Montag, 14. März 2011

Sinn und Unsinn der Diagnosen-Kodierung

Die mit viel Aufwand betriebene Kodierung liefert offensichtlich inhaltlich wertlose Daten. Dieser Schluss ergibt sich aus einer mit einem Forschungspreis ausgezeichneten Dissertation an der Medizinischen Fakultät an der Universität Leipzig: Das pikante daran: Der KBV-Spitze ist dieses Problem bereits seit langem bekannt.
Wichtig bei der Kodierung ist, dass sich die kodierten Daten auch zuverlässig und replizierbar dekodieren lassen – sonst ist der Aufwand überflüssig und wirtschaftliche sowie gesundheitspolitische Entscheidung werden aufgrund falscher Annahmen gefällt. Diese Problematik stand im Mittelpunkt der Arbeit von Dr. med. Rosemarie Wo- ckenfuss. Sie untersuchte anhand der Ergebnisse der Sächsischen Epidemiologi- schen Studie in der Allgemeinmedizin (SESAM-2), ob die ICD-10 den Anspruch der Reliabilität zur Darstellung der Morbidität erfüllen kann.

Link zum Download der Studie

aus den Mitteilung des bvvp (Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten) vom 9.3.2011


Die letzten beiden Sätze der Dissertation lauten:

Zusammenfassend konnte festgestellt werden, dass für die Bekannten Dauerdiagnosen und Neuen Diagnosen nur noch auf Kapitelebene eine mäßige Abbildung der Morbidität mit der ICD-10 gelang, bei den Beratungsanlässen war selbst das schon nicht mehr möglich.
Somit ist die Reliabilität der ICD-10 in der Allgemeinmedizin nicht ausreichend.


Sprache, Sauberkeit und die Medien

Gerade habe ich in der Tagesschau gehört, die Absetzung des Gorch-Fock-Kommandanten Norbert Schatz sei voreilig gewesen.
Der ehemalige Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg hat Norbert Schatz aber nicht abgesetzt, obwohl dies in den Medien mehrmals so berichtet worden ist, sondern suspendiert.

Suspendieren heiß aber eben nicht absetzen sondern aussetzen.
Das, was jetzt voreilig gewesen sein soll, hat es also nie gegeben.

Genauso der Fall mit der Anfang November zu Tode gestürzten Offiziersanwärterin auf der Gorch Fock:
Die BILD-Zeitung meldet – und der deutsche Blätterwald schreibt mit –, die Offiziersanwärterin sei aufgrund ihres Gewichtes von 83 Kilo bei einer Körpergröße von 1,58 m gar nicht dienstfähig gewesen. (In dem von mir zitierten Beispiel aus »evangelisch.de« ist übrigens – siehe den orangefarbenen Einschub mit mehreren Links – auch von der Absetzung des Gorch-Fock-Kommandanten die Rede.) Vier Tage brauchte es herauszufinden, daß die Leiche der Soldatin vor dem Heimtransport mit 23 Kilo Formaldehyd einbalsamiert worden war. Ich hatte Schwierigkeiten, zu meiner letzten Aussage Meldungen zu finden. Die Anzahl der auffindbaren Meldungen über die Dienstunfähigkeit der Unteroffizierin ist wesentlich größer als die, die die Unstimmigkeit auflösen.

Wenn ich nun gestern im ZDF Meldungen höre, von dem Atomkraftwerk stünde nach der Explosion nur noch das Stahlgerippe, wird mir übel. So kann man die Bevölkerung nicht mit Informationen versorgen. Der ruhigen und besonnenen Berichterstattung der ARD ein großes Kompliment. Im Life-Ticker am Unterrand meines Browsers lese ich gerade: »ZDF – Nur Jod hilft«. Dazu Folgendes: Nach Tschernobyl sind in Deutschland tatsächlich Menschen ums Leben gekommen, nur: sie starben, weil sie bei einer unerkannten Schilddrüsenüberfunktion prophylaktisch Jod-Tabletten eingenommen hatten. Also: Ruhe bewahren, Atomkraftwerke abschalten und die Hirne nicht zu heiß laufen lassen.

Ach ja, beinahe hätte ich unseren Guido vergessen. Er erzählt heute tatsächlich vor der Kamera, es habe sich eine neue Situation ergeben, weswegen man über den Ausstieg (aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg) aus der Atomkraft ebenfalls neu nachdenken müsse. Wenn es die Katastrophe in Japan nicht gegeben hätte und im Sommer ein Passagierflugzeug auf ein AKW gefallen wäre und unter dem Strich eine Kernschmelze entstanden wäre, würde er auch da stehen und erzählen, eine neue Situation sei entstanden.

Eine Situation, die bei uns in Deutschland entstehen könnte, ist ein Vulkanausbruch in der Eifel. Der letzte war vor 12.000 Jahren. Ein populärwissenschaftliches Feature – ich glaube auf vox – von BBC berichtete vor etwa einem halben Jahr davon. Auf der Seite duckhome.de wird von einem Erdbeben bei Basel der Stärke 10 im Jahr 1356 berichtet, es gibt auch was über Eifelvulkane…

Tanja Gönner, Umweltministerin in Nordrhein-Westfalen, erzählt gerade im ARD Brennpunkt, »wir haben die Atomenergie immer als Übergangstechnologie bezeichnet«. Na ja, sie ist im Wahlkampf.

Siehe auch »Störungen und Betriebsabweichungen« und das darauf folgende Kapitel im Wikipedia-Aufsatz über Fukushima: der privatwirtschaftliche Betrieb von AKWs ist problematisch. Und wenn die Meldung bei Wikipedia stimmt, die Ersatzgeneratoren hätten aufgrund ungeeigneter Kabel nicht angeschlossen werden können, dann kann ich dazu nichts mehr sagen.

Wenn wir, was ich uns allen wünsche, noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen sollten, dürfen wir nicht vergessen: Da sind noch ein paar Bälle, die zur Zeit jongliert werden, ohne daß man sie wirklich unter Kontrolle hat und die uns noch einige Probleme bereiten werden:
– die Atommüll-Endlagerung
– gentechnisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel
– Nano-Technologie
– das internationale Währungssystem (siehe meinen Post vom 12. März)

Sonntag, 13. März 2011

Energieversorgung

Ich kann mich noch daran erinnern, wie unser Chemielehrer – ich muß da in der zehnten oder elften Klasse gewesen sein – vor der Tafel entlangschritt. Er hatte die Angewohnheit, sich das lange Lineal zu nehmen, das eine Ende in der linken Hand, das andere auf der linken Fußspitze aufgestützt, und, die rechte Hand in der Hosentasche, vor der Tafel hin und her zu wandern und uns etwas zu erzählen. Diesesmal war es der Brüter. Das sei klasse, meinte er, das wäre ein besonderes Atomkraftwerk, welches sich seinen Treibstoff selbst herstellt. Und nicht nur das, es würde sogar zusätzliches spaltbares Material herstellen, welches dann andere Atomkraftwerke versorgen würde.
Inzwischen ist die Brüter-Technologie, wie auch so viele andere Dinge, die mit der zivilen Nutzung der Kernkraft zu tun haben, entzaubert, wenn nicht entlarvt. Realität wird unter anderem durch Worte hergestellt. Und die Eier, die ein Huhn legt – und dann ausbrütet –, konnte sich in der Wienerwald-Zeit jeder gut vorstellen. Prinzipiell funktioniert unser Hirn auf BILD-Zeitungs-Niveau. Alles, was komplizierter ist, davon lassen wir lieber die Finger bzw. unsere grauen Zellen.

