Freitag, 12. Juni 2015

Werden Sie aktiv. Oder halten Sie den Mund und schauen fern.

Die deutsche Digitalpolitik ist eine Katastrophe. Und Sie sind schuld daran. Sie lassen sich alles bieten und wählen weiter die gleiche Partei. Als Bürger haben Sie versagt.


Deutschland ist noch weniger als ein digitales Entwicklungsland, Deutschland ist ein Digitally Failed State. Und Sie tragen die Schuld. Sie, der Durchschnittsbürger. Eigentlich sind die Bürger, die Wählerschaft, das Publikum der Mittelpunkt der Medienlandschaft wie auch der der Demokratie. Leute also, die man nicht beschimpfen sollte. Aber ich halte es für notwendig, dass Sie Ihr fundamentales Versagen durch Nichtstun begreifen.

Es ist einfach, auf die böse Politik zu schimpfen, und das tun Sie ja auch. Aber es handelt sich um substanzloses Gemoser, denn Ihrem Unmut lassen Sie keinerlei Konsequenzen folgen. Sie sagen "Man kann ja nichts tun!", um anschließend nichts zu tun. Sie wählen weiter die gleiche Partei, Sie gehen nicht auf die Straße, Sie engagieren sich nicht. Ihre Beschwerde hat nämlich nicht das Ziel, irgendetwas zu ändern, sondern dient allein als Ventil: Sie sind Wutbürger minus Bürger, und selbst die Wut scheint mir aus Gründen der Seelenhygiene gespielt. Was die digitale Sphäre angeht, lassen Sie wirklich alles mit sich machen:

● Günther Oettinger, Digitalkommissar der Europäischen Kommission, versucht aktiv, die Netzneutralität zu zerstören, auch wenn er selbstredend das Gegenteil behauptet. Oettinger zieht einen hanebüchenen Vergleich, der von amerikanischen Lobbygruppen entwickelt wurde: Echte Netzneutralität münde direkt im Sozialismus. Könnte man Unverschämtheit in Energie umwandeln, ließe sich allein mit dieser Aussage die Ostsee auf den Siedepunkt erhitzen. Aber Sie nehmen sie teilnahmslos hin.
● Wegen einer katastrophalen Fehlentscheidungskette der vergangenen 15 Jahre sind mobile Daten in Deutschland sehr, sehr viel teurer als fast überall sonst - hierzulande kostet ein Gigabyte ernsthaft das Fünfzigfache von dem, was es in Finnland kostet. Die Gründe liegen hier bei falschen politischen Steuerungsinstrumenten im Verbund mit kurzsichtigen Konzernentscheidungen. Eine Kombination übrigens, welche die Digitalpolitik in diesem Land vollständig bestimmt, vom Leistungsschutzrecht bis zur mangelhaften Glasfaser-Infrastruktur. Aber Sie sind nur peripher interessiert.
● Die Bundesregierung verarscht Sie in diesem Moment, nicht nur mit der Einführung der nutzlosen, gefährlichen anlasslosen Massenüberwachung namens Vorratsdatenspeicherung. Angela Merkel verhindert gegen Ihr eigenes Versprechen ebenso, dass die BND-Selektorenliste der NSA dem Parlament vorgelegt wird - Ihrer gewählten politischen Vertretung. Von Veröffentlichung ganz zu schweigen. Hört sich irrelevant und kompliziert an. Nur geht es hier darum, dass eine von Ihren Steuergeldern bezahlte Behörde der NSA geholfen hat, das Unternehmen auszuspionieren, in dem Sie arbeiten. Aber Sie kümmern sich nicht darum.

Und das ist das Problem. Denn eigentlich müssten Sie der Treiber der Zivilgesellschaft sein. Sie müssten Druck auf die Politik ausüben, Sie müssten wenigstens versuchen, die gesellschaftlichen Zusammenhänge zu verstehen, die zu diesem deutschen Digitaldebakel geführt haben. 
Natürlich gibt es Phasen im Leben, in denen man sich nicht aktiv für Zukunft oder Politik interessieren kann oder will, und das ist okay. Aber es kann unmöglich sein, dass praktisch alle Durchschnittsbürger diese Phase zur selben Zeit durchmachen. Vor allem, weil das Potenzial nachweislich vorhanden ist.
mehr:
- S.P.O.N. - Die Mensch-Maschine: Sie haben die Zukunft verbockt (Sascha Lobo, SPIEGEL Online, 10.06.2015)

Autonome Waffensysteme – Drohne war gestern

Nach der Erfindung des Schießpulvers und der Entwicklung von Kernwaffen steht die Welt vor einer dritten Revolution in der Kriegsführung: vollautomatisierte Waffensysteme. Die Politik droht, von der technischen Entwicklung überholt zu werden
Während die deutsche Öffentlichkeit noch immer das Für und Wider unbemannter Flugsysteme erörtert, hat die technische Entwicklung die Drohnendebatte längst überholt. Kurz gesagt: Drohnen waren gestern.

Heute geht es nicht mehr um militärische Systeme, die unbemannt eingesetzt werden, sondern um Systeme, die selbstständig handeln. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit ist die technische Entwicklung autonomer Waffensysteme nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten so rasant vorangeschritten, dass heute militärisch möglich ist, was noch vor kurzem als Science Fiction galt. Die militärische Entwicklung ist dabei eng mit der revolutionären Technologieentwicklung der kommerziellen Industrie verknüpft – was eine politische Steuerung nicht gerade erleichtert.

Autonome Waffensysteme im Einsatz
Derzeit verfügen mindestens 30 Länder über Waffensysteme, die autonom defensiv arbeiten und vom Menschen in ihrer Tätigkeit nur noch überwacht werden. Manches dabei erscheint durchaus unstrittig – wie etwa autonom agierende Raketenabwehrsysteme. Doch im Militärischen existiert keine reine Defensive. Und: Die Entwicklung geht hin zu autonomen Elementen in Waffensystemen, die ihre Ziele selbständig erfassen und attackieren können – etwa im südkoreanischen System SGR-A1. Der Roboter aus dem Hause Samsung sichert die Grenze zu Nordkorea, identifiziert eigenständig feindliche Kombattanten und kann solche mit integrierter Schusswaffe eigenständig bekämpfen. Zumindest, was den letzten Schritt angeht, muss bislang ein Mensch die abschließende Feuerfreigabe erteilen.

