Mittwoch, 27. August 2008

Was ist Radosophie?

Cornelis de Jager

Was sind die Methoden wissenschaftlicher Forschung? Beginnen wir mit einem Beispiel: mit der Astrophysik. Sie ist zum Teil aus der Astrologie hervorgegangen. Unsere Vorfahren glaubten, auf einer flachen Scheibe zu leben, und so konnte das Firmament mit seinen Fixsternen für sie nur eine Kuppel sein, die sich über dem damals bekannten Teil der Erde wölbte, einem Gebiet mit einem Radius von ein paar tausend Kilometern. Überraschenderweise entdeckten sie unter diesen Fixsternen noch andere Himmelskörper – die Wandelsterne oder Planeten –, die oft heller leuchteten und sich auf scheinbar willkürlichen Bahnen am Firmament bewegten. Es ist nur logisch, daß unsere Vorfahren, ihrer Philosophie gemäß, diese Bewegungen als Botschaften der Götter an die sterblichen Erdenbewohner deuteten. Sie mußten unbedingt entziffert werden. Eine genaue Beobachtung der Planeten war von größter Wichtigkeit (außerdem mag ein gewisses Interesse an der Sache selbst das übrige getan haben).

Ihre Beobachtungen förderten bestimmte Regelmäßigkeiten zutage, und nach und nach bildete sich sogar ein analytischer Ansatz heraus. So wurde aus der Astrologie schließlich die Astronomie. Sternenkundige entwickelten Modelle der planetarischen Bewegungen – das ptolemäische Modell ist wohl das bekannteste. Die astrologischen Ursprünge dieser Modelle waren allerdings nicht zu verleugnen, im ganzen Altertum blieben sie eng mit der Astronomie verflochten. Lange Zeit machte man nicht einmal einen Unterschied in der Bezeichnung. Außerdem basierten fast alle Konzepte des Universums auf der platonischen Vorstellung einer Ideenwelt, deren vereinfachtes und unvollkommenes Spiegelbild die erfahrene Wirklichkeit sei.

In der wissenschaftlichen Literatur wurde verschiedentlich die Frage aufgeworfen, ob Ptolemäus wohl ein Betrüger gewesen sei. Es ist bekannt, daß er, um seine Theorie darzustellen, gelegentlich auf diejenigen empirischen Daten zurückgriff, die am besten zu den Voraussagen seines Modells paßten, und es sieht so aus, als habe er in anderen Fällen nicht gezögert, die Daten zu verfälschen, um eine bessere Übereinstimmung zu erzielen. Heutzutage wäre dies ein klarer Fall von Wissenschaftsbetrug, doch im Rahmen der platonischen Ideenlehre hatte ein solches Vorgehen im griechischen Altertum durchaus seine Berechtigung.

Die Forderung, am Anfang habe die Beobachtung zu stehen, die dann erst interpretiert und in Regeln und »Gesetzen« zusammengefaßt werden müsse (der Grundgedanke also, daß Forschung empirisch sein sollte), wurde erst gegen Ende des Mittelalters deutlich formuliert, auch wenn einzelne aufgeklärte Geister sie bereits früher erhoben hatten. Umgekehrt wurden aber auch weiterhin und bis in die Gegenwart neoplatonische Ideen vertreten.

Wie sehr man in der Renaissance und der Zeit danach um ein klares Konzept wissenschaftlichen Vorgehens bemüht war, läßt sich an vielen Beispielen zeigen: Kopernikus etwa – einerseits Verfechter einer revolutionären Theorie, vertrat andererseits weiterhin die neoplatonische Lehrmeinung, wonach die Planeten sich auf kreisförmigen Bahnen bewegen. Der Kreis galt nämlich als die vollkommenste Form, und man glaubte doch: »Göttlichkeit handelt immer geometrisch« (Pythagoras). Verglichen mit dem kopernikanischen System erscheint das des dänischen Astronomen Tycho Brahe als Rückschritt (denn es ist geozentrisch), es paßte nun jedoch besser zu den vorliegenden Beobachtungen.

Daß Roger Bacon (im 13. Jahrhundert), aber auch Tycho Brahe (im 16. Jahrhundert) und sogar Isaac Newton Alchemie betrieben, mag uns seltsam erscheinen, doch das Studium der Alchemie hatte – im Gegensatz zur Astrologie – den Vorzug einer empirisch orientierten Vorgehensweise.

Es stellt sich sowieso die Frage, ob es eine wirklich standardisierbare »wissenschaftliche Methode« überhaupt gibt. Meines Erachtens gibt es sie nicht. Wissenschaftliche Forschung beruht auf Logik, gesundem Menschenverstand und Erfahrung bei der Interpretation von Beobachtungen allgemeiner Art. Im Laufe der Jahrhunderte hat der Mensch Techniken entwickelt und verfeinert, die es ihm erlauben, aus Beobachtungen »Gesetze« abzuleiten – oder zu überprüfen, inwieweit eine wissenschaftliche Schlußfolgerung (respektive ein neues Gesetz) korrekter ist als eine frühere Version. Die Methoden sind allerdings vielfältig und sehr verschieden.

Einige Kriterien lauten:
• Die Beweisführung sollte logisch und rational sein.
• Die Beweisführung sollte vollständig und schlüssig sein; sie sollte keine Lücken enthalten.
• Die Hypothese sollte widerlegbar, der experimentelle Beweis wiederholbar sein.
• Die einfachste Annahme ist oft die beste (»Ockhams Rasiermesser«).
• Die Wahrscheinlichkeit einer zufälligen Übereinstimmung von Daten sollte verschwindend gering sein.
• Sehr unwahrscheinlichen oder außergewöhnlichen Behauptungen sollte man mit extremer Vorsicht und allzeit bereitem Mißtrauen begegnen; sie müssen durch schlagende Beweise abgesichert werden.

Man darf jedoch einen dialektischen Aspekt nicht vergessen: Oft sind es gerade die erfolgreichsten und produktivsten Wissenschaftler, die kühn eine neue Hypothese vorstellen, ohne sich dabei auf überzeugende und überwältigende Beweise zu berufen; statt dessen folgen sie eben erst entdeckten Daten, spärlichen oder ungenauen Informationen und häufig auch bloß ihrer Intuition.

Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft ist, daß in letzterer einige oder alle der oben genannten Kriterien nicht berücksichtigt werden.

Die Pseudowissenschaft
• akzeptiert Resultate, die von qualitativ nicht ausreichenden Beweisen gestützt werden;
• verfälscht oder übergeht empirische Daten, die sich mit der favorisierten Annahme oder Theorie nicht in Einklang bringen lassen, sie beschränkt sich auf die Daten, die am besten passen;
• zieht Koinzidenz und Korrelation zur Beweisführung heran und verwechselt Korrelation mit Kausalität;
• legt oft übermäßig großes Gewicht auf die Theorie, in der Erwartung, diese werde alles, was noch unbegreiflich bleibt, erklären können.