»Die Grenzen des Wachstums«, eine vom Club of Rome in Auftrag gegebene Studie von Dennis L. Meadows machten – genauso wie die vier autofreien Sonntage 1973 – die Menschen – mich auch – zum erstenmal wach – zumindest einige. Der Gedanke, daß die fossilen Energien der Erde und überhaupt die Ressourcen der Erde begrenzt sein könnten, war mir bis Anfang der 70er Jahre – wie wohl den meisten – nicht gekommen. Und Visionäre wie Buckminster Fuller (Operating Manual for Spaceship Earth) wurden in Zeiten von Flipper, Bonanza und Emma Peel allenfalls von den Beatles beachtet.



Links zu Buckminster Fuller:
als erstes natürlich auf meinem Blog: Heute vor 25 Jahren
Telepolis: Buckminster Fuller, Der weitsichtigste Mann unseres Jahrhunderts
archINFORM: Richard Buckminster Fuller
thirteen.org: Buckminster Fuller

Eine sogenannte Dymaxion Map [Quelle: habe ich ganz alleine gemacht, sie stammt keinesfalls von Dymaxion Artifacts]
Wikipedia: Dymaxion House

Von der Atomenergie war nach den Unfällen von Sellafield, Three Mile Island und Tschernobyl der Lack ab. Nach den Demonstrationen in Brokdorf und Gorleben und der Diffamierung der Kernkraftgegner wurde mir klar, daß die zivile Nutzung der Kernkraft politisch/industriell gewollt war und über Subventionen gesteuert wurde. Jetzt ist die Kernkraft als sogenannte Brückentechnologie »alternativlos« (Angela Merkels Unwort des Jahres). Aber Kernkraft wurde zur Brückentechnologie (ebenfalls fürs Unwort des Jahres nominiert) gemacht – durch Subventionen.

Links dazu:
Deutschlandfunk: Die Kosten von Atomstrom
ZEIT Online: "Nicht nur die gefährlichste, sondern auch die teuerste Form der Stromerzeugung"
Telepolis: Teurer Atomstrom
Solar e.V.: Vergleich der Subventionen von Atomkraft und Erneuerbaren Energien
Friedrich-Naumann-Stiftung: Hentrich, Gute und böse Investitionen?

Der Filz zwischen Politik und Industrie wurde im Zuge der Auseinandersetzungen um den Salzstock Asse als Atommüllendlager ruchbar. (Ich schreibe absichtlich ruchbar, weil mir für den Nachweis die Zeit fehlt.)

Links:
Greenpeace: Originalakten zeigen: Asse war Test für Gorleben, Greenpeace stellt weitere Dokumente zur Endlagersuche ins Internet
brakhage-info: Asse, Gorleben & Co.
taz: GUTACHTEN ZUM ATOMENDLAGER GORLEBEN: Politischer Druck auf die Wissenschaft
Bergedorfer Zeitung: Asse-Skandal reicht bis nach Geesthacht
paperblog: ASSE-Skandal: Die JOURNAILLE als Atom-Lobby und das Schutzschild für Angela Merkel (CDU)
Neue Presse, Hannover: Wulff: Verantwortung für Asse-Skandal kaum zu klären
Frankfurter Rundschau: Decke eingestürzt





















zum Download:
Studie der Heinrich-Böll-Stiftung: Rosenkranz, Mythos Atomkraft
bei Heike Sperling: Lotter, Sterne lügen nicht (über die Schwierigkeit der Vermittlung komplexer Sachverhalte)


zum Schluß:
Auch wenn die atomare Katastrophe in Japan noch in Gange ist – und mir wird übel, wenn ich nur daran denke –, und auch wenn meine Forderungen absonderlich klingen:
Deutschland benötigt starke, transportable Stromgeneratoren, die nach einem Stromausfall die Stromversorgung eines AKW sichern.
Wir benötigen Luftabwehrraketen in der Nähe eines jeden Atomkraftwerks.
Der stärker radioaktive Müll (der schwach radioaktive nicht) muß in Glas eingeschmolzen und so eingeschmolzen gelagert werden, um das Entweichen in das Grundwassser zu unterbinden. Kein Salzstock ist sicher genug. Bei Radioaktivität darf der Spruch »aus den Augen – aus dem Sinn« nicht verfangen.
Für die Zukunft müssen wir mir Kernkraftwerken noch eine Weile leben.
Bis die Fusionstechnologie zur Verfügung steht, braucht es noch Zeit. Ich halte sie für deutlich sicherer als die Kernspaltung.
Wasserstoff ist die Energiewährung der Zukunft. Letztlich wird dies Währung aber nur durch Spaltung von Wasser zu gewinnen sein, heißt: im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen, in denen Energie drinsteckt, steckt in Wasser keine Energie, ich muß Energie reintun, um Wasserstoff zu erhalten. Ich bezeichne Wasserstoff als Energiewährung, weil er sich transportieren läßt. Dieser Wasserstoff muß aber zuerst hergestellt werden.
Eine interessante und meiner Meinung nach zuwenig beachtete Figur in diesen Gedankenspielen ist Ludwig Bölkow. (Die Älteren werden sich vielleicht noch an Messerschmitt–Bölkow–Blohm erinnern, kurz: MBB, ging später in der DASA auf, und die wurde ein Teil von EADS.) Bölkow entwickelte die Messerschmitt Me 262 mit, das erste Militärflugzeug mit Strahltriebwerken. Nach dem Krieg baute er das erste glasfaserverstärkte Segelflugzeug, die Fs 24 Phönix, damals ein absolutes Novum. 1983 gründete er in Ottobrunn die Ludwig-Bölkow-Stiftung, deren Aufgabe es ist, sich um die ökolische Umsetzung von Technologie zu kümmern. Einige Solarfirmen sind aus dieser Stiftung hervorgegangen. Die Stiftung lobt auch einen Technologie-Preis aus.
Das Energiekonzept von Ludwig Bölkow wird wohl auf der Seite der Solarinitiative München Land stimmig vorgestellt.

Noch einige Links:
SPIEGEL Online: Der Visionär
Institut für Ökologische Stadtentwicklung – Energie-Links
Wikipedia: Energiespeicher
H2Blog: Wassserstoff nachhaltig erzeugen
Simla e.V.: Energieträger im Vergleich (PP-Präsentation)
Solarserver: CDU-Parteiaustritt eines Photovoltaik-Unternehmers: Offener Brief an Bundeskanzlerin Merkel







Und wenn Umweltminister Röttgen meint, angesichts der Katastrophe in Japan müsse die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke neu überdacht werden, dann kann ich nur fragen, was passieren muß, bis CDU-Gehirne anlaufen. Vor Überhitzung jedenfalls brauchen wir da keine Angst zu haben.

