Mittwoch, 13. November 2013

Heute vor 106 Jahren – 13. November 1907: Paul Cornu läßt den ersten Hubschrauber fliegen

Der Helikopter-Mann 

Der Franzose Paul Cornu (1881-1944) war einer jener Tüftler, Erfinder und Visionäre, mit denen die Geschichte der Luftfahrt begann. Im normannischen Lisieux fabrizierte und reparierte er u. a. Fahrräder. Eines Tages wollte er sich nicht mehr mit der Fortbewegung auf der Erde begnügen. Im Alter von 24 Jahren entwickelte er den ersten Prototypen eines Helikopters: Er besaß zwei Rotoren, die an den Enden eines Metallrahmens befestigt waren, und einen 2 PS starken Motor. Die Maschine machte vor Publikum einige Sprünge in die Luft und bestärkte Cornu in dem Glauben, auf dem richtigen Weg zu sein. Er fand Sponsoren und begann Ende 1906, eine solidere Version zu konstruieren. 
 
Zum 100-jährigen Jubiläum 2007 wurde der Flug mit dem
»fliegenden Fahrrad« nachgestellt

Mit einem V-förmigen Rahmen, zwei gegenläufigen Drehflügeln und einem 24 PS starken Motor ging Cornu am 13. November 1907 in die Geschichte der Fliegerei ein. In etwa 20 Sek. Flugzeit erreichte das »fliegende Fahrrad" etwa 30 cm Höhe - es war der erste freie Hubschrauberflug. Der erste Helikopter erwies sich jedoch als nicht steuerbar und Cornu gab das Projekt wenig später auf. Der Durchbruch bei der Hubschrauberkonstruktion ließ noch Jahrzehnte auf sich warten.

 Was am 13. Novemher noch geschah: 
1994: In Schweden stimmt die Mehrheit der Bevölkerung für den Beitritt zur EU
Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Montag, 11. November 2013

Heute vor 95 Jahren – 11. November 1918: Ende des Ersten Weltkriegs

Die »Urkatastrophe« des 20. Jahrhunderts 

Lange stand der Erste Weltkrieg im historischen Bewusstsein im Schatten des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs. In den letzten bei den Jahrzehnten jedoch hat er wieder die Aufmerksamkeit gewonnen, die er als »Urkatastrophe« des blutigen 20. Jahrhunderts verdient. Der »Große Krieg« – wie er in Frankreich genannt wird – war der erste »moderne« Krieg und führte in eine Epoche hemmungsloser Gewaltpolitik. Er hat die Geschichte des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt.
 
In New Yorks 42. Straße feiern Menschen die Kapitulation Deutschlands,
November 1918

Als der Erste Weltkrieg (1914-18) heute vor 95 Jahren mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags zu Ende ging, hatte er weltweit etwa 9 Mio. Soldaten und 6 Mio. Zivilisten das Leben gekostet. Tiefgreifende politische und soziale Umwälzungen waren die Folge, Monarchien zerbrachen, revolutionäre Wirren heizten die Situation an. Das weltwirtschaftliehe System war in seinen Grundlagen erschüttert, Inflation und Hungerkrisen brachten Not und Elend über die Bevölkerung. Das Trauma der Niederlage und der »Demütigungen« durch die folgenden Friedensverträge schufen in Deutschland den Nährboden für den Nationalsozialismus. 

Gefallene Soldaten 1914-18 
Deutschland: 2,04 Mio. 
Russland: 1,85 Mio.
Frankreich: 1,3 Mio.
Österreich-Ungarn: 1,2 Mio. 
Großbritannien: 0,85 Mio.
Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013 

Sonntag, 10. November 2013

Kinoempfehlung: Die andere Heimat von Edgar Reitz

Edgar Reitz’ mit Preisen überhäufte Filmstaffel-Trilogie Heimat entwickelte sich in einer für den Filmemacher prekären finanziellen Situation aus einem Dokumentarfilm über seine (und auch meine) Heimat, den Hunsrück.