Ich will meine Bemerkungen über die Pseudowissenschaft verdeutlichen, und zwar mit der Radosophie. Während die große Zeit der Astrologie als Wissenschaft vorbei und sie als Forschungsfeld so gut wie verschwunden ist, sind andere pseudowissenschaftliche Anschauungen mit einer Verbindung zur Astronomie noch immer verbreitet.
Eine davon ist die »Religion« der Großen Pyramide. Sie kam im ersten Viertel unseres Jahrhunderts auf, als Forscher erstmals die ägyptischen Pyramiden untersuchten. Insbesondere die Cheopspyramide erregte Aufmerksamkeit, und sie hat tatsächlich einige astronomische Besonderheiten zu bieten. Sie ist mit großer Genauigkeit nach Norden ausgerichtet, und das Verhältnis von Höhe zu Basisseitenlänge beträgt 1 zu π/2. Die erste Tatsache beweist, daß die alten Ägypter die Himmelsrichtungen sehr genau bestimmen konnten, die zweite galt als Beweis dafür, daß die Ägypter die Zahl π bereits kannten. Mir scheint, bei letzterem könnte es sich um einen Zufall handeln. Spätere Forschungen haben ergeben, daß früher gebaute Pyramiden einstürzten, weil sie steiler waren. Nach mehreren Experimenten hatte man also mutmaßlich herausgefunden, woran es lag, und baute weniger steil.

Piazzi-Smith und andere stellten extreme Behauptungen auf. Nachdem man als Lä5igenmaß das »Pyramiden-Yard« (PY) zugrunde gelegt hatte – es beträgt 1/20.000.000 des Erddurchmessers (64 Zentimeter) –, stellte man fest, daß die Basisseitenlänge der Großen Pyramide 365,25 PY mißt – was wiederum genau der Anzahl der Tage im Jahr entspricht. Soll das heißen, die Erbauer der Pyramide kannten den Durchmesser der Erde? Oder die taggenaue Dauer eines Jahres? Beachten Sie, daß derart präzise Zahlenangaben eine Vermessung der Basisseitenlänge mit der erstaunlichen Genauigkeit von fünfzehn Zentimetern voraussetzen, was sich angesichts des Zustands der Pyramide als schwierig erweisen dürfte. Außerdem aber beträgt das Doppelte der Diagonalen genau 25.826 Pyramiden-Inches (1 PI entspricht 1/25 PY), und das ist der Präzessionszyklus der Erdachse in Jahren. Wohlgemerkt: diejenigen, die diese Zahl mit einer solchen Genauigkeit angeben, behaupten damit implizit, sie hätten die Diagonale mit einer Genauigkeit von weniger als I PI, also in der Größenordnung von Zentimetern vermessen.

Doch das war noch nicht alles, man tönte des weiteren, es ließe sich eine mathematische Formel finden, mit welcher die Basisseitenlänge der Pyramide (in PY) In Relation zur Entfernung zwischen Erde und Sonne (in Kilometern) gesetzt werden könne. Das würde bedeuten, die Erbauer der Pyramide kannten bereits mehrere tausend Jahre vor der Einführung des metrischen Systems die Länge eines Kilometers. Man stellte noch weitere solcher bemerkenswerten Zusammenhänge zwischen baulichen Daten der Großen Pyramide und Daten aus der Astrophysik oder der Geschichte der Menschheit fest, und diese erregten in weiten Kreisen großes Interesse und Verblüffung. Die Religion der Großen Pyramide blühte und gedieh.

Verschiedene Aspekte pseudowissenschaftlicher Beweisführung sind hier ganz deutlich auszumachen. Am offensichtlichsten ist eine übersteigerte Ehrfurcht vor zufälligen Übereinstimmungen von Zahlen, und einhergehend damit wird die mögliche Anzahl mathematischer Relationen zwischen einfachen Zahlen unterschätzt.

Um das zu verdeutlichen, möchte ich nun eine neue Religion vorstellen. Sie gründet sich auf mein Hollandrad. Warum? Weil ein Fahrrad in meiner Heimat praktisch denselben Status besitzt wie die Pyramiden im alten Ägypten. In meinem Land gibt es 15 Millionen Holländer, aber 16 Millionen Fahrräder.

Ich vermaß die Durchmesser
• des Pedalwegs, der die vorwärtsschreitende Dynamik symbolisiert;
• des Vorderrads, das meinen Weg in eine unbekannte Zukunft lenkt;
• der Lampe, die mir meine Pfade erleuchtet;
• der Klingel, die nur zur der Kommunikation mit Entgegenkommenden dient.
So legte ich den elementaren Grundstein hit eine neue h(ilistische, vierdimensionale Religion, die des anbrechenden Wassermannzeitalters würdig ist: die Radosophie.

Die Meßergebnisse wurden in Heilige-Fahrrad-Inches umgerechnet. I HFI entspricht 17 Millimetern, denn 1 ist die erste und 17 die siebte Primzahl, und die Sieben ist außerdem die heilige Zahl.

Wenn ich die vier gemessenen Werte mit P, W, L und B benenne, zeigt sich, daß



und siehe da, dies entspricht dem Quotienten der Massen von Proton und Elektron. Ich finde es bemerkenswert, daß eine solch simple Relation zwischen drei Parametern meines Fahrrads eine so fundamentale Konstante ergibt; der Schöpfer meines Rades muß sehr begabt gewesen sein. Möglicherweise besaß er übernatürliche Kräfte, denn vielleicht waren ihm die Werte der Massen von Proton und Elektron gar nicht bekannt.

Aber das ist ja noch nicht alles. Die »Feinstrukturkonstante«, eine für die Grundlagenphysik sehr bedeutsame Zahl, lautet 137,0. Und – man staune:



Die Gravitationskonstante lautet



und siehe da:



Ebenso besteht eine Beziehung zwischen meinem Fahrrad und grundlegenden astronomischen Daten. Zum Beispiel beträgt die Entfernung zwischen Erde und Sonne, in Einheiten von hundert Millionen Kilometern ausgedrückt, 1,496. Was stelle ich fest? Daß




Die Lichtgeschwindigkeit beträgt

Kilometer pro Sekunde.

Aus meinen Fahrradparametern errechne ich



Aufgrund der Differenz zwischen den letzten Ziffern möchte ich den Physikern eine Neuberechnung der Lichtgeschwindigkeit nahelegen, denn angesichts der zitierten exakten Übereinstimmungen scheint es sehr unwahrscheinlich, daß der Fehler bei meinem Fahrrad liegt.

