Montag, 14. März 2016

Putin stieß auf taube Ohren oder
In Propaganda sind die Amis einfach besser…

Vorbemerkung:
Die Zitate und Videos sind grundsätzlich zeitlich aufsteigend geordnet.
Diese Ordnung habe ich dort verlassen, wo es um die Aufrechterhaltung des Sinnzusammenganges geht.





Der Westen schlug Russlands Annäherungsversuche stets aus.

Es gab einmal einen russischen Präsidenten, der war genauso, wie ihn der Westen heute gern hätte: westlich, pro-europäisch, marktwirtschaftlich orientiert. Er suchte die Zusammenarbeit mit Europa und den USA, er führte sein Land in die Welthandelsorganisation. Gegen die „totalitäre stalinistische Ideologie“, die in seinem Land geherrscht hatte, stellte er die „Ideen der Demokratie und der Freiheit“. Und er gab selbstkritisch zu, dass Russland erst „am Anfang des Aufbaus einer demokratischen Gesellschaft und einer Marktwirtschaft“ stehe. Dieser Mann hieß Wladimir Putin.

Doch das war 2001, als Putin im Deutschen Bundestag redete. Damals schlug er auch vor, die Zusammenarbeit zwischen Russland und Europa zu stärken. Im Jahr 2010 brachte er dann eine Freihandelszone „von Lissabon bis Wladiwostok“ ins Spiel. Nichts davon wurde verwirklicht, mit der Folge, dass Putin jetzt auf die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft setzt und krude eurasische Ideen in Moskau hoch im Kurs stehen. Die Bilanz westlicher Außenpolitik ist verheerend: Sollte es ein Ziel gewesen sein, Russland auf Westkurs zu halten, dann wurde dieses Ziel komplett verfehlt. Es wäre also Zeit für etwas Selbstkritik, doch die findet leider nicht statt – im Gegenteil.

Stattdessen werden alte Fehler wiederholt: Russische Interessen, russische Argumente werden systematisch ignoriert. Das ist gefährlich, denn es verschärft die Beziehungskrise, in der Russland und der Westen stecken. Und es erschwert die Lösung von Streitfragen, die es tatsächlich gibt – etwa die Annexion der Krim, die russische Einmischung in der Ost-Ukraine, den Syrien-Konflikt. Bei aller berechtigten Kritik an Putin – etwa an der Repression gegen Oppositionelle in Russland – man muss die Welt ja nicht noch schlechter machen, als sie ohnehin schon ist. Genau das aber passiert in Deutschland ständig, wenn es um Russland geht.

Ausgeschlagene Angebote

Exemplarisch zeigte sich das bei der jüngsten Münchner Sicherheitskonferenz. Dort hatte der russische Premier Dmitri Medwedew das Problem offen angesprochen: „Wir sind hinabgesunken in die Zeiten eines neuen Kalten Krieges.“ Medwedews Rede war ein dringender Appell, die Zusammenarbeit wieder zu verbessern. Die Reaktion? Totale Ablehnung. „Sicher, Medwedjew bot Russlands Kooperation an im Kampf gegen islamischen Terrorismus und versuchte, Moskau als Partner darzustellen“, schrieb WELT-Korrespondent Clemens Wergin, um nur einen typischen Kommentar zu zitieren. Aber: „Die Mischung aus bewussten Lügen und authentischen Differenzen im Blick auf die Welt stellt infrage, ob Russland wirklich ein Partner sein kann“, behauptet Wergin.

Und so wurde das gute Angebot, vereint gegen den islamistischen Terror vorzugehen, brüsk ausgeschlagen. Zur Verstärkung schob Wergin noch die Reaktion von Jan Techau nach, dem Direktor von Carnegie Europe in Brüssel. „Es ist ein Hochgeschwindigkeitsmix aus Anschuldigungen, Propaganda, verzerrter Realität und dem gelegentlichen Körnchen Wahrheit“, behauptete dieser über Medwedews Rede. Man fragt sich, warum der russische Premier überhaupt eingeladen wurde, wenn man ihn sowieso nicht ernstnehmen will.

mehr:
- Liebesgrüße aus Moskau (Dirk Eckert, IPG-Journal, Internationale Politik und Gesellschaft, 14.03.2016)
siehe auch:
Inside NATO: Krieg und neue Feinde (ZDF-Mediathek, abrufbar bis 11.10.2019 – siehe ab 22:35)
Der 11. September und der Terrorismus (Post, 11.09.2019)
- USA: Bewahrung der Weltdominanz (Post, 24.08.2019)

Yeltsin's Resignation Speech with English Subtitles {4:59 – Start bei 0:43}

L Kline
Am 18.07.2017 veröffentlicht 
Excerpts from Yeltsin's Dec 31 1999 resignation speech.
Jelzin spricht im Fernsehen, es ist der 31.Dezember 1999. "Ich möchte Euch um Vergebung bitten." Er klingt besoffen, die Stimme leiert. "Es stellte sich alles als schwieriger heraus, ich habe dran geglaubt, ich habe getan, was ich konnte. Ihr verdient Glück."

Und aus dem Nichts heraus erklärt der russische Präsident heraus seinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung. Als amtierender Präsident rückt verfassungsgemäß nach: Vladimir Putin. […]
Jelzin und seine Entourage haben mit ihrem Markt-Bolschewismus alles abgeschafft und abgewickelt und ausverkauft nach 1991. Was blieb war ein Scherbenhaufen. Putin hat an dessen Stelle allmählich wieder etwas hergestellt. […]

Schon an den ersten Tagen machte Putin alles das klar, wofür ihn manche lieben und andere verdammen.

Putin sagt (und hier halten wir uns wörtlich an die englische Übersetzung im Film): "Our main goal is to make people believe in everything we say and do. That ours is a heartfeld position dictated only and solely in consideration of the national interests. Solely that. This is the key to success. If people believe in it. This is the main thing." ("Unser Hauptziel ist es, dass die Menschen an alles das glauben, was wir sagen und tun. Dass unsere Position vom Herzen kommt und dies nur und allein in der Berücksichtigung nationaler Interessen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn die Menschen daran glauben. Das ist die Hauptsache.")

Und Mansky kommentiert: "Did you get it? The task is to convince the Russian people, that national interests are more important than the individual." ("Haben Sie das verstanden?" "Die Aufgabe besteht darin, die Russen davon zu überzeugen, dass nationale Interessen wichtiger sind als der Einzelne.") Er meint das kritisch. Aber sollte nicht jeder Politiker die Interessen des Ganzen, der Gesellschaft und des Staates über die Interessen einzelner Individuen stellen?
[Rüdiger Suchsland, Von Stalin zu Putin, Telepolis, 04.11.2018]
JFK's Famous Inaugural Address Passage {2:26 – Start bei 0:51}

CBS
Am 16.01.2011 veröffentlicht 
On January 20, 1961, President John F. Kennedy was sworn into office and delivered one of the most famous inaugural addresses in U.S. history with the line "Ask not what your country can do for you - ask what you can do for your country."
Putin spricht deutsch und Klartext {1:34 – Start bei 0:27}

BTBMdotEU
Am 20.04.2014 veröffentlicht 
Die Propaganda wirkt:
2014 in Deutschland wird "Putinversteher" als Schimpfwort benutzt!


»Trotz allem Positiven, das in den vergangenen Jahrzehnten erreicht wurde, haben wir es bisher nicht geschafft, einen effektiven Mechanismus der Zusammenarbeit auszuarbeiten. Die bisher ausgebauten Koordinationsorgane geben Russland keine realen Möglichkeiten, bei der Vorbereitung der Beschlussfassung mitzuwirken. Heutzutage werden Entscheidungen manchmal überhaupt ohne uns getroffen. Wir werden dann nachdrücklich gebeten, sie zu bestätigen. Dann spricht man wieder von der Loyalität gegenüber der NATO. Es wird sogar gesagt, ohne Russland sei es unmöglich, diese Entscheidungen zu verwirklichen. – Wir sollten uns fragen, ob das normal ist, ob das eine echte Partnerschaft ist.«
[aus Putins Rede vom 25.09.2001 (Wortprotokoll auf der Seite des Deutschen Bundestages – Hervorhebungen von mir]

Wjatscheslaw Nikonow vom Fonds Politika schätzt, dass "90 Prozent der russischen Wähler und der Eliten mit Putins Westkurs nichts anfangen" können. In der Staatsduma gibt beispielsweise Dmitri Rogosin als Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses den Ton an. Der 38-jährige Ex-Komsomolze würde Russland gerne aus dem Europarat führen, hält Washingtons "Hau-drauf-Politik" und das "Ignorieren russischer Interessen" für entwürdigend.

Leonid Iwaschow, der offiziell als Berater im Verteidigungsministerium fungiert und die Mehrheitsmeinung in der Generalität wiedergibt, macht bisweilen den "Griff nach der Weltherrschaft durch die USA" aus. Er plädiert wie viele Vertreter der "Moskowskaja Elita" für einen eurasischen Weg. "Russland ist ein eigener Kontinent und muss auch so behandelt werden", gibt der General zu Protokoll.

