Freitag, 18. Oktober 2013

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Heute vor 200 Jahren – 17. Oktober 1813: Georg Büchner wird geboren

»Friede den Hütten, Krieg den Palästen« 

Der heute vor 200 Jahren geborene Schriftsteller Georg Büchner (1813-1837) wurde nur 23 Jahre alt, und doch hinterließ er ein Werk, das bahnbrechend für die Dramatik [Vormärz] war und ein leidenschaftliches Plädoyer gegen Tyrannei und für mehr Demokratie hielt. In Gießen gründete Büchner 1834 die radikaldemokratische Gesellschaft für Menschenrechte. Gemeinsam mit Friedrich Ludwig Weidig gab er im selben Jahr die revolutionäre Flugschrift »Der Hessische Landbote« heraus, die den viel zitierten Frieden für die Hütten der kleinen Leute forderte und die Landbevölkerung aufrütteln sollte. 
 
Portrait Büchners als Freimaurer, Gemälde, um 1830

Im März 1835 musste Büchner nach Straßburg fliehen, da ihm in Deutschland wegen »Teilnahme an staatsverräterischen Handlungen« die Inhaftierung drohte. 1936 zog er nach Zürich. Dort entstand das Fragment gebliebene Drama »Woyzeck«, das die Tragödie eines Menschen aus der untersten Schicht zeigt und den Beginn des sozialen Dramas in Deutschland markiert. 


Es nahm großen Einfluss auf die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts und gilt als Vorläufer von Realismus und Expressionismus. Nach Georg Büchner, der 1837 an Typhus starb, ist der bedeutendste deutsche Literaturpreis benannt. 

Werke Büchners 
Dantons Tod, Drama 1835 
Leonce und Lena, Lustspiel 1835 
Lenz, Novelle 1835 
Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Heute vor 50 Jahren – 16. Oktober 1963: Ludwig Erhard wird zum Bundeskanzler gewählt

»Der Vater der D-Mark« übernimmt das Ruder 

Dass ein kompetenter und erfolgreicher Wirtschaftsminister nicht unbedingt einen ebensolchen Bundeskanzler abgibt, dafür steht die Person des CDU-Politikers Ludwig Erhard (1897-1977). Schon 1949 von Kanzler Konrad Adenauer als Bundesminister für Wirtschaft in die Regierung berufen, sind sein Name und sein Modell der sozialen Marktwirtschaft eng mit dem deutschen Wirtschaftswunder verbunden. Auf politischem Feld agierte der stets Zigarre rauchende Minister weit weniger glücklich. 
 
Ludwig Erhard (3. v. r.) mit seinem Kabinett bei
Bundespräsident Heinrich Lübke, 17.10.1963

Seit dem Bundestagswahlkampf von 1961 galt Erhard als voraussichtlicher Nachfolger Adenauers und so wurde er einen Tag nach dem Rücktritt des Kanzlers am 16. Oktober 1963, heute vor 50 Jahren, zum zweiten Bundeskanzler der Bundesrepublik gewählt. Viele Parteigenossen, allen voran Adenauer, hielten ihn nicht für den richtigen Mann an der Spitze und "der Alte" begann bald mit der Demontage Erhards. Obwohl er für die CDU bei der Bundestagswahl 1965 ein sehr gutes Ergebnis erreichte, führten innerparteiliche Differenzen in außenpolitischen und finanzpolitischen Fragen zum Verlust der Führungskraft. Am 1. Dezember 1966 trat Erhard zurück. 

Was am 16. Oktober noch geschah: 
1865: In Leipzig wird auf einer Frauenkonferenz der Allgemeine Deutsche Frauenverein gegründet. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Heute vor 167 Jahren – 16. Oktober 1846: die erste öffentliche Äthernarkose

Endlich schmerzfrei operieren 

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gab es nur eingeschränkte Möglichkeiten, Patienten bei Operationen die Schmerzen oder sogar gezielt das Bewusstsein zu nehmen. Zwar war schon in der Antike mit diversen Säften und Kräutern, im Mittelalter mit betäubenden Substanzen wie Alkohol oder Morphium experimentiert worden, doch die Dauer und Intensität der Wirkung waren kaum einzuschätzen. Was den Patienten blieb, war die Hoffnung, bei der Operation möglichst schnell in Ohnmacht zu fallen. 
Daguerreotypie des für die Fotografen Southworth & Hawes
nachgestellen Eingriffes im später als „Äther-Dom
bekannt gewordenen Operationsaal in Boston.[67]
(aus Wikipedia)
 Die Geburtsstunde der Anästhesie schlug 1846 am Massachusetts Hospital in Boston. An jenem Glückstag für alle Patienten demonstrierte der Zahnarzt William Morton seine Äthernarkose: Er ließ einen Patienten Luft aus einem Glaskolben einatmen, in dem ein äthergetränkter Schwamm lag. Dann entfernte ein anderer Arzt erfolgreich einen Tumor am Unterkiefer des Patienten, ehe dieser wieder aufwachte. Der Patient teilte den Anwesenden freudig mit, keine Schmerzen gefühlt zu haben. Diese Möglichkeit, schmerzfrei zu operieren, revolutionierte die Medizin, insbesondere die Chirurgie. 
Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Dienstag, 15. Oktober 2013

Strompreise, Subventionen und Halbwahrheiten

Die Tagesschau meldet:
»Verbraucher in Deutschland müssen sich auf spürbare Strompreiserhöhungen einstellen. Die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien steigt 2014 um knapp einen Cent auf 6,24 Cent je Kilowattstunde. Und dies dürfte nicht der letzte Anstieg sein.« (vollständiger Artikel auf tagesschau.de)
Weiter heißt es in dem Artikel:
»[Der Börsenpreis für Strom] ist wegen des großen Angebots an Wind- und Sonnenenergie drastisch gefallen. Die EEG-Umlage gleicht den Unterschied zwischen dem Börsenpreis und dem Garantiepreis für die Ökostromlieferanten aus. Das führt zu dem bizarren Effekt, dass 1 Cent weniger Geld für Strom an der Börse bedeutet, dass die Kilowattstunde für den Verbraucher um 0,4 Cent teurer wird.«

Die Tendenz ist klar: Öko macht den Strom teurer.