Ich könnte die Liste der Kombinationen noch erheblich verlängern. Ich könnte mein Fahrrad zu jeder willkürlich gewählten Zahl in Relation setzen – vom Alter des Weihnachtsmannes bis zur Anzahl der Blumen in meinem Garten. Alle Rechnungen würden aufgehen.

Doch weder an der Großen Pyramide noch an meinem Fahrrad ist irgend etwas Besonderes.

Wählen Sie vier Zahlen A, B, C und D und bringen Sie sie in folgende Rechnung ein:




wobei Sie für a, b, c und d ganze Zahlen zwischen 5 und -5 sowie die positiven und negativen Werte π, 1/2 und 1/3 einsetzen können. Es gibt 83.521 mögliche Kombinationen, und die Wahrscheinlichkeit, daß eine davon einer zuvor bestimmten festen Größe (mit einer Abweichung von 0,01 Prozent) entspricht, ist etwa eins. (Beachten Sie, daß ich im vorigen Teil vorsichtig genug war, alle festen Größen mit lediglich drei oder vier Stellen anzugeben!) Ein einfaches Computerprogramm kann all die Kombinationen ausdrucken, der festen Größe mit einer Abweichung von, sagen wir, 0,1 Prozent entsprechen. In den meisten Fällen waren es etwa zehn mögliche Kombinationen, aus denen ich dann die besten ausgesucht habe. Ein größerer Rechner als meiner, der auf mehr Variablen und Formeln zurückgreifen kann, würde noch weit bessere Ergebnisse ausspucken.

In numerischen Experimenten wie auch im täglichen Leben gibt es immer wieder Fälle von Koinzidenz. Wer nicht begreift, daß solche zufälligen Übereinstimmungen nicht »selten« sind, verwendet sie entsprechend unangemessen und inkorrekt, um die Existenz paranormaler Vorgänge zu beweisen. Die meisten Menschen unterschätzen die gewaltige Menge möglicher Kombinationen von Zahlen. Und das hat es vielen pseudowissenschaftlichen Auffassungen leicht gemacht, sich auszubreiten und allgemeine Anerkennung zu finden.

Cornelis de Jager ist Astrophysiker am Labor für Weltraumforschung in Utrecht, Niederlande.

(Deutsch von Dirk van Gunsteren)

aus Gero von Randow (Hg.), Mein paranormales Fahrrad

Dienstag, 26. August 2008

Was regt sich der Westen so auf?

Saakaschwili läßt in Südossetien bomben, Medwedew in Georgien einmarschieren, der Westen protestiert übereifrig (gegen den Einmarsch).
Medwedew läßt wieder abziehen, der Westen protestiert, daß es nicht schnell genug geht.
Die Südossitier haben Angst, Medwedew erkennt Südossetien und Abchasien an, der SPIEGEL sieht Machtspiele und der Westen eine Krise und Merkel – wenn’s nach der gegangen wäre, würde heute Deutschland im Irak verteidigt – verspricht eine härtere Gangart.
Ja, was sollen sich die Russen denn noch alles gefallen lassen? Was Georgieboy recht ist kann Putin doch nur billig sein. Vielleicht sagt mal Peter Handke was, der hat ja Übung drin, sich in die Nesseln zu setzen. Vielleicht erinnert sich auch noch jemand daran, was mit Kroatien passiert ist (Kurzfassung, Langfassung).
Also: Der Westen wäre gut beraten, etwas vorsichtiger und weniger einäugig zu sein, der Kalte Krieg ist grad um die Ecke, und Bedachtsamkeit sieht anders aus. Oft ist da, wo moralische Empörung draufsteht, Machtpolitik drin.

Amerikanische Militäreinsätze:
- bei aktivepolitik.de
- bei amerikaimkrieg.de
- bei sgipt.org

Es muß dem Westen daran gelegen sein, daß wir nicht nur eine Supermacht haben. Was das bedeutet, haben uns Georgieboy und das Versagen der Vereinigten Nationen und der US-amerikanischen Medien vor dem Irakkrieg eindringlich demonstriert. Zwischen China und den USA wird Europa zermahlen werden. Deshalb sollten wir Europäer uns vor dem US-amerikanischen Schwarz-Weiß-Denken hüten, uns Rußland warmhalten, nicht alles über unser basisdemokratisches Knie brechen (siehe Daniel Cohn-Bendit) und uns nicht in allen Dingen nach Amerika richten, eine solch einseitige Orientierung kann uns nur zum Nachteil gereichen.

Amerika hat uns in schwierigen Zeiten sehr geholfen, und ohne Amerika wäre vielleicht unser GröFaz (größter Führer aller Zeiten) Adolf noch an der Macht. Aber Amerika hat sich in den letzten 40 Jahren zum Nachteil verändert (siehe Eisenhowers Warnung). Und dem müssen wir Rechnung tragen.












… und wem das alles zu schwierig ist, der kann sich ja an Matulas Hochzeit ergötzen…

Wirklich nicht real

Die Frau ist nicht echt:

www.spiegel.de/video/video-35067.html

mehr bei SPIEGEL online

Emanzipation

in der Schule (bei SPIEGEL Online)
im Beruf (bei ZEIT Online)

… und im Straßenverkehr:

Rindviecher und Kompaßnadeln

Kühe (bei ZEIT Online)
und dann gibt’s auch noch soziale Kapuzineraffen (bei SPIEGEL Online)

Wozu Mathematik doch gut ist…

Italienischer Fußball bei (SPIEGEL Online)

… und wozu ebay gut ist (Festplatten bei SPIEGEL Online)

Was so auf dem Mittelmeer passiert…

oben
und unten (beides bei SPIEGEL Online)

Dreckskerle und Schwule

Dreckskerle sind Womanizer

LAS CRUCES – Die netten Jungs haben’s schon immer gewußt, wenn sie mal wieder zu kurz gekommen sind: Nur die coolen Draufgänger machen die besten Mädels klar – und die restlichen dazu. Die Anziehungskraft der Womanizer liege im „dunklen Dreiklang“ aus leichtem Narzissmus, einem Hauch Psychopathie, garniert mit Machiavellismus, der sich im Laute der Evolution durchgesetzt habe, erklären Psychologen um Peter Jonason von der New Mexico State Univercity in Las Cruces im NEW SCIENTIST. Die Forscher testeten dazu 200 Studenten auf ihre Persönlichkeit und befragten sie zu ihrem Sexualleben und der Dauer ihrer Beziehungen Ergebnis: Selbstverliebte, gefühllose und manipulative Charaktere neigten zu kurzen und häufigen Affären.
Diese Eigenschaften hätten sich im Laufe der Evolution als erfolgreich erwiesen, allerdings nur bei Männern.

Wer nicht leer ausgehen will, besinne sich auf seine antisozialen Urinstinkte. Frauenversteher sind nicht nur langweilig sondern auch taktisch unklug.


