Sonntag, 5. Mai 2013

Volker Pispers: »Seit 29 Jahren mach’ ich Kabarett, immer die gleichen Themen.«



Seit Anfang der 80er Jahre – das war noch zu Helmut Schmidts Zeiten – begleiten mich die drei folgenden Eindrücke:
1. Wir werden es wirtschaftlich nie mehr so gut haben wie in den 70er Jahren.
2. Die Kosten der Sozialsysteme werden mittelfristig das Solidarsystem sprengen.
3. Die fortschrittlichen Kräfte in der Gesellschaft haben keine Ressourcen mehr, sich um Verbesserungen zu kümmern, ihre Kräfte werden gebunden, um Schlimmeres abzuwehren.
Damals hätte man was tun können.
Aber wer wählt schon eine Partei, die die Krankenkassen- und Rentenversicherungsbeiträge erhöht?
Demokratie ist, wenn Kinder die Kindergärtner wählen.

»Demokratie ist lustig« mit Professor an der Kunstakademie Düsseldorf Joseph Beuys   (Edition Staeck)
Also hat Helmut Kohl gewartet, bis es anfing wehzutun.
Gerhard Schröder hat dann die Drecksarbeit gemacht, dafür einen Tritt in den Hintern bekommen und seinen Groll mit Gazprom-Knete ersäuft.
Die herrschende Klasse – ob im Dritten Reich, in der DDR oder hier in der Bundesrepublik, oder wo auch immer auf der Welt – predigt und hofft drauf, daß der kleine Mann dran glaubt.
Pakistan ist ein – karikaturhaft überzeichnetes – erschreckendes Beispiel: die politische Klasse hemmungslos korrupt, die kleinen Leute laufen den Islamisten scharenweise zu. Nicht mal, weil sie die toll finden, einfach nur, weil es die einzige Alternative ist.
Keine deutsche Regierung der Nachkriegszeit hat es geschafft zu verhindern, daß die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufklafft.
Das Aufklaffen der Schere ist nämlich immanenter Bestandteil jeglichen profitorientierten Wirtschaftssystems. Unser ganzes Wirtschaftssystem ist eine riesige Blase. Und Blasen funktionieren, so lange die Leute dran glauben.
Was ein Börsentrader innerhalb von nur einer Stunde mit nanosekundengetakteten Computerhandel tut, daran arbeitet sich ein Dutzend von Banken- oder Börsenaufsehern eine Woche ab. Das System verkompliziert und beschleunigt sich auf eine Art und Weise, die nicht mehr kontrollierbar ist. Und unsere Politiker haben die Frist bis zum Aufprall durch Abkoppelung der Geld- von der Realwirtschaft noch etwas zu verlängern versucht. Und wenn wir die Schulden schon nicht jetzt bezahlen können, dann machen das halt unsere Kinder, die können sich nicht wehren.
Wir kriegen jeden Tag von irgendwem aus Politik oder Wirtschaft gesagt, daß Vollbeschäftigung möglich ist und angestrebt wird, obwohl keiner mehr dran glaubt. (Die dafür notwendigen Wachstumsraten sind nicht mehr erreichbar.)
Wir leben in einem System, in welchem der Schwanz mit dem Hund wedelt, uns der Hund verspricht, das Ganze unter Kontrolle zu kriegen und der Schwanz bellt, wir sollen ihn nur machen lassen, dann wird das schon.
Um nicht zu verzweifeln – Ruhe ist die erste Bürgerpflicht – löffeln wir unseren 39-Cent-Jughurt aus dem Supermarkt und hauen uns »Deutschland sucht den Superstar«, »Ich bin ein Promi, holt mich hier raus« oder »Germany’s next Top-Model« rein. Irgendwas muß ja in die Birne, und da sind arschwackelnde Zicken, die Terz machen, leichter verdaulich als Wetterhahn spielende Merkels oder steuersenkende Röslers. Scheiß auf die Moral, wenn das Boot sinkt.
Hoffen wir, daß es lange genug irgendwelche Dummen gibt, die an Tugenden glauben.

Langsam beginne ich den Sinn des indischen Kastensystems zu verstehen: das hält die Leute, die dran glauben, ruhig…

Mittwoch, 1. Mai 2013

Heute vor 80 Jahren – 1. Mai 1933: Adolf Hitler erklärt den 1. Mai zum »Feiertag der nationalen Arbeit«



Hitler, der sich ab 1933 weigerte, Steuern zu zahlen, benutzte die Proklamation dazu, die Bevölkerung von der unmittelbar bevorstehenden Zerschlagung der Gewerkschaften abzulenken. In der Rede während der Hauptveranstaltung auf dem Tempelhofer Feld, die von allen deutschen Radiosendern übertragen wurde, überhöhte Hitler den Begriff der Arbeit, sprach von einer Veredelung des Begriffs der Arbeit und beschwor die Einheit der Volksgemeinschaft.
Zu Ehren von Reichspräsident Paul von Hindenburg, der Hitler zwar verachtete (»böhmischer Gefreiter«), sich der Intrumentalisierung seines Rufes durch die Nazis aber nicht erwehren konnte, Hitler am 30. Januar zum Reichskanzler berufen mußte (»Machtergreifung«) und auch auf der Veranstaltung sprach, pflanzte Hitler die »Hindenburg-Eiche«.
Hindenburg und Hitler während der Maifeier 1933 (aus Wikipedia)

Einen Tag später begann diese mit der Besetzung aller Einrichtungen des ADGB Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds durch Polizei, SA und SS.

Zur Geschichte des 1. Mai => DGB




Dienstag, 30. April 2013

Montag, 29. April 2013

Heute würde Henri Poncaré 159 Jahre alt werden

Schon mal was vom Dreikörper-Problem gehört? Es geht dabei darum, die Bewegung von drei Himmelskörpern vorauszusagen, die sich gegenseitig durch ihre Masse beeinflussen. Seit der Entdeckung des uns bekannten Sonnensystems mit der Sonne als Zentralgestirn haben sich alle möglichen Leute die Köpfe darüber zerbrochen, die Planetenbahnen und die Bewegungen ihrer Monde vorauszuberechnen. Auch heutzutage geistern immer wieder apokalyptische Meldungen durch die Medien, in welchen ein Asteroid möglicherweise mit der Erde kollidieren wird.

Raymond Poincaré dürfte da schon bekannter sein: er war von 1913 bis 1920 französischer Staatspräsident und leitete die aufgrund des Versailler Vertrages gebildete alliierte Raparationskomission. Er gilt als die treibende Kraft hinter der Besetzung des Ruhrgebietes.
Er war Cousin eines der größten Mathematiker und Physiker des 19. Jahrhunderts: Henri Poincaré.

Ende des 19. Jahrhunderts machten sich die Physiker auf die Suche nach dem Äther. Genauso wie Schallwellen ein tragendes Medium benötigen, glaubte man, das Licht – damals ebenfalls als Welle verstanden – benötige etwas ähnliches, den Äther. Nur fand man ihn nicht. 1905 sprach Poincaré von der vollständigen Unmöglichkeit der Bestimmung einer absoluten Bewegung und kam in den Folgejahren der Speziellen Relativitätstheorie Einsteins sehr nahe. Das Festhalten an der Äthertheorie jedoch verhinderte, daß er diesem zuvorkam.

Im New-Age-Klassiker »Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten« (Robert M. Pirsig) findet sich im Kapitel 22 eine allgemeinverständliche Erklärung einiger seiner philosophischer Betrachtungen.
siehe dazu auch:
- Flucht vor der Technik (Post, 05.12.2012) und
Vater, Sohn, Heiliges Rad (Lettre International 72, Frühjahr 2006)

Vor allem aber ist er bekannt aufgrund seiner Beschäftigung mit der erweiterten Fragestellung zum Dreikörper-Problem, dem n-Körper-Problem. Und das sollte man heute zu seinem Geburtstag lesen:
Das Poincaré-Abenteuer (Post, 06.01.2009)


Sonntag, 28. April 2013

»Auch du, Uli?«

Nach Peter Graf, Klaus Zumwinkel, Boris Becker, Paul Schockemöhle, Freddy Quinn, Ludwig-Holger Pfahls wird nun auch Uli Hoeneß als Steuerhinterzieher geoutet. Die bundesdeutsche Empörungsmaschinerie läuft natürlich an…

Anstatt die moralische Keule zu schwingen, könnten wir unsere moralische Empörung – oder auch unseren Neid – ein wenig zurückdrängen und ein wenig über die Hintergründe herauszufinden versuchen. Dabei ist eine psychologische Betrachtungsweise von Nutzen. Die obengenannten Personen repräsentieren in der Tendenz nämlich eher eine überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft und werden erst einmal nicht als »böse« oder »schlecht« gefühlt.