ZEIT-Online zoomt auf:
»Kohle, Gas und Atom werden stärker gefördert als Erneuerbare: Die Zahlen dazu sind aus einem EU-Bericht gestrichen. Oettinger passten sie offenbar nicht ins Konzept.« (EU-Kommissar Oettinger schönt Subventionsbericht vom 14.10.2013)
Weiter heißt es in dem Artikel:
»Auf Seite zwei des ursprünglichen Entwurfs führen die Beamten aus, die 27 Staaten der Europäischen Union hätten erneuerbare Energien mit 30 Milliarden Euro an Staatsgeld gefördert. Weitaus stärker seien herkömmliche Energien unterstützt worden: mit 35 Milliarden Euro nukleare Anlagen und mit 26 Milliarden Euro fossile Kraftwerke. Indirekt sei die Energieerzeugung aus Kohle und Gas sogar mit weiteren 40 Milliarden Euro gefördert. In einer Fußnote wird laut SZ darauf hingewiesen, dass die nationalen Regierungen diese Summe jährlich aufbringen müssen, um soziale und gesundheitliche Folgen abzudecken. Insgesamt bezuschussten die Regierungen die Energiebranche mit mehr als 130 Milliarden Euro jährlich, wovon aber nur 30 Milliarden Euro an grüne Kraftwerke gehen.«

»Mit Milliarden fördern Regierungen weltweit Kohle, Öl und Atomkraft. Ursprünglich wollten sie die Subventionen zurückführen – doch das gelingt nicht. Sie steigen rasant.« ist in dem Artikel
»Der Subventionswahn ist ungebrochen« (ZEIT Online vom 14.10.2013) zu lesen.
Weiter:
»Die Bilanz im Jahr 2013 ist fatal. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) sind die Subventionen für fossile Brennstoffe, also für Öl, Gas und Kohle, auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Sie betrugen 2011 laut World Energy Outlook rund 523 Milliarden Dollar. Die erneuerbaren und damit klimafreundlichen Energien erhielten nur etwa ein Sechstel des Betrags (88 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Im Jahr 2007 lagen die Subventionen für die Fossilen bei 342 Milliarden Dollar und für die Erneuerbaren bei 39 Milliarden Dollar.«

Ein Streitpunkt bei der Förderung erneuerbarer Energien ist die Befreiung von der Abgabe.
Beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle lassen sich Excel-Tabellen herunterladen, in denen die in den Jahren 2009 bis 2012 von der EEG-Umlage befreiten Unternehmen aufgelistet sind.

Auf der ökologischen Plattform der »Linken« ist zu lesen:
»Wie aber eine Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Greenpeace zeigt (siehe “Verbraucher zahlen versteckte Konventionelle-Energien-Umlage für Kohle- und Atomstrom“), können die Preise für erneuerbare Energien deutlich gesenkt werden. Die 3,5 Cent pro Kilowattstunde, die ein deutscher Durchschnittshaushalt als EEG-Umlage zahlt, können durch die Beseitigung der Ausnahmen für die Industrie allein um insgesamt 0,8 Cent reduziert werden.
Die Industrie hat einen Anteil von 18 Prozent am Stromverbrauch aber aufgrund der Ausnahmeregelung ist ihr Anteil an den Kosten zur Förderung der Erneuerbaren Energien nur 0,3 Prozent. 2013  werden die reinen Kosten zur Förderung des Ausbaus von Wind- und Sonnenenergie nach Angaben des Bundesverbands für Erneuerbare Energien (BEE) nur um 0,2 Cent pro Kilowattstunde steigen.« 

(Welche Unternehmen bezahlen die EEG-Umlage NICHT? Rettet die Energiewende…

In dem von dort verlinkten Artikel »Verbraucher zahlen versteckte Konventionelle-Energien-Umlage für Kohle- und Atomstrom« ist zu lesen:
»Konventionelle Energien wie Kohle und Atom verursachen deutlich mehr Kosten, als auf der Stromrechnung ausgewiesen werden. Verbraucher zahlen diese versteckten Zusatzkosten unter anderem über Steuern und Abgaben. Würde man die Kosten aufsummieren und auf die Verbraucher umlegen, läge diese Konventionelle-Energien-Umlage 2012 bei 10,2 Cent pro Kilowattstunde und wäre damit fast dreimal so hoch wie die derzeitige EEG-Umlage. Das ist das Ergebnis der Studie „Was Strom wirklich kostet“, die das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag der Energiegenossenschaft Greenpeace Energy und des Bundesverbands WindEnergie (BWE) erstellt hat.«


Über die Anhebung der EEG-Umlage wird gesprochen, über die Förderung umweltschädlicher Energieformen und die Unternehmen, die von der Umlage befreit sind, nicht. Darüber, daß die an der Strombörse gesunkenen Beschaffungskosten von den Stromversorgern nicht an den Verbraucher weitergegeben werden, auch nicht:

»Würden die Versorger ihre sinkenden Einkaufspreise nun an die Verbraucher weitergeben, könnte dies den Anstieg der EEG-Umlage fast vollständig kompensieren. Doch die Versorger denken nicht dran. In der sogenannten Grundversorgung geben sie ihre Ersparnisse beim Einkauf überhaupt nicht an Endkunden weiter, dies wurde erst im März erneut in einer Studie für die Denkfabrik Agora Energiewende nachgewiesen. Denn die Grundversorgung ist der einzige Tarif, zu dem Stromversorger grundsätzlich allen Kunden Elektrizität liefern müssen. Viele Sozialhilfeempfänger bekommen nur zu diesen Konditionen Strom, denn wer einen Schufa-Eintrag hat, wird von den Billiganbietern oft gar nicht beliefert. Es gibt also kaum Gefahr, dass sie in einen anderen Tarif wechseln - und damit kaum Wettbewerb.«
Weiter heißt es in dem Artikel:
»Nicht nur von den Unternehmen wird der Verbraucher geschröpft, sondern auch von der Politik. Diese hat die Umsetzung der Energiewende jahrelang schleifen lassen - und ihre Verfehlungen gleich mehrfach auf die Verbraucher abgewälzt.
Aktuelles Beispiel: die sogenannten Netznutzungsentgelte. Auch diese dürften 2014 steigen. Und zwar unter anderem, weil die Regierung den Bau von Windrädern auf hoher See jahrelang so schlecht gemanagt hat, dass für fertige Parks zum Teil der Netzanschluss fehlt. Die Parkbetreiber bekommen nun teure Entschädigungen. Zahlen muss sie: der Verbraucher. Über die Netznutzungsentgelte. Das unabhängige Vergleichsportal Verivox geht von einem Anstieg von gut zehn Prozent aus.«
 (SPIEGEL Online: Steigende Umlage für Ökostrom: Der geschröpfte Verbraucher)

