Donnerstag, 15. Oktober 2015

Heute vor 222 Jahren – 15. Oktober 1793: Marie Antoinette zum Tode verurteilt

Ein Ende mit Schrecken

»Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen« - auf die Hungerprobleme der französischen Bevölkerung angesprochen, soll die französische Königin Marie Antoinette (1755-1793) diese »Empfehlung« ausgesprochen haben. Ihr Zynismus sollte bald wie ein Bumerang auf sie zurückkommen und sie den Kopf kosten: Als das französische Volk sein Leid nicht länger erdulden wollte und die Revolution in Gang brachte, mit der die Neuzeit begann, war ihm die mitleidslose und für ihre Verschwendungssucht bekannte Königin von Beginn an ein Dorn im Auge. 
Hinrichtung Marie Antoinettes auf der Guillotine in Paris, 16. Oktober 1793, Kupferstich, um 1795

Am 14. Oktober 1793 begann der Prozess gegen Marie Antoinette vor dem Revolutionstribunal. Die Prozessakte umfasste Hunderte Seiten und formulierte die Anschuldigung, gegen Frankreich konspiriert zu haben. Außerdem bezichtigte sie ihr ärgster Gegenspieler, der ultrarevolutionäre Jacques-Rene Hebert, des Inzests mit ihrem Sohn. Trotz fehlender Beweise für diese Anschuldigungen wurde Marie Antoinette am 15. Oktober 1793 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und einen Tag später auf der Place de la Concorde enthauptet. Ihren Leichnam warf man in ein Massengrab. 22 Jahre später errichtete König Ludwig XVIII. in der Kathedrale von St. Denis ein Grab und ein Denkmal für Marie Antoinette. 

Was am 15. Oktober noch geschah: 
1940: Der Chaplin-Film »Der große Diktator« feiert Premiere. 

Harenberg - Abenteuer Geschichte 2015 

Geheimnisse der Geschichte - Reportage über Marie Antoinette [43:07]

Veröffentlicht am 15.04.2013
Marie Antoinette (* 2. November 1755 in Wien; † 16. Oktober 1793 in Paris) war als Maria Antonia Josepha Johanna Erzherzogin von Österreich sowie Prinzessin von Ungarn, Böhmen, der Toskana usw. bekannt und entstammte dem Haus Habsburg-Lothringen. Durch ihre Heirat mit Ludwig XVI. wurde sie zunächst Dauphine und später Königin von Frankreich und Navarra. Sie gilt als eine der schillerndsten Figuren während der Französischen Revolution und teilte neun Monate nach ihrem Gemahl dessen Schicksal auf dem Schafott.

Charles Chaplin - Grosser Diktator - Best of (deutsch) [9:48]

Hochgeladen am 04.06.2011
Charles Chaplin bekannte Rede als Diktator + Abschlußrede

siehe dazu auch:
- 1940: Hynkels Ballett (Andreas Busche, der Freitag, 21.10.2015)

Sex-Arbeiterinnen gehen in Paris auf die Straße

Die Sex-Arbeiterinnen demonstrieren auf den Straßen in Paris. Denn die Regierung plant ein neues Gesetz. Demnach sollen künftig nicht mehr Prostituierte bestraften werden, sondern die Freier, doch das birgt Probleme.
mehr:

Wie rechts ist Deutschland?

Zwischen offenen Grenzen und geistiger Abschottung: Die "Bunte Republik Deutschland" in der existentiellen Situation
"Faule Griechen" oder "nette Nachbarn", Willkommenskultur oder Briefe gegen eine Politik der offenen Grenzen, Rassismus und Pegida, brennende Flüchtlingsheime oder Multikulti, "gefühlter Hippie-Staat" und Angela Merkels "Wir schaffen das" - Deutschland bietet derzeit ein schillerndes Bild, großes politisches Theater und überrascht den Rest Europas. Mehr denn je ist die Bundesrepublik Deutschland auch ein "Bunte Republik".

Der CSU geht es schlecht. Zu Franz Josef Strauß' Zeiten noch Avantgarde eines demokratischen Rechtskonservatismus ist die Partei, die Bayern als eine Art deutsches Texas wiedererfunden hat, längst zur dessen Schrumpfversion im Niemandsland zwischen regionalistischer Traditionsverwahrung und Rechtspopulismus mutiert.

Den deutschen Rechten geht es auch schlecht. Den Radikalen sowieso, auch die AfD ist eine traurige Schrumpfversion einstiger REP- und NPD-Erfolge und hat sich auch noch auf dem Höhepunkt ihrer Umfrageerfolge gespalten. Der siegreiche Extemistenflügel wird jetzt beherrscht von Frauke Petry, die erkennbar gern zur deutschen Marine Le Pen werden würde. Dafür fehlen ihr aber Charisma, Themen und Wähler. Allein wenn man per Pressemitteilung irgendwelche Klagen gegen die Regierung wegen "Schleuser-Tätigkeiten" ankündigt, langt es nochmal für eine Meldung auf Spiegel-Online.

Und ansonsten? Nur die vier Musketiere Botho Strauß, Rüdiger Safranski, Martin Mosebach und Jan Fleischhauer hissen seit Jahren die schwarzbraune Flagge. Jasper von Altenbockum verwandelt sie dann noch einmal pro Woche in einen FAZ-Leitartikel, für den er dann von emeritierten Volkswirtschaftlern oder CSU-Beratern per Leserbrief als "mentaler Rettungsanker" gewürdigt wird. Wer keinen anderen intellektuellen Beistand hat, um den muss es schlecht stehen.

mehr:
- Wie rechts ist Deutschland? (Rüdiger Suchsland, Telepolis, 11.10.2015)

Glauben die Intellektuellen wirklich, diesen Strömungen am besten dadurch gerecht zu werden, daß man sie ignoriert oder lächerlich macht. Was sich da in der Beölkerung zusammenbraut, muß irgendwie kanalisiert werden, sonst wandert es in den Untergrund ab. Und wenn das Scheißhaus explodiert, wundern sich alle und sagen: Das konnten wir nicht vorhersehen.