Dem Satz der systemischen Therapie »Das Problem ist eine Lösungsstrategie.« bietet einen Verstehens-Ansatz: Wir haben es hier mit dem Phänomen der Entsolidarisierung zu tun: diese Menschen fühlen sich mit der Gesellschaft, in der sie leben, nicht mehr solidarisch – zumindest im Hinblick auf ihre Steuerbelastung. Wir können fragen: Woher kommt diese Entsolidarisierung?

Der Satz »Aus Opfern werden Täter« eröffnet eine weitere Frage: Inwiefern haben sich diese Menschen als Opfer gefühlt, so daß sie sich das Überschreiten einer gesetzlichen Grenze erlauben durften?

Der Schauspieler Gerard Depardieu urinierte im August 2011 auf den Flugzeuggang, weil ihm die Stewardess während der Startphase den Gang zu Toilette untersagt hatte. Januar 2013 erhielt Depardieu auf Antrag die russische Staatsbürgerschaft. Zuvor hatte die französische Regierung unter François Hollande die Einführung einer 75%igen Reichensteuer beschlossen. Die Rückgabe seines französischen Passes kommentierte der Premierminister Jean-Marc Ayrault, dies habe schon etwas Armseliges. Depardieu selbst: »Ich habe einen russischen Pass, aber ich bin Franzose.« (alle Infos aus Wikipedia)
In der Betrachtung von Extremen wird häufig das Normale verstehbarer.
Depardieu mag sich nicht sagen lassen, was er zu tun hat. Und er fühlt sich weiterhin als Franzose. Seine Entsolidarisierung bezieht sich also nicht auf seine Mitbürger sondern auf den französischen Staat.

Vor wenigen Wochen las ich, Depardieu habe dem Staat bisher 145 Millionen Steuern gezahlt. Und in seinem Pariser Viertel habe er keineswegs als Egoist gegolten: Er habe Gewerbetreibenden aus der Pleite geholften und Kneipen und ein Fischgeschäft gekauft, damit der Stadtteil weiterleben kann. (Osho-Times, März 2013)
Auch Uli Hoeneß ist sozial engagiert, und er scheut keine Auseinandersetzungen.

Ich finde es interessant, sich in diese Menschen hineinzuversetzen und mir vorzustellen, wie sie sich fühlen.

Wenn die »Welt« schreibt, »die Moral, die Hoeneß predigte, wird nun als Doppelmoral entlarvt« oder Sylvia Schenk (Sportbeauftragte bei Transparency International) meint: »Uli Hoeneß schmeißt mit Felsbrocken in einem Glashaus« oder der »Tagesspiegel« fragt: »Auch du, Uli?« und von einer »menschlichen Enttäuschung« redet, hilft die moralische Keule beim Verstehensprozeß nicht.

Genüßlich zitiert der »Stern« Hoeneß:
»Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muß man auch mal zufrieden sein.«  (2011 in »Brand Eins«)
»In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, daß viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.« (2012 in der »Welt«)
»Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, daß Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meienr Frau: ›Das bedeutet, daß Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.‹« (2011 in »Brand Eins«)
»Es ist doch unklug, solche Dinge zu machen, denn irgendwann kommt doch immer alles heraus. Und es kann doch nicht der Sin der Sache sein ins Gefängnis zu wandern, nur um ein paar Mark Steuern zu sparen.« (2012 in der »Welt«).
»Mir ist inzwischen egal, ob ich 20, 5 oder 100 Prozent Steuern zahle. Mir geht es um die kleinen Leute.« (2002 in der »Abendzeitung«)

Erst einmal scheinbar Widersprüche, mit Sicherheit aus dem Zusammenhang gerissen, aber ich meine, da etwas durchschimmern zu sehen: eine große Unzufriedenheit.

Und vielleicht auch so etwas wie eine doppelte Buchführung.
Aber vielleicht ist nicht nur Hoeneß unzufrieden und macht eine doppelte Buchführung, vielleicht tun wir das auch. Und vielleicht beneiden wir Hoeneß nicht nur um seine Millionen sondern auch um die Gelegenheiten, sein Geld am Fiskus vorbeizuschleusen. Und wenn Angela Merkel aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aussteigt: Müssen wir dann von einer multiplen Buchführen, einer chaotischen oder überhaupt keiner reden? Und wenn George Bush Präsident wird, obwohl ihm weniger Menschen ihre Stimme gegeben haben als Al Gore, und wenn die USA(, deren Präsident seine Wehrzeit statt in Vietnam an der Heimatfront abgedient hatte,) mal kurz die gesamte UNO hinters Licht führen und mit dem Argument »Massenvernichtungswaffen« einen Krieg anzetteln, an dem sich dann die Öl-Mafia goldene Nasen en masse verdient: Was ist das für eine Buchführung?

Es läßt sich darüber spekulieren, ob die Entsolidarisierung einzelner (oder vieler) Wohlhabender und ihre doppelte Buchführung nicht ein Spiegelbild der sich entsolidarisierenden politischen Klasse und ihrer doppelten Buchführung ist. Gier ist wahrhaftig eine der wichtigsten Kräfte des (entfesselten) Kapitalismus. Und ich sehe Gier, Egoismus, doppelte Buchführung und Entsolidarisierung oben wie unten.

Professor Kernberg, einer der bekanntesten Psychoanalytiker der Gegenwart, rief in einer Rede vor einigen Jahren in Deutschland dazu auf, nach dem Hitler in uns zu suchen. Er bekam kaum Beifall. Das kann ich verstehen.

Samstag, 13. April 2013

Zypriotisches Rettungspaket: Kopfschütteln

Gestern abend habe ich mal wieder die Tagesschau geguckt und erfahren, daß Zypern nicht 17,5 sondern 23 Milliarden Euro benötigt. (Meldung auf N24) Während die EU-Finanzminister auf einem der vielen nicht mehr zu erinnernden Finanztreffen – jetzt in Dublin – über das Zypern-Hilfspaket beraten, kam ein Brief von Präsident Anastiasiades, in welchem dieser ankündigte, um mehr Hilfe zu bitten. Zyprische Diplomaten stellten klar: Dabei gehe es nicht um mehr Geld.

Irgendein EU-Sprecher , der von einer Pressekonferenz in Dublin eingeblendet wurde, erklärte den Journalisten, es seien Netto- mit Brutto-Beträgen verrechnet worden. Das sei so, als ob man Äpfel und Birnen miteinander verrechnet hätte und herausgekommen seien Orangen. Das sei aber nicht schlimm, meinte der Sprecher, über dessen Monatsgehalt ich leider nichts weiß, man habe ja Zypern sowieso erstmal nur 10 Milliarden Euro zugesagt.

Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wie ich diese Meldungen kommentieren soll. Mir bleibt da einfach nur noch die Sprache weg. Ich habe den Eindruck, daß es in der europäischen Finanzpolitik zugeht wie in einer WG dauerbekiffter Studenten.



Die Europäische Zentralbank hat Datenmaterial über das Vermögen privater Haushalte in der Euro-Zone:
- Europas Phantom-Reichtum (Handelsblatt)
- Deutsche sind die Ärmsten im Euroraum (FAZ)

aus der FAZ stammt auch die folgende Grafik:



 Noch etwas off topic, aber auch mit Zahlen:
In der gestrigen Tagesschau sah ich auch einen Bericht über die Aufstockung des Hochschulpakts um 4,4 Milliarden Euro. Man habe mit 250.000 Studenten gerechnet, jetzt würden aber wohl etwa 630.000 Stundenten mit einem Studium beginnen. Das nenne ich vorausschauende Planung…

Freitag, 12. April 2013

What is a saint?