Wer bestimmt dann, wenn die Eliten sich abgemeldet haben, die außenpolitische Linie des Kreml? Außenminister Igor Iwanow? Wohl kaum. Er ist auf Putins Westkurs eingeschwenkt und hat alle Hände voll zu tun, die alte Garde in seinem Ministerium bei der Stange zu halten. Am ehesten wohl könnte die Garde der Wirtschaftsreformer Putin auf Kurs gebracht haben. […]

"Putins strategische Wahl, sich mit dem Westen zu verbünden, basiert auf seiner sehr vorsichtigen Abwägung, welcher Weg der beste ist, um Russlands Interessen voranzubringen und Russlands ökonomische Wiederbelebung zu forcieren." Der Westen macht es Putin dabei nicht leicht. Kaum schert Russland in die Anti-Terror-Koalition ein, weitet sich die Nato nach Osten aus und stehen die Amerikaner in Zentralasien und im Kaukasus. […]

Als Beispiel für Anachronismus führen Kremlbeamte gerne das Jackson-Vanik-Amendement an, eine Bestimmung, die Moskau seit Jahren Handelsvergünstigungen verwehrt. […] "Der Westen sieht uns noch immer nicht als vollwertiges Mitglied der zivilisierten Staatengemeinschaft an", resümiert Nikonow.
[Jens Hartmann, Putin hält sein Land systematisch auf Westkurs, Welt, 24.05.2002 – Hervorhebungen von mir]

»Ich bin überzeugt, dass der einzige Mechanismus zur Entscheidung über die Anwendung von Gewalt als letzte Maßnahme nur die UN-Charta sein darf. In diesem Zusammenhang habe ich auch nicht verstanden, was kürzlich der Verteidigungsminister Italiens gesagt hat, oder er hat sich unklar ausgedrückt. Ich habe jedenfalls verstanden, dass die Anwendung von Gewalt nur dann als legitim gilt, wenn sie auf der Grundlage einer Entscheidung der NATO, der EU oder der UNO basiert. Wenn er das tatsächlich meint, dann haben wir verschiedene Standpunkte. Oder ich habe mich verhört. Legitim ist eine Anwendung von Gewalt nur dann zu nennen, wenn ihr ein UNO-Beschluss zu Grunde liegt. Und man darf die UNO nicht durch die NATO oder die EU ersetzen. Und wenn die UNO wirklich die Kräfte der internationalen Gemeinschaft vereint, die tatsächlich auf Ereignisse in einzelnen Staaten reagieren können, wenn wir uns von der Nichtbeachtung internationalen Rechts abkehren, dann kann sich die Situation ändern. Im anderen Fall gerät die Situation nur in eine Sackgasse und es häufen sich die schweren Fehler. Zugleich muss man erreichen, dass das Völkerrecht universalen Charakter erhält, sowohl im Verständnis, wie auch in der Anwendung der Normen.«
[Quelle: russland.ru, veröffentlicht bei der AG Friedensforschung, Kassel: "Ich denke, dass für die heutige Welt das monopolare Modell nicht nur ungeeignet, sondern überhaupt unmöglich ist" – Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der 43. Münchner "Sicherheitskonferenz" in deutscher Übersetzung – (die 43. Münchner Sicherheitskonferenz fand vom 9. bis 11. Februar 2007 statt, Anmerkung und Hervorhebungen von mir)
Zu Putins Reden, sowohl vor dem Deutschen Bundestag 2001 wie auch bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 siehe:
Der Ukraine-Konflikt 3 – Westliche Naivität oder westliche Machtpolitik? (Post, 25.03.2014) 

Abmachung 1990: "Keine Osterweiterung der NATO" || Aussenminister Genscher & Baker {3:16}

antikriegTV
Am 06.07.2014 veröffentlicht 
Antikrieg TV
http://www.antikriegsnachrichten.de
http://www.antiwarnews.org
http://www.antikrieg.tv
http://facebook.com/antikriegtv
https://rebelmouse.com/antikriegtv
http://youtube.com/antikriegtv
http://youtube.com/antikriegtv2
English
https://www.facebook.com/antiwartv
Zitat Genscher aus dem Video:

»Wir waren uns einig, daß nicht die Absicht besteht, das NATO-Verteidigungsgebiet auszudehnen nach Osten. Das gilt übrigens nicht nur in Bezug auf die DDR, die wir gar nicht einverleiben wollen, sondern gilt ganz generell.«
»Es ist offensichtlich, daß es bei der NATO-Erweiterung nicht um die Sicherheit Europas ging. Im Gegenteil: Es ist eine ernstzunehmende Provokation, die das gegenseitige Vertrauen zerstört.«
[Putin vor der Münchner Sicherheitskonferenz 2007, ZDF-Doku Inside NATO: Krieg und neue Feinde, ab Min. 30:39 
Mein Kommentar:
Kann man es noch deutlicher sagen? 

»Ich habe dann in der anschließenden Kaffeepause erlebt, wie die politischen, sicherheitspolitischen, miltätischen Eliten, wie auch manche meiner journalistischen Kollegen, gelacht haben über Putin und das einfach nicht ernst genommen haben.
[Andreas Zumach, Journalist bei der Sicherheitskonferenz 2007 über die Reaktion auf Putins Rede bei der Müchner Sicherheitskonferenz 2007, ind er ZDF-Doku Inside NATO: Krieg und neue Feinde, ab Min. 31:00
Merke: Man sieht, was man will.
Und: Sie lernen nichts. 
Doch Putin stieß auf taube Ohren. NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer nahm Putin übel, dass dieser es gewagt hatte, eine abweichende Meinung zu äußern: „Ich kann nicht verbergen, dass ich enttäuscht bin.“ Auf Putins Argumente ging niemand ein, die NATO-Osterweiterung ging weiter, die Hoop Scheffer mit dem bemerkenswerten Argument verteidigte, dass doch niemand etwas dagegen haben könne, „wenn Demokratie und Rechtsstaat näher an die Grenzen rücken“.  
[Dirk Eckert, Liebesgrüße aus MoskauIPG-Journal, Internationale Politik und Gesellschaft, 14.03.2016]
Merke: Man sieht, was man will.
Und: Sie lernen nichts. 
Die Sicherheitskonferenz war kaum vorbei, da begann die NATO, als wäre nichts gewesen, Beitrittsgespräche mit Montenegro. Dabei ist der Beitritt des Landes nur der Auftakt zu einer neuen Erweiterungsrunde, wie NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg längst klar gemacht hat. „Die NATO-Tür ist offen“, sagte Stoltenberg und nannte Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und auch Georgien. Das Bündnis soll also, ungeachtet der Folgen, weiter an die Grenzen Russlands heranrücken.  
[Dirk Eckert, Liebesgrüße aus MoskauIPG-Journal, Internationale Politik und Gesellschaft, 14.03.2016]
Peter Schweizer: Joe Biden is the most corrupt vice president of our lifetime {6:33 – Start bei 3:12}

Glenn Beck
undatiert 
He might be creepy, but he's also corrupt. Possibly even the most corrupt vice president of all time according to Peter Schweizer. Here's a quick rundown of the list of the facts:
In 2009, Hunter Biden joined Rosemont Seneca Partners, an investment firm associated with the Heinz family.
In late 2013, Hunter accompanied his father on an official visit to China. Ten days later, Rosemont Seneca announced its partnership in Bohavi Harvest RST — a billion dollar, first of its kind fund backed by the Chinese government.
Shortly after the Ukrainian revolution in 2014, Hunter was appointed to the board of Burisma, a natural gas company owned by a Ukrainian oligarch.
In August 2015, the real estate arm of Biden's investment firm was sold to Gemini Investments, a Chinese company with ties to the military.
Watch this clip to hear Peter tie it all together.
In dem Telefoninterwiev erzählt Peter Schweizer, Joe Biden habe sich bei Poroschenko beklagt, der Generalstaatsanwalt Wiktor Schokin gehe nicht konsequent genug gegen Korruption vor und auf dessen Entlassung gedrängt. Schokin war zu dieser Zeit gerade mit Ermittlungen gegen Biden’s Sohn Hunter Biden befasst:
siehe dazu auch:
2016 war Biden als US-Vizepräsident in Kiew zu Gast und drohte dem damaligen Präsidenten Petro Poroschenko mit der Blockierung amerikanischer Kredite, falls der ukrainische Generalstaatsanwalt nicht entlassen werde – angeblich, weil dieser korrupt war. Doch später kam heraus: Der gefeuerte Staatsanwalt leitete gerade Korruptionsermittlungen gegen den ukrainischen Gaskonzern Burisma, für den damals auch Bidens Sohn Hunter arbeitete.

Biden streitet ab, seinem Sohn geholfen, ja überhaupt von dessen Engagement gewusst zu haben. Es sei nur um die Interessen der USA gegangen, sagt er. Auch Hunter Biden behauptet, niemals mit seinem Vater über das Geschäft seiner Firma gesprochen zu haben. «Ich habe bei Ermittlungen gegen Burisma keine Rolle gespielt», schrieb er am Mittwoch in einem Statement.

Jetzt sind laut der «New York Times» aber neue Details aufgetaucht, die Hunter Bidens Beteiligung an der Sache zeigen. Dieser war demnach Teil eines umfangreichen Versuchs von Burisma, gut vernetzte US-Demokraten an Bord zu holen, als ukrainische und auch amerikanische Ermittlungen gegen die Firma liefen.
[Yannick Wiget, Bidens grösstes Problem: Seine Ukraine-Connection, Tagesanzeiger.ch, 02.05.2019]
- Ukraine 10 - Joe Bidens Sohn fällt die Treppe hoch (Post, 12.05.2014)


Bildquelle: Stefan Niggemeier,
Wie der „Spiegel“ mit dem Vorwurf der „Kriegshetze“ umgeht,
stefan-niggemeier.de, 30.07.2014


siehe dazu auch:


Merke: Man sieht, was man will.
Und: Sie lernen nichts.

ARD und ZDF-Propaganda: Der isolierte Putin {1:47}
ARD und ZDF-Propaganda: Der isolierte Putin from Doku Mentor on Vimeo.

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siehe dazu auch:
- Ukraine 20 – ARD-Programmbeirat bestätigt Publikumskritik (Post, 18.09.2014)


Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit erhebe ich gem. § 15 DRadio-Staatsvertrag Beschwerde wegen objektiv falscher, agitatorischer und kriegshetzerischer Ausführungen in der Sendung
Russische Kampfjets über Europa
Autor: Clement, Rolf, Mitglied der Chefredaktion
Sendezeit: 08:11 Uhr am 30.10.2014
Länge: 02:47 Minuten
Zum Beleg darf ich den Link zur fraglichen Sendung angeben
http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2014/10/30/drk_20141030_0811_6652151d.mp3
In dem Beitrag behauptete der Autor wiederholt und wahrheitswidrig, russische Kampfflugzeuge hätten am Vortag, 29. 10., die Lufträume anderer europäischer Staaten verletzt und außerdem die Zivilluftfahrt gefährdet. Die NATO habe russische Luftraumverletzungen „in nie dagewesenem Umfang“ registriert.
Zwei der vielen Falschaussagen seien hier im Wortlaut wiedergegeben:
„(…) Seit Monaten stellt die NATO fest, dass immer wieder russische Kampfflugzeuge den nordeuropäischen Luftraum verletzen. (…)“
„ (…) Die Luftraumverletzungen über dem Baltikum und über Finnland und Schweden finden teilweise auch über dem Festland statt (…)“

Beide Behauptungen sind nachweislich falsch, was fraglos auch dem sachkundigen BW-Intimus bewusst war. Luftraumverletzungen führen seitens der Regierungen der betroffenen Staaten zu sofortigen und öffentlich erhobenen Protesten, sowohl bei der verantwortlichen Regierung als auch bei den internationalen Flugsicherheitsbehörden. Proteste gegen vonrussischen Militärmaschinen verursachte Luftraumverletzungen sind aktuell aber nicht bekannt.