siehe dazu:
- Sloterdijk wirft Sarrazin-Kritikern Opportunismus vor (Die Welt, 20.10.2009)
- ?Ein Käfig voller Feiglinge? (Peter Sloterdijk, Cicero, 21.10.2009)
Weil er so unvorsichtig war, auf die unleugbar vorhandende Integrationsscheu gewisser türkischer und arabischer Milieus in Berlin hinzuweisen, ging die ganze Szene der deutschen Berufsempörer auf die Barrikaden, um ihm zu signalisieren: Solche Deutlichkeiten sind unerwünscht. Man möchte meinen, die deutsche Meinungs-Besitzer-Szene habe sich in einen Käfig voller Feiglinge verwandelt, die gegen jede Abweichung von den Käfigstandards keifen und hetzen. Sobald einmal ein scharfes Wort aus einem anderen Narrenkäfig laut wird, bricht auf der Stelle eine abgekartete Gruppendynamik los.
siehe auch:
- „Die Staaten verpfänden die Luft und Banken atmen tief durch“ (Interview mit Peter Sloterdijk, Handelsblatt, 17.12.2011)
»Im frühen 16. Jahrhundert hat sich ein exemplarischer Vorgang abgespielt: Jakob Fugger, der Reiche, hat sich die Tiroler Silberbergwerke vom Landesfürsten als Sicherheit geben lassen, während ein ungeschickter Verwandter aus der Linie der Fugger vom Reh die Stadt Lüttich als Pfand akzeptierte, wobei er eines morgens feststellte, dass eine Stadt kein Pfand sein kann, weil sie nicht zwangsvollstreckbar ist. Man braucht beim Glauben Pfandklugheit.« […]
Die kollektive Demoralisierung ist schlimmer als eine vorübergehende Rezession jemals sein kann. Rezessionen haben wenigstens eine begleitende Tugend, nämlich dass sie den Sinn für Maßverhältnisse wieder einüben. Nicht Maßhalten im Sinne von Den-Gürtel-enger-Schnallen, sondern Maß nehmen im Sinne von Das-Gefühl-für-die-Proportion-nicht-Verlieren. Seit Jahrzehnten leben wir in einer gespenstischen Atmosphäre, in der ständig verrückt machende Doppelbotschaften auf die Menschen einprasseln: Sie sollen zugleich sparen und verschwenden, sie sollen zugleich riskieren und solide wirtschaften, sie sollen hoch spekulieren und mit den Füßen auf dem Boden bleiben. Auf die Dauer führt das zu einer absoluten Zermürbung. Derselbe demoralisierende Effekt geht auch von der Tatsache aus, dass die leistungslosen Einkommen rasend schnell wachsen. Das vergiftet die jungen Leute, weil sie anfangen, sich in Scheinkarrieren hineinzuträumen. Das Ganze hat einen hässlichen psychologischen Namen: der Traum von der Überbelohnung. Viele stehen am Morgen auf und wollen schon die Höchstprämie haben. Der innere Millionär ist in allen geweckt. Er ist nur noch nicht kongruent mit der real existierenden Person. […]
Ich glaube, der Staat hat mit seinem Zentralbankwahn in den letzten 20 Jahren kapitale Fehler gemacht, und jetzt, da man die Folgen der Fehler sieht, will er sie beheben, indem er die Fehler in noch größerem Maßstab wiederholt. Man muss ja nur die Ergebnisse dieses Flutens der Märkte einigermaßen aufmerksam studieren. Das Resultat ist, dass dieses Geld ja zum allergrößten Teil, zu etwa 80 bis 90 Prozent, nicht in die reale Wirtschaft geht, sondern in die Finanzspekulation. Wir haben es also mit rein technischen Zentralbankfehlern zu tun, was man durch Lektüre des Buchs „Lombard Street“ von Walter Bagehot, das dort auf meinem Schreibtisch liegt, leicht in Erfahrung bringen kann. Es sind die Zentralbankfehler, die der Spekulation Tür und Tor geöffnet haben. Ich glaube deswegen auch kein Wort von dieser Gierpsychologie, die im Augenblick so gesellschaftsfähig ist. Natürlich gibt es einen Haben-wollen-Reflex in den Menschen, vor allem in der Form von Auch-Haben. Es gibt den Sammeltrieb bei den Frauen und die Beuteerwartung bei den Männern, und in unserem hermaphroditischen Zeitalter gehen beide Aneignungsreflexe ständig durcheinander. Aber wer hat denn das leichte Geld so hingelegt, dass jeder Passant ein Idiot sein müsste, der es nicht mitnimmt? Es sind letztlich die Zentralbanker gewesen, die die Spekulation ermöglicht haben. […]

Man muss die Möglichkeit der Realwirtschaft, an Kredite zu kommen, abkoppeln von der spekulativen Zwischenwelt der Geschäftsbanken, der Fonds und ähnlicher Einrichtungen. Das heißt also: Wenn schon der Staat sich als „lender of last resort“ nützlich machen will, dann soll er im Notfall Abkürzungen für die echten Kreditsucher in der Wirtschaft anbieten, statt acht Zehntel des klugen Geldes zu Niedrigstzinsen den Spekulanten nachzuwerfen. Einen solchen Shortcut zwischen der Bank höchster Instanz und der Realwirtschaft müsste man mal ausprobieren, dafür haben wir ja schlaue Institutionendesigner, die von solchen Dingen etwas verstehen. Das wäre eine einfache Maßnahme, um die zu mächtig gewordene Finanzmarktbranche systemimmanent in ihre Grenzen zu weisen. […]

Die Wirtschaftswissenschaft macht auf mich den Eindruck einer Disziplin, die ihre Grundlagen verloren hat. Die ganze Fakultät ist in einem desolaten Zustand. Man bekommt mehr und mehr das Gefühl, die Theorien als solche sind sich selbst wahrmachende Fiktionen, die man an keinem äußeren Maßstab festmachen kann. Für den Erkenntnistheoretiker ist das keine ganz neue Beobachtung. Niklas Luhmann hat schon vor 20 Jahren statuiert: Gute Theorie ist wie Instrumentenflug über einer geschlossenen Wolkendecke. Sichtflug ist nur für Amateure, der Durchblick bis auf den Grund ist für den Sozialwissenschaftler immer schädlich, weil er den Einflüsterungen seiner Subjektivität und Sentimentalität erliegt.
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ich frage mich:
Wer hat sich so’n Scheiß ausgedacht?


Deutsche Presse im Propaganda-Taumel

Frühere Moskau-Korrespondentin wirft deutschen Medien permanente Dämonisierung Russlands vor 

Die frühere ARD-Osteuropakorrespondentin Gabriele-Krone Schmalz hat bei einer Buchvorstellung in Hannover vor demokratieschädigenden Tendenzen in der deutschen Medienlandschaft gewarnt. Andere als extrem russlandkritische Positionen kämen dort kaum vor. Sie warb für eine verstehende Haltung gegenüber Russland und forderte professionelleren Journalismus hierzulande.
Der Unterschied zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung sei inzwischen so groß, dass sie sich ernsthaft Sorgen um das demokratische System in Deutschland mache, erklärte Krone-Schmalz. Aus dem Publikum der ausverkauften Lesung in der Buchhandlung Decius erntete sie am gestrigen Mittwochabend dafür durchgängig verbale Zustimmung und breiten Applaus.

Immer mehr Menschen fänden sich in der hiesigen vorgeblich "pluralistischen Presselandschaft" nicht mehr wieder, kritisierte die Journalistin. Dies führe zu Enttäuschung und stärke Extremisten. "Wenn das so bleibt, können wir unser System bald im Museum betrachten." Krone-Schmalz kritisierte vor allem die Berichterstattung über internationale Themen.

mehr:
- Krone-Schmalz kritisiert mangelnde Pressefreiheit in Deutschland (Stefan Korinth, Telepolis, 15.10.2015)

Russlandexpertin Gabriele Krone-Schmalz | alpha-Forum | ARD-alpha [43:35]

Veröffentlicht am 06.10.2015
Sie berichtete als erste Frau für die ARD aus Moskau. Seit 2000 ist sie Mitglied des Lenkungsausschusses im "Petersburger Dialog". 2015 erschien ihr Buch "Russland verstehen. Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens"
Bayerischer Rundfunk: http://www.br.de
»[…], dann darf es keine solche Kluft zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung geben, sonst läuft das irgendwann vor die Wand« [ab 21:45]

Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz zu Gast bei L.I.S.A. [50:55]
Einbetten auf Anfrage deaktiviert
Veröffentlicht am 13.10.2015
Kaum ein anderes außenpolitisches Thema hat in den vergangenen Jahren in Deutschland so stark polarisiert wie der Ukraine-Konflikt. Dabei sind es weniger einzelne Zeitungen, Radiostationen oder Fernsehanstalten, die bei diesem Thema um Meinungsführerschaft untereinander ringen. Es stehen sich vielmehr Medienkonsumenten und Medienschaffende gegenüber. In den Online-Kommentarspalten von Print, Funk und Fernsehen wird den Medien in toto vorgeworfen, sie berichteten einseitig, manipulierten und schafften antirussische Stimmung. Die frühere ARD-Moskau-Korrespondentin und Publizistin Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz hat Verständnis für Teile dieser Kritik und gibt in ihrem aktuellen Buch "Russland verstehen" diesem Aspekt breiten Raum. Wir haben das zum Anlass genommen, ihr dazu sowie zum Verhältnis von Nachricht und Kommentar in der heutigen medialen Berichterstattung unsere Fragen zu stellen.
- Alles richtig gemacht (Sabine Schiffer, 14.07.2014)
- Propagandakrieg in den Öffentlich-Rechtlichen (Post, 14.10.2015)

Kommt neue linke Hoffnung aus Großbritannien und den USA?