What is a saint? A saint is someone who has achieved a remote human possibility. It is impossible to say what that possibility is. I think that it has something to do with the energy of love. Contact with this energy results in the exercise of a kind of balance in the chaos of existence. A saint does not dissolve the chaos; if he did the world would have changed long ago. I do not think that a saint dissolves the chaos even for himself, for there is something arrogant and warlike in the notion of a man setting the universe in order. It is a kind of balance that is his glory. He rides the drifts like an escaped ski. His course is the caress of the hill. His track is a drawing of the snow in a moment of its particular arrangement with wind and rock.

Something in him so loves the world that he gives himself to the laws of gravity and chance. Far from flying with angels, he traces with the fidelity of a seismograph needle the state of the solid bloody landscape. His house is dangerous and finite, but he is at home in the world. He can love the shape of human beings, the fine and twisted shapes of the heart. It is good to have among us such men, such balancing monsters of love.
by Larry »Ratso« Sloman (L. Cohen, »Beautiful Losers«), angeblich zu finden auf www.leonardcohen.com



Montag, 8. April 2013

Die Vorschau von Mac OS X – ein oft verkanntes Genie

ein Artikel bei MacGadget mit einigen Infos, die mir bisher auch noch nicht bekannt waren

noch einige Tips und Tricks fürs iphone bei MacLife

Sonntag, 7. April 2013

Heute vor 94 Jahren – In Bayern wird die Räterepublik ausgerufen

Revolution in München 

Die Monate unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im November 1918 waren in Deutschland eine Zeit der wirtschaftlichen Not, der politischen Wirren und der gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen rechten Nationalisten und linken Revolutionären. Das Gefüge der jungen demokratischen Republik drohte durch bürgerkriegsähnliche Aufstände und Putschversuche zu zerbrechen. 
 
Regierungstruppen im Kampf gegen Revolutionäre, april 1919

Als sich Ende 1918 abzeichnete, dass die Zukunft in einem parlamentarischen System liegen würde und die Wahlen zur Nationalversammlung anstanden, versuchten linksradikale Gruppen, ihr Ziel einer Räterepublik durch Streiks und Aktionen doch noch zu erreichen. Im Wittelsbacher Palais in München riefen sie am 7. April 1919 die »Räterepublik Baiern« aus. Dem Beispiel folgten andere bayerische Städte, letztlich blieben die Ereignisse aber auf München beschränkt. Schon nach sechs Tagen nahmen regierungstreue Truppen das Palais ein und setzten die führenden Köpfe gefangen. Die Landeshauptstadt konnten sie jedoch nicht vollständig unter ihre Kontrolle bringen, was die Münchner Kommunisten zur Ausrufung der »2. Räterepublik« nutzten. Diese hielt sich nur bis Anfang Mai. 

 Opfer der »Räterepublik Baiern« 
die Kämpfe in München forderten 606 Tote 
den Geiselerschießungen folgten Rachefeldzüge 
nach der Niederschlagung wurden Hunderte hingerichtet 
Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 



Freitag, 5. April 2013

Heute vor 136 Jahren – 5. April 1877: Gründung der Schiffswerft Blohm & Voss in Hamburg

Hoflieferant der kaiserlichen Marine 

Bis 1877 weideten Hamburger Rindviecher auf der Elbinsel Kuhwerder, dann rückten Baukolonnen an und errichteten auf 15000 qm eine Anlage zum Bau von Schiffen mit 250 m Wasserfront: die »Schiffswerft und Maschinenfabrik Blohm & Voss«. Am 5. April 1877 gründeten Hermann Blohm und Ernst Voss die Firma, die zum Synonym für Schiffsbau in Deutschland werden sollte. Mit den Aufträgen war es zu Beginn nicht weit her und so baute das Werk 1879 zunächst eine Bark auf eigene Rechnung, die bald nach der Fertigstellung an einen Hamburger Reeder verkauft werden konnte. 1882 wurden bereits acht Schiffe gebaut und ein Schwimmdock für das Reparaturgeschäft in Betrieb genommen. 
 
Bau der »Leviathan« auf der Werft Blohm & Voss, 1912

Die Flottenpolitik des Deutschen Reichs und die Marinebegeisterung des Kaisers bescherte dem Unternehmen gegen Ende des 19. Jahrhunderts einen steilen Aufstieg. Bereits 1902 beschäftigte die Werft 4500 Mitarbeiter, die Anlagen wurden schnell und stetig ausgebaut, sodass Blohm & Voss 1906 über das größte geschlossene Werftgelände der Welt mit einer 3 km langen Wasserfront verfügte. 

Was am 5. April noch geschah: 
1722: Der niederländische Seefahrer Jacob Roggeveen entdeckt im Südpazifik die Osterinsel
Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Donnerstag, 4. April 2013

Nida-Rümelin, Marken in einer humanen Ökonomie: Optimierungsfallen vermeiden

Nach einer Erhebung im Auftrag der Zeitschrift Cicero ermittelte eine Studie im September 2008, welche Wissenschaftler und Intellektuelle Deutungsmacht beanspruchen können, weil sie am häufigsten in Leitmedien und wissenschaftlichen Publikationen zitiert werden. Im Bereich Philosophie belegt Julian Nida-Rümelin den 3. Platz nach Jürgen Habermas und Peter Sloterdijk. (Wikipedia)



Prof. Nida-Rümelin auf Wikipedia
Das philosophische Radio mit Julian Nida-Rümelin über humanistische Bildung – Was verstehen Sie unter humaner Bildung? (Sendung vom 05.04.2013)
Nida-Rümelin-Artikel bei Cicero
Julian Nida-Rümelin, Johann Schulenburg, Benjamin Rath – Risikoethik (GoogleBooks)



Zur ZEIT-Akademie Philosophie


 

Mittwoch, 3. April 2013

Selbstbestimmung am Fließband

Die Editorials von Manfred Spitzer in der Zeitschrift »Neurologie« sind mir oft ein emotionaler und intellektueller Hochgenuß:

Das neueste hat den Titel »Selbstbestimmung am Fließband«

mehr von Spitzer auf meinem Psychoblog

Dienstag, 2. April 2013

das passiert, wenn sich Ärzte, insbesondere Chefärzte, über Bonusverträge beeinflussen lassen…

Skandal im Altmark-Klinikum Gardelegen

Wirbelsäulenzentrum Altmark (http://www.volksstimme.de/nachrichten/sachsen_anhalt/1020949_Wirbelsaeulenzentrum.html)
Eröffnet wurde das Wirbelsäulenzentrum Altmark am 1. Juli 2011.
Dessen Leiter war von Anfang an der weißrussische Honorararzt aus Berlin, Dr. Michail T.
Als Hauptmotive für die Gründung nannte er moderne Behandlungsmethoden an die Patienten zu bringen und eine wohnortnahe Versorgung zu gewährleisten.
Durch das Wirbelsäulenzentrum stieg der Umsatz des Klinikums um rund ein Drittel von 4,1 auf 5,65 Millionen Euro.

Chronologie des Skandals (http://www.volksstimme.de/nachrichten/sachsen_anhalt/1021726_Chronologie-der-Ereignisse.html)
8. November 2012: Bei einer Pressekonferenz nach ersten Berichten wehrt sich Geschäftsführer Matthias Hahn gegen den Vorwurf von 62 unnötigen Operationen durch Dr. Michail T.
10. Dezember: Ein unabhängiger Gutachter nimmt seine Arbeit auf.
14. Dezember: Dr. Michail T. hat seinen letzten Arbeitstag vor dem geplanten Urlaub.
1. Februar 2013: Der Urlaub von Dr. T. ist vorüber, doch das Zentrum bleibt geschlossen. "Wir brauchen erst die Ergebnisse des Gutachters", sagt Aufsichtsratsvorsitzender Michael Ziche
11. Februar: Die ersten Ergebnisse liegen vor, 15 von 16 untersuchten Operationen waren unnötig.
12. Februar: Der Honorarvertrag mit T. wird gekündigt, Hahn freigestellt.