Oder der unbemannte US-Kampfdrohnenprototyp X47-B: Er landet selbständig auf Flugzeugträgern und lässt sich in der Luft betanken. Das System zeigt, wie sich die Grenzen des Möglichen in den vergangenen Jahren erweitert haben. Neben einzelnen autonom agierenden Einheiten setzt das US-Militär dabei zunehmend auf Schwarm-Technologie. So berichtete die US-Navy kürzlich von erfolgreichen Versuchen mit Gruppen autonomer Kampfdrohnen. Nach dem Vorbild von Insekten sollen diese eigenständig kommunizierend in Formation fliegen und „Gegner selbsttätig überwältigen“. Angesichts solcher technischen Fortschritte spricht die US-Fachzeitschrift Nature mittlerweile offen von einer „dritten Revolution in der Kriegsführung“ – nach der Erfindung des Schießpulvers und der Entwicklung von Kernwaffen.

Die Position der Bundesregierung ist bislang eindeutig. Ein Absatz im Koalitionsvertrag bestimmt klipp und klar, Berlin werde sich „für eine völkerrechtliche Ächtung vollautomatisierter Waffensysteme einsetzen, die dem Menschen die Entscheidung über den Waffeneinsatz entziehen.“ Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat sich wiederholt entsprechend zu Wort gemeldet. Für sie bleibe ausschlaggebend, dass „immer ein Mensch darüber entscheidet, ob eine Waffe ausgelöst wird oder nicht“.

Hierbei kann die Bundesregierung durchaus auf die Unterstützung politischer Aktivisten zählen. Human Rights Watch warnte kürzlich vor dem Verlust von Verantwortlichkeit, die mit einer Automatisierung des Krieges einhergehe. „Keine Verantwortlichkeit bedeutet keine Abschreckung, keine Entschädigung, keine soziale Ächtung der Täter“. Die Empfehlung: „Wir müssen vollständig autonome Waffen dringend verbieten.“

mehr:
- Drohne war gestern (Michael Bröning, Tobiea Fella, Cicero, 11.06.2015)

KILL COMMAND Trailer Deutsch | German [Science Fiction, Horror] HD [2:27]

Veröffentlicht am 02.05.2016
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Film Trailer auf Deutsch: https://goo.gl/2Ccs7W
KILL COMMAND Deutscher Trailer | ab 3. Juni 2016 - auf DVD mit Vanessa Kirby, Thure Lindhardt, David Ajala, Tom McKay. Regie - Steve Gomez.

In einer nahen Zukunft: Captain Bukes (Thure Lindhardt), der leitende Offizier einer Eliteeinheit von Marinesoldaten, begibt sich zusammen mit seiner Truppe zu einer Trainingseinrichtung auf eine verlassene Insel. Die Mission wird zudem von Technikspezialistin Mills (Vanessa Kirby) begleitet, deren Gehirn mit einem Computer verbunden ist. Eigentlich sollte es bei dem Einsatz nur um eine Übung gehen, doch als die Soldaten merken, dass sie zu lebenden Zielscheiben der vor Ort stationierten militärischen Roboter und Maschinen werden, beginnt für sie ein Kampf auf Leben und Tod. Ihre Lage verkompliziert sich, als sie herausfinden, dass Mills, auf die sie in ihrer brenzligen Situation jedoch angewiesen sind, ein Geheimnis verbirgt…

FilmIsNow, eure erste Anlaufstelle für die neusten Film-Videos, sobald sie veröffentlicht werden. Das FilmsNow Team ist darauf bedacht euch mit den neusten Studio Trailern, Filmclips, evokativen Dokumentationen und anderen besonderen Videos zu versorgen, weil wir genau wie ihr große Fans des Films sind.


Die Welt im Erdölrausch

Der Historiker Daniele Ganser über den Kampf um Rohstoffe und Absatzmärkte und Auswege aus der Gewaltspirale


Daniele Ganser (Dr. phil.) ist Schweizer Historiker, spezialisiert auf Zeitgeschichte seit 1945 und Internationale Politik. Seine Forschungsschwerpunkte sind Friedensforschung, Geostrategie, verdeckte Kriegsführung, Ressourcenkämpfe und Wirtschaftspolitik. Er unterrichtet an der Universität St. Gallen (HSG) zur Geschichte und Zukunft von Energiesystemen und an der Universität Basel im Nachdiplomstudium Konfliktanalysen zum globalen Kampf ums Erdöl. Er leitet das Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER) in Basel.
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► Herr Ganser, Sie sind nicht nur Friedensforscher und NATO-Kritiker, Sie vertreten auch die Auffassung, Energie und Frieden seien miteinander "vernetzt" und haben vor einiger Zeit eine Studie zum Thema "Europa im Erdölrausch" publiziert. Was hat Frieden mit Energie und hat Europa mit Rauschzuständen gemein?

Daniele Ganser: Wir brauchen jeden Tag weltweit 90 Millionen Fass Erdöl. Das entspricht 45 Supertankern. Das ist eine ganze Menge. Die EU braucht täglich 15 Millionen Fass, die USA verbrauchen sogar 20 Millionen Fass. Wir sind also als Weltgemeinschaft hochgradig süchtig nach Erdöl. Zudem brauchen wir viel Erdgas, weltweit täglich 9 Milliarden Kubikmeter. Natürlich versuchen wir in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz mit der Energiewende die Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern zu reduzieren, das halte ich für richtig und wichtig. Aber derzeit sind wir noch stark in einer fossilen Welt. Und weil die Ressourcen nicht gleichmäßig verteilt sind, führt das mitunter zu militärischen Konflikten.

mehr:
- Die Welt im Erdölrausch (Jens Wernicke, Telepolis, 10.06.2015)

Qualitätsmanagement Propaganda: Controlling

Nach einer Pew-Umfrage würde eine Mehrheit der Deutschen, Italiener und Franzosen keine Truppen schicken wollen, um ein Nachbarland Russlands bei einem ernsthaften Konflikt zu unterstützen 

Während die Regierungen der Nato-Länder verkündet haben, ihre Militärausgaben zu erhöhen und die an Russland grenzenden Nato-Staaten militärisch zu schützen, was durch die Nato-Speerspitze geschehen soll und mit zahlreichen Militärübungen demonstriert wird, sind die Regierten eher zögerlich. Nach einer Pew-Umfrage würde eine Mehrheit der Deutschen, Italiener und Franzosen keine Truppen schicken wollen, um ein Nachbarland Russlands bei einem ernsthaften Konflikt zu unterstützen. Der Artikel 5, die Beistandsverpflichtung der Nato, hätte für sie damit keine Gültigkeit.