Bestätigt wird diese Studie von einem Team um David Schmitt der Bradley University in Preoria/Illinois, das Daten von mehr als 35.000 Menschen aus 57 Ländern ausgewertet hat. Der Zusammenhang zwischen dem „dunklen Dreiklang“ und dem Fortpflanzungserfolg ist – kulturübergreifend – nicht zu leugnen. Die Fast-Psychopathen versuchten häufiger, Partnerinnen anderer Männer für eine kurze Affäre aufzureißen, so Schmitt. Hätten sich die Charaktereigenschaften in ihrer extremen Form durchgesetzt, hätte das für Hardcore-Machos schnell den Ausschluss aus der Gesellschaft zur Folge gehabt, vermuten die Forscher.



Schenk’s ihr! …
(Einsprengsel)










Dann gib’s ihr!
(Einsprengsel)











Größte Zwillingsstudie: Es gibt kein Schwulen-Gen!


STOCKHOLM – Homosexualität ist nicht angeboren. Genetische Faktoren spielen bei Männern zu 35 Prozent und bei Frauen nur zu 18 Prozent eine Rolle. Forscher um Niklås Langström vom Karolinska-Institut in Stockholm befragten alle 3.826 schwedischen Zwillingspaare zwischen 20 und 47 Jahren. Gemeinsame Umwelteinflüsse, zum Beispiel Familie, haben bei Männern keine Auswirkung auf die sexuelle Orientierung, bei Frauen allerdings von 16 Prozent. Den stärksten Einfluss auf sexuelle Präferenzen haben bei beiden Geschlechtern die individuellen Erlebnisse von 64 Prozent, so die Forscher in ARCHIEVES OF SEXUAL BEHAVIOR.

Mitglieder des schwullesbischen Fanclubs von Hertha BSC Berlin, der „Hertha-Junxx“









aus Der Kassenarzt, August 2008 (mit Einsprengseln von mir)

Wie es möglich ist, die positive Wirkung »individueller Erlebnisse« unabhängig vom Familienhintergrund zu sehen, ist mir schleierhaft.


Größte Zwillingsstudie: Es gibt kein Schwulen-Gen? Schade!

Sonntag, 24. August 2008

Der Zustand unserer Medienkultur…

Manchmal offenbaren wenige Minuten mehr, als in vielen geschriebenen Worten ausgedrückt werden kann: Bei 3 nach 9 beharkten sich Gabriele Krone-Schmalz und Daniel Cohn-Bendit. Ihr neues Buch über Rußland sollte eigentlich Thema sein. Es wurde zum Schlagabtausch zwischen einerseits festgefahren-formelhaftem und andererseits differenziertem Denken, welches auch mal fragt: »Könnten die Dinge auch in Ordnung sein, wenn sie nicht in mein Überzeugungsschema reinpassen?« Herauskam der Verlust der Sache und eine entlarvende Grundsatzdiskussion, in der deutlich wurde, daß das Einhalten der Form wesentlich für eine konstruktive Auseinandersetzung ist.

Es war sowohl wohltuend, Frau Krone-Schmalz zu sehen, wie sie recht souverän die Fassung bewahrte, und entlarvend, wie platt Herr Cohn-Bendit mit seinen demokratischen Grundüberzeugungen durch die Gegend knüppelte. Bei Radio Bremen kann man sich den Schlagabtausch ansehen und sich danach fragen: Was ist dabei rausgekommen? Für mich zumindest: Ein Daniel, der stolz darauf ist, in 30 Jahren bestimmte Dinge nicht gelernt zu haben. Die etwas mehr als sieben Minuten lohnen sich. (In dem Zusammenhang gewinnt der Satz »Wir sind die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben« eine neue und unerwartete Bedeutung.)


zur Internetpräsenz von 3 nach 9 mit der »Diskussion«

auf der Seite findet man auch Links zu Talkshow-Ausschnitten mit Georg Ringsgewandl, Armin Hary, Galsan Tschinag und Bushido

Freitag, 22. August 2008

Was ist uns was wert?

unsere Demokratie: Wahlen gewinnen mit Haß und Angst (bei SPIEGEL Online)
unsere Medizin: Wieviel würden Sie bezahlen? (bei Deutschland-Debatte), weniger berufspolitisch gefärbt: Der Kampf gegen den Pickel (bei ZEIT Online)
unser persönlicher Erfolg: gecoachte Ichs (bei ZEIT Online)
unsere Partnerschaften: Erwartungen auf dem paartherapeutischen Prüfstand (bei ZEIT Online)
unsere Kinder: Kinderpornographie (ZEIT Online), Prügelstrafe (SPIEGEL Online), Chancengleichheit (ZEIT Online)
unsere persönlichen Daten: die Staatsanwaltschaft ermittelt (bei ZEIT Online)
unser Klima: Kritik der Viehzucht (bei SPIEGEL Online)
die biologische Programmierung unserer Akademiker: heranrobbende Männer (ZEIT Online)
und ihre Bezahlung: rufendes Geld in Nordrhein-Westfalen (bei ZEIT Online)
die Aussagekraft klinischer Studien: ein Kurzkurs (bei PEDro)
unsere bundesdeutsche Leichtathletik: Politikerschelte (bei STERN Olympia)
die Gesundheit unserer Sportler: dopende Trainer bei Olympia (Deutschlandradio)

Donnerstag, 21. August 2008

Bißchen Verschwörung gefällig?

Theorien bei ZEIT online

Wenn Behinderte Lust haben

Nina de Vries ist eine ehemalige Tantra-Masseurin, die erotische Dienstleistungen für Behinderte anbietet. Sie geht mit Männern nackt baden und erklärt, Frauen wie ein Vibrator funktioniert.

mehr bei ZEIT online

Helikopter im Halteverbot

Herzberg. Der als „Knöllchen-Horst“ bekannte Frührentner aus dem Südharz beschäftigt sich jetzt auch mit Rettungshubschraubern. Horst-Werner Nilges hat vor Kurzem einen in Herzberg (Kreis Osterode) im eingeschränkten Halteverbot abgestellten Rettungshubschrauber wegen Falschparkens angezeigt. Das berichtete der Erste Kreisrat des Landkreises Osterode, Gero Geißlreiter, am Mittwoch. Nach dem Bericht Geißlreiters hatte eine Arztpraxis Mitte des Monats den Hubschrauber wegen eines Notfalls angefordert. Weil kein anderer Landeplatz zur Verfügung stand, landete der Rettungshubschrauber an der Bundesstraße 243 im eingeschränkten Halteverbot auf dem Rad- und Fußweg. Die Polizei hatte nach Angaben von Geißlreiter für den 15-minütigen Einsatz die vielbefahrene Straße halbseitig gesperrt.