siehe auch:
- die Kommentare zur Tagesschau-Meldung,
- den Artikel »Der Verteilungskampf hat begonnen« (ZEIT Online vom 6.8.2013) und
- den Kommentar von Jürgen Döschner bei der Tagesschau »Lügen über Erfolgsmodell EEG-Umlage« (15.10.2013)


Donnerstag, 10. Oktober 2013

Vor 100 Jahren: Erdrutsch am Culebra Cut

Die amerikanische Wasserstraße 

Erdrutsche stellten eine der großen Gefahren beim Bau des Panamakanals dar. Nach dem größten im Jahr 1907, als am Culebra Cut 400.000 cm Erde in die ausgehobene Rinne stürzten, hielten viele sogar die Fertigstellung der künstlichen Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik für unmöglich. Die Arbeiten gingen indes weiter und im August 1914 konnte der Kanal eröffnet werden. Er erwies sich als Segen für die Schifffahrt, machte er doch den langen Seeweg durch die Magellanstraße zwischen Südamerika und der Insel Feuerland überflüssig.

Erdrutsch am Culebra Cut während der Bauerbeiten am Panamakanal, 1913
 Nach den guten Erfahrungen beim Bau des Suezkanals hatte zunächst ein französisches Unternehmen damit begonnen, die Landenge von Panama mit einer Wasserstraße zu durchschneiden. 1881 wurden die Arbeiten aufgenommen, die in der tropischen Sumpflandschaft Mittelamerikas bald zum Desaster gerieten: 22.000 Arbeiter starben, bevor das Projekt 1889 eingestellt wurde. 1904 übernahmen die USA die Kontrolle über die Kanalzone für 40 Mio. US-Dollar. Bis 1914 starben noch einmal fast 6000 Menschen durch Unfälle und an Krankheiten. Als schließlich das erste Schiff den Kanal passierte, war in Europa der Erste Weltkrieg ausgebrochen und die Feierlichkeiten zur Einweihung wurden abgesagt.

Panamakanal
Länge: 81,6 km
Niveaudifferenz: 26 m
Tiefgang: max. 12 m 

Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Honda – The Cog

Honda - The Cog {2:01}

Honda Suisse
Am 09.10.2013 veröffentlicht 
x
Making of the Honda Cog {4:04}

tom dissington
Am 04.12.2008 veröffentlicht 
This is a video about the making of the Honda Cog commercial. It is helpful in describing the money, time and supplies needed to create the video.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Vor 55 Jahren – Tumulte bei Bill Haley-Konzerten

Rock ’n’ Roll sorgt für frische Luft

Mitte der 1950er-Jahre schwappte die Welle des Rock ’n’ Roll auch nach Deutschland. Die neue Musik aus Amerika, die so ganz anders war als alles, was die Heimat auf diesem Feld zu bieten hatte, hörten die Jugendlichen zunächst in den Soldatensendern. Sie wurde für viele zum Ventil für den angestauten Frust über die Restriktionen der kleinbürgerlichen Gesellschaft ihrer Eltern, die eben noch halb Europa in Schutt und Asche gelegt hatte und sich nun in Vorhaltungen über Moral, Anstand und »Affenmusik« erging. 



»Rock around the Clock«, »See you later Aligator«, »Crocodile Rock« – Bill Haley und seine Comets spulten im Oktober 1958 das ganze Programm ab und heizten den Fans in der Konzerthalle auf dem Stuttgarter Killesberg ordentlich ein. Als die Musiker nach einigen Zugaben von der Bühne gingen, kam es zu tumultartigen Szenen: Von der Empore flogen Stühle, einige Elektrisierte stürmten die Bühne und attackierten den Flügel. Ordner und Polizei brauchten eine Stunde, um die randalierenden Jugendlichen aus der Halle zu bringen. Bei Konzerten in Berlin, München und Jaburg eskalierte die Situation in jenem Heißen Herbst auf ähnliche Art.

Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013



Sonntag, 29. September 2013

Heute vor 17 Jahren – 29. September 1996: G7-Gipfel in Lyon beschließt Schuldenerlaß

Wir werden in den nächsten Jahren noch einige Male über Schuldenschnitte für südeuropäische Staaten hören.
Der Jahrestag des G7-Gipfels in Lyon bietet Anlaß für einige kritische Betrachtungen:


Erfahrungen mit Schuldenerlassmaßnahmen in den letzten 30 Jahren geben Anlass zu Skepsis. Trotz verschiedener Erlassmaßnahmen in den 1970er Jahren stiegen die Schulden der HIPC- (Hochverschuldete Entwicklungs-)Länder von 47 Mrd. US$ im Jahre 1980 auf 159 Mrd. US$ in 1990, um auf 169 Mrd. US$ in 1999 weiter anzuwachsen. Während den hochverschuldeten armen Ländern von 1987 bis 1997 Schulden in Höhe von 33 Mrd. US$ erlassen worden waren, stieg ihre Neuverschuldung im gleichen Zeitraum auf 41 Mrd. US$.[14] Häufig wurden neue Kredite aufgenommen, um den Schuldendienst für die nicht erlassenen Altkredite aufrechterhalten zu können.[15] Einer aktuellen Untersuchung der Weltbank zufolge haben von den 26 Ländern, die bisher Schuldenerleichterungen erhielten, 12 Länder schlechte Aussichten, mittelfristig ihre Schuldentragfähigkeit auf einem nachhaltigen Niveau zu halten. Ein Schuldenerlass zielt eigentlich darauf ab, die Armut in den HIPC-Staaten zu verringern und das Wirtschaftswachstum zu verbessern; keines der Ziele ist je erreicht worden.[16]  (Wikipedia)