Dass der Autor die Ereignisse nicht nur wissentlich falsch darstellte – die NATO selbst hat am 29.10. betont, es habe keinerlei Luftraumverletzungen von russischen Fliegern gegeben; das ist in den DLF-Nachrichten auch so gemeldet worden – sondern dass R. Clement es in böswilliger und agitatorischer Absicht formulierte, belegen folgenden Sätze:

(…) „Noch hat die NATO diese Maschinen nicht abgeschossen, sondern eskortiert und abgedrängt. Wie lange die Allianz das aber so gestalten wird, ist offen. Denn die hier eklatante Verletzung des Luftraums würde auch schärfere Maßnahmen erlauben. (…)

Ich darf Sie auffordern, nicht nur diese Zitate, sondern den gesamten Beitrag im Lichte der gesetzlich festlegten Programmgrundsätze des DeutschlandRadio-Staatsvertrages zu würdigen: §6(Gestaltung der Sendungen): „(…)In den Sendungen der Körperschaft soll ein objektiver Überblick über das Weltgeschehen (…) vermittelt werden (…)“

„(…) Die Sendungen sollen (…) der Verständigung unter den Völkern dienen. (…)“

§7 (Berichterstattung) „(…) Die Berichterstattung soll umfassend, wahrheitsgetreu und sachlich sein. (…) Berichte sind sorgfältig zu prüfen. (…)“
[Volker Bräutigam, Agitatorisch, kriegshetzerisch, Programmbeschwerde, Hintergrund.de, 06.11.2014]
siehe dazu auch:
- Einsatz über der Ostsee Russische Luftwaffe drängt Nato-Jet ab (Post, 13.08.2019) 

Dirk Müller bei PULS 4 Lachanfall {51:22 – Start bei 2:27}


Abzocke Pur
Am 19.12.2014 veröffentlicht 
Dirk Müller bei PULS 4 24 11 2014
Der Standart Reporter is mal richtig peinlich..

Wladimir Putin Der Westen führt einen Vernichtungskrieg gegen Russland {15:51}

Fritz Pohn
Am 27.01.2015 veröffentlicht 

STRATFOR Chef legt die Außenpolitik der USA offen: Ukraine, Russland, Deutschland, Nahost {12:52; Start bei 3:18}

LT-News.com
Am 26.08.2015 veröffentlicht 
Ziel: Allianz zwischen Russland und Deutschland verhindern

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Mausfeld Warum schweigen die Lämmer, mit besserer Tonqualität. Herzlichen Dank an Wolfgang Bley. {1:05:08 – Start bei 38:38}

Reiner Heyse
Am 15.09.2015 veröffentlicht 
Vortrag an der Christian Albrechts Universität Kiel, am 22.06.2015:
Warum schweigen die Lämmer? Demokratie, Psychologie und Empörungsmanagement.
Prof. Dr. Rainer Mausfeld
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Der Vortrag beschäftigt sich mit einem oftmals als ‚Paradoxon der Demokratie‘ bezeichneten Spannungsverhältnis zwischen Volk und Eliten: Demnach könne es in einer Demokratie beispielsweise passieren, daß, wie Aristoteles bemerkte, „die Armen, weil sie die Mehrheit bilden, das Vermögen der Reichen unter sich teilen.“ Aus Sicht der jeweils herrschenden Eliten sind Demokratien daher mit einem besonderen ‚Stabilitätsproblem‘ behaftet…
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…die USA sind seit dem Zweiten Weltkrieg durch Angriffe auf andere Länder für den Tod von 20-30 Millionen Menschen verantwortlich.
(Mausfeld-Vortrag »Warum schweigen die Lämmer« ab 38:56)

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siehe dazu auch:
- IPPNW: Body Count (Post, 26.07.2016)

Wladimir Putin könnte auf der Münchner Sicherheitskonferenz seine Syrien- und Ukraine-Politik erklären. Er hätte die Bühne für einen gewohnt selbstbewussten Auftritt. Ob er kommt, ist offen. 
Am Rednerpult im Kaisersaal des Hotels Bayerischer Hof kam Putin schnell zur Sache, ohne "übermäßiges Höflichkeitsgetue" und "hohle diplomatische Phrasen", wie er es nannte. Er verurteilte die Nato-Osterweiterung und prangerte das "Bestreben zu monopolarer Weltherrschaft" an, das durch "ein Kraftzentrum, ein Machtzentrum, ein Entscheidungszentrum" gekennzeichnet werde. Gemeint waren die USA. Russland, das war damals die Botschaft von München, sieht sich wieder als Großmacht und fühlt sich vom Westen ungerecht behandelt.
So richtig ernst genommen habe das damals allerdings niemand, sagt Wolfgang Ischinger, heute Chef der Sicherheitskonferenz. Neun Jahre nach Putins erstem Auftritt hofft Ischinger nun auf eine Neuauflage, auf eine Art "Münchner Rede 2.0": Er hat Putin zur nächsten Tagung vom 12.-14. Februar eingeladen, der Präsident solle Gelegenheit bekommen, seine Politik in Syrien und der Ukraine zu erklären.
[Benjamin Bidder, Rede vor Sicherheitskonferenz – Putin reagiert bislang nicht auf Einladung nach Deutschland, SPON, 06.01.2016] 
Merke: Man sieht, was man will.
Und: Sie lernen nichts. 
Mein Kommentar:
Warum sollte er kommen? Wenn ihm doch keiner zuhört…

Russlands Präsident Wladimir Putin hat in einem Interview mit der Bild-Zeitung den Westen scharf angegriffen. "Die Sanktionen des Westens sollen nicht der Ukraine helfen, sondern Russland geopolitisch zurückdrängen", sagte Putin der Bild-Zeitung in einem Interview. Er vermute dagegen Kalkül.
Die Strafmaßnahmen seien töricht und schadeten beiden Seiten. Russland habe dadurch Probleme, sich international Geld zu beschaffen. Die russische Wirtschaft leide allerdings vor allem wegen der niedrigen Energiepreise.

Zur Münchener Sicherheitskonferenz Mitte Februar werde er nicht kommen, sagte Putin. Der Organisator der renommierten Veranstaltung, Wolfgang Ischinger, hatte den russischen Präsidenten eingeladen und gehofft, dieser würde seine Syrien- und Ukraine-Politik erklären. Zugleich warb Putin für Kooperation: "Wir sollten weltweit viel enger zusammenstehen im Kampf gegen den Terror, der eine große Herausforderung ist."

Der russische Präsident erneuerte Vorwürfe, die er 2007 bei einer Rede in München erhoben hatte: Die Nato habe mit der Ausdehnung nach Osten gegen Absprachen verstoßen. "Die Nato und die USA wollten den vollen Sieg über die Sowjetunion", sagte er der Bild. Er ließ das Argument nicht gelten, dass Polen und andere Staaten in die Nato wollten. Das westliche Bündnis hätte sie nicht aufnehmen sollen, sagte er.
[Putin fordert Ende der Sanktionen, SPON, 06.01.2016]  

Die Staaten des Westens sind Demokratien. Es wird gewählt. Regierungen wechseln. Es gibt die Medien, die mehr oder weniger unabhängig sind. Es gibt Nichtregierungsorganisationen. Es gibt die Gewaltenteilung. Das ist alles schön und gut, und wir sollten uns darüber freuen. Denn es könnte tatsächlich schlimmer sein.

Aber unter dieser Oberfläche gibt es unsichtbare Tiefenstrukturen. Von Macht und Rechtlosigkeit, von Überwachung und Kontrolle und von Gehorsam. Vor allem von Gehorsam. Es gibt eine funktionstüchtige Infrastruktur des vollkommenen Polizeistaats, in die wir alle eingebettet sind. Wir sehen sie nicht. Wir spüren sie nicht. Aber sie umgibt uns. Wir leben in einem ruhenden Polizeistaat, in einem schlafenden Polizeistaat – der jederzeit zum Leben erweckt werden kann.

Wer diesem Rechtsstaat in die Quere kommt, kann sich auf einiges gefasst machen. Chelsea Manning verbrachte neun Monate in Isolationshaft. Sie musste nachts ihre Kleider abgeben und morgens nackt vor der Zelle antreten. Körperliche Übungen waren ihr verboten. Das Licht brannte unablässig. Das ist der Rechtsstaat.

Und Selbsttäuschung war es, die viele Journalisten in Deutschland eher mürrisch auf die Wikileaks-Veröffentlichungen reagieren ließ. Der Herausgeber der Zeit, Josef Joffe, war da typisch. Er schrieb, er wünsche sich „keinen Ein-Mann-Rächer, der nach eigenem Geschmack entscheidet, was zu veröffentlichen sei. Dafür haben wir Parlamente und Gerichte, also den Rechtsstaat“. Normalerweise rechtfertigen staatliche Stellen mit solchen Worten die Knebelung der Presse. Nur zur Erinnerung: Die Folter in Abu Ghraib, das grausame Waterboarding in den Gefängnissen der CIA, das Niedermähen unbewaffneter Zivilisten in Afghanistan – all das, was die USA in gefährliche Nähe zu den Unrechtsregimen im Nahen Osten, zu China und zur untergegangenen Sowjetunion gebracht hat, ist eben nicht durch „Parlamente und Gerichte“ an den Tag gekommen, sondern durch Whistleblower. […] Nach US-amerikanischem Recht ist die Überwachung der Welt erlaubt. Was soll das? Diesen Rechtsanspruch können sich die Amerikaner gar nicht selbst genehmigen.