Rettungshubschrauber im Einsatz












Per Fax hatte Nilges später zusammen mit anderen falsch geparkten Autos das „behindernde Parken“ des Hubschraubers beim Landkreis angezeigt. Der Leiter der Straßenverkehrsabteilung des Landkreises habe die Anzeige zunächst „für einen Witz gehalten und extra noch mal nachgefragt“, sagte Geißlreiter gestern. Der Anzeigenerstatter habe daraufhin das Wort „behindernd“ unterstrichen und damit seinen „Verfolgungswillen“ sehr deutlich gemacht. Horst-Werner Nilges wundert sich, wie „ein Spaß“ zum großen Thema gemacht werde, sagte er gestern dieser Zeitung. Er sei an diesem Tag durch Herzberg gefahren und habe gesehen, wie der Rettungshubschrauber gelandet sei. Das habe er mit einem Bericht über weitere Falschparker zusammen mit einem Foto von dem Hubschrauber an die Straßenverkehrsbehörde gesandt. Allerdings habe er das „Falschparken des Hubschraubers“ in kursiver Schrift und ohne die sonst übliche Nummerierung zwischen die anderen Anzeigen gestellt. „Das hat die Polizei missverstanden“, sagte er. Nilges hat in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben fast 20 000 Anzeigen geschrieben, vor allem wegen Falschparkens. Der frühere Maschinenbautechniker sieht es als seine Aufgabe, „Rechtsverstöße anzuzeigen“.

aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 21.8.2008

Mann, geht’s uns gut! Vielleicht könnte man ja auch Frührentner zur Pflege Demenzkranker einsetzen…

Mittwoch, 20. August 2008

Geiz ist zwar nicht sozial aber geil

Zur Flick-Orgie der seit Helmut Kohl sträflich vernachlässigten sozialen Netze kommt ein weiteres Patchwork-Stück hinzu: Langzeitarbeitslose in der Pflege Demenzkranker. Die Dementen sind ja so neben der Spur, daß sie nicht merken, daß sie von jemandem betreut werden, der nur eine Schmalstspurausbildung hat. Aber da wir grad dabei sind: Im Mainzer Uni-Klinikum, glaube ich, gibt’s jetzt Hotelfachkräfte, die das Essen ans Bett bringen. Wie wär’s denn mit Schmalspurausbildungen für Langzeitarbeitslose in den Bereichen Waschen, Nagelpflege, Betten machen, Pfannen unterschieben, Fieber-, Blutdruck- und Pulsmessen, Medikamente stellen und austeilen. Wir sollten vielleicht einen Manager aus der Siemens-, Mercedes- oder besser noch Nokia-Riege holen, damit der unser Gesundheitswesen auf Trab bringt! Bei mir in der Straße wird grad gebaut. Ich werde mal mit dem Vorarbeiter sprechen, damit ich vielleicht das Toilettenhäuschen für meine Psychotherapiesitzungen kaufen kann. Vielen meiner Patienten geht’s so beschissen, daß denen die Yukka-Palme oder die schönen Vorhänge gar nicht auffallen. Dann könnte ich die Miete sparen. Wenn ich im Winter mit den Patienten Nordic-Walking mache, könnte ich mir auch die Heizkosten sparen und so den schleichenden Einkommensverfall aufhalten. Wenn nächstes Jahr die Niedergelassenen 9% mehr kriegen, geht dann wieder ein Aufschrei durchs Land. Gürtel enger schnallen, in Zeiten der Globalisierung darf es keine Denkverbote geben!

Zum Artikel bei Telepolis
Wenn dann das Engagement der Arbeitenden in den sozialen Bereichen sich dem Einkommen entsprechend nach unten angepaßt hat, kommt dann sowas dabei raus: Stern

Montag, 18. August 2008

Männer

gestorbene, abgestellte, Mapas, verunsicherte, verschwiegene, träumende, suchende, neue, typische, befriedigte, wünschende, umtriebige, anrührige und alle möglichen (und unmöglichen) bei ZEIT-online.

Donnerstag, 14. August 2008

Die schleichende Verlotterung

Seit der deutschen Wiedervereinigung zucke ich bei Sportkommentaren immer wieder, immer öfter und mit zunehmender Intensität zusammen. Im Gegensatz zu den Franzosen waren die deutschen Kommentatoren bis Ende der 80er Jahre von einer angenehmen Zurückhaltung und in ihren Äußerungen über ihre Erwartungen vorsichtig. Das änderte sich mit dem zunehmenden deutschen Selbstbewußtsein im Zuge der Wiedervereinigung. Der arme Fabian Hambüchen wird als »nervenstärkster Zwanzigjähriger« und allen möglichen sonstigen Superlativen belegt. Freunde werden interviewt, die sich überzeugt geben, daß er die Goldmedaille holt. Das muß man im Zuge der zunehmenden Aldisierung unserer Gesellschaft und BILDisierung unserer Medien schulterzuckend hinnehmen.

Heute morgen sah ich, wie Fabian Hambüchen bei seiner Reckübung im Rahmen des Gerätemehrkampfes nach dem Kolman-Salto mit der linken Hand die Stange nicht richtig zu fassen bekam und dann vom Gerät stürzte. (Beim Mannschafts-Finale hatte er sich vergangenen Dienstag am linken Kleinfinger eine Kapselverletzung zugezogen.) Noch keine halbe Minute später sagte der Kommentator noch während Hambüchens Übung: »Nächsten Dienstag hat er ja noch eine Gold-Chance.«

Leute, schämt Euch!

Mittwoch, 13. August 2008

Das schwache Geschlecht

Horst Köhler (65), Bundespräsident, attestiert Frauen Schwierigkeiten im Umgang mit starken Männern. „Viele Frauen haben Probleme mit allein denkenden Männern, sagte er der Zeitschrift „Mann im Spiegel“. Seine Frau Eva habe daran allerdings „eine große Freude“. Auf die Frage, ob mächtige Männer mit der Zeit weiblicher werden, entgegnet er, dass die Versuchung sehr groß sei, „weil diese Männer meist von Frauen umgeben sind und oft meinen, deren Spielregeln übernehmen zu müssen, um anerkannt zu sein“.

Das ist ein Fake, der Originalartikel aus der HAZ vom 13.8.08 lautet folgendermaßen:


Das starke Geschlecht

Gesine Schwan (65), SPD-Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, attestiert Männern Schwierigkeiten im Umgang mit starken Frauen. „Viele Männer haben Probleme mit allein denkenden Frauen“, sagte sie der Zeitschrift „Frau im Spiegel“. Ihr zweiter Mann, Peter, habe daran allerdings „eine große Freude“. Auf die Frage, ob mächtige Frauen mit der Zeit männlicher werden, entgegnet sie, dass die Versuchung sehr groß sei, „weil diese Frauen meist von Männern umgeben sind und oft meinen, deren Spielregeln übernehmen zu müssen, um anerkannt zu sein“.

