zu einem Artikel auf den Nachdenk-Seiten
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Freitag, 16. April 2010
Mittwoch, 14. April 2010
224 Patienten pro Woche – Akkordarbeit in deutschen Praxen

18,1mal ist ein durchschnittlicher Bundesbürger im Jahr 2008 zum Arzt gerannt. Das ist nochmals mehr als im Vorjahr (17,7 Arztbesuche) und wahrscheinlich Weltrekord, wie im letzte Woche veröffentlichten Barmer GEK Arztreport nachzulesen ist. Rein rechnerisch hat damit jeder der etwa 140.000 niedergelassenen Ärzte im vorletzten Jahr 10.735 Patientenkontakte gehabt. Das würde 224 Kontakten pro Woche entsprechen. Ungefähr zum gleichen Ergebnis kommt eine internationale Befragung von Ärzten der Primärversorgung. Hier ergab sich für deutsche Ärzte mit 243 wöchentlichen Patientenkontakten eine etwa doppelt so hohe Zahl wie für Ärzte der anderen Länder (102 USA, 154 Großbritannien). Dementsprechend war natürlich die Zeit für den einzelnen Patienten in Deutschland mit 7,8 Minuten erheblich kürzer als in allen anderen Ländern mit 11,1-9,1 Minuten.
aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 4/2010
Joggen lieber barfuß? Moderne Laufschuhe schädigen die Gelenke
Moderne Laufschuhe können für die Gelenke schädlicher sein als das Joggen ohne Schuhe. Das haben US-Forscher der University of Virginia gemessen und in dem Fachblatt The Journal of Injury, Function and Rehabilitation (Bd. 1, S. 1058) der US-Akademie für Sportmedizin und Rehabilitation veröffentlicht. Die Wissenschaftler ließen 68 gesunde Sportler auf einem Laufhand trainieren – mit Schuhen und barfuß. Ergebnis: An Hüfte, Knie und Fußgelenk stellten die Experten höhere Belastungen fest, wenn die Jogger Schuhe trugen. Die Belastung für die Gelenke war den Angaben zufolge sogar höher als das Gehen auf hochhackigen Schuhen.

Die Hüfte wurde in der Studie mit Laufschuhen durchschnittlich um 54 Prozent stärker belastet als ohne, im Knie lagen die Werte zwischen 36 und 38 Prozent. Dem Fuß gaben die Trainingsschuhe dagegen einen guten Halt. Die negativen Effekte auf die Gelenke würden wahrscheinlich zu großen Teilen von dem erhöhten Absatz und Stützmaterial unter dem Fußgewölbe verursacht, erklärten die Wissenschaftler. Beides sei charakteristisch für heutige Laufschuhe. Es sollten Laufschuhe entwickelt werden, die den Fuß stützen, ohne die Gelenke zusätzlich zu belasten, fordern die Forscher.

Die Hüfte wurde in der Studie mit Laufschuhen durchschnittlich um 54 Prozent stärker belastet als ohne, im Knie lagen die Werte zwischen 36 und 38 Prozent. Dem Fuß gaben die Trainingsschuhe dagegen einen guten Halt. Die negativen Effekte auf die Gelenke würden wahrscheinlich zu großen Teilen von dem erhöhten Absatz und Stützmaterial unter dem Fußgewölbe verursacht, erklärten die Wissenschaftler. Beides sei charakteristisch für heutige Laufschuhe. Es sollten Laufschuhe entwickelt werden, die den Fuß stützen, ohne die Gelenke zusätzlich zu belasten, fordern die Forscher.
The effect of running shoes on lower extremity joint torques. Kerrigan DC, Franz JR. Keenan GS, DicharryJ, Della Croce U, Wilder RP. PM R. 2009 Dec;1 (12):1058-63.
Quelle: Universität von Virginia
aus Der niedergelassene Arzt 1/2010
Montag, 12. April 2010
Methylenblau gegen Rückenschmerzen?
Wenn man den Ergebnissen einer chinesischen Forschergruppe glauben darf, dann haben sie den Stein der Weisen für die Behandlung von Rückenschmerzen entdeckt. Auf alle Fälle muss man damit rechnen, dass sich viele Rückenschmerzpatienten in den Arztpraxen melden werden, sobald die Nachricht durch die Publikumspresse verbreitet worden ist.
Zwischen 28 und 43 % aller Rückenschmerzen sollen auf eine diskogene Ursache zurückzuführen sein. Dabei ist die strukturelle und biochemische Integrität der Bandscheibe durch Überlastungsschäden gestört. Die chinesischen Wissenschaftler hatten 72 Frauen und Männer im Alter zwischen 20 und 65 Jahren mit diskogenen Rückenschmerzen in zwei gleich große Gruppen unterteilt: Der einen Hälfte wurde 10 Milliliter 10% Methylenblau injiziert, die Plazebogruppe erhielt einen Milliliter physiologische Kochsalzlösung. Nach sechs, zwölf und 24 Monaten wurden die Patienten im Hinblick auf Schmerzreduktion und Verbesserung der Funktion nachuntersucht. Anhand einer 101 Punkte umfassenden Skala (Numerical Rating Scale, NRS-101) wurde das individuelle Schmerzempfinden gemessen. Bereits nach sechs Monaten sank in der Methylenblau-Gruppe der Wert von initial 72 auf 20 Punkte (Plazebo von 67 auf 63). Und auch auf einer 100 Punkte umfassenden Funktionsskala (Oswestry Disability Index, ODI) verringerte sich der Punktwert in der Verumgruppe von 48 auf 13 (Plazebo von 49 auf 48). Die Autoren vermuten, dass durch Methylenblau die radialen Fissuren denerviert und so der Schmerz beseitigt werden.