In Bezug auf ihre Auffassung von Sicherheitspolitik sind die USA heute ein totalitärer Staat. Solange das so ist, haben wir eine besondere Verpflichtung, wir in Europa, wir in Deutschland. Es ist die Verpflichtung, die Flamme der Freiheit nicht ausgehen zu lassen. Es ist die Verpflichtung, jenen, die gegen diesen Totalitarismus kämpfen, Schutz zu gewähren.
[Jakob Augstein in seiner Laudatio für Daniel Ellsberg anlässlich der Verleihung des Dresden-Preises in: Vater aller Whistleblowerder Freitag, 03.03.2016, Hervorhebungen von mir]
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Das Märchen von russischen U Booten in Schweden {6:37}

INFOWELTGESCHEHENRADIOSENDUNG II
Am 20.06.2016 veröffentlicht

Ein Aufschrei ist Im Oktober 2014 und Januar 2015 durch die Welt gegangen: Russische U-Boote sind in schwedischen Gewässern gesichtet worden. Nun räumte Schwedens Verteidigungsminister in einem Radiointerview ein, dass es sich um ein schwedisches und ein deutsches U-Boot handelte.
Quelle: http://de.sputniknews.com/politik/201.
Seit mehreren Wochen ignoriert die Spiegelpresse eisern die schwedische U-Boot-Ente von 2015. So hatte mal wieder ein unbekanntes und daher russisches U-Boot die Schweden aufgeschreckt. Während vor Wochen die Behauptung des schwedischen Verteidigungsministers, bei der Sichtung des vermeintlich russischen U-Boots habe es sich um ein deutsches gehandelt, im Königreich für Augenreiben sorgte, enthielten die Qualitätsmedien hierzulande der deutschen Öffentlichkeit die nicht zum Narrativ passende Entlastung Russlands vor. 

Nachdem die U-Boote sich also noch immer auf Irrfahrt im deutschen Blätterwald befinden, befragte nun gestern in der Bundespressekonferenz ein schwedischer Journalist den Sprecher der Hardthöhe, was ein deutsches U-Boot in den schwedischen Schären zu suchen habe. Die Empörung in politischen Kreisen in Stockholm sei groß. Dem Sprecher allerdings war dieser Sachverhalt, der in alternativen Medien schon lange kursiert, angeblich nicht einmal bekannt. Auch die Nachfrage des unabhängigen Journalisten Tilo Jung, ob ein vom Sprecher als deutsches bezeichnetes U-Boot immer zur deutschen Marine gehöre, vermochte der Sprecher nicht zu beantworten. 

Peinlich waren die Wissenslücken des Sprechers auch deshalb, weil das Bundesministerium für Verteidigung bereits vor Wochen auf eine Anfrage des Dokumentarfilmers Dirk Pohlmann die Präsenz eines eigenen U-Boots im fraglichen Zeitpunkt bestritten hatte. Gegenüber Telepolis kommentierte Pohlmann, es sei für Schweden vermutlich einfacher, auf Deutschland zu zeigen als auf die USA. 

Bei der historischen U-Boot-Desinformationskampagne in schwedischen Hoheitsgewässern der 1980er Jahre hatten die USA in Absprache mit schwedischen Militärs italienische U-Boote geschickt, um eine Verwicklung des Pentagons plausibel abstreiten zu können. Die unbekannten U-Boote sollten damals Russland in Misskredit bringen und die schwedische Bevölkerung in die Arme der NATO treiben. 
[Markus Kompa, Medienfront hält U-Boot unter der Wasseroberfläche,
Telepolis, 09.07.2016]
siehe dazu auch:
KenFM im Gespräch mit: Dirk Pohlmann (Deutsche U-Boote im Kampf gegen Schwedens Neutralität?) (17.06.2016)
Bildquelle: nachfolgender Vortrag von Dirk Pohlmann
Dirk Pohlmann über "Der duale Staat: Recht, Macht und Ausnahmezustand" {2:06:59 – Start bei 1:38:16 – ein klein wenig Geduld bitte!}

Gruppe42
Am 16.05.2018 veröffentlicht 
"Der Staat - das klingt in unseren Ohren nicht unbedingt freundlich, aber es klingt nach Recht und Ordnung. In der Schule und an der Universität erfahren wir von den ehernen Regeln der Demokratie. Gewaltenteilung, Rechtsstaat, Wahlen, parlamentarische Repräsentanz, alles scheint altehrwürdig und wohlgeregelt im Staats und Verfassungsrecht. Bis in die Details und bis in die letzten Winkel ist festgelegt, wer nach welchen Regeln für was zuständig und verantworlich ist. Dass daran nicht gerüttelt wird, dafür sorgt die Demokratie, sie bezeichnet sich selbst gerne als „wehrhaft“.
Da ist ein Begriff wie „Deep State“ oder „Dualer Staat“ störend. Er legt nahe, dass es neben dem bekannten, demokratisch legitimierten Staat noch einen anderen gibt, der nicht gewählt wird, der sich selbst ermächtig, der eingreift, wann es passt. Aber wann? Wer bildet ihn? Was tut er? Wann tötet er? Warum liest man darüber so wenig? Und warum beschäftigen sich „seriöse“ Medien damit eigentlich überhaupt nicht? Medien, Politiker und Universitätslehrer verweisen den Begriff des „parallelen Staates" gerne in den Bereich der „Verschwörungstheorien“.
Und doch ist er real. In allen Staatsformen, aber insbesondere in der Demokratie, gibt es im Unterschied zum normativen Ideal die realpolitische Existenz eines „Machtstaates“ oder „Maßnahmenstaates“, des "Deep State". Auch akademische Politologen und Rechtswissenschaftler haben sich damit beschäftigt, ausnahmslos Personen, die sich mit dem Widerspruch zwischen Realpolitik einerseits und der Idee des liberalen Rechtsstaates andererseits beschäftigt haben. Sie haben erkannt: Der „Deep State" hängt mit den Erfordernissen der Hegemonialmacht im „Grossraum“ zusammen.
Dementsprechend gibt es Länder, in denen der „Tiefe Staat“ Alltagswissen ist, z.B. die Türkei oder Italien. Dort ist die Realität des parallelen Staates so unübersehbar zutage getreten, dass auch Staatspräsidenten von ihm reden - müssen. Und es gibt Länder, in denen man in öffentlichen Ämtern nicht von ihm sprechen kann, ohne Reputation und Karriere zu riskieren.
Die staatstragenden Kräfte vieler Länder blenden diese Realität deshalb weiter aus. Oder sie versuchen es zumindest. Aber auch in diesen Ländern ist der „Deep State“ aktiv geworden. Nicht nur in Vasallenstaaten, sondern auch im Zentralreich des Hegemons selbst.
Anhand praktischer Beispiele legt der Journalist Dirk Pohlmann praktisch und theoretisch dar, was es mit dem "Deep State“ auf sich hat. Sein Vortrag ist eine Mischung aus staatsrechtlicher Analyse und Bericht, wann und wo der Deep State sichtbar geworden ist. Ein spannendes Thema, dessen Bedeutung kaum überschätzt werden kann. Es ist besser, darüber Bescheid zu wissen, als nur die Konsequenzen verständnislos erleben zu müssen.
https://gruppe42.com/



Ende 2017 verlangte die US-Administration die Registrierung der US-amerikanischen Tochter des russischen Fernsehsenders RT, „RT America“, als Foreign Agent der russischen Regierung.[16][17] Als Antwort auf diese Entwicklungen (und die Existenz des amerikanischen FARA-Gesetzes) verabschiedete das russische Parlament im November 2017 einen Zusatz zu einem schon bestehenden Gesetz, das es ermöglichte, auch amerikanische Medien als ausländische Vertreter/Agenten verfolgen zu können.[18] Das damit erweiterte Gesetz von 2013 betraf vorher Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs), die Finanzierung aus dem Ausland erhalten und sich in Russland nach dem Gesetz registrieren lassen müssen, ihre Website mit Ausländischer Vertreter/Agentmarkieren müssen, Unterlagen einreichen und die Finanzierung offenlegen müssen.
Im Rahmen der Sonderermittlung zur russischen Einflussnahme auf den US-Wahlkampf benutzte Sonderermittler Robert Mueller Ende 2017 auch den FARA für eine Anklage gegen Trumps ehemaligen Campaign Manager Paul Manafort.[19] Das Gesetz war zuvor seit 1966 selten bei Anklagen zur Anwendung gekommen (weniger als zehn Fälle und eine Verurteilung). Nach Ansicht von Beobachtern könnte sich das im Rahmen der Russland-Affäre von Trump ändern. Sowohl Mike Flynn von den Republikanern (der für die Türkei arbeitete) als auch Tony Podesta von den Demokraten (Lobbyarbeit für die Ukraine) hatten sich verspätet als Lobbyisten im Sinn des FARA registrieren lassen und waren in das Visier von Mueller gelangt, der als Sonderermittler sehr weitreichende Vollmachten hat. Vor diesen Entwicklungen von 2017 kam es seit 1966 erst einmal zu einer Verurteilung: 2010 war der Republikaner Mike Siljander verurteilt worden (er bekannte sich schuldig). Er hatte nicht gemäß FARA angegeben, dass ihn eine islamische Wohltätigkeitsorganisation dafür bezahlt hatte, das Finanzkomitee des Senats dazu zu bewegen, sie von einer Liste von Organisationen zu nehmen, die der Terrorismusunterstützung verdächtigt wurden.[Foreign Agents Registration Act, Entwicklung in den 2010er Jahren und Vorbild für russisches Gesetz, Wikipedia, abgerufen am 13.09.2019]
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Ist Russland nicht mehr an Dialog interessiert? Das Verbot einer deutschen Wahlbeobachterorganisation zieht jedenfalls Kreise, bis hin zu einem etablierten Gesprächsforum: dem Petersburger Dialog.

Vor und nach der russischen Präsidentschaftswahl schossen Moskauer staatsnahe Medien und die Staatsanwaltschaft aus vollen Rohren auf die deutsche Nichtregierungsorganisation namens „Europäische Plattform für demokratische Wahlen“, kurz EPD. Die verbindet und unterstützt seit vielen Jahren Wahlbeobachter in autokratisch geführten Ländern. Gegründet hat die Plattform Stefanie Schiffer, die die europaweit agierende Organisation bis heute leitet. Dass EPD in Russland zur unerwünschten Organisation erklärt wurde, erfuhr sie aus den dortigen Medien, die eine wahre Hetzkampagne gegen sie und ihre Partner in der russischen Zivilgesellschaft fuhren. […]

Die Europäische Plattform für demokratische Wahlen ist die 13. unerwünschte Organisation, die 12 davor kamen aus den USA sowie anderen Ländern Europas. Dass es jetzt erstmals Deutschland trifft, ist mehr als nur ein unfreundlicher Akt gegen die EPD, es ist auch ein Angriff auf den Petersburger Dialog. Denn Stefanie Schiffer gehört auch dessen Vorstand an. Nun lässt Ronald Pofalla, der Chef auf deutscher Seite, im Hintergrund die Drähte glühen, auch wenn die Töne offiziell moderat sind. […]

Ronald Pofalla hat seit langem den Eindruck, dass Russland – so wörtlich – zivilgesellschaftliche Arbeit nicht willkommen heißt, sie mit Hilfe von eigens geschaffenen Gesetzen einschränkt und diskreditiert.