Neue Vorwürfe gegen Altmark-Klinikum (http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/stendal/klinikum-atmark-skandal100.html)
Im Skandal um unnötige Operationen gerät das Altmark-Klinikum in Gardelegen erneut in die Schlagzeilen. Nach Angaben der Altmark-Zeitung soll der Geschäftsführer besorgte Ärzte zu Eingriffen gedrängt haben, um den Umsatz zu steigern.
Wie die Zeitung berichtet, habe der Leiter des Wirbelsäulenzentrums, ein weißrussischer Honorararzt aus Berlin, den Alltag im Krankenhaus bestimmt. Seit Beginn der Arbeit des Honorararztes im Juli 2011 seien die Einnahmen des Klinikums in nur einem Jahr um 1,5 Millionen Euro gestiegen. Schon im September 2011 sollen besorgte Ärzte auf Unregelmäßigkeiten im Wirbelsäulenzentrum hingewiesen haben. Es sollen sogar unnötige Operationen durchgeführt worden sein. Daraufhin habe Geschäftsführer Matthias Hahn die Ärzte aufgefordert, den Hippokratischen Eid zu ignorieren, heißt es in der Zeitung.
Indes geht die Staatsanwaltschaft Hinweisen nach, wonach in dem umstrittenen Wirbelsäulenzentrum mehr als 60 Patienten unnötig operiert wurden. Ein Patient soll an den Folgen gestorben sein.

Klinikum Gardelegen feuert Geschäftsführer / Gutachten belegen reihenweise unnötige Operationen / Jetzt droht eine Klagewelle (http://www.az-online.de/lokales/altmarkkreis-salzwedel/gardelegen/klinikum-gardelegen-feuert-geschaeftsfuehrer-gutachten-belegen-reihenweise-unnoetige-operationen-2748761.html)
Salzwedel/Gardelegen. 15 unnötige Operationen, darunter ein Todesfall – gestern zog der Aufsichtsrat des Altmark-Klinikums die Notbremse. Geschäftsführer Matthias Hahn ist mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden, das Wirbelsäulenzentrum geschlossen, dessen Leiter gefeuert.
Aufsichtsratsvorsitzender Michael Ziche (M.) und Paul-Gerhardt-Diakonie-Vorstandsvorsitzender Dr. Ulrich Metzmacher traten gestern Abend vor die Presse, um die Trennung von Geschäftsführer Matthias Hahn zu verkünden.
Die Verantwortlichen rechnen jetzt mit einer Klagewelle von betroffenen Patienten und Krankenkassen.
Das Klinikum will schon jetzt Rücklagen bilden, um Schadensersatzansprüche von Patienten und Kassen zu befriedigen, sagte Michael Ziche.
Gestern Abend traten Teile des Aufsichtsrates vor die Medien, erstmals seit November. Hatten sie damals die Situation im Wirbelsäulenzentrum noch als „Rachefeldzug eines gefeuerten Chefarztes“ bezeichnet, so mussten sie gestern eingestehen, dass von nur 16 überprüften Operationen 15 ohne medizinische Notwendigkeit geschahen. Auf Grund der Gesamtsituation hat der Aufsichtsrat einstimmig die Trennung von Geschäftsführer Matthias Hahn beschlossen, erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Michael Ziche. Die Gutachten sind an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden, die gegen den Leiter des Wirbelsäulenzentrums wegen fahrlässiger Körperverletzung und Abrechnungsbetrugs ermittelt. (…)

per Mail übermittelt von
Dr. Bernd Lücke
Vorsitzender des Hartmannbundes
im Landesverband Niedersachsen


siehe auch
Das Ende der Schweigepflicht bei ZEIT-Online (Seite 4: Wirtschaftliches Interesse vs. Patientenwohl)

Montag, 1. April 2013

Heute vor 40 Jahren – 1. April 1973: Bertoluccis »Der letzte Tango in Paris« läuft in den deutschen Kinos an

»Der letzte Tango in Paris« ist ein Film von Bernardo Bertolucci, in welchem Paul, ein 45-jähriger Amerikaner (gespielt von Marlon Brando), seine Verzweiflung über den Suizid seiner Frau und seine Gefühle von Sinnlosigkeit durch sexuelle Ausschweifungen und das Übertreten gesellschaftlicher Konventionen (vergeblich) zu ertränken versucht.



Es hat sich einiges getan seither, was sich auch dadurch zeigt, daß der Zuschauer heute bei weitem nicht mehr so geschockt ist, von dem, was ihm auf der Leinwand dargeboten wird, wie dies vor 40 Jahren der Fall war. Diese Feststellung ist fast schon Selbstverständlichkeit, und diese Selbstverständlichkeit spricht für die Richtigkeit.
Hinweisen möchte ich aber vor allem darauf, wie der Film aufgenommen und rezensiert wurde: Neben Schulbadendenken vor allem bei den Feministen finden sich erstaunlich differenzierte und einfühlsame Interpretationen, was den Wikipedia-Artikel lesenswert macht.

Beispiel: 
Pauline Kael, eine der damals angesehensten Filmkritikerinnen der USA, hatte Brando 1966, als sich seine Karriere auf dem absteigenden Ast befand, als einen uramerikanischen Helden verteidigt, der groß und frei sei, weil er sich nicht an den Zielen einer korrumpierten Gesellschaft orientiere. (Dieses und alle weiteren Zitate stammen aus dem Wikipedia-Artikel.) »Kurz nach der Aufführung in New York lobte sie den Letzten Tango mit Überschwang und Superlativen. Der Tag seiner Uraufführung habe für die Filmgeschichte die gleiche Bedeutung wie die Premiere von Le sacre du printemps 1913 für die Geschichte der Musik. „Es gab keinen Tumult, niemand hat die Leinwand beworfen, aber ich glaube, man kann sagen dass das Publikum in einem Schockzustand war, weil ‚Der letzte Tango in Paris‘ in dieselbe hypnotische Erregung versetzt wie ‚Sacre‘ und dieselbe ursprüngliche Kraft hat.“
Der begeisterten Pauline Kael wurde unterstellt, sie habe das Werk auf einer niedrigen Bewusstseinsstufe konsumiert, das eigentliche Thema nicht erkannt und sei den Szenen der Unterwerfung der Frau durch Brando erlegen.[41]

Die Gegner des Werks argwöhnten oft, es sei als Kunst maskierte Pornografie. Der Stern sah „aggressive, animalische Sex-Szenen, die von einer bisher nicht gekannten Unmittelbarkeit und Hemmungslosigkeit sind, und gegen die gängige Porno-Streifen wie ein biederes Trimm-dich-Programm wirken.“[38]

Die katholische Film-Korrespondenz fand den Film ziemlich amerikanisch: „Der Pessimismus in der Andeutung des Rückzugs auf die Position ‚die Welt ist sowieso kaputt, ich lebe wie ich kann‘, verleihen diesem Werk eine Oberflächenstruktur, um nicht zu sagen Banalität, die in vielem der Position heutiger amerikanischer Intellektueller entspricht.“ Der Regisseur habe sich zu viel vorgenommen und leiste sich freudianische Vereinfachungen, habe aber große erzählerische Qualitäten: „Von diesem Film verbleibt eigentlich nur noch die Offenheit der Darstellung ganz persönlicher Welten, ein ungewöhnliches dramaturgisches Talent und eine sich den Personen der Schauspieler schöpferisch anpassende Arbeitsweise auf ganz hohem Niveau.“[72]

Die Bild-Zeitung ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, von Dezember 1972 bis nach dem deutschen Kinostart Ende März 1973 mindestens ein Dutzend Artikel herauszubringen, die im Zusammenhang mit dem Letzten Tango standen. Die meisten waren auf Sex und Skandal fokussiert, ließen aber keine bestimmte Haltung dem Film gegenüber erkennen.[112]

SPIEGEL Online: Ein Tango – nicht für den Karfreitag

Freitag, 29. März 2013

Heute vor 40 Jahren – 29. März 1973: Abzug der letzten US-Truppen aus Vietnam

Raus aus der Apokalypse 

 Am 27. Januar 1973 schlossen die USA, Süd- und Nordvietnam sowie die Guerillaorganisation Vietcong ein Waffenstillstandsabkommen. Es forderte die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen und den Abzug sämtlicher amerikanischer Truppen binnen 60 Tagen, die Freilassung aller Kriegsgefangenen und die Anerkennung der entmilitarisierten Zone als provisorische Grenze. Für US-Präsident Richard Nixon bot sich damit die Gelegenheit, die seit 1965 aktiv an dem Krieg beteiligten US-Streitkräfte aus Vietnam abzuziehen, ohne das Gesicht zu verlieren. 
Mahnmal für Vietnamveteranen in Washington, DC, 1984

Die letzten US-Truppen zogen heute vor 40 Jahren aus Vietnam ab. In dem verlustreichen Krieg wurden rund 200.000 südvietnamesische und 56.000 amerikanische Soldaten sowie 5000 Angehörige der SEATO-Verbände getötet, auf kommunistischer Seite forderte der Krieg 920.000 Soldatenleben. Darüber hinaus gab es erschreckend viele zivile Opfer: In Nordvietnam starben 350.000 Zivilisten, in Südvietnam 450.000. Getötet wurden sie vor allem durch die Flächenbombardements der US-Luftwaffe, die ganze Landstriche entvölkerten.   