Insgesamt zeigten sich mehr als 91 % der Patienten mit der Methylenblau-Behandlung zufrieden, in der Plazebogruppe waren es nur ca. 14%. 19 % der mit Methylenblau behandelten Patienten waren vollkommen schmerzfrei, weitere 72 % empfanden nur noch geringe Schmerzen und konnten auf Schmerzmittel verzichten. Unerwünschte Nebenwirkungen traten auch nach zwei Jahren nicht auf
In einem Kommentar warnt der britische Orthopäde Nikolai Bogduk davor, voreilige Schlüsse aus dieser Studie zu ziehen. Eine wissenschaftliche Wahrheit werde nicht durch eine einzelne Publikation etabliert. Vielmehr müssten die Ergebnisse der chinesischen Forscher nun umgehend durch andere Laboratorien überprüft werden.
Hausärzte sollten dennoch auf Nachfragen ihrer Patienten vorbereitet sein und diese auch ermahnen, nicht vorzeitig irgendwelchen Scharlatanen auf den Leim zu gehen, bevor die Resultate dieser Studie nicht mehrfach wissenschaftlich bestätigt wurden.
Zwischen 28 und 43 % aller Rückenschmerzen sollen auf eine diskogene Ursache zurückzuführen sein. Dabei ist die strukturelle und biochemische Integrität der Bandscheibe durch Überlastungsschäden gestört. Die chinesischen Wissenschaftler hatten 72 Frauen und Männer im Alter zwischen 20 und 65 Jahren mit diskogenen Rückenschmerzen in zwei gleich große Gruppen unterteilt: Der einen Hälfte wurde 10 Milliliter 10% Methylenblau injiziert, die Plazebogruppe erhielt einen Milliliter physiologische Kochsalzlösung. Nach sechs, zwölf und 24 Monaten wurden die Patienten im Hinblick auf Schmerzreduktion und Verbesserung der Funktion nachuntersucht. Anhand einer 101 Punkte umfassenden Skala (Numerical Rating Scale, NRS-101) wurde das individuelle Schmerzempfinden gemessen. Bereits nach sechs Monaten sank in der Methylenblau-Gruppe der Wert von initial 72 auf 20 Punkte (Plazebo von 67 auf 63). Und auch auf einer 100 Punkte umfassenden Funktionsskala (Oswestry Disability Index, ODI) verringerte sich der Punktwert in der Verumgruppe von 48 auf 13 (Plazebo von 49 auf 48). Die Autoren vermuten, dass durch Methylenblau die radialen Fissuren denerviert und so der Schmerz beseitigt werden.
Insgesamt zeigten sich mehr als 91 % der Patienten mit der Methylenblau-Behandlung zufrieden, in der Plazebogruppe waren es nur ca. 14%. 19 % der mit Methylenblau behandelten Patienten waren vollkommen schmerzfrei, weitere 72 % empfanden nur noch geringe Schmerzen und konnten auf Schmerzmittel verzichten. Unerwünschte Nebenwirkungen traten auch nach zwei Jahren nicht aufIn einem Kommentar warnt der britische Orthopäde Nikolai Bogduk davor, voreilige Schlüsse aus dieser Studie zu ziehen. Eine wissenschaftliche Wahrheit werde nicht durch eine einzelne Publikation etabliert. Vielmehr müssten die Ergebnisse der chinesischen Forscher nun umgehend durch andere Laboratorien überprüft werden.
Hausärzte sollten dennoch auf Nachfragen ihrer Patienten vorbereitet sein und diese auch ermahnen, nicht vorzeitig irgendwelchen Scharlatanen auf den Leim zu gehen, bevor die Resultate dieser Studie nicht mehrfach wissenschaftlich bestätigt wurden.
Peng B et al. (2010) Pain 149, 124-129
aus Der Allgemeinarzt 6/2010
Auf sowas kommen nur Chinesen, vielleicht funktioniert’s mit Indigo-Blau noch besser…
Auf sowas kommen nur Chinesen, vielleicht funktioniert’s mit Indigo-Blau noch besser…
Samstag, 10. April 2010
Griechenland und seine Schulden
Das Budgetdefizit Griechenlands liegt 2009 bei 12,7 Prozent, erlaubt sind 3 Prozent. Die Staatsverschuldung macht 125 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, zulässig sind nach den Regeln des Stabilitätspaktes 60 Prozent. Das griechische Finanzministerium spricht von mehr als 300 Milliarden Euro Schulden, das ist etwa so viel wie der deutsche Bundeshalt 2009. (Quelle: Focus)
MSNMoney zeigt in einer Bilderstrecke erstaunliche Fakten über das Finanzgebaren in Griechenland. Daß sowas nicht gutgehen kann, erkennt schon ein Hauptschüler.
Ein paar Fakten:
- Laut Transparency International zahlten Griechen im vergangenen Jahr durchschnittlich 1.355 Euro Bestechungsgeld. Das Geld gaben sie aus, wenn sie die Ausstellung eines Führer- oder Fahrzeugscheins beschleunigen oder eine Baugenehmigung kaufen wollten. Auch die schnellere Aufnahme in ein öffentliches Krankenhaus verlief auf diese Weise. Geld floß auch, wenn sie die Ergebnisse einer Steuerprüfung manipulieren wollten. Promi-Ärzte im Athener Nobelviertel Kolonaki geben laut "Bild Online" Monatseinkommen von nur 300-1000 Euro an. Zum Vergleich: schon ein Assistenzarzt verdient in Deutschland rund 3.600 Euro im Monat.