Samstag, 12. März 2011

Was bei einer Kernschmelze passiert

bei der Tagesschau
bei Wikipedia
ausführliche Darstellung bei der Bürgerinitiative Umweltschutz (BIU) , Hannover
Artikel auf ZEIT-Online

Bild aus einer einfachen Darstellung der Geusschool

Die Saat für die nächste Krise…

Der Internationale Währungsfonds (IWF) kritisiert mit ungewöhnlich klaren Worten, dass das Finanzsystem jetzt noch anfälliger ist als vor der Finanzkrise.

»Ohne diplomatisches Geschwafel stellt der Internationale Währungsfonds (IWF) in einer nun bekannt gewordenen internen Studie das grandiose Scheitern der Regierungen im Rahmen der Finanzkrise fest.«

mehr bei Telepolis

Freitag, 11. März 2011

Way Home…


Jon & Vangelis - I'll Find My Way Home von albertulloamsn



Steve Winwood, Eric Clapton - Can't Find My Way Home

Donnerstag, 24. Februar 2011

Heute vor 108 Jahren: Kuba muß die Guantánamo-Bucht verpachten

Umstrittene US-Bastion auf Kuba

Guantánamo ist eine kleine kubanische Stadt an der Südküste der Insel, und auch die Bucht, die das Karibische Meer an diesem Küstenstrich bildet, heißt so. Dass der Name weltweit in aller Munde ist, liegt an dem kleinen Areal, das das US-Militär gepachtet hat. Seit dort des Terrors verdächtige Islamisten unter menschenunwürdigen Umständen gefangen gehalten werden, taucht der Name immer wieder in den Schlagzeilen auf. Wie kam es dazu, dass die USA gerade auf der Insel des alten politischen Feindes Fidel Castro einen Marinestützpunkt haben?

Landung von US-Truppen bei Guantánamo auf Kuba (Illustration, 1898; Quelle: Brockhaus-Kalender – Abenteuer Geschichte)

Bis 1897 versuchten die USA der damaligen Kolonialmacht Spanien die gesamte Insel Kuba abzukaufen. Im Jahre 1898, während des Spanisch-Amerikanischen Krieges, besetzten die USA die Guantanamo-Bucht, da sich dort eine bedeutende Hafenanlage befand. Durch den Pariser Frieden vom 10. Dezember 1898 erlangte Kuba die Unabhängigkeit, geriet aber in politische und wirtschaftliche Abhängigkeit der USA. Diese übten ihre Kontrolle und Vorherrschaft über Kuba durch die Einsetzung proamerikanischer Präsidenten und Diktatoren und mehrere militärische Interventionen aus (unter anderem 1899–1903). Von Januar 1899 bis Mai 1902 stand die Insel unter US-amerikanischer Militärverwaltung. 1901 wurde der so genannte Platt Amendment in die Verfassung Kubas aufgenommen. Dieser schränkte die Souveränität des Landes erheblich ein. Er gewährte den USA ein Interventionsrecht im Falle innerer Unruhen und sah die Abtretung kubanischen Territoriums als Flottenbasis vor. (Quelle: Wikipedia)

Am 23. Februar 1903 unterzeichneten die USA und Kuba ein Abkommen, das den USA das Recht zusprach, auf einem 117 qkm großen, gemieteten Gebiet »Kohleverlade- und Marineeinrichtungen« anzulegen. Laut Vertrag sind die Klauseln so lange gültig, bis beide Vertragspartner sie aufzuheben gedenken. Kuba blieb seinerzeit keine große Wahl, es musste diesen Vertrag unterschreiben, denn es war von der US-Armee besetzt, die im Unabhängigkeitskrieg der Kubaner gegen die spanischen Kolonialherren interveniert hatte. Heute sieht Kuba die Militärenklave der USA als illegal besetztes Territorium an und fordert seit Langem die Rückgabe. Die USA machen aber bisher keinerlei Anstalten, dem Drängen Kubas nachzugeben. (Quelle: Brockhaus-Kalender – Abenteuer Geschichte)

Im Jahr 1934 wurde der kubanische Präsident Ramón Grau San Martín abgesetzt, der Vertrag wurde aufgehoben. Nach einer Erneuerung des Vertrages im gleichen Jahr blieb nur Abschnitt 7 über das Recht der Nutzung der Bucht als Marinestützpunkt erhalten. Weiterhin wurde der Pachtvertrag nachträglich auf unbestimmte Zeit verlängert. Ab dem Jahre 1938 wurde die Pachtgebühr auf 4085 US-Dollar erhöht.
Seit der Revolution 1959 und der Machtergreifung Fidel Castros akzeptiert Kuba die amerikanische Präsenz auf kubanischem Boden nicht mehr und fordert die Rückgabe der Bucht. Die Pachtzahlungen der USA werden jährlich in Form eines Schecks im Juli zugestellt. Im Jahr 1959 wurde dieser einmal eingelöst. Kuba bestreitet seither die Gültigkeit des geänderten Vertrages, da er durch militärischen Druck zustande gekommen sei, während die USA die einmalige Scheckeinlösung als Bestätigung der Fortsetzung der Pacht ansehen. (Quelle: Wikipedia)

Heute vor 218 Jahren: Die ersten demokratischen Wahlen auf deutschem Boden

In der Kanonade von Valmy brachte die französische Revolutionsarmee 1792 im Ersten Koalitionskrieg den Versuch preußischer und österreichischer Truppen, die Revolution in Frankreich niederzuschlagen, zum Stehen. In ihrem Gegenangriff drangen die Franzosen im September in die Pfalz vor und besetzten am 21. Oktober 1792 Mainz.

Schon am Tag nach der Besetzung gründeten 20 Mainzer einen Jakobinerklub, dem weitere in Speyer und Worms folgten. Im Sinne der Aufklärung warben die deutschen Jakobiner für die Ideale der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und die Errichtung einer deutschen Republik. Mitte Dezember 1792 ergab eine Umfrage in 40 Gemeinden, dass etwa drei Viertel der wahlberechtigten Bevölkerung (Männer ab 21) eine Umgestaltung der Staatsordnung nach französischem Vorbild befürwortete.

Die Wahlen zum Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent am 24. Februar 1793 verliefen, an den Maßstäben der Zeit gemessen, halbwegs demokratisch. 130 Städte und Dörfer aus den Gebieten links des Rheins und südlich der Nahe sandten ihre Abgeordneten nach Mainz.

irgendwelche Ähnlichkeiten mit Texten aus Wikipedia sind rein zufällig!