Jeremy Corbyn, Bernie Sanders und zuvor Syriza: Kritik an einer Linken, die sich Veränderungen immer nur aus dem Ausland erhofft
Seltsam fern scheinen heute die Tage im Juni und Juli dieses Jahres, als sich die griechische Syriza-Regierung noch nicht dem Diktat von "Deutsch-Europa" gebeugt und ihren Kurs mittels Referendum hat bestätigten lassen. In jenen Tagen hatten in ganz Europa vor allem junge Menschen die Gewalt erkannt, die hinter der offiziellen Propaganda von Demokratie und Freiheit wirkt, wenn genau diese Begriffe einmal ernst genommen werden.

Das Nein der griechischen Bevölkerung hat selbst bei Menschen in Deutschland die Ahnung entstehen lassen, dass eine andere Gesellschaft möglich ist. Die Bewegung war speziell hierzulande, aber auch in ganz Europa zu schwach, um den griechischen Widerspruch gegen das europäische Diktat zu unterstützen. Mit der griechischen Unterwerfung, die vielerorts als Putsch wahrgenommen wird, schien die Hoffnung schon wieder vorbei.

Doch diejenigen, die im Sommer 2015 politisiert wurden und die Hoffnung hegten, von Griechenland könne ein Signal für ein anderes Europa ausgehen, sind weiter dabei zu lernen und zu überlegen, wie es das nächste Mal besser laufen könnte. Am vergangenen Dienstag war mit Janis Varoufakis ein Mann zur Berliner Volksbühne gekommen, der monatelang im Fokus der Öffentlichkeit stand, weil er als griechischer Verhandlungsführer mit den EU-Gremien die ökonomischen Argumente hinter sich hatte, was ihm auch vielfach bestätigt wurde.

mehr:
- Kommt neue linke Hoffnung aus Großbritannien und den USA? (Peter Nowak, Telepolis, 11.10.2015)

mein Kommentar: ist eine andere Gesellschaft möglich? Oder heißt »links« einfach nur: über seine Verhältnisse leben?
Das Problem auf der Welt sind meiner Meinung nach weder Freiheit und Demokratie noch kommunistisches oder kapitalistisches Wirtschaftssystem, das Problem auf der Welt sind die gierigen Oligarchen … und die hat es schon immer gegeben. Die Frage, die sich in jeder Gesellschaft stellt, lautet, wie schafft es ein Gemeinwesen, mit der gierigen Wirtschaftsclique umzugehen? und die andere Frage: Wie schafft es ein Gemeinwesen, mit der Masse an Bild-Lesern umzugehen, mit den Konsumenten der »Dschungel-Camps«, mit den »Big Brother«-Konsumenten?
Welche Leute schauen sich sowas an:
- Brutalstmöglich - Containerformat aus Japan

Reality-TV-Extrem in Japan: Die Leiden des Nasubi | ZAPP | NDR [7:56]

Veröffentlicht am 15.10.2015
"Susunu! Denpa Shōnen" startete als verrückte Reality-TV-Show und endete als Menschenexperiment. Über ein Jahr lebte der japanische Comedian Nasubi allein und nackt in einem Zimmer. Seine Nahrung musste er sich erspielen. Unter den Folgen der erniedrigenden Show, bei der er sich wochenlang von Reis und Hundefutter ernähren musste, leidet er noch heute.

Mehr zu dem Thema gibt's auf der Beitragsseite: http://www.ndr.de/nasubi100.html

Syrienkonflikt: Putin über die Verweigerung der USA verärgert

Russlands Präsident Putin hat sich über die USA beschwert: Washington gebe im Syrienkonflikt wichtige Infos nicht heraus - werfe Moskau aber eine falsche Zielauswahl vor. Er spricht von "Grütze im Kopf".

Die russische Luftwaffe fliegt weiter Angriffe in Syrien - gleichzeitig fordert Präsident Wladimir Putin in Moskau eine politische Lösung für das Bürgerkriegsland. Allerdings sieht er bei den USA mangelnde Kooperationsbereitschaft. "Ich glaube, einige unserer Partner haben einfach Grütze im Kopf", sagte Putin am Dienstag.

Der Präsident berichtete, Russland habe die USA zunächst um eine Liste von Angriffszielen gebeten. Dies hätten die USA abgelehnt. "Dann haben wir noch mal nachgedacht und eine andere Frage gestellt: Dann sagt uns, wo wir nicht angreifen sollen." Auch darauf habe Moskau keine Antwort aus Washington erhalten.
"Wenn wir nicht nur einfach schießen oder Raketentreffer landen wollen, sondern eine politische Lösung finden wollen, dann sollten wir die Kräfte innerhalb des Landes zur Zusammenarbeit mit anderen Kräften auf dem Territorium Syriens bringen", sagte Putin. Dazu solle jede ausländische Macht auf diejenigen Syrer einwirken, auf die sie Einfluss habe.

Militärs beider Länder hatten sich bei einer Videokonferenz am Sonntag nur über Maßnahmen geeinigt, um Zwischenfälle im Luftraum über Syrien zu vermeiden. Eine US-geführte Koalition fliegt seit 2014 Luftangriffe gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien.

mehr:
- Syrienkonflikt: "Einige unserer Partner haben einfach Grütze im Kopf" (SPON, 13.10.2015)

siehe auch:
- „Deutschland steckt in einem Dilemma“ (Peter Scholl-Latour im Interview, Focus Online, 07.09.2013)
»Bisher gibt es keinerlei Beweise dafür, dass Assad Gas eingesetzt hat. Wohlgemerkt: Ich will das nicht ausschließen, aber bewiesen ist gar nichts. Giftgas könnten auch die Rebellen eingesetzt haben. Man muss ja immer fragen: Cui bono – also: Wem nützt es? Und momentan hätte Assad keinerlei Nutzen von einem Giftgas-Einsatz. Militärisch sind die Regierungstruppen derzeit im Vorteil. Warum sollte Assad eine „rote Linie“ überschreiten und einen Anlass für eine Intervention liefern? Ich kenne Assad persönlich: Er mag vieles sein, aber dumm ist er gewiss nicht.« […]

