent der getesteten Athleten als Sünder enttarnt wurden.
Experten sehen in der Studie einen weiteren, äußerst belastbaren Beleg, dass die Zahl dopender Spitzensportler dramatisch höher liegt als von den internationalen Verbänden und Institutionen anerkannt. "Über Jahrzehnte wurde uns vorgegaukelt, dass man das Dopingproblem marginalisieren und individualisieren dürfe. Die schwarzen Schafe sind einzelne Sportler, oder 'nur' Russland – und auf jeden Fall immer die anderen", sagte der Sportmediziner und Dopingforscher Perikles Simon, der Co-Autor der Studie ist: "Die Wahrheit ist: Dieses Testsystem können wir komplett in die Tonne treten. Da gibt es gar nichts, keine Struktur, keine Idee, keine funktionierende Methodik."

Warum gerade Russland so oft am Doping-Pranger steht {7:16}

Veröffentlicht am 08.08.2016
RT Deutsch
Am Freitag haben die 27 Council-Mitglieder des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF in Wien über die Suspendierung des russischen Verbandes und somit über den Ausschluss von den Olympischen Spielen in Rio entschieden. Prof. Dr. Dr. Perikles Simon von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz beantwortet im RT Deutsch Interview, warum gerade russische Athleten beim Thema Doping so oft am Pranger stehen. Mehr auf unserer Webseite: https://deutsch.rt.com/ .

Gen-Forscher Perikles Simon hält den Anti-Doping-Kampf für ineffektiv und unglaubwürdig (Ute Gallbronner, Schwäbisches Tagblatt, 10.11.2010)
Zitat:
Grund für [Simons] Skepsis sind Umfragen, wonach beispielsweise 8 Prozent aller Athleten in den (kontrollierten) Nachwuchskadern Doping zugegeben haben. "Mit Kollegen aus den USA und Kanada bin ich mir einig, dass eine vernünftige Expertenschätzung für Doping unter Eliteathleten im Erwachsenenbereich bei rund 40 bis 60 Prozent liegt", sagt Simon. Beweise gibt es dafür derzeit nicht. Aber auch wenn man die Zahl niedriger ansetzt, nehmen sich die 0,3 Prozent derer, die erwischt werden, mager aus.

- Bayreuther Anti-Doping-Forscher fordert Gesetzesänderungen (Nordbayerischer Kurier, 12.08.2013)
Zitat:
„Bei vielen Gruppen besteht deshalb gar kein Interesse daran, Dopingsünder auffliegen zu lassen. Im Gegenteil: Sie werden oft von ganz oben gedeckt.“ […] Die Nationale Antidoping Agentur (Nada) gibt derzeit jährlich etwa fünf Millionen Euro aus. Vergleicht man das mit Ablösesummen im Fußball, sind das „nur Kleckerbeträge“. So können Doping-Fahnder den Wettlauf mit dopenden Sportlern nicht gewinnen. Vor allem, da die Doping-Palette ständig wachse. „Ich könnte Methoden nennen, die mit heutigen Testverfahren erst in fünf bis zehn Jahren enttarnt werden könnten“, erklärt Schmidt die immer fortschreitende Entwicklung von Dopingmitteln. „Manche Substanzen bekommt man für fünf Euro im Internet.“ So erziele zum Beispiel das Einatmen bestimmter Gase die gleiche Wirkung wie ein Höhentraining. „Dieses Doping hat teilweise schon Einzug in den Sport gehalten, die Gefahr ist aber: Wenn man zu viel einatmet, ist das tödlich.“
- Die Doping-Erkenntnisse der DDR-Wissenschaftler werden weltweit bis heute genutzt Doping in der DDR (6): Die Geschichte der Anabolika -- von Margitta Gummel bis zum Amerikaner Mike Stulce – Aus Jena rund um den Globus (Berliner Zeitung, 11.04.1994)
Zitat:
»Der positive Wert der anabolen Steroide für die Leistungsentwicklung ist unbestritten. Spitzenleistungen oder ihre Weiterentwicklung ist durch alleinige trainingsmethodische Maßnahmen heute nicht mehr möglich. In Sportarten mit meßbaren Leistungen läßt sich dies durch Meter, Sekunden oder Kilogramm eindeutig nachweisen. Steigerungsraten:
Die Leistungen konnten mit Unterstützung dieser Mittel innerhalb von vier Jahren wie folgt gesteigert werden (diese Entwicklungsraten waren in den vergangenen vorherigen olympischen Perioden mit reinen Trainingsmaßnahmen nicht möglich gewesen):
Kugelstoßen (Männer) 2,5-4 Meter; Kugelstoßen (Frauen) 4,5-5 Meter; Diskuswurf (Männer) 10-12 Meter; Diskuswurf (Frauen) 11-20 Meter; Hammerwurf 6-10 Meter; Speerwurf (Frauen) 8-15 Meter; Fünfkampf […] eine ca. 20prozentige Steigerung der bisher für möglich gehaltenen Punktzahlen; 400 m Frauen 4-5 Sekunden; 800 m Frauen 5-10 Sekunden; 1 500 m 7-10 Sekunden. Ein 100-m-Lauf der Frauen unter 11,2 Sekunden ohne die Anwendung von unterstützenden Mitteln wird von allen Fachleuten als ausgeschlossen betrachtet.« [aus der Vertraulichen Verschlußsache »Zum Stand der Anwendung von unterstützenden Mitteln« Dr. Höppner, Chefarzt des Sportmedizinischen Dienstes (SMD), Frühjahr 1977]