- Vor der Krise wurde laut "Bild Online" knapp 30 Prozent der griechischen Wirtschaft schwarz abgewickelt. Dem Staat entgingen dadurch 30 Milliarden Euro an Mehrwertsteuer im Jahr.
- Angestellte in Griechenland zahlen 6,7 % ihres Lohnes in die Rentenkasse. Hierzulande sind es knapp 10 %. Renten in Griechenland betragen aber bis zu 95,7 % des letzten Gehaltes. Die Deutschen bekommen lediglich 43 %. In der Rentenkasse fehlen 2010 knapp 13 Milliarden Euro.
- Rund 300 Berufe wie „Fernsehansager" gelten als „schwere und ungesunde Tätigkeit", so "Bild Online". Dadurch wird ein früher Austritt aus dem Arbeitsleben gerechtfertigt. Viele Staatsdiener können laut "Zeit Online" bisher mit Anfang 50 schon in Pension gehen.
- Auf 1000 Angestellte kommen "Bild Online" zufolge 23 Streiktage. Die Deutschen kommen auf 12 Streiktage.
MSNMoney zeigt in einer Bilderstrecke erstaunliche Fakten über das Finanzgebaren in Griechenland. Daß sowas nicht gutgehen kann, erkennt schon ein Hauptschüler.
Ein paar Fakten:
- Laut Transparency International zahlten Griechen im vergangenen Jahr durchschnittlich 1.355 Euro Bestechungsgeld. Das Geld gaben sie aus, wenn sie die Ausstellung eines Führer- oder Fahrzeugscheins beschleunigen oder eine Baugenehmigung kaufen wollten. Auch die schnellere Aufnahme in ein öffentliches Krankenhaus verlief auf diese Weise. Geld floß auch, wenn sie die Ergebnisse einer Steuerprüfung manipulieren wollten. Promi-Ärzte im Athener Nobelviertel Kolonaki geben laut "Bild Online" Monatseinkommen von nur 300-1000 Euro an. Zum Vergleich: schon ein Assistenzarzt verdient in Deutschland rund 3.600 Euro im Monat.
- Vor der Krise wurde laut "Bild Online" knapp 30 Prozent der griechischen Wirtschaft schwarz abgewickelt. Dem Staat entgingen dadurch 30 Milliarden Euro an Mehrwertsteuer im Jahr.
- Angestellte in Griechenland zahlen 6,7 % ihres Lohnes in die Rentenkasse. Hierzulande sind es knapp 10 %. Renten in Griechenland betragen aber bis zu 95,7 % des letzten Gehaltes. Die Deutschen bekommen lediglich 43 %. In der Rentenkasse fehlen 2010 knapp 13 Milliarden Euro.
- Rund 300 Berufe wie „Fernsehansager" gelten als „schwere und ungesunde Tätigkeit", so "Bild Online". Dadurch wird ein früher Austritt aus dem Arbeitsleben gerechtfertigt. Viele Staatsdiener können laut "Zeit Online" bisher mit Anfang 50 schon in Pension gehen.
- Auf 1000 Angestellte kommen "Bild Online" zufolge 23 Streiktage. Die Deutschen kommen auf 12 Streiktage.
Dazu auch ein Interview mit Prof. Starbattay im Tagesspiegel
Freitag, 9. April 2010
Fernsehtip für starke Nerven: Aghet - ein Völkermord
Die ARD zeigt heute abend um 23 Uhr eine Dokumentation über den Völkermord der Türken an der armenischen Bevölkerung. Ein Hoch auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk!
siehe:
Wikipedia
Das Erste
Welt Online
siehe:
Wikipedia
Das Erste
Welt Online
Mittwoch, 7. April 2010
Freitag, 12. März 2010
Geburtenkontrolle – Die „Pille“ gegen den Klimawandel
Der Optimum Population Trust ist eine gemeinnützige Organisation, die über die Bevölkerungsentwicklung auf der Welt und ihre Folgen nachdenkt. Sie hielt kürzlich in London ihren Jahreskongress ab.
Wie Prof. Judith Stephenson vom University College London ausführte, haben die missglückten Programme zur zwangsweisen Familienplanung in vergangenen Jahrzehnten insbesondere in China die Bemühungen lang überschattet. Trotzdem waren sie recht erfolgreich. Die derzeitige Prognose der UN, dass die Weltbevölkerung im Jahre 2050 9,7 Milliarden zählen wird, kann aber nur eintreffen, wenn es auf diesem Gebiet keine Rückschläge gibt. Dazu bedarf es weiterer Anstrengungen. Ansonsten könnte es in 2050 auch elf Milliarden Menschen geben. Stephenson rief zur Stiftung eines globalen Fonds zur Förderung der Familienplanung auf, wie es ihn für verschiedene Krankheiten gibt.
Vielleicht rüttelt die Verantwortlichen der Hinweis auf die Tatsache auf, dass eine Kontrolle des Bevölkerungswachstums einen Schlüssel zur Kontrolle des Klimawandels darstellt. WE
Wie Prof. Judith Stephenson vom University College London ausführte, haben die missglückten Programme zur zwangsweisen Familienplanung in vergangenen Jahrzehnten insbesondere in China die Bemühungen lang überschattet. Trotzdem waren sie recht erfolgreich. Die derzeitige Prognose der UN, dass die Weltbevölkerung im Jahre 2050 9,7 Milliarden zählen wird, kann aber nur eintreffen, wenn es auf diesem Gebiet keine Rückschläge gibt. Dazu bedarf es weiterer Anstrengungen. Ansonsten könnte es in 2050 auch elf Milliarden Menschen geben. Stephenson rief zur Stiftung eines globalen Fonds zur Förderung der Familienplanung auf, wie es ihn für verschiedene Krankheiten gibt.