Mit 34 Prozent sagt dies selbst ein Drittel der Polen, mit 48 Prozent ist nicht einmal die Hälfte für die Entsendung von Truppen zu einem bedrohten Nato-Land. 70 Prozent der Polen sehen gleichwohl Russland als Bedrohung der Nachbarländer, in den anderen Staaten sind es 49 Prozent, 57 Prozent (vs. 37%) machen Russland für die Gewalt in der Ostukraine verantwortlich, 49 Prozent (vs. 25%) fordern eine Verschärfung der Sanktionen. Selbst in den USA machen nur 43 Prozent Russland für die Gewalt in der Ostukraine verantwortlich.



[Quelle: NATO Publics Blame Russia for Ukrainian Crisis, but Reluctant to Provide Military Aid, Pew Research Center, 10.06.2015]


Und die Nato? Sie wird noch bei fast Zweidrittel der Menschen in den ausgewählten Ländern positiv angesehen. In den USA sind es nur noch 49 Prozent, der Ukraine-Konflikt, der nach den Regierenden zu einem Zusammenrücken der transatlantischen Bande und der Nato führen soll, hat daran nichts geändert, auch praktisch nicht in Kanada und Großbritannien. In Polen, Spanien, Italien und in Frankreich ist die Unterstützung der Nato hingegen zwischen 2013 und 2015 gestiegen. In Deutschland hingegen halten immer weniger Menschen etwas von der Nato. 2009 hatten noch 73 Prozent eine positive Einstellung. 2013 fiel dies bereits auf 59 Prozent, womit die Deutschen sich in den Durchschnitt einreihten, jetzt sind es nur noch 55 Prozent. Allerdings damit noch mehr als in den USA und Spanien, allerdings sind mit 57 Prozent die meisten Deutschen überdies gegen eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine – auch die Italiener sind mehrheitlich dagegen. Die Deutschen, Franzosen und Italiener lehnen mehrheitlich auch einen EU-Beitritt ab.

Die Russen sprechen zur Hälfte den westlichen Ländern und zu 26 Prozent der Ukraine die Schuld an der Krise zu. In den Nato-Ländern sagen viele, sie wüssten nicht, wer verantwortlich ist, den westlichen Ländern wird nur von einer kleinen Minderheit die Schuld zugeschoben, die Deutschen stehen hier mit 12 Prozent an der Spitze. Weniger als 10 Prozent sehen Kiew in der Verantwortung, aber immerhin 13 Prozent in den USA und 14 Prozent in Frankreich. Mehr Verantwortung wird den prorussischen Separatisten zugesprochen (30% in Frankreich, 25% in Deutschland, 15% in den USA). Nur 29 Prozent machen in Deutschland und Italien Russland verantwortlich, in Spanien sind es 37 Prozent, in Großbritannien 40, in Frankreich 44, in den USA 42 Prozent.

mehr:
- Die Ukrainer sind kriegsmüde (Florian Rötzer, Telepolis, 11.06.2015)

Donnerstag, 11. Juni 2015

Die Seidenstraßenstrategie

Der Begriff Seidenstraßenstrategie basiert auf einer Übersetzung eines entsprechenden Gesetzesvorschlages (Silk Road Strategy Act oder auch genannt „New Great Game“), das vom Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten im März 1999 verabschiedet wurde. Allerdings wurde die Vorlage weder vom Senat ratifiziert noch vom damaligen US-Präsident Bill Clinton(oder einem seiner Nachfolger) unterzeichnet.[1] […]
Namensgebend für das Politikkonzept war die historische Seidenstraße bzw. The Great Game. Ihren ideologischen Ursprung hat es in der Carter-Doktrin, die auf Präsident Carters Berater für Nationale Sicherheit Zbigniew Brzeziński zurückgeht.[Wikipedia, abgerufen am 11.06.2015…]
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»Wir stehen nicht auf der falschen Seite. Wir sind die falsche Seite.« (Daniel Ellsberg)

siehe auch:
- Zbigniew Brzezinski, Die einzige Weltmacht (Post, 28.11.2014)
- China's silky road to glory (Pepe Escobar, Asia Times Online, 14.11.2014)
- Russisch-Roulette mit dem Atomkrieg (Noam Chomsky, der Freitag, 20.10.2012)
Das Problem mit Castro (Noam Chomsky, der Freitag, 23.10.2012)
- Appell an die Vernunft (Noam Chomsky, der Freitag, 24.10.2012)
Kuba-Krise Es grenzt an ein Wunder, dass der Atomkrieg ausblieb. Denn ein deeskalierender Umgang mit Konflikten fehlt bis heute. Teil 3 von Noam Chomskys Essay
- Yes we Ken: NICHT-Handeln hat Konsequenzen (iDog, Freitag-Community, 15.01.2014)
KenFM Einer der all das in einem Artikel behandelt, was alle anderen oft nicht mal berühren dürfen oder sich nicht klar auszusprechen trauen. Das ist Journalismus!

KenFM über: Super-Marionetten [53:39]

Veröffentlicht am 26.12.2013

Super-Marionetten!

http://kenfm.de/blog/2013/12/26/super...