Sonntag, 3. September 2017

Heute vor 90 Jahren – 3. September 1927: Erwin Piscator eröffnet seine Bühne am Nollendorfplatz

So eine Premiere wünscht sich kein Theaterintendant: Noch eine Stunde vor Beginn der Vorstellung waren nicht alle Requisiten fertig. Selbst in der ersten Pause mussten noch die letzten Szenen eingeleuchtet werden. Und dabei stand an diesem Abend doch so viel auf dem Spiel: Mit ”Hoppla, wir leben” von Ernst Toller nicht nur die Uraufführung eines Stückes, sondern auch Spielzeiteröffnung und die Einweihung eines neuen Theaters. Für Erwin Piscator, den 33-jährigen Intendanten, der bislang nie ein Haus geleitet hatte, war jener Abend des 3. September 1927 ein ganz entscheidender Moment.

Dieser Tag brachte ihm, der damals aus seiner kommunistischen Gesinnung keinen Hehl machte, den ersehnten Durchbruch: Der Abend endete gar damit, dass das Publikum und mit ihm die Akteure auf der Bühne die Internationale anstimmten. Am Tag danach schäumte zwar die konservative Presse, die von Tollers Revolutiondrama ”alles in den Dreck gezogen” und auch die Nationalhymne ”von Katzenmusik” verunglimpft sah. Aber der Theaterkritiker Alfred Kerr schrieb:

Zitat: 

”Ich will Propagandawerke heut! Die Welt ist für tendenzlose Kunst unreif. Zwölf Millionen Leichname, schwachsinnig zerfetzt, bewiesen es. Die Kunst mit einer bestimmten Lehre wird für die Zukunft, meine Teuren, sehr wichtig sein.”
mehr:
- 03.09.1927: Erwin Piscator eröffnet seine Bühne am Nollendorfplatz (Jürgen Heilig, SWR2Zeitwort, 03.09.2013, PDF)