„Alle russischen Staatsbürger und Staatsbürgerinnen, die mit einer unerwünschten Organisation zusammenarbeiten, können strafrechtlich verfolgt werden. Mit Geldstrafen oder mit Haftstrafen bis zu sechs Jahren. Das sind sehr drakonische Maßnahmen. Und der Begriff Kooperation ist sehr vage, der wird nicht wirklich im Gesetz definiert. Das hat dazu geführt, dass sich Golos sich jetzt entschieden hat, solange das rechtlich nicht geklärt ist, dieser Vorwurf, die Zusammenarbeit mit EPD auszusetzen.“
Die deutschen Aktivisten dürfen in Russland keine Veranstaltungen mehr durchführen, möglicherweise nicht einmal mehr einreisen. Der nächste Petersburger Dialog Anfang November in Moskau könnte demnach ohne das Vorstandsmitglied Schiffer stattfinden. Ist also Schluss mit dem Dialog im Petersburger Dialog?  
[Sabine Adler, Deutsche NGOs in Russland – Schluss mit Dialog im Petersburger Dialog?, Deutschlandfunk Kultur, 03.05.2018]  
Merke: Man sieht, was man will.
Und: Sie lernen nichts. 
Mehr als 400 Jahre hat Russland all seine Macht dafür eingesetzt, um seine Ziele durchzusetzen. Seine wirtschaftliche Kraft, seine diplomatischen Mittel und natürlich sein Militär. Wir müssen realistisch sein: Russland respektiert nur Stärke. Russland ist in der Ukraine einmarschiert, Russland ist in Georgien einmarschiert, Russland bedroht die baltischen Staaten und Russland bezeichnet Staaten wie Rumänien, Dänemark oder Schweden als "nukleare Ziele". Das ist eine echte Bedrohung.

Nun stehen hinter der Grenze nicht reihenweise russische Panzer mit laufenden Motoren, die jederzeit bereit wären, eine Invasion zu starten. Damit rechne ich nicht. Aber sie wären dazu im Stande. Hinzu kommen ihre Möglichkeiten in den Bereichen Cybertechnologie und Desinformation. Und natürlich die nukleare Bedrohung. Außerdem haben wir alle, auch die USA, über eine lange Zeitspanne hinweg abgerüstet, da wir davon ausgegangen sind, Russland könnte unser Partner werden. Der letzte US-Panzer hat Deutschland schon vor fünf Jahren verlassen. Die Bundeswehr wurde fast gänzlich entwaffnet. Jetzt, nachdem Russland sich so aggressiv verhalten hat, müssen wir alle uns beeilen, verlorene Fähigkeiten wieder aufzubauen, um eine Abschreckung gewährleisten zu können. 
 
[Frederick Benjamin Hodges, ehemaliger Chef der US-Army in Europa Hodges: "Die Russen respektieren nur Stärke", Interview, Deutsche Welle, 17.07.2018]
Merke: Man sieht, was man will.
Und: Sie lernen nichts. 
Im Nachgang der Ostpolitik von Willy Brandt und Egon Bahr sah es doch so aus, als seien wir auf dem richtigen Weg. Der Fall der Mauer, die Auflösung der Sowjetunion, das Ende des Kalten Krieges - die Welt schien, für einen Wimpernschlag der Geschichte, paradiesischen Zeiten entgegenzugehen.

Ich kann mich gut an meine Empörung über die folgenden Sätze erinnern: "Für Freudentaumel besteht kein Anlass. Wir werden den Zeiten der Ost-West-Konfrontation noch nachtrauern. Regionalkonflikte werden die Zukunft beherrschen, und die Welt wird nicht friedlicher werden, ganz im Gegenteil." So hatte sich ein bekannter Politiker zu fortgeschrittener Stunde vertraulich im kleinen Kreis geäußert.

Ich konnte und wollte mir dieses Szenario nicht vorstellen und vertraute darauf, dass die politischen Akteure auf allen Seiten den Wert dieser Chance erkannten und in diesem Sinne handelten. Ich vertraute auch darauf, dass sich die Menschen diese Errungenschaften nicht mehr nehmen und sich nie wieder gegeneinander aufhetzen lassen würden. Aus heutiger Sicht betrachtet – wie naiv.

An allen Ecken und Enden brennt es: Syrien, Irak, Afghanistan, der Nahost-Konflikt, um nur einige Brandherde zu nennen. Terrorismus bestimmt auf zweifache Weise die Ausrichtung von Politik: im tatsächlichen Abwehrkampf und als willkommener Vorwand für politische Entscheidungen, die sich unter "normalen" Bedingungen kaum durchsetzen ließen.

Die Weltwirtschaftsordnung verdient die Bezeichnung "Ordnung" nicht mehr. Zockerei und eine Mischung aus Perversion und Zynismus heben alles aus den Angeln. Börsen, die wie Kartenhäuser sind, und beim leichtesten Windzug zusammenstürzen, haben reale Wertschöpfung und Fakten abgelöst. Psychologie, zweifelhafte Rankings und Stimmungsmache entscheiden über die Existenz oder den Bankrott von Menschen, Firmen und zuweilen sogar von Staaten.

Wäre es nicht intelligent, ein Land wie Russland mit seinen Erfahrungen und seiner Geschichte an den Überlegungen zu beteiligen, wie man diesen Fehlentwicklungen begegnen kann? Was wäre denn, wenn man gemeinsam nach Antworten auf Fragen suchen würde, die Deutsche, Russen und viele andere gleichermaßen beschäftigen? Die humane und zivilisierte Bewältigung des demografischen Wandels gehört auch dazu. Ein Problem, das durchaus das Potenzial hat, den Frieden zu gefährden, nicht nur den sozialen.

Es hat einen gewissen Sinn, sich auf Fehlersuche zu begeben. Wer hat zu welchem Zeitpunkt die falschen Weichen gestellt? Der Sinn besteht darin, die gleichen Fehler nicht noch einmal zu machen. Aber ich denke, wir haben keine Zeit, uns allein mit der Vergangenheit zu beschäftigen und nach Schuldigen zu fahnden. Das vorherrschende Bild vom alleinigen "Bösewicht" Russland ist jedenfalls zu einfach. Doch was nützt es, bloß akribisch aufzulisten, wer wann worauf reagiert und damit seinen Teil zur Eskalation beigetragen hat? Jetzt geht es vor allem darum, aus der Sackgasse, in der die Welt - warum auch immer - gelandet ist, möglichst schnell und heil herauszufinden. Und das geht nur zusammen mit Russland, dem größten Land der Erde, das sich über elf Zeitzonen erstreckt.
Even playing Donald Rumsfeld Steve Carell can’t resist from laughing. vicemovie stevecarell {0:36}

Daniel Fort
Am 08.01.2019 veröffentlicht 
Steve Carell laughing

Bildquelle: TIME RUSSIA'S OTHER PLOT VLADIMIR PUTIN WANTS TO INFLUENCE MORE THAN ELECTIONS INSIDE HIS GROWING EMPIRE OF ROGUE STATES (Simon Shuster, Meme, 07.04.2019)

siehe dazu auch:
- Faktenfreie Qualitäts-Hetze im ARD-Faktenfinder (Post, 06.02.2019)

Liberalism 'has outlived its purpose' — President Putin speaks exclusively to the Financial Times {6:42 – Start bei 0:47}

Financial Times
Am 27.06.2019 veröffentlicht 
Russian President Vladimir Putin speaks to FT editor Lionel Barber about foreign affairs and relations with the UK in an exclusive interview at the Kremlin ► Subscribe to FT.com here: http://bit.ly/2GakujT ► Subscribe to the Financial Times on YouTube: http://bit.ly/FTimeSubs For more video content from the Financial Times, visit http://www.FT.com/video

Putin im Video ab 1:06:
»Die regierenden Eliten haben sich von den Menschen losgesagt.«

Where's My Parachute? - Catch-22 (3/10) Movie CLIP (1970) HD [2:19]

Movieclips
Am 23.11.2011 veröffentlicht
weitere Angaben: s.u.

Catch-22 (4/10) Movie CLIP - I'm Desperate (1970) HD [2:40]

Movieclips
Am 23.11.2011 veröffentlicht
Catch-22 movie clips: http://j.mp/1BcPxTS
BUY THE MOVIE: http://amzn.to/sW9BrI
Don't miss the HOTTEST NEW TRAILERS: http://bit.ly/1u2y6pr
CLIP DESCRIPTION:
When Yossarian (Alan Arkin) is injured, his desperation to leave the military is increased.
FILM DESCRIPTION:
Director Mike Nichols and writer-actor Buck Henry followed their enormous hit The Graduate (1967) with this timely adaptation of Joseph Heller's satiric antiwar novel. Haunted by the death of a young gunner, all-too-sane Capt. Yossarian (Alan Arkin) wants out of the rest of his WW II bombing missions, but publicity-obsessed commander Colonel Cathcart (Martin Balsam) and his yes man, Colonel Korn (Henry), keep raising the number of missions that Yossarian and his comrades are required to fly. After Doc Daneeka (Jack Gilford) tells Yossarian that he cannot declare him insane if Yossarian knows that it's insane to keep flying, Yossarian tries to play crazy by, among other things, showing up nude in front of despotic General Dreedle (Orson Welles). As all of Yossarian's initially even-keeled friends, such as Nately (Art Garfunkel) and Dobbs (Martin Sheen), genuinely lose their heads, and the troop's supplies are bartered away for profit by the ultra-entrepreneurial Milo Minderbinder (Jon Voight), Yossarian realizes that the whole system has lost it, and he can either play along or jump ship. Though not about Vietnam, Catch-22's ludicrous military machinations directly evoked its contemporary context in the Vietnam era. Cathcart and Dreedle care more about the appearance of power than about victory, and Milo cares for money above all, as the complex narrative structure of Yossarian's flashbacks renders the escalating events appropriately surreal. Confident that the combination of a hot director and a popular, culturally relevant novel would spell blockbuster, Paramount spent a great deal of money on Catch-22, but it wound up getting trumped by another 1970 antiwar farce: Robert Altman's MASH. With audiences opting for Altman's casual Korean War iconoclasm over Nichols' more polished symbolism, the highly anticipated Catch-22 flopped, although the New York Film Critics Circle did acknowledge Arkin and Nichols. Despite this reception, Catch-22's ensemble cast and pungent sensibility effectively underline the insanity of war, Vietnam and otherwise.
CREDITS:
TM & © Paramount (1970)
Cast: Alan Arkin, Anthony Perkins
Director: Mike Nichols
Producers: John Calley, Martin Ransohoff, Clive Reed
Screenwriters: Joseph Heller, Buck Henry
WHO ARE WE?
The MOVIECLIPS channel is the 20pxst collection of licensed movie clips on the web. Here you will find unforgettable moments, scenes and lines from all your favorite films. Made by movie fans, for movie fans.