Der Bundesregierung in Sachen Menschenrechte Doppelmoral vorzuwerfen wäre mehr als unrecht. Es wäre schlicht falsch. Falsch deshalb, weil der Vorwurf der Doppelmoral vorGAUCKelt, Person X oder Regierung Y hätte überhaupt eine Moral.

Moral und Macht passten vielleicht noch zusammen, als Macht mit einer gewissen Verbundenheit zu Heimat, Religion oder Ethnie zu tun hatte. Das ist lange vorbei.

Das Reagenzglas, in dem Macht seit Erfindung des Kapitalismus ähnlich gedeiht wie Krebs in einem Organismus, nennt sich im Neusprech „Markt".
Die Gesetze des modernen Marktes berufen sich am liebsten auf die Gesetze der Natur. Fressen und gefressen werden. Survival of the fittest.

Dabei übersieht diese kapitalistische Interpretation der Schöpfung, dass die Natur neben allem „Kampf" auch die Symbiose als Form der Gemeinschaft hervorgebracht hat und bis heute vorlebt. Oder die Co-Existenz.

Der moderne Mensch, so scheint es, kann mit Co-Existenz wenig anfangen. Die oder Wir, oder besser: Du oder ICH ist das Motto der Machtelite. Deren Zentrum findet der dem Westen angedockte Mensch in den USA.

Die USA sind im Moment der übrig gebliebene Titan des kalten Krieges. Das hat nicht nur Vorteile, denn dieser Titan bezog seine Stabilität auch aus der Tatsache, dass es Jahrzehnte lang einen Gegenspieler gab. Ein Gegengewicht.

Mit dem Zusammenbruch der UdSSR entstand dann ein Machtvakuum und damit ein politischer Sog, der zu Instabilität führte.

Dieser Sog ist jetzt der Motor der Entwicklung. Hier handelt es sich gewissermassen um eine Art Wettlauf. Ein Wettlauf um frei gewordenes Terrain. An diesem Wettlauf nehmen heute viele kleiner gewordene Player teil, aber vor allem einer, der wieder größer wird. Nach 150 Jahren Pause. Die Rede ist vom ehemaligen Weltreich China. Riesengroß, im Vergleich zur westlichen Kultur uralt, und von einer Dynamik angeschoben, von der man in unseren Breiten nur träumen kann.

China will einen immer größeren Teil des globalen Kuchens, den man Ressourcenpool nennt, und der die Grundlage für geopolitische Herrschaft darstellt.

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- Noam Chomsky: Driving forces in US policy (BerlinO1010, Freitag Community, 26.05.2014)
»Für die Mächtigen sind Verbrechen solche, die andere begehen.«( Noam Chomsky, Imperial Ambitions. Conversations on the Post-9/11 World, 2005 )

Ein westlicher Wert: Habeas Corpus

Habeas Corpus (lateinisch „du sollst den Körper haben“) waren die einleitenden Worte von Haftbefehlen im Mittelalter. Zu Beginn der Neuzeit waren die Worte ein Begriff für Verhaftung.[1] Durch den Habeas Corpus Act in England wurde aus den beiden Worten ein Begriff für das Recht Verhafteter auf unverzügliche Haftprüfung vor Gericht.[2] Lange nach der Magna Cartaund kurz vor der Bill of Rights war dieses Gesetz im Jahr 1679 ein historischer Schritt zum Rechtsstaat.
In England missbrauchte Karl I. dieses mächtige Instrument, indem er von wohlhabenden Bürgern Zahlungen erpresste mit der Androhung, sie bei Verweigerung der Zahlungen einsperren zu lassen. Trotz der 1628 durch das Parlament gegen diese Praxis erlassenen Petition of Right verfiel der König bald wieder darauf. 1641 musste Karl, der wegen eines Aufstands von Schotten und Iren in Geldnot war, einem neuerlichen Erlass des Parlaments zustimmen, der Verhaftungen nur noch mit angemessener Begründung zuließ. Nach dem englischen Bürgerkrieg (1642–1649), der in der Hinrichtung Karls I. gipfelte, und dem Commonwealth-Regime unter Oliver Cromwell (1649–1660) kam Karl II. an die Macht. Auch dieser König griff bald wieder die Praxis der willkürlichen Festnahmen auf, wobei er Gegner zumeist in Gebiete außerhalb Englands bringen ließ, in denen diese Einschränkungen nicht galten. Am 27. Mai 1679, während einer Schwächeperiode seiner Herrschaft, sah sich Karl II. gezwungen, den Habeas Corpus Amendment Act zu unterzeichnen, der eine Verschärfung der bisherigen Regelung bedeutete. Inhaftierte mussten nun innerhalb von drei Tagen einem Richter vorgeführt werden und durften unter keinen Umständen außer Landes gebracht werden. Um dem Habeas Corpus Act größeres Gewicht zu verleihen, wurden Beamte für den Fall der Missachtung mit empfindlichen Geldstrafen bedroht.
Die Europäische Menschenrechtskonvention stuft das Recht auf Schutz vor willkürlicher Inhaftierung in Artikel 5 als Menschenrecht ein. Insbesondere ist die Praxis des Verschwindenlassens von Personen (engl. Forced Disappearance) im so genannten Rom-Statut völkerrechtlich als Verbrechen gegen die Menschlichkeit definiert. Es bildet damit eine Rechtsnorm für die Rechtsprechung des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag. […]
In der Verfassung der USA wurde 1789 festgeschrieben, dass das Recht auf richterliche Haftprüfung nur im Falle eines Aufstandes oder einer Invasion vorübergehend ausgesetzt werden kann, wenn die öffentliche Sicherheit dies erfordert. Abraham Lincoln machte während des Sezessionskrieges davon Gebrauch, um Südstaatensoldaten auch ohne den Nachweis konkreter Gewaltakte als Kriegsgefangene festhalten zu können. Im Jahre 2006 wurde dieses Recht für als „ungesetzliche Kombattanten“ eingestufte Nicht-US-Bürger durch den Kongress abgeschafft, wobei diese Einstufung im freien Ermessen der Regierungsbehörden lag und kein Einspruch dagegen möglich war.[6] Die Abschaffung erfolgte vor dem Hintergrund, den Häftlingen von Guantánamo eine gerichtliche Rechtsprüfung ihrer Inhaftierung zu verweigern, betraf allerdings potentiell sämtliche Ausländer. Nachdem der Versuch einer Wiedereinführung 2007 bereits im Senat scheiterte, wurde die Regelung am 12. Juni 2008 vom Supreme Court in der Entscheidung Boumediene v. Bush für verfassungswidrig erklärt, so dass auch terrorverdächtigen Ausländern das Recht zusteht, vor zivilen Gerichten die Rechtmäßigkeit ihrer Inhaftierung prüfen zu lassen.[7][…]
Am 31. Dezember 2011 unterzeichnete Präsident Barack Obama das Nationale Verteidigungsbevollmächtigungsgesetz für das Fiskaljahr 2012 (NDAA) „mit ernsthaften Bedenken“.[8] Es erlaubt die Festnahme von Personen unter Terrorverdacht durch das Militär und eine Haft unbegrenzter Dauer in Militärgefängnissen ohne Gerichtsverfahren, Rechtsbeistand oder Berufungsmöglichkeit. Eine Verbringung ins Ausland oder die Übergabe an ausländische Rechtsträger ist möglich. Festnahmen auf dem Boden der USA sowie von US-amerikanischen Bürgern sollen durch nicht-militärische Kräfte erfolgen. Neben zahlreichen nationalen und internationalen Medien[9][10][11][12][13][14][15] kritisieren unter anderem die Amerikanische Bürgerrechtsunion[16] sowie die US-amerikanische Sektion von Amnesty International[17] das Gesetz scharf.[Habeas Corpus, Wikipedia]
siehe auch:
- Boumediene v. Bush (Wikipedia)