Kritik:
Gegner des internationalen Schuldenerlasses argumentieren, dass hierdurch letztlich ein Blankoscheck an andere Regierungen ausgestellt wird, und es werden Befürchtungen geäußert, dass die Ersparnisse, die durch die Entschuldung erreicht werden, letztlich nicht der armen Bevölkerung zugutekommen. Andere wiederum argumentieren, dass viele Entwicklungsländer jetzt neue Schulden auf den internationalen Kapitalmärkten aufnehmen werden, weil sie davon ausgehen können, dass ihnen die Schulden erneut erlassen werden. Dieser Effekt wird auch als Bail-out bezeichnet. Letztlich würde das allenfalls die reichen Bevölkerungsgruppen dieser Schuldnerländer begünstigen, die wiederum ihr Geld nur im Ausland anlegen. Daher behaupten viele Kritiker, anstatt die Schulden zu erlassen, sollte man das Geld besser in konkrete Hilfsprojekte investieren, welche dann tatsächlich den armen Bevölkerungsschichten zugutekommen. Außerdem sei ein Schuldenerlass unfair gegenüber solchen Entwicklungsländern, die ihre Schuldentragfähigkeit im Griff hatten und in der Lage sind, rechtzeitig zu zahlen. Dies würde sogar solche Regierungen künftig von einem vernünftigen Schuldenmanagement abbringen und letztlich diese Länder ebenfalls in eine Verschuldungsspirale treiben. (Wikipedia)

- G7/G8: Kleine Gipfel-Geschichte – Von Rambouillet nach Heiligendamm (Informationsbrief Weltwirtschaft und Entwicklung)
- Der Fluch der guten Taten (ZEIT Online)
- Die G8, das internationale Finanzsystem und die Verschuldung des Südens (Netzwerk Friedenskooperative)
- Ist Afrika ein Vorbild? (Die Welt)
- Umwelt und Entwicklung, Rio: Fünf Jahre danach => HICP-Schuldeninitiative (Schweizerisches Jahrbuch für Entwicklungspolitik)

Heute vor 75 Jahren – 29. September 1938: Unterzeichnung des Münchener Abkommens

Friedensrettung oder Verrat? 

Anfang September 1938 hatte Reichskanzler Adolf Hitler unverhohlen mit dem deutschen Einmarsch in die Tschechoslowakei gedroht. Im Rahmen seiner sogenannten Appeasement-Politik (Beschwichtigungspolitik) traf sich der britische Premierminister Arthur Neville Chamberlain im Laufe des Monats mehrfach zu Gesprächen mit Hitler, um in der Frage zu vermitteln und die drohende Kriegsgefahr zu bannen. Hitler sabotierte die Vermittlungsbemühungen – ein Krieg schien unvermeidlich. Die britische Regierung bat daraufhin den italienischen Duce Benito Mussolini zu vermitteln. 

Der britische premierminister Neville Chamberlain (r., mit Schnäuzer) trifft
in München ein, zu seiner Linken Außenminister Joachim Ribbentrop
 Vor 75 Jahren, in der Nacht vom 29. auf den 30. September 1938, unterzeichneten Deutschland, das Vereinigte Königreich, Frankreich und Italien das Münchner Abkommen, das die Abtretung des Sudetengebiets an das Deutsche Reich festschrieb. Die Deutschen sollten bis zum 10. Oktober das Gebiet besetzen. Im Gegenzug garantierten England und Frankreich den Bestand des tschechoslowakischen Reststaats. In Westeuropa feierte man die Rettung des Friedens, in der Tschechoslowakei betrauerte man den »Verrat« durch die Westmächte. Auch Hitler grollte, denn der von ihm gewollte Krieg war fürs Erste verhindert. 

Gebietszuwächse 1935-38 
1935: Eingliederung des Saarlands 
1936: Einmarsch ins entmilitarisierte Rheinland 
1938: »Anschluss« Österreichs 
1938: Eingliederung des Sudetengebiets 
Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013 

Freitag, 27. September 2013

Christlicher Glaube, das sechste Gebot und das Verstehen der Texte

Egal, ob man Christ ist oder nicht, das Christentum ist mit die Basis unserer Kultur.
Deshalb finde ich es wichtig, sich über bestimmte Sachverhalte Klarheit zu verschaffen.

Durch Zufall bin ich auf folgenden Text gestoßen:
- Wider das liberale Pseudochristentum (Nachrichtenbrief orgonomie.net, 27.04.2013)
… und habe dann weitergesucht:
- Elieser Segal, Du sollst nicht morden ... oder heißt es „Du sollst nicht töten“? Das Sechste Gebot und die Schwierigkeit der Übersetzung (Jüdische Allgemeine, 09.11.2006)

============
Auf der Wartburg blieb Luther bis zum 1. März 1522 inkognito als „Junker Jörg“. Auf Anraten Melanchthons übersetzte er im Herbst 1521 das Neue Testament in nur elf Wochen ins Deutsche. Als Vorlage diente ihm ein Exemplar der griechischen Bibel des Erasmus von Rotterdam,[35] zusammen mit dessen eigener lateinischen Übersetzung sowie der Vulgata. Eine erste Auflage des Neuen Testamentes erschien im September 1522 („Septembertestament“). 1523 erschien die erste Teilübersetzung des Alten Testaments; beide zusammen erlebten bis 1525 bereits 22 autorisierte Auflagen und 110 Nachdrucke, so dass rund ein Drittel aller lesekundigen Deutschen dieses Buch besaß.[36] Bis 1534 übersetzte Luther zusammen mit einem Kreis aus Reformatoren und Professoren-Kollegen[37] das übrige Alte Testament aus damals wiederentdeckten Handschriften der Masoreten; beide Testamente zusammen – einschließlich der Apokryphen – bilden die berühmte Lutherbibel. (Martin Luther, Bibelübersetzung und sprachprägende WirkungWikipedia, abgerufen am 30.05.2017)
============