»Russland hat ein sehr enges Verhältnis zu Syrien und verfolgt dort auch eigene Interessen. Und die sind ja auch berechtigt: Das Land liegt ja viel näher an Russland als an den USA, und Russland will natürlich stabile Verhältnisse vor seiner Haustür. Schon heute sickern doch zahlreiche Salafisten nach Russland ein und sorgen dort für Unruhe – ein Problem, auf das übrigens auch Deutschland mehr achten sollte.«
- Peter Scholl-Latour zur Lage in Syrien "Assad wäre das kleinere Übel" (Interview mit Peter Scholl-Latour, Domradio, 21.01.2014)
»Ich kann das ganze Gerede von mehr Demokratie für den arabischen Raum nicht mehr hören. In der arabischen Staatenwelt gibt es wohl nur die Wahl zwischen einem islamischen Gottesstaat oder eine Militärdiktatur. Mir ist bei solchen Debatten zu viel Heuchelei im Spiel. Einer der wichtigsten deutschen Handelspartner im Nahen Osten ist Saudi-Arabien. Unter den Gesichtspunkten von Demokratie und Menschenrechten eine überaus schändliche Politik. Aber das scheint niemanden zu kümmern.«

Syrien war der einzige säkulare Staat in der arabischen Welt, und wir haben ihn kaputtgemacht. An der Grenze zwischen Syrien und Israel hat es seit dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 keinen Zwischenfall mehr gegeben. Wenn da aber erstmal radikale Islamisten stehen, dürfte es für Israel ungemütlich werden.
- Scholl-Latour: Iran könnte ISIS im Irak angreifen (Peter Scholl-Latour im Interview, Merkur, 10.03.2015)
Der Westen und auch die Türkei haben den Wahnsinn begangen, vorschnell die Aufständischen in Syrien zu unterstützen. Die Amerikaner wollten die relativ liberale Freie syrische Armee aufrüsten. Sie bedachten nicht, dass islamistischere Kräfte, die ihre Kampferfahrung auch in Afghanistan und im Kaukasus gesammelt hatten, diese „Freie Armee“ an die Wand drücken und ihr die Waffen abnehmen könnte. Wir erleben das jetzt wieder in Mossul, wo von den USA an die irakische Regierungsarmee gelieferte Waffen nun den Dschihadisten in die Arme fallen.

Woher kommen die Kämpfer des Isis?
Scholl-Latour: Al Bagdadi verfügt über etwa 15.000 Männer, von denen nur ein geringer Teil aus dem Irak und aus Syrien stammt. Es handelt sich überwiegend um zugewanderte Dschihadisten aus dem Kaukasus, aus Ägypten, Pakistan und vielen anderen Ländern der arabischen Welt. Auch aus Saudi-Arabien, das mit vielen dieser radikalen Gruppen konform geht und mehrfach verhindert hat, dass moderatere Formen des Islam zum Zuge kommen.

Wer finanziert die Isis-Terroristen?
Scholl-Latour: Die Emirate am Persischen Golf und die Petro-Staaten, die ja vom Westen so sehr gehätschelt werden.
- Warum der Westen im Nahen Osten immer scheitert (Wolfgang Schneider über Peter Scholl-Latours letztes Buch »Der Fluch der bösen Tat«, Die Welt, 23.10.2014)
Selbst im hohen Alter keine Beschwerlichkeit der Reise scheuend, trifft er sich in Hinterzimmern mit Militärs (übergelaufen), Geheimdienstlern (pensioniert), Konsuln (in Ungnade gefallen) und anderen inoffiziellen Wahrheitsquellen jenseits der "angelsächsischen Desinformationskampagnen".

"Noch herrscht Ruhe in Baschkortostan" – das ist dieser schicksalsdräuende Scholl-Latour-Sound, der in theorieverliebten Zeiten auf viele so unzeitgemäß wirkte und heute aktueller erscheint denn je, wo sich die Büchsen der Pandora dutzendfach öffnen und der Glauben an den gelingenden Export unserer demokratischen Prinzipien stündlich schwindet. Überlegenheit westlicher Werte?

Seit je eine Spottmelodie für Scholl-Latour, der sich am Ende durch die Wiederkehr des siebten Jahrhunderts in Gestalt des modernen Gotteskriegertums bestätigt fühlen durfte in seinen düsteren Prophezeiungen. Wie kaum ein anderer Welterklärer hat er die religiösen Antriebskräfte und die mythischen Abgründe der "Völkerseelen" in Rechnung gestellt.

Die Vereinigten Staaten dagegen hätten seit dem Zweiten Weltkrieg nur noch Rückschläge und Blamagen erlitten, von Korea bis Syrien, wo erst der "Stellvertreterkrieg" den "Horden des islamischen Terrorismus" den Zugang zum Nahen und Mittleren Osten eröffnete. Angesichts des IS-Terrors drohe der zum Abschuss freigegebene Assad unversehens wieder zum Hoffnungsträger zu werden.

Die Amerikaner verfügten zwar über eine perfektionierte Überwachungstechnologie, seien aber unfähig, aus ihrer Omnipräsenz und Allwissenheit auch nur halbwegs gültige Analysen und Synthesen zu entwickeln. Es fehle an "psychologischem Einfühlungsvermögen" in die Mentalität und die Wertvorstellungen fremder Kulturen – eben an einer gehörigen Portion Scholl-Latour.

Er mischt politische Analyse und persönlich erlebte Anekdoten, trägt viel Lokalkolorit auf, erzählt die wechselvolle Geschichte der Türkei und des Osmanischen Reiches, rekapituliert die Chronik der Verschwörungen in Ägypten, Syrien, Libyen und dem Iran und spart zwischendrin nicht an weltgeschichtlichen Betrachtungen in gemeißelten Formulierungen – viel Hintergrundwissen zu den aktuellen Gemetzeln.

Seine Empörung gilt der Türkei

Mit voller Zustimmung Ankaras werden "unter Missachtung der elementarsten internationalen Vereinbarungen" die Waffenarsenale der Salafisten über die türkisch-syrische Grenze in die Kampfgebiete geschleust. Im Vorwort nimmt sich Scholl-Latour außerdem die Freiheit, das "Scheitern des Westens" auch in der Ukraine-Frage harsch zu kommentieren.

Mit offenen Karten - Syrien: Die Ursprünge der Krise (1/2) [12:06]

Veröffentlicht am 16.09.2012

MIT OFFENEN KARTEN - Syrien: Regionale Auswirkungen der Krise (2/2) [11:50]

Veröffentlicht am 22.09.2012
MIT OFFENEN KARTEN - Syrien: Die Ursprünge der Krise (1/2)  

Putin: USA weigern sich, uns die IS-Ziele für Luftschläge in Syrien zu geben [1:14]

Veröffentlicht am 12.10.2015
Russischer Staatspräsident Wladimir Putin sagte im Interview, die USA und ihre westlichen Partner weigern sich, Russland die Orte der IS-Stellungen in Syrien zu nennen, obwohl sie Russland beschuldigen, Russland bombardiere nicht den IS, sondern die "moderaten Rebellen". 11 Oktober 2015. Ein Ausschnitt.