Magna Carta - Robin Hood 2010 [2:58]

Veröffentlicht am 21.09.2014
This three minute clip from the movie Robin Hood is provided purely as an educational resource. This clip was taken from the 2010 version of Robin Hood. While the film is not historically accurate, the speech by Robin Hood (played by Russel Crowe) does convey these significant ideas presented by the Magna Carta: limitations of the power of a king and the ideals of liberty.

Keith Olbermann on the Death of Habeas Corpus [8:59]

Hochgeladen am 18.10.2006
Keith Olbermann's commentary on the President, and the signing of the bill stripping the writ of habeas corpus from american citizens.
- Noam Chomsky on the shredding of our fundamental rights and the common good (Alternet, 10.06.2012)
- Was machen wir mit den Terroristen? (Louis Begley, Die Welt, 09.02.2002)


Besonders offensichtlich ist die besondere Wertschätzung der Schutzinstrumente und - mechanismen, die die meisten europäischen und nordamerikanischen Staaten im Kampf gegen den Terror aktiviert haben. Dieser Vorrangigkeit der Sicherheit von Bürgern und politischen Institutionen wird die hochgeschätzte individuelle Freiheit untergeordnet, wie Ronald Dworkin schon bald nach den Attentaten die zukünftige Entwicklung antizipierte. Diese augenscheinlichste Veränderung in der Wertehierarchie des Politikverständnisses stellt nur einen kleinen Teilbereich der eigentlichen Umwälzungen dar. Die konkreten Formen und die vermeintlichen Ursprünge der politischen Gewalt des neuen internationalen Terrorismus haben noch weitgehend unbemerkt zu einer nachhaltigen Modifikation unserer Auffassung von politischer Ordnung geführt.
Die Debatten und die politischen Reaktionen auf den internationalen Terrorismus sind selbst in besonderer Weise in dessen Wesen und Funktionsweise verschränkt. Das vom Terror bewusst intendierte Gefühl der Verletztheit und der Verletzbarkeit von Menschen hat Auswirkungen auch auf deren Denken und Handeln selbst – und dies betrifft auch institutionelle Prozesse.
So antworten die Staaten auf die spezifische Form der hyperbolischen und alle ethischen Regeln sprengenden terroristischen Gewalt mit neuen Gewaltformen und – institutionen (vgl. das Gefangenenlager von Guantanamo, die willkürlichen Entführungen durch CIA-Beamte, die neuen Überwachungsregelungen in Deutschland etc.). Diese neuen staatlichen Gewaltformen und – institutionen entsprechen einem veränderten Verständnis der Ausübung des staatlichen Gewaltmonopols. Der erklärte ‚Krieg gegen den Terror’ nimmt keine Rücksicht darauf, dass die klassische Definition des Krieges als Gewalthandlung zwischen zwei oder mehr quasistaatlichen Kollektiven ein solches Vorhaben nicht zulässt. Die Kriegserklärung suggeriert, dass gewisse im Krieg scheinbar legitime Gewaltpraktiken möglich sind.
Eine ebenfalls bedeutende Verschiebung im Begriff politischer Gewalt betrifft das Verhältnis von Täter und Opfer. Die das Opfer willkürlich und allein der öffentlichen Wirkung gemäß auswählende Gewalttat der Terroristen findet eine Entsprechung in der Auffassung staatlicher Gewalt als vor allem und einzig dem Zweck des Schutzes des Gemeinwesens verpflichtete. (In der politischen Praxis zeigt sich dies zum Beispiel in den Bemühungen um das Gesetz zum Abschuss von zivilen Linienjets.) Hierbei treten die Menschen- und Grundrechte oft in den Hintergrund und die habeas corpus – Rechte werden missachtet. ( Alfred Hirsch, Gewaltformen, Vorbemerkungen zu einigen Gewaltformen des Terrorismus, Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung, April 2008)
siehe auch:
- Die Welt ist in einer prekären Schieflage (Guido Kalberer, Tagesanzeiger.ch, 07.12.2013)
Peter Sloterdijk bezeichnet in seinem neuen Essay Europa als Unterhaltungsgemeinschaft und die USA als Kampfgemeinschaft. Beides seien Formen der Selbstzerstörung.
- „In Europa läuft was schief“ (Michael Kluger, Frankfurter Neue Presse, 17.06.2013)
In seiner fulminanten Dankrede beschwor der Karlsruher Großgeist ein tiefes Unbehagen am Zustand Europas und Amerikas - und plädierte für eine neue offensive Gemeinsamkeit.
Zitat:
„Das europäische Projekt steht vor dem Zerfall“, warnte Sloterdijk. „In Europa laufen die Dinge seit einiger Zeit auf unheimliche Weise schief.“ Politik sei nur noch ein „Reparaturbetrieb“ für vorausgegangene Fehler. Er verglich Europa mit einem lethargisch-schläfrigen Urlaubscamp in Österreich nach fünf Wochen Regen. Die Europäer sollten sich indes weigern, bloß „Zuschauer dieses Endspiels zu sein“, so der Philosoph. Auf ebenso unheimliche Weise laufe in den USA etwas schief, sagte Sloterdijk. Der „maximale Stress“ der Amerikaner nach den Anschlägen von 9/11 habe die Welt in ein riesiges Schlachtfeld verwandelt. Der reflexhafte „Krieg gegen den Terror“ führe zu einer schleichenden „Selbstvergiftung“ der Demokratie, bis hinein in die globale Sprache: In Erdogans Rhetorik mutierten türkische Demonstranten leichthin zu „Terroristen“.