SEATO
South East Asia Treaty Organization (1955-1977)
Vertrag zwischen Australien, Frankreich (bis 1974), Großbritannien, Neuseeland, Pakistan (bis 1972), den Philippinen, Thailand und den USA
garantierte im Fall eines bewaffneten Angriffs gegenseitige Verteidigungshilfe


Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 


Tote:
amerikanischer Bürgerkrieg: 600.000
1. Weltkrieg: 10.000.000
2. Weltkrieg: 63.000.000

Donnerstag, 28. März 2013

Geschichtsfrage: preußisches Regulativ

Was verbot das »preußische Regulativ« von 1839? 

■ Die Kinderarbeit in Fabriken 
■ Den Verkauf von Grundbesitz an Nicht-Preußen 
■ Das Waffentragen in der Öffentlichkeit

Mittwoch, 27. März 2013

Heute vor 55 Jahren – 27. März 1958: Nikita Chruschtschow wird Regierungschef

Ein Mann geht seinen Weg 

 Als Josef Stalin 1953 starb, entbrannte im Kreml der Kampf um die Macht. Letztlich setzte sich Nikita Chruschtschow (1894-1971) durch; heute vor 55 Jahren, am 27. März 1958, wurde er Ministerpräsident der Sowjetunion.

Nikita Chruschtschow bei einer Ansprache auf dem 5. Parteitag der SED in Berlin, DDR, 1958
Bis dahin gab es eine kollektive Führung der KPdSU, da niemand über genug Autorität verfügte, allein die Nachfolge Stalins anzutreten. Chruschtschow erlangte den Posten eines Sekretärs im Zentralkomitee (ZK), zum Ministerpräsidenten und Ersten Parteisekretär avancierte Georgi Malenkow. Da dieser in Partei und Armee wenig Rückendeckung genoss, gelang es Chruschtschow, ihn aus seinen Ämtern zu verdrängen: Im September 1953 wählte das ZK Chruschtschow zum ersten Parteisekretär, Malenkow blieb nur noch Ministerpräsident. Und Chruschtschow baute seine Position stetig aus. So nutzte er Malenkows gescheiterte Wirtschaftsreformen, um ihn öffentlich anzugreifen. Im Februar 1955 trat Malenkow auch als Ministerpräsident zurück. Fortan teilten sich Chruschtschow und Nikolai Bulganin diesen Posten. Doch am 27. März 1958 stürzte der neue starke Mann auch Bulganin und übernahm das Amt des Ministerpräsidenten. Wie einst Stalin vereinte er nun das höchste Partei- und Staatsamt in einer Person.

Was am 27. März noch geschah: 
1955: In Ostberlin findet die erste Jugendweihe als sozialistisches Gegenstück zu Konfirmation und Firmung statt.

Brockhaus - Abenteuer Geschichte 2013 

Freitag, 15. März 2013

Chefs im Stress

Angesichts der aktuellen postkapitalistischen Entwicklung hat sich der Ulmer Neuropsychiater Manfred Spitzer in seinem letzten Editorial der Zeitschrift Nervenheilkunde mit der Korrelation zwischen Stress und der Position in sozialen Hierarchien auseinandergesetzt.

- Der Chef im Stress? (Nervenheilkunde 3/2013) 

Links zu weiteren Aufsätzen von Manfred Spitzer hier

Donnerstag, 14. März 2013

Wir geben ihnen Macht 1

Kaum also ist der Papst gewählt, überschlagen sich alle möglichen Leute, alles Mögliche für wichtig zu erklären und zu kommentieren. Immer wieder ist dabei von Erwartungen zu hören, von Hoffnungen, von schwierigen Aufgaben, von einem Übergangspapst, sogar von einer Übergangszeit. Sicher ist ein Faszinosum dieses Amtes des Stellvertreters Christi auf Erden die Konstanz in einer sich immer schneller verändernden Welt. Wenn Angela Merkel innerhalb weniger Wochen erst aus dem Atomausstieg aussteigt und dann wieder aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aussteigt, und dies dann aber auch wiederum so, daß der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg rechtlich angreifbar ist und möglicherweise einer erneuten 180-Grad-Kehre eine Hintertür offen läßt, erzeugt dies zwangsläufig Desorientiertheit, und ich wage zu behaupten: auch bei ihr selbst.

Rechtschreibreformen zum Beispiel oder neue Mitgliedschaften im Euro-Raum werden einfach durchgedrückt.
Kriege werden angezettelt mit Begründungen, die kein normaler Mensch glauben mag.
In schneller Folge werden immer neue Rettungsschirme aufgespannt. Die Wirtschaft galoppiert den Staaten davon, Börsengeschäfte werden vercomputerisiert im Millisekundentakt getätigt, ohne daß die Geldgeber oder Geldmanager die geringste Ahnung haben, was sie da eigentlich tun.
Die Wirtschaftseliten verdienen prozentual immer mehr, während sie in immer ausgefeilteren Taktiken die Risiken ihres Handelns der Allgemeinheit aufbürden.
Die gesamte deutsche Ärzteschaft muß neue Chipkartenlesegeräte anschaffen, ohne daß bis heute klar gesetzlich geregelt ist, was auf den zu lesenden Chipkarten gespeichert werden darf. (Dabei geht es mir nicht um die Ärzte! Es soll ein Beispiel dafür sein, wie intelligente Eliten zu unsinnigem Handeln gezwungen werden können.)
Neue Technologien wie Nano-Technologie oder Gen-Technik (oder auch das Fracking) fallen über uns her, ohne daß der Staat dies – wie bei der Arzneimittelzulassung – erst einmal zu prüfen imstande oder auch nur gewillt ist.
Die Liste ließe sich noch um einiges verlängern.
Auf die immer selbstverständlicher werdende Pervertierung der Sprache möchte ich besonders hinweisen: Wenn in den 70ern aus der Putzfrau die Reinigungskraft wurde, hat man das ja noch schulterzuckend zur Kenntnis genommen. Heute werden Arbeiter freigesetzt (= entlassen), oder bei Stuttgart 21 ergibt sich eine milliardenschwere Negativverzinsung (= Schulden), politisches Handeln wird in der Ära Merkel immer öfter als »alternativlos« abgeblockt.

All dies erzeugt Verunsicherung. Jede Desorientiertheit und Verunsicherung erzeugt einen Bedarf nach Sicherheit und Orientierung, nach Erklärungen, Deutungssystemen und Handlungsrichtlinien. Verunsicherungen hat es schon immer gegeben. Oben habe ich Gründe für unsere heutigen Verunsicherungen aufgeführt.

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Jedes gewollte Einwirken auf eine menschliche Seele hat nach ethischen Maßstäben zu erfolgen. Jedes Einwirken auf die Seele erzeugt ein Gefälle, Macht und Abhängigkeit. Das kann hilfreich sein. Ein Gips nach einem Beinbruch schafft Stabilität und Funktionsfähigkeit, die der verletzte Körper eine gewisse Zeit lang nicht selbst herzustellen vermag.