Assad-Interview komplett: "Syrien ist im völligen Kriegszustand mit dem Terrorismus" [40:19]

Veröffentlicht am 22.09.2015
In einem Interview, das Bashar al-Assad kürzlich russischen Medien, darunter RT, gab hat sich der syrische Präsident zur globalen und regionalen Bedrohung durch den Terrorismus geäußert, sowie den Bedarf einer vereinten Front gegen den Dschihadismus angesprochen. Auch sprach al-Assad über westliche Propaganda, die Flüchtlingskrise und Wege, wie man Frieden in sein vom Krieg gezeichnetes Land bringen kann. RT Deutsch präsentiert das Interview in voller Länge und deutscher Übersetzung. 
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General a.D. Harald Kujat und Gabriele Krone-Schmalz über Syrien-Konflikt [31:46]

Veröffentlicht am 15.02.2016
Der Krieg ijn Syrien spitzt sich zu. Die syrischen Regierungstruppen umzingeln mit der militärischen Hilfe Russlands Aleppo und den sogenannten Rebellen droht eine Niederlage. Aber-Tausenden von "Rebellen" befinden sich in Aleppo. General a.D. Harald Kujat und Gabriele Krone-Schmalz sprechen darüber bei Anne Will.

siehe auch:
- Syrien: Assad ist das kleinere Übel (Heinz Theisen, Cicero, 14.10.2015)
Die späte Einsicht etwa von Angela Merkel, dass um des Friedens willen mit den Machtakteuren wie dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verhandelt werden muss, kommt mehr als 250.000 Tote zu spät. Schon 2012 waren Verhandlungen mit dem Ziel einer Übergangsregierung angesetzt gewesen, aber Barack Obama und Hillary Clinton wollten nicht „mit dem Diktator“ reden, eine angesichts der sonstigen Freundschaften der USA im Nahen Osten tragikomische Doppelmoral.

In Syrien bevorzugen manche Minderheiten Assad

Angesichts der vielen ethnischen und religiösen Minderheiten in Syrien – der Kurden, Armenier, Assyrer, Jesiden, Drusen, Alawiten, Christen und Schiiten – würde eine Demokratisierung wie in Afghanistan, Irak und Libyen dauerhafte Anarchie und Islamismus bedeuten. Manchen Minderheiten Syriens war die Unterdrückung durch das säkulare Assad-Regime immer noch lieber als die durch totalitäre Islamisten, die ein positives Bekenntnis zu ihrer Glaubenslehre verlangen.

Bei „Realpolitik“ handelt es sich um einen Begriff aus dem 19. Jahrhundert, als sich die Liberalen nach der gescheiterten Revolution 1848 mit den Machtverhältnissen der Preußen arrangierten. Das Wort ist heute in den angelsächsischen Sprachgebrauch übergegangen und gewinnt nach den strategischen Verirrungen des Westens neue Bedeutung.

Die Unterscheidung zwischen kleineren und größeren Übeln gehört zum Minimum jeder Realitätsbewältigung. In der westlichen Außenpolitik ist diese Kunst durch den überbordenden unilateralen Machtanspruch und durch den moralischen Imperialismus verloren gegangen. Beide vereinen sich zu einem politischen Universalismus, dessen tiefere Ursachen in einem Säkularisierungsprozess zu verorten sind, der im Westen die Politik immer von neuem zur Ersatzreligion zu machen droht.

Der Zwei-Fronten-Krieg der USA

Hinter dem westlichen Universalismus verbirgt sich sowohl die Verabsolutierung weltlicher Machtziele als auch des christlichen Liebesuniversalismus, allerdings in einer profanierten, verkitschten Form ohne Erbsünde, ohne irdisches Jammertal. Solche Direktübertragungen des Himmels auf die Erde gehen immer schlecht aus, weil sie Absolutes mit Relativem und Unendliches mit Endlichem verwechseln. […]

Autoritäre Regime sind als kleinere Übel gegenüber totalitären islamistischen Bewegungen in Ruhe zu lassen. Auch zwischen der EU und Russland wäre eine Partnerschaft möglich: Sofern Moskau dem derzeitigen Waffenstillstand in der Ostukraine Dauer verleiht, sollten beide Seiten gegen den Islamismus kämpfen.

Die Legitimität nichtdemokratischer Mächte leitet sich in einer aus den Fugen geratenden Welt zunehmend aus der Stabilität selbst ab. Dies gilt auch für Mächte wie Iran oder China. Die Anerkennung dieser Legitimation durch den Westen würde den Übergang von der scheiternden unipolar-westlichen zur multipolaren Weltordnung ermöglichen.

Die Reihenfolge zwischen Realismus und Idealismus sollte daher in Zukunft lauten: erst Stabilität, dann Entwicklung.
(Hervorhebung von mir)
(Heinz Theisen ist Lehrstuhlinhaber für Politikwissenschaften einschließlich Sozialpolitik an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen Köln. Seit 2005 ist er Gastprofessor an der Universität Bethlehem. 2015 erschien sein Buch „Der Westen und sein Naher Osten. Vom Kampf der Kulturen zum Kampf um die Zivilisation“ bei Reinbek ) 

Großbritannien: Abgeordnete dürfen überwacht werden

Seit Jahrzehnten haben sich britische Parlamentarier auf eine Zusage des Premiers verlassen, derzufolge sie nicht überwacht werden. Diese Zusage ist jedoch gar nicht gültig, hat das zuständige Gericht nun ganz überraschend geurteilt.

Die private Kommunikation von britischen Abgeordneten ist, anders als seit Jahrzehnten angenommen, juristisch nicht vor Überwachung geschützt. Zu diesem überraschenden Schluss ist das für die Geheimdienstaufsicht zuständige Gericht IPT (Investigatory Powers Tribunal) gekommen, berichtet der Guardian. Eine diesbezügliche, vor Jahrzehnten formulierte Doktrin sei im englischen Recht nicht anwendbar, habe das Gericht geurteilt. In der Entscheidung ging es nicht darum, ob die Kommunikation der Parlamentarier tatsächlich überwacht wird, sondern nur, ob das juristisch verboten wäre.

Jahrzehntealte Doktrin ungültig

Zu prüfen hatte das IPT demnach die sogenannte Wilson-Doktrin. So heißt eine 1966 von Premierminister Harald Wilson gegebene Zusicherung, dass die Telefone der Abgeordneten des Ober- und des Unterhauses nicht abgehört werden. Wilson hatte jedoch ergänzt, dass das widerrufen werden könnte. Darüber müsste das Parlament dann nicht sofort informiert werden. In der Folge wurde diese Doktrin trotzdem als gültig anerkannt und 1997 von Premier Tony Blair auf elektronische Kommunikation wie E-Mails erweitert. Erst am Montag habe Innenministerin Theresa May Abgeordneten zugesichert, dass die Wison-Doktrin weiterhin gelte.

Dem hat das IPT nun widersprochen und Wilsons Zusage als "politisches Statement in einem politischem Zusammenhang" bezeichnet, inklusive der damit "zuweilen verbundenen Zweideutigkeit". Die Kommunikation von Parlamentariern sei nicht stärker geschützt als die aller Bürger. Anders als Journalisten und Anwälte seien Abgeordnete in dieser Beziehung vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte nicht gesondert geschützt. An dieser Stelle spekuliert der Guardian wie die Abgeordneten auf solch ein Nein zu parlamentarischen Privilegien reagieren würden, wäre es aus Straßburg selbst gekommen.
mehr:
- Großbritannien: Abgeordnete dürfen überwacht werden (Martin Holland, heise News, 14.10.2015)

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Westen soll 2012 russischen Syrien-Friedensplan ohne Assad ignoriert haben

UN-Diplomat Martti Ahtisaari hält die aktuelle Katastrophe für "selbstgemacht"
Dem ehemaligen finnischen Präsidenten Martti Ahtisaari zufolge ignorierte der Westen vor drei Jahren einen russischen Friedensplan für Syrien, der einen Rücktritt des syrischen Staatspräsidenten Baschar al-Assad vorsah. Trifft der Vorwurf zu, wäre das insofern bemerkenswert, als der Alawit von westlichen Politikern immer wieder als Haupthindernis für eine mit Russland abgestimmte Anti-Terror-Politik im Nahen Osten präsentiert wurde.
Wäre der russische Friedensplan damals umgesetzt worden, dann hätte das Ahtisaari nach dazu geführt, dass sich die erst 2013 erstarkte Terrororganisation islamischer Staat (IS) kein Kalifat erobern hätte können - und dass nicht Millionen syrischer und irakischer Christen, Jeziden, Kurden, Alawiten, Drusen, Schiiten und säkulare Sunniten ins Ausland oder in den noch von der Regierung kontrollierten Westen Syriens geflüchtet wären. Von den Geköpften, Verbrannten und auf andere Weisen Ermordeten ganz zu schweigen.