Heimat-Trilogy (Heimat / Heimat II / Heimat 3) - Deutscher Trailer mit engl. UT [6:30]
Hochgeladen am 08.02.2008 
(Heimat [DE 1981-1984] / Heimat II [DE 1988-1992]/ Heimat 3 [DE/GB 2002-2004])
German Title: Heimat / Die zweite Heimat / Heimat 3 - Chronik einer Zeitwende
Director: Edgar Reitz
Produktion Company: Edgar Reitz Filmproduktions GmbH (München)
Distributor: Edgar Reitz Filmproduktion (München) / Kinowelt Filmverleih GmbH (Leipzig)
© Edgar Reitz / Kinowelt


Heimat Edgar Reitz Intro Folge 4 1938 [2:52] Veröffentlicht am 03.02.2010 
Heimat ist der Titel einer Film-Trilogie von Regisseur und Autor Edgar Reitz


Der erste Film der Trilogie (»Heimat – eine deutsche Chronik«) wurde 1981/82 gedreht und erzählt in elf Episoden von durchschnittlich eineinhalb Stunden Länge die Geschichte Bauersfrau Maria Simon in dem fiktiven Ort Schabbach in der näheren Umgebung der Edelsteinstadt Idar-Oberstein zwischen ihrem 19. (1919) und 82. Lebensjahr (1982). Diesen Film muß man einmal gesehen haben.

Der zweite Film (»Die zweite Heimat – Chronik einer Jugend«, 13 Teile von je fast 2 Stunden Länge) begleitet Hermann Simon, Marias Sohn, vom Abitur 1960 über das Musikstudium in München bis zu seiner Rückkehr nach Schabbach 1970.

Der dritte Teil (»Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende«, 6 Teile von ca. 90 Minuten Länge) führt die Personen der beiden ersten Filme wieder zusammen und beschreibt die gesellschaftlichen Veränderungen nach der deutschen Wiedervereinigung in den Jahren 1989 bis 2000.

Der Epilog (»Heimat-Fragmente – Die Frauen«) besteht aus einem Zusammenschnitt nicht verwendeter Szenen aus der Trilogie. In der Rahmenhandlung geht es um die Suche nach den Wurzeln von Hermann Simons Tochter Lulu.

Filmkulissen (DIE ANDERE HEIMAT) in ,,Schabbach" Gehlweiler. Schaulustige, Bewohner & Pferdegespanne [22:02]
Veröffentlicht am 12.09.2013
http://www.gmvideoproduktion.de/ Ausschnitte aus einem 38 Min. Doku. Film. Ein Dorf verwandelte sich für den neuen Edgar Reitz-Film ,,Die andere Heimat"
Mit der Kamera an zwei Besucher Tagen das Geschehen spontan aufgenommen. Sehr viele Besucher im Ort, auch eine Familie aus Brasilien im Gespräch. Hinter den Kulissen, im ,,Schnee", staunende Besucher. Bei Schlierschied zufällig die ,,Auswanderer" mit Pferden u. Kutschen kurz vor dem Dreh noch interviewt und später bei den richtigen Filmaufnahmen aus der Ferne den Ablauf gefilmt. Bonus: Eindrücke von Gehlweiler ,,Schabbach" nach den Drehtagen 4 Monate danach.

2012 drehte Edgar Reitz (mit nunmehr 80 Jahren) in dem Ort Gehlweiler (37 Kilometer von Idar-Oberstein) sein Alterswerk: »Die andere Heimat«, ein Prequel, das in den Jahren 1840 bis 1843 spielt und die Geschichte eines Träumers erzählt, der nach Südamerika auswandern will und es dann schließlich doch nicht tut.

DIE ANDERE HEIMAT - Trailer #1 [2:24]
Veröffentlicht am 22.07.2013 
Erster Trailer für "DIE ANDERE HEIMAT" von Edgar Reitz. 
Kinostart 3.10.13

DIE ANDERE HEIMAT - Trailer #2 [2:21]
Veröffentlicht am 22.07.2013 
Zweiter Trailer für "DIE ANDERE HEIMAT" von Edgar Reitz. 
Kinostart 3.10.13


Der fast vier Stunden lange Film läuft als »Special« am 10.11. in den Hochhaus-Lichtspielen in der Matinee um 11:00 Uhr sowie im Kino am Raschplatz am Mittwoch, den 13.11. um 14:30 h und um 19:15 h.

Auf der Heimat-Fanpage gibt es alles mögliche Wissenswerte um die Heimat-Filme, unter anderem auch einen Link zu einem Artikel beim Volksfreund über Reitz’ verstorbenen Bruder Guido, dem er den Film gewidmet hat. Wer sich »Die andere Heimat« ansieht, versteht den Zusammenhang.

Filmkritik der FAZ

Making of Heimat [01:47]

Veröffentlicht am 22.08.2013 
"Making of Heimat" porträtiert Edgar Reitz bei der Arbeit an seinem neuen Spielfilm "Die andere Heimat". Mit diesem Spielfilm versucht Edgar Reitz sowohl an seine weltberühmte "Heimat"-Trilogie, als auch an sein im Schatten stehendes Kinofrühwerk anzuknüpfen. Der Dokumentarfilm "Making of Heimat" beobachtet alle Produktionsschritte dieser Arbeit und blickt aus der Perspektive von Edgar Reitz auf die seltsame Welt der Filmherstellung.