Zu einer meiner grundlegenden Aufgaben als Psychotherapeut gehört es, mich überflüssig zu machen. Freiheit für die Seelen, mit denen ich arbeite, ist oberstes Gebot und ist praktisch gelebte Aufklärung. Aufklärung – nach Kant – »ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.«

1. Die Charakterisierung »selbst verschuldet« ist aus psychologischer Sicht unzutreffend und der Zeit, in der Kant diesen Satz sprach und seiner mangelnden Kenntnis psychodynamischer Zusammenhänge geschuldet. Ich gehe an dieser Stelle nicht weiter darauf ein.
2. Die Abhängigkeit der Funktion des Verstandes von dem emotionalen Binnenraum, in welchem der Verstand existiert, läßt Kant außer acht.

An diesem Punkt treten »Seelenarbeiter« auf den Plan. Ob man sie Guru, Meister, Lehrer, Oberhaupt, Psychotherapeut, Pfarrer, Schamane, Philosoph oder auch »Ozean der Weisheit« (freie Übersetzung des Titels Dalai Lama) nennen mag, sie alle versuchen, mit Erklärungsmodellen, Deutungen und Bewußtmachung zu arbeiten. Sie alle versuchen – angeblich – Menschen zu helfen. (An dieser Stelle verzichte ich auch auf Überlegungen, was helfen eigentlich bedeutet.)

Für mich bedeutet Arbeit mit der menschlichen Seele vor allem die Verantwortung dafür, meinem Gegenüber Instrumente an die Hand zu geben, um aus seiner Leidenssituation herauszukommen – falls er es denn auch will. Ich bin ganz sicher, daß viele Seelenarbeiter kein Interesse daran haben, Menschen zur Freiheit zu verhelfen. Und ich bin ganz sicher: viele Patienten, die durch meine Hände gegangen sind, haben kein Interesse daran, etwas zu verändern. Unter uns Psychotherapeuten ist ganz klar: Dort, wo finanzielle oder Machtinteressen in der Beziehung zwischen »Seelenklempner« und Leidendem eine Rolle spielen, ist der therapeutische Prozeß gefährdet. Der therapeutische Prozeß ist ausgerichtet auf Kants Ziel der Aufklärung, nämlich, daß sich der Mensch seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen vermag. Dafür hat Arbeit an der Seele – im beschriebenen Fall Psychotherapie – die Voraussetzungen zu schaffen: ein seelisches bzw. emotionales Umfeld, welches die Verwendung des Verstandes – und das heißt auch Denken in alle Richtungen – ermöglicht.

Wenn ich einem Kleinkind die Hand reiche, ist das Teil eines Prozesses, der zum Ziel hat, daß das Kind selbst gehen kann. Ist das nicht der Fall, hat dieser Prozeß nicht dieses Ziel, ist diese »Hilfe« dysfunktional (wie wir heute so schön sagen). Ziel muß immer Autarkie sein. Wenn Hilfe keine Hilfe zur Autarkie ist, ist sie keine Hilfe. Manchmal ist Hilfe notwendig und oft bedeutet diese Hilfe die Auslieferung an den Helfenden (wie bei einer Operation). Aber es muß wohl nicht weiter ausgeführt werden, daß das Ziel Helfenden immer die Autarkie des Leidenden zum Ziel zu haben hat. Das ist der ethische Maßstab. Bei dysfunktionaler Hilfe muß nach unbewußten Interessen geforscht werden, die dem intendierten Prozeß der Autarkiegewinnung zuwiderlaufen.

Dysfunktionale Hilfe muß immer nach den – bewußten oder unbewußten – Intentionen von Helfendem und Leidenden fragen. Wenn ich eine schlechtgehende Praxis habe, habe ich natürlich ein Interesse daran einen Patienten noch 10 oder 20 Stunden länger in Therapie zu halten. Das mag ja noch angehen. Aber wenn im Umgang mit dem Leidenden von Seiten des Helfers eine längere oder teure Abhängigkeit hergestellt oder perpetuiert wird, ist dies nicht in Ordnung, jedenfalls nicht in der Psychotherapie. Eine Ausnahme gibt es, und die wird gleich noch wichtig werden: angeborene oder nicht korrigierbare Schäden. Meine Kurzsichtigkeit zum Beispiel wird mich bis zu meinem Tod begleiten, und ich werde immer auf entsprechende Sehhilfen angewiesen sein.

Natürlich sind die Grenzen fließend. Es gibt Analysen, die 10 Jahre dauern (Freud, Die endliche und die unendliche Analyse) und die ihre Berechtigung haben (vor allem, wenn es sich um sogenannte Frühstörungen handelt). Und ich glaube, Woody Allen war sein Leben lang in Therapie (das weiß ich aber nicht sicher). Damit es jetzt nicht zu kompliziert wird, komme ich von der anderen Seite und behaupte: Es gibt Helfer, die ein Interesse daran haben – bewußt oder unbewußt –, den Leidenden in Abhängigkeit zu halten. Und es gibt Leidende, die – bewußt oder unbewußt – ein nur begrenztes Interesse daran haben, autark zu werden. Abhängigkeit kann ein Gefühl von Orientierung und Sicherheit schaffen.

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Meine Behauptung lautet nun: Religionen verwenden Deutungs- bzw. Interpretationskonstrukte, die leidende Menschen in Abhängigkeit halten. An diesem Punkt könnte man lange über den Begriff des Leidens debattieren, das erspare ich allen Beteiligten. Worum es mir geht, ist folgendes: Das Bedürfnis nach Orientierung und Sicherheit auf der einen und das Bedürfnis nach Macht auf der anderen Seite (welche Form diese Macht auch immer annehmen mag) erhält religiöse Strukturen aufrecht. Der nach Orientierung Suchende und der Orientierung Gebende bedingen sich gegenseitig. Derjenige, der nicht allein gehen will auf der einen und derjenige, der die bedürftige Hand nicht loslassen möchte, gehen eine Symbiose ein, die nicht auf Autarkie sondern auf Aufrechterhaltung der Unmündigkeit ausgerichtet ist. Nun gibt es symbiotische Deutungssysteme, die gesellschaftlich akzeptiert sind, andere sind es nicht. In den USA soll es mehrere hunderttausend Menschen geben, die Elvis Presley für die Wiedergeburt von Jesus Christus halten. Ich kann mir vorstellen, daß es da viele drunter gibt die glücklicher und zufriedener sind als diejenigen Priester, die sich an kleinen Jungs oder Mädchen vergangen haben. (Übrigens sollte ja auch Krishnamurti als Wiedergeburt von Jesus ausgerufen werden. Der arme Jesus!) Ich wäre gespannt zu erfahren, was geschehen würde, würde ein Jesus-Presley-Anhänger in einem Jesus-Presley-Kindergarten, kleine Kinder sexuell mißbrauchen…

Jedes lebendige System ist zuallererst auf Selbsterhaltung ausgerichtet. Somit sind auch alle religiösen Organisationen vor allem auf Selbsterhaltung ausgerichtet. Was würde ich als Psychotherapeut machen, wenn sämtliche Frühgestörten und Neurotiker an Ostern plötzlich gesund wären? (Darüber müßte ich wirklich mal nachdenken…) Somit muß davon ausgegangen werden, daß alle Religionen eine Form von Symbiose darstellen: der Handel mit Sicherheit vermittelnden Deutungssystemen auf der einen und der Bedarf nach Orientierung auf der anderen Seite bedingen und erhalten sich gegenseitig.

Und deshalb ist der Papst so wichtig. (Das erinnert mich an die Geschichte eines skandinavischen Nobelpreisträgers, der über der Tür zu seinem Labor einen Mistelzweig hängen hatte. Ein Journalist fragte ihn, ob er abergläubisch sein. Der Wissenschaftlicher antwortete: »Natürlich nicht. Aber man hat mir glaubhaft versichert, daß der Mistelzweig auch bei denen wirkt, die nicht dran glauben.«) Es spielt keine Rolle, ob wir an ihn oder das durch ihn vermittelte Deutungssystem glauben. Wichtig ist, daß wir den Papst wichtig finden, und sei es auch nur als abzulehnende Person. Auch dann ist er wie der Polarstern Orientierungspunkt. Die Macht, die der Papst hat, wird ihm von den Gläubigen gegeben. Aber nicht nur: sie wird ihm auch von denen gegeben, die sich an ihm reiben.