Vielleicht rüttelt die Verantwortlichen der Hinweis auf die Tatsache auf, dass eine Kontrolle des Bevölkerungswachstums einen Schlüssel zur Kontrolle des Klimawandels darstellt. WE
BMJ 338 (2009) 792-793
aus MMW Fortschritte der Medizin
Westafrika – Die Landwirtschaft boomt – und die Malaria
Baumwolle gedeiht in Burkina Faso dem drittärmsten Land der Welt. Dazu ist es notwendig, dass die Bauern Schädlinge mit „Gift“ bekämpfen. Zur Verfügung stehen DDT oder Pyrethroide. Letztere dienen auch zur Imprägnierung von Bettnetzen, die die Schlafenden vor Malaria-übertragenden Mücken schützen sollen. DDT wird in einigen Regionen zusätzlich gegen die Anopheles-Mücken in den Räumen versprüht. Nun werden die Mücken resistent gegen die lnsektizide. Diese Entwicklung bedroht den Erfolg aller Bemühungen, die Malaria unter Kontrolle zu bringen. Ein „Drama“ ist abzusehen, wenn weiterhin in der Landwirtschaft dieselben Insektizide verwendet, wie sie zur Bekämpfung der Malaria-Mücken verwendet werden. Dann wird die Malaria immer mehr Opfer fordern, vor allem Kinder. WE
Baleta, A: Insecticide resistance threatens malaria control in Africa. BMJ 339 (2009) 1581-1582
Bestellnummer der Originalarbeit 091659
aus MMW Fortschritte der Medizin
Sterbehilfe – Leid ist schwer messbar
Qualen sind ein subjektives Phänomen. Eine Arbeitsgruppe aus Amsterdam wollte wissen, inwieweit man es quantifizieren kann und wie sich die Einschätzungen von Patient und Arzt unterscheiden.
Mit Hilfe ausführlicher Interviews von zehn Patienten, die Sterbehilfe erbeten hatten, bei denen dies aber abgelehnt oder bei denen sie trotz Genehmigung nicht ausgeführt worden war, sowie von 16 Ärzten, die mit diesen oder ähnlichen Fällen befasst waren, gewann man tiefere Einblicke. Nicht alle Patienten, die unbedingt sterben wollten, hielten ihr Leid fürwirklich unerträglich. Ihre Arzte konnten ihren Wunsch, zu sterben, dennoch nachvollziehen. Wenn die Patienten von unerträglichem Leiden sprachen, waren Ärzte öfter anderer Meinung. Patienten bezogen diese Einschätzung mehr auf psychosoziale Aspekte, Ärzte rein auf die physische Seite. Wenn z. B. ein Patient noch Bücher lesen konnte, nahmen sie ihm unerträgliche Qualen nicht ab.
Die Autoren legen den Ärzten nahe, alle Perspektiven von Leiden wahrzunehmen und ihre Einschätzung nicht auf die rein körperliche Sichtweise zu verengen. Eine nur physische Auslegung werde der weitgehend subjektiven Natur von Leiden und auch der Intention des niederländischen Sterbehilfe-Gesetzes nicht gerecht. WE
Mit Hilfe ausführlicher Interviews von zehn Patienten, die Sterbehilfe erbeten hatten, bei denen dies aber abgelehnt oder bei denen sie trotz Genehmigung nicht ausgeführt worden war, sowie von 16 Ärzten, die mit diesen oder ähnlichen Fällen befasst waren, gewann man tiefere Einblicke. Nicht alle Patienten, die unbedingt sterben wollten, hielten ihr Leid fürwirklich unerträglich. Ihre Arzte konnten ihren Wunsch, zu sterben, dennoch nachvollziehen. Wenn die Patienten von unerträglichem Leiden sprachen, waren Ärzte öfter anderer Meinung. Patienten bezogen diese Einschätzung mehr auf psychosoziale Aspekte, Ärzte rein auf die physische Seite. Wenn z. B. ein Patient noch Bücher lesen konnte, nahmen sie ihm unerträgliche Qualen nicht ab.
Die Autoren legen den Ärzten nahe, alle Perspektiven von Leiden wahrzunehmen und ihre Einschätzung nicht auf die rein körperliche Sichtweise zu verengen. Eine nur physische Auslegung werde der weitgehend subjektiven Natur von Leiden und auch der Intention des niederländischen Sterbehilfe-Gesetzes nicht gerecht. WE
Pasman HRW et al.: concept of unbearable suffering in context of ungranted requests for euthanasia: qualitative interviews with patients and physicians. BMJ 339 (2009) 1235-7237
Bestellnummer der Originalarbeit 091657
aus MMW Fortschritte der Medizin
Ärzte-Wellness – Auch dem Doktor muss es gut gehen
Kanadische Experten weisen darauf hin, dass nach einer Studie aus ihrem Land 64% der Ärzte ihre Arbeitsbelastung als zu groß empfinden und dass 48% eine Zunahme ihrer Belastung in den letzten Jahren bemerkten. Die Arbeitszeit von Ärzten ist überdurchschnittlich hoch. Ihre Tätigkeit ist mit starken emotionalen Belastungen verbunden. Die kognitiven Anforderungen mit einer kaum zu bewältigenden Informationsflut wachsen. Folgen von so viel Stress sind oft Burnout-Syndrom und mangelhafte berufliche Leistungen.
Ärzte gehen selten zum Arzt. Wenn sie depressiv sind, suchen nur 2% professionelle Hilfe. Sie vernachlässigen ihr eigenes Wohlergehen sträflich.