Sonntag, 20. Februar 2011

Heute vor 20 Jahren – 20. Februar 1991: Bob Dylans versteckte Botschaft bei der Grammy-Verleihung – Terrorakt beim Fest

Obwohl Dylan auf dem folgenden Video (anlässlich der Verleihung des Grammy’s für sein Lebenswerk am 20. Februar 1991) wieder mal so furchtbar nuschelt, daß man den Liedtext nicht verstehen kann, habe ich es trotzdem reingestellt. Es enthält nämlich eine geniale Inszenierung…(und der genuschelte Text ist so gewollt!)



Man genieße die Einleitung durch Jack Nicholson und die darauf folgende »Inszenierung innerhalb der Inszenierung« der Grammy-Verleihung… (Meine liebe Kollegin Hanna nennt so etwas »Szene in der Szene in der Szene«:)



»Paradox: Eine scheinbar widersprüchliche Aussage, die dabei möglicherweise die Wahrheit ausdrückt. […] Ein Poet ist eine nackte Person, manche nennen mich einen Poeten. […] Dieser Mann ist ein Krawallmacher.« (Nicholson in seiner Einleitung)

1. Die wie Gangster aus der Prohibitionszeit gekleidete Band (= Masters of War = Militärisch-industrieller Komplex, s.u.) beschießt das wehrlose Publikum lustvoll mit ihrer unverständlichen Krachmusik. Alle bleiben brav sitzen – das gehört sich bei einer Grammy-Verleihung und einem solch großartigen Künstler so, und keiner schmeißt Tomaten.


2. Das malträtierte Publikum muß dann, so fordert es der Anstand, applaudieren. Man genieße den Anblick der fein herausgeputzten Leute, die, mit braver Ehrfurcht und einer dem Anlaß geschuldeten Begeisterung, Beifall klatschen, obwohl sie nicht verstanden haben, welches Lied der heimliche Regisseur Dylan mit seinen Begleit-Gangstern da herausgekotzt hat!

3. Dabei achte man auf Folgendes: Während des Beifalls und nachdem sich Dylan und Nicholson gegenseitig kurz beklatscht haben verläßt Dylan den Platz hinter dem Mikrophon und zieht sich nach hinten zum Vorhang zurück. Seinen Positionswechsel interpretiere ich so: »Ich bin nicht da, wo Ihr meint, daß ich bin bzw. wo Ihr möchtet, daß ich sein sollte.« Das Publikum applaudiert einem leeren Platz…



4. Der ehemalige Joker-Darsteller Nicholson geht ihm hinterher (10:14), holt ihn zum Mikrofon zurück, und Dylan folgt brav. Brav nimmt er dann auch seinen Hut ab, während Nicholson ihm und dem Publikum erklärt, wofür er den Preis bekommt. Dylan macht den Mund auf und ein dummes Gesicht, sieht zeitweilig auch scheinbar unbeteiligt an dem Laudator vorbei, als ob ihn die Huldigung überhaupt nichts angeht und er sich unbehaglich fühlt und nicht wirklich weiß, was er da soll.


(Der Künstler will Abstand von der Menge und seiner ihm zugedachten Rolle halten, das ist aber nicht möglich, weil das Publikum jemanden braucht, den es großartig findet.)

5. Dieser Inszenierung der Inszenierung der Herrschaftsverhältnisse (das meine ich exakt so, wie ich das geschrieben habe: die Herrschaftsverhältnisse werden inszeniert!), der Inszenierung der geforderten und pflichtschuldigst abgelieferten Huldigung durch das unwissende Publikum und der Inszenierung von Dylans Großartigkeit (, die so gar nicht zu dem desinteressiert und deplaziert wirkenden Künstler und seiner scheinbaren intellektuellen Überforderung paßt,) folgen – nach einigen ungläubigen und ratlosen Blicken auf den Preis, den er in Händen hält, die dahingenuschelten Worte des scheinbar überforderten Geehrten (in einigen Youtube-Kommentaren wird spekuliert, er habe unter Drogen gestanden), die – ähnlich der Beschießung durch die schmerzhafte Musik – die schwer verstehbare und improvisiert wirkende Vermittlung der tief versteckten Wahrheit enthalten (, für die Dylan nur der Bote ist). Alle – auch scheinbar der Geehrte – spielen brav mit, und keiner versteht was – außer Dylan, der einen Rollenwechsel erzwungen und sich heimlich zum Regisseur der Show aufgeschwungen hat.

mein Kommentar:
Ein kleines Theaterstück in fünf Akten mit einer (offensichtlichen und trotzdem) kaum verstehbaren, komplexen und stark verdichteten (verbalen und nonverbalen) Botschaft, welches seine Sicht der Machtverhältnisse, der Menschen und seines Verhältnisses zu der Inszenierung der Macht dem unwissenden Volk gegenüber inszeniert. 
Da hat wirklich einer nachgedacht! Chapeau!

Feb 20 '91… 33rd annual Grammy Awards… {11:25}   Text (a-zLyrics)   Übersetzung (Songtexte.com)   Interpretation


Michl Mayr
Am 01.06.2019 veröffentlicht 
February 20, 1991 / Radio City Music Hall, NYC
BD receives his Lifetime Achievement Award.
The award is presented by Jack Nicholson …

Dylans Rede enthält einige Worte mit tiefem Hintergrund, wie man beim Examiner nachlesen kann:
Bob Dylan's Grammy history - 1991 Lifetime Achievement Award revisited (Examiner, 30.01.2010) Der Text ist aus dem Buch von Seth Rogovoy – Bob Dylan, Prophet, Mystic, Poet übernommen.

zur Vorgeschichte:

Wenige Wochen vor der Grammy-Verleihung hatte der erste Irak-Krieg begonnen (am 17. Januar 1991). Offizieller Auslöser war die irakische Invasion Kuweits. Auf Wikipedia kann man nachlesen, 
  1. daß es immer wieder Grenzstreitigkeiten zwischen dem Irak und Kuweit gegeben hatte,
  2. daß der Irak nach dem Iran-Irak-Krieg hohe Schulden – vor allem bei Kuweit (80 Mrd. Dollar) – hatte und Kuweit beschuldigte, seine Förderquoten nicht eingehalten, dadurch den Ölpreis gedrückt und den Irak um 14 Mrd. Dollar geschädigt zu haben und
  3. daß es mehrere Rückzugsangebote Saddam Husseins gegeben hatte:
==========
Der Irak beharrte darauf, dass der Rückzug aus Kuwait mit einem gleichzeitigen Rückzug der syrischen Truppen aus Libanon und der israelischen Truppen aus dem Westjordanland, dem Gazastreifen, den Golanhöhen und dem Südlibanon verbunden werden müsse. Französische Vorschläge, den irakischen Rückzug aus Kuwait mit der Einberufung einer allgemeinen Nahost-Konferenz zu verknüpfen, scheiterten am Veto der USA und Großbritanniens. 
[Zweiter Golfkrieg, Verhandlungen über einen irakischen Abzug aus Kuwait, Wikipedia, drittletzter Absatz, abgerufen am 15.08.2017, Hervorhebung von mir]
==========
April Catherine Glaspie (* 26. April 1942 in VancouverBritish Columbia) ist eine US-amerikanische Diplomatin.Von 1988 bis 1990 war sie Botschafterin der Vereinigten Staaten im Irak. In dieser Funktion signalisierte sie Saddam Hussein kurz vor dem Einmarsch der irakischen Truppen in Kuwait 1990, dass die Vereinigten Staaten in dieser Frage keine Haltung hätten. Ihr damaliger Stellvertreter an der US-Botschaft in Bagdad Joseph C. Wilson nimmt sie in seiner Autobiographie gegen diesen Vorwurf explizit in Schutz. Er schreibt: „Ihre Erläuterung der amerikanischen Politik gegenüber innerarabischen Konflikten wich in keinem Punkt von unserer gewohnten Haltung und den Instruktionen ab. Die Vereinigten Staaten bezogen in solchen Zwistigkeiten zwischen arabischen Ländern zwar keine Position, drangen aber schärfstens darauf, dass die jeweiligen Parteien ihren Streit diplomatisch oder über internationale Vermittler beilegten und nicht durch militärische Drohungen oder Aktionen.“[1] Weiter führt Wilson aus, dass „die Iraker“ und insbesondere der damalige irakische Außenminister Tariq Aziz später öffentlich versichert hätten, die amerikanische Position bestens verstanden zu haben.
Sie war die erste weibliche Botschafterin in einem Land des Nahen Ostens.[2]
Anschließend arbeitete sie in der Auslandsvertretung der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen in New York. Bis zu ihrer Pensionierung 2002 leitete Glaspie das US-Generalkonsulat in Kapstadt. 
[April Glaspie, Wikipedia, abgerufen am 15.08.2017]
==========

zur Vorgeschichte siehe auch:
- Irak: „Herzlich und warm“ (SPON, 06.12.2010) 
Das Komplott der CIA mit Kuweit: Was sagte eigentlich April Glaspie zu Saddam? (Malcom Lagauche, Hintergrund, 04.08.2009) 

Die wahre Geschichte des1. Golfkrieges [59:48]

Hochgeladen am 19.11.2011
Die wahre Geschichte des 1. Golfkrieges
Am 2. August 1990 fallen irakische Truppen in Kuwait ein und lösen die internationalste Krise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion aus. Die USA startet die größte Bodenoffensive seit dem 2. Weltkrieg und fällt in Kuwait ein. Es ist ein Sieg in ganzer Linie. Doch was steckt wirklich dahiter? Ist es so abgelaufen, wie man uns damals erzählt hat?

Laut Wikipedia entspricht der Grammy dem Oscar. Er gilt als die höchste Auszeichnung  für Künstler und Aufnahmeteams. (Die Grammy-Verleihung 2012 hatte allein in den USA etwa 40 Millionen Zuschauer.)

Der schnodderige und etwas dümmliche Eindruck, den Dylans Auftritt provoziert, ist beabsichtigt. (Der Name seiner Begleitband: The B-52’s) Er legt es weder darauf an, von möglichst vielen Menschen verstanden noch für voll genommen zu werden. Im Gegenteil: Er weiß seit vielen Jahren, daß und weshalb er mißverstanden wird. (Mr. Mark & Mr. Bob) Er zielt auf Menschen, die sich vom Schein nicht ablenken lassen, nachdenken und verstehen wollen. 

Nach der Überreichung des Preises sagt Dylan – zögerlich und mit kurzen Unterbrechungen – folgenden Satz:
»Well, my daddy, he didn’t leave me much – you know he was a very simple man, and he didn’t leave me a lot – but what he did tell me was this. He did say, son, he said… he said so many things, you know….[kurze Pause, Lachen im Publikum, das endlich mal was zu verstehen glaubt] He say, you know it’s possible to become so defiled in this world that your own mother and father will abandon you, and if that happens, G-d will always believe in your own ability to mend your own ways.«
(
»So, mein Daddy, er hat mir nicht viel hinterlassen - Ihr wißt, dass er ein sehr einfacher Mann war, und er hinterließ mir nicht sehr viel - aber was er mir wirklich gesagt hat, war das. Er hat wirklich gesagt, Sohn, er hat gesagt … er hat so viele Dinge gesagt, wißt Ihr …. Er sagt, Ihr wißt, es ist möglich, in dieser Welt so beschmutzt zu werden, dass Eure eigene Mutter und Vater Euch verlassen werden, und wenn das geschieht, wird G-d immer an Eure eigene Fähigkeit glauben, Eure eigenen Wege auszubessern.«)

Das Metsudah Siddur ist ein unter Juden weit verbreitetes Gebetbuch. Im seinem Anhang interpretiert Samson Rafael Hirsch, ein führender Vertreter des orthodoxen Judentums in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts, Psalm 27:10 (»When my father and mother abandon me… «) folgendermaßen:
»Even if I were so depraved that my own mother and father would abandon me to my own devices, God would still gather me up and believe in my ability to mend my ways.« (»Selbst wenn ich so verdorben würde, dass meine eigene Mutter und Vater mich meinen eigenen Geräten (Hilfsmitteln, Lehren) überlassen würden, würde Gott mich noch sammeln und an meine Fähigkeit glauben, meine Wege auszubessern.«)

Psalm 27 wird von den jüdischen Gläubigen in den Wochen vor und nach Yom Kippur täglich rezitiert. 
Der Psalm, gemäß dem Metsudah Siddur  “äußert unser Gebet, dass Gott unser Licht auf Rosh Hashanah sein wird, das es uns ermöglicht, die Dunkelheit der Sünde durch das wahre Bedauern zurückzutreiben, und dass Er unsere Erlösung auf Yom Kippur durch Seine mitleidsvolle Sühne unserer Sünden sein wird.”
Bob Dylan's Grammy history - 1991 Lifetime Achievement Award revisited (Examiner, 30.01.2010)
Wer Augen hat zu sehen, der sehe… (Math. 13.9-16
siehe auch:
- Bob Dylan's Grammy speech 1991 (Expecting Rain, Kommentar, 10.08.1998)
He had managed to get in and out without thanking anybody,
and this night it really did seem as if he owed nobody anything.
- Amos, Ezekiel, Jeremiah and Bob (Seth Rogovoy, Jewish Quarterly, 25.11.2010)

Übrigens:

Der Silvestergruß „Guter Rutsch“ ist etymologisch möglicherweise eine Verballhornung aus dem Jiddischen beziehungsweise Bibel-Hebräischen und leitet sich vom hebräischen ראש השנה טוב Rosch ha-Schana tov (= einen guten Anfang; wörtlich: Kopf – des Jahres – gut; also etwa: „Gutes Neujahr“) ab. Diese Floskel dürfte Anfang des 20. Jahrhunderts im Deutschen geläufig geworden sein. (Rosh Hashanah, Zeitpunkt und Einbettung in den jüdischen Kalender, Wikipedia)