Bayerischer Rundfunk: Making of Heimat (Sendedatum: 05.11.2013, 22:45h)
- Bildergalerie

zuletzt aktualisiert am 25.09.2014

Samstag, 9. November 2013

Heute vor 75 Jahren – 9./10. November 1918: Reichsprogromnacht

Der Auftakt zur Eliminierung 

Nach über fünf Jahren systematischer Entrechtung und sozialer Isolierung, die auf eine stufenweise »Entjudung« aller Lebensbereiche der deutschen Gesellschaft zielten, markierte die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 den Auftakt zur Phase brachialer kollektiver Gewalt gegen die jüdischen Bürger. Als Vorwand für die organisierte Judenjagd diente dem Regime das Attentat auf einen Beamten der deutschen Botschaft in Paris
 
Brennende Synagoge in Bielefeld, 9.11.1938

 Auf Weisung der NS-Führung übte die SA unter der aktiven Mithilfe ganz gewöhnlicher Bürger ,,Vergeltung« an den Juden. Überall im Deutschen Reich standen Synagogen in Flammen, juden wurden öffentlich misshandelt und getötet, ihre Geschäfte und Wohnungen zerstört und geplündert. In der Nacht und an den folgenden Tagen wurden 30.000 jüdische Männer verhaftet und in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt. Prügel und Demütigungen sollten den Willen der Menschen brechen und sie zur Auswanderung ohne ihre wirtschaftlichen Güter bewegen. Für die entstandenen Sachschäden machte man die Opfer verantwortlich und legte ihnen eine kollektive »Sühneleistung« in Form einer Sondersteuer in Höhe von 1 Mrd. Reichsmark auf. 

Was am 9. November noch geschah: 
1989: Die Grenzen der DDR werden geöffnet, ein erster Schritt zur Wiedervereinigung der bei den deutschen Staaten. 
Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013 


Die Nationalsozialisten lehnten die Psychoanalyse ab (siehe Wikipedia), die Bedeutung, die Freud den Trieben zuwies, widersprach der die arische Rasse verherrlichenden Nazi-Ideologie.

Anläßlich der Kundgebung der Deutschen Studentenschaft »wider den undeutschen Geist« wurden Freuds Bücher – zusammen mit denen 93 weiterer Autoren – am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz verbrannt. (siehe Wikipedia)

Wilhelm Reich, der 1930 in die KP eingetreten und 1933 vor allem wegen seines Buches »Massenpsychologie und Faschismus« (der ersten größeren, aus psychoanalytisch-gesellschaftskritischer Sicht geschriebene Auseinandersetzung mit dem Feschismus) wieder ausgeschlossen worden war, wurde auf Betreiben Freuds 1934 aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen (siehe Wikipedia). Er emigrierte erst nach Österreich, dann nach Dänemark, nach Verlust seiner Aufenthaltsgenehmigung nach Norwegen und schließlich 1939 in die USA.

Die DPG musste ihren Namen aufgeben und die Mitglieder sich in das März 1936 errichtete Deutsche Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie, unter der Leitung von Matthias Heinrich Göring („Göring-Institut“), eingliedern lassen (Arbeitsgruppe A). 1938 wurde die DPG auf Behördenanweisung offiziell aufgelöst. (siehe Wikipedia)
C. G. Jung, 1910-14 Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung, hatte 1913/14 mit Freud gebrochen und versuchte, mit abwertenden Artikeln über die jüdische Psychoanalyse sich den Nationalsozialisten anzubiedern. (siehe »C. G. Jung und der deutsche Faschismus«, Punkte 4.1-4.4, bei hausarbeiten.de)

Sigmund Freud wurde nach dem Anschluß Österreichs am 13. März 1938 von der Gestapo mit Hausdurchsuchungen und Befragungen seiner Tochter Anna gegängelt und konnte nach Intervention einiger bekannter Persönlichkeiten, zähen Verhandlungen und Zahlung einer »Reichsfluchtsteuer«, die Marie Bonaparte vorstreckte, am 4. Juni 1938 das Land verlassen. Vier seiner fünf Schwestern wurden in Konzentrationslagern ermordet.

Freitag, 8. November 2013

Expertenfrage

Wo entwickelte sich die Anasazi-Kultur?