Die Autoren fordern, das Wohl der Ärzte als Qualitätsfaktor des Gesundheitssystems zu sehen. Alle Beteiligten sollten nach Wegen suchen, die Gesundheit der Ärzte zu verbessern. Die Kultur der Betreuung von Ärzten muss sich ändern. Von einer Entlastung der Ärzte würden nicht nur diese profitieren, sondern auch dieAllgemeinheit, auch wenn entsprechende Maßnahmen wohl nicht umsonst zu haben wären. WE
Ärzte gehen selten zum Arzt. Wenn sie depressiv sind, suchen nur 2% professionelle Hilfe. Sie vernachlässigen ihr eigenes Wohlergehen sträflich.
Die Autoren fordern, das Wohl der Ärzte als Qualitätsfaktor des Gesundheitssystems zu sehen. Alle Beteiligten sollten nach Wegen suchen, die Gesundheit der Ärzte zu verbessern. Die Kultur der Betreuung von Ärzten muss sich ändern. Von einer Entlastung der Ärzte würden nicht nur diese profitieren, sondern auch dieAllgemeinheit, auch wenn entsprechende Maßnahmen wohl nicht umsonst zu haben wären. WE
Wallace JE et al.: Physician wellness: a missing quality indicator. Lancet 374 (2009) 1714-1721
Bestellnummer der Originalarbeit 091658
aus MMW Fortschritte der Medizin
Freitag, 5. März 2010
Bilder unseres Landes: Idar-Obersteiner Schule entstand auf freiem Feld
Die 1872 auf fast freiem Feld an der Grenze zwischen Oberstein und Idar errichtete Göttenbach-Schule diente lange als Oberrealschule. Der Bau in der Mitte der mehr als 600 Hausnummern langen Hauptstraße war eines der wenigen gemeinsamen Projekte vor dem Zusammenschluss der beiden Städte im Jahr 1933. Alle höheren Schulen wurden damals in der Schillerschule in Oberstein vereint. In die freiwerdende Göttenbach-Schule zog die Stadtverwaltung ein. Heute sind dort die Schutz- und Kriminalpolizei untergebracht. Die Bediensteten der Stadt siedelten dafür in die ehemalige Schillerschule um. Foto: Hosser
aus der Nahe-Zeitung
Der Begriff »Gymnasium« existierte in der Umgangssprache in Idar-Oberstein bis in die Mitte der 70er Jahre kaum. In Idar-Oberstein besuchte man nicht das Gymnasium, man ging »off die Gäddebach«. Erst mit Errichtung des neuen Gymnasiums auf der Heinzenwies hielt das Wort »Gymnasium« Einzug in den Idar-Obersteiner Sprachgebrauch.
Mittwoch, 27. Januar 2010
Zivilisation – Net mach Mob
Computerpionier Jaron Lanier über die entwürdigenden Folgen von Internetwerbung, Mobbing im Netz und die Geburt einer unmenschlichen Digital-Religion
mehr bei SPIEGEL-Online
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Dienstag, 26. Januar 2010
Sport macht geistig fitter – auch bei ersten kognitiven Defiziten
Regelmäßige körperliche Aktivität schützt vor geistigem Verfall. Eine leichte kognitive Beeinträchtigung kann durch intensives Training sogar teilweise rückgängig gemacht werden. Das ist das Ergebnis einer kontrollierten Studie mit 33 Probanden um die 70 Jahre, die an einer leichten kognitiven Beeinträchtigung litten. Die Trainingsgruppe hatte sechs Monate lang viermal pro Woche für 45-60 Minuten ein intensives aerobes Training absolviert. Ihre kognitiven Leistungen verbesserten sich stärker als die der Kontrollgruppe, die nur Übungen gemacht hatte, welche die Herzfrequenz nicht erhöhten. Normalerweise haben Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung ein jährliches Risiko von 10-15%, in eine Demenz abzugleiten.
Arch Neurol 2010;67:71-79 und 80-86aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 3/2010
Der Duft, auf den Männer fliegen
Den Duft, auf den Männer messbar reagieren, bekommt man in keiner Parfümerie. Die stärkste Wirkung erzielt Frau mit ihrem Eigengeruch, meinen Psychologen an Florida. Sie baten Frauen während verschiedener Stadien ihres Ovulationszyklus ein T-Shirt an drei aufeinanderfolgen Tagen zu tragen. Ungetragene T-Shirts dienten zu Kontrollzwecken. Männliche Probanden wurden aufgefordert, an den Versuchshemden zu schnuppern. Vor und nach der Geruchsprobe wurde ihnen Speichel zur Testosteronbestimmung entnommen. Auf Hemdchen, die Frauen während ihres Eisprungs getragen hatten, reagierten die männlichen Versuchsobjekte mit einem signifikanten Anstieg der Testosteronwerte. Dieser Effekt ist aus Tierversuchen bestens bekannt. Was Sie, geneigter Leser, daraus schließen möchten, überlassen wir Ihnen.
Psychological Science, 2009; DOI: 10.1177/0956797609357733aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 3/2010
Couchpotatoes aufgepaßt – TV kann tödlich sein
Wer regelmäßig viel Zeit vor dem Fernseher verbringt, riskiert sein Leben. Einer australischen Studie zufolge erhöht jede tägliche Stunde Fernsehkonsum die Sterblichkeit um 11% und die kardiovaskuläre Sterblichkeit sogar um 18%.Verglichen mit Personen, die weniger als zwei Stunden pro Tag fernsehen, haben diejenigen, die mehr als vier Stunden vor der Glotze hängen, eine um 46% höhere Gesamtmortalität und eine um 80% höhere Mortalität aus kardiovaskulärer Ursache. In der Studie waren 8800 Personen mehr als sechs Jahre beobachtet worden; in dieser Zeit hatten sich 284 Todesfälle ereignet. Die erhöhte Sterblichkeit durch langes Fernsehen betraf auch normalgewichtige Menschen.