Auch die ähnlich gefährliche al-Nusra-Front und ihre Verbündeten würden heute wahrscheinlich nicht praktisch die komplette Provinz Idlib, den Westen der Provinz Aleppo[1], über die Hälfte der Provinzen Dar'a und Quneitra sowie größere Gebiete in den Provinzen Hama, Homs, Damaskus und Latakia beherrschen, wenn sie es mit einer syrischen Armee zu tun gehabt hätten, die nicht nur von Russland und dem Iran, sondern auch von der NATO unterstützt worden wäre.

mehr:
- Westen soll 2012 russischen Syrien-Friedensplan ohne Assad ignoriert haben (Peter Mühlbauer, Telepolis, 16.09.2015)
- UN-Friedensplan für Syrien angemahnt – Risse in Russlands Bündnis mit Assad? (taz, 15.06.2012)
- Ein "Friedensplan" für Syrien (Die Welt, 14.02.2013)
- Friedensplan für Syrien: Russland geht auf Distanz zu Assad (SPON, 28.06.2012)
- Syrien-Konflikt: Syriens Regierung soll mit Russland über Friedensplan beraten (AFP, ZEIT Online, 26.12.2012)
- Friedensplan für Syrien: Frist endet – Assad zieht Armee nicht ab (dpa&Reuters, ZEIT Online, 10.04.2015)
Die Gewichtung machts
Daß die syrische Regierung ihre Truppen nicht abzieht, steht fett in den Schlagzeilen.
Im Bericht heißt es dann:
"Auch die Rebellen unternahmen offenbar keine Anstalten, die Kampfhandlungen einzustellen. Oppositionelle teilten mit, leicht bewaffnete Einheiten der Assad-Gegner hätten mehrere Angriffe auf Regierungssoldaten ausgeführt."
Aha.
Wie soll Bashar al-Asad bitte schön unter solchen Bedingungen seine Truppen zurückziehen? Daß die Truppen immer noch in den Städten ist nur die Reaktion auf die unausgesetzten Angriffe der sog. "Rebellen". Die müßten eigentlich in den Schlagzeilen erwähnt werden. So in etwa:
"Rebellen verüben nach wie vor Anschläge auf Militär und Polizei"
(Kommentar von agathodaemon am 10.04.2012)
- Syrien nimmt Annans Friedensplan an Assad stimmt zu und schweigt (n-tv, 27.03.2012)
- Syrien Annan: Assad hat Friedensplan zugestimmt (FAZ, 27.03.2012)
- Der unglaubliche "US- Friedensplan" für Syrien (Thierry Meyssan, Voltaire Netzwerk)
Als im Jahr 2001 Präsident George W. Bush beschloss, Syrien auf seine Liste der zu zerstörenden Ziele zu setzen, hatte er drei Ziele:
- 1. die "Achse des Widerstands" brechen und die israelische Expansion fördern;
- 2. die riesigen Gasreserven beschlagnahmen;
- 3. den "Erweiterten mittleren Osten" umformen.

Die Kriegs-Projekte scheiterten in 2005 und 2006, um schließlich die Form des "arabischen Frühlings" im Jahr 2011 anzunehmen: eine Kriegsführung der 4. Generation sollte die Muslim-Bruderschaft an die Macht bringen. Jedoch am Ende eines Jahres voller Medien Manipulation kam das syrische Volk aus seiner Erstarrung heraus und unterstützte seine Armee. Frankreich zog sich vom Spiel nach der Befreiung von Baba Amr zurück, während die Vereinigten Staaten und die Russische Föderation sich die Region auf der Konferenz von Genf 1 teilten (Juni 2012). Doch zur allgemeinen Überraschung gelang es Israel den Verhandlungstisch umzustürzen, indem es sich auf den neuen französischen Präsidenten, François Hollande, auf den US-Staatssekretär US Hillary Clinton und den Direktor der CIA David Petraeus stützte. Ein zweiter Krieg, diesmal des nicaraguanischen Typs (der durch die kontinuierliche Ankunft neuer Söldner gespeist wird) stürzte die Region wieder ins Elend. Wie auch immer, ist auch dieser Krieg gescheitert, ohne aber zu einem dauerhaften Frieden zu führen. Stattdessen wechselte John Kerry zwei Tage zuvor das Format der Genf 2 Konferenz und versuchte daraus ein pro-Saudisches Forum zu machen. In diesem Schlamassel kam der dritte Krieg, der von Daesh: plötzlich verwandelte sich eine kleine Gruppe von ein paar hundert Dschihadisten in eine riesige, gut ausgestattete Armee von über 200.000 Mann und startete den Angriff auf den sunnitischen Teil des Irak und die syrische Wüste.