Mittwoch, 10. Juni 2015

Heute vor 100 Jahren – 10. Juni 1915: Die Morde in der Kemach-Schlucht

In der Kemach-Schlucht töten türkische Truppen 25.000 Armenier. Das Massaker ist der vorläufige Höhepunkt eines systematischen Völkermordes gegen die armenische Bevölkerung im Osmanischen Reich. Insgesamt fallen den Morden der Jahre 1915 und 1916 rund 1,5 Millionen Armenier zum Opfer. Historiker sprechen heute vom »ersten Völkermord des Jahrhunderts«. Ziel des Genozids an den christlichen Armeniern ist die Verwirklichung eines von den herrschenden jungen Türken angestrebten Reiches auf rein islamischer Grundlage. Unter dem Vorwand, die Armenier unterstützten den Kriegsgegner Russland und bereiteten einen Aufstand vor, beschlossen Jungtürken am 27. Mai die Deportation der armenischen Bevölkerung in die mesopotamische Wüste. Zuvor waren in Konstantinopel 600 führende armenische Intellektuelle verhaftet und zum größten Teil ermordet worden. Während der Deportation werden Männer, Frauen und Kinder – sofern sie nicht an Seuchen und an völliger Entkräftung sterben – verschleppt, verkauft, vergewaltigt und ermordet. 
mehr:
- Völkermord an Armeniern (Görich et al., Die große Chronik der Weltgeschichte, Wissen Media Verlag 2005, S. 112, bei GoogleBooks)
- Der Genozid an den Armeniern und die deutsche Beteiligung (Gruppe internationaler Sozialisten, 25.04.2010)
- Telegramme Deutsche Botschaft, Konstantinopel, August 1915 (Johannes Lepsius, Deutschland und Armenien, Sammlung diplomatischer Aktenstücke, 1919, bei ForgottenBooks)
- Kampf um Berg-Karabach und der Völkermord an den Armeniern (II) (SPIEGEL Online, 30.03.1992)
- Die Armenische Frage und der Genozid an den Armeniern in der Türkei (1913-1919)  (Dokumente politischer Archive des deutschen Außenministeriums, Vardges Mykaelyan, Institute of History – Academy of Science – Republic of Armenia)

Armin T. Wegner - Der Fotograf des Genozids [Völkermord an den Armeniern] [32:48]

Veröffentlicht am 03.01.2013
Eine Dokumentation von Tigran Xzmalyan über den deutschen Sanitätsoffizier Armin T. Wegner, der im Jahre 1915 als Augenzeuge den Völkermord am armenischen Volk durch die Jungtürken miterlebte und trotz Verbot fotografierte.

Zudem präsentiert die Dokumentation „Der Fotograf" den Offenen Brief Wegners an Woodrow Wilson (28. US-Präsident) der im Februar 1919 verfasst wurde.

Die Fotografien von Armin T. Wegner gelten heute noch als die wichtigsten Bildbeweise für den Genozid am armenischen Volk.