Merke: Man sieht, was man will.
Aber: Warum sollten sie was lernen?

aktualisiert am 13.09.2019

Sonntag, 13. März 2016

Ungleichheit in Deutschland: Das Libuda-Prinzip

In der Großen Koalition wird viel über den Kampf gegen Altersarmut und soziale Spaltung geredet - aber nur wenig getan.
Wenn es gilt, ein Herz für den kleinen Mann zu zeigen, lassen sich die Politiker hierzulande ungern überbieten. Höhere Reichen- und Vermögensteuern fordert die Linkspartei. Ein Solidarpaket für die ärmere deutsche Bevölkerung verlangt SPD-Chef Sigmar Gabriel. Und die CDU debattiert über eine "Deutschlandrente" im Kampf gegen die Altersarmut. Glaubt man ihren Parolen, sind Deutschlands Politiker Lobbyisten der Unterschicht.

Seltsam nur, dass sich das in der Praxis kaum niederschlägt, wie jetzt Marcel Fratzscher nachweist, der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. In einem neuen Buch*, über das vorab Der SPIEGEL berichtet, beschreibt er den vermeintlichen Sozialstaat Deutschland als eines der "ungleichsten Länder der industrialisierten Welt". Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung besitzen fast zwei Drittel des Vermögens. In kaum einem anderen Land haben es Niedrigverdiener schwerer, in höhere Einkommensklassen aufzusteigen. "Die soziale Marktwirtschaft", schreibt Fratzscher, "existiert nicht mehr."

Das Urteil mag etwas überzogen sein, aber dass der Ökonom eine der bedenklichsten Fehlfunktionen im deutschen Sozialsystem aufspießt, ist unübersehbar. In kaum einem anderen Land wird so viel umverteilt wie in der Bundesrepublik, aber fast nirgendwo sonst kommt so wenig dabei heraus. Steuern und Abgaben liegen auf Rekordniveau, aber die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig verringert. Stattdessen wird Etikettenschwindel betrieben, und zwar seit Jahren.

mehr:
- Ungleichheit in Deutschland: Das Libuda-Prinzip (Michael Sauga, SPON, 13.03.2016)

mein Kommentar:
es kommt wenig dabei heraus? Darüber dürfte sich streiten lassen!
Die Frage ist, was dabei herauskommt.
Was kommt dabei heraus, wenn zwei Finanzminister hintereinander mehrere Jahre lang untätig den Cum-cum/Cum-Ex-Geschäften zusehen? Nichts? Nee…

siehe auch:

Oberbiehl: Die schönste Treckerbrücke Deutschlands

Extra 3 vom 09.03.2016 | extra 3 | NDR [30:09]

Veröffentlicht am 10.03.2016
Interview mit Rezept TTIP Egohahn; Die Brücke ins Nichts; Reporter Rollo: Frauen und die Gleichberechtigung; extra 3 mischt sich ein: Der Fall Volker B. und vieles mehr - Christian Ehring zeigt den Irrsinn der Woche.

www.x3.de
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Japan: Gericht schaltet AKW ab

Schwerer Rückschlag für Atomlobby zum Fukushima-Jahrestag. In Japan laufen nur noch zwei Reaktoren
Pünktlich zum Jahrestag der dreifachen Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima, die sich heute zum fünften Mal jährt, müssen Japans AKW-Betreiber und die regierende Rechte einen neuen Rückschlag einstecken. Die Japan Times berichtet, dass am Mittwoch ein Gericht die Genehmigung für den Neustart der beiden Reaktoren Takahama 3 und 4 aufgehoben hat. Damit laufen in Japan nur noch zwei Reaktoren und die Bemühungen rund zwei Dutzend der stillstehenden Atommeiler wieder ans Netz zu bringen erhielten einen empfindlichen Rückschlag.

Wie berichtet, war Takahama 3 erst im Januar wieder hochgefahren worden. Reaktor Nummer 4 hätte bereits folgen sollen, doch kam es dort zu einem Kühlwasseraustritt. Das Leck konnte zunächst nicht gefunden werden. Ein ähnliches Problem war im letzten Jahr auch bei einem der beiden jetzt laufenden Reaktoren im AKW Sendai aufgetreten. Diese stehen übrigens am Fuße eines Vulkans.

Gegen das Urteil vom Mittwoch ist Revision möglich, allerdings müssen die Reaktoren zunächst einmal wieder abgeschaltet werden. Der Rechtsweg wird auf jeden Fall viele Monate in Anspruch nehmen. Im letzten Jahr war schon mal eine Neustartgenehmigung, für die beiden Takahama-Reaktoren, von einem Gericht kassiert worden

Die Urteilsbegründung von Mittwoch könnte derweil für andere Fälle in dem erdbebenreichen Land von großer Bedeutung sein, sollte das Urteil nicht von einer höheren Instanz aufgehoben werden. Die Richter folgten nämlich der Ansicht der Kläger, dass die Betreiber ihre Angaben über Erdbebenwahrscheinlichkeiten und Schadensausmaße nicht ausreichend begründet haben. In der Vergangenheit hatte sich wiederholt gezeigt, dass japanische AKW nicht ausreichend gegen starke Erdbeben abgesichert sind.

mehr:
- Japan: Gericht schaltet AKW ab (Wolfgang Pomrehn, Teleplis, 11.03.2016)

siehe auch:
- Fukushima: Nicht einmal für Roboter betretbar (Post, 11.03.2016)


Investigativer Journalismus wird gebraucht

Auftakt zum Logan CIJ Symposium zu investigativem Journalismus in Berlin


In Berlin begann heute die zweitätige Konferenz The Logan CIJ Symposium internationaler investigativer Journalisten. In seiner Keynote konstatierte P. Sainath, die wichtigsten Storys unserer Zeit kämen von außerhalb des konventionellen Medienbetriebs, etwa von WikiLeaks. Zwar griffen die Medien solche Nachrichten auf, doch die Enthüllungen selbst stammten eher von Aktivisten, während Journalisten zu Stenographen reduziert seien. Die Medien seien Corporate Media.

Seinen Befund belegte P. Sainath anhand der Situation in Indien, wo sich die Verlage und TV-Stationen in der Hand von wenigen Superreichen befänden. So hatte der Journalist 2015 eine unerwünschte Reportage über insgesamt 300.000 Suizide von Bauern recherchiert, die aufgrund ihrer Armut ihrem Leben ein Ende setzten. Obwohl mit 800 Millionen die Landwirtschaft die größte Branche sei, käme Kritik am Agrarbusiness in der indischen Presse nicht vor. Der Neoliberalismus habe zur Privatisierung etwa von Wasser geführt. Während die verarmte Bevölkerung nur erschwerten Zugang zu Wasser habe, badeten die Superreichen in diesem Grundnahrungsmittel in protzigen Swimmingpools auf verglasten Balkons. Um in Indien Pressefreiheit zu unterdrücken, bemühe man ein 180 Jahre altes britisches Gesetz der einstigen Kolonialisten.

Auch andere Sprecher bestätigten seinen Befund, dass die interessantesten Enthüllungen von außerhalb des etablierten Journalismus stammten. So wurde etwa der britische Undercoverpolizist Mark Kennedy von Aktivisten enttarnt. Als andere wichtige Quelle wurde das National Security Archive der George Washington University genannt, das regelmäßig freigegebene Akten veröffentlicht. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass Whistleblower Edward Snowden seine Informationen zunächst nicht über die konventionelle Presse leakte, sondern hierzu eine politische Filmemacherin ansprach.

mehr:
- "We need investigative journalism, and we need to investigate journalism" (Markus Kompa, Telepolis, 11.03.2016)
siehe auch:
- Logan Symposium: Consequences of Investigative Reporting (FORA.tv)


FDP diskutiert Volksabstimmung über BR-Austritt aus der ARD

Maßnahme könnte bayerischen Gebührenzahlern Geld sparen
Daniel Föst, der Generalsekretär der bayerischen FDP, hat dem Branchenprotal Meedia offenbart, dass sein Landesverband darüber diskutiert, ein Volksbegehren über Kündigung des Rundfunkstaatsvertrags durch den Freistaat Bayern und einen Austritt des Bayerischen Rundfunks aus der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) ins Leben zu rufen. Ein Kurzgutachten, das der Landesverband dazu anfertigen ließ, kam zum Ergebnis, dass solch ein Volksbegehren rechtlich zulässig wäre.
Anlass der Diskussion und des Gutachtens ist Föst zufolge die Einsicht, dass es "keine Möglichkeit [gibt], den öffentlich-rechtlichen Rundfunk über den klassischen parlamentarischen Weg zu reformieren". Solch eine Reform sei jedoch nötig, weil der Rundfunkstaatsvertrag den Bürgern Fösts Worten nach "einen völlig aufgeblähten, überdimensionierten, kartellähnlichen, ineffizienten und qualitativ schlechten Öffentlich Rechtlichen Rundfunk" aufzwingt. Das "träge" und "viel zu teure" Gebührenfernsehen setzt seiner Meinung nach "völlig falsche Schwerpunkte wie billige Unterhaltung und den Kauf überteuerter Sportrechte".

Tatsächlich geriet der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland in den letzten Jahren unter anderem wegen der mangelnden Qualität von Degeto-Fernsehspielen und anderen Programmen, Moderatorengehältern von zum Teil über 500.000 Euro jährlich, Intendantengehältern von mehreren 100.000 Euro jährlich und Anspruch auf bis zu 12.000 Euro Rente monatlich und der hohen Zahl der 22 TV- und 70 Hörfunksender mit 16 Orchestern, acht Chören und doppelten Kamerateams bei Sport-Großereignissen im Ausland in die Kritik.