Indien
Nordamerika
Ostafrika

Donnerstag, 7. November 2013

Heute vor 45 Jahren – 7. November 1968: Beate Klarsfeld ohrfeigt Bundeskanzler Kiesinger

Die »Nazijägerin« in Aktion 

Die 1939 in Berlin geborene Französin Beate Klarsfeld ist in Deutschland vor allem durch spektakuläre Aktionen bekannt geworden, mit denen sie ehemalige Nationalsozialisten enttarnen wollte. Das größte Aufsehen erregte dabei ihre Handgreiflichkeit gegen Kurt Georg Kiesinger: Heute vor 45 Jahren, am 7. November 1968, schlug sie Kiesinger während des CDU-Parteitags in Berlin ins Gesicht, um damit auf dessen NSDAP-Mitgliedschaft und leitende Position in der Rundfunkpropaganda aufmerksam zu machen. Ein Schnellgericht verurteilte sie zu einem Jahr Gefängnis, später wurde das Urteil in vier Monate auf Bewährung umgewandelt. 
 
Bete Klarsfeld und ein Saaldiener auf der Zuschauertribüne
des Bundestags in Bonn, April 1968

Beate Klarsfeld hatte in Paris ihren späteren Mann, Serge Klarsfeld, kennengelernt, einen Juden, dessen Vater als Resistance-Kämpfer in Auschwitz ermordet worden war. Gemeinsam ging das Paar daran, auf Nationalsozialisten aufmerksam zu machen, die Schuld auf sich geladen hatten, aber dennoch unbehelligt weiterleben konnten. Zudem sammelten und veröffentlichen sie die Namen der etwa 80.000 ermordeten französischen Holocaustopfer. 

 Von den Klarsfelds enttarnt 
Kurt Lischka, verantwortlich für die Deportation der französischen Juden 
Klaus Barbie, Gestapo-Chef von Lyon [u.a. mitverantwortlich für den Tod von Jean Moulin]
Alois Brunner, Mitarbeiter eies SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann 
 Brockhaus - Abentcucr Geschichte 2013 

siehe auch:
Marginalie: Wollte Beate Klarsfeld 1968 Geld vom SED-Regime? (gefunden auf Zettels Raum)
Klarsfeld und Kanzler Kiesinger (fr-online)
Eine Ohrfeige machte sie weltberühmt (Kölner Stadtanzeiger)
Angeblicher SED-Dank: Klarsfeld soll 2000 Mark für Kiesinger-Ohrfeige erhalten haben (SPIEGEL-Online)

Mittwoch, 6. November 2013

Bis vor 700 Jahren – 8.-13. Jh.: Das Kalifat der Abbasiden in Bagdad

Arabiens goldene Ära 

Die Abbasiden waren eine arabisch-islamische Kalifendynastie, die 750 die Dynastie der Omaijaden militärisch besiegte und ablöste. 762 verlegten sie die islamische Hauptstadt von Damaskus nach Bagdad, das sich in Bezug auf Politik und Handel rasch zum Zentrum der arabischen Welt entwickelte und innerhalb eines halben Jahrhunderts zur wahrscheinlich größten Stadt der Welt expandierte. Die Macht der Abbasiden reichte von der Iberischen Halbinsel über Nordafrika und die Arabische Halbinsel bis zum Kaukasus und nach Afghanistan. 

Tor der mittelalterlichen Stadtmauer von Bagdad, Irak, 1977

 Die Blütezeit erlangte das Reich unter Kalif Harun-ar-Raschid, mit dessen Regierungszeit (786-809) eine der bedeutendsten Epochen der arabischen Geschichte begann. Es ist die Periode, die später mit den »Geschichten aus Tausendundeiner Nacht« in Verbindung gebracht wird. Harun residierte in einem Komplex aus prächtigen Palästen und Moscheen, versammelte die fähigsten Köpfe an seinem Hof und förderte Kultur und Wissenschaft wie kein anderer vor ihm. Sein Sohn ließ die berühmten Texte der Antike kopieren und nach Bagdad schaffen; dazu beauftragte er Übersetzungen bedeutender zeitgenössischer Werke der Medizin, der Wissenschaft und der Philosophie. 




Was am 6. Novemher noch geschah: 
1962: Die UNO beschließt aufgrund der Apartheidpolilik ein Embargo gegen Südafrika. 

Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013 

Dienstag, 5. November 2013

Montag, 4. November 2013

Heute vor 34 Jahren – 4. November 1979: Geiselnahme in der US-Botschaft von Teheran

Terror als Druckmittel 



Zu Beginn des Jahres 1979 hatte die Islamische Revolution im Iran zur Absetzung von Schah Reza Pahlavi und der Rückkehr des Ajatollah Chomeini aus dem Exil geführt. Am 1. April rief Chomeini die Islamische Republik aus. Bürgerliche und linke Oppositionelle, aber auch rivalisierende Ajatollahs wurden verfolgt und hingerichtet. Anfang November rief Chomeini indirekt zur Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran auf: »Es ist deshalb Sache der Schüler, Studenten und Theologiestudenten, mit aller Kraft die Angriffe gegen die USA und Israel zu verstärken, sodass sie die USA zwingen können, den abgesetzten und kriminellen Schah auszuliefern.« 
 
Freigelassene Geiseln auf einer Pressekonferenz,
im Hintergrund Fotos des Ajatollah Chomeini, Teheran 18.11.1979

Am 4. November 1979 drangen einige Hundert iranische Studenten in die US-Botschaft ein und erklärten 65 US-Bürger zu ihren Gefangenen, die gegen den Schah ausgetauscht werden sollten. Wenig später wurden 13 US-Bürger und fünf Angehörige anderer Staaten freigelassen. 52 US-Bürger blieben jedoch in Geiselhaft – 444 Tage lang. Erst im Januar 1981 konnten sie nach einem iranisch-amerikanischen Abkommen das Land verlassen. Im Gegenzug gaben die USA iranisches Auslandsvermögen frei. 



siehe auch:
Operation Eagle Claw (Wikipedia) 
»Der größte Einzelerfolg der CIA« (Post vom 1. Mai 2012)

Was am 4. November noch geschah: 
1707: Mit dem Act of Union stimmt das schottische Parlament der Vereinigung Schottlands mit dem Königreich England zu. 
Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013 

Samstag, 2. November 2013

Heute vor 83 Jahren – 2. November 1930: Haile Selassie wird Kaiser von Äthiopien

Der Negus an der Macht 

»Macht der Dreifaltigkeit«, »König der Könige«, «Der Auserwählte Gottes«, »225. Nachfolger des Königs Salomon« – Haile Selassie, Kaiser von Äthiopien (1930-36 und 1941-74) schmückte sich mit einer ganzen Reihe von wohlklingenden Titeln. In den Straßen der Hauptstadt Addis Abeba war er häufig in einem offenen roten Automobil unterwegs, hinter ihm ein Page, der einen mit Münzen und goldenen Troddeln geschmückten Seidenschirm über ihn hielt, eskortiert von einem Trupp Reitern im Galopp. 
 
Haile Selassie mit Krone, umrahmt von Geistlichen in Addis Abeba,
Äthiopien, 1931

 1892 in der Provinz Ras geboren, gelangte Tafari Makkonen nach einem Putsch am 2. November 1930 als Haile Selassie I. auf den Thron und an die Macht. Der Negus leitete die Modernisierung des Landes ein, erließ eine Verfassung, schaffte den Sklavenhandel ab, baute die ersten Oberschulen, sicherte aber auch seine absolute Machtposition. Haile Selassie genoss im Ausland hohes Ansehen, lange Zeit galt er als charismatischer Führer des afrikanischen Kontinents, da er 1963 die »Organisation der Afrikanischen Einheit« gegründet hatte. In den frühen 1970erJahren verlor er den Rückhalt in der Bevölkerung, im Februar 1974 wurde er von Militärs entmachtet. 





Rastafari (=> Wikipedia-Artikel)
religiöse Bewegung der Karibik 
entstand in den 1930er-Jahren 
nach Haile Selassie (Tafari aus Ras) benannt 
verehrt den einstigen Kaiser Haile Selassie als Messias 
Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013 

Freitag, 1. November 2013

Heute vor 20 Jahren – 1. November 1993: Die Maastricher Beschlüsse treten in Kraft

Europa wächst zusammen 

 Im Februar 1992 unterzeichneten die Vertreter der damals zwölf Mitgliedsländer der Europäischen Gemeinschaften (EG) im niederländischen Maastricht den Gründungsvertrag der Europäischen Union (EU). Damit sollte »eine neue Stufe bei der Verwirklichung einer immer engeren Union der Völker Europas« betreten werden. Der rein wirtschaftliche Zweck der Gemeinschaft, die Vollendung des gemeinsamen Marktes, hatte ihren politischen Auftrag stets überlagert. Zu den Zielen der EU zählte neben der Einführung einer Wirtschafts- und Währungsunion nun auch die Entwicklung einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik. Die Maastrichter Beschlüsse traten am 1. November 1993 in Kraft. 