Im Ersten Weltkrieg diente er zuerst an der russischen Front als Krankenpfleger. 1915 kam er mit einer deutschen Sanitätsexpedition in das Osmanische Reich. 1916 war Wegner dann als Sanitätsoffizier unter Feldmarschall Colmar Freiherr von der Goltz in Ost-Anatolien tätig und sah dabei mit eigenen Augen die Vertreibung und den Völkermord an den Armeniern durch die Türken. Bis heute bedeutend ist, dass Armin T. Wegner nicht nur Augenzeuge war, sondern das Geschehen auch fotografisch und literarisch festgehalten hat. Er intervenierte in dieser Angelegenheit auch bei der deutschen Regierung und beim US-Präsidenten (Offener Brief an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Woodrow Wilson, über die Austreibung des armenischen Volkes in die mesopotamische Wüste). Seine Hoffnung, die kaiserliche Diplomatie würde Einfluss auf die Verbündeten am Bosporus nehmen, wurde ebenso enttäuscht wie die Erwartung nach 1918, die Sieger würden sich für das armenische Volk einsetzen. Dennoch gelten Wegners Fotografien auch heute noch als die wichtigsten Bildbeweise für den Genozid am armenischen Volk. „Das unvorstellbare Ausmaß aber und der politische Wille, der hinter dem Genozid an den Armeniern im zerfallenden Osmanischen Reich stand, machen aus diesen Dokumenten Schätze von einmaligem Wert", schreibt etwa der Fotopublizist Ralf Hanselle. „Wegner […] ging es um das Sammeln und Festhalten von Beweismitteln. Auf seinen Bildern sticht all das ins Auge, was das 20. Jahrhundert der Nachwelt seit langem ins fotografische Gedächtnis eingebrannt hat: Die unterlegenen Körper und die sprechenden Blicke, die Ordnung der Macht und die Ohnmacht des Individuums".[1] Wegner hielt 1919 in der Berliner Urania einen Dia-Vortrag, in dem er auch die eigenen Bilder zeigte, den Vortrag hielt er später auch in Breslau und 1924 noch in Wien. Sein Vorhaben, zu dem Geschehen einen Roman zu schreiben, blieb in Entwürfen stecken, auch bedingt durch die Publikation von Teilen aus Franz Werfels Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh im Jahr 1932.
Nach dem Ersten Weltkrieg nahm Wegner seine Tätigkeit als Reiseschriftsteller wieder auf. Daneben betätigte er sich als aktiver Pazifist. 1919 war er aktiv an der Gründung vom Bund der Kriegsdienstgegner (BdK) beteiligt, der sich später international mit anderen Pazifisten in der War Resisters’ International (WRI) organisierte.
Im November 1920 heiratete Wegner die jüdische Schriftstellerin Lola Landau und lebte mit ihr in Neuglobsow am Stechlin. Im April 1923 wurde die Tochter Sibylle Anusch geboren. Die Ehe wurde nach Lola Landaus Entscheidung für den Zionismus und ihrer Übersiedelung nach Palästina1939 geschieden.
1927/1928 unternahm Wegner eine Reise in die Sowjetunion. Sein daraufhin erschienenes Buch Fünf Finger über Dir ist ein Dokument des Ringens um eine angemessene Haltung gegenüber Kommunismus und politischer Gewalt.
Im April 1933 schrieb Wegner einen Brief an Adolf Hitler, worin er gegen die Judenverfolgungen protestierte. Mit erstaunlich prophetischem Weitblick warnte er ihn vor den späteren Folgen: „… die Schmach und das Unglück aber, die Deutschland dadurch zuteil wurden, werden für lange Zeit nicht vergessen sein … wenn einmal die Städte zertrümmert liegen, die Geschlechter verbluteten … Mit Scham und Verachtung werden sie von den Geschlechtern künden, die nicht nur das Glück des Landes leichtfertig auf das Spiel setzten, sondern auch sein Andenken für immer geschändet haben!“
Im August 1933 wurde er von der Gestapo verhaftet und im Columbiahaus in Berlin-Tempelhof gefoltert. Er verbrachte vier Monate in Gefängnissen und den KonzentrationslagernOranienburgBörgermoor und der Lichtenburg. Nach seiner Freilassung Ende Dezember 1933 emigrierte er. Über Großbritannien und Palästina gelangte er nach Italien, wo er sich 1936 in Positano niederließ. Im Jahr 1938 kamen in Deutschland alle Schriften Wegners auf die Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums[Armin T. Wegner, Wikipedia]


Über das Böse in der Welt ist viel nachgedacht worden, und die Psychologie hat verschiedene Thesen zur Destruktivität des Menschen entwickelt. Selten wurden aber mit solcher Konsequenz die Ursachen aufgespürt wie von Arno Gruen, wenn er zeigt, wie Gewalt und Unmenschlichkeit im Inneren des Menschen entstehen und wie sich unser soziales Leben darauf eingerichtet hat, dass der herrschende Wahnsinn lebensfeindlichen Handelns den Mantel realitätsgerechten Verhaltens trägt. Er öffnet den Blick dafür, dass menschliche Destruktivität nicht einfach eine Fähigkeit zum Bösen ist, sondern vielmehr die Folge eines Mangels, der als solcher nicht erkannt wird: Wo das Vermögen abhanden gekommen ist, die eigenen Gefühle wahrzunehmen, und Selbsthass an deren Stelle getreten ist, ist auch die Fähigkeit zu wirklichem Mitgefühl und echtem Mitfühlen verlorengegangen.

Im »Wahnsinn der Normalität« legt er die Wurzeln der Destruktivität frei, die sich viel öfter, als es uns klar ist, hinter vermeintlicher Menschenfreundlichkeit oder ordnungsstiftender Vernunft verbergen. Arno Gruen besticht durch die Vielzahl der Beispiele, zu denen auch die unfasslichen Ereignisse im Dritten Reich oder im Vietnamkrieg gehören, und schafft die überzeugende Beweislage, dass dort, wo Innenwelt und Außenwelt keine Einheit bilden, verantwortungsvolles Handeln und echte Menschlichkeit ausbleiben.
(Verlagsinfo zu: Arno Gruen Der Wahnsinn der Normalität – Realismus als Krankheit: eine grundlegende Theorie zur menschlichen Destruktivität)

Türken leugnen Völkermord an Armeniern! [8:06]

Hochgeladen am 19.12.2011
http://www.pi-news.net
Türken leugnen Völkermord an Armeniern! Und erneut sorgt der Streit um Massaker an den Armeniern zwischen 1915 und 1917 für diplomatische Turbulenzen zwischen Frankreich und der Türkei. Grund ist ein Gesetzentwurf, dem die französische Nationalversammlung am Donnerstag zustimmte und der das Leugnen offiziell anerkannter Völkermorde unter Strafe stellt. Nach französischer Lesart fallen darunter auch die Verbrechen an den Armeniern im Osmanischen Reich. Ankara legte aus Protest die Zusammenarbeit mit Paris auf Eis. Der türkische Ministerpräsident Erdogan sprach von „sehr schweren und irreparablen Wunden".

Heute vor 150 Jahren – 10. Juni 1865, Nationaltheater München: Uraufführung von »Tristan und Isolde«

WAGNER - Tristan und Isolde - Prelude and Liebestod (Georg Solti - Chicago Symphony Orchestra) [18:45]

Hochgeladen am 01.07.2011
Richard Wagner - Prelude and Liebestod from "Tristan und Isolde" - Chicago Symphony Orchestra, conducted by Georg Solti.

Vor 150 Jahren wurde in München „Tristan und Isolde“ uraufgeführt, ein Werk, das wie kein anderes Epoche gemacht hat. Mit dem berüchtigten „Tristan“-Akkord begann die musikalische Moderne. Die Wurzel bilden Liebe und Todesfurcht.