Ob zum Geschlechtsverkehr nur die dafür vorgesehenen Körperöffnungen verwendet werden sollen (der Dalai Lama in einem Buch um 1960 herum, der Titel ist mir nicht mehr erinnerlich – zum Thema: Die buddhistische Sexual-Ethik überdenken, Tibetischer Buddhismus im Westen) oder Homosexuelle keine voll entwickelten Menschen sind (Benedikt XVI., wer übrigens einen voll entwickelten Menschen kennt, kann mich Tag und Nacht anrufen), hier erheben sich Menschen – welchen überhöhenden Titel sie auch immer tragen mögen – und die zu ihnen gehörenden Weltinterpretationssysteme zu Richtern, die im Besitz allgemeingültiger Wertesysteme zu sein behaupten. Ich glaube, daß es allgemeingültige Wertesysteme gibt, aber es ist sicher, daß diese begrenzt sind.

Letztendlich muß jeder auf eigenen Beinen stehen. Die Papst-Hype – und da nehme ich mich gar nicht aus – benötigt Rezeptoren in der Seele, um andocken zu können (wie ein Virus). Es ist ergreifend, wie Menschen in Entzückung geraten, wenn der weiße Rauch aus der Konklave aufsteigt oder Tränen in die Augen kriegen, wenn Benedikt zum letzten Mal in den Hubschrauber steigt. Tiefe menschliche Gefühle sind ergreifend. Trotzdem: Die Macht haben diese Institutionen und Menschen von uns. Wir geben sie ihnen, weil wir hoffen, daß sie uns Orientierung vermitteln, wo wir selbst keine haben oder sie nicht zu haben glauben. Wir projizieren auf diese Systeme und deren Repräsentanten Idealbilder, denen wir nicht gerecht werden können. Und diese Institutionen erzeugen wiederum Idealbilder, denen wir nicht gerecht werden können. (Wer erinnert sich noch an den Aufruhr, als der Film »Die letzte Versuchung Christi« in die Kinos kam: ein Jesus mit Geschlechtsverkehr! Man stelle sich vor, jemand zeige Jesus beim Onanieren, oh Gott!)

Vielleicht ist unsere Unsicherheit angeboren. Möglicherweise gehört sie zu unserer Existenz. Vielleicht gibt es letztlich nichts, was ein konstantes und stabiles Gefühl von Sicherheit schaffen kann. Ich bezweifle nicht, daß Immanuel Kant auch Angst hatte. Was macht man, wenn man sich instabil oder orientierungslos fühlt? Es sind Gefühle, die auftreten und eine zeitlang da sind – für manche Menschen auch ziemlich lange. (Möglicherweise sind ja auch nicht die Gefühle von Desorientierheit und Verunsicherung das Problem sondern unsere verzweifelten Bemühungen, solchen Gefühle aus dem Weg zu gehen.) Du mußt nur lange genug meditieren, auf dem Kopf stehen, Sexualität vermeiden oder Mantras singen, dann erschrickst Du nicht mehr, wenn die Steuernachzahlung kommt oder Deine Frau fremdgeht. Wenn Du Dich nur bewußtseinsmäßig hoch genug entwickelst, geht Dir alles am Arsch vorbei. Das nennen wir dann Erleuchtung oder endgültige Befreiung. 14. Wiedergeburt (wie bei Karmapa oder dem Dalai Lama) oder Operating Thetan VIII (Tom Cruise hat bei den Scientologen angeblich Stufe VII). Und auf diese Personen projizieren wir all das, was uns an uns unvollkommen erscheint. (Ich selbst mußte Anfang der 80er ziemlich lange nachdenken, als ich hörte, Bhagwan habe beim Zurücksetzen seines Rolls Royce einen Mülleimer umgefahren. Und ein Journalist fragte ihn, als die ganze Sheela-Bande in die Wüste geschickt worden war, wieso er als Erleuchteter denn nicht wußte, daß sein Telefon angezapft worden war.) Überhöhung ist ein wichtiges Element von Religion. Sei es, daß Jesus übers Wasser wandelte, Maria »unbefleckt« empfing, irgendwelche Heiligen irgendwelche Wunder vollbringen: Wenn wir nur intensiv genug glauben, lange genug üben, dann sind wir genauso großartig wie diese Menschen. Bis dahin aber haben wir Angst, daß uns der Chef rausschmeißt, daß wir an Weihnachten nicht die erhoffte Gehaltserhöhung kriegen, haben Schweißfüße, und in manchen Momenten rutscht uns ein Furz raus. Wäre Jesus, Krishnamurti, Bhagwan, Karmapa oder wem von diesen göttlichen Personen auch immer natürlich nicht passiert: 14. Wiedergeburt und geil? Naja, der Dalai Lama hat es publikumswirksam bei Alfred Biolek mal zugegeben. Und wenn sich der Papst (Johannes Paul II.) für eventuelle Fehler bei seinem Italienisch entschuldigt, sind die Menschen hellauf begeistert! Wie menschlich diese göttlichen Figuren doch sind, und sie geben es auch noch zu!

Und aus dieser Tatsache leitet sich die Berechtigung von Religionen ab, welche auch immer das sein mag. Ob ich von dem Affengott Hanuman, dem Elefantengott Ganesh, der heiligen Dreifaltigkeit, der Auferstehung, Dharma, Nirvana, der Heiligen Mutter Erde oder Gaja spreche: wir sollten versuchen, auf eigenen Beinen zu stehen und akzeptieren, daß wir manchmal einen Gips benötigen. Aber es wäre unangemessen, sich vor dem Gips niederzuwerfen und ihn anzubeten. Die Begegnung mit dem Göttlichen ist die Wiederholung der frühkindlichen Beziehung zu den allmächtigen Eltern (vor allem der Mutter). Diese mußten uns damals allmächtig und göttlich erscheinen. (Welches Erklärungsmodell hat denn ein Kleinkind?) Tiefe religiöse Gefühle können sehr gesund sein (Stichwort: Regression im Dienste des Ich). Aber wie Moses auf dem Berg den Weg zum Heiligen Land gewiesen bekam und danach im Tal marschieren mußte: das Leben wird im Alltag gelebt!

Wir sind diejenigen, die darüber entscheiden, was gut für uns ist und was nicht. Und wir müssen die Verantwortung dafür übernehmen, wie wir unser Leben leben. Jeder Einzelne muß entscheiden, welche Löcher er beim Geschlechtsverkehr benutzt und ob er auch bumst, wenn er nur Spaß dran haben will. (Wie sollen sich eigentlich katholische Frauen nach der Menopause verhalten?) Ich halte es nicht für gesund, wenn jemand längere Zeit nach außen schaut, um Informationen darüber zu bekommen, wie er zu leben hat. Die Antworten liegen in uns.

Ich lese grad die Schlagzeile: »Franziskus’ erste Messe: ›Wer nicht zu Gott betet, betet zum Teufel.‹« (die Welt, 15.03.2013) Soll ich mich jetzt erschrecken oder freuen oder ärgern, den Artikel lesen oder einfach mit dem Schreiben aufhören, weil alles gesagt ist und nachhause gehen?



Wir geben ihnen die Macht 2

Nachdem ich im Teil 1 so viel geschrieben habe, folgt Musik. Vielleicht vermittelt dies noch etwas besser, was ich meine:

Pink Floyd - "Brain Damage" / "Eclipse" [5:37] (Text)


Michael Jackson- They Don't Care About Us (HD 1080p Prison Version) [4:43] (Text)


Mark Knopfler - Brothers in arms [Berlin 2007] [6:33] (Text)


John Lennon - Imagine [3:31] (Text)
 

USA for Africa - We Are The World (w/M.Jackson) + Lyrics HQ [7:26] (Text)

(Written by Michael Jackson and Lionel Richie, produced by Quincy Jones) 


What a wonderful world - LOUIS ARMSTRONG. [2:18] (Text)
 

Van Morrison In The Garden [5:00] (Text)
(man achte auf 3:13 ff.)

Dire Straits & Hank Marvin "Going home - Local Hero" 1985 London live [4:52]


Heute wird Quincy Jones 80 Jahre alt

Er hält musikalische Rekorde über Rekorde: Grammys, verkaufte Platten etc. pp. Dabei hat Quincy Jones nie seine Seele verkauft. Nun wird der musikalische Allrounder 80 Jahre.