 Die Abschaffung der stationären Kontrollen an den Binnengrenzen und damit die Reisefreiheit für die Bürger regelt das Schengener Abkommen von 1985, das am 26. März 1995 vollständig in Kraft trat. Nach mehreren Erweiterungen zählen mittlerweile 24 Länder zum sogenannten Schengen-Raum. Die Osterweiterung der EU nach dem Zusammenbruch des Ostblocks erfolgte bisher in zwei Schritten: Zum 1. Mai 2004 traten acht Staaten aus Mittel- und Osteuropa sowie Malta und Zypern bei, zum 1. Januar 2007 Bulgarien und Rumänien. 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Donnerstag, 31. Oktober 2013

1667: Der Kurfürst von Sachsen legt den 31. Oktober als Reformationstag fest

Der große Tag der Protestanten 

Der Reformationstag ist dem Theologen Martin Luther (1483-1546), der Entstehung der evangelischen Kirche und den Grundlagen ihres Glaubens gewidmet. Das Datum, an dem die Protestanten diesen Feiertag begehen, variierte zunächst, so wurde er etwa an Luthers Geburts- oder Todestag gefeiert. 1667 entschied Sachsens Kurfürst Johann Georg, dass der Reformationstag am 31. Oktober zu feiern sei. 
 
Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen (rechts)
mit dem Kurfürsten von Brandenburg, Friedrich Wilhelm,
zeitgenössisches Gemälde

Der Kurfürst wählte den Tag, an dem Martin Luther seine 95 Thesen zum Ablass veröffentlichte, was als Beginn der Reformation angesehen wird. Die in Latein verfassten Thesen waren – den Gepflogenheiten der Zeit entsprechend – als Aufforderung zum akademischen Disput gemeint. Ob der Reformator die Thesen auch an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hat, ist umstritten.* Nachdem es lange üblich war, den Anschlag ins Reich der Legende zu verweisen, lebte die Diskussion vor einigen Jahren infolge eines Handschriftenfundes wieder auf. In einer Luther-Bibel von 1540 fand sich eine Notiz des Theologen und Luther-Zeitgenossen Georg Rörer: »Im Jahr 1517 am Vorabend von Allerheiligen sind in Wittenberg an den Türen der Kirchen die Thesen über den Ablass von Doktor Martin Luther vorgestellt worden.« 

Luthers 36. These 
Jeder Christ, der wirklich bereut, hat Anspruch auf völligen Erlass von Strafe und Schuld, auch ohne Ablassbrief.
Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013 


Mittwoch, 30. Oktober 2013

Vor 1300 Jahren – 672-735: Der Gesschichtsschreiber Beda Venerabilis

Historia Ecclesiastica Gentis Anglorum 

 Die »Kirchengeschichte des englischen Volkes«, die Beda Venerabilis (672/73-735) um 731 vollendete, ist eine der wichtigsten Quellen für die englische Geschichte vor dem 8. Jahrhundert. Die Darstellung des »ehrwürdigen« Beda, der Priester, Benediktinermönch und Kirchenlehrer war, ist ein Werk von religiösem Gehalt, getragen vom Glauben an die Kirche als kultureller und spiritueller Kraft. Sie enthält aber auch eine Vielzahl an historischen Informationen über das politische und gesellschaftliche Leben in England und setzte mit ihrer intellektuellen Qualität einen hohen Standard für die Geschichtsschreibung im frühen Mittelalter
 
Beda, William of York und Cuthbert von Canterbury,
Fenster der All Saints Church in York

Nach einer kurzen Einführung befasst sich Beda zunächst mit der Zeit der römischen Herrschaft und widmet sich dann ausführlich der Christianisierung der Angelsachsen. Auch die Entwicklung der verschiedenen Königreiche wird recht eingehend behandelt. Die Darstellung führt bis in seine eigene Epoche. Die Kirchengeschichte des Beda war eines der ersten historischen Werke, das durchgehend die Datierung nach Christi Geburt verwendet. 

Werke Bedas 
Bücher zur Bibel
Bücher zur Liturgie
Werke zur Rhetorik 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Dienstag, 29. Oktober 2013

Geschichtsfrage

Wann schloss sich eine Reihe deutscher
Staaten zum »Rheinbund« zusammen?


1806
1848
1871


Montag, 28. Oktober 2013

Heute vor 40 Jahren – 28. Oktober 1973: Beginn des Öl-Embargos der OPEC-Staaten

OPEC-Länder nutzen Erdöl als Waffe 

Autobahnkreuz Duisburg-Kaiserberg während des zweiten
sonntäglichen Fahrverbots infolge des Öl-Embargos, 2.12.1973


Wie ein Schock traf das Sonntagsfahrverbot im Herbst 1973 die Bundesbürger: Nicht nur, dass der Deutschen liebstes Stück in der Garage bleiben musste, die leeren Straßen führten zum ersten Mal nach dem Krieg vor Augen, dass die globalen Energiereserven, auf denen der Wohlstand basierte, nicht unerschöpflich waren und das Funktionieren der Wirtschaft weitgehend von importiertem Erdöl abhing. Ökonomen prophezeiten das Ende von Wachstum und Wohlstand. Als Sofortmaßnahmen beschloss die Regierung unter Willy Brandt u. a. ein Tempolimit und vier autofreie Sonntage. 