Paul Salem von der Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden schätzte die Folgen der Proteste folgendermaßen ein: „Die Ereignisse haben die Psyche der arabischen Völker und die Machtbalance in der Region verändert. Die internationale Gemeinschaft muss erkennen, dass sie sich mit fragwürdigen Regimen eingelassen hat und dass es sich nicht um einen islamistischen Aufstand handelt, sondern um demokratischen Protest.“ Natürlich würden in jedem arabischen Land spezielle Bedingungen herrschen, „aber jetzt stehen alle vor sehr ähnlichen Herausforderungen.“ Seiner Meinung nach treffe das auch für die Golfstaaten zu, in denen ebenfalls Monarchien an der Macht sind: „Die ölreichen Länder kennen nicht Arbeitslosigkeit und Armut wie Tunesien, Ägypten, Marokko, Algerien, Syrien, Jordanien und Jemen. Am Golf sind politische Reformen zu erwarten, mehr Machtbeteiligung. Kuwait ist da relativ offen, wird eher Zugeständnisse machen.“ Bahrain sei ein spezieller Fall: „Da geht es mehr um den Ausgleich konfessioneller Unterschiede. Das läuft weniger auf Revolte als auf Reform hinaus.“
Mit der in Jordanien tätigen politischen Publizistin Lamis Andoni stimmt er überein, dass ohne die flächendeckende Berichterstattung bei Al Jazeera oder al-Arabiya die derzeitigen Umwälzungen kaum vorstellbar wären. Andoni sagte: „Die Satellitenkanäle beteiligen alle an den Ereignissen. Die Leute haben die tunesische und ägyptische Revolution verfolgt und hatten das Gefühl, sie sind selbst dabei. Sie haben praktisch an der Seite von Tunesiern und Ägyptern gekämpft. Sie teilen Freude und Angst, und so wurde ihr Erfolg zum Sieg für alle Araber.“[137]
Der Orientalist Hans-Peter Raddatz meldete bei einem Radio-Interview mit dem Deutschlandfunk insbesondere in Bezug auf Ägypten Zweifel an, ob als Resultat dieser Revolutionen tatsächlich Demokratien entstünden. Er sagte, eine Demokratie könne nicht auf dem Reißbrett skizziert werden und fügte hinzu, der Islam sei ohne Säkularisierung nicht mit der Demokratie westlicher Prägung kompatibel.[138] Hingegen spricht Kenan Engin in Anlehnung an Huntingtons Demokratisierungstheorie von einer fünften Welle der Demokratisierung und beruft sich dabei auf Parallelen zur dritten Demokratisierungswelle in Lateinamerika während der 1970er- und 1980er-Jahre.[139][140][141]
Der deutsche Journalist Adrian Lobe stellte in einem Gastbeitrag für die Neue Zürcher Zeitung die These auf, dass die Aufstände in Nordafrika und im Nahen Osten keine Demokratiebewegung darstellten, sondern „Wohlstandsrevolten“. Als Beleg führte er die Situation in Saudi-Arabien an, wo das Regime die Bevölkerung mit großzügigen Geschenken ruhig stellt und sich bislang kein Protest regte. Daraus leitet Lobe ab, dass bei den Unruhen materielle Faktoren wie Bildung, Arbeit und Wohlstand im Vordergrund standen.[142]
Fareed Zakaria, Publizist und ehemaliger Herausgeber des Magazins Newsweek, vertritt einen ähnlichen modernisierungstheoretischen Ansatz. Er argumentiert, dass es für das Durchlaufen einer Revolution eine sozioökonomische Schwelle überschritten werden muss. Diese setzt Zakaria bei einem Pro-Kopf-Einkommen von rund 8000 US-Dollar an. Staaten wie Marokko, in denen dieses Niveau nicht erreicht wird, hätten demzufolge geringere Chancen auf einen gesellschaftlichen Umbruch als wohlhabendere Länder.
US-Präsident Barack Obama hielt im Mai 2011 eine Grundsatzrede, in der er die Revolutionen des „Arabischen Frühlings“ als historische Gelegenheit für die USA bezeichnete: „Wir haben die Chance zu zeigen, dass Amerika die Würde eines Straßenverkäufers in Tunesien höher achtet als die rohe Macht des Diktators.“ Obama zog eine Parallele zwischen den arabischen Aufständen und der Geburt der USA im Kampf gegen die britische Herrschaft. Amerika könne daher nicht anders als sich auf die Seite der arabischen Völker zu stellen.[143]
Im Verlaufe des Jahres 2013 wurden Medienberichte häufiger, die die Arabischen Revolutionen für gescheitert erklären und einen Arabischen Winter proklamieren. Solchen Tendenzen widerspricht die Ethnologin Ingrid Thurner und verlangt, man müsse den Ländern und ihren Bewohnern Zeit einräumen und sie bei ihrem Kampf um Demokratie unterstützen. [144]

 (Arabischer Frühling, Einschätzungen zur Ausbreitung und Parallelen, Wikipedia)
- Ukraine und Türkei schaffen eine islamische internationale Brigade gegen Russland (Thierry Meyssan, Voltaire Netzwerk, 05.10.2015)
- Hintergründe der russischen Bombardierungen in Syrien (Voltaire Netzwerk, 04.10.2015)
- Warum Frankreich die Arabische Republik Syrien stürzen will (Voltaire Netzwerk, 14.10.2015)
- Die „Weisen“ für Syrien (04.10.2015)

Syrien: Die Diktatoren von Damaskus - Reportage [1:12:53]

Hochgeladen am 12.10.2011
"Das Schicksal der Familie Assad ist eng mit dem Syriens verbunden. Als Hafis Al-Assad der Vater des derzeitigen Präsidenten Baschar al-Assad - 1930 geboren wurde, war das Land ein französisches Protektorat. Die Assads waren arme Bauern, die den Alawiten, einer Minderheit der schiitischen Gemeinschaft, angehörten.
Hafis Al-Assad war zunächst Zeuge, dann Protagonist sämtlicher Umbrüche seines Heimatlandes. Sowohl seine lange Amtszeit als auch die seines ihm auf den Präsidentenstuhl nachfolgenden Sohnes Baschar ist durch das konstante Anliegen geprägt, die Unabhängigkeit Syriens um jeden Preis zu wahren. Welches Erbe trat Baschar al-Assad im Jahr 2000 nach dem Tod seines Vaters Hafis an? Mit welchen Methoden hält sich die Familie Assad bis heute an der Macht?
Die Dokumentation schildert die Komplexität der syrischen Situation. Sie geht auf das aktuelle Geschehen ein, berücksichtigt aber auch die Geschichte des Landes. Dabei muss auch erörtert werden, warum sich das auf Erbfolge gestützte Regime nur noch unter Anwendung von Gewalt an der Macht halten kann. Beleuchtet wird außerdem das Wesen der unbarmherzigen syrischen Diktatur, in der Morden schon immer Teil der Politik war, die terroristische Bewegungen wie Hisbollah oder Hamas mit Geld und Waffen ausstattet und die von der Weltgemeinschaft für die Ermordung des früheren libanesischen Premierministers Rafik al-Hariri verantwortlich gemacht wird."
(ARTE Themenabend Syrien 11.10.2011 | 21:10 Uhr)

WIEDERHOLUNGEN bei ARTE:
- 27. Oktober 2011 um 11:00 Uhr
- 02. November 2011 um 02:20 Uhr
Weitere Infos bei ARTE:
http://www.arte.tv/de/woche/244,broad...

Gespräch mit Baschar al Assad- Jürgen Todenhöfer(ARD) 08.07.2012 [18:51]

Veröffentlicht am 19.08.2012
Jürgen Todenhöfer im Gespräch mit Syriens Präsident Baschar al Assad
ARD

Die bisher nicht gestellten Fragen zum IS - RT Deutsch Interview mit Jürgen Todenhöfer [36:52]

Veröffentlicht am 07.02.2015
RT Deutsch Reporter Nicolaj Gericke hat den Publizisten Jürgen Todenhöfer zu seinem Aufenthalt beim Islamischen Staat interviewt. Das 37-Minuten Interview ist das längste, welches Todenhöfer bisher zu seinen Erfahrungen mit dem IS gegeben hat und beleuchtet bis dato nicht oder nur sehr oberflächlich angesprochene Aspekte zum IS.


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siehe auch:
- ARD- und ZDF-Schmierenjournaille attackiert Jürgen Todenhöfer für mutigen Journalismus (Propagandaschau, 30.07.2015)
Für seine Reise in den sogenannten Islamischen Staat, wo es ihm unter Lebensgefahr gelang, Interviews mit Kämpfern zu führen, die keinen Hehl daraus machten, ihm am liebsten an Ort und Stelle den Kopf abschneiden zu wollen, erntet er in deutschen Drecksmedien wie dem SPIEGEL Schmähungen: “Jürgen Todenhöfer, ist abhängig von der Gnade seiner Gastgeber und darf nur untertänige Fragen stellen” oder Häme von nichtsnützigem, gesellschaftlichem Abschaum wie Jan Fleischhauer.
My Back Pages (Live) - Bob Dylan, Eric Clapton, George Harrison, Neil Young, Tom Petty [5:03]   Text   Übersetzung   Meaning (Every Bob Dylan Song)

Hochgeladen am 10.05.2011
American Dream Television ABC Enterprises presents "A Celebrating Scenes - Celebrating Bob".

mein Kommentar:
Baschar al-Assad muß in Syrien eine ähnlich unglückliche Rolle ausfüllen wie General Jaruselski in Polen. Egal, was er tut, er hat schon jetzt den Schwarzen Peter. Man darf davon ausgehen, daß die syrische Opposition aus unterschiedlichen Gruppen besteht, die, wenn Assad abdankte, sich gegenseitig zerfleischen würden. Wenn Assad seinem Volk verpflichtet ist, dann zieht er sich erst in dem Moment zurück, wo eine stabile und handlungsfähige Regierung in Sicht ist. Eine stabile Situation in Syrien kann aber erst in dem Moment entstehen, indem die unterschiedlichen politischen Gruppierungen sich als kompromißfähig zu beweisen imstande sind. Das sehe ich nirgendwo in den Ländern des ehemaligen »arabischen Frühlings«. Gegen etwas zu sein ist nun mal einfacher als für etwas zu sein.
Und Leute wie Jürgen Todenhöfer oder Gabriele Krone-Schmalz, die uns aus unserer Denk-Komfortzone rauskatapultieren, müssen die aggressiven Reaktionen des irritierten Publikums aushalten…
Und wir im freiheitlich-demokratischen Westen müssen allmählich einsehen, daß es – schon mittelfristig besser ist, sich aus Angelegenheiten anderer Länder rauszuhalten.
10.000 rausgeschnittene Zungen pro Jahr sind zwar furchtbar, aber immer noch besser als 1,5 MIllionen Tote (Irak).