Erwin Piscator {4:45}

Veröffentlicht am 24.05.2016
Silvio Martín
Projection Design

Nach der fristlosen Kündigung seines Vertrags durch die Volksbühne eröffnet Piscator mit Grundkapital von 400.000,- Mark seine erste eigene Bühne. Die finanziellen Mittel stellt der Gatte der Schauspielerin Tilla Durieux, der Brauerei-Magnat Ludwig Katzenellenbogen, zur Verfügung. Nachdem die Piscator-Bühne sich durch die zusätzliche Übernahme des Lessing-Theaters im März 1928 finanziell überhoben hat, muß Piscator aufgrund eines Konkursantrags der Steuerbehörde im Juni 1928 seine Konzession niederlegen. [Piscator-Bühne (Theater am Nollendorfplatz), Piscators Inszenierungen, erwin-piscator.de]
Gegen eine Schuldsumme von 50.000,- Mark wird Piscator 1929 dank finanzieller Unterstützung durch seinen Freund Felix Weil - Begründer des Frankfurter Instituts für Sozialforschung - und des Theaterunternehmers Ludwig Klopfer als Konzessionär die Eröffnung der zweiten Piscatorbühne möglich (Startkapital: 200.000,- Mark). Das hohe politische Reizpotential des Mehring-Stückes Der Kaufmann von Berlin sowohl nach Rechts ('Vaterlandsverrat') als auch Links ('Antisemitismus') führt zu breiten Protesten. Diese bringen neben den hohen Kosten und technischen Mängeln der komplizierten Inszenierung auch die Zweite Piscatorbühne zu Fall. Während Klopfer das Theater übernimmt, setzt Piscator seine Arbeit mit einem Schauspielerkollektiv fort. [Zweite Piscator-Bühne (Theater am Nollendorfplatz), Piscators Inszenierungen, erwin-piscator.de]
Im Juni 1929 nimmt die sowjetische Filmgesellschaft Meshrabpom Verhandlungen mit Piscator über ein Filmprojekt auf. Ein erster Kurzbesuch in Moskau findet im September 1930 statt; im April 1931 reist der mit einer Schuldsumme von nahezu 100.000 Mark hochbelastete Regisseur für mehrere Monate in die Sowjetunion (1931-36) und beginnt dort mit der Produktion des Spielfilms Der Aufstand der Fischer nach einer Novelle von Anna Seghers. Nach etlichen Verzögerungen erlebt der Film seine Premiere im Oktober 1934. Während seiner Jahre in Rußland entwickelt Piscator zahlreiche weitere, unrealisierte Projekte (deutschsprachiges Exilantentheater in Engels; weitere Filmdrehbücher 1935/36). 1934 wird er zum Präsidenten des wenige Jahre später aufgelösten Internationalen Revolutionären Theaterbundes (IRTB) ernannt. In Abwesenheit wird Piscator von den NS-Machthabern ausgebürgert und seine Berliner Wohnung konfisziert. [Piscators Inszenierungen, erwin-piscator.de] 
Ernst Toller "Hoppla, wir leben" {3:11}

Veröffentlicht am 20.06.2012
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Autorenrezitation: Ernst Toller (Aufnahme 1930)
Text:
Hoppla.wir leben (Auszug aus dem gleichnamigen Drama)
Karl Thomas:
Und nun will ich euch eine Geschichte erzählen. Kein Märchen.
Eine Geschichte, die passiert ist, bei der ich dabei war. Während des Krieges lag ich irgendwo in Frankreich im Schützengraben. Plötzlich, nachts, hörten wir Schreie, so, als wenn ein Mensch furchtbare Schmerzen leidet. Dann war's still. Wird wohl einer zu Tode getroffen sein, dachten wir. Nach einer Stunde vernahmen wir wieder Schreie, und nun hörte es nicht mehr auf. Die ganze Nacht schrie ein Mensch. Den ganzen Tag schrie ein Mensch. Immer klagender, immer hilfloser. Als es dunkel wurde, stiegen zwei Soldaten aus dem Graben und wollten den Menschen, der verwundet zwischen den Gräben lag, hereinholen. Kugeln knallten, und beide Soldaten wurden erschossen. Noch mal versuchten's zwei. Sie kehrten nicht wieder. Da kam der Befehl, es dürfe keiner mehr aus dem Graben. Wir mußten gehorchen. Aber der Mensch schrie weiter. Wir wußten nicht, war er Franzose, war er Deutscher, war er Engländer. Er schrie, wie ein Säugling schreit, nackt, ohne Worte. Vier Tage und vier Nächte schrie er. Für uns waren es vier Jahre. Wir stopften uns Papier in die Ohren. Es half nichts. Dann wurde es still. Ach, Kinder, vermöchte ich Phantasie in euer Herz zu pflanzen wie Korn in durchpflügte Erde. Könnt ihr euch vorstellen, was da geschah?
Fritz:
Doch.
Grete:
Der arme Mensch.
Karl Thomas:
Ja, Mädchen, der arme Mensch! Nicht: der Feind. Der Mensch. Der Mensch schrie. In Frankreich und in Deutschland und in Rußland und in Japan und in Amerika und in England. In solchen Stunden, in denen man, wie soll ich's sagen, hinabsteigt bis zum Grundwasser, fragt man sich: Warum das alles? Wofür das alles? Würdet ihr auch so fragen?
Fritz, Grete:
Ja.
Karl Thomas:
In allen Ländern grübelten die Menschen über die gleiche Frage. In allen Ländern gaben sich Menschen die gleiche Antwort. Für Gold, für Land, für Kohlen, für lauter tote Dinge, sterben, hungern, verzweifeln die Menschen, hieß die Antwort. Und dort und dort standen die Mutigsten des Volkes auf, riefen den Blinden zu ihr hartes Nein, wollten, daß dieser Krieg aufhörte und alle Kriege, kämpften für eine Welt, in der es alle Kinder gut hätten ... Bei uns verloren sie, wurden besiegt.
Bilder:Otto Dix
mehr Gedichte der „verbrannten" Dichter finden Sie unter: http://www.literatisch.de/
 