 

Die erste Ölkrise war eine unmittelbare Folge des Yom-Kippur-Kriegs im Nahen Osten (6.-26.10.1973), in welchem Ägypten und Syrien Israel angegriffen hatten. Die arabischen Staaten, die einen großen Teil des Ölmarkts kontrollierten, entdeckten das Erdöl als Druckmittel gegen die Freunde Israels. Sie kündigten an, die Erdölförderung zu reduzieren. Gegen die USA und die Niederlande wurde ein totaler Lieferboykott verhängt, andere Länder erhielten nur noch 75% der vorherigen Menge, und der Preis für das Öl stieg drastisch. Die westliche Welt stürzte in die größte Krise seit den 1930er-Jahren. 

 Folgen der Ölkrise in Westdeutschland 
der Preis für Rohöl stieg um das Vierfache 
1973 und 1974 stiegen die Verbraucherpreise um 6,9% 
1974 »Nullwachstum« der Wirtschaft 
 Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013 

Sonntag, 27. Oktober 2013

Geschichtsfrage

Womit ging der Arzt William Morton
in die Geschichte der Medizin ein?


Einführung der Äthernarkose
Einführung der Eimalhandschuhe
Entdeckung der Blutgruppen

Samstag, 26. Oktober 2013

Lou Reed – Endless Circle







The bias of the father runs on through the son
Leaving him bothered and bewildered
The drugs in his veins only cause him to spit
At the face staring back in the mirror

Die Neigung des Vaters läuft weiter durch den Sohn
und läßt ihn belästigt und verwirrt zurück
Die Drogen in seinen Adern veranlassen ihn nur zu spucken
Auf das Gesicht, das aus dem Spiegel zurückstarrt

How can he tell a good act from the bad?
He can't even remember his name
How can he do what needs to be done
When he's a follower and not a leader?
Wie kann er eine gute Tat vom Schlechten unterscheiden?
Er kann sich noch nicht mal an seinen Namen erinnern
Wie kann er tun, was getan werden muß
Wenn er ein Gefolgsmann und nicht ein Führer ist?

The sickness of the mother runs on through the girl
Leaving her small and helpless
Liquor flies through her brain with the force of a gun
Leaving her running in circles
Die Krankheit der Mutter läuft weiter durch das Mädchen
und läßt es klein und hilflos zurück
Schnaps fliegt durch ihr Gehirn mit der Kraft eines Gewehrs
und läßt sie im Kreise laufend zurück

How can she tell a good act from the bad
When she's flat on her back in her room?
How can she do what needs to be done
When she's a coward and a bleeder?
Wie kann sie eine gute Tat vom Schlechten unterscheiden ?
Wenn sie in ihrem Zimmer flach auf dem  Rücken liegt?
Wie kann sie tun, was getan werden muß
Wenn sie ein Feigling und ein Ablaßventil ist?

The man if he marries will batter his child
And have endless excuses
The woman sadly will do much the same
Thinking that it's right and it's proper
Der Mann, wenn er heiratet, wird sein Kind verprügeln
Und hat endlose Entschuldigungen
Die Frau wird traurig ziemlich dasselbe tun
Und denken, dass es richtig und sauber ist 

Better than their mommy or their daddy did
Better than the childhood they suffered
The truth is they're happier when they're in pain
In fact, that's why they got married
Besser als es ihre Mami oder ihr Vati getan haben
Besser als die Kindheit, die sie erlitten
Die Wahrheit ist: sie sind glücklicher, wenn sie in Schmerz sind
In Wirklichkeit haben sie deswegen geheiratet



Weil Reed als Jugendlicher mutmaßlich homoerotische Phantasien hatte, rebellierte und aufsässig war, wurde er von seinen Eltern in psychiatrische Behandlung geschickt, bei der er Elektroschocks erhielt. Diese Jugenderlebnisse verarbeitete er in späteren Liedern, unter anderem in Kill Your Sons. Reed beschrieb diese Phase seines Lebens folgendermaßen: „Sie steckten dir was in den Mund und brachten Elektroden an den Kopf und jagten Strom durch deinen Kopf, und anschließend fühltest du dich wie weichgekochtes Gemüse“.[2] (Wikipedia)

Posttraumatische Belastungsstörung bei Kindern und Jungendlichen (Wikipedia)

„Ich habe versucht, von den Drogen loszukommen, indem ich getrunken habe”, sagte Lou Reed 1992. „Das hat nicht geklappt.”