Die Begriffe Tora(rolle), Pentateuch und Die fünf Bücher Mose meinen dasselbe:

============
Die Tora macht einen großen erzählerischen Bogen. Es beginnt mit der Schöpfung und der Urzeit über die Erzväter AbrahamIsaak und Jakob, geht weiter über den Auszug aus Ägypten und den Bundesschluss am Berg Sinai mit der Bekanntgabe der Gesetze bis hin zur Wanderung durch die Wüste bis zur Ansiedlung im Gelobten Land Kanaan (heute Israel/Palästina) als Heilsgeschichte JHWHs. Von der Landnahme selbst berichtet die Tora nicht mehr; das folgt erst im Buch Josua, das die Geschichte weiterführt. In dieser Erzählung werden die vielen Bestimmungen, die nach der Tora Gott den Israeliten am Berg Sinai gegeben hat, ausführlich behandelt. Weil die Tora über weite Strecken ein reines Gesetzeskorpus darstellt, wurde sie zur Grundlage der religionsgesetzlichen Ausformung des rabbinischen Judentums und erhält von dorther ihre Bedeutung im Judentum bis heute. Nach traditioneller jüdischer Auffassung beinhaltet die Tora 613 Vorschriften, 248 Ge- und 365 Verbote. Die Tora ist thematisch in drei Hauptteile gegliedert:
  1. Urgeschichte und Erzväter-Erzählungen in Genesis. Sie behandeln noch nicht die Gesamtgeschichte Israels, sondern seine Vorgeschichte, die mit der Schöpfung der Welt, der Sintflut und der Berufung verschiedener Stammväter beginnt. Sie enthalten viele MythenLegenden und Ätiologien, in denen sich historische Erinnerungen nomadischer Sippen an die vorstaatliche Frühzeit der Israeliten verbergen.
  1. Die Bücher Exodus, Levitikus und Numeri stellen die eigentliche Heilsgeschichte des Volkes Israel vom Auszug aus Ägypten und Offenbarung der Zehn GeboteJHWHs am Sinai bis zur Landnahme Kanaans dar. Sie bilden daher eine thematische Einheit.
  1. Das Deuteronomium enthält keine Geschichtserzählungen mehr, sondern nur noch Mose zugeschriebene Reden und Gesetze, die überwiegend schon bekannte Toragebote aus der Sinaitradition übernehmen, variieren und kommentieren.
Diese drei Hauptteile durchziehen sieben große Themenkreise, die als eigenständige Komplexe ursprünglich mündlich überliefert wurden. Sie wurden schon in sehr frühen Glaubensbekenntnissen Gesamtisraels als Stationen einer Heilsgeschichte im sogenannten kleinen geschichtlichen Credo aneinandergereiht:
„5 … Mein Vater war ein heimatloser Aramäer. Er zog nach Ägypten, lebte dort als Fremder mit wenigen Leuten und wurde dort zu einem großen, mächtigen und zahlreichen Volk. 6 Die Ägypter behandelten uns schlecht, machten uns rechtlos und legten uns harte Fronarbeit auf. 7 Wir schrien zum Herrn, dem Gott unserer Väter, und der Herr hörte unser Schreien und sah unsere Rechtlosigkeit, unsere Arbeitslast und unsere Bedrängnis. 8 Der Herr führte uns mit starker Hand und hoch erhobenem Arm, unter großem Schrecken, unter Zeichen und Wundern aus Ägypten, 9 er brachte uns an diese Stätte und gab uns dieses Land, ein Land, in dem Milch und Honig fließen.“– (Dtn 26,5–9 EU)
Diese Reihung umgreift eine Geschichtsperiode von gut 500 Jahren von den nomadischen Anfängen Israels bis zur Besiedelung des fruchtbaren Landes Kanaan. Ihr entspricht die Verknüpfung der
  • Erzvätergeschichten [1]
  • mit der Josephserzählung [2],
  • dem Exodus der Israeliten aus Ägypten [3],
  • dem Zug durch die Wüste [4] und
  • der Eroberung zunächst des Ostjordanlandes, dann ganz Kanaans [5].
Die Themenkomplexe des Sinaibundes [6] und der Urgeschichte [7] fehlen noch in den alten Credoformeln Israels, da ihr Einbau in den Pentateuch relativ spät erfolgte. Kristallisationskern und ordnendes Zentrum der Überlieferung ist das Thema der Befreiung aus der Sklaverei, mit der JHWH sich erstmals unter seinem Namen offenbart und Israel zu seinem Bundesvolk „erwählt“ (Ex 3). Erst in der Begegnung mit den orientalischen Großmächten und ihrer kosmogonischen Mythologie stellte Israel sein Werden in den größeren Rahmen der Erschaffung der Welt. Die Urgeschichte am Anfang der Bibel ist also der letzte Themenkomplex, der dem Pentateuch zugewachsen ist. Diesen durchzieht ein Spannungsbogen von der Verheißung zur Erfüllung, bezogen besonders auf das Stichwort des „Landes“, das Gott durch Unterscheidung von Himmel und Urflut schuf (Gen 1,1–12), um es Mose kurz vor seinem Tod als Erbe Israels zum Segen für alle Völker (Gen 12,3) zu zeigen (Dtn 34,1–4). (Tora, Die übergreifenden ÜberlieferungskomplexeWikipedia, abgerufen am 30.05.2017)
============ 
Die Zehn Gebote, auch Zehn Worte (hebr. עשרת הדיברות aseret ha-dibberot) oder Dekalog (altgr. δεκάλογος deka-logos) genannt, sind eine Reihe von Geboten und Verboten (hebr. Mitzwot) des Gottes Israels, JHWH, im Tanach, der Hebräischen Bibel. Im Tanach existieren an zwei Textstellen zwei leicht unterschiedliche Fassungen. Sie sind als direkte Rede dieses Gottes an sein Volk, die Israeliten, formuliert, und fassen seinen Willen für das Verhalten ihm und den Mitmenschen gegenüber zusammen.
Sie haben im Judentum wie im Christentum zentralen Rang für die theologische Ethik und haben die Kirchengeschichte und die Kulturgeschichte Europas und des außereuropäischen Westens mitgeprägt. (Zehn GeboteWikipedia, abgerufen am 30.05.2017)
============
Vom Dekalog gibt es zwei Fassungen, die in Details voneinander abweichen, und zwar im 2. Buch Mose (Exodus) und im 5. Buch Mose (Deuteronomium). (Zehn Gebote, WortlautWikipedia, abgerufen am 30.05.2017)
============
Die Bibelübersetzung wird seit dem legendarischen Aristeasbrief (um 130 v. Chr.) traditionell mit dem lateinischen Zahlwort Septuaginta für 70 benannt. Der Name folgt damit der griechischen Eigenbezeichnung Κατὰ τοὺς ἑβδομήκοντα (Kata tous Hebdomêkonta = „gemäß den Siebzig“). Das Werk wird oft mit der römischen Zahl LXXoder dem Buchstaben  abgekürzt.
Der Legende nach übersetzten 72 jüdische Gelehrte in Alexandria die Tora (fünf Bücher Mose) in 72 Tagen aus dem Hebräischen ins Griechische. Dabei soll jeder Übersetzer für sich selbst gearbeitet haben, am Ende aber seien alle 72 Übersetzungen absolut identisch gewesen: der Heilige Geist habe allen dieselben Worte eingegeben. Die Zahl 72 wurde auf 70 abgerundet und erinnert an die siebzig Auserwählten, die mit Gottes Geist begabt wurden, um Mose bei der Rechtsprechung zu helfen (Num 11,24ff EU). Damit wurde auch die Verbalinspiration dieser Übersetzung betont.
Der Name wurde bis etwa 200 n. Chr. auf alle griechischen Erstübersetzungen biblischer Bücher und griechisch abgefasste heilige Schriften des Judentums ausgedehnt. Die Christen bezogen ihn auf diese Sammlung aller griechischsprachigen jüdischen heiligen Schriften, die sie als ihr Altes Testament übernahmen. (Septuaginta, NameWikipedia, abgerufen am 30.05.2017)
============