Ob sich jemand im Auditorium der Münchner Hofoper im Klaren darüber war, dass er einem historischen Ereignis beigewohnt hatte? Vielleicht ja, die Wehen, die zu dieser Geburt geführt hatten, waren so ausdauernd, so heftig gewesen, dass zumindest einige der Begleitumstände lange vor dem Premierendatum bekannt, ja berüchtigt waren. Am 10. Juni 1865 erblickte Richard Wagners „Tristan und Isolde“ das Bühnenlicht. Von den epochemachenden Uraufführungen im Verlauf der Musikgeschichte war dies, „Sacre du printemps“ hin oder her, die epochemachendste.

[Quelle: arikivmusic]
Vielleicht ist der unmögliche Superlativ in diesem Fall erlaubt. Um Strawinskys Ballettmusik von 1913, später die „Atombombe in der Musikgeschichte“ genannt, konnten folgende Generationen dank der stilistischen Diversifikationen im 20. Jahrhundert einen Bogen machen. „Tristan“ aber wurde zum Prüfstein für jeden, der nach Wagner noch Opern zu schreiben wünschte, für jeden, der an künstlerischen „Fortschritt“ glaubte.

Es gab kein Zurück nach den harmonischen Kühnheiten dieses Werks. Der sogenannte „Tristan“-Akkord verkündete als Hieroglyphe der Moderne die Emanzipation der Dissonanz. Selbst Italiens letzter großer Melodiker, Puccini, notiert in den Skizzen zum Finale seiner unvollendeten „Turandot“: „poi Tristano“ („dann Tristan“). Was da wohl zu erwarten gewesen wäre?

Aber der Reihe nach. „Tristan und Isolde“, das Meisterwerk, wuchs, wie das so häufig geschieht, aus höchst privaten Verstrickungen, einer Melange aus finanzieller Malaise, Liebessehnsucht und künstlerischer Vision.


Der Traum vom Liebesglück. Über Letztere berichtet Wagner im Dezember 1854 an Franz Liszt: „Da ich nun aber doch im Leben nie das eigentliche Glück der Liebe genossen habe, so will ich diesem schönsten aller Träume noch ein Denkmal setzen, in dem vom Anfang bis zum Ende diese Liebe sich einmal so recht sättigen soll: Ich habe im Kopfe einen Tristan und Isolde entworfen, die einfachste, aber vollblutigste musikalische Konzeption.“

mehr:
- „Tristan und Isolde“: Die Hieroglyphe der Moderne (Wilhelm Sinkovicz, Die Presse, 06.06.2015)

siehe auch:
- "Tristan und Isolde" wird 150: Zur Bedeutung eines ganz besonderen Akkordes (WDR3)

Beitrag hören

Tristan und Isolde (Oper) (Wikipedia)
- Richard Wagner – Sämtliche Briefe 10 (Musikwissenschaft Uni Würzburg)
- Bayreuther Festspiele – Tristan und Isolde (BR Klassik)
- Sterile Tableaus, leuchtender Klang (Ulrike Gondorf, Deutschlandradio Kultur, 08.03.2009)
- Der Tristanakkord (Lehrklaenge.de)

Renaud ne répond plus.

C’est bête à dire, mais la France a besoin de Renaud. Elle le réclame. De Bruel à Grand Corps Malade en passant par Doc Gynéco, on le célèbre. Depuis « Hexagone », ses chansons sont devenues des classiques, quand ce ne sont pas des hymnes. Elles font désormais partie du patrimoine national. Renaud n’est plus seulement l’ami de Titi, le pote à Manu, mais aussi l’égal de Brel. Il n’est plus simplement le voisin de palier de Gérard Lambert, mais le voisin de postérité de Léo Ferré. Hélas, aujourd’hui, Renaud ne répond plus. Il est prostré. Quelque part. Loin de Paname. A L’Isle-sur-la-Sorgue. Il avait espéré que l’enfance allait durer plus longtemps que l’enfance : mais non. Il voulait changer le monde, et le monde n’a fait que vieillir. L’homme que le pays regrette et tente à toute force de rappeler sur scène ou sur disque n’est ni Bonaparte, ni de Gaulle, ni Sarkozy mais un freluquet à santiags, un titi à Perfecto, un loulou mitterrandien.mehr:
- Six ans qu’il est absent – Renaud: Le mal de vivre (Yann Moix, Paris Match, 26.05.2015)

Renaud - Hexagone avec paroles et explications [5:27] (Text und Übersetzung)

Veröffentlicht am 11.03.2011
Vidéo du concert de Renaud avec les paroles, des images et des textes sur certains fait historique invoqués par Renaud, car c'est pas toujours clair de savoir de quels faits il parle dans cette chanson, comme: l'exécution de l'Anarchiste "Salvador Puig i Antich" en Mars 1974 en Espagne ou des massacres du Dictateur Pinochet au Chili en Septembre 1973.

Renaud : Tournee d'Enfer (251') [2:30:57]

Veröffentlicht am 31.05.2014
Renaud : Tournee d'Enfer (251')
- "Renaud ne fait que boire. Il est dans un état épouvantable qui empire chaque jour" (JeanMarcMorandini, 16.11.2011)
- "Ce Film me redonne envie d’écrire" – Un Dimanche de mars avec Renaud… (Paris Match)

Dédé les doigts de fée Avec Renaud Emission complète [36:41]

Veröffentlicht am 25.08.2014
rejoignez rgi sur Facebook : http://www.facebook.com/renaudrgi
Renaud Interview exclusive ! [21:43]
Veröffentlicht am 06.05.2012
Tomcast d'un Renaud profondément blessé par les critiques de la presse bobo (Nouvel Obs notamment) à l'encontre de son nouvel album "Rouge Sang" (Virgin). Nous parlons des blogueurs, des rappeurs, de la difficulté pour un artiste de gérer sa carrière sur la longueur, de son mariage avec Romane vendu à Paris Match, de son dégout profond pour les peoples qui se font du blé en faisant de la pub pour des slips.
Mise en ligne le 10/10/2006

In a soldier's stance, I aimed my hand
At the mongrel dogs who teach
Fearing not I'd become my enemy
In the instant that I preach
(Bob Dylan, My Back pages)