Fazit: Wo der Zeitgeist hinfällt, wächst kein Gras mehr.

Sonntag, 10. August 2008

Politischer Protest im Dienst der Werbung?

Pünktlich zum Beginn der Olympischen Spiele lanciert Lancia einen Werbespot mit Richard Gere und dem Potala-Palast im Hintergrund. Engagierte politische Aussage oder einfach nur geschäftstüchtig?



Auf der Seite der Tibet-News ist das Video zwar eingestellt, jedoch nicht mehr abrufbar. Beim Automobil-Blog gibt es nur Photos, die Website www.lancia-delta.com, auf der Automobil-Blog verweist, ist nicht mehr erreichbar. Inzwischen soll sich die Fiat-Firmenführung bei der chinesischen Regierung entschuldigt haben (laut Tibet-News). Ich bin gespannt, wie lange der Spot noch im Fernsehen läuft…

Montag, 14. Juli 2008

Feldbefreier in den Knast

Michael Grolm, der mit der Initiative »Gendreck weg« gentechnisch veränderte Felder »befreit«, muß für zwei Tage in den Knast. Mehr bei ZEIT, Zuender.

Freitag, 11. Juli 2008

Exkurs zu den Anfängen

Kosmologisches Standardmodell

Das kosmologische Standardmodell ist eine mathematisch-physikalische Darstellung des Kosmos in seiner Entwicklung und seinem gegenwärtigen Zustand, so weit wir heute darüber Bescheid wissen. Diese Darstellung stammt in ihren wesentlichen Teilen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und fasst nahezu sämtliche astronomischen Beobachtungen mit einem Großteil unseres physikalischen Wissens zu einer kohärenten Einheit zusammen, deren Voraussagen seitdem im Wesentlichen verifiziert werden konnten. Auch wenn andere Modelle durchaus denkbar waren (siehe KOSMOLOGIE), hat doch keines von ihnen die Kohärenz erreicht, die das kosmologische Standardmodell eben zum anerkannten Standard gemacht hat. Das von diesem Modell entworfene Szenario funktioniert bemerkenswert gut – zu gut, wie manche meinen, die ihm eine übergroße Hegemonie vorwerfen. Die Zukunft wird zeigen, ob die weitere Erforschung des Universums zu Beobachtungen führt, die das Standardmodell radikal infrage stellen.

Das kosmologische Standardmodell beschreibt das Universum vornehmlich in sehr großem Maßstab. Phänomene geringerer Größenordnung wie der innere Aufbau der GALAXIEN, der STERNE und der möglicherweise vorhandenen PLANETEN bleiben zumindest in einem ersten Schritt unberücksichtigt. Nach dem Standardmodell ist der Kosmos homogen und sowohl von MATERIE als auch von ENERGIE in Form von LICHT und sonstiger Strahlung erfüllt. Die Dichte der Materie und der Energie wird als gleichförmig unterstellt – wie in einer Flüssigkeit oder einem Gas, dessen einzelne Moleküle man außer Acht lässt, um sie als homogenes Medium zu betrachten.

Das Modell soll drei wichtige Phänomene erklären, die sich aus der Beobachtung ergeben: die Expansion des Universums (oder die ständig wachsende Entfernung zwischen den Galaxien) und deren Veränderung im Laufe der Zeit; das Vorkommen leichter chemischer Elemente wie HELIUM in der Materie des Sonnensystems und der Sterne, die im heute beobachteten Ausmaß nicht allein in den Sternen erzeugt worden sein können; und das Vorhandensein einer schwachen Strahlung mit Wellenlängen im Umfeld von einem Millimeter, also im Bereich der Radiowellen und des Submillimeterbereichs die den gesamten Kosmos erfüllt und sich von der Strahlung der Sterne oder Galaxien unterscheidet (siehe SCHWARZER KÖRPER). Darüber hinaus soll und kann das Modell auch einige andere Phänomene erklären, deren Beobachtung noch nicht so weit fortgeschritten ist, etwa die Verteilung der Galaxien im Raum und deren hierarchische Anordnung zu HAUFEN, die wie russische Puppen ineinander verschachtelt sind, oder auch die Existenz der geheimnisvollen dunklen MASSE in den Galaxien.

Innerhalb der Physik fügt sich das Modell zwanglos in den mathematischen Begriffsrahmen der allgemeinen Relativitätstheorie ein, denn in den dort betrachteten Größenordnungen spielt die GRAVITATION eine zentrale Rolle. Auch Kern- und Teilchenphysik haben große Bedeutung, weil das Modell beschreibt, wie die PROTONEN und NEUTRONEN, aus denen die Kerne aller chemischen Elemente aufgebaut sind, und im weiteren Verlauf die chemischen Elemente selbst entstehen (siehe ENTSTEHUNG DER ELEMENTE).


Das Modell in seinem zeitlichen Ablauf

Ein von Materie und Energie erfülltes Universum kann nicht stabil sein; es stürzt entweder in sich zusammen oder expandiert (siehe GRAVITATIONSKOLLAPS). Die Relativitätstheorie bestätigt diese Auffassung und geht davon aus, dass die Dimensionen des Raums sich mit der Zeit verändern, und zwar mit der so genannten kosmischen Zeit, die unabhängig von dem Ort ist, an dem man sich gerade befindet; und an dieser Zeit orientiert man sich bei der Abfolge der kosmischen Ereignisse.

Betrachten wir eine beliebige Länge a(t), so ist die Veränderung, die diese Länge in der Zeit erfährt, durch den Ausdruck a(t) = a(t0)R(t) gegeben, wobei a(t0) den Wert dieser Größe zu einem Zeitpunkt t0, dem Bezugszeitpunkt, und R(t) den Expansionskoeffizienten bezeichnet, eine universelle, das heißt an jedem Ort und zu jedem Zeitpunkt anwendbare Größe, die mit der Zeit t zunimmt und in der die Expansion des Universums zum Ausdruck kommt. Setzen wir t0 für R(t0) = 1, dann war R(t) nach dem obigen Ausdruck in der Vergangenheit kleiner als 1 und wird der Zukunft größer als 1 sein.

Auf der Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie, die das Newtonsche Verständnis der Gravitation in einen ganz neuen Rahmen setzt (nämlich in den der RAUMZEIT) stellt das kosmologische Standardmodell Gleichungen zur Verfügung, mit denen sich die Funktion R(t) vollständig bestimmen läßt, sofern man bestimmte Größen oder Parameter spezifiziert, die man aus der Beobachtung ableiten zu können hofft.