Das sechste Gebot wurde aus dem Hebräischen übersetzt. (Wikipedia: Septuaginta)
Erst in jüngster Zeit ist im Sprachgebrauch ein Bedeutungswandel eingetreten: Das Fünfte Gebot wird inzwischen vielfach als unterschiedslos allgemeines Tötungsverbot verstanden. Dies aber gibt der hebräische Text so nicht her. Durch die unzulässige Ausweitung des Tötungsverbotes wird die Lutherübersetzung verfälscht. Im Alten Testament heißt es nämlich nicht "Lo tiktol" (allgemein "Du sollst nicht töten"), sondern "Lo tirzach" ("Du sollst nicht morden"). [Beantwortung der Frage aus dem Leserforum: Lautet das Fünfte Gebot "Du sollst nicht morden" oder "Du sollst nicht töten"? forum-treffpunkt-leben.de, 25.03.2006]
 Ganz so eindeutig ist der hebräische Urtext leider nicht. Der Wortstamm "razach", von dem das "lo tirzach" in Ex. 20,13 abgeleitet ist, bedeutet laut Gesenius, "Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch", "töten", "morden", aber auch "totschlagen" im Sinne eines nicht beabsichtigten Totschlags (S. 772). Hollenberg-Budde, "Hebräisches Schulbuch", bietet nur die Übersetzung "töten" an (S. 39). David Cassel, "Hebräisch-Deutsches Wörterbuch", bevorzugt an dieser Stelle die Übersetzung "morden", läßt aber auch "töten" und "hinrichten" zu (Seite 313). Das als Alternative angebotene "katal", hier abgeleitet "lo tiktal", wird in den drei zitierten Quellen allgemein mit "töten" übersetzt. Gesenius und Cassel verweisen aber auch auf das hiervon abgeleitete Hauptwort "ketel" gleich "Mord" (Seite 710 bzw. Seite 290). Luther hat also das Fünfte Gebot keineswegs falsch übersetzt; auch ist die rigorose Interpretation als generelles Tötungsverbot nicht ausgeschlossen. Allerdings räume ich ein, daß der alttestamentliche Kontext mit zahlreichen göttlichen Tötungsgeboten (zum Beispiel bei der Landnahme Israels) eher die von Elimar Schubbe bevorzugte Übersetzung ("Du sollst nicht morden") nahelegt. [Elimar Schubbe, Anmerkung der Redaktion, forum-treffpunkt-leben.de)
Der Text »Wider das liberale Pseudochristentum« enthält ein Zitat des Theologen Karl Dienst. Der gesamte Dienst-Text findet sich bei kreuzwacht.de als PDF.
In dem Text führt Dienst einige nachdenkenswerte Zitate des Gießener Philosophieprofessors Odo Marquard an (hier ab Seite 39):
„Was immer unsere Zeit sein mag: sie ist jedenfalls auch das Zeitalter der Wechselwirtschaft zwischen Utopien und Apokalypsen, zwischen Diesseitserlösungs-Enthusiasmus und Katastrophengewißheit, zwischen den Naherwartungen einerseits des Himmels auf Erden, andererseits der Hölle auf Erden, und jedenfalls zwischen Fortschrittsphilosophien und Verfallsphilosophien.“ (S. 34)
„Je mehr Krankheiten die Medizin besiegt, desto größer wird die Neigung, die Medizin selber zur Krankheit zu erklären; je mehr Lebensvorteile die Chemie der Menschheit bringt, umso mehr gerät sie in den Verdacht, ausschließlich zur Vergiftung der Menschheit erfunden zu sein.“ (S. 35)
„[…] stellvertretend nachgeholt durch den Aufstand gegen das, was nach 1945 an die Stelle der Diktatur getreten war; darum wurden auch die ‚Totems‘ gerade geschlachtet und die ‚Tabus‘ gerade gebrochen: nach der nachträglichen Fresswelle kam so die ideologische… Dadurch wird eine Demokratie zum nachträglichen Empörungsziel eines gegen die totalitäre Diktatur versäumten Aufstands.“ (S. 40, im Kapitel »Nachträglicher Ungehorsam«)
Dienst selbst:
Man möchte wenigstens heute „dagegen sein“, indem man die Vergangenheit auf die Couch legt und zu therapieren versucht. Die Moralkeule ist die schlimmste Waffe in diesem „Glaubenskrieg“ heutiger „Zivilreligion“. Das hat auch Tradition: Der Moralismus war schon immer die beste Waffe des „Ketzerklatsches“, mal religiös, mal politisch drapiert. […]Was mich am meisten bei dem „nachträglichen Ungehorsam“ bedrückt ist dies: Auf diese Weise wird jedes Gespräch, jede faire Auseinandersetzung von vorn herein unmöglich gemacht. Das Denunzieren wird zur Hauptbeschäftigung. Man braucht nur auf bestimmte Wörter und Bilder hinzuweisen, die der Andere benutzt, um ihn in eine bestimmte Ecke zu stellen und abzuqualifizieren. Das war übrigens eine Unart nicht nur von Jürgen Habermas, der dauernd von der „herrschaftsfreien Kommunikation“ redete, aber seinen Gegnern von vorn herein oft unlautere Motive unterstellte. Übrigens war das schon so bei der Bannandrohungsbulle gegen Martin Luther; auch hier wurde vor allem zitiert statt argumentiert. Die grosse Gefahr eines solchen Verfahrens: Moral wird zum Vernunftersatz, Denunzieren ersetzt Verstehenwollen. Und das ist schlimm! (S. 40f.)