Michael Lüders sagt die Wahrheit über ISIS und Al-Qaida, und beschuldigt USA für Flüchtlingswelle [31:09]

Veröffentlicht am 15.09.2015


Jean Moulin gelang es, wie ihm General de Gaulle von London aus aufgetragen hatte, in jeder Widerstandsbewegung eine Trennung des militärischen vom politischen Vorgehen durchzusetzen. Das war die notwendige Voraussetzung für die Schaffung einer „Geheimarmee“ durch Verschmelzung der paramilitärischen Formationen der Widerstandsbewegungen in der (bis 1942 unbesetzten) Südzone – „Combat“, Libération“ und „Franc-Tireur“ – mit den fünf Widerstandsbewegungen in der Nordzone [besetztes Gebiet]: „Organisation Civile et Militaire“, „Libération Nord“, „Ceux de la Résistance“, „Ceux de la Libération“ und „Front National“. Zur Übernahme des Kommandos über diese Geheimarmee erklärte sich General Delestraint bereit, der sich somit dem Befehl von General de Gaulle unterstellte, der vor dem Krieg einmal sein Untergebener war.
Gleichzeitig und parallel dazu errichtete Jean Moulin zwei ihm unmittelbar unterstellte technische Dienste: den „Service des Opérations aériennes et maritimes“ (SOAM) [Luft- und Seeoperationen], aus dem später der „Service des Atterrissages et Parachutages“ (SAP) [Landungen und Fallschirmabwürfe] wurde, und den „Service Radio“, kurz WT [Funkdienst]. Des weiteren schuf er zwei eher politisch geprägte Organe: das „Bureau d’Information et de Presse“ (BIP) [Informations- und Pressebüro], eine richtiggehende Untergrund-Presseagentur unter Leitung von Georges Bidault und dem für die Vorbereitung der anlässlich der Befreiung zu ergreifenden legislativen und administrativen Maßnahmen zuständigen „Comité Général d’Etude“ (CGE) [Generalstudienkomitee]. Und schließlich gelang es Jean Moulin, im „Rat des Nationalen Widerstands“ die Vertreter der acht wichtigsten Widerstandsbewegungen, der beiden im Untergrund wiedererrichteten Gewerkschaftszentralen (CGT und CFTC) sowie der sechs politischen Parteien oder Denkströmungen zu vereinigen, die in der III. Republik eine Parlamentsfraktion gestellt hatten (Kommunisten, Sozialisten, Radikale, Volksdemokraten, Demokratische Allianz und Republikanischer Bund). (De Gaulle, Jean Moulin und der nationale Widerstandsrat, Stiftung Charles de Gaulle)

Es war Moulins Leistung, den anfangs schwachen, isolierten Résistance-Gruppen, die unter dem doppelten Druck der Fahndung durch die deutsche Gestapo und der französischen Vichy-Polizei sowie der Milice française standen, in einem Frankreich, das noch in den 1930er Jahren kurz vor einem Bürgerkrieg gestanden hatte und dessen Selbstvertrauen durch den deutschen Blitzkrieg stark ramponiert war, das Selbstvertrauen und die Einheit zu geben, mit dem die Résistance Frankreich vor dem Schicksal des Bürgerkriegs ähnlich dem GriechenlandsPolens und Jugoslawiens bewahrte. (Jean Moulin, Seine Leistung, Wikipedia) 
- Pariser Ausstellung: Jean Moulin Der hohe Preis, den Rex bezahlte (FAZ, 14.10.2015)
Mitte Juni 1940, die französischen Armeen sind bereits geschlagen, marschieren deutsche Truppen in Chartres ein. Nur einige hundert Bewohner sind zurückgeblieben, alle anderen so wie Hunderttausende Franzosen auf der Flucht. Wehrmachtsoffiziere verlangen von dem in der Stadt amtierenden Präfekten die Unterschrift unter eine Verlautbarung, nach der senegalesische Kolonialtruppen Massaker an Frauen und Kindern begangen haben.

Der Präfekt Jean Moulin verweigert die Unterzeichnung, wird zusammengeschlagen und eingesperrt. Nicht sicher, den Pressionen standzuhalten, unternimmt er mit einer Glasscherbe einen Selbstmordversuch. Er überlebt, und die deutschen Offiziere bemühen sich tags darauf, die Vorgänge als Missverständnis zu entschärfen.

Unter den Ereignissen der debâcle hätte dieses wahrscheinlich keine besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen - wäre Jean Moulin nicht später zu einer zentralen Figur des französischen Widerstands und der Vorbereitung der französischen Nachkriegsordnung geworden. Obwohl vorerst noch nichts diesen Weg ahnen ließ, der drei Jahre später mit dem Tod in den Händen des deutschen Sicherheitsdiensts enden sollte.
[…]

Dass Jean Moulin schon damals in der Einigung auf de Gaulle die einzige Option sah, kann man kaum annehmen. Aber bei der Umsetzung seiner Mission fällt die Entscheidung, und ab März 1943 ist er der bevollmächtigte Repräsentant des Generals, damit beauftragt, die Résistance-Gruppen sowie die wichtigsten politischen Bewegungen - Gewerkschaften eingeschlossen - zum übergreifenden Conseil National de la Résistance (CNR) zusammenzuschließen und auf de Gaulle einzuschwören.

Mit Diplomatie und Druck gegenüber den auf ihrer Eigenständigkeit beharrenden und de Gaulle misstrauenden großen Widerstandsgruppen kommt Jean Moulin alias Rex alias Max zum Ziel. Gegen Ende Mai ist der CNR etabliert und General Delestraint als Chef der Armée Secrète durchgesetzt - der wenige Tage später in Paris der Gestapo in die Hände fällt. Rex ahnt, dass die einzelnen Gruppen, insbesondere Combat, nun wieder die Einigung in Frage stellen werden, und beruft sofort ein weiteres Treffen ein, auf dem eine neu Führung der Armée Secrète bestätigt werden soll. Es findet am 21. Juni 1943 in Caluire, einem Vorort von Lyon, statt - wo Klaus Barbie und seinen Leuten vom Sicherheitsdienst der Zugriff gelingt.
siehe auch:
- Heute vor 70 Jahren – 8. Juli 1943: Der Chef der Résistance stirbt (Post, 08.07.2013)
- Filmempfehlung: Deckname Caracalla, die nachträgliche Beurteilung der Geschichte (Post, 10.05.2015)