Donnerstag, 28. Mai 2020

Faktenchecker: »Wes Brot ich ess’…«

Vor Falschmeldungen warnen zurzeit fast täglich Faktenprüfer. Doch sie sind mit den Machteliten verflochten und wenig glaubwürdig.

Tag für Tag entdecken sogenannte Faktenprüfer neue Falschmeldungen. In Zeiten von Corona haben sie geradezu Hochkonjunktur. Viele Medien, darunter die NZZ und die Republik, berufen sich gerne auf die Hüter der Wahrheit bei der Brandmarkung falscher Nachrichten aus dem Kreise sogenannt alternativer Medien. Auffällig dabei ist: Die Machtposition der Faktenprüfer wird nie in Frage gestellt. Diese werden gerne als neutrale und seriöse Quellen behandelt, obwohl viele es in Wirklichkeit nicht sind.

Ein internationales Netzwerk

Falschinformationen und Propaganda sind nichts Neues. Im Rahmen des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2015/2016 rückte das Thema Fake-News ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Hintergrund waren wahre Enthüllungen über Hillary Clinton, die Wikileaks ausgerechnet während des Wahlkampfs veröffentlicht hatte. Es wurden aber auch Falschinformationen über die Präsidentschaftskandidaten in die Welt gesetzt. All dies geschah in einer Zeit, in der grosse Medien ohnehin mit Glaubwürdigkeitsverlusten zu kämpfen hatten.

In einem möglichen Wahlsieg von Trump sahen traditionell mächtige Lobbys die Demokratie in Gefahr. Der sogenannte Kampf gegen Fake-News war hauptsächlich gegen Trump gerichtet. Entsprechend nahmen die Faktenprüfer Trumps Aussagen unter die Lupe. Ein «Fact-Checker» der «Washington Post» wies Trump über vier falsche Behauptungen pro Tag nach. Doch im Weltgeschehen nehmen die grossen Faktenprüfer-Netzwerke in erster Linie abweichende Meinungen ins Visier , welche die US-Vorherrschaft in Frage stellen.

Einige Faktenchecker gründeten das sogenannte International Fact-Checking Network. Dieses Netzwerk fokussiert ziemlich einseitig auf russische Stellen, die nach Ansicht der US-Regierung die Hauptverantwortlichen für Manipulationen und Falschmeldungen sind.

Dem Netzwerk gehören inzwischen zahlreiche Faktenprüfer-Organisationen an, die über die Informationen wachen. Im deutschsprachigen Raum zum Beispiel «Correctiv» – dafür musste sich die Plattform als geprüfte Partnerin vom Poynter Institute zertifizieren lassen (siehe unten). Die Europäische Union gründete 2015 eigens die «East StratCom Task Force» [Google-Übersetzer, Link von mir eingefügt], die mit dem Monitoring russischer Presseorgane beauftragt wurde (Infosperber berichtete darüber). Diesem Ziel schlossen sich auch die Tech-Giganten Facebook und Google an.

mehr:
- Wer die Bekämpfung von «Fake-News» finanziert (Rafael Lutz, Info-Sperber, 28.05.2020)
siehe auch:
Faktencheck bei den Faktencheckern (2): Die Finanzen (Joachim Nikolaus Steinhöfel, AchGut, 09.06.2020)
Faktencheck bei den Faktencheckern (1) (Joachim Nikolaus Steinhöfel, AchGut, 03.06.2020)
Trump, Tichy und das Faktencheckerdilemma (Jens Berger, NachDenkSeiten, 29.05.2020)
Fundgrube – Jobst Plog nach zehn Jahren Kommerzialisierung von Rundfunk und Fernsehen: »Sie wußten, was sie taten« (Post, 20.05.2020)
Fake News-Schutz für Gutgläubige (Post, 08.01.2020)
Correctiv: Die Faktenchecker vom Dienst? (Roger Letsch, AchGut, 23.12.2019)
Faktencheck mit Haken: Das Facebook-Dilemma von Correctiv (Lorenz Matzat, ÜberMedien, 12.12.2019)
Märchenstunde mit David Schraven (Markus Wiegand, kressNews, 19.09.2017)
- Recherchenetzwerk Correctiv: Vom Bock zum Gärtner (Post, 18.01.2017)
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