Ein reformierter Rundfunk, so der bayerische FDP-Generalsekretär, würde die Bürger nur die Hälfte der derzeit zu zahlenden Gebühren kosten, mehr "Bildung, Information, Politik und Kultur" und sich nicht auf Quoten konzentrieren. Ein bayerisches Volksbegehren würde seiner Ansicht nach die Diskussion darüber bundesweit befördern - vor allem "dann, wenn sich Initiativen in anderen Bundesländern anschließen".

mehr:
- FDP diskutiert Volksabstimmung über BR-Austritt aus der ARD (Peter Mühlbauer, Telepolis, 11.03.2016)

Die Infragestellung unseres Standard-Narrativs

David C. Korten über die Notwendigkeit einer neuen Erzählung, um sich vom "heiligen Geld" und der Macht der Konzerne zu lösen
Ein Blick in die Nachrichten zeigt: Hört die eine Krise auf, übernimmt die nächste. Die Erklärungskraft der Weltwirtschaft definiert nicht wenige dieser Krisen - durch eine funktionierende Wirtschaft können Revolutionen verhindert werden, so der geläufige Sermon der Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik. Eine prosperierende Ökonomie schaffe Sicherheit, Stabilität und Wohlstand.

David C. Korten arbeitete mehr als 30 Jahre in führenden Wirtschafts-, Wissenschafts- und Entwicklungsinstituten, bevor er sich vom Establishment abwendete. Er machte seinen Doktor der Wirtschaft an der Stanford University Graduate School of Business. Heute ist er Mitbegründer des YES! Magazins und Vorsitzender der New Economy Working Group.

Im Phänomen-Verlag erschien Ende 2015 sein neues Buch Change the Story, Change the Future. Weltsichten und ökonomischer Wandel. Korten plädiert für einen Narrationswechsel: Statt einer Story des heiligen Geldes und Marktes wäre es an der Zeit, von der lebendigen Erde zu sprechen. Im Telepolis-Interview geht er auf die Eckpunkte dieses Story-Turns ein. Was kommt nach der Narration der Krise?

mehr:
- Was kommt nach der Krisenerzählung? (Dominik Irtenkauf, Telepolis, 12.03.2016)
Unsere derzeitige Wirtschaft arbeitet vor allem mit der Annahme, dass wir konsumgetriebene, geldgierige Roboter sind, die auf einem toten Felsen leben. Dieser Weg führt uns in den Konsum als eine willkommene Ablenkung von unserer Bedeutungslosigkeit und Einsamkeit, dass wir uns einbilden können, wir wären bewusste Lebewesen.

Wenn wir mit dieser tieferen Erzählung beginnen, würden wir das gesamte Abenteuer der Schöpfung als einen Prozess des Lernens, der Individuation und der Kreativität hin zu einer größeren Komplexität, Bewusstheit, Schönheit und Möglichkeiten wahr- und ernstnehmen. Dann realisieren wir, dass wir Teil eines viel Größeren sind. Wir können eine Bedeutung finden, uns wieder mit anderen Menschen verbinden und vor allem auch ein neues Verhältnis zu den Kräften der Erde eingehen, wovon unsere Existenz letztlich abhängig ist. […]
Ich glaube, der Schlüssel für eine Befreiung von der Herrschaft der Konzerne ist eine authentische Erzählung. Je tiefer man sich mit unserer Realität beschäftigt, mit der Hilfe unserer fortgeschrittenen Wissenschaften, desto klarer wird die authentische Erzählung. Die tiefsten Erklärungen für die Gründe, warum wir hier sind, woher wir kommen und wie unser ganzes Leben funktioniert, befinden sich jenseits unseres menschlichen Verständnisses, sogar die Avantgarde der Wissenschaften versteht das nicht völlig. Was ich in meinem neuen Buch darzulegen versuchte, war, diese Erzählung in einem eher zugänglichen Rahmen zu präsentieren. Was mir die größte Hoffnung für die menschliche Zukunft schenkt, ist die Tatsache, dass diese Geschichte im menschlichen Herzen wohnt. Wir werden mit ihr geboren.  […]
Doch selbst die Menschen in Machtpositionen sind bis zu einem gewissen Grad Gefangene dieses Systems. Es fasziniert mich hierbei, dass wir alle miteinander verbunden sind und wir erzogen werden, uns mit der Kultur zu arrangieren, in der wir leben. Jene Menschen leben in einer ziemlich anderen Kultur, die das heilige Geld und den heiligen Markt in den Fokus rückt, was sie in ihrem Glauben bestätigt, sie seien diejenigen, die Wohlstand schaffen. Geld bedeutet Wohlstand, Geldverdienen schafft Wohlstand und die Superreichen verdienen unser besonderes Lob und höchste Anerkennung. Dies ist aber falsch. Meine Hoffnung setzt darauf, dass immer mehr Menschen diese Erkenntnis selbst machen. Sie sind bereit für eine neue Geschichte.  
Das existierende System hat nur so viel Energie, wie wir ihm leihen. Wenn wir unsere Lebensenergie zurückhalten, und sie stattdessen in den Wiederaufbau unserer Gemeinschaften investieren, in den Aufbau unserer eigenen Wirtschaftssysteme, können wir die Energie über unsere Lebenszusammenhänge wieder zurück erlangen. Mit jedem Schritt, den wir in diese Richtung machen, ziehen wir unsere Lebensenergie aus einem Mangelsystem zurück und übertragen diese zur Schaffung eines neuen Systems, das auf einer authentischen Beziehung zu unseren Mitmenschen und zur lebenden Erde gegründet ist, der Gemeinschaft des Lebens, die die Konditionen schafft und aufrecht erhält, die für die Existenz unseres Lebens essenziell sind.  

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Korten benutzt zwei Modelle um das Verhältnis des Menschen zur Erde zu beschreiben, das „Cowboy“- und das „Raumschiff“-Modell. Dem „Cowboy“-Modell nach betrachten die meisten Menschen die Erde als ein unerschöpfliches Reservoir an Rohstoffen um die menschliche Spezies zu versorgen und dass diese Ressourcen stetig erneuert werden. In Wirklichkeit ähnelt die Erde laut Korten mehr einem „Raumschiff“ in dem die Ressourcen weitaus stärker begrenzt sind und in der sich der Mensch fortlaufend bemühen muss, diese aktiv zu erneuern und zu erhalten. (David Korten, Wikipedia)

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Hartmann: Conversations with Great Minds - David Korten, The Great Turning. P1 [14:32]

Hochgeladen am 31.10.2011
For tonight's Conversations with Great Minds - Thom is joined by David Korten. David is an economist, author, and former Professor of the Harvard Business School. His political activism has made him a prominent critic of corporate globalization. His 2006 book "The Great Turning: From Empire to Earth Community" argues that the development of empires about 5,000 years ago initiated unequal distribution of power and social benefits to a small portion of the population.
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David Korten: From Serving Money to Serving Life: A Sacred Story for Our Time [1:19:38]

Veröffentlicht am 05.05.2015
When we get our story wrong, we get our future wrong. Much like the Trans-Pacific Partnership "trade deal", everything we are told about capitalism and our economy is a pack of lies. Time for a new story, says preeminent scholar and critic of corporate globalization, David Korten, the best-selling author of When Corporations Rule the World and The Great Turning. David has a brand new book, Change the Story, Change the Future - a Living Economy for a Living Earth. He is the co-founder and board chair of YES! Magazine, co-chair of the New Economy Working Group, founder and president of the Living Economies Forum (formerly the People-Centered Development Forum), a member of the Club of Rome, and a former board member of the Business Alliance for Local Living Economies (BALLE) and associate of the International Forum on Globalization.

This Earth Day address was recorded April 22, 2015 at Seattle University Pigott Auditorium.

mein Kommentar:
ethisches Leben erfordert viele kleine Entscheidungen, deren Konsequenzen Anstrengung ohne sofortige Belohnung nach sich ziehen. Die Oligarchen der Welt werden begierig darauf sein, ihr Handeln zu korrigieren.

siehe:
- Die drei Geistesgifte als Motor des Lebensrades (Post, 13.03.2016)

Freitag, 11. März 2016

Was ist Armut? – Der Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes

Der Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes trifft auf hartnäckige Verständnisbarrieren
Das Armutskonzept des Armutsberichts des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes führt immer wieder zu Verwirrung, auch in den sogenannten Qualitätsmedien. Arm ist, wer weniger als 60% des Medianeinkommens zur Verfügung hat. Die inhaltliche Begründung der Verbände für dieses Konzept ist einfach: Armut bedeutet in jeder Gesellschaft etwas anderes. Deshalb braucht es eine relative Definition.

Dazu s.a. das Telepolis-Gespräch mit Ulrich Schneider, dem Vorsitzenden des Paritätischen Wohlfahtsverbands: "Soziale Ungleichheit wird als Gesellschaftselixier gepriesen"


Die Grenze von 60% des Medianeinkommens hat sich bewährt. Unterhalb dieser Marge ist keine kulturelle Teilhabe an der Gesellschaft möglich. Dieses Konzept benötigt etwas Hintergrundwissen und Nachdenken, damit es verständlich wird. Der Bericht hat sich in diesem Jahr bemüht, diesem Bedürfnis gerecht zu werden und ein ausführliches Kapitel vorangestellt, in dem die Methodik vorgestellt und erklärt wird. Doch das fruchtet nicht bei allen, es gibt auch in diesem Jahr hartnäckige Verständnisbarrieren. Ich will im Folgenden versuchen, einige dieser Blockaden zu lösen. Guido Kleinhubbert hat auf Spiegel-Online den Armutsbericht einer unsäglichen Polemik unterzogen. Wer über Armut in Deutschland redet, betreibt das Geschäft der Rechtsradikalen, da er Ressentiments schürt! Bettina Hammer hat auf Telepolis alles politisch Notwendige dazu formuliert (Pssst, nicht über die Armut in Deutschland reden, bitte!). Ich kann mich also auf die methodischen Bemerkungen von Guido Kleinhubbert konzentrieren.
mehr:
- Was ist Armut? Probleme mit der Prozentrechnung (Christoph Stein, Telepolis, 09.03.2016)

siehe auch:
- Sozialverband: Der gefährliche Blues vom bitterarmen Deutschland (Guido Kleinhubbert, SPON, 23.02.2016)
- Deutschland: Die oberen zehn Prozent besitzen 52 Prozent des Vermögens (SPON, 25.01.2016)
- Erbschaftsteuer: Deutschland lässt sich Milliarden entgehen (Nicolai Kwasniewski, SPON, 19.01.2016)
- Globalisierungstheoretikerin Saskia Sassen (Post, 10.03.2016)
- Maschmeyer: Schmarotzer mit Heiligenschein (Post, 04.03.2016)