Circulation, 11. Januar 2010, doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.109.894824aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 3/2010
Wochenend bringt Sonnenschein
Vermutet haben wir das eigentlich schon immer, aber jetzt haben Psychologen der Universität Rochester den wissenschaftlichen Beweis nachgeliefert: Das freie Wochenende macht Menschen glücklich. Während der Arbeitswoche lassen die Glücksgefühle kontinuierlich nach, um am nächsten Wochenende dann wieder einem neuen Hochgefühl zu weichen. Dieses Auf und Ab der Gefühle ist unabhängig von Einkommen, Position und sozialem Status. Wesentlich sei, so meinen die Psychologen, dass man am Wochenende sein eigener Herr sei und selbstbestimmt handeln könne. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten, wie eine Studie der Universität von Toronto belegt: Immer mehr Zeitgenossen bringen sich um das Wochenend- und Freizeitglück, indem sie Arbeit mit nach Hause nehmen.
J Social Clin Psvchology 2010. im Druckaus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 3/2010
Montag, 25. Januar 2010
Gestern nacht vor 35 Jahren – 24. Januar 1975
»Das Wichtigste bei einem Solokonzert ist die erste Note, die ich spiele, oder die ersten vier Noten. Wenn sie genug Spannung haben, folgt der Rest des Konzerts daraus fast selbstverständlich.«
Die Umstände waren ziemlich widrig. Der bestellte Konzertflügel war nicht da. Der 29jährige Amerikaner hatte die Nacht zuvor schlecht geschlafen, gerade erst hastig gegessen und mußte auf einem mittelmäßigen Ersatzflügel spielen. Nur auf ausdrückliche Bitten der Veranstalterin erklärte er sich bereit, doch zu spielen. Die Tontechniker einigten sich darauf, das ausverkaufte Konzert in der Kölner Opernhalle für interne Zwecke doch mitzuschneiden. Der amerikanische Pianist paßte sich den Qualitäten des zur Verfügung stehenden Flügels an und beschränkte sich auf die mittleren und tiefen Töne. Der erste Teil beginnt mit der Melodie des Pausengongs der Kölner Oper – im Publikum ist Lachen zu hören.
Die Umstände waren ziemlich widrig. Der bestellte Konzertflügel war nicht da. Der 29jährige Amerikaner hatte die Nacht zuvor schlecht geschlafen, gerade erst hastig gegessen und mußte auf einem mittelmäßigen Ersatzflügel spielen. Nur auf ausdrückliche Bitten der Veranstalterin erklärte er sich bereit, doch zu spielen. Die Tontechniker einigten sich darauf, das ausverkaufte Konzert in der Kölner Opernhalle für interne Zwecke doch mitzuschneiden. Der amerikanische Pianist paßte sich den Qualitäten des zur Verfügung stehenden Flügels an und beschränkte sich auf die mittleren und tiefen Töne. Der erste Teil beginnt mit der Melodie des Pausengongs der Kölner Oper – im Publikum ist Lachen zu hören.
Heraus kam die meistverkaufte Jazz-Soloplatte und meistverkaufte Klavier-Soloplatte. Das Doppelalbum mit 66 Minuten Spielzeit bekam den Preis der Deutschen Phono-Akademie und wurde vom Time Magazine zu einer der „Records of the Year“ gewählt. Die Verkaufszahlen liegen bei etwa 3 1/2 Millionen verkaufter CDs und Schallplatten.
Köln, January 24, 1975, Pt. I (Live) {26:01}
Keith Jarrett – Thema
Am 24.07.2018 veröffentlicht
Am 24.07.2018 veröffentlicht
Provided to YouTube by Universal Music Group
Köln, January 24, 1975, Pt. I (Live) · Keith Jarrett
The Köln Concert
℗ 1975 ECM Records GmbH, under exclusive license to Deutsche Grammophon GmbH, Berlin
Released on: 1975-11-30
Associated Performer, Piano: Keith Jarrett
Producer: Manfred Eicher
Studio Personnel, Recording Engineer: Martin Wieland
Composer: Keith Jarrett
Auto-generated by YouTube.
Köln, January 24, 1975, Pt. I (Live) · Keith Jarrett
The Köln Concert
℗ 1975 ECM Records GmbH, under exclusive license to Deutsche Grammophon GmbH, Berlin
Released on: 1975-11-30
Associated Performer, Piano: Keith Jarrett
Producer: Manfred Eicher
Studio Personnel, Recording Engineer: Martin Wieland
Composer: Keith Jarrett
Auto-generated by YouTube.