Zusammenfassung:
Dylan benutzt die Show der Grammy-Preisverleihung, um unter Zuhilfenahme des Kommentars eines wichtigen deutschen orthodoxen Juden in einem angesehenen jüdischen Gebetbuch und unter dem Beifall des Publikums demselben und Millionen von Couch potatoes kundzutun, daß Amerika am Krieg mit dem Irak schuld ist, sich damit selbst beschmutzt und nur durch Gebet und wahres Bedauern seiner Taten durch Gott von seinen Sünden erlöst werden kann.
Für einen Menschen ohne Scheuklappen gibt es kein schöneres Schauspiel als die Intelligenz im Kampf mit einer ihr überlegenen Wirklichkeit. Das Schauspiel des menschliches Stolzes ist unvergleichlich. (Albert Camus)

Über seinen Auftritt bei der Grammy-Verleihung 1991:
- Stories of a Bad Song (Greil Marcus, The Three Penny Review, Winter 2006, Hervorhebungen von mir)
It was an instantly infamous performance, and one of the greatest of Dylan's career. He sang the song in disguise; at first, you couldn't tell what it was. He slurred the words as if their narrative was irrelevant and the performance had to communicate as a symbol or not at all. He broke the words down and smashed them up until they worked as pure excitement, until the appearance of a single, whole signifier—"Jesus," "Guns," "Die"—lit up the night like tracer bullets. The performance was faster, the beat snapping back on itself, then fragmenting as guitar lines shot out of the music as if without human agency—and it might have been a minute, it might have been two, it might have been as long as the performance lasted for the melody to creep out of the noise and the song to reveal itself for what it was.
Bob Dylan with Richards & Wood - Ballad Of Hollis Brown (BBC - Live Aid 7/13/1985) [4:52] verkehrter Titel, richtig: Blowin’ in the Wind

Hochgeladen am 08.10.2011
Live aid 1985

Maurenbrecher bezeichnet Dylans Auftritt bei der Grammy-Veleihung als »Terrorakt beim Fest« (4. Abs., Hervorhebungen im folgenden Zitat aus dem Artikel von mir):
1988 liegt in Bob Dylans Biografie genau zwischen seiner unüberzeugten Mitwirkung an jener weltweiten Charity-Aktion der Chosen Few, die Geld aufbringen sollte für notleidende Afrikaner und sich grandios selbst feierte – Phil Collins jettete zu dem Zweck einsam in einer Concorde zwischen London und New York hin und her – und einer weiteren Lebenswerk-Belohnung für Dylan von 1991, wo er in schön derangiertem Zustand eine hellwache Kurzrede hinlegte und danach mit seiner Schrottband ein hässliches, stechendes Masters of War – mitten im Golfkrieg einen Todesfluch auf die Regierenden, Terrorakt beim Fest.
[BOB DYLAN – VOLKSSÄNGER, Manfred Maurenbrecher, Februar 2002 für das Magazin ‘Wir selbst’ ]

President Eisenhower's Farewell Speech Warning Of Military and Corporation Take Over [14:04]

Hochgeladen am 07.12.2011
President Eisenhower's Warning

"Masters Of War" by Bob Dylan Lyrics [2:49]

Veröffentlicht am 27.05.2014
photos about wwII, Vietnam war, Cold War

zur Einflußnahme des Militärisch-Industriellen Komplexes auf die US-amerikanische Politik siehe:
- Ein Meisterstück der Propaganda des militärisch-industriellen Komplexes: Die Raketenlücke (Post, 15.06.2015) 
- “Masters of War”: An Analysis (songfacts, Kommentar 17, 3. Absatz)
President Eisenhower warned of the dangers of the military industrial complex in a farewell address in February, 1961. This remark is one of the sparks that ignited Dylan’s rage and the release of the song. Decades after the release of The Freewheelin’ Bob Dylan and “Masters of War,” Dylan said, “It’s not an anti-war song. It’s speaking against what Eisenhower was calling a military industrial complex.” (Lynskey 56, Hervorhebung von mir). Dylan also wrote this song to criticize American leaders and the military industrial complex that Eisenhower warned of. “It was meant as a realization of the times, what war was coming to and why war became a pointless act, rather than a means of defense.” (Masters… 1). As you can see, Bob Dylan was very young when this remarkable song was written and released. His senses were heightened with the alarming, warring times of 1960’s and he had an emotional climax with the conflicts that were taking place around him. The lyrics of song prove just how disgusted he really was with the “war profiteers.”

- Bob Dylan singt sein 'Masters of War' 1990 in der U.S. Militärakademie (TomtheCat’s Blog, Video nicht mehr verfügbar)

- Bob Dylans MASTERS OF WAR aus den 1960er Jahren (ZEIT Online, Leserartikel, 02.04.2011, Übersetzung ins Deutsche) 


- Gottlieb Florschütz: Bob Dylans geheime Botschaften (Uni Kiel, 3. Absatz, Hervorhebung von mir)

Diese Songs waren aber keine Protestlieder in der Tradition von Woody Guthrie oder Pete Seeger, oder etwas Lieder der sich emanzipierenden Arbeiterbewegung. Dylans "Masters of War" ist demgegenüber ein "Anti-Song", der dem Tenor der Anti-Vietnam-Demonstrationen entsprach. Bob Dylan war nicht der Protagonist des Protestsongs, sondern der Showmaster, der die skeptische Stimmung der Jugend gegenüber dem Establishment aufzufangen wusste. So erklärte er in einem Interview: "Songs wie 'Masters of War' waren leicht zu machen. Es gab Tausende und Abertausende, die Songs dieser Art hören wollten. Deshalb schrieb ich sie. Ich war ja fast ständig auf Tourneen, und ich wusste, was das Publikum wollte. Wenn man jede Nacht vor Leuten spielt, weiß man genau, was sie hören wollen. Es ist dann viel einfacher, Songs zu schreiben."[6] Dylan tat also nicht anderes, als den Zeitgeschmack einer revoltierenden Generation zu bedienen und musikalisch zu untermalen. So können seine alten Songs heute noch als Zeitdokument einer in Aufbruch und Revolte befindlichen Generation angesehen werden.
- Hypnotherapie: Pacing und Leading (Hypnosis-Zentrum, siehe auch: Rapport, Wikipedia)
- Analysis of Bob Dylan's Masters of War (Brian Baist, Prezi, 13.11.2012) 
- Why did Bob Dylan write Masters of War? (wiki.answers.com zitiert aus einem Interview 2001)
- The Times They Are A–Changin' – Bob Dylan – Sendemanuskript (waltpolitik.powerbone.de, 5./6.03.2006)
„Masters of War“ fällt schon deshalb aus dem Rahmen, weil sich Dylan nur in diesem Lied tatsächlich haßerfüllt zu Wort meldet. Er wünscht seinen Feinden, den Feinden des Friedens, ausdrücklich den Tod. Daß es ein solcher Song damals auf eine Platte einer großen Plattenfirma schaffte, ist eigentlich ein Wunder. Heute wäre es ein guter Werbegag und die entsprechende Textzeile würde aus promotion-Gründen extra herausgestellt werden.
Alle meine Lieder sind Protestlieder!
(Bob Dylan auf die Frage eine Reporters, weshalb er keine Protestsongs mehr schreibe, zitiert von Heinz-Rudolf Kunze in „Kein Recht mehr auf Langeweile“, im Interview mit Holger Erdmann, Focus Online, 07.02.2009)
René Magritte drückt die Schwierigkeit, auf die Existenz zweier Parallelwelten hinzweisen, so aus:
»Wenn der Betrachter findet, daß meine Bilder dem gesunden Menschenverstand Hohn sprechen, wird er sich einer offensichtlichen Tatsache bewußt. Ich möchte aber trotzdem hinzufügen, daß für mich die Welt ein Hohn auf den gesunden Menschenverstand ist.« [René Magritte, siehe Bewältigungsstrategien von Kindern psychisch kranker Eltern am Beispiel des surrealistischen Malers René Magritte, Post, 11.06.2008]

siehe auch:

Bob Dylan – Jokerman, Teil 1 (27.11.2014)
- Bob Dylans geheime Botschaften (Gottlieb Florschütz, Uni Kiel, Datum unbekannt)
aktualisiert am 12.12.2015

Samstag, 19. Februar 2011

Der Unterschied zwischen Thomas Middelhoff und einem dreijährigen Kind

Vor eineinhalb Jahren habe ich einen Post geschrieben: Haifische am Pokertisch. Unter anderem erwähnte ich den Ex-Bertelsmann- und Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff. Den nämlich hat der Arcandor-Insolvenzverwalter im Juni 2010 auf 175 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Jetzt verklagt er ihn nochmals auf Schadenersatz (»Insolvenzverwalter will Millionen von Middelhoff« bei SPIEGEL-Online)
Zu Klage 1: »Im Wesentlichen geht es in der Klage um den Verkauf von fünf Warenhausimmobilien an den Oppenheim-Esch-Fonds (Troisdorf) und deren Zurückmietung.« Der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg führe nach Informationen der Neue Ruhr/Neue Rhein-Zeitung an, »dass Mietverträge abgeschlossen worden seien, obwohl allen Beteiligten deren Nachteilhaftigkeit bekannt gewesen sei, so die Zeitung. Der Vorstand um Middelhoff sowie die Mitglieder des Aufsichtsrates hätten es zudem unterlassen, die für die Ursprungsverträge verantwortlichen Organe in Regress zu nehmen - obwohl bekannt gewesen sei, dass solche Ansprüche bestanden hätten.« (Quelle: SPIEGEL-Online, siehe auch: »Absturz eines Manager-Stars« bei SPIEGEL Online, Punkt: Chronik einer Krise)
Näheres findet sich bei Wikipedia.
Seit Juni 2010 ermittelt nun auch die Staatsanwaltschaft gegen Middelhoff. Grund: Middelhoff und seine Frau seien an Immobilienfonds beteiligt, die die ehemaligen Karstadt-Immobilien an Karstadt zurückvermieten. (Quelle: SPIEGEL-Online)
Zu Klage 2: »So hatte Middelhoff für das Geschäftsjahr 2007/08, als der Konzern 746 Millionen Euro Verlust machte, einen Sonderbonus von mehr als zwei Millionen Euro kassiert - für "seinen strategischen Weitblick und die mutigen Entscheidungen in den Jahren 2005 bis 2008", wie es in der Begründung des Aufsichtsrats hieß. Eine Rechtfertigung, die Insolvenzverwalter Görg "aberwitzig" findet. Dass Middelhoff sich "wie ein Gutsherr" aufgeführt habe, dafür glaubt Görg genügend Belege gefunden zu haben.« Quelle: SPIEGEL-Online

Weil es sich so kompliziert anhört: fünf Häuser des später in Arcandor umbenannten Quelle-Karstadt-Konzerns (Hauptaktionäre: Sal. Oppenheim und Madeleine Schickedanz, Aufsichtsratsvorsitzender: Thomas Middelhoff) werden an den Oppenheim-Esch-Fonds zu günstigen Konditionen verkauft und von diesem zu ungünstigen Konditionen zurückgemietet. (Siehe High-Street-Holding bei Wikipedia.) Der Oppenheim-Esch-Fonds gehört der Oppenheim-Esch-Holding GbR, die von Joseph Esch, dem ehemaligen Kölner Oberstadtdirektor Lothar Ruschmeier und Christoph Freiherr von Oppenheim betrieben wird. »Esch ist wichtiger Geschäftspartner der Bank Sal. Oppenheim und soll dort für fast die Hälfte des Bankgewinns verantwortlich zeichnen. Der Vertrieb der von Esch über die Oppenheim-Esch-Holding initiierten Fonds erfolgt zu großen Teilen über Sal. Oppenheim.« (Quelle: Wikipedia) Über das Gemauschel zwischen Middelhoff und Esch siehe den SPIEGEL-Online-Artikel »Blindes Vertrauen«.
Jetzt will Thomas Middelhoff den Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg verklagen. (Quelle: SPIEGEL-Online)

Wer bis hierher durchgehalten hat, darf ein bißchen Erwin Pelzig gucken:

Freitag, 18. Februar 2011

Mac OS X: Mit dem Vorschau-Programm PDF-Dateien zusammenfügen

PDF-Dateien zu betrachten, ist mit der Vorschau von Mac OS X kein Problem. Wer jedoch mehrere PDF-Dateien zu einem Gesamtdokument zusammenfügen möchte, greift meist zu teuren Zusatzprogrammen. Dabei ist das gar nicht notwendig. Mit folgendem Trick lassen auch mit Bordmitteln PDF-Dateien verknüpfen.

So funktioniert’s am schnellsten: Zuerst in separaten Vorschaufenstern die beiden PDF-Dateien öffnen, die zusammengefügt werden sollen. Mit dem Befehl „Darstellung | Seitenleiste“ die Seitenleisten der Vorschaufenster einblenden, so dass am rechten Fensterrand Miniaturansichten der Einzelseiten erscheinen. Hier mit gedrückter [command/cmd]-Taste die Seiten markieren und anschließend mit gedrückter Maustaste in die Seitenleiste des anderen Vorschaufensters ziehen. Ein roter [inzwischen blau] Balken zeigt, an welcher Position die Seiten nach dem Loslassen der Maustaste erscheinen. Mit dem Befehl „Ablage | Sichern“ wird die neue PDF-Datei gespeichert.