Freude, Vergnügen, Entzücken, Lust, Wohlgefallen, Wonne, Glück – all diese Zustände beschreibt das englische Wort "Delight". Da müssen die Eltern von Quincy Jones schon irgendwas geahnt haben, als sie ihrem Sohn diesen zweiten Vornamen gaben: Delight. Am 14. März 1933 erblickt Quincy Delight Jones Jr. n Chicago das Licht der Welt. Dieser Quincy Delight Jones jr. versteht sich nicht nur auf Freude, Vergnügen und Entzücken, er versteht sich auf den Blues und den Bossa Nova, auf Jazz und Pop, auf Afrikanisches und sogar auf HipHop.



"Das Letzte, was von unserem Planeten verschwinden wird, sind Wasser und Musik."

mehr:
- Quincy Jones wird 80 – Der musikalische Allrounder (Bayern 2, 14.03.2013)
- Zum 80. Geburtstag von Quincy Jones – Leonardo des Pop (Süddeutsche Zeitung, 14.03.2013)
- Als ausgesprochener Partyfreund lässt sich Quincy Jones zu seinem 80. Lebensjahr natürlich entsprechend hochleben. Zusammen mit dem gleich alten Schauspieler Michael Caine feiert der Musikproduzent für einen guten Zweck. (Ampya, 14.03.2014)
- Über jeden Zweifel erhaben – Quincy Jones - Zum 80. Geburtstag (SWR1, 14.03.2013)
- Der Erfolgsmacher – Magie ist harte Arbeit - Quincy Jones wird 80 (Tagesspiegel, 13.03.2014)
- Quincy Jones: Der Mann hinter dem Vorhang (Magistrix, 06.03.2013)

Quincy Jones’ Musik war mir meist zu nichtssagend und zu gefällig. Aber 27 Grammies (bei 79 Nominierungen) sind nicht zu verachten. (Eine Auflistung seiner Preise im englischen Wikipedia) Wofür ich ihn am meisten achte, ist seine Unterstützung für Claude Nobs und sein Montreux Jazz Festival, (siehe: John Lord ist 70 geworden, Post, 17.06.2011) daß ohne die Beziehungen und das Engagement von Quincy Jones nicht einen solchen Erfolg gehabt hätte. 
Deshalb gab’s da auch eine Riesenfete zu seinem 75. Geburtstag.

Quincy Jones 75th Birthday Celebration live at Montreux 2008 [2:36:23]

Veröffentlicht am 27.06.2013

Quincy Jones - Soul Bossa Nova - Live HD [3:54]

Veröffentlicht am 21.08.2013 "Soul Bossa Nova" is a popular instrumental title, composed by and first performed by American impresario, jazz composer, arranger, and record producer Quincy Jones.


Ich habe keine Ahnung, wie man auf so eine Melodie und auf einen solchen Sound kommt…
Der Sound wurde in den Austin-Powers-Filmen verwendet

Quincy Jones, Ray Charles & Chaka Khan - I'll Be Good To You [4:06]

Hochgeladen am 14.04.2010
Great track from the Quincy Jones album "Back on the Block" released in 1989. Performed by Ray Charles and Chaka Khan. (clip produced by Pfunk... with a HIGH quality in sound (bitrate:224) / quality video: svcd - www.pfunk.nl)



Er war auch maßgeblich am Erfolg von Michael Jackson beteiligt:
How To Make Sonic Sound, Quincy Jones, Recording Engineer Skills [10:00]

Hochgeladen am 30.07.2009
How did Thriller become the greatest selling album of all time? The secrets revealed in this documentary.

Er hat auch gecovert:
Quincy Jones Ai No Corrida [2:54]

Veröffentlicht am 01.03.2012

QUINCY JONES - THE SECRET GARDEN (LIVE SOUL TRAIN AWARDS) 1991 [6:04]



Quincy Jones - Just Once [4:33]

Veröffentlicht am 18.06.2014
The Dude


Quincy Jones "Walking In Space" (long version) [10:00]

Hochgeladen am 13.06.2009
The title track from the album "Walking In Space"
1969


Call Me Mr Tibbs! - Quincy Jones [4:34]

Hochgeladen am 05.09.2009
Film score of the sequel to 'In the Heat of the Night' starring Sidney Poitier.
Composed and conducted by Quincy Jones.
United Artists Records
Date Recorded: 1970



SOUNDTRACK: Quincy Jones - Money Runner (Le Coup) [3:07]

Veröffentlicht am 01.04.2012
Artist: Quincy Jones
Title: Money Runner
Year: 1972



Quincy Jones Big Band In Germany 1960 [27:06]

Veröffentlicht am 13.11.2012


Mittwoch, 13. März 2013

Heute vor 65 Jahren – 13. März 1948: Alfred Kinsey veröffentlicht seine Studie zum sexuellen Verhalten des Mannes

Die Amerikaner sollen entsetzt gewesen sein über 40% Seitenspringer und einige andere für das Selbstbild unangenehmen Fakten im Kinsey-Report.

»Größter Perversling der US-Geschichte« (Nachruf bei STERN Online 2006)




Es soll nicht verschwiegen werden, daß es inzwischen einige Stimen gibt, die ihn der Pädophilie bezichtigen.

Heute vor 88 Jahren – 13. März 1925: Der Butler Act verbietet Zweifel an der göttlichen Abstammung des Menschen

Lehrern, die ab 1925 gegen den »Butler Act« verstoßen, drohen Geldstrafen zwischen 100 und 500 Dollar. Nicht alle Teile von Darwins Evolutionstheorie sind betroffen. Strafbar machen sich die Lehrer immer dann, wenn sie bezweifeln, dass der Mensch von Gott geschaffen wurde.

Mehr bei Kalenderblatt

Im »Affenprozeß« wurde 1925 der Lehrer John Thomas Scopes zu 100$ Strafe verurteilt, weil er die Evolutionstheorie gelehrt hatte. (Verfilmung: »Wer den Wind sät«)

Unter Hinweis auf den 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten wurde nach der Beschwerde eines Lehrers der Butler Act im Jahr 1967 aufgehoben.

In den USA gibt es unter dem Stichwort »Intelligent Design« auch heute noch immer wieder durch Kreationisten angestoßene Diskussionen um die Stichhaltigkeit der Evolutionstheorie bis hin zu von Wissenschaftlern vorgetragene Überzeugungen, die Erde sei nur 6.000 Jahre alt.

In den USA ist man anscheinend wählbar, wenn man nicht an die Evolutionstheorie glaubt. Da lob’ ich mir doch unser gutes, altmodisches Europa.



Konklave

Es ist eine ausgezeichnete Show: Vatikan sucht den Superstar nachdem Wir zurückgetreten sind. Adieu Vatikan! Und alle machen mit: Frauen ins Priesteramt? Mißbrauchs- und Vertuschungsvorwürfe! Wie wird der neue Papst das alles handeln? Wer ist der Mann, an dem wir uns in wenigen Tagen reiben können? Wann hat er in den letzten sechzig oder siebzig Jahren was gesagt oder getan? Welche Leichen hat er im Keller, die wir uns natürlich sofort aufmachen werden zu suchen. Wie können wir ihn aus der Fassung bringen, welche Äußerung können wir mißverstehen und in in Erklärungsnöte bringen?

Auf zum nächsten Rumble in the Vatikan, the show must go on! Und nervt er uns ständig mit seinen altbackenen Sprüchen, wenigstens können wir zu ihm aufsehen und an seinem Podest sägen! 1,2 Milliarden Fliegen können nicht irren, die Erde ist eine Scheibe, der Papst der Stellvertreter Gottes auf Erden, und zum Geschlechtsverkehr sollten nur die dafür vorgesehenen Körperöffnungen verwendet werden. (Oh, Entschuldigung, das hat mal der Dalai Lama geschrieben, nicht so publikumswirksam, deshalb würde er das heute auch nie mehr von sich geben. Bei den ganzen gottgleichen Herrlichkeiten werde ich ganz durcheinander.)

Also: uns allen viel Freude mit dem neuen alten Herrn. Auf daß wir glücklich zu ihm aufblicken oder uns über ihn aufregen können, je nach Geschmack!


(Eine Karikatur von Burkhard Fritsche, gefunden auf SPIEGEL Online)