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Keith Jarrett gehört zu den erfolgreichsten und stilprägenden Musikern der vergangenen vier Jahrzehnte und hat vor allem durch seine frühen Solo-Konzerte maßgeblich die Vorstellung vieler Menschen von zeitgenössischer Improvisation beeinflusst. Dabei baute er ein leicht verständliches, transparentes Prinzip des freien Flusses motivisch geprägter Improvisationen aus und kultivierte es. Der große Durchbruch kam 1975 schlagartig mit der Veröffentlichung seines legendären, eigentlich unter unglücklichen Umständen stattfindenden The Köln Concert, das von der damals achtzehnjährigen Konzertveranstalterin Vera Brandes organisiert wurde. Bei Kritikern und beim Publikum war das Köln Concert ein großer Erfolg. Die Platte bekam den Preis der Deutschen Phono-Akademie und wurde vom Time Magazine zu einer der „Records of the Year“ gewählt. Die Verkaufszahlen liegen bei rund 3,5 Millionen verkaufter CDs und Schallplatten. Die Platte mit ihrem markanten weißen Cover war in vielen Haushalten zu sehen und „zierte die Plattenschränke jener Zeit wie die Poster von Che Guevara in Studentenbuden ein Jahrzehnt zuvor.“ [6] Es ist nach wie vor Jarretts bekannteste Plattenaufnahme.
[Keith Jarrett, Wirkung, Wikipedia, abgerufen am 31.01.2019]==========
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aktualisiert am 31.01.2019
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Pay4Performance – Leserbrief
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir sind ja einiges gewöhnt:
• Da bekomme ich von der Bezirksstellenleitung ein Anschreiben (unterzeichnet von einem Arzt) mit der Anfrage, ob ich in meiner Praxis „gegen Pandemie“ impfe.
• Da meint der Bezirksstellenleiter (ein Ökonom), daß im ärztlichen Bereitschaftsdienst nur „Erste Hilfe“ geleistet wird. Es gäbe in Deutschland keinen Anspruch auf eine allgemeinärztliche Versorgung am Wochenende. Dann kann den Dienst ja jeder Autofahrer tätigen, denn als solcher hat man eine Erstehilfeausbildung.
• Da wird uns ständig erklärt, daß wir Leistungserbringer für „Kunden“ sind. Kunde ist man nur in einer Situation, in der man freien Willens ist, frei wie der Verkäufer. Als Kranker ist diese Art der Symmetrie nicht gegeben, sie muß auf eine andere Weise hergestellt werden. Wenn ein Versicherungsvertreter seine Agentur wie ein Arzt führt, wird er Pleite gehen. Wenn ein Arzt seine Praxis wie ein Versicherungsvertreter führt, dann gehört ihm die Approbation entzogen.
Und nun diese Kampagne „Pay4Performance“!
Abgesehen von der auch hierzu erkennenden Verwirrung und Infantilisierung der Begriffe: In meiner Praxis behandele ich Patienten und mache keine Performance! Die Zielorientierung liegt eben nicht auf der Gewinnmaximierung. Aber Begriffe wie Berufsethos, humanitärer Anspruch, Mitmenschlichkeit spielen in der umsichgreifenden ökonomisierten Gedankenwelt keine Rolle mehr. Dieser zunehmenden Korrumpierung entspricht auch die Aufmachung des Artikels: fahrig wird Geld gezählt und die KV besiegelt, was richtig ist. Was für eine politbürohafte Anmaßung!
Es ist höchstrichterlich bestätigt, daß eine medizinische Behandlung keinen Werkvertrag begründet, aus dem ein vorherzubestimmender Anspruch einzulösen ist. Medizin ist keine exakte Wissenschaft, sondern eine Erfahrungswissenschaft, die sich der Methoden der exakten Wissenschaften bedient! Niemand weiß, was eine richtige Behandlung ist. Wissen kann man nur, was nach derzeitigem Stand des Wissens und Gewissens die günstigste Behandlung zu sein scheint. Jede an Fremdmotivationen (hier Bezahlung, damals in der DDR u. a. Linientreue) orientierte Einschränkung des Spektrums von Behandlungsmöglichkeiten stört diesen Entwicklungsprozeß und führt korrumptions- oder ideologiehalber in Sackgassen. Wer schützt die Patienten (also potentiell uns alle) davor, daß nach Kassenlage evaluiert wird? Im Jahre 2009 kann niemand mehr ernsthaft behaupten, daß dies eine unbegründete Furcht ist.
Folge denn dem Artikel angekündigten Fehlentwicklung wird sein, daß Patienten, von derem Zustand keine lohnende „Punktzahl“ (man kann es nicht lassen!) abzuleiten ist, fürchten müssen, selektiert zu werden. Bekanntermaßen haben es heute schon oftmals die Kollegen im Notdienst schwer, „unwirtschaftliche“ Patienten in Kliniken unterzubringen.
Manfred Spitzer stellte in einem lesenswerten Editorial in der „Nervenheilkunde“ klar, daß es dieses Konstrukt des „Homo öconomicus“ in unserer Anlage für gesundes Verhalten nicht gibt. Es ist das Zerrbild des Gierhalses, der u. a. die Spielkasinos der Finanzmarkte beherrscht. Diese Gier frißt sich immer mehr in unsere Gesellschaft hinein und animiert wie ein Alkoholiker andere zum Mittrinken, um das eigene Leid und Gewissen nicht zu spüren.
Es besteht die Gefahr, daß wir Ärzte und Psychologen uns in das Bild hineinentwickeln, welches Politik und Medien auf uns projizieren. Der Artikel zeigt, wie weit dies schon vorangeschritten ist.
- Beobachtet Werden
- Überbieten - Gehirnforschung, Geld und Rettungspakete
- Geist in Bewegung
- Wir brauchen keine Computer in der Schule
- Einkaufs-Zentrum
- Liebesbriefe und Einkaufszentren bei Google-Books
nebenbei:
- Scarabis/Heinsen - Implicit diagnostics – Das Fenster zum Unbewußten öffnen
wir sind ja einiges gewöhnt:
• Da bekomme ich von der Bezirksstellenleitung ein Anschreiben (unterzeichnet von einem Arzt) mit der Anfrage, ob ich in meiner Praxis „gegen Pandemie“ impfe.