In erster Linie handelt es sich dabei um die Expansionsgeschwindigkeit (oder Expansionsrate), wie sie heute festzustellen ist. Leider ergibt diese Messung nicht den Wert Von R(t), sondern eine mit dessen Veränderung (oder Ableitung) verbundene Größe H(t), die folgendermaßen definiert ist:

H(t) = [1/R(t)} {dR(t)/dt].

Heute (t=t0) entspricht diese Größe genau der Hubble-Konstanten H(t0) oder einfach H (siehe EXPANSION und NATURKONSTANTEN).

Hinzu kommt als zweites die Materiedichte ρ (Rho, gemessen in kg/m3 [pro Kubikmeter]) im gegenwärtigen Universum, die aus der MASSE aller bekannten Galaxien und der Ausdehnung des bekannten Universums errechnet wird.

Die dritte Größe ist die Energiedichte ρl, die mit der im heutigen Universum anzutreffenden elektromagnetischen Strahlung zusammenhängt, hauptsächlich mit der Strahlung des SCHWARZEN KÖRPERS, denn die Sterne sind in diesen Größenordnungen nur schwache lokale Leuchten (siehe PARADOXON DES DUNKLEN NACHTHIMMELS).

Möglicherweise kommt noch eine vierte Größe hinzu, die kosmologische Konstante, und die die ganze Sache komplizieren würde, doch wir wollen sie hier außer Acht lassen (siehe NATURKONSTANTEN).

Rechnet man das Modell durch, ergeben sich mehrere grundlegende Möglichkeiten, je nachdem, von welcher Gesamtdichte (Materie + Energie) man ausgeht. Wenn diese Dichte sehr gering ist, dehnt sich das Universum bis in alle Ewigkeit weiter aus, und seine Raum-Zeit hat dann eine Geometrie, man als »offen« bezeichnet (siehe KRÜMMUNG und UNENDLICH). Im umgekehrten Fall wechseln Phasen der Expansion und der Kontraktion (Gravitationskollaps) einander ab und die Geometrie der Raum-Zeit ist »geschlossen«. Die Grenze zwischen beiden Möglichkeiten ist durch die so genannte kritische Gesamtdichte ρk markiert, und der Bequemlichkeit halber drückt man die gemessenen Dichten sogar im Verhältnis zu dieser kritischen Dichte aus und schreibt: Ωm = ρmk und Ωl = ρlk. Wenn die Dichte genau der kritischen Dichte entspricht, dehnt sich das Universum immer noch endlos aus.

In beiden Fällen ergibt sich aus dem Modell die zeitliche Entwicklung der Größen H(t), Ωm(t), Ωl(t) sowie R(t). Auf der Grundlage der heute gemessenen Werte für Ωm(t) und Ωl(t) lässt sich diese Entwicklung auch in die Vergangenheit zurückverfolgen, so dass man die Ausdehnung des Universums (über H(t)), den Umfang der jeweils vorhandenen Materie (über Ωm(t)) und der Strahlung (über Ωl(t)) sowie in groben Zügen auch die Phänomene bestimmen kann, die für bestimmte Phasen der bisherigen Entwicklung des Universums charakteristisch waren.

In allen Fällen führt das Modell für den Anfangszeitpunkt t = 0 (den man als kosmische SINGULARITÄT bezeichnet) zu einer unendlichen Dichte. Dieser Wert hat keine physikalische Bedeutung, sondern markiert die Grenze der in das Modell eingebrachten Hypothesen. Was damals in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Singularität geschah, wird vielfach als Urknall bezeichnet, aber es ist angebracht, diesen Gedanken eines Anfangs des Universums nur mit Vorsicht zu formulieren (siehe dazu auch SCHÖPFUNG).

Durch die Expansion des Universums verändert sich die Wellenlänge des Lichts zwischen dem Zeitpunkt seiner Emission und dem Zeitpunkt t0, in dem wir es empfangen, denn die Expansion hat Auswirkungen auf R(t), also auf den Raum, in dem das Lieht sich ausbreitet. Da wir davon ausgehen, daß bestimmte Atome (zum Beispiel ein Wasserstoffatom) unabhängig von Zeit und Ort stets Licht derselben Wellenlänge λ0 emittieren, bietet uns die Messung der empfangenen Wellenlänge einen direkten Zugang zur Expansion des Universums, und auf diesem Wege wurde sie auch 1929 von Edwin Hubble entdeckt.

Die relative Veränderung der empfangenen Wellenlänge λ gegenüber der emittierten Wellenlänge λ0 bezeichnet man als Rotverschiebung z des Lichts im Universum und schreibt: z = (λ-λ0)/λ0.

Für den jeweiligen Expansionskoeffizienten R(t) zum Zeitpunkt t der Emission des Lichts ergibt sich die Rotversehiebung z aus der Formel z(t) = [R(to)/R(t)]-1.

Wenn wir nun die Rotverschiebung des mit unseren Spiegelteleskopen aufgefangenen Lichts bestimmen (siehe SPEKTRUM), können wir auch den Wert von R(t) für den Zeitpunkt bestimmen, zu dem das betreffende Licht emittiert wurde. Die größte an identifizierten Objekten (GALAXIEN und QUASAREN) beobachtete Rotverschiebung bleibt unterhalb des Werts von z=5. Weiter ins All hineinzuschauen übersteigt gegenwärtig noch die Lichtstärke und das Auflösungsvermögen unserer TELESKOPE.

Durch die Beobachtung von Objekten, deren Licht immer größere Rotverschiebung aufweist, können wir R(t) bestimmen und immer weiter zurück in die Vergangenheit des Universums schauen.


Materie und Strahlung

Heute spielt die Strahlung nur noch eine untergeordnete Rolle im Universum, dessen dynamische Entwicklung vor allem durch die darin enthaltene Materie bestimmt wird. Die Strahlungsdichte ist um den Faktor 1000 geringer als die Materiedichte; außerdem ist die Strahlung weitgehend von der Materie abgekoppelt, und die Wechselwirkung zwischen beiden ist praktisch vernachlässigbaR. Unsere größte Unsicherheit resultiert aus der Tatsache, dass wir nicht genau wissen, wie viel Materie das Universum gegenwärtig enthält. Wenn die Gesamtmasse sich auf die der heute beobachtbaren Sterne und Galaxien beschränkt, bleibt die Materiedichte weit unterhalb der kritischen Dichte (und zwar um einen Faktor von 20 bis 50), und wir haben es mit einem offenen Universum zu tun, das sich bis in alle Ewigkeit weiter ausdehnt.

Wenn wir die an lokalen Gravitationseffekten erkennbare DUNKLE MASSE Berücksichtigen, kommen wir der kritischen Dichte schon näher, bleiben aber immer noch um den Faktor 5 darunter. Andere Beobachtungen (zum Beispiel Veränderungen der Expansionsgeschwindigkeit in ferner Vergangenheit, das heißt für Rotverschiebungen oberhalb des Wertes 1) rechtfertigen jedoch die Vermutung, dass die Dichte fast genau der kritischen Dichte entspricht.