Das war jetzt ein großer Bogen von 700 v. Chr. bis heute. Hoffentlich ist keiner verlorengegangen!


Donnerstag, 26. September 2013

Persilscheine

Nicht nur sauber, sondern rein 

»Alles neu macht Persil«, lautete ein erfolgreicher Werbeslogan für das allseits bekannte deutsche Waschmittel. Auch einst braune Westen strahlten nach dem Zusammenbruch des Naziregimes wieder weiß. Dafür bedurfte es einer eidesstattlichen Erklärung eines von den Nationalsozialisten Verfolgten, dass am Verhalten des betreffenden NSDAP-Parteigenossen während der Jahre der Diktatur nichts auszusetzen gewesen sei. Mit solch einem »Persilschein« stand der Entnazifizierung nichts im Wege – und die war eine Zeit lang nötig, um Arbeit oder eine Wohnung zu erhalten. Der Begriff wurde später allgemein auf entsprechende Bescheinigungen der Alliierten übertragen, nach denen der Betreffende nur »Mitläufer« gewesen sei. 

Als Entnazifizierung wird das Maßnahmenbündel der Alliierten bezeichnet, mit dem alle Bereiche der deutschen Gesellschaft vom Einfluss des Nationalsozialismus befreit und Schuldige und Belastete ausgemacht werden sollten. Schon ab 1946 aber hatten die Westalliierten kaum noch Interesse an der Entnazifizierung. Im August 1947 waren nur mehr 1,6% der erfassten 800.000 NSDAP-Mitglieder arbeitslos. Auch Massenmördern und Folterknechten gelang es ohne große Schwierigkeiten, wieder Karriere zu machen.
Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013

Mittwoch, 25. September 2013

Heute vor 500 Jahren: – 25. September 1513: Vasco Nuñez de Balboa erreicht den Pazifik

Die Entdeckung des »anderen Meeres« 

Seit dem 1. September 1513 befand sich der spanische Entdecker und Konquistador Vasco Nuñez  de Balboa (1475-1519) mit 190 Landsleuten und einigen Hundert Einheimischen auf dem beschwerlichen Weg quer durch die schmalste Stelle Zentralamerikas, das heutige Panama. Um die gefürchteten Spanier loszuwerden, hatte ein Stammesführer ihm von einem »anderen Meer« hinter den Bergen erzählt und von Gold, das es dort reichlich gäbe. Am 29. September 1513 näherte sich die Expedition einem Hügel, von dem man angeblich dieses andere Meer sehen konnte. 

»Vasco Nuñez de Balboa nimmt das Südmeer in Besitz«, zeitgenössischer Kupfersitch
 Nuñez befahl seinen Leuten haltzumachen und erstieg allein den Hügel. Als erster Europäer erblickte er heute vor 500 Jahren den Pazifik, das »mar dei sur«, wie er es nannte. Dann rief er auch die anderen herbei, um sie an dem historischen Moment teilhaben zu lassen. Vier Tage später schritt er nach der üblichen Art der Konquistadoren in voller Rüstung einige Schritte ins Meer und nahm es für die spanische Krone in Besitz. Mit Gold und Perlen kehrten die Spanier an die Ostküste zurück. Als der König davon hörte, ernannte er Nunez zum Gouverneur der Südsee.

Nuñez’ Ende
nach Intrigen bei Hof wurde Nuñez verhaftet 
in einem Prozess wegen Hochverrats zum Tode verurteilt
1519 in Panama enthauptet
Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013 

Montag, 23. September 2013

Heute vor 167 Jahren – 23. September 1846: Johann Gottfried Galle entdeckt den Neptun

Der achte Planet im Visier 

Der Astronom Johann Gottfried Galle (1812-1910) war ein renommierter und ausgezeichneter Wissenschaftler und offensichtlich auch ein bescheidener und aufrichtiger Mensch. Obwohl er als Erster den äußersten Planeten des Sonnensystems ausgemacht und beobachtet hatte, lehnte er es ab, als Entdecker des Neptuns zu gelten. Denn er hatte den entscheidenden Hinweis für seine Beobachtung von dem französischen Mathematiker und Astronom Urbain Le Verrier erhalten. 