Mirko Müller auf schieb.de

Donnerstag, 17. Februar 2011

Wissenschaftlichkeit und gesellschaftlicher Aufstieg

Es wird wieder viel geschrieben, Stellung bezogen und sich aufgeregt. Ein ehemaliger Kommilitone von mir hat mir mal erzählt, er sei zur Autobahnpolizei, habe sich bezüglich einer Autobahnkurve die Statistiken der letzten fünf Jahre geben lassen (Unfälle, Verletzte, Schadenssummen usw.) und die dann ausgewertet. Fazit: Die Kurve muß weg, Doktortitel.
Als ich an meiner Doktorarbeit geschrieben habe, kursierte der Begriff der »kleinsten veröffentlichbaren Einheit«. Auf deutsch: wieviele Beobachtungen/Versuche muß ich machen, um das in einer Zeitschrift unterzukriegen. Auch habe ich gehört, daß es für einen bestimmten Bereich (ich möchte da nicht genauer werden) nur weniger als ein halbes Dutzend von Leuten gibt (in meinem Fall drei), die über die Veröffentlichung eines sogenannten »Papers« in einer deutschen Fachzeitschrift (und das bedeutet oft: im gesamten deutschsprachigen Raum) zu bestimmen haben. Mit diesen Leuten mußte man sich gut stellen. Natürlich, weil die Karriere von der Anzahl der Veröffentlichungen abhängt. Und nicht nur das: auch die Position in der Schlange der Verfasser ist wichtig. Also soundsoviel Veröffentlichungen mit Stellung an erster Stelle, soundsoviel Veröffentlichungen mit Namensnennung an zweiter Stelle usw. Was das für das Klima in einer Universitätsabteilung für Auswirkungen hat, ist klar.
In meiner Studentenzeit nahm ich im Rahmen eines Praktikums täglich um 14 Uhr an einer Besprechung aller zur Fachrichtung gehörenden Ärzte teil (auch hier möchte ich nicht genauer werden). Dies fand an einem etwa sechs bis sieben Meter langen Eichentisch statt, an der Kopfseite saß der Chef. Wenn der sich eine Zigarette aus dem Kittel fummelte, stürzte mindestens ein Drittel der etwa 25 anwesenden Ärzte auf ihn zu und hielten ihm – klack, klack, klack – ihre brennenden Feuerzeuge vors Gesicht, unter denen er sich das passende aussuchen konnte. Ich war völlig konsterniert ob dieses kriecherischen Verhaltens. Später konnte ich das dann nachvollziehen.

Wenn ich mit einem Doktortitel rumlaufe, fragt kein Mensch danach, wie sehr ich mich dafür krumm gelegt habe. Doktorarbeiten in Mathematik und Physik sind generell schwierig, Doktorarbeiten in Medizin, wenn man es drauf anlegt und einen wohlmeinenden Chef hat, teilweise sehr leicht zu bekommen.

Als ich bei der Bundeswehr war, war ich Zeitnehmer beim 5000-Meter-Lauf. Ein altgedienter Oberfeldwebel keuchte mit letzter Kraft durchs Ziel: leider 25 Sekunden zu langsam. Als ich dies dem aufsichtführenden Leutnant meldete, guckte der mich mit nach oben gezogener Augenbraue an: wieviel? Nach dem dritten Nachfragen begriff ich und nannte eine Zeit, knapp unter der geforderten: der altgediente »Oberfeld« konnte freudestrahlend sein silbernes Sportabzeichen an die Brust heften, und alles war in Ordnung.

Das Verbiegen von Regeln gehört zum täglichen Spiel, und das Zauberwort von uns Psychotherapeuten lautet »Elastizität«. Jeder muß für sich allein entscheiden, wie elastisch er ist. Und jede Gesellschaft muß für sich entscheiden, wieviel Elastizität für sie zu- bzw. abträglich ist. Doof ist’s immer nur, wenn’s raukommt.

Links zu
Raphael’s Pflock: Guttenberg und Zehnpfennig (Guttenberg hat sogar schon in der Einleitung abgeschrieben)
Wissenslogs: Guttenberg Roadkill, Artikel und Diskussion
GuttenPlag Wiki mit Links zu Plagiatsnachweisen (bis jetzt 17.2., 20:55h 48 Stellen) und Diskussion
Vom Blog für wissenschaftliche Redlichkeit dachte ich anfänglich, er sei nur im Kielwasser der Guttenberg-Affäre Nr. 3 (oder schon 4) gegründet worden, anscheinend gibt es ihn aber schon seit Juni 2010: Artikel und Diskussion

eigene Links:

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Nachdem sich die Anzahl der wahrscheinlich nachweisbaren Plagiat-Stellen 12 Stunden später auf 76 erhöht hat, hier noch drei Fundstellen aus zu Guttenbergs vita:

»Nach dem Abitur am Ignaz-Günther-Gymnasium in Rosenheim 1991 leistete Guttenberg im Gebirgsjägerbataillon 233 in Mittenwald seinen Grundwehrdienst ab. Er bekleidet den Dienstgrad Stabsunteroffizier der Reserve. Anschließend begann er in Bayreuth und München ein Studium der Rechts- und Politikwissenschaften, wobei er das Studium der Rechtswissenschaften mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. Aufgrund des fehlenden zweiten Staatsexamens ist zu Guttenberg kein Volljurist.

Guttenberg war laut eigener Aussage ab 1994 in die Leitung der familieneigenen Beteiligungsgesellschaft Guttenberg GmbH in München „eingebunden“, die bis 2004 Anlageberatung für den Besitz seiner Familie betrieb. Später war er deren geschäftsführender Gesellschafter. Nach Angaben der Creditreform hatte die Guttenberg GmbH „ca. drei Beschäftigte“ und machte im Jahr 2000 einen Umsatz von „25.000 Euro geschätzt“.

Von 1996 bis 2002 gehörte er dem Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG an, von der seine Familie 26,5 % der Stammaktien hielt. Im März 2002 verkaufte er diese Anteile für 260 Millionen Euro[16] an die HypoVereinsbank, kurz bevor er die politische Laufbahn einschlug.« (Wikipedia, abgerufen am 17.02.2011)



und noch ein Artikel: Nachrichtenspiegel online

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Da die Qualität der Kommentare auf dem GuttenPlag Wiki BILD-Zeitungs-Niveau erreicht hat und anscheinend sogar Gesetzestexte im guttenPlag bei den Plagiatstellen mitgezählt werden, tut mir Herr zu Guttenberg inzwischen schon leid. Einige GuttenPlag-Kommentatoren witzeln, Genfer Hotels ließen vorsichtshalber schon die Badewannen rausreißen. Es soll auch ein Bild des toten Barschel geben, in das zu Guttenbergs Kopf hineinkopiert wurde. Hier hört’s wirklich auf! Und den wissenschaftlichen Dienst des Bundestags zu nutzen finde ich – wenn schon nicht sauber so doch – naheliegend und legitim.
Ein Kanzler zu Guttenberg mit einem Patchwork-Doktor ist mir lieber als ein feister Gabriel, eine miesepetrige Merkel oder sonstwer aus der Bonner Riege. Ich hoffe, daß er bis dahin an Reife zulegt. Dazu sollte er den Artikel der ZEIT als Arbeitsgrundlage nehmen und nicht zu sehr american-like nach dem Beifall der Medien schielen. Ich kann ihm nur die Daumen drücken, daß er in der Wahl seiner Berater ein konservatives Händchen hat.



»Wir sind einem Betrüger aufgesessen« bei der Tagesschau
»Jeder andere wäre abgestürzt« (Interview mit Ulrich Sollmann) bei der Tagesschau