Fukushima: Nicht einmal für Roboter betretbar

Es geht kaum voran mit der Aufarbeitung des Unfalls, in die Reaktoren, in denen sich Kernschmelze ereignet hat, kommen weder Menschen noch Roboter
Zwei Tage vor dem fünften Jahrestag des Fukushima-Unglücks ordnete ein Gericht in der Shiga-Präfektur an, dass die Reaktoren 3 und 4 des Takahama-AKW in der benachbarten Präfektur Fukui wieder ausgeschaltet werden müssen. Sie gehörten zu den ersten, die nach dem Unglück wieder hochgefahren werden durften, nachdem sie als sicher erklärt worden waren. Das Gericht befand jetzt, der Betreiber Kansai habe nicht genauer dargelegt, inwieweit die zwei Reaktoren nach den neuen Sicherheitsstandards aufgerüstet wurden, um einen Blackout zu überstehen oder um eine Evakuierung bei einem Unfall durchführen zu können. Kläger und Anwohner gaben ihre Freude vor dem Gericht zum Ausdruck.

Kansai will zwar der gerichtlichen Anordnung Folge leisten, aber dagegen klagen. Schon im April 2015 hatte ein Gericht aufgrund von Sicherheitsversprechen Einspruch erhoben, die Reaktoren wieder anfahren zu lassen. Die seit Dezember 2012 amtierende japanische Regierung unter Shinzo Abe drängt darauf, möglichst schnell viele AKW wieder an den Start zu bringen, in der Bevölkerung herrscht weiterhin großenteils nach dem Fukushima-Unglück Skepsis. Japan war lange Jahre atomstromfrei. Erst letztes Jahr gingen die ersten Reaktoren wieder in Betrieb. Reaktor 3 des Takahama-AKW war am 29. Januar 2016 wieder gestartet, Reaktor 4 war zunächst wegen eines Lecks erst später angefahren worden und startete am 26. Februar. Nach 3 Tagen war der Betrieb aber nach einer Panne schon wieder am Ende. Jetzt also muss auch Reaktor 3 wieder vom Netz. In Betrieb sind in ganz Japan damit wieder nur die zwei Reaktoren im AKW Sendai, die im August 2015 angefahren wurden. Kurzzeitig war auch Reaktor 1 des AKW Ōi 2012 wieder angeschaltet worden, ein Gericht entschied aber 2014, dass Reaktor 1 und 2 nicht wieder hochgefahren werden dürfen. Das AKW könnte über einem aktiven Erdbebenspalt liegen.

mehr:
- Fukushima: Nicht einmal für Roboter betretbar (Florian Rötzer, Telepolis, 11.03.2016)

FUKUSHIMA - Nuklearkatastrophe - 2016 Doku - Ultra HD [1:17:22]

Veröffentlicht am 12.10.2015
Nuklearkatastrophe - FUKUSHIMA - 2015

Fukushima und die Wahrheit hinter dem SuperGAU[DOKU Deutsch HD] [52:20]

Veröffentlicht am 13.10.2013
Doku über die wahre Geschichte des Atomunglücks von Fukushima(Japan).

siehe auch:
- „Maulkorb für die WHO“ (Felix Werdermann, Interview mit Alex Rosen, IPPNW, der Freitag, 11.03.2016)
- Kosten für die Ewigkeit (Felix Werdermann, der Freitag 08.03.2016)
- Inkonsequente Atompolitik (Anika Limbach, der Freitag, 19.02.2016)

Polen: Kampf um die Sprache – Kampf um die Deutungsmacht?

Das "Institut für Nationales Gedenken" geht nicht nur gegen Lech Walesa vor, der neue Generalstaatsanwalt kündigt hartes Vorgehen an 

Auf dem Warschauer Chopin-Flughafen herrschte am Freitag vor einer Woche Verwirrung unter den vielen Journalisten. Fernsehkameras wurden auf die Stative auf und wieder abmontiert: Kommt nun Lech Walesa hier von seiner langen Amerikareise an - oder nicht?

In seiner Abwesenheit wurde der Solidarnosc-Begründer mit einem Aktenfund belastet, der ihm Spitzeltätigkeit in den 1970er Jahren zugunsten des Inlandgeheimdienst SB vorwirft.

Meldungen machen die Runde, dass er doch in Danzig landen solle, ein paar Busse mit seinen Fans haben darum schon abgedreht. Schließlich die Enttäuschung - die Solidarnosc-Legende war gelandet, hat sich durch einen Hinterausgang herausgeschlichen, um den Medienvertretern vorerst auszuweichen.

Grazyna Zajeczkowska, Mitte Fünfzig, die auf dem Flughafen ihre Unterstützung kundtun wollte, ist empört: "Er hat die politische Freiheit in Polen erkämpft, jetzt will sich Kaczynski an ihm rächen." Wie viele liberale Polen glaubt sie, dass die Akten jetzt auftauchen, da die Premierministerin Beata Szydlo ihren Rechenschaftsbericht zu hundert Tagen Regierung ablegt - als Ablenkungsmanöver. Der Chef der Regierungspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) Jaroslaw Kaczynski übt Rache oder er stellt Gerechtigkeit her - bei dieser Frage teilt sich Polen.

mehr:
- Polen: Geschichtspolizeiliche Maßnahmen (Jens Mattern, Telepolis, 10.03.2016)

Ein Volk geht auf die Barrikaden - 30 Jahre Solidarnosc in Polen | Politik Direkt [6:19]

Hochgeladen am 03.09.2010
Es war der 31. August 1980. Der Elektriker der Lenin-Werft, Lech Walesa, unterschreibt die Gründungsunterlagen für Solidarnosc. Innerhalb von nur wenigen Monaten ist rund ein Drittel der erwachsenen Bürger Polens Mitglied in der neu gegründeten Gewerkschaft, die das Machtmonopol der Kommunisten nun in Frage stellt. In Deutschland fällt die Solidarität mit der katholisch geprägten Bewegung aber eher zurückhaltend aus. Und auch die etablierte Politik tut sich in Zeiten der allmählichen Ost-Annäherung schwer mit den Protestlern aus dem kommunistischen Nachbarland.

Polen: Ein rotes Meer [29:00]

Hochgeladen am 24.07.2011
Doku über die Schiffskirche von Nowa Huta, Symbol des Widerstands gegen die kommunistischen Machthaber (2005).

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Unglück oder Attentat? Kaczynski-Absturz spaltet die Polen [2:13]

Veröffentlicht am 10.04.2013
Am 10. April 2010 sterben der polnische Präsident Lech Kaczynski und 95 andere Menschen beim Absturz der Präsidentenmaschine nahe Smolensk - am dritten Jahrestag des Dramas sind die Polen tief gespalten. Viele glauben nicht an die offizielle Version, die einen Pilotenfehler als Unglücksursache ansieht; sie vermuten einen Mordanschlag. Der jetzige Ministerpräsident Donald Tusk ruft die Polen zu Einigkeit auf.

Donnerstag, 10. März 2016

Globalisierungstheoretikerin Saskia Sassen

Die Globalisierungstheoretikerin Saskia Sassen prangert die Probleme der Welt an, enthält uns aber Lösungen vor.
Ja, sie scheint zu torkeln, diese Welt. Wie eine Betrunkene stolpert unsere Gegenwart von Krise zu Krise – aus der Bankenkrise wurde die Griechenlandpleite, aus dem Syrienkrieg die Flüchtlingskrise. Schlag auf Schlag folgen die Erschütterungen, und wenn die Weltpolitik kurz innehält, sind es Terror und Amok, Umweltzerstörung und Klimakatastrophen, die uns den Atem nehmen. Woher aber diese ständigen Umwälzungen? Was genau stimmt hier eigentlich nicht?

Eine drängende Frage, der sich die Soziologin Saskia Sassen widmet. Wie und wo die abstrakte Logik des Politik- und Wirtschaftssystems, sprich: des Kapitalismus, konkret wird, das beschäftigt die Professorin der Columbia-Universität seit mehr als 30 Jahren. Prägnant formulierte sie in ihrem Buch zur "Global City", wie die Finanzzentren der Millionenstädte ähnlich viel oder mehr Macht ausüben als gewählte Regierungen. Zuletzt schrieb sie über das Wesen von Terror und asymmetrischen Kriegen inmitten unserer Großstädte, von Bagdad bis Paris. Machtstrukturen und Geografie zusammenzudenken und so Unsichtbares sichtbar zu machen, das ist Sassens Methode.

Mit dem Blick auf konkrete Orte und Ereignisse will sie auch in diesem Buch die Strukturen fassen, die unsere Gegenwart zerrütten. Als wesentlich betrachtet Sassen das Phänomen der Ausgrenzungen, so der Titel ihres Buchs. Die Armen und die Mittelschicht – sowohl der USA, als auch der Krisenstaaten Europas – werden aus ihren Häusern und Jobs gedrängt. Araber und Afrikaner fliehen vor Krieg und Hunger aus ihren Heimaten. Zeitgleich vernichten Industrie und Vermüllung große Areale intakter Natur und damit Lebensgrundlage für Menschen.

Von "Ungleichheit" zu sprechen, schreibt Sassen, reiche angesichts dieser Zustände nicht. Ausgrenzung sei zur Analyse der treffendere Begriff. Das Wohlstands- und Friedensversprechen von Demokratie und freier Marktwirtschaft gelte für immer weniger anstatt für immer mehr Menschen. Der Reichtum konzentriere sich, während die Armen marginalisiert, getötet oder eingesperrt würden. Was wir erleben, sei "eine neue Phase des Überlebenskampfes". Zugespitzt lautet Sassens These: Was zur Ausbeutung nicht mehr nützt, lässt der Kapitalismus verschwinden, ob Mensch oder Natur.

mehr:
- Saskia Sassen: Unter Räubern (Maria Exner, ZON, 06.03.2016)
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