Wie auch ein englischer Kollege hatte Le Verrier aus Störungen der Umlaufbahn des Planeten Uranus die Theorie entwickelt, dass ein noch unbekannter Planet dafür verantwortlich sein könnte. Am 23. September erhielt Galle in Berlin einen entsprechenden Brief von Le Verrier mit den von ihm errechneten Koordinaten. Gemeinsam mit seinem Assistenten Heinrich Louis d'Arrest gelang es Galle in der Berliner Sternwarte innerhalb einer Stunde, Neptun nahe der angegebenen Position auszumachen. Zum Gedenken an die wissenschaftlichen Verdienste Galles tragen je ein Krater auf dem Mars und auf dem Mond sowie ein Ring des Saturns seinen Namen. 

Neptun 
■ viertgrößter Planet des Sonnensystems 
■ zählt wie Jupiter, Saturn und Uranus zu den äußeren Planeten 
■ bisher sind 13 Monde von Neptun ausgemacht 
Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013

Sonntag, 22. September 2013

Heute vor 891 Jahren – 23. September 1122: Das Wormser Konkordat beendet den Investiturstreit

Machtkampf zwischen Papst und Königen 

Der Konflikt um das Recht der Investitur, der Einsetzung von Bischöfen und Äbten, überschattete im späten 11. und frühen 12. Jahrhundert rund 50 Jahre lang das Verhältnis zwischen dem Papsttum und europäischen Königen, vor allem den deutschen, französischen und englischen Königen bzw. dem Kaiser.

Nach alter Tradition setzte der deutsche König die Bischöfe seines Machtbereichs mittels der Übergabe von Ring und Stab in ihr Amt ein. Diese Praxis wurde lange auch vom Heiligen Stuhl in Rom akzeptiert. Unter dem Einfluss der Kirchenreform des 11. Jahrhunderts wurde die Laieninvestitur, die Übertragung eines kirchlichen Amtes durch einen weltlichen Herrn, jedoch ausdrücklich untersagt. Nun galt der König nicht als reiner Laie, und erst in der Auseinandersetzung um die Neubesetzung des Mailänder Erzbistums eskalierte 1073 der Streit. Ein grundsätzlicher Kampf zwischen geistlicher und weltlicher Macht brach aus. Die Lösung fand erst das Wormser Konkordat von 1122, das einen doppelten Einsetzungsakt für die Reichsbischöfe durch König und Papst vorsah.
Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013 

Heute vor zehn Jahren – 22. September 2003: Colosseum auf dem Jazz-Festival Viersen

Colosseum wurde 1968 vom Schlagzeuger Jon Hiseman und dem Saxophonisten Dick Heckstall-Smith gegründet. Das vielschichtige instrumentale Spektrum wurde 1970 durch den Rhythm-and-Blues-Sänger Chris Farlowe noch erweitert. (Wikipedia)

Vor zehn Jahren trat die Band auf dem Jazz-Festival Viersen auf:
Colosseum - Rockpalast (2003) - FULL 58 min [58:53]

Hochgeladen am 11.12.2011
Felállás/Line-up:

Chris Farlowe - vocals
Mark Clarke - bass, vocals
Clem Clempson - guitar, vocals
Dave Greenslade - keyboard
Barbara Thompson - saxes
Jon Hiseman - drums

Setlist:

01 - Tomorrow's Blues
02 - Interview w. Jon Hiseman Pt. I
03 - I Could Tell You Tales
04 - Interview Jon Hiseman Pt. II
05 - Valentyne Suite
06 - Interview w. Jon Hiseman Pt. III
07 - Lost Angeles
08 - In The Heat Of The Nite

Colosseum: The Complete Reunion Concert 1994 - FULL:
http://www.youtube.com/watch?v=eKrSnZ...


Colosseum: The Complete Reunion Concert 1994 - FULL [1:51:55]

Hochgeladen am 24.12.2011
Mark Clarke: Bass guitar, vocals.
Dave "Clem" Clempson: Guitars, vocals.
Chris Farlowe: Vocals.
Dave Greenslade: Keyboards EMU Proteus 2 & Roland U20, Hammond Organ, Vibraphone, vocals.
Dick Heckstall-Smith: Saxophones.
Jon Hiseman: Drums, percussion, cymbals.

Setlist:

01. Those About To Die
02. Skelington
03. Elegy
04. Tanglewood '63 The Valentyne Suite
05. January's Search
06. February's Valentyne
07. The Grass Is Always Greener
08. Rope Ladder To The Moon
09. Theme For An Imaginary Western
10. The Machine Demands Another Sacrifice
11. Solo Colonia (Drumsolo)
12. Lost Angeles
13. Stormy Monday Blues
14. Walking In The Park

Colosseum - Rockpalast (2003) - FULL 58 min:
http://www.youtube.com/watch?v=HZNM2K...


Und eines der Stücke von Colosseum, das mir am besten gefällt:
Tanglewood ’63, unvergessen, wenn Dick Heckstall-Smith (2004 an Krebs gestorben) Saxophon und Klarinette zusammen spielte…
COLOSSEUM LIVE Beat Club 1970 & Paris 1971, part 1 [17:41]
Veröffentlicht am 30.10.2013
COLOSSEUM LIVE Beat Club 1970, Paris 1971, part 1
The Machine Demands a Sacrifice, Tanglewood ´63, Take Me Back to Doomsday (beginning) Beat Club 1970

unvergessen auch ihre Valentyne Suite:
Colosseum - Valentyne Suite - Live - Montreux (1969) (Remastered) [14:48]
Veröffentlicht am 05.10.2014
Recorded live at Montreux Jazz Festival, Switzerland, June 22, 1969
Audio Remastered by BrunoSamppa, 2014

bei 11:13 eine kurze Reminiszenz an »Whiter Shade of Pale«

  1. "Valentyne Suite Theme One: January's Search" (Dave Greenslade)
  2. "Valentyne Suite Theme Two: February's Valentyne" (Greenslade)
  3. "Valentyne Suite Theme Three: The Grass is Always Greener" (Heckstall-Smith, Hiseman) 


zuletzt aktualisiert am 12.06.2016