„Ein Dokumentarfilm? Es ist ein Akt der Liebe“ (faz.net)

einige ZEIT-Artikel über Lou Reed:
Lou Reed ist tot
Der Disharmonische
Die "Wild Side" und das Leben danach
mehr


Freitag, 25. Oktober 2013

Geschichtsfrage

Wie nannte der Volksmund jene Dokumente, die einstigen NSFSP-Mitgliedern in der Nachkriegszeit »untadeliges Verhalten« während der Zeit des Regimes bescheinigten?


Arielbillet
Persilschein
Omoausweis

Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Heute vor 50 Jahren – 24. Oktober 1963: Grubenunglück in Lengede

Das Wunder von Lengede 

Heute vor 50 Jahren, am 24. Oktober 1963, brach auf der Eisenerzgrube im niedersächsischen Lengede gegen 20 Uhr ein oberirdischer Klärteich ein. 500.000 m3 Wasser und Schlamm überfluteten in der Folge die Stollen des Schachts Mathilde, in denen 129 Bergleute arbeiteten. In den folgenden Stunden konnten sich 79 von ihnen über Wetterbohrlöcher und Schächte in Sicherheit bringen.



Eine der größten Rettungsaktionen in der Geschichte des Bergbaus lief an, bis zum 2. November gelang die Rettung von zehn weiteren Kumpeln, dann wurden die Arbeiten eingestellt. Niemand glaubte mehr daran, dass es unter Tage noch Überlebende geben könne. Ein Hauer aber ließ nicht locker, verwies auf alte Abbruchstollen und so wurde noch eine Suchbohrung durchgeführt. Ungewollt verlief diese Bohrung schräg statt senkrecht und der Zufall machte das »Wunder von Lengede« möglich: In einer kleinen Höhle hatten elf Bergleute überlebt, die sich nun mit Klopfzeichen bemerkbar machten. Das gesamte technische Gerät wurde wieder zurückbeordert. 14 Tage nach dem Unglück wurden die Verschütteten mit einer Rettungsbombe zurück ans Tageslicht gebracht.

Lebendig begraben: Das Unglück von Lengede (bei NDR)

Was am 24.10. noch geschah:
1147: Nach langer Belagerung erobert ein Kreuzfahrerheer die Stadt Lissabon von den Mauren zurück. (=> Wikipedia-Artikel)
Brockhaus – Abenteuer Geschichte 2013

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Heute vor 30 Jahren – 23. Oktober 1983: Anschlag auf US-Stützpunkt in Beirut

Terrorangriff auf multinationale Militärmission

Zwischen 1975 und 1990 tobte ein erbitterter Bürgerkrieg im Libanon. Zur Eindämmung der Gewalt wurden ab 1982 Kräfte der Multinational Force (MNF) im Land stationiert, an der sich Einheiten aus den USA, Großbritannien, Frankreich und Italien beteiligten. Die arabischen Nationalisten stellten die Neutralität der MNF bald infrage. Als Amerikaner und Franzosen zur Unterstützung der libanesischen Armee im September 1983 Luftschläge gegen schiitische Stellungen flogen, warnten Politiker vor Vergeltungsanschlägen. 
 
Marines der US-Armee auf der Suche nach Opfern,
Beirut, Libanon, Oktober 1983
Heute vor 30 Jahren, am 23. Oktober 1983, durchbrach ein Selbstmordattentäter mit einem Lieferwagen die Absperrungen zum Hauptquartier einer US-Marinedivision am Beiruter Flughafen, raste in die Eingangshalle und zündete die Bombe. Der viergeschossige Betonbau brach unter der Wucht der Explosion zusammen. Nur wenige Sekunden später wurde ein Anschlag auf das Quartier einer französischen Fallschirmjägereinheit verübt. Bei den Attentaten starben 241 amerikanische und 59 französische Soldaten, zudem einige Zivilisten. Wer für die Anschläge verantwortlich war, konnte nicht geklärt werden. Sowohl die Hisbollah als auch der Iran und Syrien bestritten jegliche Beteiligung. 


Hisbollah
arabisch für »Partei Gottes«
Zusammenschluss schiitischer Gruppen 
ab 1982 in vielen Staaten als Terrororganisation eingestuft 
 Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013