Bevor die Sterne entstanden und die Kernfusion im Innern der Sterne Energie freizusetzen begann, sollen Strahlung und Materie in einem GLEICHGEWICHT gestanden haben. Solch ein statistisches Gleichgewicht (siehe THERMODYNAMIK) findet seinen Ausdruck in einer für Materie und Strahlung identischen TEMPERATUR T. Die Strahlungstemperatur steht in einem direkten Zusammenhang mit der Verteilung des Lichts auf die verschiedenen Wellenlängen (siehe SPEKTRUM und SCHWARZER KÖRPER). Das kosmologische Standardmodell geht davon, dass diese Temperatur T(t) sich mit der Zeit verändert, oder genauer: dass sie mit der Zeit immer kleiner wird, so dass wir zu immer höheren Temperaturen von Tausenden, Millionen oder sogar Milliarden Kelvin gelangen, je weiter wir in der Zeit zurückgehen.

Diese Werte sind Ausdruck der im Raum anzutreffenden Energiedichte, also einerseits einer im Rückblick immer stärkeren thermischen Bewegung von Materieteilchen oder andererseits einer Strahlung, deren Energie immer weiter zunimmt, je weiter wir in die Vergangenheit zurückgehen (wobei der Schwerpunkt der Wellenlängen sich mit wachsender Temperatur vom Infrarotbereieh über das sichtbare und ultraviolette Licht his hin zu Röntgen- und Gammastrahlung verlagert).

Da das Modell so extreme Temperaturen vorsieht und da sich für die Materiedichte Ωm(t) und die Strahlungsdichte Ωl(t) ganz unterschiedliche Entwicklungen ergeben, muss das Universum in der Vergangenheit ganz anders beschaffen gewesen sein als heute, und daraus folgt, dass es eine EVOLUTION erfahren hat. Darin liegt ohne Zweifel eine der fundamentalsten Aussagen des kosmologischen Standardmodells. Heute entwickeln Strahlung und Materie sich unabhängig voneinander. Es gab jedoch eine Zeit – nennen wir sie tR -, da waren beide Dichtewerte gleich. Und vor tR besaß die Strahlung Weitaus größere Bedeutung als die Materie.

Welche Situation bestand nun zu dieser Zeit tR? Damals war die thermische Bewegung der Teilchen so gering (entspricht einer Temperatur von etwa 3000 Kelvin), dass die noch recht homogen im Raum verteilten Protonen und Elektronen sich zu neutralen Wasserstoffatomen verbinden konnten. Diese als Rekombination bezeichnete Verbindung erfolgte im Gleichgewicht mit einer Strahlung, deren vorherrschende Wellenlänge durch die damals herrschende Temperatur bestimmt wurde.

Nach den Gesetzen des Schwarzen Körpers dürfte diese Wellenlänge bei etwa einem Mikrometer (λ0 = 10-6m [10 hoch minus 6 Meter]) gelegen haben. Das mit neutralen Wasserstoffatomen erfüllte Universum wurde plötzlich vollkommen durchsichtig für die PHOTONEN, die ihren Weg nun ungehindert fortsetzen konnten. Doch aufgrund der Expansion des Universums erfuhr diese Wellenlänge eine beständige Dilatation und liegt heute im Bereich von etwa einem Millimeter (10-3m [10 hoch minus 3 Meter]).

Die Rotverschiebung z gegenüber dem Zeitpunkt der Emission beträgt demnach z = (λ-λ0)/λ0 1000, wobei der Index R auf die Zeit der Rekombination verweist. Diese Strahlung ist also sehr viel älter als das Licht, das heute von den entferntesten bekannten Galaxien zu uns gelangt, denn für dieses Licht ist z ≤ 5.


Vor der Rekombination des Wasserstoffs

Das Modell gestattet es also, die Entwicklung der Dichte und der Temperatur des Universums bis in die fernste Vergangenheit zurückzuverfolgen. Da wir die Gesetze kennen, die das Verhalten der Materie bei solchen Dichte und Temperaturverhältnissen beherrschen (siehe ZUSTANDSGLEICHUNG), können wir uns vorstellen, was in diesen fernen Zeiten geschehen sein könnte.

Daher suchen die Astrophvsiker in unserem heutigen Universum nach „fossilen“ Spuren der damaligen Ereignisse. Im Einzelnen ergibt sich für die Abfolge der Phänomene mit abnehmender Temperatur des Universums folgendes Bild: Zunächst entstanden die Elementarteilchen, die man als QUARKS bezeichnet, und aus ihnen wiederum Protonen und Neutronen; diese zerstrahlten gemeinsam mit ihren jeweiligen ANTITEILCHEN, so dass nur ein kleiner Rest an Nukleonen (unsere Materie) übrig blieb; diese Nukleonen verbanden sich dann zu Heliumkernen und anderen leichten chemischen Elementen (siehe ENTSTEHUNG DER ELEMENTE); und schließlich bildete sich der Wasserstoff, das im heutigen Universum häufigste Element, aus der Verbindung der restlichen Protonen und Elektronen.

Aber was geschah vor alledem? Dass die Dichte im Universum heute ausgerechnet einen Wert hat, der praktisch der kritischen Dichte entspricht, stört die Physiker, die das Allgemeingültige lieben und Zufälle hassen. Daher haben sie einen Mechanismus erdacht, der unmittelbar vor den oben beschriebenen Phasen abgelaufen sein soll und das Universum, wie immer es beschaffen gewesen mag, unter möglichst vielen denkbaren Umstünden doch stets auf den Weg zu seinem heutigen Zustand gebracht haben könnte, also genau an die Grenze zwischen einem »offenen« und einem »geschlossenen« Universum. Dieser Mechanismus ist eine extrem starke Expansion, die als INFLATION bezeichnet wird.

Und was war davor? Mit der Inflation erreichen wir die Grenzen der Physik, auf der das Standardmodell aufbaut. Von entscheidender Bedeutung ist dabei das Bild, das die Physik sich von der Gravitation in einem Zustand der Materie und der Energie machen, in dem der quantenphysikalische Charakter der an der gravitativen Wechselwirkung beteiligten Austauschprozesse nicht mehr vernachlässigt werden kann (siehe QUANTENPHYSIK).

Der Wert der kosmischen Zeit t, in der diese Situation eingetreten sein dürfte, ist unvorstellbar klein. Er liegt in der Größenordnung von 10-44 s [10 hoch minus 44 Sekunden] nach der Singularität (to) und wird als Planck-Zeit bezeichnet (siehe GRAVITATION). Über alles, was davor geschehen sein mag, wem das Modell nichts zu sagen.

aus Thesaurus der exakten Wissenschaften, Verlag Zweitausendeins