• Da meint der Bezirksstellenleiter (ein Ökonom), daß im ärztlichen Bereitschaftsdienst nur „Erste Hilfe“ geleistet wird. Es gäbe in Deutschland keinen Anspruch auf eine allgemeinärztliche Versorgung am Wochenende. Dann kann den Dienst ja jeder Autofahrer tätigen, denn als solcher hat man eine Erstehilfeausbildung.
• Da wird uns ständig erklärt, daß wir Leistungserbringer für „Kunden“ sind. Kunde ist man nur in einer Situation, in der man freien Willens ist, frei wie der Verkäufer. Als Kranker ist diese Art der Symmetrie nicht gegeben, sie muß auf eine andere Weise hergestellt werden. Wenn ein Versicherungsvertreter seine Agentur wie ein Arzt führt, wird er Pleite gehen. Wenn ein Arzt seine Praxis wie ein Versicherungsvertreter führt, dann gehört ihm die Approbation entzogen.
Und nun diese Kampagne „Pay4Performance“!
Abgesehen von der auch hierzu erkennenden Verwirrung und Infantilisierung der Begriffe: In meiner Praxis behandele ich Patienten und mache keine Performance! Die Zielorientierung liegt eben nicht auf der Gewinnmaximierung. Aber Begriffe wie Berufsethos, humanitärer Anspruch, Mitmenschlichkeit spielen in der umsichgreifenden ökonomisierten Gedankenwelt keine Rolle mehr. Dieser zunehmenden Korrumpierung entspricht auch die Aufmachung des Artikels: fahrig wird Geld gezählt und die KV besiegelt, was richtig ist. Was für eine politbürohafte Anmaßung!
Es ist höchstrichterlich bestätigt, daß eine medizinische Behandlung keinen Werkvertrag begründet, aus dem ein vorherzubestimmender Anspruch einzulösen ist. Medizin ist keine exakte Wissenschaft, sondern eine Erfahrungswissenschaft, die sich der Methoden der exakten Wissenschaften bedient! Niemand weiß, was eine richtige Behandlung ist. Wissen kann man nur, was nach derzeitigem Stand des Wissens und Gewissens die günstigste Behandlung zu sein scheint. Jede an Fremdmotivationen (hier Bezahlung, damals in der DDR u. a. Linientreue) orientierte Einschränkung des Spektrums von Behandlungsmöglichkeiten stört diesen Entwicklungsprozeß und führt korrumptions- oder ideologiehalber in Sackgassen. Wer schützt die Patienten (also potentiell uns alle) davor, daß nach Kassenlage evaluiert wird? Im Jahre 2009 kann niemand mehr ernsthaft behaupten, daß dies eine unbegründete Furcht ist.
Folge denn dem Artikel angekündigten Fehlentwicklung wird sein, daß Patienten, von derem Zustand keine lohnende „Punktzahl“ (man kann es nicht lassen!) abzuleiten ist, fürchten müssen, selektiert zu werden. Bekanntermaßen haben es heute schon oftmals die Kollegen im Notdienst schwer, „unwirtschaftliche“ Patienten in Kliniken unterzubringen.
Manfred Spitzer stellte in einem lesenswerten Editorial in der „Nervenheilkunde“ klar, daß es dieses Konstrukt des „Homo öconomicus“ in unserer Anlage für gesundes Verhalten nicht gibt. Es ist das Zerrbild des Gierhalses, der u. a. die Spielkasinos der Finanzmarkte beherrscht. Diese Gier frißt sich immer mehr in unsere Gesellschaft hinein und animiert wie ein Alkoholiker andere zum Mittrinken, um das eigene Leid und Gewissen nicht zu spüren.
Es besteht die Gefahr, daß wir Ärzte und Psychologen uns in das Bild hineinentwickeln, welches Politik und Medien auf uns projizieren. Der Artikel zeigt, wie weit dies schon vorangeschritten ist.
Leserbrief eines Arztes für Psychiatrie und Psychotherapie an das Niedersächsische Ärzteblatt (1/2010)
Einige Downloads von Manfred-Spitzer-Aufsätzen:- Beobachtet Werden
- Überbieten - Gehirnforschung, Geld und Rettungspakete
- Geist in Bewegung
- Wir brauchen keine Computer in der Schule
- Einkaufs-Zentrum
- Liebesbriefe und Einkaufszentren bei Google-Books
nebenbei:
- Scarabis/Heinsen - Implicit diagnostics – Das Fenster zum Unbewußten öffnen
So erkennt man erfolgreiche Medizinstudenten
Belgische Forscher haben über 6oo Medizinstudenten über ihr gesamtes siebenjähriges Studium begleitet und untersucht, welche Persönlichkeitsmerkmale mit einem erfolgreichen Studium korrelieren. In den präklinischen Semestern haben besonders gewissenhafte Studenten die Nase vorn, während sich extrovertierte, gesellige Persönlichkeiten eher schwer tun. In den klinischen Semestern ändert sich das Bild: Jetzt gewinnen die extrovertierten Studenten die Oberhand – so sie denn ihr Studium vor lauter Partys bis dahin geschafft haben. Besonders günstig ist es, wenn die Extrovertiertheit mit Charaktereigenschaften wie Durchsetzungsfähigkeit und Altruismus verbunden ist. Gewissenhafte Studenten werden diese Phase des Studiums auch noch erfolgreich bestehen. Wer aber weder extrovertiert noch gewissenhaft ist, darf nicht auf einen guten Abschluss hoffen.
Journal of Applied Psychology 2009;94:7514-35aus MMW-Fortschritte der Medizin Nr. 51-52
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