1931/32 Piscator reist in die Sowjetunion um mit den Dreharbeiten an dem Film "der aufstand der fischer von st. barbara" zu beginnen; die Dreharbeiten und die abschließenden Arbeiten an dem Film dauern bis 1936. Von sowjetischer Seite gibt es zahlreiche formal bestimmte Einwände gegen die Filmarbeit Piscators.
1933 30. Januar, Machtergreifung der Nationalsozialisten. Piscator kann nicht mehr nach Deutschland zurückkehren, da er als Kommunist auf den Fahndungslisten der Gestapo steht. Er bleibt als Emigrant in der Sowjetunion.
1936 Piscator reist im Auftrag des Internationalen Revolutionären Theaterbundes nach Paris; dort erhält er von Wilhelm Pieck aus Moskau den Hinweis über seine drohende Verhaftung für den Fall seiner Rückkehr in die Sowjetunion. Piscator bleibt in Paris. Auf der Suche nach Möglichkeiten wieder in deutscher Sprache inszenieren zu können, fährt er im Sommer zu den Salzburger Festspielen, um dort Max Reinhardt zu treffen. Bei einem Essen auf Schloß Leopoldskron in Salzburg lernt er die Tänzerin und Choreographin Maria Ley-Deutsch kennen. Maria Ley-Deutsch ist Witwe nach dem AEG-Erben Frank Deutsch und lebt seit Jahren in Frankreich. Sie hat ihre Laufbahn als Tänzerin vor Jahren beendet und danach Choreographien geschrieben, vor allem für Max Reinhardt u.a. für die Inszenierung "der sommernachtstraum", Salzburg 1927.
1937 Am 17. April heiraten Maria Ley-Deutsch und Erwin Piscator in Neuilly s/Seine; die Suche nach Arbeitsmöglichkeiten für Theater oder Film gehen weiter. Zahlreiche Reisen nach Spanien, Mexico, in die Schweiz. Die ersten Entwürfe gemeinsam mit Alfred Neumann für das Projekt "krieg und frieden" entstehen.
 [Erwin Piscator, Lebensdaten, Akademie der Künste

Nach der Emigration von Frankreich aus in die Vereinigten Staaten zum Jahreswechsel 1938/39 gründet er an der New Yorker New School for Social Research eine Theaterschule, den Dramatic Workshop. In den amerikanischen Jahren ist Piscator nachweislich an 36 Produktionen mit seinen Studenten als Regisseur oder Supervisor eng beteiligt. Am Dramatic Workshop werden zwischen 1940 und 1951 insgesamt weit über 200 szenische Lesungen bzw. Inszenierungen von Kurzfassungen oder kompletten Stücken durchgeführt.
[Dramatic Workshop, Piscators Inszenierungen, erwin-piscator.de]
In den späten Jahren als Gastregisseur in der Bundesrepublik ab 1951 arbeitet Piscator an fast dreißig verschiedenen Bühnen und ist gezwungen, seine erfolgreichen Inszenierungen an wechselnden Häusern zu wiederholen. Am häufigsten ist er bis 1962 in Essen, Tübingen und Mannheim tätig. Arthur Millers Hexenjagd und seine Adaption von Tolstois Krieg und Frieden inszeniert er zwischen 1954 und 1958 jeweils fünf Mal. [Gastregie in der Bundesrepublik, Piscators Inszenierungen, erwin-piscator.de]
Im Februar 1962 wird Piscator zum Intendanten der West-Berliner Freien Volksbühne berufen. Sein erklärtes Ziel: die Uraufführung gesellschaftskritischer Stücke zu lancieren. Tatsächlich wird das von Piscator uraufgeführte Hochhuth-Drama Der Stellvertreter von den Besucherzahlen her zu seiner zweit-erfolgreichsten Inszenierung. Innerhalb zweier Spielzeiten wird sie über 250 Mal gezeigt; Hochhuths Erstling wird in zahlreichen Ländern gespielt. [Freie Volksbühne Berlin (Theater am Kurfürstendamm, später Freie Volksbühne, Schaperstraße), Piscators Inszenierungen, erwin-piscator.de]